Kategorie: untold stories

  • JEREMIAS im Interview: »Die Musik stammt aus unserer Seele.«

    JEREMIAS im Interview: »Die Musik stammt aus unserer Seele.«

    Eigentlich muss man JEREMIAS gar nicht mehr großartig vorstellen. Jeder sollte die vier Jungs aus Hannover mittlerweile kennen – und wenn nicht, dann ist jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür, sie kennenzulernen. JEREMIAS machen Funk, Indie, alles, was gute Laune macht und, bisschen kitschig aber wahr, das Herz berührt. Erst letzten Freitag haben sie ihre zweite EP alma veröffentlicht und direkt einen Tag später ihr Release Konzert à la Autokino in Hannover gespielt mit Shelter Boy als Support. Anna hat sie inmitten all dem Stress kurz auf ein Interview erwischt – das Resultat lest ihr hier.

    Anna: Erstmal Glückwunsch zum EP-Release! alma ist jetzt überall erhältlich, sowohl digital als auch physisch, für alle, die sowas zu Recht noch sammeln. Wie geht’s euch mit dem Wissen, dass eure zweite EP jetzt da draußen in der Welt ist?

    JEREMIAS: Vielen Dank, uns geht es sehr gut damit. Wir sind froh, stolz und gespannt wie die neuen Songs ankommen. Tatsächlich sind wir sogar fast ein bisschen verwundert, wie schnell das Ganze dann doch passiert ist. Die erste EP ist nicht mal ein Jahr her… der kreative Output ist aber auf jeden Fall da und hält uns offensichtlich noch am Leben.

    Anna: Ich muss jetzt offiziell aber auch nochmal fragen: Was steht hinter dem Titel alma?JEREMIAS, Untoldency, Untoldency Magazin, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Interview, JEREMIAS, Jeremias, alma EP, alma

    JEREMIAS: alma heißt übersetzt auf Spanisch „Seele“. Zwei Ansätze: auf textlicher Ebene sind die Worte an eine Seelenverwandte gerichtet. Zum anderen stammt die Musik, die auf der Platte zu hören ist, irgendwo aus unseren Fingern, Köpfen aber auch Bäuchen – letztendlich aus unserer Seele. Sehr cheesy – ich weiß. Aber vielleicht ja auch ein bisschen schön.

    Anna: Was könnt ihr uns zu den noch unveröffentlichten Songs auf der EP erzählen? Habt ihr einen Lieblingstrack oder einen, der euch bei der Produktion besonders herausgefordert hat?

    JEREMIAS: schon okay war ursprünglich der schwierigste, weil wir den schon lange lange live gespielt hatten und es schwierig war, sich für so einen runtergespielten Song wieder begeistern zu können. Das hat Timmi (unser Produzent) dann aber gut hinbekommen. Bei den neuen Songs sind wir auf lass dich besonders stolz. Der Song fühlt sich für uns wie ein langes Epos an, bei dem wir uns austoben können.

    Anna: Was ist euer „Geheimrezept“, wenn ihr Musik macht? Habt ihr da eine Aufgabenverteilung? Wie kann man sich das so hinter den Kulissen vorstellen?

    JEREMIAS: Eigentlich ganz einfach: Treffen im Proberaum. Jammen. Sprachmemo machen. Text schreiben.

    Anna: schon okay hat mittlerweile auf Spotify über eine Million Streams. Hättet ihr das jemals erwartet, dass nach so kurzer Zeit der Bandgeschichte so viele Leute eure Musik hören?

    JEREMIAS: Niemals, verstehen wir auch gar nicht.

    Anna: Eure erste Single kam vor einem Jahr mit Alles raus, die erste EP Du musst an den Frühling glauben im Oktober. Zwischendurch wart ihr unglaublich viel live unterwegs und habt euch so, zu Recht, eine große Fanbase erspielt. Wie habt ihr das letzte Jahr rückblickend wahrgenommen? Was waren die Highlights, an die ihr euch heute noch zurückerinnert?

    JEREMIAS, Untoldency, Untoldency Magazin, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Interview, JEREMIAS, Jeremias, alma EP, almaJEREMIAS: Das letzte Jahr war sehr intensiv, gerade auch wegen der ganzen neuen Eindrücke die wir als Band erlebt haben. Da gab es Vertragsverhandlungen, Vorschüsse, Vereinbarungen, Planungen, die weit über das Jahr hinausgehen und dann halt auch Supportshows bei Bands, die wir selbst lieben und anhimmeln. Es ist großartig und wir leben das Leben, welches wir uns immer erträumt haben. Zu den Highlights müssen wir die Tour im Februar zählen. Die ist zwar nicht ganz 2019 gewesen, war aber bis jetzt auf jeden Fall der Peak. 18 Städte und plötzlich sind 16 davon ausverkauft und Leute kommen von allein, kommen teilweise nicht mehr rein und stehen an und werden wegen einer Brandschutzverordnung nach Hause geschickt. Das war sehr überwältigend und absurd und scheint momentan irrealer denn je.

    Anna: Ihr habt die Tour im Frühjahr gerade so abgeschlossen bekommen, bevor Corona passiert ist. Wie geht es euch damit, nicht genau zu wissen, wann ihr das nächste Mal live spielen werdet? Und wie geht es euch allgemein in dieser ungewissen Zeit gerade?

    JEREMIAS: Wir sind eigentlich die letzten, die sich beklagen dürften, da wir wie gesagt diese 18 Shows im Februar hatten, dann für zwei Wochen (wie geplant) im Studio waren und alma aufgenommen haben und dadurch die Zwangspause Mitte März ziemlich dankbar annehmen konnten. Natürlich wird es jetzt Tag für Tag schmerzvoller, weil diese Pause für maximal 14 Tage cool ist und dann aber sehr nervig wird. Trotzdem konnten wir unsere Pläne abgesehen von dem live spielen komplett durchziehen, sodass es zusammenfassend NOCH nicht so tragisch ist.

    Anna: Die letzte Frage ist wie immer der blank space für euch als Künstler. Also haut raus, was ihr hier an der Stelle schon immer mal sagen wolltet.

    JEREMIAS: Bleibt stark, haltet durch und geht bewusst durch die Welt. 2020 wird als Wandel und als Umbruch in die Geschichte eingehen. Alle, die um uns sind, sind also genau dafür verantwortlich. Bewusstsein – das ist es. liebe und danke!

    Fotocredits gehen raus an Lucio Vignolound Isabel Hayn.

  • Drens im Interview: „Wir haben eine „Halt den Kopf oben“-Attitüde, auch wenn’s mal nicht läuft“

    Drens im Interview: „Wir haben eine „Halt den Kopf oben“-Attitüde, auch wenn’s mal nicht läuft“

    Drens haben letzten Monat ihre EP Pet Peeves rausgehauen. Ihre Musik betiteln die Dortmunder als „Surfpunk“. Zu Recht, trifft man sie doch meist in ihren quietschroten Drenspants an, ready for the beach. Jule hat mit Drens (leider nicht am Strand, aber nächstes Mal!) über good vibes/bad vibes, Lieblingstracks und Halloumi gequatscht. Und was es da zu erzählen gab, lest ihr jetzt.

    Drens im Interview

    Jule: Erstmal vielen Dank, dass ihr euch Zeit für uns genommen habt. Am 15.05. ist eure EP mit dem schönen Namen Pet Peeves erschienen. Was ist denn euer persönliches Pet Peeve?

