Rage, verträumte Popmelodien und rockige Hymnen – girli zeigt uns einen authentischen Einblick in ihre Gefühlswelt und ist dabei so relateable. Das perfekte Album für den Sommer!
girli bringt Female Rage in den Alternative Pop. Zwischen Wut und Romantik fühlt es sich so an, als hättest du einen langen Talk mit deiner besten Freundin — ungefiltert und mit allen Höhen und Tiefen.
Das Album eröffnet mit „Blue Sky“. Der Track beschreibt ziemlich genau das, was viele Girls in ihren Zwanzigern durchmachen: dieses Hin und Her zwischen Unsicherheit und dem Wunsch nach Freiheit. Zeilen wie „Three years from thirty, still stuck in this city / Caring what strangers might think“ sind mir sofort hängen geblieben. Es ist dieses beruhigende Gefühl zu merken, dass man mit seiner eigenen Lostheit nicht alleine ist. girli singt davon, einfach nur unter einem „blue blue sky, in the place of the ceiling“ liegen zu wollen – I can relate.
Wer girli kennt, weiß: Sie macht keinen Hehl aus ihrem Rage. „Slap on the Wrist“ war die zweite Single des Albums, die veröffentlicht wurde und trifft genau ins Schwarze. Eine rockige Pop-Anthem, die beschreibt, was es bedeutet, als Frau in dieser Welt zu existieren. Getränke abdecken beim Date, Schlüssel zwischen den Fingern auf dem Nachhauseweg – halt einfach Realität, wenn man kein Macker ist. „If you were me for a day / Trust me, you’d feel the rage / They blame it on my outfit / And all that he got was a slap on the wrist“ – girli bringt es auf den Punkt. Und wenn sie davon träumt „If I could be king for a day“, dann ist das nicht nur Wunschdenken, sondern ein Statement.
Heartbreak und gute Laune
Neben der Wut ist auf dem Album auch verdammt viel Platz für emotionales Chaos. „Pedestal“ zeigt, wie klein man sich fühlen kann, wenn man sich so sehr in die Idee einer Beziehung hineinsteigert, dass man den Blick für die Realität verliert. Der Song „Don’t Make Me Cry“ ist einfach nur schönes Storytelling: „I know you’ll love me right / But I’m too used to the downfall / I’ve seen it every time.“ girli schafft es, emotionale Schwere in fröhliche Beats zu packen – und ja, man bekommt dabei fast gute Laune. Ist das überhaupt erlaubt?
Besonders ans Herz gewachsen ist mir „Lifestyle“ – ich kann aber auch nicht anders, wenn Drums im Refrain hitten und ich einfach mit meinem Kopf mitwippen MUSS. girli singt viel über queere Liebe und blickt hier auf eine vergangene Beziehung zurück. Die Angst, aus der Geschichte der Ex-Partnerin einfach wegradiert zu werden. Zeilen wie „Tell your friends that I made you gay / Hate to break it to you, you were born that way“ oder „Don’t you dare call me a phase“ brechen ihre Emotionen auf eine so ehrliche Art runter, dass der Song definitiv zu meinen Favoriten gehört. Auch hier kommt das Thema „Rage“ wieder vor, wenn auch unterschwelliger.

Auch „Light in the Dark“ hat sich in meine Dauerschleife geschlichen. Die groovy Melodie, die Lyrics – wer hier nicht wenigstens ein bisschen mitsingt, hat was falsch gemacht. „Touch me there, don’t tell me if you think that we could be more than this / Stranger on my fingertips, it’s easier like this“. Das ist so ein Song, den man an einem Sommerabend im Cabrio laut aufdreht und zusammen mit seiner besten Freundin rausgrölt. Haare zerzaust vom Wind, Sonnenbrille auf dem Kopf und ein bisschen Sonnenbrand auf der Nase.
Rockige Hymen und Girly-Pop-Anthems
„Bones“ hat mich erst nicht abgeholt, aber wie das nun mal so ist: nach ein paar Durchläufen wurde daraus ein kleiner Ohrwurm. Ähnlich war es bei „Traces“ – musikalisch ist der Song für meinen Geschmack etwas fade. Das gleiche dachte ich auch erst bei „Romantic Sadness“, aber weil der Song so schön geschrieben ist, ist er mir doch ans Herz gewachsen. Eins muss aber sowieso festgehalten werden: girli macht Storytelling super nahbar und es macht einfach Spaß ihr zuzuhören.
„Squirm“ hingegen hat mich direkt überzeugt. Der Song kommt mit einem rauen, rockigen Sound daher, der sich perfekt ins Album einfügt. „The way you’re looking at me / I go all shy, it’s disgusting“ – ich liebe diese Zeile. Und dann ist da noch „Better Undressed“, der sich anfühlt wie eine 2010er Girly-Pop-Anthem – and I’m here for it! Wer kann auch schon einer Friends-to-Lovers-Story widerstehen? Definitiv mein neuer„Get Ready“-Song, bevor man in eine lange Partynacht aufbricht.
Die Antwort – oder so ähnlich
Das Album schließt mit „The Answer“ – und naja, die Antwort auf alles bekommen wir vielleicht nicht. Aber es ist ein messy Lovesong, eine romantische Fantasie, die daran erinnert, dass Liebe und Leidenschaft real sind. Dass sie da draußen noch existieren und auf die eine oder andere Weise Wirklichkeit werden können.
„it’s just my opinion“ fühlt sich an wie eine Sammlung von Tagebucheinträgen. girli gibt tiefe Einblicke in die Struggles eines Girls in den Zwanzigern – und als ebenfalls Girl in den Zwanzigern kann ich mich darin so sehr wiederfinden. Für mich trifft sie irgendwie einen Nerv: Das Album ist wütend und romantisch, chaotisch und ehrlich. Und genau das macht es so gut. Also reinhören jetzt!
Fotocredit: Connie Swift und Believe Music
















