Wenn es wieder Neues aus der Regensburger Indie-Bubble gibt, heißt es: Ohren gespitzt, es gibt Hit-Potenzial! Iuna Lux hat am Freitag die EP „Chemicals and Gold“ veröffentlicht und beweist zum zweiten Mal, dass er den Indie-Synth-Pop einfach beherrscht. Irgendwo zwischen tanzbarer Melancholie, verträumten Bedroom-Pop und einer fetten Ladung spacigem Electro Sounds entführt Iuna Lux auf „Chemicals and Gold“ in eine Parallelwelt – fernab der Realität, tief versunken in Träumen.
Kurze Exkursion, weil es keinen Artikel gibt, in dem ich nicht abschweife
Aber nochmal auf Anfang, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind. Wenn ich von der Regensburger Indie-Bubble spreche, dann meine ich some sprouts, Telquist, Iuna Lux, The Komets, Surv und Marlin Beach (vergebt mir bitte, wenn ich jemanden vergessen haben sollte). Als Norddeutsche, die leider viel zu wenig über diese musikalisch anscheinend recht bedeutende Stadt weiß, finde ich es ziemlich beeindruckend, wie viel Indie-Potenzial in Regensburg verborgen ist. Umso glücklicher macht es mich, dass die Artists auch noch zusammenarbeiten und sich gegenseitig supporten.
Christoph Hundhammer, aka Iuna Lux, war nämlich bis vor zwei Jahren als Gittarist mit Telquist auf Tour. Bei den sproutis war er auch schon zu Besuch und Marlin Beach, aka Lucas Adlhoch, ist Mitproduzent bei Iuna Lux‘ Tracks. Also ich find’s ziemlich wholesome. Vor allem kommt aber auch einfach verdammt viel gute Musik aus diesem Pool an kreativen Köpfen zusammen. Deswegen komme ich jetzt auch wieder zurück zu „Chemicals and Gold“.
„And she’s dreaming of a blue sky … with her head in the clouds“
Den Einstieg übernimmt der Song “Cold“, einer der drei Singles auf der EP. Mit „Cold“ wird auch direkt das Thema der EP klargestellt: hier geht es um Tagträumereien und eine Welt fernab der Realität. Planlos durch die Straßen laufen und die Gedanken an einem ganz anderen Ort. Iuna Lux besingt eine Flucht vor der Dunkelheit der Realität, aber immer mit dem Fokus auf den schönen, unbeschwerten Gedanken. Und so schwebt der Song förmlich vor sich hin.
Musikalisch passiert vergleichsweise wenig, aber der synthige Sound der gesamten EP findet hier eine solide Einführung, ohne direkt zu überladen. Als Single hat „Cold“ mich leider gar nicht mitgenommen. Beim Hören der EP wird ich allerdings so langsam warm mit dem Song. Nach meinem Gefühl funktioniert der Song super auf der EP, aber einzeln gehört wirkt er wie ein Bruchteil aus einer Geschichte, zu der mir der Kontext fehlt.
Auch der zweite Song war als Single vorab bekannt. Nach dem eher nachdenklichen ersten Track, weckt „Memory Lane“ mit seiner wiederkehrenden Melodie irgendwie auf. Ich spüre starkes Ohrwurm-Potenzial. „Memory Lane“ war 2021 gleichzeitig die erste Single nach der ersten EP „All Of My Answers“. Auch hier muss ich wieder gestehen, dass mich die Single damals leider gar nicht gecatched hat. (Ich weiß, dass das ein beschissener Start für eine Review ist, wenn die ersten beiden Songs für mich nicht als Singles funktionieren, aber es wird besser – versprochen). Was „Memory Lane“ bei mir allerdings direkt auslöst, ist ein wohlig warmes „Sommer, Sonne, ich mache einen Roadtrip ins Blaue“-Gefühl. Und dieses Gefühl haben wir doch gerade alle bitter nötig, oder?
Wie viel Synthesizer willst du noch einbauen? Ja
„It Out“ ist also der erste komplett neue Song auf „Chemicals and Gold“. Zu meiner eigenen Überraschung überzeugt mich der Song direkt. Das Zusammenspiel von Beat und offensiven Textpassagen stimmt einfach. Kurze Unterbrechungen gibt es durch Einlagen der Synthesizer, die das generelle Soundbild der EP perfekt einfangen. Auch hier wurde wieder nicht an genug Synth-Einlagen gespart. Das Ganze klingt für meinen Geschmack sehr futuristisch, spacig und erinnert mich ein bisschen an Songs von Roosevelt. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie stelle ich bei dem Song einen kleinen Roboter vor, der in einem leergefegten Club auf der Tanzfläche tanzt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass „It Out“ einfach ein verdammt tanzbarer Song. Damit überzeugt man mich sowieso schon in 90% der Fälle relativ easy.
Das passt perfekt, denn der nächste Song wurde quasi zum Tanzen geschaffen. Widmen wir uns „Monsters“.
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„Monsters“ ist die Lead-Single der EP und sollte dem ein oder anderen bekannt vorkommen. Im Oktober habe ich die Videopremiere der Single begleitet und will deswegen gar nicht mehr zu lange auf den Song eingehen. Wenn ihr Genaueres wissen wollt, könnt ihr den Artikel zur Videopremiere mit ein paar Hintergrundfacts hier lesen. Aber beim Hören der EP gibt es dann doch wieder ein paar Kleinigkeiten, die mir so vorher gar nicht aufgefallen sind. Die Frage, woher der Titel der EP kommt, der mir in keinem der bisherigen Songs begegnet ist, wird hier zum Beispiel geklärt. Die Zeile „We’ll swim in chemicals and gold“ deutet auf die Namensgebung „Chemicals and Gold“ hin. Zudem passt auch dieses Wortspiel einfach wieder sehr gut in die verträumte Welt von Iuna Lux, die er sich selbst „zusammenbraut“. Diese Analogie fügt sich auch perfekt in den progressiven Sound der Synths ein.
Das Beste kommt zum Schluss
Ich glaube es war Liebe auf den ersten Blick oder eher auf das erste Hören. „Pillows and Aeroplanes“ hat es mir auf jeden Fall direkt angetan. Der Song ist der perfekte Soundtrack zum Tagträumen, über den Sinn des Lebens zu philosophieren oder in Gedanken an schöne Erinnerungen zu schwelgen. Meine Gedanken zu dem Song in vernünftige Worte zu fassen, fällt mir dementsprechend schwer, da sie immer sehr schnell abdriften, wenn ich „Pillows and Aeroplanes“ höre. Auch bei diesem Song macht sich wieder ein wohlig-warmes Gefühl in mir breit. Der Track fällt etwas aus dem Muster der vorherigen Songs: Die Synths sind weniger offensiv und drängen sich nicht auf. Um noch ein bisschen mehr mit Anglizismen und Genres um mich zu schmeißen, zwinge ich „Pillows and Aeroplanes“ das Label Dreampop auf.
Ok, zum Abschluss hier mal mein Versuch eines Fazits: „Chemicals and Gold“ ist mit drei bekannten Singles und zwei neuen Songs nun keine große Überraschung für mich gewesen. Dass Iuna Lux den thematischen roten Faden der Realitätsflucht, die manchmal gelingt und manchmal auch nicht, so klar und deutlich in jedem einzelnen Song der EP verstrickt, gefällt mir total. Für mich macht es seine Musik sehr authentisch und greifbar. Begleitet durch Synth-Pop à la 80er-Jahre wirkt das Ganze einfach sehr rund. Der harmonisierte Gesang geht mir dabei direkt unter die Haut und spiegelt gleichzeitig die Traumwelt und die unterschiedlichen Stimmen im Kopf wider, die Iuna Lux beschäftigen. Mein absoluter Liebling ist „Pillows and Aeroplanes“ – ein Song, der bei mir genau den richtigen Nerv trifft.
Hier könnt ihr die EP „Chemicals and Gold“ von Iuna Lux hören:
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Kryptische Texte, Märchen über Schwarze Magie und ehrliche Lines über Panikattacken und Tobsuchtsanfälle. Der Deutschrapper Goldroger verpackt in seinen Songs thematisch so ziemlich alles von Liebeskummer bis Vollrausch. Es gibt viele Arten seine Musik zu beschreiben, aber ich finde Jan Kawelke vom COSMO Podcast Machiavelli hat es perfekt auf den Punkt gebracht. Er betitelt ihn den Voldemort des Deutschraps – passend zum Song „Horcrux„, in dem Goldroger ja bereits sein Faible für Harry Potter Referenzen deutlich macht.
Wer meinen Jahresrückblick (ja, das ist Eigenwerbung) gelesen hat oder meine musikalischen Vorlieben kennt, der weiß, dass Deutschrap nicht gerade mein Spezialgebiet, geschweige denn mein Lieblingsgenre ist. Aber seit „Diskman Antishock I“ von Goldroger hat sich das grundlegend geändert. Goldi’s Art zu rappen, seine ehrlichen Texte und die perfekt flowenden Beats haben mich einfach in ihren Bann gezogen. Denn Goldroger Songs hört man nicht einfach nur so, man hört sie rauf und runter und versucht jede Line zu entschlüsseln (ihr wisst also, was ihr jetzt zu tun habt).
Deutsche Sprachkunst mit Liebe zum Detail
Im Interview mit Goldroger bin ich den Hintergründen einiger Texte auf „Diskman Antishock“ auf die Spur gegangen. Er erzählt von seinen musikalischen Einflüssen, philosophiert über Raum und Zeit und erklärt, warum er schon das ein oder andere Mal seine Prinzipien über den Haufen geworfen hat.
Goldroger im Interview
Anna: Hi Goldroger, schön, dass du dir die Zeit nimmst!
Goldi: Hi Anna, ja klar, freu mich voll!
Anna: Ich weiß immer gar nicht, wo ich bei denen Songs anfangen soll. Du verarbeitest ja so ziemlich alles von kritisch-politischen Statements, verrauschten Nächten bis hin zu privaten Einblicken in vergangene Beziehungen. Für mein Gefühl ist die „Diskman Antishock“ Trilogie (größtenteils) etwas dunkler als deine vorherigen Songs von den ersten Alben und auch irgendwie textlastiger, falls das Sinn ergibt. Was waren deine musikalischen Einflüsse für „Diskman Antishock“? Waren die anders als in den Jahren zuvor?
Goldi: Ja, also es gab auf jeden Fall viel Kanye bei mir. Ich weiß nicht, ob man das hören kann, aber auch die Herangehensweise hat sich etwas geändert. Ich habe echt exzessiv das „The Life of Pablo“ Album gehört. Sonst auch Brockhampton und sowas. Aber es ist auch immer schwierig zu sagen. Am Ende hört man das vielleicht nicht mal so raus. Aber dieser Ansatz, ich mache auch einfach mal ein paar aufwändigere Sachen, die aber trotzdem klar und auch Hip Hop sind. Ich finde „Avrakadavra“ war es vielleicht mehr, dass es ist irgendwie nicht so klassisch rapmäßig war und diesmal wollte ich ein Rap Album machen, was aber halt so ein alternatives Rap Album ist.
Anna: Ich finde es auch immer super schwierig zu sagen, ob man jetzt halt diesen einen Song oder so raus hört, weil es ist ja im Endeffekt immer noch der eigene Song, der neue Song ist, den du dann neu geschaffen hast.
Goldi: Ich glaube es ist auch die Herangehensweise an einen Song. Ich würde zum Beispiel Dissy als Deutschrapper da in die ähnliche Sparte packen. Einfach von unserer Herangehensweise.
Zwischen kryptischen Texten und einprägsamen Beats
Anna: Würdest du sagen, deine Songs sind eher so zum Nebenbei hören oder aufmerksam Texte hören und analysieren? Beziehungsweise wie hättest du es gerne, dass die Leute deine Musik hören?
Goldi: Am liebsten hätte ich so eine Mischung aus beidem. Am liebsten hätte ich, dass die Songs funktionieren, ohne dass man hinhört und dass wenn man hinhört, es trotzdem immer noch was zu entdecken gibt. Das steigert auf jeden Fall auch den Wiedererkennungswert. Ich finde es uncool, wenn man beim ersten Hören direkt alles rafft. Persönlich auch so, also wenn ich Mucke höre. Aber ich finde es auch cool, wenn einfach nur der Beat und der Flow cool sind. Und so wie ich jetzt auch einen türkischen Rapper oder so höre und auch kein Wort verstehe und es trotzdem fühle, so soll das auch funktionieren.
Referenzen, die das Millenial-Herz höher schlagen lassen
Anna:Ich glaube mir fallen kaum andere deutsche Rapper:innen ein, die so viele 90s/2000er Referenzen droppen wie du es jetzt in „Diskman Antishock“ gemacht hast. Dabei sind neben dem offensichtlichen Namen der Trilogie „Diskman Antishock“ ja Dinge wie die Lavalampe auf „Lavalampe Lazer“ oder Anspielungen auf Filme wie Harry Potter in „Horcrux“. Es ist immer so ein bisschen wie eine Schatzkiste zu öffnen, wenn ich einen Song von dir höre, in der ich immer wieder neue Dinge entdecke. Ich könnte jetzt wahrscheinlich noch tausend andere Referenzen nennen, aber das sprengt den Rahmen und mir fallen auch bei jedem Hören wieder irgendwelche neuen Lines auf, die ich vorher noch gar nicht so beachtet hatte. Es versteht auch längst nicht jede:r jede einzelne Referenz. Würdest du sagen, du hast eine bestimmte Zielgruppe, die du mit deiner Musik erreichen möchtest?
Goldi: Nein, ich finde das tatsächlich schwierig. Also ich bin mir sicher, dass es nicht jede:n catchen wird. Ich bin mir auf jeden Fall im Klaren, dass je nerdiger es ist, desto weniger Leute das checken werden. Ich habe für mich auch immer festgestellt, dass wenn ich so was checke bei anderen Rapper:innen oder so, dass gibt einem so ein Gefühl des Eingeweihtseins. Und ich versuche – also bei „Horcrux“ jetzt nicht, weil Harry Potter ist natürlich sehr bekannt – in der Regel diese Lines nicht in der Hook zu haben, damit der Song auch funktioniert, wenn Leute ein, zwei Lines in einem Track überhaupt nicht checken, dass trotzdem der Track irgendwie für die Leute funktionieren kann. Es ist immer eher so ein Goodie. Ich glaube aber auch zum Beispiel, so jemand wie Drake oder auch Kendrick – da sind auch so viele Lines dabei, die man glaube ich nicht checkt, ohne dass man irgendwie alles kennt oder auf Genius nachgeguckt hat oder so. Und ich finde das macht es cool. Das macht es dann weniger beliebig. Ich finde es immer sehr belastend, wenn Mucke so aufgebaut ist, dass es für alle funktioniert, nämlich für den kleinsten gemeinsamen Nenner, dass jede:r alles checken muss und sich wird jede:r allein auch selber identifizieren können muss. Das das ist dann irgendwie nicht cool und das finde ich persönlich nicht cool.
Anna:Ja, kann ich voll verstehen. Ich habe das auch manchmal, dass ich dann, wenn ich die Line nicht verstehe und dann sie aber verstehen möchte, auf Google nachschaue und dadurch findet man ja auch irgendwie dann coole neue Filme oder andere Musik, auf die man dann wieder stößt, die man vielleicht auch total feiert, die man vorher gar nicht kannte.
