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  • Ein schwungvoller Jahresabschluss voller Energie und Gefühlen: So war REMOTE BONDAGE am 20.12.2025 in Berlin

    Ein schwungvoller Jahresabschluss voller Energie und Gefühlen: So war REMOTE BONDAGE am 20.12.2025 in Berlin

    Am 20.12.2025 spielt REMOTE BONDAGE im Lido Berlin und bringen zum Jahresende nochmal richtig Schwung in ihr Publikum.

    Die Musik der 2022 gegründeten Berliner Band spielt irgendwo zwischen Punk, Indie, Rock und Pop. REMOTE BONDAGE besteht aus drei Sängerinnen, einer Bassistin und einem Schlagzeuger, ab und zu spielen sie auch Gitarre. Sie thematisieren mit ihren kritischen, politischen Texten Feminismus, Sexismus, Gewalt, Sex und Queerness.

    An diesem Abend spielen sie nicht irgendein Konzert, sondern das Abschlusskonzert ihrer ersten Headline Tour! Gleichzeitig ist es ihr zweites Jahresabschlusskonzert, mit dem sie das Jahr gemeinsam mit ihren Fans beenden.

    Kreative Ansagen und großartige Supports

    Die Bühne ist leer, da kommen zwei der drei Sängerinnen von REMOTE BONDAGE auf die Bühne. Singend kündigen sie den ersten Support an: LISKA. Nur sie und ihr DJ sind auf der Bühne. Sie beginnen das Konzert mit einer ruhigen und gefühlvollen Stimmung im Saal, die das Publikum gut ankommen lässt. Auf meist langsamen Beats rappt LISKA sehr authentische Texte über sensible Themen wie zum Beispiel das Thema Essstörungen, für die sie Aufmerksamkeit schaffen möchte.

    Nach einer Umbaupause füllt sich der Saal des Lido Berlin. Wieder kommen die Sängerinnen auf die Bühne und kündigen auch den zweiten Support mit zweistimmigem Gesang an: die Band NIKRA. Die Queer-Punk-Band bringt viel Energie mit und eröffnet einen ersten Moshpit.

    Ein energievoller Start

    Da kommt sie endlich, die Band. Wie echte Queens kommen sie auf die Bühne geschwebt und begrüßen winkend ihr Publikum. Mit einem kurzen Inhaltsverzeichnis über den Verlauf des Abends teilen sie dem Publikum mit, was sie heute alles für Themen erwarten werden.

    Als erstes spielen sie ihren Song „Alle leben schneller“, der den Leistungsdruck der Gesellschaft thematisiert und mit seiner starken Bass Line sofort zum Mittanzen animiert.

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    Etwas Besonderes in jedem Song

    Die Setlist steckt voller Energie. Direkt zu Beginn spielen REMOTE BONDAGE Hits wie „Daddy“ und „Katze“, in denen sie über Themen wie die Sexualisierung von Frauen, sexuelle Übergriffe und das Patriarchat singen. Diese Inhalte und ihre klare Haltung dazu bringen sie durch ihre Texte laut und eindringlich auf die Bühne.

    Doch auch die ruhige, gefühlvolle Seite kommt nicht zu kurz. Sie zeigt sich zum Beispiel im Song „als wäre es egal“, in dem es um eine Welt geht, in der Queerness etwas ganz Normales ist. Lange bleibt es jedoch nicht ruhig: Mit Songs wie „VULVARINE“„Ronny“ oder „Fast / Sex on the Beach“ thematisiert die Band Sex und Liebe ganz offen.

    In allen Liedern findet sich Kritik an diesen Themen oder ihrer Rolle in der Gesellschaft. Doch durch die Ironie in den Texten bleibt auch das Lachen nicht aus.

    Auch musikalisch bleibt es trotz der wenigen Instrumente immer interessant. Vor allem durch die unterschiedlichen Stimmen der drei Sängerinnen wirkt jeder Song spannend. Außerdem variieren sie den Gesang beispielsweise durch Mehrstimmigkeit und Background Vocals. Auch ein großartiges Bass Solo sorgt für Abwechslung in der Musik, womit sie absolut überzeugen.

    Besondere Momente gemeinsam erleben

    Man könnte meinen, als Zuhörer müsse man auf einem Konzert einfach nur zuhören – doch nicht bei REMOTE BONDAGE. Hier wird es nie langweilig. Bei Songs wie „Ronny“ singt das Publikum in drei verschiedenen Stimmen mit, die jeweils von einer der Sängerinnen angeleitet werden.

    Kurz vor einem Song über das Leben in einer WG bietet die Band eine Art WG-Suche an: Sie fragen ins Publikum, ob jemand gerade ein Zimmer frei hat oder selbst eines sucht, um Menschen miteinander zu verknüpfen.

    Zwischen den Songs stellen die Sängerinnen immer wieder die Frage ins Publikum: „Was wärt ihr gerne?“ Antworten wie fotzig oder lesbisch kommen zurück, woraufhin die Band den Refrain ihres Hits „So gerne hässlich“ angepasst anspielt: Statt „hässlich“ singen sie die vorgeschlagenen Wörter – etwa „Ich war noch nie so gerne lesbisch“.

    Zwischendurch wird auf der Bühne gequatscht, gelacht oder es werden Themen angesprochen, die der Band wichtig sind, vor allem politische. Dabei wenden sie sich immer wieder direkt an das Publikum.

    All das sorgt dafür, dass REMOTE BONDAGE sehr nahbar wirken. Es fühlt sich an, als würde nicht nur das Publikum die Band feiern, sondern auch die Band das Publikum. Alle sind unterstützend, authentisch und genießen gemeinsam den Moment – vor wie auf der Bühne.

    Kreativ über die Musik hinaus

    REMOTE BONDAGE sind unglaublich performativ, ob eine WG besichtigt wird oder sie zu ihrem Song „Ode an die Periode“ auf der Bühne scheinbares „Periodenblut“ trinken, wunderbar kreativ!

    Ihr Bühnenbild ist angenehm unaufwändig: Ein knallpinkes Banner mit ihrem Namen, welches super zu den knallpinken Outfits der Bandmitglieder passt.

    Auch vielseitige Choreos gehören zu ihrer Show. Ob zu dritt auf der Bühne kniend oder tanzend oder mitten durch das geteilte Publikum spazierend. Immer wild und bewegt.

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    Volle Bühne, toller Song

    Natürlich spielen REMOTE BONDAGE ihren frisch veröffentlichten gemeinsamen Song mit NIKRA nicht ohne sie. Für „Madonna vs. Britney“ kommt NIKRA noch einmal auf die Bühne und gemeinsam performen sie den Song so mitreißend, dass man die Beine kaum stillhalten kann.

    Das Beste kommt zum Schluss

    Nach ihrem letzten Song „Skorpion“ folgt eine Zugabe einer ganz anderen Klasse. Die Leute, die das Abschlusskonzert letzten Jahres bereits erlebt haben, wissen schon was gleich kommen wird.
    Es werden Liedzettel im ganzen Publikum verteilt. Sie sehen aus wie in einem Gottesdienst – mit Text und Noten. Dann singen alle gemeinsam „Fotzige Nacht“, eine umgedichtete Version von „Stille Nacht“, mit einem viel besseren Text, der durch und durch feministisch ist! Es ist wie in der Kirche – nur eben ganz anders. Es entsteht ein unglaublich schöner Moment der Verbindung schafft und noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    Danach spielen sie endlich „So gerne hässlich“, aber diesmal ganz. Zuallerletzt erklingt „Ronny“, als ein letztes Mal das ganze Publikum mitsingt, sogar dreistimmig.

    Nach einer Danksagung an alle, die an der Tour mitgewirkt haben, ist dann auch mal die Band mit feiern dran: Mit dem gesamten Team tanzen sie auf der Bühne zum Techno-Remix ihres Songs „So gerne hässlich“. Damit ist das Konzert vorbei und alle gehen beschwingt, ausgelassen und glücklich nach Hause.

    Ein unvergessliches Erlebnis

    Das Konzert hat uns viel Spaß und Energie gebracht und uns auf vielen Ebenen sehr beeindruckt. Musikalisch waren es vor allem ihre Stimmen und der mehrstimmige Gesang, der ihre Musik so abwechslungsreich macht.

    Auch begeistert hat uns, dass sie ganz offen über so viele politische Themen und „Tabuthemen“ gesprochen und auch klar ihre Meinung dazu geäußert haben. Dabei wirkten sie auf uns immer nahbar und authentisch.

    Aber vor allem wurde das Konzerterlebnis so einzigartig durch die vielen und so unterschiedlichen, lustigen Aktionen und Ideen zwischendurch. Sie haben uns immer fühlen lassen, als wären wir mittendrin. Dabei haben wir uns von ganzem Herzen willkommen gefühlt, mit all unseren Emotionen, von Wut über Freude bis Geborgenheit.

    Alles in allem war es ein unvergessliches Erlebnis mit wunderbaren Menschen!

    REMOTE BONDAGE ist eine großartige Band, die ihr euch unbedingt anhören solltet. Ihr findet sie auf Instagram und Spotify und anderen Social Media Kanälen

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  • Ein Abend voll Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit: so war Naomi Sharon am 24.11.2025 in Berlin

    Ein Abend voll Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit: so war Naomi Sharon am 24.11.2025 in Berlin

    Mina und Miranda, Schüler*innen der Evangelische Schule Berlin Zentrum, berichten von ihrem Konzertabend mit Naomi Sharon.

    Intimität ab der ersten Sekunde, es ist klar: das wird ein Abend der nachklingt. Am 24.11.2025 tritt Naomi Sharon mit ihrer „The Only Love We Know“-Tour im Columbia Theater in Berlin auf. Sie füllt das gemütliche Theater mit ihrer meditativen Energie und schafft eine intime Atmosphäre.

    Die niederländisch-karibische Sängerin hatte ihren Durchbruch mit ihrem Debütalbum „Obsidian“ und hat mittlerweile fast 2 Millionen monatliche Hörer*innen. Zum Verwechseln ähnlich mit Sade hat auch Naomi Sharon eine unglaublich schöne, selige Stimme und arbeitet viel mit akustischen Gitarren-Sounds, welche sie mit modernen Elementen in die Gegenwart holt. Mit ihrer in diesem Jahr neu erschienenen EP ,,The Only Love We Know“ tourt sie durch Europa und Amerika und singt mit einer spirituellen Stimmung über Selbstliebe.

