Kategorie: news

  • Newcomer Dally mit „Nur für dich“: Sommerliche Beats im Winter

    Es ist mal wieder Zeit für eine freshe Newcomer-Vorstellung: Der 21-jährige Dally aus Ludwigsburg veröffentlicht heute seine erste Single „Nur für dich“. Seinen Sound beschreibt er als modernen deutschsprachigen Pop mit R’n‘B- und Hip Hop-Einflüssen. Jule durfte den Song schon vorab hören und teilt hier und jetzt ihre Meinung mit euch.


    Wer mich und meinen Musikgeschmack ein bisschen kennt, der weiß, dass der eben beschriebene Sound nicht unbedingt zu meinem favorite kind of genre zählt. Da mich sein Debütsong aber ziemlich gecatched hat, möchte ich euch Dally heute näherbringen. Allerdings ist er, trotz seines noch sehr jungen Alters, kein unbeschriebenes Blatt in der Musikszene. Unter seinem bürgerlichen Namen Danyiom hat er bereits seit 2014 regelmäßig Songs veröffentlicht (hört euch mal Rollin Round an, lieb ich) und war sogar schon mit Lena auf Tour.

    Ein Sound, der dunkle Stunden erhellen kann
    Dally, Nur für dich, Single, Debüt, Review, Hip Hop, RnB, Deutsch, Pop, Indie, Online, Blog, Blogger, untold, untoldency, Magazine, Magazin


    Aber widmen wir uns mal dem Star des Tages: „Nur für dich“. Der Song beginnt mit einem kurzen dreamigen Intro und geht dann über in einen mich an Oldschool-Reggaeton erinnernden Beat. Dieser Beat geht dann auch sofort ins Ohr – und besonders in die Beine. Ich bekomme sanfte Sommervibes, obwohl ich tatsächlich zu denen gehöre, die die aktuell kalten Monate sehr genießen. Als Dally dann die ersten Zeilen der Strophe singt, offenbart sich mir ein astreiner Ohrwurm. Den von ihm beschriebenen Sound des deutschsprachigen Pops mit R’n‘B- und Hip Hop-Einflüssen kann ich voll und ganz unterschreiben.


    Schließe meine Augen und kann dich sehen
    Du und ich, du und ich
    Nur für dich bring ich diese Welt zum Drehen

    Dally fängt mit „Nur für dich“ nochmal völlig von vorne an. Und das mit 21 Jahren, nachdem er auf eine knapp 7-jährige Karriere zurückblicken kann. Trotzdem (oder gerade deshalb?) klingt der Song jung, frisch, locker. Obwohl man hört, dass hier kein Anfänger am Werk war, klingt es wirklich nach Neuanfang. Auch sein Instagram-Profil sieht aktuell sehr nach a new beginning aus. Dally sagt, dass ihm das Gesamtpaket aus Musik und Visuellem, also Styling, Video und Artwork, sehr wichtig ist. Seine größten Inspirationen sind hier A§AP Rocky, Jaden Smith oder Tyler, The Creator. Also auch das Auge hat allen Grund, gespannt zu sein.

    Dally hat bereits angekündigt, dass „Nur für dich“ erst der Anfang ist. Man sollte ihn daher auf jeden Fall auf dem Radar behalten. Ich bin mir sicher, dass da im Laufe des Jahres noch viel Schönes auf uns zukommen wird.

    Und bis dahin könnt ihr euch hemmungslos dem Ohrwurm des Tages hingeben:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredit: Sebastian Mowka

  • OSKA im Interview: »Diese therapeutische Wirkung hab ich da total gespürt.«

    OSKA im Interview: »Diese therapeutische Wirkung hab ich da total gespürt.«

    OSKA ist eine Newcomerin, die jeder in der österreichischen Musik-Szene auf dem Zettel haben sollte. Aber auch hier wirbelt sie reichlich auf. Im Herbst hat sie den XA – Music Export Award beim Waves Vienna Festival gewonnen und das obwohl sie ihren ersten Song erst Anfang 2020 veröffentlicht hat. Dieser Senkrechtstart zeigt sich auch in ihrer im Januar erschienen Debüt-EP „Honeymoon Phase“: Singer-Songwriter Klänge gepaart mit einer einfach nur schönen Stimme und leichten Indie-Pop Einflüssen. Wir haben sie im Interview und wer bis zum Ende liest, erfährt nicht nur eine Geschichte, die sie so noch nie erzählt hat, sondern auch was man musikalisch dieses Jahr noch so erwarten kann.

     
    OSKA im Interview

    Anna: Dein Jahr ging ja schon richtig gut los: Erst letzte Woche hast du deine Debüt-EP „Honeymoon Phase“ veröffentlicht. Wie fühlst du dich bis jetzt auf deiner Honeymoon Phase?

    OSKA: Ich fühl mich gut! Das war ein Ziel seit ich glaub ich 16 bin, einfach was aufzunehmen und zu veröffentlichen. Ich dachte halt, das ist eher für mich, etwas, worauf ich zurückschauen kann, wenn ich alt bin (lacht). Und jetzt läufts doch irgendwie ganz gut und das freut mich voll, dass es so gut ankommt.

    Anna: Für die Leute, die dich vielleicht noch nicht kennen: Wer steckt hinter OSKA?

    OSKA: Ich komm aus dem Waldviertel, das ist in Österreich, eineinhalb Stunden von Wien entfernt, aus einer musikalischen Familie und daher hab ich eigentlich das Singen und das Musizieren. Ich bin nach Wien, um Straßenmusik zu machen und hab dann dort meinen Produzenten kennengelernt und nehm jetzt meine Lieder auf, was extrem schön ist, dass ich das auch machen darf. Aufgewachsen bin ich mit der Musik meiner älteren Geschwister und meiner Mama, ich fand irgendwie alles cool, was meine ältere Schwester cool fand. Mittlerweile find ich ganz toll die Phoebe Brigders, Julien Baker, Lucy Dacus und so. Bisschen mehr Indie auch mittlerweile.

    Anna: Damit hast du schon die Frage beantwortet, die ich gerade stellen wollte (lacht). Ich wolllt fragen, was dich musikalisch beeinflusst hat auf der Platte. Also alles, was du gerade gesagt hast, kann man da einordnen?

    OSKA: Voll, ich versuche viel zu hören. Eine gute Mischung aus alter Musik und da ein bissl aufzuholen, weil es gibt so viel, und gleichzeitig zu schauen, wer ist neu und macht coole Musik. Da gibt’s ein paar Leute, die mich extrem inspirieren. Ich bin aber auch so, dass ich viel zurückkehre zu den Alben, die einfach mir total viel Kraft geben. Und immer wieder dasselbe hören, das hab ich schon noch oft, aber ja, voll.

    OSKA, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, goodoldoska, maria burger, honeymoon phase
     
    „Ich war im Studio und hatte 38 Fieber“

    Anna: Welche Themen hast du auf Honeymoon Phase verarbeitet?

    OSKA: Es geht viel ums Älter werden und Verluste, um diesen Austausch mit sich selber, ehrlich sein zu sich selber. Also gerade bei dem Lied Honeymoon Phase geht es ja darum, dass man zu diesem Schluss kommt, okay, ich hab das Gefühl, man spielt sich nur noch was vor und ich muss jetzt mal kurz für mich sein und mich erst mal kennen lernen. Und das ist eh so ne Sache, die glaub ich viele Leute in meinem Alter, auch viele Freundinnen, gerade durchgemacht haben. Ich verarbeite eigentlich Dinge, die eben vor allem mir passieren, meiner Familie oder in meinem Umfeld. Es fällt mir schon leichter, persönliche Dinge zu besprechen, weil dann hab ich das Gefühl, ich kann besser drüber reden, wenn‘s auch mich wirklich betrifft.

    Anna: Für mich sticht vor allem Distant Universe als Opener der EP heraus. Es war auch der erste Track, den du von der EP veröffentlicht hast und der viel in deiner Karriere angestoßen hat. Was verbindest du mit dem Song?

    OSKA: Ja, der Song ist für mich schon sehr speziell, eben weil’s der erste war. (überlegt) Ich verbind halt natürlich irgendwie auch eine Person damit, ich verbinde damit aber auch die schöne Zeit im Studio, die wir gehabt haben. Ich denk halt immer an diese Woche zurück, wo wir den Song geschrieben haben. Ich war im Studio, hab einfach 38 Fieber gehabt und war urfertig eigentlich. Bin dann irgendwie heim, und der Johannes, mein Mitbewohner, hat diese Melodie am Klavier gespielt. Ich hab einfach meine Sprachnachrichten aufgemacht und hab diesen Vers gefunden, den ich ein paar Monate vorher am Handy geschrieben hatte. Das hat sich alles sehr rund angefühlt. Aber ja, das ist schon ein besonderer Song für mich, weil mein Label auf mich aufmerksam geworden ist durch den Song und ich bin sowieso ein Mensch, der viel zu viel nachdenkt und gerade so Sachen wie was wäre gewesen, wenn…

    Anna: Ich hab ein bisschen dein Insta gestalkt und da hast du „Misunderstood“ als deinen Lieblingssong gekürt – du hast dich also für eins deiner Babys entschieden: Was macht den Song für dich so besonders?

    OSKA: (schmunzelt) Den hab ich auch genau in der Phase geschrieben und das war auch wieder mit dem Johannes, der hat diesen Gitarrenpart gespielt. Innerhalb von 20 Minuten war der erste und zweite Vers da. Das ist einfach so aus mir rausgefallen. Und dann war in einer Stunde der Song geschrieben, wir sind heimgegangen und haben Game Of Thrones geschaut (lacht). Ich mag auch die Streicher so, das ist halt wirklich ein extrem verletzliches Lied und so ungekünstelt. Was ich da sag auch, pain mit rain zu reimen ist ja eigentlich so bissl… weiß nicht, ob das so cool ist (lacht). Aber ich hab’s in dem Moment einfach nicht hinterfragt, weil es so was Ehrliches gehabt hat irgendwie. Das war in einem Moment, wo’s mir nicht so gutgegangen ist, und da ist mir dann tatsächlich besser gegangen, nachdem ich diesen Song geschrieben hab. Und dieses Verarbeiten und diese therapeutische Wirkung, was Songschreiben hat, das hab ich da total gespürt.