Goldi: Genau das ist dann so der nächste Punkt, dass es dann auch eventuell Leuten Sachen empfiehlt, die sie noch nicht kannten und so. Und das finde ich dann auch wieder geil. Man kann auch mit einer Line meist viel mehr sagen als, wenn man zum Beispiel ein Wort wie „Horcrux“ nimmt, weil ja hinter dem Wort wiederum eine ganze Idee und ein ganzer Eindruck steht. Und da ist es cool, sich solcher Dinge zu bedienen, kann viel mehr sagen in viel weniger Worten.
„Ist es ok mich an deinen Tränen zu bereichern?“
Anna:Was ich mich schon öfters gefragt habe: Wie ist das, wenn du einen Song über eine Trennung veröffentlichst? Fragst du die Person, über die es in dem Song geht, vorher? „Wie leicht“ zum Beispiel ist ja schon sehr persönlich. Den Song dann immer wieder zu hören, erinnert ja auch wieder sehr stark an den Schmerz, der damit verbunden ist.
Goldi: Ja, habe ich da tatsächlich gemacht. Ich kenne ja auch die Jungs von Annenmaykantereit und da habe ich mal mitbekommmen, dass das Mädchen, um das es in diesem Pocahontas-Song ging, sehr oft darauf angesprochen wird. Und dann dachte ich so „Oh mein Gott, ist es nicht total toxisch eigentlich, einen Ex-Freund zu haben, der nicht nur komisch ist, sondern auch noch Sachen macht, die dir dann noch hinterherrennen, wenn du eigentlich schon längst versuchst, über die Nummer hinwegzukommen.“ Da ist ein Song ja so ziemlich das Schlimmste. Und deshalb habe ich vorher gefragt. Also ist ja auch nur das Fairste. Ich meine, ich mache ja dann auch Geld damit. In „Horcrux“ hört man das ja auch in der Line „Ist es okay, mich an deinen Tränen zu bereichern?“. Es ist ja schon paradox. Aber ich habe ja offensichtlich ein Go bekommen, sonst hätte ich das so nicht machen können.
Anna: Gab es da auch mal Songs, bei denen du nachgefragt hast, die du dann deswegen nicht veröffentlicht hast, weil die Person das nicht wollte?
Goldi: Tatsächlich gab es da bisher keinen Song. Da frag ich mich auch manchmal, warum. Aber wenn dann natürlich ein Song sehr allgemein gehalten ist und man jetzt nicht unbedingt tracken kann, um wen es geht, dann geht das schon klar. Wenn es jetzt eine speziellere Anspielung hat, sodass auf jeden Fall alle im Bekanntenkreis wissen, um wen es geht, dann frag ich halt nach.
Anna:Ja, finde ich auch nur fair. Aber „Pocahontas“ ist natürlich auch echt fies, weil das ja rauf und runter gespielt wurde im Radio.
Goldi: Ja, das ist natürlich noch mal ein ganz, ganz anderes Level, wenn es ein Hit ist. Das konnte ich bei mir schon abschätzen, dass das nicht passieren wird. Aber es ist natürlich dann glaube ich trotzdem so, dass einem solche Songs dann unweigerlich auch irgendwie über gemeinsame Bekannte, die irgendwie ein Trailer teilen oder so was, immer wieder in die Timeline gespielt werden. Oder im Spotify Algorithmus oder Mix der Woche oder sowas. Habe ich dann auch selber erst hinterfragt. Und aus dieser Frage ist dann auch das „Horcrux“ Ding entstanden.
Die Endlichkeit aller Momente
Anna:Ja, voll. Also ich weiß nicht, ob das jetzt irgendwie eine super philosophische Frage ist, aber ruft es nicht auch irgendwie das Bedürfnis hervor, die Zeit zurückzudrehen, wenn du in deinen Songs so etwas verarbeitest?
Goldi: Nein, eigentlich nicht. Ich bin mittlerweile an den Punkt angekommen, dass ich weiß … ok, das klingt wahrscheinlich super hippiemäßig … aber man lebt nur einmal und ist eigentlich auch gemessen an so einer Zeitspanne wie dem Universum ist es so eine sehr kurze Zeitspanne, die wir zu leben haben. Diese Momente, die irgendwann passiert sind, die waren ja schön und egal wie es dann endet, egal was man verbockt hat, das bleibt ja so. Ich kann solche Sachen relativ gut hinter mir lassen und einfach wissen, ich habe eine Erinnerung daran und die ist schön oder auch eine Erinnerung, die scheiße ist und kann es trotzdem schön finden, weil ich sie mit Abstand betrachte. Ich versuch im Moment zu hängen und mir nicht viele Gedanken über die Vergangenheit zu machen. Egal ob das jetzt ein Tag her ist oder fünf Jahre, in der Vergangenheit ist alles gleich unerreichbar. Ich glaube, solche Sachen tun immer nur weh, wenn man das Gefühl hat, das Leben geht ewig. Aber das muss man irgendwie ablegen und dann verliert das auch alles irgendwie so ein bisschen seinen Ernst.
Wie aus „ich schreibe niemals einen Song über Sex“ ein Song über Sex wurde
Anna: Ja voll, ich wünschte ich könnte das auch immer so sehen. Gibt es Themen, wo du sagst, die würde ich niemals in einem Song verarbeiten wollen?
Goldi: Hmm, da habe ich jetzt gerade nichts vor Augen. Aber es muss ja irgendwelche Sachen geben, über die ich einfach unbewusst nicht schreibe. Andererseits gibt es dann halt auch immer einen Zugang dazu. Also ich hab zum Beispiel gesagt, ich würde niemals einen Song über Sex machen wollen, weil es oft einfach cringe ist. Aber dann habe ich es irgendwann halt doch gemacht. Es gibt diesen einen Song auf „Diskman Antishock II„, da geht es eigentlich auch um Sex, und das war tatsächlich aus der Emotion heraus, dass ich dachte sowas würde ich nie machen. Dann habe ich überlegt, wie ich es machen kann, dass ich es cool finde. Das war dann so ein Experiment. Nee, ich glaub, ich könnte bei fast jedem Thema irgendwie den Blickwinkel finden, dass es dann doch für mich funktioniert.
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Anna: Thema Rap und Politik: Wenn du in deinen Songs politische Themen verarbeitest, ist das dann eine Art für dich die Situation zu verarbeiten? Erhoffst du dir dadurch etwas verändern zu können?
Goldi: Mittlerweile weniger als früher. Ich habe mir auch als Hörer, gerade in meiner Teenie Zeit so viel Punk gehört. Da hab ich immer das Gefühl gehabt Musik muss politisch sein, weil das irgendwie so die Menschen sind und die dort eine Plattform haben, die sie nutzen müssen. Mittlerweile habe ich aber den Punkt, dass die Musik nicht zwingend politisch sein muss. Ich finde es teilweise sogar befremdlich, wenn Leute sich zum Beispiel in ihrem sonstigen Leben null politisch engagieren, aber mit politischer Musik Geld verdienen. Es ist ganz wichtig, dass man sich auch abseits der Musik irgendwie politisch engagiert, außer man ist halt so jemand wie zum Beispiel Kendrick oder so und spricht irgendwie für eine bestimmte Gruppe. Ich finde, jeder Mensch sollte sich irgendwie politisch außerhalb der Musik engagieren für eine bessere Welt. Aber in der Musik muss das nicht zwingend stattfinden. Ich finde es auf jeden Fall cool, ich glaube, gerade Teenager können über Popkultur überhaupt politisiert werden. Es ist völlig okay, finde ich, wenn jemand zum Beispiel zu Fridays for Future geht, weil er oder sie einfach die Musik feiert, also nur weil’s cool ist und alle anderen da hingehen, wenn es am Ende darin mündet, dass sich die Person vielleicht damit beschäftigt und dann wirklich irgendwann politisch wird. Ich glaube, so starten die meisten. Ich habe auch damals angefangen, es war einfach cool und ich bin dadurch politisiert worden. Das geht schon, aber ich glaube, so richtig was ändern, außer Leute dafür zu begeistern, kann man und möchte ich auch gar nicht.
Anna: Ja, ich kann das schon verstehen, weil man irgendwie ja durch Musik jetzt auch nicht direkt Einfluss auf die Politik hat. Es hilft einem selbst vielleicht darüber zu singen. Und ich als Hörerin fühle ja dann irgendwie. Und das ist dann ja auch ein Weg, quasi in die Politik einzusteigen und mir selbst eine Meinung drüber zu machen.
Goldi: Ich glaube, ein Lied ist auch ein relativ schlechtes Medium, wenn es drei Minuten geht oder so, um die Themen umfassend zu behandeln. Man kann Ausschnitte aus der Realität abbilden und die vielleicht wertungsfrei so stehen lassen und dann zwingt man die Leute, sich vielleicht selber dazu zu positionieren. Vom Kopf her. Das kann man schon, das ist glaube ich cool. Ich glaube gerade jüngere Leute kann man cool mit so was erreichen. Wahrscheinlich ändert das dann mehr. Unter Umständen inspiriert man ja jemanden, der oder die dann wirklich krass politisch im Rest seines oder ihres Lebens betätigt.
„Diskman Antishock III“ und seine Feature Songs
Anna: Ja cool. Kommen wir mal wieder zurück zu „Diskman Antishock“ und quasi so ein Rückblick auf die drei Teile. Auf Teil III sind 3 Feature Songs, die auf den ersten beiden nicht so stark vertreten sind. Auf dem ersten ist zwar „Coup de grâce„, aber auf dem zweiten ja gar keiner. Wie kam es dazu?
Goldi: Ich hätte auch gerne noch einen zweiten einen gehabt, aber das hat sich dann einfach nicht ergeben. Ich hatte immer schon relativ konkrete Vorstellungen. Was konkret für mich wichtig ist, ist auf jeden Fall, dass die Teile ausgewogen sind zwischen Songs, die düster sind und Songs, die ich als nicht-düster empfinde. Und da hatte dann keiner von den Songs, die jetzt am Ende auf Teil 2 gelandet sind. Am Ende ist das für mich eh ein großes Album, deswegen auch vier Features, das sind alles Homies von mir. Es war mir auch sehr wichtig, dass keiner dabei ist, der übers Management oder Label kommt, wo ich dann ewig hinterherlaufen müsste. Und es war mir einfach wichtig, dass es Leute sind, mit denen ich persönlich auch gut bin. Zum Beispiel mit Yrre war ich auf Tour, Lugatti kenne ich aus Köln sehr gut. Das ist bei dem ganzen Projekt „Diskman Antishock“ irgendwie so der Zugang für die Musik gewesen: worauf habe ich Bock und worauf überhaupt nicht? Was ergibt es am meisten Sinn und wie?
Anna: Ja, das sehe ich genauso. Das passt einfach sehr gut in das Album rein. Also es fällt dadurch jetzt nicht irgendwie raus. Ich habe manchmal das Gefühl, man merkt bei Künstler:innen, dass sie halt so gezwungen ein Feature machen wollten, dass es dann einfach nicht passt.
Goldi: Ja, also ich habe tatsächlich auch direkt als das Album fertig war gedacht, dass ich auch voll gern ein Feature mit LGoony drauf hätte. Das wäre auch wieder ein Kölner gewesen, der gut auf die Platte gepasst hätte. Ich hatte da irgendwie ein Brett vorm Kopf und man hat sich auch gar nicht so oft gesehen in der Zeit. Hätte ich schon sehr cool gefunden, aber das kommt dann irgendwann. Auf der neuesten Platte sind ja auch zehn Tracks und nicht nur sieben wie zuvor, da passte das jetzt ganz gut mit den Features. Mehr wollte ich dann aber auch nicht, sonst hätte es sich so angefühlt als würde ich gar nicht selbst rappen auf meinem Album.
Kommt ein vierter Teil?
Anna:Würdest du sagen, dass die Trilogie jetzt abgeschlossen ist oder hast du das Gefühl, da ist noch was offen ist und es kommt noch mehr? Vielleicht sogar ein weiterer Teil?
Goldi: Hm nee. Also das Ding war, dass ich irgendwann Ende 2018, Anfang 2019 so einen krassen Rush hatte. Das war nach einer Zeit, wo ich echt gar nichts rausbekommen habe. Da habe ich mir gesagt „Scheiß drauf“, ist alles nicht so wichtig, ich mach einfach Mucke, so wie ich Bock hab. Und dann habe ich 50 Demos oder so gemacht in einem sehr komprimierten Zeitraum und das war so der Ideenpool, aus dem sich die Diskman-Trilogie gespeist hat. Und ich wusste von vornherein, dass das nicht alles auf einem Album alles Platz haben wird. Dann dachte ich, so ne Reihe, das finde ich geil. Und mit „Diskman Antishock III“ habe ich teilweise so Songs wie „Schwarz„, wo die Idee schon sehr lange rumlag und ich wusste, dass ich das noch fertig machen will, dass bestimmte Lücken, die mir irgendwie wichtig sind, was ich noch sagen wollte, noch gefehlt haben und da habe ich dann jetzt irgendwie einen Haken runtergemacht. Deswegen weiß ich, dass das jetzt für mich abgeschlossen ist. Kann natürlich trotzdem sein, dass das nächste Album wie „Diskman IIII“ klingt. Aber der Punkt war auf jeden Fall, dass das alles ein Pool an irgendwelchen Dingern war, irgendwelche Fässer, die ich irgendwann mal aufgemacht habe und wo ich wusste, ich will die abarbeiten. Das klingt so uninspiriert, wie sage ich es schöner? Ich wollte sie irgendwie ausfüllen und das hab ich jetzt geschafft. Und deswegen ist das für mich auf jeden Fall vorbei. Und das nächste wird dann entweder ganz anders oder ich muss mal gucken. Ich habe da noch nicht so krass konzeptionell angefangen, außer dass das Konzept irgendwie war: Ich flash gerade auf diese Idee und die will ich fertig machen und hoffe am Ende gibt das ein kohärentes Ganzes.
Von kreativen Geistesblitzen und Ernüchterungsphasen
Anna: Würdest du sagen, dass es so geworden ist, wie du dachtest, dass es wird? Also wie du vor dem ersten „Diskman Antishock“ da rangegangen bist?
Goldi: Das erinnert mich daran, dass ich letztens ein Meme gesehen hab, wo es um den kreativen Prozess geht. Meistens, wenn man eine Idee hat, ist die ultra krass. Dann setzt irgendwann die Ernüchterungsphase ein, wo man merkt, man wird dieser reinen Idee nicht gerecht. Am Ende wird’s dann aber doch geiler, als man zwischenzeitlich geglaubt hätte. Das ist schon nah dran. Es hat die Sachen, die Boxen, die ich irgendwie für mich gesetzt habe, auf jeden Fall gecheckt. Aber natürlich ist jede Idee geil, bis man sie umsetzt. Meistens ist die Vorstellung davon, was man macht, lange unerreichbar. Ich glaube, das hält einen auch irgendwie an der Stange. Ich wollte halt durch das Ding auf jeden Fall irgendwie besser werden in dem, was ich mache. Irgendwie wollte ich festgefahrene Sachen bei mir aufbrechen, ein paar Facetten ausprobieren und im Nachhinein gucken, ob mir das Spaß gemacht hat.
