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  • maïa im Interview: »Ich habe das Gefühl, ich sauge jede Emotion auf, die jeder Fremde um mich fühlt«

    maïa im Interview: »Ich habe das Gefühl, ich sauge jede Emotion auf, die jeder Fremde um mich fühlt«

    „ich hoff du brichst mir das herz“ heißt die neueste und zugleich zweite EP der Sängerin maïa. Zusammen mit ihrem Team hat sie eine gefühlvolle und zugleich energetische Platte produziert, die stärker die Größe der Popmusik sucht. Im Interview sprechen wir über ihre Live-Erfahrungen als Support Act, wie ihr Umfeld und ihre Heimatstadt Duisburg ihr emotionales Innenleben beeinflussen, welchen Stellenwert Literatur und Poesie in ihrem Leben haben und inwiefern sich ihre Musik im Vergleich zur letzten EP weiterentwickelt hat (hier geht’s zur Rezension von „tatendrang und todmüde“). Außerdem verrät maïa ihren aktuellen favourite Artist!

    maïa im Interview

    Lucas: Du warst letztens bei Ahzumjot Voract in Berlin (6. Mai 2024). Wie war der Auftritt für dich?

    maïa: Ich hatte keinen guten Tag, weil ich so eine Panikattacke hatte und die ganze Zeit nicht wusste, ob ich es packe. Ich weiß nicht, ich war nicht zufrieden mit der Performance, aber egal.

    Lucas: Ich glaube, das gehört auch dazu, ab und zu. Ich stelle es mir in jedem Fall fies vor, dann auf die Bühne zu gehen. Aber ich denke, dir verzeihen alle. Du warst bei anaïs ebenfalls als Support Act dabei in Berlin, richtig? Wie war es da im Vergleich? Gleiche Stadt, anderer Tag.

    maïa: Die Leute bei Ahzumjot waren dadurch, dass so lange von ihm selber nichts kam, super offen für die Musik, die da gespielt worden ist, sowohl bei ihm als auch bei mir und dadurch hatte ich wirklich eine sehr, sehr aufmerksame Crowd. Das ist nicht allzu oft der Fall und deswegen bin ich immer sehr, sehr dankbar, wenn das der Fall ist. Es ist einfach pure Wertschätzung, wenn da 500 Leute vor dir stehen und niemand gibt einen Mucks von sich und hört dir zu, wie du deine Songs singt. Aber der Unterschied war auch nicht so groß, weil bei anaïs war die Show ein bisschen kleiner. Da waren die Leute genauso aufmerksam und genauso lieb. Deswegen hatten die Auftritte das gemeinsam.

    Lucas: Wie ist deine Erfahrung bei anderen Acts gewesen, wenn du sagst, bei Ahzumjot und anaïs war das Publikum sehr aufmerksam? Das heißt, du hast vielleicht auch schon andere Auftrittserfahrungen gemacht, bei denen du mehr ankämpfen musstest?

    maïa: Ja, ich glaube, sobald sich meine Musik ein bisschen von der Musik des Hauptacts entfernt, ist die Zuhörerschaft da weniger offen für das, was dann auf der Bühne vom Support gespielt wird. So war es bisher bei mir. Je näher ich am Genre des Hauptacts war, desto aufmerksamer waren die Leute einfach. Aber ich hatte bisher das ganz große Privileg, dass ich sehr, sehr tolle Crowds erfahren durfte und sehr, sehr viel Liebe bei den meisten Liveshows gehabt habe, und es waren immer tolle Schows.

    Lucas: Okay, schön zu hören! Eigentlich weiß man ja auch schon vorher so ein bisschen, ob man in die Musik des Main Acts reinspielt. Wie gehst du dann damit um, wenn du eigentlich schon vielleicht weiß, es könnte anspruchsvoll werden?

    maïa: Also es gibt den Versuch, die Songs zu picken, wo ich denke, dass die vielleicht mit der Crowd am besten passen würden. Aber im Endeffekt ist es mir dann irgendwie auch ein Stück weit egal, weil Fakt ist, ich bin dann der Support Act des Abends. Und wenn dann nur die fünf bis zehn Leute, die vorne stehen, mir zuhören, dann spiele ich halt eben nur für diese fünf bis zehn Leute, und dann sind wir irgendwie in unserer eigenen Welt, und was hinten passiert, ist egal. Ich glaube, man hat das eh nicht so sehr in der Hand, und dann versuchen, das zu kontrollieren, macht keinen Sinn. Hauptsache, ich spiele die Musik, die ich mach‘, und wenn ich dann ein, zwei Leute dazu gewinne, dann ist das auch okay. 