    Drens: Hi! Gerne, danke für deine Fragen. Ich glaube, der größte Nenner den wir haben ist, sich selbst im Weg zu stehen. Verursacht durch Selbstzweifel oder der Angst vor dem Versagen. Es ist auf jeden Fall gesund zu versuchen, sich da etwas lockerer zu machen und mit sich selbst Frieden zu schließen. Es ist schon ok, dass der eigene Weg zum Beispiel nicht so geradeaus läuft wie bei anderen.

    Jule: Eure EP wurde von niemand geringerem als Steffen Israel von Kraftklub produziert. Wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?

    Drens: Wir haben auf ein paar Festivals gespielt auf denen Kraftklub ebenfalls waren. So haben wir Steffen und die Gang kennengelernt. Es hat sich dann rausgestellt, dass wir uns für die gleichen Bands begeistern. Als es dann darum ging aufzunehmen, haben wir Steffen einfach gefragt, ob er Bock hat mit uns zu arbeiten. Zum Glück hatte er das, denn es hat echt super gepasst. Er hat einfach komplett verstanden, wo wir mit Pet Peeves hin wollten.

    Jule: Euer Sound klingt ja erstmal nach guter Laune und mit ’nem Bier am See feiern. Textlich geht’s jedoch eigentlich genau um das Gegenteil. Ist es euch wichtig, auch beschissene Tage und Feelings zu feiern und zu versuchen, das Bestmögliche bzw. vielleicht sogar was Gutes daraus zu machen?

    Drens: Ja, das trifft es schon ganz gut. Bei uns allen gibt’s da schon so eine „Halt den Kopf oben“-Attitüde, auch wenn es mal nicht läuft und alles etwas düsterer um dich herum ist. Wir vier sind an sich schon sehr lebensbejahend, das merkt man auch der Musik an. Textlich wird dann der Mist verarbeitet. Uns gefällt der Kontrast auch: Wie oft hat man Tage an denen sich schlechte Laune schnell in gute verwandeln kann, oder andersrum. Hell und dunkel liegt nah bei einander, daher finden wir es ganz cool zu sagen, dass es nicht immer nur traurig oder glücklich gibt.

    The good life – oder doch nicht?
    Drens-Pet-Peeves-Interview-Album-Online-Blog-Blogger-Instagram-Indie-Musik-untold-untoldency

    Jule: Apropos beschissene Tage, davon gab es ja jüngst echt ein paar. Wie habt ihr denn die letzten Wochen und Monate in Isolation verbracht? 

    Drens: Am Anfang war schon echt viel Frust da. Auch wir mussten viele Konzerte absagen, auf die wir uns ewig gefreut hatten. Wir hätten zum Beispiel zusammen mit Itchy gespielt oder auch unsere Release-Tour im Mai. Dass das auf einmal wegfiel war schwierig, aber irgendwann hat der Gedanke auch getröstet, dass es allen so geht und man mit dem Gefühl nicht alleine ist. Wir konnten dann auf jeden Fall auch mal richtig rekapitulieren, was wir alles in den letzten zwei Jahren erleben durften. Wir haben sehr viel live gespielt und generell Zeit mit der Band verbracht. Auf einmal gab es dann sehr viele Gespräche bei Skype, in denen einige „Weißt du noch..“- Geschichten ausgepackt wurden. Nicht nostalgisch oder so, sondern einfach mit super viel Freude darüber, was alles so passiert ist.

    Jule: Wie steht’s eigentlich so ums Musikhören bei euch? Irgendwelche Lieblingstracks oder -releases aus der letzten Zeit?

    Drens: Das ist übrigens ein schöner Nebeneffekt der Isolation: Gerade ist die Zeit, sich den Dingen wieder richtig zu widmen. Musik nicht nur nebenbei, sondern ganz bewusst hören. Wir haben die neue Single von Idles gefeiert, auch die Live-Platte von King Gizzard and the Lizard Wizard ist nice. Ansonsten machen die Alben von Blond und Itchy auch richtig Bock. Die Singles von Pabst sind auch super. Ach, diese Liste könnte man ewig weiterführen..

    Jule: Ab November 2020 geht ihr ja (hoffentlich!) auf Tour, aber bis dahin wird wohl nicht so viel abgehen. Gibt’s schon Pläne, wie ihr die Zeit bis dahin rumkriegt?

    Drens: Hoffentlich so produktiv wie möglich. Wir könnten unseren Proberaum mal wieder aufräumen, haha… Musik schreiben geht gerade schon ganz gut, das machen wir auch viel und schicken uns dann Demos hin und her. Mal sehen was daraus wird. Irgendwann dann auch wieder zu viert proben wäre stark.

    In Teufelsküche mit Drens

    Jule: Mal ein offtopic: Man erzählt sich, dass ihr als Band u.a. durch die gemeinsame Liebe zu Halloumi zueinander gefunden habt. Wie esst ihr Halloumi am liebsten (gerne mit genauem Rezept, frag für’n Freund..)?

    Drens: Oh ja, Halloumi ist großartig! Es ist etwas komisch, dass es bei uns in Dortmund nur ein paar wenige Läden gibt, die Halloumi-Sandwich machen. Voll die Marktlücke. Sind jedes Mal neidisch, wenn wir auf Tour in Städten sind, wo es das überall gibt. Favorit ist dann oft die klassische Falafel-und-Halloumi-Rolle. Ansonsten empfehlenswert: Burger mit Halloumi. Belegt dann mit gegrillter Zucchini, Aubergine und Paprika. Gerne noch ein bisschen Petersilie. Würde super gerne das Brot dazu mal selbst machen, dauert mir dann aber doch immer zu lange – Ciabatta-Brötchen tun es dann auch. 

    Jule: Hm, jetzt hab ich Hunger.. Nun gut. Zum Ende eines jeden Interviews gibt’s ein Blank Space. Ihr könnt jetzt alles rauslassen, was euch auf dem Herzen liegt, völlig egal was:

    Drens: Das ist wahrscheinlich eh klar, aber wir freuen uns super krass auf unsere Tour im November und Dezember, das ist gerade echt unser Licht am Ende des Tunnels. Hoffentlich ist die Welt bis dahin wieder besser drauf und Corona nervt nicht mehr. Was wir uns wünschen würden ist, dass die Menschen, an die gerade nicht so häufig gedacht wird, nicht vergessen werden: Corona kennt keine Grenzen und wie Menschen vor den Toren Europas hängen gelassen werden, ist traurig. Es wäre schön, wenn die EU Organisationen wie die „Seebrücke“ oder „Grenzenlose Wärme“ nicht hängen lassen und teilweise kriminalisieren, sondern helfen würde.

    Jule: Liebsten Dank für den schönen Talk und die noch schöneren letzten Worte. Ich werd mir jetzt erstmal was zu Essen organisieren.


    Wenn ihr übrigens Bock habt, Drens‚ EP Pet Peeves zu hören, klickt ihr hier. Und danach könnt ihr euer Bestes geben und laut beim letzte Woche erschienenen Karaoke-Video zum Song Ride The Tide mitsingen, um euch wie der Surferdude zu fühlen, der ihr seid. Viel Spaß!

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  • SCHMYT im Interview: »Nur schöne Musik reicht mir nicht.«

    SCHMYT im Interview: »Nur schöne Musik reicht mir nicht.«

    Wer ist SCHMYT? Der junge Berliner tauchte fast wie aus dem Nichts auf dem Deutschrap-Radar auf. Als Feature auf Majan’s Single Monoton“, die absolut empfehlenswert ist, machte er das erste Mal so richtig auf sich aufmerksam. Kurz danach erscheint seine erste eigene Single Niemand – und die ist ein absolutes Statement. Alles, was ich in Erfahrung bringen konnte, ist, dass SCHMYT das Soloprojekt von Julian Schmitt ist, der manchen von euch von der Band Rakete bekannt sein könnte. Doch darüber hinaus? Lest hier das Interview mit ihm, in dem er mir ein bisschen mehr über sich und seine Musik erzählt. Denn eins ist gewiss: Von SCHMYT werden wir ganz sicher noch ziemlich viel Gutes hören.