Den Perfektionismus einfach mal ablegen
Anna: Kann ich voll verstehen.Ich glaube auch, dass es diesen Prozess irgendwie braucht, um weiterzukommen und zu merken: okay, so klappt das jetzt und so nicht. Ich merke das selbst, wenn ich Artikel schreibe und mir irgendwie vorher sage, jetzt mache ich einen richtig krassen Kommentar über politische Musik zum Beispiel und hatte so voll das Konzept. Und dann mittendrin verliert man sich und denkt irgendwie weiß ich jetzt gar nicht mehr, was ich machen wollte. Und dann kommt man aber wieder auf die Spur. Am Ende ist es richtig geil und daraus hat man dann auch gelernt für die nächsten Projekte.
Goldi: Und genau sowas war das an dem Punkt irgendwie auch bei mir. Meistens bevor ich anfange Musik zu releasen. Man schreibt in einer Anfangsphase mit dem Wissen, dass das wahrscheinlich für die Tonne ist, aber hat ständig Erfolgserlebnisse. Und ich hatte auf jeden Fall das Gefühl, ich brauch so eine Phase, wo ich eine gewisse Quantität an Sachen einfach anfange, ohne Klares, ohne zu viel Perfektionismus. Ich wollte letztlich die Leute erreichen, die dann am Ende nicht nur einen Song kennen, sondern ich wollte , dass die Leute, die neu dazukommen, auch Kernhörer:innen werden. Also das ist jetzt nicht so ein Hit-Single-Publikum war, die dann nur die Zugabe auf dem Konzert können, sondern idealerweise Leute, die die ganze Album hören. Und ja, ich will einfach relativ ungefiltert meinen Film machen und hoffen, dass die Leute anbeißen und das feiern, was ich fühle und nicht nur eine Facette, die ich dann unter Umständen immer wieder wiederholen müsste, weil die Leute sonst wieder wechseln.
Anna: Ah ja, das stelle ich mir auch sehr nervig vor sonst. Ok, meine liebste Killerfrage: Hast du momentan einen Lieblings Track auf „Diskman Antishock„?
Goldi: Ja, es schwankt natürlich immer, aber jetzt gerade auf jeden Fall „Frag mich wie„. Da sind so kritische Stimmen mitdrin, das fühle ich voll. Also ich finde den Song mega geil, aber zwischenzeitlich war es auch mal „Schwarz„. Es wechselt eigentlich immer. Das Intro finde ich auch ziemlich gut. Das ist halt so ein typisches Rap-Intro. Ich weiß nicht, ob man das über seine Musik sagen würde, aber es hat so eine Dringlichkeit. Es klingt irgendwie, als müsste ich das erzählen. Das ist etwas, was ich geil finde.
„Diskman Antishock“ in der „Director’s Cut“-Version
Anna: Ich finde auch irgendwie, dass die drei einzelnen Teile, also von „Diskman Antishock„, ein bisschen wie so einzelne Geschichten sind. Und du fängst halt an, so dieses Buch quasi zu öffnen und jeder Teil ist dann wie eine Geschichte. Und wenn man die aber dann alle drei zusammen hört, dann ergibt es eine größere Geschichte. Also irgendwie ist es so sehr abgeschlossen dadurch.
Goldi: Ja, das ist auch etwas, womit ich mich so langsam auch mal mit auseinandersetzen müsste, weil sonst wird’s stressig. Ich würde eigentlich gerne auch noch mal eine Tracklist machen, wo ich alle drei Alben mische. Es ist natürlich nie chronologisch. Also so ein Song wie „Schwarz“ ist eigentlich in der Erzählung das Kapitel vor „Horcrux“ und ein Song wie „Wie leicht“ auf dem ersten Album ist eigentlich was, was nach dieser Trennung schon war. Und ich würde gerne mal für die einzelnen Sachen eine Art „24 Track Album Playlist Geschichte“ machen, wo ich mir überlege, wie ich die Geschichte erzählen würde. Ist aber auch wichtig für mich, dass alle drei einzelnen Teile als so was funktionieren. Da müsste ich mir mal überlegen, ob ich das chronologisch ordne oder so wie es am meisten Sinn ergibt im Kontext. Aber ich muss mal für mich so ne „Director’s Cut“-Version erstellen.
Wie aus einer 6 in Mathe ein Song wurde
Anna:Damit sindwir auch schon bei der Schlussfrage, die nach einer „untold story“ fragt. Was ist eine Geschichte hinter einem Song, die du so noch nie in einem Interview erzählt hast?
Goldi: Warte, ich muss dafür mal kurz Spotify öffnen und schauen, was ich überhaupt alles für Songs gemacht hab (denkt laut) Hmm, jaa.. ich weiß nicht, ob das cool ist… Also ich habe zwei kleine Stories. Und zwar einmal bei „Speedball Drive“ steige ich ein mit der Line „ne Pulle Grey Goose vor der Show, trink allein“. Ich habe mir beim Maifeld Derby wirklich vor der Show alleine eine Flasche Grey Goose reingepfiffen, die wir irgendeinem größeren Artist geklaut haben, weil wir sonst keinen 60-Euro-Wodka kriegen. Ich war mega besoffen, war aber trotzdem eine gute Show. Nummer zwei: Bei „Kalkulation“ rappe ich „Ich hatte in Mathe ne 6“ und ich hatte auch in Mathe ne 6. Deshalb bin ich sitzen geblieben in der elften Klasse, weil meine Lehrerin mir eine 6 reingewürgt hat, obwohl wir uns eigentlich drauf geeinigt hatten, dass er mir ne 5- gibt. Dann musste ich ein Jahr wiederholen. Ihre Begründung war „das muss man doch für’s Leben können“. Eigentlich ist dieser Track auch ein Diss-Track an meine Mathelehrerin. Das sind so meine beiden Stories, die auch noch nicht allzu düster sind.
Anna: Dann danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast und bis zum nächsten Mal!
Goldi: Danke dir, bis dann!
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Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, dass ich dir dieses Jahr wieder so wenig geschrieben habe. Das ist nicht wieder aufzuholen. Das ist mir bewusst. Aber ich nehme dich jetzt mal mit auf den Versuch meine wirren Gedankenüber das musikalische Jahr 2021 zu sortieren. Denn dieses Jahr ist da so einiges passiert und auch doch wieder nicht. Spoiler alert: Meine deutsche Indie-Rock Seele wurde dieses Jahr so einige Male auf die Probe gestellt. Ich habe nicht nur in den verschiedensten Sprachen gestreamt, sondern auch die Komfort-Zone meinerheißtgeliebten Indie Bubble verlassen und mich durch indonesischen Post Punk, deutschem Hip Hop, russischen New Wave und kitschen Scandi-Pop probiert.
Ich habe mir unter meinen Freunden mittlerweile den Status des „speziellen aber guten Musikgeschmack’s“ angelacht. Positiv: Ich kann, ohne regelmäßig Hass abzubekommen, über Ed Sheeran, Robin Schulz und Felix Jaehn, oder wie auch immer all diese Platzhüter:innen der deutschen Charts heißen, ablästern. Negativ: Meine Euphorie über die Neuentdeckung einer Indie Band kann ich meist nur mit mir selbst teilen. Lösung des Problems: Ich bin seit Juni Teil des untoldency-Teams mit 18 weiteren Musik-Nerds, die ähnlich nischige Musikvorlieben haben wie ich.
Ich habe ein Problem und das nennt sich Indie Rock
Ich beginne mal mit einer Band, die mich seit 2013 treu begleitet: The Neighbourhood. Laut Spotify Wrapped 2021 ist die Band auf Platz 1 meiner meistgehörten Artists. Das hat mich ehrlich gesagt dieses Jahr zum ersten Mal etwas überrascht, weil ich gar nicht das Gefühl hatte, sie dieses Jahr so sehr gesuchtet zu haben wie sonst. Zudem hat die Band dieses Jahr mit „Fallen Star“ nur eine Single veröffentlicht. Aber gut, wahrscheinlich höre ich TheNeighbourhood schon unbewusst im Schlaf und brabble die Texte zu „Prey“ oder „Void“ vor mich hin. Das 2015er-Album „Wiped Out“ bleibt auf jeden Fall unangefochten auf meiner Nummer 1 der Komfort-Alben, von denen ich nie genug bekommen kann, was natürlich nicht heißt, dass ich die anderen Alben nicht genauso sehr feiere.
Unimportant fact on the side: Wusstest ihr, dass Devon Lee Carlson, die Freundin von Jesse, dem Frontsänger von The Neighbourhood, das Styling für Olivia Rodrigo’s „good 4 u“ Video übernommen hat? Jetzt wisst ihr es. Ich bin nicht nur ein großer Fan des Stylings in den Musikvideos von Olivia Rodrigo, sondern auch der Songs. An „sour“ kam wohl dieses Jahr keiner so wirklich vorbei und auch ich wurde von dem Hype heimgesucht. Irgendwie schafft Olivia es, mich wieder in meine Teenie-Jahre zurückzuversetzen, sodass ich die Zeilen „I’m so sick of 17, where’s my fucking teenage dream?“ in „brutal“ fühle als wäre ich selbst 17 (haha, schön wär‘s). Vermutlich sind es die Paramore-Vibes und punkigen Rockelemente, die man ja sonst in den globalen Charts vergeblich sucht, die es mir so angetan haben. Wenn eine 18-jährige also dieses Jahr die Wiedergeburt eines Sounds zwischen Taylor Swift, Paramore und Avril Lavigne angestoßen hat, dann bin ich sehr bereit für alles, was 2022 kommt.
Selbstverschriebene Frauenquote
Das passt sowieso perfekt in meinen Vorsatz die Frauenquote meiner Playlists zu erhöhen. Vor allem im Indie Rock und Post-Punk fehlt mir oft noch die Frauenpower. Sanfte weibliche Stimmen, die zu gefühlvollen Balladen und entspannten Soul-Pop Beats singen fallen mir hingegen direkt ein. Arlo Parks, THALA, Amilli, Lorde und Holly Humberstone sind Künstlerinnen, die mir da sofort in den Sinn kommen. Mir ist dieses Jahr auch erst so richtig bewusst geworden, wie stark meine Playlists durch männliche Indie Bands dominiert sind. In meinen Spotify Top 100 Songs 2021 befinden sich schwache 23 Songs mit weiblichen Stimmen. Meine Forderung an mich selbst lautet also: Mehr Diversity im Spotify-Algorithmus!
Ein Kategoriensystem zur Klassifizierung meines Musikgeschmacks, weil ich Listen liebe
Beim Zusammenstellen der Playlist ist mir aufgefallen, dass es bestimmte Kriterien gibt für meine Top Songs 2021, die sich wie ein roter Faden durch die Playlist ziehen. Deswegen liste ich sie hier einmal auf:
Ich muss ihn lauthals mitkreischen können während ich versuche in meinem Zimmer alleine ein Moshpit nachzustellen. Liebe Grüße an meinen Nachbarn im Erdgeschoss! Dazu eigenen sich besonders gut „Taximann“ von Schmyt, „Gras“ von Van Holzen und „brutal“ von Olivia Rodrigo
The Lyrics hit differently. Texte, die ich zum Beispiel sehr fühle sind „Halt“ von Goldroger, „diditagain“ von THALA und „1119“ von Edwin Rosen
Ich verbinde den Song mit einer bestimmten Situation. Schöne Erinnerungen bringen bei mir folgende Songs hervor. „ich mags“ von JEREMIAS teleportiert mich direkt wieder in den Sommer zurück. Ich liege in der Hängematte direkt an einem See in der Nähe von Göteborg. Ich lese ein Buch in der Sonne und ab und zu gehe ich mit Freunden zur Abkühlung im See schwimmen. Das funktioniert ähnlich gut mit „ocean view“ von easy life. Diesmal sitze ich allerdings am Pier in Saltholmen, dem Fährterminal in Göteborg, und warte auf die Fähre zu einer der Schäreninseln außerhalb der Stadt. Ok, zugegebenermaßen klappt es irgendwie mit Sommerszenarien am besten. „Farbiges Licht“ von International Music erinnert mich allerdings sehr an kalte, aber sonnige Wintertage im Februar und die Spiegelung eines warmen Sonnenuntergangs auf dem Meer, das mit kleinen Eisschollen gedeckt ist.
Sehr tanzbare Songs – in a groovy way. Da eignet sich eigentlich so ziemlich alles von den Parcels. Vom neuen Album „Day/Night“ ist es besonders „Comingback“ für mich. Mein all time favourite und auch dieses Jahr wieder ganz oben dabei ist „Music SoundsBetter With You“ von NEIL FRANCES.
Alles zum Mitfühlen, viben und einfach mal an nichts denken. „Lost in Thoughts“ von Zimmer90 und „Lovesong“ von Tussilago vertreten diese Kategorie.
Songs, die Nostalgie-Gefühle hervorrufen. Bestes Beispiel hierfür ist „Feels Like We Only Go Backwards“ von Tame Impala.
Songs, die sich perfekt zum Sonnenuntergang beobachten eignen. Zur Erklärung: Ich bin ein bisschen obsessed damit jeden Sonnenuntergang zu beobachten und bekomme fomo, wenn ich es einmal nicht schaffe einen guten Sonnenuntergang zu sehen. Meine Empfehlung in dieser Kategorie sind „kippers/curtains“ von EASY EASY und „Seeing Red“ von Mac DeMarco. Mein Liebling ist allerdings „Into your arms“ von Giant Rooks. Der Song erinnert mich an eine krasse Nacht in Stockholm, in der ich Sonnenuntergang und -aufgang in der kürzesten Nacht des Jahres beobachtet habe. Und das Ganze in einer Zeitspanne von drei Stunden. „Into your arms“ wirft mich direkt in diesen magischen Moment zurück und würde somit auch in Kategorie 3 passen.
Heja Sverige!
Dass ich dieses Jahr in Schweden gewohnt habe, macht sich ebenfalls bemerkbar. Wenn ich letztes Jahr noch dachte, dass die Sprache leicht komisch klingt für deutsche Ohren, habe ich mich dieses Jahr Hals über Kopf in sie verliebt. 24/7 schwedische Indie Musik zu hören hilft dabei enorm. Besonders angetan haben es mir die Bands Mares und bob hund. Letztere haben es sogar in meine CD-Kollektion geschafft mit ihrem Album „Jag rear ut min själ“ aus 1998, was sich in „Ich verkaufe meine Seele“ oder „Meine Seele ist im Angebot“ übersetzen lässt. Einfach ein toller Titel, oder? Die südschwedische Band hat es mir besonders für ihre ehrlichen, rauen und energiegeladenen Songs angetan. Sänger Thomas Öberg scheut nicht davor einfach mal ein paar Zeilen zu kreischen, auszurufen oder was auch immer ihm grad so in den Sinn kommt. Hauptsache es ist vollgepackt mit einer ordentlichen Portion Dramatik. Ich habe selten so authentische Musik gehört.