     
    „Rückblickend hatte ich echt ne Krise eigentlich“

    Anna: Wie du ja schon gesagt hast, bist du in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen, hast also früh deinen Weg in die Musik gefunden. Dann hast du mit Distant Universe deinen ersten Song im Februar veröffentlicht und im Herbst den Music Export Award gewonnen. Hättest du je damit gerechnet, dass in so kurzer Zeit (und dann noch im Corona Jahr) schon so viel passiert?

    OSKA mit dem XA Award

    OSKA: Ich hab gar nicht mit gerechnet… Jetzt auch rückblickend, ich hatte echt ne Krise eigentlich. Da war ich grad mit dem Label im Gespräch und hab drüber nachgedacht, was es eigentlich bedeutet, ein Label zu haben. Und dann kam halt diese Nominierung. Ich hab gedacht „boah cool, das gewinn ich!“ (lacht) und dann ein paar Wochen später ist rausgekommen, wer da alles nominiert ist, und ich hab mir gedacht „ja ok nein, ich gewinn das nicht!“ (lacht). Aber war gleichzeitig auch so, boah extrem cool, dass ich mit diesen Leuten nominiert bin. Dann war sogar die Überlegung, nachdem ich erfahren hab, wer da alles nominiert ist, dass ich gar nicht teilnehm, weil ich war wirklich einfach fest davon überzeugt, dass da jemand anderer gewinnt. Und dann hab ich gewonnen und ich habs einfach gar nicht glauben können. Also das war richtig, richtig arg für mich. Hat mir aber Motivation auch gegeben, weiterzumachen.

    Anna: Glückwunsch dann nochmal nachträglich! Vielleicht auch ein anderes Highlights aus 2020: die Zusammenarbeit mit Stu Larsen. Wie ist das zustande gekommen und wie war das für dich?

    OSKA, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, musicbyoska, maria burger, stu larsen, honeymoon phaseOSKA, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, musicbyoska, maria burger, stu larsen, honeymoon phase

    OSKA: Stu ist auch bei dem Label Nettwerk, kommt aus Australien und ist halt einfach ein extrem cooler Musiker und Mensch. An dem Wochenende mit dem Award ist er von Berlin gekommen und hat meine ganzen Freunde kennengelernt. Wir sind zusammengesessen, haben Bier getrunken und dann am nächsten Tag haben wir das Lied aufgenommen. Wir haben genau einen Tag Zeit gehabt, aber es hat sich irgendwie angefühlt, als wäre er eine Woche dagewesen, weil einfach so viel passiert ist an diesem Wochenende. Es ist einfach was Schönes, in einen Raum reinzugehen, irgendwas zu machen und dann rauszugehen am Abend und es ist was da, was davor nicht da war. Das ist eigentlich das ärgste für mich am Musik machen. Und voll, also wir sind echt befreundet jetzt mittlerweile, was voll schön ist, dass wir danach im Kontakt geblieben sind. Also es ist ein absolutes Highlight aus 2020. Auch diesen Abend, wo ich das gewonnen habe, ich glaub, das war der schönste Abend in 2020 und dass alles irgendwie ein einem Wochenende passiert… Es ist so lustig, wie schlecht es einem gehen kann für ein paar Monate und dann dreht sich alles innerhalb von zwei Tagen, das ist irgendwie schon cool.

     
    „Das wird wahrscheinlich Anfang 2022 ein Album ergeben“

    Anna: Jetzt hast du 2021 perfekt mit dem Release deiner EP gestartet. Gibt’s vielleicht schon was, was für dieses Jahr noch geplant ist und auf das du dich freust?

    OSKA: Es kommt jetzt eigentlich laufend neue Musik von mir, ich glaub, alle 6-8 Wochen. Die nächste Single kommt am 26. Februar, die heißt Lousy T-Shirt, ein Song, den ich letztes Jahr geschrieben hab nach einem Beziehungsende. Das einzig Positive an diesem Beziehungsende, dieser Song (lacht). Freu ich mich voll drauf, was die Leute zu sagen, weil den mag ich wirklich gern. Ich werd an Musikvideos arbeiten, ich hab grad viel Zeit, und voll, soll einfach laufend was kommen. Das wird sich dann auch so wie bei Honeymoon Phase, wo die Lieder einzeln released worden sind und dann irgendwann eine EP ergeben haben, wird das dann halt wahrscheinlich Anfang 2022 ein Album ergeben. Also es kommen jetzt das Jahr wahrscheinlich sieben neue Songs.

    Anna: Zum Schluss haben wir eine etwas andere Frage. Gibt es vielleicht eine Geschichte hinter einem Song, zu der Entstehung oder Ähnliches, die du so noch nie erzählt hast? Ganz untold sozusagen noch.

    OSKA: Lass mich nachdenken, ich muss ehrlich sagen, in letzter Zeit erzähl ich urviel (lacht und überlegt). Ich find eine ganz coole Geschichte, die sehr persönlich ist und die hab ich auch erst in einem anderen Interview erzählt. Es gibt dieses Distant Universe Musikvideo mit diesem Alien, das hab ich gedreht 2019 im Dezember. Ich hatte damals einen Freund, wir waren in einer sehr langen Beziehung, und er hat dieses Alien gespielt. Wir haben zwei Drehtage gehabt und da war eine Woche dazwischen und innerhalb dieser Woche haben wir uns getrennt.

    Anna: Oh no.

    OSKA: Ja… Das, was eben in diesem Video passiert, ist in meinem echten Leben passiert, also dieses ganze Leiden für die Kunst, das war ein ganz neues Level. Am am Schluss, das war einer der letzten Szenen, die wir gedreht haben, wo dieses Alien wegfährt mit dem Rad, da hab ich nicht weinen können. Das hab ich noch nie erzählt! Ich habs nicht geschafft, zu weinen, die haben darauf gewartet, dass ich wein, und dann hat der David, das ist mein Exfreund, gesagt gebt uns kurz einen Moment, und dann haben wir kurz geredet und er hat sich halt wirklich verabschiedet von mir. Das war halt irgendwie urlieb von ihm, weil es mir dann voll geholfen hat und für uns beide auch irgendwie ein Abschied war. Also diese Tränen am Schluss, das war halt auch wirklich echt. Sehr persönliches Musikvideo auf jeden Fall.

    Anna: Oh man, danke für’s Sharen!

     

    Hier gibt’s die Debüt-EP „Honeymoon Phase“:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Foto s/o an: Tim Cavadini und Fabian Edelbacher

  • SPERLING im Interview: »Man fühlt sich verstanden und weniger allein.«

    SPERLING im Interview: »Man fühlt sich verstanden und weniger allein.«

    „Die meisten Vögel ziehen über den Winter in wärmere Gefilde. Der Sperling jedoch bleibt und harrt aus, bis es wieder wärmer wird.“

    Die Band SPERLING bezieht ihren Bandnamen aus genau dieser Charaktereigenschaft. Sie verarbeiten mentale Rückschläge, innere Dämonen und alle Zweifel, die namensgebend waren für ihr Debütalbum. Musikalisch sind sie ein Muss für alle Heisskalt-Fans, die sich wieder nach ehrlicher Rockmusik sehnen, die auch trostspendend ist. Anna hat mit ihnen über ihr heute erschienenes Debütalbum „Zweifel„ gesprochen, die Produktion und welchen Song sie als erstes live spielen wollen, wenn es wieder möglich ist.  

     
    SPERLING im Interview

    Anna:  Hey ihr, cool, dass ihr euch die Zeit nehmt! Wie geht’s euch, seid ihr gut ins neue Jahr gerutscht?

    SPERLING: Hey Anna, uns geht’s gut soweit! Wir sind natürlich sehr aufgeregt bei dem Blick auf das jetzt vor uns liegende Jahr. Bei uns steht viel an und wir hoffen darauf, dass der Release unseres Debütalbums so läuft, wie wir uns das gedacht haben.

    Wir sind alle gut in das neue Jahr gekommen, nur natürlich viel stiller als normalerweise. Bei uns ist es inzwischen eine Tradition, dass wir Silvester als Band zusammen feiern. Malte und Luca haben um Weihnachten herum Geburtstag und wir sehen uns da einfach immer. Das ist halt leider alles ausgefallen, was natürlich mega schade war. Aber das ist natürlich nicht das Ende der Welt. Wir müssen halt gerade alle gegenseitig auf uns und unsere Mitmenschen aufpassen – und vielleicht klappt das Feiern am Ende dieses Jahres ja wieder. Und „nicht feiern können“ ist ja sowieso eher ein Luxusproblem.

    Anna: Als kleine Vorstellung für diejenigen, die euch noch nicht kennen: Wer steckt hinter „Sperling“ und was für Musik macht ihr?

    SPERLING, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, sperling, zweifel, wirsindsperling, sperlingbandSPERLING: Wir sind fünf Jungs aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis und machen Rapmusik kombiniert mit Indie- und Post-Hardcore-Elementen sowie einem Cello. Uns gibt’s seit 2013, allerdings damals noch unter anderem Bandnamen. Als 2015 dann Max am Bass zu uns kam, waren wir komplett und sind es bis heute. Wenn wir über unseren Sound reden, dann würden wir uns als eine Art Mischung aus Casper-ähnlichem Sprechgesang gepaart mit Fjørt-mäßigen Post-Hardcore-Wänden beschreiben. Wir stehen auf viel Wärme und Breite in unserem Sound, außerdem lieben wir den Reverb und den hölzernen Klang des Cellos.

