Autor: Anna N.

  • Playlist: on the rise

    Playlist: on the rise

    Gibt es ein besseres Gefühl als einen Song zu entdecken, den du so richtig fühlst? Das ist ehrlich gesagt schwer zu toppen. Aber es gibt einen Glücksmoment, der für mich noch das Sahnehäubchen bildet. Und das ist der Moment, in dem ich entdecke, dass die Künstler:innen nur fünf monatliche Hörer:innen auf Spotify haben. Das ist meistens auch der Moment, indem meine Freund:innen die Augen verdrehen und mich wieder zurück in die Musiknerd-Schublade verfrachten. Aber ihr wäret ja nicht hier in unserer untoldency-bubble gelandet, wenn ihr nicht selber eine Schwäche für nischiges Musikwissen aus erster Hand hättet.

    Deswegen haben wir unsere geballte Teamkompetenz gesammelt und eine Playlist zusammengestellt mit Künstler:innen, die ihr nicht in jeder zweiten Indie-Playlist auf Spotify findet – sozusagen die feinste Auslese. In der Playlist findet ihr alles von Pop, Rock über New Wave bis hin zu Hip Hop und Lo Fi. Der Fokus liegt darauf, Künstler:innen und Bands vorzustellen, die unserer Meinung nach großes Potential haben und bisher erstaunlicherweise wenig Reichweite dafür.

    Starker Indie-Rock made in Germany

    Die erste Band, die ich euch vorstellen möchte ist VAN HOLZEN. Die drei Ulmer Florian, Jonas und Daniel erinnern mit ihrem klassischen Alternative Rock an eine deutsche Variante von den Foals. Ihre Songs sind voller Emotionen und Energie, die ein starkes Bedürfnis zum lauten Mitgröhlen auslösen. Zudem gibt es bald Neues von den drei Jungs. Das dritte Album von VAN HOLZEN erscheint am 12. November und beinhaltet unter anderem auch die Single „Gras“, die ihr in der Playlist findet.

    Cinema Nova schließt sich mit ihrem verträumten Indie-Psychedelic Sound quasi fließend an. Kein Wunder, denn die Jungs lassen sich von Bands wie VAN HOLZEN, den Foals, Tame Impala und Alt-J inspirieren. Sie haben bisher drei Singles veröffentlicht: „Wildfire„, „Metaphosis/Anïs“ und „June„. Das Album mit den Tracks steht aber bereits in den Startlöchern, wie sie mir in einem Interview für das Campusradio Hannover verraten haben, und wird „Into the Blue“ heißen. Für mich können die Songs von Cinema Nova locker mit den bekannten Indie Größen mithalten und ich bin immer wieder überrascht, dass die Band gerade einmal rund 400 monatliche Hörer:innen auf Spotify hat. Vielleicht ändert sich das ja bald!

    Alte Bekannte

    Der aufmerksamen untoldency-Leserschaft sollte der ein oder andere Song bekannt vorkommen. „Methadon“ von Lyian hat Jule euch in ihrer Review bereits einmal genauer vorgestellt. Auch Power Plush sollte euch aus dem Interview mit Dascha etwas sagen. Aber auch unsere quasi Team-eigenen Bands PBSL, mit unserem Redakteur Lukas als Sänger, und Die Mode, mit unseren Graphikern Max und Justus. Beide Bands bringen geballte Indie-Pop Kompetenz mit deutschen Texten zusammen, die gesellschaftliche Strukturen in Frage stellen und ihre Gedanken reflektieren. Für mich eindeutig ein Beweis, dass der deutsche Indie-Pop so viel mehr zu bieten hat als „nur“ die Headliner vom Reeperbahn Festival (don’t get me wrong, auch die lieben wir).

    Was geht in der europäischen Nachbarschaft so?

    Die meisten Sänger:innen in der Playlist kommen aus Deutschland, aber auch das Ausland hat so einiges zu bieten. Irgendwie habe ich oft das Gefühl, dass 80 Prozent meiner Playlists voller deutscher Künstler:innen sind. Auch wenn die meisten Songs trotzdem auf Englisch sind, ist es irgendwie schade, dass so wenige internationale Artists es in meine Favoriten schaffen. Im letzten Jahr habe ich deshalb beim Campusradio Göteborg eine Show gestartet, in der ich mit den anderen beiden Hosts zusammen Künstler:innen aus unserer europäischen Nachbarschaft raussuche, die weniger als 100 tausend monatliche Spotify-Hörer:innen haben. Das war eine ziemliche Challenge, aber dadurch kenne ich mittlerweile so einige eher unbekanntere Artists aus den verschiedensten Ländern.

    Zum Beispiel habe ich dadurch auch die italienische Künstlerin Voodoo Kid entdeckt, die mit ihrem modernen Indie-Pop beweist, dass gute Musik keine sprachlichen Grenzen kennt. Aber auch das slowenische Trio Luvver habe ich sehr ins Herz geschlossen. Wer hätte schon gedacht, dass Slowenien Musik á la The Neighbourhood, Lorde und The Weeknd zu bieten hat? Ich war zumindest gänzlich überrascht bei diesem Fund. Mein neuester Lieblingsfund ist allerdings Chez Ali aus Schweden, den ich letztens auf einem Konzert kennengelernt habe. Seine Songs klingen wie eine verträumte Hochzeit aus dem Sound von Mac de Marco und Tame Impala. Synthige Gitarren gemischt einem Hauch von Jazz und Soul zu seichten Gute-Laune Lyrics machen die Musik von Chez Ali für einem echten Highlight in jeder Playlist.

    „Ich frage mich: Fragst du dich auch?
    Wie sieht es auf der Sonnenseite aus?
    Ist da noch Platz?
    Und reicht der auch für zwei?“


    Die letzte Band, die ich euch vorstellen möchte, nennt sich Ottolien. Die beiden Brüder Leo und Jonas machen seit ihrer Kindheit gemeinsam Musik und seit Ende 2018 auch ganz offiziell als Duo Ottolien – das ist übrigens der Nachname der beiden. Ehrliche Texte mit fast poetischen Anmutungen sind das Fachgebiet der beiden. Besonders interessant wird es durch den Mix aus Leo’s weicher Singer/Songwriter Stimme und Jonas‘ Rap-Parts, den man in deutschen Songs so eher selten findet. Irgendwie schaffen die Ottolien es, dass ich bei jedem Hören wieder eine neue Zeile entdecke, über die ich so vorher noch gar nicht nachgedacht habe. Aber hört doch einfach mal selbst rein in der Live-Session zur EP „Zwei Sekunden Pause“:

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    Leider kann ich in diesem Artikel nicht jede Band und jede Künstler:innen einzeln vorstellen, auch wenn sie es alle mehr als verdient hätten. Also lasst ein bisschen Liebe da für kumult, Dolphin Love, jesko, Branda Blitz, Sacropolis, Golf, Fritzi Ernst, Apollo Sissi, The Komets, Alehlokapi, FORWARD, THALA, Tigermilch, Annie DiRusso, Zimmer90 und viele mehr.

    Hier kommt ihr zur Playlist:

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  • Mavi Phoenix gibt mit „Leaving“ einen Vorgeschmack auf seinen neuen Sound

    Mavi Phoenix gibt mit „Leaving“ einen Vorgeschmack auf seinen neuen Sound

    Mavi Phoenix dürfte den aufmerksamen untoldency-Leser:innen bereits ein bekannter Name sein. Der österreichische Sänger hat im Frühjahr letzten Jahres sein Debütalbum „Boys Toys“ veröffentlicht. Anna’s Review zum Album findet ihr hier. Mit „Boys Toys“ eröffnete Mavi einen exklusiven Einblick in seine Gefühlswelt rund um die Gender-Identitätsfindung. Während das Album sehr geprägt ist von Trap-Beats, Cloud-Rap und R&B, kommt Mavi dieses Jahr mit einem neuen Sound daher. Die neueste Single „Leaving“ habe ich einmal genauer unter die Lupe genommen und versucht zu verstehen, was hinter dem neuen Sound steckt.

    Als im April – gut einem Jahr nach „Boys Toys“ – die Single „Grass And The Sun“ rauskam war mir direkt klar: Das ist ein neuer Mavi Phoenix Sound. Dieser neue Sound klingt nach Indiepop, Lo-Fi, Spuren von Folk und Rock. Also ein ziemlicher Kontrast zu den alten Songs von Mavi. Das kommt allerdings nicht von ungefähr. Der 26-jährige Österreicher möchte mit „Leaving“ eine neue Richtung vorgeben und macht deutlich: So will er ab jetzt klingen.

    the new main indie pop boy

    Passenderweise kommentiert er dazu in einer Insta-Story: „On my way to become a main indie pop boy“. Als Marlon, wie Mavi mit bürgerlichem Namen heißt, Anfang September den Amadeus Austria Music Award in der Kategorie Urban/Hip-Hop gewinnt, freut er sich natürlich total, betont aber im gleichen Atemzug, dass er sich dem Alternative/Indie-Genre zugehörig fühlt. Wem das immer noch nicht deutlich genug war: Mavi Phoenix macht jetzt Indie Pop Musik.

    Kommen wir jetzt aber mal zu „Leaving“. Beim ersten Hören musste ich direkt erstmal stutzen: Kommt mir der Anfang nicht bekannt vor? Für mich klingen die ersten paar Akkorde wie eine Akustikgitarrenversion von „Nothing Good“, der zweiten Single von Mavi in 2021. Da ich den Song aber auch schon ziemlich gefeiert habe, stört mich das nicht weiter. Ansonsten klingt Mavi in „Leaving“ ungewohnt ruhig. Der Song baut sich langsam auf und die Gitarre wird immer mehr unterstützt.  

    „Ich wusste gleich, dass dieser Song etwas Besonderes ist. Das könnte der beste Song sein, den ich je geschrieben habe.“

    Leaving“ ist letztes Jahr entstanden – also mitten in einer Zeit, die geprägt von Ungewissheit, Abwarten und einer Menge Selbstreflexion war. Mavi sieht den Song daher als eine Art Neuerfindung seiner Musik. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich mich über die Veröffentlichung des Songs freue, denn er hat mich nach einer schwierigen Phase wieder an mich, als Künstler glauben lassen“,erklärt Mavi.

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    Das Musikvideo zu „Leaving“ kommt in minimalistischer schwarz-weiß Ästhetik daher. Die Aufmerksamkeit soll auf der Musik liegen. Mavi selbst ist immer eher klein zu sehen und wirkt etwas verloren in der „großen“ Welt – meiner Meinung nach sehr passend zu den Lyrics.