    Anna: Als einsteigende Frage: Wie würdest du dich als Künstler und deine Musik für jemanden, der dich noch nicht kennt, beschreiben?

    SCHMYT: Ich liebe Geschichten, ich liebe Musik und Kunst. Leider bin ich zu neugierig als dass ich ein Leben mit einem musikalischen Stempel verbringen kann. Es gibt zu viele Dinge, mit denen ich Lust habe zu spielen. Bach ist der König der Choräle, Freddie Mercury ein echter Popstar und Felix Brummer hat die Zeilen, auf die ich neidisch werde. Trap und Autotune sind kreativer als ihr Ruf. Wahrscheinlich könnte man aber behaupten, dass Melancholie, Stimme und Bässe fast immer auftauchen.

    Anna: Du warst schon Feature bei namentlichen Deutschrap-Künstlern bevor du deine erste eigene Single veröffentlicht hast. Kannst du ein bisschen aus dem Nähkästchen erzählen, wie die Features zustande kamen?

    SCHMYT: Den Song Monoton haben Majan und ich gemeinsam geschrieben. Ehrlich gesagt, kam das ganz unromantisch über einen Verlagskontakt. Im Studio hat es dann einfach gefunkt und der Song war innerhalb von einem Abend fertig … für mich sehr ungewöhnlich. Yassin und ich hätten uns eigentlich schon seit Jahren persönlich begegnen müssen, weil wir auf den kleinen und mittelgroßen Festivals der Republik immer wieder zusammen auf Flyer und Line-Ups standen (ich damals noch mit meiner alten Band). Aber irgendwie sollten wir uns erst 2019 kennenlernen, da ist dann „Taube“ entstanden.

    Beides sind jedenfalls tolle Künstler und mit beiden wird in Zukunft noch was passieren!

     Anna: Niemand ist ein sehr aussagekräftige erste Single, die auch mich direkt überzeugt hat. Wie war das Feedback, was du bis jetzt darauf bekommen hast?

    SCHMYT: Das Feedback war super, viele Kollegen haben sich euphorisch gemeldet und ich merke an den Online-Reaktionen, dass Niemand wirklich etwas auslöst bei den Hörern. Das freut mich sehr, weil ich lange an Texten sitze und nur schöne Musik mir nicht reicht.

    Anna: Erzähl uns ein bisschen zu der Entstehungsgeschichte und Bedeutung hinter Niemand.

    Es gibt viele Bücher und Lieder, die sich damit beschäftigen, niemand zu sein. Am prominentesten ist wohl die List von Odysseus, sich vor dem Zyklopen Polyphem als Niemand auszugeben. Auch der Song Stranger von 070 Shake hat mich sehr inspiriert. Zusammen mit dem Gefühl, für jemanden bedeutungslos zu werden (und auch zu fühlen, wie andere für einen bedeutungslos werden!), sind solche Geschichten in meinem Hinterkopf zu diesem Lied zusammengeschmolzen.

    Anna: Da kommt doch auch garantiert noch mehr: Worauf können wir uns musikalisch von dir freuen? Macht auch dir Corona einen kleinen Strich durch deine geplanten Promo-Pläne?

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    SCHMYT bei dem, was er am besten kann – produzieren

    SCHMYT: Ich bin ganz schlecht im Pläne machen, dass übernehmen Gott seid Dank die Menschen um mich herum. Ich kann mir schon vorstellen, dass Corona auch die Promo schwieriger macht, aber Promo ist einfach immer schwer am Anfang. Live spielen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Aber das muss jetzt warten, also mache ich wohl erstmal mit der nächsten Single weiter.

    Anna: Womit beschäftigst du dich in diesen ungewissen Tagen?

    SCHMYT: Mit Musik und Musik und Musik und Kochen. Ich sitze zuhause oder im Studio und schreibe für mich und für andere. Mein Leben unterscheidet sich also gar nicht so sehr von dem Leben, dass ich vor der Pandemie geführt habe. Es gab immer schon Phasen, in denen ich sehr isoliert war und das mag ich auch. Ich glaube, es ist einfach nur deshalb anders, weil der Fluchtpunkt ins Ungewisse rückt. Aber ich bin positiv und geduldig.

    Anna: Die letzte Frage ist ein blank space, heißt, du hast jetzt hier die Möglichkeit, alles frei raus loszuwerden, was du möchtest. Buch- oder Musikempfehlungen zum Beispiel, aber auch ein bisschen Selbst-Promo geht immer klar.

    SCHMYT: Meine nächste Single kommt … sehr bald! 😉 Ansonsten freue ich mich eher wenn ihr mir was vorschlagt, Bücher, Musik, Podcasts … egal. Kommt schon mal vor, dass ich im Studio und am Schreibtisch sitze und verpasse, was draußen passiert. Gerne PM an @derschmyt 😊

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  • Betterov im Interview: »Krass, das hören jetzt auch Leute«

    Betterov hat letzten Monat seine Debüt-EP Viertel vor Irgendwas veröffentlicht. Im ausführlichen Interview mit Jule erzählt er u.a. über den Entstehungsprozess der EP, seine Musikvideos und löst das Rätsel um die Schwarzwälder Kirschtorte.

    Ich habe ja bereits ausführlich über die Debüt-EP von Betterov referiert (die Review findest du hier). Kurz nach dem Release habe ich mit dem Wahl-Berliner ein bisschen gequatscht – natürlich social-distancing-mäßig am Telefon. Was ich aus ihm so rauskitzeln konnte, lest ihr jetzt. Viel Spaß!

    Betterov im Interview

    Jule: Hey, Betterov. Schön, dass du Zeit für uns gefunden hast. Fangen wir direkt an: Das Release-Konzert, bei dem du in Viertel vor Irgendwas reinfeiern wolltest, konnte aus allseits bekannten Gründen nicht stattfinden. Wie hast du den Release-Day stattdessen verbracht?

    Betterov: Tagsüber habe ich einfach Musik gemacht. Ich saß halt so Zuhause rum – man ist aktuell ja auch ein bisschen eingeschränkt und die Möglichkeiten echt begrenzt. Ich hätte den Tag ansonsten mit Sicherheit anders verbracht. Am Ende habe ich auf jeden Fall recht viel Wein getrunken. (lacht)

    Jule: Wie ging es dir denn, als du die fertige EP das erste Mal gehört hast? Hast du diesen Moment irgendwie „gefeiert“?

    Betterov: Ich hatte diesen Moment von „das ist jetzt fertig“, als ich vom Studio nach Hause gefahren bin, nachdem ich den Gesang aufgenommen hatte. Das ist so doof irgendwie, aber ich saß so da und dachte nur: „Krass. Das ist jetzt fertig. Das geht jetzt nach draußen. Das hören jetzt auch Leute“. Das war ein sehr aufregender Moment. Aber als die Platte dann richtig fertig-fertig war, hatte ich das nicht mehr so.

    Über das Leben auf dem Land

    Jule: Es geht in Viertel vor Irgendwas viel um das Leben auf dem Land. Du bist ja auch ein Dorfkind, lebst aber seit einigen Jahren in Berlin. Wie war die Umstellung für dich – ein Kulturschock oder bist du gut klargekommen?