     
    „Was uns wirklich am schwersten fiel, war auf die Auftritte verzichten zu müssen.“

    Anna: „SPERLING“ ist ja noch ganz frisch – im Mai letzten Jahres erst habt ihr euch für den neuen Bandnamen entschieden und damit ein ganz neues Kapitel aufgemacht. Wie war das letzte Jahr für euch, wie habt ihr all das wahrgenommen?

    SPERLING: Es war natürlich keine leichte Aufgabe einen Bandnamen abzulegen, den wir schon so lange mit uns tragen. Aber wir sind sehr froh, dass wir es gemacht haben! Wir können jetzt vollkommen hinter diesem Namen stehen und sind glücklich, dass unser erstes Album nun endlich unter unserem neuen Namen veröffentlicht wird.

    Das letzte Jahr war für uns kein leichtes Jahr. Ein neues Kapitel aufzumachen dauert seine Zeit und braucht viel Platz für Diskussionen. Man verbindet viele Erinnerungen mit dem alten Namen, aber es ist letztendlich auch nur ein Begriff. Wir selbst formen daraus, was er bedeuten soll. Wir sind ja immer noch dieselben. Außerdem hat sich unser Release um fast ein ganzes Jahr verschoben, und somit natürlich unser gesamter Zeitplan. Was uns wirklich am schwersten fiel, war auf die Auftritte verzichten zu müssen. Wir als Musiker lieben nichts mehr als draußen vor Leuten unsere Musik zu spielen und mit unserem Publikum und unserer Crew eine gute Zeit zu haben. So etwas lässt sich auch durch Livestreams leider nicht ganz ersetzen – auch wenn es natürlich eine gute Alternative war, um wenigstens irgendetwas spielen zu können.

    Diese gewonnene Zeit haben wir aber auch genutzt, um uns neu aufzustellen. Wir haben die genialen Leute vom Label Uncle M und der Booking-Agentur Kingstar kennen gelernt und sind super glücklich mit ihnen zusammenzuarbeiten. Auch unser Musikverlag Kick The Flame ist mit ins Boot gerutscht. Mit ihnen allen konnten wir unseren Release komplett neu aufrollen.

     
    „Die Produktion des Albums war für uns eine sehr intensive Zeit.“

    Anna: Davor hattet ihr schon Singles und EPs draußen, aber jetzt kommt das Debütalbum „Zweifel“. So ein Release fühlt sich ja nochmal ganz anders an. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie aufgeregt seid ihr, es in die Welt zu lassen?

    SPERLING: Wir würden sagen, es ist schon eine 9! Wir sind schon sehr aufgeregt und freuen uns total darauf! Wir arbeiten seit fast zwei Jahren an diesem Album und es ist ein seltsames und auch großartiges Gefühl, es den Menschen endlich zeigen zu können.

    SPERLING, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, sperling, zweifel, wirsindsperling, sperlingbandDie Produktion des Albums war für uns eine sehr intensive Zeit. Wir haben uns viele Wochenenden alleine im Proberaum eingeschlossen. Aber auch mit unserem Produzenten Beray Habip haben wir viel Zeit, Mühe und auch Liebe in dieses Album gesteckt. Wir sind jetzt einfach nur froh, es endlich veröffentlichen zu können. Wir haben eine Woche vor der Produktion mit Beray ein Wohnmobil und ein großes Zelt aufgestellt und an den Songs geschraubt. Danach ging es dann mit ihm ins Studio und wir wussten so genau, was zu tun ist. Es war eine unfassbar produktive und gute Zeit.

    Bei unseren beiden EPs war das damals eine ganz andere Sache. Auf deren Veröffentlichungen hatten wir uns nicht großartig vorbereitet, obwohl die Freude und der Spaß beim Produzieren natürlich auch da waren. Jetzt haben wir uns aber, wie gesagt, lange und intensiv vorbereitet und in Zukunft auch noch einige coole Sachen in der Rückhand. Eine Tour und Shows für 2021 sind ebenfalls geplant. Da können wir zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nichts Festes zu sagen, da wir natürlich alle nicht wissen, wie sich das Jahr so entwickeln wird.

     
    „Es gibt Sachen, die man nicht hinter Metaphern und Bildern verstecken kann“

    Anna: Welche Themen verarbeitet ihr auf „Zweifel“? Und was steckt hinter dem Albumtitel?

    SPERLING: Unsere Texte beschäftigen sich hauptsächlich mit dem, was in unseren Köpfen vor sich geht. Unsere Geschichten handeln oft vom Zweifeln und daher kommt auch der Albumtitel. Der „Zweifel“ steckt einfach in jedem Song mit drin. Es geht um die Zweifel an uns selbst, unseren Entscheidungen, unserer Zukunft, und an der Gesellschaft an sich. Das allerdings auch immer mit dem Zeigefinger auf uns selbst, da wir ja selbst Teil dieser Gesellschaft sind.

    Es gibt Sachen, die man nicht hinter Metaphern und Bildern verstecken kann, aber auch nicht für sich behalten will. Der Entstehungsprozess des Albums war deshalb keine leichte Aufgabe für unseren Leadsänger Jojo. Er musste sich intensiv mit seinen Dämonen beschäftigen, die in den Texten verarbeitet werden. Für uns persönlich war es immer ein großer Trost in einem Song zu hören, wie jemand genau das beschreibt, was in einem selbst vorgeht. Man fühlt sich verstanden und weniger alleine. Es hat uns geholfen, das Chaos in unseren Köpfen zu sortieren. Genau das wollen wir auch mit unseren Texten erreichen. Wir möchten gerne ein Sicherheitsnetz sein für diejenigen, die sich genauso fühlen, um ihnen zu zeigen, dass alles oft nur halb so schlimm ist. Man kann mit jeder Schwierigkeit und jedem Problem fertig werden.

    Anna: Habt ihr einen Moment während des Albumprozesses, der besonders prägend war oder an den ihr euch gerne zurückerinnert?

    SPERLING: Was einen Song betrifft, da fällt uns spontan Mond ein. Normalerweise ist es so, dass unser Gitarrist Malte ein grobes Instrumental für unsere Songs schreibt oder schon ein paar ausgearbeitete Ideen hat, die dann im Proberaum zum fertigen Song werden. Die Texte schreibt Jojo dann in der Regel auf das fertige (oder halbfertige) Instrumental. Bei Mond war es jedoch so, dass Jojo den fertigen Text schon geschrieben hatte und ihn erst mal nur für sich behielt. Es war der bis dahin persönlichste und auch emotionalste Text, den er bisher geschrieben hatte. In einer unserer Proben hat Max dann zufällig eine Bass-Melodie gespielt, eigentlich nur um den Sound zu testen. Jojo fiel aber direkt der Text ein, der perfekt darauf gepasst hat. In dieser Nacht ist dann Mond entstanden und heute ist er einer unserer Lieblingssongs auf dem Album.

    Anna: Ihr als Band lebt ja, kann ich mir vorstellen, auch gerade für das Live-Auftreten. Wenn das wieder möglich ist, gibt es ein Lied, worauf ihr euch besonders freut, das dann live zu spielen?

    SPERLING, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, sperling, zweifel, wirsindsperling, sperlingbandSPERLING: Wir freuen uns eigentlich auf alle Songs. Wir haben im Moment sogar Bock, die Songs zu spielen, die wir schon seit fünf Jahren spielen, einfach um nochmal live auftreten zu können. Aber wenn wir uns entscheiden müssten, freuen wir uns auf die Songs am meisten, die wir noch nie live gespielt haben. Es ist fast schon ein wenig seltsam, all diese Songs, die wir schon seit so langer Zeit kennen und fertig haben, immer noch nicht live gespielt zu haben. Wir hoffen einfach, dass es bald wieder möglich ist und wir endlich wieder auf eine Bühne dürfen.

    Anna: Unsere Schlussfrage geht ein bisschen abseits der Musik: Welches Buch habt ihr zuletzt gelesen, dass euch so gut gefallen hat, dass ihr es hier weiterempfehlen könnt?

    SPERLING: Wir empfehlen „Metro 2033“ und auch die beiden Fortsetzungen. Es ist ein russisches Buch und spielt im postapokalyptischen Moskau, bzw. in den U-Bahntunneln von Moskau, da die normale Welt so starker Strahlung ausgesetzt ist, dass sie unbegehbar geworden ist. Die Geschichte erzählt von einem jungen Mann namens Artjom, der seine persönliche Reise quer durch die Metro in Moskau bestreiten muss. Die Geschichte und ihre Welt ist wahnsinnig düster und zeigt gut die Abgründe der postapokalyptischen Menschheit. Es gibt auch einige Parallelen zu unserer Zeit. Alternativ ist auch die Hörbuchversion fantastisch. Ist vielleicht nicht für jeden was, aber wer auf dieses Genre steht, ist mit dieser Geschichte bestens bedient.

     

    Hört hier ins neue Album „Zweifel“ rein:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit: Simon von der Gathen und David Neff

  • Exklusive Videopremiere: Santans und „Mesa Verde“

    Exklusive Videopremiere: Santans und „Mesa Verde“

    Die erste Videopremiere in 2021 geht an niemand anderes als Alles-Könner und DIY-King (ganz knapp hinter Fynn Kliemann) Santans. Musiker, Producer, Videographer, Grafiker, Promoter – Chris Scott Pham ist alles. Neben seiner Band Color Comic hat Chris mit Santans nun auch sein Soloprojekt wieder zum Leben erweckt und macht da, wie sollte es anders sein, auch alles selbst. Mesa Verde ist die zweite Singleauskopplung seiner im Februar erscheinenden EP ttt – time to think.