    It’s the same old story for us all. When you love someone and they just don’t.“ 

    Diese Zeile aus dem Song fasst den Kern des Songs ganz gut zusammen und lässt wahrscheinlich auch ziemlich viele ganz gut mit ihm identifizieren. Den Rückschlag einer nichterwiderten Liebe zu verkraften ist nicht einfach, aber in „Leaving“ verarbeitet Mavi dieses Gefühl und findet den Weg zurück in ein ausgeglichenes Selbstwertgefühl. „Ich bin zu der befreienden Erkenntnis gekommen, dass man die Kontrolle über sein Leben und seine Gefühlswelt wiedererlangen kann, indem man Situationen, Menschen und/oder andere Dinge die schlecht für einen sind einfach verlässt,“ sagt Mavi.

    Ende Juli hat der österreichische Künstler ein Video auf YouTube gepostet, wo er die Entwicklung seiner Stimme festgehalten hat nachdem er ein Jahr lang Testosteron nimmt und man merkt einfach total, wie er im Laufe deutlich glücklicher wirkt und sich wohler fühlt mit seiner Stimme und auch in seinem Körper. Zusammen mit der Message hinter „Leaving“ macht es mich ebenfalls sehr glücklich zu sehen, wie Mavi zu sich selbst findet.

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    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was von Mavi Phoenix als nächstes kommt und bin ziemlich gehyped auf den neuen Indie Pop Sound. Für mich bleibt Mavi trotz veränderten Klang weiterhin ein super interessanter Künstler, der einfach mehr Aufmerksamkeit verdient. Wenn ihr also den neuen Song „Leaving“ noch nicht gehört habt, dann könnt ihr das jetzt hier mal ganz schnell nachholen:

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    Fotocredit: Randy Kambodscha

  • Maple & Rye im Interview: »Playing live is addictive, you can’t get these emotions in daily life«

    Maple & Rye im Interview: »Playing live is addictive, you can’t get these emotions in daily life«

    Zum Abschluss unserer Interview-Reihe zu den Acoustics Concerts stelle ich euch die Band Maple & Rye vor. Maple & Rye – das sind Milton, Leo, Henrik und Gustav. Die vier Jungs kommen aus Göteborg, Schweden, und haben sich dort und in der Scandifolk-Szene bereits etabliert. Für die Acoustics Concerts am 06.09. in Berlin und am 08.09. in Hamburg packen die Schweden ihren Van voll Equipment und machen sich auf den Weg nach Deutschland. Ich habe Maple & Rye vorher bereits in Göteborg auf ein Interview getroffen. Ja, ihr lest richtig – so ganz in real life und vor Ort. Ihr könnt euch vorstellen, wie glücklich wir alle waren, nach über einem Jahr endlich mal wieder Interviews in Person führen zu können. Ich habe mit Milton, Leo, Henrik und Gustav über neue Musik und alte Songs gequatscht und nachgehakt, wie es ist eigentlich so ist in einer musikalischen Stadt wie Göteborg eine Band zu starten.

    Maple & Rye im Interview

    Anna: Hej guys, nice to meet you, hope you’re all good! To anyone who has not listened to your music before: Describe the sound of Maple & Rye in one sentence.

    Milton: At least we get one sentence. Usually it’s like one word (laughing). There’s one description that we have previously used a little tag of folk inspired indie-pop. Yeah, I guess that’s still pretty true. We tried to combine all the genres we play into one phrase.

    Anna: So, it’s been a little bit more than a year now since you released your first album. How do you feel about it now? If you would have done the same album again, would you have done something differently? Or still completely stand behind it as it is?

    Leo: Great questions (starts thinking about it). I mean, we have better songs now.

    Gustav: Exactly. Yeah, that’s where I always go in as well. We could like replace songs with those.

    Milton: I agree, we do have some new songs that we’ve written since we recorded and released the album that we like even more, but at the same time, the package of that album makes a lot of sense. I think the songs, there’s a common theme in the entire album musically and somatically, production-wise, instrumentally. Yeah, I wouldn’t exchange any of the new ones for that album. But I’m very excited to release the new stuff. That’s gonna be a new package.

    Henrik: Yeah, no if we did the same album at the same time, like one year ago again, not like now: Then I would probably have done the same.

    Anna: It’s probably also like capturing that time, like how you felt about the music at that time.

    Henrik: Yeah, exactly. And it’s hard, I mean: Would you would you have done anything differently? Maybe, but that’s what you felt like doing at that time. So why dwell on that really?

    Milton: Any improvements we can apply to the next thing. We should write a song about that.

    „We’ve reached a point where we have a certain sound“ – Is there gonna be change in the future?

    Anna: So, when is the next album going to be released?

    Maple & Rye Untoldency Interview

    Henrik: It’s not on the horizon just yet. We have loads of material. But we haven’t started really recording and producing anything yet. But that’s next on the agenda.

    Milton: Yeah. And then we’ll see, I guess, if it is a full album that we’ll do or if we’ll do an EP. I think we feel that we’ve reached a point to a little bit where we have a certain ‚Maple & Rye‘ sound. And there still is a clear kind of common theme towards where we’re developing into, but it’s a little bit of turning a page with what we’re doing next. And it might be that maybe an EP or a couple of singles to kind of introduce this maybe slight change of genre or tweak and what we’ve done before, might be a good little taster before going for the full album. We’ll see, we have a lot of strategy discussions to that.

    Anna: At least you have a strategy!

    Henrik: Yeah! And at least we have music. That’s the baseline, that we didn’t lose our inspiration on the way.  I mean, that happens to a lot of artists.
    So we’re really lucky that we’re still creating a lot.

    Milton: Absolutely. I’m always excited to release the next thing. But it’s also slight curse, because it means that the second you release something you’re already over. You’re excited for the next idea.

    Henrik: From what I’ve heard, that’s basically always true for musicians because it takes so long from the moment you write something to the moment you finish it, and then you record it, and then produce it and mix it. And then, like, you have a release date, but then it’s like, three months until we can actually release it. And then by that time, you heard the song like 200 times. And listened to every minimal detail. So yeah, I’ve heard a lot of people working in music saying that they hate every song they release, like they love it, when they start doing it. And they had to remember that they do actually have that feeling. But then when they release it, like, I don’t want to hear that song for a long time. But then they like remarried a song after a while, and they’ve gotten some distance to it. And like, okay, yes, that was actually a great song.

    Milton: Because it kind of sucks because as soon as you release it, that’s when it’s life starts. Yeah, that’s when everyone else gets to hear it. We have to go promote it and go on tours. And that’s why it’s really important to write songs that you like playing live. Because that’s what you’re going to have to do, for the most part.

    Love stories à la Maple & Rye about relationships and remarrying songs

    Anna: Do you sometimes feel like that with songs, certain songs, that you can’t really play them anymore at concerts?

    Milton: We’ve definitely had songs like that, where we’ve been like, okay, this song is now over and done. But then we’ve often remarried to where we’ve, with a little bit of space in between that song and the present. You’re able to look back at it and think that okay, well, this is a song that at least got this reception. Or you could think back to how you felt when you released it. And then it’s okay to start playing it again. Like we’ve had one or two songs like that, which we thought, okay, we’re never playing this again. And we did stop playing them for a long time. And now already in this summer, like last, for example, our first song that we ever recorded and released. There was a time where we didn’t play it at all for two years, maybe. And now we’ve played it a little bit as like, the third encore song when you have to chuck something else out in there. Yeah, that’s been fun.

    Henrik: There’s always also, it’s been for us at least, when you go to play live, when you hear people say that they want you to play certain songs. And a lot of the time, there’s songs that we have, like not even thought about playing. Like ’no, doesn’t really fit the live set‘. But you know, people have relationships to all the songs on our album, even though we think that maybe that’s not like the most common song that people will like, there’s always some people who do like it and want to hear it live. So therefore, we kind of pick them up and need to be ready to play them anyway. And that also is a reason I think that some of them get like reintroduced to us as well. And like, okay, yeah, I actually do like the song more than I thought.

    Playing songs live vs. recording an album: the differences

    Anna: Do you have your favourites on the album? Like, very personal songs or so? That’s probably individual, I guess and differs for each one?

    Maple & Rye Untoldency Interview

    Henrik: Yeah, it does. I think we have some that are high, all of our individual lists, but they’re definitely individuals.

    Milton: I think there’s definitely a common one that we each enjoy. I think all of us like to play that one live: ‚Con of the Century‘. Now speaking for everyone, but it looks like I’m getting some nods. It’s a song that we’ve played live since before we started the band almost. You know, it’s been with us since the very beginning. And we’ve been waiting to release it to try and find the right album and the context and producer and everything like that. And then we did release it on the album. And we continued to play it live and it’s one of the highlights.

    Henrik: Yeah, it’s a very special very live song, a very good song to play live. It works well in that context. Although we have changed it quite a lot. We actually play it as it was originally played. That’s what we continue playing live, which differs from what we actually recorded, like instrumentally. It’s quite different. Both because we don’t really have brass instruments with us all the time when we go out on the road and stuff, because none of us play it. And it’s really expensive to hire musicians to go with you. We do like to have them with us when you’re playing bigger shows, because it really brings a lot of awesome stuff in a live set. But that’s one of the things that differs quite a lot. But then also when you play live, it’s more heavy drums, like more classic punk rock feel, sort of. But like the other recordings, like just a kick drum and some tambourine really is the rhythm section. And here is more like a full drum kit.

    Gustav: And it’s a drum solo as well.

    Henrik: And it’s really like a sing along song. Instead of, I don’t know if you know the song, but the hook that’s played by brass instruments on the recording, but that whole thing we just sing the melody.

    „All four of us write music and we share experiences – there is always something to write about“

    Anna: Sweet. So, this is more of like a typical question that you probably get a lot, but where do you draw inspiration for when you write songs?

    Henrik: And you’re going to get the most boring answer that everyone says: Everywhere! Life! (laughing) But I don’t know. Like, that is true, it’s sort of everywhere. But I think we have some more common ones. Like stories from other people, books, movies, stuff like that. We have a couple of songs that are written very explicitly, like, sort of, not about a book but drawn straight from a book, like the inspiration for it. Yeah, stuff like that. We have a couple of those.

    Gustav: And also emotions!

