Autor: Dascha

  • Power Plush im Interview: „Wir wollen einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen“

    Power Plush im Interview: „Wir wollen einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen“

    Weicher, sonniger Indie-Pop mit mehrstimmigem Gesang aus Chemnitz, der von ehrlichen Gefühlen handelt. Genau das bieten Power Plush auf ihrer Debüt-EP „Vomiting Emotions„, die vergangenen Monat erschien. Ein Intro und fünf Songs, die beim Hören das warme Gefühl, gut aufgehoben zu sein, hinterlassen. Wie der Titel bereits hindeutet, liegt der Fokus ganz darauf, Emotionen freien Lauf zu lassen und vor allem sie zu zu lassen. Mit dieser süßen Message im Gepäck bringen Svenja, Nino, Maria und Anja die passenden Soundtracks zum Tagträumen an Sonntagen im Bett oder Spaziergängen an lauwarmen Abenden mit. Bereits am Anfang des Jahres habe ich die Band zum Vorstellungsinterview eingeladen (hier geht’s zum Artikel), aber seit dem hat sich bei ihnen eine Menge getan. Power Plush haben einige Gigs und Supportshows für unter anderem Bands wie Von Wegen Lisbeth, Leoniden, Rikas und Pabst gespielt, sind nun beim von Blond gegründeten Musiklabel „Beton Klunker„, haben mehr Songs veröffentlicht und in der Szene Fuß gefasst. Beste Voraussetzungen, um jetzt richtig durchzustarten! Und seien wir ehrlich, wenn man ein Mal die herzliche, liebe Art, die auch in ihren Songs durchkommt, erlebt hat, schließt man die Vier direkt in’s Herz.

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    Maria und Anja von Power Plush im Interview

    Dascha: Hey ihr Lieben, schön, dass das geklappt hat! Könnt ihr euch nochmal vorstellen für alle die euch noch nicht, aber hoffentlich bald, kennen?

    Anja (Power Plush): Sehr gerne! Wir sind die Band Power Plush aus Chemnitz und seit letztem Jahr machen wir in dieser Konstellation Musik. Wir sind zu viert: Maria an Gitarre und Vocals, Svenja auch an Gitarre und Vocals, Nino am Schlagzeug und ich, Anja, am Bass und Vocals. Ich würde sagen wir machen dreamy Indie-Pop-Rock und wir bringen jetzt unsere EP raus. Unsere erste!

    Dascha: Und wie geht’s euch damit? Seid ihr aufgeregt?

    Maria (Power Plush): Schon!

    Anja (Power Plush): Es gibt noch ein paar Sachen vorzubereiten und wir machen ja auch noch eine Releaseparty. Währenddessen wird man langsam schon etwas aufgeregt. Ich fange langsam an zu checken, dass die EP jetzt wirklich rauskommt.

    Maria (Power Plush): Dito, ich war diese Woche im Record Store und hab mich mit den Menschen dort unterhalten, die wollen Exemplare unserer Platte verkaufen. Das war für mich total absurd, aber auch schön. Ich freu mich darauf, wenn wir in den Plattenladen gehen können und einfach unser Baby da liegt.

    Dascha: Wie schön! Und wann hattet ihr die Realisation, dass ihr jetzt wirklich an eurer Debüt EP arbeitet? Hattet ihr so einen bestimmten Moment?

    Anja (Power Plush): Ich würde schon sagen, dass wir so einen Moment hatten. So gegen Ende letzten Jahres hatte es sich abgezeichnet, dass wir ziemlich viele gute Songideen haben. Da waren wir kurz vor Release unserer dritten Single und wir dachten „Hmm, jetzt nochmal Singles wär eigentlich Quatsch. Wieso packen wir das nicht in ein Ganzes?“. Und dann dachten wir „Hey, lass uns doch einfach eine EP machen!“. Das war schon so ein Knackpunkt.

    Maria (Power Plush): Ja, ich würde auch sagen, Ende letzten Jahres wurde das unser Plan für dieses Jahr. Wir wussten da zwar noch nicht genau, auf was für ein Endprodukt es letztendlich hinauslaufen würde. Aber spätestens als wir uns im Februar getroffen hatten, um über die Produktion zu sprechen, war es klar für uns.

    Dascha: Ihr habt eure ersten Singles aber nicht auf die EP gepackt, wieso habt ihr euch dazu entschieden sie wegzulassen?

    Anja (Power Plush): Die ersten Singles waren für uns eher viel ausprobieren. Also die EP ist natürlich auch noch viel ausprobiert, aber die Singles waren eher eine Art Vorstellung. Bei den ersten drei Songs hat jede von uns jeweils ein Mal die Mainvocals gesungen. Das war eher so „Lasst uns den Leuten mal ungefähr zeigen wer wir sind!“ und auch um für uns rauszufinden, wie es sich anfühlt Sachen zu releasen. Aber damit war das dann abgeschlossen.

    Maria (Power Plush): Ich würde mich dem anschließen. Intern haben wir das immer unsere „Vorstellungs-Ära“ genannt. (lacht)

    Anja (Power Plush): Auf der EP wollten wir dann zeigen was wir in der Zeit schon gelernt haben und anwenden können.

    Maria (Power Plush): Die Singles sind ja auch ganz unterschiedlich, einerseits untereinander, aber andererseits auch im Vergleich zur EP. Für uns selbst ist das was ganz getrenntes, da waren wir noch nicht so weit mit unserem Instrumental-Können, so nenne ich es mal, aber auch einfach vom Klang, weil wir jetzt mit anderen Leuten zusammengearbeitet haben.

    Dascha: Wie würdet ihr euren Songwriting Prozess beschreiben? Es kommt ja auch nicht so häufig vor, dass es mehrere Mainvocals in einer Band gibt. Denkt ihr, das hat gewisse Vorteile für euch?

    Anja (Power Plush): Also die Mainvocals zu wechseln hat auf jeden Fall als Vorteil, dass man sich ein bisschen entspannen kann, wenn man gerade nicht dran ist. (lacht) Was das Songwriting angeht, wir bringen alle immer mal Songskizzen mit, die dann gemeinsam ausgearbeitet werden. Ich glaube ein Vorteil wenn mehrere Leute die Songs schreiben ist, dass es einfach etwas diverser wird. Man kann viel mehr unterschiedliche Ideen in den Prozess reinnehmen. Ich glaube das kann sich nur positiv auf die Songs auswirken.

    Maria (Power Plush): Ich finde es auch immer schön einander mit den Stimmen kennenzulernen. Da kann man gucken, welche Stimme in welchem Kontext total gut passt. Manchmal schreibe ich eine Songskizze und denke mir „Uff, das ist ganz schön hoch, da komm ich gar nicht hin“, dann hab ich halt die Möglichkeit Anja zu fragen, ob sie Lust hat das zu singen. So kann man jegliche Ideen auch tatsächlich verwirklichen.

    Anja (Power Plush): Genau, da ist einfach mehr Spielraum.

    Maria (Power Plush): Das klingt vielleicht seltsam, aber live mag ich es viel lieber nicht zu singen. (lacht) Man kann viel besser viben und sich dem Song hingeben, wenn man nicht an das Mikrofon gebunden ist.

    Dascha: Wie habt ihr die Reihenfolge der Tracks bestimmt?

    Anja (Power Plush): Also natürlich entscheidet man da auch sehr viel nach Bauchgefühl. Wenn man die Songs aufnimmt lernt man die Songs nochmal ganz neu und intensiv kennen. Bei Smth Cool hatten wir das Gefühl, dass sich da wirklich etwas öffnet und dass der deswegen an den Anfang muss. Das ist so welcoming und so offen und frei, das hätte nicht zum Ende gepasst. So haben wir nach und nach die Tracklist erstellt. Bei Feelz ist es so ein abruptes Ende, dass man denkt „Kommt da jetzt noch was?“. Vielleicht haben die Leute dadurch am Schluss Bock sich die EP nochmal anzuhören. Vielleicht gibt das den Anreiz, dass man mehr möchte.

    Dascha: Das hatte bei mir tatsächlich auch diese Wirkung. Ich hab immer vergessen, dass Feelz schon am Ende war und war kurz verwirrt, wieso da nichts kam. Und hab’s dann einfach im Loop laufen lassen.

    Maria (Power Plush): Sehr gut, es hat funktioniert! (lacht)

    Dascha: Mich hat I Need to Rearrange My Life sehr gecatched, den mag ich sehr sehr gerne. Wollt ihr mal erzählen, was der Hintergrund ist und was für Gedanken dahinter stecken?

    Anja (Power Plush): Wir haben zwar keine Corona-Songs geschrieben, aber viele Songs sind halt in dieser ganz akuten Zeit der Pandemie entstanden. Da merkt man schon auch ein bisschen den Einfluss. Das war eine Zeit in der ich viele Entscheidungen treffen musste, von denen ich im Endeffekt dachte, es seien die falschen Entscheidungen, weil es am Anfang nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt habe. Und wenn man sich dabei noch in dieser kompletten Ausnahmesituation befindet, denkt man „Du hast alles falsch gemacht, du musst komplett neu starten“ und hinterfragt alle Entscheidungen. Dann gerät man in so eine Starre, in der man dann gar nichts mehr macht, weil man einfach mal auf „Stop“ oder eher auf „Reset“ drücken muss. Aus diesem akuten Gefühl ist der Song entstanden, weil ich dachte „Boah, ich muss jetzt mal alles umstellen“. Obwohl im Endeffekt alles gar nicht so schlimm ist, wie es sich in dem Moment anfühlt.

    Dascha: Welcher Gefühl soll die EP an eure Hörer und Hörerinnen vermitteln? Was erhofft ihr euch da?

    Maria (Power Plush): Ich glaube unser EP-Titel „Vomiting Emotions“ ist da ein bisschen unser Lebensmotto. Wir als Band gehen relativ offen mit Emotionen, Stimmungen und Ängsten um, damit machen wir sehr positive Erfahrungen. Wir wollen den Leuten an die Hand geben, dass wenn sie etwas beschäftigt, Gefühle auskotzen wichtig und gesund ist. Im Idealfall kommt man sich dadurch noch näher und kann ein konkretes Verständnis für einander entwickeln.

    Anja (Power Plush): Genau, wir wollen einfach einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen. Das ist das, was wir uns immer von unserer Umgebung wünschen und vor allem in der Band auch haben. Das wollen wir auch nach Außen tragen und Leuten mitgeben.

    Dascha: So schön! Funfact: Ich finde das Cover trägt zu dem Gefühl bei. Ich bin sehr picky bei Covern und finde das macht viel aus, euer EP-Cover und die von den Singles passen farblich so gut und sieht genauso aus, wie es klingt.

    Anja (Power Plush): Oh, danke, das freut uns sehr!

    Dascha: Ihr habt euch ja direkt als Band zusammengefunden, beziehungsweise ihr wurdet verkuppelt ohne euch vorher richtig gekannt zu haben. Glaubt ihr, es macht einen Unterschied, ob man sich für die Musik zusammenfindet oder ob man vor der Band schon lange befreundet war?

    Anja (Power Plush): Ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht. Wenn man vorher befreundet war, hat man ja direkt einen anderen Umgang miteinander und hat nicht erstmal diese Herantast-Phase. Fühl ich mich wohl? Trau ich mich, meine Ideen zu äußern? Sowas. Das hatten zwar sehr stark am Anfang, aber das war eigentlich ganz sweet, weil es uns allen so ging. Ich finde wir hatten extrem Glück, dass wir uns gefunden haben, weil wir uns so gut verstehen. Es gibt bestimmt auch Leute, die sich für die Musik zusammenfinden und dann passt es bei denen doch nicht so gut. Wobei ich glaube, dass wenn man schon ganz jung zusammen angefangen hat Musik zu machen oder aus diesem klassischen Schulband-Kontext kommt, da läuft das alles ganz organisch ab. Weil man sich aus anderen Situationen und die Persönlichkeitsmerkmale schon so gut kennt.

    Maria (Power Plush): Wir hatten wirklich Glück! Am Anfang waren wir sehr pragmatisch, aber zum Glück sind schnell Freundschaften daraus entstanden.

    Anja (Power Plush): Im Endeffekt gibt es ja nachweislich beide Formen. Aber uns hat es auf keinen Fall geschadet, dass wir uns erst als Band kennengelernt haben. Wir hatten halt extrem diese Energie, um direkt etwas zu veröffentlichen und gleichzeitig extremes Glück, dass wir uns so gern haben.

    Dascha: Ich hab letztens an unser Interview im Winter im Lockdown zurück gedacht und daran, dass wir darüber geredet haben, wie geil es wäre, wenigstens mal sorgenfrei ein Bier mit Freund*innen trinken zu gehen. Jetzt sitzen wir hier und im Sommer ist doch noch eine Menge möglich gewesen. Vor allem bei euch, ihr habt ja einige Konzerte und große Supportshows gespielt! Wie war das für euch? Im Lockdown anzufangen Songs zu releasen und jetzt so richtig loszulegen?

    Anja (Power Plush): Es war auf jeden Fall crazy. So im Frühling hatten wir schon ein paar Anfragen bekommen, wo wir einfach nur dachten „Geil, wir können ein, zwei Konzerte spielen!“ Aber dass es dann so richtig Fahrt angenommen hat, war total verrückt für uns. Es hat ja angefangen mit dem Rikas Konzert in Berlin, wo wir Support waren, das war unser erstes Konzert dieses Jahr und unser erstes Konzert überhaupt zusammen mit Nino am Schlagzeug. Und direkt danach kam die Anfrage für das Leoniden Konzert wo wir uns einfach nur dachten „Whaaaaat?“

    Maria (Power Plush): Das war ja so groß und so eine riesen Bühne! 1500 Leute oderso.

    Anja (Power Plush): Das war überhaupt nicht vorstellbar für uns. Aber es ist auch einfach geil. Jedes Konzert mach auch einfach so viel Spaß! Wenn wir zusammen auf der Bühne stehen, ist es immer einfach nur schön. Das kann ruhig gerne so weitergehen. (lacht)

    Dascha: Hattet ihr auch ein Lieblingskonzert diesen Sommer?

    Anja (Power Plush): Ich würde sagen der Atomare Sommer.

    Maria (Power Plush): Ja, das war auch einfach ein Heimspiel für uns.

    Anja (Power Plush): Da gab es auch unseren aller ersten Moshpit in der Bandgeschichte! Das war schon ziemlich cool.

    Maria (Power Plush): Das war so ein schöner Tag, kein Stress, wir hatten ja gar keine Anreise und kannten so viele Leute dort.

    Anja (Power Plush): Und die Leoniden waren da! Wir lieben die Leoniden! Die sind einfach so so lieb.

    Dascha: Das stimmt! Mal ein etwas anderes Thema – Habt ihr das Gefühl, dass Künstlerinnen und nichtmännlich besetzte Bands in der deutschen Indie-Szene Nachteile erfahren? Falls ja, was wünscht ihr euch für die Zukunft? Was soll sich ändern?