     
    „Isolation puts me in a cage with my oldest enemy.”

    Doch alles selbst machen trägt auch seine Konsequenzen mit sich. Überarbeitet, erschöpft und konfrontiert mit kreativen Blockaden und Selbstzweifeln startet er Anfang 2020 mit seinem Film-Projekt YSEASONS einen Neubeginn. Doch kaum vier Monate später hatte auch dieser Neubeginn ein jähes Ende – ein Sturz, Hirn-OP und Intensivstation waren die Folge. Aus dieser Zeit und vor allem aus dieser aufgezwungenen Ruhe seiner Genesung brachte Chris sein Solo-Projekt Santans wieder auf den Weg. Ganz persönlich und intim nimmt er uns damit auf die Reise zurück zu sich selbst.

    Santans, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, mesa verde, yseasons, chris scott, chris scott pham, santans santansUnd diese Reise führt in dem Musikvideo zum neuen Song in den Nationalpark Colorado mit dem Namen Mesa Verde. Santans nimmt die Ästhetik des Nationalparks mit in den Süden von Bayern und inszeniert dort inmitten der Natur den Kampf mit dem eigenen Teufel. Anfangs noch sehr entspannt auf dem steinigen Boden liegend, erblickt Santans im kleinen Handspiegel die teuflische Version seiner Selbst – dämonisch grinsend und mit weißer sandiger Farbe bedeckt. Doch im Spiegel soll sich sein innerer Dämon nicht lange verstecken. Wie in Horrorfilmen, einmal im Spiegel gesehen, ist der Schritt zur realen Begegnung nicht weit. Zur zweiten Strophe dann betritt die mit weiß bedeckter Farbe teuflische Personifikation Santans die ästhetische Berglandschaft. Und wenn ich ästhetisch sage, mein ich auch ästhetisch. Berge und Tannen harmonieren mit den Farben der Protagonisten und alles scheint eins.

    Ein Tanz mit den Dämonen

    Doch kurz zum Inhaltlichen, auch wenn man viel aus dem Video herauslesen kann. Mesa Verde handelt von dem Verlust zu seinem Selbst und dem Suchen nach dem eigentlichen Zuhause. Wenn man sich selbst verliert, wo fühlt man sich dann noch wohl? Wo gehört man hin?

    Santans thematisiert die Konfrontation mit den eigenen Dämonen und dass beide schwer voneinander zu trennen sind. Man ist ständig im Kampf mit ihnen, versucht vor ihnen wegzurennen, sie zu ignorieren. Und doch sind sie da und in Zeiten, in denen es einem sowieso nicht so gut, gewinnen sie vielleicht die Oberhand. Mesa Verde zeigt dieses tanzende Zusammenspiel im roten Rauch, zwei Seiten, die man nicht voreinander trennen kann.

    Doch genug mit bedeutungsvollen Metaphern und ästhetischen Bildern. Zum musikalischen: Mit ruhigen Gitarrentönen eröffnet Mesa Verde zu einem dreamigen Indiesong. Dann setzen Bass und Gitarre ein und geben dem ganzen eine bouncige, jazzige Struktur. Als Santans mit der ersten Strophe einsteigt, ist eine ganze Minute vergangen und ich bin jetzt schon Riesen-Fan des Riffs und Mesa Verde. Das Lied bricht immer wieder mit der Struktur, die Indie-Gitarren kommen wieder, erklingen vor leerem Raum und legen sich dann mit allem zusammen. Musikalisch passiert hier echt so einiges. Der Song befindet sich stetig im Wandel, zwischen ruhigen Gitarrenparts und aufbrechenden taktgebenden Bassriffs liegen nur ein paar Sekunden. Chris, i can see what you did here. Mesa Verde ist sowohl auf lyrischer und visueller als auch auf musikalischer Ebene ein Tanz mit den eigenen Dämonen.   

    Und damit schließe ich den dann doch sehr ausführlichen Aufsatz und lege euch das Video von Mesa Verde ans Herz. Und Santans, den natürlich sowieso.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen
     

    © Luca Kraus und Janine Brömse

  • Melancholischer Januarstart mit Mei River und „On My Own“

    Melancholischer Januarstart mit Mei River und „On My Own“

    Wir sind Mei River schon lange eine ausführliche Empfehlung schuldig. Der Singer-Songwriter aus Schweden, der eigentlich Fredrik Eriksson heißt, macht einfach nur wunderschöne Musik. Letztes Jahr mit seiner Debüt-EP „Tall Trees Never Fall“ hat er sich schon auf unseren Radar geschlichen und seine neuste Single „On My Own“ hat dann den entscheidenden Stupser gegeben. Hier für euch nun endlich in einer ausführlichen Review.

     
    On My Own schleicht sich in nur zehn Sekunden in mein Herz

    Ganz inspiriert von der weltumgreifenden Pandemie, hat sich Mei River eine Gitarre geschnappt und einen Song über die Angst vor dem Alleinsein geschrieben. Passt also genau in die winterliche Lockdown-Mood, in der wir alle notgedrungen schwelgen. Draußen schneits, drinnen ballert die Heizung und die Lichterketten hängen auch noch. Vielleicht habt ihr euch einen Kakao zur Feier des Tages gemacht oder knabbert noch an übrig gebliebenen Lebkuchen von Weihnachten. Gedankenverloren macht ihr Spotify an (wir haben vielleicht bald genau die richtige Playlist dafür) und dann kommt On My Own. Die akustische Gitarrenmelodie wird sich ihren Weg in eure Herzen in genau 10 Sekunden schleichen. Zupfend öffnet sie ein paar Türen und späht erst hinein. Und dann ist Mei River auch schon drin.

    Bevor ich mich ganz in gemalten Bildern von Herzen verlieren, komm ich vielleicht wieder zum Musikalischen zurück. On My Own beginnt sehr stripped down und mit nur einem taktgebenden Bass im Hintergrund. Mei Rivers Stimme legt sich sanft drüber und wickelt mich in einen Schlafsack aus Chor, hoher gezupfter Gitarrentöne und melodischen Strophen.

    I don’t know who I wanna be

    I don’t know where to go

    felt like I’ve lost myself

    Es geht um die innere Leere der Ungewissheit, wer man selbst ist und wo man eigentlich hinwill. Mei singt aber auch von der Angst mit dieser Ungewissheit alleine zu bleiben. Mitten in einer Pandemie ist es nicht einfach, sich in einer Existenzkrise zu verlieren und sich dann eben nicht einsam zu fühlen.

    Mei River, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, meiriver, tall trees never fall, on my own, untold music

    Nach eineinhalb Minuten gibt es einen kleinen Twist, Mei steigt aus seiner gesungenen Liedmelodie aus und schwere Klavierakkorde erheben sich. Alles wird ein bisschen lauter und bleibt trotzdem in dem musikalisch vorgesteckten Feld von On My Own. Das macht den Song zum Ende hin nicht nur noch mal richtig interessant, sondern gibt mir auch alles, was ich von einer melancholischen Januarballade erwarte. Kombiniert ist es einfach nur wunderschön.

    I’m feeling ways

    don’t know what to say

    Baby I’m so alone

    Hört hier in On My Own rein. Und wenn’s euch gefällt, dann hört auch in seine EP Tall Trees Never Fall rein, denn Mei kann auch ziemlich guten Indie-Pop. Aber alles natürlich mit der sanften Mei River Note. Und davon soll es dieses Jahr auch noch mehr geben, so munkelt man.

     

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚

    Fotocredit: Columbia

  • shame und ihr zweites Album „Drunk Tank Pink“

    shame aus South London ist längst kein Geheimtipp mehr. Nach ihrem erfolgreichen Debüt 2018 veröffentlicht die Post-Punk Band den Nachfolger „Drunk Tank Pink“ beim Label Dead Oceans. Und dieses Album erwischt mich wie der Schneeball von Justin aus der vierten Klasse, den ich nicht kommen sah. Es ist eiskalt und kribbelt, während es langsam wieder warm wird und sich irgendwie gut anfühlt.

    Für viele Junge Musiker und Bands, die mit ihrem Debütalbum Erfolg hatten, ist das zweite Werk eine große Herausforderung. Es sollte innovativ sein, aber an die altbewährten Sounds anknüpfen. Und oft muss es schnell gehen, denn Label und Fans warten sehnsüchtig. shame hat sich dieser Herausforderung gestellt und einen absoluten Brecher an den Start gebracht, der das Debüt „Songs of Praise“ in vielen Punkten in den Schatten stellt.


    Von 100 auf 0

    Ich muss schon sagen, ich habe offensichtlich eine Schwäche für rüpelhafte englische Bands wie shame. Ich mag wie sie fluchen, jammern und traurige Angelegenheiten so stark verzerren, dass man am Ende darüber lachen möchte. Obwohl es überhaupt nicht komisch ist.

    Was diese Band auf ihrem zweiten Album antreibt sind Themen wie Identitätskrisen, Realitätsverlust und Psychosen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass diese fünf Jungs seit ihrem 16. Lebensjahr nichts anderes machen, als durch die Welt zu touren und eine unfassbar hohe Anzahl an Konzerten zu spielen. Die Corona-Pandemie hat sie in einer gewissen Art und Weise zurück auf den Boden der Tatsachen geholt und diese Gefühle haben sie eindrucksvoll in „Drunk Tank Pink“ verarbeitet. Der Opener, der passenderweise „Alphabet“ heißt, gibt die Richtung der folgenden elf Tracks vor. Treibendes Schlagzeug und ein ebenso treibender, dröhnender Basslauf. Dieses Ensemble eingebettet in einen Noisefloor mit kurzen, akzentuierten Gitarren. Und textlich kann ein Album wahrscheinlich auch kaum schöner beginnen:

    „Now what you see is what you get,
    and I still don’t know the alphabet“

    Mit diesen Worten bringt shame die Maschinerie ihres neuen Werks ans Laufen. Ein Motor, den man nicht mehr abstellen will, auch wenn die giftigen Gase dieser schwerwiegenden Themen langsam durch den Schlauch am Fenster ins Auto dringen.