    Milton: Yeah. Like, I think they’re, they’re a couple of things that we have recurring at least were one of them is definitely you know, books or movies and stuff like that, where it could either be about the book, or it is an adaptation of the book. So like the story told by the book, the character in the book or something like that, and we write a song about that person with that story. And like you said, emotions, there’s certain times that we’ve just heard a word about an emotion. For example, ‚Monterey‘, which is about, I can’t remember it’s got a really cool word, namely, this emotion. Anyways, it’s the emotion of not feeling good enough. And always feeling like you don’t live up to your own or other people’s expectations. It’s almost like a phobia. No, it is a phobia, an inadequacy. I think it’s really interesting, just emotions. Because it’s something that absolutely everyone feels, at some point to certain degrees. You know, like, if you’re in a relationship and you’re worried that that person is gonna leave you because you’re not good enough. You’re in a job and you’re scared of not doing well enough to get a promotion or to stay in your job. Or you’re playing in a football team, and you feel like you missed a pass and you made the team lose. There are so many examples in everyday life. And I think one good thing that we have, is that there’s four of us in the band. All four of us write music, and lyrics. So we can all pick different things from our own lives or experiences we share or discussions we’ve had and stuff like that. And since it’s four people, it means that the breadth of things, the stories we want to tell, is wider. And it also means that if one of us has no inspiration, there’s three other people to kind of pick up the slack.

    Maple & Rye Untoldency Interview
    Das Interview mit Maple & Rye habe ich bei Milton im Wohnzimmer geführt. Leo war leider noch in Quarantäne und über FaceTime hinzugeschaltet. Man beachte, dass alle vier unabgesprochen im Partnerlook aufgetaucht sind!

    Anna: Would you say that maybe living in Gothenburg influences you and your music? Because I feel like there’s always lots of music around. Different types of music and lots of live music. And in general, I feel like people here are very, creative and you’re not so judged in what you do. I hope that makes sense to you.

    Milton: I think definitely, Gothenburg is a very open city where there’s people of all kinds and types and backgrounds and cultures doing different things and expressing themselves in different ways. And traditionally at least, Gothenburg has been a very open place for that. Which is I think one of the reasons which has created Gothenburg the music city or the art city. That is quite predominant, at least in Sweden. We always look at Germany and think: Hamburg and Berlin is the Mecca of creative things in Europe, you know? (grin on his face) But I think that has been very important for us. We’ve found each other here in Gothenburg. It made us Maple & Rye. It’s not like any of us really were deep in the culture scene in Gothenburg before we started playing music, but when we found each other and found this joint ambition, being in Gothenburg already opened up certain doors. In a way that there were people around us, there were music studios, we could go to. There were live music venues that we could play at. Everything from tiny little places where we had our first ever shows to the larger venues, where we’re now maybe playing and hopefully at some day, even larger arenas and stuff like that, which would be the dream.

    „People in Gothenburg were always using music as a way to tell their stories“

    Henrik: But I think in terms of getting inspiration from Gothenburg, I totally agree that it’s a very cultural city. I think it started long ago, like early 1900s. Maybe like the 20s, or something, I don’t even know. I think that sort of where Gothenburg’s music heritage started. And it’s just been present all the time. And I think that it gets out into everything around the city. And because of that, there’s so many people that really put their hearts and put a lot of effort into the music scene, to make it work, to make all these small places be able to run so that small bands and artists can get somewhere to play. That’s where they can find the crowd and then grow. So yeah, I think that really is quite inspiring, just to be in that sort of energy.

    Milton: I think it’s also very tied to the kind of political and social economic history of Gothenburg in many ways because it’s always been this working class town with the big harbour, being like the big source of income. And historically, the music scene has been very tied to that as well with like, you know, the progressive rock. People were using music as a way to tell their stories.

    „Playing live is addictive“

    Anna: That’s a lovely view of the city, I can only agree. How important is it for you to be able to play live?

    Gustav: Of course, it is a major part of playing music. And I think it’s also connected to, at least for me, motivation for writing music and everything that is connected to music – it’s playing for other people. So, yeah, it’s a major part.

    Milton: Yeah, I think, it’s been tough the last year. I think, for everyone, just getting that motivation. A lot of people have been really innovative and found different ways of sharing their music through livestream things and, you know, getting inspiration in other ways and thinking outside the box. But overall, I think it’s been shit for everyone.

    Gustav: And it’s also hard to find another place in your life where you get all these kind of emotions when you play and get that rush of adrenaline. And that’s there is a very rare thing in daily life.

    Milton: Oh yeah, it’s addictive. You kind of like you go into some heroin withdrawal and then you get reminded again of how it feels.

    Henrik: And I mean, we are a live band. We’ve always been a live band. We like to write our music so that we can play live. And therefore, the songs are organic, and are meant to be played live by us, you know. So, yeah, it’s a really big part of what we are as artists – of what Maple & Rye is.

    Anna: What would you say was your best live experience so far? Was there one that really stood out?

    Gustav: A lot of them. But I would say the show at Pustervik (concert venue in Gothenburg). When we released our EP and we didn’t realise that it was going to be sold out. That was just such an extreme experience.

    Maple & Rye Untoldency Interview
    Maple & Rye auf ihrem Konzert in Pustervik, Göteborg, 2018.

    Henrik: Yeah, definitely. That was just such a jump up from the venues we have played before. Everything was so much more professional. Everything around it, you know, all the arrangers and audio technicians and everything’s like a completely different level. So yeah, that was definitely a memory.

    Milton: Standing backstage just before going on to stage, and we’re all just sitting there scared shitless but also, just the adrenaline pumping. The doors would open sometimes with people sorting things out, and you see the crowd. That was pretty unbeatable.

    Henrik: Yeah, it was. But more of a recent one, I really remember is playing in Norway.

    Anna: Oh, yeah, I saw a video of that concert. The scenery was just incredible!

    Henrik: Yeah, when you’ve seen that footage … like, do I need to saw more? Yeah, that scenery, and just having a stage there. It’s just insane. So memorable in two completely different ways.

    Milton: But there have been a couple of those where we were just in some incredible places. And then other ones where we’re just somehow ended up in some weird, incredible place, because we play music and we have to stop and be like ‚What is going on?‘ It’s been like Norway, where you’ve got this beautiful stage. And this beautiful scenery. Or when we went to California and played, there were pretty small gigs that we were playing. But we were also like, we’re on the other side of the planet. It’s 30 degrees warm, and we’re walking around Los Angeles, and we’re gonna play a pretty small gig. But we’re still playing in front of Americans all of a sudden, because we play music. Just small things like that, which are really special and memorable. In completely different ways.

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    Das ist das Video über Norwegen, von dem wir sprechen. Es ist zum Musikvideo für den Song „Monterey“ von Maple & Rye geworden. Anschauen lohnt sich!

    Anna: I’m very curious right now because I always keep asking this questions to German bands aswell if they sing in English. Was it an active decision for you to sing in English? Because I think the Swedish indie scene is even more focused on performing in their mother tongue, aka Swedish. So I feel like that’s really big thing. Was that ever up for discussion?

    Milton: I think we’ve all just naturally written in English.

    Henrik: I don’t even remember it. We have definitely talked about it. Sort of in the bypass.

    Milton: But there it’s been more: Should we write something in Swedish?

    Henrik: Yeah, maybe to just try it out. That could be fun. But it’s not really been like ‚oh, we should switch to Swedish‘. I don’t think that’s on the agenda, not for now at least. But you never know.

    Milton: I think it could be really fun to do something in Swedish. It would be a whole different process. My brain isn’t wired in that manner.

    Henrik: Yeah. You know, like one of the biggest Swedish bands ever: Kent. They used to write in English at first and trying to go big outside of Sweden. And then they switched to Swedish and became the biggest Swedish band ever. So maybe that’s what we should do. We’ll see. (laughing)

    Matching tattoos and the album cover

    Anna: Haha, keep me updated! But to wrap it up: At the end of an interview, we always have a question that we kind of established to ask in every interview by now. You can take some time to think about it. Do you have an untold story of yours? It could be band related, so a special Maple & Rye story or something you want to say privately as a group of friends that you have never mentioned in any interview before. Kind of like a fun fact or so.

    Milton: I’m always really bad at coming up with stuff like that. It’s just like my brain just freezes completely.

    Album Cover "For Everything"

    Henrik: Well, we do all have matching tattoos. That could be an interesting background story to tell. We got them before we made the album. Or kind of when we were in the decision of the cover for the album. Yeah, we were in the process of the album. And then we all got these tattoos at a festival where we played. And when we had decided … wait or was it after?

    Leo: No, I think we just made that decision when we did it. We all got small record players tattooed. And then we looked at each other and we’re like, I guess we know what we’re putting on our album cover.

    Henrik: And then we did this for the cover, but a lot more stuff. But yeah, that was like the basis on the album cover.

    Anna: Okay, cool, that’s it for me then. Thanks a lot for the interview and I’m looking forward to the next opportunity to see a live performance of Maple & Rye!

    Hier könnt ihr in das Album „For Everything“ von Maple & Rye reinhören!

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    Fotocredit: Emil Daniel (1,2 & 4), Anna Niere (3)

  • Playlist: let’s talk about politics

    Playlist: let’s talk about politics

    Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Während die einen schon wissen, welcher Partei sie am 26.09. ihre Stimme geben, wälzen andere sich noch fleißig durch die Wahlprogramme. Wir wissen, wie mühsam der Findungsprozess sein kann und können euch das leider auch nicht abnehmen. Wobei wir allerdings helfen können, ist die passende Playlist zu hören, um in Stimmung zu kommen. Mit „in Stimmung kommen“ meine ich, politisch aktiv zu werden – sei es, etwas verändern zu wollen oder bestehende Systeme zu unterstützen. Das sollt ihr ja selbst entscheiden. Die Hauptsache ist: Geht wählen!

    Musik zum Mitwippen in der Wahlkabine

    Dass es wichtig ist wählen zu gehen, sollte ja jetzt deutlich geworden sein. Die endgültige Entscheidung ist allerdings dann doch etwas sehr Persönliches. Hier findet ihr übrigens den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl, falls ihr noch unsicher seid, welche Partei eure Interessen am besten vertritt. Mir hilft beim Nachdenken über wichtige Entscheidungen (sowie in vielen anderen Lebenslagen) immer eine liebevoll zusammengestellte Playlist. Deswegen haben wir als Team mal eine Playlist zusammengestellt mit allen Songs, die sich für uns irgendwie politisch anfühlen. Da ist so ziemlich alles dabei von „Randale“ und „Auf die Fresse“ bis zu „Ach, eigentlich hab ich es ja ganz gut“ und natürlich alles dazwischen.

    Los geht’s mit einem Song, der in mir im letzten Jahr trotz zu viel Zuhause rumhocken direkt wieder das Bedürfnis nach Aufschrei gegen Gesellschaftsnormen und fette Demonstrationen ausgelöst hat: „Hymne gegen euch“ von Provinz. Die vier Jungs aus Baden-Württemberg sind bekannt dafür, den Zeitgeist unserer Generation in Wort und Musik festzuhalten. In „Hymne gegen euch“ drücken sie meiner Meinung nach aus, was viele Mittzwanziger so fühlen: Eine generelle Unruhe und Unzufriedenheit mit dem Status Quo. Ich fühle den Song auf jeden Fall sehr und find ihn sehr passend zur momentanen Lage. Definitiv ein Song, der mich auf die Bundestagswahl einstimmt!