    Lucas: Fair! Und ich glaube, das steckt auch in dem drin, was du sagst. Wenn man selber die Songs fühlt, dann ist man auch in der Lage, das zu transportieren.

    maïa: Ja, voll!

    „Ich habe das Gefühl, ich sauge die Leute um mich rum fast schon auf“

    Lucas: Du hast bei Ahzumjot gesagt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dass du Duisburg nicht so feierst. Magst du nochmal sagen, was an Duisburg der Grund ist, warum du nicht so Fan von der Stadt bist?

    maïa: Ich glaube, das ist ein sehr weites Thema. Im Endeffekt stammt diese Wut daher, dass es eine Stadt ist, die im Stich gelassen worden ist und eine Stadt, die alleine nicht gut klarkommt, ohne Hilfe von oben. Ich meine, wer kümmert sich um Städte wie Duisburg oder Marxloh und Hamborn und um solche Orte. Weißt du? Es ist im Endeffekt irgendwie dasselbe. Da sind Menschen, die Hilfe gebraucht haben, die aber keine Hilfe bekommen haben. Es sind Menschen, die nicht wissen wohin, wenn sie Hilfe brauchen. Das resultiert irgendwie darin, dass die Lebenslust von den Leuten verschwindet, was total legitim ist, und das übersetzt sich dann halt in Unfreundlichkeit oder in Dreck auf den Straßen und sowas. Das ist irgendwie immer, was ich mir vor Augen führen muss, wenn ich mich über diese Stadt beschwere, dass sie einfach im Stich gelassen worden ist und dass sie das alleine irgendwie nicht packt, wieder auf die Beine zu kommen.

    Lucas: Und würdest du sagen, dass dieses Gefühl in dieser Stadt zu leben, mit all den Gedanken, die du gerade geäußert hast, auch ein Auslöser war beziehungsweise ein Thema ist, das in deiner Musik vorkommt?

    maïa: Ja, vollkommen! Ich glaube, jeder Song, den ich schreibe, ob es dann textlich durchkommt oder nicht, fängt oft mit einer Inspirationsquelle aus dieser Stadt an. Also es fließt sehr, sehr viel in die Musik rein. Ich glaube dadurch, dass ich oft das Gefühl habe, dass ich auch Dinge um mich rum stärker oder anders wahrnehme als andere Menschen, hat‘s mir irgendwie auch einen anderen Blick auf diese Stadt gegeben, einen viel aufmerksameren auf die Menschen um mich rum. Ich habe das Gefühl, ich sauge die Leute um mich rum fast schon auf. Ich kann es gar nicht verhindern, dass das in die Musik einfließt, und ich würde es auch gar nicht verhindern wollen.

    „Ich hab‘ schon immer das Gefühl gehabt, seitdem ich ein Kind bin, dass ich diese Melancholie in mir habe, die gleichzeitig unergründlich, aber auch ergründlich ist.“

    Lucas: Du sagst, du hast so eine stärkere Auffassungsgabe oder Beobachtungsgabe, was deine Umwelt betrifft. Wie genau spürst du das?

    maïa: Ich weiß nicht, ob ich es Gabe nennen würde. Ich glaube, es ist Fluch und Segen zugleich. Ich hab‘ schon immer das Gefühl gehabt, seitdem ich ein Kind bin, dass ich diese Melancholie in mir habe, die gleichzeitig unergründlich, aber auch ergründlich ist, und dass das mir einen anderen Blick auf die Welt gibt. Dinge, die für andere ein bisschen banal erscheinen, treffen mich voll hart. Es gibt so Momente, wo ich einfach in der Bahn sitze und ich fühl‘ mich voll konsumiert von meinem Umfeld und ich habe das Gefühl, ich sauge jede Emotion auf, die jeder Fremde um mich fühlt. Ich weiß gar nicht, woher das kommt und wie man das so richtig beschreiben kann. Aber ich glaube, es ist einfach. Ich glaube, ich bin eine sehr passive Beobachterin, wenn’s um die Welt und mich rumkommt.