    Minimalismus mit maximaler Wirkung

    Gegen 20 Uhr ist das Columbia Theater gefüllt mit rund 800 Menschen, die an der Bar sitzen, sich unterhalten und gespannt auf Naomis Performance warten. Bevor sie auf die Bühne tritt, eröffnet Jessy Blakemore den Abend mit mehreren ihrer warmen und herzlichen Songs, die einen stimmungsvollen Einstieg bieten.

    Die Bühne ist leer bis auf ihre Begleitung am DJ-Pult, eine weiße Beleuchtung und Nebel. Aus den Boxen ist für das Publikum bereits der erste Song zu hören, alle jubeln. Naomi tritt in einem ihrer epischen, weißen Latex-Outfits aus dem Nebel hervor und schenkt dem Publikum ein verzauberndes Lächeln.

    Ohne ein Wort beginnt sie mit ihrem Song „Bittersweet“, der auch ihre neue EP eröffnet. So startet sie mit einer selbstbewussten Energie und ihren im Wind der Ventilatoren wehenden Haaren in den Abend. Nun folgen überwiegend ruhige Songs wie „Hills“, der von einer akustischen Gitarre begleitet eine sinnliche Stimmung schafft. Das Publikum wiegt im Wind hin und her und singt mit, wo es nur kann.

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    Mit „Myrrh“ trifft uns Naomi direkt ins Herz. Ihre samtige Stimme füllt den Raum mit einer beeindruckenden Klarheit. Mit Lichtern, die auf dem Publikum wie Wasser schimmern, fließen vermehrt Tränen. Der minimalistische Bühnenaufbau und die One-Woman-Band geben Naomis Stimme die verdiente Aufmerksamkeit.

    Zwischen Liebe und Unabhängigkeit

    Mit „Definition of Love“, die Lead Single aus ihrem Debutalbum, leitet sie schon fast einen kleinen Stimmungswechsel ein. Spätestens ab dem Refrain fangen alle an mitzuwippen. Ziemlich textsicher wird das Publikum in den Mantra-ähnlichen Zeilen: „Heavens in your eyes, let me follow“ mit denen Naomi ihren Wunsch nach Liebe manifestiert.

    Danach geht es direkt weiter mit „If This Is Love“. In dem Song entwickelt sich aus dem Wunsch nach Liebe eine Ablehnung ihr gegenüber. Auch jetzt animiert sie das Publikum, die Zeilen: „if this is love, then I don’t want it“ mitzusingen. Insgesamt hält sie sich viel an die Albumstruktur und sagt wenig bis gar nichts zu ihren Songs. Dies empfinden wir aber nicht als negativ, da die Songs sehr gut für sich stehen.

    Langsam werden die Songs immer tanzbarer. Bei „Push“ tanzt Naomi sogar selbst extravagant mit und unterstreicht ihre weiche Stimme mit modernen Afrobeats. „Holding in Place“ treibt das Tempo weiter an. Spätestens jetzt tanzen wirklich alle mit und singen: „nothing. I give that boy nothing.“

    Mit „Celestial“ leitet sie noch einmal eine ruhigere Stimmung ein, welche sie dann aber mit „Time and Trust“ wieder auflöst. „Time And Trust“ ist zurzeit ihr beliebtester Song und schafft es fast, den Sommer an diesem kalten Novemberabend ins Columbia Theater zurückzubringen.

    Eine spirituelle Stimmung

    Es gibt keinen Moment in dem das Publikum so richtig abgeht, da Naomi Sharon die meditative und emotionale Stimmung fast durch das gesamte Konzert hält. Stattdessen tauchen Songs wie „Calm Waters“, mit seinen Naturgeräuschen und einem entspannten Beat den Abend in eine spirituelle Atmosphäre. Zu „Soft Like Dawn“ holen alle im Publikum ihre Lichter heraus und mit Wassergeräuschen im Hintergrund werden wir zu einem schwimmenden Lichtermeer.

    In ihrer neuen EP spricht Naomi vermehrt Themen wie Selbstliebe und Weiblichkeit an. Sie ist die erste Frau mit einem Vertrag bei Drake’s Label „OVO Sound“ und setzt damit ein Zeichen in einer männlich dominierten Musikbranche.

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    Energie, die den Raum füllt

    Ihr letzter Song „Another Life“ fasst das Konzert perfekt zusammen. Es gibt einen schönen schwebenden Klangteppich, einen prägnanten Beat und natürlich wieder ein Mantra, das allen im Kopf bleibt: „Don’t let your love run out“. Auch diese Zeile wäre der perfekte Abschluss, wenn es nicht eine noch perfektere Zugabe gäbe.

    Ein Gospelchor singt: „That’s the way the story goes, that’s the only love we know“. Obwohl der Chor nicht anwesend ist, wird die gewünschte Stimmung durch die Energie des Publikums noch ein letztes mal hervorgehoben.

    Beseelt in die Nacht

    Die ruhigere Atmosphäre hat uns zu Anfang überrascht, da wir kraftvollere Beats und einen stärkeren Bass erwartet hatten. Doch von Naomi Sharons Performance waren wir schnell beeindruckt. So haben wir das Columbia Theater nach 60 Minuten beseelt verlassen.

    Unsere gemeinsamen Favoriten waren „Myrrh“ und „Time and Trust“. So gegensätzlich sie auch sein mögen, haben wir uns in „Myrrh“ mit seinem minimalistischen Aufbau und der dadurch herausstechenden starken Stimme sofort verliebt. „Time and Trust“ hat uns einfach den Sommer zurück ins graue Berlin geholt und uns unseren Alltag für einen Moment vergessen lassen.

    Nach einem Konzert ohne viel Interaktion beendet Naomi den Abend mit dem Appell:

    „That may be the only love you know but that doesn’t mean that that’s the love you deserve. It means that there’s more out there for you to have or receive.“

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  • Levin Liam macht auf „gesicht verlieren“ die Kunst zur Priorität

    gesicht verlieren – Levin Liam sticht auf seinem neuen Album noch tiefer in seine Wunden, um die Splitter herauszuholen, die die Oberfläche schon lange nicht mehr gesehen haben. Auf 11 Tracks offenbart der Hamburger Artist alles, was sich an Emotionen angestaut zu haben scheint und reißt uns musikalisch in eine Hypnose, der wir erst entkommen, wenn der letzte Song die Wut im Bauch weckt.

    Träumen am akustischen Kaminfeuer

    Im langsamen 3er-Takt tanzt der erste Song „verseucht“ das Album ein, ehe das wohl am meisten nach Kaminfeuerstimmung-klingende Instrument der Erde „nicht mehr“ einleitet – ein Rhodes Piano lässt hauchzart die ersten Melodien einschweben, bis Levin Liam in Kopfstimme das erste Mal unser Herz packt und es einen Moment zu lang stillstehen lässt. Während der warme Piano Sound sich im Kreise dreht, wärmt erst ein Kontrabass die Tiefen, bevor Streicher und weitere Synthklänge die Höhen ausmalen. Den Höhepunkt erreicht dieser Song zum stundenlangen Träumen in einem Gitarrensolo, das sich zu keinem Zeitpunkt aufdrängt. Dieser Song braucht so wenig, um so groß zu sein.

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    Signature Sound: Gitarrensolo

    „rauch“ treibt etwas mehr nach vorne durch die rhythmischen Claps und knüpft gleichzeitig nahtlos an. Erneut sind es warme, sich wiederholende Keys, die die Stimmung etablieren und die durch verschiedene musikalische Elemente komplementiert werden. Leichte Chöre wehen ab und zu im Hintergrund, ein sanfter Shaker unterstützt den Groove und Streicher füllen die Breite. Wodurch kann dieser Song am besten abgerundet werden? Korrekt, mit einem Gitarrensolo!

    Das perfekte Maß an Kitsch

    Es sind weiterhin Keys, über die Levin Liam seine Zeilen legt, wenn der nächste Song erklingt. „leben lang“bleibt dem Minimalismus treu und unterstreicht, was wichtig ist: lyrische Bilder in Form von Melodien, die mit uns zum Mond fliegen und viel weiter.

    „ich guck‘ wieder an die decke vom hotel
    ich mach‘ die augen zu,
    trotzdem seh‘ ich die welt“
    („leben lang“)

    Irgendwie geht dann am Ende alles auf. Harmonien begleiten die Vocals, Streicher stützen die Gesangsmelodien und eine zurückhaltende Conga hält uns in der Spur. Ich dachte, ich würde Kitsch nicht lange aushalten können, aber ich liebe jede Sekunde. Gib mir mehr davon.

    Unser Lieblingsproducer-Duo

    „trauen“ holt für uns eine Lieblingskombo zurück. Die Gitarren sagen uns gefühlvoll: unser aller Lieblingsproduzent Cato ist da! Das Duo, das uns auf der EP „vergiss mich nicht zu schnell“ bereits musikalisch die Augen geöffnet hat, verzaubert erneut. Intim besingt Levin Liam Unsicherheiten des Commitments, während unaufdringliche Vocal Samples und gedämpfte Drums die Stimme behutsam begleiten. Aus dem nichts wird der Song dann ganz groß, sobald das Gitarrensolo einsetzt, das kurz aufblüht, sich dann aber schnell wieder zurücknimmt. Und jedes Mal, wenn man denkt, schöner kann es nicht werden, kommt der nächste Track. „auf den“ nimmt überraschend Tempo auf, ohne an Sentimentalität zu verlieren. Und weil langsam die Worte fehlen, um die klangliche Emotionalität immer und immer wieder zu beschreiben, kommt hier der Tipp: selbst anhören!

    „ausschlafen und rausgehen
    paar gedanken aufnehmen
    ich glaub, das muss ein truam sein
    wie soll das doch alles augehen?
    frust, liebe, träume, wünsche, freunde, feine
    auf den
    wenn das ein truam ist
    dann willl ich nie wieder aufstehen“
    („auf den“)

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    Von der Ballade zum Disstrack

    Fifty Shades of Pain. Levin Liam zeichnet so viele verschieden Nuancen der Melancholie, dass wir überfordert sind von all den neuen Gefühlen, die wir zuvor noch nie ernsthaft spürten. „nicht alles“ reiht sich dabei in die Trauer der zuvor beschriebenen Songs ein, während uns „such mit mir“ und „als wär alles normal“hoffnungsvoller stimmen. Das liegt an der Dankbarkeit, die der Artist der Liebe und seinem Leben als stetig erfolgreicher werdender Künstler entgegenbringt. Diese Dankbarkeit mündet zuletzt in Hochmut, die Levin Liam in der Disziplin des klassischen Rappers genauso gut bedienen kann, wie die sonst so tief emotionale Seite des Artists. Auf „aufwachen“ liefert Levin Liam zusammen mit reezy einen klassischen Hip Hop Banger, ohne klassisch nach Hip Hop Banger zu klingen und schafft es auch hier, den Olymp scheinbar mühelos zu ersteigen. Keine Ahnung wie er es macht, aber er macht es richtig! 