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Mein 16-jähriges würde mich wahrscheinlich dafür hassen, denn in meinen Teenie-Jahren habe ich jegliche deutschsprachige Musik verabscheut. Wenn man mich damals gefragt hätte, was ich so höre, hätte ich wahrscheinlich „Hauptsache nichts Deutsches“ geantwortet. Das hat sich zum Glück geändert, denn es gibt so viele verdammt gute deutsche Künstler:innen, die ich sonst verpasst hätte. Vor allem das textliche Genie hinter Goldroger-Songs zieht mich immer wieder aufs Neue in seinen Bann. Die „Diskman Antishock“-Trilogie ist ein bisschen wie eine Schatzkiste, in der ich bei jedem Hören neue Schätze entdecke. Von Harry-Potter Referenzen, Nostalgie-Schwärmereien bis hin zu philosophischen Fragestellungen verpackt in Computerspiel-Referenzen ist – selbst in einem kitschigen Liebeslied geht es bei Goldroger nie alleine um seine Gefühle. Es gibt immer mindestens eine weitere Ebene zu entdecken.
Neue und alte Liebe
Wie habe ich es bisher geschafft in den mehr als 1200 Wörtern nicht einmal meinen meistgestreamten Song zu erwähnen? Gute Frage, aber das wird jetzt schnell geändert. Ganze 59 Mal habe ich „Roccastrada“ von Luke Noa gehört. Ehrlich gesagt hört sich das gar nicht viel an, aber das könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass ich seine EP „Bleach“ rauf und runter gehört habe. Luke Noa ist einer meiner liebsten Newcomer:innen Entdeckungen des Jahres. Ich hab eine ungesunde Vorliebe für Künstler:innen, die nur 5 monatliche Hörer:innen auf Spotify haben. Es gibt mir irgendwie einen Adrenalinschub zu wissen, dass ich etwas Neues entdeckt habe. Gut, Luke Noa hat natürlich mittlerweile deutlich mehr Hörer:innen, aber die hat er sich auch deutlich verdient. Weitere Newcomer:innen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, sind Cinema Nova, Sweed, THALA und Zimmer90.
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Der Release, auf den ich mich, neben dem neuen Lorde und dem Leoniden-Album wohl am meisten gefreut habe, war die EP „Might Delete Later“ von Razz. Die Indie Rocker aus meiner Heimat haben nach 4 Jahren Funkstille mit leicht verändertem Sound wieder einmal mein Herz erobert und werden sich wohl dauerhaft dort einnisten. Meine Review zur EP findet ihr hier. „Complex Happenings Reduced To A Simple Design“ ist definitiv auf Platz 2 wiederzufinden. An dem Album beeindruckt mich besonders die Komplexität an Themen, die die Leoniden einfangen. Zum Release der Single „Blue Hour“ hat Sänger Jakob Amr mich mit seinem Statement zu Depressionen und Panikattacken total mitgenommen. Der Song fühlt sich seitdem noch tausend Mal persönlicher an und bestätigt, was ich auch schon vorher wusste: Die Leoniden sind für mich einer der authentischsten deutschen Indie Bands und einfach tolle Menschen!
Am Ende ist alles genauso durcheinander wie vorher
Lustigerweise habe ich am Anfang geschrieben, dass ich versuche meine Gedanken zu ordnen und habe das Gefühl jetzt nur noch ein größeres Wirrwarr in meinem Kopf und auf diesem Bildschirm produziert zu haben. Es gibt einfach zu viele gute Songs und Artists, die mich dieses Jahr begleitet haben, dass es fast unmöglich ist, allen in diesem Beitrag einen fairen Anteil an Platz einzuräumen. Also auch, wenn ich bestimmte Künstler:innen hier jetzt nicht erwähnt habe, möchte ich kurz festhalten, dass ich sie trotzdem genauso lieb habe. So, jetzt reicht’s aber auch. Chapeau an alle, die bis hier hin durchgehalten haben. Es ist Zeit, das Tagebuch wieder bis zum nächsten Jahr zu schließen. Für die volle Dröhnung aller meiner Lieblinge der letzten 12 Monate, geht’s hier zur Playlist:
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Ich muss euch etwas gestehen: Ich habe keine Ahnung, was in der asiatischen Musik-Bubble so abgeht. Zumindest ging es mir so bevor ich die Playlist und diesen Artikel zusammengestellt habe. Bis auf K-Pop, um den man irgendwie nur schwer herumkommt, findet man auch in den europäischen Charts kaum weitere Repräsentant:innen aus Asien. Ehrlich gesagt kenne ich aus der K-Pop-Szene auch nur BTS und bin nicht gerade der größte Fan der Band zumal sie schon eher dem internationalen Markt zuspielen als dem koreanischen, aber darum soll es hier nicht gehen. Ich habe mir also die Challenge gesetzt, asiatische Künstler:innen zu finden, die den Sound ihrer heimischen Szene widerspiegeln.
Meine Reise in die asiatische Musikwelt
Angefangen habe ich mit Künstler:innen, die mir bekannt sind, weil sie es bereits auf den europäischen/amerikanischen Markt geschafft haben. Es stellt sich schnell heraus: Sie wohnen mittlerweile nicht mehr in Asien. Ich möchte allerdings die authentische, asiatische Atmosphäre einfangen und suche deshalb nur Artists, die momentan in einem asiatischen Land wohnen und bestenfalls auch dort aufgewachsen sind. Auch, wenn wir sie lieben, fallen dadurch schon einmal Hayley Kiyoko, Japanese Breakfast, Yaeji, beabadoobee und mxmtoon raus. Das sind alles gute Künstler:innen, die nur leider in Amerika oder Großbritannien leben. Widmen wir uns jetzt also dem asiatischen Sound.
Kein Spotify in China
Ich begegne meinem nächsten Problem: In China gibt es kein Spotify. Für unsere europäischen Hörgewohnheiten, die kaum eine andere Musik Streaming-Plattform in Betracht ziehen – mit Ausnahme von Apple Music – ist das ein ganz schönes Gedankenexperiment. Die Frage ist nur: Wie wird in China Musik gestreamt? KuGou Music ist die meistgenutzte Streaming-Plattform und mit mehr als 450 Millionen Nutzer:innen sogar der größte Musik Streaming-Service weltweit. Hätte ich das nicht gegoogelt, hätte ich keine Ahnung davon gehabt und weiterhin in meiner leicht naiv-ignoranten europäischen Musik-Bubble gelebt, in der Spotify das non-plus-ultra an Musik-Streaming ist.
Die Konsequenzen
Kein Spotify in China: Was heißt das eigentlich, außer, dass dort Musik über KuGou gehört wird? Naja, leider heißt das auch, dass die chinesischen Künstler:innen größtenteils auf KuGou veröffentlichen und nicht auf Spotify. Die richtig nischigen, authentischen Artists werde ich in der Playlist also wohl nicht präsentieren können. Zu meiner Überraschung habe ich allerdings trotzdem so einige interessante Songs aus China finden können.
Letzter Disclaimer bevor ich dann auch endlich mal zu den Songs und Künstler:innen komme: Es sind nicht alle Länder Asiens repräsentiert und es ist mir auch bewusst, dass es nicht möglich ist, einen universellen Sound für den kompletten Kontinent festzulegen. Ich meine, stellt euch mal bitte vor, jemand würde das für Europa tun? Crazy, right? Aber ich hoffe, dass ich es geschafft habe, die essentiellen Einflüsse einzufangen. Der Fokus liegt hier auf (Süd)Ostasien. Dafür ist aber von klassischer Popmusik, Rock, New Wave, Indie Pop über (Post) Punk bis hin zu Lo-Fi so ziemlich alles an Genres vertreten.
Stop 1: Korea
Starten wir mit dem ersten Land, aus dem ein Großteil der Künstler:innen der „indie export: the sound of Asia“ Playlist kommt. Nehmen wir uns also mal den K-Pop vor und machen es Indie. Den Hype um Bands wie BTS oder TWICE, die das Aushängeschild des Korean Pops sind, kann ich ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz nachvollziehen. Aber ich komme natürlich auch nicht drum herum, das Genre in die Playlist einzubeziehen, weshalb ich mich auf die Suche nach etwas unbekannteren Künstler:innen gemacht hab. Ich musste mich durch so ziemlich viele … naja nennen wir es mal interessante Songs durchhören, bis ich auf welche gestoßen bin, die ich als angebracht für diesen Zweck fand.
Underrated Indie K-Pop
Hängeblieben bin ich bei „Retro Love“ von BOYHOOD. Der Song hat die typischen – für meinen Geschmack sehr kitschigen – Elemente des K-Pop Sounds. Der Refrain ist auf jeden Fall sehr catchy und geht so schnell nicht wieder aus dem Kopf. Ich bin besonders großer Fan der absurden Dance Moves im Musikvideo – habe noch nie jemanden so tanzen sehen, aber wahrscheinlich macht das Gen Z heutzutage so.
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Natürlich sind in der koreanischen Musikszene auch andere Genres vertreten mit einer Vielzahl an verdammt guten Künstler:innen. Repräsentativ für alle diese grandiosen Artists stelle ich euch kurz die Band SE SO NEON vor. Ihre Musik ist eher Richtung Lo-Fi, hat aber auch verschiedenste Einflüsse aus Blues, Psychedelic Rock New Wave und Synth Pop. In Korea ist SE SO NEON auch nicht gerade unbekannt. Das Trio gewann bereits den Korean PopularMusic Award in den Kategorien „Rockie of the Year“ und „Best Rock Song oft he Year“. Und das haben sie sich auf jeden Fall verdient!
Stop 2: Japan
Weiter geht’s mit dem Nachbarland Japan. Der wohl bekannteste japanische Musik-Export ist wohl CHAI. Kurzer Reminder: Ich rede hier nur von Bands und Artists, die noch in Japan leben und größtenteils dort arbeiten. Die vier CHAI-Mädels haben durch ihr Feature auf dem letzten Gorillaz-Album eine große Welle an Aufmerksamkeit auf ihre Musik gezogen. Ihre hohen, seichten Stimmen gemischt mit entspannten, einprägsamen Beats sind repräsentativ für die japanische Pop-Szene.
Zwischen unbeschwertem Pop-Gesang und starken Rock-Gitarren
Indie Rock Fans kommen in der japanischen Musikszene allerdings auch auf ihre vollen Kosten. Besonders ans Herz gewachsen sind mir die Bands No Buses, DYGL und mitsume. Letztere fallen wahrscheinlich eher in die Kategorie softer Indie Rock. Aber das ist ja auch nicht so wichtig, mein Punkt hier ist: Zieht euch diese Bands rein! Da steckt meiner Meinung nach sehr viel Potential drin.
Etwas Spezielleres aus der Kategorie Indie Rock, aber trotzdem sehr nennenswert sind die Bands LITE und toe. Beide Bands sind (überwiegend) instrumental unterwegs. Die Songs der Bands gehen mir starke „Soundtrack einesmelodramatischen Action Films“ Vibes. Ich kann sie mir aber auch live auf einem Konzert ziemlich gut vorstellen.
CHAI
Stop 3: China
Obwohl Spotify in China kaum genutzt wird, habe ich trotzdem ein paar Schätze der dortigen Indie-Szene gefunden. Meinem Gefühl nach sind die Songs etwas ungewöhnlicher und fallen etwas heraus aus der Reihe der anderen Songs in der Playlist. Besonders leicht machen es die chinesischen Bands einem Publikum, das kein Chinesisch versteht, auch nicht gerade. Ich verstehe kein Chinesisch, kann es nicht lesen und fühle mich sowieso eher so als würde ich Hieroglyphen auf meinem Bildschirm sehen. Natürlich habe ich trotzdem ein paar Repräsentant:innen dieser Kategorie mit in die Playlist gepackt. Vielleicht versteht ihr es ja.
Dass in China über KuGou Musik gestreamt wird, fällt besonders auf, wenn man auf die Zahlen der monatlichen Hörer:innen der Künstler:innen schaut. Denn diese liegen meist unter 1.000. Das heißt aber natürlich nicht, dass das der Qualität der Songs zuzuschreiben ist, denn die haben durchaus deutlich mehr Zuhörer:innen verdient. Von Psychedelic Rock bis Bedroom Pop ist hier wieder so ziemlich alles vertreten. Meine Empfehlung: Lonely Leary, THE HORMONES und Berlin Psycho Nurses (auch einfach, weil der Name genial ist).
Nächster Halt: Taiwan & Thailand
Ok, genau genommen liegen diese beiden Länder weit auseinander, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich die musikalische Landschaft dort etwas ähnelt. Deswegen bin ich jetzt einfach mal so frei und fasse sie hier in einem Kapitel zusammen (in Anbetracht der Länge des Artikels legitim).
Bedroom Pop zum Tagträumen
Den perfekten Sound für einen entspannten Sonntag auf der Couch – das liefern die Künstler:innen aus aus Taiwan und Thailand, die stellvertretend für alle weiteren Artists der Länder ihren Sound in der Playlist präsentieren. Lo-Fi Beats, ruhige Stimmen und Texte, die nicht allzu kompliziert sind (sofern ich sie denn verstehe, weil sie auf Englisch sind und nicht in der Muttersprache). Parade-Beispiel ist die Band The Chairs, die innerhalb Taiwans schon einige Erfolge sammeln konnten.
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The Chairs mit einer Livesession zu „Dreaming with you“
Endstation: Indonesien
Die besten Überraschungen erwarten einen ja meistens dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Für mich waren eindeutig die indonesische Band Modern Approach und der, ebenfalls indonesische, Künstler Halimun Triangle. Während das Trio Modern Approach sehr durch den europäischen Musikmarkt der 70er und 80er Jahre inspiriert ist und ihren eigenen Darkwave-Spin daraus basteln, wird es bei Halimun Triangle etwas abgefreakter. Der Solo-Künstler mixt nicht nur sehr maschinelle, spacige Post Punk Sound Elemente, sondern bringt auch noch philosophische Referenzen in seine Texte. Die Single „Becoming Deleuzian“ zum Beispiel bezieht sich auf Gilles Deleuze, ein Philosoph des 20. Jahrhunderts. Im Song dreht es sich unter anderem um die Kontrollgesellschaft, Disziplin und Strafe.
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Das Musikvideo zu Halimun Triangle’s Single „Becoming Deleuzian“
Heimflug
That’s it! Ich bin erst einmal wieder mein mein nischiges Nerd-Wissen des Tages losgeworden und hoffe, dass für euch auch der ein oder andere Song dabei ist, der es in eure persönliche Playlist schafft. Ich muss mich auf jeden Fall nochmal kurz bei allen bedanken, die mir Empfehlungen zugeschickt haben, denn ohne diese Tipps wäre die Playlist wohl lange nicht so vielfältig geworden. Was ich von der Playlist und der asiatischen Indie Musikszene halte, sollte ja mittlerweile ganz gut durchgeklungen sein. Mich würde aber mal interessieren, was ihr von den Songs haltet. Was ist euer Favorit? Was hat euch besonders überrascht? Was fehlt noch? Freue mich über jegliches Feedback!