    Lucas: Würdest du sagen, es gibt Situationen, in denen du dich in einer aktiveren Rolle siehst?

    maïa: Ich denke immer, wenn ich maïa bin, die Musik macht, bin ich in einer sehr aktiven Rolle, immer wenn ich auf der Bühne stehe. Und das ist dann auch die Zeit, wo ich sehr genieße, im Mittelpunkt zu stehen. Als Privatperson habe ich das gar nicht so gerne. Ich bin gerne jemand, der einfach nur dasitzt und zuhört. Aber wenn ich dann maïa die Musikerin bin, dann stehe ich gerne im Mittelpunkt und nehme gerne eine aktive Rolle ein.

    Lucas: Du hast auch das Stichwort Melancholie gedroppt. Ich finde ganz spannend, dass dieses Gefühl, das erste Wort ist, was in jedem Artikel aufploppt, den es da draußen bereits über dich gibt. Wie fühlt sich das von außen an? Ich weiß gar nicht, was zuerst da war, ob du es erst ins Universum geschickt hast oder ob die Leute es aus deiner Musik rauslesen.

    maïa: Sobald das irgendwie so beschrieben wird, dass es etwas Schlechtes wäre, melancholisch zu sein – was ich auch verstehe, weil es klar, irgendwie eine negative Konnotation hat – was bisher, um ehrlich zu sein, gar nicht der Fall war, dann würde es mich sehr stören. Aber bisher haben die Leute, glaube ich, verstanden, dass mir diese Melancholie nichts ausmacht und im Gegenteil, dass ich sie voll willkommen heiße und dass ich mich als sehr privilegiert ansehe, diese Melancholie mit mir zu tragen, weil sie mir eben diesen Blick auf mein Umfeld gibt. Sie gibt mir diesen Segen, Dinge anders wahrzunehmen und das Schöne im Schmerz oder in der Melancholie zu sehen. Deswegen ist es bisher ganz okay, aber sobald es negativ konnotiert wird, dann vielleicht nicht mehr.

    Lucas: Ich frage mich, wenn du sagst, dass du häufig die Umgebung aufsaugst, ob du manchmal vielleicht auch gar keine Melancholie spürst, sondern ob diese Umgebung manchmal auch Freude in dir auslöst. Es gibt ja schon auch Alltagssituationen, in denen man denkt, irgendwie schön, was ich gerade sehe.

    maïa: Ja, voll! Ich hab das Gefühl, ich fühle extrem. Wenn ich mich sehr freue, dann freue ich mich sehr, und dann bin ich sehr glücklich, und alle um mich herum werden es dann sehen. Und wenn ich traurig bin, dann bin ich sehr traurig und alle um mich rum werden es sehen. Es sind meistens eben diese banalen Momente um mich rum, die mich dann fröhlich machen. Sei es ein alter Mann, der mit seiner alten Frau spazieren geht und das füllt mich dann total auf. Und wenn ich dann irgendwas anderes sehe, dann macht es mich total leer. Das passiert immer in Extremen mit allen Gefühlsarten, auf jeden Fall.

    „Ich weiß, wenn ich in einer kreativen Blockade bin, dass ich zur Literatur zurückkehren kann und die diesen kreativen Ort in meinem Gehirn wieder ankurbelt.“

    Lucas: Ich fühle mich ein bisschen wie ein Stalker, aber ich hab auf Instagram immer mal gesehen, dass du Ausschnitte aus Büchern oder kleine Gedichte in die Story postest. Was für eine Rolle spielen Lyrik, Poesie und Literatur in deinem Leben?

