Autor: Anna N.

  • Irgendwo zwischen KI-Falle und Comfort Zone

    Irgendwo zwischen KI-Falle und Comfort Zone

    Ich muss gestehen: Ich bin Opfer der Spotify-KI geworden. Jetzt denkt ihr vielleicht: Obviously, wenn du die App nutzt. Nur ist mir das für mich größte Problem dieser KI in diesem Jahr erst so richtig klar geworden. Ich lasse jetzt mal die schlechte Bezahlung kleiner Künstler*innen und die problematischen Finanzierungen des Unternehmens außen vor und bin ganz egoistisch. Mein Problem mit Spotify: Ich höre immer die gleiche Musik.

    Bei der Vielzahl der Playlists, die der Algorithmus speziell für mich erstellt, hat mich die Bequemlichkeit überkommen. Ein Klick und es läuft Musik, die ich mag – ohne, dass ich überhaupt wusste, was ich gerade hören möchte. Entscheiden kann ich mich sowieso schon eher schlecht, da nehme ich doch gerne jede Option, mir eine Entscheidung abnehmen zu lassen.

    Deswegen starte ich den Jahresrückblick direkt mit einem guten Vorsatz für das kommende: Wieder bewusster Musik hören und mir nicht so einfach vorgeben lassen, was ich höre. Zum Glück habe ich trotzdem eine Menge Musik gehört, die ich auch wirklich gut fand und auch nicht nur von der KI vorgegeben bekommen hab. Also gehen wir rein.

    Nostalgie der Jugend

    Dass ich 2025 wenig aus meiner Wohlfühl-Bubble rausgekommen bin, habe ich teils auch selbst zu verantworten. Denn in diesem Jahr sind einige gute Alben rausgekommen von Artists, die ich schon seit einigen Jahren nicht aus meinem Kopf bekomme. Ganz vorne mit dabei: Lorde.

    Songs wie „Buzzcut Season“ oder „Perfect Places” haben mich durch meine Jugend begleitet. Und genau diese Energie aus den Alben „Pure Heroine“ und „Melodrama“ hat Lorde in „Virgin“ wieder aufleben lassen. Dieser Mix aus schnellen und tiefen gefühligen Liedern hat mich direkt gecatcht – aber vor allem die Texte. Lorde singt klar und deutlich übers Erwachsenwerden, alle Höhen und Tiefen, die es mit sich bringt. Und dabei passt sie nicht in das glattgebügelte Pop-Girly-Bild à la Taylor Swift oder Sabrina Carpenter. Lorde ist die Pop-Ikone für die weirden Girls. Unsere Queen B hat uns dieses Jahr mal wieder gezeigt, wie sch*** egal es ist, was andere denken. Genau den Spirit sollten wir uns beibehalten.

    Als nächstes in meiner Wohlfühl-Bubble: Royel Otis. Die beiden Indie-Boys aus Australien haben schon im vergangenen Jahr meine Playlist bestimmt. Deswegen halte ich mich dieses Mal etwas kürzer. Aber mit dem neuen Album „hickey“ habe ich mich noch einmal mehr in die Musik von Royel Otis verliebt – und das hat gedauert. Denn als ich das Album zum ersten Mal beim Pre-Listening im Plattenladen meines Vertrauens (Green Hell Records in Münster) gehört habe, da war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht.

    Beim ersten Hören ist mir erstmal kein Song herausgestochen (außer die Singles, die vorab released wurden). Ein klassischer Fall von „trust the process“. Ein paar Tage später lief das Album rauf und runter und mein Favorit wechselte quasi wöchentlich. „who’s your boyfriend“ und „say something“ sind mir am meisten hängen geblieben.

    Am liebsten schreibe ich immer über meine Neuentdeckungen des Jahres. In diesem Jahr möchte ich euch deshalb Chloe Slater ans Herz legen. Die 22-jährige habe ich recht zufällig auf dem Appletree Garden Festival in diesem Jahr gehört, eigentlich nur, weil mich die anderen Bühnen gerade nicht überzeugt haben. Dabei habe ich Chloe Slater total unterschätzt. Sie hat mich und den Rest des Publikums von der ersten Sekunde des Gigs direkt in ihren Bann gezogen. Die Britin bringt eine unbeschreibbare Energie auf die Bühne, grölt sich ihr Herz aus der Seele und schafft es dann noch auf sympathische Weise, in fast jeden Song eine politische Botschaft zu verpacken.

    „I’m sick and tired of the state of this nation”

    Ein Song über ihren shitty landlord, der sie in London in einer eigentlich unbewohnbaren Wohnung hausen lässt („Death Trap“). Der nächste Song über die „War Crimes“ der britischen Regierung, gefolgt von „Nothing Shines On This Island“, das den Lifestyle der Reichen kritisiert und aufzeigt, wie es den unteren Schichten Großbritanniens immer schlechter geht.

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    Man könnte fast sagen, Chloe Slater verpackt ihre Gesellschaftskritik und politischen Analysen in Songs. So negativ das vielleicht klingen mag, umso schöner klingt es. Denn natürlich gehören zum Repertoire von Chloe Slater auch melancholische Liebeslieder. Und ich bin sehr gespannt, was von der vielversprechenden Indie-Rock-Sängerin als nächstes kommt.

    Meine zweite Neuentdeckung, die ich euch vorstellen möchte, kommt aus Österreich und heißt Jo The Man The Music. Hier wird es jetzt weniger politisch, dafür noch emotionaler. Die super zarte Stimmung von Sängerin Johanna hört sich so warm und vertraut an, dass ich mich von Sekunde 1 verliebt habe. Ihre erste Single „Skinny Dipping“ hat mich durch den Spätsommer begleitet. Ein Mix aus leichten Strophen und starkem Chorus, der den Song niemals langweilig werden lassen könnte.  Und auch die nächsten beiden Singles, die Künstlerin in diesem Jahr veröffentlichte, schlossen genau da an. Direkt im Januar erwartet uns eine EP von Jo The Man The Music – also merkt euch diesen Namen direkt mal, er wird im kommenden Jahr noch wichtig.

    Weitere Alben, die ich 2025 geliebt habe:

    Djo – The Crux (Deluxe): Wie könnte man sich auch nicht in die Stimme vom real-life Steve Harrington verlieben? Die klingt nämlich genauso gut wie die schauspielerischen Leistungen von Joe Kerry bei „Stranger Things“. Das zeigt sich darin, dass sich „The Crux“ wie eine Geschichte hört, die sich nur als ganzes Album richtig entfaltet.

    Orbit – Countless Feelings But So Few Words: In meinen Teenie-Jahren habe ich gerne den kitschigen Spruch „Musik an, Welt aus“ benutzt. Bei der Musik von orbit passt dieser Spruch aber so perfekt, dass der Kitsch einmal wieder ausgepackt wird. Was mir diese Musik bedeutet, darüber habe ich einen ausführlichen Artikel in unserem Print-Magazin geschrieben, schaut doch da mal rein und sichert euch ein Exemplar.

    Olivia Dean – The Art Of Loving: Einfach ein Meisterwerk. Alles, was diese Frau produziert, klingt unglaublich harmonisch und originell. Die Songs bleiben im Gedächtnis und verlassen es auch so schnell nicht wieder.

    Wet Leg – moisturizer: Diese Band bringt eine Energie auf die Bühne, die sie im Album ganz gut konserviert. Einfach mal kreischen in einem Song? Ja, gar kein Problem. Vor allem „CPR“ hat es mir angetan.

    The Neighbourhood – (((((ultraSOUND))))): DIE Band, die mich begleitet seitdem ich 12 bin. Absolute Comfort-Musik für mich. Da das Album aber erst im November rausgekommen ist, steht es im internen The Neighbourhood-Ranking noch recht weit hinten, ich bin aber zuverlässig, dass sich das noch ändern wird.

    Natürlich gibt’s noch eine ganze Menge mehr Songs, die mich durch mein Jahr begleitet haben, deswegen habe ich sie euch hier in einer Playlist zusammengestellt:

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  • Dolphin Love im Interview: »Ich schreibe Songs für live – nicht für Algorithmen.«

    Dolphin Love im Interview: »Ich schreibe Songs für live – nicht für Algorithmen.«

    Weite Fläche, flirrendes Licht, irgendwo ganz hinten klingt Musik an – wie eine Erinnerung, die plötzlich wiederkommt. So beginnt nicht nur der Kurzfilm zur zweiten EP „Who Speaks Your Mind“ von Dolphin Love, sondern auch der Eintritt in seine Soundwelt, die irgendwo zwischen Nostalgie, Aufbruch und völliger Entrücktheit schwebt.

    Seit der Debüt-EP 999 im Jahr 2022 ist klar: Dolphin Loves Musik ist keine, die sich einfach in ein Genre pressen lässt. Sie ist mal beatlastig und verspielt, mal roh und introspektiv. Zwischen Hip-Hop-Produktion, Gitarrenflächen und einer Stimme, die manchmal mehr Textur als Erzählstimme ist, entsteht eine Musik, die nicht gefallen will – sondern fühlen. Mit der dritten EP Not From Here, die am Freitag, 11. April, erschienen ist, wird dieser Eindruck noch einmal vertieft: Es geht ums Verlorensein, um das Schweben zwischen gestern und morgen, zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

    Dass Dolphin Love am liebsten alles selbst macht – von der ersten Idee bis zum finalen Mix –, merkt man der Musik sofort an. Hier wird nicht für TikTok produziert, sondern für die echten Momente: fürs Zugfahren bei Regen, fürs Rumliegen mit offenen Fenstern, fürs Da-sein (oder eben Nicht-Da-sein).

    Wir haben mit Dolphin Love über das Entstehen der neuen EP gesprochen, über das Gefühl, ständig zwischen Zeiten zu hängen – und darüber, warum Musik manchmal der einzige Ort ist, an dem man wirklich hier sein kann.

    Dolphin Love im Interview

    Hi Coco, wie geht’s dir gerade so?

    Mir geht’s echt ganz gut. Ich mache gerade wieder viel neue Musik, arbeite mit einem anderen Künstler zusammen – das ist gerade echt schön. Und die Sonne hat eben geschienen! Das hebt die Stimmung total. Und ich bin gerade auf wieder auf dem Land, das tut immer ganz gut nach einer intensiven Zeit in Berlin.

    Das kann ich mir gut vorstellen! Wenn du deine Musik in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?

    Leicht, unkompliziert und frei. Irgendwie beschreibt das ganz gut diese Weite, wenn ich Musik mache und auch eine gewisse Leere.

    Wie wird aus so einem Gefühl dann eigentlich ein Song bei dir?

    Ganz unterschiedlich. Es ist total tagesformabhängig. Meistens passiert’s einfach. So ein Moment, der plötzlich da ist – und den muss man dann greifen. Die besten Songs entstehen oft ganz schnell, wenn man den Impuls direkt aufnimmt und nicht zu lange dran rumbastelt.

    Hast du dann später manchmal so das Gefühl: Hätte ich das doch noch verändert…?

    Früher auf jeden Fall! Aber mittlerweile bin ich da entspannter. Ich denk mir: Das war’s – besser fertig als perfekt. Das ist eigentlich viel schöner. Zu viel Feinschliff killt manchmal den ursprünglichen Vibe.

    Produzierst du deshalb auch lieber alleine?

    Ich liebe beides. Allein zu schreiben hat was Besonderes – aber mit anderen gemeinsam Musik machen, das ist auch richtig schön. Das ist immer ein ganz besonderer Moment. Ich produziere auch gerne für andere. Diese Momente zusammen sind total wertvoll.

    Könntest du dir ein Feature vorstellen?

    Auf jeden Fall! Ich plane gerade, Dolphin Love zu erweitern und mit anderen Künstler*innen zusammenzuarbeiten. Gerade mit Leuten, die musikalisch einen Kontrast bilden – das reizt mich total. Ich bin auch einfach sehr hungrig danach, Input von anderen Leuten zu bekommen.

    Und wenn du träumen dürftest: Wen würdest du gerne mal featuren?

    Boah, gute Frage. Vielleicht Spacey Jane, die australische Band. Oder ein Rapper wie Larry June – ich mach den Beat und er rappt drüber. Irgendwas außerhalb meiner Indie-Comfort-Zone.

    Früher hast du ja viel solo gespielt, jetzt öfter mit Band – was gefällt dir besser?