    Betterov: Das war ganz schwer für mich und die Umstellung ist auch immer noch nicht vorbei. Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich versucht, das Leben vom Land 1 zu 1 auf das Leben in der Stadt zu projizieren. Ich komme aus der Rhön, das ist so’n Mittelgebirge. Da bin ich halt immer die kleinen Berge hochgelaufen, wenn mich was genervt hat oder so. Und wenn ich dann auf dem Berg stand und mir das Ganze so von oben angeguckt habe – das klingt jetzt sehr pathetisch, und das ist es auch, aber dann war alles irgendwie nicht mehr ganz so schlimm. In Berlin musste ich dafür plötzlich eine ganz andere Übersetzung finden. Das war sehr schmerzhaft, aber ab einem gewissen Zeitpunkt auch cool, weil es mich extrem weitergebracht hat.

    Jule: Also würdest du schon sagen, dass deine Texte eher autobiografisch sind? Mehr, als dass du ein Geschichtenerzähler bist?

    Betterov: Es ist irgendwie beides. Ich versuche, wenn ich etwas Autobiografisches schreibe, wie z.B. den Song Das Tor geht auf, das in eine Geschichte einzubetten, das ist mir schon wichtig. Ich weiß nicht, wie interessant mein Privatleben ist – ich würde mal schätzen, dass es wohl nicht albumfüllend wäre. Es interessiert mich auch viel mehr, etwas autobiografisch zu erzählen, vielleicht Probleme aufzuzeigen und das eben in eine Geschichte zu verpacken. Und wenn mir das gelingt, dann wäre das cool!

    Über die Produktion, Einflüsse und Ansprüche

    Jule: Ich finde, dass der Sound der EP eine sehr klare Linie hat. Gab es besondere Einflüsse, durch die sich diese Linie entwickelt hat?

    Betterov: Das ist schon eine sehr stringente Platte, das stimmt. Das liegt aber hauptsächlich auch an Tim Tautorat, der sie mit mir produziert hat. Wenn die Sperenzien in meinem Kopf zu groß wurden, hat er dann einfach gesagt: „Nee, sollten wir jetzt vielleicht nicht tun“. Ansonsten gab es auch Einflüsse: Ich bewundere die Smiths wahnsinnig. Das, was die gemacht haben, das gab es nur einmal und das gibt es nie wieder. Wie auch das Album Stadtaffe von Peter Fox. Der hat damit einfach etwas ganz Eigenes geschaffen. Selbst wenn Leute sich vornehmen, das nachzuahmen, sie werden diesen Status nicht erreichen. Sowas habe ich mir ein bisschen als Richtung gesucht – es sollte eine Platte werden, die Kraft hat, nach vorne geht und Themen beschreibt, die es vielleicht noch nicht so häufig in deutschen Texten gibt. Das würde ich dann aber vielleicht nicht „Einfluss“, sondern „Anspruch“ nennen.

    Jule: Gibt es jemanden, mit dem du gerne mal zusammenarbeiten wollen würdest?

    Betterov: Ich bewundere Herbert Grönemeyer sehr. Ich finde den extrem klug, auch abseits der Musik. Er ist natürlich auch schon wahnsinnig lange dabei und weiß ganz viel. Den finde ich sehr beeindruckend, das würde mich sehr interessieren. Ansonsten, hmm. Er ist jetzt der Erste, der mir spontan einfällt. Der ist schon ziemlich gut.

    Über seine Musikvideos

    Jule: Ein Aspekt, der dich auch sehr ausmacht, sind deine Musikvideos. Wie wichtig sind dir die Videos, auch bezogen auf deinen Schauspiel- und Theater-Hintergrund?

    Betterov: Die Videos sind mir schon sehr wichtig. Das ist natürlich auch super, wenn du die Geschichte des Songs mit dem Video nochmal komplett erzählen kannst. Das ist auch das Tolle an dem Beruf, den ich gerade habe. Es geht, na klar, um die Musik und die Texte. Dann kommt es aber auch darauf an, eine Bildsprache zu entwickeln, die Kostüme zu entwerfen – das ist eigentlich exakt dasselbe, was im Theater stattfindet, nur dass hier alles von mir ausgeht. Das ist natürlich eine krasse Verantwortung und es gibt sehr viel zu tun. Auf der anderen Seite hat man auch eine unglaubliche künstlerische Freiheit – nämlich alle Freiheit. Und das ist ein riesengroßes Glück.

    Jule: Das heißt, die Konzepte für die Videos kommen auch aus deiner Hand?

    Betterov: Nicht ganz. Ich arbeite mit Michél Almeida zusammen – der macht u.a. auch Videos für Fil Bo Riva. Mit ihm funktioniert das wahnsinnig gut. Wir brainstormen gemeinsam, entwickeln Ideen, dann zieht sich langsam die Schlinge zu, die Ideen werden immer klarer. Am Ende haben wir dann ein Konzept und das ziehen wir durch. Michél hat auch einfach schon sehr viele Musikvideos gemacht und kann daher z.B. auch sagen „ist ’ne super Idee, aber technisch nicht umsetzbar“, da fehlt es mir oftmals ein bisschen.

    Jule: Aber manchmal sind auch die einfachsten Ideen nicht so leicht umzusetzen, oder? Ich spiele hier explizit auf das Video zu Angst an.

    Betterov: Ja, bei dem Video zu Angst war das wirklich gar nicht so einfach. Dreieinhalb Minuten in One-Take zu versuchen einen Pullover auszuziehen, der die Angst symbolisiert, aus der man nicht rauskommt. Und das Kuriose daran ist eben: Der Pullover ist ein Alltagsgegenstand – warum kommt er da nicht raus? Super geile Idee in der Theorie, aber mega schwer umzusetzen (lacht). Wenn du es nicht glaubwürdig hinbekommst darzustellen, dass du nicht aus diesem Pullover rauskommst, wird es nicht nur ein schlechtes Musikvideo, dann geht einfach das ganze Konzept nicht mehr auf. Die Idee ist weg und es gibt dann faktisch kein Musikvideo mehr. Da war es auch total wichtig, dass Michél und ich gut zusammengearbeitet haben – wir haben immerhin um die 40 Durchläufe gebraucht, bis ein Take dabei war, mit dem wir letztendlich zufrieden waren.

    Über die Bedeutung der Torte und seines Künstlernamens

    Jule: Was hat es eigentlich mit der Schwarzwälder Kirschtorte auf sich? Ist sie nur ein Signature-Ding oder hat sie eine tiefere Bedeutung?

    Betterov: Sie ist schon ein Signature-Ding und entstand für das Video zu Dynamit. Wir dachten es wäre cool, ein Mond-Video zu machen. Aber ohne große Handlung, sondern eher so David-Lynch-artig, wo es um Bilder geht, über die man so komisch in eine Situation geworfen wird. Dann war die Idee, dass die beiden Protagonisten irgendwas finden müssten und zwar etwas, was da überhaupt nicht hingehört – so kam es zur Schwarzwälder Kirschtorte. Wir fanden es dann witzig, wenn sich diese Torte durch jedes Video zieht, aber erst im letzten Video zu Irrenanstalt im richtigen Kontext auftaucht – nämlich auf einer Familienfeier, da wo sie in ihrer natürlichen Umgebung hingehört (lacht).

    Jule: Wo wir gerade bei Bedeutungen sind, kommen wir mal zu deinem Künstlernamen. Was bedeutet „Betterov“?

