Weite Fläche, flirrendes Licht, irgendwo ganz hinten klingt Musik an – wie eine Erinnerung, die plötzlich wiederkommt. So beginnt nicht nur der Kurzfilm zur zweiten EP „Who Speaks Your Mind“ von Dolphin Love, sondern auch der Eintritt in seine Soundwelt, die irgendwo zwischen Nostalgie, Aufbruch und völliger Entrücktheit schwebt.
Seit der Debüt-EP 999 im Jahr 2022 ist klar: Dolphin Loves Musik ist keine, die sich einfach in ein Genre pressen lässt. Sie ist mal beatlastig und verspielt, mal roh und introspektiv. Zwischen Hip-Hop-Produktion, Gitarrenflächen und einer Stimme, die manchmal mehr Textur als Erzählstimme ist, entsteht eine Musik, die nicht gefallen will – sondern fühlen. Mit der dritten EP Not From Here, die am Freitag, 11. April, erschienen ist, wird dieser Eindruck noch einmal vertieft: Es geht ums Verlorensein, um das Schweben zwischen gestern und morgen, zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Dass Dolphin Love am liebsten alles selbst macht – von der ersten Idee bis zum finalen Mix –, merkt man der Musik sofort an. Hier wird nicht für TikTok produziert, sondern für die echten Momente: fürs Zugfahren bei Regen, fürs Rumliegen mit offenen Fenstern, fürs Da-sein (oder eben Nicht-Da-sein).
Wir haben mit Dolphin Love über das Entstehen der neuen EP gesprochen, über das Gefühl, ständig zwischen Zeiten zu hängen – und darüber, warum Musik manchmal der einzige Ort ist, an dem man wirklich hier sein kann.
Dolphin Love im Interview
Hi Coco, wie geht’s dir gerade so?
Mir geht’s echt ganz gut. Ich mache gerade wieder viel neue Musik, arbeite mit einem anderen Künstler zusammen – das ist gerade echt schön. Und die Sonne hat eben geschienen! Das hebt die Stimmung total. Und ich bin gerade auf wieder auf dem Land, das tut immer ganz gut nach einer intensiven Zeit in Berlin.
Das kann ich mir gut vorstellen! Wenn du deine Musik in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?
Leicht, unkompliziert und frei. Irgendwie beschreibt das ganz gut diese Weite, wenn ich Musik mache und auch eine gewisse Leere.
Wie wird aus so einem Gefühl dann eigentlich ein Song bei dir?
Ganz unterschiedlich. Es ist total tagesformabhängig. Meistens passiert’s einfach. So ein Moment, der plötzlich da ist – und den muss man dann greifen. Die besten Songs entstehen oft ganz schnell, wenn man den Impuls direkt aufnimmt und nicht zu lange dran rumbastelt.
Hast du dann später manchmal so das Gefühl: Hätte ich das doch noch verändert…?
Früher auf jeden Fall! Aber mittlerweile bin ich da entspannter. Ich denk mir: Das war’s – besser fertig als perfekt. Das ist eigentlich viel schöner. Zu viel Feinschliff killt manchmal den ursprünglichen Vibe.
Produzierst du deshalb auch lieber alleine?
Ich liebe beides. Allein zu schreiben hat was Besonderes – aber mit anderen gemeinsam Musik machen, das ist auch richtig schön. Das ist immer ein ganz besonderer Moment. Ich produziere auch gerne für andere. Diese Momente zusammen sind total wertvoll.
Könntest du dir ein Feature vorstellen?
Auf jeden Fall! Ich plane gerade, Dolphin Love zu erweitern und mit anderen Künstler*innen zusammenzuarbeiten. Gerade mit Leuten, die musikalisch einen Kontrast bilden – das reizt mich total. Ich bin auch einfach sehr hungrig danach, Input von anderen Leuten zu bekommen.
Und wenn du träumen dürftest: Wen würdest du gerne mal featuren?
Boah, gute Frage. Vielleicht Spacey Jane, die australische Band. Oder ein Rapper wie Larry June – ich mach den Beat und er rappt drüber. Irgendwas außerhalb meiner Indie-Comfort-Zone.
Früher hast du ja viel solo gespielt, jetzt öfter mit Band – was gefällt dir besser?
Mit Band ist’s tausendmal geiler. Früher hab ich in The Attic Nights gespielt und auch Schlagzeug in anderen Bands. Live mit Leuten auf der Bühne – das ist so eine Energie, die man teilen kann. So ist das auch mit Jan, meinem Drummer. Er ist einfach ein Herzensmensch. Mit ihm ist’s auf und neben der Bühne einfach schön. Schöner als alleine.
Wie lang dauert es bei dir eigentlich, bis ein Song fertig ist?
Kommt drauf an. Bei der neuen EP hatte ich es das erste Mal, dass die Versionen teilweise ewig rumlagen. Manche Songs haben sich echt über Monate entwickelt. Ein Song kommt sogar noch von April 2023. Manchmal lagen sie einfach rum, dann kam nach zwei Monaten plötzlich die Strophe. Ich hab sie lang reifen lassen und geguckt, ob sie auch nach vier, fünf Monaten noch für mich funktionieren. Erst dann war klar: Das sind die Songs für die EP.
Ich hab beim Hören gedacht: Die neue EP klingt anders als dein Debüt. Es ist immer noch Dolphin Love, aber schon sehr anders. Wie siehst du das?
Ja, voll. Die neue EP ist soundmäßig aufgeräumter. Ich hab beim Mixen viel dazugelernt. Früher war’s mehr Trial & Error, jetzt hab ich klarere Vorstellungen. Aber ich lieb’s auch, wieder rougher zu werden – weniger glatt, eher gefühlig. Da werden die nächsten Songs auch wieder eher hingehen.
Finde ich total spannend, weil du ja auch nicht drauf zu achten scheinst, wie lang deine Songs sind. Da gibt’s zwischen einer Minute Intro und 7 Minuten Versionen ja alles. Machst du dir da manchmal Gedanken, dass du Songs besser an einen Algorithmus anpassen müsstest?
Gar nicht. Ich schreibe für Live – nicht für Algorithmen. Wenn ein Song sieben Minuten braucht, dann bekommt er die auch. Ich liebe es, mich davon freizumachen, in ein Raster passen zu müssen. Es muss einfach zu dem Lied passen. Wir haben ja vor eineinhalb Jahren auch den Kurzfilm Who Speaks Your Mind gefilmt, der ist ein gutes Beispiel dafür: Die Geschichte braucht den langen Song, um zu wirken. Zwei Minuten hätten da nichts gebracht. Dann wäre es gar nicht rübergekommen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Kommen wir zurück zur EP „NOT FROM HERE“: Worum geht’s thematisch?
Um das Gefühl, nicht richtig da zu sein. Deswegen heißt sie auch „Not From Here“. Ich bin oft zu weit vorne oder hinten im Leben, so zumindest mein Gefühl. Ich bin im Kopf immer wo anders – nie so richtig im Moment. Manchmal denk ich an die Zukunft und denk so: „Scheiße, wie wird das wohl?“ und dann denke ich wieder: Lebe doch einfach im Moment. An anderen Tagen hänge ich gedanklich noch total in der Vergangenheit. Aber das bringt auch nichts, weil ich das eh nicht mehr beeinflussen kann.
Klingt sehr relatable – auch ein bisschen nach dieser typischen 20er-Jahre-Existenzkrise.
Total! Dieses „Was mach ich eigentlich mit meinem Leben?“, gepaart mit dem Druck, alles absichern zu müssen. Ich versuche, im Jetzt zu leben – das bringt einfach mehr.
Okay, ich habe noch zwei Fragen zum Schluss. Nummer 1: Hast du einen Lieblingssong von dir?
Ja! Gerade ist es „BANGALOW“, der zusammen mit der EP rausgekommen ist. Ich liebe den live einfach total – der macht so viel Spaß.
Und zum Abschluss: Deine untold story.
Tatsächlich fällt mir da auch direkt eine ein. Ich war mal ziemlich betrunken und hab im Bett aus Versehen auf meinen Laptop gekotzt. Da war super viel Musik drauf. Am nächsten Morgen hab ich’s gerade noch geschafft, die Songs runterzuziehen. Dann zum Computerladen – und der Typ so: „Da ist nichts mehr zu machen.“ Ja, that’s the story. Memo an alle: Sichert eure Daten regelmäßig!
Oha, da hattest du ja gerade noch Glück im Unglück. Danke dir, Coco – für deine Zeit, deine Offenheit und natürlich deine Musik.
Danke dir! War voll schön!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Passend zum Album Titel »Rush Hour des Lebens« zieht Odd Couple uns ICE-artig durch dieses Interview. Dabei bekommen wir Eindrücke ihrer Selbst und ihrer Kunst.
Maja (untoldency) : Hey Odd Couple, willkommen im Interview mit untoldency. Wie würdet ihr das Jahr bis jetzt bewerten?
Odd Couple: 10/10 – es ist schön wieder auf Tour zu sein und wir freuen uns wenn die Platte endlich draußen ist.
Maja (untoldency): Habt ihr bis zum jetzigen Zeitpunkt eine Lieblingsmusik für 2025 (Song, Musiker*in,…)?
Odd Couple: Wir warten eigentlich nur auf den Moment, in dem AI anfängt, konsequent gute Musik zu schreiben, damit wir uns zur Ruhe setzen können.
Maja (untoldency): Am 4.04 erscheint euer neues Album und ihr seid schon jetzt damit auf Tour. Was macht am meisten Spaß beim „auf Tour“ sein?
Odd Couple: Schlafen im Bus, Soundchecks in Hallen mit Hall und die Gigs sind auch ganz ok.
Maja (untoldency): Habt ihr das Gefühl, es war richtig, das Album erst im Nachhinein zu veröffentlichen?
Odd Couple: Definitiv. Es ist interessant die Songs das erste mal im Live Kontext zu präsentieren.
Odd Couple, Rush Hour des Lebens, 2025, Tour
Maja (untoldency): Odd Couple – Was macht euch zu so einer guten odd couple? Referiert der Name (auch) auf anderes?
Odd Couple: Der Name beschreibt unser Verhältnis sehr gut. Wir sind wie ein altes Ehepaar.
Maja (untoldency): Was denkt ihr, ist eine Eigenschaft des anderen, die wichtig für eure Musik ist?
Tammo (Odd Couple): Jascha hat ein unglaubliches Talent, aus allem einen guten Sound zu bekommen und Konzepte für Songs festzulegen.
Jascha (Odd Couple): Tammo kann innerhalb von Sekunden eine catchy Melodie aus dem Hut zaubern. Manchmal nervt es, weil es so easy aussieht.
Maja (untoldency): Schreibt ihr zusammen oder schreibt ihr getrennt Songtexte?
Odd Couple: In der Regel schreiben wir getrennt und die Songs werden im Ping-Pong produziert.
Maja (untoldency): Sucht ihr euch aktiv Inspiration oder kommt sie von allein? Wenn sie von allein kommt, gibt’s dafür typische Momente, von denen ihr erzählen könnt?
Odd Couple: Das kommt einfach und dafür gibt es auch keine Regel – bei uns zumindest.
Maja (untoldency): Was waren konkrete Inspirationen für das Album? Gibt’s Filme, Philosophie oder andere Künstler*innen, die starken Einfluss auf das Album nahmen?
Odd Couple: Jede/r, die/der sich nicht zu schade ist, mal was Neues auszuprobieren. Der Lebensabschnitt, in dem wir uns befinden hat auch eine große Rolle gespielt. Deswegen der Titel „Rush-Hour des Lebens“.
Maja (untoldency): Wie ist das Cover entstanden?
Odd Couple: Das Cover ist eigentlich ein zufälliger Schnappschuss von uns, den wir dann so lange angeguckt haben, bis wir uns dachten: „Jo, das isses.“
Maja (untoldency): Wieso habt ihr euch dafür entschieden, aus den Songs ein Album zu machen und sie nicht einzeln hochzuladen?