    It’s about silence

    Wenn man shame einmal live gesehen hat oder die Streams von KEXP kennt, merkt man, wie viel Energie diese fünf Musiker aufbringen können. Umso schwerer vorzustellen, dass diese Energie von jetzt auf gleich ausgebremst wird und sich der Alltag radikal ändert. Im Song „Nigel Hitter“, der erst vor wenigen Tagen als letzte Single released wurde, singt Sänger Charlie Steen eben von diesen Problemen. Alles, was für uns Normalos wie das Alltäglichste der Welt scheint, muss neu entdeckt und gelernt werden. Die Faszination verschiebt sich. Im Instrumental spiegelt sich diese Verschiebung in rhythmischen Überlagerungen der Gitarren wider, die von Drums und Bass gekontert werden. Spätestens jetzt wird deutlich, wie sehr sich die Band musikalisch gewandelt hat und wie vielschichtig ihr neuer Sound geworden ist.

    An Zeilen wie diesen merkt man, wie kaputt sich diese Band gemacht hat. Dazu sagt Steen selbst:

    „You become very aware of yourself and when all of the music stops, you’re left with the silence. And that silence is a lot of what this record is about.”

    Dass die Musiker von shame überanstrengt und müde waren, ist nach bis zu 300 Konzerten pro Jahr wohl nachvollziehbar. Trotzdem haben sie es offensichtlich geschafft, zu neuen Kräften zu kommen. Und als perfekt eingespielte Band unglaublich gute neue Musik zu schreiben. Das beweist auch der nächste Song „Born in Luton“, der nach meiner Interpretation die Schwierigkeiten des „Irgendwo-Ankommens“ und „Zuhause-Seins“ versinnbildlicht.

    „Buzzer’s broken, I guess I’ll just wait,
    No umbrella and it’s starting to rain,
    There’s never anyone in this house“


    Rosa beruhigt die Nerven

    shame, Drunk Tank Pink, postpunk, postrock, british, south london, album, review, untoldency, untold reviews, alphabet, nigel hitter, born in luton, march day, water in the well, snow day, human for a minute, great dog, 6/1, harsh degrees

    Die Songstrukturen auf „Drunk Tank Pink“ sind ebenfalls deutlich komplexer geworden im Vergleich zu ihrem Debüt „Songs of Praise“, wahrscheinlich in Analogie zu shames inneren Gefühlswelt. Bei „Born in Luton“ ändert sich das Tempo mitten im Song und leitet einen epischen, Post-Hardcore-artigen Downtempo Part ein, der einen ganz tief in den Sessel drückt. Wie ein nervender Wecker-Jingle kommt folgend der Song „March Day“ daher. Verspielte Gitarren, ineinander verzahnt und verwurstet plus die unangenehme aufgesetzte Fröhlichkeit in der Stimme von Charlie Steen sorgen für ein hyperaktives Hörbild. Ironischerweise geht es im Text darum, nicht schlafen und runterkommen zu können. Ich werde schon fast irre, wenn ich den Song ein paar Mal hintereinander höre, die Kulisse stimmt also.

    „In my room, in my womb,
    Is the only place I find peace,
    All alone, in my home,
    Yes I still can’t get to sleep“

    „Womb“, also Gebärmutter, nennt die Band die kleine Abstellkammer, in der sich Charlie Steen zurückgezogen hat, um die Texte des neuen Albums zu schreiben. Angeblich in einem Rosa-Ton gestrichen, der auch die Nerven von Insassen einer Ausnüchterungszelle beruhigen soll, ist diese kleine Kammer für mich das ganze Album über gut vorstellbar und sehr präsent. Daher rührt wahrscheinlich auch der Albumtitel, „Drunk Tank Pink“.

    Mit „Water in the Well“ schließt die erste Hälfte des Albums ab und lässt mich sprachlos und sabbernd zurück. „Water in the Well“ ist ebenfalls schon vorab als Single erschienen und ich habe es so dermaßen abgefeiert wie keinen anderen Song in letzter Zeit. Ich glaube immer noch, das ist einer der besten Songs, die ich je gehört habe. Hier wird das ganze Kompositions-Genie der Band deutlich. Trotz der relativ kurzen 03:08 Minuten besteht das Stück aus verschiedenen Parts, und jeder Part kommt mit einer neuen Idee um die Ecke. Die Art und Weise, wie shame überleiten und die Parts miteinander verknüpfen ist so außergewöhnlich gut, davon werde ich wirklich süchtig. Die Instrumentierung des Songs erinnert mich außerdem auch an eine meiner Lieblingsbands, nämlich die Talking Heads, die auf diesem Album öfter mal als Einfluss zu vernehmen sind.


    How do we deal with reality?

    Düster und unheilvoll leitet „Snow Day“ die zweite Hälfte ein. Der shame-typische Spoken Word-Stil kommt hier perfekt zur Geltung, wenn Steen uns mit einer unheimlichen Stimme von Realitätsängsten und Fieberträumen erzählt.

    „And everything comes together at once,
    It looks like the ocean,
    And you wanna just dive in“

    Zwischendurch lockern funkige Gitarren das Stimmungsbild etwas auf. Die auf dem ganzen Album außergewöhnlich ausgefeilte Rhythmik der Musik rückt auch hier wieder in den Vordergrund und beendet den Song anders als zunächst vermutet. Das Stück „Human for a Minute“ könnte von der erst kürzlich gescheiterten Beziehung Steens handeln. Die besonders tiefe emotionale Ebene aller Texte auf dem Album kommt hier noch mal richtig zur Geltung, begleitet von dem insgesamt ruhigsten Instrumental. Das mit nicht mal zwei Minuten sehr kurze Stück „Great Dog“ versprüht eine spritzige Punk-Attitüde und leitet in den Song „6/1“ über, der von Identitätsproblemen und Selbstzweifeln handelt.

    „I pray to no God,
    I am God“

    Mit Konventionen brechen

    shame, Drunk Tank Pink, postpunk, postrock, british, south london, album, review, untoldency, untold reviews, alphabet, nigel hitter, born in luton, march day, water in the well, snow day, human for a minute, great dog, 6/1, harsh degrees

    Besonders prägnant sind hier die klingelnden Gitarren und deren frische Sounds. An solchen Stellen hört man gut, dass Sean Coyle-Smith, einer der beiden Gitarristen, keine Lust mehr auf „langweilige“ Gitarrenmusik hatte.

    „For this album I was so bored of playing guitar. The thought of even playing it was mind-numbing. So I started to write and experiment in all these alternative tunings and not write or play in a conventional ‘rock’ way.”

    Außerdem wird in diesem Song nicht nur die eigene Identitätskrise angesprochen, denn die Band merkte im Schreibprozess schnell, dass dieses Thema nicht nur sie selbst beschäftigt, sondern ihre ganze Generation. Dazu Coyle-Smith:

    „It didn’t matter that we’d just come back off tour thinking, ‚How do we deal with reality!?’… I had mates that were working in a pub and they were also like, ‘How do I deal with reality!?’ Everyone was going through it.”

    Nach „ Harsh Degrees“, das sich chaotisch und noisy aufbäumt und den Kontrollverlust durch eine Marionetten-Metapher verkörpert, folgt auch schon der letzte Streich von „Drunk Tank Pink“. Der Song „Station Wagon“, übersetzt etwa „Kombi“, beginnt leise mit einem Bassriff und steigert sich über die Länge des Songs in ein lautes und ausartendes Getöse, das einem Hören und Sehen vergehen lässt. Charlie Steen schreit am Ende in kompletter Ekstase seine rhetorische Rede ins Mikrofon und lässt mich verstört zurück. Und ich verstehe zwar kaum ein Wort, aber ich glaube ihm jedes Einzelne.


    Fazit

    Ihr habt wahrscheinlich gemerkt, dass ich nicht ganz so kühl und neutral bleiben konnte. „Drunk Tank Pink“ hat das Potenzial für einen Klassiker und ich bin gespannt, was diese Band als nächstes macht. Für mich ist dieses Album perfekt. Punkt.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Fotocredit: Sam Gregg

  • Blackout Problems im Interview: »Die Vorzeichen standen noch nie schlechter.«

    Blackout Problems im Interview: »Die Vorzeichen standen noch nie schlechter.«

    Blackout Problems werden eurer 2021 aufrütteln. Mario, Marcus, Michi und Moritz (ich nenn sie manchmal die vier M’s) kommen aus München und sollten eigentlich schon auf eurem Radar sein. Wenn nicht, dann ist jetzt die perfekte Möglichkeit dazu. Mit ihrem dritten Album DARK haben sie eine Welt des Dark-Pops geschaffen, das nicht nur vom Klangbild überzeugt, sondern auch zu politischen Themen eine Meinung dalässt. Es geht um die Wut über eine Gesellschaft, die unfähig scheint, die Welt zu einem zukunftsfähigen Ort zu machen. Es geht aber auch um die Hoffnung, dass sie es vielleicht doch noch schafft. Eine Flut an Gefühlen von Wut, Verwirrung und Mitgefühl wird verpackt in rockige, laute, treibende aber auch poppige Songs. Die Gemeinsamkeit: alles klingt irgendwie dark.