    „All these days, they went to waste
    Waiting for something to change
    Now we go
    Here we go“

    Das sind Zeilen aus „New 68“ von den Leoniden. In dem Song bezieht sich die Band auf die 68er-Bewegung und vergleicht den momentanen Kampf für Gerechtigkeit – sei es fürs Klima, sozial oder politisch – mit der bekannten politischen Bewegung. Der Song wurde vor dem zugehörigen Album „Complex Happenings Reduced To A Simple Design“ released und kam für mich sehr überraschend. Klar, die Leoniden setzen sich schon seit langem für Bewegungen wie Fridays for future, Sea Watch oder Viva con Agua ein, aber in ihren Texten haben sie es vorher noch nie so deutlich ausgesprochen: Jetzt ist die Zeit! Und zwar die Zeit, sich klar zu werden, wo man politisch steht und wen man unterstützen möchte. Der Song selbst ist eher weniger vom Typ „Auf die Fresse“, sondern kommt ruhiger daher und versucht den Ernst der Lage durch die Lyrics zu vermitteln. Im Musikvideo zu „New 68“ sind zudem Ausschnitte aus Interviews mit Carla Reemtsma (FFF), Mattea Weihe (Sea Watch) und Aminata Touré (Grünen) zu sehen, die ich selbst total empowernd finde. Reinschauen lohnt sich!

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    Neben den aktuellen Songs dürfen natürlich auch die Klassiker nicht fehlen. Da hätten wir zum Beispiel „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd im Angebot. Der Song steht seit seiner Veröffentlichung 1979 für Aufruhr gegen bestehende Systeme und dagegen, sich nur wie „ein weiterer Stein in der Mauer“ zu fühlen. An dem Song schätze ich vor allem, dass er immer wieder sehr universell in verschiedensten Lagen passt – politisch als auch privat.

    politische Musik kennt keine Genregrenzen

    Musiker:innen, die sich politisch einsetzen, sind vor allem in den letzten Jahren in Deutschland deutlich lauter geworden – und das nicht nur rund um Bundestagswahlen, Landtagswahlen und Co. Nicht nur in ihren Songs zeigen sie Solidarität und fordern zu Veränderungen auf, sondern auch auf der Straße werden sie aktiv. Sei es der Gig auf der Fridays for future Demo oder eine Spendenaktion für Vereine wie Viva con Agua. Ein großes Vorbild ist in dem Bereich auch die Band ZSK, die die Initiative „Kein Bock auf Nazis“ gestartet haben und Präventationsarbeit an Schulen leisten. Zu der ganzen Thematik habe ich in meinem Artikel „Musik gegen Rechts“ ausführlich berichtet!

    Musik war schon immer politisch

    Wenn man in der deutschen Musikgeschichte in die Vergangenheit der politischen Unruhe schaut, darf natürlich eine Band auf keinen Fall fehlen: Ton Steine Scherben. Die Band um Sänger Rio Reiser wurde in den 70er Jahren durch ihre Hymnen zur Hausbesetzerbewegung bekannt. Besonders Songs wie „Keine Nach für Niemand“ oder der „Rauch-Haus-Song“ sind auch heute einfach noch legendär. Die Thematik ebenfalls aktueller denn je durch die Diskussionen um Mietpreisbremse und Wohnungsmangel in Großstädten wie Berlin oder München. Das Thema ist ein sehr wichtiger Aspekt rund um die Bundestagswahl, wenn es darum geht, wie Deutschland eine gerechte Zukunft für alle sichern kann.

    Viel weiter will ich auch gar nicht ins Detail gehen, lasst die Playlist am besten einfach auf euch wirken. Falls die bisher vorgestellten Songs nicht so euer Ding sind, hier noch ein paar weitere Namen von Künstler:innen, die ihr in der Playlist findet:  KUMMER, Alter Kaffee, Annenmaykantereit, Die Ärzte, Green Day, Sam Fender, Mine, Oehl, Jorja Smith und noch viele mehr. Viel Spaß beim Hören unserer „Let’s talk about politics“-Playlist und denkt dran: Geht zur Bundestagswahl!

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  • John Moods lädt auf “So Sweet So Nice” mit verträumten Synths auf eine Reise in die 80er Jahre ein

    John Moods lädt auf “So Sweet So Nice” mit verträumten Synths auf eine Reise in die 80er Jahre ein

    Eine große Portion Nostalgie, veträumter Sound und Texte, die zum Nachdenken anregen. Das klingt für mich eigentlich nach der perfekten Kombination für ein erfolgsversprechendes Album und da bin ich anscheinend nicht alleine. Denn genau diese Kombination ist auf dem zweiten Album von John Moods, „So Sweet So Nice“, wiederzufinden.

    Hinter dem Soloprojekt John Moods steckt Jonathan Jarzyna, der zuvor viele Jahre in der Band Fenster aktiv war. 2018 veröffentlichte er sein erstes Album unter dem Namen „The Essential John Moods“, auf dem er eine klare Richtung vorgibt: verträumte Pop-Hymnen, die den perfekten Soundtrack für einen Backpacking Urlaub vorgeben. Diese Richtung wird auf dem zweiten Album „So Sweet So Nice“ weiterverfolgt und noch etwas mehr verschärft. Während die ersten Songs von John Moods leicht und unbeschwert sind, dreht es sich auf dem neuen Album sehr viel um das Grübeln über die Sterblichkeit – verpackt in einen groovigen Sound. Hinter dieser Konzeption stecken zwei Jahre voller Ups und Downs, geprägt durch Phasen kreativer Inspiration als auch Frustration.

    Vertonte Poesie

    Für mich klingt das Album nämlich insgesamt wie ein Gedicht, das sich im Ganzen schön liest, aber jede einzelne Zeile ihre Aufmerksamkeit verdient und Überraschendes offenbaren kann, wenn man sich einmal genauer mit ihr beschäftigt. Deshalb gibt so mancher Widerspruch, der auf den ersten Blick (oder wohl eher dem ersten Hören) verwirrt, im Endeffekt doch Sinn, wie zum Beispiel die titelgebende Zeile:

    So sweet, so nice; everything is waiting to die. So sweet so high; nothing ever felt so alive

    Das Album besteht aus zwei EPs. Die erste EP „So Sweet“, welches die ersten sechs Songs des Albums bildet, erschien bereits am 16. April und wurde dann am 6. August durch „So Nice“ ergänzt.

    Diese Zweiteilung spiegelt laut Jonathan die Ideen wider, die ihn bei der Erarbeitung dieser Songs beschäftigten: „Die notwendigen Wechselbeziehungen von Gegensätzen und das Fortbestehen ursprünglicher Dualitäten – Licht und Dunkelheit, Gut und Böse, Hoffnung und Verlust, Leben und Tod. Und es geht darum zu lernen, sich in den undurchsichtigen Räumen dazwischen wohlzufühlen. Jede Hälfte kontrastiert die andere.“

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mir auch nach mehrmaligem Hören noch etwas schwerfällt, diese deutliche Zweiteilung zu hören. Dazu muss ich aber auch zugeben, dass ich das Album nur als Ganzes gehört habe und nicht die einzelnen EPs. Dementsprechend hört es sich für mich nach einem sehr runden Gesamtwerk an, indem die Songs aufeinander aufbauen. Lasst euch also nicht von den typischen Voreinstellungen Spotifys vernatzen und das Album auf Shuffle hören (eventuell ist mir dieser Anfängerfehler beim zweiten Hören passiert, aber behaltet das bitte für euch). 

    „Why do we strive to be fooled?“

    Ok, genug drum herum beschrieben, schauen wir uns doch die Songs einmal genauer an. Mit „New Skin“ gibt John Moods einen sehr smoothen Start in die Gefühlswelt des Albums. Ab dem ersten Ton fühle ich mich direkt in eine Art Traumwelt versetzt. Außerdem frage ich mich: Ist die Musik von dieser Erde? Klingt blöd, aber irgendwie muss ich direkt an den „Zurück in die Zukunft“-Soundtrack denken und fange schon wieder an mit den Gedanken abzudriften.

    Back to the 80s

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    Der namensgebende Song „So Sweet So Nice“ geht nach einem härteren Übergang vom ersten Song schnell in eine glitzernde Synthwave über, die auch die nächsten Songs bestimmt. Im zugehörigen Musikvideo wird Jonathan’s Auseinandersetzung mit Leben und Tod sinnbildlich dargestellt. Man sieht ihn den verschiedenen Phasen des Lebens und ist dabei, wie er schlussendlich seine eigenen Beerdigung besucht.


    Without You“ klingt für mich irgendwie nach einem warmen Sommertag, der durch ein ordentliche Portion Regen abgekühlt wird – wahlweise tanzen wir dazu ganz sorgenfrei im Regen herum. Wahrscheinlich ist das jetzt wieder eine dieser Wunschvorstellungen, die Disney-Filme à la High School Musical in meinen Kopf gepflanzt haben, aber dieses Bild bekomme ich immer wieder bei dem Song.

    Dirty Dancing Feelings

    Etwas experimenteller wird es dann mit „Ordinary Magic“. Hier verlassen mich leider kurz meine fachlichen Kenntnisse über Instrumente, aber ich meine in diesem Song einen Mix aus Saxofon und Marimba, gemischt mit spacigen Sounds und Synths zu hören. Bitte berichtigt mich, falls ich mich irre. Aber ich feiere es auf jeden Fall sehr. Der Song hat dadurch seinen ganz eigenen Charakter, der wieder sehr unbeschwert und leicht daherkommt. Ich bekomme wieder ein sehr gutes Gefühl und habe generell seit Beginn des Albums so ziemlich alle Probleme der Außenwelt um mich herum vergessen.

    Genau da setzen auch die nächsten Songs wieder an. „All you gotta do is wait“ bildet den Cut, also den Abschluss der ersten EP, was ich mir nur durch den kurzen Übergang im Song selbst erklären kann, in dem John Moods in der Hälfte ein paar eindringliche Lines raushaut, die sich von der Musik abheben und von einer etwas rockiger daherkommenden Gitarre ummauert werden.

    Der Traum geht weiter

    Part zwei des Albums greift nochmal stärker die Auseinandersetzung mit den Dualitäten des Lebens auf. Vor allem „Meet Me In My Dreams“ bleibt im Kopf. Haben wir nicht alle schonmal das Konzept von Träumen in Frage gestellt? Also ich auf jeden Fall und nach diesem Song beginne ich damit auch immer wieder aufs Neue.

