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  • SUKIE entwirrt in ihrer Debüt-EP „Love and Impatience“ ein Chaos an Gefühlen

    SUKIE entwirrt in ihrer Debüt-EP „Love and Impatience“ ein Chaos an Gefühlen

    SUKIE ist eine junge Künstlerin, die sich Ende letzten Jahres mit ihrer Debüt-EP „Love and Impatience“ direkt in viele Herzen gesungen hat. Die Mischung aus Singer-Songwriter Vibes, die sie mit ihrer klaren Stimme sehr gut rüberbringen kann, und leichten elektronischen Pop-Einflüssen, die aber auch einen R’n’B Touch haben, lässt sie schwer in eine Schublade stecken. Den scheiternden Versuch habt ihr gerade gelesen. Deswegen lassen wir die Schubladen weg und hören einfach mal direkt rein. Denn wer weiß, vielleicht ist SUKIE ja noch eine nachträgliche Entdeckung für jemanden. Für mich auf jeden Fall.

     
    „We are chaos of chemistry„

    Der erste Song der EP heißt Action/Reaction und meine erste Assoziation ist der Film „Die Kinder des Monsieurs Mathieu“, den ich irgendwann mal im Französisch Unterricht geguckt hab. Hängen geblieben ist außer diesem berühmten Motto nicht viel, er war halt auf französisch. Diese erste Assoziation beiseite, ist SUKIES Interpretation von Action/Reaction um Welten schöner. Mit treibenden Percussions und Drums schafft sie eine angespannte Spannung mit dem Opener Song, der das ständige Hin und Her einer Beziehung beschreibt, aus der sie ausbrechen möchte:

    „we are chaos of chemistry, i am asking to break the chain“

    Der zweite Track ist Sober, der meiner Meinung nach zurecht am bekanntesten Song der EP. Auch SUKIE selbst sagt über Sober:

    „Wer schon mal aufgewacht ist, um zu merken, dass man letzte Nacht im Rausch ein bis fünf Nachrichten an jemanden gesendet hat, die nicht unbedingt hätten abgeschickt werden müssen, findet sich bei Sober wieder.“

    Geschrieben innerhalb von 10 Minuten, beschreibt der Song genau dieses. Die „Fick dich, dann halt nicht“-Phase vier Tage nach der Trennung. Dominiert wird der Song von einem Synth-Riff, der basslastige Beat wird immer wieder unterbrochen und SUKIES Vocals singen gegen mehrstimmige Stimmen an, die wie Engelchen und Teufelchen auf der Schulter hocken (Beschreibung geklaut von dem offiziellen Pressetext). Alles an Sober ist ein treibender Fluss, der wütend und resigniert zugleich ist. Definitiv ein Reinhören wert:

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    „Choose Your Weapon“

    Not Quite markiert den ruhigen Part der Love and Impatience EP. Hier kommen definitiv SUKIEs Singer-Songwriter Qualitäten zum Tragen. In der ersten Minute nur getragen von ihrer Stimme und den Melodien eines Chors, kommt ein so klares Klavier hinzu, dass ich kurz denke, es steht direkt vor mir. Ich kann die Trauer praktisch spüren. Die Ruhe wird von einer tiefen Drum unterbrochen, die mich auch fast vor Schmerz zerreißen lässt. Wer wissen will, ob ich theatralisch übertreibe, oder ob sich das wirklich so anfühlt, hört am besten selbst rein.

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    Der schmerzhafte Verlust in Not Quite gipfelt im nächsten Song Hit Me. Die Hamburgerin tanzt auf dem schmalen Grat zwischen Zerbrechlichkeit und unerschütterlicher Stärke. Ich verspüre ganz leichte Selena Gomez Vibes, warum, kann ich nicht erklären. Auf jeden Fall find ich’s gut.

    SUKIE gibt sich aber nicht dem Schicksalschlag einer gebrochenen Liebe hin, sondern kämpft. This Is War ist nicht nur der letzte Song der EP, sondern auch der, der mich am meisten überrascht hat. Während die Strophen ruhig und schön sind, bricht im Refrain ein Synthie-Beat aus, der absolut das bewirkt, was er soll: Krieg ausrufen.

    Schon fast zynisch schließt This Is War das erste musikalische Kapitel ab, mit der SUKIE in unsere Musikszene einmarschiert. Mein Hut fällt zu Boden und ich möchte mehr hören.

     

    Hört hier Love and Impatience rein und überzeugt euch selbst:

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  • Dreimalumalpha im Interview: „Der Rest ist… Kunst“

    Dreimalumalpha aus Innsbruck in Tirol haben im Dezember 2020 das in meinen Augen beste deutschsprachige Rockalbum des Jahres herausgebracht. „Jugend ans Geld verloren“ kam aus dem Nichts und begeisterte nicht nur mich, sondern auch viele Magazine, Radiosender und Kritikerinnen. Mit einem klaren und zielstrebigen Rocksound, den ich in dieser Form lange nicht mehr gehört habe, schafft die dreiköpfige Band brutale Ohrwürmer, die noch tagelang hängen bleiben. Die absolut treffsicheren Texte runden dieses erstaunliche Debüt ab. Eine große Coming-Of-Age-Geschichte, zu der ich wieder, wie als Teenager, kopfüber im Bett liege und mit meinen dreckigen Socken gegen die weiße Dachschräge im Takt der Musik mitstampfe.

    Ich konnte mit Dreimalumalpha vor ihrer Probe per Videochat sprechen. Zu Wort kamen alle Bandmitglieder, nämlich Simon (Gesang, Gitarre), Thomas (Bass, Backingvocals) und Hannes (Drums). Ich war leider nicht in der Lage den ganz zauberhaften und liebenswürdigen Akzent zu verschriftlichen, aber bitte stellt ihn euch vor:


    Dreimalumalpha im Interview


    Lukas: Hallo ihr drei, schön, dass das geklappt hat mit uns. Sagt mal, wie habt ihr euch kennengelernt und wie lange macht ihr Musik zusammen?

    Simon: Dreimalumalpha gibt es schon seit ein paar Jahren. Die Band war zuerst personell anders besetzt, aber da hat sich kaum was ergeben für die Öffentlichkeit. Erst im April 2017 habe ich Hannes kennengelernt und dann sofort mit ihm ein Konzert gespielt. Hannes und ich kannten uns vorher auch nicht. Ein Freund rief mich an und sagte: „Du, neben mir sitzt der Hannes, der spielt Schlagzeug, das wär doch was für dich?“ Dann haben wir telefoniert, Hannes war berauscht, und gleich ausgemacht, dass wir das machen mit der Band.

    Thomas: Ich hatte euch in der alten Besetzung ja zwei mal schon gebucht für die Venue, wo ich arbeite. Und als ihr am nächsten Morgen euren Stuff abgeholt habt, habt ihr mich gefragt, ob ich dabei bin.

    Simon: Genau, Thomas arbeitet bei der Talstation in Innsbruck und wir waren gerade auf der Suche nach einem neuen Bassisten. Und so hat sich Dreimalumalpha geformt.

    Lukas: Warum gerade Innsbruck? Ist das eure Wahlheimat oder eher eine Zwangsheimat?

    Hannes: Wahlheimat, ganz klar.
    (allgemeine Zustimmung)

    Simon: Kommt drauf an, wenn einen die Lebensumstände gezwungen haben, dann ist es auch eine Zwangsheimat. Wie viel Wahl hat man, wie viel Freiheit? Ich bin auch geflüchtet irgendwie, so eine Mischung.

    Thomas: Gewählt nach Innsbruck, genau. Ich wollte zwar auch mal weg, aber dann habe ich doch etwas gefunden, was mich hier hält.

    Lukas: Wie sieht denn ein typischer Tag in Innsbruck aus (Pre-Corona)?

    Hannes: Innsbruck ist definitiv eine Sportlerinnen-Stadt.

    Lukas: Ah, dann wahrscheinlich viel Wintersport, oder?

    Hannes: Sommersport, Wintersport, Herbstsport und Frühlingssport. (lacht)

    Simon: Ja, schon auch viel Bier trinken und so. Kulturelle Veranstaltungen besuchen… Auf der Bogenmeile, das sind die Viaduktbögen in Innsbruck, da fährt auch die Bahn drüber… Dort befinden sich viele Lokale. Das sind bestimmt 15-20 Lokale, die sich da erstrecken. Und dort trifft man sich halt Sonntags. Das ist eigentlich der Treffpunkt.