    Maria (Power Plush): Das ist ja ein ganz großes Thema, aber aus eigener Erfahrung und von dem, was wir bisher kennen gelernt haben, muss ich sagen, dass es bisher positiv lief. Ich würde das aber auf sehr wichtige Vorarbeit von anderen Bands, wie zum Beispiel Blond, zurückführen. Nichtweibliche Bands legen mittlerweile auch mehr Wert darauf, dass zum Beispiel zumindest ein diverserer Support engagiert ist, damit das Line-Up nicht nur cis-männlich ist. Ich würde sagen, dass es sicherlich noch Nachteile gibt, wir haben die aber noch nicht so gespürt, weil wir ein super gutes Netzwerk und Umfeld haben, das uns unterstützt. Wir haben sehr viel Interesse zu spüren bekommen. Ich glaube es kommt aber auch auf’s Genre an. Bei Hip-Hop und Rap bin ich mir unsicher, wie gut es da für nichtmännliche Acts läuft. Aber generell buchen sehr große Veranstaltungen natürlich immer noch sehr männlich dominiert. Es gibt ja so so viele nichtmännliche Acts, die man buchen könnte. Wir wurden viel gebucht, das ist schön, aber wenn man sich andere Line Ups anschaut, gerade auf Festivals, ist es schon echt ernüchternd. Man fragt sich so „Hä, wo sind denn die ganzen Acts die ich höre, wieso werden die nicht gebucht?“

    Anja (Power Plush): Es gab ja nachweislich in den letzten Jahrzehnten auf jeden Fall Nachteile für Frauen in der Musikbranche generell. Die Sichtbarkeit war einfach nicht da. Es gab zwar hin und wieder mal weibliche Bands, aber die hatten nie die Plattform wie männliche Bands. Ich würde sagen, jetzt schaffen es endlich auch nicht cis-männliche Acts Raum einzunehmen. Wir sind zum Glück bisher sehr in einer Bubble, in der sie sich diesen Raum auch nehmen dürfen. Langsam merkt man, da tut sich was und verändert sich was. Was man aber trotzdem manchmal spürt sind Sachen wie, dass man oft mit weiblichen Bands verglichen wird und nicht mit Bands generell. Oder dass einem an manchen Stellen nicht das selbe zu getraut wird wie cis-männlichen Bands oder das von einem bestimmte Sachen erwartet werden. Aber das waren die einzigen Sachen, die wir zu spüren bekommen haben, ansonsten haben wir wirklich Glück. Dadurch, dass mittlerweile viel mehr Menschen aware sind und etwas ändern wollen, bekommen wir diesen Raum.

    Maria (Power Plush): Ich glaube es ist auch gut, dass wir auch immer Kritik äußern können. Wir geben uns nämlich keinen sexistischen Scheiß. Wenn sich die Person gegenüber nicht nach unseren Vorstellungen verhält, dann nehmen wir uns den Raum und Möglichkeit darüber zu sprechen. Somit passiert das anderen Personen vielleicht nicht mehr. Ich glaube Bands mussten da vorher einfach schon sehr viel abfedern und viele blöden Erfahrungen machen. Dann wurde aber auch viel Kritik geäußert und ich glaube in den letzten Jahren hat sich die Situation schon gebessert.

    Dascha: Voll schön, dass ihr so positive Erfahrungen machen konntet! Das ist ein Thema, was mich auch beschäftigt. Jedes mal, wenn ein neues Festival Line Up veröffentlich wird, fällt mein Blick erstmal darauf, wie viele nichtmännliche Personen spielen. Meistens ist die Erkenntnis aber sehr traurig.

    Anja (Power Plush): (Imitierend) Aber es gibt doch einfach gar nicht so viele female Bands!

    Dascha: Ich habe gestern wieder die Kommentare unter einem Post gelesen, der das kritisiert hat und sehr viele Leute meinten da „Dann ist die Musik der Frauen halt einfach nicht gut genug“. Es ist immer wieder das selbe, ich kann’s nicht mehr lesen.

    Anja (Power Plush): Aber es wird sich was ändern, ich glaube daran!

    Dascha: Wer sind denn nichtmännliche Bands und Künstlerinnen, die ihr im Moment sehr gerne hört?

    Anja (Power Plush): Also bei ist es momentan THALA. Ich höre sie gerade so so viel, ich lieb’s einfach. Ich mag ihre Musik total, ich mag ihre Art total, ihre Artworks, ihre Musikvideos – einfach top.

    Maria (Power Plush): Es gibt dieses Jahr übelst viel geile Musik, das ist so schwer zu beantworten. Aber um mich mal zu beschränken: Mir hat es in diesem Jahr vor allem Frances Forever angetan. Das ist auch sehr sehr schöne Indie-Musik, manchmal etwas abgespaced. Aber ich finde dieses Jahr so crazy, was Musikveröffentlichungen betrifft, ich komme gar nicht drauf klar.

    Anja (Power Plush): Das girl in red Album fand ich auch übelst geil. Und auch MAY-A hat ihr Debüt veröffentlicht, fand ich auch super.

    Maria (Power Plush): Oder LAUREL oder Olivia Rodrigo, auch so gut – wow! Oder LOBSTERBOMB haben auch ihre EP rausgebracht.

    Dascha: Da sieht man mal, wie viel Auswahl es eigentlich gibt. Ich bin dann bei meiner letzten Frage, also einer untold story. Jetzt müsst ihr euch eine neue Geschichte überlegen, die ihr noch nicht erzählt habt.

    Anja (Power Plush): Wir haben dieses Jahr auf dem Jenseits von Millionen Festival gespielt, wo wir auch LOBSTERBOMB kennengelernt haben. Super Leute! Und danach mussten wir schon die Hälfte der Strecke zum nächsten Festival fahren, weil es sonst zu weit gewesen wäre. Wir kamen aber aus dem Ort, wo das Jenseits von Millionen war, einfach nicht raus. Wir sind alle möglichen Straßen lang gefahren, das Navi hat uns immer woanders hingeschickt und überall war Vollsperrung. In jeder einzelnen Straße.

    Maria (Power Plush): Der Ort ist so klein und hat nicht mal viele Straßen, aber wir sind da mindestens eine dreiviertel Stunde rumgefahren. Man hatte auch keinen Internet-Empfang dort!

    Anja (Power Plush): Wir sind mit zwei Autos unterwegs gewesen und mussten uns am Telefon irgendwie zusammen lotsen, um da rauszukommen.

    Maria (Power Plush): Alle Wege aus der Stadt heraus waren gesperrt und wir wussten auch nicht genau, wo wir sind. Ich dachte zwischendrin echt, dass wir nie mehr rauskommen. (lacht)

    Anja (Power Plush): Wir haben währenddessen schon angefangen Hörspiel-Ideen darüber zu erfinden. Vielleicht können wir das ja mal in Kooperation mit Blond machen, die haben ja Hörspiel-Erfahrung. Aber was vielleicht auch noch eine sweete untold story ist: Wir knüpfen ja gerne Band-Kontakte und wir planen das mit unserem portablen Nagelstudio. Wir bringen nämlich zu jedem Gig eine Variation an Nagellacken mit und dann Fragen wir die anderen Bands vor Ort, ob sie zufällig Nagellack wollen. Dann sitzt man ganz gemütlich da, lackiert sich gegenseitig die Nägel und lernt sich kennen. Das haben wir auf dem Jenseits von Millionen mit LOBSTERBOMB und Dolphin Love gemacht. Da saßen wir gemeinsam am Tisch und haben uns die Nägel lackiert.

    Maria (Power Plush): Bands, die schon mal mit uns gespielt haben, schicken uns dann schon Bilder von ihren Nägeln.

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    Foto Credits: Daniel Fransk

  • Shelter Boy im Interview: „Ich habe eigentlich alles, was ich mal machen wollte, hier ausprobiert“

    Shelter Boy im Interview: „Ich habe eigentlich alles, was ich mal machen wollte, hier ausprobiert“

    Im September war es so weit: Endlich, endlich, endlich hat Shelter Boy sein Debütalbum veröffentlicht. Obwohl er sich mit seinen vorherigen EPs schon erfolgreich bewies und sich in der Indie-Szene einen Namen schaffte, zeigt er mit Failure Familiar, dass in ihm noch viel mehr steckt, als wir bisher kannten. Shelter Boy öffnet sich und zeigt eine emotionale und verletzliche Seite, aber auch rein musikalisch kriegen wir viele Facetten geboten. Von richtigen Bangern wie Atmosphere (hier geht’s lang zum untoldency-Interview zur Single), zum herzzerreißenden Forever You’ll Be Known bis hin zu wohltuenden Sommergefühlen in Terrace. Und obwohl Failure Familiar auf seinen 11 Tracks schon viel weiter entwickelt und vielseitiger klingt, verliert Shelter Boy nicht den Sound und die Art, für die wir ihn alle lieben gelernt haben. Zwar verneinte er die Frage, ob er seinen Sound schon gefunden habe, in einem kürzlich gehaltenen Instagram-Story Q&A und doch bekommt man den Eindruck, dass er genau weiß, was er tut. Ganz besonders bekommt man Shelter Boys Liebe zu britischen Bands zu spüren, deren musikalischen Einfluss man hier nicht abstreiten kann. Die Mischung aus genau dem, seinem ganz eigenen Stil und seiner markanten Stimme machen Failure Familiar zu einem abgerundeten und vor allem sympathischen Album, an dem man sich so schnell nicht satt hören wird.

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    Dascha: Guten Morgen! Wie geht’s dir? Du bist gerade in Manchester, oder? Hab ich das richtig gesehen?

    Shelter Boy: Guten Morgen! Ja, genau. Voll schön hier und krass, weil einfach mega gutes Wetter hier ist.

    Dascha: Nice! Und was machst du da?

    Shelter Boy: Wir spielen heute Abend tatsächlich ein Konzert hier. Außerdem bin ich quasi das erste Mal beim Label zu Besuch, haben hier also ein paar Termine.

    Dascha: Und wie ist es da mit Corona-Regeln bei Konzerten? Könnt ihr ganz normal spielen?

    Shelter Boy: Es ist wild, weil hier halt niemand irgendwo Maske trägt. Also wirklich nirgendwo! Das fühlt sich ein bisschen weird an, vor allem wenn man in einen Laden reingeht… Es ist allen egal.

    Dascha: Glaub ich dir! Übermorgen ist es soweit und das Album kommt raus. Wie planst du den Release zu feiern?

    Shelter Boy: Wir machen eine kleine Party in Leipzig, ein paar Freunde legen auf, wir werden uns ordentlich betrinken, that’s it.

    Dascha: Klingt nach einem guten Plan. Zu erstmal muss ich sagen, dass ich das Album sehr sehr geil finde! Wann hast du angefangen daran zu arbeiten? Hattest du irgendwann so einen Punkt an dem du wirklich realisiert hast, dass du an deinem Debütalbum arbeitest?

    Shelter Boy: Dankeschön! Ich hatte nach der zweiten EP schon die ganze Zeit Songs geschrieben, das war aber alles ein bisschen lose. Ich glaube ich hab dann so im März 2020 im Lockdown wirklich konkret angefangen darauf hinzuarbeiten. Calm Me Down war da der erste. Dann hat das langsam Form angenommen.

    Dascha: Ich hab auch den Eindruck, dass du auf dem Album viel ausprobiert hast und verschiedene Facetten zeigen willst. Musstest du dafür aus deiner Komfortzone rauskommen oder ging das easy?

    Shelter Boy: Mmmh ne, ich habe eigentlich alles, was ich mal machen wollte, hier ausprobiert. Davor hatte ich schon noch sehr diesen Surf-Dream-Pop-Stempel drauf, es gibt aber viel mehr was ich selbst gerne an Musik konsumiere und geil finde. Deswegen gibt es auch einen Song wie Failure Familiar, der so ein sehr ruhiger Klavier-Song ist. Ich wollte das alles einfach mal ausprobieren, auch mit den Streichern. Ich bin halt riesiger Beatles Fan und ich glaube daher kommt das, dass man einfach Bock hat so vieles zu machen.

    Dascha: Ich find’s auch echt schön wie viel du gezeigt hast und dass du dich so weiter entwickelt hast von den EPs. Wonach hast du Reihenfolge der Tracks bestimmt? Ich liebe es, dass dieses besondere Ende von I Can Be Sad das ganze Album abschließt.

    Shelter Boy: Genau das stand auch als erstes fest, dass das der letzte Song werden wird. Es ist tatsächlich auch eine Referenz an einen Beatles Song „A Day in the Life„. Da werden die Streicher auch komplett wild am Ende und das Album endet mit einem Knall. Das war dann von mir ein bisschen eine Verneigung vor den Beatles. Der Rest hat sich dann einfach ergeben, ich hab viel rumprobiert. Es gibt aber keinen Konzept-Album mäßigen roten Faden. Deswegen hab ich ein bisschen hin und her geschoben und so hat es für mich einfach Sinn ergeben. Calm Me Down als Opener, direkt so Rock n Roll Song.

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    Dascha: Hast du selbst auch einen Liebling unter den Songs?

    Shelter Boy: Ich glaube I Can Be Sad. Auf den bin ich am meisten stolz.

    Dascha: Ich glaube meiner ist Gazeback. Der hat mich live schon direkt gecatched und ist mir im Kopf geblieben. Magst du mal etwas mehr zum Song erzählen?

    Shelter Boy: Schön, das freut mich! Ich hab bei dem Track sehr probiert an das 16-jährige Ich von mir zu denken. Die Bridge ist ja „I like it too much / To drink too much / Why care so much / ‚Cause life is so tough„, ich dachte da wirklich an so ein Tumblr-Zitat aus der Zeit. Das war die Zeit wo ich eigentlich nur auf Partys gehen wollte und es gab auch keine richtigen Probleme, weil am nächsten Tag sowieso nur Schule war. Dieses Gefühl hab ich versucht aufzugreifen. So klingt der Song für mich auch. Wie so ein Shout out loud-mäßiger Indie-Song, der halt früher in der Indie-Disco hätte laufen können.

    Dascha: Ist dir gelungen, ich finde genau so kommt’s auch rüber. Du hast diesen Sommer ja auch einige Songs vom Album schon live gespielt. Gab es einen von den neuen Songs, der dir bei Shows besonders viel Spaß gemacht hat?

    Shelter Boy: Atmosphere macht mega Bock! Wir haben ja auch auf dem About You Pangea Festival gespielt und das war ja so ein Pilot-Projekt, das heißt da waren das erste Mal wieder ordentlich Leute vor der Bühne. Genau davon hab ich geträumt, den mal vor so vielen Leuten zu spielen. I Can Be Sad ist auch jedes mal mega schön, weil ich das dann mit Mitsing-Part mache und das funktioniert einfach gut. Die beiden Tracks also, ja. Gazeback ist für mich immer mega anstrengend, weil der Refrain sehr anstrengend zu singen ist, das ist auf jeden Fall ganz schön wild für die Stimme.

    Dascha: Aber hey, es lohnt sich! Wie ist eigentlich das Album Cover entstanden?

    Shelter Boy: Das war mit Philipp Gladsome, mit dem ich ja ganz ganz viel mache. Mit dem hatte ich einfach ein Brainstorming. Ich finde Album Cover gut, wenn sie offensiv sind, wenn sie klatschen, wenn da starke Farben sind. Ich denke da immer wieder ganz altmodisch, wenn man durch einen Plattenladen läuft und da was rauszieht. Wenn ich da ein beiges Cover, auf dem ganz verwaschen was drauf ist, sehe… Ne, ich hätte da gern was, was knallt. Da kamen wir halt auf die Idee mit dem Blut. Vielleicht auch ein bisschen von The Weeknd inspiriert. Das Blau hatte ich mir dann noch ausgesucht und dann waren wir bei Philipp im Studio, an dem selben Tag, an dem wir das Atmosphere Musikvideo gedreht hatten. Direkt dann auch das Album Cover geschossen.

    Dascha: Um nochmal auf dein Boy Pablo Feature zusprechen zu kommen – wie lief der Prozess für euch? Ihr wart ja dabei räumlich weit von einander entfernt.

    Shelter Boy: Der Track selber kam tatsächlich von mir. Ich hatte den komplett fertig, auch schon aufgenommen, dann hatte ich ihn gefragt, ob er Bock hat. Er hat den Song mega gefeiert, aber dann ist erstmal ganz lange nichts passiert. Ich dachte wirklich „Scheiße, das wird eh nicht klappen“. Wir waren zwar die ganze Zeit in Kontakt, aber er hat zu der Zeit auch sein Album rausgebracht und noch eine EP zusammen mit einem anderen Artist von Triple Seven. Er war aber trotzdem so „Ich hab aber Bock und will das unbedingt machen“. Dann irgendwann hat er mir spuren von seiner Strophe geschickt und an dem Tag bin ich wirklich fast zusammen gebrochen. Das ist auch für mich ein sehr großes Ding gewesen, weil ich auch echt ein Fan von ihm und seiner Musik bin.