    maïa: Das alles hat schon als Kind eine ganz große Rolle gespielt. Dadurch dass man irgendwie in so einem Ort aufwächst, wo es scheint, dass es kein Ausweg gäbe, war Kunst und Literatur für mich dieses Licht am Ende des Tunnels. Ich hatte das Gefühl, vor allem in meiner weiterführenden Schule, dass es sehr wichtig für unsere Lehrer war, dass das auch gefördert wird. Ich finde, das ist so wichtig, weil für die Kinder, die in so einem Ort dann zehn Jahre zur Schule gehen und denken, dass das irgendwie alles ist, was das Leben bietet, ist Kunst und Literatur vielleicht die einzige Hoffnung. Das war es für mich auf jeden Fall. Ich habe sehr gerne gelesen. Ich lese immer noch sehr gerne, und ich verkrieche mich auch immer noch sehr gerne in andere Welten und diese Wörter. Dadurch dass ich so früh in Kontakt mit Literatur kam, hat es wahrscheinlich auch das gefördert, was ich heute mache, und die Art, wie ich heute schreibe. Ich habe mich sehr verstanden gefühlt jedes das mal, wenn ich gelesen habe, und das ist auch heute oft so. Wenn man irgendwie denkt, es gibt keine Worte für das, was man fühlt, liest man ein Buch, und dann wird es genau so beschrieben, und man denkt sich, ich bin nicht die einzige Person, die das fühlt. Vor allem, wenn man ältere Literatur liest, und das Buch ist 100 Jahre alt, und er schreibt immer noch vom selben Gefühl, was du 100 Jahre später fühlst. Das ist total validierend und es gibt ein sehr tröstendes Gefühl. 

    Lucas: Glaubst du, das ist auch eine Motivation für dich, selber Musik zu machen und Texte zu schreiben: so ein Gefühl einzufangen, das überlebt?

    maïa: Ja! Ich glaube aber, ich bräuchte gar keine Motivation. Ich könnte gar nicht anders, als alles um mich rum zu beschreiben. Ich muss das einfach machen.

    Lucas: Kannst du erkennen, dass Themen oder Bilder, die in der Literatur auftauchen, von denen du liest, dass die direkt in deine Texte und in deine Musik einfließen?

    maïa: Nee, ich glaub nicht. Ich bin auch gar nicht so, dass ich, wenn ich lese und mir irgendwas gefällt, dass ich dann darüber schreibe. Es ist eher so: Ich weiß, wenn ich in einer kreativen Blockade bin, dass ich zur Literatur zurückkehren kann und die diesen kreativen Ort in meinem Gehirn wieder ankurbelt. Ich habe das Gefühl, lesen ist so eine Zwischenwelt, in der ich wieder alleine mit mir bin, anstatt, wenn ich zum Beispiel ganz blöd gesagt, auf Tiktok rumscrolle. Dann tut sich gar nichts in meinem kreativen Bereich.

    Ich finde, die neuen Songs sind ehrlicher geworden und ich fühle mich sehr, sehr wohl und sicher an dem Ort, an dem ich mich bewege

    Lucas: Wie würdest du deine kommenden Releases beschreiben, im Vergleich zu den Songs, die du bisher releast hast, insbesondere im Vergleich zu deiner vorherigen EP „tatendrang und todmüde“?

    maïa: Ich finde, die neuen Songs sind ehrlicher geworden und ich fühle mich sehr, sehr wohl und sicher an dem Ort, an dem ich mich bewege, mit meiner Musik gerade. Vorher war ich noch ein bisschen in der Findungsphase und jetzt hab‘ ich das Gefühl, dass ich angekommen bin in der Art, wie ich meine Sprache benutze, in der Art, wie die Musik das dann ummantelt. Es ist sehr viel voller als vorher und vielleicht gewagt, vielleicht aber auch nicht. Es ist auf jeden Fall anders, als was davor kam, aber irgendwie auch immer noch gleich, weil es am Ende immer noch ich bin und immer noch meine Worte sind.

    Lucas: Mir ist auch der klangliche Wandel aufgefallen, auch wenn ich natürlich noch nicht so viele Songs kenne, wie du, weil noch nicht alles draußen ist. Ich habe mich gefragt, ist es ein Impuls, der von dir kommt, oder von den Leuten, mit denen du zusammenarbeitest, oder ist es ein gemeinsames Entwickeln des Klangs? Ich finde, es klingt ein bisschen ein bisschen poppiger und geht zum Teil mehr nach vorne, auch was du sagst, es ist größer und voller. Kommt der Wunsch von dir, oder ist es ein Teamergebnis?