    Betterov: Der Name kommt von einer Figur aus der dänischen Filmreihe Die Olsenbande. Das sind drei sehr gut angezogene Ganoven, die krumme Dinger drehen, die eigentlich immer schief gehen. Diese Filme waren in der DDR sehr populär, deshalb flogen sie bei uns Zuhause auch immer rum und ich habe sie als Kind echt abgefeiert. In einem dieser Filme gibt es einen Betterøv – wird wohl eher „Betterö“ ausgesprochen. Ich fand diesen Namen aus vielen Gründen wahnsinnig passend. Ich habe ihn dann irgendwann eingedeutscht, indem ich das skandinavische ø gegen ein o ausgetauscht habe. Das witzige an der Figur Betterøv ist auch, dass sie höchstens zweimal trottelig durch’s Bild läuft und einfach total unbedeutend ist (lacht). Man muss echt richtig Recherche betreiben, bis man herausfindet, wie sie überhaupt heißt. Ich fand das irgendwie gut, sich nach einem Statisten zu benennen und nicht nach einer Hauptfigur oder jemandem, der richtig was reißt (lacht).

    Jule: Am Ende eines Interviews gibt es immer einen Blankspace, wo man alles sagen kann, was man will. The stage is yours:

    Betterov: Jetzt gerade ist es einfach nur: Bitte bleibt Zuhause!

    Jule: Perfekt, das kann man aktuell echt nicht oft genug sagen! Vielen Dank für das sehr lustige und aufschlussreiche Interview!


    Hier könnt ihr euch noch eine Schwarzwälder Kirschtorte in ihrer natürlichen Umgebung anschauen:

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    Fotocredits: Massimiliano Corteselli

  • Fynn Kliemann im Interview: »Das ist die stressigste Zeit meines Lebens gerade.«

    Fynn Kliemann im Interview: »Das ist die stressigste Zeit meines Lebens gerade.«

    Fynn Kliemann vereinigt Heimwerker, Webdesigner, Hausboot-Inhaber, Gründer des Kliemannsland, YouTuber und Musiker in einer Person. Wie das geht? Einfach unglaublich viele Ideen und Motivation, die Dinge anzupacken, die du Jahre lang vor dir herschiebst. Fynn Kliemann träumt nicht, er macht. 2018 hat er mit nie eins der meist verkauften Alben des Jahres veröffentlicht, und das, obwohl er seine Musik nie rausbringen wollte. Und jetzt? Jetzt kündigt er sein zweites Album POP für den 29. Mai diesen Jahres an. Drei Singles sind schon draußen und geben uns einen Geschmack darauf, was noch kommt. Anna bekam 20 Minuten seines stressigen Alltags, um ihm auf Skype ein paar Fragen zu stellen. Das Resultat lest ihr hier!

    Anna: Erste Frage vorweg: Für alle, die dich aus unentschuldbaren Gründen nicht verfolgen, was hat es mit deinem neuen Projekt POP auf sich? Wofür steht POP?

    Fynn: Naja, das ist mein neues Album, ich hab Musik gemacht (lacht). POP steht für viele Sachen, aber am Ende des Tages mach ich Pop-Musik wenn du so willst und so heißt das Album.

    Anna: Du hast davor ja auch immer schon Musik gemacht, und dich mit deinem ersten Album nie dazu entschlossen, sie das erste Mal zu veröffentlichen…

    Fynn: Richtig.

    Anna: … aber wolltest das ja danach nie wieder machen. Wieso hast du dich jetzt entschieden, das nochmal in Angriff zu nehmen?

    Fynn: Weil ich ein bisschen dumm bin (lacht). Ich hab den Aufwand mal wieder ein bisschen unterschätzt. Ich hab das ja nur gesagt, dass ich das nicht nochmal mache, weil das so ein Killer-Aufwand war und weil das alles irgendwie viel anstrengender und viel mehr war als ich jemals befürchtet habe. Und dann hab ich gedacht, egal, komm, weißte, je länger das her ist, desto mehr vergisst man, dass das anstrengend war (lacht). Dann sagt man irgendwann so „Ach ja, so schlimm war’s ja gar nicht“ und dann macht man das nochmal.

    Anna: Hast du retroperspektiv was aus der Veröffentlichung von nie gelernt? Also was mitgenommen oder diesmal anders gemacht?

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    zu sehen: Fynn auf Schaukel, credit: Luisa Gehnen

    Fynn: Mhm.. Ich find das schwer über Musik zu sprechen, ich hab mir dabei gar nichts gedacht. Ich setz mich da hin und mach halt Musik und was dabei rauskommt ist das, was dabei rausgekommen ist. So nachträglich betrachtet hab ich auf jeden Fall ein bisschen freier an Beats und Samples gearbeitet. Normalerweise machtman sich die ganze Zeit Gedanken darüber, ob man das benutzen kann oder die Aufnahme zu schrottig ist. Davon hab ich mich komplett frei gemacht. Ich hab jetzt nicht mehr den Anspruch oder die Angst davor, professionelle Musik auf meine laienhafte Weise zumachen. Das ist schon befreiend.
     
    Anna: Die Konzepte um Promo und Veröffentlichung sind aber an sich ähnlich aufgebaut: POP ist, wie der Vorgänger nie, nur bis zum Release Datum vorbestellbar und danach nie wieder.
     
    Fynn: Ja. Das werd ich auch immer so machen und kann das auch jedem nur ans Herz legen, der Musik macht. Meist geht es nur um möglichst viel Gewinnspanne an dem jeweiligen Produkt, also: billige Vinyl, billige Verpackung, billige CD-Hülle, billiges Booklet, billiges Papier, billiges Alles. Ich finde das ist genau falsch, man muss das Wertigste, das Teuerste, das Beste, das für die Umwelt Schonendste wählen, was es gibt, damit dieses physische Produkt so geil wie irgend möglich ist. Und wenn man das so macht, dann ist diese Limitierung einfach nureine kleine Kirsche obendrauf. Das ist das, worauf ich achte, dass das Zeug wirklich einfach richtig gut ist und nicht viel Geld einbringt. Man schätzt auch seine Hörer und Hörerinnen viel mehr. Die Leute, die einen früh kennengelernt haben und schon seit Stunde eins unterstützen, die haben das und alle anderen nicht. Das find ich irgendwie geil (lacht).
     
    Anna: Für POP hast du angekündigt, deinen gedrehten Dokumentarfilm zu niefür genau einen Tag in die Kinos zu bringen. Wie war die Resonanz bis jetzt darauf?
     
    Fynn: Sehr gut, richtig krasses Feedback auf jeden Fall. Wir haben irgendwie 70.000 Anmeldungen für diesen Film, was riesengroß ist für ein Dokumentarfilm in Deutschland. Aber die Resonanz ist super, das hat mich auch gewundert, weil das auch schon bisschen her ist, aber dann ist es ja auch ne zeitlose Geschichte. Wir haben eins der meistverkauften Alben in dem Jahr produziert mit zwei Leuten. Wir haben keine Kohle gehabt, wir hatten gar nix. In der Doku erfährst du alles, über Plattenvertrag abgelehnt und Label gegründet und alles irgendwie selber gemacht. Ich glaub, das ist schon ne spannende Story.
     
    Anna: Soll der danach noch über andere Plattformen verfügbar sein?
     
    Fynn: Wissen wir auch noch nicht. Es haben sich viele Leute beschwert, aus Österreich und der Schweiz, weil die hätten das ja alle nicht gucken können und das hab ich nicht so richtig bedacht (lacht). Das ist natürlich eine Sache, die man einrechnen muss. Ich will eigentlich auch jedem die Chance geben, dass man das sehen kann. Kino ist für mich das, was Vinyl bei Musik ist. Das ist so die Art und Weise wie man seinen Film im besten Fall einmal rausbringt. Den einmal ins Kino zu bringen ist genau wie eine Vinyl zu veröffentlichen, danach kannst du’s trotzdem noch bei Spotify streamen, aber die Vinyl gibt’s halt nicht mehr. Ich find dieses einmalige Kino-Erlebnis eigentlich schon voll geil. Wir müssen mal gucken, wie da die Lösung ist.
     