Hier kommt ihr zur Playlist „indie export: The sound of Asia“
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So richtige „Auf die Fresse“-Musik zum Moshen, Pöbeln oder einfach Mitfühlen – das ist für mich Van Holzen. Die drei Ulmer Florian, Jonas und Daniel sind gerade einmal 22 und veröffentlichen heute ihr drittes Album „Aus der Ferne“. Im Gegensatz zu den vorherigen Alben, haben die Jungs diesmal auf eigene Faust im bandeigenen Studio produziert. Beweisen müssen sie sich und ihrer Musik aber schon längst nicht mehr, denn die Van Holzen-Jungs wissen genau, was sie machen und was sie wollen. Ich habe im Interview mit Sänger und Gitarrist Florian einen Blick auf die Bandhistorie geworfen und über die Hintergründe zum neuen Van Holzen Album „Aus der Ferne“ gequatscht.
VAN HOLZEN im Interview
Anna: Hi, schön dich zu sehen. Darf ich fragen wo du gerade bist? Ist das euer Proberaum im Hintergrund?
Florian: Ja! Ich sitze nur gerade draußen, weil anscheinend ist WLAN irgendwie im Arsch ist. Deswegen versuche ich es jetzt mit meinem Hotspot. Schau mal, so ist gerade mein Ausblick hier. (dreht die Kamera um, man sieht Felder und Wald)
Anna: Sehr idyllisch, aber ziemlich grau und nebelig.
Florian: Ja, ich bin in Ulm und Ulm ist so ein richtiger Nebelkessel. Da scheint die Sonne sehr wenig. Hitze in der Jahreszeit hier. Aber genau, ich sitz hier vorm Studio.
Anna: Das ist ja auch irgendwie das klassische Novemberwetter. Naja, kommen wir mal weg vom Wetter und hin zu Van Holzen. Ich fang mal einfach ganz vorne an in eurer Bandhistorie. Ihr habt ja als Schülerband gestartet. Wie war das für euch quasi so früh schon die Musik in den Vordergrund zu stellen? Meinst du, dass dadurch der Druck auch größer ist, wenn man so früh anfängt?
Anfänge als Schülerband
Florian: Es kam irgendwie so. Wir waren sogar noch jünger eigentlich, als wir zum ersten Mal angefangen haben. Da waren wir so zehn Jahre alt, würde ich sagen. Also Jonas und ich, Daniel war damals noch gar nicht in der Band. Das war eher so, dass die einen halt irgendwie Handball oder Fußball gespielt haben und wir haben halt einfach Musik gemacht und haben damit unsere Wochenenden voll geballert. Am Anfang war da gar kein Druck. Es war wirklich eigentlich wie so ein Sportverein und auch vergleichbar vom Arbeitsaufwand gewesen. Wir haben zu der Zeit auch noch gar keine Konzerte gespielt und dann irgendwann so mit 12 haben wir begonnen die ersten Shows zu spielen. Da war dann der Daniel auch dabei. Und ja, dann haben wir relativ schnell gemerkt, als wir dann mit 15 Van Holzen gegründet haben, dass wir das so richtig ernst machen möchten. Dann ist da natürlich auch ein bisschen mehr Druck dahinter. Aber erstmal auch Druck, den man sich dann selbst macht, weil man natürlich auch gewisse Leute erreichen möchte und jetzt nicht für immer in irgendwelchen Jugendhäusern zocken will – auch wenn es geil war. Aber es soll ja auch so ein bisschen größer werden. Solange der Spaß den Druck überwiegt oder solange der Spaß da ist, ist auch mit dem Druck völlig klarzukommen. Da ist gar kein Problem für uns. Solange wir drei uns hier einschließen können und Musik machen dürfen. Also ich würde nicht sagen, dass es irgendwie mehr Druck war, weil wir so früh angefangen haben. Eher im Gegenteil. Also als wir aus der Schule rauskamen hatten wir schon einen ordentlichen Erfahrungsschatz, aus dem wir schöpfen konnten. Wir waren auch sehr relaxed in ganz vielen Situationen im Vergleich zu Bands, die jetzt mit 18 oder 19 beginnen und da ihre ersten Erfahrungen machen. Und dann kommt natürlich auch die Frage: Wann studiert ihr? Was studiert ihr? Und zu dem Zeitpunkt, wussten wir schon, dass wir Musik machen wollen. Das hat glaube ich vieles auch einfacher gemacht.
Selbständigkeit und Unterstützung der Eltern
Anna: Haben eure Eltern euch da von Anfang an unterstützt oder waren sie eher skeptisch? Ich meine sie mussten euch ja immerhin auch zu den Gigs hinfahren und euch da die ganze Zeit unterstützen?
Florian: Die haben uns volle Kanne unterstützt! Das ist eigentlich das größte Glück für uns. Ich glaube sonst würde es die Band so auch gar nicht mehr geben. Wie du sagst, sie haben uns halt zu den Gigs gefahren bis wir 18 waren. Also wir hatten dann irgendwann so ab 16/17 auch mal eine Crew, die hat uns dann gefahren und so, da waren dann die Eltern nicht mehr die ganze Zeit dabei. Das wollten wir schon möglichst früh dann nicht mehr. Aber wir sind denen übelst dankbar, dass sie das immer noch für uns tun und da voll hinter uns stehen. Und ohne das wär es gar nicht möglich. Wie gesagt, es ist auch ein riesiger Zeitaufwand, den wir da betreiben. Und hätten wir jetzt Eltern im Nacken sitzen, die sagen ‚Ihr müsst jetzt aber auch mal studieren‘ oder ‚macht mal was Vernünftiges‘ oder so, dann gibst du da auf. Aber die stärken uns schon sehr den Rücken. Früher wie heute.
Anna: Also war das für euch quasi auch nie so wirklich eine Option, jetzt zu studieren zu gehen oder ‚was vernünftiges‘ zu machen? Sondern es war einfach von Anfang an klar, dass ihr mit der Musik euer Ding durchzieht nach der Schule?
„Wir haben schon immer unser Ding gemacht“
Florian: So war es! Also hat sich ganz natürlich entwickelt, weil wir 2017 Abi gemacht haben und da dann kurz vor unserem Abi das Debütalbum rauskam. Und dann waren wir halt erst mal das ganze Jahr auf Tour und das was andere dann so als Gap-Year oder Auslandsjahr machen, da haben wir einfach Touren gespielt. Und dann waren wir halt auch so … Ja okay, also solange wir hier was zu tun haben, solange wir das Gefühl haben, wir kommen voran und das ist das, was wir lieben und woran wir Spaß haben, machen wir es einfach weiter. Und es gab dann auf jeden Fall mal ne Phase, so Ende 2018, da hatte ich das Gefühl, ich müsste noch etwas anderes machen. Ich glaube, das kam aber auch so ein bisschen aus dem Umfeld. Wir sind ja hier in einer sehr dörflichen Gegend, sehr ländlich. Und natürlich fragen auch die Leute, ob man nicht noch einen Plan B hat. Irgendwas Vernünftiges mit ganz viel Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit! Das wollen hier ja alle immer. Und ich glaube, da habe ich mich so ein bisschen von verleiten lassen. Und weil ich mich sowieso auch für Psychologie interessiere, habe ich dann ein Fernstudium angefangen und versucht, so ein bisschen nebenher das zu machen. Obwohl es interessant war, habe ich dann auch gemerkt, das es zu viel ist. Die Zeit, die ich dafür benötige, habe ich einfach gar nicht. Und seitdem kann ich stolz sagen, dass ich einfach Selbststudium mache und wir unser Ding hier machen, Musik machen. Denn das ist das, was wir lieben.
Anna: Puh, vor allem Psychologie stell ich mir auch besonders krass vor als ‚Nebenbei-Studium‘. Aber ich finde man muss ja auch gar nicht immer in dieses perfekte Raster reinpassen, was einem den Weg vorschreibt. Ich habe heute Morgen das Interview geschaut, was ihr vor circa zwei Jahren mit Diffus gemacht hat, diese Coverstory. Und da habt ihr auch viel über diese schwäbische Mentalität geredet. Dieses klassische: Du machst die Schule fertig, du machst einen Job und dann baust oder kaufst du ein Haus und gründest Familie und so was alles. Habt ihr das mittlerweile komplett abgelegt oder hast du immer noch mal wieder das Gefühl, es kommen so Phasen auf, wo du dir denkst ‚Oh shit, ich muss jetzt auch irgendwie in dieses Raster reinpassen‘? Ihr habt ja auch immer noch euer Studio auf dem Land und seid in derselben Umgebung. Das beeinflusst dann ja irgendwie schon, oder?
Einfach mal aus dem Raster fallen
Florian: Also es braucht auf jeden Fall viel Kraft, merke ich immer wieder. Und in Momenten, in denen man dann vielleicht auch mal Rückschläge hat und es in der Musik gerade mal nicht so läuft, da hinterfragt man es natürlich schon mal. Aber an sich ist der Zug voll abgefahren für mich. Ich kann jetzt zwar gerade nur für mich sprechen, aber von den anderen weiß ich es auch. Wir können es so nicht. Ich glaube, jeder von uns wird früher oder später irgendwas selbst auf die Beine gestelltes arbeiten. Und deshalb wir machen hier unser Ding und ich habe da zum Glück auch einen coolen Freundeskreis. Wir supporten uns da gegenseitig. Und ich sehe auch, dass sie ihr Ding machen und wie dann der Weg genau aussieht, ob das ein Studium ist oder was anderes. Aber klar, es gab auch mal Momente, wo es anstrengend war da seiner Linie treu zu bleiben und zu sagen ‚Nee, ich mach das jetzt so, ich habe mir das jetzt so vorgenommen‘. Und dieser Versuch mit dem Psychologiestudium hat das noch mal bestätigt, dass ich auch auf anderen Wegen zu meinem Ziel komme. Und jetzt bin ich auch Mitte des Jahres nach Berlin gezogen und da ist ein bisschen einfacher sein Ding zu machen. Obwohl ich sagen muss, dass ich auch noch viel Zeit hier verbringe, weil wir die Platte fertig machen. Aber Berlin fragt niemand mehr, was du studierst oder arbeitest. Da macht jeder sein Ding.
Anna: Kann ich total nachvollziehen. Ich bin auch auf dem Dorf aufgewachsen und die typischen Sprüche, die man dort immer wieder zu hören bekommt. In der Großstadt ist das gleich ganz anders. Aber man stellt sich dann doch manchmal selbst in Frage. Das ist glaub ich normal. Meinst du, es hat auch einen Einfluss auf die Musik und wie ihr Musik macht? Dadurch, dass sie quasi in Ulm aufgewachsen sei, dort euer Studio habe, dort noch größtenteils wohnt ist es ja einfach ein Großteil eures Lebens. Auch, wenn es wahrscheinlich schwierig zu trennen ist. Macht es einen großen Unterschied?
Florian: Auf jeden Fall. Aber ich muss sagen, ich glaube unsere Musik hat es hier ganz gut getan. Es gibt zwar auch hier in Ulm eine Musikszene, aber die floriert nicht so richtig. Da geht nicht wirklich viel ab. Und wir haben uns eigentlich isoliert von vielen anderen Bands hier entwickelt und unseren Musikstil gefunden. Ich glaube, wenn du in der großen Stadt bist, wo du gleichgesinnte Menschen triffst und dich aneinander orientierst, da schlägt man vielleicht eher so in eine Kerbe und findet dann da auch so eine Szene, die dann eine bestimmte Musikrichtung ausmacht. Und bei uns war es halt nicht so. Wir waren hier in keiner Szene. Deshalb konnten wir auch einen sehr speziellen Sound entwickeln. Wir haben uns einfach nur an uns selbst und was uns gefällt orientiert. Hier auf dem Dorf gibt es auf jeden Fall niemanden, der noch so eine Band hat.
„Ohne Weiterentwicklung wäre unsere Musik ganz schön langweilig“
Anna: Würdest du sagen, dass eure Musik so ein bisschen mit euch erwachsen geworden ist? Ich finde es immer schwierig zu sagen, ab wann man sich erwachsen fühlt. Aber würest du sagen, dass sie mit euch wächst?
Florian: Auf jeden Fall. Also ich habe mir jetzt vor kurzem auch mal wieder unsere alten Platten reingezogen und es ist schon witzig. Ich finde es voll geil so von 15 bis 22 Alben rausgebracht zu haben und dann zu hören, wie sich alles verändert. Die Stimme, die Texte, die Inhalte, die Stimmungen und so. Ich hoffe, das hört nie auf, sich weiterzuentwickeln und kommt nie zu diesem Punkt, wo man sagt jetzt ist es ausgereift, jetzt ist es erwachsen. Also wenn wir alle zwei Jahre ein Album rausbringen, dann fühlt man sich schon auch alle zwei Jahre irgendwie ein bisschen anders oder ist woanders oder macht sich andere Gedanken. Man sucht ja dann auch immer nach Inhalten, um die Texte zu schreiben. Also ich musste schmunzeln, als ich unsere Ideen von 2016 gehört habe und was wir da so sagen. Ich liebe aber auch den Spirit, den wir damals hatten. Es war halt so übelst rotzig und scheißegal. Ich feier es, dass wir das so durchgezogen haben. Aber ich hänge da jetzt auch nicht irgendwie so nostalgisch dran. Ich will nicht denken ‚früher war alles geiler‘. Sondern es ist einfach schön, das aufgenommen zu haben und festgehalten zu haben.
Anna: Das kann ich mir gut vorstellen. Es ist ja auch irgendwie eine schöne Momentaufnahme. Ich glaube, wenn ihr den Song jetzt auf den Konzerten dann noch mal spielt, fühlt sich das auch wieder anders.
Florian: Ja und das muss es auch. Ohne Weiterentwicklung wäre unsere Musik ganz schön langweilig.
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Den aufmerksamen Zuschauer:innen sollte die Person im Bett hier im Video zu „Schlafen“ bekannt vorkommen. Die Jungs von Van Holzen haben sich Luke Noa dazu geholt.
„Aus der Ferne“ und ein gewohnt düsterer Sound
Anna: Kommen wir doch mal zum neuen Album. Ich habe natürlich vorab schon reingehört. Beschreib mal, wie klingt deiner Meinung nach das neue Album? Und dann verrate ich dir, was ich denke.
Florian: Ich finde, das neue Album klingt stellenweise sehr hart. Das liegt vor allem auch an der Art und Weise, wie wir es produziert haben. Wir haben es schon ordentlich an die Wand gefahren, haben geguckt, dass es Extremen und Kanten hat. Es ist aber auch wieder sehr düster geworden. Und dann gibt es hier und da aber auch mal schöne Momente und Momente, die so ein bisschen über den Tellerrand des Alternative Rocks schielen und sich so ein bisschen an anderen Musikstilen orientieren. Das würde ich sagen. Aber soundmäßig auf jeden Fall hard und Volume 100. Ja, was sagst du?
Anna: Ich würde auf jeden Fall nicht empfehlen es mit Kopfhörern auf Volume 100 zu hören! Ansonsten finde ich, dass es auf jeden Fall mehr über die Genregrenzen hinausgeht. Also mehr tatsächlich so Richtung Alternative oder vielleicht auch Indie. Ich finde es eh immer schwierig, Genres festzulegen. Ich fand es ein bisschen weniger punkig als die ersten beiden Alben, aber gefühlt auch sehr viel Fokus auf den Texten. Also kommt natürlich immer auf den Song drauf an. Aber an mehreren Stellen ist der Sound eher so ein bisschen zurückgenommen und dafür der Fokus auf Texten, die irgendwie viel Nachklang haben.