    „Trying to be stable but I’m changing day to day“

    So simple Gedanken, die oft nicht ausgesprochen werden, aber doch so wahr sind – danke, Jonathan, dass du sie für uns alle einmal in musikalischer Form festgehalten hast. Auch auf den letzten Songs des Albums komme ich aus dem nachdenklichen Träumen nicht mehr heraus und wundere mich eigentlich nur, warum die Musik auf einmal aufhört. „Sensitive One“ bildet da für mich den perfekten Abschluss – genauso sanft und mitfühlend wie ich es schon am Anfang bei „New Skin“ gelobt habe.

    Mein Fazit zu „So Sweet So Nice“ von John Moods: Ein Album, das eindeutig aus der Masse heraussticht. Die Sounds klingen wie frisch aus den 80er-Jahren und laden zum Träumen über die eigene Existenz und die Banalitäten des Lebens ein. Texte und Musik fließen so gekonnt ineinander über, dass es mir wirklich schwer fällt hier irgendetwas negatives zu schreiben – also lasse ich es. Tut euch selbst den Gefallen und hört das Album an!

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    Fotocredit: JJ Weihl & Andie Riekstina

  • Bruckner im Interview: »Der Fuji-Dreh war eine einzige Party für uns«

    Bruckner im Interview: »Der Fuji-Dreh war eine einzige Party für uns«

    Vor gut einem Monat haben Bruckner ihre neue Single „Fuji“ veröffentlicht – gut ein Jahr nach dem Release ihres Debütalbums „Hier„, mit dem sie es zum Beispiel auch in unsere Pop-Playlist zum Jahresrückblick 2020 geschafft haben. Die beiden Brüder aus Bayern knüpfen mit der neuen Nummer an ihre gewohnten gute Laune Deutschpop-Vibes mit einer guten Portion Melancholie an. Im Interview habe ich mit den beiden über „Fuji“, ihre persönlichen Worst Case Bands und das Leben in ihrer 6er-WG geredet.

    Bruckner im Interview

    Anna: Hey ihr beiden, schön, dass ihr am Start seid. Ich habe natürlich euren neuen Song „Fuji“ gehört – natürlich schon seit Release – aber vorhin nochmal so ganz intensiv reingehört. Und auch Texte und Musikvideo habe ich mir angeschaut und bin sehr happy, dass jetzt nach gut einem Jahr wieder was Neues von euch kommt. Auf jeden Fall ein geiler Song, hab richtig Bock auf Sommer jetzt. Für mich hat „Fuji“ sehr viel Potenzial als Sommerhit, weil es einfach gute Laune macht und mir so ein bisschen aus dem Herzen spricht, weil wir einfach alle wieder Lust haben feiern zu gehen. Gibt es etwas, das ihr zu „Fuji“ noch loswerden möchtet, dass vielleicht aus dem Song oder aus dem Musikvideo irgendwie noch nicht so sehr transportiert wird oder was dahinter steckt?

    Jakob: Ist irgendwie crazy, dass das alle den Song so als Sommer und gute Laune Hit sehen. Ich finde in „Fuji“ ist schon sehr viel Melancholie drin, muss ich sagen. Für mich schwingt so ein bisschen dieses Gefühl mit von ‚Wir wissen nicht so richtig, wo unser Platz ist‘. Weißt du was ich meine? Unsere Generation, die so jede Möglichkeit hat und irgendwie auch so ein bisschen Verzweiflung und so der Wunsch von ‚Ich will mich mal loswerden und diesen ganzen Hirnfick, den ich habe, einfach vergessen‘ und deswegen so diese Sehnsucht nach Feiern. Also für mich ist der Song nicht nur euphorisch feiern, sondern schon auch so bisschen melancholisch. Aber geil, dass die Leute bei „Fuji“ gute Laune kriegen! (lacht)

    „Es war eine einzige Party für uns“

    Anna: Wie war der Dreh zum „Fuji„-Musikvideo für euch? Ich muss dazu sagen das Video macht was mit mir: Ich habe jetzt permanent Lust Flunkyball zu spielen.

    Matti: Es war eine einzige Party für uns. Wir hatten eine mega gute Zeit und durften die ganzen Sachen machen, die man sonst halt jetzt gerade gar nicht so machen darf. Also es wurden natürlich immer alle getestet. Aber ja, es hat mega Spaß gemacht!

    Jakob: Ja, es war alles voll gewissenhaft was die Corona-Bedingungen betraf. Ich muss sagen wir haben uns echt ein bisschen verliebt in den Regisseur Miguel und seine Crew. Wir werden bestimmt noch mehr zusammen machen.

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    Das offizielle Musikvideo zu „Fuji“
    „Es wird auf alle Fälle noch mehr neue Musik geben“

    Anna: Ich hab das Gefühl, man muss diese Frage immer stellen, wenn es eine neue Single nach längerer Zeit gibt und „Fuji“ lässt mich etwas hoffen: Können wir auf ein Album oder eine EP hoffen, die demnächst oder im Laufe des Jahres erscheint?

    Jakob: (zögert) Auf jeden Fall ist Hoffnung immer gut. Es wird auf alle Fälle noch mehr neue Musik geben. (schmunzelt)

    Anna: Okay, ich merke schon, dass ihr nicht mehr verraten möchtet. Um ein bisschen von den Standardfragen wegzukommen: Was ist eure persönliche Worst Case Band?

    Jakob: Ohhhh (zögert) Ich habe verschiedene!

    Anna: Top 3!

    Matti: Okay, bei mir unter den Top 3 ist auf jeden Fall Bon Iver.

    Jakob: Bei mir ist Pine Grove und Vampire Weekend auf jeden Fall unter den Top 3. Und dann noch Daft Punk!

    Matti: (überlegt ziemlich lange) Ich hör auch in solchen Phasen dann gerne mal ein bisschen was Deftiges. Ich glaube, Bring Me the Horizon ist da auch bei mir mit dabei. Auch wenn’s in eine ganz andere Richtung geht. Aber das brauche ich manchmal. Sag mal deine!

    Worst Case Band = „die Band, die einen aus dem Loch wieder rausholt“

    Anna: Oh, damit hab ich jetzt nicht gerechnet, lass mich kurz überlegen. Ich glaube Bon Iver ist bei mir auch ziemlich weit vorne dabei. Auf jeden Fall noch Alt-J. The Neighbourhood geht auch immer! Was macht eine Worst Case Band für euch eigentlich aus?

    Jakob: Eine Worst Case Band ist quasi die Band, die man rauszieht im Worst Case. Also wenn es einem so richtig mies geht. Dann ist das die Band, die einen aus dem Loch wieder rausholt und sozusagen die Wunden versorgt.

    Anna: Schöne Erklärung! Ihr habt vorhin schon gesagt, ihr seid gerade in eurer WG. Ich habe mir das Sputnik Interview angeschaut, wo ihr im März wart und von der WG erzählt habt. Und ihr habt dort gesagt, dass alles sehr harmonisch läuft. Deswegen meine Frage: Ist es immer noch so harmonisch?

    Matti: Auf jeden Fall! Das wird immer besser. Wir werden immer bessere Freunde und gehen durch dick und dünn. Es hat natürlich jeder Mal seine Ups und Downs und den Wechsel man aber dann auch immer so schön zusammen. Und es ist geil zu sehen, wie man sich gegenseitig da wieder rausholt. Unser letztes akutes Down war als unser Refi Kili seine Lehrprobe halten musste und war die zwei Wochen davor wirklich nicht zu gebrauchen und hat quasi sämtliche Aufgaben im Haushalt bis in Gänze vernachlässigt. Aber auch seine eigene Körperhygiene. Also er war echt ein Wrack. Und jetzt ist er wieder back. Er hat schon wieder Maultaschen für uns gekocht und Salat heute mittag.

    Anna: Ja, ich glaube, das kennt man aus jeder gut funktionierenden Studenten-WG.

    „Meditativste Beschäftigung aller Zeiten übrigens, wenn man Dienstagvormittags mit lauter Rentner:innen aufm Acker arbeitet“

    Matti: Ey, großes Upgrade auch gerade und der Grund, warum wir doppelt so gut drauf sind: Wir haben unsere ersten Ernte-Eträge von unserem kleinen Feld und jetzt gibt’s erstmal Salat und Kohlrabi. Also das ist so eine krasse Empfehlung in einer WG zu wohnen für jeden, der*die es noch nicht gecheckt hat. Es empfiehlt sich so krass, vor allem für uns ist es auch der Luxus. Wir könnten uns halt niemals so ne Butze leisten. So viel Fläche und so viel Freiraum und zu sechst ist das überhaupt kein Problem.

    Anna: Wait a minute, wenn ihr Feld sagt, meint ihr da ein Feld im Garten oder wie?

    Matti: Ne, am Dorfrand haben wir so 30-40 Quadratmeter Feldstück mit ganz vielen anderen Leuten zusammen. Es wird irgendwo von der Stadt vermietet oder so, glaube ich. Und genau den können wir beackern.

    Jakob: Meditativste Beschäftigung aller Zeiten übrigens, wenn man Dienstagvormittags mit lauter Rentner:innen aufm Acker arbeitet. Das ist wirklich ganz cool!

    Anna: Okay, das klingt echt ganz cool, jetzt habt ihr mich etwas angefixt (lacht). 
    Letzte Frage: Was ist eure untold story? Also eine noch nie erzählte Geschichte von euch? Irgendetwas super Absurdes, Interessantes, was ihr bisher in noch keinem Interview erzählt habt.

    Jakob: Ich habe da was, aber das ist keine richtige Geschichte, eher ein Fakt. Hast du was, Matti? Hau mal raus und ich guck mal, ob ich das dann noch erzählen will? Nee, nee, es ist zu privat. Ich müsste erst fragen, ob ich das erzählen darf.

    Matti: (lacht so vor sich hin) Ich musste nur gerade dran denken, dass wir mal eine Zeit lang in Regensburg den ‚Erzähl mir dein Geheimnis‘-Dienstag hatten. Kennst du denn noch, was du da mit dabei? Das war zusammen mit Basti, Benni und Hanni. Da haben wir uns jeden Dienstag in der Bar getroffen und haben dann den Abend damit eingeleitet, dass jeder ein Geheimnis erzählt hat, dass er davor noch niemanden erzählt hat. Jetzt bin ich natürlich geneigt dazu von Basti, Benny oder Hanni irgendein Geheimnis zu erzählen, damit ich meins nicht erzählen muss. Aber tatsächlich hab ich auch gerade kein sinniges auf Lager. Mir ist es nur gerade eingefallen. (zu Jakob) Jetzt hau deins raus!

    Jakob: Ahh neee, ich weiß echt nicht.

    Anna: Alle Namen können auch anonymisiert werden bei Bedarf.