    Mit Band ist’s tausendmal geiler. Früher hab ich in The Attic Nights gespielt und auch Schlagzeug in anderen Bands. Live mit Leuten auf der Bühne – das ist so eine Energie, die man teilen kann. So ist das auch mit Jan, meinem Drummer. Er ist einfach ein Herzensmensch. Mit ihm ist’s auf und neben der Bühne einfach schön. Schöner als alleine.

    Wie lang dauert es bei dir eigentlich, bis ein Song fertig ist?

    Kommt drauf an. Bei der neuen EP hatte ich es das erste Mal, dass die Versionen teilweise ewig rumlagen. Manche Songs haben sich echt über Monate entwickelt. Ein Song kommt sogar noch von April 2023. Manchmal lagen sie einfach rum, dann kam nach zwei Monaten plötzlich die Strophe. Ich hab sie lang reifen lassen und geguckt, ob sie auch nach vier, fünf Monaten noch für mich funktionieren. Erst dann war klar: Das sind die Songs für die EP.

    Ich hab beim Hören gedacht: Die neue EP klingt anders als dein Debüt. Es ist immer noch Dolphin Love, aber schon sehr anders. Wie siehst du das?

    Ja, voll. Die neue EP ist soundmäßig aufgeräumter. Ich hab beim Mixen viel dazugelernt. Früher war’s mehr Trial & Error, jetzt hab ich klarere Vorstellungen. Aber ich lieb’s auch, wieder rougher zu werden – weniger glatt, eher gefühlig. Da werden die nächsten Songs auch wieder eher hingehen.

    Finde ich total spannend, weil du ja auch nicht drauf zu achten scheinst, wie lang deine Songs sind. Da gibt’s zwischen einer Minute Intro und 7 Minuten Versionen ja alles. Machst du dir da manchmal Gedanken, dass du Songs besser an einen Algorithmus anpassen müsstest?

    Gar nicht. Ich schreibe für Live – nicht für Algorithmen. Wenn ein Song sieben Minuten braucht, dann bekommt er die auch. Ich liebe es, mich davon freizumachen, in ein Raster passen zu müssen. Es muss einfach zu dem Lied passen. Wir haben ja vor eineinhalb Jahren auch den Kurzfilm Who Speaks Your Mind gefilmt, der ist ein gutes Beispiel dafür: Die Geschichte braucht den langen Song, um zu wirken. Zwei Minuten hätten da nichts gebracht. Dann wäre es gar nicht rübergekommen.

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    Kommen wir zurück zur EP „NOT FROM HERE“: Worum geht’s thematisch?

    Um das Gefühl, nicht richtig da zu sein. Deswegen heißt sie auch „Not From Here“. Ich bin oft zu weit vorne oder hinten im Leben, so zumindest mein Gefühl. Ich bin im Kopf immer wo anders – nie so richtig im Moment. Manchmal denk ich an die Zukunft und denk so: „Scheiße, wie wird das wohl?“ und dann denke ich wieder: Lebe doch einfach im Moment. An anderen Tagen hänge ich gedanklich noch total in der Vergangenheit. Aber das bringt auch nichts, weil ich das eh nicht mehr beeinflussen kann.

    Klingt sehr relatable – auch ein bisschen nach dieser typischen 20er-Jahre-Existenzkrise.

    Total! Dieses „Was mach ich eigentlich mit meinem Leben?“, gepaart mit dem Druck, alles absichern zu müssen. Ich versuche, im Jetzt zu leben – das bringt einfach mehr.

    Okay, ich habe noch zwei Fragen zum Schluss. Nummer 1: Hast du einen Lieblingssong von dir?

    Ja! Gerade ist es „BANGALOW“, der zusammen mit der EP rausgekommen ist. Ich liebe den live einfach total – der macht so viel Spaß.

    Und zum Abschluss: Deine untold story.

    Tatsächlich fällt mir da auch direkt eine ein. Ich war mal ziemlich betrunken und hab im Bett aus Versehen auf meinen Laptop gekotzt. Da war super viel Musik drauf. Am nächsten Morgen hab ich’s gerade noch geschafft, die Songs runterzuziehen. Dann zum Computerladen – und der Typ so: „Da ist nichts mehr zu machen.“ Ja, that’s the story. Memo an alle: Sichert eure Daten regelmäßig!

    Oha, da hattest du ja gerade noch Glück im Unglück. Danke dir, Coco – für deine Zeit, deine Offenheit und natürlich deine Musik.

    Danke dir! War voll schön!

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    Fotocredit: Fioni Versace, Jens Krahe

  • Annas Jahresrückblick: Es ist keine Schande, generic girl Pop zu hören

    Annas Jahresrückblick: Es ist keine Schande, generic girl Pop zu hören

    Ich hatte ja eigentlich gehofft, mich beim Schreiben dieses Artikels auf mein Spotify Wrapped verlassen zu können, aber in diesem Jahr hat sich wohl endgültig bestätigt, was ich mir schon zu lange nicht eingestehen wollte (weil ich es eigentlich ganz genau weiß): Es werden mal wieder nur die großen Künstler*innen gepusht. Schauen wir uns das also mal anhand meiner Top 5 Songs an:

    1. Back on 74“ von Jungle
    2. howling“ von nothhingspecial (der einzige Song hier, der von einer kleineren Künstlerin kommt)
    3. BIRDS OF A FEATHER“ von Billie Eilish
    4. Nothing Matters“ von The Last Dinner Party
    5. LUNCH“ von Billie Eilish


    Ich will gar nicht abstreiten, dass ich all diese Songs nicht super viel gehört hätte, aber trotzdem beschleicht mich das Gefühl, dass bestimmten Artists da einfach der Vorrang gelassen wurde. Deswegen soll es ab jetzt um genau die Artists gehen, die nicht auf den ersten Blick ganz oben auf meiner Streaming-Liste waren.

    neue Liebe entfacht

    Mein absoluter Liebling war dieses Jahr eindeutig die Band Royel Otis. Das Duo aus Sydney hat mit ihrem neuen Album „PRATTS & PAIN“ einen Sound geliefert, der irgendwo zwischen Dream-Pop und Retro-Vibes schwebt. Ich liebe alles daran. Auch live haben mich die beiden total in ihren Bann gezogen. Ich durfte sie nämlich in wunderschöner Atmosphäre auf dem Appletree Garden Festival sehen. Wenn ihr zu dem Festival mehr lesen wollt, dann kann ich euch nur wärmstes meinen Artikel zu dem meiner Meinung nach familiärstem Festival mit krassem Line-Up empfehlen.

    Ein Song von Royel Otis hat es mir ganz besonders angetan. Vorsicht, Tränen-Gefahr: Es geht um das Cover von „Linger“ (ja, der Cranberries-Klassiker). Ich sag’s wie’s ist: Spätestens als sie den Song auf dem Festival gespielt haben, habe ich angefangen zu weinen. Freudes-Tränen natürlich.

    Mehr Frauen

    Kommen wir zu wundervollen Frauen, die mich sehr inspiriert haben. Da gibt es eine ganze Menge, besonders ans Herz legen möchte ich euch da aber Olivia Dean und Jorja Smith. Die beiden sind für mich unter den Indie-Artists auf jeden Fall die Soul-Queens. Beide haben eine total warme Stimme und ihre Songs schaffen es, auf die sanfte Art ganz tief zu gehen. Und spätestens bei der Cover-Version von „You can’t hurry love“ kann man gar nicht nicht lächeln und tanzen.

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    Die letzten Jahre hatte ich immer ganz zuverlässig BROCKHOFF ganz oben auf meiner Liste der meistgehörten Songs. Umso überraschter war ich, als ich gesehen habe, dass sie es dieses Jahr „nur“ auf Platz 6 geschafft. Das macht aber auch Sinn, denn der Song ist der einzige, den die Künstlerin in diesem Jahr veröffentlicht hat. Die Rede ist von „Bigger Picture“ zusammen mit Blush Always (ebenfalls große Empfehlung!). Aber ist auch ok, denn ich freue mich schon ganz dolle auf das Album, was nächstes Jahr rauskommt. Bis dahin schreie ich weiterhin lauthals zu dem Banger aus 2024 mit. Die rauen Gitarren und perfekt harmonierenden Stimmen der beiden Sängerinnen – wie kann man den Song nicht lieben? Ähnlich geht’s mir mit „Shame“ von Philine Sonny und Miya Folick. Beide Songs kamen auch immer genau nacheinander in meiner Playlist. Die Energy matched einfach perfekt. Die Songs passen besonders gut, wenn man gerade wütend ist – was ich ehrlicherweise sehr oft war. Der Grund waren meistens (alte, weiße) Menners. Aber da helfen doch starke Songs von starken Frauen.

    Pink Pop Pilates Girl Era

    Ich muss gestehen, auch mit hat der brat summer in seine Fänge gezogen – tatsächlich aber erst so richtig mit „brat and it’s completely different but also still brat“. Kann mir irgendwer erklären, warum „Guess featuring Billie Eilish“ so hart kickt? Wie ein musikalischer Orgasmus. Was anderes fällt mir dazu auch gar nicht ein.

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    Aufgrund mir mittlerweile gar nicht mehr so ersichtlichen Gründen dachte ich sehr lange Zeit, dass es zu uncool ist, mainstreamige Popmusik zu hören. Dadurch sind wohl so einige Banger an mir vorbei gegangen. Das habe ich dieses Jahr auf jeden Fall anders gemacht (vielleicht deswegen auch mein Spotify Wrapped?). Ich habe mich aber auf flinta artists beschränkt: Olivia Rodrigo, The Last Dinner Party, Billie Eilish. Ok, viel mehr waren es auch eigentlich, aber die liefen auf Dauerschleife.

    Vor allem das neue Album von Billie Eilish hatte es mir angetan. Ich muss ja gestehen, dass ich vorher gar nicht so ein großer Fan war, aber das Album … puh. Neben den Songs, die sowieso am bekanntesten sind (und auch toll, keine Frage) hat mich „CHIHIRO“ auch sehr gecatched. Der Song hat einfach so viele Schichten, dass mir bei jedem Hören wieder ein neues Detail aufgefallen ist. Außerdem wirkt er wie eine Geschichte, die ihre Hörenden in den Bann zieht und erst nach Ende des Songs wieder fallen lässt.

    Der Geheimtipp zum Schluss

    Ich will euch aber natürlich nicht fallen lassen, ohne zumindest eine kleine, nischige Indie-Band empfohlen zu haben. Sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen. Also: Strahlemann. Ich bin der festen Überzeugung, dass das genau die Indie-Boys sind, die euch in eurer Playlist fehlen. Strahlemann-Songs sind poetisch, süß, ein bisschen verkopft und vor allem eins: Durchdacht. Ich habe schon ein paar Mal über die Musik der vier Strahlemänner geschrieben, das könnt ihr hier lesen und hier schauen. Und wenn ihr mögt: Besucht sie doch auf Tour im Januar.

    So, genug gefaselt. Ich habe meine Top 3 Songs in unsere geteilte Jahresrückblick-Playlist gepackt. Da sind auch noch ganz viele tolle andere Songs drin. Hört doch mal rein:

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  • Eine EP wie ein Poesie Album: Jakob Longfields „Of Daydreams And Letting Go“

    Eine EP wie ein Poesie Album: Jakob Longfields „Of Daydreams And Letting Go“

    Kennt ihr diese Songs, die euch immer wieder an den einem Moment erinnern? Vor allem im Sommer gewinnen solche Songs oft an Bedeutung. Der Sonnenuntergang am Strand oder der beste Party-Abend seit langem – und bei dem einen Song erinnert ihr euch immer wieder dran. Das funktioniert genauso gut wie ein Poesie Album voller schöner Momente, die dadurch auf ewig festgehalten werden.

    Ein Poesie Album voller schöner Erinnerungen – so klingt „Of Daydreams And Letting Go“ von Jakob Longfield. Alle Indie Folk Liebhaber*innen aufgepasst: Vielleicht liefert diese EP ja genau den Soundtrack für euren nächsten Roadtrip? Wir sehen da auf jeden Fall großes Potenzial!

    Die Musik von Jakob Longfield reiht sich ganz unbemerkt in eine Playlist zwischen Größen wie Of Mosnsters And Men, Bon Iver und Mumford & Sons ein. Nostalgisch, verträumt und trotzdem mit einer Menge Ohrwurm-Potenzial. Jakob Longfield steht für die Höhen und Tiefen des Lebens, die sich in seiner Musik widerspiegeln. Seine Lieder vereinen introspektive Texte mit rhythmischen Gitarrenklängen und werden vom Gesang getragen. So auch auf der EP „Of Daydreams And Letting Go„, die wir für euch unter die Lupe genommen haben.

    Für Fans von Of Monsters And Men, Bon Iver und Mumford & Sons

    Der erste Song auf der EP ist quasi Programm „Daydreams (with M)“ start verträumt, bleibt verträumt und hinterlässt uns verträumt. Organische Indie-Folk-Elemente ziehen sich durch den Song, der in einer Berliner Wohnung als Duett entstanden ist. Und genau diese Intimität schafft es, die Spannung von der ersten bis zur letzten Sekunde aufrecht zu erhalten. Jakob Longfield erzählt von Tagträumereien und dem inneren Konflikt zwischen eigenen Vorstellungen und der Realität. Mit seinem warmen Gefühl eignet sich der Song perfekt für lange Sommerabende.

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    Not Sure Anymore„, die zweite Single, macht genau da weiter, wo der EP-Einstieg mit angefangen hat: Er verbindet ebenfalls organische Indie-Folk-Elemente mit einem treibenden und komplexen Sound. Der Song thematisiert das Erwachsenwerden, geplatzte Träume und eine Abwärtsspirale, die einer Depression gleicht. Damit werden wir aber nicht alleine gelassen. Trotz der schweren Themen vermittelt die warme Produktion eine hoffnungsvolle Botschaft, dass letztlich alles gut wird.

    „we let go, if you want to“

    Morning Light“ entstand, so erzählt Jakob Longfield, inspiriert von einer spirituellen Erfahrung während einer Alpenüberquerung im Sommer 2023, die Jakob als eine der intensivsten und glücklichsten Zeiten seines Lebens beschreibt. Der Song fängt die Magie eines Wandertages ein, bei dem Jakob vor Sonnenaufgang aufbrach, um innere Ruhe zu finden – und dabei nimmt er uns mit. Durch den Song hindurch sind Geräusche von Vögeln, Schritten, Regen und Wasserfällen zu hören, die der Songwriter selbst auf seiner Wanderung aufgenommen hat.

    Good Enough“ schließt die EP mit einer klaren und ermutigenden Botschaft ab: Ich bin gut genug/“I’m good enough“. Der Song erzählt von den Herausforderungen und Unsicherheiten des Lebens, aber auch von der Erkenntnis und Akzeptanz der eigenen Stärken. Der Song hinterlässt ein Gefühl des Loslassens und der Zufriedenheit. Dieses Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch die EP und bringt eine magische Leichtigkeit mit sich.


    Inspiration: Alpenüberquerung und viel Zeit mit sich selbst

    Die Entstehung und Inspiration der EP „Of Daydreams And Letting Go“ sind eng mit Jakob Longfields persönlicher Reise und seiner Alpenüberquerung verknüpft. Diese 11-tägige Wanderung im Sommer 2023 war prägend für die EP und findet sich nicht nur in den Texten und der Bildwelt, sondern auch in der Musik und Produktion wieder. „Of Daydreams And Letting Go“ ist für Jakob eine musikalische Einladung, die eigenen Träume und Ängste zu erkunden und letztlich loszulassen, um Platz für neue Erfahrungen zu schaffen.

    Egal, ob ihr euch in endlosen Tagträumen verliert oder Mut schöpft, euch Ängsten zu stellen – die EP „Of Daydreams And Letting Go“ von Jakob Longfield könnte dafür euer Begleiter werden. Von uns gibt es auf jeden Fall eine fette Empfehlung:

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    Fotocredit: Yannick Beringer

  • Kabinett nehmen uns auf ihrer EP „Blackout“ mit in eine düstere Clubnacht

    Kabinett nehmen uns auf ihrer EP „Blackout“ mit in eine düstere Clubnacht

    Versetzt euch einmal in folgende Situation: Es ist Wochenende, ihr seid mit euren Freund*innen unterwegs in einem coolen Szene-Club. Es ist dunkel, der Bass hämmert, ihr habt eine gute Zeit. Trotzdem kreisen viele Gedanken durch euren Kopf. Euer Bewusstsein wechselt zwischen „im Moment leben“ und „jedes kleinste Detail zerdenken“. Den perfekten Soundtrack für diese Situation liefert die Indie-Rock-Band Kabinett mit ihrer EP „Blackout“. Dazu sagt die Band selbst: „Nachdem wir mit unserer „Not About Us„-EP zunächst ein sehr weites Feld an unterschiedlichen Sounds und Genres erkundet haben, wollten wir uns mit „Blackout“ mehr auf eine Stimmung und eine musikalische Idee fokussieren.“

    Kabinett – wer ist das eigentlich? Fünf Jungs aus Mannheim, die Indie-Rock mit immer neuen Facetten auf die Bühne bringen. Die Band wurde Ende 2019 ins Leben gerufen. Ihre Debüt-EP „Not About Us“ erschien 2023. Mit der aktuellen EP „Blackout“ wird es düsterer und rockiger. Ein Sinneswandel? Wohl eher nicht, aber dafür eine Reise, auf die wir mitgenommen werden.

    Erwachsenwerden in vier Songs

    „Es klingt deutlich weniger nach Pop, eventuell auch weniger experimentell, dafür aber erwachsener und in gewisser Weise auch bestimmter. Es ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Songs, die zufälligerweise auf einer EP landen, sondern eine emotionale Reise. Das war uns bei dieser Produktion besonders wichtig, denn wir wollten in erster Linie ein emotionales Werk schaffen. Inhaltlich ist es daher auch deutlich persönlicher als zuvor – die Geschichten haben teils autobiografische Inhalte“, erklärt Manuel Freund, der Mann hinter dem Synthesizer.

    Der erste Track ist der namensgebende Song „Blackout“. Der Beat gibt das Tempo vor und bleibt garantiert hängen. Denn „Blackout“ zieht seine Hörer*innen direkt mit sich und entlässt sie nur schwer aus seinen Fängen. Das könnte dran liegen, dass die beschriebene Situation so authentisch ist, dass sich jede*r hineinversetzen kann. Der Song fängt eine belanglose Clubszene ein und wird dabei von einem durchgehenden Synth-Riff getrieben, liefert mit fetten Drums und Bass eine düstere Grundstimmung und wird vom rauchigen Gesang des Sängers vollendet wie eine Symphonie.

    Moonrise“: Die Partynacht ist vorbei. Der zweite Titel der EP von Kabinett baut eine Brücke zurück in die Realität. Sanfte Synthesizer und Gitarren-Sounds klingen wie das Aufwachen aus einem Fiebertraum. Gesang? Fehlanzeige, denn „Moonrise“ kommt komplett ohne Vocals aus. Eine Minute und 33 Sekunden gibt uns die Band, um für den Wechsel.

    Weiter geht’s mit „Ama Wave“ und einem dunklen, melancholischen Song. Ich fühle mich, wie am Morgen danach: Leicht verkatert, Laune mies, alles zerdenkend. Soundlich bleibt hier alles sehr minimalistisch. Auch die Stimme des Sängers bleibt leicht gedämpft und spielt der Melancholie in die Karten. Ich kann gar nicht anders, als mich in meinen Gedanken zu verlieren. Schlagzeug und Gitarre treten immer mehr in den Vordergrund und lassen auf ein dramatisches finale des Songs deuten – das bleibt allerdings aus. Stattdessen gibt’s ein ruhiges Ende, fokusiert auf die Stimme.

    Ein musicalreifer Abschluss mit „Pablo“

    Pablo“ erinnert an den Soundtrack eines Musicals. Durch den noch immer düsteren Sound und die verspielten Keys stelle ich mir eine Horde Vampire vor, wie sie auf den Streifzug zu ihrer nächsten Mahlzeit durch die dunklen Gassen einer amerikanischen Großstadt tanzen. Ein sehr spezifisches Bild, aber genau das löst „Pablo“ bei mir aus. Dabei ist der Song total persönlich. Eindringlich ruft der Sänger Sätze wie „What is wrong?“ in das Mikrofon und singt sich gegen Ende immer mehr in Rage. Im Hintergrund wird irgendetwas Unverständliches geflüstert. „Pablo, calm down“ – doch das schafft auch der Song erst in den letzten Sekunden und hinterlässt ein aufgewühltes Gefühl und offene Fragen.


    Für Kabinett ist es der erste so richtig persönliche Release. Das kann erst einmal gruselig sein, aber: „Der Release fühlt sich einfach nach dem richtigen nächsten Schritt an. Auch ein bisschen wie Erwachsenwerden. Wir haben uns für unsere Verhältnisse ganz schön geöffnet und angreifbar gemacht, aber wir stehen hinter jedem Track und freuen uns, sie mit der Welt zu teilen“, so lautet das Resümee der Band.

    Und jetzt? „Bei uns passiert zurzeit aber einfach so viel, da bleibt leider keine Zeit, sich darauf auszuruhen oder so richtig abzuschließen mit einem Projekt – zumindest mental. Wir sind direkt an der Planung der nächsten Projekte und machen zumindest musikalisch und inhaltlich keinen Stopp auf unserer Reise.“

    Alles klar, jetzt müsst ihr also nur noch die aktuelle EP „Blackout“ streamen bis neue Musik von Kabinett rauskommt. Auf geht’s:

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    Fotocredit: Laura Vollweiler

  • some sprouts im Interview: »Es war nie dafür gedacht, mal auf eine Platte zu kommen«

    some sprouts im Interview: »Es war nie dafür gedacht, mal auf eine Platte zu kommen«

    Sommer, Sonne, gute Laune: Genauso klingen die Songs von some sprouts. Die Indie-Band aus dem Süden Deutschlands klingt nach einem Strandtag im Urlaub an der spanischen Küste oder einem Sommer-Flirt im Campingtrip. Auf den Synthie-Sounds von some sprouts lässt es sich perfekt in die Leichtigkeit des Sommers träumen. Für das perfekte Gefühlsbad gibt es aber auch noch eine Portion Melancholie dazu.

    Ja, lange haben uns die Indie-Boys aus Regensburg auf ihr Debütalbum warten lassen. Sporadisch wurden Singles oder mal eine EP veröffentlicht, aber das Album ließ warten. Dabei gehören some sprouts seit 2017 zum Repertoire einer jeden Indie-Klassiker Playlists. Mit Songs wie „Someone you love“ und „She longs for you“ wurden Ohrwürmer in die Welt gesetzt, die nur schwer wieder wegzubekommen sind. Mit ihrem Debütalbum „sweet bug“ liefern die Jungs jetzt ein volles Paket an neuen Ohrwürmern. Im Interview sprechen sie darüber, warum das Album so lange warten ließ, welcher Song eigentlich nur Zufall war und wie es zu dem Namen „sweet bug“ kam.

    some sprouts im Interview

    Anna: Mögt ihr euch einmal kurz vorstellen?

    Jakob: Ich bin Jakob. Ich spiele Gitarre. Alek spielt Bass.

    Jonny: Und ich bin der Schlagzeuger Jonny. Ich bin noch recht neu dabei.

    Anna: Ihr macht jetzt seit gut 6 Jahren zusammen als some sprouts Musik. Wie kommt es, dass euer Debütalbum erst jetzt rauskommt?

    Jakob: Wir haben eigentlich immer so von Song zu Song gearbeitet. Das war für uns nie so ein Ding, ein Album zu machen, wie es vielleicht früher mal wichtig gewesen ist. Das man dann mit einem Debütalbum irgendwie mal rauskommt und dass das so der Ritterschlag ist. Das war für uns irgendwie in Zeiten des Streamings gar nicht mehr so relevant. Ob es jetzt ein Album ist oder eine EP oder man geht irgendwie von Projekt zu Projekt – das war egal. Und zum Beispiel bei der letzten EP war das auch nicht konzeptionell gedacht, sondern das hat sich dann im Nachhinein so ergeben. Okay, wir haben jetzt sechs Lieder. Lass doch eine Platte machen. So ist es dann irgendwie oft gewesen. Genau. Und dieses Mal war es dann irgendwie so, dass wir eine Phase hatten, wo wir viel geschrieben haben und dann auf einmal relativ viele Songs da waren. Und dann dachten wir, das könnten wir jetzt nutzen und da gleich ein Album draus machen.

    Der Kleber, der das Album zusammenhält: Das Schöne im Unperfekten

    Anna: Beschreibt doch mal: Worum geht es thematisch in „Sweet bug“?

    Jakob: Man macht sich dann ja irgendwie doch immer Gedanken und man könnte das jetzt schon so voll bedeutungsschwanger aufladen. Aber im Endeffekt glaube ich am Anfang stand an dem Namen so ein bisschen das Wortspiel oder der Gag. Ich glaube, es war eine Nachricht, die der Joshi mir mal geschrieben hat oder ich Joshi geschrieben habe, aber keiner konnte sich so genau dran erinnern, warum eigentlich oder wer es wem geschrieben hat. Aber irgendwie war dieses „sweet bug“ dann da und das fanden wir irgendwie witzig und auch, dass „bug“ einerseits als Käfer, andererseits wird es ja dann in der Computersprache auch als Fehler verwendet. Dieses Positive durch „sweet bug“, also das Positive in einem Fehler sehen oder dass ein Fehler auch eine Tür zu einer ganz neuen Welt sein kann. Das war dann, was uns irgendwie an dem Namen gefallen hat. Das ist eigentlich auch das, was das Album ein bisschen zusammenhält. So dieses schöne in dem Unperfekten zu sehen.

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    Anna: Würdet ihr sagen, das spiegelt sich dann auch in den Songs inhaltlich wieder?

    Jakob: Von den Lyrics würde ich sagen: Da ist es glaube ich gar nicht so klar, weil die dann doch tendenziell hauptsächlich über zwischenmenschliche Sachen gehen. Romantisch, aber auch platonische Beziehungen. Aber im Sound würde ich sagen, da kann man es schon auf jeden Fall raushören. Und wir haben auch zum Beispiel einen Song drauf, der das eigentlich ganz gut trifft. „My Idea 84“ – das war nur eine Demo, wo wir dann doch irgendwie gedacht haben: ganz nett, könnte man draufpacken und da haben wir zum Beispiel die Drums nur mit einem iPhone aufgenommen. Das haben wir aber bewusst so gelassen und auf die, auf die, auf die Platte gepackt. Also auch wie es entstanden ist. Es war nie dafür gedacht, dass es mal auf eine Platte kommt, geschweige denn irgendwie mal online geht. Es war eigentlich nur eine spontane Recording Session und die ist natürlich ziemlich voller Fehler. Und genau da glaube ich, kann man es auf jeden Fall raushören.

    Alek: Das ist dann wieder der Vorteil an dem Album, dass du das wir halt jetzt mal so einen Song haben, der eigentlich mehr so demomäßig ist oder ein Instrumental Song. Das würde man sich bei einer fünf Song EP halt dann irgendwie zweimal überlegen.

    Jakob: Ja, das stimmt. Wir haben vorher drüber geredet, wie sich das Streaming in den Recording Prozess quasi eingeschlichen hat oder die Art wie Musik gehört wird. Aber so ein Album gibt dann schon noch mal Freiheiten für unkonventionellere Sachen und aus dem Schema F ein bisschen auszubrechen.

    „Wenn man nicht zu sehr auf sich selber achtet, dann feiert man den Song mehr“

    Anna: Habt ihr denn einen Lieblingssong auf der auf dem Album? Und wenn ja, warum?

    Jonny: Das tatsächlich der einzige, auf dem keine Drums drauf sind: „Crave„. Der ist also entstanden, bevor ich überhaupt bei euch gespielt habe. Dann habe ich irgendwann mal die Demo oder nicht die Demo, sondern ja schon den fertigen Song gehört und fand den ziemlich ziemlich nice und war dann irgendwie richtig froh, dass der das dann auch auf die Platte geschafft hat.

    Alek: Ja, Witzig. Ich glaube, mein Lieblingssong ist auch einer, wo ich quasi nicht selbst drauf bin. Also da hat der Tobi Blessing in der Session den Bass eingespielt. Ich finde „Green Feather“ einfach am nicesten. Vielleicht ist es aber auch so ein Phänomen, das, wenn man nicht zu sehr auf sich selber achtet, dass man den Song mehr feiert.

    Jakob: Ja, das stimmt, wenn man das Gefühl hat, man könnte noch was ändern, dann will man es auch irgendwie ändern, wenn man es jemand anders eingespielt hat, dann hat man nicht so einen kritischen Blick drauf.

    Anna: Ich hab mal irgendwo gelesen, dass eure Musik nach Sommer klingt – find ich sehr passend. Was meint ihr, wie würde ein some sprouts song klingen, der sich nach Winter anhört? Was müsste der für Elemente haben?

    Alek: Also ich finde der Opener ist zum Beispiel so ein herbstlich, winterlicher Song von der Stimmung her. Ich glaube nicht, dass der nur nach Sommer klingt.

    Jakob: Vielleicht bräuchte es noch Glocken, um mehr nach Winter zu klingen. Müsste auf jeden Fall auch langsamer sein. Natürlich in Moll.

    Alek: Die Frage ist: Welche Songs klingen generell wie Winter? Mir fallen eigentlich nur so melodische Metal Sachen ein oder irgendwie so Weihnachtssongs.

    Jakob: Müssen wir mal ausprobieren. Das wäre vielleicht mal eine Challenge, um aus unserer Komfortzone rauszukommen.

    Die Magie der englischen Sprache in Songs

    Anna: „Es ist einfacher, Gefühle und Erfahrungen auf Englisch zu schreiben, da versteht man das nicht sofort. Wenn man auf Deutsch singt, ist man ein bisschen nackter.“ – Das ist ein Zitat aus einem Interview von 2019 (damals war ich noch bei Ernst.FM) – unterschreibt ihr das noch immer so?

    Jakob: Es ist schon so, dass Yoshi schon auch in letzter Zeit, in den letzten Jahren, auch hin und wieder mal Songs auf Deutsch geschrieben hat. Von dem her würde ich sagen, da hat sich schon ein bisschen was getan, oder Ich höre jetzt auch hin und wieder mal deutschsprachige Sachen. Genau. Aber im some sprouts-Kontext kann ich mir das nicht vorstellen. Aber es gibt auf jeden Fall Songs von unserem Sänger Joshi, die auf Deutsch sind.

    Anna: In besagtem Interview habt ihr auch erzählt, dass ihr teilweise noch mehr oder weniger im Studium hängt – wie sieht‘s an der Front denn jetzt 5 Jahre später aus?

    Jakob: Die Phase haben wir jetzt alle überwunden. Außer Jonny. Der ist genau mittendrin, sozusagen.

    Jonny: Genau, ich studiere soziale Arbeit, aber auch noch gar nicht so lang.

    Jakob: Der Rest von uns ist jetzt ins Arbeitsleben eingetreten.

    Alek: Also Jakob ist Arzt.David macht so Projektmanagement-Zeug. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni.

    Jakob: Joshi ist auch schon fertig mit Studium und in der Medieninformatik tätig. Aber er arbeitet nicht voll und hat noch etwas mehr Zeit für die Musik.

    Demos = finale Songs und warum das gut ist

    Anna: Was hat sich bei euch über die Jahre verändert – entstehen die Songs auf andere Weise oder bleibt ihr da beim Altbewerten?

    Jakob: Ja, hat sich schon verändert, würde ich sagen. Früher ist schon noch viel mehr im Proberaum entstanden. Das war aber auch als wir noch viel mehr live gespielt haben und da hat sich mehr ergeben. Da gab es dann mal eine Demo, die am iPad entstanden ist und jetzt genau produktionstechnisch weit gedacht war. Hatte eigentlich nur den Zweck, dass man es festhält. Dann haben wir halt die Songs gespielt und dann haben sie sich meist erst entwickelt und sind runder geworden. Erst dann sind wir ins Studio gegangen und haben die aufgenommen. Und jetzt bei dem Album ist viel mehr am PC entstanden. Und da haben wir dann noch viele Sachen, die in den Demos drin waren, auch in die finalen Versionen übernommen.

    Anna: Eine Frage habe ich noch: Habt ihr eine untold story für mich parat?

    Alek: Jakob dachte, dass Kraftklub an Stelle von „Wenn du mich küsst, schreibt Noel wieder Songs für Liam“ „… schreibt Bohlen wieder Songs für Liam“

    Jakob: Ich habe es einfach so hingenommen. Ich dachte klar, natürlich, Dieter Bohlen macht voll Sinn. Aber jetzt macht es wirklich viel mehr Sinn.

    Anna: Aber wenn man das halt einmal gehört hat, dann hört man das ja auch immer so weiter. Das Problem daran?

    Jakob: Ja voll, ich hab das eine Zeit lang echt nur gehört.

    Anna: Mein Beileid an dieser Stelle. Aber trotzdem danke, dass ihr diese Story geteilt habt und danke für’s Interview.

    Jakob: Danke dir und viel Spaß beim Album hören!

    Für alle, die es noch nicht getan haben, hier könnt ihr „sweet bug“ von some sprouts streamen:

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  • Traurige Indie-Songs für Außenseiter: Philine Sonny ermutigt mit ihrer „Invader“-EP

    Traurige Indie-Songs für Außenseiter: Philine Sonny ermutigt mit ihrer „Invader“-EP

    Musik für Außenseiter – das klingt erstmal total uncool, aber zeugt von großer Stärke. Philine Sonny bezeichnet sich selbst oft aus Außenseiterin oder Eigenbrödlerin. Sie hatte zu Schulzeiten keine feste Freundesgruppe, konnte sich nirgendwo so richtig einfinden und hat einen Großteil ihrer Freizeit in ihrem Zimmer verbracht, wo sie (zu unser aller Glück) ihre Gefühle in Songs verpackt hat und sich selbst das Produzieren beigebracht hat. Wenn ich sagen würde, Philine Sonny macht Indie-Musik, dann könnte ich wohl kaum eine allgemeinere Beschreibung finden – und das wird ihr auch nicht gerecht. Aber trotzdem reiht sich ihre Musik perfekt in die deutsche Indie-Bubble ein. Kein Wunder, dass sie zusammen mit Shelter Boy, Amilli oder Brockhoff musiziert.


    Ungeschönte Ehrlichkeit – verpackt in Songs

    Im Februar habe ich Philine Sonny als Vorband beim Giant Rooks Konzert gesehen. Etwas abgehetzt, weil ich mal wieder viel zu spät los gefahren bin, kam ich gerade rechtzeitig zum ersten Song der Künstlerin in der Konzerthalle an. Und was soll ich sagen – ich habe direkt geweint. Ich weiß nicht einmal genau warum, aber diese Emotionalität in den Songs von Philine Sonny kickt live einfach nochmal ganz anders. Ein Moment ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Bevor die Band „same light“ anstimmt, erzählt Philine, welche Geschichte hinter dem Song steckt: Sie erzählt, dass es ihr oft peinlich war, mit 22 noch Jungfrau zu sein und sich komisch gefühlt hat – und genau das in dem Song verarbeitet hat.

    Ganz ehrlich und ermutigend gesteht sie dann sich und dem Publikum ein, dass es doch total bescheuert ist, sich dafür zu schämen und doch jede*r das machen sollte, was und wie einem am besten passt. Diese Ehrlichkeit auf Konzerten ist nicht selbstverständlich und hat einfach ein verdammt gutes Gefühl bei mir hinterlassen. Deshalb habe ich mich auch gefühlt als würde ich in der Wolke einer wohl-warmer Umarmung liegen. Und genauso fühlt sich für mich auch die EP „Invader“ an.

    Warum heißt die EP „Invader“ Invader – also Eindringling? „Ich habe gemerkt, dass das etwas ist, wo ich Angst vor habe – in verschiedenen Bereichen meines Lebens“, erklärt Philine. „Zur Therapie zu gehen hat mir geholfen das Thema aufzuarbeiten und mir gezeigt, dass es ein großes Ding ist, was mich schon lange begleitet.“ Auf der EP nimmt Philine uns mit auf eine Art Therapiestunde und zeigt uns, dass wir uns nicht zu fühlen brauchen als wären wir ein Eindringling oder alleine mit diesem Gefühl.

    Mit „I wanna take drugs“ gibt es wohl kaum einen deutlicheren Einstieg in eine EP. Textlich zeichnet Philine ein klares Bild im Kopf: „Es ist eine romantisierte Idee, wie das Leben aussehen würde, wenn man ganz dreist und rücksichtlos die Angst hinter sich lassen würde und alles riskieren würde, um sich lebendig zu fühlen.“ Ganz im Gegensatz dazu zieht der Sound ein verträumtes Bild und lässt Grenzen verschwimmen. Egal, ob es gewollt ist oder nicht: Die romantisierte Idee wird zur Realität. Eine Realität in der alles schei*egal ist und das Bauchgefühl entscheidet, was richtig ist.


    „Somebody out there?“

    In Denial“ ist der Weckruf. Nach der verträumten Indie-Pop-Hymne rüttelt der zweite Track auf „Invader“ uns wach aus unserem Traum. Der Fokus liegt auf dem Bass und wird durch Post-Punk-Elemente  mit dem richtigen Retro-Gefühl unterstrichen – passend zur Coming-of-Age-Story, die Philine Sonny über die Lippen bringt. Immer wieder fragt sie „Somebody out there?“ und bekommt keine Antwort. Ein Gefühl, dass vermutlich viele nachvollziehen können.

    Die selbsternannte Außenseiterin spricht die Gedanken eines jeden Eigenbrödlers aus. Zwischen Einsamkeit und Wohlfühlen im Alleinsein. „Es versteckt nicht den Schmerz, der mit hoffnungsvoller, jugendlicher Beharrlichkeit daherkommt, die von der Erkenntnis überschattet wird, dass einige Dinge einfach nicht sein sollen. Es ist auch eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, zu lernen für sich selbst einzustehen.“


    Viele Fragen, wenig Antworten

    Nach dem Power-Track der EP, versetzt der langsame Acoustic-Track „Stranger In Your Living Room” uns wieder zurück in eine Gedankenwelt voller Fragen. Gehöre ich hier hin? Bin ich zu viel? Geht es gerade zu schnell? Überschreite ich hier eine Grenze? Was passiert hier gerade mit mir? All diese Fragen stellt Philine Sonny sich in „Stranger In Your Living Room”. Und all diese Fragen bleiben auch offen. Der Song hinterlässt beim Hören irgendwie ein leicht schlechtes Gefühl und bringt viele dieser Fragen in einem selbst hoch. Das gilt natürlich nur, wenn man sich drauf einlässt, denn „Stranger In Your Living Room” lässt auch sehr gut nebenbei hören und die ganzen Gefühle in den Lyrics ignorieren. Denn so viele alle Songs auf der EP von Philine Sonny verlangt dieser Song besonders, dass man sich auf ihn einlässt und sich selbst hinterfragt.

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    Die Gedankenwelt, in die Philine Sonny uns seit 3 Songs gesungen hört auch mit dem folgenden Track nicht auf – doch gibt mal wieder einen kleinen Lichtblick. „Take A While“ baut sich erst langsam mit atmosphärischen Gitarrenakkorden auf und geht dann über in einen offenen, treibenden Refrain. „Der Song ist ein Liebesbrief an alle, die damit strugglen, ihre Verletzlichkeit dem Schmerz überleben zu lassen“, erklärt Philine.

    Etwas, das ich vorher noch gar nicht erwähnt habe, fällt bei diesem Track besonders auf: Die Stimme von Philine Sonny kommt sehr sanft daher und geleitet und quasi immer weiter rein in unsere Gedankenwelt – ohne dabei aufdringlich zu werden. Zu meiner großen Freude darf aber bei „Take A While“ die Gitarre mal wieder in den Vordergrund, was dem Song eine erstaunliche Leichtigkeit verleiht.


    Die Erlösung?

    Und dann es endlich: Das Piano. Gibt es ein Instrument, das besser zu einem balladigen Track mit der zarten Stimme von Philine Sonny passt? Wohl kaum. „Lovely“ ist der wohl verletzlichste Song der EP, was durch den Einstieg des Pianos wunderschön unterstrichen wird. Und dann kickt der Herzschmerz so richtig als die verzerrte Gitarre, das hämmernde Becken und Philines hemmungsloses Jammern einsetzen. Also wer jetzt den Schmerz in dem Song nicht fühlt, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.

    Could you really tell something’s off,
    or did you just find what you were looking for?
    Did you really know from the start,
    or did you just never get over your fear of abandonment?

    „Das sind die Fragen, die „Lovely“ nie stellt“, erklärt Philine. „Diese nicht gestellten Fragen lassen Raum für Wut und Frustration, die für einen Moment die Überhand nehmen, alles rauslassen, um dann für das nächste Kapitel bereit zu sein: Selbstbeobachtung und Wiedergutmachung.“

    Mit ihrer „Invader“ EP beweist sich Philine Sonny nicht nur sich selbst eine Menge Mut, sondern ermutigt auch ihre Hörer*innen. Schmerz, Wut, miese Gefühle und ein schlechtes Gewissen – all diese Gefühle, Gedanken und Zustände sind Teil der EP, so wie sie Teil des Lebens sind. Philine Sonny besingt genau das in roher, ehrlicher und trotzdem irgendwie aufmunternder Art und Weise. Die selbsternannte Außenseiterin nimmt sich alle Außenseiter*innen da draußen und zieht sie mit sich aus ihrem Loch heraus. Und damit beweist die Künstlerin, wie relatable sie und ihre Musik sind.

    Wenn es für euch diesen Text brauchte, um auch von Philine Sonny zu überzeugen, dann hört spätestens jetzt unbedingt in ihre EP „Invader“ rein:

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    Fotocredit: Nicolas Blanchadell

  • Annas Jahresrückblick: Wie ich versuche, mich mit Wohlfühlsongs zu therapieren

    Annas Jahresrückblick: Wie ich versuche, mich mit Wohlfühlsongs zu therapieren

    Wieder einmal sitze ich vor einer leeren Seite in WordPress und soll jetzt hier mein musikalisches Jahr 2023 zusammen. Ich sag’s wie’s ist: Das fällt mir nicht leicht – es ist doch so verdammt viel passiert. Deswegen öffne ich erst einmal Spotify und spiele meinen Nr. 1 Comfort-Song ab: „Motion Sickness“ von the one and only Phoebe Bridgers. Der Song war nicht umsonst mein meistgehörter Song des Jahres laut Spotify Wrapped. Warum ich stolz darauf bin und was das mit meinen beiden vergangenen Jahresrückblicken zu tun hat – dazu gleich mehr.

    Wagen wir doch aber zu Beginn einen Blick in die Vergangenheit. Was habe ich die letzten beiden Jahre so gehört? 2021 – da war die Illusion meines perfekten Indie-Musikkonsums noch intakt. Auf der Eins war, wie ungefähr auch alle zehn Jahre davor schon, The Neighbourhood. In dem Jahr ist mir aber auch zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, dass ich zu wenig Musik von Flinta Acts höre. Die danach selbst auferlegte Frauenquote für meine Playlists hat sich dann 2022 gleich durchgesetzt. Denn da entthronte BROCKHOFF meine heißgeliebten Indie-Boys (die ja mittlerweile auch ganz zurecht sehr umstritten sind, darauf werde ich hier aber nicht eingehen).

    Aber weil es immer noch sehr nötig ist, möchte ich auch in diesem Jahr wieder mit den ganzen tollen Frauen reden, die mich in diesem Jahr begleitet haben. Und ja, es wäre mir natürlich noch lieber, wenn auch da noch mehr Diversität in der Repräsentation der Flinta-Artists wäre, aber das wird jetzt mein neuer Vorsatz für’s nächste Jahr.


    Ein Song für alle Gefühlslagen

    Ich habe eine Schwäche für zarte Frauenstimmen auf rockigen E-Gitarrensounds. 2023 hat mir da mal wieder guten Content geliefert, mich aber auch alte Lieblinge wiederentdecken lassen. So zum Beispiel der oben bereits erwähnte Song „Motion Sickness„. Ehrlich gesagt ist der Hype um Phoebe Bridgers lange Zeit spurlos an mir vorbei gezogen, weil ich mich einfach gar nicht mit ihr beschäftigt hatte. Zum Glück hat sich das in diesem Jahr geändert, denn selten hat ein Song so viele Emotionen gleichzeitig in mir ausgelöst wie „Motion Sickness„. Ich höre den Song, wenn ich traurig bin, wenn ich glücklich bin, wenn ich überfordert bin, wenn ich Sehnsucht nach etwas, jemandem oder einer Situation habe. Egal wann und wie, der Song hilft einfach.

    credits gehen an @deutschband.memes auf Insta

    Nachdem im letzten Jahr meinen Artikel mit einer Lobhymne auf BROCKHOFF begonnen, möchte ich euch jetzt THALA ans Herz legen. Auch sie ist quasi der Inbegriff meiner Schwäche für zarte Frauenstimmen auf rockigen E-Gitarren. Dass sie allerdings auf Platz eins meiner meistgehörten Artists in diesem Jahr landen würde, hätte ich selbst nicht gedacht. Das könnte aber auch daran liegen, dass sich THALA-Songs perfekt für genau die gleichen Gefühlslagen eignen, wie Phoebe Bridgers. Eine weitere Künstlerin, die ich an dieser Stelle natürlich auch nicht vergessen darf: Blush Always. Ebenfalls eine wunderschöne Frauenstimme, die im Vergleich zu THALA nochmal mehr das Bedürfnis nach Rocksongs stillt.

    Das Spiderman-Meme beschreibt die drei Künstlerinnen schon ziemlich gut. Denn die Musik von allen drei geht perfekt ineinander über und trotzdem könnte ich auf keine der dreien in meinen Playlists verzichten. Es ist ein Kosmos, in dem ich mich einfach direkt wohlfühle.


    Mal wieder ein gutes Jahr für Newcomer*innen

    Aber was wäre eine gute Playlist schon bitte ohne ein,zwei nischige Newcomer*innen? Meine diesjährigen Empfehlung sind eindeutig: OSTARA, Ottolien und Moritz Ley.

    OSTARA sind Amélie und Annika, zwei Schwestern und (mal wieder) hauchzarten, verzaubernden Stimmen, die mich immer wieder in ihren Bann ziehen. Vor allem schaffen die beiden es deutsche Textpassagen wie pure Poesie klingen zu lassen. Man bekommt das Gefühl einen direkten Einblick in ihre unausgesprochenen Gedanken zu bekommen.

    Zu den Ottolien möchte ich an dieser Stelle gar nicht so viel schreiben, denn das Duo bekommt in ein paar Tagen noch ihre Würdigung in unserer Newcomer*innen-Playlist. Wer mich aber schon ein bisschen verfolgt, kennt die beiden Liebmäuse aber sowieso schon. Ihre Musik macht vor allem eins mit mir: Mich zurück in meine allerliebste Studien-Stadt Hannover versetzen.

    Auch Moritz Ley dürfte der untoldency-Gemeinde schon ein Name sein. Der Lockenkopf aus Hamburg ist in diesem Jahr so richtig mit neuen eigenen Songs durchgestartet und erfüllt alle Sehnsüchte deutschen Indie-Pops. Mir hat es der Song „Rosarot“ besonders angetan. Zum ersten Mal habe ich den Song beim Musikvideodreh gehört, aber dann gleich die volle Dröhnung: Einen ganzen Abend lang haben wir in dem verschwitzten, kleinen Kellerraum eines Studentenwohnheims dazu getanzt. Wer das Musikvideo ganz genau anschaut, könnte mich dort eventuell entdecken.

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    Neben dem ganzen deutschsprachigen Krams habe ich aber natürlich auch noch zwei fremdsprachige Songempfehlungen parat. Der erste Song hat mich auf meinen Roadtrip durch Island begleitet und deshalb einen ganz besonderen Platz in meinem diesjährigen Musikherz: „Sólblóm“ von BRÍET. Der zweite Song ist – wie könnte es auch anders sein – ein schwedischer: „Hela Tiden“ von Patino war eine Empfehlung meiner schwedischen Freundin, die mit der Band befreundet ist. Denn auch wenn ich großer Fan der deutschen Newcomer*innen-Szene bin, können unsere Nachbarländer da genauso gut mithalten.


    NNDW for the win

    Etwas verwundert hat mich mein laut Spotify meistgehörtes Genre: Neue Neue Deutsche Welle. Denn unter den Top 5 Songs war kein einziger dieses Genres vertreten. Trotzdem haben mich natürlich Artists wie Traumatin, easy easy, Serpentin, Paulinko und Nils Keppel auch in diesem Jahr begleitet. Dass die Szene immer weiter wächst und gedeiht, macht mich einfach nur glücklich.

    Kommen wir zu der krönenden Kategorie „Album des Jahres“. Würde man mich fragen, welches Album ich momentan am meisten höre, dann würde ich ohne nachzudenken sagen können: „Goldie“ von Goldroger. Hätte man mich das gleiche vor ein paar Monaten gefragt, wäre es vermutlich „Volcano“ von Jungle gewesen. Noch ein paar Monate früher wäre es vermutlich „SOAMI“ von Amilli gewesen. Aber wenn ich wirklich ehrlich bin, dann ist es „GUTS“ von Olivia Rodrigo.

    Ja, ich gebe zu, das ist nicht gerade das coolste Album und eigentlich bin ich auch ein bisschen zu alt um ein Teenie-Idol wie Olivia Rodrigo zu feiern, aber ihre Musik ist einfach zu gut, um sie nicht rauf und runter zu ballern – und deswegen stehe ich dazu. Aber schaut euch auch einfach mal diese krasse Frau an: Slay Queen einfach!

    Alle Songs und Artists zu erwähnen, die mich durch das Jahr gebracht haben, würde den Rahmen sprengen, deswegen habe ich euch noch ein paar Songs, die ich trotzdem wärmstens empfehlen kann, in eine Playlist gepackt und wünsche euch ganz viel Spaß beim Hören:

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    Fotocredit: Larissa Hofmann

  • Willow Parlo im Interview: »Das Ziel war, ihm einen Song zu widmen, den er selber gerne gemocht hätte«

    Willow Parlo im Interview: »Das Ziel war, ihm einen Song zu widmen, den er selber gerne gemocht hätte«

    Musik, voller Leichtigkeit, Hoffnung und träumerischer Nostalgie, die dir hilft loszulassen und ein Gefühl von Wärme schenkt: So klingen die Songs von Willow Parlo. Die Band aus Hamburg veröffentlichte mit „Silver Screens“ im vergangenen Jahr ihren ersten Song und landete damit direkt auf dem Radar aller Indie-Newcomer*innen-Liebhaber*innen. Jetzt legen die vier Musiker nach und veröffentlichen am 8. Dezember ihre nächste EP „See U Whenever„. Warum diese so anders klingt als die erste EP, was die Band inspiriert hat und warum „My Fathers Eyes“ der persönlichste Song – der Lieblingssong der Band – ist, verraten sie im Interview.

    Willow Parlo im Interview

    Anna: Hi,schön, dass ihr die Zeit gefunden habt, euch mit mir zu treffen. Möchtet ihr euch zu Beginn einfach alle einmal vorstellen?

    Noemi: Ich bin Noemi. Ich spiele Gitarre und singe.

    Jan: ich bin Jan und ich spiele Schlagzeug.

    Björn: Ich bin Björn und ich spiele Bass.

    Marco: Ich bin Marco und ich spiele die Ukulele. Nein, Quatsch, die Gitarre.

    Anna: Perfekt, danke! Wie geht es euch?

    Noemi: Also mir geht es, uns geht es gut. Wir sind gerade in den Vorbereitungen für unsere Veröffentlichung. Deswegen gibt es viel zu tun und wir haben auch noch ein paar Konzerte vor uns. Deswegen geht alles gerade ein bisschen drunter und rüber, aber es ist auch irgendwie aufregend und wir freuen uns auch noch darauf, was kommt bis Ende des Jahres.

    Wie aus ein paar Demos eine Band wurde

    Anna: Jetzt würde ich gerne nochmal ganz vorne anfangen, weil es euch als Band in dieser Konstellation erst seit anderthalb Jahren gibt. Wie kam es – wie ist Willow Parlo entstanden?

    Jan: Gute Frage. Eigentlich hat es ja mit euch beiden, also mit Noemi und Marco angefangen, die so zusammen irgendwie so Demos geschrieben haben. Erstmal eigentlich ohne so ganz konkretes Ziel oder auch so ein Band-Konstrukt im Hinterkopf. Und dann sind Björn und ich dazu gekommen und dann hat sich das irgendwie immer mehr so verfestigt. Gerade in der Zeit der Pandemie haben wir dann einfach viel Zeit gehabt, uns irgendwie so mit der Musik auseinanderzusetzen und da irgendwie konkretere Songs zu schreiben. Dann hat sich einfach ein konkreteres Bild entwickelt. Und da sind auch die Songs der ersten EP entstanden, die wir dann auch in der Corona Zeit aufgenommen haben.

    Anna: Die nächste Frage stelle ich nur noch super selten und ihr könnt gerne sagen, wenn ihr sie nicht beantworten wollt.

    Marco: Ich weiß, welche Frage kommt: Wie wir auf unseren Namen gekommen sind – richtig?

    Anna: Genau! Ich stelle die Frage eigentlich nur noch selten, aber heute dachte ich mir zur Abwechslung mal: Warum eigentlich nicht!

    Noemi: Ja, in letzter Zeit wurde ich das witzigerweise öfter mal gefragt und dann hat mir irgendjemand danach mal gesagt, dass die Story eigentlich  total langweilig ist. Also sollte ich es vielleicht doch nicht erzählen.

    Anna: Ach Quatsch, das ist ja alles Ansichtssache.

    Noemi: Also wir haben ja eine ganz romantische Geschichte: unsere romantische Version ist, dass wir uns in der Corona-Zeit, weil man sich nicht drinnen privat treffen durfte, draußen im Park unter einer Weide getroffen haben und „geparled“ haben. (lacht) Also von dem italienischen Wort parlo – das heißt sprechen … und Willow Parlo dadurch entstanden ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch irgendwie einfach ein Eigenname, was so ein bisschen das Ziel war in der Namensfindung. Ich persönlich fand es schön, wenn er aus zwei Teilen besteht und dass man mehr hineininterpretieren kann. Es könnte eine Person sein oder auch eine Band – man weiß es nicht.

    Jan: Ganz genau. Ich kann mich auch noch erinnern, dass wir noch was gesucht haben, wo man noch nicht so direkte Assoziationen mit hat. Irgendwie ein Wort, wo man merkt, das könnte vielleicht in die und die Richtung gehen, sondern dass man halt irgendwas findet, wo man sich seine eigenen Assoziationen zu herstellen kann. Es ist auch ein gewolltes Spiel damit, ob nicht Noemi als Sängerin vielleicht auch Willow Parlo sein könnte – also Willow Parlo als Person.

    Björn: Bei Autovermietungen sind wir auch schon bekannt als Herr Parlo, Herr Willow Parlo. (lacht)

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    Anna: Ich finde das jetzt gar nicht so langweilig! Wenn wir jetzt mal zurückblicken auf euren ersten Release zu „Silver Screens“ – wie fühlt ihr euch jetzt damit? Wie blickt ihr jetzt auf die Zeit zurück?

    Jan: Ich fand es wahnsinnig spannend, weil das ja das erste Mal war, dass wir mit der Musik, die wir gemacht haben, an die Öffentlichkeit gegangen sind. Das war eigentlich wie eine Geburt, weil vorher haben wir zwar für uns diese Musik gemacht, aber es kannte keiner, es wusste keiner davon. Und das war dann halt so dieses, dieses Heraustreten an die Welt da draußen. Und ich weiß, dass es irgendwie wahnsinnig spannend war und aufregend. Wir wussten halt irgendwie nicht, was zurückkommt, ob die Leute es gut finden, ob sie es schlecht finden.

    Marco: Ich finde jetzt auch retrospektiv betrachtet, haben wir ganz schön lange an den Sachen rumgeschraubt, bis sie dann so geworden sind, wie sie jetzt sind. Und es hat uns schon recht lange auch begleitet. Wie du sagst, das war wie so eine Geburt. Deshalb war es für mich persönlich einfach total erleichternd. Wir können da jetzt nicht mehr noch neue Gitarren aufnehmen, können da nicht mehr neue Spuren aufnehmen, können am Mix nichts mehr ändern. Das steht jetzt einfach so.

    Warum es zwei Versionen von „Silver Screens“ gibt

    Anna: Aber ihr habt ja auch zwei Versionen von dem Song, also die Single Version und die EP Version. Was steckt dahinter? Wart ihr euch nicht einig?

    Jan: Das war einfach nur so ein Zeit Ding, weil das Label dann meinte, dass gerade über Streaming Services besser läuft und sogar im Radio, wo der Song halt irgendwie auch erstaunlich gut gespielt wurde. Ich glaube die EP Version ist vier Minuten fünfzig oder so, also geht fast an die fünf Minuten – und das ist blöd gesagt einfach zu lang.

    Noemi: Aber wir hängen halt so daran.

    Björn: Also der Tipp von uns ist: Die lange Version ist der Song!

    Noemi: Für mich fehlt auch textlich irgendwie bei der verkürzten Version ein wichtiger Teil der Aussage.

    Björn: Würden wir das nochmal machen? Zwei Versionen von einem Song?

    Noemi: Nee, ich glaube irgendwie nicht.

    Marco: Nee. Entweder man sagt so „Scheiß drauf“, dann ist der halt so lange wie er lang wird oder man lässt es.

    Noemi: Und wir hatten auch einfach wenig Ahnung, wie man es jetzt richtig macht. Da nimmt man natürlich auch Tipps an und versucht es überhaupt erstmal hinzubekommen. Und es bestimmt auch ganz gut in dem Fall als erstes so eine Version, die leichter verdaulich ist, rauszuhauen als erstes Hallo.

    Anna: Wenn ihr eurer Musik ein Genre-Label aufsetzen müsstet, welches wäre das?

    Noemi: Ich finde es hat sich ein bisschen verändert. Am Anfang wurden wir voll in den Dream Pop eingeordert. Bei dem was jetzt kommt ist es aber nicht mehr ganz so richtig. Ich finde Dream Pop ist schon wirklich sehr speziell. Den hört man raus und wenn der wegfällt, dann kann man sich eigentlich auch nicht mehr als Dream Pop Band bezeichnen. Und ich finde mittlerweile ist es eher: Dreamy melodic indie Pop mit so amerikanischer Rockmusik – also Einflüssen davon. Aber ich finde, dass es eigentlich keine so super spezielle Genre Bezeichnungen braucht dafür, sondern ein Mischmasch ist.

    Anna: Eure erste EP kommt sehr verträumt und eher langsam daher. Im Gegensatz dazu steht für mich ein bisschen die zweite, kommende EP. Die Songs sind eher uplifting und irgendwie lauter. Welche Entwicklung steckt bei euch dahinter, dass das jetzt so ein Unterschied war?

    Jan: Ich glaube, der große Unterschied war, dass die erste EP ein bisschen jammiger entstanden ist. Da haben wir einfach viel Zeit im Proberaum verbracht und haben diese Songs gemeinsam gespielt und entwickelt. Und jetzt bei dieser neuen EP ist es irgendwie ein bisschen konzeptioneller. Zumindest wollten wir etwas schaffen, dass den Kern des Ganzen trifft und halt nicht mehr so rumschweifen und das einfach so ein bisschen konkreter gestalten. Also sowohl die Texte als auch die Musik ist alles ein Hauch konkreter.

    Noemi: Aber in erster Linie hängt es ja auch damit zusammen, dass man in der Anfangszeit einfach wirklich seinen Sound finden musste – es klingt klischeehaft, aber so ist es. Und ich glaube, dass mit der Zeit auch einfach mehr Selbstbewusstsein dazu kommt. Ich persönlich habe in diesem Prozess eine viel genauere Vorstellung bekommen von dem, was mir auch liegt und wo ich mich eigentlich auch schon immer zu Hause gefühlt habe.

    Jede EP spiegelt eine Lebensphase der Bandmitglieder wieder

    Anna: Spiegelt sich das auch thematisch in den Lyrics wieder?

    Noemi: Irgendwo schon. Auf der ersten EP ging es deutlich um eine Art Hilflosigkeit. Und ich glaube, das hat sich auch im Gesamtpaket bemerkbar gemacht. Und bei den neuen Sachen glaube ich nicht, dass es jetzt alles nur happy und straight forward Texte sind. Aber es ist schon, wie du schon meintest, mehr uplifting und auch irgendwie ein bisschen mehr zuversichtlich. Aber ich würde wirklich sagen, auch da selbstbewusster. Wir haben uns weiterentwickelt und jede EP spiegelt da auf eine Weise eine Lebensphase wieder.

    Anna: Habt ihr auf der neuen EP einen Lieblingssong? Wahrscheinlich werden es unterschiedliche sein, aber wenn ja – warum?

    Jan: Bei mir wechselt das witzigerweise immer. Zu Beginn war es auf jeden Fall „Can’t Get Enough„, als der gerade frisch war, weil er von der Art her sehr frisch ist und wir auch so in den Aufnahmeprozess gegangen sind. Aber ja, das wechselt immer wieder.

    Noemi: Das ist aber auch einfach unsere Pop-Single! Ich habe tatsächlich einen ganz klaren Lieblingssong und das ist auch der Wichtigste und der Persönlichste: „My Father’s Eyes“.

    Björn: Da schließe ich mich an!

    Marco: Ich auch!

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    Anna: Wie kommt’s?

    Noemi: Ich glaube einen so persönlichen Song habe ich textlich noch nie geschrieben und haben wir so auch bisher nicht veröffentlicht. Es hängt damit zusammen, dass Jan’s Vater vor knapp zwei Jahren plötzlich verstorben. Irgendwie ist dieser Song so ein Teil von dieser ganzen Zeit. Aber ich finde ihn einfach wirklich warm und schön gewandt. Ich merke auch, dass er mir auch persönlich gut tut.

    Jan: Es ist auch eine Widmung an den Menschen, was es auch musikalisch zum Beispiel sehr inspiriert hat. ich habe damals das Instrumental, kurz nachdem das passiert ist, selber gebaut. Das war für mich auch neu, weil ich Schlagzeuger bin und normalerweise keine Gitarre in der Hand habe. Aber da hatte ich irgendwie dieses Bedürfnis, das in Musik zu verpacken. Inspiriert ist es durch die Band The War On Drugs, weil mein Papa und ich waren beide riesengroße Fans. Dann war mein Ziel, ihm einen Song zu widmen, den er, glaube ich, selber total gerne gemocht hätte. Und dann habe ich probiert, diesen Vibe von der Band aufzufassen, aber dann trotzdem gemeinsam mit den anderen etwas eigenes draus schaffen. Genau dadurch ist halt irgendwie auch so ein bisschen das Herzstück der EP geworden – tatsächlich auch Namensgeber der EP. Da ist ja die Textzeile „See You Whenever your face is changed but I see it in mine“ – danach ist die EP „See U Whenever“ benannt.

    Anna: Wie hat deine Familie darauf reagiert, als du gesagt hast, du hast einen Song über deinen Vater geschrieben?

    Jan: Die wissen das noch gar nicht so richtig. Das wird noch eine große Überraschung. Ich glaube, ich habe das schon mal irgendwann angesprochen.

    Noemi: Die haben den schon mal live gehört.

    Jan: Ja, man hört ja live meistens jetzt nicht so genau auf die Texte. Und ich glaube ich, ich hab meiner Mama das auch schon mal erzählt. Sie hat mich sowieso was das Musik machen angeht, immer total unterstützt und für sie ist es einfach schön, dass das auch so festgehalten wird. Meinem Papa war es immer total wichtig und er fand es toll Musik zu machen und dass ich Musik mache.

    Noemi: Der war auch immer bei allen Konzerten. Deswegen ist das irgendwie auch echt ein Tribut.

    „Wir hatten für jeden Song einen Tag Zeit“

    Anna: Das ist eine schöne Geschichte. Ich glaube das ist jetzt auch mein Lieblingssong. Ich möchte noch ein bisschen auf den Entstehungsprozess der EP eingehen. Gab es irgendwelche Schwierigkeiten beim Aufnehmen oder Schreiben oder sich einig werden?

    Noemi: (lacht und schaut Björn an) Anscheinend waren da verschiedene Wahrnehmungen. Ne, aber ich muss aber sagen, ich finde, beim Recording hatten wir gar keine Struggles. Aber es war eigentlich auch so eine Kamikaze Aktion, weil wir innerhalb von fünf Tagen fünf Songs aufgenommen haben und das auch noch in einem Studio, was eigentlich gar kein Studio war, sondern eine alte Schule in Niebüll. Also es ist schon das Watt’n Sound Studio, aber es ist jetzt nicht ein ausgestattetes professionelles Tonstudio. Wir haben eigentlich für jeden Song einen Tag Zeit gehabt.

    Jan: Genau, dazu muss ich aber auch sagen, dass wir jetzt nicht mit fertigen Songs ins Studio gegangen sind und sie aufgenommen haben, sondern auch an den Tagen selbst immer noch viel passiert ist, was das Arrangement angeht. Teilweise wurden komplette Parts entweder rausgeschmissen oder neu arrangiert. Aber das ist auch eigentlich sehr organisch entstanden.

    Marco: Generell finde ich das aber auch wichtig, dass man sich selbst auf die Probe stellt. Wenn man zum Beispiel etwas rauskürzt und dann am nächsten Tag merkt, dass man den Teil vermisst und er einfach reingehört – dann kann man das auch wieder ändern. Dann hat man es wenigstens einmal auf dem Prüfstand gehabt.

    Nostalgie-Gefühle garantiert bei diesem 90er-Coversong

    Anna: Ich habe euch dieses Jahr zwei Mal live auf Festivals gesehen und war ihr habt in beiden Shows eine Cover- Version von „I Love You Always Forever“ von Donna Lewis gespielt. Ich liebe die Version sehr. Aber wie kommt es dazu? Warum gerade der Song?

    Noemi: Ich finde den Song geil. Ich fand den schon immer geil. Das ist einer der Songs, die irgendwie so einen wahnsinnigen Nostalgie Charakter der 90er haben, aber gleichzeitig noch nicht so überhört ist. Es ist keiner dieser typische Partyhits.

    Jan: Aber trotzdem finde ich es immer krass, wie den jeder wieder erkennt. Immer wenn man den Song anderen Leuten gezeigt hat, waren alle so: „Ach ja, stimmt, geil, den gibt’s ja auch noch!“ Irgendwie so ein vergessenes Stück Musik gewesen, was halt so super präsent in einer ganz bestimmten Zeit war, dann aber auch irgendwie wieder nicht. Aber bei allen passiert irgendwas, wenn sie den hören.

    Noemi: Wir hatten halt Bock, ein Cover zu machen. Es ist ja auch gerade reizvoll und auch der Sinn, dass es bei den Leuten, die dir zuhören, was aufbricht. Ich freue mich auch persönlich selber immer darüber, wenn jemand ein Cover geil spielt. Auch als eher noch unbekannte Band macht es was mit dem Publikum, wenn das spielt nachdem man vorher nur seine eigenen Songs gespielt hat. Da ist das irgendwie manchmal auch so ein Türöffner.

    Anna: Hattet ihr dieses Jahr eine Lieblingsshow? Wenn ja, welche war das?

    Marco: Meine Lieblingsshow war in der Kirche, beim Reeperbahn Festival. Das war richtig, richtig schön. Das war einer, fand ich, unserer coolsten Gigs. Das Ambiente war richtig schön und besonders irgendwie.

    Björn: Voll. Und ich fand das Kiez Kultur Festival in Hannover auch richtig schön. Einfach weil es so ein tolles Festival ist. Und weil wir kurz dachten, es kommt niemand und dann auf einmal war es voll.Zur

    Noemi: Zur Kirche nochmal – das ist mir gerade noch eingefallen: Da haben wir ja auch „Godless“ gespielt und ich habe halt hoch geguckt und genau an dieser Empore hing ja dieser gigantische Jesus an der Decke und ich musste fast lachen. Es war strange. Man spielt den Song „Godless“ und schaut dabei auf Jesus – schon weird.

    Anna: Habt ihr einen Flinta-Artist, den ihr momentan besonders feiert?

    Noemi: Ja, sehr viele.

    Anna: Okay, dann deine Top Drei!

    Noemi: Also einmal so low-key und friends-mäßig auf jeden Fall Brockhoff, Blush Always und gerade stehe ich auch auf Girl in Red und Japanese House.

    Marco: Für mich auf jeden Fall Little Simz.

    „The books we never read“

    Anna: Ok, jetzt habe ich noch eine etwas philosophische Frage. Die habe ich bisher nur den Ottolien gestellt, aber ich dachte es ist mal wieder Zeit: Wenn eure Band-Story oder ihr als Gruppe ein Buch wäret, welchen Titel hätte es?

    Noemi: Boah, krasse Frage. Da müssen wir kurz drüber nachdenken. Ich glaube, unser Buch hat einen sehr langen Satz, wahrscheinlich eher auf Englisch.

    Jan: Oder wäre es ein Gedichtband? Das wäre dann wieder was anderes, aber sowas wie: Gesammelte Werke von Willow Parlo.

    Noemi: Ich finde es schwer zu sagen. Ich könnte mir wirklich vorstellen, bei der Musik, die wir machen, dass es kein klassischer Buchtitel wäre, sondern irgendwie ein lyrischer Satz oder so was.

    Jan: „The books we never read“ – das ist eine Textzeile aus „Silver Screens“. Das finde ich nice.

    Anna: Ich würde es kaufen! Ok, ich komme zu meiner letzten Frage. Das ist bei uns immer die Kategorie der untold story. Was ist eure untold story

    Jan: Hm, also die Geschichte zu „My Fasters Eyes“ ist tatsächlich noch nie irgendwo aufgetaucht. Das ist eine untold story.

    Noemi: Ja, stimmt. Tatsächlich ist mir das auch als allererstes eingefallen.

    Noemi: Also ich könnte natürlich über meine Fähigkeit, Metal-Mikrofone zu zerstören sprechen. Also Metal-Mikrofone sind eigentlich unzerstörbar. Ich weiß auch nicht, wie ich das immer schaffe. Ich singe nur hinein mit meiner zarten Stimme und dann macht das Puff und irgendwie geht’s kaputt.

    Marco: Ja, generell hat Nono so eine Angewohnheit, dass sie immer kaputtes Equipment kauft oder dass es dann irgendwie kaputt geht, meistens glücklicherweise in der Garantie-Zeit.

    Noemi: Ich habe halt zweimal ein Neues bekommen und beide hatten den gleichen Fehler und ich bin zurück in den Laden gegangen, habe es denen gegeben, die haben es da ausprobiert, es funktionierte einwandfrei. Und dann habe ich trotzdem Neues mitbekommen und das Gleiche ist wieder passiert. Ich habe schon sehr viel kaputt gemacht. Aber genau verstehe ich es auch nicht.

    Anna: Ja, das ist tatsächlich mysteriös. Vielleicht einfach schlechtes Mikrofon-Karma? Danke für’s Teilen der Geschichte und danke euch für das Interview!

    Jan: Danke dir!

    Noemi: Danke für das schöne Interview. Wir sehen uns!

    Die EP „See U Whenever“ kommt zwar erst am 8.12. raus, aber hier könnt ihr euch schonmal mit den ersten drei Songs der EP einstimmen. Außerdem spielt Willow Parlo am 15. Dezember eine Release-Show zur EP in der Molotow Sky Bar in Hamburg, also alle hin da!

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    Fotocredit: Nilo Yamandi

  • Lena&Linus im Interview: »Es ist fast therapeutisch, schwere Gefühle in Songs festzuhalten«

    Lena&Linus im Interview: »Es ist fast therapeutisch, schwere Gefühle in Songs festzuhalten«

    Zarte Stimmen, ehrliche Texte und leichte Gitarrensounds – wer da keine Gänsehaut bekommt, dem weiß ich auch nicht mehr zu helfen. Die Musik von Lena&Linus löst bei mir auf jeden Fall immer wieder aufs neue Gänsehaut-Momente aus. Das Duo aus Würzburg hat im Oktober letzten Jahres ihre erste Single „Emilie“ veröffentlicht und erobert seitdem mit jeder neuen Single die Herzen der deutschen Indie-Pop-Liebhaber*innen. Ich habe Lena&Linus vor ihrem Auftritt beim Pop Salon in Osnabrück getroffen und mit ihnen über ihre EP „Fühlst du dich allein?“ geredet.

    Lena&Linus im Interview

    Anna: Hi ihr beiden! Schön, dass ihr euch vor eurer Show beim Pop Salon hier in Osnabrück die Zeit genommen habt. Ihr kommt ja beide aus Würzburg. Kennt ihr Osnabrück? Wart ihr schon mal hier oder habt ihr eine Verbindung zu der Stadt?

    Lena: Also, ich war einmal in Osnabrück, aber es ist bestimmt zehn Jahre her. Und unsere Connection ist unser lieber Schlagzeuger Jan, der hier in Osnabrück studiert.

    Linus: Ich bin das erste Mal in Osnabrück und find’s bisher ganz entspannt hier.

    Glücklicher Zufall oder Schicksal?

    Anna: Mögt ihr vielleicht die Geschichte erzählen, wie aus euren beiden Soloprojekten jetzt das Duo Lena&Linus geworden ist.

    Linus: Also ich habe so während des Lockdowns 2020 angefangen Musik zu machen. Ich habe dann im April meine erste Single rausgebracht und darauf hat mich Lena angeschrieben und gefragt: „hey, wollen wir nicht zusammen einen Song machen?“ Und da haben wir uns dann mal getroffen, haben Musik gemacht, hatten dann auch eine Band, aber dieser Gedanke vom Duo war irgendwie noch nicht so präsent. Der entscheidende Punkt war dann eigentlich erst, als wir Tim getroffen haben, unseren Produzenten. Da habe ich Lena ein bisschen begleitet, als sie vorgesungen hat. Das war total spontan. Und dann war Tim so: Das ist super sweet, das müssen wir als Duo machen! So ist es von meiner Seite zum Projekt gekommen. Also eigentlich war es ein Geistesblitz von Tim.

    Anna: Ein glücklicher Zufall also.

    Linus: Ja, ich war eigentlich ungeplant.

    Lena: Ungeplant, aber trotzdem erwünscht.

    Anna: Ich hab mich natürlich vorher durch eure EP „Fühlst du dich allein?“ durchgehört und das erste, was ich gedacht habe war, dass es super viel um Herzschmerz geht. Vermissen, Trauern und Fragen, die man sich dann so stellt, sind die Themen, die man dort sehr stark wiederfindet. Da hab ich mich gefragt, ob das bei euch so ein bisschen wie Tagebuchschreiben ist. Könnt ihr mit dem Gefühl abschließen, wenn ihr einen Song fertig geschrieben habt? Oder kommt das immer wieder hoch, wenn man den Song live singt?

    Linus: Es ist irgendwie schön, Worte über so schwierige Situationen einfach mal niederzuschreiben, finde ich. Es hilft mir sehr viel, auch so schwere Konzepte und schwere Gefühle einfach mal zu binden – in dem Sinne, dass es ist für mich fast schon therapeutisch ist, das einfach mal so festzuhalten. Aber wenn man dann die Songs öfter spielt, geht es viel weniger irgendwie darum, das Gefühl jetzt nochmal aufzumachen oder so, sondern es ist für mich schon gebunden. Mir geht es viel mehr darum, dass es irgendwie cool wirkt oder dass man denkt eher an die Performance als an den Text.

    Lena: Ja genau. Man hat so eine Verknüpfung an den Song. Also man fühlt ihn schon, aber es ist jetzt nicht wie eine Wunde, die nochmal aufgemacht wird.

    Linus: Das Pflaster ist schon da und wir reißen es live quasi nicht ab, sondern versuchen es möglichst fehlerfrei rüberzubringen.

    „Ich bin ein introvertierter, extrovertierter Mensch“

    Anna: Zurück zum Titel der EP: Könnt ihr gut alleine sein?

    Linus: Ja und nein, würde ich sagen. Kannst du gut alleine sein, Lena? Ich glaube, du kannst echt gut alleine sein.

    Lena: Ja, komm drauf an… Also, manchmal habe ich keine guten Tage. Da bin ich nicht gerne allein, aber auch nicht gerne unter Menschen. Aber sonst bin ich schon gerne alleine, ja.

    Linus: Da kann ich mich anschließen. Ich genieße meine me-time sehr. Aber ich liebe es auch mit Leuten zu sein. Und es gibt mir auch immer super viel. Also ich bin ein introvertierter, extrovertierter Mensch.

    Lena: Das ist auch so, die Abwechslung ist gut. Wir sind super viel unterwegs gerade. Und wenn wir dann daheim sind, ist es mega geil. Ist man dann aber zwei Wochen am Stück alleine und hat nichts, ist es nicht mehr so geil.

    Das ultimative Mittel gegen Einsamkeit

    Anna: Habt ihr denn ein bestimmtes Mittel, was euch hilft gegen das Einsamkeitsgefühl?

    Lena: Schlafen – also jetzt for real. Das hilft.

    Linus: Ja, aber ich habe in dem Sinn auch zwei Mittel fast meinen Freundeskreis, weil diese Freunde wohnen direkt bei mir in der Nähe. In meiner Straße sogar. Liebe Grüße an Nico an dieser Stelle. Der klopft halt einfach mal an meinem Fenster und ist dann sogar ein paar Mal zufällig da gewesen, wenn es mir echt mies ging. Aus’m Fenster raus ruft er auch einfach mal: „Ey, lass nen Kaffee trinken, lets go.“ Und das hat mich dann oft einfach rausgebracht. Also meine Freunde sind da eine große Hilfe.

    Anna: Das ist doch schön! Ich möchte jetzt auch weg von den traurigen Themen. Der letzte Song auf eurer EP „Irgendwie auch schön“ bringt ja totale Frühlingsgefühle hervor. Könnte das ein Vorbote auf die kommenden Songs sein?

    Lena: Das ist eine interessante Frage. Von den Gefühlen, die es auslöst, würde ich sagen: Ja. Musikalisch machen wir gerade noch ein bisschen anderes Fass auf.

    Linus: Also vom Sinn, dass es ein bisschen schneller wird und ein bisschen Uplifting ist und so eine Grundstimmung da ist. Da werden die nächsten Songs auf jeden Fall anknüpfen.

    Lena: Ein paar davon bleiben auch traurig natürlich.

    Linus: Aber musikalisch wird das Ganze ein bisschen größer alles und ein bisschen mehr und wir sind ganz gespannt, was die Leute so denken.

    Lena: Ich bin schon etwas aufgeregt.

    Anna: Im Herbst geht ihr ja dann auch auf Tour. Kommt bis dahin noch eine EP raus?

    Linus: Das dürfen wir zum Glück schon sagen: Ja!

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    Anna: Habt ihr einen Guilty Pleasure Song?

    Linus: Also ich find viele Udo Jürgens Songs einfach mega geil. Ich find es auch mega geil, dass er bei seiner Zugabe immer im Bademantel auf die Bühne gekommen ist. Also vielleicht Udo Jürgens. Aber das ist auch, weil meine Mama viel Udo Jürgens gehört hat.

    Lena: Also ich hör halt einfach unglaublich gerne so richtige Pop-Musik, wo vielleicht viele Musiker*innen eher sehr skeptisch gebenüber sind. Aber ich find es ganz cool, einen Popsong zu schreiben.

    Diese Newcomer*innen solltet ihr euch merken

    Anna: Habt ihr passend dazu auch noch eine aktuelle „gute“ Musik Empfehlung parat?

    Linus: Oh ja! Man kann es nicht oft genug sagen, weil er ein guter Freund von uns ist und ein ganz interessanter Newcomer. Zwei sogar, um genau zu sein: Otto Luft. Das ist der eben genannte Freund, der mich aus meinen schlechten Phasen herausbringt. Sein Track „Secco Mate“ ist gute Laune pur. Und der zweite ist Udo West. Er macht so NNDW-Musik und beide kommen aus Würzburg.

    Lena: Er ist wirklich der größte Star auf der Welt und auch wie er sich auf der Bühne bewegt. Wir teilen uns auch den Schlagzeuger.

    Linus: Er ist der beste Frontmann und das ist einfach Musik, die noch nicht so viele Leute kennen, aber die viele Leute kennen sollten.

    Lena: Und noch ein Geheimtipp von mir: marita hat letztens ihren ersten Song rausgebracht, ist auch bei uns im Label und ich glaube, da kommt noch großes.

    Anna: Die kenne ich alle noch nicht und werde sie mir auf meine Liste schreiben. Seid ihr bereit für eine Entweder-Oder-Fragerunde?

    Linus: Auf jeden Fall!

    Anna: Nike oder Adidas Sneaker?

    Lena: Nike – auch wenn ich gerade Adidas trage.

    Linus: Ich sage Adidas.

    Anna: Mio Mate oder Club Mate?

    Linus: Club Mate.

    Lena: Mio!

    Anna: Ja, das ist nicht einfach. Hamburg oder Paris?

    Linus: Ich war noch nie in Paris.

    Lena: Ich war auch noch nie in Paris, aber safe Paris!

    Linus: Ja, fair (lacht).

    Lena: No front, aber ja … (lacht)

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    Anna: Call me by your name oder Little Woman?

    Lena: Little Woman.

    Linus: Call me by your name, einfach weil ich den öfter gesehen habe. Ich hab den schon zwölf Mal gesehen.

    Lena: Hmm ja, stimmt … Gleichstand, wenn es geht.

    Anna: Naa, das lasse ich gerade mal so durchgehen. Instagram oder TikTok?

    Linus: Also zum Verblöden TikTok, weil es einfach unendlich weitergeht.

    Lena: Aber ich hätte auch gesagt, deshalb Instagram. TikTok ist einfach so: Du machst es auf und es schreit dich an und dann schreit es dich auch drei Stunden lang an … also ja, Instagram.

    Linus: Instagram ist halt auch cooler, um mit Freunden zu connecten und so. Aber wenn ich einfach nur dumm rumliegen will und Videos schauen, dann TikTok.

    Anna: Akustik- oder E-Gitarre?

    Linus: Puh, schwieriges Thema.

    Lena: Für mich auch.

    Linus: Akustikgitarre ist halt einfach. Klingt immer irgendwie ganz geil. Ist charmant, aber mit E-Gitarre kann man so viel mehr machen. Aber weil ich momentan mehr Akustikgitarre spiele, sage ich Akustikgitarre.

    Lena: Ich nehm die E-Gitarre.

    Auf einen Kaffee mit Jeremias

    Anna: Die letzte Frage: Habt ihr noch eine untold story parat?

    Linus: Ich glaube, eine Geschichte, die wir noch nie erzählt haben, ist unser erstes Treffen mit Jeremias. Das ist schon witzig eigentlich. Wir hatten das erste Treffen mit unserem Produzenten, wo eigentlich ja nur Lena eingeladen war und ich war so dabei. Dann habe ich einen Kaffee getrunken mit Tim und davor waren wir halt auch super aufgeregt. Und Tim produziert auch für Jeremias. Da dachten wir schon so: Vielleicht treffen wir irgendwann dann mal Jeremias.

    Lena: Also wir waren so krasse Fans von Jeremias. Also sind wir natürlich irgendwie immer noch.

    Linus: Aber an dem Tag haben wir noch drüber geredet, wie cool das wäre, mal Jeremias kennen zu lernen und so. Dann sitzen wir da so draußen. Es war September in Berlin und trinken Kaffee und dann fährt ein Auto vorbei und Tim winkt. Wir fragen so: Wer war denn das? Und Tim nur: Ach, das war Jeremias.

    Lena: Und wir waren innerlich so richtig aufgeregt und äußerlich nur so: Ah cool (lacht).

    Linus: Und dann stand der gute Jeremias Heimbach einfach bei uns am Tisch und meinte zu Tim: hey, ich wollte meinen Synthie abholen. Ich bin ein bisschen früh. Und dann haben wir zusammen Kaffee getrunken – am ersten Tag direkt. Ich sollte gar nicht dabei sein.

    Lena: Und er hat sich eine Zigarette von meinem Tabak gedreht. Es war cool.

    Linus: Das war so die erste Berührung mit der Musikindustrie. Und das war dann irgendwie schon ganz krass. Wir verstehen uns aber richtig gut. Ganz liebe Grüße.

    Anna: Ja, also demnächst mal ein Feature?

    Linus: Also das können wir jetzt natürlich nicht sagen, aber vielleicht. Jeremias hat uns gestern in sein Studio eingeladen.

    Anna: Oha, ich bin gespannt! Das war es von meiner Seite aber auch schon. Wollt ihr noch was loswerden?

    Linus: Leute, wir spielen im September unsere erste eigene Tour. Es wird ganz intim. Kleine Läden mit Band, nicht nur zu zweit. Und wir würden uns richtig freuen, falls ihr unsere Musik mögt, dass ihr vorbeikommt.

    Anna: Ja, dann bedanke ich mich bei euch für das Interview und freu mich auf den Auftritt!

    Linus: Danke dir, Anna. Wir sehen uns!

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    Fotocredit: Paula Tauber & Anna Niere