    Hoffnung auf mehr

    Vergangene Alben und EPs von Levin Liam waren vor allem dann besonders gut, wenn sein musikalisches Team das beständig war. Seine EPs mit Cato oder Miksu/Macloud sind dafür gute Beispiele. Dass es Levin Liam auf seinem neuen Album schafft, als Executive Producer und Artist verschiedene Kreative zu einem Ganzen zu vereinen, ist ein Fortschritt, der sein künstlerisches Wachsen beweist. Dieses Album ist leise und laut zugleich, weil es Maßstäbe setzt und die Kunst zur Priorität macht, während gleichzeitig die großen Hallen auf ihn warten. Die Hoffnung guter deutscher Musik ist kein anderer als Levin Liam!

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  • Katelyn Tarver hat in ihrem neuen Album gelernt, ein „Quitter“ zu sein

    Katelyn Tarver hat in ihrem neuen Album gelernt, ein „Quitter“ zu sein

    Drei Jahre nach ihrem letzten Album Release „Subject to Change“ können sich Fans von Katelyn Tarver über ein neues Album freuen: „Quitter„. Aufgeben ist nichts, was wir gerne hören oder tun wollen – aber vielleicht sollten wir alle deshalb einmal ganz genau zuhören und uns fragen, ob wir das nicht mehr sein und tun sollten. Denn Katelyn zeigt, wie befreiend aufgeben sein kann.

    Wer ihr Debüt-Album „Subject to Change“ kennt, ist bereits mit ihrem zarten Storytelling vertraut und doch ist dieses nochmal um einiges vulnerabler geworden. Die Sängerin schreckt vor keiner Frage zurück und teilt in vielseitiger Art viele Hindernisse, die normalerweise versteckt bleiben. Sie singt vom Imposter Syndrom und mangelndem Selbstwert, der Angst vor Unbekanntem und der Anxiety, die Perfektionismus mit sich bringt. Die Spannung zwischen gewünschter Anerkennung und dem Verlangen, seine eigene Wahrheit zu verfolgen, ist förmlich zu hören.


    What Makes A Life Good?

    Direkt nach dem titelgebenden Opener Song stellt Katelyn die Frage „What Makes A Life Good?„. Die verzweifelte Suche nach der Antwort überträgt sich beim zuhören:

    „Is it trusting intuition?
    Making peace with your decisions
    Is it taking someone’s broken heart and knowing how to fix it?
    Is it becoming a mother?
    Is it learning to be tougher?
    Holding on to hope when your world loses all the color
    Is it finding out what’s out there?
    Is it staying close to home?
    Is it being okay being on your own?“

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    Ich weiß die Antwort zwar noch nicht und Katelyn offenbar auch nicht, in den nächsten 30 Minuten kommen wir der Antwort näher. Fragen werfen mehr Fragen auf, die Sängerin drängt dazu, dass wir uns damit ebenso auseinander setzen wie sie, zeigt zugleich ihre Unsicherheit.

    Das Album fühlt sich insgesamt an wie ein lange überfälliger Deep Talk mit der großen Schwester. Katelyn teilt ihre Selbstzweifel mit einer so offenen Ehrlichkeit, dass man gar nicht anders kann, als sich wohlzufühlen. Und auch, wenn definitive Antworten eben (noch) ausbleiben, beruhigt die Sängerin einen, vermittelt das Gefühl, dass alles wieder besser wird, dass wir uns alle irgendwo die gleichen Fragen stellen.


    Irgendwo zwischen Verzweiflung, Hoffnung und gnadenloser Ehrlichkeit

    Katelyn schafft es, dass einzelne Phrasen und Fragen wirklich herausstechen, und diese Gefühle betonen:

    „Will you still love me if my luck runs out?
    Will you still love me if my luck runs out?“

    Das ist die zentrale Frage, die sie sich in „Japanese Café“ stellt. Und wenn sie sich diese Frage stellt, hört man nur ihre kristallklare Stimme. Die Drums und Gitarre, die dem Track und dem Album sonst einen guten Drive verleihen, werden pausiert, die Frage und Message werden betont.

    Quitter“ bewegt sich im Indie Pop, ist geprägt von starken Drum Patterns und gitarrenlastigen Parts. Der Drive, der dadurch erzeugt wird, treibt diese Suche nach sich selbst an, baut eine gewisse hoffnungsvolle Verzweiflung auf und fordert auf, sich von den Vorstellungen, die man von sich selbst und seinem Leben hatte, zu lösen. „Quitter“ lädt ein, seine Gedanken schweifen zu lassen, sich seinen Problemen zu stellen und die gestellten Fragen zu beantworten.


    Parallel universe – oder eher Extreme existieren auch parallel

    Am Ende ist die Frage „What Makes A Life Good?“ zwar wie gesagt noch nicht endgültig beantwortet, aber Katelyn hat sich selbst und uns eine andere Perspektive ermöglicht. In einer sehr ruhigen Ballade bringt sie die gefundenen Erkenntnisse in ein rundes Ende, erinnert daran, dass Extreme parallel existieren und trotzdem stimmen können:

    „I’ve been the bad guy
    And I’ve been the sunshine

    All the things I regret and the things I like best
    Can’t have one without the other“

    Lässt man sich auf das Album ein und hört Katelyn zu, findet man 11 Songs, die einem Ruhe schenken und Raum lassen, sich selbst zu hinterfragen. Katelyn zeigt, dass auch in den 30er entgegen der meisten Erwartungen nicht alle Herausforderungen gemeistert, nicht alle Fragen beantwortet sind. Und nicht zuletzt zeigt sie in wundervoller Art und Weise, dass es auch sehr befreiend sein kann, ein „Quitter“ zu sein.

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  • Der goldene September auf einem Album: „brew“ von kitsches

    Der goldene September auf einem Album: „brew“ von kitsches


    kitsches, das sind Sängerin Mathea und Drummer Moritz, brachten Mitte August 2023 ihr zweites Album „brew“ heraus. Folgend auf das vor der Pandemie erschienene Debütalbum legen sie damit den passenden Soundtrack zur sich allmählich breitmachenden Jahreszeit nach. Dass das Duo die Musik im winzigen Homestudio aufnimmt, dürfte den einen oder die andere wundern. Denn es hört sich nach so viel mehr an.


    Wie wärmende Strahlen durch wehendes Herbstlaub hindurch

    So oder so ähnlich fühlt sich der gleichnamige Eröffner des Albums an. Dabei geht es um nichts Geringeres als das vakante Leben und die Frage nach einem Sinn dahinter. Beginnt die Musik vorerst verträumt und schwebend, so ändert sie schnell ihre Richtung und lässt alles eben noch gedanklich Niedergelassene aufstehen und zügig, dennoch präzise umherwandern. Der Song an sich gewinnt dadurch eine erhebliche musikalische Tiefe.


    „I hold the line
    and brew me one more time“


    Auch, wenn oder gerade, weil sich alles unfassbar schnell ändert, ist Zeit ein wertvolles Gut. An Vergänglichkeit erinnert eben nicht nur der Herbst mit seinem fallenden Laub, sondern auch dieser Song.


    September

    Dieser leichte Indie-Folksong fügt sich nicht nur durch seinen Titel „september“ passend in das Gesamtwerk ein. Auch musikalisch zeugt er einmal mehr von der musikalischen Qualität des Duos. Wie durch den Wind gepfiffene, wunderschöne Melodien werden durch Matheas sanftem Gesang gekonnt in das atmosphärisch warme Instrumental hineingearbeitet. Der Text dazu behandelt malerisch, wie lyrisch unverschlossen Erinnerung, Vergessenheit und das Wertschätzen von Dingen, die die eigene Person ausmachen.


    Unruhige Nächte

    Dass das Kreisen von Gedanken, Zweifeln und unbeantworteten Fragen einen nachts nicht schlafen lassen, können wahrscheinlich viele aus ihren eigenen Erfahrungen nachempfinden. Diese Spirale der Selbstsabotage wird in „attic“ thematisiert. Der Song wurde schon im vergangenen Jahr als Single vorab veröffentlicht.


    „There are people in the attic
    and they only walk at night
    ‚cause they walk around on eggshells
    towards me“


    „attic“ kommt zu dem Schluss, dass das Selbst die Ursache ist und umschreibt das nächtliche Phänomen mit Menschen, die zwar übervorsichtig, aber bestimmt auf dem Dachboden auf einen hinzuschleichen. Die Musik wirkt trefflich unruhig, nicht zur Ruhe kommend und trotzdem niedergeschlagen.


    Über das Loslassen von Fehlern

    Manchmal sind es zwischenmenschliche Begegnungen, die magisch in uns nachwirken. „eliose“ ist sogar viel mehr als das. Es geht um eine Bekannte, die über die Fehler redet, die sie im Leben gemacht hat und beschließt, über diese hinauszuwachsen. Sie zieht sich heraus und macht sich auf, wandert in die Natur und zieht weiter. „eloise“ ist dabei die perfekte Personifikation des Einfach-Loslassens und der Intuition des Verwirklichens eigener Träume. In dem Gewand von LoFi-Botiqueswing ist der Song wie gemacht für eben diese Zeit einer magischen Nachwirkung von Begegnungen.

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    Das Musikvideo zu einer weiteren Singleauskopplung des Albums: „temporary“


    Für Liebhaber von gemütlichem Indie-Folk, sanften Klängen, wunderschönen Melodien und tiefgründigen Texten ist das neue kitsches-Album der obligatorische Soundtrack für diesen Herbst. Die geeignete musikalische Untermalung eines Spaziergangs durch raschelndes Laub oder eines ruhigen Momentes zu warmem Tee, während draußen die Welt untergeht, ist „brew“ in jedem Fall.

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    Fotocredits: Jacky Kannengießer

  • Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Warme, träumerische Melodien und sanfte Gitarrenklänge – Indie-Folk Singer- und Songwriterin Matilda Mann veröffentlichte im Juli ihre vierte EP „You Look Like You Can‘t Swim”. Eine sehr intime 5-Track-EP mit Songs, die aufrichtige Zuneigung, Verlust und den Weg den eigenen Platz in der Welt zu finden, thematisieren. 