    Dorfgeschichten aus der Jugend

    Matti: Ok, ich habe was! Ich kann die Geschichte erzählen, die ich mir im Puls Interview gespart hab. Wir kommen ja richtig vom Dorf, Jakob und ich, und da gibt’s irgendwie keine Busse oder es gab halt einen Bus, der so in die nächst Stadt nach Traunstein gefahren ist, wo wir zum Feiern waren. Und sonst muss halt immer irgendwer – die Mutter oder der Vater von irgendwem – uns abholen. Und dann dieser eine Bus, der vom Nachbardorf aus ging, wo man schon irgendwie noch zusammen hin gehen musste, so 15 Minuten. Der hatte immer denselben Busfahrer und er hat uns gehasst, als wir so 15, 16, 17 waren. Also ich verstehe auch, warum er uns gehasst hat, weil wir halt immer relativ knülle auch dann in den Bus eingestiegen sind. Der hat den Bus immer hingefahren und dann auch nachts um drei wieder zurück. Und das sag ich jetzt gleich dazu: Mittlerweile, wenn wir dann mal wieder da mit gefahren sind verstehen wir uns mit ihm echt gut. Aber so der Zenit war erreicht, als wir dann eines Nachts heim gefahren sind. Und da hatten wir noch einen Kumpel dabei, der da sonst irgendwie nicht so mit dabei war. Und der hat ihm dann so kurz bevor die Haltestelle erreicht war … Auf alle Fälle hat der Kumpel dann kurz vor der Haltestelle noch in den Bus gekotzt. Dann sind wir alle als er stehen geblieben ist und die Türen auf sind, sind alle rausgelaufen und sofort weggelaufen. Und im Weglaufen sehen wir noch, wie ihm hinten auf seinen Bus noch ein Auto drauf fährt. Und das war dann quasi sein Feierabend. Ihm wurde er in den Bus gekotzt von den asozialen Jugendlichen und es wurde ihnm noch sein Bus geschrottet, irgendwie von dem anderen Auto. Naja, aber wir haben uns bei ihnen entschuldigt und wir sind im Guten jetzt … Jakob, du hattest doch auch noch was!

    Untold Band Story

    Jakob: Ja, ich habe noch eine Band-related story! Wir haben vor kurzem Musik gemacht bei einer Veranstaltung. Da haben für die Arbeiter:innen aus der Musikbranche Geld gesammelt auf dem Hausboot von Finn und Olli. Da haben wir einen Song gespielt und in Hamburg gepennt. Wir waren an dem Abend danach halt noch bisschen um die Häuser ziehen, so in der kleinen Gruppe, haben noch gefeiert. Ich hatte nachts meinen Geldbeutel irgendwo liegen lassen. Als ins Hotelzimmer gekommen sind, habe ich dann erstmal alle Karten sperren lassen von mir. Hab dann direkt darauf die Nachricht gesehen auf Instagram ‚Hey Jacob, hier ist dein Geldbeutel, soll ich ihn dir bringen?‘ Hab ihn dann geholt, bin wieder zurück ins Hotelzimmer. Matti hat schon gepennt, als ich ins Hotelzimmer gekommen bin. Meine Karte ging nicht. Ich habe ultra laut klopfen müssen, um ihm rauszukriegen aus. Er hat mir die Zimmertür aufgemacht und ich habe ihn gefragt, wann denn der Zug morgen früh geht. Matti ist, der Organizer bei uns mit, quasi der Tourmanager. Er hat mir die Zeit für den Zug gesagt. Ich glaube, es war halb acht. Und ich stell den Wecker auf halb sieben, damit wir rechtzeitig zum Zug kommen und Matti hat sein Zeug schon gepackt. Also wache ich auf, um halb sieben, fang an mein Zeug zu packen. Wirbel rum, sag mehrmals ‚Matti, steh auf, wir müssen los, steh auf, wir müssen los‘. Irgendwann frage ich, weil ich nicht checke, warum er nicht aufsteht. Er reagiert eigentlich immer so leicht. Er steht aber nicht. Ich so: ‚Matti, wann geht nochmal unser Zug?‘ Matti: ‚Halb 10!‘ Ich: ‚Alter, ist das dein scheiß Ernst? Das kannst du mir auch mal früher sagen, ich bin jetzt hellwach!‘ Reg mich dann halt total auf. Leg mich wieder hin. Muss mich zwingen, wieder einzuschlafen. Ich zwinge mich wieder einzuschlafen. Mega schlimm. Der Wecker klingelt um dreiviertel 9. So, ich steh auf, alles gepackt. Ich versuch wieder Matti zu wecken. Er kommt wirklich wieder sehr schwer in die Gänge. Ich putz noch mal Zähne, räum das letzte Zeug ein und sag so ‚los Matti‘. Er wacht irgendwie aus seinem Schlaf, völlig überrascht und aus dem Häuschen: ‚Fuck, wie spät ist es?‘ ‚Dreiviertel 9!‘ ‚Fuck, wir haben den Zug verpasst!‘ Ich bin stinksauer und dann ging es so hin und her. Er war wohl wirklich überrascht, dass er das gesagt hatte.

    Matti: Ich habe ihn dann angemault, warum er mich denn nicht eher aufweckt, wenn er doch wach ist.

    Jakob: Dann ging es weiter mit: Der Zug hat Verspätung und er ist dann 55 Minuten später gekommen. Haben dann noch irgendeinen Anschluss verpasst. Es war die Hölle am Bahnhof. Hat viel Geld und Zeit gekostet.

    Anna: Danke für die Story und vielen Dank für’s Interview! Schönen Tag euch noch und bin gespannt auf die neue Musik, die noch kommt!

    Falls ihr „Fuji“ noch nicht gehört habt, dann könnt ihr das hier ganz schnell nachholen!

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  • Maxim im Interview: »Schlechte Laune vertreibe ich mit Musik schreiben«

    Heute gibt es ein weiteres Interview in Kooperation mit den Acoustics Concerts und zwar mit Maxim! Er spielt in Hamburg, Hannover und Essen vom 14. bis 16.7. Der deutsche Singer-Songwriter sollte wohl so ziemlich jedem bekannt sein. Ich verbinde vor allem mit seinem Song „Meine Soldaten“ eine große Portion Nostalgie, die mich zurück in die Jugend und den ersten Liebeskummer versetzt. Aber auch seine neuen Songs und Alben, wie zum Beispiel das neueste Album „Grüne Papageien“ gehen nach ein paar Mal Hören nur schwer aus dem Kopf. Im Interview habe ich mit Maxim über die Veränderungen des Musikbusiness und seinen Umgang mit motivationslosen Phasen gesprochen.

    Maxim im Interview

    Anna: Hi, danke, dass du dir die Zeit nimmst. Wie geht’s dir?

    Maxim: Danke, mir geht’s gut!

    Anna: Zu Beginn direkt mal eine harte Entweder-Oder-Frage: Bist du ein Herz- oder Kopfmensch?

    Maxim: Definitiv Kopfmensch. Ich denke immer erst einmal nach und entscheide nicht so oft aus dem Affekt.

    Anna: Was kommt bei dir meistens zuerst: Text oder Musik?

    Maxim: Das kommt bei mir immer gleichzeitig. Ich trenne es nicht so wirklich, weil es für mich immer zusammen aufkommt.

    „Ein Album ist für mich ein Gesamtwerk“

    Anna: Was ist deine Meinung zu Features? Ich habe auf deinen Alben nur einen Feature Song mit Marteria gefunden.

    Maxim: Ein Album ist für mich eher ein Gesamtwerk und das macht es schwierig andere Features mit einzubringen. Ich mag es aber auch gerne mit anderen Künstler:innen zusammen an Songs zu arbeiten. Da wird auch in Zukunft noch etwas kommen. Es gibt allerdings auch noch ein paar mehr Features, die halt nur nicht auf den Alben zu finden sind, zum Beispiel auch ein paar Reggae Tracks oder Features von mir auf Alben anderer Künstler:innen.

    Anna: Das kann ich gut verstehen. Deine Reggae-Songs kenne ich noch gar nicht, da werde ich nachher erst einmal reinhören. Anderes Thema: Wie stehst du zu deinem Song “Meine Soldaten”? Wahrscheinlich wirst du ziemlich oft auf das Lied angesprochen, da du dadurch ja irgendwie bei den meisten erst so richtig auf der Bildfläche erschienen bist. Nervt es dich, dass du manchmal darauf reduziert wirst?

    Maxim: Ehrlich gesagt passiert das gar nicht so oft. Journalist:innen bereiten sich ja auf Interviews vor und gehen durch meine gesamte Musik, recherchieren Hintergründe und so weiter. Klar, werde ich dann auch mal was zu dem Song gefragt, aber meistens geht es eher um das aktuelle Album. Außerdem ist „Meine Soldaten“ auch ein guter Song. Ich mag ihn immer noch. Hab schon schlechtere Songs geschrieben, aber natürlich auch schon bessere.

    Das Video zu „Meine Soldaten“ ist genauso ergreifend wie der Song selbst

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    Anna: Was hat sich in dem Musikbusiness verändert seitdem du angefangen hast?

    Maxim: Das ist ja jetzt schon ein so langer Zeitraum: Sehr viel, eigentlich alles. Alleine in den letzten zwei Jahren hat sich mit der Pandemie und der Nutzung von Spotify ja einfach grundlegend schon so viel verändert. Aber ich hab noch nie darauf geachtet, irgendwas gerecht zu machen, also meine Songs an den Algorithmus und die Streaming-Gewohnheiten anzupassen. Das kann ich nicht, entspricht nicht meinem Charakter und ist meiner Meinung nach auch zum Scheitern verurteilt. Die Songs werden dadurch nicht besser oder schlechter. Ich bewerte den Song danach, ob er geil ist oder nicht. Ich bin auch einfach ein 3:30 Minuten Mensch.  Für mich ist das dramaturgisch für den Song sinnvoll und ich bin es gewohnt, weil ich damit aufgewachsen bin. Eine Sache, die mir in letzter Zeit auch extrem aufgefallen ist, ist Autotune. Das ist gerade auch ganz groß. Ich finde es meistens eher nervig, nicht schlecht generell, aber mich nervt es größtenteils. Die Stimmen klingen dadurch schnell so ähnlich und der Charakter geht total flöten. Andererseits muss ich auch sagen, dass zum Beispiel die Amy Winehouse Platte „Back to black“ einfach richtig gut ist, da stört es mich gar nicht.

    Motivationslosigkeit als Quelle der Inspiration

    Anna: Ohja, da stimme ich dir zu! Auf dich bezogen: Gab es in den letzten Jahren öfters mal Phasen, in denen du überlegt hast mit der Musik aufzuhören? Und was machst du in so einem Motivationstief gegen die fehlende Inspiration?