    Anna: Du bist ja seit Jahren am Projekte umsetzen und neu planen, machst alles, was dir so in Kopf kommt. Was ist dein To-Go Plan, wenn dir das alles ein bisschen viel wird?
     
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    © Chris Fraczkowia

    Fynn: Naja, also Zuhause ist schon bisschen so genau das. Ich hab hier die Möglichkeit, mein Telefon auszumachen, mich ans Klavier zu setzen und ein bisschen rumzudaddeln, mit dem Hund spielen und so. Das sind schon Sachen, die bringen mich runter. Aber meistens ist es dann auch Musik.
     
    Anna: Priorisierst du dann deine Projekte? Hast du das Album zum Beispiel nebenbei produziert oder dafür andere Sachen kurz auf Pause gemacht?
     
    Fynn: Nee, das kann ich nicht so gut, ich mach immer alles gleichzeitig (lacht). Aber Prio für mein Leben hatte in der Zeit von der Albumproduktion schon das Album. Also ich hab da ein Jahr lang dran gearbeitet, jede Nacht, und hab’s niemanden erzählt. Das heißt, alles, was in der Zeit passiert ist, mit dem Hausboot und dem ganzen Kram drum herum, war so im Fokus der Außenwelt, dabei hab ich eigentlich ein ganz anderes Leben geführt. Ich hab ein Jahr lang wirklich jeden Tag nur an diesem Album gearbeitet, es aber keinem erzählt, bis es fertig war. Das war halt schon ein bisschen stramm, die Woche so strukturieren, dass man nicht merkt, dass ich 50 % der Zeit was völlig anderes mache (lacht).
     
    Anna: Hättest du vor fünf Jahren gedacht, dass du einmal heute hier landest, in einem Interview über dein zweites Album?
     
    Fynn: Nee nee nee (lacht). Also erstmal vor fünf Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich jemals überhaupt Musik mache. Hättest du mir gesagt, ich release irgendwann mal einen richtigen Song, hätte ich gesagt „alter nee“. Das waren die richtigen Leute am richtigen Ort und dann irgendwann meinten alle „ey Fynn, du hast da hunderte Skizzen auf dem Rechner und davon ist auch irgendwas richtig ok (lacht), mach da damit mal was“. Und durch diesen ganzen Ansporn dachte ich „okay na gut, arbeite ich mal was aus“.
     
    Anna: Gut, dass du’s gemacht hast!
     
    Fynn (lacht): Danke!
     
    Anna: Aus aktuellem Anlass: Wie beeinflusst dich die Corona-Krise momentan, hat das Auswirkungen auf den Release von POP?
     
    Fynn: Auf den Release nicht, nee, bis zum 29.05. kann man weiterhin vorbestellen. Was sein kann ist, dass sich die Auslieferung ein bisschen verschiebt. Ich kann’s halt nicht garantieren, normalerweise haben wir den 29.05. als Abschluss von der Vorbestellungszeit, auch alsfinales Lieferdatum für alle, die bis zu einem bestimmten Datum bestellt haben, angesagt.

    Und das ist jetzt halt kompliziert geworden. Die Presswerke haben gerade geschlossen, das heißt, ich kann grad gar nicht pressen. Kino ist in Gefahr, das Album, der Versand des Albums und überhaupt die Produktion des physischen Datenträgers ist in Gefahr, das Kliemannsland-Café hat geschlossen, unser Elektrofestival fällt wahrscheinlich aus, also das hat gerade schon weitreichende Konsequenzen, auf jeden Fall.

     
    Anna: Und wie sieht dein Tagesablauf momentan so aus?
     
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    @fimbim auf Insta

    Fynn: Ich mach ja sehr viele Sachen, unter anderem habe ich noch ne Agentur, mit der wir Websites und Shops bauen, das fluktuiert jetzt natürlich wahnsinnig. Und dann naja, erstmal den ganzen Stress mit Kino und Album richtig in die Wege leiten, das Musikvideokommt morgen raus, die ganzen Dinge. Ich steh morgens um halb sieben auf, geh um drei Uhr morgens ins Bett und arbeite den ganzen Tag halt, nur eben von zuhause. Das ist die stressigste Zeit meines Lebens gerade (lacht).
     
    Anna: Die letzte Frage fungiert bei uns immer als Blank Space, heißt, hier kannst du jetzt ein bisschen Selbstpromo, aber vielleicht auch einpaar aufmunternde Worte an alle, die seit Wochen in ihrer Wohnung hocken, dalassen.
     
    Fynn: Jetzt gerade ist ne wichtige Zeit für Musik, also für Hörer, aber auch für Musiker und Musikerinnen. Indem man Musik von zuhause streamt, kann man damit halt voll einfach Musiker und Musikerinnen unterstützten. Aber auch für seine eigene Psyche kann Musik helfen, das ist ja die stärkste Waffe, find ich. Das ist total einfach über Musik von zuhause irgendwo hinzureisen, wo man gerade will, nur eben in seinem Kopf. Von daher, nutzt das!
     
    Anna: Hast du schön gesagt. Dann danke dir für’s Interview.
     
    Fynn: Gerne, danke dir auch.
     
     
     
    Checkt hier das mit 2906 Darsteller*innen rekordbrechende Video zu Schmeiß mein Leben auf den Müll:

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  • Máni Orrason im Interview: »Fuck. This is what I’m gonna do.«

    Máni Orrason im Interview: »Fuck. This is what I’m gonna do.«

    Ausnahmetalent Máni Orrason aus Island veröffentlichte erst letzten Sommer seineBaby Angel EP. Nun überrascht er uns nicht nur mit seiner neuen Single I Go Up, sondern auch mit der Ankündigung einer neuen EP, die dieses Jahr noch erscheinen wird. Mánis Musik spiegelt alles wider, was er mag und ihn beschäftigt. Über Pop, Punk und Indie ist alles mit dabei. Ich hab mich mit ihm im Studio seines Produzenten getroffen und über seine Musik und Pläne für 2020gesprochen. Außerdem erzählt er mir, wie es ist, mit seinen Headlines Shows einen positiven und sicheren Ort für die LGBTQ* Szene zu schaffen. Wer Máni noch nicht kennt, hat ihn spätestens am Ende dieses Interviews ins Herz geschlossen.

    Anna: So starting with a question to introduce yourself to people who don’t know you yet: How would you describe your music?

    Máni: I describe my music as a collage of all the things that I like. Whether it’s Blink 182, My Bloody Valentine, Charlie XCX or The Clash or whatever. My music is kinda like an electronic pop soundscape build around all kinds of references in music I love.

    Anna: And how did you get into making music in the first place?

    Máni: My dad had a guitar (smiles). I remember when I was like 13 starting to play music, my dad gave me this songbook with all these classic American songs in it. There were a lot of songs I didn’t know what they sounded like in. I only had the lyrics and the chords, so I would just play the chords and make up my own melody to the words. That’s kinda how I first started playing. Then I saw Green Day playing at Woodstock ’94 or something? Their whole performance made me go … Fuck. This is what I am gonna do. It was just amazing, it was a world I didn’t know. I lived on a farm when I started playing music and there was … nothing around. In school, there were like 5 kids in my year. So I listened to everything that I could find online. And that was it. Then I started a band and writing songs.

    Anna: So you grew up on Iceland and then moved to Berlin?