Odd Couple: Weil Alben wichtig sind um gesamte Konzepte und/oder Abschnitt darzustellen.
Maja (untoldency): Ihr spracht in einem Interview mit dem WDR davon, dass in diesem Album Demos Teil der Musik wären. Wieso habt ihr euch dafür entschieden?
Odd Couple: Weil Demos oft die roheste, ehrlichste Form eines Songs sind. Unser Produzent Olaf Opal fand die Demos so lässig, dass wir uns dafür entschieden haben bei dem Vibe zu bleiben.
Maja (untoldency): Überarbeitet ihr Songs auch noch nach der Veröffentlichung oder sind sie mit dem Release abgeschlossen?
Odd Couple: Die Songs ändern sich live eigentlich ständig in Nuancen und das ist auch das interessante am Live spielen.
Maja (untoldency): Wann ist die Rush Hour des Lebens?
Odd Couple: Zwischen 30 und 40, wenn man glaubt, dass man jetzt alles auf die Reihe kriegen muss.
Maja (untoldency) : Wo ist die Rush Hour des Lebens? (Mittelernst gemeint)
Odd Couple : Wahrscheinlich überall, wo man selbst ist.
Maja (untoldency) : Warum lassen sich die Songs unter dem Titel am besten zusammenfassen?
Odd Couple: Die Songs sind über einen ziemlich langen Zeitraum entstanden und in diesem Zeitraum ist bei uns beiden viel passiert, was sich gut unter dieser Überschrift zusammen fassen lässt.
Am 04.04.2025 erscheint »Rush Hour des Lebens«. Wem die aufblitzenden Antworten noch auf der Netzhaut brennen kann hiermehr von Odd Couple finden.
Kennt ihr noch Her? Das Duo hat mit Songs wie Five Minutes(2018) auch heute noch einen Platz in unseren Playlisten. Wenn ihr sie auch in euren Playlisten findet, wisst ihr, wie viel Potential leider verloren ging, als einer der zwei talentierten Franzosen vor einigen Jahren an Krebs verstarb. Die tragische Wendung hat seinen Bandkollegen Victor Solf bis in die Knochen erschüttert, doch nicht davon abgehalten, weiter Musik zu machen. Im Gegenteil: die Songs und Alben von Victor sind ehrlicher und berührender denje. In seinem neuen Album Tout peut durer singt er nun das erste Mal in seiner Muttersprache und lässt damit jegliche Schutzmauer hinter sich. Positiv und hoffnungsvoll getränkt ist Tout peut durer ein Album zwischen zeitlosen Soul und progressiven R’n’B. Wir haben mit ihm über alles rund um sein neues Album und seinen Weg dorthin gesprochen.
Victor Solf im Interview
Anna: Hey Victor! Last Friday you released your new album Tout peut durer. How do you feel starting 2025 off with such an important release? What are the feelings and thoughts in your mind right now?
Victor: Releasing this album in January definitely feels like a fresh start. A symbolic way of allowing myself to turn a new page in my musical career and gently letting the past behind. I have probably never been as proud of an album as I am of this one. It is my fourth album release within the past ten years, but the first two albums were released as part of a band and two of them now as a solo artist. Except that this one if in French which makes a big difference to me. I feel very happy and honoured to be able to continue my musical journey.
Anna: You’ve been making music for so long, it’s a great joy to have followed you through the years ever since Her. If you would have to describe the route through your last 10 years, how would you say your relationship to music has changed?
Victor: Thanks for following the process 🙂
Willing to be a musician is not an easy task. You must be confident enough to believe you can create your own music, then be bold enough to try to make a living out of it. In 10 years the most drastic change for me has been going through a collaborative process within a band to releasing music under my real name as a solo artist. It was never a choice I wanted to make but life lead me here. It has taught me to believe in myself and in what I can achieve on my own as a musician. Everything that I have learnt throughout the past 10 years lead me to this album and I believe it is my best craft so far. What I am sure of is that, no matter the obstacles and tragic events in my life, I will never be able to quit music.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Finding yourself as an artist is hard, especially if you’re redefining yourself. How has music help you navigate through life? How did you first fell in love with music and knew you want to do this for a long part of your life?
Victor: I was in high school when I started a band with my classmates. Surprisingly enough we started touring and playing big festivals by the time I turned 19. At first it was concerts that made me realize I wanted to do this for the rest of my life. I always felt like outcast and this type of life suited me well. All our band mates quitted the band when they realized they couldn’t make a proper living out of it. Simon and I pursued because we considered that no matter the outcome and success, we would continue making music together. That’s exactly when it blew up for us with Her, when we were not expecting anything anymore. Since then, it never occurred to me that I would do something else. I play piano and compose music every single day in my living room.
Anna: On Tout peut durer you break down a lot of things – musically but also lyrically. What is the main message behind the album? What are the topics that you captured in your songs?
Victor: It is my most intimate album lyrically because it is in French. In my mother tongue I couldn’t hide anymore behind cool vibes or big themes. First of all, I am 34 now and have experienced life, love, death, parenthood and all that blends into my music. My main topic is hope and positivity. I would like people to relate to what I say even though it is very personal.
„Music is a love language.“
Anna: Can you take us in the production process of songs? Which songs challenged you, how did they become what they are now and are you proud of how everything turned out?
Victor: I am very proud of how it turned out.
I composed all the music and toplines in my home studio for quite some time. Then I met with Vincha who wrote most of the lyrics with me. Once I had strong acoustic versions piano/vocal and production directions that I loved, we built a team of 10 musicians with my A&R Sylvain Taillet. Considering my background of beings in bands, I can’t help but cherishing making music with other people. Music a love language, it is about sharing. I was lucky enough to be able to make music in such a pure traditional way while adding some modern production to it. That’s how I love making an album.
Anna: Singing in French, you made a huge change to your music that was mainly in English. I feel like even though I might not understand everything now, it is yet way more personal than your previous album. How did you approach writing songs for the first time in your mother language?
Victor:It was intimidating. I knew it was going to be a challenge both in the way I would sing and in the topics I would approach. The first song I wrote with the help of Barbara Pravi was about my dad. Once we recorded a rough demo, I remember walking down the streets of Paris for two hours just crying. French has been a catharsis move for me.
„My self-expression is notes and music.“
Anna: What did change for you when you started making music in French? And what stayed the same, maybe even surprisingly?
Victor: What stayed the same is my musicality. I try to make music in the pure English/American Pop way but in French, to be more precise my challenge was to make a soul record in French which is not an easy task. I tried and I hope I succeeded.
Anna: What song has been the most difficult to write on this album and why?
Victor:Le Meilleur de Toi was the longest process. The lyrics first talked about the movie “Eternal Sunshine of the Spotless Mind”, about losing someone, the absence. After weeks of back and forth with Vincha, he is the one who told me I was actually talking about Simon, my former band mate who passed away from cancer at 27 yo. I wanted to make a personal song about loss but that anyone could identify to. Musically it was also the first demo of the album. I had 30 seconds that my manager and I loved, we felt it was special. It was also the last tweaks we made on the album until the very end of the recording.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna:How does songwriting help you with dealing with things you can’t control?
Victor: When I am at my piano, I’m literally “in the zone”. I could stay there for hours just composing music. It has helped me a lot without a doubt. It’s how I truly express myself. It’s also why I always needed help with the lyrics. My self-expression is notes and music, not necessarily words.
Anna: What was the most fun song to write on Tout peut durer?
Victor: Plus Jamais Rentrer as it’s about parental burnout and just willing to go out for one night as we used to before we had kids.
„Make yourself heard!“
Anna: You will kick off your Release Headline Tour in France in February – what are you most excited about getting back on stage? And will there be any shows in Germany? Asking for a friend (me) and everyone else.
Victor: I can’t wait to sing my songs live and to meet with my public again. I love them so much and I thank them for following me throughout my journey even though I made quite a few radical shifts. I’m afraid no gigs are booked in Germany as of now but if there are enough fans out there, make yourselves heard 🙂
Anna: For our last question we always ask for an untold story – it’s your space to share whatever you like. A random anecdote, a deep meaning behind a song or just something you want to get off your chest.
Victor: It has never been this hard to be an artist nowadays. There is little to no economy for most of us so if you love music and artists please support them by going to gigs and buying albums. It is a political act in 2025! Thank you for all the love and support.
Um in die wunderschöne und vielfältige Welt einzutauchen, die Victor Solf mit seinem neuen Album Tout peut durer geschaffen hat, einfach hier auf Play klicken:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
CARY nimmt uns auf ihrem Debütalbum Allein oder Einsam auf eineintensiveReise durch persönliche und universelle Gefühlswelten und beschäftigt sich mit Verlusten, Depression, dem Bruch mit der Familie oder Freund:innen – aber auch mit der Hoffnung, dass alles besser werden kann. Warum fühlen wir uns alle so einsam? Und was können wir dagegen tun? Über all das und noch mehr haben wir mit ihr gesprochen.
CARY im Interview
Anna: Hey CARY, als erstes ein kleiner Check-In: Wie geht’s dir gerade?
CARY: Hi Anna, danke der Nachfrage! Mir geht es aktuell sehr gut. Ich genieße und sauge auf. Es gab am Anfang des Writing-Prozesses sehr viel Hürden zu überwältigen. Die Findungsphase und auch die Album- und Tourpromo kommen mit steilen Hindernissen. Jetzt aktuell freue ich mich einfach, dass das Album so gut ankommt, verstanden wird und meine Tour ansteht!
Anna: Willst du dich und dein kommendes Projekt für alle vorstellen, die dich noch nicht kennen?
CARY: Sich selbst vorstellen ist immer so ne Sache. Ich würd sagen: Hört mein Album und kommt Ende Februar zu meinen Tour-Shows in Berlin, Hannover & Leipzig. Danach kennt ihr mich in und auswendig.
Anna: Du machst ja schon seit ein paar Jahren Musik. Ich hab die ersten Sachen so richtig erst 2023mitbekommen, als du Teil der 365XX-Vol.I Reihe warst. Wie bist du zur Musik gekommen und wasbedeutet die 365XX Family für dich?
CARY: Ich mach schon super lange Musik. Ich habe mit sechs angefangen, Klavier zu spielen und mit sieben meine ersten eigenen Songs geschrieben. Als ich mit 12 das erste Mal Whitney Houston und Mariah Carey gehört habe, war für mich klar, dass ich den Großteil meines Lebens mit dem Singen füllen möchte. Dass natürlich neben den Kreativprozessen noch sehr viel Business dazugehört, musste ich dann als Artist erfahren. Mit der 365XX-Family allerdings habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass sich Professionalität und „miteinander lieb umgehen“ überhaupt nicht ausschließen müssen. Lina ist für mittlerweile für mich weitaus mehr geworden. Sie ist Teil meines Management-Teams und eine Freundin. Sie unterstützt mich in allem, wo sie kann und das nun schon seit zwei Jahren. Dafür bin ich sehr dankbar.
„Die Grenze ist nicht klar, sie verschwimmt.“
Anna: In deinem Debütalbum geht es, das sagt der Titel ja schon, um Einsamkeit. Du beschäfigst dich mit vielen traurigen und deepen Themen wie Depression, toxische Beziehungen oder den Verlust von Freundschafen. Dort greifst du auch das Thema Familie auf. Was bedeutet Familie für dich in diesem Zusammenhang?
CARY: Familie bedeutet für mich, vom gleichen Blut zu stammen. Alle, die mir erzählen, dass meine engen Freunde oder Familienmitgliedern von meinen Freunden doch meine Familie sind, weiß einfach nicht, wie es sich anfühlt, keine echte Blutsfamilie mehr bei sich zu haben. Das bedeutet nicht, echte Blutsfamilie auch immer als Familie anzusehen. Aber ich glaube, das größte Glück ist es, ein Blutsfamilienmitglied zu haben, das einen bedingungslos liebt. Ich hatte die Ehre, eine Mama zu haben, die genau das getan hat, mich geliebt. Ich musste sie 2015 gehen lassen und hab das auf meinem Song Ascheverarbeitet.