    maïa: Also würde sagen, es war weder Wunsch noch Ziel. Ich habe das Gefühl, nach der ganzen Musik, die ich releast hab‘, war ich irgendwie an einem Punkt, wo es mich gelangweilt hat, in Sessions zu gehen und dann denselben Ablauf zu machen, wie man es irgendwie bei jedem Song macht. Ich schreibe jetzt eine Strophe, und dann machen wir einen Pre-Chorus und dann den Refrain. Es hat mich voll gelangweilt und ich war irgendwie an einem Punkt, wo ich realisiert hab‘: sobald ich in einem Raum gehe und mir und den Leuten mit mir in diesem Raum Regeln und Grenzen setze, dann hört Kunst auf mutig und ehrlich zu sein. Und das will ich nicht! Dann hat sich das einfach total organisch ergeben, sobald wir in dem Raum sind, wir jede Idee ausprobieren und wir jedes Instrument nehmen, auch wenn ich das vorher nicht gerne gemacht habe. Ich habe vorher nicht gerne Drums benutzt und guck dir meine Musik jetzt an. Sie ist voll mit Drums. Das war auf jeden Fall eine große Veränderung in der Art, wie ich und die Leute um mich herum, die mit mir daran arbeiten, Musik machen, dass wir da ohne Regeln rangehen und alle alles einfach ausprobieren.

    Lucas: Magst du noch einmal sagen, mit wem du an deiner Musik arbeitest?

    maïa: Ja! Mit RGB, das ist mittlerweile eigentlich der Hauptproduzent geworden. Er hat fünf Songs auf dem ersten Tape produziert und Ismail, mein Manager, mit dem ich aber gleichzeitig eigentlich jeden Song zusammen mache. Die zwei! Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, mit jemanden anderen Musik zu machen, um ehrlich zu sein. Und Wanja hat „Ambulanz“ gemacht und das ist auch ein ganz, ganz toller Song geworden. Es war auch ein total regelfreier Raum und ein ganz magischer Prozess, dieses ganze erste Tape zu machen, und ich freue mich jetzt schon an den nächsten Songs mit den Leuten zu arbeiten. Ich glaube, das wird ganz schön.

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    „Ich höre gerade sehr gerne das Album „Messy“ von Olivia Dean“

    Lucas: Ich würde dir eine letzte Frage stellen, bevor wir das Interview beenden, damit ich deine Zeit nicht zu sehr beanspruche: Und zwar hast du eine Musik Empfehlung für mich und für die anderen Menschen dieser Welt?

    maïa: Ich muss meine Playlist öffnen, weil immer wenn ich so eine Frage bekomme, vergesse ich jeden Song, den ich jemals gehört habe. Eine Empfehlung oder mehrere?

    Lucas: Nenn‘ mir gerne deine Top 3.

    maïa: Also, ich höre gerade sehr gerne das Album „Messy“ von Olivia Dean. Dann … Oh Gott! Jetzt bin ich nervös. Nee, wir lassen es bei dem Album, sonst wird es zu viel. Ich höre grad sehr gerne dieses Album!

    Lucas: Dann frage ich vielleicht doch noch nach, weil ich liebe Olivia Dean: Hast du einen favourite Song auf dem Album?

    maïa: „Carmen“ und „Dive“!

    Lucas: Die Single „Dive“ ist nur logisch und „Carmen“ ist, finde ich, der Secret Hit. Der ist ein Grower!

    maïa: Hast du diese Akustik Sessions gesehen, die sie gemacht hat? Die waren grandios. Dadurch habe ich sie entdeckt, tatsächlich.

    Lucas: Ja, die sind super schön! Es ist ein bisschen fies, weil jetzt könnten wir ein ganzes Interview nur über Olivia Dean führen. Hast du sie schon live gesehen?

    maïa: Leider nicht, aber würde ich sehr, sehr gerne. Alles was ich auf Tiktok von ihr sehe, ist grandios.

    Lucas: Du musst tatsächlich wirklich alles dafür geben, sie einmal live zu sehen, weil es ist krass schön! 

    maïa: Ja, das glaube ich dir. Bucketlist!

    Lucas: Genau, pack es darauf und liebsten Dank für das schöne Interview!