    „Wir verfolgen nicht den Plan, konzeptmäßig da rein zu passen“


    Lukas: Gibt es denn eine Musik- bzw. Indieszene in Innsbruck, der ihr euch zugehörig fühlt?

    Hannes: Eine Indieszene gibt es kaum. Unser Genre ist nicht so sehr vertreten.

    Simon: Ich glaub so Funpunk und politischer Punk ist ziemlich in gerade. Metal… vielleicht eher in den Proberäumen. Auf der Bühne ist es eher der Punk.

    Hannes: Konservatoriums-Jazz…

    Simon: Aber auch nicht ausgiebig und blumig und schwanger… So ganz verschiedene Jazzclubs nach dem Motto: „In welchen Jazz-Club gehma heute?“ sind hier aufgrund der Größe nicht anzutreffen.

    Lukas: Seid ihr also vielleicht der Beginn einer „Tiroler Schule“ als Pendant zur „Hamburger Schule“ der 90er Jahre?

    Hannes: Ich glaube das coole für viele Bands in Österreich ist, dass sie hier umher fahren können und dadurch der Ort vielleicht nicht die größte Rolle spielt.

    Simon: Ich denke auch. Die Journalisten nehmen, um die Spalten zu füllen, gerne dieses geografische Thema auf.

    Lukas: Sind die Bands der „Hamburger Schule“ denn überhaupt persönliche Vorbilder oder ist das eher ein Zufall, dass euch viele Rezensentinnen mit diesem Subgenre vergleichen?

    Simon: Ich als Songwriter habe mich nicht quer durch die Hamburger Schule gehört. Ich habe schon recht viel von Tocotronic gehört, vor längerer Zeit. Ich kenne bissl was von Tomte, vielleicht vier Lieder. Und von den Sternen vielleicht auch vier, fünf Lieder. Und sonst kenne ich eigentlich nicht viel. (lacht) Aber natürlich habe ich auch das ein oder andere Stilmittel gut gefunden und das spiegelt sich sicher auch in unseren Songs wider.

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    Lukas: Es schwingt leicht mit, dass euch die Vergleiche zu dieser hanseatischen Rockepoche langsam nerven…

    Simon: Also mich noch nicht. Noch nicht. Aber es ist halt so eine absehbare Geschichte.

    Hannes: Ich glaube der Punkt ist, dass wir nicht den Plan verfolgen, konzeptmäßig da rein zu passen. Es gibt tausend andere Bands und Genres, die genau so großartig sind.

    Lukas: Welche Art von Musik wäre das dann? Auf was könnt ihr euch z.B. im Tourbus einigen?

    Hannes: Wir überzeugen uns gerne gegenseitig mit fremdem Material. (lachen)

    Simon: Ich hör’ zum Beispiel gerne ghanesischen Funk aus den 70er Jahren…

    Thomas: Hör ich auch sehr gern…

    Simon: Echt jetzt? (lacht) Dann wissen wir ja schon, was wir bei der nächsten Tour im Auto hören. Aber das ist wirklich weitreichend… Von alten Klassikern aus dem Indierock bis hin zu amerikanischen Songwritern aus den 60er Jahren…

    Thomas: Ich höre viel 70s Soul und auch härtere Musik aus den 70ern… Aber auch viel Modern Jazz und Neo Soul, sowas.

    Hannes: Bei mir viel deutschsprachige Musik und das, was jetzt unter „moderner Punkrock“ fällt. Da bin ich eigentlich immer dabei und höre ich mich gerne durch.

    Lukas: Und deutschsprachige Rockmusik? Ist Gitarrenmusik tot?

    Hannes: Ich glaube es wird alles gerade poliert, überproduziert und glattgebügelt, oder wie sagt man? Immer weniger so handgemachte Live-Musik.


    „Man muss es auch ein bissl so hinnehmen“


    Lukas: Euer Debüt „Jugend ans Geld verloren“ ist ungefähr vor einem Monat digital erschienen und bleibt der Gitarrenmusik auf jeden Fall treu. Ein Album zu produzieren ist allerdings heutzutage ja schon fast altmodisch – was hat euch dazu bewegt?

    Thomas: Es war ja nicht immer so der Plan, dass wir das so veröffentlichen…

    Hannes: Es gab verschiedene Pläne und Diskussionen. Und wir haben uns nach vielem Hin und Her dazu entschieden, es so zu veröffentlichen.

    Simon: Wir haben vorher auch viele Singles rausgehauen eigentlich. Über ein Drittel des Albums als Single- und Videoveröffentlichung. Aber irgendwie ist das auch so unser Mindset, dass man ein Album rausbringt.

    Hannes: Für uns hat es einfach einen Wert ein Album rauszubringen, was in sich stimmig ist und auch zusammengehört, von der Musik und von der Zeit her. Und das Format Schallplatte ist eben auch interessant.

    Lukas: Das Album hat ja auch wahnsinnig gute Kritiken bekommen. War euch das vorher klar bzw. ist es beim Produzieren deutlich geworden, dass das ein Erfolg wird?

    Thomas: Weil ich neu dazugekommen bin und die Musik schon relativ fertig war, war mir von Anfang an klar, dass diese Musik nicht dafür gemacht ist, nur in Innsbruck gespielt zu werden. Da ist Potenzial dahinter. So bin ich in die Band eingestiegen.

    Hannes: Kalkuliert quasi, eiskalt kalkuliert… (lachen)

    Simon: Natürlich gefällt einem das sehr gut, was man selbst macht. Das ist ja eine Identifikationsplattform für einen selbst. Ich habe auch gespürt, dass es ein Potenzial hat und auch für andere Leute geschrieben wurde. Also wie es gemacht ist, ist ja nicht nur rein für uns. Ich wusste, dass werde ich ja irgendwann auch jemandem vorspielen wollen. Jedenfalls war es der große Wunsch und insgeheim auch irgendwie das Wissen, dass es für viele Menschen hörbar werden könnte.

    Lukas: Auch Andreas Müller, ein Moderator im Deutschlandfunk Kultur, hat ja im Interview mit euch gesagt, „Am Karussell von Ingo Blaumann“ sei der beste Song, den er je gehört habe…

    Simon: Ja, stimmt… Ich habe mich da am Anfang gar nicht getraut, das noch mal zu erwähnen, weil ich nicht wusste, ob das jetzt wirklich sein kann. Aber es ist wahr anscheinend. (lacht)

    Lukas: Der Titel „Jugend ans Geld verloren“ ist allein schon ein richtiger Eyecatcher und stiftet viele Assoziationen. Warum dieser Titel?

    Hannes: Der Titel stammt von Simon, ich kann nur sagen wie ich ihn finde. Ich finde es beschreibt einfach eine Phase in der eigenen Biografie, die zwangsläufig stattfindet. Es ist gar nicht die Frage, ob es passiert, sondern dass es passiert und wie man damit umgeht und diesen Prozess reflektiert. Die Frage kam oft: habt ihr eure Jugend ans Geld verloren? Ich würde sagen, es passiert mehr oder weniger den meisten Menschen.

    Simon (ein neues Bier öffnend): Der Titel ist nicht unmittelbar mit den Songtexten verknüpft. Songs und Titel sind auch zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt entstanden. Das hat sich dann irgendwie als Abschluss, als Deckel… oder als Fassung dieser vielen einzelnen Nummern ergeben, dass es „Jugend ans Geld verloren“ heißen soll. Der Rest ist… Kunst. Es braucht auch eine gewisse Intimität zu diesem Kernthema, das man nicht klar aufschlüsseln kann. Es ist einfach eine Geschichte, eine große Geschichte. „Jugend ans Geld verloren“ ist halt der Titel. Es gibt sicher auch andere Titel, die gut gepasst hätten. Da ist kein definitiver Punkt auf dem Album, wo man sagt: deswegen heißt es „Jugend ans Geld verloren“. Es gibt so viele Bedeutungsebenen und Interpretationsmöglichkeiten. Man muss es auch ein bissl so hinnehmen. Man muss es so hinnehmen und das beste für sich draus machen.


    „Nicht immer nur »alles super, wir wollen danzn«“


    Lukas: Die Texte der Songs haben definitiv auch einen politischen Sound. Wollt ihr politisieren bzw. moralisieren?

