BROCKHOFF ist nicht, wie das erste Google-Ergebnis befürchten lässt, der „größte lokale Gewerbemakler in Deutschland“, sondern empowernder Indie-Garage-Rock der Hamburgerin Lina Brockhoff. Ihre Debüt-EP “Sharks“ hat 2022 schon für großen Wirbel in der deutschen Indie-Rock-Szene gesorgt. Seit 2024 war es etwas ruhiger um die Musikerin – aber nicht ohne Grund. Jetzt versorgt BROCKHOFF uns mit ihrem Debütalbum „Easy Peeler“ und mit einer Menge neuer Indie-Rock-Hymnen.
Eigentlich wollte BROCKHOFF ihr Debütalbum schon im vergangenen Jahr veröffentlichen. Warum sich die Sängerin aus Hamburg dann aber doch länger Zeit gelassen hat und froh darüber ist, das verrät sie im Interview.
BROCKHOFF im Interview
Welche Musik hat dich durch das Jahr 2025 gebracht?
Bei mir war auf jeden Fall das neue Album von Momma ganz hoch im Kurs, das im April rausgekommen ist. Ansonsten höre ich gerade auch sehr viel das Album „Adult Romantix“ von Winter – das ist auch sehr so 90s Grunge Musik. Das sind auf jeden Fall zwei Favourites. Ansonsten hatte ich auf jeden Fall eine krasse Alanis Morissette und Avril Lavigne Phase im Sommer. Da hatte ich so eine komplette 90s/early 2000er Nostalgie Phase.
Jetzt war es sehr lange etwas ruhiger um dich und deine Musik. Vor der ersten Album-Single „The Carpet Song“ kam eineinhalb Jahre erstmal nichts. Magst du uns einmal aufklären, warum so eine lange Pause war?
Ich habe mir einfach sehr viel Zeit genommen, um das Album fertig zu stellen. Ich glaube das war auch die richtige Entscheidung. Ich hatte das Album auch schon einmal grob angekündigt Anfang letzten Jahres und dann haben wir den Release noch mal verschoben. Am Ende haben ein paar letzte kreative Prozesse im Mixing und Mastering länger gedauert als geplant. Aber auch ein paar Fragen rund um „wie will ich das Album releasen“ waren noch unklar. Grundsätzlich fand ich es super wichtig, mir Zeit zu nehmen mit dem Album. Ich habe mich auch entschieden, das Album mit meiner Live-Band einzuspielen und dementsprechend war der Prozess vielschichtig. Erstmal habe ich Songs geschrieben, Demos gesammelt, dann haben wir die als Live-Band entsprechend geprobt. Das war alles noch ein großer Vorproduktionsschritt. Dann sind wir ins Studio gefahren, haben dort das Album aufgenommen und dann habe ich es wiederum hier in Hamburg im Studio zusammen mit Christian Hartung ausproduziert.
Rückblickend: Findest du, es hat sich gelohnt die Zeit zu nehmen?
Auf jeden Fall! Es war schon immer mein größtes Ziel und mein größter Traum, ein eigenes Album zu releasen. Das ist einfach so ein Gesamtwerk, vor allem mit Band zusammen aufzunehmen im Studio. Für diesen ganzen Prozess wollte ich auch einfach voll und ganz dabei sein und nicht zwischendurch schon anfangen, Sachen zu releasen. Deswegen war es auf Social Media bei mir sehr ruhig – das tat aber auch gut.
Kommen wir zum Album: Wann sind die ersten Songs vom Album entstanden?
Es gab nicht den einen Zeitpunkt, wo ich gesagt habe: Ich schreibe jetzt fürs Album. Bei mir entstehen regelmäßig Songs. Deswegen hatte ich einen Pool an Songs und Demos in meinem Kopf oder auf meiner Festplatte gesammelt. Auf dem Album gibt es also auch Songs, die sind schon 2020 entstanden – also schon fünf Jahre alt. Die meisten anderen sind eher so zwei, drei Jahre alt. Manche kommen auch aus 2024. Einige Songs haben wir auch live schon länger gespielt.
Würdest du sagen, das Album klingt – auch wenn einige Songs schon älter sind – ein bisschen anders oder vielleicht sogar erwachsener als die Musik, die du vorher releast hast?
Ich würde es nicht unbedingt als erwachsener betiteln. Es war eher eine andere Art von Arbeit. Ich habe mir für das Album die Zeit genommen, einen roten Faden durch das Gesamtwerk zu ziehen: Wie sollte der Sound des Albums sein, welche Gedanken bringe ich ins Album? Aber es ist auf jeden Fall etwas mutiger.
„Es geht um Beziehungskrisen, zwischenmenschliche Herausforderungen“+

Was würdest du so sagen, hat dich thematisch zu den Songs auf dem Album gebracht?