    2012 gegründet haben Blackout Problems 2018 mit KAOS für mich ein Album veröffentlicht, von dem ich nicht dachte, dass sie es drei Jahre später toppen können. Aber sie können’s. DARK lässt mich von vorne bis hinten Moshpits vermissen wie kaum ein anderes Release in diesen komischen Zeiten. Und oben drauf ist es auch einfach nur schön. Um meine Konzert-Vermissung also ein bisschen zu kompensieren, habe ich mich per Zoom mit Michi, dem Drummer der Band, getroffen. Wir haben lange und ausführlich um alles rund um’s Album geredet. Aber auch Fan-Fragen haben hier ihren Platz gefunden und am Ende gibt’s sogar ne Buchempfehlung. Ist also ein Lesen wert.  

     
    Blackout Problems im Interview

    Anna: Hey! Cool, dass das geklappt hat. Wie bist du ins neue Jahr gekommen?

    Michi: Hey! Ich hab Silvester mit meiner Freundin verbracht und wir haben auch echt gar nichts gemacht, einfach den Abend mit was Schönes zu Essen auf der Couch verbracht. Sie ist tatsächlich um zehn vor 12 eingeschlafen (lacht), ich hab sie nochmal geweckt, ihr ein gutes Neues gewünscht und bin dann auch kurze Zeit später eingeschlafen. Es war also sehr unspektakulär, was ich überhaupt nicht schlimm finde. Ich fands aber am nächsten Tag schlimmer, dass man einfach diesen sozialen Entzug so merkt. Vor allen an Silvester war’s doch bei mir zumindest jedes Jahr so, dass wir so 6-7 Personen an einem Ort waren. Das dann zu realisieren, dass das einfach fehlt, war hart.

    Anna: Ja, das stimmt… In guten News aber: Ihr veröffentlicht jetzt euer neues Album „DARK“. Wie fühlst du dich dabei? Fühlt sich der Release anders an als die davor?

    Michi: Boah ja, definitiv. Aus ganz vielen Gründen. Ich glaub, der offensichtlichste ist der, dass wir nicht unterwegs sein können. Das ist so ein riesen Teil unserer Band, deswegen ist das total komisch, das Album rauszubringen und kein direktes Feedback zu bekommen. Bei KAOS waren wir ja fünf Tage in Folge unterwegs und haben in so ganz kleinen Clubs gespielt. Das war total schön und auch wichtig für uns als Band. Und dass wir das jetzt nicht machen können, ist total komisch und super scheiße. Es ist einfach ne ziemlich harte Zeit für alle und es hat noch nie so sehr an uns gezehrt, ne Platte rauszubringen. Die Vorzeichen standen einfach noch nie schlechter (lacht). Aber das macht nichts, weil wir so einen krassen Drang verspürt haben, diese Songs zu releasen.

     
    „Es war gar keine Zeit, irgendwie zu rasten“

    Anna: Ich verfolg euch seit euerm letzten Album, KAOS. Das war 2018, seitdem ist viel passiert. Wie habt ihr eure Entwicklung der letzten zwei Jahre wahrgenommen?

    Michi (überlegt): Ich find‘s schwierig, weil keiner von uns hatte Zeit, mal kurz aus der Blase auszusteigen und das irgendwie zu checken, was wir da eigentlich alles gemacht haben. Wir sind noch so tief drin in diesen Kosmos, den wir uns selbst aufgebaut haben, dass noch niemand ernsthaft mal draufgucken und das als Ganzes begreifen konnte. Nach der letzten KAOS-Tour Show, das war im Dezember 2018, sind wir eine Woche später auf ‘ne Hütte gefahren und haben direkt neue Songs geschrieben. Das heißt, es war auch gar keine Zeit irgendwie zu rasten. Für mich ist es deshalb auch gar keine so krasse Entwicklung, sondern einfach nur eine Weiterführung von der Entwicklung, die wir eh schon seit Tag 1 durchmachen.

    Blackout Problems, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, blackout problems, blackys, dark, dark days, untold stories

    Anna: Ich durfte schon reinhören und find’s einfach richtig gut. Es klingt treibender, definitiv wütender und fast schon explosiv. Trotzdem sind auch einfach nur schöne Songs mit dabei. Wie waren der kreative Prozess und das Erarbeiten des Konzepts von DARK?

    Michi: In vielen Bands ist es ja so, dass jeder seinen Einfluss mitreinbringt. Da unsere Einflüsse aber teilweise so konträr und unterschiedlich sind, würde das Prinzip bei uns gar nicht funktionieren. Deswegen haben wir gesagt, „hey, lass für uns einen Begriff versuchen zu definieren, lyrisch und musikalisch, uns innerhalb von dieser Welt ausleben und da unsere Persönlichkeiten mit reinbringen“. Und da lag uns „dark“ irgendwie sehr nah. Anstatt also zu sagen, jeder bringt 25% von seinem Einfluss mit rein und wir gucken, was da bei rauskommt, haben wir eher geguckt, was wollen wir kollektiv machen? Was fühlen wir alle gemeinsam, wo können wir uns gemeinsam hinbewegen? Das war eher so die Herangehensweise bei DARK.

     
    „Murderer war super als erstes Lebenszeichen!“

    Anna: Ihr behandelt auf dem Album mehrere politische Forderungen – mehr Kampf gegen den Druck von rechts und mehr Kampf gegen den Klimawandel. Es scheint, als würden sich die Probleme immer weiter zuspitzen und es MUSS gehandelt werden. War das die wichtigste Message, die ihr mit dem neuen Album rüberbringen wolltet?

    Michi: Für mich ist das alles so der Spiegel, den man als Künstler oder Musiker der Gesellschaft vorhalten kann, wenn man das will. Und das ist ja das, was wir machen. Wir gucken, was passiert, und das beeinflusst uns, wie es jeden Menschen auf der Welt auch beeinflusst. Ich glaub, die wichtigste Message von DARK ist einfach die, dass sich niemand komplett immun machen sollte gegen das, was auf der Welt passiert. Und wenn es Sachen gibt, die gerade brennen, wie die Klimakrise oder der Druck von rechts, wie du sagst, dann wär‘s uns am allerliebsten wenn die Leute das als Ansporn nehmen, um sich ein bisschen zu informieren und fragen, hey warum sind denn deren Ansichten so krass oder warum wird’s bei Murderer so beim Namen genannt? Uns ist einfach nur wichtig, dass man nie aufhört, zu denken und nicht sagen kann, das geht mich eigentlich gar nichts an.

    Anna: Habt ihr euch deshalb auch für Murderer als erste Single-Auskopplung entschieden?

    Michi: Ja…, den haben wir zwei Mal verschoben tatsächlich. Wenn man guckt, wann das Attentat auf Walter Lübke war… (überlegt und setzt neu an). Wir wollten es natürlich so nah wie möglich an dem Ereignis rausbringen. Deswegen sollte das die erste Single sein. Und weil wir den auf der Royal Republic Support-Tour gespielt haben und darauf sehr, sehr gute Resonanzen bekommen haben, aus komplett Europa irgendwie. Egal, wo wir den gespielt haben, war es immer „ey, das ist ein geiler Song!“ Das kann auch daran liegen, dass wir den immer als letzten gespielt haben, aber trotzdem war es für uns so das Gefühl, dass der Song was Besonderes ist. Er hebt sich irgendwie ab und war deshalb super als erstes Lebenszeichen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Anna: Das Musikvideo ist geprägt von Blut und verstörenden Bildern – ich find’s sehr eindrucksvoll.

    Michi: (lacht) Und es funktioniert auch super bis auf Tik Tok! Tik Tok mag sowas nicht, ist richtig krass.

    Anna: Ist es direkt gebannt worden?

    Michi: Nee, das nicht, aber die Reichweite wurde extrem eingeschränkt. Richtig, richtig witzig. Deswegen haben wir’s auch bisschen aufgegeben, unsere Inhalte auf der Plattform zu streuen, weil die irgendwie zu krass reguliert werden. Kreative Freiheit, nichts wert. Naja. Egal, anderes Thema (lacht).

    Anna: Bin im Tik Tok Game auch gar nicht drin… Aber ja (sortiere mich kurz). Genau, die visuelle Umsetzung scheint euch sehr wichtig zu sein. Ich finde, man sieht bei jedem Video, dass ihr euch sehr viele Gedanken drum macht. Woher kommen da eure Inspirationen bzw. wie weit seid ihr da kreativ mit eingebunden?

    Michi: Das ist auch bandintern verschieden. Da gibt’s Menschen, die haben daran Interesse, es gibt andere, die haben gar kein Interesse daran. Ich muss sagen, mir ist es relativ wurst (lacht). Ich kann einfach schlecht bei jedem Bereich von Musik 100% reingeben, deshalb halt ich mich da bei manchen Sachen einfach raus. Und Thema Musikvideos, da haben wir einfach mit Bernie und Moritz Schinn zwei Freunde, die sich da gerne ausleben. Leider bin ich bei der Frage aber offensichtlich nicht der Richtige (lacht).

     
    „Um der Platte ein bisschen Kontext zu geben, machen wir diese Doku“

    Anna: Aber vielleicht kannst du zu einer anderen visuellen Umsetzung was sagen: Ihr habt auch eine DARK DAYS Dokumentation, in der ihr in mehreren Episoden euren Albumprozess begleitet habt. Warum habt ihr euch dazu entschieden, das so festzuhalten?

    Michi: Wir hatten schon immer diesen Doku-Gedanken im Hinterkopf gehabt und haben den ja auch schon öfter in abgespeckter Variante umgesetzt. Aber jetzt bei den DARK DAYS wollten wir halt unbedingt was haben, was das alles begleitet. Weil wir, auch wenn‘s für uns persönlich musikalisch keine große Entwicklung war, schon gemerkt haben, dass das Album auf alle Fälle für die Leute so ein kleiner Brocken ist. Das ist jetzt nicht KAOS in 2021, das ist schon so ein bisschen viel Input auf einmal. Deshalb dachten wir, um der Platte ein bisschen Kontext zu geben, wo das herkommt, wo die Themen herkommen und wie das war für uns, machen wir diese Doku.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Anna: Hast du eine Lieblingsepisode?