„Wir sind eine Band, die sehr kryptisch schreibt“
Florian: Cool. Das freut mich! Also das war auch tatsächlich der Anspruch dieses Mal. Ich meine, wir sind eine Band, die sehr kryptisch schreibt. Immer noch, aber vor allem auf den ersten beiden Alben. Das erste war super, super kryptisch. Da haben Leute sich teilweise auch nach dem zehnten Mal anhören gefragt, um was es denn geht. Ich find’s auch eigentlich ganz geil, wenn man so viel drüber nachdenkt. Aber dieses Mal wollten wir ein bisschen mehr Futter zum Hören geben. Quasi einen Einstieg liefern, damit man auch mehr versteht und das bisschen konkreter wird.
Anna: Schreibt ihr eigentlich die Texte alle drei zusammen oder wie läuft es bei euch?
Florian: Also ich schreibe zu 90 Prozent die Texte. Aber es kommt schon auf jeden Fall vor, dass irgendwie ein Thema gemeinsam besprochen wird oder die Jungs mal eine Zeile reingeben und die dann auch im Song landet. Aber das ist bei uns sowieso alles sehr, sehr offen. Die beste Idee gewinnt. Jetzt klingt es so, als hätte ich immer die besten Ideen. (lacht) Ja gut, aber wir sind ja nunmal auch nur zu dritt. Da ist es einfacher sich zu einigen, als wenn man jetzt so eine super große Band dahinter stehen hat. Ich liebe es, dass wir ein Trio sind. Also du kannst easy einen überstimmen, wenn es mal Unstimmigkeiten gibt. Es ist eine geile Demokratie bei uns. Und du bist irgendwie nie zwei gegen zwei Stimmen. Ist einfach sehr smart bei uns.
Anna: Ja, stimmt. Das ist super praktisch. Zurück zum neuen Album. Als ich dann durch das Album so weiter durchgegangen bin und so von Song zu Song gesprungen bin, hatte ich das Gefühl, es geht sehr viel um die eigene Wahrnehmung und so ein bisschen der Umgang damit, aber auch um die Welt um euch herum. Und ich hatte schon das Gefühl, dass es auch viel um den Umgang mit dem letzten Jahr geht. Auch wenn ich jetzt natürlich nicht weiß, wann ihr angefangen habt mit der Produktion. Ich will jetzt nicht immer den den Elefanten im Porzellanladen ansprechen, aber ich glaube, du weißt, was ich meine. Beim Song „Arche“ sprecht ihr ja zum Beispiel sehr deutlich den Aluhut an. Geht es um Querdenker und Leute, die sich gegen das System und gegen die allgemeine Wahrnehmung sträuben? Habt ihr da selbst Erfahrungen gemacht oder wie kommt es dazu, dass ihr euch entschieden habt, so einen Song zu veröffentlichen?
Zwischen Verschwörungstheorien und Gegenwartsgesellschaft
Florian: Also ursprünglich ist „Arche“ lustigerweise zwei Wochen bevor Corona nach Deutschland kam geschrieben worden. Ursprünglich soll es in „Arche“ um Klimaleugner gehen, also Klimawandelleugner. Und genau dann war der Song fertig, die Demo war geschrieben und es kam Corona. Dann gingen wir in den Lockdown und dann dachte ich, das ist ja ein gelegtes Ei und hab ein bisschen den Text umgeschrieben. Und klar, kann man den Song jetzt auch so verstehen, aber wenn du den anhörst und weißt, es geht um Klimawandelleugner, dann macht es auch Sinn. Mir war es wichtig, das auch beizubehalten und nicht das Wort Corona im Song fallen zu lassen, sondern da so bisschen Interpretationsspielraum zu lassen. Aber natürlich interpretiert ihn gerade jeder so, völlig zu Recht.
Anna: Meinst du, es tut dem Ganzen gut, wenn man so einen allgemeinen Welthass an den Tag bringt, wenn man solche Songs schreibt?
Florian: Hin und wieder ja. Ich würde es jetzt vielleicht nicht direkt Welthass nennen, aber starke Emotionen. Starke Emotionen gegenüber einem bestimmten Sachverhalt oder irgendetwas, das gerade der Welt passiert, hilft auf jeden Fall beim Texten. Weil dann kommt glaube ich auch die Emotion deutlicher bei den Hörer:innen an.
„Ich träume vom Leben, das keiner regiert“
Anna: Woher kommt diese Aussage? Was steckt dahinter?
Florian: Auch diese Aussage wurde im Verlauf der Produktion von „Aus der Ferne“ etwas zweideutig. Es hat damot begonnen, dass wir 2020 entschieden haben, dass wir jetzt DIY weitermachen möchten. Wir hatten ja die zwei Platten davor mit Warner Music veröffentlicht. Nach den beiden Alben war die Zusammenarbeit quasi beendet und wir haben gesagt „Hey, wir wollen jetzt mal alles selbst machen und wir möchten bestimmen was rauskommt, wie das alles aussieht und so weiter“. Also nicht, dass wir das davor nicht durften, aber es ist doch dann immer mit so einem großen Team und natürlich auch viel finanziellen Mitteln etwas mehr Druck dahinter. Und damit hat der Song eigentlich begonnen. Während Corona hat es dann nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Nicht, weil wir keinen Bock haben auf die Beschränkungen und so weiter, sondern weil wir echt gemerkt haben, dass Leute, die da das Risiko nicht ernst nehmen und dafür sorgen, dass Lockdown nach Lockdown kommt, dass sie auch so ein bisschen die Kontrolle über unser aller Leben gewonnen haben und uns immer wieder in den Lockdown geschickt haben. Wir selbst waren jetzt nicht übervorsichtig, aber zählten schon zu denen, die gesagt haben, wir spielen so lange nicht, bis die Lage sich entspannt. Deswegen haben wir auch die Tour verschoben. Natürlich wünschen wir uns, dass irgendwie alle an einem Strang ziehen.
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Um die Zeit bis zur Tour 2022 zu überbrücken, könnt ihr euch auf dem YouTube-Kanal von VAN HOLZEN Impressionen der letzten Tour aus 2019 anschauen.
Anna: Hast du momentan einen Lieblingssong vom neuen Album?
Florian: Ich mag „Deiner Meinung“ total. Damit haben wir auch eine Live Session aufgenommen im Studio. Die bringen wir demnächst noch raus. Der Song macht einfach übelst Bock live zu spielen. Und ich glaube der wird auf den Konzerten der Tour dann auch richtig abgehen.
Anna: Wann steht das erste Konzert wieder an?
Florian: Erstes Konzert ist jetzt Ende November. Wir überlegen gerade aber noch, weil wir die Tour verschoben haben ins nächste Jahr. Das war uns noch ein bisschen zu unsicher.
Anna: Ihr wart aber im Sommer doch auch bestimmt auf Open-Air Konzerten …
Florian: Gar nicht. Das haben wir gar nicht gemacht. Das war natürlich dann auch ein großes Thema, gerade mit diesen ganzen Picknick Konzerten und so weiter. Aber wir haben uns dann einfach dazu entschieden, das Van Holzen da nicht reinpasst. Wir brauchen halt einfach das Moshpit. Wir brauchen Leute die sich irgendwie die Köpfe einschlagen können – liebevoll natürlich – und nicht auf Picknickdecke stehen. Ich fand das eigentlich ein cooles Konzept. Aber wir haben gesagt, wir müssen geduldig bleiben und kommen dann mit einem richtigen Bang zurück.
Anna: Ja, also ehrlich gesagt kann ich mir auch nur schwer ein Van Holzen Picknick Konzert vorstellen. Okay, wir haben am Ende von Interviews bei uns immer die tolle Kategorie „untold stories“. Ich weiß, das ist immer super schwierig auf Teufel komm raus jetzt eine krasse Geschichte zu droppen. Aber fällt dir gerade eine lustige, absurde oder interessante Geschichte ein, die ihr bisher in keinem Interview erzählt habt?
Die Geheimwaffe des Van Holzen-Bassisten Jonas
Florian: Lass mich kurz überlegen. Sie sollte wahrscheinlich schon jugendfrei sein, oder? (lacht) Aber nee, ich hab was. Das ist kein einzelnes Erlebnis. Es ist nicht an einem Tag passiert oder so. Aber es war ein ganzes Jahr und ich musste gestern wieder daran denken. Unser Bassist Jonas – liebe ihn – hat ein super nices Selbstbewusstsein und früher war das noch viel krasser, so von wegen: Wir sind die Geilsten, wir sind einfach die Geilsten. Und ja, 2016 haben wir ziemlich viele Band Contests gespielt. Und Jonas wurde im Verlauf des Jahres zu so einem richtigen Orakel. Er hat ganz oft gesagt, als wir dann auf dem Weg zur Bahn waren: „Leute, ich habe heute ein echt gutes Gefühl. Wir gewinnen das und wir sind gut.“ Und dann haben wir gewonnen. Und manchmal war es aber auch so, dass er meinte: „Leute, ganz ehrlich, das wird heute gar nichts, das wird heut einfach nichts.“ Dann haben wir da nicht gewonnen, egal wie klein und unbekannt der Contest war. Jonas beweist heute noch einen richtig guten Riecher bei sowas. Das wissen die Leute nicht. Und jetzt erfahren sie es. Und ich hoffe, dass sie ihn nicht als Orakel uns wegnehmen und ihn für externe Jobs buchen. (lacht)
Anna: Es funktioniert halt auch einfach nur bei Van Holzen Auftritten.
Florian: So ist es! Ich hoffe unsere Mailbox ist demnächst nicht mit so kranken Anfragen voll.
Anna: Ich drück die Daumen! Hey, vielen Dank für das Interview und ich will dich auch gar nicht weiter vom Proben abhalten!
Florian: Anna, Vielen Dank dir! Hat Spaß gemacht.
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Heute präsentiere ich euch mal wieder eine Band, die relativ neu auf unserem Radar ist: Dennis Kiss & The Sleepers. Das sind Sänger Dennis Kiss, Bassist Andreas Meyer, Schlagzeuger Manuel Neuhaus und Gitarrist Nicolas Ruedin. Die Songs der Schweizer Band sind klassischer Indie-Rock-Sound, der an britische Bands wie The Kooks, Circa Waves und The Vaccines erinnert. Anfang Oktober haben Dennis Kiss & The Sleepers ihr Debüt-Album „PocoBono“ veröffentlicht. Der Song „Rome“ und das Musikvideo, um das es sich heute dreht, ist Teil des Albums.
“teenage angst hymns in a major key”
„Rome“ klingt nach einer verzechten Nacht und dem Morgen danach. Gebrochene Gedankenschnipsel der letzten Nacht und die Frage danach, wie man nochmal in dem Club gelandet ist und warum man auf dem Badezimmerboden aufwacht – wer kennt es nicht. Unterstützt wird dieses Gefühl durch entspannte Gitarrenriffs und ein eher zurückhaltendes Schlagzeug, die eine positiv bedrückende Stimmung aufrechterhalten. Gegen Ende des Songs steigert sich Dennis gesanglich stärker in den Text und erinnert daran, Gedanken manchmal einfach nicht loslassen zu können.
mysteriöse Begegnungen
Im Musikvideo zu „Rome“ träumt Sänger Dennis sich in eine fiktive Welt, fantasierend über die Ereignisse der letzten Nacht. Zu sehen sind ungewöhnliche Begegnungen, die Dennis und Zuschauer:innen in einen mysteriösen Bann ziehen. So wird er nicht nur sehr eindringlich von einer Person angestarrt auf dem Nachhauseweg, sondern begegnet unter anderem auch einem Tänzer und einer Feuerkünstlerin. Die Frage „Wie bin ich hier eigentlichhingekommen?“ bekommt durch diese seltsamen Aufeinandertreffen einen noch tieferen Nachklang.
“if you love me take me back to the bar in Rome”
Während die Kamera also einem durch die Nacht torkelnden Dennis durch die leergefegten Straßen der Stadt folgt, realisiere ich, dass „Rome“ hier eine Bar ist und praktischerweise in der ganzen Stadt ausgeschildert ist.
Doch bevor ich die Bar von innen zu sehen bekomme und einen Rückblick auf die Geschehnisse dort drinnen, springt die Szenerie auf den Morgen danach. Dennis wacht auf, die Sonne blendet ihm ins Gesicht und die anderen Bandmitglieder sind um ihn herum versammelt. Alle sehen etwas mitgenommen aus. Dennis macht sich letztendlich doch noch auf den Weg nach „Rome“. Die Bar ist allerdings geschlossen und er setzt sich gefrustet auf einen Stuhl vor der Tür. Irgendwie passt diese Situation perfekt zur generellen Stimmung des Songs und dem Gefühl, nicht mitder letzten Nacht abschließen zu können.
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Das Video zu „Rome“ bricht die bisherige Ästhetik der Musikvideos zum Debüt-Album. Denn die vier Vorab-Singles sind Stillleben. Sie halten genau dieses Moment des an einem vorbeiziehenden Lebens fest und spiegeln die grundsätzliche Stimmung auf „Poco Bono“ wider.
Alles ist okay, aber irgendwie auch nicht mehr – poco bono eben
Die Sehnsucht nach Ausbruch und Entschleunigung, die Bitterkeit über das Schwinden von Zeit und Halt, sowie die permanente, drückende Melancholie des bloßen Seins sind die zentralen Motive der Geschichten, welche das Album „Poco Bono“ erzählt. „Poco Bono“ ist die Stadt, in welche Du ziehst und Dich einsam fühlst. In „Rome“ ist es der Club, in welchem Du vor der Realität in die Ekstase fliehst. Dennis Kiss verarbeitet textlich all das, was ihn am Erwachsenwerden hindert und es ihm dabei zugleich ermöglicht. Eine Ode an die Jugend und das Leben, ein subjektives Weltbild, gefangen zwischen Hedonismus und Masochismus.
robuster Indie-Rock in einer Welt, die von Flüchtigkeit geprägt ist
Dennis Kiss & The Sleepers fangen textlich den Zeitgeist der Anfang Zwanziger ein und verpacken ihn in einen klassischen Indie-Rock-Sound, der schon seit Jahrzehnten funktioniert. Wenn ihr das Album von Dennis Kiss & The Sleepers noch nicht gehört hab, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt es nachzuholen. Ich verlinke es euch mal ganz unverbindlich:
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Dass Genre-Grenzen mittlerweile der Vergangenheit angehören, sollte für die meisten wohl keine Neuigkeit mehr sein. Trotzdem finde ich es immer wieder beeindruckend, wie manche Künstler:innen immer wieder neue Wege finden, Musikstile zu mixen. Ein Künstler, der diese Kunst besonders gut beherrscht, ist Gundelach. Der Norweger mischt in seiner Musik Elemente aus Pop, Electronic, R&B und Folk, inspiriert vom Sound der 80er-Jahre. Dem ganzen liegt eine Art melancholischer Schleier über. Kai Gundelach – ja, sein Nachname ist auch sein Künstlername – schafft durch diese Mischung einen einzigartigen Sound, der schwer zu vergleichen ist. Ich habe Gundelach gefragt, wie seine Musik entsteht, was in inspiriert und was wir vom neuen Album, das für das nächste Jahr geplant ist, erwarten können.