Es gibt auf jeden Fall immer wieder krasse Umbrüche im Leben. Bei meinen ersten Songs, die rausgekommen sind, hat mich sehr viel der Umzug nach Hamburg und das Ankommen dort beschäftigt. Auch jetzt erinnere ich mich in Teilen oft noch an die Zeit. Es gibt auch ein, zwei Songs auf dem Album, die noch aus dieser Zeit stammen. Da war ich trotzdem überrascht, wie aktuell diese Gefühle immer noch für mich sind. Ich hätte die Songs auch nicht auf das Album gepackt, wenn ich mich nicht mehr mit ihnen identifizieren könnte. Dadurch, dass die Songs innerhalb von fünf Jahren entstanden sind, sind es alles eher einzelne, abgeschlossene Stories in sich und kein Konzeptalbum.
Es geht um Beziehungskrisen und um die Herausforderungen jegliche Art von zwischenmenschlichen Beziehungen zu pflegen, wenn man so viel unterwegs ist, wie ich es die letzten zwei Jahre war, um den Traum von einer musikalischen Karriere zu verfolgen. Das sind die Dinge, die mich vor allem die letzten drei Jahre beschäftigt haben, seitdem ich Musik veröffentliche.
Gibt es vielleicht trotzdem einen Unterschied in dem Fokus der Themen?
Es geht auf dem Album auch viel um meine Rolle als Musikerin in der Musikwelt. Ich bin ja jetzt seit gut drei, vier Jahren in der Branche. Zwischenzeitlich ging es mir da nicht so gut. Auf dem Album reflektiere ich das und mich selbst mehr. Vor allem der Song „Easy Peeler“, dessen Titel ja auch das Album trägt, zeigt das. Zu Beginn meiner Musikkarriere war noch alles super frisch und aufregend. Aber so nach zwei, drei Jahren kam dann immer mehr Stress und Druck. Da fiel es mir schwer, meinen Weg dort durchzufinden. Diesen Leistungsdruck verarbeite ich auf dem Album in gewisser Weise.
Magst du beschreiben, warum du dich so unwohl gefühlt hast?
Da war auf einmal so ein Druck von außen, dem ab einem gewissen Punkt nicht mehr so gut standhalten konnte. Dazu kamen noch die eigenen Erwartungen, die dann immer höher wurden.
„Ich hatte oft das Gefühl, dass Sensibilität und Emotionalität im Weg stehen“
Du hast gerade schon gesagt, dass der Albumtitel „Easy Peeler“ das gut zusammenfasst. Magst du einmal erklären, was ein „Easy Peeler“ ist?
Der Begriff „Easy Peeler“ hat mich schon beim ersten Hören fasziniert. Ich bin darauf in dem Song „Better Than Blue“ der Band Flyte gestoßen, und dieses Bild – etwas, das sich leicht schälen lässt, wie eine Clementine – hat sofort etwas in mir ausgelöst. Für mich stand das sinnbildlich für Sensibilität, für das Sich-Häuten, das Offenlegen der eigenen Schichten. Genau so habe ich mich in der Zeit gefühlt, als ich an meinem Album gearbeitet habe – sehr verletzlich, sehr emotional.Lange dachte ich, das seien eher Schwächen, besonders in der Musikbranche. Ich hatte oft das Gefühl, dass Sensibilität und Emotionalität einem im Weg stehen, dass man härter im Nehmen sein müsste. Aber ich habe gemerkt, dass gerade diese Eigenschaften meine größte Stärke sind. Ohne sie könnte ich gar nicht so schreiben, wie ich schreibe. Mein Bauchgefühl, meine Entscheidungen, meine Texte – all das hängt mit dieser Feinfühligkeit zusammen.
Dadurch wurde „Easy Peeler“ für mich zum Symbol: dafür, dass es keine Schwäche ist, offen zu sein, sondern eine Form von Mut. Ich habe gelernt, dass man sensibel und gleichzeitig stark sein kann – entschlossen, selbstbewusst und trotzdem emotional. In unserer Gesellschaft wird das oft gegeneinander ausgespielt, besonders bei Frauen. Aber ich finde, man darf beides sein. Und ehrlich gesagt: Ich finde es schön, wenn Menschen ihre Emotionen zeigen – das bedeutet doch, dass sie sich sicher genug fühlen, sie zuzulassen.
Wie zum Ende jedes unserer Interviews die Frage: Was ist dein untold secret? Dein Geheimnis, eine Geschichte, die bisher noch niemand kannte?
Meine erste Band hieß Lina & Nina. Die hatte ich mit 11 Jahren. Da habe ich teilweise gerappt. Diese Aufnahmen bleiben wohl für immer ein secret.
Fotocredit: Charlotte Krusche




