    Maxim: Sowas passiert immer mal wieder, also solche Phasen.Ich mache es ja wirklich schon sehr lange, fast 20 Jahre und da bleiben solche Momente nicht aus. Es gibt immer eine Existenzangst. In dem Sinne, dass ich denke, das nächste Album ist das letzte und danach geht nichts mehr. Das ist dann so ein Schema im Kopf, das man wegbekommen muss. Ich versuche das dann auch als Motivationsquelle zu sehen und mir selbst zu sagen: ‚Ich würd‘s am liebsten anders machen können‘ und dann schauen wie das geht. Das passiert auf jeden Fall alles nicht bewusst. Wie mit allen negativen Gefühlen ist es ja so, dass man das nicht steuern kann. Kann man es in dem Moment nicht analysieren. Ich versuche dann meine schlechte Laune mit Musik schreiben zu vertreiben. Mir ist das auch kürzlich erst klar geworden, dass ich da so mit umgehe. Vielleicht sollte ich es nicht mehr so machen und mir eine andere Art suchen mit diesen motivationslosen Phasen umzugehen.

    „Man kann negative Gefühle nicht steuern“

    Anna: Solange zu weiterhin Musik machst und nicht aufhörst gerne! Zum Abschluss habe ich noch unsere typische Frage: Was ist deine untold story?

    Maxim: Ich habe keine, sowas sollte besser ungesagt bleiben. Überleg mal, wenn ich in jedem Interview eine Story rauskloppen sollte, müsste ganz schön viel Interessantes passieren in meinem Leben. Ich bin nicht so der Typ, der von stories mit den Freunden erzählt, das behalte ich dann doch lieber privat. Das einzige, was mir gerade spontan einfällt ist, dass letzte Woche ein Igel in unserer Nachbarschaft überfahren wurde. Das war traurig.

    Anna: Oh, das ist wirklich traurig, RIP Igel. Ich hoffe, dass du die gedämpfte Stimmung bis zum Konzert wieder vergessen kannst und wünsch dir ganz viel Spaß auf der Bühne bei den Acoustic Konzerten und bedank mich für’s Interview!

    Wer sich schonmal auf das Konzert vorbereiten möchte, kann hier in das neueste Album von Maxim reinhören!

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  • Eine Portion Wellness für die Seele: Amilli mit „Hazy Days“

    Neo-Soul, R’n’B und ein bisschen Pop – genau diesen Mix liebe ich an Amilli’s Musik. Deswegen war ich auch ziemlich hyped als ein neuer Song angekündigt wurde. Mit „Hazy Days“ knüpft die Sängerin ihren einmaligen Amilli-Sound von „Pulling Punches“ an. Was ich von dem Song halte, lest ihr hier.

    Mit „Rarri“ gelang Amilli im Jahr 2018 der virale Durchbruch, sie gewann den 1Live Förderpreis und veröffentlichte ein Jahr später ihre EP „Wings“. Im Oktober 2020 folgt EP Nr. 2 mit „Pulling Punches“ und eine stetig wachsende Fangemeinde. Man kann Amilli also wohl getrost zugestehen, dass sie sich seit Anfang ihrer Musikkarriere auf keinen Fall auf die faule Haut gelegt hat.

    „Ich bin so zufrieden und glücklich mit diesem Song und ich weiß, dass ich das fast immer sage, aber das ist wirklich mein liebster Song, den ich bis jetzt veröffentlicht habe. Es ist schwer zu beschreiben, aber er spiegelt irgendwie genau wider, wie ich mich momentan fühle.“

    Während es thematisch in „Pulling Punches“ eher um Beziehungen und die Rolle einer Frau in der Gesellschaft geht, wie Amilli im untoldency-Interview Anfang dieses Jahres erklärt, ist „Hazy Days“ ihr selbst gewidmet. Im Song geht es um den Prozess zu sich selbst zu finden. Sie appelliert dazu, mehr Energie in die Beziehung zu sich selbst zu stecken und auf sich Acht zu geben. Ich habe beim Hören das Gefühl, dass sie mich schon fast persönlich anspricht. Vermutlich liegt das am entspannten Hintergrund-Bass, der Amilli’s Stimme in den Vordergrund rückt und auf eine positive Art aufdringlich wirken lässt.

    Im Musikvideo kommt diese Message perfekt rüber! Das Video ist eher reduziert. Es ist nur Amilli zu sehen. Sie ist halt eben alleine mit sich selbst und schaut des Öfteren mal etwas verloren und lieblich in die Kamera. Ästhetisch holt mich das Video genau da ab, wo der Song bereits angefangen hat.

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    „I ‚m always trying to love every inch of me but sometimes life is one step ahead of me“

    Der Song startet zwar recht gedämpft, schafft es aber auf irgendeine Weise super atmosphärisch und locker ein gutes Gefühl zu hinterlassen. Dazu kommen Appelle an die Selbstliebe, formuliert durch Dinge, die Amilli sich wohlfühlen lassen. Ich fühle mich teilweise etwas ertappt und sehe mich in den Mustern wieder, die sie beschreibt. Kein Wunder bei einem so persönlichen Song!

    “Mittlerweile stecke ich immer mehr von mir in meine Songs und dadurch wird es immer aufregender und auch ein bisschen beängstigend diese dann zu veröffentlichen. Es macht verletzlicher, was gleichzeitig eine sehr schöne Sache ist. Vor allem in diesen komischen Zeiten, leben wir glaube ich alle mehr in unseren Köpfen, als es vielleicht gesund ist und Hazy Days fühlt sich für mich an, wie eine große Umarmung und ich hoffe, dass der Song das gleiche auch bei dem ein oder anderen auslösen kann“

    Also ich fühle mich wirklich sehr herzlich und aufrichtig umarmt von dem Song. Er hinterlässt bei mir ein wohliges Gefühl und schafft eine Komfortzone ohne zu überfordern. Für mich einfach ein richtiger Wohlfühl-Song mit einer tollen Message!

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  • “Might Delete Later”: RAZZ schaffen auf ihrer EP eine Momentaufnahme unserer Generation

    “Might Delete Later”: RAZZ schaffen auf ihrer EP eine Momentaufnahme unserer Generation

    Endlich gibt es neue Musik von RAZZ! Die EP „Might Delete Later“ ist am 18. Juni erschienen und beinhaltet sechs Songs, wovon drei bereits vorher als Singles released wurden. Was sich zuerst anhört als hätten die Jungs ihre alten Songs etwas zu lange mit Weichspüler im Schongang gewaschen, ist im Kern aber noch genau das, was die Band ausmacht: facettenreicher Indie-Rock mit Tiefgang – und dafür lieben wir sie doch!


    Was die Generation Y gerade beschäftigt

    Anfang des Jahres hat Jule eine Review zur ersten Single der EP, „1969 – Conrad“, geschrieben und auf ein drittes Album von RAZZ spekuliert. Naja, ein Album ist es dann doch nicht geworden, dafür aber sechs verdammt gute neue Songs. Die EP „Might Delete Later“ erinnert an das Meme „felt cute, might delete later“, dass unter allen Social Media-Junkies mittlerweile schon zur Alltagssprache zählt. Im Interview mit gestromt erklärt Niklas, Sänger der Band, dass der Gedanke hinter dieser Floskel Inspiration für die EP war. Damit nehmen sich die Jungs den Druck ein ganzes Album produzieren zu müssen und sehen die EP vielmehr als Momentaufnahme des RAZZ-Sounds, so wie er jetzt gerade ist. Ich finde das ist ein ziemlich gutes Statement. Dieser Anti-Perfektionismus-Gedanken sollte viel mehr Platz in der Musikwelt finden und würde wahrscheinlich auch so einigen Künstler:innen zugute kommen.

    Drei Jahre kam keine neue Musik von RAZZ, auch wenn die Band in der Zwischenzeit nicht auf der faulen Haut lag, sondern fleißig mit live spielen, proben und neue Songs schreiben beschäftigt war. Trotzdem kommt mir das dann doch irgendwie nach einer langen Zeit ohne Input vor. Das ist doch der perfekte Anlass ist, um mal wieder ein bisschen im alten Fangirl-Koffer zu kramen, damit ihr auch wisst, was mich (hoffentlich) qualifiziert, über die neue EP von RAZZ zu urteilen.


    Kurzer Ausflug in die Historie von Anna’s Fangirl-Koffer

    Ich verfolge die Musik der vier Jungs aus Schöninghsdorf schon seit 2013. Damals haben sie auf dem Abifestival gespielt, was vermutlich außerhalb des Emslands (RAZZ’s & meine Heimat) kein Mensch kennt, und noch nicht mal ihre erste offizielle Single veröffentlicht. 2017 habe ich sie dann auf dem Altstadtfest meiner Heimatstadt gesehen und lauthals in der ersten Reihe „Youth and Enjoyment“ und „Let It in, Let It Out“ mitgegrölt, nichtsahnend, dass ich mir diesen Platz auf zukünftigen Konzerten deutlich härter erkämpfen muss. In meinem Fangirl-Koffer befindet sich auch noch ein Interview aus 2018, wo ich mit Niklas auf dem Rocken am Brocken (ganz tolles Festival) ein bisschen Emsländer:innen bonding time hatte – schön war’s. Naja, was ich hier eigentlich nur deutlich machen wollte: RAZZ begleitet mit schon seit so einiger Zeit.

    Jetzt aber mal zurück zum Thema: die EP „Might Delete Later“. Wie anfangs schon erwähnt, wirkt der Sound zu Beginn etwas verändert, irgendwie leichter und sanfter. Was mir aber direkt auffällt, ist die Liebe zum Detail. Die zeigt sich darin, dass ich bisher bei jedem Hören der EP ein neues kleines Detail entdeckt habe – sei es in den Texten oder im Sound. Sind euch z.B. bei „Constant Flow“ schon die Schläge bei 2:34 min. aufgefallen, die den Übergang in den rockigen Part des Songs ankündigt? Mir ist das zumindest erst beim fünften Hören aufgefallen. Schauen wir uns die Songs also mal im Einzelnen an.


    Singles mit viel Hit-Potential

    Might Delete Later“ beginnt mit „1969 – Conrad“, dem Song, der als erste Single der EP schon im Dezember 2020 veröffentlicht wurde. Es ist auch der Song, der mich am meisten an den gewohnten RAZZ-Sound von „With Your Hands We’ll Conquer“ und „Nocturnal“ erinnert. Es ist auch der Song, der mich alleine in meinem Zimmer zu Lockdown-Zeiten so tanzen lässt, dass mein Nachbar in der unteren Etage wahrscheinlich ziemlich viel Hass gegenüber dem Song entwickelt hat. „Fassungslosigkeit, Wut und Resignation par excellence in einen Song umgewandelt. (Dazu) Gitarrenriffs, sanfte Synthies, sehr geile Bass-Highlights und Drums, die mich sofort mitreißen“, schreibt Jule im Januar in ihrer Review zum Song und ich finde mich jetzt – im Juli – immer noch in diesen Worten wieder und kann mich also nur anschließen.