    Thomas: Man kann es so hinnehmen und sehen, dass das irgendwie politisch ist. Aber man muss es auch nicht so verstehen, weil es irgendwie nie zu direkt oder offensiv politisch ist im Sinne von „mach das nicht“ oder „pass genau auf dies und jenes auf“. Wenn man selbst diese Themen schon mal reflektiert hat, wird man es klar so verstehen. Aber wenn nicht, dann… weiß ich nicht.

    Simon: Es ist sicher politisch. Weil ich auch Ohnmacht, Wut und Veränderungswillen verspürt habe in meinem Leben. Und zu dem Zeitpunkt, als ich gewisse Lieder geschrieben habe, ist das präsent gewesen und dann kommt es auch in den Liedern vor. Ich habe einfach mehr auf meinen intuitiven Schreibfluss gehorcht als jetzt gezielt politisch sein zu wollen. Denn man kann ja oft gar nicht sagen: genau dies oder jenes ist das Problem. Im Songwritingprozess ist es meistens weniger die Anklage alleine, es ist oft eine Mischung aus Anklage, einer gewissen Art von Trauer und der Ohnmacht gegenüber bestimmten Themen.

    Lukas: Auch das Stichwort Zeit und ein Coming-Of-Age Konzept habe ich oft in den Texten wiedergefunden.

    Simon: Die Zeit spielt für mich eine Rolle. Das hängt für mich auch sehr konkret mit dem Titel zusammen. Dieser fließende Übergang von „verliebt in die Idee und das Spiel“ und im nächsten Moment berechnend und professionell gegenüber dem Leben. Um produktiv zu sein, im wirtschaftlichen Sinne. Auch diese Spannen, wann fängt es an, wann hört das auf? Das ist natürlich ein Zeitthema.

    Lukas: In den letzten zwei, drei Jahren, vor allem 2020, kam immer mehr Musik mit politischen Inhalten raus. Ist es in diesen Zeiten überhaupt möglich, ein unpolitisches künstlerisches Werk zu schaffen?

    Thomas: Ich glaube es ist schon gut, dass es Musik gibt, die komplett unpolitisch ist. Es muss ja nicht immer zum Nachdenken anstiften. Musik ist auch mal ganz fein zum Entspannen. Oder mal zum Durchdrehen. Oder um alle möglichen Gefühlslagen zu durchleben. Es ist aber natürlich auch schön, wenn es irgendwo in der Musik auch ein bissl mehr Inhalt gibt und nicht immer nur „alles super, wir wollen danzn“.

    Lukas: Zum Tanzen regt eure Platte dennoch an vielen Stellen an. Es klingt alles sehr organisch und nicht konstruiert in der Produktion. Wie und wo ist das Album entstanden?

    Hannes: Ich glaube der Live-Charakter ist in jedem Song hörbar. Ich hoffe man hört, dass es menschengemachte Musik ist und das war auch die geplante Herangehensweise. Matthias Magerle, der Bassist vor Thomas, hat das Album mit uns in seinem Projektraum aufgenommen und produziert und es steckt auch ein großer Teil von ihm drin.

    Lukas: Nun hat Corona ja das Leben vieler Künstler im letzten Jahr stark beeinflusst. Könnt ihr vielleicht auch positive Schlüsse daraus ziehen?

    (Pause)
    Hannes: Irgendjemand hat zuletzt positiv angemerkt, dass wir trotz Corona das Album herausgebracht haben. Vielleicht gibt es auch mehr Leute die gerade sensibel für neue Musik sind. Corona hat aber dafür gesorgt, dass wir den Schwung der Albumveröffentlichung nicht direkt für Live-Konzerte nutzen können. Das ist mit Sicherheit ein Problem.

    Lukas: Was sind eure Wünsche und Aussichten für Dreimalumalpha im kommenden Jahr und für die Zeit nach der Pandemie?

    Simon: Wir sind guter Dinge im Februar eine Konzertreihe zu starten, beginnend zunächst in Österreich. Wir wollen natürlich viel live spielen. Am liebsten so jeden dritten Tag im Jahresschnitt. Und wir arbeiten weiter an unserer Musik.

    Lukas: Danke für eure Zeit und das nette Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!

    Die im Februar erscheinende Vinyl von Dreimalumalpha kann man hier vorbestellen.

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  • Loslassen und frei sein: „Hoch“ von Cro

    Loslassen und frei sein: „Hoch“ von Cro

    Ich erspare mir die Beschreibung des Künstlers in diesem Fall, denn Carlo Waibel alias Cro sollte jedem schon lange ein Begriff sein. Nach seinem zuletzt 2017 erschienenen Album tru. meldet sich Cro 2020 mit einer Reihe neuer Singles und einer Albumankündigung für 2021 zurück.

    Es geht hoch

    Mit Fall Auf (feat. Badchieff) wurde im August der erste Track des kommenden Albums trip released. Für viele eine Überraschung, denn dieser klang überhaupt nicht nach dem zuletzt veröffentlichten Rap Album. Doch Cro war schon immer nicht in eine Schublade zu stecken und das bewies er auch mit den darauffolgenden Singles Endless Summer, LMF2, Dich und Hoch. Am 09.04.2021 sollen diese auf dem neuen Album erscheinen.

    Der Stuttgarter Musiker, der jetzt schon seit einiger Zeit auf Bali lebt, schlägt mit den neuen Singles eher eine Indie-Richtung ein, man hört Pop-Rock und psychedelische Einflüsse mit Tame Impala inspirierten Sounds. Am 03.12 wurde es mit Hoch jedoch wieder Rap-lastiger.

    „In einer Welt voller Gravitation
    macht deine Leichtigkeit den Unterschied.“

    Hoch steht für Freiheit, Loslassen, den Fokus des Lebens und klingt außerdem viel erwachsener als seine frühere Musik. Es wirkt so als würde Cro von oben auf das Leben schauen und dabei erwachsen und reflektiert über alles sprechen. Lebensweisheiten, die der 30 jährige wohl auf seinem Weg mitgenommen hat, machen den Song sehr persönlich und ehrlich. So schwerelos wie der Song auch klingt, ist der Text sehr inhaltsvoll und tiefsinnig.

    „Man fährt die Liebe in ’nem schicken Wagen
    an die Wand und merkt’s nicht,
    was für ein beschissenes Geräusch,
    wenn ein Herz bricht.“

    Der Refrain erinnert ein bisschen an das letzte Album von Kanye West, die Chöre erwecken religiöse Assoziationen. Ich hatte beim ersten Hören absolute Gänsehaut, man muss sich einfach zurücklehnen, den Song und vor allem seine Worte genießen. Das ist kein klassischer Hip Hop Track, Hoch kommt so unscheinbar und unspektakulär daher, aber verändert irgendwas im Inneren. Jedes weitere Mal, wenn ich ihn höre, bekomme ich dieses beruhigende „Hey, eigentlich ist alles voll okay“-Gefühl. Es ist so so schön!

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    Das dazugehörige Musikvideo ist sehr einfach und wirklich nichts besonderes. Zu sehen ist Cro alleine auf einem leeren Hügel, nur umgeben von Wasser und Inseln, größtenteils mit einer Drohne von oben gefilmt. Aber vielleicht spricht der Song auch einfach für sich, vielleicht sagt er schon alles aus, was er muss. Das Video scheint so, als ob Cro zeigen möchte wie frei er ist.

    Passend dazu erzählte er letztens in einem Q&A auf YouTube, dass ihn das Leben in Deutschland sehr gestresst hat, da alles immer auf Leistung und Erfolg ausgelegt war, wobei sein Leben in Bali nun komplett anders und ruhiger ist. Eine Entwicklung, die auch in seiner neuen Musik zu hören ist. Ich denke die neue Musik kann auch die überzeugen, die früher gar nichts mit Cro anfangen konnten.

    Zu empfehlen ist auch die Trapped in Paradise Livesession (Teil 1, Teil 2 folgt im Januar) mit neuen (auch unreleased) und alten Songs in ganz entspanntem Style und chilligen Sommervibes bei Sonnenuntergang: könnt ihr euch hier anschauen.

    Wie geht es weiter?

    Doch was genau kann man vom neuen Album erwarten? Cro will sich weiterhin nicht auf eine Richtung festlegen, deshalb wird das neue Album zwei Seiten haben, ein Doppelalbum also: Zwei verschiedene Cros mit sogar zwei verschiedenen Masken und dazu verschiedenen Musikrichtungen. Man kann nur gespannt sein!