Gundelach im Interview
Anna: Hej Kai, thank you for taking some time for the interview. Let’s start by introducing your and your music.If you were to introduce yourself and your music to someone who doesn’t know you or your music, how would you do that?
Kai: I usually say that I make alternative pop music. I would describe both myself and my music as quite melancholic and nostalgic as well.
Anna:What were your main musical influences throughout the years? Did it change from the time you were a DJ until now?
Kai: It really changes from day to day. I buy vinyl that I still DJ with and I try to keep informed and on track with all the music around me. I am really inspired by electronic music but also a lot of other genres – hip hop, pop, black metal. There’s an old Norwegian singer “Radka Toneff” who is a big inspiration to me. But in general I try not to be too inspired by things, I want to keep a distance between my music consumption and the music I make myself.
„Seeing Bon Iver live was really emotional for me“
Anna:What is your favourite song from your debut album and why? Did that change in the past years?
Kai: Duck Hunting is my favourite from that album. It went through a lot of different versions – I tried working with other producers and experimented with a lot of different stuff, but eventually ended up going back and using my own version, and now it is my most streamed song!
Anna:What was the most memorable live experience you had so far?
Kai: I saw Bon Iver at Øyafestivalen in 2010. I had been listening to his music for 3 years really obsessively but hadn’t seen it live yet and so it was a really emotional moment for me. And they were so so good. Karpe diem were closing on another stage at the same time as Bon Iver played so most people were at the other stage which is so random. At one point he asked someone to light a cigarette and at the same time it was lit, all these fireworks went off from the other stage, which was a total coincidence and everyone thought it was planned, it was so cool.
Gundelach hat einen Song zu einem Selbstporträt Edvard Munch’s geschrieben
Anna:I saw that you wrote your song „Bolder“ for the opening of the (new) Munch Museum part in June 2020. Why did you choose Munch’s painting „self-portrait in hell“ for that?
Kai: I chose that picture because it was the one that resonated the most with me. I thought it would be easier to make a self-portrait rather than interpreting the other more known images.
Anna:How was the process of writing „Bolder“ for you? Was it different from your songs before?
Kai: It was different because it was a commissioned piece, but it was actually really nice because I had a deadline to stick to. I made it pretty fast, I had the whole rough idea within a week. I had this drum machine called the electon analog rytm and I made the whole basis of the track with just that. It was my first time having a visual stimulus, but since then I have done some work with film and commercial stuff. But it was nice with “Bolder” because I got to use it as my own song afterwards as well.
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Acoustic-Session von „Riverside„, der neuen Single von Gundelach
New album – new Gundelach – new sound?
Anna:Why did you choose to publish „Vi er nærme nå“ in Norwegian (and not like your other songs before in English)?
Kai: I don’t know really, I just felt like it. I normally have one song title in Norwegian on an album, even if the song itself is in English. But this time the chorus was in Norwegian when it came out of my head and I just decided to keep it. For me it’s not so important what language it’s in, it’s just about what I felt.
Anna:Disclaimer: I listened to the demos of your new tracks and I feel like there are more folk elements in the new tracks compared to your previous songs. What would you say that we can expect from potential new tracks? Are there more changes in the sound?
Kai: Yes, definitely more folk, country and guitar elements in there. With this album, I have tried to be really fluid and just have fun with friends and playing live instruments. My band mates have been a big part of the recording process this time, so you can expect a much more live approach.
„I don’t want to push inspiration, I like to make things flow“
Anna:That sounds very promising!What is your main inspiration for writing new songs at the moment?
Kai: That’s a hard question but I think I’m really inspired by life, walking, and things around me. I try to walk a lot and to absorb the scenery around me. But I also meditate a lot and practice yoga and I think that is inspirational for me. I am not so good at reading anymore, but I like to go into old books I’ve read and just take a few sentences away – I find that pretty inspiring. For me it is just about having the attitude of trying to make things flow instead of pushing it and sitting in the studio for 10 hours when you don’t want to be there. I just try to make stuff whenever I feel inspired, even if it is just for 15 minutes in one day.
Gundelach’s Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen
Anna:How important is collaborating with other artists for you?
Kai: When I am collaborating with someone then it is very important to me, but when I’m not it is not something I feel like I have to do. It is really inspiring when someone says they are a fan of my work and want to collaborate, then it is usually a really quick process. When I work by myself it takes longer because I don’t get that instant validation. But it is really special when a good collaboration comes along.
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Letztes Jahr veröffentlichte Gundelach den Song „Cynical Mind“ mit der norwegischen Sängerin AURORA
Anna:How was the collaboration with AURORA?
Kai: That was really cool. We actually wrote the song as part of this song camp in Bergen, which is not something I would normally go to, but this time I went and as a big fan of hers it was really special to work together. We wrote the song in 5 hours. She is a really special human being, so kind. I have never seen someone lay down vocal harmonies as fast and cleanly as she does.
Anna: That really sounds like an inspiring collaboration. Thanks again for talking so openly about your music. I’m really looking forward to the new Gundelach album!
Hier könnt ihr Gundelach’s neueste Single „Vi er nærme nå“ hören!
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Anfang des Jahres hat Anna euch ja bereits Iuna Lux im Interview vorgestellt. Damals stand der Regensburger Bedroom-Producer kurz vor dem Release seiner Debüt-EP „All of my answers“. Die EP hat sich bei mir mittlerweile einen Platz in der Kategorie „Kann ich eigentlich 24/7 on repeat hören“ verschafft. Im Juli deutete sich mit dem Release der Single „Memory Lane“ dann EP Nr. 2 an. Und ich kann’s nicht anders sagen: Ich bin sehr hyped und bereit für neue Musik von Iuna Lux. I prodly present you: Die neue Single „Monsters“ von Iuna Lux und das zugehörige Musikvideo.
“Get in your dress to dance!”
Warum ständig in der Wirklichkeit leben, wenn man sich an so viele schönere Orte träumen kann? Genau nach dieser Devise fantasiert Iuna Lux über eine Nacht in einen Club mit der Partnerin seiner Träume. Die beiden tanzen, lachen, haben Spaß. Aber leider ist das Ganze dann doch nur ein Traum.
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Regisseurin Emely Hardt entführt in dieTraumwelt von Hauptdarstellerin Thess Martini: Weite, staubige Landschaften und ein Geländewagen erinnern an ein Hinterland irgendwo in den Vereinigten Staaten und gehen über in neblige und düstere Club-Szenen. Hier durfte das Team in einem Regensburger Club filmen, der eigens für den Dreh aus dem Lockdown-Winterschlaf geholt wurde.
Optik à la Stranger Things
Von der Aufmachung des Videos bin ich sehr an einen Mix aus Stranger Things und Pulp Fiction erinnert. Das dürfte wohl hauptsächlich an dem 80er-Jahre Flair liegen. Naja, der Titel „Monsters“ trägt auch seinen Teil dazu bei. Ich feier das Gesamtpaket aber sehr. Die Stimmung des Videos löst das akute Bedürfnis zu Tanzen in mir aus.
Bei melancholischen Texten, die mit einer ordentlichen Portion Synthesizern untermalt werden, hat man mich ja meistens sowieso schon überzeugt. Das Gefühl, das „Monsters“ in mir auslöst ist, kann ich in eigenen Worten nur schwer beschreiben. Es ist irgendwie eine ganz absurde Mischungaus Behaglichkeit, Träumen, Trauer und Zukunftsangst zugleich.
Als würde man schon im schönsten Moment seines Lebens an die Depression danach denken, während im Hintergrund ein Feuerwerk an Synthesizern eine 80s Ballade schmettert.
Wer sich jetzt noch fragt, wer eigentlich hinter dem Künstlernamen Iuna Lux steckt, sollte schnellstmöglich das Interview lesen. Keine Sorge, ich stell euch den Künstler natürlich auch hier kurz vor. Iuna Lux heißt eigentlich Christoph Hundhammer und ist neben seiner eigenen Musik vor allem als Live-Gitarrist des Regensburger Indie-Künstlers Telquist zu sehen. Mit seinem Bedroom-Soloprojekt Iuna Lux entwickelte er seinen ganz eigenen Stil irgendwo zwischen derLässigkeit von MGMT und einer Melancholie, die er in eingängige Melodien verpackt.
„ein Gefühl zwischen Rausch und Verliebtsein“
So beschreibt Christoph seine Musik. Er therapiert sich mit der Musik selbst und lässt hier und da einen Einblick in sein nachdenkliches Innenleben zu. Das gibt seinen Songs eine extrem authentische Note.
„Monsters“ ist nach „Memory Lane“ die zweite Single der neuen EP, die im Dezember erscheinen wird. Bis dahin könnt ihr die bisher veröffentlichten Songs von Iuna Lux auf Spotify rauf und runter hören bis ihr sie im Schlaf mitsummen könnt. Dann sind wir nächstes Jahr alle bereit für Konzerte, Deal? Ich zähle auf euch!
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Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber der Herbst macht so einiges mit meinem musikalischen Hörverhalten. Wenn es draußen kalt, windig und regnerisch wird, dann tausche ich doch gerne mal sommerliche Gute-Laune-Hits gegen etwas mehr Melancholie und dunklen Sound aus. Ganz oben mit dabei ist das London Grammar Album „Truth Is ABeautiful Thing“. Diese unterschwellige Dramatik in London Grammar Songs, mit der mich die Band immer wieder abholt, finde ich sonst irgendwie nur sehr selten.
Zwischen Nostalgie und Zukunftsklang
Umso gespannter war ich als ich die Mail von Marvin, Drummer der Band SIALIA, in meinem Postfach entdeckt habe. Er stellt die Band wie folgt vor:
SIALIA ist eine vierköpfige Alternative-Pop-Band aus Münster. Das Quartett macht Pop Klänge im dunklen Stil mit Rock Wurzeln und Indie Kunstfertigkeit. Inspiriert von London Grammar, Nothing But Thieves, Aurora und Florence+ The Machine erschafft die Band einen bewegenden Sound zwischen Melancholie und Euphorie.
Mehr brauchte es auch eigentlich gar nicht, um mich zu überzeugen direkt einmal in ihren Song „Ecstasy“ reinzuhören. Irgendwie hatte ich von Beginn an das Gefühl, der Song kommt mir bekannt vor. Natürlich kann das nicht sein, denn er war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht veröffentlicht.
Ohrwurmpotential
Die starke Stimme von Sängerin Nicole klingt wie eine Mischung aus Florence Welch, Leadsängerin von Florence + the Machine, und Hannah Reid, Stimme von London Grammar. Sie fesselt Hörer:innen von der ersten bis zur letzten Sekunde des Songs. Zusammen mit einem ohrwurmverdächtigen Gitarrenriff baut sie eine Spannung auf, die durch den Refrain etwas aufgelöst wird.
„Ich möchte mit unserer Musik faszinieren, überraschen und verstören! Die Songs erzählen phantastische oder mysteriöse Geschichten von persönlichen Dramen, inneren Kämpfen oder Träumen mit ungewissem Ausgang, behandeln das Wechselspiel von Tod, Schmerz, Hoffnung, Liebe und allem anderen, dem man sonst so gerne aus dem Weg geht.“
Und auch das sehe ich in dem Song. Ja, ich fühle mich sogar irgendwie ein bisschen bloßgestellt – auf eine gute Weise, versteht sich. Der Songtext erinnert mich an Emotionen und Gedanken, die ich gerne des Öfteren unterdrücke, die aber bei solch mitfühlenden Songs dann doch an die Oberfläche treten. Aber hey, dafür hört man doch auch melancholische Songs, oder? Wenn ihr übrigens noch auf der Suche nach einer Playlist voller Melancholie, Herzschmerz und entspannten Vibes seid, dann schaut doch mal bei unserer Untold melancholic tunes Playlist vorbei.
Won’t you cry for me
It’s the end
Won’t you fight for me
‚Cause I can’t escape
Diese Zeilen des Refrains bekommen im Musikvideo zu „Ecstasy“ einen ganz besonderen Nachklang und wirken deutlich eindringlicher. Grund dafür sind die Flashlights, Infrarot-Optik und verschwommene, schnell wechselnde Bilder. Wie die ganzen dunklen Gedanken, die auf einmal aus der hintersten Ecke deines Kopfes angekrochen kommen …
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Die Debut Single „Ecstasy“ von SIALIA hat mich auf jeden Fall direkt abgeholt und ich bin super gespannt auf weitere Songs. Angekündigt sind die allerdings erst fürs nächste Jahr. Bis dahin wird dann wohl „Ecstasy“ auf Repeat gehört!
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Bei Indie Surf Pop denkt man jetzt nicht direkt an Köln. Die Band EASY EASY zeigt allerdings, dass entspannter Surf Pop nicht immer aus Australien kommen muss, sondern genauso gut aus NRW funktioniert. Vielleicht kommt euch die Band ja aus unserer „on the rise“-Playlist bekannt vor. Ich hab den Sänger Carlo im Interview getroffen und mit ihm darüber gesprochen, wie es zu dem Sound von EASY EASY kam und was wir in Zukunft noch so von den Newcomern erwarten können.
EASY EASY im Interview
Anna: Hi, cool, dass du hier bist. Magst du dich und die Band zu Beginn vielleicht einfach erst einmal vorstellen?
Carlo: Hi, ich bin Carlo. Ich sing bei EASY EASY. Und ja, wir sind so eine Indie Band aus Köln. Es sind noch sechs andere Jungs mit am Start. Auf der Bühne sind wir aber nur zu fünft. Zwei von uns sind Producer. And that’s it.
Anna: Ok, danke, kurzer Abriss zu eurer Bandhistorie: Ihr habt das Bandprojekt ja erst letztes Jahr gestartet. Ich würde mal sagen, das ist jetzt eher ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. Also für mich war das eher so eine Zeit, wo irgendwie alle erst mal selbst auf sich klarkommen mussten und auf ihr Leben. War das für euch irgendwie eine Art des Umgangs mit der Pandemie, um sich auf die Musik fokussieren zu können? Oder wie ist das entstanden?
Carlo: Ach nee, es war eigentlich eher zufällig, dass die Pandemie war. Also wir hätten uns auch zum genau gleichen Zeitpunkt wahrscheinlich gegründet, wenn die Pandemie nicht gewesen wäre. Dass die jetzt war, war insofern Fluch und Segen gleichzeitig, als dass wir viel Zeit im Studio verbringen konnten, weil wir ja uns nicht darum kümmern mussten, irgendwo live zu spielen. Genau, aber um mal an den Anfang zurückzuspringen: Ende 2019 hat Leon uns auf einer Party angesprochen, weil der so ein Song von unserer alten Band gehört hat, wo Luis und ich mitgespielt haben und Merdi. Und den fand er irgendwie gut. Das war dieser „all about u“-Song und dann wollte er den aufnehmen mit uns. Dann bin ich irgendwann zu ihm gefahren und das hat dann so viel Spaß gemacht und die andere Band zieht sich dann auch aufgelöst zu dem Zeitpunkt, dass wir gesagt haben „lass doch einfach weiter so Songs aufnehmen“. Und dann irgendwann erst nachdem wir auch die ersten Songs rausgebracht haben und alles wieder so ein bisschen gelockert wurde und man wieder Konzerte spielen konnte, da haben wir dann noch Robin und Julien in die Band geholt. Einfach, weil es mittlerweile eine Live-Band brauchte. Ja und seitdem sind wir eine große Familie.