    „lately, I feel so small“

    Zweiter Song, zweite Single der EP: In „Like You“ geht es um die Unzufriedenheit mit der Umwelt und mit sich selbst – eben der Wunsch, so zu sein wie jemand anderes. Thematisch schließt der Song damit sehr gut an „1969 – Conrad“ an und wirkt für mich wie eine Art Perspektivenwechsel mit dem Fokus auf sich selbst und das eigene infrage stellen. Der Titel hat echtes Ohrwurm-Potential. Kein Wunder also, dass der Song als Single genauso gut funktioniert wie als Teil der EP. Dennoch ist „Like You“ keine reine Pop-Nummer, durch Drums und Gitarren wird der rockige Vibe aufrechterhalten.

    Constant Flow“ kommt deutlich experimenteller daher. Der Song beginnt relativ langsam, aber so ab 2:30 min. kommen die gewohnten Gitarrenriffs für die ordentliche Portion Rock wieder dazu. Ich muss sagen dieser Song hat es mir irgendwie angetan. An ihm bleibe ich momentan am meisten hängen. Auch hier zieht sich das Thema der inneren Zerissenheit, Orientierungslosigkeit und Unzufriedenheit weiter durch. Die gewohnte Wärme der Stimme von Sänger Niklas gibt dem Ganzen in diesem Song meiner Meinung nach einen ganz besonderen Tiefgang und macht nachdenklich. Die Zweiteilung des Songs unterstützt die Thematik musikalisch perfekt. Dieser Song hat zudem so viele kleine Details, das ich gar nicht aufhören mag nach neuen Kleinigkeiten zu suchen. Ich lieb’s einfach!


    Unangenehme Gefühle müssen ausgesprochen werden

    Der nächste Song heißt „Ocean (without any waves)“. Textlich bleibt der Track im Kosmos der EP. Der Orientierungslosigkeit der vorherigen Songs folgt die nüchterne Feststellung, dass man oft leider einfach im Dunkeln tappt ohne etwas dagegen tun zu können. Ich bekomme ein Gefühl vom aufgeregt sein, wenn ich den Song höre. Irgendwie ruft es eine innere Wut in mir hervor, gemischt mit einer guten Portion Frust. Und das meine ich gar nicht negativ, ich liebe es, wenn Songs solche Gefühle in mir hervorrufen. Passend zum EP-Release hat RAZZ auch eine live session zu „Ocean (without any waves)“ auf ihrem YouTube Kanal veröffentlicht, die dem Song noch einmal seinen ganz eigenen vibe gibt. Ich finde hier kommen vor allem die Gitarrenparts noch mehr heraus und lassen den Track etwas atmosphärischer auf mich wirken.

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    Bei all dem Lob kommt wohl jetzt der etwas unangenehmere Teil: Meine erste Kritik. Aber hey, was wäre eine gute Review, wenn sie nur positiv wäre? Wahrscheinlich nur halb so gut, deswegen hier jetzt meine ehrliche Meinung. Track Nummer fünf, „Reverberating“, geht für mich leider total unter auf der EP. Er fügt sich zwar textlich und musikalisch perfekt in das Gesamtbild ein, aber kratzt für mich leider sehr knapp an der Linie, aber der mich ein Song langweilt. Ok, Langeweile ist vielleicht ein sehr starkes Wort in der Musikwelt, aber sagen wir es mal so: Es ist kein Song, den ich bewusst anmache, weil er mir im Kopf hängen geblieben ist. Mehr möchte ich zu dem Song auch eigentlich gar nicht sagen, weil ich die EP insgesamt schon ziemlich liebe und mir das selbst nicht zerstören will. Also wieder zurück zum Positiven.


    „Say, why do we keep falling in dreams? Where we land, where we go, I don’t know“

    Den Abschluss macht „Game“, ein Song, der ebenfalls vorab als Single zu hören war und mich die getrübte Stimmung durch den vorherigen Song wieder vergessen lässt. Naja, nicht komplett, denn „Game“ ist eher so vom Typ nachdenkliche, langsame Nummer, der es aber trotzdem schafft gute Laune in mir hervorzurufen. Der Text ist wieder einmal sehr nachdenklich und lässt viel Raum für eigene Interpretation – perfekt für mich, ich liebe es nämlich Songtexte zu überinterpretieren, werde euch an dieser Stelle aber mal verschonen. Grob gesagt geht es in „Game“ über die Frustration einer immer wiederkehrenden Situation, dessen Ausgang man schon kennt, aber ihr trotzdem nicht entkommt. Der RAZZ-Rock hält sich hier etwas zurück – keine Sorge nicht komplett. Der Song ist eher ruhig und simpel zu Beginn, die Gitarre steigert sich gegen Ende im Einklang mit Text allerdings etwas weiter in die Thematik rein. Perfekte Kombi und ein schöner Abschluss der EP!

    Mein Fazit zu „Might Delete Later“ ist also (wie erwartet) sehr positiv. Es gibt eigentlich nichts, was mich auf der EP stört, denn „Reverberating“ fügt sich gut in den Lauf der Songs ein, catcht mich halt einfach als einzeln stehender Song nicht. RAZZ zeigen sich etwas erwachsener und atmosphärischer im Vergleich zu ihren vorherigen Alben, aber beweisen zugleich, dass sie ihren Sound gefunden haben. RAZZ 3.0 gefällt mir sehr und ich bin gespannt, was noch so kommt!

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    Fotocredit: Martha Friedel

  • Playlist: pride month anthems

    Playlist: pride month anthems

    Der Juni ist pride month und steht ganz im Zeichen der LGBTQIA*-Community. Damit ihr beim CSD am 28. Juni auch die richtigen Hymnen parat habt, haben wir eine Playlist zusammengestellt mit Songs von Künstler:innen aus der Community.

    Eine Playlist, die genauso bunt und divers ist wie alles, wofür der Pride Month steht – das war mein Ziel. Als erstes fallen mir die Klassiker ein: “Same Love” von Macklemore & Ryan Lewis mit Mary Lambert oder “I want to break free” von Queen. Aber auch deutsche Künstler:innen aus der Community kommen mir aus den tiefen meiner Spotify-Historie wieder ins Gedächtnis. Ebow, Mavi Phoenix oder Ilgen-Nur – einfach verdammt gute Musiker:innen, die meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten. Nächstes Ziel für die Playlist ist also: Künstler:innen unterstützen, die noch nicht in jeder zweiten LGBTQIA*-Playlist auf Spotify vertreten sind.

    Musikalisch gesehen ist von Rap über Hip Hop bis zu Pop und (natürlich) ganz viel Indie so ziemlich alles dabei. Ganz getreu dem Motto: Je bunter desto besser. Das Genre spielt in dieser Playlist auch gar keine Rolle, hier wird alles reingepackt, was LGBTQIA*-Werte unterstützt – egal, ob auf direkte Weise im Text oder ob die Stimme dahinter sich für die queere Community ausspricht.

    Warum ist der Juni Pride Month?

    Kurzer historischer Exkurs für das fundierte Hintergrundwissen zum Pride Month: Der Name kommt von den Stonewall-Aufständen 1969, die als Anfang der heutigen LGBTQIA*-Bewegung gelten. Damals mussten queere Personen mit Strafen rechnen. Am 28. Juni 1969 fand in der Schwulenbar Stonewall Inn in der Christopher Street in New York eine Polizei-Razzia statt, die zu tagelangen Protesten gegen Polizeigewalt führte. Der Christopher Street Day am 28. Juni hat dadurch sein Datum bekommen. Im Juni wird vermehrt darauf aufmerksam gemacht, dass queere Menschen immer noch Diskriminierung erleben. Und da Kunst schon immer ein Raum für freie Entfaltung ist und zumindest im Idealfall Diskriminierungsfreie Zone ist, ist es kein Wunder, dass sich viele queere Künstler:innen in ihrer Musik ausdrücken.

    Ein queeres Vorbild unserer Generation

    Besonders interessant finde ich den österreichischen Künstler Mavi Phoenix – und das nicht nur wegen der genialen Mischung aus Rap à la Drake und Hyperpop wie Charli XCX in seinen Songs. Denn wenn man sich mal so durch die Diskographie schaut, entdeckt man auf der EP von 2014 ein Mädchen mit langen, braunen Haaren. Denn bis vor gut einem Jahr hat sich Mavi noch als Frau ansprechen lassen, auch wenn er sich schon seit seiner Kindheit nie so richtig damit wohlgefühlt hat. 2019 entscheidet er sich zum Outing als Transgender, 2020 dann, dass er nur noch mit he/him angesprochen werden möchte. Die Testosteron-Therapie verdunkelt auch seine Stimme. Aber die ganze Entwicklung löscht Mavi nicht einfach aus seiner Spotify-Historie, sondern nutzt sein Künstler-Profil als eine Art Tagebuch, indem man seine persönliche Entwicklung durch die Musik miterleben kann. Mit dem Album „Boys Toys“ setzt er ein klares Statement, wie er sein Standing in der Gesellschaft sieht. In „12 Inches“ räumt er mit allen Vorurteilen gegenüber einer Geschlechtsumwandlung auf und schafft damit eine Plattform zur weiteren Normalisierung des Themas.

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    Einige Künstler:innen in der Playlist dürften dem ein oder anderen schon aus unseren Playlists „women rising up“ und „underrated black excellence“ bekannt vorkommen. Um mal ein paar Namen zu droppen: Ashnikko, girl in red, Arlo Parks, Mia Morgan, Billie Eilish, Ebow, SOPHIE, Kevin Abstract, Japanese Breakfast. Aber dann gibt’s natürlich auch ein paar Nostalgie-Momente mit Songs wie „Fast Car“ von Tracy Chapman oder „Grace Kelly“ von MIKA.

    Eine Playlist, die so bunt ist, wie die Community

    Ob mir der bunte Mix gelungen ist und meine Ziele vom Anfang erreicht? Das müsst ihr mir schon sagen. Ich feier die Playlist auf jeden Fall und wenn ich eine Sache mitnehme, dann auf jeden Fall, dass die Musikwelt ein safe space für alle ist, egal wie er oder sie* sich identifiziert und darauf können wir auch schonmal ein bisschen stolz sein. Da bleibt mir nur noch eins zu sagen: Geht auf die Straße am 28.6. feiert den CSD!

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