    Die Newcomerin aus London macht Musik, die neben einer vertrauten Atmosphäre vor allem Geborgenheit schafft. Ihre sanfte und helle Stimme verleiht den Songs eine Leichtigkeit, die ziemlich gut zum Rest passt. Ihr ehrliches Songwriting und die damit verbundene Fähigkeit jegliche Emotionen in innige Texte zu verwandeln, lässt sie insbesondere als Songwriterin herausstechen.


    The Day That I Met You

    Der erste Song The Day That I Met You” ist mein persönlicher Favorit auf der EP. Im Song wird das Gefühl beschrieben sich viel zu oft allein zu fühlen. Der Gedanke, dass die ganze Welt gegen einen ist, wird durchbrochen durch das Begegnen dieser einen Person, die dich alle negativen Gefühle vergessen lässt. 


    I forgave the world the day that I met you.”


    Für mich ist der Song ein Paradebeispiel für ihr unglaublich gutes Songwriting: „It’s like lavender came and never left”. Muss ich da mehr sagen?

    Ihr Debut feierte Matilda Mann 2020 mit ihren EPs „If That Makes Sense“ und „Because I Wanted You to Know“. Ein Jahr später folgte die EP Sonder”. Seither war sie unter anderem mit Arlo ParksTom Grennan und dodie auf Tour und spielte bereits einige Headline UK-Shows. In der UK ist Matilda also längst als Newcomerin angekommen. Im August spielt sie auf der renommierten BBC Introducing Stage beim Reading & Leeds Festival, die schon einigen britischen Künstler*innen zum Erfolg verholfen hat. Auf den Streaming-Plattformen sieht es mit mehreren Millionen-Streams auch nicht schlecht aus. 


    In Plain Sight

    Stellt euch vor, ihr lauft an einem Spätsommerabend an einem Sonnenblumenfeld vorbei, während die Sonne schon tief am Himmel steht. Und durch eure Kopfhörer dröhnt dieser eine Song, der euch an eure Lieblingsperson erinnert. Jawoll, super kitschig, aber „In Plain Sight“ fühlt sich genau danach an  – mit seiner unfassbar positiven Energie wird der Track zu einer indie-folk Hymne über die eine große Liebe.


    Margaux & If Only

    Mit „Margaux“ beschreibt Matilda die Abwesenheit eines wichtigen Menschen und die Gefühle, die mit dem Verlust einhergehen: „Margaux left and nothing felt the same.“ Während ihre fast flüsternde Stimme im Fokus steht, ist der musikalische Track mit sanften Akustikgitarrenklängen eher simpel gehalten. Trotz der Thematik klingt der Song aber alles andere als traurig.

    Den melancholischen Part auf der EP übernimmt der vorletzte Track If Only“. Eine schmerzvolle Ballade, die vor allem durch die Streicher ihre epische, träumerische Atmosphäre bekommt.

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    You Look Like You Can’t Swim

    Der Titelsong der EP ist laut der Newcomerin eine Metapher, um zu sagen, dass jemand nicht danach aussieht etwas schaffen zu können. Während es so scheint, als hätten alle anderen ihren Platz in der Welt bereits gefunden, ist man selbst ein Fisch im Meer, der nicht schwimmen kann. Neben Selbstzweifeln äußert sie im Song die Angst, nie genug zu sein. „You Look Like You Can’t Swim“ steckt voller Ehrlichkeit und Mut.


    It seems an awful waste to give me so much space

    I never seem to know exactly what’s my place.“


    Für das Musikvideo hat Matilda selbst Regie geführt und es geschafft, die Entschlossenheit und Zweifel im Song visuell darzustellen. Die Protagonistin, die von Matilda selbst gespielt wird, versucht sich immer wieder in Wasser zu wagen. Der Weg dahin kostet sie Überwindung und zeigt wie sie scheitert, aber dennoch niemals aufgibt. In den letzten Sequenzen des Videos sieht man Matilda, wie sie es letztendlich schafft zu schwimmen. 

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    Foto Credits: Caity Krone

  • LEVIN im Interview: »Nicht zu viel nachdenken und einfach mal die Leichtigkeit rauslassen«

    LEVIN im Interview: »Nicht zu viel nachdenken und einfach mal die Leichtigkeit rauslassen«

    Für alle Träumer*innen unter euch gibt es den perfekten neuen Sommer-Track! Allround-Talent LEVIN serviert euch ZAHNLÜCKE MUTTERMAL & lädt euch ein, einfach mal die „Leichtigkeit rauszulassen“. Was genau das bedeutet könnt ihr hier lesen, denn letzte Woche hat sich Sarah mit ihm zum Interview getroffen und ihn mal ein bisschen ausgequetscht.


    Levin im Interview

    Sarah: Möchtest du dich kurz vorstellen, für alle unsere Leser*innen, die dich vielleicht noch nicht kennen?
    Konni: Ich bin LEVIN. Ich mach Musik in allen möglichen Formen. Wenn ich das beschreiben müsste, dann ist das irgendwas zwischen Indie, Alternative, Hip Hop, Pop Punk, Emo Rap und Deutschrap. Das ist mein Soloprojekt, auch mein Herzensprojekt, wo ich am meisten Zeit und Liebe, und Liebe zum Detail reinstecke. Ansonsten rappe ich noch in einem Möchtegern-Duo namens Cloutboi Juli & Pink Stan, und spiele Gitarre in der Metal Band Commence und studiere Soziale Arbeit nebenbei. Und, Fun Fact, ich habe ein Bachelor in Architektur.


    Wie kam es denn eigentlich dazu, dass du Teil von so vielen verschiedenen Musikprojekten bist? Weil genretechnisch ist es ja schon so ein ziemlicher Sprung, Metal und Pop?
    Ich glaube wenn man genauer hinhört, checkt man schon so ein paar Parallelen. Metal sind meine Roots, so mit 13/14, da hatte ich meine Metalband T-Shirts, „zieh mich schwarz an“ Phase. Die T-Shirts sind dann irgendwann weggegangen. Eigentlich sieht man mir das jetzt nicht unbedingt mehr an, aber ich höre auf jeden Fall jeden Tag Metal. Also das ist nach wie vor meine Herzmusik. Aber ich mag so Metal, der hauptsächlich Cross-Over ist und auch viel Cross-Over mit dreamy Gitarren, die auch ein bisschen ruhiger sind. Ich mag auch Mischung aus extrem hartem Gesang und cleanem Gesang. Also es ist jetzt nicht nur so, dass es nur auf die Fresse geht, sondern halt ne Mischung. Und das ist quasi der ruhigere Teil, den ich am Metal mag, der hört sich auch sehr ähnlich an wie das was ich selbst an der Gitarre manchmal raushole. Also ich glaube schon, dass man da eine Parallele findet, auch so in der Art und Weise, wie die Songs geschrieben sind vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht täusche ich mich auch.

    Du bist die Verbindung?

    Ich bin die Verbindung! Aber deine Frage war, wie es dazu kam? Ein Schlüsselmoment: so siebte, achte Klasse (da hat man ja noch nicht so einen Musikgeschmack) und dann als mir irgendjemand Billy Talent gezeigt hat ist so meine Liebe für „härtere Musik“ entstanden. Ich habe Schlagzeug gespielt, und dann eine Alternative Rockband gehabt. Ich hab einen Kumpel kennengelernt der Gitarre gezockt hat, der hat mir das ein bisschen beigebracht. Da habe ich mich dann reingefuchst und dann mit Singen, Rappen und sowas ist die Metalband entstanden.

    DANN habe ich Architektur studiert, habe dafür ein MacBook gebraucht, weil die Programme auf meinem alten Windows Rechner nicht gelaufen sind. Habe dann mit dem Juli mal einen Abend gesoffen und dann haben wir festgestellt, dass Garageband schon vorinstalliert war auf dem Laptop. Wir haben das mal ausgecheckt und einfach ohne Mikrofon in den Laptop rein gebrüllt und so Knöpfe gedreht (und hatten keine Ahnung, was sie machen) bis es sich mehr oder weniger gut angehört hat. Im Nachhinein war es schon ziemlicher Müll, den wir da gemacht haben. Aber das war dann so der Start des selbst Produzierens und ich hab einfach nie aufgehört, immer Bock dran gehabt.


    „So kam es, dass wir besoffen entschieden haben uns die Haare pink zu färben und dann die Idee hatten, Cloud Rap zu machen“

    Irgendwann gab es eine Phase, in der Juli nicht so viel Drive hatte und anders viel beschäftigt war. Da habe ich viel Mucke allein für mich selbst gemacht, wo dann auch immer mehr Gitarre reingeflossen ist. Und dann hat sich das so aufgespalten: diese Depri-Mucke mit Gitarre war dann LEVIN und die Suff-Mucke war dann Cloutboi Juli & Pink Stan und dann irgendwann hat sich halt das so verselbständigt und ist halt irgendwie ein bisschen ein größeres Ding geworden. Aber genauso kam dann eben Metal, Hip Hop und das Solo Projekt zustande.


    Wie sieht es denn jetzt aus? Was für Musik hörst du denn jetzt so selbst gerne bzw. was inspiriert dich?

    Ich habe so meine Go-To Alben und Songs, die ich immer höre – die werden mir auch seit Jahren nicht langweilig und es kommt sehr selten nur was Neues dazu. Der letzte, der dazu kam, war Makko, den höre ich viel zurzeit. Und sonst was ich viel höre, ist halt Metal Core, Deathcore, oder auch Hardcore. Sowas kann ich auf jeden Fall immer hören. Und was ich aber auch viel höre, ist einfach Mucke von Freunden: von Narses zum Beispiel.

    Ihr habt ja auch nen Track zusammen, oder?

    Drei! Also wir haben drei zusammen rausgebracht bis jetzt und aber noch drei in der Pipeline. Da wird noch mehr kommen. Wo war ich jetzt eigentlich? Was ich so gern höre? Also ich habe so meine zehn Go-To Künstler, die ich immer Pump und ein paar Freunde…. Was ich aber auch viel höre, sind meine unfertigen Demos, weil ich mich da halt konstant immer reindenke: „Okay, wie könnte ich weitermachen? Was könnte ich anders machen?“ Oder ich bin am Text schreiben. Also die packe ich mir aufs Handy, und wenn ich unterwegs bin, höre ich mal rein und vielleicht fällt mir was Geiles ein.