    Vor Kurzem verriet Cro in seiner Instagram Story, dass trip sein allerletztes Album sein wird. Hört er nun wirklich mit der Musik auf, weil er bereits quasi alles erreicht hat als Musiker oder ist es nur ein geschickter Promo-Move? In einem darauffolgenden Livestream antwortete er auf Nachfrage, verdächtigerweise in dritter Person sprechend: „Ja, es wird Cro’s letztes Album sein, aber keine Sorge, ich werde nicht komplett verschwinden.“

    Wird es nach Cro vielleicht Musik unter einem anderen Künstlernamen geben? Oder wird Carlo nur noch in anderen Bereichen tätig sein? Malen, zeichnen und basteln, wieder Klamotten designen, als Producer für andere arbeiten oder sein eigenes Label truworks Records voranbringen, Möglichkeiten gäbe es da viele. An Kreativität und Vielseitigkeit mangelt es Carlo auf jeden Fall nicht und was es mit der Zukunft von Cro auf sich hat wird sich wohl zeigen. Für eine Überraschung ist er ja immer wieder zu haben.

    „Es geht nicht darum was geht,
    sondern darum was für immer bleibt.“

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    Credit für das erste Bild: @simone_cihlar auf Instagram

  • Träumen mit Newcomer Luke Noa und „Roccastrada“

    Träumen mit Newcomer Luke Noa und „Roccastrada“

    Nach dem Release seiner ersten Single After All sowie seiner ersten EP Adaption im Jahr 2019 folgte dieses Jahr nun die neue Single Roccastrada vin Luke Noa, die zum träumen einlädt.

    Dass Luke Noa nicht aus England kommt, sondern aus einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg, klingt vermutlich überraschend für alle, die seine Musik kennen. Zumindest war es das für mich, nachdem ich den Song Roccastrada zum ersten Mal gehört habe. Britischer Indie-Rock – ganz sicher. Na gut, ist nicht der Fall, aber das macht ja auch nichts. Ich bin mir sicher, dass man ihn in Englands Clubs und auf Festivalbühnen noch früh genug sehen wird. In Deutschland war er schon mit den Rikas auf Tour und ist bereits als Support-Act bei Fil Bo Riva angekündigt. Luke Noa lässt sich von Künstlern wie The War On Drugs, The Strokes oder Bruce Springsteen inspirieren. Beim Stöbern in seiner Inspirations-Playlist fand ich auch Songs von den Giant Rooks, Phoebe Bridgers oder Mumford & Sons. 

    “I’ve been dreaming again last night,
    you showed up to the war in my mind”

    Roccastrada ist mein persönlicher Moodbooster aus dem Jahr 2020. Ich mache diesen Song an und zack, gute Laune! Er handelt von Traumbewältigung und ihr Verschwimmen mit der Realität. Thematisch irgendwie immer sehr passend und zeitlos. Bereits das Intro von Roccastrada hat mich gecatched. Die Dynamik bekommt der Song definitiv durch die zwei Strophen, während der Refrain vergleichsweise ruhig ist und das Traum-Thema zum Besten ausdrückt. Der Refrain lässt dich für einen kurzen Moment innehalten. Was mich aber jedes Mal aufs Neue mitreißt, ist der durchgängig rockige und gitarren-lastige Sound des Songs. Der wird auch nach 30x Mal hören nicht langweilig. 

    „And now both of those restless minds,
    slowly slip back into life,
    and now that all the lines divide,
    I hope we‘ll meet at another time“

    Mein Highlight ist die Bridge am Ende des Songs, die textlich wie auch musikalisch den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss des Songs bildet. Die Lyrics in Roccastrada sind einfach schön und hören sich keineswegs einfach nur dahin geklatscht an. Es ist ein sehr persönlicher Song, der auch auf Grund eines gebrochenen Herzens und Schlaflosigkeit entstanden ist. Roccastrada ist übrigens ein Ort in Italien, an dem Luke Noa diesen Song vor zwei Jahren geschrieben hat.

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    Für den Dreh des Musikvideos kehrte Luke Noa zu diesem Ort zurück – für ihn die einzig richtige Option, um die Geschichte des Songs visuell zu erzählen. Das Video spiegelt das träumerische Thema ziemlich gut wieder und hat mich beim Schauen sehr stark an die Ästhetik von Call Me By Your Name erinnert. Man sieht Sequenzen vom Meer und von Oliven-Feldern, die einem das Gefühl geben, man wäre Protagonist:in in einem italienischen Arthouse-Film. 

    Seine EP Adaption ist ebenso hörenswert und mit Roccastrada bin ich nun noch gespannter auf Luke Noa’s – hoffentlich bald – kommendes Debüt-Album. 

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    Fotocredit: Massimiliano Corteselli

  • „Yellow von Coldplay, but add a little bit of spice“ – ein Cover von flor und MisterWives

    „Yellow von Coldplay, but add a little bit of spice“ – ein Cover von flor und MisterWives

    oder auch: Wie flor und MisterWives das beste Cover 2020 abgeliefert haben.

    So ihr Lieben, als allererstes muss ich mal beichten, dass mich die Auswahl des Songs für diese Review weitaus mehr Zeit gekostet hat als der Artikel an sich. Entscheidungen treffen? Kann ich. Aber es kam dieses Jahr halt einfach viel zu viel sau gute Musik von meinen Lieblingskünstlern raus.

    Und für was hab ich mich dann entschieden? Ein Cover. ABER, nichtsdestotrotz hab ich hier (wie immer) ne Menge zu sagen, also schnallt euch an und enjoy the ride!

    … Jeder der schon mal auch nur mit einem Auge in meine Richtung geschaut hat, könnte wissen, dass es wenig gibt, was ich so gern habe wie die vier Jungs von flor aus Oregon. Wird das jetzt also eine Lobeshymne? Guckt doch mal selber:

    Die Geschichte von flor, yellow, und mir hatte schon vor einigen Jahren ihre Anfänge.

    Genauer gesagt in der Bottom Lounge in Chicago, Oktober 2017 – als ich flor das allerallererste Mal live gesehen hab – da war deren Cover von yellow Teil der Setlist. Damals noch mehr mit Akustikgitarre und originalgetreuer, aber mindestens genauso schön. Kurze Zeit später verschwand das Lied dann aber irgendwie so komplett von der Bildfläche, und wurde von mir schmerzlich vermisst. Umso größer meine Freude dann dieses Jahr, als das Cover wieder von den Toten auferstanden ist.

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    In einem Interview mit OnesToWatch von vor ein paar Monaten, erklären die Jungs auch, warum das Cover so geworden ist, wie es jetzt klingt:

    We had covered „Yellow“ live in the past
    – more as a straight-up recreation (…),
    but as we were working on the reimagined EP,
    we thought „what if we took an iconic song
    that has had such an impact on the world,
    and brought it into the world of ley lines?“
    The idea really excited us and we just ran with it.

    (ley lines ist das zweite Studioalbum von flor, und letztes Jahr im September erschienen)

    Das neue yellow klingt nämlich dann doch ein bisschen mehr upbeat als ich gewohnt war, berührt mich aber immer noch sehr. Und spätestens als dann in der zweiten Strophe Sängerin Mandy der Band MisterWives anfängt zu singen bekomme ich jedes Mal wieder Gänsehaut. Die Stimmfarben von flor’s Sänger Zach und von Mandy passen einfach unfassbar gut zusammen.

    Die Idee, Mandy mit ins Boot zu holen, kam tatsächlich sehr spontan: Bassist von flor und Produzent Dylan war nämlich zur gleichen Zeit mit der neuen EP von den Jungs und mit dem neuen Album von MisterWives beschäftigt. Als Mandy für die Vocals im Heimstudio von Dylan war, probierten die beiden sich direkt noch an einer Feature für yellow – und in einer halben Stunde war das Ding dann auch im Kasten. Naja, passt eben wie Arsch auf Eimer, wenn man das mal so sagen darf.

    Zusammengefasst:

    Diese Version von yellow ist wie eine warme Decke und eine Tasse Kakao, nachdem man draußen in der Kälte war = einfach himmlisch. Aber gelb ist ja schließlich nicht umsonst die Farbe der Freude und des Glücks!