    Dascha: Voll schön! Jetzt er eine sehr random Frage – Wenn du nur für immer nur noch drei Alben konsumieren könntest, welche wären das? So ganz spontan.

    Shelter Boy: Also, Beatles – Revolver, Blonde on Blonde von Bob Dylan und Loyle Carner – Yesterday’s Gone.

    Dascha: Die Antwort kam ja sehr schnell! Ich bin jetzt auch schon bei der letzten Frage, das ist bei uns ja immer eine untold story. Hast du noch eine Geschichte auf Lager, die du noch nicht öffentlich erzählt hast?

    Shelter Boy: Ich überlege, das ist schwierig. Hmmm naja, ich hab gerade ein Thunfisch Sandwich gegessen, das mega geil war!

    Wer nicht genug von Shelly bekommen kann, sollte sich diese Playlist abspeichern:

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    Foto Credit: Philipp Gladsome

  • Luis Ake im Interview: „Liebe ist mein Lieblingshobby“

    Luis Ake im Interview: „Liebe ist mein Lieblingshobby“

    An einem kühlen August-Nachmittag traf ich Luis Ake für ein Gespräch vor seinem Konzert mit Edwin Rosen, mit dem er eine blitzschnell ausverkaufte Tour spielte. Der aufsehenerregende Künstler hat schon jetzt eine auffallende musikalische Entwicklung hingelegt. Wo auf seinem ersten Album noch düstere Songs mit morbidem Beigeschmack lauerten, bieten die neuen Singles mehr Euphorie als Trauer. Songs wie der energische Trance-Hit Sommer zeigen eine ganz neue Facette von Luis und machen neugierig auf das im September erscheinende zweite Album. Ich bin absoluter Fan von beiden Seiten und wünsche mir, dass noch viel mehr Leute das von sich behaupten können.

    Um mich kurz selbst aus einem älteren Artikel über Luis Ake zu zitieren: Hier geben sich Rave und Schlager die Hand. Und jetzt mehr denn je. Während er sich irgendwo zwischen NDW, Schlager, Pop und elektronischer Musik bewegt, gelingt es ihm die Hand freundlich auszustrecken und Hörer:innen mit auf ein Abenteuer zu nehmen. Skurrile Live-Performances, der Wechsel zwischen tiefem Sprechgesang zu hoher Kopfstimme und immer im Retro-Anzug vorzufinden, das alles macht Luis Ake als Erscheinung aus. Man ist sich nicht sicher, ob er nicht gerade aus einer Zeitmaschine gestiegen und eigentlich fremd in der heutigen Zeit ist. Genau das macht ihn wohl so spannend. Während des Konzerts am Abend im Bumann und Sohn beobachtete ich aufmerksam die Blicke des Publikums während seiner Show. Oft war es ein erstaunen und erschrecken, dann ein lachen, dann ein jubeln, dann ein fragendes Gesicht voller „Irgendwie versteh ich das nicht so ganz“. Und ich denke, diese Reaktionen treffen es genau auf den Punkt.

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    Luis Ake im Interview

    Dascha: Hey Luis, wie geht’s dir?

    Luis Ake: Gut, mir geht’s prima. Ich hab viel geschlafen, wenig Kater. Nur ein bisschen. Das ist gut, so kann das Wochenende beginnen.

    Dascha: Sehr schön! Willst du dich mal selbst ein bisschen vorstellen, für die, die dich noch nicht kennen? Und wie würdest du deine Musik selbst beschreiben?

    Luis Ake: Mein Name ist Luis Ake, ich bin 26 Jahre jung und ich mache hauptsächlich Liebeslieder. Popmusik, würde ich sagen. Ich beschäftige mich sehr viel mit dem Thema Liebe. Romantische Liebe, muss man dazu sagen. Oder eher Beziehungsliebe. Romantische Liebe kann ja auch viel anderes sein.

    Dascha: Da du heute Abend hier ein Konzert spielst – Wie läuft die Tour gerade?

    Luis Ake: Gut, es gab schon lange keine Tour mehr, das ist schön jetzt. Wenig schlafen, viel Action, gute Laune die ganze Zeit. Ich kann mich nicht beklagen! Morgen hab ich frei, das ist für mich sehr entspannend.

    Dascha: Gibt’s auch etwas am touren was du nicht so gern magst?

    Luis Ake: Hmmm, also am liebsten bin ich alleine auf Tour. Es ist zwar auch schön mit anderen zu touren, so wie jetzt gerade mit Leuten, die ich richtig gerne mag. Ich toure ja gerade mit Max (Flawless Issues), Edwin (Rosen) und Luca, das sind sehr gute Freunde von mir, deshalb ist es sehr sehr schön. Man kommt halt selten in den Genuss mal kurz einen Moment nur für sich zu haben. Aber das ist nicht schlimm, das gehört einfach dazu. Es gibt eigentlich nichts am touren, das ich gar nicht mag. Außer, dass ich nicht so viele Anzüge mitnehmen kann. Dann werden die schmutzig und das nervt mich ein bisschen. Ich hab jetzt nur zwei dabei für zehn Tage, das muss man sich mal überlegen. Ich reise nämlich gerne mit wenig Gepäck. Lieber hab ich zu wenig, als zu viel dabei. Ich finde beim Packen gibt es eine goldene Regel: Immer die Sache, die man am Ende noch mitnehmen will, nicht mitnehmen.

    Dascha: Und warum?

    Luis Ake: Na dann hat man zu viel dabei. Man muss immer das, was man in Frage stellt mit „nein“ beantworten.

    Dascha: Das werde ich mir für’s nächste Mal merken! Jetzt erscheint ja auch deine nächste Single „Blumen„. Magst du mal was zu dem Hintergrund erzählen? Was bedeuten die Blumen für dich? Deine Mama spricht auf dem Song auch einen Teil, wie kam es dazu?

    Luis Ake: Weil meine Mama eine großartige Frau ist! Und weil sie eine tolle Stimme hat. Dieser Sprechteil in dem Lied hat sich einfach wunderbar dafür angeboten. Sie hat sofort Lust darauf gehabt, meine Mama ist auch großer Fan. So hat sich das perfekt angeboten und ich bin sehr glücklich darüber. Zu dem Lied gibt es eigentlich viel zu sagen. Bald wird ja auch mein Album erscheinen, das ist insgesamt eine größere Arbeit. Da spielen die Songs schon eine entscheidende Rolle, da sie Teile von einem größeren Puzzle sind. Nämlich hab ich eine Maschine erfunden, die Beziehungsfragen beantworten kann. Jedes Lied hat einen Teil in diesem Mechanismus. Die Maschine besteht aus zehn Teilen und ein Teil ist eben das sogenannte Reich der Blumen. Das muss man sich vorstellen wie einen Stadtpark einer sauberen, reichen, gepflegten Kleinstadt und wenn man da hineingeht wird man sich sofort verlieben. In dem Lied an sich geht es darum, dass die Liebe wie eine Blume ist, die man gut pflegen muss. Damit sie groß und stark wachsen kann und damit sie den kalten Winter übersteht.

    Dascha: Das passt auch schon zu meiner nächsten Frage. Hast du dich schon beim Schreiben der Songs auf dem Album thematisch an dem Konzept festgehalten?

    Luis Ake: Die Auswahl der Songs erfolgte so, um jede Facette dieser Beziehungsliebe abzudecken. Diese Liebe ist ein bisschen wie ein Zyklus, der einen immer wieder packt. Ich war frustriert davon, dass ich immer wieder in dem selben Gemütszustand lande, der immer wieder gleich schmerzhaft oder gleich freudig ist. Die Maschine versucht sozusagen diesen Kreislauf zu ergründen, um am Ende größere Gelassenheit für den, der sich damit auseinander setzt, zu garantieren. Es ist sozusagen eine Studie zum Thema Liebe. Die hab ich erst nur für mich gemacht, aber im Rahmen des Albums öffne ich sie. Aber ich habe die Maschine wirklich auch als physisches Objekt gebaut, die wird man dann bei der Platte zu sehen bekommen.

    Dascha: Dann bin gespannt und jetzt echt neugierig. Schreibst du am liebsten nur über Liebe oder kommen auch andere Themen für dich in Frage? Woher nimmst du deine Inhalte?

    Luis Ake: Aus dem Alltag, einfach jeden Tag. Liebe ist mein Lieblingshobby, könnte man sagen. Darüber kann ich mich nicht emanzipieren, über die Macht der Romantik. Und so liegt es auch nah, dass sich das in einer Art Selbsttherapie in meinen Liedern widerspiegelt.

    Dascha: Und wie würdest du sagen hast sich deine Musik von früher zu jetzt verändert? Ich würde schon behauptet, dass sie von düster zu hell gewandelt ist. Was hatte darauf Einfluss?

    Luis Ake: Düstere Musik zu machen bedeutet meistens ja auch düstere Gedanken zu haben und eher Schmerz statt freudige Gefühle zu verarbeiten. Zu der Zeit damals gab es eben eher solche Sachen zu verarbeiten. Es ist total wichtig, dass es das negative Gefühl, was auch unheimlich schön ist, gibt. Trauer, Schmerz, sind ja alles Formen der Verarbeitung. Das ist irgendwie viel leichter zu greifen. Es ist wie ein Kaugummi-artiges Gefühl, man kann es richtig breit treten, man kann sich richtig in der Trauer suhlen. Irgendwie ist es auch schön, es zieht einen richtig nach unten und dann erreicht man den Boden und darunter kommt erstmal nichts. Das heißt man ist erstmal auf einer sicheren Plattform. Man kann es auch auf Dauer ziehen, heute fange ich an einen traurigen Song zu schreiben und ich weiß, morgen bin ich wahrscheinlich immer noch traurig, dann kann ich da wunderbar weitermachen.

    Wohingegen glückliche Lieder, von denen es welche auf dem Album gibt, viel schwieriger zu greifen sind. Das Glücksgefühl ist so flüchtig, es verpufft so schnell. Sobald man es anschaut, ist es schon wieder weg. Davon gibt es immer nur einen kurzen Moment, davon handelt das Lied Ein schöner Traum. So ist innerhalb des Albums auch die Maschine aufgebaut. Das Hohe, die Glücksmomente, die werden mit einer Wolke verglichen. Dann gibt es noch das Tiefe, den Boden. Zwischen diesen zwei Extremen wird Liebe irgendwie verhandelt. Ich wollte dieses Mal alles abdecken, ich denke das ist mir auch ganz gut gelungen. Glückliche Lieder zu schreiben ist viel schwieriger, deswegen habe ich versucht positive Musik mit positiven Gefühlen zu machen. Einfach, weil ich das auch können wollte.

    Dascha: Na dann bin ich auch sehr gespannt auf’s Album. Wie bist du eigentlich dazu gekommen Musik zu machen?

    Luis Ake: Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen. Mein Vater ist Gitarrist und meine Mutter ist Sängerin. Da hab ich schon sehr sehr früh Musik gemacht, natürlich auch beeinflusst durch meine Eltern. Musik war immer da und man konnte immer alles fragen. Ich hab früher viel Gitarre gespielt, dann hat sich das so entwickelt und ich hab erst vor zwei Jahren angefangen zu singen. Davor hab ich eher in Bands Gitarre gespielt, viel Produktion, moderne Tanzmusik, Hip Hop alles mögliche. Und jetzt bin ich hier.

    Dascha: Was sind deine Ziele und Pläne, die du in deiner Musiklaufbahn noch erreichen willst?

    Luis Ake: Mich einfach nicht wiederholen. Eine Sache, die ich echt nicht will, ist immer dasselbe zu machen. Es ist einfach eine persönliche Reise, du hast ja auch schon festgestellt, dass sich die Songs verändert haben. Jetzt gerade ist es eine größere Arbeit für mich noch andere Dinge zu ergründen und so muss es einfach weitergehen. Ich will nichts zwei Mal machen. Allein dadurch kommt man ja immer weiter und immer weiter. Ich hab keine bestimmten Ziele, ich will einfach nur glücklich sein, das machen, worauf ich Lust hab und irgendwann sterben. Das wär perfekt so.

    Dascha: Mal kurz zurück zu 2020: Du hast letztes Jahr zusammen mit dem russischen Künstler Dima Midborn den billingiualen Song Hey Du/Эй, Ты gemacht. Der war einer meiner Lieblingssongs des Jahres! Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

    Luis Ake: Der Kontakt kam von außen. Ich hab Fans in Russland, ich bin sehr Russland-affin und mag das Land unheimlich gerne. Ist vielleicht sogar mein Lieblingsland. Ich hör auch viel russische Musik und so war das schon immer ein Traum von mir, dass ich mal einen russischen Song machen kann. Da hat das mit dem Dima super gepasst. Ich denke, das ist eine ganz nette Nummer geworden.

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    Dascha: Geht mir auch so. Ich höre sehr viel russische Musik, deswegen war das eine Kombination, die mir viel Freude bereitet hat.

    Luis Ake: Zweisprachige Songs gibt’s ja auch leider nicht so oft. Ich finde Deutsch und Russisch sind sich von der Härte oder vom Gefühl schon ähnlich. Ich hab so eine wilde Theorie, dass jemand, der die deutsche Sprache beherrscht, diese selbe Härte sucht, mit der man irgendwie connecten kann. Deutsch und Russisch haben so eine natürliche Verbindung, die sind auf einer ähnlichen Wellenlänge, anders als Deutsch und Französisch zum Beispiel. Würdest du mir da zustimmen?

    Dascha: Ja, doch, schon. Wobei ich finde, dass Russisch noch weicher ist als Deutsch.

    Luis Ake: Ja, das stimmt. Vielleicht kommt daher die Faszination vieler Russen und Russinnen für deutsche Musik.

    Dascha: Das kann sein. Es gibt wirklich viele Leute in Russland die deutsche Musik lieben, auch wenn sie es nicht verstehen.

    Luis Ake: Ich habe jetzt auch einen Remix für Nürnberg, eine Band aus Weissrussland, gemacht. Da hab ich zum ersten Mal auf Russisch gesungen, das war cool. Ich würde gerne Russisch lernen und am liebsten für eine längere Zeit dort leben.

    Dascha: Oh, das ist sehr cool! Nürnberg hör ich sehr gerne. Naja, zurück zu Stuttgart. Da gibt es ja schon einige Musiker:innen momentan. Gibt es da deinem Gefühl nach eine feste Szene? Wirkt sich das aufeinander aus?

    Luis Ake: Sicherlich. Ich muss aber gestehen, dass diese Künstler:innen, die gerade im Atemzug mit anderen Stuttgarter:innen genannt werden, erst recht spät kennengelernt hab. Klar, ich war zum Beispiel mit Max Rieger auf der Schule, ich war aber nie in dieser Szene drin. Erst jetzt im nachhinein, als ich gar nicht mehr dort gewohnt hab, hab ich alle kennengelernt. Ich würde mich eher als Einzelgänger beschreiben. Es ist aber trotzdem schön, eine Verbindung zueinander zu haben. Heute sind wir hier wieder eine richtige Stuttgarter Gruppe. Das ist schon ein schönes Gefühl, aber ich hab darüber nie wirklich nachgedacht.

    Dascha: Und wo hast du dann gelebt?

    Luis Ake: Ich hab viel Zeit in Karlsruhe verbracht. Dann in Berlin und mal hier und dort. Ich hatte eigentlich keinen festen Wohnort, immer noch nicht.

    Dascha: Welche Musiker oder Musikerinnen aus Deutschland kannst du empfehlen? Wen magst du im Moment besonders gerne?

    Luis Ake: Gerade mag ich Marion Maerz sehr gerne. Das ist eine Schlagersängerin aus den 60er, Anfang 70er Jahren. Wunderbar, ganz ganz toll, kann ich nur jedem empfehlen. Liebe auf den ersten Blick ist zum Beispiel sehr schön. Das hör ich Moment viel, aber ansonsten immer viel Ausdrucks-Pop und natürlich NDW, da kann man sich nie satthören. Der Schlager, nicht aus dieser Zeit, ist auch immer sehr gut und ergiebig, wenn man sich die Zeit nimmt und sich öffnet.

    Dascha: Ich glaube bei Schlager haben viele diese Blockade im Kopf, dass sie das gar nicht erst an sich ranlassen wollen.

    Luis Ake: Ja, das stimmt! Die hab ich zum Glück nie gehabt. Die will ich auch nie haben. (lacht)

    Dascha: Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage: Das ist bei uns immer eine untold story. Also ein Geheimnis, eine Geschichte oder einen Fakt über dich, den noch nicht viele wissen.

    Luis Ake: Auch wenn ich vielleicht nicht so aussehe, versuche ich ein ziemlich primitives Leben zu leben. Ich liebe zum Beispiel Fußball, vor allem den Verein Vfb Stuttgart. Ich bin da ein sehr sehr dedicated Fan. Und ich liebe es KFZ als Hobby zu haben, ich liebe es an Autos rumzuschrauben. Das sind Dinge, die man vielleicht nicht von mir erwarten würde.

    Bis das neue Album von Luis erscheint, könnt ihr euch hier noch an seinen bisherigen Songs erfreuen:

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    Foto Credit: Alexander Theis
  • Leoniden im Interview: „Liveshows sind quasi immer der Schlüssel zu unserer Musik“

    Leoniden im Interview: „Liveshows sind quasi immer der Schlüssel zu unserer Musik“

    Am vergangenen Freitag veröffentlichten die Leoniden ihr drittes Album „Complex Happenings Reduced To A Simple Design„. Langeweile, Ruhe und Eintönigkeit? Fehlanzeige. Mit der ständigen Überschreitung von Genregrenzen zeigt das 21 Tracks lange Album, was die fünf Jungs aus Kiel drauf haben. Und dass sie bei weitem noch mehr Facetten zu bieten haben, als sie uns bisher gezeigt haben. Mit voller Begeisterung habe ich mich beim ersten Durchhören gedanklich zu den Liveshows der Leoniden zurückgesetzt gefühlt. Um das kurz festzuhalten: Ich glaube, es gibt keine geilere Liveband in Deutschland als die Leoniden. Die unfassbare Energie und der Spaß, den sie mit- und rüberbringen, machen jedes Konzert zu einem ganz besonderen, mitreißenden Erlebnis.

    Vielleicht müssen sich einige Hörer:innen zunächst die Zeit und die Offenheit rausnehmen, sich wirklich in das Album reinzuhören – aber dafür lohnt es sich komplett. Ich bin von der Diversität der Songs mindestens so begeistert, wie ich es bei jeder Leoniden-Liveshow bin. Deswegen habe ich Jakob, dem Sänger der Band, an einem netten Montagmorgen meine Fragen zum Album gestellt und auch währenddessen wieder einmal gemerkt, wie sehr diese Band Bock auf das hat, was sie tut. Wie kann man sie nicht lieben?

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    Jakob von Leoniden im Interview

    Dascha: Hey, guten Morgen, Jakob! Wie geht’s dir? Wie fühlst du dich nach dem Release-Wochenende?

    Jakob (Leoniden): (zeigt beide Daumen hoch) Richtig gut! Das Wochenende hat sich fast schon ein bisschen inszeniert angefühlt. Fast so als wäre ich in der Truman Show oderso. Erstmal, dass wir in Kiel reinfeiern durften, obwohl man in Pandemie-Zeiten nie richtig etwas planen kann. Der Release steht ja schon seit 9 Monaten fest, aber das Konzert eben nicht, aber dass es dann genauso klappt! Dann am Release-Tag selbst in Hamburg auf dem Dockville Gelände zu spielen, wo wir auch schon krasse Momente hatte. Und dann als großes Finale am Samstag auf dem About You Pangea Festival ohne Corona-Abstände zu spielen… Pass auf ich zeig dir ein Bild. (Holt sein Handy raus) Das sieht da einfach so aus als wären wir Rammstein mit dem krassen Feuer da!

    Dascha: Seid ihr doch, fast.

    Jakob (Leoniden): Lennart meinte mal, wir sind Rammstein für Kinder. Naja, das Festival war wirklich verrückt. Wir haben natürlich auch gut gefeiert. Müsste ich heute singen, müssten wir wahrscheinlich alles ein paar Töne runtersetzen.

    Dascha: Wann habt ihr eigentlich angefangen an dem Album zu arbeiten? Stand euch der Lockdown irgendwie im Weg?

    Jakob (Leoniden): Nee, gar nicht. Wir haben irgendwann Mitte 2019 angefangen an L.O.V.E. zu schreiben. Wir hatten auch viele Songs die auf älteren Skizzen basieren, das haben wir auch bei den vorherigen Alben schon so gemacht. Das heißt theoretisch haben wir schon viel früher angefangen. Aber der erste richtige Schritt zum neuen Album war Mitte 2019, vor zwei Jahren. Und der erste richtig obvious Schritt war im Dezember 2019, da haben wir uns das erste Mal mit Markus Ganter getroffen, der das Album mitproduziert hat. Da haben wir L.O.V.E. aufgenommen, aber da war auch noch kein Lockdown in Sicht. Wir wollten dann im März 2020 für mehr Songs ins Studio fahren, nach Leipzig, damit auch Magnus Wichmann mitproduzieren kann. Das mussten wir aber verschieben, die Pandemie kam direkt am ersten Studiotag dazwischen. Dann haben wir nochmal nach hinten geschoben, dann ging’s.

    Dascha: Wir habt ihr es geschafft in der Lockdown-Zeit kreativ zu bleiben? Bei mir zum Beispiel war es irgendwann so, dass ich gar keine Lust mehr auf irgendwas hatte, weil alles so gleich und langweilig war.

    Jakob (Leoniden): Find ich schwer zu beantworten, weil ich nicht will, dass das falsch rüberkommt. Ich weiß, dass es nicht bei allen so ist, aber bei mir ist es einfach nicht von sowas abhängig. Wenn ich mich hinsetze, um kreativ zu sein, dann bin ich kreativ. Klar gibt’s auch Tage bei denen keine Sachen rumkommen, die ich lange gut finde. Aber meistens ist es bei mir einfach eine Entscheidung das Ventil aufzudrehen und alles rauszulassen, was da so drin rumfliegt. Ich glaube aber das liegt auch daran, dass wir eine Band sind, die sich selbst immer so pusht und wenn es Limits gibt, immer guckt, was man in dem Limit am meisten machen kann. Deswegen gab es, als der Lockdown kam, direkt diese Rhodes-Medley-Dinger, die ich auf Instagram gemacht habe. Da konnte man sich ja Songs wünschen und dann kam in der nächsten Woche ein Medley mit den Songs. Dann hab ich dieses Looper Video gemacht, wo ich mit der Bohrmaschine Samples für Alone aufnehme. Solche Sachen halt – immer wenn ein Deckel von oben kommt, dann gucken wir, wie man da möglichst nah noch was daran machen kann und das hält uns irgendwie wach.

    Dascha: Voll gut, dass ihr das einfach aus den Umständen machen könnt!

    Jakob (Leoniden): (Schaut an die Decke und macht einen Luftkuss) Danke, wer auch immer dafür verantwortlich ist!

    Dascha: Eigentlich ihr selbst, i guess! Wieso habt ihr euch für ein Doppelalbum entschieden? Welche Vorteile hatte das für euch?

    Jakob (Leoniden): Auch das war auf jeden Fall der Pandemie geschuldet. Wir waren mit dem Album schon mehr oder weniger fertig, gemastert war es noch nicht, aber zusammengestellt, gemixt und aufgenommen. Da hatte es 12 oder 13 Songs. Wir waren so „Hm, joa, ist doch ein ganz geiles Album. Aber was machen wir jetzt?“. Da war schon klar, dass es eh erst in einem Jahr rauskommt und Konzerte können wir eh noch nicht spielen. Dann dachten wir, wir nutzen die Zeit in dem wir weitermachen, als wär nichts gewesen. Dadurch haben wir uns mehr Platz geschaffen um zu experimentieren. Hatten wir aber, ehrlich gesagt, im Vorfeld auch schon. Durch die Pandemie gab es einfach genug Zeit jedes Experiment, was nach drei, vier Versuchen gescheitert ist nicht einfach gescheitert in den Schrank zu stellen, sondern nochmal ranzugehen. Dadurch haben es Songs wie Disappointing Life drauf geschafft. Das war eine der ersten Skizzen die wir für’s Album hatten. Die hatte ich alleine gemacht und die anderen waren so: „Joa, ist irgendwie geil, aber schon echt heftig Grunge. Ich weiß nicht genau, ob wir das so machen können.“ Aber irgendwann waren alle so: „Ach komm, wir finden es doch eigentlich alle geil. Lass es uns einfach machen.“ Diese Momente gab es zum ersten Mal bei uns.

    Dascha: Denkt ihr beim Songwriting auch schon direkt darüber nach, ob der Song live gut funktionieren wird? Ihr seid ja schließlich eine krasse Live-Band.

    Jakob (Leoniden): (Wie aus der Pistole geschossen) Ja, klar! Schuldig! Auf jeden Fall! Aber nicht so, dass ein Song dann Abstriche macht in der Studioversion. Also nicht so, dass etwas nur so sein muss, weil es live geil ist, so ist es nicht. Wir schreiben ja nicht so DJ-Drop-Style orientierte Songs und sagen dann „Das ist hier extra obvious“, weil die Songs sind ja an vielen Stellen alles andere als offensichtlich. Da kommen ja genug Überraschungen. Aus der Live-Perspektive wäre das ja eigentlich nicht so dienlich, dass da viele Überraschungen kommen, die Leute sollen ja auch kriegen, was sie wollen. Da geht’s eher um das Energielevel, das Tempo und die Aufgekratztheit, die uns da immer sehr wichtig ist. Wir finden, dass wir bei dieser Platte das erste Mal geschafft haben, das auch so auf die Platte zu kriegen. Bei den Alben davor war es schon so, dass man die Songs immer mindestens ein bis zwei Mal live sehen musste, um zu checken, wo wir überhaupt mit unserer Musik hinwollen. Und jetzt hat Markus Ganter die Kompressoren auf jeden Fall gut eingestellt, sodass das Schlagzeug richtig reinhaut. So sind die Live-Leoniden und die Album-Leoniden ein bisschen näher zusammen gekommen.

    Dascha: Das merkt man beim Hören auch, finde ich.

    Jakob (Leoniden): Ja? Geil! Das ist schön. Das wäre jetzt auch blöd, wenn ich hier irgendwas erzähle und du dir denkst „Ehmmm, nö.“ (lacht)

    Dascha: Was denkst du, welcher von den neuen Songs ein richtiger Live-Favorit wird? Welche Songs vom Album werden richtig geil auf der Tour?

    Jakob (Leoniden): Ein paar haben wir ja diesen Sommer schon gespielt. Was ich richtig cool finde ist, dass wir es mit diesen Complex Happenings Skits geschafft haben, ein bisschen diese jammige Ästhetik, die wir live haben, auch auf die Platte zu kriegen. Der, der nach New 68 auf der Platte ist, ist auch in leicht abgewandelter Form im Live-Set, das find ich richtig cool. Der haut gut rein. Bei welchen Shows warst du diesen Sommer nochmal dabei?

    Dascha: Fulda und Frankfurt.

    Jakob (Leoniden): Ey, Fulda war lustig. Fulda war richtig lustig! Das war echt das Überraschungskonzert für uns.

    Dascha: Verständlich! Es war vor allen Dingen sehr laut.

    Jakob (Leoniden): Oh ja, es war sehr laut! Ansonsten, freu ich mich krass auf die Features. Wenn die mal auf Festivals, wo wir alle abhängen, auch live umgesetzt werden können und Erik, Max und Ilgen dabei sind. Ansonsten hat jeder Song seine Vorteile. Ich freu mich auf Paranoid, auf diese Größe, auf das Pompöse, das wir so vielleicht noch nie hatten. Ich freu mich aber auch auf Songs wie Boring Ideas, der einfach nur reinknallt.

    Dascha: Ich muss zugeben, dass Funeral mich am Anfang beim Single Release nicht so abgeholt hat, aber nachdem ich ihn live erlebt hab, ich doch sehr in love bin und ihn ständig höre. Das ist irgendwie der Leoniden-Effekt.

    Jakob (Leoniden): Ich glaube das bleibt bei uns auch so, aber das find ich auch gut so. Liveshows sind quasi immer der Schlüssel zu unserer Musik. Das ist auch der Grund, wieso wir nie einen Erfolg im Ausland haben könnten ohne da gespielt zu haben. Man muss das einfach mit uns live verknüpfen. Das find ich aber auch toll, das macht die Liveshow unersetzlich. Auf der Platte sind Live-Leoniden und Album-Leoniden zwar näher aneinander, aber sie sind natürlich nicht das gleiche. Können sie wahrscheinlich auch niemals sein.

    Dascha: Voll, genauso hab ich euch damals angefangen zu hören. Einmal auf einem Festival gesehen und direkt komplett überzeugt.

    Jakob (Leoniden): Das ist einfach die Leoniden-Lovestory!

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    Dascha: Oh ja, das ist bei fast jedem, den ich kenne, mit eurer Musik so gewesen. Auf dem neuen Album gibt’s ja absolut keine Grenzen, vor allem keine Genregrenzen. Woher stammen die musikalischen Einflüsse? Fiel es euch schwer, euch von eurem gewohnten Sound, auch wenn ihr schon immer vielseitig wart, loszureißen?

    Jakob (Leoniden): Nö, gar nicht! Das war mega easy. Es war nur eine Entscheidung. Wir mussten ja auch nicht noch neu studieren wie man Grunge-Akkorde schreibt, das war alles schon drin. Ich glaube wir sind fünf sehr wild musikalisch sozialisierte Leute, man könnte uns den Hahn zu neuer Musik einfach abdrehen und wir würden trotzdem unendlich viel Musik weiterschreiben können. Wir sind alle so voller verrückter Ideen. Es war nicht schwierig, wir haben irgendwann gesagt „Können wir das machen?“ und dann gesagt „Ja, natürlich!“. Es ist 2021, Leute teilen sich eh nicht mehr in Rap- und Rockhörer*innen auf. Selbst die größten Indieheads kennen alle B-Seiten von Travis Scott. Aber von Bands erwartet man immer noch voll, dass sie ein bestimmtes Genre fahren. Das finde ich eigentlich ein bisschen weird. Man muss nicht sein Leben lang nur Grunge studiert haben, um es zu machen. Na gut, so hab ich angefangen, mit Nirvana Covern (lacht). Aber ich find das völlig in Ordnung und ich finde das Korsett, das man sich als Band anzieht, ein bisschen altbacken.

    Dascha: Ist ja im Endeffekt für die Hörer:innen auch interessanter.

    Jakob (Leoniden): Ja, voll! Es ist auf eine Art und Weise auch eine größere Challenge. Es gibt ja auch Leute, die sehr verkopfte, anspruchsvolle Musik mit sehr langen Songs und vertrackten Rhythmen wollen und das ist eine Art von Abenteuer, auf das man sich einlassen kann. Aber bei uns ist es halt anders. Bei uns ist es manchmal wie eine hakende CD zwischen den frühen 2000ern und jetzt und einem fliegt alles um die Ohren. Stück für Stück kann man es ganz einfach konsumieren, aber so im gesamten Kontext fordern wir schon ein bisschen Offenohrigkeit. Deswegen hören wir bei jedem Release in den Reviews auch oft sowas wie „Die sollen sich mal entscheiden, das ist viel zu wild“. Und ich denk mir so eyyy maaaann, hör es dir doch erstmal zehn Mal an. Zu wild? (lauter werdend) Zu viel auf einem Album? Was soll das denn heißen? Ich glaub, mein Kopf platzt. (lachend) „Das Album kann man so schlecht einfach nebenbei hören“, na gut mein Freund, dann freu dich doch!

    Dascha: Stimmt, zu viel kann es eigentlich nicht geben. Ihr habt auf dem Album auch zum ersten Mal Features drauf. Wie kam es zu dieser Entscheidung jetzt andere Künstler*innen mit bei euch rein zu lassen? War das anders?

    Jakob (Leoniden): Das ist ein guter Punkt! Bei den Alben davor war es wirklich explizit nicht so. Da war es uns sogar wichtig, dass wir keinen Platz für Features machen. Die Feature-Entscheidung kam jetzt ziemlich am Ende, die kam erst dieses Jahr. Da waren ein paar der neueren Songs noch nicht vollendet besungen, dann haben wir daran gedacht, wie nice es wäre Erik von Pabst da drauf zu haben. Und dann dachten wir, kommt, wir überlegen mal, wer featuren könnte, wenn wir Features machen würden. Dann war es ganz schnell klar und alle hatten mega Bock. Alles ging super schnell, einfach voll geil. Ich mag den Schulterschluss daran, dass wir damit sagen, wir als Indie-Bubble können auch zusammen Musik machen.

    Dascha: Ich finde die Features sind auch passend gewählt! Wie ist denn eigentlich der Name des Albums entstanden? Wer hatte die Idee?

    Jakob (Leoniden): Definitiv Lennart. Er am aber zunächst an mit „Leute wie wärs wenn wir das Album Complex Happenings Reduced To A Simple Design Which Enables The Individual To Make It’s Own Bad Decisions nennen?“ und wir alle so „Boah, Lennart, den nehmen wir!“ Zwei Tage später gedacht, dass es doch ein bisschen übertrieben ist. Aber dann ist uns aufgefallen, dass die Hälfte dieses Satzes schon viel mehr für uns aussagt, als es der vollständige Satz es getan hätte. Das ist zum einen, das, was wir beim Songs Schreiben machen. Ich meine, wie hoch kann man denn bitte greifen, wenn man ein Lied L.O.V.E. nennt und es geht nur drei Minuten lang? Das ist schon ein Widerspruch in sich, Menschen versuchen seit der Entstehungsgeschichte der Menschheit Liebe zu verstehen und schaffen es immer noch nicht. Und dann kommen wir mit einem drei Minuten Song an. Aber das ist natürlich ein subjektiver Auszug aus dem Liebesthema, den wir dann darein gebracht haben. Hinter der ganzen Arbeit, die dahinter steckt, bleibt dann am Ende immer ein sehr simples Design. Dann kam noch das Albumcover von No Talent dazu, die brennende Welt. Dann war es einfach komplett klar, dass das Album so heißt. Angewandt auf verschiedene Themen hat es einfach was in uns ausgelöst. Dass man sagt, hey, die Welt brennt, das kann ich dir ganz einfach zeigen. Aber die Gründe dafür – puh, nicht so simple.


    Dascha: Wirklich eine sehr schöne Antwort! Von hier mal zu New 68: Wie kam es dazu, dass ihr einen politischen Song, vor allem mit den Videos dazu, veröffentlich habt? Gab es einen bestimmten Auslöser dafür? Findest du Bands sollten sich mehr politisch positionieren bzw. hast du das Gefühl, dass ihr damit etwas anregt oder bewirkt?

    Jakob (Leoniden): Der Auslöser war definitiv unser Konzert bei der Fridays For Future Demo 2019 in Hamburg. Weil da einfach 12 Tausend Schüler*innen waren, die für eine Sache einstehen, die die Generationen darüber verkacken und sie das aber ausbaden müssen. Ich fand das krass, wie sehr die das alles begriffen haben. Wir sind auch schon immer politische Menschen gewesen und oft auf Demos gewesen, aber früher war die Bewegung, die Menschenwürde und Nachhaltigkeit auf Platz 1 fordert, noch nicht so groß. Ich finde es mega wichtig- (wird von JP, dem Bassisten der Band, aus der Ferne unterbrochen)

    (Rufend und jubelnd) Jaaaaa, geil! JP meint, wir laufen grad im Radio, mega geil!

    Dascha: Nice, welcher Song?

    Jakob (Leoniden): Warum auch immer: Where Are You. Aber ist auch ein geiler Song! Ehm, ja, also ich fand die Demo sehr inspirierend. Und ich finde es super wichtig, dass Leute mit einem Publikum, das ihnen vertraut, eine politische Haltung haben, die sie auch kommunizieren, wenn es gefragt ist. Ich finde es aber nicht so wichtig, dass jede Band, jede Künstlerin oder jeder Künstler politische Musik macht. Ich finde in Musik darf es auch um andere Themen gehen. Witzigerweise hab ich letztens ein Interview von uns gefunden beim Kosmonaut Festival, das war so drei Wochen nach der Fridays For Future Demo. Da wurden wir gefragt, ob wir nicht irgendwann mal einen politischen Song machen wollen. Da meinten wir „Hm, joa, vielleicht probieren wir es beim nächsten Album mal“, das hatte ich vergessen, aber jetzt ist es einfach passiert. Und zum letzten Teil deiner Frage – ja, wir haben total das Gefühl, dass es etwas gebracht hat. Es ergab sich echt viel Diskurs daraus. Erstmals gab es auch viel Fläche darüber zu reden, so wie jetzt hier zum Beispiel, das ist auch sehr gut. Mir selbst hat es auch wirklich viel gebracht! Ich als links-zeckig groß gewordene Person hatte immer ein zwiespältiges Verhältnis zu parlamentarischer Politik. Das konnte mir Aminata (Touré) aber total augenöffnend erklären.

    Dascha: Richtig schön! Ich hab letztens auch eine Doku im Fernsehen geschaut, in der sie viel gesprochen hat, das war echt interessant.

    Jakob (Leoniden): Ja, oder? Sie ist echt eine krasse Persönlichkeit!

    Dascha: Ja, das glaub ich auch. Habt ihr eigentlich schon mal darüber nachgedacht, wie es musikalisch in Zukunft für euch weitergeht? Weil ihr auf dem Album schon so viel verschiedenes ausprobiert habt. Besteht da vielleicht der Gedanke, das auf dem Nachfolger nicht steigern zu können?

    Jakob (Leoniden): Ich weiß, es ist noch zu früh, um das zu sagen, aber ich muss es einfach sagen: Wir haben schon angefangen weiterzuschreiben. Einfach sofort angefangen. Wir haben jetzt schon fünf neue Skizzen für Songs. Und – schnallt euch an, ey (lacht). Es gibt noch viel viel viel zu tun. Genau das meinte ich vorhin, ich glaube Kreativität ist ein bodenloser Brunnen. Es ist unerschöpflich. Und ich glaube, wenn man uns in einen Keller sperrt und sagt „Schreibt Musik“, dann hören wir erst auf, wenn wir rausgelassen werden. Ich mache mir gaaaar keine Sorgen, dass wir irgendwann denken „Was machen wir jetzt, wir haben schon alle Genres der Welt gemacht“, das wird einfach nie passieren.

    Dascha: Yay, sehr gut! Du hast vorhin gepostet, dass du dir ein Tattoo stechen lassen hast, war das wirklich noch heute morgen?

    Jakob (Leoniden): Ne, ne, das war auf dem About You Pangea Festival. Der Fahrer und Fotograf von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys hatte eine Nadel dabei, dann hab ich mir von ihm das Blue Hour Auge stechen lassen.

    Dascha: Ah, sehr cool! Dann sind wir hiermit schon bei der letzten Frage. Die ist bei uns immer eine untold story, also ein kleines Geheimnis oder eine Geschichte, die du noch nicht öffentlich geteilt hast.

    Jakob (Leoniden): Ja, ich hab eine Geschichte! Magnus Wichmann, einer der beiden Produzenten, ist ein langjähriger Freund von uns. Schon bevor ich bei den Leoniden war, waren wir schon super gut befreundet. Der war auch bei unserem DIFFUS Musikvideo Dreh dabei, bei dem wir Augenklappen anhatten, was wir für Freaks gedreht haben. Magnus ist eher etwas soziophob und manchmal etwas körperklausig. Er saß alleine in einem Boot und hat sich schön viel Bier reingeballert. Dann beim Aussteigen aus dem Boot – er war schon sicher auf dem Steg – ist er ungelogen 20 Sekunden lang gefallen. Kennst aus dem Deichkind Video von Richtig Gutes Zeug diese Szene, wo Lars Eidinger vor dem Bierregal hängt? So, aber noch viel geiler! Es war die beste Szene, die an diesem Tag passiert ist, die hat keiner gesehen außer uns fünf. Wir standen da auf einer Brücke, haben Magnus gesehen und er uns auch. Er ist wirklich einfach 20 Sekunden lang gefallen, das war das Beste, was ich dieses Jahr gesehen hab! Ich kann es leider nicht vormachen, ich kann es nicht zeigen, aber es ist für immer hier drin (klopft aufs Herz). Ich liebe dich Magnus, ich liebe dich über alles!

    Dascha: Sehr schöne Geschichte. Ich danke dir für deine Zeit, bis bald!

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    Foto Credit: Joseph Strauch
  • OSKA und Stu Larsen im Interview: „Feeling the connection with the crowd is the best thing in the world.“

    OSKA und Stu Larsen im Interview: „Feeling the connection with the crowd is the best thing in the world.“

    Diese zwei sanften Stimmen haben sowohl musikalisch als auch freundschaftlich zusammengefunden und waren nun vor kurzem gemeinsam auf Tour im Rahmen der Acoustics Concerts. Die Rede ist von der Österreicherin OSKA und dem Australier Stu Larsen. Sie ergänzen und unterstützen sich; Sie als Newcomerin und er als gestandener Musiker, der bereits seit über 10 Jahren Musik veröffentlicht. Die beiden Singer-Songwriter waren so lieb uns während ihrer Tour ein paar Fragen zu beantworten.

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    Dascha: Hey, how are you doing at the moment?

    Stu Larsen: We’re real good! We played to a wonderful crowd last night in Hamburg and we now have an unexpected day off due to one of the shows being cancelled. I’m catching up on a few things and OSKA has disappeared to the sea for the day, I don’t think she gets to do that so often living in Vienna.

    OSKA: I‘m answering these questions one day after our day off, getting a bit emotional reading Stu‘s answers. I’m feeling very good after having been to the sea for a few hours yesterday. But now I‘m excited for the show tonight in Essen. You really miss playing once you get used to doing it every day. The day off was lovely but also felt a bit odd. 

    Dascha: How does it feel to be on tour now? What is your favorite thing about playing live? 

    Stu Larsen: I cannot tell you how amazing it is for me to be on tour again, it’s really been a long time since a proper tour. I love being on the road and hanging out with different people in different cities along the way. There is nothing like playing live, feeling the connection with the crowd at each show is the best thing in the world. Something special happens when a bunch of people come together for the same reason and are all embracing the moment together. 

    OSKA: It‘s my first tour so I have nothing to compare the experience to but I‘m still aware of how special it all is. My bandmates are my friends, Stu is my friend – we‘re constantly meeting lovely people (potential new friends) while doing what we all love so much. I‘m just trying to take everything in, time tends to slip away when you’re out of your comfort zone. I’m constantly pushing myself and learning a lot from my more tour-experienced bandmates and especially learning a lot from Stu. He‘s really good at touring and I‘m not even talking about the music part. He‘s incredibly kind to everyone and you can always count on his help and support. He’s definitely the person I want to become on tour and I’m really grateful to have the chance to watch him do his thing and learn from him. 

    Dascha: How did you two get to know each other?

    Stu Larsen: We were first introduced to each other by Nettwerk and there was a suggestion that we could maybe try to record something together. OSKA and I got on the phone together and had the loveliest conversation, it was a good vibe for both of us…I hope…? And a week later I took a pretty big detour to Vienna to hang out for 24 hours and see what might happen. It was magical, that one day in Vienna. It quickly felt like we had been friends forever.

    OSKA: What Stu said. And yes, there definitely was a good vibe from the start. Though Stu told me later that he thought I didn‘t like him after that first phone call. I tried to play it cool. Apparently I played it a bit too cool. 

    Dascha: If you had to describe each other in three words, what would that be?

    Stu Larsen: OSKA is hilarious, connected and soon-to-be-very-famous. That counts as only three words right? 

    OSKA: Stu’s sweet, adventurous, hell-of-a-good-friend+scotch-and-people-loving. Stu also got more words.

    Dascha: Stu, what is your favorite thing about Oska’s music and Oska what is your favorite thing about Stu’s music?

    Stu Larsen: I adored OSKA’s music from the moment I heard it. The songs are so thoughtfully written both lyrically and melodically and then you add in all the production elements in the studio and it’s perfect. She knows how to write these beautifully catchy songs and I can’t wait to hear more and more in the coming years.

    OSKA: Haha, this is turning into a love letter to Stu. I love his music cause it reminds me of the music I grew up with. Great story telling delivered by a beautiful voice. He’s sometimes stealing my band to play with him on tour but he honestly doesn’t need much to accompany him. He carries it all so well cause he IS his music (if that makes sense) His music is personal and his heart is in every song. That‘s probably what I like most about it. 

    Dascha: What are your favorite instruments and why? 

    Stu Larsen: To play, guitar for sure. But I think my favourite instrument to listen to is the cello. I always dreamed that I would fall in love with a cellist and travel around playing music together. Another favourite is the harmonica, especially when it’s being played by Natsuki Kurai. 

    OSKA: I love the sound of a well played violin. I played the violin for five years and I never got it to sound good. It‘s such a hard instrument to play. But when it‘s played well, it‘s probably my favorite. I personally love playing guitar. It‘s way easier and I like how it helps me to carry my stories. 

    Dascha: What gives you strength during hard times? Except for music.

    Stu Larsen: Disconnecting from the world, closing the laptop, turning the phone off and disappearing into the wilderness. I want to do more of this all the time. 

    OSKA: Family, going home, talking to a friend and going for walks.

    Dascha: What places, where you haven’t been yet, would you like to travel to?

    Stu Larsen: Over the last decade or so I think I have been to 54 countries, so I have been super lucky to go to a lot of places that I only ever dreamed that I would get to visit. Faroe Islands are high on my list and Alaska too, someday I’ll get there. 

    OSKA: I probably just want to see as much as I can. I don‘t really have a specific place I wanna go to. But I‘d like to also live somewhere else at some point. Even if it‘s just for six months or so. 

    Dascha: What is something music-related that you would definitely like to do in the future? Any special dreams or goals?

    Stu Larsen: It’s so interesting to answer this question from two different stages in life! OSKA is just at the beginning and everything is still in front of her and I am sure there will be some incredible moments in the next months/years. For me, I never had any dreams or goals, other than making enough money to get to the next place. I’ve been so lucky to travel and play shows to crowds all around the world and have done so much more than I ever thought I would. I honestly never thought I would leave Australia when I was younger. My manager probably won’t like this answer haha but I never really have goals/dreams and I am so happy to just embrace everything that comes along. 

    OSKA: I do see myself being on the road, on stage, writing and recording music. There‘s also something more specific I have in mind for maybe the third album. My dad lives on a small island in Greece. I only get to spend a few weeks there per year. But I‘d love to live there for a while. Invite some friends; write songs and record live sessions at some of my favorite places there. The island feels like a big part of me I haven’t fully embraced in my music yet. 

    Dascha: At the end we always ask for an “untold story”. Like a little secret or fun fact you haven’t really told in public yet. Is there anything each of you would like to share?

    Stu Larsen: I almost died in the jaws of a black jaguar while someone pointed a gun at me in Mexico back in 2013 on tour with Passenger. PS.: I think OSKA is one of the coolest and most loveliest people on the entire planet and I want the whole world to fall in love with her and her music. 

    OSKA: I‘m secretly worried about Stu‘s lifestyle now. Haha

    Hört hier bei beiden Artists rein:

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    Foto Credit 1: Stu Larsen, Tim Cavadini Foto Credit 2: Fabian Edelbacher
  • Surf Curse im Interview: „Music is such a huge part of being connected with humanity“

    Surf Curse im Interview: „Music is such a huge part of being connected with humanity“

    An Surf Curse kommt man schon lange nicht mehr vorbei. Und wenn doch, dann spätestens jetzt nicht mehr. Ihre Außenseiter-Teenie-HymneFreaks“ ging nun nämlich unglaubliche acht Jahre nach Veröffentlichung viral! Meiner Meinung nach kein Wunder – der Song verkörpert musikalisch ein Gefühl, das beim Hören in einen Coming of Age Film versetzt, irgendwo nachts, irgendwie ganz verloren, ein bisschen morbide. Nach diesem Gefühl sehnen sich junge Menschen heute genauso die damals. Ursprünglich 2013 auf ihrem Debüt-Album „Buds“ erschienen, wurde der Song in 2021 blitzschnell so erfolgreich wie keiner ihrer bisherigen. Das schließt ihn plötzlich unter anderem in die Top 80 der globalen Spotify-Charts und sogar in die Top 10 der Spotify-Viral-Charts in Deutschland und Österreich ein. Um diesen Erfolg zu zelebrieren veröffentlicht das Duo jetzt endlich ein, etwas verspätetes, Musikvideo zu Freaks.

    Kurz ein paar Fakten zur Band: Nick (Gesang, Drums) und Jacob (Gitarre), aus denen Surf Curse besteht, kommen aus den USA und machen seit 2013 in dieser Konstellation Musik, die mit einer Mischung aus Indie, Garage und Surf Rock eine einzigartig rohe, ehrliche, leicht düstere Stimmung erzeugt. Obwohl sie musikalisch wie eine kleine Underground-Band klingen, kommen sie nun doch im Mainstream an. Vor allem spielt dabei TikTok eine große Rolle, denn damit wurde Freaks auf fast 180 Millionen Spotify-Streams katapultiert und wurde zum Hit mit Identifikationspotential. Mit über 9 Millionen monatlichen Spotify-Hörer*innen sind aber nicht nur Surf Curse erfolgreich, sondern nebenbei auch Nicks Solo-Projekt Current Joys, das über 4 Millionen monatliche Hörer*innen mit ruhigeren, verträumten und melancholischen Songs versorgt.

    Zugegebenermaßen haftet an Surf Curse nun häufig ein schlechtes Image, da vor einiger Zeit Beschuldigungen, die Band habe jemanden auf einer Party sexuell belästigt, auf Instagram veröffentlicht wurden. Nach einem öffentlichen Aufschrei (was ich sehr befürworte, denn die Musik- und Konzertszene sollte immer ein sicherer Ort für alle sein) löschte die betroffene Person jedoch den besagten Instagram Post, zog die Anschuldigungen zurück und entschuldigte sich, da die geschilderten Ereignisse nicht wahr seien. Auch Nick und Jacob veröffentlichten jeweils ein Statement dazu, dass sie nicht rechtlich gegen die Person vorgegangen seien und sie den Post aus freier Entscheidung löschte. Auch, dass die Geschichte nicht wahr sei, sie nie auf der benannten Party waren und darüber, dass auch sie aktiv dazu beitragen wollen, dass die Szene ein sicherer Ort bleibe und dass man mutigen Sexual Assault Survivors im Normalfall glauben solle.

    Sowohl Surf Curse, als auch Current Joys begleiten mich mit ihrer Musik seit einigen Jahren und ich denke es gibt kaum bessere Alben, die man nachts oder – ehrlich gesagt – zum Heulen hören kann. Die traurigen, oft dunklen Texte „My head is filled with parasites / black holes cover up my eyes“ wie in Freaks untermalen den lässigen DIY-klingenden Garagen-Sound und treffen dabei genau den „Wieso-versteht-mich-denn-niemand“-Nerv. Passend zum heutigen (05.08) Release des Musikvideos habe ich Nick und Jacob ein paar Fragen zu dem späten Erfolg von Freaks gestellt.

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    Acht Jahre nach „Freaks“

    Dascha: Hey guys, I’m glad we could make this happen. How are you doing right now?

    Jacob: We’re doing great.

    Nick: We’re doing okay right now, yea.

    Jacob: You know, like losing our minds a little bit but also staying afloat.

    Dascha: You seemed to disappear for like a year, at least on social media. How did you spend that time?

    Nick: In reality, the cold, harsh real world.

    Jacob: I mean, Surf Curse wasn’t really doing anything during that time period because Nick was doing Current Joys stuff, I was working on my own stuff and the pandemic happened. And you know, it was really hard to just get together and do whatever. It wasn’t until things started popping off on the viral TikTok sensation that we could actually get back together and do Surf Curse stuff. The thing about Surf Curse is like, you know, we live our lives before we set everything around the band, like we’ve done that over time. There have been different times where we didn’t really get to work on stuff because we were off elsewhere; like sometimes I’d be living in Reno, sometimes Nick would be living in New York vice versa, same place, LA all over. So it’s always about living life, before everything is just always about the band.

    Dascha: Now, so many years after Freaks has been originally released, the song is going viral. Did you ever expect that to happen?

    Nick: Oh yes, we’ve been waiting on it.

    Jacob: Don’t you think that it was bound to happen?

    Nick: I don’t know if I said that but I think it actually was kind of surprising.

    Jacob: Yes.

    Nick: I mean it was less surprising because the Current Joys thing happened, like the [Current Joy’s] „New Flesh“ thing happened and then it happened with „Freaks“ and that I was like: Oh, this makes sense because „Freaks“ is kind of like Surf Curse’s New Flesh„.

    Jacob: Structurally they’re kind of like similar songs. It’s like a riff over the whole song that plays the whole time and then a chord change. So if you really want to break it down, how to write a hit TikTok single, that’s all you got to do.

    Dascha: And how are you feeling about that success? I mean, there are a lot of artists who don’t like their own old music anymore.

    Jacob: Well, we’ve always loved Freaks. I mean, I’ve been saying this a lot lately, but we’ve never taken it off our set list. There have been songs that we’ve taken off the back, you know, that are very popular. But Freaks has always been the one song that just has stayed on and we love it. But as Nick said before, it’s like it’s taken on a new meaning; playing it live after all these years has just been like a fun song to play. You know, it’s like, oh, that’s one of the classics but after hearing it now again, it does feel like there’s a resurgence in us that makes us like a lot more.

    Nick: Yes, I feel like I also fit in with the belief that so many artists don’t like their own music like I don’t really love my old music, I don’t love playing it, you know. Like there are songs of ours that we hate playing live, but people will scream.

    Jacob: Those are the most requested songs.

    Nick: Yes, the most requested songs are the ones that we don’t play and people get really bummed about it but we still won’t do it because we just don’t want to play them. But Freaks holds the test of time for us, which is good. Thankfully it wasn’t like… well I won’t say, I’d rather not say.

    Jacob: Could you put that as a mystery?

    Dascha: Do you think there’s a specific reason why Freaks became so popular right now?

    Nick: I think it’s just because TikTok is so hot right now, like Jacob said, yeah. TikTok is just such an interesting, weird way to experience the world and be connected with people. Like, if you go on it, you can just see some farmer in some random country doing like a back flip off of their house. You know, it’s like, this weirdly personal intimate thing that so many people needed during isolation and lockdown and everything because it was like this weird way to experience the world and feel connected with humanity. And our song just like slithered its way in there. So, music is such a huge part of being connected with humanity so I think it was like – right place, right time.

    Dascha: Can you tell me more about the time you wrote Freaks? What was the process and the thought behind the song?

    Nick: Well, I remember I was singing it wrong; we were playing it in my basement. Jacob showed me the song and it was like [singing] and I was singing it [singing], I’m just a freak. I’m just a freak, not actually like that. But Jacob was like; you don’t have to sing along with the riff, sing it separately. And then that was the golden ticket. And the song is about this graphic novel black hole which is about all these teenagers getting like an alien STD and feeling isolated from the world around them while also still trying to be loved, you know?

    Dascha: Would you do anything differently if you wrote and recorded Freaks for the first time in 2021?

    Jacob: No, I mean… the thing about it is it sounds so much of its time, I mean, we recorded the original version in the basement that we lived in, on Surf Curse Demos (Hier geht’s zur ersten Demo-Version), and then the Buds version we recorded in like a music venue in Los Angeles, a place called Smell. And I think people can pick up on the sense in time, and, you know, the low-fi, DIY energy of it, like that feels like more real than anything. That being said, we did re-record a version. That feels good, feels like it enhances everything. We had to record it for Atlantic. But, I think another reason why the people are picking up on it so much is because of the rawness and it kind of has like that hidden, humanistic and vulnerability of what the song is. There’s just an honesty to the recording and the lyrics and the vibe of the song.

    Dascha: What is your personal favorite Surf Curse song?

    Nick: My personal favorite is „Trust„. I feel like that song should go viral.

    Jacob: It is so beautiful sounding, like the structure of it and just the sound of everything like the backing, the recording. It’s such a beautiful fucking song I think. My second is „Midnight Cowboy„, I’m very proud of that song. Personally, I’m proud of doing this song, writing that song. But I mean I genuinely love so much of what we’ve done.

    Dascha: Midnight Cowboy is definitely one of my favorites! Can we expect new Surf Curse music soon?

    Nick: Yes, you can. Maybe not so soon, but hopefully soon.

    Jacob: Yes, we have half the songs written, so that’s good.

    Dascha: For the last question, we always ask for an „untold story„, a story you haven’t told in an interview yet or a random fact that most people don’t know about you. Do you have anything in mind?

    Nick: There’re too many: The Untold Story of Surf Curse. Well, we started the band because we got into a fight. We were living together and we got into a fight. And then we were like, we just need something to do together that’s productive. Like, we should just start this band now. And then Jacob moved out and we started the band.

    Jacob: Yes, we were living together and the tension was so high there because I was in a couple. And then he was like there, you know?

    Nick: And I didn’t do my dishes.

    Jacob: …And didn’t do the dishes. And I was like, we’ve got to move out, but as soon as we did that me and Nick became closer and wanted to do music and stuff. The funniest thing about the fight was that I was so mad at Nick and I was going to go and yell. It was for the dumbest thing in the world and I was going to walk over and talk to him. On my walk there I was like, this is stupid. Why am I mad at Nick? And so I just saw Nick and I was like, I’m sorry. I don’t want to be mad at you, the last thing I want to do is be mad at you.

    Hier geht es zum lang ersehnten Musikvideo zu Freaks, bei dem die beiden Regie geführt haben:

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    Foto Credits: Julien Sage

  • Tiemo Hauer im Interview: „Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt.“

    Tiemo Hauer im Interview: „Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt.“

    Diesmal handelt es sich hier nicht um die Vorstellung eines Newcomers, sondern einen bereits längst etablierten Künstler. Wenn man auf Tiemo Hauers Spotify-Profil klickt, sieht man schnell, dass er in den letzten zehn Jahren schon einige Singles und Alben veröffentlich hat. Immer sehr geschickt wortgewandt, hat Tiemo Hauer keine Scheu offen und ehrlich mit Themen innerhalb seiner Texte umzugehen. Ob herzzerreißender Liebessong oder Song, der von den Missständen der Gesellschaft handelt, Tiemo findet genau die richtigen Worte dafür und sorgt damit nicht selten für Gänsehaut. Dieses Jahr veröffentlichte er zwei neue Singles in positivem Sound-Gewand, die definitiv neugierig auf kommende Projekte machen. „Zeit mit Schleife“ hat mit seiner humorvollen Art gepaart mit selbstreflektierenden Einsichten sofort bei mir gepunktet, wobei „Weisst du noch damals“ trotz mitschwingender Melancholie Potential für einen persönlichen Sommer-Hit 2021 hat. Nun präsentiert Tiemo seine Songs diesen Sommer ab dem 25.07. in sieben Städten auf den Bühnen der Acoustics Concerts-Reihe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das schlichte Akustik-Format perfekt zu Tiemos Musik passt, seine gewählten Worte nur noch mehr unterstreicht und ein Gefühl des Wohlseins hinterlassen wird.

    Dascha: Hey Tiemo, danke für’s Zeit nehmen! Wie geht’s dir im Moment?

    Tiemo: So weit so gut würde ich sagen. Ich freu mich riesig, dass es langsam wieder los geht mit Live-Shows und Veranstaltungen, aber mir ist auch bewusst, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist und es aktuell noch einige andere Probleme auf der Welt gibt, die mir oft schwer auf der Brust liegen.

    Dascha: Mit was verbringst du deinen Sommer 2021 bisher?

    Tiemo: Um ehrlich zu sein, verbringe ich bisher die meiste Zeit des Sommers damit Möbel herum zu tragen. (Es gab ungewöhnlich viele Umzüge im engsten Familien- und Freundeskreis.) Wenn ich keine Möbel trage, probe ich für die kommenden Konzerte. Die Abende verbring ich gerne mit Hund im Garten eines Freundes, der bei mir in der Straße wohnt. 

    Dascha: Wie fühlt es sich für dich an, schon so bald bei den Acoustics Concerts eine Tour zu spielen? Was hat dir am meisten am live Spielen gefehlt?

    Tiemo: Ich freu mich riesig. Meine letzte Tournee ist über fünf Jahre her. 2020 wäre es eigentlich endlich wieder losgegangen, aber was dann kam wissen wir alle. Die Acoustics Concerts sind für mich der perfekte Wiedereinstieg ins Tourleben. Die letzten Touren bin ich immer mit fünfköpfiger Band gefahren. Diesmal bin ich ganz alleine mit dem Piano unterwegs. Das wird aufregend und ein bisschen wie am Anfang meiner Musikerlaufbahn. 

    Dascha: Du machst ja nun schon ziemlich lange Musik. Wie würdest du sagen, dass sich deine Musik bis hierhin entwickelt hat und was hatte darauf besonderen Einfluss?

    Tiemo: Den größte Einfluss auf die textliche Komponente hatte wohl das Älterwerden und die damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung an sich. Zwischen dem Schreiben meiner ersten Songs und heute liegen bereits 16 Jahre. Musikalisch habe ich schon allein durch das Spielen mit unterschiedlichen, wunderbaren Bandkolleg*innen unglaublich viel gelernt. Natürlich haben sich auch meine Hörgewohnheiten über die Jahre verändert. Ich habe viele neue Genres, Künstler*innen und Bands für mich entdeckt und so das Feld der Einflüsse unterbewusst immer größer gesteckt. 

    Dascha: Du hast einige sehr emotionale und, ich gehe davon aus, persönliche Songs. Was macht es mit dir einen emotionalen, persönlichen Song zu schreiben? Fällt dir das leicht?

    Tiemo: Umso intensiver ein Gefühl ist, um so leichter ist es für mich, es musikalisch wiederzugeben aber auch um so schwerer, die richtigen Worte zu finden. Ich merke auf jeden Fall, dass mir das Schreiben nicht mehr immer so leicht von der Hand geht, wie das als Teenager oder mit Anfang zwanzig noch war. Mein Anspruch an mich selbst ist höher, ich denke mehr nach und hinterfrage mehr. Das hat Vor- und Nachteile. 

    Dascha: Außerdem hast du ja auch gesellschaftskritische Inhalte in Songs wie in „Herzlichen Glückwunsch!“. Ist es dir wichtig, solche Themen auch musikalisch zu verarbeiten?

    Tiemo: Es ist mir sehr wichtig. Genau bei solchen Themen, werde ich meinen eigenen Ansprüchen aber auch viel seltener gerecht. Oft verpacke ich dann Dinge so lange in Metaphern, bis nur ich selbst noch verstehe, worum es eigentlich geht. Es gibt sehr viel, was ich noch sagen möchte und ich bin immer auf der Suche nach den richtigen Worten. 

    Dascha: Was sind deine eigenen Lieblinge von deinen Songs?

    Tiemo: Meine Lieblinge sind meistens meine aktuellsten Songs und die werden dann auch prompt mit dem Schreiben neuer Songs abgelöst. Manchmal flammt aber auch die Liebe zu älteren Stücken wieder auf. Das ist das schöne am Live-Spielen. Da kann ich Gedanken und Gefühle, die vielleicht auch schon eine Weile zurückliegen, gemeinsam mit dem Publikum wieder zum Leben erwecken. 

    Dascha: Welches ist dein liebstes Instrument und warum?

    Tiemo: Da gibt es immer wieder Phasen. Manchmal schreib ich einen Song nach dem Anderen an der Gitarre, manchmal frickle ich tagelang an Snyths, eine Zeit lang war es der Bass, der mir am meisten gegeben hat, dann wieder das Schlagzeug, aber meine große Liebe ist und bleibt das Klavier. Damit hab ich angefangen und es gibt mir das stärkste Geborgenheitsgefühl beim Musizieren. 

    Dascha: Deine aktuelle Single „Weisst du noch damals“ ist ja vor kurzem erst erschienen. Kannst du ein wenig den Hintergrund zu dem Song erläutern? Aus welchem Gedanken heraus ist er entstanden?

    Tiemo: Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt. In dem Song beschreibe ich die Beklemmung, die damit einher geht. Wenn man Dinge jahrelang für selbstverständlich oder normal hält und es dann irgendwann besser weiß, schämt man sich für unglaublich viel, was man davor regelmäßig gesagt oder getan hat. Manchmal möchte ich vor diesem „alten Ich“ einfach weglaufen. Darum geht es in dem Song. Das Bild „…damals, als man sich noch umarmt hat“ habe ich gewählt, weil das leider aktuell eine sehr greifbare zeitliche Einordnung ist. So lange ist es gar nicht her, aber es kommt uns wie eine Ewigkeit vor. So fühlt es sich auch manchmal an, wenn man etwas über sich selbst gelernt hat. In dem Moment, in dem man es verstanden hat, ist es unvorstellbar, dass man es nicht schon früher begriffen hat, auch wenn die Erkenntnis noch sehr jung ist.

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    Dascha: Wer oder was inspiriert dich musikalisch besonders?

    Tiemo: Mich inspiriert eigentlich alles, das ein intensives Gefühl in mir auslöst. Das können Gespräche sein, Bücher, Theaterbesuche, Songs, Filme oder jede andere Art von Kunst. Wenn es etwas mit mir macht, inspiriert es mich. Egal ob das ausgelöste Gefühl positiv oder negativ ist. Inspiration kann bei mir aus Wut, Angst, Freude oder Trauer entstehen, aber nie aus Gelassenheit. 

    Dascha: Was für Pläne und Ziele hast du für dieses Jahr noch?

    Tiemo: Es erscheinen noch ein paar neue Songs in den nächsten Wochen und eine EP im Herbst. Darauf freu ich mich sehr. Ansonsten möchte ich unbedingt noch mehr Konzerte spielen, viel schreiben, entdecken und lernen. Es gibt auch ein paar Dinge die ich schon lange machen möchte, aber bisher nie in Angriff genommen habe. Zum Beispiel wünsche ich mir seit Ewigkeiten neben der Musik Hörbücher zu lesen. Vielleicht schaff ich es ja noch dieses Jahr, diesen Traum mal anzugehen. 

    Dascha: Zum Schluss fragen wir immer nach einer Untold Story, also einem kleinen Geheimnis oder einer Geschichte, die die Öffentlichkeit vielleicht noch nicht von dir weiß. Fällt dir da was ein?

    Tiemo: Ich habe einen Chihuahua auf dem Hintern tätowiert. 

    Genießt Tiemo Hauers Songs in der Sonne und seht ihn nach so vielen Jahren das erste Mal wieder auf Tour bei einem der Acoustics Concerts! Zu allen Terminen geht es hier lang.

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    Foto Credit: Kim Hoss

  • Sweed im Interview: „Es ist voll okay sich zu öffnen, es ist voll okay nicht immer cool dazustehen“

    Sweed im Interview: „Es ist voll okay sich zu öffnen, es ist voll okay nicht immer cool dazustehen“

    Vergangenen Freitag veröffentlichte Newcomer Sweed endlich seine Debüt-EP Sweedside. 6 Songs, 21 Minuten, eine Reise durch sehr unterschiedliche Songs, unterschiedliche Sounds und unterschiedliche Themen. Vorab: Dieser Artikel dient als Hör-Empfehlung. Es ist erst Mitte Juli, es ist also noch Zeit genug sich die EP anzueignen und die Songs zu euren Sommertracks des Jahres zu machen, los geht’s.

    In welches Genre lässt sich seine Musik einordnen? Genau kann man das nicht sagen. Doch das möchte Sweed auch gar nicht genau definieren und präsentiert stattdessen stolz all seine Facetten. An musikalischer Diversität und an Sympathie mangelt es dem leidenschaftlichen Skater nicht. Grund genug ihn in eure Spotify-Mediathek aufzunehmen? Hoffentlich. Aber nicht nur das hat er, sondern auch die Fähigkeit, tiefe Themen, die ihn beschäftigen oder bedrücken in tanzbare sommerliche Vibes zu verpacken wie in Generation Z. Auch leichtere Kost wie in Summernight oder ehrliche, sensible Offenbarungen wie in Birdsong kommen nicht zu kurz. Auf der EP ist einiges in ein kompaktes Ganzes verstaut, was sich als erste EP definitiv gut zeigen lässt und schon mit den großen deutschen englischsprachigen Acts mithalten könnte. Das gesamte Ding fühlt sich erfrischend zwanglos und frei an.

    Eine weitere Sache die mir positiv aufgefallen ist, ist dass genug andere Themen als nur Liebe sich in den Songs widerspiegeln. Wow! Wow? Ohne zu zynisch wirken zu wollen: Eine weitere Veröffentlichung von Indie-Männern, die nur Lovesongs singen, hätte ich kaum überlebt. Dafür bin ich aber umso mehr in love in der EP! (Ein Wortspiel darf an dieser Stelle sein, wir sprechen hier schließlich von Sweedside.) Die Songs gehen erstaunlich leicht in’s Ohr – und bleiben dort auch. Den Rest erzählt Sweed aber selbst, in dem Resultat unseres Zoom-Gesprächs, in dem wir außerdem nebenbei festgestellt haben, dass wir beide Senf lieben.

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    Dascha: Hey, Niklas, freut mich, dass das geklappt hat. Wie geht’s dir im Moment?

    Sweed: Hey, Dascha! Mir geht’s mega, bis auf etwas EP- und Probestress. Wir spielen zur EP ja ein Konzert in meiner Heimat in Biberach vor tanzendem Publikum. Die Mitglieder der Band kommen extra aus Berlin und Dresden, wir treffen uns gerade hier in der Heimatstadt jeden Tag zum Proben, wir wollen das halt perfekt machen.

    Dascha: Wie kommt’s, dass deine Liveband so weit entfernt wohnt?

    Sweed: Die Jungs kommen eigentlich auch von hier und ich kenn sie von früher, früher waren sie die Band von Luke Noa. Aber die sind immer am Start bei sowas.

    Dascha: Kannst du dich kurz mal vorstellen, für alle, die dich noch nicht kennen?

    Sweed: Ich bin Niklas, bin 23 Jahre alt, wohne in Stuttgart und veröffentliche unter dem Namen Sweed Musik.

    Dascha: Deine EP kommt ja jetzt endlich! Wie fühlst du dich so kurz vor Release? Bist du aufgeregt?

    Sweed: Ich bin etwas aufgeregt, aber ich konzentriere mich gerade eher auf die Proben und im Hintergrund ist einfach gerade so viel los.

    Dascha: Wie lief der Entstehungsprozess der EP? Wie lange hast du daran gearbeitet?

    Sweed: Beim Entstehungsprozess war es so, dass ich eigentlich schon ein paar Songs ready hatte für die EP. Dann haben der Luke Noa und ich uns zusammen eingeschlossen im Oktober und haben die Songs alle produziert. Danach hab ich mich mit meinem besten Kumpel zusammen gesetzt, der die Grafiken macht, mit dem hab ich dann ein Konzept ausgearbeitet. Jetzt passt jede Single farblich aufeinander und die EP hat in ihrem Artwork dann alle einzelnen Farben der Single-Cover in sich. Birdsong haben wir damals auch schon produziert, das war ja dann der erste veröffentlichte Song.

    Direkt drei Wochen danach kam Never Belong. Dann hab ich mich kurzfristig umentschieden und habe noch Cold Desert geschrieben, den haben wir dann erst im Februar gemacht. Someone hab ich tatsächlich erst im Mai geschrieben, der wurde dann mit einem anderen Song ausgetauscht. Generation Z lag halt schon ewig rum und dann dachte ich mir „Boah, das ist halt ein Song, der ein ziemlich krasses Thema hat, aber irgendwie auch voll nach vorne geht. Der muss geil ausproduziert werden und muss eigentlich auf die EP.“ Dann sind wir extra nochmal in’s Studio gefahren und haben den mit echten Instrumenten aufgenommen, nichts digitales, nur durch analoge Sachen.

    Dascha: Hast du dich ursprünglich an einem bestimmten Konzept entlang gearbeitet oder sind die Songs komplett unabhängig von einander?

    Sweed: Ne, ich hab mich an nichts festgehalten. Das war am Anfang teilweise irgendwie ein Konzept und dann kamen spontan doch noch andere Songs drauf, statt den eigentlichen.

    Dascha: Someone klingt ja eher düsterer und rockiger, als deine anderen Songs. Was waren die Einflüsse dahinter?

    Sweed: Im Song geht’s einfach darum, dass man oft nicht man selber ist. Oft ist es so, dass wenn man eine Person kennenlernt, die man sehr cool findet, man ein bisschen das Verhalten oder Aussehen der Person adaptiert oder kopiert. Man macht dann nichts aus sich selbst heraus und lässt sich nur von außen beeinflussen. Social Media spielt da auf jeden Fall eine riesen große Rolle und macht sowas viel schlimmer. Der ist rockiger und düsterer, weil das Thema einfach ein bisschen ernster ist. Ich finde, dass die Dramatik des Themas einfach nicht rüberkommt, wenn man das instrumentell nicht auch zeigt. Deswegen habe ich den etwas düsterer gestaltet.

    Dascha: Und Generation Z hat auch ein bestimmtes Thema, kannst du mal deine Gedanken zu dem Song erklären? Geht ja thematisch auch in diese Richtung.

    Sweed: Wie eben auch schon erwähnt mit dem Social Media-Thema. Die Leute strahlen da nach außen, aber innerlich, egal ob wahrscheinlich bei dir im Freundeskreis oder bei mir – Wir sehen nach außen so cool aus, aber innerlich hat fast jeder Probleme und ist irgendwie am Arsch. Ich merk das voll in meinem Freundeskreis, dass innerlich alle so arg gebrochen sind und nach außen nur so eine Hülle zeigen. Aber es ist voll okay sich zu öffnen! Es ist voll okay, nicht immer cool dazustehen! Aber die Medien geben uns diesen Anschein vor und das ist einfach schade. Der Song hat ja am Anfang so ein bisschen diesen Urlaubs-Vibe, da ist alles so „Yeah, Skaten, Urlaub, Sommer, man nimmt Drogen und trinkt Alkohol“, aber am nächsten Tag sind wir wieder alle mit unseren Problemen alleine. Ich glaube, so geht es sehr vielen, die gerade im Alter zwischen so 19 und 24 sind.

    Dascha: Ja, das kann ich absolut aus Erfahrung bestätigen, so geht’s echt vielen! Was erhoffst du dir mit der EP bei den Hörer*innen zu erreichen? Welchen Vibe oder Eindruck?

    Sweed: Ich dreh die Frage mal um, welchen Eindruck hat sie denn bei dir hinterlassen?

    Dascha: Schwierig sich da genau festzulegen. Es waren auf jeden Fall total unterschiedliche Eindrücke bei Someone und dann verglichen mit zum Beispiel Summernight. Es war so ein auf und ab mit Überraschungen, aber ich hab’s genossen.

    Sweed: Und genau so soll es auch sein! Das ist die Sweedside EP, das beschreibt so die Seiten von Sweed. Ich hab da kein Konzept, es muss nicht jeder Song dem selben Genre entsprechen. Die Leute sollen einfach wissen, was ich auf dem Kasten hab und was ich zu bieten hab. Ich lasse mich einfach ungerne in eine Schublade stecken. Ich mache einfach das, worauf ich Bock habe und hoffe, dass es gut ankommt.

    Dascha: Eine Frage, die mich persönlich einfach interessiert, auch wenn sie wahrscheinlich schwer zu beantworten ist. Wieso kommen so viele gute Musiker aus Stuttgart? Merkt man vor Ort was davon, gibt’s da eine feste Szene? Wie wirkt sich das aus?

    Sweed: Dafür gibt’s keinen bestimmten Grund, es gibt auch keine feste Szene oder so. Wir wirken uns auch nicht aufeinander aus, würde ich sagen. Ich bin auf jeden Fall mit einigen Leuten dieser „New Generation“ an Stuttgarter Musikern connected, wir haben irgendwie unabhängig von einander ungefähr gleichzeitig angefangen Musik zu machen. Find’s super, dass wir uns untereinander pushen und supporten und nicht irgendwie ausgrenzen. Mit Zimmer90 bin ich zum Beispiel ziemlich cool, das sind super Jungs! (Zum Interview mit Zimmer90 geht es hier lang) Dickes Shoutout auch an Edwin Rosen und Flawless Issues!

    Dascha: Okay, das klingt ja nice! Hab das Gefühl es gibt jetzt diese komplett neue Welle aus Stuttgart mit Rikas, Edwin Rosen und co. Und früher gab es da, auch wenn das eher in eine andere Richtung geht, diesen Schwung an Stuttgarter Musik um Cro und alle drumherum, Maeckes, bzw. die Orsons, das war schon krass.

    Sweed: Ja, Chimperator war ja echt wie ein Imperium damals. Danju, SAM, alle die irgendwie was mit Cro zu tun hatten, waren alle von so einem großen Hype umgeben, das war richtig krass! Obwohl die ja aber auch alle nicht direkt aus Stuttgart kommen, sondern aus kleineren Orten in der Nähe, wie ich.

    Dascha: Ja genau, ich erinnere mich noch gut an diesen Hype um die Chimperator-Ecke, das war verrückt. Was für Bands und Artists feierst du im Moment selbst besonders?

    Sweed: Ich feier dauerhaft Alex Turner, für Arctic Monkeys, aber auch für The Last Shadow Puppets mit Miles Kane. Am allermeisten feier ich immer The Neighbourhood, ich finde Jesse Rutherford einfach unfassbar cool. Was mich zur Zeit mega inspiriert sind Sharktank aus Österreich.

    Dascha: Absolut, Arctic Monkeys kann ich einfach immer hören, das wird nie auch nur ansatzweise langweilig.

    Sweed: Und es ist einfach wirklich alles krass gut. Jedes einzelne Album!

    Dascha: Naja, Tranquility Base Hotel & Casino fand ich bis auf ein paar wenige Songs etwas… gewöhnungsbedürftig.

    Sweed: Ach ja stimmt, da waren die ersten beiden Songs nice. Naja, dann mein ich: Jedes Album bis hin zu AM war krass gut.

    Hast du noch bestimmte Pläne oder Ziele für dieses Jahr? Egal ob auf Musik bezogen oder nicht.

    Sweed: Mein großes Ziel ist es einen Partner zu finden, mit dem ich zukünftig an meinen Projekten arbeiten kann, der mich unterstützt und genauso Bock auf dieses Ganze Sweed-Ding hat. Ansonsten würd ich gern dieses Jahr mein Fernstudium abschließen.

    Dascha: Ich wünsch dir viel Erfolg dabei! Zum Schluss frage ich, wie immer, nach einer untold story. Hast du ein kleines Geheimnis parat?

    Sweed: Danke! Als untold story kann ich sagen, dass ich immer mit meinen Augen rolle und Leute nehmen das oft so wahr, als wär ich genervt, so dieser klassische Augendreher. Aber eigentlich ist das nur irgendein Tick und ich hab das gar nicht unter Kontrolle.

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    Foto Credit: Elena Pagano

  • Über Sehnsucht und Rastlosigkeit: JEREMIAS und ihr Debütalbum „Golden Hour“

    Über Sehnsucht und Rastlosigkeit: JEREMIAS und ihr Debütalbum „Golden Hour“

    Kaum eine Band ist in letzter Zeit so schnell so weit aufgestiegen wie JEREMIAS. Ständig ausverkaufte Shows, massenweise Fans, Fernsehauftritte, ihr Name ist überall zu hören – und nun auch ihr Debütalbum. Nach zwei EPs erschien am 28. Mai Golden Hour, das uns einen Einblick in die Lebensphilosophie und die Rastlosigkeit des Lifestyles der Band bietet. Durch die gesamte Platte zieht sich vor allem das Gefühl des „nie ankommen„, das sie sowohl textlich, als auch musikalisch so dynamisch macht. Mit ihrem ersten Album beweist die Band, dass sie sich jetzt schon weiter entwickelt hat, aber gerade erst am Anfang ihrer großen Reise ist.

    Immer Unterwegssein gemischt mit Liebe und Herzschmerz, das macht golden hour aus. Die vier Jungs aus Hannover erspielen sich damit einen großen Haufen neuer aufmerksamer Hörer:innen und Fans, für die das Album garantiert den Soundtrack ihres Sommers bilden wird. Vor allem spürt man durch alle Tracks hindurch die Leidenschaft von Oliver, Ben, Jonas und Jeremias, die hinter diesem Werk steckt. Doch nicht nur die Tracks beweisen das, sondern auch das Auge bekommt ein detailverliebtes stimmiges Ganzes rund um Design, Musikvideos, Fotos.

    Mit dem Instrumental-Intro xx beginnt das Album und steigert schon die Neugier und Erwartung seiner Zuhörer:innen. Übergehend in den zweiten Track sorry wird man direkt mitten rein geworfen. Kummer, die Einsicht der eigenen Fehler, eine Entschuldigung an eine geliebte Person. Man bekommt Ehrlichkeit und eine große Portion tiefster Emotionen direkt durch seine Kopfhörer geliefert. Alles im typischen warmen JEREMIAS-Sound, der selbst einen inhaltlich traurigen Song mit ganz easy zu tanzbarem Indie-Pop mit Disco-Feeling werden lässt.

    Nach dem emotionalen Einstieg folgt mit nie ankommen einer der Songs, der die Platte meiner Meinung nach wirklich ausmacht. „Ich bin so aufgeregt, ich bin auf dem Weg“ – der Song verkörpert die Rastlosigkeit, die die Band seit ihrem Erfolg erlebt, die Sehnsucht nach immer mehr und ihre Passion für das, was sie tun. Gewohnt funky und mit krass gutem Instrumental zwischendrin ist der Song absolut kompakt abgerundet und lässt verstehen wieso die Musik von JEREMIAS so gefeiert wird. Denn es ist genau dieser einzigartige Sound und dieses vermittelte Lebensgefühl, das mitreißt und nicht mehr loslässt. Genau passend zu dem Vibe des Songs gibt es ein sommerliches Musikvideo, das die Jungs im Urlaub zeigt.


    „Und wenn wir ankommen, dann seh ich das nicht ein,
    ich will nie aufhören, immer wach zu sein“


    Als nächstes folgt mit hdl ein poppiger Song, der sich perfekt zum mitsingen und für Live-Shows eignet. Zwar ist sich wahrscheinlich jeder einig, dass dies nicht der inhaltsreichste Song ist, jedoch sieht man da vor dem inneren Auge schon die Crowd, wie sie „Hab dich lieb und Langweile“ ruft. Genau dieses Potential und die Leichtigkeit des Songs scheinen auch bei den Fans rüberzukommen, denn hdl raste auf Platz 2 der meistgehörtesten JEREMIAS-Songs auf Spotify. Mit momentan fast 4 Millionen Streams steht dieser hinter dem unschlagbarem JEREMIAS-Hit schon okay mit seinen über 5 Millionen Streams. Solche Zahlen sind einfach dahingesagt, sind aber alles andere als gewöhnlich für eine neue deutsche Band, bevor sie überhaupt ihr Debütalbum veröffentlichte. Mit hdl traten JEREMIAS kürzlich in der Late Night Berlin Show auf Pro7 auf, was den Erfolg des Songs sicherlich noch mehr förderte.

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    Mit dem 5. Track, den ich mags bildet, wird es wieder nachdenklicher. Ja, ich mag es auch, wenn „alles laut und Disco ist„. Auch hier schleicht sich wieder das Thema der schlaflosen Nächte und des Unterwegs sein rein und lässt mich vermissen, wie mein Leben vor Coroni-Zeiten war. Aua. Naja, kein Grund zum Trauern, denn ich mags läuft frei nach dem Motto, dass im Moment leben wichtiger ist. Obwohl nach der ersten Strophe ein Drop angeteasert wird, wird man aber erwartungsvoll weiter hingehalten. Keine Sorge, der ersehnte funky Drop, für den man JEREMIAS-Songs so liebt, wartet bis zum Schluss und lädt zum tanzen ein.

    Darauf folgt mio, ein langsamerer tiefgründiger Song, der nicht nur die positiven Seiten ihres jetzigen Lifestyles zeigt. Er sprüht vor Melancholie und erklärt, dass JEREMIAS trotzdem Angst haben, in Vergessenheit zu geraten. „Mama, ich will nur Legende sein„, eine Bekenntnis zu einem Lebensmotto, das sie vermutlich noch sehr weit bringen wird. Untermalt wird der Track von entspannten Synthies, 80er Vibes und einem geschmackvollen schwarz-weiß Video bei Nacht. Vor allem zeigt der Song, dass JEREMIAS nicht nur für eine kurze Zeit hier sind, sondern noch Großes vorhaben. Wir sind gespannt.

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    Endlich, Paris

    Schon die ersten Sekunden des Songs hypen als Hörer:in so sehr, dass man nur Glück verspürt. Für mich ist es keine schwere Entscheidung zu sagen, dass paris der Star des Albums ist. Der Track vereint alles, was man an JEREMIAS liebt: funky Melodie, bei der es unmöglich ist, nicht zu tanzen und eingehender Text, bei dem es unmöglich ist, nicht mitzusingen. Schon bei Live-Shows war ich immer hin und weg von paris, der immer als unveröffentlichter Song gespielt wurde. Schon da war ich mir sicher, dass er mein Lieblingssong der Band werden wird. Und ich hatte recht! Trotz einmaligen Sommer-Vibes fließt auch hier wieder die gelungene Mischung aus Liebe und Leiden mit ein, das gelingt der Band einfach am Besten. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie nice es sich angefühlt hat, paris das erste Mal als veröffentlichte Single gehört zu haben. Euphorie, positive Erinnerungen, Begeisterung, alles mit dabei.

    Nach dem krassen Aufschwung in paris wird man mit 2 wieder etwas runtergeholt. Instrumental, kein Gesang, erinnert an Parcels, klingt live immer nice. Was will man mehr? Ich bin, ehrlich gesagt, oft zu ungeduldig, um mir rein instrumentelle Songs mitten in Alben öfters anzuhören. Bei 2 komm ich aber gar nicht auf die Idee, meinen Finger Richtung Skip-Button zu bewegen, sondern genieße es. Alles richtig gemacht.

    Nach dem man 2 hoffentlich nicht geskipped hat, kommt man zu einfach. Der Song klingt gar nicht so einfach, wie der Titel und legt offen die musikalische Weiterentwicklung der Band dar. Beim ersten Hören war das der Song, den ich am meisten als unerwartet und untypisch empfand. Wo bei den anderen Songs trotz Melancholie noch tanzbare Leichtigkeit mit geht, ist dieser hier zutiefst emotional und bewegend. Vor allem durch die heranlaufende Steigerung im Song, fühlt er sich groß und bedeutend an. Textlich zeigt sich Jeremias sehr nah und reflektierend über sich und sein Leben. Gerade dadurch wirkt der Song am ehrlichsten und tiefsten und bietet für mich einen Kontrast zu den anderen, obwohl er das Gesamtwerk komplett macht.

    Schon geht es weiter mit dem Titeltrack des Albums. Die Melodie in den ersten Sekunden ist schon unglaublich eingehend. Und golden hour ist so sonnig, wie man sich ihn vorstellt und bringt trotzdem eine Hand voll Melancholie in den Strophen mit. Jeremias zeigt wieder einmal, dass ihm nachdenkliche Texte zu schreiben mehr als nur gut steht. Auch hier ist das Ganze wieder geschmackvoll mit sommerlicher Leichtigkeit kombiniert. Letztendlich ist er der entspannende Sommer-Hit, den wir alles für 2021 gebraucht haben.

    Geschlossen wird das Album mit weniger, das quasi die Spitze des „Ich will mehr“-Gefühls bildet. Getrieben von der Sehnsucht besingt Jeremias, dass er immer von mehr träumt, als das, was er gerade hat. Er beschreibt dieses Gefühl dabei als „Platzangst“, was sich schon durch das ganze Album zieht und zum Schluss konkretisiert wird. Dabei klingt der Song nicht nach Rastlosigkeit, sondern relaxed und eignet sich perfekt zum mitwippen. Zwar sehnt sich Jeremias danach fortzugehen und nie anzuhalten, so sind die aller letzten Worte des Albums „Baby, komm doch bitte mit„. Damit wird mir abschließend nochmal deutlich bewusst, wie sehr die Mischung aus Aufbruchsstimmung und der sensiblen Seite von Jeremias ihre Songs ausmacht.

    Durch golden hour zieht sich von vorne bis hinten ein thematisches Konzept und ein Gedankenstrang. Dadurch erhält man einen persönlichen Einblick in die Gedanken von Sänger Jeremias und seine Sicht auf das Leben. Obwohl alles dadurch zur stimmigen Einheit wird, klingen alle Songs sehr unterschiedlich. Seien wir ehrlich, das ist bei Indie-Alben nicht immer so. Aber von allen Dingen macht golden hour am meisten einfach Spaß. Es ist ein Album voller Leichtigkeit, voller Gedanken, voller Sonne, aber auch voller Melancholie und passt sich demnach jeder Gefühlsstimmung an. Trotz dessen, dass das Album so fertig, leidenschaftlich und weiterentwickelt klingt, bin ich mir sicher, JEREMIAS sind noch am Anfang. Sie sind plötzlich in die Indie-Szene hinzugekommen und haben sie blitz schnell zu ihrer erobert. Und ich glaube, ich mags.

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    Foto Credit: Lucio Vignolo

  • FORWARD und ihre „Quarterlife Crisis“: Innerer Konflikt zwischen Freiheit und Erwartungen

    FORWARD und ihre „Quarterlife Crisis“: Innerer Konflikt zwischen Freiheit und Erwartungen

    Über zwei Wochen war jetzt Zeit, um in die neue Single „Quarterlife Crisis“ von FORWARD reinzuhören. Falls das bisher noch nicht der Fall war, sollte man das noch nachholen. Und falls man FORWARD noch nicht auf dem Schirm hat – Auch das ist kein Problem. Zum Artikel zu ihrer funky Vorgänger-Single Overdrive und zum Interview mit der Band geht es hier lang. Laut statsforspotify.com ist das übrigens Platz 2 meiner meistgehörtesten Songs der letzten sechs Monate, ups. Als ich in dem Artikel dazu schrieb, dass mich Overdrive nie nerven könnte, meinte ich das auch so. Auch hier setzen sich FORWARD wieder lässig mit einem Thema, das speziell in ihrer Generation eine Rolle spielt, auseinander. Quarterlife Crisis ist aber nicht nur „feel good“-Indie Pop, sondern kommt etwas ruhiger und melancholischer daher.

    Der Song, produziert von dem JEREMIAS Gitarristen Oliver Sparkuhle, lädt schon durch das langsame, entspannende Intro zum Tagträumen ein. Dominiert vom angenehm weichen Sound der Blasinstrumente lässt er mich schon Nostalgie über eine Zeit, in der ich mich noch befinde, verspüren. Umso mehr passen hier die Jazz-Elemente, die bei FORWARD immer wieder durchkommen. Gefolgt von der ersten Zeile des Songs „You used to be somebody but now you’re someone else“ in Sänger Tims sanfter Stimme. Alles daran klingt so warm und vertraut, obwohl das Thema eher die innere Krise betrifft. Geprägt ist der Song davon, dass Sänger Tim und Gitarrist Arne ihn auf ihrem Trip direkt nach dem Abitur schrieben. Zwischen Rastlosigkeit, Spaß auf Reisen und dem Loslösen vom Alltag, an den man bisher gebunden war. Irgendwo da entstand Quarterlife Crisis und fängt die Bedenken während dieser Zeit ein.

    Eine sehr besondere Zeit: Nach dem Schulabschluss scheinen so viele Optionen offen zu stehen. Auf der einen Seite die Befreiung und Erleichterung, auf der anderen die Angst vor der Zukunft und davor, gewisse Erwartungen nicht zu erfüllen. Ich erinnere mich gerne an den Sommer nach meinem Schulabschluss zurück, weil er sich damals durch diese Ungewissheit, Erwartungen aus allen Richtungen und den Drang, jeden Moment voll auszuschöpfen, von allen anderen Sommern abgehoben hat. Genau auf diesen Konflikt lassen uns FORWARD zurückblicken.

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    Wenn man jedoch ehrlich ist, kann man den Song, auch losgelöst von dieser besonderen Situation, generell auf das Lebensgefühl vieler junger Menschen beziehen. Tatsächlich bin ich mir auch immer noch unsicher, was genau ich da gerade tue oder ob das, was ich tue, so schlau ist. Naja, Quarterlife Crisis ist dafür ein ziemlich treffender Begriff. Das war auch der Grund, wieso mich der Song gepackt hat. Da ich mit Anfang 20 die selbe Altersgruppe der Jungs der Band teile, geht mir das Thema nah. Folglich appelliert der Song daran, seine eigenen Ziele und Wünsche nicht aufgrund anderer Erwartungen zu hinterfragen oder sogar aufzugeben. Ein Szenario, das vielen jungen Menschen bekannt ist. Die Ziele, die man eigentlich fest im Blick hatte und die Erwartungen, die sich dann quer in den Weg stellen, sodass man das die Ziele kaum noch sieht. Riskieren bringt oft die Gefahr mit, sich und andere zu enttäuschen.

    „And lately, all those things you now doubt to like

    they show me your fear“

    Zusätzlich ist außerdem ein Musikvideo erschienen. Detailverliebt und leicht melancholisch, untermalt und umrahmt es die Single. Gezeigt werden die Mitglieder der Band, alle allein und nachdenklich. Ja, sie wirken sogar etwas verloren. Aber verzweifelt? Nie. Das ganze Video und jeder einzelne von ihnen strahlen Ruhe und Gelassenheit aus. Wenn ich an meinen Freundeskreis und auch an mich selbst denke, merke ich, das genau dass die Quarterlife Crisis ausmacht. Etwas zwischen komplett verloren und planlos, zusammen mit dem Gefühl, dass man sich nicht stressen muss, weil alles mit dem Verlauf der Zeit von selbst kommen wird. Das noch gemischt mit einer langen Lockdown-Zeit und dem damit verbundenem hilflosen Warten: Fertig ist er, der leckere, saure Cocktail der Anfang und Mitte 20er.

    Wie ernüchternd die Erkenntnis, dass neu gewonnene Freiheiten nicht immer einfach sind, auch sein mag, das lässt sich Quarterlife Crisis musikalisch nicht anmerken. Wo andere Panik bekommen, haben die Jungs von FORWARD ihren inneren Konflikt geschickt reflektiert und dann in Kunst verarbeitet. Trotz der nachdenklichen Message ist es kein Song zum mitheulen, sondern lässt sich auch wundervoll bei guter Laune in der strahlenden Sonne genießen. Das habe ich natürlich extra getestet. Kurz gesagt: Die acht Jungs aus Hannover haben hier ziemlich viel richtig gemacht. Hoffentlich dürfen wir uns möglichst bald alle an der ersten EP von FORWARD erfreuen. Ehrlich — Das wird schön.

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    Foto Credit: Julius Bracke