    Michi: Ja, ich hab tatsächlich eine Lieblingsepisode. Das ist die nächste, die kommt, die Black Lives Matter Episode. Aber jede Folge ist gut (lacht).

     
    „Die Band ist mein Zuhause“

    Anna: Weil wir dich gerade als Drummer hier haben und ich mich jetzt als ein Riesen-Fan deiner Art, Schlagzeug zu spielen, oute: Hast du das Gefühl, dass du dich mit der Band weiterentwickelst und auch neue Sachen ausprobieren kannst?

    Michi: Aw, vielen Dank. Ja, definitiv. Ich hab ganz viele musikalische Interessen und auch an Projekten außerhalb von Blackout Problems. Aber diese Band ist auf jeden Fall mein zuhause und ich bin da schon extrem viel gewachsen. Ich hab da ganz, ganz viel gelernt und Gott sei Dank auch den Raum bekommen, meinen eigenen Stil entwickeln zu können. Viele Schlagzeuger spielen in Bands, die sehr von oben herab geführt werden und wo sehr geguckt wird, dass du nur der reine Taktgeber bist. Und das war schon von Anfang so bei Blackys, dass ich mehr sein konnte, durfte und auch sollte als nur das. Und das ist ein ganz wichtiger Freiraum, der mir da gegeben wurde und ohne den hätte ich mich auch niemals so weiterentwickeln können. Von daher, ja definitiv.

    Blackout Problems, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, blackout problems, Michael Dreilich, Michi Dreilich, blackys, dark, dark days, untold stories

    Anna: Welches Lied lässt dich live am meisten auspowern? Gibt’s ein Song, nach dem du wirklich tot bist?

    Michi (lacht): Ich weiß nicht, was es ist, aber ich leg mir manchmal so ein paar Eier. Ich versuch im Studio immer dran zu denken, dann auch Sachen zu spielen, von denen ich weiß, die kann ich auch nach zwei Wochen auf Tour mit irgendwie nur drei Stunden Schlaf noch spielen. Es klappt aber nie. Irgendwie bin ich dann doch so, dass ich dann einfach aus meinem Anspruch heraus was für mich total Forderndes spielen will. Wie das Outro von Darling, der komplette Song Ghost oder Sachen bei Lady Earth. Da merk ich jetzt schon bei den Proben für die Live-Sessions, puh, das ist hart. Difference ist tatsächlich jedes Mal wirklich nicht einfach, Charles ist ein kompletter Schmarrn, keine Ahnung, warum ich das im Studio so eingespielt hab (lacht)

    Anna: Weil’s sich gut anhört!

    Michi: Ja klar, aber man denkt halt im Studio nie an live und das soll ja live auch Spaß machen. Du sollst da ja nicht oben sitzen und denken fuck ich will den Song nicht spielen, weil ich schaffs körperlich nicht. Das ist ein blödes Gefühl. Aber es macht auch irgendwie süchtig, das zu pushen und zu schauen, wo ist das Limit, kann ich das noch ein bisschen verschieben nach hinten. Also ja, es gibt viele und man wird’s auf alle Fälle live merken, wenn wir wieder live spielen, was die Songs sind, die ein bisschen problematisch sind (lacht).

    Anna: Als letzte Fragen haben wir ganz off topic eine Buchempfehlung. Weil wir alle sagen immer „wir müssen mehr lesen“, aber oft bleibt man einfach auf Netflix oder Insta hängen. Deshalb hier die Frage jetzt: Welches Buch hat dich zuletzt richtig vom Hocker gehauen?

    Michi: The PMA-Effect von John Jospeh, Sänger von den Cro-Mags, das ist ganz toll. Was ich gerade lese ist Why You Should Quit Social Media, das kann ich auf jeden Fall empfehlen. Nicht, weil man unbedingt Social Media quiten muss, sondern weil es einfach interessant ist, zu sehen, wie das Ding aufgebaut ist, was es mit deiner mentalen Gesundheit macht, wie Werbung funktioniert, usw. Ich find nämlich jetzt, gerade in Corona-Zeiten, wo alle Richtung digital rennen, voll wichtig, einfach Bescheid zu wissen, was das mit einem macht.

     

    Hört hier in das Album rein und wir moshen in Gedanken zusammen:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen ‚
    ‚
     

    Fotocredit für die Bandpics geht raus an Moe Schinn.

  • International Music: Songpremiere auf dem ESNS-Festival

    International Music sind zurück. Das ist mittlerweile schon kein Gerücht mehr, denn dass das neue Album 2021 kommt, hat die Band aus dem Ruhrgebiet schon vor einiger Zeit angekündigt. Nun haben sie in einem kurzen Live-Set auf dem Eurosonic Noorderslag Festival sogar einen neuen Song gespielt und einen prickelnden Vorgeschmack geliefert.

    Dass wir jetzt, Anfang 2021, Konzerte immer noch etwas seltsam erleben, ist ja keine Neuigkeit. Aber ich hab auch echt nichts dagegen, ist doch schön. Popcorn gemacht (sogar zwei verschiedene Sorten) Füße hoch und ab gehts. Die Stimmung könnte nicht besser sein, so reden wir es uns jedenfalls ein. Der Screensaver kündigt International Music bereits an, ich sitze mit meinen beiden Mithörerinnen vor der Glotze und warte.

    Ich hatte das Glück, International Music im Dezember 2019 noch einmal richtig live gesehen zu haben. Und zwar im Makroskope in Mülheim a.d.R., einem super kleinen und gemütlichen Subkulturzentrum. Wir haben geschwitzt, gesungen und ich habe am Ende sogar geheult. Entsprechend groß war die Freude nach langer Funkstille die drei Musiker jetzt wieder live zu sehen.


    Endlich wieder farbiges Licht

    Und dann geht’s endlich los. Die ersten Takte von „Country Girl“ erklingen. Unsere Käsemauken wippen auf dem Couchtisch im lethargischen Rhythmus der Musik. International Music, bestehend aus Pedro am Bass, Peter an der Gitarre und Joel am Schlagzeug, stehen in einem leeren Club auf einer professionell abgefilmten Bühne. Super cool steht der eine da im Schlabber-Strickpulli und die anderen beiden in all-black und machen einfach nur Musik. Mitverantwortlich für den unverwechselbaren Sound der Band ist ohne Zweifel der zweistimmige Gesang, den die beiden Frontpersonen Peter und Pedro auch in „Country Girl“ zum Besten geben.

    „Wie gesagt, du bist elektrisch,
    wie du siehst bin ich elektrisiert“

    Und elektrisiert sind wir auch! Schlussakkord, der Song ist vorbei. Es geht irgendwie wahnsinnig schnell. Kein Applaus. Außer von uns mit unseren klebrigen Popcornfingern. Muss reichen. Wie die Faust aufs Auge passt dann der nächste Titel zu unserer mood. „Farbiges Licht“, eines der Herzstücke auf dem 2018 erschienenen Debüt-Klassikers „Die Besten Jahre“. Die Lyrics sprechen mir sowas von aus der Seele.

    „Endlich wieder farbiges Licht,
    Endlich wieder freie Sicht auf Nichts“

    Jawohl, endlich wieder farbiges Licht. Scheinwerfer! Bühnenperformance! Livekonzerte! Sag mir, wer das nicht alles vermisst. Schön, dass die Lichtshow im Konzertstream jetzt auch ne Schippe drauflegt und richtig die Sau raus lässt. Es funkelt und blendet und rotiert. „Freie Sicht auf Nichts“ stimmt allerdings nicht ganz, denn Peter und Pedro liefern uns sogar eine kleine wechselseitige Tanzperfomance, die ziemlich ironisch, aber auch ziemlich lässig aussieht. Wir sind begeistert, die Crowd tobt.


    Die langersehnte Hörprobe

    Und jetzt, ja jetzt, kommt der Moment, auf den wir alle gewartet haben. International Music spielen uns einen neuen Song namens „Museum“.
    Ein düsteres, gezupftes und mit allerlei subtilen Effekten belegtes Gitarrenintro erklingt. Beim ersten Hören etwas undurchsichtig in der Harmoniefolge, aber deshalb umso interessanter. Pedro singt hier diesmal allein mit seiner eindringlichen Stimme die ersten Zeilen:


    „Weinen will ich nicht,
    Das befeuchtet mein Gesicht zu sehr“

    Und so ruhig bleibt der Song auch weiterhin erstmal. Nur ab und zu ein paar Akzente des Schlagzeugs und überzeugende Gesten von Pedro während der Gesangseinlage.

    „Fass bitte nichts an,
    Das ist mein Museum,
    Hab ich dir gesagt“

    Textlich definitiv wieder einer dieser typischen International-Music-Momente, für die ich sie so sehr liebe. Langsam und schleichend baut sich dann ein Klimax auf, Joel steigert die Frequenz der Schläge auf den Toms in Analogie zu meinem Herzschlag. Ein lakonisches Fill, eine Pause und etwas unbeholfen stolpert der Song dann in den Drop zum Endpart. Vollinstrumentiert lässt der Song jetzt Platz zum Wirken und Entfalten. Und man kann wunderbar über diesen eindrucksvollen Text nachdenken, während der Song gemächlich ausklingt und die ersten Zeilen, diesmal gesungen von Peter, wiederholt werden.

    „Weinen will ich nicht,
    Das befeuchtet mein Gesicht zu sehr“

    Tja, und das war’s dann auch schon. Drei Stücke und nur ungefähr 11 Minuten. Zugegeben kurz, aber wirklich schön. Meine Mithörerinnen und ich haben jedenfalls mega Bock auf’s neue Album. Das wird ganz groß.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Fotocredit: Alfred Jansen, ESNS

  • RAZZ mit „1969 – Conrad“: Ein Song, viele Emotionen

    Das Ende des Jahres 2020 hatte doch noch einen kleinen Moment der Freude für mich übrig: RAZZ haben drei Jahre nach ihrem letzten Album Nocturnal eine neue Single veröffentlicht: 1969 – Conrad. Wie sie klingt, was dahintersteckt und ein paar Hintergrundfacts lest ihr jetzt.