    Ach, und bevor ich’s vergesse: Erst vorgestern gab es noch ein kleines Weihnachtsgeschenk – und zwar ein flor Konzert von zuhause aus! (und hier hört man auch endlich mal die backing vocals von Bassist Dylan klar und deutlich). Zwar war yellow nicht auf der Setlist – aber dafür gab’s eine gute Mischung aus Songs vom Debütalbum come out. you’re hiding, von ley lines, und natürlich die im Sommer erschienene Single lmho – „laying my heart out“.

    Meine Empfehlung für diesen Freitagnachmittag also: holt euch eine Tasse Glühwein, ein paar frisch gebackene Plätzchen, eine flauschige Decke, und zieht euch die 30 Minuten rein. Aber passt mit dem heißen Glühwein auf – nicht, dass ihr den beim Mitwippen noch über euch schüttet! 

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    Fotocredit: Lily Pearl Yang

  • Heartbreak-Indie Pop: „Colorblind“ von Beach Bunny

    Heartbreak-Indie Pop: „Colorblind“ von Beach Bunny

    Okay, stellt euch folgende Filmszene á la OC California vor: Ihr seid gerade so um die 18 Jahre alt, es ist eine warme Sommernacht und ihr seid mit euren Freunden unterwegs. Ihr fahrt alle zusammen im Auto durch die Gegend, hört laut Musik und singt aus vollem Hals mit. Die Lichter der Stadt verschwimmen irgendwie ineinander, bis ihr an eurem Ziel ankommt: ein kleiner Club. Dort sind noch mehr Leute, die ihr kennt. Ihr hört im Hintergrund schon die Band spielen. Und als ihr reinkommt, tanzen alle zur Musik und singen mit, und auf der Bühne steht die Band Beach Bunny und sie spielt ihre poppigen Indie-Heartbreak-Baladen.  

    Coming Of Age mit Beach Bunny

    Also meiner Meinung nach macht Beach Bunny den perfekten Soundtrack für jegliche Art von Coming-of-Age Filmen oder Teenieserien. Bestes Beispiel dafür ist der Hit Prom Queen, der auf der gleichnamigen EP 2018 erschienen ist. Nicht nur weil der Song auf TikTok viral ging hat sich die Band eine beachtliche Hörerschaft erspielt, sondern vor allem, weil die meisten ihrer Lieder und Melodien energiegeladen sind, aber gleichzeitig genau die Themen besingen, die vor allem weibliche Teenager und junge Erwachsene umtreibt. Dass hier sehr persönliche Erfahrungen der Frontfrau der Band aufgegriffen werden, ist nicht von der Hand zu weißen. Und doch beschreibt sie in ihren Liedern viele Szenarien so ehrlich, dass man sich sicherlich mit mindestens einem identifizieren kann. Zum Beispiel bei dem eben erwähntem Song Prom Queen, in dem sie mit Schönheitsidealen abrechnet. Oder in dem zweiten Song dieser EP Painkiller, in dem sie eine schwierige Beziehung auf ihre Art verarbeitet.

    Lili Trifilio, die Frontfrau von Beach Bunny, hat – wie heutzutage viele Karrieren beginnen – angefangen, in ihrem Zimmer Lieder selbst aufzunehmen und bei Bandcamp hochzuladen. Um in ihrer Heimatstadt Chicago an einem Battle of the Bands-Wettbewerb teilnehmen zu können, holt sie sich kurzerhand Unterstützung in Form ihrer Bandkollegen dazu. Nachdem sie dann eine Weile zu dritt unterwegs waren, stieß noch der Bassist der Band hinzu und macht somit das musikalische Projekt komplett.

    Poppige Herzschmerzhymnen

    Das Debüt Album Honeymoon erschien an Valentinstag, den 14. Februar 2020 – wie passend. Auch hier finden sich poppige Herzschmerzhymnen, darunter auch mein Favorit der Platte: der Song Colorblind. Die bildhafte Sprache, die Lili Trifilio verwendet, find ich in diesem Song besonders schön. Gleich zu beginnt wird gesungen:

    „Feel like technicolor TV screens / Only say you see black and white / More to me than a daydream, you’re my color scheme / You’re a whole spectrum of light“.

    In dem Song geht es um eine On-Off Beziehung, in der sich der Partner immer wieder entschuldigt, aber sich nichts ändert. Bis man an einem Punkt angekommen ist, wo man es nicht mehr ertragen kann:

    „Every moment I fall to pieces / Every moment I fall apart“.

    Letztlich sollte man auch wissen, wann es genug ist und akzeptieren, dass es keinen Sinn hat, so mit sich umgehen zu lassen. Im Gegensatz zu dem eigentlich traurigen Text des Songs, klingt die Musik viel positiver und energiegeladener. Ich meine, dass man einen traurigen Text mit einer eher fröhlichen Melodie kombiniert ist nichts neues, aber das stört ja eigentlich auch niemanden. Weil, wenn wir ehrlich sind, will man doch spätestens ab dem Chorus nur noch laut mitsingen und mitspringen (vorzugsweise auf einem Konzert der Band mitten im Getümmel).   

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    Empowering ist das neue Motto

    In einem Interview mit der amerikanischen Rolling Stone erzählte Lili Trifilio, dass das Material auf Honeymoon hauptsächlich im Jahr 2018 geschrieben und 2019 aufgenommen wurde. In diesen zwei Jahren ist die Anfang Zwanzigjährige durch viele Veränderungen in ihrem Leben gegangen, inklusive einer Trennung, was sich auf dem Album auch wiederfinden lässt. “At the time, I didn’t really know my worth and had lower self-esteem, so a lot of the Honeymoon songs are sort of dramatic, sad ballads. Now I’m trying to write more empowering songs — maybe talking about the same things, but I have a more healthy mindset.” *

    Das klingt doch wunderbar oder? Einen ersten Vorgeschmack auf die kommende EP Blame Game, die am 12. Januar 2021 erscheinen wird, gibt es bereits mit dem Song Good Girls (Don’t Get Used).

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    * Hier nachzulesen

    Fotocredit: Alexa Viscius

  • Anna’s Jahresrückblick: untold Alben 2020

    Anna’s Jahresrückblick: untold Alben 2020

    Wir haben nun ja alle beschlossen, 2020 war eher so meh. Auch musiktechnisch war’s teils durchwachsen, aber auch teils einfach nur genial gut. So wie Jule fass ich hier also nun meine sechs besten Alben aus diesem Jahr zusammen und puh. Albummäßig war 2020 ganz schön was los. Und das, obwohl das Konzept „Album“ bekanntlich immer mehr zurückgeht. Streaming-Algorithmen sei Dank. Nichtsdestotrotz hab ich mich in so viele Wunderwerke verliebt, dass mir es echt sehr schwerfiel, mich zu entscheiden. Aber wen’s doch interessiert, welche Alben mich verzaubert haben, please keep reading below.

     
    Giant Rooks – Rookery

    Ich hab sehr viele Gefühle über dieses Debütalbum – wahrscheinlich wie ihr alle. Detailliert könnt ihr sie hier lesen, weil ich mich schon sehr ausführlich darüber ausgelassen hab, wie toll ich es finde. Aber Giant Rooks haben wirklich einfach abgeliefert. Nach langem Warten (nicht so lang für mich, weil ich bin dem Zug nicht mal hinterhergerannt, so spät war ich) haben sie mit Rookery ein mehr als stabiles Debütwerk hervorgezaubert. Es öffnet mit The Best Of Both Worlds, endet mit Into Your Arms und hat zwischendrin einfach nur H I T S. Mein favs: Very Soon You’ll See, Silence und What I Know Is All Quicksand.

     
    Nothing But Thieves – Moral Panic

    Eigentlich verdient dieses Album eine komplette Review nur für sich. Wer Nothing But Thieves noch nicht kennt, sollte sie auf jeden Fall mit diesem Album auf dem Schirm haben. Die Band aus Southend, England haben mit Moral Panic ihr drittes Bandalbum veröffentlicht und mich komplett aus den Socken gehauen. Wenn ihr gute Riffs aber auch Alternative Rock mit dem richtigen Gefühl für poppige Melodien mögt – checkt sie aus. Es eröffnet mit alarmierenden Sirenen und heftigen Riffs in Unperson, breitet sich in voller Genre-Bandbreite in der Mitte aus und endet mit fast Orchester-Vibes in Before We Drift Away – der Titel sagt alles aus. Einfach die Zeile “As we sing this familiar song, I thought, I’m gonna miss your love when it’s gone” trifft völlig in mein Herz, imma say it like it is. Da dies aber keine komplette Review ist (vielleicht kommt sie ja noch), leg ich euch erstmal meine drei Lieblingssongs ans Herz: Is Everybody Going Crazy?, Phobia und eben genanntes Before We Drift Away.