Aus Zufall wurde eine Band wie eine Patchwork-Familie
Anna: Kanntet ihr euch eigentlich alle schon vorher und wart befreundet oder ist das quasi durch die Band entstanden, dass ihr jetzt so eine Familie seid?
Carlo: Ja, den Luis kenn ich schon ganz lange, bestimmt schon seit 7 Jahren oder so. Damals in der Schule waren wir schon Homies. Und dann haben wir so vor 2 Jahren oder so angefangen Musik zusammen zu machen. Darüber haben wir Merdi, den anderen Gitarristen kennengelernt. Mit dem haben wir dann in anderen Formationen gespielt. Das war aber irgendwie alles auch super beschissen und so und dann hat sich das dann irgendwie aufgelöst. Bis wir dann auf der einen besagten Party die beiden Leons kennengelernt haben. Mit denen haben wir dann ne Weile rumgehangen und übers Internet haben wir dann erst Julien und Robin kennengelernt. Und seitdem hängen wir viel zusammen rum.
Anna: Gibt es bei euch eine bestimmte Aufteilung: Also zum Beispiel, dass du immer die Songs schreibst und Luis sich um den Sound kümmert oder ist es eher so, dass jeder was beisteuert und dann zusammen halt geschaut wird, was man daraus macht?
Carlo: Also jeder trägt trägt auf jeden Fall seinen Teil irgendwie bei und jeder hat so seinen kleinen Aufgabenbereich gesucht. Aber zum Beispiel die Songs schreiben Luis und ich und produzieren die dann mit den beiden Leons. Robin zum Beispiel macht den Merch Julien kümmert sich um diese ganzen Sachen wie Steuern, GbR und den ganzen Scheiß. Merdi macht viel Booking. Irgendwie hat so jeder seinen eigenen Stuff, aber schaut auch mal bei dem anderen mit über die Schulter.
Anna: Euch gibt es jetzt seit einem Jahr und ihr haut einfach direkt eine komplette EP raus. Kam das einfach so, dass ihr so einen Schreib-Produktions-Flow hattet und gesagt habt „So, jetzt hauen wir einfach mal direkt die Songs alle raus“? Oder wie kommt das zustande?
Carlo: Ja, wir hatten wir einfach viele Ideen rumliegen und so. Dann hatten wir wie gesagt auch echt das Glück, dass wir ja keinen externen Produzenten bezahlen mussten oder in einem Studio bezahlen mussten, sondern dass wir einfach da mit den beiden Leons produktiv sein konnten. Und die hatten irgendwie auch Bock auf ne EP. Und dann haben wir das einfach gemacht. Also ehrlich gesagt sind wir da jetzt auch gerade schon wieder so ein bisschen dabei. Wir produzieren schon wieder vor. Wir wollen, wenn’s gut läuft, vielleicht so Mitte bis Ende Dezember unsere zweite EP raushauen.
Selbstgezeichnete Cover passend zum Song
Anna: Sehr cool, da bin ich gespannt! Was ich bei euren Singles und EPs auch immer total cool finde ist das Artwork. Also wie kommen eure Cover zustande?
Das Cover zu „Hony Tawk“ von EASY EASY
Carlo: Achja, das ist das eine Freundin von mir und die ist einfach lieb genug uns ihre Zeichnungen zur Verfügung zu stellen. Sie malt generell einfach super viel und gerne und und ganz ganz toll. Und dann habe ich sie einfach ganz am Anfang mal gefragt. Mir gefallen ihre Bilder generell total gut. Seitdem hat sich das irgendwie so eingependelt, dass ich sie frage, immer wenn wir was neues releasen. Obwohl ich auch ein bisschen das Gefühl hab, dass ich sie so langsam auch ein bisschen nerve. Entweder sie hat noch so Bilder rumliegen oder sie hat gerade neue gemacht oder ob Bock was zu zeichnen. Sie ist einfach so eine sweete Person und sagt immer „klar“. Dann schicke ich ihr den Song und dann hört sie sich den an und malt. Es kommt auf jeden Fall immer was krasses dabei raus. Checkt sie mal auf Insta aus unter @artbydanai.
Anna: Nice! Das check ich doch gleich mal aus. Ich habe gelesen, ihr labelt euer Genre von Musik Indie Surf Pop. Mal abgesehen davon, dass Genres oft Interpretationssache sind. Aber wie seid ihr auf dieses Genre gekommen? Surfen liegt ja jetzt irgendwie nicht so nahe in Köln.
Carlo: Also wir hatten einfach das Gefühl, dass die Musik so relativ surfig klingt. Ich glaube es liegt auch daran, dass Luis und ich eine Zeit lang unglaublich viel so Mucke gehört haben, die sich im Surf Rock Genre einordnet. Zum Beispiel sowas wie Hockey Dad, Peach Pit, Skeggs oder Vanilla Gorilla, diese typischen australischen Bands. Und wenn man da guckt auf Spotify, dann werden die auch irgendwie immer in Surf Rock Playlists gepackt. Dann haben wir einfach beschlossen, dass wir uns auch dort einordnen. Aber in unserer Band fließen auch extrem viele verschiedene Musik Einflüsse zusammen, weil wir alle extrem unterschiedlichen Kram hören. Je nach Song hat dann irgendwie einer mehr Einfluss als der andere. Größtenteils machen wir aber einfach das, worauf wir Bock haben.
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Das Video zur neuesten Single „right“ von EASY EASY
Anna: Und wie sieht es bei den Texten aus: Habt ihr da bestimmte Themen, die ihr favorisiert? Oder gibt es sogar irgendwas, wo du sagen würdest, dass du darüber nicht schreiben kannst oder es nicht so gerne in einem Song behandeln möchtest?
Carlo: Ich tue mich schwer mit so Love Songs, weil ich da irgendwie einfach das Gefühl habe, ich kann das nicht gut schreiben. Aber ansonsten viel Party, viel Bier trinken, Skateboard fahren, Sonnenschein. Ich mag das auch einfach manchmal, wenn man an einem Text nicht so geisteskrank lange überlegt. Ich finde die Texte, die mir am meisten Spaß machen, sind auch immer noch die, die ich in unter 20 Minuten geschrieben habe. Auch so völlig ohne, dass ich in dem Moment wusste, worüber ich die geschrieben habe. Ich mag es manchmal auch, wenn der Text sich selber nicht zu ernst nimmt. Und vor allem jetzt mal hands down: Gerade bei uns in Deutschland, wo sehr viel auch auf Deutsch veröffentlicht wird, da hört man bei einer Band wie uns mit englischsprachigen Texten ja jetzt auch nicht geisteskrank auf den Text. Und wir haben auch Songs geschrieben, wo wir einfach nur eine Strophe geschrieben haben. Oder wenn wir mit der zweiten nicht weitergekommen sind haben wir uns gesagt „fuck it, wir singen einfach die erste noch mal“ Und das ist bis heute auch keinem aufgefallen.
„Deutsche Texte klingen sehr schnell kitschig. Da habe ich Angst vor.“
Anna: Okay wow, das ist mir tatsächlich auch noch gar nicht so genau aufgefallen. War es für euch eigentlich eine aktive Entscheidung, dass ihr auf Englisch schreibt oder haltet ihr es euch auch offen, Songs auf Deutsch zu schreiben?
Carlo: Ist immer noch offen, ich habe auch mit meinen Homies auch schon mal Texte auf Deutsch geschrieben. Die klingen aber irgendwie bisher immer noch blöder. Vielleicht schreiben wir mal irgendwann einen auf Deutsch. Ich glaube, dass wir uns da nicht so extrem festlegen. Aber aktuell glaube ich, fühlen wir uns ganz wohl mit Englisch. Ich glaube, Deutsch ist immer die größere Herausforderung. Ich glaube, als Muttersprachler kann dich ein deutscher Text krasser berühren als ein englischer Text. Also ich glaube, ein gut geschriebener deutscher Text ist gefühlvoller als ein gut geschriebener englischer Text für deutsche Zuhörer:innen. Aber man ist im Deutschen auch extrem dazu geneigt sehr kitschig zu klingen. Da habe ich ein bisschen Angst vor. Denn wenn man auf Deutsch singt, achtet man ja sofort viel stärker auf den Text. Das wäre doch irgendwie komisch, wenn ich mich auf die Bühne stelle und singe „Ich liebe dich unterm Sternenhimmel“. Das ist direkt so privat. Mann kann gar nichts mehr verstecken.
Anna: Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Was würdest du sagen, ist für euch so die größte musikalische Inspiration momentan?
Carlo: Das ist schwierig so allgemein zu sagen. Also ich kann jetzt erst einmal von mir reden, das ist dabei bei uns allen sieben irgendwie bei jedem anders. Ich glaube bei mir hört man momentan die Musik, die ich gerne höre nicht aus der Musik heraus, die ich mache. Ganz am Anfang von unserer Band habe ich zum Beispiel extrem viel Skeggs gehört. Diese australischen Surf Skate Punkbands fand ich extrem cool letztes Jahr. Und dann muss ich selber mal gucken, was habe ich denn hier heute gehört? (schaut in seinem Spotify Verlauf nach) Ich habe heute die 2018er Platte gehört von Das Paradies. Kennst du die?
Anna: Nee, sagt mir tatsächlich gerade nichts.
Australian Surf Pop als Inspiration für den EASY EASY Sound
Carlo: Kannst du dir auf jeden Fall mal anhören, die ist richtig nice. Ansonsten habe ich in letzter Zeit super viel Sports Team gehört. New Order finde ich im Moment aber auch wieder krass. Ja so, die Bands würde ich so aktuell nennen, aber es ist doch immer sehr tagesformabhängig bei mir. Ich. Finde schwierig zu sagen, welcher Künstler einem die größte Inspiration war. Ich glaube die erste Band, die bei mir ausgelöst hat, Musik zu machen war damals Sticky Fingers.
Anna: Was meinst du wäre für eure Band ein Traum-Feature Artist? Oder lieber keine Features?
Carlo: Auf jeden Fall Features! Ich glaube, man hätte eine sehr gute Zeit mit Mac DeMarco. Ich glaube, das macht Spaß mit dem zu produzieren. Ansonsten, was wäre noch krass … (überlegt) Ja, LCD Soundsystem wäre für mich aktuell krass, das höre ich sehr viel im Moment und mit James Murphy im Studio zu stehenwäre schon krass. Ich glaube, dass wir mit dem einen richtigen Dance-Song produzieren könnten.
Anna: Oha, ja, das sind beides krasse Künstler! Aber zurück zu euch: Wie war für dich und euch als Band denn so der Sommer jetzt? Ich habe gesehen, dass ihr eure erste kleine Tour gemacht und die Songs live gespielt habt. Wie fühlt sich das an?
Carlo: Es hat einfach so Spaß gemacht! Da haben wir auch wieder gemerkt, dass wir fünf Jungs einfach eine Live-Band sind. Merkt man denn auch bei allen so, dass das genau der Grund ist, warum wir das machen. Also klar, Musik im Studio machen ist auch toll, aber live ist nochmal was anderes. Das ist das geilste Gefühl, was du durch Musik bekommen kannst. Und Ende August haben wir zum Beispiel ein Konzert gespielt mit den Boys von Sakropolis zusammen hier bei uns in Köln in so einem Kiosk. Auf einmal kamen ganz viele Leute , sodass es am Ende um die 100 waren alleine in dem Kiosk! Und dann haben die auch so die Texte mitgesungen und das war krass. Das hat so Spaß gemacht und da geht man auch wirklich runter von der Bühne und ist den ganzen Abend happy. Da singen einfach Leute die Texte mit, die man teilweise nachts um 5 Uhr im Suff geschrieben hat. Darauf musst du erstmal klarkommen. Ist ein krasses Kompliment irgendwie.
Das Glücksgefühl nach einem Live-Konzert ist nicht zu toppen
Anna: Ist denn für die Zukunft schon mehr geplant?
Carlo: Auf jeden Fall! Im Oktober spielen wir noch vier oder fünfmal, drei Mal in Köln und einmal (hoffentlich zweimal) in Hamburg. Und dann im Januar gehen wir auf unsere erste richtige, größere Tour. Hoffentlich. Mal schauen, ob das funktioniert, da sind wir gerade noch in der Planung.
untold story
Anna: Sehr cool! Okay, letzte Frage für heute: Was ist eure EASY EASY untold story? Untold stories sind bei uns in Interviews Geschichten von Bands und Künstler:innen, die sie noch nie in einem Interview erzählt haben, die aber eigentlich total lustig, spannend, interessant zu erzählen sind. Fällt dir da zufällig etwas ein?
Carlo: Doch, es fallen mir auf jeden Fall ein paar Geschichten ein. Das Problem ist nur: Die Geschichten, die wir in Interviews nicht erzählen, die können wir auch nicht erzählen. Aber es gibt Sachen, dass man selber keinen Gefallen mit, wenn wir das erzählen, beziehungsweise die sollten wir lieber niemandem erzählen (schmunzelt). Aber du hast Glück: Da gibt es doch noch eine aktuelle Story, die ganz lustig ist. Und zwar habe ich mir den Fuß verbrannt auf der Bühne vor ein paar Wochen. Da haben wir auf auf dem Bulli Summer Festival gespielt am Freitag und das hat den Veranstaltern so sehr gefallen, dass sie uns gefragt haben, ob wir am Samstag noch einmal spielen wollen. Und natürlich hatten wir Bock! Dann sind wir noch kurz vor knapp zum Baumarkt gefahren, also Schlafsäcke hinzu geholt, uns da ein Zelt organisiert, alle da gepennt und dann am nächsten Tag mit so zwei Stunden Schlaf und übertrieben verkatert noch so drei Sets gespielt. Eins von den Sets war wirklich so extremst in der Sonne und ich war so gut drauf, da hab ich gesagt „So Leute, ich spiele jetzt barfuß“. Dann bin ich da so ein bisschen rum gezappelt, wie ich es halt immer auf Konzerten mache. Und irgendwann habe ich so gedacht, ich jetzt einen nicen Move und wollt so ganz cool, meinen Fuß so vorne auf den Monitor drauf stellen. Und dann habe ich aber nicht bedacht, dass der halt zwei Stunden lang in der prallen Sonne die ganze Zeit stand, da ich meinen Fuß so drauf und dann so direkt meinen Fuß übelst verbrannt. Es hat wirklich eine ganze Woche lang übertrieben wehgetan. Kann ich also nicht empfehlen. Aber ansonsten hat Luis sich zum Beispiel auf der Bühne einmal fast übergeben. Ich weiß nicht, ob er seine Haare oder eine Zigarette verschluckt hatte, eins von beidem. Und dann musste er fast kotzen auf der Bühne. Das war lustig – also für uns zumindest, für ihn eher weniger.
Anna: Aua, so einen verbrannten Fuß stelle ich mir echt sehr schmerzhaft vor. Aber danke, dass du die Stories mit mir geteilt hast und danke für das Interview. Bis zum nächsten Mal!
Hier könnt ihr in die Debüt-EP „Lemon Squeezy“ von EASY EASY reinhören!
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