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    Da fällt mir jetzt noch eine neue Frage ein. Wie oft würdest du schätzen, hört man so ein Demo selbst an, bevor es rauskommt? Also ich stelle mir das so vor, dass man das so 100.000-mal hört und eigentlich, wenn der Release ist, das schon nicht mehr hören will.

    Ist oft so, deswegen versuche ich die Mucke so schnell wie möglich zu releasen. Also ich hatte früher so dann den Entschluss das immer am Tag, wo es fertig wurde, direkt rauszuhauen. Geht aber auch mal nicht gut, weil manchmal findet man den Track dann ein paar Tage später schon scheiße. Aber das ist auf jeden Fall das Gesündeste. Nicht zu viel overthinken. Auch wenn man noch selbst mischt und macht und so, dann hörst du ja nicht nur auf das Künstlerische… sondern man achtet ja auch darauf ob der Kompressor geil ist, der Equalizer, hat es die richtige Lautstärke, ist es auf allen Geräten gut ausgeglichen. Also du hast mehrere Probleme gleichzeitig.

    Von daher: man hört es sehr oft. Es kommt aber wirklich darauf an, wie lang der Zeitraum zwischen Fertigstellung und Release ist. Ich versuche es kurz zu halten, aber meistens schaffe ich es nicht. Von meinem Album lagen teilweise Songs drei Jahre rum und die habe ich sicher ein paar hundert Mal angehört. Es gibt auch viele Sachen, die ich nicht mehr hören kann. Aber dann irgendwann so alle paar Monate hört man dann doch mal rüber und denkt, es ist eigentlich schon ganz geil geworden, was man da gemacht hat. Würde man jetzt vielleicht auch nicht mehr so machen. Es ist ja auch schön, dass man eine Entwicklung sieht und hört. Hoffe ich zumindest.


    Meine eingefallene Frage ist eigentlich auch eine gute Überleitung zu meiner nächsten Frage, die ich mir tatsächlich aufgeschrieben habe, nämlich zum neuen Release – ZAHNLÜCKE MUTTERMAL. Erzähl doch mal kurz einfach so, gibt es eine Botschaft, ein Gefühl, das du mit dem Song vermitteln möchtest oder worum geht es?
    Also mit dem Song, der soll overall einfach so ein Lebensgefühl oder einfach so einen Vibe generell transportieren. Und ich würde jetzt nicht sagen, dass es eine Message hat, wenn man das runterbrechen müsste, dann ist es so…

    Feel Good?

    Es ist nicht unbedingt Feel Good – sondern eigentlich Feel Bad, aber wie man mit Feel Bad umgeht. In der ersten Strophe kommt ja zum Beispiel so „Vakuum in meiner Brust“ oder „Melancholie ist meine beste Freundin“ – dass man halt irgendwie viel Kopfweh hat, aber dass man weiter daran glaubt, dass man das alles irgendwie packt. Und dass man auch Sachen um sich rum hat, die einen stolz machen, die einen da durchpushen manchmal. Dass man die Sachen, die eigentlich nicht leicht sind, mit Leichtigkeit angeht oder zumindest versucht, sie nicht zu verlieren. Das wäre so die Message davon. Aber auch so der generelle Vibe.

    Manchmal verkrampf ich so beim Text schreiben. Hier konnte ich einfach nachts nicht einschlafen. Und dann sind mir einfach so ein paar Trashlines eingefallen, das wurde dann 8 Halbe von Cloutboi Juli & Pink Stan. Jedenfalls in der Writing-Session nachts um drei im Bett am Handy, ich habe einfach alles aufgeschrieben, was mir so eingefallen ist. Es ging echt überraschend schnell, es ist einfach so raus gesprudelt, einfach nicht zu viel nachgedacht. Und das ist vielleicht auch so der Vibe von dem Song. Nicht zu viel nachdenken und einfach mal die Leichtigkeit rauslassen.

    Also doch irgendwie Feelgood?

    Ein bisschen, ja.

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    Wie ist denn der Entstehungsprozess von neuer Musik bei dir? Du hast das ja schon so ein bisschen angeteasert.
    Ist aber auch immer unterschiedlich. Meistens spiele ich Gitarre, komme auf irgendwas was mir gefällt, nehme es auf, bastle Drums dazu, dann habe ich so ein Basic Loop und versuche das einfach schon mal grob zu arrangen, dass ich eine leichte Struktur habe: wo die Drums mal weg sind, dann etwas chorusmäßiges, wo es ein bisschen voller ist. Und dann exportiere ich mir das raus und schaue, ob ich was drauf schreiben kann. Oder manchmal habe ich eben wie bei ZAHNLÜCKE MUTTERMAL unabhängig vom Instrumental schon einen Text und versuche, ob der da drauf passt. Manchmal passt es nicht.

    Manchmal hat man einen geilen Text und ein geiles Instrumental, aber zusammen klingt‘s scheiße. Das passiert auch oft. Und oft ist es so, wenn man was Neues startet, dann ist diese Inspiration oder Begeisterung, die man für das neue Instrumental hat, so beflügelnd, dass es dann auch beim Text schreiben wieder läuft. Meistens entsteht tatsächlich alles an einem Tag. Aber oft dauert es auch ein Jahr, bis was fertig wird. Manchmal dauert es sehr lang, dann ist es oft verkrampft. Die guten Songs, auch die von mir, die so ein bisschen bekannter sind, das sind eigentlich fast alles Songs, die in einem Tag geschrieben wurden, also inklusive Instrumental und Text und Basic Mixen.


    Das kenne ich auch so von Freunden. Da gab es auch so eine Story, dass die im Studio waren und irgendeiner ist dann kurz duschen gegangen und hat im Spaß gemeint „okay, ihr schreibt jetzt in der Zeit einen Song“. Und dann kam er wieder und dann stand halt so das komplette Gerüst einfach schon und das ist auch jetzt einer von den bekanntesten Songs von denen.
    Auf jeden Fall. Ich habe auch in einem Interview mit Post Malone gehört, dass er einfach 60 Prozent von seiner Musik auf dem Klo geschrieben hat.


    Das stellt die Frage, wie viel Zeit er dort verbringt.
    Ja, erstens das, aber wie schnell schreibt er seine Songs? …. Vielleicht hat er auch Verdauungsprobleme.

    Was stehen denn bei dir so für Releases als nächstes an? Kannst du schon was verraten?
    So das nächste worauf ich richtig stolz bin, ist mit Narses zusammen, das ist „Mische“. Das wird wahrscheinlich als nächstes kommen. Und dann habe ich noch einen mit ihm, und selbst habe ich gerade so drei, vier neue Songs zu 80-90% fertig rumliegen. Aber da warte ich wahrscheinlich auf Winter. Ich glaube bei Cloutboi Juli & Pink Stan kommt auch noch was Neues. Alles, was noch so Sommer Vibe hat, und dann im Winter wird es wieder sad.

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    Und wie sieht’s aus mit Live-Auftritten?
    Mit LEVIN gibt’s zwei: am 9.9. Im Feierwerk in München und am 28.10. im Ampere mit Wait of the World – das sind gute Freunde von mir, die ein Album veröffentlichen, und bei dem Gig ist auch Bloomer mit dabei.

    Ah stimmt, die touren ja zusammen!

    Genau, und in München bei der Tour-Eröffnung bin ich Opener.

    Cool! Dann komm ich auf jeden Fall vorbei.

    Da freu ich mich auch drauf, weil Ben, der Sänger von Wait of the World, ist der Bruder von Jordan, meinem Gitarristen. Ich kenne die schon seit 2014 oder so. Es wird auf jeden Fall ein Freundeskreis-Abend, auf den ich mich sehr freue. Mit Cloutboi Juli & Pink Stan haben wir noch eine eigene Release Show im Oktober geplant, im Bahnwärter Thiel. Da kommt eventuell bald was raus. Es wird krass!


    Bin gespannt! Dann habe ich noch eine bisschen deepere Frage. Wenn du dem Konni, der gerade erst mit Musik machen angefangen hat, was mitgeben könntest, was wäre es dann?
    Ich glaube, mein erster Impuls wäre sehr langweilig und kurz: „Mach einfach.“ Ich bin eigentlich ganz happy damit wie es läuft. Weil ich glaube, die Frage zielt ja so ein bisschen darauf ab, ob ich irgendwas anders gemacht hätte, wenn ich es beeinflussen könnte.

    Ich bin ganz happy mit dem Weg, den ich so gegangen bin. Weil ich auf dem Weg sehr viele unterschiedliche Hintergründe mitbekommen habe. Von Schlagzeug dann über Zufall zur Gitarre gekommen, über noch größeren Zufall zu Hip Hop und so. Und ich würde einfach sagen, „trust the process!“.


    Und in jedem Untoldency Interview haben wir am Schluss noch eine untold story. Also irgendwas, das du noch nie in einem Interview erzählt hast, das du jetzt gerne teilen möchtest. Das kann eine witzige Story sein, random Fun Fact oder sonst irgendwas, das du einfach den Leuten mitgeben möchtest.

    Ich musste neulich für meine Sozialverwaltungsrecht-Prüfung lernen, und hab am Abend vor der Prüfung aus Prokrastinationsgründen mir selbst Merchandise von Nelly Furtado auf Shirtinator gebastelt, weil es kein offizielles Merch mehr von ihr gibt. Hab ihr Logo runtergeladen, es freigestellt, dann noch das Cover von All Good Things runtergeladen, jetzt ist vorne das Logo und hinten das Cover. Ich bin jetzt ein Unikat in diesem Tshirt!

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    Alle Fotos von Juliane Haerendel, München.

  • Jules‘ annual review: Monotonous or fulfilling? How I spent a hole year listening to just one artist

    Jules‘ annual review: Monotonous or fulfilling? How I spent a hole year listening to just one artist

    The fact that I’m joining our great editorial team this year to write down my first annual review when I’ve listened to exactly one (1) artist on repeat sounds absolutely silly at first. But I’m using this opportunity to finally inform the internet HOW GOOD I think his music is. You’ll find out which artist I’m talking about in a moment. Grab some gingerbread and/or a cup of coffee (both replaceable with anything you like) and immerse yourself in my musical year 2023.