     
    Dua Lipa – Future Nostalgia

    Ebenfalls etabliert ist Dua Lipas Future Nostalgia als bestes Pop-Album 2020. Nicht viel zu diskutieren, einfach top. Checkt in dem Zuge doch unsere untold pop hymns 2020 Playlist aus, dessen Cover sie auch ziert. Es ballert einfach richtig schön von vorne bis hinten, ob’s Don’t Start Now ist oder Levitating, niemand konnte sich dieses Jahr Dua entziehen. Die Lieder, die ich am meisten gehört hab: Don’t Start Now, Cool und Pretty Please.

     
    Glass Animals – Dreamland

    Jedes Mal, wenn ich Dreamland von Glass Animals höre, denk ich mir: BESTES Album 2020 einfach. Viel zu spät drauf aufmerksam geworden, aber umso mehr drin verliebt. Hier wurde mehr als einmal mit Kopfhörern auf durch die Wohnung getanzt dabei und es hat mir Ohrwürmer für Tage beschwert. Ich bin immer noch begeistert von der Range an Beats, Instrumenten und Song-Aufbaus des ganzen Albums. Hiervon drei Lieder zu picken war auch hier einfach nur schwer, aber nach mehreren Um-entscheidungen sind es jetzt: Space Ghost Coast To Coast (Titel auch einfach), It’s All So Incredibly Loud und Heat Waves.

     
    Allan Rayman – Christian

    Ich hab einen riesen Schwachpunkt für geile Stimmen. Ganz oben im Game dabei ist Allan Rayman und jeder, der mich entweder kennt oder öfter Sachen von mir liest (pls reach out, I’m so touched), wird das schon viel zu oft gehört haben. Um mich selbst zu zitieren: „Allans Stimme hat Sexappeal.“ There it is, it’s out. Aber es ist so, Allan Rayman ist einfach mein persönlicher, klein unterschätzter GOAT (Greatest Of All Time). Dieses Level an musikalischem Genie, ich weiß auch nicht. Über’s Album hab ich mich schon einmal hier ausgelassen. Lieblingslieder: Madhouse, Pretty Please (ein kleines @Dua hier lol) und Hello To Me.

     
    Taylor Swift – folklore

    Ich hab lange überlegt, welche Alben es in meine Top-Auswahl schaffen und irgendwie sind es, bis auf Rookery, nur internationale. Wieso, weiß ich auch nicht genau, es kam sehr viel Gutes aus eigenen Reihen, aber als Gesamtwerke haben mich die obigen einfach am meisten abgeholt. So wie folklore von Taylor Swift. Viel gehatet, oft unterschätzt, aber dieses Jahr einfach mal die ganze Musikindustrie völlig überrascht.

    folklore und evermore (letzte Woche erst gedroppt) sind Teile der gleichen Welt, nicht geplant sondern einfach entstanden. Beide Alben kamen völlig aus dem Nichts. Und sie klingen total anders. Taylor ist dafür bekannt, sich stetig weiterzuentwickeln und macht so anstatt Pop einfach mal Folk. Und sie macht’s unfassbar gut. Die Ästhetik heißt Taylor im Herbstwald, inmitten einer von ihr geschriebenen Märchenwelt, die einen an die Hand nimmt und begleitet, sobald man auf Play drückt – die Reise in ein alternatives 2020. Lieblingslieder aus folklore: cardigan, exile (da ist Bon Iver mit drauf, ich hatte keine Wahl) und this is me trying.

     

    Zum Mithören, hier die Playlist:

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    Dieser Soundtrack an Alben hat also mein Jahr bestimmt. Von Indie zu Rock, zu Pop, R’n’B und Folk – eigentlich eine ganz gute Mischung. Ich hab hier auch bestimmt alles mindestens einmal umgeschrieben, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte. Ging einfach nicht. Bin immer noch ein ganz leichtes bisschen unzufrieden mit meiner finalen Auswahl. Deshalb, um mein Gewissen zu beruhigen, diese Alben waren auch einfach nur GEIL:

     

    Gus Dapperton – Orca

    Jeremias – alma EP

    Jessie Reyez – Before Love Came To Kill Us

  • Von Freundschaft und Vermissen – „i’m so in love with all of my friends“ von Philip Brooks

    Von Freundschaft und Vermissen – „i’m so in love with all of my friends“ von Philip Brooks

    In seiner im September 2020 veröffentlichten Single „i’m so in love with all of my friends“ thematisiert Dream-Pop Musiker Philip Brooks die tiefe Liebe zu seinen Freunden, aber auch die damit verbunden Ängste.

    „It’s a song about celebrating platonic love.“

    Gefühlsgrenze

    Der in Deutschland geborene Wahlengländer beschreibt seine Musik selbst als „songs that feel like soft clouds floating in evening light“ und treffender hätte man es nicht formulieren können. So wie alle seine Songs hinterlässt auch dieser so ein unbeschreiblich schönes, wohltuendes Feeling. Ich fühle mich trotz kalter Jahreszeit sofort an warme Sommerabende zurückversetzt. Irgendwie klingt seine Musik für mich immer wie die Farbe rosa- Macht einfach Sinn, oder?

    Eröffnet wird das etwas andere Liebeslied mit der Line „I wonder if my friends love me the same as I love them“ und trifft damit direkt in mein Herz, weil auch ich mir oft diese Frage stelle. Es geht aber nicht nur um Freundschaft selbst, sondern auch um die Grenze zwischen platonischer und romantischer Liebe. Wo hört das eine auf und wo fängt das andere an? Für Philip Brooks scheint nur ein schmaler Grat dazwischen zu sein. „I had to learn that it is okay and normal to love friends as strongly, even if in different ways, as a partner after mistaking platonic for romantic love all my life“, verriet er mir in einem kurzen Gespräch.

    Weiterführend aber auch, dass es sich in dem Song ebenso um den Verlust solcher innigen Freundschaften handelt:

    „It’s also about how it’s just as painful losing a friend as it is losing a partner.“

    Der Song ist voll mit Emotionen und fühlt sich dennoch einfach leicht an. Philip zeigt sich sehr verletzlich und präsentiert dies mit einer bemerkenswert mutigen Ehrlichkeit von der man sich einfach mitreißen lassen muss.

    2020-Feeling

    Trotz des verträumten Sommer-Indie Sounds mit angenehmen Synthies, rhythmischen Drum-Beats und Ohrwurm-Potential ist von der melancholischen Seite sowohl in Philips zarter Stimme, als auch vor allem textlich nicht wegzusehen. Der Song ist eine angemessene Hymne für dieses Jahr, denn ich denke vielen ging es ähnlich in diesen Zeiten zwischen Lockdown und Kontaktbeschränkungen: Man vermisst oft seine Freunde, merkt wie wichtig sie sind und will sich trotz physischer Distanz nicht auch emotional trennen.

    „Everything that I wanted was to have you around but now I‘m all alone.“

    Philip-Brooks-Untoldency-Magazine-Indie-Musik-Blog-Blogger-Online-Indie-Magazin-Philip-Brooks-Review-Im-so-in-love-with-all-of-my-friends-SingleAuch das Musikvideo kam mit richtigem 2020-Charakter. Zu sehen sind Leute, die quasi alle zusammen im Video abhängen, aber, na klar, digital zusammen geschnitten. Der Singer-Songwriter forderte auf seinem Instagram-Account dazu auf kurze Videos einzusenden, in denen man alleine oder mit Freunden eine schöne Zeit verbringt, die ganzen Einzelteile setzte er dann zusammen und projizierte auch sich mit seiner Band auf einem Greenscreen hinein. So bekommt man das Gefühl alle verbringen trotz der Umstände Zeit miteinander, worauf man ja eigentlich oft verzichten musste. Ich glaube es ist ziemlich unmöglich mehr Sommer-Vibes als hier in ein Video zu packen!