Anna: Wie definierst du Einsamkeit? Und warum denkst du fühlen so viele von uns diese Emotion so stark und präsent?
CARY: Einsamkeit begleitet mich schon mein Leben lang. Es passiert mir sehr schnell, dass wenn ich alleine bin, ich mich einsam fühle. Die Grenze ist nicht klar, sie verschwimmt. Und manchmal frage ich mich eben: “Bin ich gerade allein oder einsam?” Es ist ein Problem unserer Zeit. Es passiert immer mehr online. Kellner werden Roboter. Der Einkauf passiert über Flink. Wir vereinsamen nach, ohne dass wir es merken. Ich glaube sogar, dass noch viel mehr Menschen dieses Gefühl der Einsamkeit haben, ohne dass sie wissen, dass es sich bei ihrer „schlechten Laune“ gerade um „Einsamkeit“ handelt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: In Lena geht es um den Verlust einer sehr engen Freundschaft – wer das schon einmal erlebt hat, weiß, dass der Schmerz anders tief sitzt als der Verlust einer Beziehung. Es ist aber auch Teil vom Älterwerden und sich Weiterentwickeln – wie hast du einen Weg gefunden, mit dem Verlust umzugehen? Was hast du daraus vielleicht auch gelernt?
CARY:Lena und ich haben uns im Prozess des Erwachsenwerdens irgendwie aus den Augen verloren, sind unsere eigenen Wege gegangen und haben vergessen, wie wir eigentlich zusammen waren. So einen richtigen „Cut“ wie bei einer Liebesbeziehung gab es da aber nie. Als ich Lena geschrieben hab, habe ich gemerkt, dass ich dieses Thema unserer zerrissenen Freundschaft lange verdrängt hatte, weil andere Themen akuter waren. Und doch war da etwas in meinem Herzen, dass zu mir gesagt hat, “ich vermisse sie eigentlich”, „wie geht es ihr?“. In dem Moment wusste ich, ich muss ihr nach all den Jahren einfach den Song senden. Es war für mich an der Zeit, ich hatte mich weiterentwickelt und reflektiert. Es ist für mich also nie ein „Verlust“ gewesen, sie war und ist immer noch da.
„Das Schreiben von Songs ist wie Therapie.“
Anna:Hat dir das Schreiben der Songs geholfen, all das zu verarbeiten?
CARY: Das Schreiben von Songs ist wie Therapie. Erst kommt der Schmerz doppelt so schlimm und dann wird es immer besser, weil du auf einmal Zusammenhänge verstehst, warum du so fühlst. Also ja. Ich hab das Glück, mich als Künstlerin sehr viel refektieren zu dürfen und mir Zeit für mich nehmen zu können. Das ist ein großes Privileg und weiß ich zu schätzen. Ich musste aber auch während des Albumprozesses und der wirklich deepen Songthemen aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr retraumatsiere. Man verliert sich schnell, wenn so tef taucht, ich habe aber meistens ein Seil mit, um wieder nach oben zu gelangen 😉
Anna:Was sind die größten Erkenntnisse, die du während des Albumprozesses über dich aber auch über den Umgang mit all diesen Themen gezogen hast?
CARY: Als ich das Album angefangen habe zu schreiben, war für mich die Frage: “Was ist der Unterschied zwischen “Allein” und “Einsam”?“ nicht ganz klar. Es war schwammig. Dann, als ich den Titeltrack Allein oder Einsam geschrieben habe, ist mir ganz viel bewusst geworden. Dass sich Einsamkeit aus einem reinen Gefühl, sogar aus einem Hirngespinst zusammensetzt, das einem ganz schön weh tun kann. Mittlerweile hab ich sogar das Gefühl, Einsamkeit etwas besser lenken zu können und mich davor so manchmal zu bewahren, bevor sie eintritt.
Anna: Viele werden dein Album wahrscheinlich hören, wenn sie sich einsam fühlen und es wird sie hoffentlich auffangen können. Welche Artists fangen dich auf, wenn du dich down fühlst?
CARY: Es sind nie die positiven Songs, die mich in meinem Schmerz halten. Viel mehr sind es die, die mich fühlen lassen, dass ich nicht die Einzige mit dem Thema bin. Ich hab im Winter ’23 Crystal F kennen und schätzen gelernt. Er ist ein Künstler, der sehr transparent über seinen Feelings redet, ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Seine Texte berühren, weil sie echt sind. Ich bin 1000fach dankbar, dass er mit Eingefrorenen ein wichtiger Part auf meinem Album ist.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Du bringst Allein oder Einsam im Februar auch auf die Bühne! Es wird deine erste Headline-Tour sein – auf was freust du dich am meisten?
CARY: Ich freue mich auf die Bühne und dass ich meine Songs mit anderen Menschen teilen kann. Während des Albumprozesses ist man sehr mit sich, setzt sich alleine mit dunklen Themen auseinander, ist in seinen eigenen Gedanken. Auf der Bühne kann ich dann sehr extrovertiert Gefühle rauslassen und sie mit meinen Zuhörer*Innen teilen und nach der Show dann erfahren, wie es ihnen mit ihren Problemen geht. Zusammen weinen, zusammen tanzen und wissen, dass wir alle nicht alleine sind.
Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was du in keinem Interview bisher erzählt habt. Gibt es etwas, was du in diesem Kontext noch loswerden möchtest?
CARY: Ein Songwriter sagte mir mal, dass ich doch mal einen heiteren Partysong im Repertoire haben sollte. Wir haben keinen Kontakt mehr.
Hier könnt ihr in CARYs Debütalbum reinhören! Vielleicht fängt es ja den ein oder anderen February-Blues auf 🫂
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
So Soon sind die Multiinstrumentalisten, Songwriter und Producer David Stöbener und Marco Braun. Oder um es in unseren Worten zu sagen: So Soon sind die Newcomer-Empfehlung, die die nächsten Jahre unsere Indie-Folk Bubble von innen aufrümpeln werden. Das ist auch der Grund, warum wir ihre im Dezember startende Headline-Tour mitpräsentieren dürfen! Mit einem gefühlvollen und impressionistischen Ansatz im Sounddesign schaffen sie es, kleine Songs ganz laut werden zu lassen und große Gefühle ganz klein zu verpacken. Wie genau sie das machen und was ihr noch alles über das Duo und ihr Debütalbum Whether You Like It Or Not wissen müsst, erfahrt ihr hier im Interview.
So Soon im Interview
Anna: Hey ihr beiden, wie geht’s euch? Wollt ihr euch für alle, die euch noch nicht kennen, einmal vorstellen?
So Soon: Hallo Anna, vielen Dank, dass ihr uns die Möglichkeit gebt, das hier zu machen, wir freuen uns riesig! Wir sind David & Marco von So Soon und kommen ursprünglich aus kleinen Dörfern in Rheinland-Pfalz. Wir sind seit der Schulzeit befreundet und machen seit einigen Jahren zusammen Musik. Seit 4-5 Jahren hatten wir den Traum ein Konzeptalbum zu veröffentlichen und letzte Woche war es wirklich soweit. Es hat eine Weile gedauert, und es gab einige Umwege, aber wir sind sehr glücklich. Wir sind unfassbar dankbar dafür, dass wir die Chance haben, unsere Musik auf Deutschlandtour den Menschen zu zeigen. Es fühlt sich ein wenig komisch an, dass in so vielen Städten Leute zu unseren Konzerten kommen. Wir fühlen uns sehr geehrt und geben unser Bestes, dass die Shows für alle schöne und unvergessliche Momente werden. Es passieren gerade einfach so viele überwältigende Dinge.
Anna: So Soon gibt es seit 2020, ihr macht aber schon sehr viel länger Musik. Wie habt ihr beide zum Musikmachen aber auch zueinander gefunden?
David: Als jüngster von vier Brüdern habe ich das gemacht, was meine großen Geschwister so machten, und die haben in Indie Rock Bands gespielt. Da unser großes Kinderzimmer sowieso eine Art Proberaum war, fingen wir irgendwann an, Songs meines ältesten Bruders zu spielen. So entstand unsere gemeinsame Band My Friend The Immigrant als ich 14 Jahre alt war. Mit der Zeit fing auch ich an Songs zu schreiben, und ein paar davon spielen wir jetzt mit So Soon.
Marco: Ich bin mit 10 Jahren eines Tages aufgewacht und hatte die Idee, dass ich Gitarre lernen muss, weil ich unbedingt in einer Band sein wollte. Davor hat mich Musik nie so richtig interessiert. Mein ältester Kindheitsfreund hat damals Schlagzeug gespielt und wir sind wir zu zweit zB beim Geburtstag seiner Schwester aufgetreten. Er mit seinem Drumset und ich mit einer Spielzeuggitarre. Irgendwann fand ich, dass es Zeit war das Instrument mal richtig zu lernen und fing an Unterricht zu nehmen und in meiner Band zu spielen.
Wir beide kennen uns seit der Schulzeit und haben in der Oberstufe angefangen zusammen Musik zu machen. Anschließend zogen wir zum Studium eine gemeinsame WG. In dieser Zeit entstand die Idee zusammen ein Album zu schreiben, bzw zusammen Musik zu machen. Kurz vor der Corona Pandemie haben wir angefangen erste Ideen zu schreiben, die jetzt Teil unseres Albums Whether You Like It Or Not sind.
„Wir mögen Songs, die klein und nahbar starten und mit der Zeit größer werden.“
Anna: Eure erste Single-Veröffentlichung hieß Silent Moment – welche Bedeutung hat für euch Stille? Vor allem in der Musik kann ein gut gewählter Moment der Stille viel Macht haben.
So Soon: Bei diesem Song geht es um das Bedürfnis bei der Person, die einen am besten kennt Ruhe finden zu können. Bezogen auf unsere Musik kommen ruhige Momente ziemlich häufig vor. Wir mögen es wenn Songs klein und nahbar starten und mit der Zeit größer werden. Wir sind Fans von solchen Dynamikunterschieden, weil dann Parts, die laut sind, noch intensiver sein können. Umgekehrt natürlich genauso.
Anna: EureKompositionen zeichnen viel Gefühl für genau solche Momente aus, was mich von Anfang an sehr in den Bann gezogen hat. Wie sieht der Prozess hinter euren Songs normalerweise aus?
So Soon: Vielen Dank! Das bedeutet uns sehr viel.
Ehrlich gesagt fängt es meistens mit Ideen an, die einfach aus dem Nichts beim Üben, Proben oder Rumprobieren entstehen. Eigentlich ist immer erst Musik und eine gewisse Stimmung da und ab dann taucht man ab und probiert solange aus bis die Idee immer konkreter wird. Dann probieren wir einfach viel aus und behalten, was uns gefällt. Manchmal gibt es auch Lyrics, die dann musikalische Ideen triggern.
„Plötzlich ist man erwachsen.“
Anna: Nach eurer ersten EP Then (2022) kommt nun euer Debütalbum Whether You Like It Or Not raus. Direkt in eurem ersten Song beschäftigt ihr euch mit dem Älter werden. Wie habt ihr die Zeit zwischen der ersten EP und eurem Album wahrgenommen? Inwiefern seid ihr mit eurer Musik älter geworden?
So Soon: Viele Grundideen der Albumsongs sind tatsächlich schon mehrere Jahre alt. Sie sind also mit uns zusammen gealtert. Wir hatten von Anfang an die Idee, ein Album zu schreiben, dass einen Zusammenhang hat und eine Art Gesamtwerk ist. Es war für uns direkt klar, dass wir uns unserem aktuellen Leben, Gefühlen und Wahrnehmungen widmen, weil noch nie so viel in unserem Kopf los war, als zu dieser Zeit. Die meisten Songs sind schon 4-5 Jahre alt und in der Zeit entstanden, wo wir gerade unser Zuhause verlassen hatten, um in eine neue Stadt zu ziehen und zu studieren. Eigentlich dachten wir, es geht genau so harmlos und sicher weiter wie bisher, doch plötzlich ist man erwachsen. Zum ersten Mal muss man sich mit komischen Ängsten und Sorgen rumschlagen, die man zuvor nie kannte und fragt sich wie die Zukunft wird.
Als hätten wir unser kindliches Paradis aufgeben müssen, um uns dann in einer neuen Welt wiederzufinden, auf die man nicht vorbereitet war – ob wir wollten oder nicht. Denn so ist einfach der Lauf der Dinge.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Eure erste Single-Auskopplung All About The Sunshine handelt von der egoistischen Denkweise der Gesellschaft, vor allem im Kontext von sozialen Medien. Wie geht ihr mit dem Druck der sozialen Medien und Algorhithmen um, vor allem als Band, die zu Teilen sehr auf darauf angewiesen ist?
So Soon:Es liegt tatsächlich nicht in unserer Natur, Social Media besonders viel nutzen. Manchmal ist es etwas mühsam, weil uns das nicht immer leicht fällt guten Content herzustellen. Aber ist natürlich mega cool einen (mehr oder weniger) direkten Kanal zu den Leuten zu haben, die gut finden was man macht. Das motiviert dann! Aber natürlich gerät man auch oft ins Vergleichen, und sieht was andere Bands so auf die Beine stellen und viel cool deren Content ist. Aber wir versuchen uns da immer wieder von zu lösen und einfach unser Ding zu machen.
„Wir hoffen, dass sich Leute in unserer Soundwelt verlieren können.“
Anna:Musik ist eins der stärksten Mittel, um Gefühle universell miteinander zu teilen. Was sind die Alben und Songs, bei denen ihr das Gefühl hattet, sie sprechen euch aus der Seele?
So Soon: Eigentlich alle Bon Iver Alben. Besonders die ersten drei.
Anna:Ihr geht mit eurem Album auch auf große Deutschland-Tour. Habt ihr die Songs schon mal live gespielt? Auf was freut ihr euch am meisten?
So Soon: Ja, wir spielen den Großteil der Songs schon länger live. Aber für eine eigene Show haben wir nochmal einiges an neuem Repertoire mit in unser Tourset genommen. Wir freuen uns einfach darauf, eine gute Zeit mit unserer wahnsinnig guten Crew zu haben und endlich das Album und die Songs mit der Welt teilen zu können. Wir hoffen, dass wir den Leuten einen schönen Abend bereiten können und dass sie für die Konzertdauer ein bisschen abtauchen und sich in unserer Soundwelt verlieren.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Es geht so langsam Richtung Ende des Jahres zu und das Album und die Tour werden wahrscheinlich eure größten Highlights von 2024 sein – was sind eure Ziele/Wünsche für nächstes Jahr? Habt ihr Sachen auf eurer (auch persönlichen) To-Do Liste, die ihr euch unbedingt erfüllen wollt?
So Soon: Wir hoffen, dass wir gut erholt ins neue Jahr 2025 starten können und eine erfolgreiche Tour hatten. Wir haben sehr viel Lust neue Musik zu schreiben und an Ideen zu arbeiten, die zurzeit in den Untiefen unserer Festplatten schlummern. Wir hoffen, dass wir unseren ersten Festivalsommer spielen können und weitere Konzerte vor uns liegen.
Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr bisher in keinem Interview erzählt habt. Das kann alles Mögliche sein, was ihr gerne loswollen möchtet.
So Soon: Vor einigen Jahren hatte David mal einen Gig und sollte Bass spielen. Er hat allerdings seinen Bass vergessen. Zum Glück war es ein Auftritt mit mehreren Bands und jemand hatte noch einen Bass.
Marco hat eine Narbe an der linken Hand die aussieht wie das Nike Logo.
Wer die David & Marco aka So Soon im Dezember auf ihrer ersten Tour live erwischen möchte, bekommt hier alle Infos.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Es gibt wenig Künstler*innen, die uns so begeistern wie Mulay. Zu ihrer damaligen Debüt-EP schon bei uns im Interview hat die Alternative-R&B Musikerin aus Berlin nun ihr langerwartetes Debüt-Album LAVENDER veröffentlicht. Ein intimes Heartbreak-Album, was so viel mehr behandelt als nur schmerzhaften Liebeskummer. Es geht um toxische Liebe, Enttäuschung und die Kraft wieder zu selbst zu finden. Aus Verletzung schöpft Mulay Stärke und Empowerment, und verpackt all das in ein Gesamtkunstwerk, das uns tief berührt. Über all das und viel mehr haben wir mit ihr gesprochen.
Mulay im Interview
Anna: Hey Mulay, das letzte Mal haben wir uns 2021 zu deiner Debüt-EP ANTRACYTE gehört. Seitdem ist sehr viel passiert. Wie hast du die die letzten Jahre wahrgenommen?
Mulay: Wow, das ist eine umfangreiche Frage. Die Zeit ist einerseits unglaublich schnell vergangen, andererseits ist auch unglaublich viel passiert. Wenn ich an meine Debut-EP und den Entstehungsprozess denke, wird mir bewusst, wie sehr ich als Mensch und Künstlerin seitdem gewachsen bin. Ich habe viele Erfahrungen dazu gewonnen und gelernt, meinen Instinkten, Visionen und Skills noch mehr zu vertrauen. Mit meiner ersten Vinyl “Antracyte/Ivory“ habe ich mir einen Traum erfüllt. Und auch andere Meilensteine erreicht, wie meine erste eigene Tour zu spielen. Ich bin unglaublich dankbar für alles, was ich in den letzten Jahren umsetzen konnte. Für all die inspirierenden Menschen, die mir begegnet und zu Freunden geworden sind. Obwohl ich langsam spüre, dass ich seither keine wirkliche Pause eingelegt habe und nach dem Album erstmal neue Kräfte tanken muss, fühlt es sich dennoch wie ein Anfang an: Mein erstes Album, auf das hoffentlich viele weitere folgen.
Anna:In dieser Zeit hast du auch dein Debütalbum LAVENDER geschrieben. Wie hast du bemerkt, dass die Zeit reif für ein Album war?
Mulay: Für mich war von Anfang klar, dass ich sobald wie möglich ein Album machen wollte. Ich bin selbst ein großer Fan von und habe großen Respekt vor dem Album als Kunstform. Ich höre lieber Alben von Anfang bis Ende durch, als Playlists.
Besonders liebe ich dabei in die Welt und den Kopf eines Künstlers eintauchen zu dürfen. Auf emotionaler und kreativer Ebene sich selbst zu entdecken und inspiriert und berührt zu werden. Man kann nur soviel von sich in einen Song stecken. Ein ganzes Album bietet da etwas mehr Raum, verschiedene Seiten und Perspektiven zu beleuchten und in mehr Dimensionen zu reflektieren.
„Nichts und niemand kann meine Kreativität aufhalten.“
Anna: Ein Album schreiben ist ja nochmal was ganz anderes. An welchen Dingen bist du während dieser Zeit gewachsen? Was hat dir besonders Spaß gemacht?
Mulay: Es ist wirklich ein unglaublich intensiver Prozess, auf so vielen Ebenen… Ich denke, das Schreiben der Songs hat mir auf der einen Seite erlaubt, mich von sehr viel Schmerz und Wut zu befreien. Es war eine Form der Katharsis, die mir geholfen hat, all diese Emotionen raus- und loszulassen. Auf der anderen Seite habe ich in Jule Minck und Elie Zylberman zwei neue, unglaublich talentierte kreative Partner gefunden und sehr viel Spaß und Inspiration aus der Zusammenarbeit mit ihnen geschöpft.
Ich glaube, eine der größten Herausforderungen dieses Projekts war, dass ich unglaublich viele Aufgaben gleichzeitig übernehmen musste, um meine Vision trotz fehlenden Fundings irgendwie umzusetzen. Dadurch war ich praktisch gezwungen, auf vielen Ebenen über mich hinauszuwachsen und mehrmals über meine eigenen Grenzen zu gehen. Dem mentalen Druck – den man sich einerseits aus Leidenschaft und Perfektionismus selbst macht, andererseits aber auch durch den Zeitdruck, Deadlines einzuhalten – standzuhalten, war eine echte Übung in Resilienz. Daran bin ich definitiv gewachsen. Es hat mich erneut darin bestärkt, dass nichts unmöglich ist und nichts und niemand mich und meine Kreativität aufhalten kann.
„Step by step by step…“
Anna: LAVENDER ist sehr persönlich, voller intimer Einblicke in einen sehr schmerzvollen Heartbreak, aber auch in eine sehr toxische Beziehung. Was waren die Phasen, durch die du während und nach der Trennung gegangen bist?
Mulay: Da es bei der Erfahrung, die LAVENDER verarbeitet, nicht nur um einen Heartbreak, sondern auch um eine für mich traumatische Erfahrung geht – was oft zusammenwirkt, jedoch sehr unterschiedliche Gefühle und Gedanken auslöst –, musste ich beide getrennt für sich verarbeiten. Auf der einen Seite war da der Schmerz und die Sehnsucht nach einem Menschen, den ich vermisste und die Erinnerung an eine gemeinsame Zeit, die ich betrauerte. Auf der anderen Seite standen das Unverständnis über das Verhalten dieser Person mir gegenüber, das Unverständnis mir selbst gegenüber, wie ich mich so täuschen lassen konnte, und schließlich die Wut über beides und die gesamte Situation.
Wenn ich den Verarbeitungsprozess in Phasen beschreiben müsste, würde ich sagen, erst kam die Depression, das Tief-in-sich-Blicken, dann die Erkenntnis, den Fokus für eine Weile auf mich selbst, mein Innenleben und meine Bedürfnisse zu legen. Dann kam die Verarbeitung durch das Schreiben und die Musik, die Ablenkung durch kreative Arbeit. Und dann das nach und nach Loslassen: weniger an die Person denken, weniger Sehnsucht, mehr Wut. Mich selbst wieder stärker spüren und neu sortieren, was ich möchte und was nicht, was ich brauche und was nicht. Schließlich ging es darum, Teile von mir loszulassen, die mir nicht mehr guttaten und durch Therapie und das Album eine Art Katharsis zu erreichen. Step by step by step…
„It’s my superpower.“
Anna: Du hast vielem Luft gelassen, was sich angestaut hat. Was hat dir geholfen, die toxische Beziehung zu verlassen?
Mulay: In meinem Fall ging das alles zum Glück sehr schnel. Im Sinne von “lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende”. Erst war alles zu gut um war zu sein und sehr schnell unglaublich intensiv und dann ist das Kartenhaus zusammen gefallen. Ich wurde mit Fakten konfrontiert, die mir das wahre Gesicht der Person gezeigt und damit keine andere Wahl gelassen haben. Es war so als wäre ein Schleier gefallen und plötzlich erblickt man alles in einem anderen Licht. Die Realität der letzten Monate stellt sich als Inszenierung heraus und der Traum wir zum Albtraum.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Wie hast du dich selbst auf dieser Reise wiedergefunden?
Mulay:Ich glaube, das Schwierigste ist, dass man Vertrauen in seine eigene Wahrnehmung und Instinkte verliert. Man hat jemanden so nah an sich rangelassen und vertraut und dieses Vertrauen wurde missbraucht. Zum Glück habe ich sehr gute Freunde, auf die ich mich verlassen kann, die für mich da waren, mich unterstützt haben. Und zum Glück habe ich die Musik und das Schreiben, das mir einen direkten Draht zu meinem Unterbewusstsein gewährt und stets dabei hilft in mich selbst einzuchecken. Mich künstlerisch auszudrücken hilft mir dabei mich daran zu erinnern, wer ich bin und meine innere Stärke zu spüren. It’s my superpower.
Anna:Was sind Sachen, die du aus diesem gesamten Prozess gelernt hast? Für dich persönlich, aber auch für andere.
Mulay: Dated keine Künstler. Haha.