    Jules-Jahresrueckblick-Jule-Jahresrueckblick-2023-Hazlett-Spotify-Wrapped-untoldency-Musicmagazine-Blog-Indie

    Anyone who knows me just a little bit or follows me on social media already knows what’s following and will probably now take an annoyed breath when I tell you that my entire annual review will be about Hazlett. Not because I didn’t want to dedicate an article to him anyway but just because no one had accompanied my musical year 2023 as extensively as he did. According to my Spotify Wrapped I listened to his music for 114,227 minutes, which means 79,3 days in a row. Well. What does that say about me? I have no idea. Maybe I’ve finally gone mad in 2023. But do I think I’ve found someone who does the perfect soundtrack for my heart? Definitely.


    A little journey through time

    But let’s rewind to summer 2022, the Acoustics Concerts are in full swing and I’ll be there as often as I can. On 12/07/2022 my friend Anoki is playing, of course I won’t miss it. On stage with him: Masha The Rich Man and… Hazlett. If I had known back then what this evening would entail, I wouldn’t have believed myself. There’s this Australian living in Stockholm in dungarees with his guitar on stage in front of the Spree and the 23rd city tour ferry while the sun slowly sets. I didn’t know him or his music but as always I was more than open to new artists. His set sounds folky, I love his voice straight away, he tells funny anecdotes between the songs and fills the stage to capacity even on his own. But he still seems a little awkward, in the most pleasant way. And then he plays his unreleased song Everybody Hates Me – which hits me like a bolt of lightning and which I haven’t been able to get it out of my head since. Looking back I think that this moment was the first time I really fell in love with music.


    The beginning of a (well-intentioned) obsession

    Until „Everybody Hates Me“ is released a month later I browse through his previous discography. And I don’t listen to just one song that I don’t think is incredibly beautiful? You probably know this: There’s your favorite band and you adore everything they do but there’s this one song that doesn’t quite grab you. That’s totally fine, no problem. But that’s absolutely not what happened here. Every single song sounds PERFECT to me and spoiler: One album and one EP later that still hasn’t changed. In September 2022 I saw Hazlett live again in Berlin when he played the Indiean Summer Tour 2022 at Privatclub, with a small band line-up this time. He personally touches me even more when he plays acoustic with his guitar but this set also fires up my nascent obsession.

    The debut album Bloom Mountain was released in January 2023. Days before l aready knew that it would be at the top of my lists of the year. Since then I’ve been taking a running jump into anything with „Hazlett“ on it. I know every damn interview I could find online, I’ve watched every video on his YouTube channel at least a million times. I bought a vinyl of his 2020 released EP Thundering Hopes in a average looking online shop for an unreasonable price. The fact Hazlett told me afterwards that he thought it was actually sold out didn’t really increase my hope of not being fooled. But not to draw an unnecessary bow here: It took forever to arrive but it’s now in the front row of my vinyl collection. I didn’t fall for a fake shop in 2023, check!

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    No distance is too far for me but some are just too expensive

    Whenever I’ve noticed Hazlett playing live in my area I was there. I’ve to admit that it was unfortunately only one more time, on 12/09/2023 in Berlin’s Privatclub when he played support for Wild Rivers (afterwards I spent an above-average amount of time thinking about why he’s almost always playing in Privatclub and whether he thinks that we only have this one location in Berlin?) I injured my foot really badly a few days before this concert and could hardly walk – but thanks to crutches that made it possible for me to sing the life out of my lungs along to every single song (and humming along to every chord) in the front row. At the end of the evening I bought a „Bloom Mountain“ vinyl from him and had a really nice chat about train journeys in Denmark and other interesting topics. Sounds incredibly random but was wonderfully normal. In the absence of other Berlin concerts I won’t deny that I was on the verge of travelling to Stockholm for one of his shows. I couldn’t afford it, but the will was absolutely there!


    How to: Becoming a fangirl again at age 31

    If you ask me what it is that makes me, now 31 years old, become the 16-year-old fangirl again (less screaming) I once was, I can’t give you a comprehensible answer. Because, I have to admit, I actually don’t really like the kind of music Hazlett makes – without getting into genre thinking. But when Spotify asks me to FINALLY listen to „similar artists“ because of my delusional listening behavior I invariably don’t like it that much. So what is it about his music that captivates me? I really don’t know. But over the years I’ve realized that I feel music even more when I „get to know“ the artists behind it. And I think that’s a big point here too. Hazlett is one of the most likeable artists I „know“. Very grateful, very approachable. He involves his community in almost every process, if they want to be involved. He speaks in „we“ when he releases new songs, referring to his fans who are obviously just as much a part of this project as his producer is. This feeling of community does a lot to me. A few days before the album-release he did a prelistening session on Zoom so his fans could talk directly and unfiltered about what came to their mind after listening to the full album. This is just wholesome to me.

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    The words in my head aren’t mine

    No matter whether I was sad, angry, frustrated or happy, motivated and beaming with joy in this year, Hazletts music has always accompanied me. I don’t know how many times I sang along fervently or listened to his songs to fall asleep. It just never got boring, even after the 20th time of listening to a song you still discover new subtleties. And if you ask me, I’m also recommending one of the best word acrobats to you:


    I wear my heart on my sleeve /
    I’m sick and tired of trying to change clothes for you

    („Part Time Lovers“)
    „I wanted to be / A little bit more
     Someone you see, who you adore /
    But happy sleeping on your floor“
     („Even If It’s Lonely“)
    It’s heaven sent / Then left on read“
    („Slow Running“)


    I could go on like this forever. It’s these lines that I have in my head 24/7 and that constantly change their meaning for me. A few days ago my best friend said to me: „I’m sure you’ve put more thought into the songs than he has“. It would be totally weird and snooty to agree with that – but somehow I can’t really deny it either. I’ve thought about his music for an inordinate amount. Apart from the fact that I naturally listened to a lot of other songs for untoldency, I rarely had the desire to listen to other music in my private life. Because I was able to keep myself so busy with Hazletts and inhaled everything I could get – and that was a lot this year, his output was insane. The weekend the album came out he just wrote another one. By the time you read this it’ll be one more day until his new EP „Goodbye To The Valley Low“ will be released. You can imagine who is already excitedly charging their headphones here.


    I would do it again!

    Overall, 2023 was a strange to difficult year for me, both mentally and physically. But the fact that I found someone who unintentionally had the right tone and the right words for every situation made a lot of things easier. I don’t know if any of you can relate to this but I hope you all find artists or albums that give you what Hazlett gives me. I am eternally grateful for this day in summer 2022 where it all began. I don’t know if I would have survived 2023 so well if I hadn’t had this musical branch to keep me afloat. That sounds pathetic but I don’t know how I could put it any more aptly. All I want to say is: Thank you, Haz!

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    Hard to believe, but…

    … of course I don’t want to deprive you of the few artists I’ve been listening to in between. At the top of this short list definitely is Paula Carolina, I really liked her EP Heiß/Kalt. I also think LINs Gradient is incredibly strong. My top artists 2023 also includes well-known favorites from previous years such as SALÒ, Anoki, Paula Hartmann or Jacob Leo. My favorite new discoveries includes Serpentin, MODULAR and Fiese Luise. But also classics by R.E.M., Lana Del Rey and Drangsal made it into my ears (at least briefly). And a very recent addition: MIKA released his new album Que ta tête fleurisse toujours last friday, I’m really loving it right now even though I don’t understand a single word. But do you always have to understand everything? Probably not.

    More than 1,600 letters later I’m coming to an end. I’m really glad you’ve made it this far. I don’t know if I could’ve done it myself. Actually we’re now adding a playlist created especially for this reviews so you can also listen to our musical year. But let’s be honest, that would really be pointless here. So I’ll just add the playlist that accompanied me in 2023 – with exactly all of Hazletts songs available on Spotify. I’d be delighted if you take a listen. And if his music gets you just a little bit please slide in my DMs so we can talk about it!

    But the really last paragraph is dedicated to my great untoldency team – I know how difficult this year has been for all of us. And yet every single one of you has given everything possible for this magazine. I am eternally grateful and I hope you know that. Lots of love! 💚

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  • Brenda Blitz im Interview: „Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten“

    Brenda Blitz im Interview: „Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten“

    Brenda Blitz veröffentliche im Juli ihre neue EP „Schock Herzbrand“. Sie ist schrill, mutig, aufregend und nimmt kein Blatt vor den Mund. So wie Brenda eben auch. Auf 6 Tracks zeigt Brenda Blitz, wer sie ist und dass es Gründe gibt, wieso man ihr zuhören sollte. Nach Supportshows für Querbeat, Ok Kid und Das Moped bewies sie, was sie live drauf hat und wie mitreisend ihr Auftreten funktioniert. Außerdem ist Brenda diesen Monat für den popNRW-Preis nominiert.

    Schock Herzbrand macht, ebenso wie ihr Debüt-Vorgänger, vor allem Spaß und lädt zum tanzen ein. Wobei dennoch sowohl textlich, als auch produktionstechnisch, eine deutliche Weiterentwicklung zu erkennen ist. Wir sind gespannt, was Brenda noch für uns in Zukunft bereit hält, denn an Energie und Motivation mangelt es ihr offensichtlich auf keinen Fall.

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    Brenda Blitz im Interview

    Dascha: Hi, schön, dass das geklappt hat. Magst du dich mal vorstellen, für alle, die dich noch nicht kennen?

    Brenda Blitz: Voll gerne. Ich bin Brenda Blitz. Aber eigentlich sag ich, auch auf der Bühne, lieber „Wir sind Brenda Blitz“, weil mein ganzes Team dazugehört. Also ja, ich bin Brenda und mache Wave-Pop.

    Dascha: Und wie würdest du deine Musik in drei Adjektiven beschreiben?

    Brenda Blitz: Auf jeden Fall knallig. Und, das ist zwar kein Adjektiv, aber: immer mit doppeltem Boden. Das find ich total wichtig. Der Sound ist ja meistens so treibend und happy, aber Themen nicht immer so. Also vor allem bei den neuen Songs sind Text und Melodie meistens konträr zu einander. Und als drittes experimentierfreudig.

    Dascha: Deine neue EP „Schock Herzbrand“ ist ja im Juli erschienen. Was war währenddessen die größte Herausforderung für dich und was die größte Freude?