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    Fotocredits: Aysan Lamby

  • BLVTH sucht auf auf neuem Album „YIN YANG“ seine Balance

    Zerrissen versus ausgeglichen, untröstlich versus zuversichtlich, erschöpft versus enthusiastisch, yin versus yang – BLVTH findet auf seinem neuen Album „YIN YANG“ nicht trotz, sondern aufgrund der Gegensätze näher zu seiner Mitte. Auf seiner musikalischen Reise durch das eigene Innenleben weisen ihm die verschiedensten Emotionen den Weg zu sich selbst. In der Verzweiflung manch eines Songs findet sich zugleich das tröstende Gefühl verstanden zu werden. Wer wirklich in „YIN YANG“ eintauchen will, erklärt sich vorher bereit, mit sich selbst in Therapie zu gehen.

    „Ich bin Niemand!“
    Blvth, Roberto Brundo, Yin Yang, Album, Release, Music, Blog, Untoldency, Cover Art

    Meditative Klangflächen formen sich im Intro allmählich zu einer Klangmasse während umgekehrte Sounds die Zeit zurückspulen und auf Start setzen. Start ist in diesem Fall die erste Single und zugleich der erste Song des Albums „NOBODYNOONE“. Erwachsen aus dem Intro veranschaulicht der Track die Zerrissenheit des Sängers und entwickelt sich über zwei Strophen und Interludes hinweg zum Refrain – der Ausgangslage der LP:

    „I don’t wanna be someone you want me to be
    Please someone set me free, erase my memory”

    So let me go!

    Mit “I WOZ HOME” beginnen die tanzbaren Tracks des Albums. Auf einem zu schnell geratenen House-Beat wiederholt BLVTH das folgende Mantra und dreht sich inhaltlich wieder um das Loslassen und Freimachen umgebener Störgeräusche:

    “So let me go
    Cause I was home
    But you’re not done
    With me, oh no”

    Kampf der Klänge

    „RIOT“ entfesselt anschließend die Emotionen und gewinnt eine neue Intensität. Der an alte BLVTHeske Hip Hop-Zeiten erinnernde Beat mischt sich mit verzerrten Sounds und treibt zielstrebig nach vorn. Der Name hält sein Versprechen, denn der Song motiviert zum Aufstand ehe er sich in einer gewissen Klarheit auflöst. „ALL THAT KILLING“ holt den nie alt werdenden Signature-Sound BLVTHS zurück, nämlich den warmen Klang melancholisch-dramatischer Gitarrenakkorde. Dazu Drums? Überflüssig! Die Gitarre ist Atmosphäre und Rhythmus in einem. Ergänzt durch die perfekte Delivery der Features bildet dieser Song zusammen mit „REAPER“ das Herz des Albums.

    Der beste Song!

    Von BLVTH selbst angeteasert als der beste Song seiner Karriere, eilen „REAPER“ einige Vorschusslorbeeren voraus. Doch diesem Druck wird der Song gerecht. Die auf diesem Album fast schon altertümlich wirkende Songstruktur und Instrumentierung überlassen zum ersten Mal den Lyrics das Spotlight. Ein klarer Schlagzeug-Beat, ein simpler Basslauf und begleitende Gitarrenakkorde lassen dem Gesang den Raum, den er verdient. BLVTH wandelt auf „REAPER“ an der Grenze des Lebens und ist sich paradoxerweise bei niedrigem Puls seiner selbst so bewusst wie noch nie. Der Track erkundet Gefühle des Verlust, der Angst, der Trauer – aber auch der Erlösung und der Gewissheit. Die letzten 30 Sekunden des Songs überlagern sich allmählich die verschiedensten klanglichen Emotionen, ehe sie sich über den Drums wieder auflösen.

    Was kann BLVTH nicht?

    Zum Ende des Albums erstarken erneut die 4-on-the-floor-beats. „BREAK AND FIX“ marschiert nicht sonderlich schnell, aber bestimmt nach vorn‘. Die Message steckt im Titel und dreht sich erneut, um Gegensätze und neue Anfänge. „IN THE MIDDLE“ belichtet anschließend die poppige Seite des Sängers. BLOODMOON schwebt auf hohen Tönen über den von BLVTH produzierten Beat. Die beiden Artists liefern den perfekten Song, um im Cabrio dem Sonnenuntergang entgegenzufahren, während der Wind seicht durch die Haare zieht.