Ich habe über mich selbst gelernt, dass meine Empathie zwar eine Stärke ist, ich aber auch lernen muss, mich selbst zu schützen, damit diese nicht ausgenutzt wird. Außerdem habe ich erkannt, wie wichtig es ist, mich selbst zu nähren und mir das zu geben, was ich sonst in anderen suche. In vielen Gesprächen über diese Erfahrung habe ich festgestellt, wie viele Menschen ähnliche Erlebnisse teilen und wie verbreitet toxische Dynamiken sowie emotionaler und sogar physischer Missbrauch sind. Das hat mir wirklich die Augen geöffnet. Wichtig ist dabei, sich bewusst zu machen, dass man keine Schuld trägt, wenn einem Unrecht widerfährt. Und dass man dem Impuls widerstehen sollte, sich selbst dafür verantwortlich zu machen. Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass Opfer von Manipulation zu werden nichts mit Schwäche oder Naivität zu tun hat – es kann wirklich jedem passieren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns austauschen und offen über unsere Gefühle und Erfahrungen sprechen. Ohne Scham, sondern mit Stolz und neu gewonnener innerer Stärke.
„Musik ermöglicht es mir, schmerzhafte Erfahrungen in etwas Schönes zu verwandeln.“
Anna:Du empfindest Verletzlichkeit als Stärke – warum?
Mulay: Ich hab das Gefühl durch das Schreiben und Performen meiner Songs, Verletzlichkeit zulassen und in Stärke umwandeln zu können. Oft kann ich meine tiefsten Gedanken und Gefühle ehrlicher auf Papier bringen, als sie auszusprechen. Die Musik hilft mir, all das nach außen zu tragen und auszudrücken, was mir sonst schwerfällt, mit meiner Außenwelt zu teilen – paradoxerweise, weil ich mich damit zu verletzlich fühlen würde. Die Musik ermöglicht es mir, diese Gefühle zu transformieren, die schmerzhaftesten Erfahrungen oder düstersten Gedanken in etwas Schönes zu verwandeln, etwas Kraftvolles, das im besten Fall sogar andere berührt und bestärkt. Was vorher mit Scham bedeckt war und tief vergraben werden sollte, wird nun zum leuchtenden Schmuck. Sichtbar für alle und entwaffnend für jeden, der dachte, darin Munition zu finden. ‚Turning tears into diamonds‘ eben.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Deine Musik drückst du auch weiterhin sehr visuell aus – Videokonzepte und Styling spielen eine große Rolle beim Release deiner bisherigen Singles und das merkt man. Was macht dir am meisten Spaß beim Drehen und Entwickeln eines Musikvideos?
Mulay: Am meisten Spaß macht wahrscheinlich der Dreh selbst, denn das ist der Moment, in dem die Vision, die man so lange im Kopf entwickelt und gesponnen hat, endlich in die Realität umgesetzt wird. Zum ersten Mal fügen sich dann alle Bausteine und Details, die man geplant und vorbereitet hat, zusammen.
Ein großer Teil des Spaßes liegt natürlich auch in der Zusammenarbeit mit anderen. Ob es um das Styling, die Produktion, das Casting oder den Dreh selbst geht – ich bin immer unglaublich dankbar, so vielen talentierten und inspirierenden Menschen zu begegnen, die mich unterstützen. Für dieses Projekt habe ich einige Aufrufe auf Social Media gemacht, z. B. für das Casting oder für Behind-the-Scenes-Fotografie, und ich war überwältigt von den Reaktionen. So viele Menschen wollten Teil des Projekts sein, was für mich eine unglaublich schöne und bestärkende Erfahrung war. Gerade als jemand, der sehr viel alleine macht, hat es mir noch einmal vor Augen geführt, was für eine tolle Community ich hinter mir habe, die jeden Dreh zu etwas besonderem gemacht haben.
„I hope you love it as much as I do.“
Anna: LAVENDER ist bald draußen und nicht mehr nur deins. Freust du dich aufs Loslassen des Albums? Was kommt jetzt?
Mulay: Es ist ein ganz komisches Gefühl… Einerseits kann ich nicht darauf warten endlich loszulassen und die Vinyl in meinen Händen zu halten. Andererseits geht damit auch ein unglaublich langer Prozess zu Ende und ein unglaublich großes Projekt findet seinen Abschluss. Es ist auf jeden Fall befreiend und ich bin sehr dankbar für die Erfahrung, für alles, was ich daraus mitnehmen durfte und stolz das Ergebnis endlich mit der Welt zu teilen. Der Gedanke, dass es bald zum ersten Mal von Menschen gehört wird ist verrückt! I hope you love it as much as I do.
Danach werde ich versuchen mal ein bisschen Urlaub zu machen, da die letzten Jahre dafür entsprechend keine Zeit war und 2024 dann LAVENDER auf die Bühne bringen und touren. Allgemein wieder mehr Live spielen, natürlich neue Musik machen, neue Projekte realisieren, sich vllt mal wieder verlieben und weiter wachsen. Als Mensch und als Künstlerin.
Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, das du in noch keinem Interview erzählt hast. Hier ist dein space, alles loszuwerden, was du möchtest.
Mulay: ‚You called it end game and I believed you, I blame myself because I didn’t mean to, it’s so unlike me, like to keep things lightly, thought I brushed it off, but I still pictured you beside me.‘ – Diese Phrase hatte ich in meinem Handy, als ich in Paris mit Elie und Jules an Songs arbeitete. Ich wollte daraus einen Song namens End Game machen, der sehr dunkel und beatlastig sein sollte.
Eines Tages, als wir im Studio waren, schien die Sonne, und wir entschieden, eine Pause einzulegen und in den Park zu gehen. Wir nahmen die Akustikgitarre mit, legten uns ins Gras, schauten den Wolken zu und improvisierten. Plötzlich nahm die Musik eine folky Richtung und alles passte – die vorbeiziehenden Wolken, die warmen Akkorde. Zurück im Studio versuchten wir, diesen Moment nachzustellen – erst kläglich, dann ein wenig erfolgreicher.
Es war bereits Nacht, als die Gitarrenaufnahme lief. Ich schrieb und schrieb, und es floss einfach nur aus mir heraus. Ich machte eine schnelle Aufnahme mit dem Handy, um die Idee festzuhalten, bevor wir Schluss machten. Als ich sie im Flugzeug nach Hause wieder anhörte, war ich schockiert, wie schön sie war. Direkt nach meiner Ankunft in Berlin setzte ich mich an den Computer und nahm Demo-Vocals auf. Als ich die Vocals editiert hatte und den Song hörte, weinte ich – jedes Mal. Solche Momente passieren mir selten. Ich entschied, die Vocals nicht noch einmal aufzunehmen. Der Song war genau so, wie er sein sollte. Eine Spiegelung meines Innersten, eine Umarmung an mich selbst und hoffentlich jeden der in hörte.
2020 hatten wir die vierköpfige Girlband Friedbergbereits im Interview. Zu ihrer damaligen Debüt-EP hat uns Frontsängerin Anna viel um den Hype, den Struggle mit Covid und alles rund um Cowbells erzählt. Vier Jahre später und Friedberg sind in einen wirbelnden und hypnotischen Dance-Punk-Indie-Gitarren-Pop gewachsen, mit dem sie live alle Bühnen abreißen, auf die sie dürfen. Ihr Debüt-Album Hardcore Workout Queen ist seit ein paar Tagen draußen und wir haben dies als Chance genutzt, um nochmal über diesen einzigartigen Sound zu sprechen, den Friedberg so ausmacht.
Friedberg im Interview
Anna: Hey Anna, das letzte Mal haben wir uns 2021 zu eurer Debüt-EP Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah gehört. Diese acht Yeahs haben meinen Corona-Lockdown damals sehr aufgeheitert. Würdest du immer noch denselben EP-Titel wählen?
Friedberg: Gute Frage. Vielleicht würd ich’s jetzt auch einfach Lizzy nennen, den Song mag ich immer noch sehr 🙂 Oder auch Your Hollywood. Freut mich jedenfalls voll, dass dich die EP damals aufgeheitert hat!!
Anna:Von eurem spontanen ersten Gig in einem kleinen Pub in London zur Support bei Placebo – eure Bühnen sind größer geworden. Wie habt ihr die Entwicklung eurer Band in den letzten Jahren wahrgenommen? Hast du ein Highlight, von dem du immer noch nicht ganz glauben kannst, dass es passiert ist?
Friedberg: Ich denke, die Tour mit Hot Chip in den USA war ein absolutes Highlight. Dass ich geschafft habe, diese Tour fast komplett alleine auf die Beine zu stellen und die Finanzierung klarzumachen, erscheint mir jetzt noch fast als Wunder. Und dann war es echt die most fun tour ever. Wir waren eine big Family, Hot Chip war die beste Band zu touren, weil die einfach alles mit uns geteilt haben, mit uns gefeiert haben, uns den Kühlschrank mit Wein vollgemacht haben etc. Und dass sie uns nach der Tour auch noch eingeladen haben, für sie in der Brixton Academy in London zu eröffnen und Alexis (Sänger von Hot Chip) einen Song mit uns performed hat in unserem Set, war wahrscheinlich eins der absoluten Highlights bisher.
„Girlbands sind 10/10, obviously“
Anna: Ihr wart zuletzt auch mit Giant Rooks auf US-Tour. Als absolute Fred Fangirl muss ich wissen: wie war das?
Friedberg: Das war auch mega. Ich liebe die USA zu touren. Man hat zwar so krasse Strecken jeden Tag zu fahren und man sieht so arge Landschaften, aber auch Menschen, dass man sich wie auf einem anderen Planeten fühlt. Man hat jeden Tag stundenlang Zeit über Dinge nachzudenken, einen Kaffee to go für 8 Dollar zu kaufen und vielleicht sogar noch ein Cowboy Café am Weg zu besuchen haha. Die Leute bei den Shows waren so krass enthusiastisch, dass wir jetzt echt sowas wie Hardcore Fans dort haben, die sich sogar unsere Cowbell tätowieren haben lassen 🙂
Anna: Von 1 bis 10, wie geil ist aber eine Girlband?
Friedberg: 10 out of 10, obvs.
Anna: Euer Debütalbum heißt Hardcore Workout Queen. Würdest du euch als Harcore Workout Queens bezeichnen?
Friedberg: Manchmal ja, manchmal nein. In dem Song geht es eher darum, dass man gerade nix hinkriegt und man jede Möglichkeit ergreift faul zu sein und z.b. Chat GPT statt einem selbst ins Museum zu schicken „Gotta love you Chat GPT, can you live out this weekend for me, Hit the Saatchi, paintings bore me“.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Wie war der Schreibprozess für die einzelnen Songs auf dem Album? Ich kann mir vorstellen, dass jeder seine eigene Geschichte hat.
Friedberg:Ja, es sind viele ganz verschiedene Geschichten und Beobachtungen der letzten Jahre. Viele sind auf Reisen entstanden oder manche Texte nehmen den Ursprung im Cafée meines Nachbarn. Mein Nachbar ist ein genialer Maler, der jeden Tag sein Fenster zum Hof öffnet und Free Coffee für jeden ausschenkt. Da treffen wir uns dann alle kurz, haben oft echt richtig interessante Gespräche, die dann wiederum in meinem Notizbuch landen.
Anna:Was für einen Einfluss hat für dich der Ort, an dem du beim Schreiben bist?
Friedberg: In Bewegung sein, neue Orte sehen finde ich einfach inspirierend. Weirde Orte, schöne Landschaften, Züge, alles mögliche. Hauptsache kein Stillstand.
Anna: Hardcore Workout Queen ist ein Album ohne Ort, es ist der Soundtrack für den perfekten Roadtrip. Was macht für dich die Romantik eines Roadtrips aus?
Friedberg: Mit offenem Fenster beim Sonnenaufgang oder -untergang dahinzucruisen, Landschaften beobachten und natürlich super Musik hören. Und spontan irgendwo ein Motel buchen und da übernachten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Neben diesem Album, welche Musik hörst du auf einem Roadtrip?
Friedberg: Ich finde J.J. Cale eignet sich so genial für Roadtrips.
„Ich fürchte mich vor Luftballons.“
Anna: Der Sound auf eurem Debütalbum hat sich weiterentwickelt und ist gewachsen, ohne jedoch euren unverkennbaren Friedberg-Schlif zu verlieren. Du bist auch deiner Kuhglocke treu geblieben! Vielleicht lieb ich So Dope deshalb so doll. Hast du einen Lieblingssong auf dem Album?
Friedberg: Haha, das freut mich, dass du den Song wegen der Cowbells so gern magst. Dann hab ich ja mein Ziel erreicht 🙂 Mein derzeitiger Favourite ist 100 Times.
Anna: Mit eurem Debütalbum geht ihr im Dezember endlich auf Headline-Tour in Deutschland! Worauf freut ihr euch am meisten? Gibt es Songs, die ihr unbedingt live spielen wollt?
Friedberg: Ich freu mich 100 Times endlich mal live zu spielen. Ich freu mich auch auf unser Eisbär Cover. Aber am meisten freu ich mich, dass wir unsere eigenen Shows haben und daher endlich ein längeres Set spielen können und uns ne Dramaturgie überlegen können.
Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was du in keinem bisherigen Interview erzählt hast. Hier ist dein safe space, um alle (oder ein paar) Geheimnisse zu teilen.
Dass der richtig gute Indie aus Österreich kommt, ist kein großes Geheimnis mehr. Vor allem die Newcomer-Bubble ist voller spannender Acts, und inkludieren eben auch Leyya. Nur dass sie schon sehr viel länger mitmischen! Ihre Indie-Pop Melodien sitzen uns seit Superego (2016) tief im Ohr. Die letzten Jahren wurde es ein wenig ruhiger um Sophie Lindinger und Marco Kleebauer, die nebenbei auch bei Projekten wie My Ugly Clementine oder Sharktank mitwirken. Jetzt haben sie sich für ihr neues Album „Half Asleep“ wieder zusammengefunden, und zeigen, wie heilsam es ist, wieder bei sich selbst anzukommen. Wir haben sie ein paar Dinge dazu gefragt.
Leyya im Interview
Anna: Ihr macht als Duo schon lange zusammen Musik und veröffentlicht mit „Half Asleep“ nun eurer drittes Studioalbum. Daneben seid ihr sowohl solo als auch bei verschiedenen großen österreichischen Projekten wie My Ugly Clementine oder Sharktank mit – ihr habt aber immer wieder in Leyya zurückzueinander gefunden. Was macht dieses Projekt so besonders?
Leyya: Wir haben begonnen mit 11/12 Jahren gemeinsam Musik zu machen, wir sind zusammen persönlich und musikalisch miteinander aufgewachsen. Was sich seitdem entwickelt hat über diese Jahre, ist die unausgesprochene musikalische Konversation, die wir während des Schreib- und Produktionsprozesses miteinander führen. Wir vertrauen uns blind und gehen kompromisslos in die gleiche Richtung. Das war bei unserem ersten Album nach 10 Jahren gemeinsam Musik machen schon so und hat sich über die letzten Jahre bis hin zu Half Asleep verstärkt. Mittlerweile geht alles fast wortlos.
Jedes mal wenn wir zu diesem Projekt zurückkehren (auf welche Art und Weise das auch sein mag) fühlt es sich an wie heimkommen. Eine vertraute, sichere Umgebung in der man sich von Äußerem loslösen kann.
Anna:Ich hab euch erst in der Pandemie entdeckt und die EP Longest Day Of My Life auf Dauerschleife gehört. Was bedeutet diese EP für euch?
Leyya: Es freut uns, dass unsere EP dich in dieser Zeit begleiten durfte! Ich denke, dass die Songs der EP genauso eine ausweglose Unveränderbarkeit beschreiben. Zumindest habe ich mich beim Texten so gefühlt und ich konnte damit festsitzender Anxiety und Depression einen Namen geben. Musikalisch haben wir uns da auch einfach reinfallen lassen können, weil es so stark in der Luft lag, obwohl die Pandemie selbst bei manchen Songs noch gar nicht begonnen hatte. Ich denke, die EP bzw. die Thematiken habe uns auch die Augen geöffnet, dass wir einen Schritt langsamer machen müssen, um unsere mentale Gesundheit mehr in den Vordergrund zu rücken und zu lernen, diese auch in Zukunft zu schützen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Was waren die Platten oder Künstler*innen, die eure Monate der Pandemie geprägt haben? Hatten einige davon auch einen musikalischen Einfluss auf euer kommendes Album?
Leyya: Für mich war das „WIIMP3“ von Haim. Es ist sehr selten, dass ich ein Album finde, dass ich von vorne bis hinten durchhören will – ein sogenanntes „No Skip“ Album weil man bei keinem Song weiterschalten möchte.
Ich kann jetzt nicht sagen, dass dieses Album per se den Sound unseres neuen Albums geprägt hat. Sowas hängt von ganz vielen Faktoren ab und wir setzen uns ja auch nicht hin und entscheiden, dass wir jetzt einen Song machen wollen, der so und so klingt. Aber jede Musik, die man intensiv hört, prägt sich ein und inspiriert. Aber da fällt viel so viel mehr rein als nur ein Album, das man gerne gehört hat.
Anna: Auf Longest Day Of My Life wird Half Asleep folgen, welches ihr innerhalb einer Woche fast komplett produziert habt. Wie sah diese Woche aus?
Leyya: Innerhalb einer Woche ist auf jeden Fall übertrieben. Wir haben sehr viele ausschlaggebende Ideen und Songskizzen gesammelt und teilweise Songs fertiggestellt, aber ein Album beinhaltet mehr Arbeit als nur eine Woche. Ich denke diese Woche hat auf jeden Fall den Weg zum Album gelegt. Anfangs wollten wir einfach nur mal schauen, was passiert und hatten nicht mal an eine Veröffentlichung gedacht. Wir haben in dieser Woche jeden Tag eine Songidee gemacht, die es alle auf das Album geschafft haben. Es gab im generellen Prozess keinen einzigen Song, den wir dann nicht da drauf gepackt haben, weil wir so happy mit jedem Song waren, der entstanden ist. Es war ein sehr unbeschwerter und druckloser Prozess und vor allem auch ein unglaublich kreativer Austausch und das hat sehr viel Spaß gemacht.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Bei all den vielschichtigen Songs stechen vor allem die unterschiedlichsten Instrumente und Sounds, die ihr nutzt, hervor. Welcher Sound ist besonders an euch hängen geblieben, vielleicht auch durch die Geschichte, wie er entstanden ist?
Leyya:Die Hookline in Pumped Up High ist eine uralte Saxophon Aufnahme von uns, eine übriggebliebene von der Produktion zu Sauna, unserem zweiten Album, das 2018 erschien.Marco hat die auf einer alten Festplatte gefunden. So etwas ist immer spannend in aktuelle Produktionen zu implementieren. Eine schöne Verbindung von damals zu heute und daher auch sehr passend zur Thematik von Half Asleep.
„Den Themen ein Gesicht zu geben, hilft.“
Anna:Eure Songs sind wie immer vor allem lyrisch sehr stark. Half Asleep fühlt sich an wie eine Ansammlung von Themen, die einen Nacht für Nacht wachhalten und den Schlaf klauen. Was waren die Hauptthemen, die euch beschäftigt haben?
Leyya: Vergangenes in der Gegenwart, unheilbare Schmerzen, Akzeptant und Resignation, Soziale Strukturen und Regeln, Einsamkeit und aber gleichzeitige Überforderung im sozialen Umfeld, Weltschmerz, …
Anna:Habt ihr durch den Albumprozess ein paar Themen davon für euch lösen können?
Leyya: Ein Schreibprozess, vor allem im lyrischen Kontext, ist für mich wie Therapie. Eine Betrachtung jener Themen, die in meinem Unterbewussten sitzen und Schmerz bereiten. Die Themen und Geschichten hervorzuholen, ihnen ein Gesicht zu geben, und sie vielleicht sortieren zu können, hilft. Aber Lösungen gibt es dadurch nicht, nur vielleicht eine gewisse Ordnung bzw. Übersicht, um mit ihnen besser umgehen zu können.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Ihr werdet nach langer Zeit auch wieder live auftreten. Wie hat sich eure Beziehung zum Live-Spielen in den letzten Jahren entwickelt?
Leyya: Wir haben 2021 verkündet eine Live Pause zu machen und erst dann wieder zu spielen wenn wir tatsächlich Lust darauf haben. Die 8 Jahre davor haben wir wirklich alles bespielt, was wir konnten. Das war teilweise sehr aufwendig und mühsam. Wir sind zwar sehr viel herumgekommen, was auch wirklich bereichernd war, aber man ist ab irgendeinem Zeitpunkt so ausgelaugt, dass die Essenz verloren geht. Daher haben wir beschlossen, das so lange ruhen zu lassen bis die Essenz wieder kommt. Mit diesem Album haben wir bemerkt, dass wir sehr große Lust haben, das auf die Bühne zu bringen und uns entschieden eine kleine Tour zu spielen. Wir werden auch so immer wieder mal auftreten, aber der Kontext muss passen. Unsere Musik passt einfach nicht auf manche Veranstaltungen und darum wollen wir damit bewusst umgehen.
Anna: Auf welchen Song freut ihr euch am meisten, live zu spielen?
Leyya: Ich liebe live alle Songs besonders, wo mehrere Stimmen zusammenkommen. Oder, wo die Energie und Stimmung sich innerhalb des Songs verändert. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen, das ist als würde man fragen welches seiner Kinder man am liebsten hat. Alle!
Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr in keinem bisherigen Interview erzählt habt. Hier könnt ihr loswerden, was ihr noch nicht loswerden konntet.
Leyya: Alle Sounds, die wir auf Half Asleep verwendet haben (das war auch bei den anderen Alben bisher so) sind komplett handgemacht und aufgenommen. Da gibt’s keine Soundsamples von Splice oder sonst wo. Das einzige sind so Dinge wie das Läuten eines Telefons oder ein zwei Aussagen aus einem Gespräch einer externen Person, die bei zwei Songs eine andere Ebene rein bringen.
„ich hoff du brichst mir das herz“ heißt die neueste und zugleich zweite EP der Sängerin maïa. Zusammen mit ihrem Team hat sie eine gefühlvolle und zugleich energetische Platte produziert, die stärker die Größe der Popmusik sucht. Im Interview sprechen wir über ihre Live-Erfahrungen als Support Act, wie ihr Umfeld und ihre Heimatstadt Duisburg ihr emotionales Innenleben beeinflussen, welchen Stellenwert Literatur und Poesie in ihrem Leben haben und inwiefern sich ihre Musik im Vergleich zur letzten EP weiterentwickelt hat (hier geht’s zur Rezension von „tatendrang und todmüde“). Außerdem verrät maïa ihren aktuellen favourite Artist!
maïa im Interview
Lucas: Du warst letztens bei Ahzumjot Voract in Berlin (6. Mai 2024). Wie war der Auftritt für dich?
maïa: Ich hatte keinen guten Tag, weil ich so eine Panikattacke hatte und die ganze Zeit nicht wusste, ob ich es packe. Ich weiß nicht, ich war nicht zufrieden mit der Performance, aber egal.
Lucas: Ich glaube, das gehört auch dazu, ab und zu. Ich stelle es mir in jedem Fall fies vor, dann auf die Bühne zu gehen. Aber ich denke, dir verzeihen alle. Du warst bei anaïs ebenfalls als Support Act dabei in Berlin, richtig? Wie war es da im Vergleich? Gleiche Stadt, anderer Tag.
maïa: Die Leute bei Ahzumjot waren dadurch, dass so lange von ihm selber nichts kam, super offen für die Musik, die da gespielt worden ist, sowohl bei ihm als auch bei mir und dadurch hatte ich wirklich eine sehr, sehr aufmerksame Crowd. Das ist nicht allzu oft der Fall und deswegen bin ich immer sehr, sehr dankbar, wenn das der Fall ist. Es ist einfach pure Wertschätzung, wenn da 500 Leute vor dir stehen und niemand gibt einen Mucks von sich und hört dir zu, wie du deine Songs singt. Aber der Unterschied war auch nicht so groß, weil bei anaïs war die Show ein bisschen kleiner. Da waren die Leute genauso aufmerksam und genauso lieb. Deswegen hatten die Auftritte das gemeinsam.
Lucas: Wie ist deine Erfahrung bei anderen Acts gewesen, wenn du sagst, bei Ahzumjot und anaïs war das Publikum sehr aufmerksam? Das heißt, du hast vielleicht auch schon andere Auftrittserfahrungen gemacht, bei denen du mehr ankämpfen musstest?
maïa: Ja, ich glaube, sobald sich meine Musik ein bisschen von der Musik des Hauptacts entfernt, ist die Zuhörerschaft da weniger offen für das, was dann auf der Bühne vom Support gespielt wird. So war es bisher bei mir. Je näher ich am Genre des Hauptacts war, desto aufmerksamer waren die Leute einfach. Aber ich hatte bisher das ganz große Privileg, dass ich sehr, sehr tolle Crowds erfahren durfte und sehr, sehr viel Liebe bei den meisten Liveshows gehabt habe, und es waren immer tolle Schows.
Lucas: Okay, schön zu hören! Eigentlich weiß man ja auch schon vorher so ein bisschen, ob man in die Musik des Main Acts reinspielt. Wie gehst du dann damit um, wenn du eigentlich schon vielleicht weiß, es könnte anspruchsvoll werden?
maïa: Also es gibt den Versuch, die Songs zu picken, wo ich denke, dass die vielleicht mit der Crowd am besten passen würden. Aber im Endeffekt ist es mir dann irgendwie auch ein Stück weit egal, weil Fakt ist, ich bin dann der Support Act des Abends. Und wenn dann nur die fünf bis zehn Leute, die vorne stehen, mir zuhören, dann spiele ich halt eben nur für diese fünf bis zehn Leute, und dann sind wir irgendwie in unserer eigenen Welt, und was hinten passiert, ist egal. Ich glaube, man hat das eh nicht so sehr in der Hand, und dann versuchen, das zu kontrollieren, macht keinen Sinn. Hauptsache, ich spiele die Musik, die ich mach‘, und wenn ich dann ein, zwei Leute dazu gewinne, dann ist das auch okay.
Lucas: Fair! Und ich glaube, das steckt auch in dem drin, was du sagst. Wenn man selber die Songs fühlt, dann ist man auch in der Lage, das zu transportieren.
maïa: Ja, voll!
„Ich habe das Gefühl, ich sauge die Leute um mich rum fast schon auf“
Lucas: Du hast bei Ahzumjot gesagt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dass du Duisburg nicht so feierst. Magst du nochmal sagen, was an Duisburg der Grund ist, warum du nicht so Fan von der Stadt bist?
maïa: Ich glaube, das ist ein sehr weites Thema. Im Endeffekt stammt diese Wut daher, dass es eine Stadt ist, die im Stich gelassen worden ist und eine Stadt, die alleine nicht gut klarkommt, ohne Hilfe von oben. Ich meine, wer kümmert sich um Städte wie Duisburg oder Marxloh und Hambornund um solche Orte. Weißt du? Es ist im Endeffekt irgendwie dasselbe. Da sind Menschen, die Hilfe gebraucht haben, die aber keine Hilfe bekommen haben. Es sind Menschen, die nicht wissen wohin, wenn sie Hilfe brauchen. Das resultiert irgendwie darin, dass die Lebenslust von den Leuten verschwindet, was total legitim ist, und das übersetzt sich dann halt in Unfreundlichkeit oder in Dreck auf den Straßen und sowas. Das ist irgendwie immer, was ich mir vor Augen führen muss, wenn ich mich über diese Stadt beschwere, dass sie einfach im Stich gelassen worden ist und dass sie das alleine irgendwie nicht packt, wieder auf die Beine zu kommen.
Lucas: Und würdest du sagen, dass dieses Gefühl in dieser Stadt zu leben, mit all den Gedanken, die du gerade geäußert hast, auch ein Auslöser war beziehungsweise ein Thema ist, das in deiner Musik vorkommt?
maïa: Ja, vollkommen! Ich glaube, jeder Song, den ich schreibe, ob es dann textlich durchkommt oder nicht, fängt oft mit einer Inspirationsquelle aus dieser Stadt an. Also es fließt sehr, sehr viel in die Musik rein. Ich glaube dadurch, dass ich oft das Gefühl habe, dass ich auch Dinge um mich rum stärker oder anders wahrnehme als andere Menschen, hat‘s mir irgendwie auch einen anderen Blick auf diese Stadt gegeben, einen viel aufmerksameren auf die Menschen um mich rum. Ich habe das Gefühl, ich sauge die Leute um mich rum fast schon auf. Ich kann es gar nicht verhindern, dass das in die Musik einfließt, und ich würde es auch gar nicht verhindern wollen.
„Ich hab‘ schon immer das Gefühl gehabt, seitdem ich ein Kind bin, dass ich diese Melancholie in mir habe, die gleichzeitig unergründlich, aber auch ergründlich ist.“
Lucas: Du sagst, du hast so eine stärkere Auffassungsgabe oder Beobachtungsgabe, was deine Umwelt betrifft. Wie genau spürst du das?
maïa: Ich weiß nicht, ob ich es Gabe nennen würde. Ich glaube, es ist Fluch und Segen zugleich. Ich hab‘ schon immer das Gefühl gehabt, seitdem ich ein Kind bin, dass ich diese Melancholie in mir habe, die gleichzeitig unergründlich, aber auch ergründlich ist, und dass das mir einen anderen Blick auf die Welt gibt. Dinge, die für andere ein bisschen banal erscheinen, treffen mich voll hart. Es gibt so Momente, wo ich einfach in der Bahn sitze und ich fühl‘ mich voll konsumiert von meinem Umfeld und ich habe das Gefühl, ich sauge jede Emotion auf, die jeder Fremde um mich fühlt. Ich weiß gar nicht, woher das kommt und wie man das so richtig beschreiben kann. Aber ich glaube, es ist einfach. Ich glaube, ich bin eine sehr passive Beobachterin, wenn’s um die Welt und mich rumkommt.
Lucas: Würdest du sagen, es gibt Situationen, in denen du dich in einer aktiveren Rolle siehst?
maïa: Ich denke immer, wenn ich maïa bin, die Musik macht, bin ich in einer sehr aktiven Rolle, immer wenn ich auf der Bühne stehe. Und das ist dann auch die Zeit, wo ich sehr genieße, im Mittelpunkt zu stehen. Als Privatperson habe ich das gar nicht so gerne. Ich bin gerne jemand, der einfach nur dasitzt und zuhört. Aber wenn ich dann maïa die Musikerin bin, dann stehe ich gerne im Mittelpunkt und nehme gerne eine aktive Rolle ein.
Lucas: Du hast auch das Stichwort Melancholie gedroppt. Ich finde ganz spannend, dass dieses Gefühl, das erste Wort ist, was in jedem Artikel aufploppt, den es da draußen bereits über dich gibt. Wie fühlt sich das von außen an? Ich weiß gar nicht, was zuerst da war, ob du es erst ins Universum geschickt hast oder ob die Leute es aus deiner Musik rauslesen.
maïa: Sobald das irgendwie so beschrieben wird, dass es etwas Schlechtes wäre, melancholisch zu sein – was ich auch verstehe, weil es klar, irgendwie eine negative Konnotation hat – was bisher, um ehrlich zu sein, gar nicht der Fall war, dann würde es mich sehr stören. Aber bisher haben die Leute, glaube ich, verstanden, dass mir diese Melancholie nichts ausmacht und im Gegenteil, dass ich sie voll willkommen heiße und dass ich mich als sehr privilegiert ansehe, diese Melancholie mit mir zu tragen, weil sie mir eben diesen Blick auf mein Umfeld gibt. Sie gibt mir diesen Segen, Dinge anders wahrzunehmen und das Schöne im Schmerz oder in der Melancholie zu sehen. Deswegen ist es bisher ganz okay, aber sobald es negativ konnotiert wird, dann vielleicht nicht mehr.
Lucas: Ich frage mich, wenn du sagst, dass du häufig die Umgebung aufsaugst, ob du manchmal vielleicht auch gar keine Melancholie spürst, sondern ob diese Umgebung manchmal auch Freude in dir auslöst. Es gibt ja schon auch Alltagssituationen, in denen man denkt, irgendwie schön, was ich gerade sehe.
maïa: Ja, voll! Ich hab das Gefühl, ich fühle extrem. Wenn ich mich sehr freue, dann freue ich mich sehr, und dann bin ich sehr glücklich, und alle um mich herum werden es dann sehen. Und wenn ich traurig bin, dann bin ich sehr traurig und alle um mich rum werden es sehen. Es sind meistens eben diese banalen Momente um mich rum, die mich dann fröhlich machen. Sei es ein alter Mann, der mit seiner alten Frau spazieren geht und das füllt mich dann total auf. Und wenn ich dann irgendwas anderes sehe, dann macht es mich total leer. Das passiert immer in Extremen mit allen Gefühlsarten, auf jeden Fall.
„Ich weiß, wenn ich in einer kreativen Blockade bin, dass ich zur Literatur zurückkehren kann und die diesen kreativen Ort in meinem Gehirn wieder ankurbelt.“
Lucas: Ich fühle mich ein bisschen wie ein Stalker, aber ich hab auf Instagram immer mal gesehen, dass du Ausschnitte aus Büchern oder kleine Gedichte in die Story postest. Was für eine Rolle spielen Lyrik, Poesie und Literatur in deinem Leben?
maïa: Das alles hat schon als Kind eine ganz große Rolle gespielt. Dadurch dass man irgendwie in so einem Ort aufwächst, wo es scheint, dass es kein Ausweg gäbe, war Kunst und Literatur für mich dieses Licht am Ende des Tunnels. Ich hatte das Gefühl, vor allem in meiner weiterführenden Schule, dass es sehr wichtig für unsere Lehrer war, dass das auch gefördert wird. Ich finde, das ist so wichtig, weil für die Kinder, die in so einem Ort dann zehn Jahre zur Schule gehen und denken, dass das irgendwie alles ist, was das Leben bietet, ist Kunst und Literatur vielleicht die einzige Hoffnung. Das war es für mich auf jeden Fall. Ich habe sehr gerne gelesen. Ich lese immer noch sehr gerne, und ich verkrieche mich auch immer noch sehr gerne in andere Welten und diese Wörter. Dadurch dass ich so früh in Kontakt mit Literatur kam, hat es wahrscheinlich auch das gefördert, was ich heute mache, und die Art, wie ich heute schreibe. Ich habe mich sehr verstanden gefühlt jedes das mal, wenn ich gelesen habe, und das ist auch heute oft so. Wenn man irgendwie denkt, es gibt keine Worte für das, was man fühlt, liest man ein Buch, und dann wird es genau so beschrieben, und man denkt sich, ich bin nicht die einzige Person, die das fühlt. Vor allem, wenn man ältere Literatur liest, und das Buch ist 100 Jahre alt, und er schreibt immer noch vom selben Gefühl, was du 100 Jahre später fühlst. Das ist total validierend und es gibt ein sehr tröstendes Gefühl.
Lucas: Glaubst du, das ist auch eine Motivation für dich, selber Musik zu machen und Texte zu schreiben: so ein Gefühl einzufangen, das überlebt?
maïa: Ja! Ich glaube aber, ich bräuchte gar keine Motivation. Ich könnte gar nicht anders, als alles um mich rum zu beschreiben. Ich muss das einfach machen.
Lucas: Kannst du erkennen, dass Themen oder Bilder, die in der Literatur auftauchen, von denen du liest, dass die direkt in deine Texte und in deine Musik einfließen?
maïa: Nee, ich glaub nicht. Ich bin auch gar nicht so, dass ich, wenn ich lese und mir irgendwas gefällt, dass ich dann darüber schreibe. Es ist eher so: Ich weiß, wenn ich in einer kreativen Blockade bin, dass ich zur Literatur zurückkehren kann und die diesen kreativen Ort in meinem Gehirn wieder ankurbelt. Ich habe das Gefühl, lesen ist so eine Zwischenwelt, in der ich wieder alleine mit mir bin, anstatt, wenn ich zum Beispiel ganz blöd gesagt, auf Tiktok rumscrolle. Dann tut sich gar nichts in meinem kreativen Bereich.
„Ich finde, die neuen Songs sind ehrlicher geworden und ich fühle mich sehr, sehr wohl und sicher an dem Ort, an dem ich mich bewege„
Lucas: Wie würdest du deine kommenden Releases beschreiben, im Vergleich zu den Songs, die du bisher releast hast, insbesondere im Vergleich zu deiner vorherigen EP „tatendrang und todmüde“?
maïa: Ich finde, die neuen Songs sind ehrlicher geworden und ich fühle mich sehr, sehr wohl und sicher an dem Ort, an dem ich mich bewege, mit meiner Musik gerade. Vorher war ich noch ein bisschen in der Findungsphase und jetzt hab‘ ich das Gefühl, dass ich angekommen bin in der Art, wie ich meine Sprache benutze, in der Art, wie die Musik das dann ummantelt. Es ist sehr viel voller als vorher und vielleicht gewagt, vielleicht aber auch nicht. Es ist auf jeden Fall anders, als was davor kam, aber irgendwie auch immer noch gleich, weil es am Ende immer noch ich bin und immer noch meine Worte sind.
Lucas: Mir ist auch der klangliche Wandel aufgefallen, auch wenn ich natürlich noch nicht so viele Songs kenne, wie du, weil noch nicht alles draußen ist. Ich habe mich gefragt, ist es ein Impuls, der von dir kommt, oder von den Leuten, mit denen du zusammenarbeitest, oder ist es ein gemeinsames Entwickeln des Klangs? Ich finde, es klingt ein bisschen ein bisschen poppiger und geht zum Teil mehr nach vorne, auch was du sagst, es ist größer und voller. Kommt der Wunsch von dir, oder ist es ein Teamergebnis?
maïa: Also würde sagen, es war weder Wunsch noch Ziel. Ich habe das Gefühl, nach der ganzen Musik, die ich releast hab‘, war ich irgendwie an einem Punkt, wo es mich gelangweilt hat, in Sessions zu gehen und dann denselben Ablauf zu machen, wie man es irgendwie bei jedem Song macht. Ich schreibe jetzt eine Strophe, und dann machen wir einen Pre-Chorus und dann den Refrain. Es hat mich voll gelangweilt und ich war irgendwie an einem Punkt, wo ich realisiert hab‘: sobald ich in einem Raum gehe und mir und den Leuten mit mir in diesem Raum Regeln und Grenzen setze, dann hört Kunst auf mutig und ehrlich zu sein. Und das will ich nicht! Dann hat sich das einfach total organisch ergeben, sobald wir in dem Raum sind, wir jede Idee ausprobieren und wir jedes Instrument nehmen, auch wenn ich das vorher nicht gerne gemacht habe. Ich habe vorher nicht gerne Drums benutzt und guck dir meine Musik jetzt an. Sie ist voll mit Drums. Das war auf jeden Fall eine große Veränderung in der Art, wie ich und die Leute um mich herum, die mit mir daran arbeiten, Musik machen, dass wir da ohne Regeln rangehen und alle alles einfach ausprobieren.
Lucas: Magst du noch einmal sagen, mit wem du an deiner Musik arbeitest?
maïa: Ja! Mit RGB, das ist mittlerweile eigentlich der Hauptproduzent geworden. Er hat fünf Songs auf dem ersten Tape produziert und Ismail, mein Manager, mit dem ich aber gleichzeitig eigentlich jeden Song zusammen mache. Die zwei! Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, mit jemanden anderen Musik zu machen, um ehrlich zu sein. Und Wanja hat „Ambulanz“ gemacht und das ist auch ein ganz, ganz toller Song geworden. Es war auch ein total regelfreier Raum und ein ganz magischer Prozess, dieses ganze erste Tape zu machen, und ich freue mich jetzt schon an den nächsten Songs mit den Leuten zu arbeiten. Ich glaube, das wird ganz schön.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
„Ich höre gerade sehr gerne das Album „Messy“ von Olivia Dean“
Lucas: Ich würde dir eine letzte Frage stellen, bevor wir das Interview beenden, damit ich deine Zeit nicht zu sehr beanspruche: Und zwar hast du eine Musik Empfehlung für mich und für die anderen Menschen dieser Welt?
maïa: Ich muss meine Playlist öffnen, weil immer wenn ich so eine Frage bekomme, vergesse ich jeden Song, den ich jemals gehört habe. Eine Empfehlung oder mehrere?
Lucas: Nenn‘ mir gerne deine Top 3.
maïa: Also, ich höre gerade sehr gerne das Album „Messy“ von Olivia Dean. Dann … Oh Gott! Jetzt bin ich nervös. Nee, wir lassen es bei dem Album, sonst wird es zu viel. Ich höre grad sehr gerne dieses Album!
Lucas: Dann frage ich vielleicht doch noch nach, weil ich liebe Olivia Dean: Hast du einen favourite Song auf dem Album?
maïa: „Carmen“ und „Dive“!
Lucas: Die Single „Dive“ ist nur logisch und „Carmen“ ist, finde ich, der Secret Hit. Der ist ein Grower!
maïa: Hast du diese Akustik Sessions gesehen, die sie gemacht hat? Die waren grandios. Dadurch habe ich sie entdeckt, tatsächlich.
Lucas: Ja, die sind super schön! Es ist ein bisschen fies, weil jetzt könnten wir ein ganzes Interview nur über Olivia Dean führen. Hast du sie schon live gesehen?
maïa: Leider nicht, aber würde ich sehr, sehr gerne. Alles was ich auf Tiktok von ihr sehe, ist grandios.
Lucas: Du musst tatsächlich wirklich alles dafür geben, sie einmal live zu sehen, weil es ist krass schön!
maïa: Ja, das glaube ich dir. Bucketlist!
Lucas: Genau, pack es darauf und liebsten Dank für das schöne Interview!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Alfie Templeman ist eigentlich kein richtiger Geheimtipp mehr. Mit seinem mittlerweile zweiten Album Radiosoul hat sich der Multi-Instrumentalist nicht nur Musik-Legenden wie Nile Rodgers ins Boot geholt, sondern begeistert auch immer mehr Fans weltweit. Und das ist auch kein Wunder, bei so viel musikalischem Talent in so jungen Jahren, macht es wirklich nur Spaß ihn auf seiner Karriere zu begleiten. Zu seiner damaligen EP „Happiness In Liquid Form“ (2020) hatten wir ihn schon im Interview und freuen uns deshalb sehr, zu seinem neuem Album nochmal mit ihm zu sprechen!
Alfie Templeman im Interview
Anna: Hey Alfie, I hope you’re doing good! It’s been a while since we last talked, a lot has happened. How did you experience the last four years?
Alfie: Hi! I’m doing good thank you. These last 4 years have been a ride for sure. Every year has been very different from the last. 2020 saw an influx of streams and new listeners due to the pandemic, so 2021 and 2022 was all about touring the music people got to love whilst they were isolating. I released my first album in 2022 and did my first ever world tour which was good fun but very intense. 2023 ended up being a lot more relaxed and I ended up moving out of my parents place and going to London. I wrote my new album during that process.
Anna:It’s still as fun as it was back then to watch your musical career unfold in so creative and beautiful ways. What were the highlights of your career so far that you will never forget?
Alfie: That’s a really sweet thing to say! My dream as a kid was to release records and build a good discography that feels aesthetically pleasing. So taking action on that and maintaining it honestly feels like one of the main highlights of my career. But there’s also touring the world and meeting people that enjoy your music all over the place. And working with Todd Rundgren and Nile Rodgers is of course another highlight!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: What is something you learned during these years?
Alfie: Don’t rush art! But also don’t slouch around. Focus and energy is key. I’m still finding the perfect environment to create music. It’s yin and yang. Being comfortable but taking risks. Remember to excite yourself!
Anna: Your new songs on Radiosoul are about entering the new decade of your life: the 20’s. As someone who has been there, I can tell you: it’s gonna be lot. How do you feel about the 20’s? What are you most excited for?
Alfie: Yeah I’m already overwhelmed to be honest! I’ve put pressure on myself to work hard during this decade of my life as I know musicians tend to create some of their best work in their 20s. I think Radiosoul is a really nice way of entering this period. It’s a bridge that my adolescence took a walk over to get to the present.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: Are you someone who thinks about the meaning of life a lot?
Alfie:Too much. I think sometimes it’s okay to be existential and tap into your mind a bit. But I definitely go down that route a little too much and sometimes it affects my work flow and day to day attitude – especially recently for some reason. But I think I’ll channel it into something good later on down the line. I’d rather have a mind that thinks fairly deeply and face the wobbles that come with it.
„My songs are like a diary entry.“
Anna:When we’re already in a deep-talk, what kind of role does music play in your approach to finding your own path in the world and expressing yourself in it?
Alfie: Sometimes my songs are like a diary entry. I don’t really mean to do it but I end up oversharing things and processing my emotions through writing songs. I like this because in the bigger picture it paints a nice image of the different stages of my life and all the highs and lows of being a recording artist.
Anna:It feels like a random thing to say, but I really love your lyrics and your way with words. How do you approach writing songs?
Alfie: Thank you! Sometimes songs just fall out of the sky. The track “Beckham” wrote itself in a weird way. I just wrote a bunch of lyrics down without really knowing how I was going to sing them. But normally I just think of a really good melody and then write things that fit into it. I often write down little words and phrases that I think of in the shower or on a plane.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Anna: You’ve worked with a lot of talented people on this album. What is something that you most enjoy when working with other people on somethings that’s as personal as your music?
Alfie: Well, for a lot of my songs I’ve sat in the hot seat when it comes to producing. When I started writing this album I had a hard time producing anything I was happy with. So I gathered together a small list of producers that I wanted to work with. This meant that I could focus on writing the best material possible without worrying about restricting myself when it came to executing the song.
Anna: Is there a song on the album that kinda stands out for you? In meaning or in the creative process?
Alfie: “Beckham.” Dan Carey and I recorded it in two afternoons with a few sandwiches. It just came from nowhere. Dan has an incredible studio, a jungle of instruments. We messed around with lots of different instruments until this song kinda just pieced itself together and I chucked my lyrics on top. It felt so good.
„I miss playing in Germany.“
Anna: You’ll be playing some intimate release shows over the UK in June – do you have plans on coming back to Germany yet?
Alfie: I hope so. I’ve just been out to Berlin to hang with some fans of the album and I also mastered my album over there too. I miss playing in Germany. They have the best riders of all time. You get treated amazingly and the people are so lovely and excited to see you play. But yeah, I reckon by the end of this year we’ll be back over there to play some shows!
Anna: For our last question we always ask for an untold story – it’s your space to share whatever you like.
Alfie: Germany was the first place I ever played outside of England. My dad and I flew out to Reeperbahn when I was 16 and I did this small set at Molotow with just a guitar. I was so nervous but it was really fun! I remember being so excited because I could buy beer over there as the drinking age is 16. Luckily I didn’t go crazy before the performance! Thanks so much for having me and hopefully it won’t be 4 whole years before we speak again! 🙂
Radiosoul ist ein Album der Selbstfindung in den 20ern, voll mit catchigem Indie-Pop Hits, tiefen Lyrics und viel Humor. Alfie Templeman auf dem Schirm zu haben, lohnt sich immens. Wer weiß, wo die reflektierte Reise des junges Songwriters und Produzenten noch hingehen wird, aber eins ist sicher: Spaß machen wird sie!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Bunny Stream. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Wistia. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Google Maps. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.