    Brenda Blitz: Als ich die EP angefangen habe, habe ich noch nicht so unglaublich lange Musik gemacht und für mich war die größte Herausforderung, sie so klingen zu lassen, als würde ich schon ganz lange Musik machen. Ich wollte viele Einflüsse einbringen, mich an vielen verschiedenen Stilelementen bedienen, ich wollte einfach alles, was ich bin da reinpacken. Ich wollte einen Wiedererkennungswert erschaffen und mich von meiner vorherigen EP abheben. Im Endeffekt hab ich dann einfach gemacht. Die größten Herausforderungen kamen immer in den Zwischenschritten. Das Studio, wo ich aufgenommen hab, ist auf dem Land, dann musste ich Tausend Mal hin und her fahren. Die ganzen Fertigstellungsprozesse, die durchgemachten Nächte, die ganzen Leute, die wir bezahlen mussten, die Förderungen an den Start zu bekommen… Das hat so eine große Infrastruktur eine EP auf die Beine zu stellen. Also die Herausforderung lag darin, dass ich das alles so gut, groß und professionell wie möglich machen wollte. Ich glaube die Kapazität dieses Projekts war ein bisschen größer als ich. Ich dachte zwischendrin, dass ich das nicht packe, aber habe es doch durchgezogen. Es waren harte 1 ½ Jahre. Die größte Freude war, als alles fertig war und ich gemerkt hab, dass wir alles richtig gemacht haben. Ich musste anfangen zu weinen, als ich die fertige EP dann gehört habe, das war krass. Auch Nick, mit dem ich das produziert habe, hatte Tränen in den Augen und ich dachte okay, das ist ein gutes Zeichen, dass man was spürt. Ich glaube, das war die Antwort auf alles: Wenn ich nicht geweint hätte, hätte ich was falsch gemacht.

    Dascha: Voll schön! Du hast die Worte „Schock Herzbrand“ schon 2019 in deiner Single Durchsichtig erwähnt. Wieso wurde das nun der Titel deiner EP?

    Brenda Blitz: Ich hab einfach Wortschöpfungen oder neu definierte Begriffe, die ich gerne mag. Und den Ausdruck „Schock Herzbrand“ gibt es quasi ja noch gar nicht. Ich fand es war eine schöne Antwort darauf, dass ich aus der ersten EP etwas mitgenommen hab. Außerdem passt es einfach so gut zu dem Gefühl der Platte, dieses Verliebtsein, dass das Herz weh tut. Ich hab diese grätschigen Gitarren da drin, die manchmal viel zu hoch sind und fast weh tun. Einfach so reizüberflutend wie das Leben halt. Das war also nicht geplant, ich habe einfach überlegt und gemerkt, dass der Begriff mega gut passt.

    Dascha: Finde diese Wortschöpfung ruft einem mitten ins Gesicht. Von dem Song Energievampir bin ich großer Fan. Was raubt dir die Energie und was gibt dir Energie?

    Brenda Blitz: Menschen, jeder Art, die mir nicht gut tun, rauben mir die Energie. In dem Song geht’s ja auch nicht um eine klassische Beziehung, sondern um eine Art von Freundschaft. Außerdem Ungerechtigkeit. Dazu gehören auch Strukturen in der Musikbranche. Da gibt’s richtige Energiezieher, wo man sich so ungerecht behandelt fühlt. Dinge, die mir Energie geben, sind aber gute Freundschaften. Und Sport und Ernährung, damit kann ich meine Stimmung um 180 Grad umdrehen, wenn’s mir schlecht geht. Wenn ich einen neuen Track gemacht habe, gibt mir das auch richtig viel Energie. Ich würde sagen im Endeffekt ist es wirklich sehr entscheidend, was für Menschen man um sich rumhat, ob man Energie bekommt oder sie entzogen wird.

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    Dascha: Du hast außerdem einen Song auf der EP mit dem Titel 17. darin besingst du das Lebensgefühl aus der Perspektive eines Teenies. Was würdest der 17 jährigen Brenda heute raten?

    Brenda Blitz: Ich würde ihr raten, weniger Drogen zu nehmen. (lacht) Ich würde das heute nie machen. Meinem 17 jährigen Ich würde ich sagen „Ey, hör auf zu ballern und fang mal an Musik zu machen“. Ich würde ihr auch raten keine Energie an irgendwelche daher gelaufenen Typen zu verschwenden. Wenn ich die Zeit, die ich in Männer investiert habe, in Gitarren investiert hätte, wär ich heute Jimi Hendrix. (lacht) Aber im Endeffekt ist ja alles gut, ich bin jetzt hier, wo ich bin. Ist ja auch wichtig, dass man solche Phasen hatte, in denen man sich um nichts Gedanken gemacht hat, außer darum, wie das nächste Wochenende aussieht. Ich würde mir im Nachhinein aber raten nicht erst mit Anfang 20 richtig mit der Musik anzufangen. Einfach gesagt „Mach früher das, was dich weiter bringt“.

    Dascha: Und wie kamst du dann dazu Musik zu machen?

    Brenda Blitz: Eigentlich wollte ich das schon seit ich klein bin, habe mich aber für viele unterschiedliche kreative Dinge interessiert. Ich hab auch mal im Theater gearbeitet, manchmal beim Film, ich konnte immer vielen kreativen Spaten etwas abgewinnen. Dann hab ich aber gemerkt, dass die Musik mich von allen am meisten angezogen hat. 2019 habe ich mir gesagt „du machst das jetzt richtig“ und habe es dann angefangen durchzuziehen. Ich war auf einem Festival und dachte „Du willst da oben doch auch stehen“. Außerdem tu ich es mir mit Anstellungsverhältnissen sehr schwer. Ich hatte schon 28 verschiedene Jobs gehabt. Das liegt auch daran, dass ich mit Autoritäten so schwer klar komme. Auch in der Schule schon. Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten. Das ist an Musik als Job auch so cool, dass man da so frei ist. Das ist jetzt drei Jahre her, seit ich gesagt hab ich ziehe das jetzt zu 100% durch. Und ich war damals wirklich bei 0. Ich kannte nicht eine Person, die Instrumente spielt und kein Studio, kannte gar keine Veranstalter*in oder so. Aber in mir war ein Feuer, das man nicht löschen konnte.

    Dascha: Und wenn du von dem Moment sprichst, in dem du wusstest, du willst das auch machen und auf einer Bühne stehen willst: Ist es jetzt so, wie du es dir in dem Moment vorgestellt hast?

    Brenda Blitz: Voll gute Frage. Manchmal, manchmal. Ich hatte natürlich vergessen, dass man nicht direkt bei einer ausverkauften Bühne startet wie zum Beispiel bei Nina Chuba. Künstler*innenwege können ja sehr unterschiedlich sein. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass es manchmal auch gar keinen Spaß machen wird. Der Sommer war auch ziemlich durchmischt, was die Liveshows anging. Wenn man sieht, dass Leute Spaß haben und sogar mitsingen, dann ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe. Dass die Leute vor der Bühne einfach eine gute Zeit haben und es meine Aufgabe ist, ihr Freitagabend zu sein. Aber insgesamt ist es definitiv härter, als ich es mir vorgestellt habe. Ich liebe es wahnsinnig, aber es gibt viele anstrengende Momente. Die mich aber nicht 1cm davon wegtreiben würden.

    Dascha: Du meintest ja der Live-Sommer war durchmischt. Wieso hattest du das Gefühl?

    Brenda Blitz: Seit Anfang des Jahres hab ich eine Booking Agentur und ich habe gesagt, ich will dieses Jahr überall spielen, wo es möglich ist. Das Konzept: Wir nehmen alles mit. Aber dadurch hat sich rausgestellt, dass nicht unbedingt der richtige Weg ist. Ich denke da immer an das Altstadtfest in Trier. Das zählt zu den negativen Erlebnissen. Das war halt so ein dörfliches Stadtfest mit Bratwurst. Finde ich eigentlich mega cool, dass man sagt man bringt genau an solche Orte mal keine Coverband, sondern etwas ganz neues. Aber leider ist das nicht ganz so aufgegangen, weil das Publikum überhaupt nicht dafür da war. Da waren im Endeffekt nur noch drei Leute vor der Bühne, das war schon frustrierend. Und ich habe gemerkt, da gehör ich irgendwie nicht hin.

    Außerdem hab ich auch Konzerte gespielt wo kaum oder gar keine Gage da war. Die Range war sehr groß, von 0 bis 1200 € war diesen Sommer alles dabei. Man redet ja oft nicht offen über Gagen. Da frage ich mich manchmal schon, was andere Bands, die vielleicht nur white Dudes sind, bekommen. Ich mag es nicht, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Wahrscheinlich habe ich dieses Jahr auch festgestellt, dass es bei Festivals keine Sache von „Wir haben kein Geld“, sondern viel mehr eine Sache der Umverteilung ist. Der Main-Act kriegt ja meistens 80 % des Gesamtbudgets und für die kleinen Bands bleibt kaum etwas übrig. Das ist unfair, aber eben ein strukturelles Problem. Niemand würde in seinem Job gerne 20 Cent pro Stunde verdienen. Das macht mich schon traurig, ich möchte nämlich immer alles geben und die beste Show abliefern. Ich nehme teilweise allein für den Hinweg 6-7 Stunden auf mich, schleppe mich tot, schlafe im Zug und bin total kaputt. Wenn ich mir dann zurück ein Ticket am Bahnhof kaufe, ist meine Gage dann manchmal schon weg. Ist nicht immer so, aber kam oft vor. Da hat man schon das Gefühl, dass man nicht wertgeschätzt wird. Es gab zum Glück auch sehr geile Konzerte und Festivals, wo alles gestimmt hat. Was war für dich das coolste Festival oder Konzert dieses Jahr?

    Dascha: Ja voll, da hast du Recht. Jetzt spontan würde ich sagen das Stadt Ohne Meer Festival, das ist jedes Jahr eines der schönsten Erlebnisse des Jahres für mich. Das ist auch in meiner Heimat, also ein richtiges Herzensding.

    Brenda Blitz: Das war auch mein absolutes Lieblingsfestival. Die Leute waren alle super sweet und fair, sowohl vor, als auch hinter der Bühne.

    Dascha: Du meintest ja bei den negativen Auftrittserfahrungen war das Publikum nicht passend. Ich denke, es gibt viele Menschen, die einfach nicht bereit sind, sich auf etwas außerhalb ihres gewohnten Kreises einzulassen. Was würdest du sagen, muss man wissen oder verstehen, um Brenda Blitz zu verstehen? Wie kann man sich besser darauf einlassen?