    Fazit

    Mit seinem gefühlvollen Sound und der sanften Vintage-Ästhetik die sich durch seine Musikvideos zieht, hat Philip mich schon lange als Dauer-Hörerin gewonnen. „i’m so in love with all of my friends“ ist der warme Sonnenstrahl an einem kühlen Tag, der nicht spurlos an einem vorbeigeht.

    Defintiv einer meiner Lieblingssongs des Jahres, wobei ich herzlichst auch den im November erschienenen Nachfolger „everything is changing now“ empfehlen kann, in dem sich Philip Brooks mit seinem Coming Out als nicht-binär beschäftigt. Ich bin mega gespannt auf alles, was er noch von sich zeigen wird und bin mir sicher, dass damit noch ganz viele rosa Sommergefühle in mir erweckt werden!

    https://youtu.be/mFU7VRK-Dkc

    Fotocredits: Raphael Stier

  • Playlist-Jahresrückblick: Untold rap flows 2020

    Playlist-Jahresrückblick: Untold rap flows 2020

    Runde zwei des Jahresrückblick in Form von Musik. Heute: alles, was an Deutschrap und UK/US Hip-Hop gedroppt ist. Auch wenn wir grundsätzlich eher Richtung Indie orientiert sind, ist das eine kleine Herzensplaylist von mir. Ich hör nicht unfassbar viel Rap, aber „wenn, dann guten“. Ist also eine sehr subjektiv ausgewählte Reihe an Songs, die ihr hier zu hören bekommt. Für krasse Deutschrap Fans fehlt da bestimmt einiges, also Disclaimer: Hier ist kein BHZ, kein Ufo, kein Underground Newcomer zu finden. Dafür anderer geiler Shit, also ganz unvoreingenommen einfach mal reinhören: untold rap flows 2020.

    Drunken Masters feat. Serious Klein

    Angeführt wird unsere Playlist mit „Everyday Thursday“ von den Drunken Masters, die auch dieses Jahr einfach nur abgeliefert haben. Mit Serious Klein haben sie sich wen dazu geholt, der weiß, wie man auf so einem Beat abliefert. Gefühlt schon 100 Mal gehört dieses Jahr und immer wieder einfach nur geil. Genauso mit Eminem, der sein ich-hab-aufgehört-zu-zählen Album Anfang 2020 rausgebracht hat. Auch wenn Music To Be Murdered To nicht so 100% meine Erwartungen getroffen hat, so ist Godzilla unbestritten durch die Decke gegangen. Nicht nur Juice Wrlds Feature trägt dazu bei, sondern einfach Eminems unbestreitbarer Flow, der Typ ist einfach viel zu schnell für uns alle.

    Symba, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Symba, untold rap flows 2020, Mario RunOkay, ich hatte doch einen Underground Newcomer auf dem Schirm gehabt: Symba, der mit Mario Run unfassbare 13 Millionen Streams gesammelt hat und das, obwohl er erst seit 2019 so richtig offiziell im Game dabei ist. Die Emo-Trap Ballade (offizielle Genre-Zuordnung, don’t ask me) ging bei mir genauso ins Ohr wie Majans Monoton. Letzteres könnte tatsächlich was sein für unsere Indie-Herzen, weil melodisch trägt Majan seine Stimme direkt in mein Deutschrap Herz, das dominiert ist von den alten Casper-Zeiten. Megaloh und Schmyt geben dem ganzen dann eine vor allem stimmliche Tiefe. Talking about Schmyt. Der hat mit Niemand Anfang des Jahres eine ganz andere Art von „Rap“ geliefert, die ich sehr liebe. Keine 16 Bars, dafür eine Produktion, die sehr theatralisch beginnt und sich immer mehr öffnet. Einfach richtig, richtig gut. Lest hier in mein Interview mit ihm rein.

    Wo ist der Grammy für Joyner Lucas

    Die Grammy Nominierungen kamen letzte Woche raus und ich tu jetzt gar nicht so, als wäre ich so deep im Game, um die alle beurteilen zu können. Wer aber meiner Meinung nach wirklich eine verdient hätte, ist Joyner Lucas. Allein dieses Jahr hat er zwei Alben veröffentlicht, die nicht nur thematisch vieles auf den Punkt treffen, aber musikalisch einfach fire sind. Das ist nur meine eigene, kleine Meinung, aber Revenge??? Dieser Aufbau, dieser Flow, dieses Alles 🔥. Guter Anspieltipp aber auch der Will Remix mit Will Smith Feature, den ich lange nicht mehr rappen gehört hab, aber Leute wie Will Smith verlernen das ja nicht. Er ist immerhin Will Smith.

    Cardi B., Megan Thee Stallion, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Cardi B., Megan Thee Stallion, untold rap flows 2020, WAPOkay, talking about Grammys. Wie können den Cardi B und Megan Thee Stallion eigentlich nicht gewinnen. WAP ist die Hymne 2020 wenn es um female empowerment geht, vor allem im US-Rap. Da geht nichts dran vorbei, das ist einfach jetzt schon ein Kult-Song. Genau wie Da Baby mit Rockstar. Der hat einen nicht ganz so positiven Background wie WAP, weil nichts hat Amerika dieses Jahr so bewegt wie die wieder aufkommende Rassismus-Debatte. Allein, dass es eine „Debatte“ sein soll, ist schon einfach krank. Auch in Deutschland gab’s dieses Jahr vieler dieser vermeintlichen Debatten, die meinen Blutdruck gerade sehr hochsteigen lassen, wenn ich nur dran denke, weil wo fängt man an und wo hört man auf. Aber: Der Wo du herkommst Remix von SAM (hope you rest in peace) mit Nura, Kelvyn Colt, Ahzumjot und vielen mehr greift das Thema hier doch ziemlich gut auf. Vor allem Ahzumjots Parts kriegt mich immer wieder. Hört rein. Hört zu.

    Saxophon-King Masego

    Unbedingt auf euren Zettel muss Masego. Der R’n’B-Jazz-Hip-Hop Künstler mit Wurzeln in Jamaica ist schon so gut, dass er bald kein Geheimtipp mehr sein wird. Mit King’s Rant ist er in meinen Top 5 Songs des Jahres gelandet, weil das ist einfach ein fucking Hit. Auch in Mystery Lady hab ich mich sehr krass verliebt. Ein bisschen chilliger und loungiger, führt Masego mit seiner unverkennbaren Stimme Genres zusammen und kreiert einen Soundbild, welches ohne einen Saxophon-Part nicht auskommt. Wenn ihr in mal in Action sehen wollt, guckt euch die live aufgenommene Version von Tadow an, die er mit FKJ in den Red Bull Studios aufgenommen hat. It’s just soothing.

    Ebenfalls einfach gut und in der Playlist sind SiR, Anderson.Paak, Headie One, Lary, WEEKEND mit der Anti-Rechts Aggro-Parole GEH WEG, und unser Homeboi Kaltenkirchen mit ballernd-schönen Kummer Vibes in Trocken. Vom feinsten etablierten US-&UK-Rap zu ein paar Deutsch-Diamanten ist alles dabei.

    Deutschrap 2020 in gut

    Casper, Vega, Montez, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Casper, untold rap flows 2020, Am Boden BleibenWie schon erwähnt, bin ich nicht der riesengrößte Fan vom aktuellen Deutschrap-Standard. Es gibt aber auch viel, was nicht in der Hauptszene stattfindet, sondern in der Indie-Rap (ich nenn’s jetzt einfach so) Bubble aufkommt. So zum Beispiel Goldroger, der mit seinen zwei EPs dieses Jahr gesagt hat: Er ist auch mit dabei. Auch Fayzen hat eine sehr schöne Single dieses Jahr hervorgezaubert. Mit Indie-Gitarren im Hintergrund hat Tanz in den Mai einen melodischen und fast balladenartigen Aufbau mit Indie-Gitarren, den ich einfach schön finde. Genauso schön wie Vegas Am Boden Bleiben, was erst letzten Monat rauskam und mich aus dem Nichts vollkommen erwischt hat. Casper einfach. Hol ihn dir auf jeden Song deiner Wahl und er zerreißt. Mit dieser Wucht an Gefühlen hab ich wirklich nicht gerechnet als das rauskam. Bin immer noch ein bisschen sprachlos wenn ich’s höre.