    Máni: Yeah, I first moved to Spain when I was 3. Then I moved back to Iceland, lived there until I was around 13 and then moved back to Spain again. But where I lived in Spain it wasn’t like Barcelona or Madrid where there were cool things happening. So I decided to move somewhere else, somewhere where I can properly do this. And also just to move away from home and start a new chapter. I was 20 and just couldn’t stay in Spain anymore.

    Anna: Did that influence your music?

    Máni: Yeah, I think forme it was a big moment of I can do whatever I want, like I’m not chained down to any kind of image that I have of myself. Like, these things that interest me, whether it’s pop music or things I flirted with on my own in secret … I think I had to move awayto give myself the space to be whoever I wanted or inspired to be.

    Anna: That worked out pretty good.

    Máni (laughs): Yeah it worked out pretty well.

    Anna:Máni Orrason, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Interview, Máni Orrason, Mani Orrason, Baby Angel EP, Baby Angel Loves You EP What’s your process of writing and producing your songs?

    Máni: When I’m writing by myself, I have to be in a good state of mind where I’m like present in the moment and willing to experiment. If I start writing and I’m not init, I’m not gonna do anything good. What I’ve been doing a lot lately is building good loops and going on the mic and then recording 20 minutes of just random melodies and just do that over and over again. Then I listen to it and pick out things I like and make changes. I kinda build a song out of like these random ideas and piece them together to see how they float together. I believe that all the best shit, like all the best melodies, you can’t consciously like write these things. All the things that I’m proudest of that I’ve written just come from a place of flow, where it just happens.

    Anna: You identify yourself as part of the LGBTQ* community.

    Máni: Yeah. I’m bisexual (chuckles).

    Anna: When I first saw you live, you supported Bloodhype and apologized on stage for spreading glitter in the men’s room.

    Máni (laughs): Oh yeah, I remember that.

    Anna: In that context –do you feel like it’s important to break with some unwritten rules of gender?

    Máni: I think for me personally, absolutely, like I really enjoy wearing glitter (laughs). To be on stage and to present yourself publicly as queer, can be vulnerable and a bit scary … But it feels really freeing to just do that, to just be myself. I think it would really suck if I didn’t, if I felt embarrassed or afraid do that. It’s just an aspect of me that I feel comfortable today with expressing. Especially last year after releasing the EP and the song Privilege of Time, to see how like these songs attracted a lot of queer people to the shows. To bring joy to people and queer people is like really amazing and joyful. Privilege of Time feels really good like it’s not a dark song about hating yourself for who you are, it’s a party and a celebration, it’s a love song. So yeah.

    Anna: Your next project is called Baby Angel Loves You. Is it continuing your previous EP Baby Angel?

    Máni: Yes. It’s gonna be interesting to see how things float together. There has been massive changes in production and style and everything but I kinda picture that once this next record is done and whatever comes after, it’ll be this big package, this closed solid thing.

    Anna: And what’s the meaning behind the title?

    Máni: Baby Angel originally was this necklace I got when I went with my ex-partner to Texas. We had this two-week trip and at this thrift shop I got this necklace that was basically Máni Orrason, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Interview, Máni Orrason, Mani Orrason, Baby Angel EP, Baby Angel Loves You EPlike this angel with a cowboy hat. I started to collect new songs I was writing then under the title Cowboy Baby Angel, that slowly became Baby Angel. It felt like a good title for the EP just because of what it represented, like this trip and the time in our relationship. There’s a lot of beautiful things that you associate with angels. I think that all that people desire is to be validated and accepted. … I just want unconditional love so I think of Baby Angelas kind of like a symbol for this desire. I’m not religious or anything but I love this imagery, this idea of something bigger.

    Anna: So your Baby Angel Tour is kicking off in May, you postponed it to focus on finishing your EP.

    Máni: Yeah right. So we postponed a whole bunch of shows because of the EP production. We did two shows now and we’re doing the third one tonight in Berlin, and it was so good. Like I just got back from Dresden, it was really crazy. These are the first headline shows I played basically since we released the last EP. I’ve just been playing festivals and support shows and things and it’s like the first time that I ever played for a crowd that was shouting my lyrics. People were so into it, it was like … Because when you’re playing for an audience that doesn’t know you, it’s really such a totally different energy, like you’re not fighting for peoples attention, but they are giving you more than you are able to give them. Its such joyful thing.

    Anna: Because they only came to see you.

    Máni (excited): Yeah! It’s like .. fuck. It felt so amazing. Máni Orrason, Untoldency, Untoldency Magazine, Indie, Musik, Blog, Blogger, Online Indie Musik Magazin, Interview, Máni Orrason, Mani Orrason, Baby Angel EP, Baby Angel Loves You EPI was on stage and just thinking like I wrote this song in my kitchen in Spain when in was living in a shitty ass apartment, feeling so, so sad. And now people are singing it. And it’s a cheesy artist thing to say that, but I never had that before. It was really incredible. … And also so rewarding. Cause this music shit can be so lonely. I work with Nicolai, my producer, and my managers but we’re like a tiny little circle. And it’s just the four of us trying to figure out shit, and me by myself trying to write songs, and then it’s like… fuck. People are actually there. This is so much bigger than just my daily life of replying to emails and wondering what my purpose is (laughs).

    Anna: That’s really nice, I’m happy for you! So what are the next plans for this year?

    Máni: Thanks (smiles). I’m just trying to play as many shows as I can and I’m just working super hard on finishing basically a new EP. I’m just trying to figure out how I can make this go as long as possible. Cause it’s like really hard but also so, so worth it, and this year I just wanna finish all this new music I’ve been working on, play for as many people as possible, makethe best photos, take the best videos, make something of value. I just wanna keep going.

    Anna: Sounds like a good plan.

    Máni (laughs): Yeah.

    Anna: So at Untoldency, we leave a blank space in our interviews for the artist to fill out however they want. Self-promo, music recs, you name it.

    Máni (after thinking really hard about it): Hey, I just released this new song, it’s called I Go Up, it’s fast, it’s crazy, it makes me want to scream really, really loud and jump up and down really, really fast, and break windows and whatever. So, stream that shit, come to my shows, buy my posters, I’ll sign them myself, it rocks. Thank you.

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    Fotocredits: Massimiliano Corteselli.

  • NUGAT im Interview: »Somewhere between suicidal thoughts and lust for life«

    NUGAT im Interview: »Somewhere between suicidal thoughts and lust for life«

    Heute mal kein Indie-Sommer-Hit, sondern selbstproduzierter kontemporärer Urban Pop über Depressionen, Angstzustände und Realitätsverlust. Klingt ein bisschen deep, ist aber unglaublich relevant. NUGAT ist ein Künstler aus Niedersachen, der jetzt in Berlin lebt und den ihr unbedingt mal ein paar Momente eurer Aufmerksamkeit schenken solltet. Der Produzent und Sänger ist erst 22 und versucht mit seiner Musik ein Ventil für sein eigenes zerrissenes Innenleben zu schaffen. Er sucht Hoffnung und Antworten und hilft somit ein paar anderen, diese zu finden. Vor ein paar Jahren wurde NUGAT mit Borderline diagnostiziert, aufgewachsen ist er damit schon sein Leben. Anna hat ihn interviewt und mit ihm über seine Krankheit und Leidenschaft zu produzieren gesprochen.
     
     
    Anna: Standard-Frage am Anfang: Wie bist du zum Produzieren und Musik machen gekommen, was war da so dein persönlicher Entwicklungsgang?
     
    NUGAT (schmunzelt): Also ich hab immer schon viel Musik gehört, vor allem auch durch meine Eltern. Mein Dad hat immer sehr viel und mega laut Elvis gehört zuhause, meine Mum Mika. Irgendwann hab ich angefangen, Saxophon zu spielen, und dann auch Schlagzeug, Gitarre und Keyboard. Dann kam mein älterer Cousin mit Hip Hop um die Ecke und das hat mich mit 12 oder 13 mega gepackt. Also hab ich mir so ein Medi Keyboard geholt und angefangen, über den Computer eigene Beats zu machen.
     
    Anna: Cool! Und dann hast du einfach angefangen, selbst Sachen zu produzieren?
     
    NUGAT: Ja genau, dann hab ich irgendwann zum 12. oder 13. Geburtstag, weil ich mir das so sehr gewünscht hab, so ein Programm bekommen, ich glaub, das hieß Magic Music Makers. Das war auch so voll das Einsteigerprogramm und da hab ich dann angefangen, so Beats zu machen. Gesungen hab ich halt sowieso auch immer schon.
     
    Anna: Hast du das Gefühl, dass du dich so Stück für Stück weiterentwickelst?
     
    NUGAT: Absolut, ja. Also ich bin auch heute noch nicht zufrieden mit meinem Englisch, und merk aber auch von Platte zu Platte, dass meine Aussprache besser wird und dass es immer noch einfacher wird, für mich zu schreiben.
     
    Anna: Du nutzt deine Plattform als Künstler auch oft dafür, um über mental health und vor allem deine eigene Krankheit, Borderline, zu informieren und reden. Warum ist dir das persönlich wichtig?
     
    NUGAT: Mhm erstmal, weil ich selbst sehr krank bin und zweitens weil ich auch sehr viel Leute irgendwie kenne, die psychisch krank sind und ich merk, dass das es irgendwie immer noch nicht so… Es ist viel besser und so als früher so, man kann viel offener drüber reden, aber ich hab das Gefühl, dass es immer noch so ein bisschen verpöhnt ist.
     
    Anna: So ein kleines Tabu-Thema.
     
    NUGAT: Ja, genau..
     
    Anna: Bekommst du da viel positives Feedback, also hast du das Gefühl, du erreichst damit Leute?
     
    NUGAT: Absolut. Ich hab sogar Leute, die mir so schreiben, „Ey ich habmich jetzt getraut zum Arzt zu gehen, endlich“. Und das ist auch genau das, was ich erreichen will, dass Leute sich trauen, darüber zu reden, weil sonst kann einem nicht geholfen werden. Einmal ist so ein Mädchen nach einem Auftritt zum Merch Stand gekommen und hat fast geweint und mich in Arm genommen und gesagt, dass sie auch Borderline hat. Das ist schon ein gutes Gefühl. Für mich ist die Musik sowieso auch ein großes Ventil, deshalb freut es mich, dass sie anderen auch so hilft.
     
    Anna: Wie bist du selbst damit aufgewachsen?
     
    NUGAT: Borderline ist halt so, entweder kannst du es einfach so haben, wie wenn du auf die Welt kommst mit irgendeiner Krankheit, oder es kommt halt durch ein Trauma. Bei mir ist es einfach so, dass ich damit geboren bin und ich leb damit seit ich denken kann. Ich hab die Diagnose aber erst vor 3 oder 4 Jahren bekommen, was mir aber auch sehr geholfen hat, weil ich dann einen Begriff zu hatte.
     
    Anna: Das hilft einem dann, das alles einordnen zu können.
     
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    © Marius Knielin
    NUGAT: Genau. Früher hatte ich überhaupt gar keinen Begriff und auch als ganz kleines Kind hab ich mich sehr gequält und wusste überhaupt nicht, was los ist und so. Borderline ist ein Hin und Her einfach, das kann sein, dass ich dich jetzt gerade voll mag und kann sein, dass ich dich auf einmal voll hasse..
     
    Anna: Hat das auch Auswirkungen darauf, wie du so Musik machst und sie wahrnimmst?
     
    NUGAT: Ich nehm alles anders wahr, ja. Jeder Künstler hat das, dass er ‘nen Song macht und am nächsten Tag reinhört und sich denkt, das war jetzt nicht so cool, das lösch ich mal. Bei mir kann das sein, dass ich direkt denke, ich höre jetzt für immer auf. Zu Borderline gehört dieses Extrem sehr dazu. Es gibt nur extrem gut oder extrem schlecht.
     
    Anna: Wie ist das denn auf Tour?
     
    NUGAT: Mhm.. das ist nicht immer so, dass ich so befangen bin, also ich bin manchmal auch einfach ganz „normal“ (lacht). Aber es kommt auch schon vor, dass ich auf Tour eine Panikattacke kriege oder so. Da hab ich dann aber Gott sei Dank meine Jungs dabei, die wissen mittlerweile sowieso, wie die damit umgehen können und ich hab Medikamente, das geht schon alles gut.
     
    Anna: Du hast ja deine erste Headline Tour auch letztes Jahr gespielt. Generell war es ja ein erfolgreiches Jahr für dich. Wenn du jetzt zurückblickst, was waren deine Highlights?
     
    NUGAT: Definitiv die Tour (lacht). Also absolut die Tour, ja. Die Tour.. also ich glaub das ist mein riesen Highlight gewesen. Ich wollte sowieso immer schon ne eigene Tour spielen und dann ist es passiert.
     
    Anna: Gibt es Momente, an die du dich speziell zurückerinnerst?
     
    NUGAT: Also einmal das mit dem Mädel, das auf mich zukam und zusammengebrochen ist, das werd ich wahrscheinlich auch niemals vergessen. Ich hab auf jeder Show auch ein Video für meine Mum gemacht.. Ich hab einen Song, der heißt Mama und wenn ich den gespielt hab, ist immer ein Homie auf die Bühne gekommen und hat das gefilmt, das war auch jedes Mal mega schön. Aber an sich war einfach das Ganze an sich für mich einfach nur mega, mega gut.
     
    Anna: Welcher Song ballert live am meisten?
     
    NUGAT: Mhm.. Bounce.
     
    Anna: Ja?
     
    NUGAT: Mhm-hmm (lacht) Immer, ich spiel den auch immer am Ende, jetzt ist es raus, jetzt kann keiner mehr zu den Shows kommen (lacht)
     
    Anna: Ist ja auch der meistgestreamte Song, ich glaub, der hat fast 2 Millionen auf Spotify.
     
    NUGAT: Ich glaub auch, ja, fast zwei Millionen, das ist schon heftig.. Jeder kennt den und das funktioniert auf Festivals auch wenn ich da spiele. Da ist das auch so, dass die sich fragen, hä wer ist denn das überhaupt und denn kommtBounceund auf einmal sind alle am moshen. (lacht)
     
    Anna: Wenn du jetzt in einem Jahr auf dieses Jahr zurückgucken würdest, was würdest du 2020 gerne erreicht haben, was sind deine Ziele?
     
    NUGAT: Also ich würde mir auf jeden Fall wünschen, noch eine Tour zuspielen. Bis dahin werd ich mich jetzt erstmal hier einschließen und nur Musik machen und einfach Songs rausbringen, am laufenden Band.
     
    Anna: Cool! Also bei uns ist die letzte Frage so’n Blank Space, da darfst du sozusagen ganz frei raus dich selbst promoten, wenn du möchtest.
     
    NUGAT: Ich würde das einfach nutzen, um das Video meiner neuen Single Took vorzustellen und mein Instagram dazulassen.
     
    Anna: Dann danke dir für das schöne Interview!
     
    NUGAT: Danke dir.
     
     

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