    Brenda Blitz: Ich glaube, es ist ein Gefühl. Entweder du fühlst es oder du fühlst es nicht. Man kann ja auch niemanden dazu zwinge, etwas zu mögen. Ich fühl Trap zum Beispiel überhaupt nicht. Hip-Hop ist ja oft politisch, das ist cool und gut zu wissen, aber trotzdem erreicht mich der Sound einfach nicht. Da kann ich mir solche Liveshows egal wie oft anschauen, ich fühl’s nicht. Ich glaube manchen geht es so mit Brenda Blitz, aber das ist auch voll okay. Andersrum merke ich auch, dass wenn jemand davon gecatched ist, er oder sie das dann gar nicht richtig erklären kann. Ein Brenda Blitz-Gefühl haben oder eben keins.

    Dascha: Passend dazu: Was für Komplimente hörst du am liebsten zu deiner Musik? Was freut dich am meisten?

    Brenda Blitz: Also ich freue mich generell immer über alles, was mir schönes gesagt wird. Das aller schönste was mir wahrscheinlich gesagt wurde war von ein einem sweeten Teeniepärchen. Die meinten, als sie zusammengekommen sind, haben sie immer zusammen Küss Mich gehört. Das ist so cool, Teil von einem Erlebnis zu sein. Das kennt ja jeder, wenn man verliebt ist und einen Song auf Dauerschleife hört. Man wird für immer diesen Song mit dieser Situation verbinden. Ansonsten ist es auch immer schön, wenn jemand sowas sagt wie „Ich hatte eine schlechte Woche, aber dein Auftritt hat mir grad viel gegeben“. Wenn man Leute ein bisschen aus ihrem Alltag rausfischen konnte. Dafür macht man es ja auch. Ich freu mich aber sehr über detailliertes Profi-Feedback und wenn Leute auf kleine Akzente achten.

    Dascha: Und was würdest du dir wünschen, was die neue EP in den Hörer*innen auslösen soll?

    Brenda Blitz: Ich würde gerne eine neue Ebene aufmachen. Also zeigen, dass noch mehr möglich ist und dass Dinge nicht immer so sind, wie man denkt. Dinge sind nicht so festgefahren, wie sie scheinen. Auch soundmäßig würde ich gerne Horizonte erweitern. Die EP ist schon poppig geworden, aber es ist trotzdem ein alternativer Sound. Ich find’s cool, wenn Leute dadurch vielleicht eine Form von Musik kennen lernen, die sie vorher nicht kannten. Ansonsten auch noch eine Art Selbstermächtigung durch die Texte. Und auch, dass man den Humor und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen nicht verlieren darf. Natürlich hoffe ich auch, dass die Leute bei Nicks quietschenden Gitarrensolos genau so mitfiebern und eine gute Zeit damit haben.

    Dascha: Was können wir noch von dir erwarten? Was sind deine kommenden Ziele und Träume?

    Brenda Blitz: Also ich bin schon an den nächsten Tracks dran. Ich hab ganz viele politische Skizzen bei mir rumliegen, bei denen ich immer unsicher war, ob ich sie rausbringen soll, weil es so aneckende Themen sind. Eins meiner Ziele ist also politischer in der Musik zu werden. Ansonsten auch meine Liveshow. Ich möchte eine unglaubliche Show auf die Beine stellen. Dafür wünsche ich mir, dass die Gagen bald gut genug sind, damit ich alle Tänzer*innen auf der Bühne immer dabei haben kann, wie ich es mir vorstelle. Es soll richtig aufregend werden. Und auch, dass Brenda Blitz sich bei den Leuten festsetzt, dass mehr Leute das kennenlernen.

    Dascha: Dann bin ich gespannt darauf! Deine Musik geht ja auch in Richtung New Wave. Hörst du in deiner Freizeit viel solcher Musik?

    Brenda Blitz: Das war auf jeden Fall meine erste Inspiration. New Wave war die erste Musik, bei der ich wirklich was gespürt habe. Auch in der Schule sind damals alle auf ihre Charts-Partys gegangen, ich war aber immer eher nischig unterwegs. Also nicht nur New Wave, auch viel Talking Heads, The Cure, The Smiths, Joy Division, die ganzen Klassiker. Ich hab daraus total viel gezogen. Aber auch von den neuen Bands in der Richtung, Black Marble zum Beispiel. Mittlerweile hör ich sowas aber weniger und jetzt auch viele poppigere Sachen, nicht nur ganz dunkle Sachen. Dua Lipa und HAIM zum Beispiel. Ich find das so geil produziert, da achte ich viel drauf. Aber ich höre immer noch gar keine deutschsprachige Musik.

    Dascha: Echt? Das hätte ich nicht gedacht.

    Brenda Blitz: Das Moped, mit denen ich auf Tour war, die sind mal wieder eine coole deutschsprachige Band. Und Drangsal mag ich auch. Aber ansonsten wirklich gar nichts. Inzwischen bin ich aber viel offener geworden, was das angeht. Ich interessiere mich jetzt auch für Musik in den Charts, das hätte ich früher niemals gedacht. Es ist einfach spannend sich mit Popkultur zu beschäftigen.

    Dascha: Cool, wie sich das ändert. Deine Musik klingt ja auch eher uplifting als dunkel. Ich bedanke mich für deine Zeit und deine Antworten!

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    Foto Credit: Frederike Wetzels
  • Die Welt geht unter mit Vincent Ancot, Till Otter und „Apokalypse Wow 2022“

    Die Welt geht unter mit Vincent Ancot, Till Otter und „Apokalypse Wow 2022“


    Der Gitarrist und Produzent Vincent Ancot fühlt sich von vielen Musikrichtungen beeinflusst. Der vielfältige Input lässt seine Musik über jegliche Eingrenzungen von Genres hinauswachsen. Dabei macht er sich das Unkonventionelle in seiner Arbeit zum Markenzeichen. Die Schwierigkeit Vincents Musik einzugrenzen, zeigt sich einmal mehr in „Apokalypse Wow 2022“, ein Song mit hoffnungslos überhöhter Kulisse.

    Die Welt geriet ins Wanken

    Fluten von tragischen, beunruhigenden Schlagzeilen sind in überfüllten Zeitungsblättern nicht mehr nur zu lesen. Mittlerweile fallen sie uns an, finden ihren Weg in unseren Alltag, bohren sich in unsere Gedanken. Global gesehen sind es gerade sehr schwierige Zeiten. Und es scheint in der nächsten Zeit nicht einmal geringfügig besser zu werden. Der kritische Zustand ist nicht mehr eben nur ein Szenario, sondern Realität.

    Aber von einer Apokalypse kann dennoch wohl kaum die Rede sein. Oder? Zugegeben wäre es hoffnungslos pessimistisch und maßlos übertrieben das Wort Apokalypse (gerade aus unserem Standpunkt heraus!) auch nur in den Mund zu nehmen. Stellen wir uns trotzdem vor, wir sind der dramatischste, überzogenste Pessimist, den die heutige Welt je gesehen hat. Wir stehen jeden Morgen auf, unbeeindruckt von neuen schlimmen Nachrichten und abgestumpft gegenüber Krieg und Gewalt. Nachts träumen wir von Dystopie und Verwüstung. Wer sonst sollte also eine düstere, chaotischere Alternative zur allgegenwärtigen Situation erschaffen als wir selbst? Und dann schreiben wir einen Song.

    Das brillante Ergebnis unseres ausgelassenen Hangs zum Drama klänge vermutlich wie „Apokalypse Wow 2022“. Geschrieben von Till Otter und produziert von Vincent Ancot, erzählt der Song nahezu filmisch von apokalyptischen Kulissen und Wiederauferstehung, einzig und allein um wieder zum unausweichlichen Ende der Welt zurückzukehren.

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    Als Zahlen um Zahlen sanken

    Was uns nicht primär betrifft, hat dennoch Auswirkungen zweiten Grades auf unser alltägliches Sein. Es herrschen Lieferengpässe, Rohstoffe werden knapp und alles wird teurer. Vielen gelingt es nur knapp und kläglich und genügend Menschen gar nicht mehr, sich das Leben zu leisten. Für viele hat der allgegenwärtige Zustand also durchaus einen scheinapokalyptischen Charakter.

    Warum aber setzt Vincent Ancot letztlich einen bereits 2021 erschienenen Song neu auf und gibt ihm ein noch dramatisches, fast groteskes, neues Gewand? Ganz klare, einfache Antwort: Weil es passt. Es passt in die Zeit und Situation. Nicht unbedingt ist damit nur die Thematik gemeint. Vielmehr das cinematische Kleid und die Dramaturgie des Arrangements sind es, was es so perfekt abrundet. Endlich erlaubt es uns das sonst Dystopische in seiner überzogenen Darstellung ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Und das fehlt uns doch zurzeit so sehr. Eine gewisse Leichtigkeit mit einer Prise Ironie.

    Und der Mond verblieb im Meer

    Geschrieben von Till Otter & produziert von Vincent Ancot, erzählt "Apokalypse Wow 2022" von apokalyptischen Kulissen & Wiederauferstehung.
    Produzent, Gitarrist und apokalyptischer Strippenzieher Vincent Ancot

    Noch einmal zurück zu unserer pessimistisch-überzogenen Selbstinszenierung vom Anfang. Stellt Euch vor, wir stehen eines letzten Tages irgendwo allein an einer Klippe mit einer freien Sicht bis zum Horizont. Das ersehnte Apokalypsen-Szenario ist direkt vor unseren Augen. Der Himmel brennt, überall sind Asche und Trümmer und aus dem Wasser wurde Teer. Uns wird klar, der Mond wird nicht mehr aufgehen. Wir schließen die Augen und setzen uns mit einem lässigen Lächeln unsere Kopfhörer auf. Um uns herum explodiert alles und wir hören DIESEN Song, DIESEN Soundtrack.

    In „Apokalypse Wow 2022“ hören wir Kometeneinschläge und Dramatik, Zerstörung und Verwüstung. Und inmitten von all dem die allmächtig wirkende Stimme von Till Otter, dem Schöpfer des Originals. Ich erinnere mich, als Vincent Ancot und ich Teil von Tills Band waren und den Song in einer wesentlich anderen Version gespielt haben. Zu hören, wie der Song sich unter einer präzisen Regie zu einem filmreifen Werk entwickelt hat, lässt mich persönlich in Nostalgie schwelgen.

    Am Ende zeigt er uns aber einmal mehr, dass wir manchmal selbst diejenigen sind, die sich unsere Welt zerstören. So lange wir nämlich darüber schreiben und lesen können, wie gut wir Musik finden und was sie mit uns macht, scheint es uns wesentlich besser zu gehen, als einem Großteil des Planeten.

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    Fotocredit: Jacqueline Kannengießer