    Auch Frauenpower im Deutschrap gab’s. Keke mit „Ladies“ ist die WAP-Hymne 2020 in deutsch und nur ein Paradebeispiel davon: „Das ist für die Babies, die Bitches, die Tomboys, die Puppies, […] die Schlampen, Lesben, die trans und die Tussis, […] – das ist für die Ladies“. – Wie kann man’s nicht feiern. Auch Haiyti dominiert wie keine andere das Game, zwei Alben allein dieses Jahr und auch wenn nicht alles meins ist, sind ein paar Songs einfach unabsprechbar gut. 2020 kommt man definitiv nicht an ihr vorbei.

    Was noch? Audio88 und Yassin haben wieder von sich hören lassen und selten hat ein Song so viel Festival-Vermissung ausgelöst wie Schlechtes Gewissen. Diese Sirenen eröffnen einen inneren Moshpit. Bin hyped und traurig zugleich – ist das 2020?

    Listen here: bester rap 2020

    Für eine bunte Mischung Rap-Releases listen below. Im Christmas-Spirit könnt ihr mir auch gerne eine Freude machen und der Playlist folgen. Für Beschwerden, Danksagungen oder einfach Songs, die fehlen, holla@me.

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  • Jule’s Jahresrückblick: untold Alben/EPs 2020

    Jule’s Jahresrückblick: untold Alben/EPs 2020

    Das Jahr 2020 war wohl das beschissenste Jahr seit langem. Da sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Aber wenn es für mich einen positiven Aspekt hervorgebracht hat, dann den, dass ich mich noch mehr mit Musik beschäftigt habe, als ich es sonst schon tue. Laut meinem Spotify Wrapped 2020 habe ich 220.289 Minuten mit Musikhören verbracht. 220.289 Minuten, das sind fast 153 Tage. Ich denke zwar immer noch, dass das eigentlich echt nicht sein kann, aber sei es drum. In den 153 Tagen des Jahres 2020, die ich also mit aufgedrehten Boxen in meiner Wohnung verbracht habe, hatte ich dementsprechend auch viel Zeit, ausgiebig in Neuerscheinungen reinzuhören. Und in diesem Jahr waren für mich ziemlich viele geile Alben und EPs dabei. Da eine Auswahl für einen Jahresrückblick zu treffen, war also extrem tricky, but let’s try:


    Blond – Martini Sprite

    Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern, wie ich am Nachmittag des 31.01.2020 auf dem Weg nach Hause das erste Mal das Debütalbum Martini Sprite von Blond durchgehört habe. Ich saß in den Berliner Öffis und musste mir ständig das Lachen verkneifen. Manchmal habe ich einfach in meinen Schal gelacht. Zwar waren die wirklich witzigen Songtexte irgendwie zu erwarten, trotzdem haben sie mich äußerst positiv überrascht. Auch ist mir sofort aufgefallen, wie unfassbar gut produziert Martini Sprite ist – darüber war ich vielleicht noch ein bisschen mehr überrascht. Insgesamt haben mich die Songs wunderbar durch das Jahr begleitet. Meine Highlights des Blond-Albums: Las Vegas Glamour (gute Besserung, Nina), Nah bei dir und natürlich Sanifair Millionär.


    KYTES – Good Luck

    Im Februar haben dann die KYTES ihr Album Good Luck rausgebracht. Und ich war, wie viele andere auch, von diesem Werk echt überrascht. Dass es sich zu eins meiner meistgehörten Alben 2020 mausern würde, hätte ich vorher auch nicht unbedingt gedacht. Auch wenn manche das anders sehen, aber ich feier den „neuen Sound“ total. Auf diesem Album gibt es für mich absolut keinen einzigen Skip-Song, so doll feier ich den „neuen Sound“. Und ich liebe es, dass ich die älteren Songs der KYTES sofort mit meinem jüngeren Ich assoziiere, während Good Luck sich einfach, wie ich, weiterentwickelt hat. Die Songs, die ich hier am lautesten mitgesungen habe, sind Runaway, Emily und Alright.


    Betterov – Viertel vor Irgendwas

    Kommen wir zu einer EP, auf die ich mich in diesem Jahr am meisten gefreut, und die ich wohl auch am meisten gehört habe: Viertel vor Irgendwas von Betterov, die im März erschien. Nur wenige haben mich musikalisch so konstant begleitet, wie er. Laut Spotify war Angst mein meistgehörter Song – gibt es einen passendere Überschrift für das Jahr 2020? Ich glaube nicht. Bereits in meiner Review habe ich prognostiziert, dass er einer DER Künstler ist, auf die wir in Zukunft unbedingt achten sollten. Im September habe ich Betterov dann endlich live auf einer Bühne sehen dürfen – das war wunderschön und einer meiner wenigen Highlights in diesem Jahr. Und ich bin gespannt, was das Jahr 2021 für ihn und uns bereithält. Meine Gänsehaut-Songs sind Viertel vor Irgendwas, Angst (obviously) und Irrenanstalt.

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    Ma Fleur – Big Dreams

    Keine 2020-Rückschau von mir, ohne mindestens eine*n Künstler*in aus Kassel zu nennen, oder? Die Big Dreams EP von Ma Fleur hat in den letzten Monaten auf jeden Fall eine Menge zu meiner allgemeinen Glückseligkeit beigetragen. Mit seinen Songs hat er mich auf einer für mich völlig neuen Gefühlsebene gepackt. Ich habe während des Hörens durchgehend das Gefühl, er würde seine Geschichte nur ganz allein mir erzählen. Die Kombination aus seiner unverwechselbaren Stimme und den eingängigen Sounds habe ich einfach wirklich lieben gelernt. Während der Song meines Sommers Big Dreams war, ging es im Herbst mit de melancholisch-traurigen Songs While The Lights und Look weiter. Auch bei Ma Fleur bin ich auf das Jahr 2021 gespannt. Denn ich bin mir sicher, dass auch er ein Künstler ist, den man ganz dringend auf dem Zettel haben sollte, wenn man mitreden möchte!


    Trille – Phase

    Trille. Eigentlich sagt der Name doch schon alles. Falls es hier echt noch jemanden gibt, der ihn nicht auf dem Schirm hat: Ändere das bitte! Für mich hat er mit Abstand die heftigsten Lyrics des Jahres abgeliefert, denn er ist ein umwerfender Texter. Und ich bin ihm unsäglich dankbar, weil er mit seinen einzigartigen Sounds meinen musikalischen Horizont extrem erweitert hat. Dank ihm höre ich heute Songs, die ich vor einem Jahr wohl eher geskipped hätte. Von Trille gab es keine einzige Vorab-Single, die ich nicht gefeiert habe. Als diese dann im Oktober in der Phase EP mündeten und ich ihn glücklicherweise bei seinem Release-Konzert noch einmal live hören konnte, war ich eine sehr glückliche Jule. Die größten Ohrwürmer hatte ich von Santa Monica, Los Angeles und Jede Nacht, einem Feature mit Anoki, den ihr btw auch dringend mal auschecken solltet!


    Yukno – Im Stream der Zeit

    Zu guter Letzt noch eine Band, die ich vor einem Jahr zwar natürlich kannte, für mich persönlich aber nicht unbedingt auf dem Schirm hatte: Yukno. Bereits mit den vor dem Album erschienen Singles haben sie mich völlig überrascht und begeistert. Die dollsten „Ich-höre–denselben-Song-für-dreizehn-Tage-auf-repeat“-Phasen hatte ich eindeutig mit ihren Singles. Sobald es irgendwann wieder möglich ist, stehen sie auf meiner Go-To-Konzerte-Liste daher ganz weit oben. Entsprechend gespannt war ich dann auf Im Stream der Zeit – und wurde sowas von nicht enttäuscht. Yukno ballern auf diesem Album nur heftige Sounds – das muss man gehört haben, um es zu verstehen. Zuerst hat sich Brumm, Brumm (feat. Oehl und Autodrom) in mein Hirn gebrannt, weiter ging es mit dem Lina Maly-Feature Haut und auch der Song Das Leben ist schön ist ein richtiger Hinhörer.


    Falls ihr nach dem Lesen nun auch ein akustisches Gefühl für meine Alben und EPs des Jahres bekommen wollt, dann ist das gar kein Problem: Alle genannten Songs findet ihr in der unten verlinkten Playlist. Ich wünsche euch viel Spaß beim Hören und uns allen ein mindestens ebenso geiles Musikjahr 2021.

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