    Drei Jahre sind ganz schön lang. In dieser Zeit ist natürlich auch eine Menge passiert. Und es war zugegebenermaßen auch viel Müll dabei, besonders politisch. Das alles einzuordnen, zu verarbeiten und für sich selbst zu reflektieren, fällt da nicht immer leicht. Manche schreiben Songs drüber. So auch RAZZ. Im Interview mit hoers.de hat Sänger Niklas erzählt:

    „Ich glaube, als ich den Text angefangen habe, gab es irgendein Zitat von Björn Höcke mit einem Wortlaut von wegen „… die Jungs von ’45 …“. Deswegen bin ich auf diesen ganzen Text gekommen, auf das Thema Fake News und einfach dieses Zurechtrücken der Wissenschaft und dieses die Dinge so hinzulegen, wie es einem gerade passt.“


    „Bang my head against the wall, I’m tired of it“

    Dass drei Jahre lang keine Songs von RAZZ erschienen sind, bedeutet nicht, dass die Jungs keine Musik gemacht haben. Vielmehr befanden sie sich in einem Prozess, ihren Sound weiter zu finden und auszuarbeiten. Side fact: Ich bin ein absoluter Routine-Mensch. Ich mag es zu wissen, was mich erwartet, wenn ich etwas anfasse, aufschlage oder anhöre. Daher liegt Freud und Leid sehr nah beieinander, wenn ich lese, dass Künstler:innen und Bands ihren Sound überdenken – und auch ganz natürliche Entwicklungsprozesse machen mich immer ein bisschen (means: ganz schön doll) nervös.

    Als ich 1969 – Conrad dann aber das erste Mal höre, bin ich mehr als beruhigt. Der Sound klingt super vertraut – einfach nach RAZZ. Spätestens als Niklas‘ Stimme ertönt, weiß ich auch wieder, warum ich die Jungs schon seit ihrem 2015 erschienen Debütalbum With Your Hands We’ll Conquer feier. Rockige Gitarrenriffs, sanfte Synthies, sehr geile Bass-Highlights und Drums, die mich sofort mitreißen. Der Song ist zwar „nur“ 2:39 min. lang, dafür aber mit Unmengen der für die Jungs nicht untypischen musikalischen Spielereien gespickt. Wer da beim Hören nicht laut mitsingen und tanzen will, der hat’s einfach nicht verstanden.


    RAZZ können‘s noch.. und wie!

    Die obige Beschreibung von Sänger Niklas zur Songinspiration hört man auf jeden Fall raus. 1969 – Conrad durchlebt genau die Stadien, die man auch durchmacht, wenn man die von ihm zitierten Sprechdurchfall-Aussagen von sog. „Politikern“ liest. Fassungslosigkeit, Wut und Resignation par excellence in einen Song umgewandelt. Ich bin wunschlos glücklich.

    Razz, 1969 Conrad, Review, New Music, Indie, Rock, Pop, Online, Blog, Blogger, Musikmagazin, untoldency, untold music

    Zusammenfassend kann ich also sagen: Die soundtechnische Weiterentwicklung hört man natürlich. Aber 1969 – Conrad zeigt ziemlich eindrucksvoll: RAZZ haben ihren Sound längst gefunden. Liegt vielleicht auch daran, dass die Jungs bereits seit 2012 und damit seit früher Jugend zusammen Musik machen. Sie haben alle Weiterentwicklungen, Präferenzen und Wünsche gemeinsam angepackt und erlebt – und das hört man auch. Auf Instagram haben sie sich sichtlich berührt dafür bedankt, dass ihre Hörer:innen auch nach drei Jahren noch so am Start sind. Wundert mich nicht, haben sich RAZZ doch in den letzten Jahren eine wirklich große und gefestigte Fangemeinde erspielt. Und wir (ja, ich zähle mich absolut zu dieser Fangemeinde) sind halt sau gespannt, was uns in Zukunft von den Jungs erwarten wird.

    Als RAZZ-Fan der fast ersten Stunde ist mir natürlich auch das Songtitel-Spiel aufgefallen. Auf ihrem ersten Album gibt es einen Song, der immer der Eröffnungssongs bei Konzerten war: 1953 – Hillary – benannt nach dem ersten Menschen auf dem Mount Everest. Und nun gibt es eben 1969 – Conrad, benannt nach dem dritten Menschen auf dem Mond. Es ist also ein Song, den man gut und gerne als Einleitung für das dritte Album von RAZZ sehen darf. Mindblowing, oder?

    Passenderweise greift dann auch das Musikvideo zu 1969 – Conrad den Songtitel-Bezug bezüglich Mond wieder auf. Falls ihr also mal kurz entsprechende Vibes braucht, gerne auschecken:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Fotocredit: Martha Friedel

  • Rikas mit „Overthinking“: Ein bisschen tanzen, ein bisschen weinen

    Rikas mit „Overthinking“: Ein bisschen tanzen, ein bisschen weinen

    Vierköpfige Band aus Stuttgart, sympathische Liveauftritte, einzigartiger Musikstil, sogar Show-Band bei einer Late Night Show. Eine Band, die man definitiv auf dem Schirm haben sollte: Rikas. Nach dem Debütalbum Showtime in 2019 wurde am 11.12.2020 mit der neuen Single Overthinking abgeliefert. Ein Song über Einsamkeit und das Viel-zu-viel-nachdenken.


    Overthinking, Overthinking 

    Im nervigen und langweiligen Lockdown wird es dafür nie langweilig mit Rikas, denn die neue Single hat typischen Rikas-Sound mit Wiedererkennungseffekt, unterscheidet sich klanglich dennoch etwas von der vorherigen Musik. Overthinking klingt so frisch, ja sogar schon etwas nach Frühling, und lässt mich so entspannt fühlen. Trotz der bedrückenden Lyrics.

    „You know I‘ve been so lonely,
    I‘ve been super-lonely again.“

    Der Song fühlt sich beinahe ironisch an, wenn man auf den frustrierenden Text achtet und gleichzeitig die liebevoll gesungenen Harmonien und die sonnige Melodie hört. Vielleicht ist es genau das, was man in so einer runterziehenden Zeit gebraucht hat. Rikas schaffen es aus negativen Gedanken etwas so positives zu erzeugen. Ich tanze jedenfalls sehr gerne dazu in meinem Zimmer. Fühle aber ebenso mit, denn in Corona-Zeiten bleibt ja nicht viel außer zu Hause zu sein und overthinken, overthinken, overthinken.

    „I’m staring at the ceiling,
    trying to find a meaning.“

    Passend dazu verriet Sam von Rikas bei Diffus im Podcast-Interview, dass die Jungs dieses Jahr an einer Schreibblockade litten und sich oft gefragt haben, was sie als Band überhaupt eigentlich machen wollen. Dass Overthinking dann so leicht und makellos klingt, ist tatsächlich überraschend. 


    A Wes Anderson copy needs some perfection

    … singen Rikas in ihrem Song Wes Anderson Theme. Ja, es stimmt einfach: Das Musikvideo zu Overthinking erinnert unumgänglich an Wes Anderson-Filme. Und das auch nicht umsonst, denn die Band lehnt in dem Video mit Outfits und Szenen stark an Moonrise Kingdom und The Royal Tenenbaums an. Dafür hat sich die Band wohl in die zwei Filme aufgeteilt und jeder erinnert an einen Charakter daraus. Suzy, Scout Master Ward, Chas, Richie, they’re all there!

    Ebenso gilt das für das ähnliche Color Grading, was das Video sehr ansehnlich macht, die Leichtigkeit und den angenehm eingebrachten, ganz besonderen Humor. Meine Augen sagen Danke!

    Overthinking Video VS. Moonrise Kingdom

    Doch trotz der auffälligen Parallelen des clever durchdachten Musikvideos, kann es auch ganz für sich allein stehen. Und ist auch dann wundervoll anzuschauen. Es wirkt nicht krampfhaft parodiert oder verkleidet, sondern ganz natürlich und sympathisch. Dabei wird der Vibe des Songs perfekt eingefangen. Besonders einprägsam ist der Einschnitt ganz am Ende des Videos, in dem Sam eine Träne über sein Gesicht fließt. Genau das zeigt auch die zwei Seiten des Songs. Davor noch eine süße lustige Choreografie zu sehen, aber am Ende doch eigentlich auch mit einem weinenden Auge.

    Die Jungs haben sich das Konzept selbst ausgedacht, Saschas Mitbewohner Samuel Mueller hat gedreht. Die schönen Kulissen aus dem Video befinden sich in ihrer Heimat, also Stuttgart, wie uns Chris am Abend vor dem Single Release auch in unserem untoldency-Livestream (kann man hier nachschauen) erzählte.

    Overthinking Video VS. The Royal Tenenbaums
    Fazit

    Rikas waren eine meiner meistgehörtesten Bands in 2020 und Overthinking wurde noch kurzfristig zu einem meiner Lieblingssongs des Jahres. Ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster zu sagen, dass die Single sogar der bisher beste Song der Band ist. Man merkt definitiv eine musikalische Steigerung im Vergleich zu vorherigen Veröffentlichungen, es hört sich einfach weiterentwickelt und selbstbewusster an. Vor allem die Details des Musikvideos und die Kreativität der Band, immer ihren eigenen kleinen Kosmos zu kreieren, lassen mein Herz höher schlagen. Ich bin mir sehr sicher, dass Rikas sich noch oft neu erfinden und sich dabei trotzdem nicht verlieren werden.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen