Kategorie: untold stories

  • Maria Basel im Interview: »Ich bin über meine Grenzen gegangen und habe sehr viel gelernt – auch über mich selbst.«

    Maria Basel im Interview: »Ich bin über meine Grenzen gegangen und habe sehr viel gelernt – auch über mich selbst.«

    Maria Basel hat am Freitag ihre Debüt-EP Layers rausgebracht und ist in diesem Zusammenhang eine Empfehlung von Herzen. Als klassisch ausgebildete Musikerin bringt sie mit ihren ersten Veröffentlichungen schon eine musikalische Expertise mit, die man in jedem Song hört. In den fünf Songs kommen Jazz und R’n’B zusammen und heben das Genre „Singer-Songwriter“ nochmal auf eine ganz andere Ebene. Nimmt man sich die Minuten, so wird einen Layers auf eine ganz andere Art berühren. Wir haben Maria im Interview ein bisschen über die Songs auf ihrer EP ausgequetscht. Außerdem haben wir über ihr erstes Musikvideo gesprochen und wie es ist, mitten in Corona eine Solo-Karriere zu starten.


    Maria Basel im Interview

    Anna: Hey! Schön, dich hier endlich mal richtig vorzustellen zu dürfen, mit einem sehr aufregenden Aufhänger wie ich finde: Deine Debüt-EP Layers kommt nächste Woche raus. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie sehr freust du dich, deine Musik in dem Gesamtkonzept der EP endlich raus in die Welt zu lassen?

    Maria: Hey Anna, vielen Dank für das Interview! Naja, es ist schon schwierig in Worte zu fassen…
    Am Anfang waren das alles Ideen, Melodien, die nur ich in meinem Kopf hören konnte. Das alles in Musik umzuwandeln, für andere hörbar zu machen und am Ende auch noch eine CD in den Händen zu halten – das ist ein unglaublicher Prozess! Ich bin oft sehr selbstkritisch und mir fällt es schonmal schwer, ein Stück loszulassen. Zu akzeptieren, dass es fertig und gut ist wie es ist. Die Stücke in die Welt zu lassen und nichts mehr daran ändern zu können, ist ein sehr schönes und auch befreiendes Gefühl.

    Anna: Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben für Leute, die dich noch nicht kennen?

    Maria: Ich mache elektronische Pop-Musik mit Einflüssen aus Klassik, Ambient, Downtempo, R&B – zum Eintauchen und sich fallen lassen. Haha, eine wilde Mischung, wenn man es so liest!

    Anna: Du hast erst letztes Jahr deine erste Single Lioness veröffentlicht. Eigentlich machst du aber schon viel länger Musik, warst schon mit vielen anderen musikalischen Projekten unterwegs. Wie bist du zur Musik gekommen? Und was macht dieses Soloprojekt für dich so besonders?

    Maria: Ich komme aus einer klassischen Musikerfamilie, mir wurde die Musik quasi in die Wiege gelegt. Meine Mutter ist Pianistin, mein Vater Cellist, mein Großvater war Komponist. Ich habe mit fünf Jahren angefangen Klavier zu spielen und dann viele Jahre jeden Tag intensiv geübt und an Wettbewerben teilgenommen. Irgendwann war die Zeit aber einfach nicht mehr dafür da. Ich habe dann von allein begonnen, mir erste eigene Stücke auszudenken und mich beim Singen am Klavier zu begleiten. Seitdem ich in Wuppertal lebe, habe ich angefangen, intensiver im Pop- und Jazzbereich Musik zu machen, in Bands zu spielen und aufzulegen. Ich hab auch in spartenübergreifenden Projekten wie z.B. mit dem Pina Bausch Ensemble oder den Wuppertaler Bühnen gearbeitet. Dadurch, dass ich alle meine Stücke selbst schreibe und produziere, bin ich nicht darauf angewiesen meine Sound-Vision einer außenstehenden Person umständlich erklären zu müssen. Ich bin somit autark in dem, was ich tue.

     
    „Wir sind schon beim ersten Video direkt aufs Ganze gegangen.“

    Anna: Ich fand Lioness eine unglaublich starke Debütsingle und so wie ich das mitbekommen habe, war ich da nicht die Einzige. Worum geht’s in dem Song? Und kannst du ein paar Worte über das Musikvideo dalassen? Da haben ja wirklich sehr viele Menschen hinter den Kulissen mitgewirkt, um das alles so möglich zu machen. Woher kamen die Inspirationen, die ihr so künstlerisch umgesetzt habt und wie war die Umsetzung vor Ort?

    Dankeschön! Lioness erzählt die Geschichte zweier Frauen, deren gemeinsamer Weg von innerer Stärke, unerfüllbaren Erwartungen, vereitelten Träumen und dem Aufeinandertreffen zweier sehr verschiedener Welten geprägt ist.

    Das Musikvideo zu Lioness war mein erstes und dafür war es ein ziemlich aufwendiges. Von der ersten Idee, dem Schreiben des Drehbuchs bis hin zur Motiv- und Komparsinnen Suche und dem tatsächlichen Dreh haben mein Team und ich knapp ein halbes Jahr daran gearbeitet. Zum Beispiel sind wir für ein paar Szenen an einem Tag nach Scheveningen gefahren. Dort bin ich in meinem roten Kleid von einem Bungee Turm gesprungen, wurde in einem Motorboot aufs Meer rausgefahren und im Meer schwimmend von einer Drohne gefilmt. Wir sind also schon beim ersten Video direkt aufs Ganze gegangen 🙂

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    Die vielen Menschen vor und hinter der Kamera haben mit mir gemeinsam Lioness zum Leben erweckt. Ich hatte die Ehre mit der Pina Bausch Tänzerin Ruth Amarante als Hauptdarstellerin zu arbeiten. Norman Tebel hat Regie geführt und mit mir und Arne Schramm das Drehbuch geschrieben. Er begleitet mich bis heute unfassbar kreativ und unterstützend in der visuellen Umsetzung meiner Musik. Ich habe so viel Support von verschiedensten Seiten dafür bekommen – ob z.B. beim Kostüm von Halstenbach Fine Clothes, dem Kunst- und Kulturort LOCH als Produktionsbase, Max Grüttefien an der Kamera, Maurice Egen und Pauline Pfingsten in der Produktionsleitung oder den acht wunderschönen, starken Frauen als Komparsinnen. Ich habe außerdem über Startnext das Geld für das Video zusammengesammelt. So konnte ich es so in einer Zeit ohne richtige Einnahmemöglichkeiten überhaupt finanzieren – also sind so gesehen noch viel mehr Menschen daran beteiligt!

    In dem Video gibt es einige Referenzen zu meiner Heimat, der Ukraine. Zum Beispiel bei den weißen Kleidern der Frauen oder dem Blumenkranz den ich trage. Außerdem schlängelt sich das Element des Wassers als roter Faden durch das Video – als ein rein-waschendes, aber auch verschlingendes Element. Ich bin in dieser Zeit oft über meine Grenzen gegangen und habe sehr viel gelernt – auch über mich selbst.

     
    „Als wäre man im Traum gerannt und würde ganz atemlos wach werden.“

    Anna: Als zweite Single kam der Opening Track Same But Different. Ich hab beim Zuhören wirklich das Gefühl, dass du mit dem Track in die EP einleitest, alles wirkt sehr intim und zerbrechlich, aber genau deshalb auch ziemlich powerful. Du komponierst ja deine Musik auch selbst, war das das Gefühl, was du mit dem Song vermitteln wolltest? Was bedeutet er für dich?

    Maria: Die Entscheidung, Same But Different als erstes Stück für die EP zu nehmen stand für mich recht schnell fest. Es leitet fließend und ruhig ein und entwickelt sich mit der Mehrstimmigkeit und den Beats immer weiter. Ich bin sehr stolz auf diesen Song. Es geht in dem Stück um Menschen, die sich so sehr ähneln und harmonieren und gleichzeitig doch so grundlegend unterschiedlich sind. Das erzeugt eine faszinierende Spannung, die einen nicht loslässt, die einem gut tun, aber auch sehr aufwühlend sein kann.

    Anna: Da ich dich über die ersten beiden Songs jetzt so detailliert ausgefragt habe, muss ich der dritten und letzten Singleauskopplung vor Release auch seinen Platz geben: Mein persönlicher Favorit Wake Up Tired bringt den leicht poppigen Touch in deine EP. Was hattest du im Kopf als du den Song geschrieben hast? Wie viel Stufen in der Entwicklung ist er durchgangen bis er so in seiner finalen Form fertig war?

    Maria Basel, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, maria basel, layers, lioness, wake up tired, untold storiesWake Up Tired sticht schon ein wenig raus, das stimmt! Der Song beschreibt einen Zustand, den ich nur zu gut kenne. Schlafen und doch müde aufwachen. Nicht zur Ruhe kommen, da sich meine Gedanken im Schlaf weiter in meinem Kopf drehen, mich verfolgen, an mir zerren. Gedanken über Dinge, die ich tun will, die von mir erwartet werden, Menschen die mir nah stehen und mich beschäftigen. Ich stürze mich in Traumwelten, von einem Traum in den nächsten, in nicht fassbarer Geschwindigkeit und Anzahl. Als wäre man im Traum gerannt und würde ganz atemlos wach werden.

    Ich habe über einen längeren Zeitraum an diesem Song gearbeitet und ihn immer wieder angepasst und feingeschliffen. Wake Up Tired ist eine Mischung aus Härte und warmer Schwerelosigkeit. Einerseits ist da durch viele weiche, weite Synthies und reverb-lastige Gesänge viel Luftigkeit drin – andererseits gibt es aber auch Teile mit harten Kicks und Claps, trockenen rhythmischen Gesängen, Bass-Synthies, die rau und sehr präsent, fast Sägen-artig klingen.

     
    „In jedem Song steckt unglaublich viel Liebe und Zeit drin.“

    Anna: Die zwei letzten Songs Traveller und The Climb kommen zusammen mit der EP raus. Der eine deutlich klassischer nur mit Klavier, der andere baut sich auch elektronischer immer weiter auf. Von all den Songs auf Layers, hast du einen, der dir über die Zeit besonders ans Herz gewachsen ist?

    Maria: Es steckt in jedem der Songs unglaublich viel Liebe und Zeit drin, also ist es schwierig einen Favoriten rauszupicken… Die Entstehung zum Video von Lioness war eine sehr intensive und wunderschöne Zeit. Dadurch, dass ich mich mit dem Song für die visuelle Umsetzung nochmal ganz anders, zum Teil auch intensiver auseinandergesetzt habe, ist er mir schon sehr ans Herz gewachsen. Und irgendwie war mir von vornherein klar, dass das meine erste Single werden soll. Auch dadurch hat Lioness nochmal eine andere Bedeutung für mich.

    Anna: Zusammen mit Release hast du dir auch was Besonderes als Merch einfallen lassen: Du hast limitierte, handbemalte Layer Dolls aus Holz gefertigt, die man in Deutschland als Matrjoschka kennt. Das ist nicht nur ein wunderschönes Sinnbild für die EP (es sind ja wortwörtlich Layers), sondern auch eine Referenz zu deinem Herkunftsland, der Ukraine. Wie bist du auf die Idee gekommen?

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    a proud mama

    Maria: Die Idee zu den Layer Dolls kam tatsächlich von meinem guten Freund und Musiker Jonas David. Ich wollte zusätzlich zur EP etwas haben, was nichts mit dem typischen T-Shirt oder Jutebeutel Merch zu tun hat und fand die Idee zur Doll wunderschön und sehr passend. Jede Puppe verkörpert einen Song auf der EP und im Inneren befindet sich Layers als digitale Download-Version. Zusammen mit dem Künstler David Friedrich habe ich mir überlegt, wie jeder Song aussehen könnte, welche Farbwelt, Struktur verkörpert wird. Alle 50 Dolls sind eigens von uns handbemalt, somit ist jede ein einzigartiges kleines Kunstobjekt.

     
    „Ich sehne mich sehr danach, neue Musik zu schreiben.“

    Anna: Du startest 2021 mit der EP, und hoffentlich auch besseren Aussichten aufs Live spielen als letztes Jahr. Wie hast du den Start deiner Karriere inmitten all dem Chaos wahrgenommen? Und gibt es vielleicht schon Sachen, die du für die Zukunft geplant hast und hier mit uns teilen kannst?

    Maria: Die Entscheidung, den Schritt in die Musikindustrie in so einer Zeit zu machen, war anfangs schon ein bisschen seltsam. Es ist sowieso ein sehr ungewisser und schwieriger Weg und in der jetzigen Zeit umso unabsehbarer. Aber retrospektiv war es absolut die richtige Entscheidung. Letztes Jahr kam eins zum anderen. Ich habe begonnen, mit dem Indie-Label Listenrecord aus Berlin zu arbeiten, habe meine ersten Singles veröffentlicht, Musikvideos gedreht und insgesamt so viel an meiner Musik gearbeitet wie nie zuvor. Somit hatte ich immer etwas zu tun, das hat sehr durch diese absurde Zeit geholfen. Ich habe bislang unfassbar viel schönes Feedback bekommen und das motiviert natürlich auch weiter zu machen. Nach dem Release meiner EP möchte ich direkt anfangen, an meinem Album zu arbeiten. Ich sehne mich sehr danach, neue Musik zu schreiben, mit anderen Künstlern zusammen zu arbeiten und hoffentlich auch bald wieder richtige Konzerte vor Publikum zu spielen!

    Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Gibt es eine Anekdote oder einen Fun Fact zu dir oder deinem Projekt, den du noch nie in einem Interview erzählt hast?

    Maria: Hmm, schwierig. Vielleicht kein fun fact, aber eine kleine Geschichte zur Entstehung des letzten Songs der EP The Climb: Ich habe vor ein paar Monaten mein ganzes Equipment zusammengepackt und mir für etwas mehr als eine Woche ein kleines Häuschen auf dem Land gemietet und bin so quasi kurz aus meiner Realität in eine Welt der Ruhe und Einsamkeit geflohen. Das war eine wirklich sehr schöne Zeit, da ich mich dort 24/7 meiner Musik gewidmet habe. Ich bin mit dem Ziel dorthin gefahren, den fünften und letzten Song für die EP zu schreiben – eigentlich ein viel zu ambitioniertes Ziel, da ich bislang noch nicht dahinter gekommen bin, wie ich meine Muse aktiv heraufbeschwören kann. Eine Woche ist schon ziemlich wenig Zeit, wenn ich meine Songs sonst zum Teil über mehrere Monate geschrieben habe. Aber am Ende sind in dieser Woche sogar zwei ganze Songs entstanden, einer davon The Climb.

     

    Hört hier in Layers rein:

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    Fotocredits: Norman Tebel, Arne Schramm

  • Shelter Boy im Interview: „Bei manchen Menschen hittet es dann doch, wenn sie dich fragen, wie es dir geht“

    Shelter Boy im Interview: „Bei manchen Menschen hittet es dann doch, wenn sie dich fragen, wie es dir geht“

    Shelter Boy dürfte einigen Indie-Liebhaber:innen wohl schon ein Begriff sein. Gerade erst gestern erschien seine neue Single „Atmosphere“. Die meisten Shelter Boy Songs klingen für mich eher nach einem Spaziergang durch einen kleinen Urlaubsort am Meer oder nach einem angenehmen Sonntagmorgen im Sommer, an dem ich mein Bett frisch beziehe, während die Sonne durch mein Fenster scheint. Aber da ist Atmosphere anders. Der Song klingt schwitzig und rockig. Er ist ehrlich, selbstbewusst, laut und schlägt einem ins Gesicht. Auf die bestmöglichste Art und Weise, sodass man sich danach noch dafür bedankt. Mit dem durchsickernden Einfluss britischer Bands und trotz der, wenn wir ehrlich sind, bedrückenden Lyrics, ist der Song absolut energiegeladen. Als Begleiter dessen folgt ein äußerst sympathisches Musikvideo mit Fisheye-Objektiv und Shelter Boy in vielfältigen Outfits.


    „Please don’t tell me
    how to feel alive“


    Shelter Boy im Interview

    Dascha: Hey, schön, dass das geklappt hat! Wie geht’s dir im Moment? Wie fühlst du dich damit, dass deine neue Single schon so bald rauskommt?

    Shelter Boy: Ich hab mega Bock drauf, endlich passiert mal wieder was! Heute bin ich ein bisschen verkatert. Mein Keyboarder Karl nimmt gerade eigene Songs auf, da haben wir gestern mit ein paar Freunden, natürlich alle getestet, noch Bier getrunken. Und dann hatte ich heute morgen noch ein Interview und hab mir davor in den Finger geschnitten, es ist schlimm. (lacht) Aber eigentlich ist alles gut.

    Dascha: Willst du mal was zu der Entstehung von „Atmosphere“ erzählen?

    Shelter Boy: Der ist tatsächlich über den Beat entstanden, ich hab da zufällig einen Loop gefunden. Die Band Primal Scream hat ein Album, das heißt Screamadelica. Das ist so später 80er in England, damit ging so diese Acid House-Bewegung los. Da ist so ein ganz prägnanter Beat, den hab ich gefunden und dachte mir, das klau ich mir direkt zusammen. (lacht) Darüber hab ich dann eigentlich angefangen den Song zu schreiben.

    Dascha: „Atmosphere“ klingt ja nach einer kraftvollen Ansage, an wen richtet die sich? Und wie fühlt sich die Atmosphäre, über die du singst, an?

    Shelter Boy: Also ich singe ja „Do you fear the atmosphere?“ und das ist dadurch entstanden, dass ich öfters auf Partys die Situation hatte, dass ich irgendwo ankomme, wo alle schon miteinander Gespräche führen. Und ich da keinen Anschluss finde, es aber irgendwie auch gar nicht will. Ein ganz komischer Zwiespalt, ich glaube, das hat viel Wut mit sich gebracht. Eigentlich sind das traurige Lyrics, ich hab’s aber eher als Befreiungsschlag für mich genutzt, um damit umzugehen. Die Hook geht los mit „Tell me how you really feel„, weil es eigentlich oft nur eine krasse Floskel ist, wie es einem geht. Und dann sagt man immer einfach nur „Ja, ja, alles cool“. Aber bei manchen Menschen hittet es dann doch, wenn sie dich fragen, wie es dir geht und es wirklich ernst meinen. Das sind so die zwei Perspektiven, die ich in dem Song probiert habe aufzumachen.

    Dascha: Wie kam es zu der Idee von dem Musikvideo?

    Shelter Boy: Ich wollte schon immer mal etwas mit Fisheye machen, weil das ja auch so ein Skate-Ding ist. Und ich hatte schon ganz ganz lang Valentin Hansen auf dem Schirm, von seiner Musik und eben den Videos, die er macht. Dann hab ich ihm tatsächlich einfach mal geschrieben, ob er Bock hätte was zusammen zu machen. Er hat die Idee vorgeschlagen und ich war direkt dabei, dann haben wir das an einem Tag direkt so durchgerockt.

    Dascha: Das ist nach „Calm Me Down“ und „Forever You’ll Be Known„ ja schon die dritte Single nach deiner letzten EP. Das lässt natürlich vermuten, dass da jetzt eine EP oder sogar ein Album kommt. Kannst du dazu was verraten?

    Shelter Boy: Eins von beidem kommt. Punkt. (lacht)

    Dascha: Haha, na gut. Würdest du sagen, dass sich deine Musik seit deiner ersten EP verändert haben?

    Shelter Boy: Ja, safe. Ich hab ja vor Shelter Boy auch schon lange in einer Band gespielt, wo Britpop eine sehr große Rolle gespielt hat. Das war dann erstmal wieder weg, aber ich glaube es kommt gerade wieder mehr zurück, dass auch das wieder einen Platz hat. Ich merke bei dem was ich mache, dass es eigentlich immer wieder unterschiedlich ist. Wenn man sich früh die Freiheit nimmt, Releases zu machen, die alle sehr unterschiedlich sind, dann hat man auch eher die Freiheit zu machen, was man wirklich möchte. Ich genieße das sehr. Der Song jetzt ist halt eine Rock-Nummer, der nächste Song kann auch wieder was ganz anderes sein, I don’t know.

    Dascha: Passend dazu, wer oder was inspiriert dich besonders und wer hat dich musikalisch am meisten geprägt?

    Shelter Boy: Also ich konsumiere super super super viel Musik, ich bin schon immer einfach auch ein riesen Fan von vielen Sachen gewesen. Konstanten sind halt die Beatles, Bob Dylan, Oasis, Stone Roses, auch sowas wie Mac DeMarco. Ach keine Ahnung, es gibt so viele Sachen, die ich schön finde. Gerade höre ich mega viel Kings of Convenience, die ich so lange nicht mehr gehört habe, das gibt mir wieder voll viel. Was ich jetzt erst entdeckt habe, von Balthazar der, ich glaube Gitarrist, hat noch ein Soloprojekt. Warhaus heißt das. Und das Album davon… Ey, tschüss! Es ist sooo gut!

    Dascha: An einer kleinen Corona-Frage komm ich nicht ganz vorbei. Hast du für dieses Jahr trotzdem Pläne oder etwas, worauf du dich sehr freust?

    Shelter Boy: Ja, es stehen auf jeden Fall echt noch ein paar Sachen an. Sieht auch so aus, als würden wir im Sommer ein paar Sachen spielen, da freu ich mich mega drauf. Der Rest wird sich ja noch ergeben…in ein paar Monaten. Da kommt noch guter Stuff. Wird schon noch spannend, denke ich.

    Dascha: Dann bin ich gespannt. Gibt es denn etwas, von dem du sagst, das würdest du in deiner musikalischen Laufbahn unbedingt mal machen oder erreichen wollen?

    Shelter Boy: Vor ganz vielen Leuten spielen. Ich würde gerne irgendwann mal auf einem großen Festival auf der Mainstage zu einer guten Zeit spielen. Standard Antwort, aber ja, ich glaube, das ist sehr schön. Aber bei Forever You’ll Be Known hab ich mir schon viel erfüllt mit den Streichern. Anonsten würde ich gerne mal mit bestimmten Leuten zusammenarbeiten, aber da gibt es auch keine konkreten Pläne.

    Dascha: Und was wäre denn so ein Festival auf dem du unbedingt mal spielen wollen würdest?

    Shelter Boy: Glastonbury!

    Dascha: Oh ja, davon hab ich mir letztens erst wieder Live-Auftritte auf YouTube angeschaut.

    Shelter Boy: Ey, ich weine nicht oft, aber wenn ich mir solche live Sachen anschaue… Es gibt von Bombay Bicycle Club ein Live-Album, das hab ich mir angehört und es ist bei mir direkt hoch gestiegen und ich habe richtig feuchte Augen bekommen.

    Dascha: Dann bin ich hiermit auch schon bei der letzten Frage, nämlich einer „Untold Story“. Also einem kleinen Geheimnis, das noch nicht viele von dir kennen. Hast du da was auf Lager?

    Shelter Boy: (überlegt) Ich glätte mir die Haare. Ich fühl mich einfach wohler so, hatte aber lange Zeit ein Problem damit, das jemandem zu erzählen. Aber fuck off, bitch, I wanna look cute!

    Hier geht’s zum Musikvideo zu „Atmosphere“:

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    Fotocredit: Philipp Gladsome

  • Sweed im Interview zu „Cold Desert“: „Das ist die Single, in welche ich bisher am meisten Arbeit gesteckt habe“

    Sweed im Interview zu „Cold Desert“: „Das ist die Single, in welche ich bisher am meisten Arbeit gesteckt habe“

    Newcomer Sweed veröffentlichte heute seine frische neue Single „Cold Desert“ — Ein kraftvoller Song mit gefühlvollen Lyrics. So widersprüchlich wie der Titel klingt, so stimmig klingt dafür das Ganze. Der Refrain bleibt schon nach dem ersten Hören im Kopf hängen. Und wiederholt sich. Und wiederholt sich erneut. Ziemliches Ohrwurmpotenzial, wie man so schön sagt.

    Sweed mag für viele noch ein unbekannter Name sein, jedoch hoffe ich sehr, dass sich das noch ändern wird. Er macht Indie-Pop auf Englisch und das macht er ziemlich gut. Dem jungen Stuttgarter gelingt es melancholische Inhalte mit einer schwungvollen Leichtigkeit zu verbinden. Mitfühlen, aber gleichzeitig mit dem Fuß wippen quasi. Cold Desert fängt mit einem ruhigen, sich steigernden instrumental Intro an. Aber schon das anspringende Auto, das im Hintergrund erklingt, lässt erahnen; Es geht noch richtig los. Die Strophen sind entspannt unterlegt von einem sehr rhythmischen Beat, während der Chorus seine Hörer: innen eher dramatisch und emotional für sich einnimmt.

    Bei einem meiner letzten Lockdown-Spaziergänge lief ich durch meinen lokalen Stadtpark. Es war leicht kühl und windig, aber die goldenen Sonnenstrahlen ließen sich schräg durch die Äste der noch kahlen Bäume blicken und wärmten mich. Über mir kreisten unzählige Vögel und vor mir die vielen anderen Menschen, die sich ebenso ihre Zeit vertrieben. Der Tag war zuvor eigentlich stressig und bedrückend, doch zu diesem Zeitpunkt war ich beruhigt und ausgelassen. Ich erzähle diese, zugegebenermaßen ziemlich kitschige, Geschichte nicht einfach nur so, denn währenddessen lief die Musik von Sweed durch meine Kopfhörer. Mir fiel auf, dass genau das, genau dieses Setting, perfekt kombiniert mit der Musik schien. Ich hätte in diesem Moment nichts anderes lieber gehört. Es passte. Genauso fühlen sich die Songs für mich an.

    Sie klingen auf ihre Weise so unaufdringlich und trotzdem haben sie mich gepackt. Das liegt wahrscheinlich nicht zuletzt auch an Sweeds Stimme, denn die würde man unter vielen wiedererkennen. Nicht nur Cold Desert ist ein Volltreffer, auch seine vorherigen Singles laufen bei mir schon in Dauerschleife und ich freue mich auf mehr. Vor allem Liebhaber:innen von Bands wie FIL BO RIVA und Giant Rooks könnten hieran Gefallen finden. Ich lege es aber natürlich jeder Leserin und jedem Leser ans Herz, die Songs unbedingt auszuchecken, bevor Sweed mehr als nur ein Geheimtipp wird. Genau deshalb habe ich ihn selbst ein bisschen zu seiner Musik befragt. Los geht’s.

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    Dascha: Hey, danke für’s Zeit nehmen. Du bist ja noch ziemlich frisch in der Szene. Willst du dich mal vorstellen, für alle, die dich noch nicht kennen? Wie würdest du deine Musik selbst beschreiben?

    Sweed: Mein Name ist Niklas, ich bin 22 Jahre alt und wohne in Stuttgart. Ich mache seit Ende 2019 Musik als Sweed. Am Anfang war Sweed ein Space mich musikalisch auszuprobieren, entwickelte sich jedoch schnell zu meiner Hauptbeschäftigung. Musik habe ich auch schon davor gemacht, und sie spielte schon immer eine zentrale Rolle für mich. An ein bestimmtes Genre fühle ich mich nicht gebunden. Ich mache, worauf ich Bock habe, das Endprodukt ist dabei jedes Mal aufs Neue der individuellen Entstehungsphase geschuldet. Vermutlich würde man meinen Sound als eine Mischung aus Indie Pop und Funk beschreiben.

    Dascha: Sehr bald erscheint ja deine neue Single „Cold Desert“. Bist du schon aufgeregt? Wie geht’s dir damit?

    Sweed: Ich bin tatsächlich sehr aufgeregt und freue mich, dass Sie nun erscheint. Das ist die Single, in welche ich bisher am meisten Arbeit gesteckt und bis zuletzt gefeilt habe. Beispielsweise hat bei den Drums einfach noch das gewisse Etwas gefehlt, also sind wir extra ins Studio, um diese nochmal zu recorden. Danke Eliyah! Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

    Dascha: Kannst du ein bisschen was zu der Entstehung und dem Hintergrund des Songs erzählen?

    Sweed: Nach ca. einem halben Jahr nur in unserer Stuttgarter Wohnung, bin ich irgendwann in so eine Art Kreativitäts-Loch gefallen. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, woher ich neue Inspiration nehmen könnte. Die täglichen Spaziergänge haben es zu dieser Zeit leider auch nicht mehr gebracht. Also habe ich meine ganzen Sachen gepackt und bin zu meinen Eltern in die Heimat gefahren. Hier habe ich den Keller meines Dads erstmal mit dem ganzen Musikequipment vollgestellt, mich für ca. 2 Wochen darin eingebunkert und angefangen an neuen Melodien und Ideen zu arbeiten. Zack, nach einer Woche stand die erste Strophe für Cold Desert. 

    Luke (Noa), mein Produzent, sah in dem Ganzen von Anfang an Potential, das pushte mich natürlich immens, die Nummer zu etwas Besonderem zu machen. Die Melodie für den Chorus musste passen, wie die Faust aufs Auge. Eine Nacht, etwas Wein und fertig war der Chorus und ebenso gleich die zweite Strophe. Danach sind wir ins Studio, haben ein zweites Mal die Stimmen und die echten Drums aufgenommen. Mit dem Resultat des Studiotags hat sich Luca hingesetzt und das Ding gemischt. Danke Luke!

    Dascha: Wenn du schon so viel verraten möchtest: Die Singles machen natürlich neugierig auf mehr. Kann man sich dieses Jahr vielleicht auf eine EP von dir freuen?

    Sweed: Einen Releaseplan dafür gibt es bereits. Am besten einfach am Geschehen von SWEED dranbleiben, dann verpasst ihr nichts.

    Dascha: Wer oder was inspiriert dich musikalisch am meisten?

    Sweed: Auf jeden Fall fast alles, was ich von meinem Dad kenne. Wir hatten damals eine riesige CD-Sammlung, hauptsächlich 80s. Also aufgewachsen bin ich mit Songs von Billy Idol, Tina Turner, Stevie Wonder, Queen, Kool & the Gang, … Das sind ein paar von vielen Künstlern, die ich aus der Zeit mitgenommen habe. Welche Band ich aber schon wirklich lange verfolge, ist The Neighbourhood. Die Alben I Love You, Wiped Out! und Hard To Imagine The Neighbourhood Ever Changing haben meine Sichtweise auf Musik nochmal komplett verändert. Checkt aber doch gerne einmal meine SWEEDEST 21’s Playlist auf Spotify aus. Hier findet ihr alles, was mich in der letzten Zeit so inspiriert hat. 

    Dascha: Zum Schluss frage ich immer nach einer „Untold Story“, also etwas, das die Öffentlichkeit noch nicht von dir weiß. Gibt es etwas, was du loswerden willst?

    Sweed: Meine zweite Leidenschaft neben der Musik ist das Skaten und eine gute Gemeinschaft beutetet mir unheimlich viel. Mein Freundeskreis ist alles! Und F*ck Nazis! Danke für die Möglichkeit mit dem Interview, bleibt alle gesund und munter! Liebt euch! 

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    Foto Credit: Elena Pagano

  • Santans im Interview: »Ich wollte das Kreative an den Nagel hängen.«

    Santans im Interview: »Ich wollte das Kreative an den Nagel hängen.«

    Santans ist Chris Scott Pham aus München. Im Januar haben wir noch seine zweite Singleauskloppung Mesa Verde premiert, heute haben wir ihn im Interview. Chris macht alles selbst, was seine Musik angeht. Ob Produzieren oder den Videoschnitt seiner Musikvideos, er hat sich alles selbst beigebracht und ist darüber hinaus auch noch in unzähligen anderen kreativen Projekten aktiv. Ein wahres kreatives Mastermind, immer an der Grenze zur absoluten Überarbeitung. Jedenfalls war das so, bis er letztes Jahr diese Grenze überschritten hat und nach einem Blackout auf einmal auf der Intensiv-Station lag. Hirn-OP und ein Krankenhausaufenthalt waren die Folge. Wie er aus diesem Tief wieder rauskam, was das für seine Musik bedeutete und wie er es in seiner neuen EP ttt verarbeitet hat, könnt ihr hier lesen.

     
    Santans im Interview

    Anna: Hey Chris, cool dass es geklappt hat. Ich darf dir auch hier nochmal zum Release deiner EP gratulieren! Wie fühlst du dich?

    Santans: Danke! Mir geht’s gut. Gefeiert oder so hab ich nicht, ich bin jetzt erstmal erleichtert wenn das alles rum ist mit der Promo und alles. Dass ich mal wieder ein bisschen runterkommen kann. Da freu ich mich drauf, auf die Ruhe (lacht).

    Anna: Bevor wir über deine EP reden, willst du dich kurz ganz klassisch vorstellen?

    Santans: Mein Name ist Chris, mein Solo-Projekt ist Santans. Viele fragen sich auch, was Santans eigentlich heißt. Das ist eine kleine französische Stadt, aber auch ne Blume. Die Blume fand ich immer sehr schön, deshalb dacht ich mir, warum nicht. Und in meinem Solo-Projekt versuch ich ohne Kompromisse Musik zu machen. Ich spiel da auch jedes Instrument. Das ist, wahrscheinlich wie bei vielen, für mich eine Art Selbsttherapie. Das probier ich irgendwie alles in einem Gesamtwerk von Musik, Texten und auch Musikvideos darzustellen.

    Anna: Du bist so super kreativ und machst tausend Dinge, aber wie hat das alles eigentlich angefangen? Was hat dich zur Musik gebracht?

    Santans: Zur Musik gebracht hat mich Arctic Monkeys, Alex Turner und der Influence von den ersten zwei Alben. Ich war so fasziniert, dass ich einfach auch selber in einer Band spielen wollte. Und so hat’s angefangen mit der Musik.

    Santans, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, mesa verde, yseasons, chris scott, chris scott pham, ttt, come undoneAnna: Wusstest du schon immer, dass du alles alleine im DIY Stil machen willst oder hat sich das auf dem Weg so ergeben?

    Santans: Das hat sich auf dem Weg so ergeben. Wir waren mit der ersten Band während Schulzeiten in Tonstudios, aber haben dort nicht so gute Erfahrungen gemacht. Deshalb dacht ich mir dann irgendwann, ja, dann probier ich’s mal selber mir alles anzulernen. Mein Dad hat auch schon immer gesagt „wenn du was lernen willst, dann schau dir YouTube an, google es, das kriegst du schon auf die Reihe“ (lacht). So hat’s angefangen mit dem DIY. Und auch mit den Videos. Kein Budget für die Musikvideos? Na gut, dann drehen wir es halt selber und ich bring mir das Schneiden bei. Und jetzt bin ich halt hauptberuflich Videographer aus der Not heraus.

     
    „Dieses mehr moody, das spür ich viel, viel mehr“

    Anna: Als Santans hast du 2016 das erste Mal Musik veröffentlicht und relativ parallel hat es auch von deiner Band Color Comic die ersten Lebenszeichen gegeben. Du bist damals schon all-in gestartet. Wieso die zwei Projekte? Und was macht Santans für dich auch so besonders?

    Santans: Also Color Comic ist ja ein sehr fröhlicher Sound und zum Ausgleich brauch ich halt diese melancholische Musik. Und die erste Santans EP, die 2016 erschienen ist, die ist ja auch spontan entstanden. Das war kurz vor meinem Auslandssemester in Miami, und ich hatte das Gefühl, ich muss noch für mich selber Musik machen.  Ich habs dann aufgenommen und in Miami fertig gemischt. Dieses mehr moody, mehr melo, das spür ich viel, viel mehr. Das bin auch mehr ich. Aber auch in der Band spielen macht auch super Spaß und deswegen war das so der gute Ausgleich.

    Anna: Aber war das nicht ganz schön viel, so alles auf einmal zu machen?

    Santans: Das war viel auf einmal, da hast du schon Recht (lacht). Ich hab ja auch zu dem Zeitpunkt in dem Betrieb, wo ich war, meine Bachelorarbeit geschrieben. Nach der Arbeit bin ich dann noch zu ner Bar gefahren, war dort auch als Barkeeper, weil ich auch zusätzlich Geld verdienen wollte für Musik- und Videoequipment. Und dann noch Album-Recordings… Das war schon viel, wahrscheinlich zu viel. Mir ging’s auch nachdem alles draußen und abgeschlossen war nicht so gut dann, da hab ich auch diese Überarbeitung gemerkt.

     
    „Wenn du die Jahre davor nur am Arbeiten warst und dann auf einmal nichts mehr hast“

    Anna: Dann Anfang letztes Jahr hast du dann einen Neustart gemacht, hast dein Filmprojekt Y-Seasons gestartet und versucht einen neuen Zugang zu Sachen zu finden.

    Santans: Vor 2020, da hatte ich so ein kreatives Tief, wegen der Überarbeitung. Und wie du grad gesagt hast, ich wollt einen Neustart probieren, und probieren wieder gleichmäßig Content zu kreieren. Da kam ich auf die Idee mit Y-Seasons, dem YouTube Channel, dass ich da regelmäßig Videos produzieren zum Bereich Musik, Branche, Videoproduktion. Aber das hab ich auch vööllig unterschätzt, wie viel Arbeit das ist, dass du alles Woche für Woche skriptest, nebenbei war ja auch noch Band und alles. Hab ich krass unterschätzt.

    Anna: Vier Monate später ist auch das dann jäh auf der Intensivstation geendet. Was ist passiert?

    Santans, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, mesa verde, yseasons, chris scott, chris scott pham, ttt, come undoneSantans: Das war an einem Freitagabend, da hab ich noch gearbeitet, da wurde mir halt schlagartig schwindelig, ich wollte ein Glas Wasser holen, bin auf dem Weg zur Küche umgekippt, Platzwunde. Im Krankenhaus haben sie dann meinen Kopf gecheckt, ob ich ne Gehirnerschütterung hab und da haben sie durch diesen Check etwas entdeckt, was halt raus musste aus meinem Kopf. Und wenn du dir das so vorstellst, wenn du die Jahre davor nur am Arbeiten warst und dann auf einmal nichts mehr hast, einfach nur noch flach liegst, das war schon krass. So die Zeit, die ich dann hatte, ich konnte ja auch nicht mehr irgendwie mich ablenken, sondern war ja nur noch mit mir selber konfrontiert. Das war auch, ja…, krasser Break.

    Anna: Wie lange warst du auf der Intensivstation?

    Santans: Also Intensivstation, das waren nur 1-2 Nächte nach der OP. Aber der ganze Krankenhausaufenthalt waren eineinhalb Monate, wo ich nicht rausgehen konnte, weil das war ja nach dem ersten Lockdown. Keiner konnte rein, ich war halt wirklich nur auf mich selber gestellt. Und im Nachhinein war’s ne Erfahrung, die ich gebraucht habe. Diese Zeit mir selber.

     
    „Ich hab den Sinn und die Freude am kreativen Schaffen verloren“

    Anna: Die EP ist ja dann genau in dem Zeitraum entstanden. Wofür steht ttt? Was ist die main message, die du mit der EP vermitteln willst bzw. verarbeitet hast?

    Santans: ttt heißt time to think. Ich hab’s nicht ausgeschrieben, weil die ts könnten ja auch wie Krankenhauskreuze ausschauen, deswegen hab ich’s kurz gelassen. In den Songs verarbeite ich die Zeit im Krankenhaus mit den Gedanken, die ich da hatte, dass ich das Kreative an den Nagel hängen wollte. Allgemein mit Musikvideos, ich dachte mir, warum hast du so viel gearbeitet, für was machst du das eigentlich? Machst du‘s, weil‘s dir Spaß macht? Ich hab den Sinn und die Freude am kreativen Schaffen verloren. Und die EP handelt halt genau davon, von der Konfrontation mit einem selber und von Hoffnung, dass wenn man es überwindet, es auch weitergeht und man mehr Möglichkeiten sieht als davor. Also so geht’s mir. Und ich will nichts predigen, sondern ich will nur sagen, dass man auf sich aufpassen sollte. Sich nicht, wie ich’s in meinem Fall gemacht habe, körperlich und mental irgendwie vernachlässigen.

    Anna: Hast du dich dann durch die Lieder zu dieser Hoffnung hingearbeitet und wieder deinen Weg zurück zum Künstler-Dasein gefunden?

    Santans: Ja, kann man so sagen. Ich war davor ja auch sehr, sehr versteift. Ich dachte mir, ich hab dieses Ziel, dass ich irgendwann von der Musik leben kann, und dafür muss ich halt erst das und das machen. Dann erreich ich Meilenstein Nr. 1 und immer so weiter. Bin meinem roten Faden gefolgt und das hat so krass versteift. Nach der OP, wo ich mich dann auch wieder erholt habe, hab ich mehr auf mich geachtet, mehr Stunden geschlafen als nur 3-4 Stunden am Tag, regelmäßig gegessen und angefangen, Sport zu machen, zu laufen, zu meditieren. Ich bin dann an die Sache gelassener rangegangen, und dann ging auch alles viel leichter, das hab ich auch gelernt.

    Anna: Hast du dadurch auch gelernt, dass du ein paar Aufgaben abgibst, oder machst du immer noch alles alleine?

    Santans: Das Witzige ist, an Sachen, die erledigt werden müssen, die sind ja nicht weniger geworden. Aber vom Kopf her geh ich jetzt ganz anders an die Sachen ran, dass ich halt das Gleiche leiste, aber dafür effektiver und fokussierter. Und Aufgaben abgeben bei einem Solo-Projekt ist halt eher schwierig, aber ich kann sagen, dass ich grad das Gefühl hab, dass ich ganz gut alles unter einen Hut krieg.

     
    „Ich glaub, je limitierter man ist an Möglichkeiten, desto krassere kreative Ideen kommen dann raus“

    Anna: Was hat dir besonders Spaß an dieser EP gemacht?

    Santans: Besonders Spaß machen mir immer die Musikvideos. Ich hab so gewisse Freunde, wo ich weiß, wenn ich sie anschreibe, die sind einfach dabei. Auch bei Blanc Cassé, wo ich gesagt hab, ich will barfuß durch Schnee laufen und nur in Hemd und Hose in den See springen, haben sie mir den Vogel gezeigt, aber waren dabei. Die Drehs machen mir immer am meisten Spaß, weil ich seh dann wie ich durch meine Ambition die Leute, die dabei sind, selber motiviere, dass sie halt auch an ihrem kreativen Traum weiterarbeiten.

    Anna: Wenn wir gerade über Musikvideos reden, hast du da immer ein klares Bild von dem, was du machen willst, oder wo findest du deine Inspirationen dafür?

    Santans: Das ist ganz unterschiedlich. Man lässt sich ja von allem, was man sieht, beeinflussen und inspirieren. Bei Call It A Night zum Beispiel, da hab ich mir einen romantischen Nacht-Spaziergang durch Paris vorgestellt beim Schreiben, und das wollte ich dann auch visuell umsetzen. Hab mir in München dann Spots gesucht, die das darstellen können, und hab extra gewartet, auf einen Tag, wo Vollmond ist, damit man auch noch kurz den Vollmond filmen kann. Ich hab ja immer noch kein Budget und mach alles aus meiner eigenen Kasse. Da spielt dann schon auch Kreativität ne Rolle, wie man mit nur Verpflegung für die Crew halt das Musikvideo produzieren kann. Bei Mesa Verde, was hab ich da ausgegeben? Nur die weiße Schminke (lacht). Ich glaub, je limitierter man ist an Möglichkeiten, desto krassere kreative Ideen kommen dann raus.

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    „Vom mentalen Wrack zu einer Person, die halt wieder Hoffnung sieht.“

    Anna: Du hast jetzt zur EP auch kreativen Merch rausgebracht: Von deiner Schwester designte und von euch beiden selbst gedruckte Kunst-Prints und ein kleines Fotobuch mit Texten, Lyrics und Fotos aus dieser Zeit. Beide sind super limitiert. Wie bist du auf diese besondere Idee gekommen?

    Santans: Das kam halt auch so aus der Not heraus. Ich wollte irgendwas zum Anfassen haben für die Leute, die mich unterstützen und hören. Schallplatte hat einen gewissen Charakter, aber da hatte ich das Budget nicht für. Dass ich mit meiner Schwester was machen wollte, weil die Grafikdesignerin ist, das war eh klar, deswegen die Lino-Prints. Und das Fotobuch stammt ja aus dem Fototagebuch, was ich in der Krankenhauszeit geführt hab. Diese Fotos, die sollten eigentlich nur mich erinnern, wie ich mich in der Zeit gefühlt habe, aber jetzt im Laufe des Jahres, wo die ganzen Songs und Musikvideos entstanden sind, war das irgendwie für mich so eine schöne Geschichte, vom mentalen Wrack sich zu einer Person zu wandeln, die halt wieder Hoffnung sieht. Und diese Geschichte, dass man aus dem tiefsten Loch halt trotzdem wieder glücklich werden kann, fand ich dann doch schön.

    Anna: Jeder Song hat einen eigenen Print, wie du schon sagtest. Wenn du die einzelnen Songs in ihrer Grundessenz beschreiben würdest und wie sie zu dem jeweiligen Print passen – was würdest du sagen?

    Santans, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, mesa verde, yseasons, chris scott, chris scott pham, ttt, come undoneSantans: Der erste Print ist zu Come Undone. Da geht’s genau um den Sturz und seinen roten Faden verlieren. Ich hab’s mir halt wirklich so bildlich vorgestellt, dass mein roter Faden gerissen ist. Und auf dem Bild sieht man ja eine Person kopfüber, die auf den Kopf fällt und die Person selber besteht aus dem roten Faden. Das ist von den dreien mein favorite Print, vielleicht auch weil es die persönlichste Message ist vom Song her für mich.

    Bei Mesa Verde, da hab ich gemerkt, dass ich von meinen eigenen Problemen weggelaufen bin und durch noch ein Projekt anfangen und hier noch was anfangen, mich abgelenkt habe. Bei Mesa Verde geht’s um die Konfrontation mit seiner Schattenseite, seinen Dämon. Und bei dem Print sieht man ja auch zwei identische Personen, die sich raufen und schlagen.

    Call It A Night ist so der Abschluss. Dass man einfach diese Nacht noch genießt, man weiß, der Morgen kommt, aber es ist schön, nicht zu wissen, was dann morgen einen erwartet. Wenn man einfach noch in die Nacht hineinlebt. Ich glaub, meine Schwester wollte mein Gesicht malen, das dann den Mondzyklus durchgeht, die Sterne und den Nachthimmel.

    Anna: Ich find sie alle schön und die Idee dahinter auch. Man kann sich auch einfach mal Kunst an die Wand hängen. Damit sind wir schon bei der letzten Frage, die sich um eine untold story dreht. Auch wenn deine EP sehr persönlich ist und du auch im Vornerein viel dazu geteilt hast – gibt es etwas, was du so noch nie in einem Interview erzählt hast?

    Santans, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, mesa verde, yseasons, chris scott, chris scott pham, ttt, come undoneSantans: Lass mich überlegen (lacht). Ja vielleicht das Bowling Shirt? Es hat ja damit angefangen, dass ich einfach nur „call it a night“ schön fand und ich versucht habe, drum herum einen Song zu schreiben. Als der Song dann fertig geschrieben war, hab ich auf Insta eine Werbung gesehen zu nem Bowling Shirt und hinten drauf ist dringesteckt „call it a night“. Einerseits gruselig, weil okay ich hab’s vielleicht oft gesungen und Handy hört mit und so (lacht). Ein Kumpel hat mich gefragt, wie sich der Schmerz anfühlt, nach ner frischen Hirn-OP, hab ich gesagt, das ist wie wenn du ne Bowling Kugel balanciert. Und dann seh ich halt ein Bowling Shirt, wo call it a night draufsteht. Das fand ich schon crazy. Das vielleicht als so fun fact zur EP.

     

    Hört hier in die ganze EP ttt von Santans rein:

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    Fotocredit: JYE, Lukas Gruber

  • Search Yiu im Interview: „Das Album ist quasi ein mentales Spa“

    Search Yiu im Interview: „Das Album ist quasi ein mentales Spa“

    Am 19.02 erschien Search Yius neues Album SY, in dem er seine Hörer:innen auf eine sehr persönliche Reise rund um mentale Gesundheit mitnimmt. Selbst erlebte Geschichten, dunkle Gedanken, lebendige Beats und alles frei nach der Idee der „inneren Wellness“. Irgendwo zwischen Deutschrap, Pop und Indie klingt SY einfach fesselnd. Fernab des Mainstreams werden auf dem Album Themen wie Suizidgedanken, Einsamkeit, Verliebtsein, Bisexualität und das Nicht-Loslassen-Können in neuen Facetten behandelt. Doch das Album klingt nicht hoffnungslos, im Gegenteil — Zwischen all der Schwere kommt doch noch der Optimismus durch. Zusammen mit Mia Morgan spricht er seit vergangenem Jahr auch in ihrem gemeinsamen Podcast Mental Mall unter anderem offen über seine Borderline Erkrankung.

    SY könnte sich durch seine intimen Erzählungen zu einem wertvollen Wegbegleiter einiger Hörer:innen, die ähnliches durchleben, entwickeln. Diese mögliche Identifikation ist wohl einer der wichtigsten Gründe, wieso man mentale Gesundheit in der Öffentlichkeit thematisieren sollte. Dennoch eignet sich das gefühlsbestimmte Album auch für alle, die ihre persönlichen Erfahrungen nicht auf die von Search Yiu beschriebenen Szenarien beziehen können. Kraftvolle, düstere Beats wie in Leer oder entspannte, leichte Sounds wie in Spaß wurden hier gekonnt in ein außergewöhnlich stimmiges Ganzes verpackt. Es ist genau das Album, nach dem ich mich unbewusst schon seit einiger Zeit gesehnt habe und ich wünsche mir sehr, dass Search Yiu damit bei allen, bei denen er bisher noch unter dem Radar flog, in den Vordergrund rückt.

    Dascha: Hey, na, wie geht es dir im Moment?

    Search Yiu: Hey Dascha, mir geht’s gut! Ich bin müde und ich schlafe zur Zeit schlecht, trotzdem geht’s mir gut. Und dir?

    Dascha: Auch ganz gut, den Umständen entsprechend. Bald kommt schon dein Album raus, bist du aufgeregt?

    Search Yiu: Bin ich, ja! Es gibt auf jeden Fall viel zu tun, aber ich bin froh drum. Nachts kommt dann immer die Aufregung, dann denk ich viel über das Album nach, weil ich tagsüber viel daran arbeite. Ich glaube das ist aber ganz normal. Ist auch das erste Mal, dass ich so richtig mit Promo release.

    Dascha: Welche Themen haben dich durch das Album geleitet? Was hast du damit besonders verarbeitet?

    Search Yiu: Sehr persönliche Themen. Also es geht ja besonders viel um Mental Health, ich hab mich dabei sehr viel mit mir selbst in meinem Kopf beschäftigt und versucht das dann in den Songs zu verpacken. Es sind ganz viele Themen die mich beschäftigen, es war ein bisschen wie Sachen rauslassen und loswerden.

    Dascha: Wie fühlst du dich denn dabei so viel privates, Mental Health-bezogen, mit der Öffentlichkeit zu teilen? Bei Mental Mall oder besonders in Still geht es ja viel um deinen mentalen Zustand. Fällt dir das leicht?

    Search Yiu: Leichter als früher. Es kommt drauf an, es gibt so Tage, da fühlt sich das nicht so gut an. Da fühlt es sich einfach nur weird an, dass so viele Leute so viel über mich wissen, aber ich umgekehrt nichts von ihnen. Aber letztendlich find ich es einfach sehr wichtig darüber zu reden. Gerade beim Podcast mit Mia bekommen wir immer so schönes Feedback, das mir zeigt, dass es Sinn macht darüber zu reden. Auch wenn es manchmal schwer ist, ich glaube, mittlerweile kann ich das ganz gut.

    Dascha: Es fasziniert mich auch immer mit was für einer Leichtigkeit und Offenheit ihr im Podcast darüber redet!

    Search Yiu: Hat aber auf jeden Fall lange gedauert, bis ich da so offen drüber sprechen konnte, das ging nicht einfach so direkt.

    Dascha: Hast du denn einen Lieblingssong auf dem Album?

    Search Yiu: (Überlegt) Ich glaube der erste, Denk, aber auch Still, den mag ich sehr gerne, weil er halt so persönlich ist und ich den sehr schnell runtergeschrieben habe. Der kam einfach so richtig aus mir raus und wurde dann der persönlichste Track, den ich je gemacht habe. Und Lange her mag ich auch sehr. Ich glaube, das wird nicht so ein Song, der am meisten gehört wird, aber den mag ich persönlich einfach gerne. Schwierig, sich einen Favoriten raus zu picken.

    Dascha: Wie denkst du hat sich deine Musik, oder auch du selbst, von deinem vorherigen Album Alles was ich habe bis hierhin entwickelt?

    Search Yiu: Im besten Falle entwickelt man sich musikalisch ja immer weiter, da hab ich gemerkt, dass ich jetzt mehr Skills hatte. Auch bei Luka (Seifert), mit dem ich beide Alben gemacht habe. Wir haben beide voll dazugelernt. Persönlich habe ich mich auch entwickelt, glaube ich. Beim letzten Album ging es ja viel darum, wie schwer es mir fällt alleine zu sein und dass es mir immer schlecht geht, sobald ich alleine bin. Und das hat sich geändert, ich bin mittlerweile ganz gut im Alleinsein und bin es auch gerne. Also natürlich nicht nur, man muss auch eine gute Base an Friends haben, aber mittlerweile komme ich auch ganz gut mit mir alleine aus.

    Dascha: Wo wir schon beim Alleinsein sind: Hast du Tipps wie man diese Lockdown-Zeit am besten übersteht? Für viele ist das mental gerade ja schwierig.

    Search Yiu: Ich persönlich versuche mir so viel Routine wie möglich in den Tag zu bringen. Ich stehe dafür gerne früh auf, war aber auch schon immer ein Frühaufsteher. Und ich zocke viel am Tag (lacht). Wir sind da mittlerweile zu acht und haben einen Sprachchat, in dem wir uns abends treffen und zusammen Fortnite zocken. Da kann man einfach mal nur zocken und sich nur über das Zocken unterhalten. Das sind dann nicht so ernste Themen, das ist auch mal ganz schön.

    Dascha: Du bringst zu deinem Album ja auch eine eigene Gesichtscreme raus. Ich erinnere mich, wie du bei Mental Mall mal gesagt hast, dass ein eigenes Skin Care Produkt ein großer Traum von dir ist. Wie kam das jetzt zustande?

    Search Yiu: Also es war nicht so einfach (lacht). Es hat gedauert, ich wusste nur, ich wollte irgendein Skin Care Produkt machen. Am Anfang wollte ich Masken machen. Da ist das Problem aber, dass es ja solche Fabriken gibt, die das für dich herstellen, aber die machen das eher nur für Brands, die sehr große Stückzahlen bestellen. Da war schnell klar, dass ich mir als kleiner Artist nicht leisten kann so tausende Masken herstellen zu lassen. Dann hab ich nach einer Brand gesucht, die Skin Care macht, mit der ich dann zusammenarbeiten kann. Die quasi schon so ähnliche Produkte haben, die meinen Ansprüchen entsprechen, um das dann gemeinsam herzustellen. Das hab dann gefunden, in einer kleinen hamburger Brand. Ich war so happy, als das geklappt hat.

    Dascha: Ich hab generell das Gefühl, dass du mega into Wellness und Spa bist und das für deine Ästhetik nutzt. Woher kommt das?

    Search Yiu: Auf jeden Fall! Also Skin Care mache ich seit zwei, drei Jahren. Ich hab irgendwann angefangen diese Vogue und Harper’s Bazaar Videos zu gucken, in denen Stars ihre Skin Care Routine zeigen und hab angefangen mich immer mehr damit zu beschäftigen. Und damit kann man sich richtig viel und lange beschäftigen. In’s Spa und in die Sauna gehe ich auch mega gerne. Wellness ist ja auch nicht immer nur diese äußere Wellness, sondern auch innere. Das hat ganz gut gepasst. Das Album ist quasi ein mentales Spa, in dem ich mich ganz viel mit mir selbst beschäftige und es mir dadurch auch besser geht.

    Dascha: Jetzt bist du in das neue Jahr schon mit Album Release gestartet. Gibt es noch andere Sachen in diesem Jahr auf die du dich freust oder hast du besondere Pläne?

    Search Yiu: Ich will natürlich weiter Musik machen und mein Album erstmal unter die Leute bringen. Ich will auch gerne mehr Features machen, da hab ich schon so zwei, drei Leute, mit denen ich Features zusammen machen will. Also gar nicht so an Album gedacht, eher Singles. Beruflich gesehen hab ich noch ein paar andere Projekte, abgesehen von meiner eigenen Musik, wo ich involviert bin und wo wahrscheinlich noch ein bisschen was passiert dieses Jahr. Sonst plan ich auch nicht viel, ich hab irgendwie aufgehört viel zu planen. Ich bin jetzt eher Yolo-mäßig am Start (lacht).

    Dascha: Ist zur Zeit wahrscheinlich besser so. Welche Musiker oder Musikerinnen feierst du zur Zeit selbst?

    Search Yiu: Sowas muss ich erstmal bei Spotify nachgucken. Also ich hör hauptsächlich immer noch Rap, ich mag diese berliner Szene um Pashanim und Symba. Verifiziert mag ich auch sehr. Ich hatte gerade auch wieder meine alte Eminem-Phase und Frank Ocean geht auch immer. SOPHIE hab ich auch viel gehört, weil sie ja leider verstorben ist. So viel unterschiedliches hab ich in letzter Zeit aber gar nicht gehört.

    Dascha: Dann sind wir auch schon bei der letzten Frage. Ich frag dich hiermit nach einer Untold Story, also einem kleinen Geheimnis oder einer Geschichte, die die Öffentlichkeit noch nicht von dir kennt. Kann natürlich gerne zum Album sein.

    Search Yiu: Da ich ja einen Podcast hab, hab ich das Gefühl, dass ich immer schon alles aus meinem Leben erzähle (überlegt). Die Leute aus meinem engeren Umfeld, die das Album schon vorher gehört haben, haben mich oft gefragt wer bei Werden wie du gemeint ist. Da ist die Hintergrundstory, dass es um eine Person geht, die mir nah steht, aber ein ganz anderes Leben als ich führt. Also das ist gar nicht wertend gemeint, sondern dass das einfach ein stabileres, classic Kleinstadt-Life mit Family und sicherer Arbeit ist und ich in Berlin dieses Musikerleben führe. Aber manchmal hab ich diese Sehnsucht nach dieser Sicherheit auch und das war so an diese Person gerichtet, dass ich das irgendwann vielleicht auch mal will. So ein classic sicheres Leben. Vielleicht aber auch nicht, ich weiß es nicht. Manchmal überkommt mich das dann schon.

    Hier geht’s zu Search Yius neuem Album SY, es lohnt sich sehr:

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    Foto Credit: Iga Drobisz
  • Luke Noa im Interview: »Ich lege großen Wert auf die Ästhetik.«

    Newcomer LUKE NOA veröffentlichte letzten Monat seine neue Single „Femme Fatale“. Ein verträumter und melancholischer Song, der perfekt in die kalten Wintertage passt. Im Interview erzählt er uns von der Entstehung seiner Songs, was ihn inspiriert und seinen Wünschen für die Zukunft. 


    Luke Noa im Interview

    Julia: Hi Luke, erstmal danke, dass du dir Zeit genommen hast! Wie geht’s dir denn so?

    LUKE NOA: Mir geht‘s gut! Ich meine, klar, jeder hat die Pandemie im Nacken sitzen. Aber ansonsten geht es mir gut, ich kann mich eigentlich nicht beschweren. Gerade erblickt auch viel Musik von mir das Licht der Welt, das macht die Zeit etwas einfacher. 

    Julia: Das freut mich zu hören! Möchtest du dich vielleicht kurz vorstellen, für alle, die dich noch nicht kennen?

    LUKE NOA: Ich bin Luke, 22 Jahre alt und Songwriter und Sänger. Ich bin geboren in Biberach, im tiefsten Süden Deutschlands. Aufgewachsen bin ich allerdings in der Schweiz. Seit 10 Jahren bin ich wieder in Deutschland, auch wieder hier in Biberach. Das ist quasi meine „Heimat Heimat“, hier lebt auch meine ganze Familie. 

    Julia: Du hast ja vor knapp zwei Wochen deine neue Single Femme Fatale veröffentlicht. Möchtest du ein bisschen was über den Hintergrund und die Entstehung des Songs erzählen?

    LUKE NOA: Ich habe mir viele Gedanken gemacht wie ich darüber sprechen möchte, es war auch vorab die Frage, die mich am meisten beschäftigt hat. Es ist ein sehr intimer Song und ich möchte inhaltlich gar nicht so sehr ins Detail gehen – finde es immer spannender als Künstler den Raum für Interpretationen groß zu halten. Es ist auf jeden Fall ein Song, indem es um Vertrauensbruch geht – ein distanzierter Vertrauensbruch. Man befindet sich im Beobachter-Modus, sieht zu wie die Dinge geschehen ohne etwas daran ändern zu können. Ich schreibe Songs generell sehr gerne über gewisse Momente oder Zeiträume. Bei Femme Fatale ist es ganz spezifisch, weil der Zeitraum sehr kurz gewesen ist. Es war nur ein kleiner Moment, 10 Sekunden, die die emotionale Durchschlagskraft hatten um die Grundlage für diesen ganzen Song entstehen zu lassen.

    Über den Entstehungsprozess

    Der Song ist schon zwei Jahre alt und die Anfänge habe ich im Spätsommer 2019 geschrieben. Ich hatte recht früh eine Vorstellung davon, wie es mit dem Intro klingen soll – diese Fläche mit der Stimme und der Gitarre. Kleiner Funfact – die Gitarre, die man am Anfang hört, habe ich hier zuhause in meinem Zimmer aufgenommen. Die hat es auch bis zum Ende in die fertige Aufnahme geschafft. Ab da ist dann viel mit meinem Produzenten Alex Sprave entstanden, der die Reise fortgeführt hat. Der Entstehungsprozess war sehr vielschichtig und ich finde es ist etwas Schönes, wenn über die Zeit ein Song so reifen darf.

    Julia: Da stimme ich dir auf jeden Fall zu. Du hast ja auch ein Musikvideo zum Song veröffentlicht. Das fand ich richtig schön, wobei mir das letzte zu Roccastrada auch schon sehr gefallen hat. Wie kommst du eigentlich auf die Ideen für die Musikvideos? Steckst du dahinter? 

    LUKE NOA: Ich bin auf jeden Fall sehr involviert. Das ist mir auch wichtig. Ich finde Musikvideos sind mit das Schwerste in diesem Beruf und auch ein extremer Kraftakt. Aber es ist auch das, was am meisten Spaß macht, wenn man erstmal ein Konzept hat und es läuft. Bei Roccastrada war es relativ klar, denn der Song war da und ich kannte den Ort bereits. Wir haben in der Toscana in Italien gedreht und ich kannte die ganzen Kulissen auch schon – der Strand mit dem Schwimmholz und das toskanische Landhaus. Ich hatte die Kulissen also schon vor Augen und wusste genau, wie es dort aussieht. Die Schwierigkeit lag dann darin, es wirklich zu tun. [lacht] Die Umsetzung war schwerer als die Idee, aber die Idee war recht schnell da.

    Femme Fatale ist dann in einem sehr kleinen Kreis – mit Bernhard Schinn entstanden, der auch das erste Video gemacht hat. Da ging es darum, den Vibe des Songs, das Mysteriöse und Schwebende in Bilder zu übersetzen. Ich lege auch einen großen Wert auf die Ästhetik. Die beiden Videos haben nicht die krasseste Handlung, aber es wird viel über Bildsprache erzählt. Oft habe ich dann schon bestimmte Shots im Kopf. Das Femme Fatale-Video ist gewissermaßen aus der Not raus entstanden. Bevor wir überhaupt ein Konzept hatten, war klar, dass wir uns auf den deutschen Raum beschränken müssen. In Ulm gab es eine ganz besondere Location, wo wir dann gedreht haben. Ebenfalls wieder mit Jaqueline, einer guten Freundin von mir, die auch im ersten Video mitgewirkt hat. Mir war es wichtig, dass man eine Verbindung zwischen den zwei Songs schlägt.

    Julia: Man merkt auf jeden Fall, dass dir die Ästhetik wichtig ist. Die Cover-Artworks der beiden Singles ähneln sich ja auch ziemlich. Hat das einen Grund, dass die beiden verbunden sind?

    LUKE NOA: Das hat auf jeden Fall einen Grund. Die erste EP ist so ein abgeschlossenes Ding und jetzt kommt das nächste Kapitel, ohne zu viel zu verraten. Da ist es mir schon ganz wichtig, dass alles einen sehr einheitlichen Look hat.

    Julia: Gibt es Dinge, bezüglich deiner Karriere, wo du sagst, das muss ich unbedingt mal gemacht haben?

    LUKE NOA: Ich glaube der absolute Traum ist das Glastonbury Festival in England. Es würde schon reichen dort nur als Besucher hinzugehen. Das ist einfach ein Spektakel, das man auf keinem anderen Festival findet. Dort spielen zu können wäre natürlich eine große Ehre – generell in England. Was ich schon immer machen will, ist mehr in der Schweiz spielen. Ich bin ja dort aufgewachsenen und habe deshalb eine sehr gute und enge Verbindung zu diesem Land. Bis jetzt habe ich dort leider nur auf einem Festival gespielt. 

    Julia: Das kann ja noch kommen! Aber englische Festivals sind auch einfach hammer! Wir sind da eben schon ein bisschen darauf eingegangen, aber du scheinst ja auch Interesse an der Kunst zu haben, richtig? Ich habe auf Instagram gesehen, dass du malst. Ist das als Lockdown-Hobby entstanden?

    LUKE NOA: Ja, hast du richtig erkannt! Ich habe mich schon immer sehr für die Kunst interessiert und in der Schule die künstlerische Laufbahn eingeschlagen. Ich war eigentlich schon immer künstlerisch aktiv, habe aber dann im ersten Lockdown angefangen mir Ölfarben zuzulegen und mich mit der Ölmalerei ein bisschen zu beschäftigen. Im Sommer hab ich dann auch Corona-Kunstdrucke gemacht. Das ist auf jeden Fall ein Teil von mir, den ich mal mehr mal weniger ausleben kann, gerade auch wegen der Musik.

    Julia: Das wäre jetzt auch meine zweite Frage gewesen. Beeinflussen sich Kunst und Musik gegenseitig?

    LUKE NOA: Ich glaube sie beeinflussen sich nicht wirklich. Das was mich beschäftigt, verarbeite ich sowohl in der Musik als auch in der Kunst. Ich glaube, wo sich beides wieder trifft, ist beim Artwork. Ich bin da involviert und lege viel Wert darauf, dass Dinge einheitlich sind. 

    Julia: Im Oktober letzten Jahres hast du ja Roccastrada veröffentlicht. Das ist ein sehr persönlicher Song und wie du zu Beginn bereits angedeutet hast, ist Femme Fatale auch ziemlich persönlich. Gibt es noch andere Dinge, neben deinen eigenen Erfahrungen und Gefühlen, die dich beim Songwriting-Prozess beeinflussen oder inspirieren?

    LUKE NOA: Andere Musik beeinflusst mich natürlich ganz krass! Mein Onkel ist Musikenthusiast und lebt in einer Wohnung voll mit Schallplatten, CDs und Postern – ein Musikerschlaraffenland. Man betritt die Wohnung und hat sofort das Gefühl, als würde einen die Inspiration attackieren. Ich habe in dieser Wohnung ganz viel Musik gemacht – die Demos von Roccastrada und Femme Fatale sind dort ebenso entstanden. Ich habe durch meinen Onkel ganz viel neue Musik entdeckt, auch solche, die ich normalerweise nicht hören würde. Das hatte direkten Einfluss auf die beiden Songs. Ich glaube andere Musik ist schon die größte Inspirationsquelle und dadurch erweitert man auch seinen Horizont.

    Julia: Und ansonsten schreibst du am liebsten über deine eigenen Erfahrungen?

    LUKE NOA: Es gibt bei mir so einen Punkt, ab dem ich spüre, okay, jetzt will ich den Song nicht schreiben, jetzt muss ich ihn schreiben. Das ist immer das Schönste, wenn man auf eine positive Art keine Wahl hat und diesen Song schreiben muss. Dann ist nichts erzwungen und alles fühlt sich richtig an. Es gibt aber auch Songs wo ich sage, das Thema beschäftigt mich und darüber möchte ich jetzt gerne einen Song schreiben. Allerdings ist es am schönsten, wenn es einfach raus muss.

    Julia: Hilft dir das dann beim Verarbeiten?

    LUKE NOA: Ja, absolut! Gerade bei Roccastrada und Femme Fatale war es ganz extrem. Da war dieses Gefühl, dass man es machen muss auf jeden Fall da.

    Julia: Steht da denn im Moment etwas in Arbeit? – Eine weitere EP oder vielleicht sogar ein Album?

    LUKE NOA: Ich möchte noch nicht zu viel verraten, weil es sehr bald frische News gibt. Aber schön, dass du den Zusammenhang der beiden Cover erwähnt hast. Es wird auf jeden Fall ein zusammenhängendes Ding kommen!

    Julia: Spannend! Dann komme ich auch schon zu meiner letzten Frage an dich – Die weicht allerdings ein bisschen vom Thema Musik ab: Gibt es ein Buch, dass du gerne weiterempfehlen würdest?

    LUKE NOA: Eins würde ich vor allem für Musik-Interessierte und Musiker:innen empfehlen: die Biografie von Moby. Mit ihm bin ich aufgewachsen und deswegen hat er auch einen ganz besonderen Stellenwert für mich. Das ist eine zweiteilige Biografie, in der er über sein Leben als New Yorker berichtet, sowohl über den Erfolg als auch über den Fall. Es geht um ganz wichtige Themen und wie sich diese im Laufe der Zeit für ihn verändern, auch im Zusammenhang mit Erfolg. Meine eigentliche Buchempfehlung ist aber Dr. Sex von T. C. Boyle. Grün ist die Hoffnungist auch super von ihm, aber Dr. Sex hat mich persönlich sehr mitgerissen. Der Roman handelt von einem fiktiven Protagonisten, der auf echte historische Personen trifft.  

    Julia: Mega! Ich danke dir für das schöne Interview!

    LUKE NOA: Freut mich auch sehr, dass es geklappt hat!


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    Fotocredit: Diana Mühlberger

  • Mulay im Interview: »Ich möchte Menschen auf eine Reise mitnehmen, in der sie sich selbst verlieren und entdecken können.«

    Mulay im Interview: »Ich möchte Menschen auf eine Reise mitnehmen, in der sie sich selbst verlieren und entdecken können.«

    Es gibt so viele Künstler:innen, die Musik machen, die berührt. Es gibt aber auch ein paar, bei denen berührt nicht nur die Musik, sondern alles drum herum auch. Mulay ist so eine Künstlerin. Vom Songwriting bis hin zur visuellen Umsetzung ihrer Musik ist alles um Mulay ästhetische Kunst. Jahrelang hat sie Erfahrungen gesammelt, um sich nun selbstbewusst und selbstreflektierend mit ihrem Soloprojekt zu verwirklichen. Ihre Debüt-EP ANTRACYTE kam Ende Januar raus und ist geprägt von sowohl ehrlichen, teils verletzlichen Songs als auch von empowernden. Wir haben sie für euch im Interview.

     
    Mulay im Interview

    Anna: Hey! Freut mich sehr, dass das geklappt hat! Seit ein paar Tagen ist deine Debüt-EP ANTRACYTE draußen. Wie fühlst du dich?

    Mulay: Es ist ein komisches Gefühl, nach einer so langen Reise, einem so langen kreativen Prozess nun quasi am Ziel angekommen zu sein. So sehr ich mich natürlich darüber freue, mein Debut nun endlich mit der Welt zu teilen, wurde mir, so kitschig es klingt, nochmal bewusst, dass der Weg das eigentliche Ziel ist. Ich bin stolz auf das, was mein Team und ich gemeinsam geschaffen haben. Ich bin unglaublich dankbar für all die Unterstützung, die diese EP überhaupt möglich gemacht hat und für all die Erfahrungen die ich auf dem Weg sammeln konnte. Jetzt heißt es Loslassen und auf zu Neuem. ANTRACYTE is all yours now.

    Anna: Als Newcomerin bist du ganz frisch in der Szene, vielleicht kannst du dich ganz kurz vorstellen? Welche Musik inspiriert dich und wen könnte deine Musik inspirieren?

    Mulay, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, mulaymusic, antracyte, untold musicMulay: Ich bin Mulay, Sängerin, Songwriterin, Produzentin, Performerin und lebe seit drei Jahren in Berlin. Mich inspiriert Musik, die mich berührt, mich bewegt, die Genregrenzen überschreitet, Neues schafft, sich authentisch anfühlt. KünstlerInnen wie FKA Twigs, Sevdaliza, SZA, James Blake, Frank Ocean und viele andere, die ihre ganz eigene Ästhetik kreieren und diese in mehreren Dimensionen kommunizieren, durch Klang, Bild, Performance… Ich selbst liebe es, interdisziplinär zu arbeiten und mit Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen zu kollaborieren und sich gegenseitig zu inspirieren. Ich möchte Menschen auf eine Reise mitnehmen, in der ein Jeder sich verlieren und selbst entdecken kann. Ungefilterten Gefühlen Ausdruck verleihen, Stärke in Verletzlichkeit zeigen, mich selbst und mein Umfeld reflektieren und damit einen Jeden inspirieren, der sich darin wiederfindet.

     
    „Für meine künstlerische Entwicklung war diese Zeit unglaublich wertvoll.“

    Anna: Bevor du 2020 deine Solokarriere gestartet hast, warst du auch schon musikalisch aktiv. Du warst viel mit Producer Moglii unterwegs, und unter Anderem live in Tokio und den Niederlanden gespielt. Wie haben diese Erfahrungen dich geprägt? Ich stell mir das alles sehr aufregend vor.

    Mulay: Das waren definitiv alles wichtige Erfahrungen, die mich als Mensch und Künstlerin geprägt und den Weg für meine Solokarriere geebnet haben. Nach der Schule habe ich in Holland Jazz & Pop Musik studiert und dort meine erste Band „YXC“ gegründet. Ich fing gerade an, meine eigenen Songs zu schreiben und hatte die Möglichkeit, diese in der Band gemeinsam zu arrangieren und vom kreativen Input der anderen zu profitieren. Ich hab erste Live Erfahrungen gesammelt genau wie Erfahrungen im Bereich Booking, Management und Creative Direction. Wir haben damals alles selbst gemacht und ich als Kopf der Band hab viele Jobs übernommen. Für meine künstlerische Entwicklung war diese Zeit unglaublich wertvoll, da ich ohne Druck Dinge ausprobieren und meine eigene Stimme als Künstlerin finden konnte. Die Mitglieder meiner damaligen Band sind noch heute ein wichtiger Bestandteil meines musikalischen Teams.

    Moglii habe ich auch zu der Zeit in Holland kennengelernt. Er war in der Stadt, um einen Freund zu besuchen, der an meiner Uni studiert hat. Der hat ihn dann zufällig auf ein Konzert meiner Band mitgenommen. Wir kamen ins Gespräch und fast zwei Jahre später hat die lang geplante Kollaboration begonnen. Ich bin unglaublich dankbar für die Erfahrungen, die ich mit Moglii auf der Bühne machen konnte. Wir waren sehr viel zusammen unterwegs und hatten immer eine gute Zeit. Erinnerungen an die ich besonders jetzt, wo Festivals und Live Konzerte so weit weg erscheinen, gerne zurückdenke. Ich hoffe sehr darauf, bald wieder auf der Bühne stehen und Musik live mit Menschen teilen zu können. 

     
    „Sie haben mir die Zeit gegeben, meine Vision zu schärfen bis ich sie klar kommunizieren konnte.“

    Anna: Wie hat diese Zeit das beeinflusst, was du jetzt solo machst? Hast du Sachen gelernt, die du jetzt anwenden kannst oder fühlst du generell, dass du dich dadurch auch weiterentwickelt hast?

    Mulay: Ich hab damals wichtige Erfahrungen gesammelt, die mir in erster Linie das Selbstbewusstsein gegeben haben, meine Vision als Solo Künstlerin umzusetzen. Ich hatte schon immer eine starke Vorstellung was Klang- und Bild- Ästhetik angeht und habe auch schon immer Persönliches durch Songwriting verarbeitet. Daher lag der Schritt in Richtung Solokarriere nahe. Die Zeit mit meiner Band und die Erfahrungen mit Interdisziplinären Projekten, wie der Klang- und Videoinstallation „Poem of a Cell“, mit der ich beispielsweise in Tokyo aufgetreten bin, haben mir erlaubt zu wachsen. Sie haben mir die Zeit gegeben, meine Vision zu schärfen bis ich sie klar kommunizieren konnte. Außerdem hatte ich durch mein Studium das Glück vielen, talentierten, kreativen Menschen zu begegnen, die mich dazu inspiriert haben, andere Perspektiven einzunehmen und Genregrenzen der Kunst zu durchbrechen.

     
    „ANTRACYTE beschäftigt sich mit dem Thema Betrug, Schuld, Verurteilung und dem Verlieren und Neufinden seiner Selbst.“

    Anna: Auf ANTRACYTE sind eine handvoll wirklich guter Lieder versammelt. Was verarbeitest du inhaltlich auf den einzelnen Songs?

    Mulay: ANTRACYTE beschäftigt sich mit dem Thema Betrug, Schuld, Verurteilung und dem Verlieren und Neufinden seiner Selbst. Die EP steht somit für den Abschied eines alten- und die Wiedergeburt eines neuen-Ichs. Es geht um das Scheitern, unter dem Druck von außen, einem bestimmten Bild zu entsprechen. Es geht aber auch um die ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbild und den Weg zur Selbstliebe, weiblicher Selbstbestimmung und sexueller Freiheit.

    Mulay, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, mulaymusic, antracyte, untold musicANTRACYTE gibt den Auftakt zur EP und fängt einen Moment der Selbstoffenbarung ein nachdem man Geliebte betrogen und verletzt hat. Man ist sich seiner Schuld bewusst und gibt sich seinem Schicksal hin. Der Song repräsentiert das erste Kapitel der Geschichte „the death of innocence and the birth of a villain“.

    PHOENIX ist aus einer weiseren Stimme im Rückblick auf das Geschehene geschrieben. Es steht für die Wiedergeburt und Erinnerung daran, dass es oftmals unsere Fehler sind, die uns formen. Die dunklen Zeiten, die wir überstehen, ermöglichen uns, über uns hinaus zu wachsen.

    MEDUSA repräsentiert die Dunkelheit. Es geht um die Konfrontation mit den Konsequenzen des eigenen Handelns, um die Erfahrung von Abweisung, Schuld, Selbstzerstörung und einem verzweifelten Ruf nach Aufmerksamkeit.

    SHAME steht für das Licht am Ende des Tunnels. Es ist die innere Stimme, die einen aus der Dunkelheit führt, die Erkenntnis, den Weg zu Selbstakzeptanz und bedingungsloser Selbstliebe. 


    PSYCHOPATH ist das Outro der EP und handelt von der Sehnsucht danach geliebt zu werden, entgegen jeder Vernunft. Es ist der einzige Song, der nicht auf meiner persönlichen Erfahrung, sondern der einer Freundin beruht. Er repräsentiert abschließend die Schönheit der Verletzlichkeit und die Dualität der Gefühle, die alle Songs vereint.

    Anna: Hast du einen Lieblingstrack oder einen, der dir besonders viel bedeutet?

    Mulay: Es wäre wahrscheinlich MEDUSA, da er mich am längsten begleitet hat. Obwohl er von einer sehr dunklen Zeit in meinem Leben erzählt, steht er heute für mein persnliches Wachstum als Mensch und als Künstlerin. Ich könnte ein Album rausbringen mit all den Versionen, in denen MEDUSA existiert hat, bevor ich endlich das Gefühl hatte, den richtigen Kontext gefunden zu haben. Als ich MEDUSA geschrieben habe, war ich ziemlich depressiv. Ich erinnere mich, wie absurd es sich angefühlt hat, den Song das erste Mal auf der Bühne zu singen. Ich hab über meinen tiefsten Schmerz gesungen, während ich genau das durchlebt und dafür Applaus bekommen hab. Wenn ich den Song heute höre oder performe, wird mir bewusst, dass ich mich jetzt nicht mehr so fühle. Ich werde daran erinnert, wie viel ich durch diese Zeit über mich selbst gelernt habe und wie viel stärker und weiser sie mich gemacht hat.

     
    „Es ist mir wichtig, mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen.“

    Anna: Du setzt bei deiner Musik auch ganz viel Fokus auf das Künstlerische drum rum. Von eindrucksvollen Musikvideos zu art installements und ästhetischen Fotoshoots: Musik scheint für dich immer auch mit etwas Visuellen verbunden zu sein. Was möchtest du damit ausdrücken, warum ist dir das so wichtig?

    Mulay: Musik ist für mich schon immer stark mit visuellen Ideen verbunden. Oft entstehen diese zeitgleich und ich habe bereits beim Schreiben eines Songs Bilder im Kopf. Daher ist die Visuelle für mich ein natürlicher, organischer Teil meines kreativen Prozesses und einfach eine weitere Möglichkeit mich auszudrücken. Ich liebe es, konzeptuell mit mehreren Ebenen und Dimensionen zu arbeiten mit dem Ziel, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Es ist mir wichtig, mich selbst und meinen kreativen Ausdruck nicht zu limitieren und mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Interdisziplinäre Kollaboration und gegenseitige Unterstützung als Creative Community ist für mich einer der wichtigsten Aspekte der Arbeit, die ich machen möchte und die größte Quelle an Inspiration.

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    Anna: Das Musikvideo von „SHAME“ zum Beispiel strotzt vor Frauenpower und ist sehr schön anzusehen – fühlt sich nur vom Zuschauen sehr empowernd an. War das auch die Message, die du mit dem Song verbreiten wolltest?

    Mulay: Auf jeden Fall. Die gesamte EP und die Geschichte, die sie erzählt, basiert auf meiner persönlichen Erfahrung, kann jedoch auch allgemeiner als Erfahrung einer Frau interpretiert werden. Es ist eine Ebene, die immer Teil meines künstlerischen Ausdrucks sein wird. Ich erlebe die Welt als Frau. In der Welt, in der wir leben, bedeutet das, oftmals mit anderen Maßstäben gemessen zu werden. SHAME habe ich aus der Perspektive einer inneren Stimme geschrieben, die einen daran erinnert, sich selbst eine bessere Freundin zu sein. Es geht um das Streben nach Selbstakzeptanz, danach seinen eigenen Weg zu gehen, anstatt sich Erwartungen anderer anzupassen. Daher wollte ich für das Video eine diverse Gruppe starker, inspirierender Frauen zusammenbringen, die diese Journey repräsentieren. Die Frauenpower an dem Tag war allgegenwärtig. Natürlich bedeutet das nicht, dass die Message allein für Frauen gilt, sondern für jeden, ganz gleich welches Geschlecht oder welcher Identität.  

     
    „Die Geschichte hat mit wenig Schlaf, Games und zwei Liter Eiscreme zu tun.“

    Anna:  Auch wenn deine EP jetzt gerade erst raus kam – kannst du uns schon verraten, auf was man sich von dir dieses Jahr noch freuen kann?

    Mulay: Ich habe im letzten Jahr während des Lockdowns einige neue Songs geschrieben und hatte das Glück für ein paar spannende Kollaborationen mit Künstlern ins Studio zu gehen. Es werden also auf jeden Fall erstmal ein paar Features kommen, auf die ich mich schon sehr freue. Ich werde den gefühlt endlosen Lockdown 2021 nutzen, um an meiner nächsten EP zu arbeiten und wer weiß…. the journey has just begun.

    Anna: Die letzte Frage ist eine „untold story“: eine Geschichte hinter einem Song oder Ähnliches, die du so noch nie in einem Interview erzählt hast. Kannst du da was mit uns teilen?

    Mulay: Als ich mit meinem Gitarristen Jascha den Song SHAME geschrieben habe, stand nach zwei Tagen Session das gesamte Instrumental. Nur was die Vocals anging, fühlte sich noch keine meiner Ideen zu Melodie und Text richtig an. Ich blieb die ganze Nacht wach bis es gegen 5:00 morgens Klick machte, die Inspiration mich überkam und der Song nach ein paar Minuten fertig war. Der Ursprung der Idee, die mich über mehrere Ecken und Gedankenstränge zum finalen Titel und Inhalt von SHAME geführt hat, liegt in der Geschichte des Vorabends meines Gitarristen, seinem Zustand am Tag darauf und einem Telefonat das wir hatten. Die Geschichte hat mit wenig Schlaf, Games und 2 Liter Eiscreme zutun…. Da es aber nicht meine Geschichte ist, werde ich nicht mehr dazu sagen, aber ihr könnt euch ja eure eigenen Theorien zusammenreimen. Ohne sie wäre SHAME vielleicht nicht entstanden. Our brain works in mysterious ways…

     

    Falls euer Interesse geweckt ist – hier könnt ihr euch ANTRACYTE anhören:

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    Fotocredit: Kanaan Brothers, Ali Kanaan, Gianna Shamone

  • DISSY im Interview: »Hip Hop war immer in mir.«

    DISSY im Interview: »Hip Hop war immer in mir.«

    Wir bringen ein bisschen Hip Hop in die Runde. DISSY könnte jenen, die sich ein bisschen in der Deutschrap Szene bewegen, bekannt sein. Features mit Mine und Ahzumjot machten auf ihn aufmerksam und auch Maeckes, OK KID und Chefket gehören zu seinen Supportern, mit denen er in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. DISSY balanciert auf der Grenze zwischen Harmonie und Chaos, spielt mit viel mehr als nur den gebräuchlichen Elementen des Deutschraps. Und gerade das macht seine Musik so interessant. Letzte Woche hat erseine bugtape side b EP veröffentlicht, das Gegenstück zu der im letzten Jahr erschienenen EP bugtape side a. Anna hat ihn für euch auf ein kleines Interview eingeladen, um über seine musikalischen Einflüsse und das Konzept der beiden EPs zu reden. Eine untold story gibt’s am Ende auch noch.    

     
    DISSY im Interview

    Anna: Hey! Wie geht’s dir?

    DISSY: Ganz gut soweit. Die Promophase für meine neue EP ist nur ein bisschen anstrengend. Ich bin gerade zwischen Euphorie und Panikattacke.

    Anna: Für Leute, die noch nichts mit DISSY anfangen können, magst du dich ganz kurz vorstellen?

    DISSY: Wenn ich mich irgendwo vorstelle, sag ich immer, dass ich Videocutter bin, aber eigentlich mach ich dopen Rap, verspulte Beats und crazy Videos. Kreativen Kram halt.

    Anna: Musikalisch bedienst du dich unter dem Mantel „Deutschrap“ viel mehr Genres als nur Rap. Was sind deine musikalischen Einflüsse?

    DISSY: Ich hab alles aufgesaugt, was ich damals bei Soundcloud gefunden hab. Am meisten inspirieren mich aber Produzenten wie Clams Casino, Flume, Shlohmo, Flying Lotus und Kaytranada. Hip Hop war immer in mir und ist ein super Grundgerüst, um Sounds aus anderen Genres draufzupacken. Natürlich bin ich auch krass inspiriert von der klassischen Musik, die meine Mutter gehört hat und der Electro Rave Welle, die ich während meiner Berliner Kindheit viel mitbekommen habe.

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    „Es geht um den Zwiespalt in sich selbst.“

    Anna: Erst letztes Jahr hast du die die bugtape a EP veröffentlicht. Offensichtlich haben beide was miteinander zu tun. Wie bist darauf gekommen, die zu splitten?

    DISSY: Ich wollte einfach mehr Gewichtung auf beide Hälften legen, weil die in sich geschlossen schon sehr stimmig waren. Außerdem konnte ich dadurch auch mehr Videos machen und habe mehr Output.

    Anna: Was auch hervorsticht, sind die Tracklisten. Auf der bugtape a EP ergeben einzelne Wörter einen Satz: „wenn ich hier drauf | click | kommt ein | error sound | aber ich bin | psychoblick dissy. | du hast mein herz im darknet verkauft | und chillst jetzt an der | cotazur | mit | pickachupillen.“ Auch die bugtape side b fügt sich diesem Muster. Was willst du damit aussagen?

    DISSY: Eigentlich ist das Bugtabe ein Mixtape, auf dem wir uns musikalisch extrem ausgetobt haben. Das Konzept ist hinterher entstanden. Ich wollte die Menschen dazu bewegen, das Tape am Stück zu hören. Deshalb gibt es einen zusammenhängenden Satz und nicht dem aktuellen Zeitgeist entsprechend kurz Singles mit knackigen Namen für die Playlisten auf Spotify.

    Anna: In deiner letzten Single freak. sprichst du über Bipolarität. Welchen Bezug hast du dazu?

    DISSY: Es geht weniger um Bipolarität, sondern mehr um einen Zwiespalt in sich. Dieses dazugehören wollen aber gleichzeitig will man ausbrechen aus diesem Trott und diesen gesellschaftlichen Normen. Ich denke, jeder Mensch hat da mehrere Seiten in sich. Die Harmoniebedürftige und den „Freak“. Die Frage ist nur, wo fängt das Freak-Sein an. In meiner Familie bin ich wahrscheinlich ein bunter Hund. In Berlin bin ich als kreativer Selbstständiger auch wieder nur ein Normalo.

    Anna: Wenn wir über mental health reden, kommt man leider auch nicht über diese ganze Corona Sache vorbei. Wie hast du das letzte Jahr erlebt und wie geht’s dir jetzt? Ich finde jetzt gerade zieht das einen irgendwie noch mehr runter als davor.

    DISSY: Langsam wird’s hart, ja. Für mich war die Zeit auch wichtig, um mich mal mehr auf mich selbst zu konzentrieren, aber langsam wird es surreal und ich hab das Gefühl, dass ich mich fast an die Isolation gewöhnt hab. Ich werde etwas brauchen, um mich danach wieder an den Trubel zu gewöhnen, aber ich vermisse es schon stark.

    Anna: Was ist das Erste, was du machen wirst, sobald das alles vorbei ist?

    DISSY: Verreisen, meine Oma besuchen und bestimmt auf viele Partys gehen.

    Anna: Damit sind wir auch schon bei der Schlussfrage, die nach einer „untold story“ fragt. Was ist eine Geschichte hinter einem Song, die du so noch nie in einem Interview erzählt hast?

    DISSY: Das Lagerfeuer-Lied von Playlist 01 hab ich völlig übermüdet nach einer durchzechten Partynacht geschrieben und dann nichts mehr dran geändert.

     

    Hört hier in die beiden bugtape EPs rein:

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    Fotocredit: Corn Dawg Records

  • Iuna Lux im Interview: »Ich hätte nicht gedacht, dass Songs von mir mal im Radio laufen werden.«

    Iuna Lux im Interview: »Ich hätte nicht gedacht, dass Songs von mir mal im Radio laufen werden.«

    Wir freuen uns, euch Newcomer Iuna Lux vorstellen zu dürfen, der genau den richtigen Soundtrack für euren nächsten Roadtrip liefert. Man darf ja planen. Iuna Lux kommt aus Regensburg und macht gute Lauen Indie-Synthie-Pop. Mit seiner neuen Single Stop Turning hat er die letzte Single vor dem Release seiner Debüt-EP All of my answers veröffentlicht. Wir haben ihn spontan zu einem kleinen Vorstellungsinterview eingeladen.

     
    Iuna Lux im Interview

    Anna: Hey! Lieb, dass du dir die Zeit nimmst. Wie geht’s dir so die Tage?

    Iuna Lux: Hey Anna, freut mich, dass ich das Interview machen darf! Mir gehts zurzeit super, auch wenn‘s mir während des Lockdowns, wie wahrscheinlich jedem, schon sehr abgeht einfach mal raus zu gehen, Freunde zu treffen und vor allem live Musik zu hören und zu machen. Ich hab nur das Riesenglück, dass ich mich wirklich gut alleine beschäftigen kann. Schon beim ersten Lockdown im März 2020 hab ich mein Homestudio in meinem WG-Zimmer in Regensburg auf Vordermann gebracht. Seitdem verbringe ich wirklich den größten Teil meiner Zeit damit, an meiner Musik zu basteln.

    Anna: Du bist ja noch sehr frisch in der Szene dabei. Kannst du dich vielleicht für die, die dich noch nicht kennen, vorstellen? Was für Musik machst du und für Fans von welchen Bands bist du die richtige Anlaufstation?

    Iuna Lux: Sehr gerne 🙂 Ich bin der Christoph, 25, Student in Regensburg, und ich habe vor ca. einem Jahr beschlossen, meine Musik, die ich zuhause an meinem Laptop bastle, unter dem Künstlernamen „Iuna Lux“ zu veröffentlichen. Musikalisch geht das Ganze in die Indiepop-Synthpop Richtung, wobei ich auch immer gerne Elemente aus anderen Musikrichtungen in meine Songs mit einbaue. Am 22. Januar ist meine dritte Single „Stop Turning“ erschienen. Sie ist quasi der letzte Vorbote zur „All of my Answers“ EP am 12.02.

    Iuna Lux, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, iuna lux, corner.company, corner company, untold storiesAn meiner Musik arbeite ich in meinem WG-Zimmer in Regensburg. Ich habe mich die letzten Jahre viel mit verschiedenen Instrumenten und Sounds auseinandergesetzt, und schreibe eigentlich schon seit über zehn Jahren eigene Songs. Vor ca. zwei Jahren habe ich dann den Beschluss gefasst: ich nehm jetzt einfach ein paar Songs daheim auf. Damit bin ich in ein Studio, wo sich noch ein paar Sounds verändert haben und sich vor allem die Qualität enorm verbessert hat, und bring die Sachen jetzt einfach raus. Dass die Songs dann doch recht gut ankommen und teilweise schon in Radios laufen, freut mich natürlich besonders.

    Ich kann mal sagen, von welchen Bands ich Fan bin. Ich hoffe mal, dass es da eine Schnittmenge gibt: Um mal in der Regensburger Ecke zu bleiben, wären da Some Sprouts und Telquist (wo ich auch mega happy bin, in der Live Band zu spielen). Aber auch wenn man Tame Impala, M83, MGMT, The Beach House, STRFKR, usw. cool findet, kann man mal in meine Musik reinhören.

     
    „Was mich viel mehr freut ist das direkte Feedback von den Leuten“

    Anna: Welche musikalischen Einflüsse haben dich geprägt? Und: Wenn du nur ein Album mit auf eine einsame Insel nehmen würdest, welches wär es?

    Iuna Lux: Seit ich Musik mache, hatte ich wirklich sehr viele verschiedene Phasen. Ich versuche mir immer mal wieder klar zu machen, was ich an einer Band oder Musikrichtung eigentlich cool finde, und diese Dinge dann auch in meine Songs einzubauen. Musiker, die mich wirklich geprägt haben und immer noch tun, sind z.B. Bon Iver, MGMT. Aber auch Sachen wie M83, Tame Impala, Nik Kershaw, usw. Ich gebe auch zu, großer PUR-Fan zu sein. Momentan ist mein Lieblingsalbum „The Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd, weil es einem einfach eine Geschichte erzählt, und nicht nur eine Ansammlung von Songs ist. Jeder Song ist einfach genau da, wo er „Sinn“ macht, wenn man das im musikalischen Zusammenhang so sagen kann.

    Anna: Deine erste Single „Cigarettes“ kam letztes Jahr im Oktober raus und hat jetzt schon 12.000 Streams. Hättest du mit diesem Feedback gerechnet?

    Iuna Lux: Ganz ehrlich – ich kann diese Spotify-Streams überhaupt nicht einschätzen. Ich kenne so viele super Künstler, bei denen ich mich wundere, dass sie kaum Streams auf Spotify haben. Genauso wie ich mich bei manchen Bands frage, wie sie auf so viele kommen. Nicht falsch verstehen, ich freue mich über jeden einzelnen dieser Streams, aber ich finde andere Sachen viel wichtiger und viel schöner. Was mich z.B. viel mehr freut, ist das Feedback, das die Leute mir geben, weil sie irgendeinen Song cool finden oder ihn im Radio gehört haben. Das finde ich auch immer noch unvorstellbar, vor zwei Jahren hätte ich noch nicht daran gedacht, dass Songs von mir mal im Radio laufen werden.

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    „Ich hab mir natürlich überlegt, ob ich nicht doch noch ein Jahr warte“

    Anna: Mit „Stop Turning“ hast du den letzten Vorboten für deine erste EP im Februar gedroppt. Was thematisiert du inhaltlich auf der EP?

    Iuna Lux: Was ich textlich thematisiere, ist eigentlich von Song zu Song ganz unterschiedlich, die Texte sind meistens eher unkonkret. Oft geht es mir auch nur darum, mit dem Text den richtigen Vibe und die richtigen Bilder aufzubauen. Wenn ich Texte schreibe, habe ich meistens irgendwelche Bilder oder Erinnerungen dazu im Kopf. Und diese Bilder, die ich davon habe, sind für mich der Inhalt des Songs. Aber es darf sich natürlich jeder gerne selbst ein Bild dazu malen.

    Anna: Du hast, wie viele andere auch, einen sehr suboptimalen Zeitpunk abbekommen, um mit Musik zu starten. Wie hast du es wahrgenommen in einem Corona-2020 ohne Live-Auftritte deine Musik zu veröffentlichen?

    Iuna Lux: Ich habe mir natürlich überlegt, ob ich nicht doch noch ein Jahr warte, um meine ersten Songs herauszubringen. Mir ist dann aber relativ schnell klar geworden, dass ich nicht mehr warten wollte und die Songs einfach raus mussten. Musik ist für mich immer eine Momentaufnahme. Die Songs, die jetzt in der EP sein werden, sind jetzt auch schon fast zwei Jahre alt. Wenn ich noch ein Jahr mit dem Release gewartet hätte, hätte ich die Songs vielleicht gar nicht mehr in der Form rausgebracht, wer weiß. Außerdem wollte ich auch das Projekt „erste eigene EP“ einfach mal abschließen. So kann ich mich wieder auf neue Songs, neue Instrumente und neue Herangehensweisen konzentrieren. Das Releasen ohne Live-Auftritte war natürlich schade. Andererseits war das für mich auch nicht sonderlich ungewöhnlich, ich habe ja auch noch nichts mit Live-Auftritten rausgebracht. Zum Glück können wir zum EP-Release einen Live-Stream aus Regensburg spielen.

     
    „Ich werde auch bald wieder damit anfangen, neue Songs zu releasen“

    Anna: Kannst du uns vielleicht schon Pläne für nach der EP verraten?

    Iuna Lux: Dadurch, dass ich seit Corona quasi ununterbrochen am Musik machen bin, hab ich auch schon wieder einige Songs geschrieben. Einige davon sind auch schon (fast) fertig, also werde ich wohl nach der All of my Answers EP auch relativ bald wieder damit anfangen, neue Songs zu releasen. Außerdem investiere ich zurzeit auch relativ viel Zeit damit, mir selbst das Musik-Mixen beizubringen, damit ich möglichst bald auch nicht mehr ins Studio muss, sondern wirklich alles – von der ersten Idee bis zum fertigen Song – bei mir zuhause aufnehmen kann.

    Anna: Und zum Schluss sind wir an deinem Bücherregal interessiert: Welches Buch hat dich zuletzt so überzeugt, dass du es uns hier empfehlen kannst?

    Iuna Lux: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, ich bin auf jeden Fall keine große Leseratte 😀 Wenn ich mir Bücher kaufe, haben die meistens auch was mit Musik zu tun. Das sind dann z.B. Biografien, von Musikern oder Bands, die ich halt so mag. Oder aber Fachbücher über Musik-Mixing und Musik-Produktion. Gerade bin ich z.B. dabei das Buch „Songproduktionen mit Ableton LIVE“ von Nils Hoffman zu lesen. Das ist eine Art Tutorial, wie man – einfach gesagt – mit Ableton Live, das ist die Musiksoftware, mit der ich arbeite, kreativ umgehen kann.

  • OSKA im Interview: »Diese therapeutische Wirkung hab ich da total gespürt.«

    OSKA im Interview: »Diese therapeutische Wirkung hab ich da total gespürt.«

    OSKA ist eine Newcomerin, die jeder in der österreichischen Musik-Szene auf dem Zettel haben sollte. Aber auch hier wirbelt sie reichlich auf. Im Herbst hat sie den XA – Music Export Award beim Waves Vienna Festival gewonnen und das obwohl sie ihren ersten Song erst Anfang 2020 veröffentlicht hat. Dieser Senkrechtstart zeigt sich auch in ihrer im Januar erschienen Debüt-EP „Honeymoon Phase“: Singer-Songwriter Klänge gepaart mit einer einfach nur schönen Stimme und leichten Indie-Pop Einflüssen. Wir haben sie im Interview und wer bis zum Ende liest, erfährt nicht nur eine Geschichte, die sie so noch nie erzählt hat, sondern auch was man musikalisch dieses Jahr noch so erwarten kann.

     
    OSKA im Interview

    Anna: Dein Jahr ging ja schon richtig gut los: Erst letzte Woche hast du deine Debüt-EP „Honeymoon Phase“ veröffentlicht. Wie fühlst du dich bis jetzt auf deiner Honeymoon Phase?

    OSKA: Ich fühl mich gut! Das war ein Ziel seit ich glaub ich 16 bin, einfach was aufzunehmen und zu veröffentlichen. Ich dachte halt, das ist eher für mich, etwas, worauf ich zurückschauen kann, wenn ich alt bin (lacht). Und jetzt läufts doch irgendwie ganz gut und das freut mich voll, dass es so gut ankommt.

    Anna: Für die Leute, die dich vielleicht noch nicht kennen: Wer steckt hinter OSKA?

    OSKA: Ich komm aus dem Waldviertel, das ist in Österreich, eineinhalb Stunden von Wien entfernt, aus einer musikalischen Familie und daher hab ich eigentlich das Singen und das Musizieren. Ich bin nach Wien, um Straßenmusik zu machen und hab dann dort meinen Produzenten kennengelernt und nehm jetzt meine Lieder auf, was extrem schön ist, dass ich das auch machen darf. Aufgewachsen bin ich mit der Musik meiner älteren Geschwister und meiner Mama, ich fand irgendwie alles cool, was meine ältere Schwester cool fand. Mittlerweile find ich ganz toll die Phoebe Brigders, Julien Baker, Lucy Dacus und so. Bisschen mehr Indie auch mittlerweile.

    Anna: Damit hast du schon die Frage beantwortet, die ich gerade stellen wollte (lacht). Ich wolllt fragen, was dich musikalisch beeinflusst hat auf der Platte. Also alles, was du gerade gesagt hast, kann man da einordnen?

    OSKA: Voll, ich versuche viel zu hören. Eine gute Mischung aus alter Musik und da ein bissl aufzuholen, weil es gibt so viel, und gleichzeitig zu schauen, wer ist neu und macht coole Musik. Da gibt’s ein paar Leute, die mich extrem inspirieren. Ich bin aber auch so, dass ich viel zurückkehre zu den Alben, die einfach mir total viel Kraft geben. Und immer wieder dasselbe hören, das hab ich schon noch oft, aber ja, voll.

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    „Ich war im Studio und hatte 38 Fieber“

    Anna: Welche Themen hast du auf Honeymoon Phase verarbeitet?

    OSKA: Es geht viel ums Älter werden und Verluste, um diesen Austausch mit sich selber, ehrlich sein zu sich selber. Also gerade bei dem Lied Honeymoon Phase geht es ja darum, dass man zu diesem Schluss kommt, okay, ich hab das Gefühl, man spielt sich nur noch was vor und ich muss jetzt mal kurz für mich sein und mich erst mal kennen lernen. Und das ist eh so ne Sache, die glaub ich viele Leute in meinem Alter, auch viele Freundinnen, gerade durchgemacht haben. Ich verarbeite eigentlich Dinge, die eben vor allem mir passieren, meiner Familie oder in meinem Umfeld. Es fällt mir schon leichter, persönliche Dinge zu besprechen, weil dann hab ich das Gefühl, ich kann besser drüber reden, wenn‘s auch mich wirklich betrifft.

    Anna: Für mich sticht vor allem Distant Universe als Opener der EP heraus. Es war auch der erste Track, den du von der EP veröffentlicht hast und der viel in deiner Karriere angestoßen hat. Was verbindest du mit dem Song?

    OSKA: Ja, der Song ist für mich schon sehr speziell, eben weil’s der erste war. (überlegt) Ich verbind halt natürlich irgendwie auch eine Person damit, ich verbinde damit aber auch die schöne Zeit im Studio, die wir gehabt haben. Ich denk halt immer an diese Woche zurück, wo wir den Song geschrieben haben. Ich war im Studio, hab einfach 38 Fieber gehabt und war urfertig eigentlich. Bin dann irgendwie heim, und der Johannes, mein Mitbewohner, hat diese Melodie am Klavier gespielt. Ich hab einfach meine Sprachnachrichten aufgemacht und hab diesen Vers gefunden, den ich ein paar Monate vorher am Handy geschrieben hatte. Das hat sich alles sehr rund angefühlt. Aber ja, das ist schon ein besonderer Song für mich, weil mein Label auf mich aufmerksam geworden ist durch den Song und ich bin sowieso ein Mensch, der viel zu viel nachdenkt und gerade so Sachen wie was wäre gewesen, wenn…

    Anna: Ich hab ein bisschen dein Insta gestalkt und da hast du „Misunderstood“ als deinen Lieblingssong gekürt – du hast dich also für eins deiner Babys entschieden: Was macht den Song für dich so besonders?

    OSKA: (schmunzelt) Den hab ich auch genau in der Phase geschrieben und das war auch wieder mit dem Johannes, der hat diesen Gitarrenpart gespielt. Innerhalb von 20 Minuten war der erste und zweite Vers da. Das ist einfach so aus mir rausgefallen. Und dann war in einer Stunde der Song geschrieben, wir sind heimgegangen und haben Game Of Thrones geschaut (lacht). Ich mag auch die Streicher so, das ist halt wirklich ein extrem verletzliches Lied und so ungekünstelt. Was ich da sag auch, pain mit rain zu reimen ist ja eigentlich so bissl… weiß nicht, ob das so cool ist (lacht). Aber ich hab’s in dem Moment einfach nicht hinterfragt, weil es so was Ehrliches gehabt hat irgendwie. Das war in einem Moment, wo’s mir nicht so gutgegangen ist, und da ist mir dann tatsächlich besser gegangen, nachdem ich diesen Song geschrieben hab. Und dieses Verarbeiten und diese therapeutische Wirkung, was Songschreiben hat, das hab ich da total gespürt.

     
    „Rückblickend hatte ich echt ne Krise eigentlich“

    Anna: Wie du ja schon gesagt hast, bist du in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen, hast also früh deinen Weg in die Musik gefunden. Dann hast du mit Distant Universe deinen ersten Song im Februar veröffentlicht und im Herbst den Music Export Award gewonnen. Hättest du je damit gerechnet, dass in so kurzer Zeit (und dann noch im Corona Jahr) schon so viel passiert?

    OSKA mit dem XA Award

    OSKA: Ich hab gar nicht mit gerechnet… Jetzt auch rückblickend, ich hatte echt ne Krise eigentlich. Da war ich grad mit dem Label im Gespräch und hab drüber nachgedacht, was es eigentlich bedeutet, ein Label zu haben. Und dann kam halt diese Nominierung. Ich hab gedacht „boah cool, das gewinn ich!“ (lacht) und dann ein paar Wochen später ist rausgekommen, wer da alles nominiert ist, und ich hab mir gedacht „ja ok nein, ich gewinn das nicht!“ (lacht). Aber war gleichzeitig auch so, boah extrem cool, dass ich mit diesen Leuten nominiert bin. Dann war sogar die Überlegung, nachdem ich erfahren hab, wer da alles nominiert ist, dass ich gar nicht teilnehm, weil ich war wirklich einfach fest davon überzeugt, dass da jemand anderer gewinnt. Und dann hab ich gewonnen und ich habs einfach gar nicht glauben können. Also das war richtig, richtig arg für mich. Hat mir aber Motivation auch gegeben, weiterzumachen.

    Anna: Glückwunsch dann nochmal nachträglich! Vielleicht auch ein anderes Highlights aus 2020: die Zusammenarbeit mit Stu Larsen. Wie ist das zustande gekommen und wie war das für dich?

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    OSKA: Stu ist auch bei dem Label Nettwerk, kommt aus Australien und ist halt einfach ein extrem cooler Musiker und Mensch. An dem Wochenende mit dem Award ist er von Berlin gekommen und hat meine ganzen Freunde kennengelernt. Wir sind zusammengesessen, haben Bier getrunken und dann am nächsten Tag haben wir das Lied aufgenommen. Wir haben genau einen Tag Zeit gehabt, aber es hat sich irgendwie angefühlt, als wäre er eine Woche dagewesen, weil einfach so viel passiert ist an diesem Wochenende. Es ist einfach was Schönes, in einen Raum reinzugehen, irgendwas zu machen und dann rauszugehen am Abend und es ist was da, was davor nicht da war. Das ist eigentlich das ärgste für mich am Musik machen. Und voll, also wir sind echt befreundet jetzt mittlerweile, was voll schön ist, dass wir danach im Kontakt geblieben sind. Also es ist ein absolutes Highlight aus 2020. Auch diesen Abend, wo ich das gewonnen habe, ich glaub, das war der schönste Abend in 2020 und dass alles irgendwie ein einem Wochenende passiert… Es ist so lustig, wie schlecht es einem gehen kann für ein paar Monate und dann dreht sich alles innerhalb von zwei Tagen, das ist irgendwie schon cool.

     
    „Das wird wahrscheinlich Anfang 2022 ein Album ergeben“

    Anna: Jetzt hast du 2021 perfekt mit dem Release deiner EP gestartet. Gibt’s vielleicht schon was, was für dieses Jahr noch geplant ist und auf das du dich freust?

    OSKA: Es kommt jetzt eigentlich laufend neue Musik von mir, ich glaub, alle 6-8 Wochen. Die nächste Single kommt am 26. Februar, die heißt Lousy T-Shirt, ein Song, den ich letztes Jahr geschrieben hab nach einem Beziehungsende. Das einzig Positive an diesem Beziehungsende, dieser Song (lacht). Freu ich mich voll drauf, was die Leute zu sagen, weil den mag ich wirklich gern. Ich werd an Musikvideos arbeiten, ich hab grad viel Zeit, und voll, soll einfach laufend was kommen. Das wird sich dann auch so wie bei Honeymoon Phase, wo die Lieder einzeln released worden sind und dann irgendwann eine EP ergeben haben, wird das dann halt wahrscheinlich Anfang 2022 ein Album ergeben. Also es kommen jetzt das Jahr wahrscheinlich sieben neue Songs.

    Anna: Zum Schluss haben wir eine etwas andere Frage. Gibt es vielleicht eine Geschichte hinter einem Song, zu der Entstehung oder Ähnliches, die du so noch nie erzählt hast? Ganz untold sozusagen noch.

    OSKA: Lass mich nachdenken, ich muss ehrlich sagen, in letzter Zeit erzähl ich urviel (lacht und überlegt). Ich find eine ganz coole Geschichte, die sehr persönlich ist und die hab ich auch erst in einem anderen Interview erzählt. Es gibt dieses Distant Universe Musikvideo mit diesem Alien, das hab ich gedreht 2019 im Dezember. Ich hatte damals einen Freund, wir waren in einer sehr langen Beziehung, und er hat dieses Alien gespielt. Wir haben zwei Drehtage gehabt und da war eine Woche dazwischen und innerhalb dieser Woche haben wir uns getrennt.

    Anna: Oh no.

    OSKA: Ja… Das, was eben in diesem Video passiert, ist in meinem echten Leben passiert, also dieses ganze Leiden für die Kunst, das war ein ganz neues Level. Am am Schluss, das war einer der letzten Szenen, die wir gedreht haben, wo dieses Alien wegfährt mit dem Rad, da hab ich nicht weinen können. Das hab ich noch nie erzählt! Ich habs nicht geschafft, zu weinen, die haben darauf gewartet, dass ich wein, und dann hat der David, das ist mein Exfreund, gesagt gebt uns kurz einen Moment, und dann haben wir kurz geredet und er hat sich halt wirklich verabschiedet von mir. Das war halt irgendwie urlieb von ihm, weil es mir dann voll geholfen hat und für uns beide auch irgendwie ein Abschied war. Also diese Tränen am Schluss, das war halt auch wirklich echt. Sehr persönliches Musikvideo auf jeden Fall.

    Anna: Oh man, danke für’s Sharen!

     

    Hier gibt’s die Debüt-EP „Honeymoon Phase“:

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    Foto s/o an: Tim Cavadini und Fabian Edelbacher