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    TikTok type music

    Track 11 und 12 des Albums verarbeiten vorangegangene Songs des Albums. Während „I WOZ DONE“ eine slowed Version von „I WOZ HOME” ist und an die Klänge der NNDW erinnert, beschleunigt „NOBODYNOONE – BLVTH ON SP33D REMIX“ seinen Namensvetter und transformiert den Originalsong zu einem stampfenden Disco-Hit. Das erneute Aufgreifen dieses Songs schließt den Kreis zum Anfang der LP und setzt den Lauf der Zeit wieder auf null: „Please someone set me free, erase my memory”). Zuletzt verfliegen die letzten Gedanken auf „PLASTIC DREAMS“.

    Meditationsreise

    „YIN YANG“ ist ein Album weniger Worte. Stattdessen fühlen sich die Texte eher nach kreisenden Gedanken an. Nur sporadisch bricht der Zyklus und es bilden sich klare Sätze. Doch dies ermöglicht es, vollkommen in die Leere einzutauchen. Dieses Album gibt es Platz die Musik zu entdecken und darin uns selbst.
    Unsere einzige Kritik: es ist viel zu schnell vorbei!

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    Fotocredits: Roberto Brundo & Bennet Henkel

  • Mine im Interview: »Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist«

    Mine im Interview: »Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist«


    Die BAUM TOUR 2024 zum gleichnamigen Album von Sängerin Mine ist vor etwas mehr als einer Woche zu Ende gegangen. Untoldency hat diese Tour mitpräsentiert und Redakteur Leif hatte die Gelegenheit das Konzert in Hannover im Capitol zu besuchen und vorab ein Gespräch mit Mine zu führen.

    Triggerwarnung/Content Note: Drogen, Drogenkonsum und Sucht
    In der letzten Frage dieses Interviews geht es um die Thematisierung von Drogen und Drogenkonsum. Bitte achtet auf euch selbst und eure Gesundheit.

    Mine im Interview mit untoldency zu ihrem Album BAUM

    Leif: Hallo Mine! Schön, dass du dir Zeit nimmst, ich freu mich richtig. Zum Warmwerden beginne ich mit einer Frage zu deiner Musik. Du hast deine eigene Musik schonmal als „Deutschsprachigen Folk mit Hip Hop-, Jazz- und elektronischen Elementen“ beschrieben. Würdest du das noch so unterschreiben?

    Mine: Deutschsprachiger Folk? Ne, eigentlich nicht. Habe ich das mal gesagt? (lacht) Wenn man mich fragt, sage ich immer ganz grob Deutscher Indiepop mit verschiedenen Genreeinflüssen. Ich finde es voll schwierig mich da festzulegen, weil ich voll gerne mit verschieden Genres arbeite. Manchmal fühle ich mich mehr in die Richtung Dance, andermal eher in Richtung Chanson, manchmal wiederum Klassik. Deswegen überlasse ich das lieber anderen Menschen, meine Musik einzuordnen. Jeder hört es anders und nimmt es anders wahr.

    Leif: Auf die Klassikeinflüsse kommen wir später noch zu sprechen, sie ist ja auch eine Charakteristik deines neuen Albums. Wobei das ja auch schon seit Februar draußen ist.

    Mine: Das gilt noch als neu!

    Leif: Und deshalb: Gratulation zu deinem Album BAUM! Bald ist es zehn Jahre her seit der Veröffentlichung deines Debütalbums Mine, ein Jubiläum also! Seitdem hat sich viel getan. Bist du rückblickend zufrieden und gibt es etwas, das dich bei mehr als zehn Jahren Musikmachen immer begleitet?

    Mine: Es hat sich viel getan, aber hallo! Und ich bin mehr als zufrieden – zufrieden ist gar kein Ausdruck. Ehrlicherweise läuft alles viel viel besser, als ich es mir jemals erträumt habe. Ich hatte ja gar nicht vor, das beruflich zu machen und dachte, dass sich das gar nicht vereinen lässt. Also diese freie künstlerische Arbeit mit künstlerischer Musik als Beruf. Deswegen fühle ich mich gerade sehr privilegiert und dankbar dafür, dass ich das machen darf. Und was mich bis jetzt in den letzten zehn Jahren begleitet hat, ist auf jeden Fall meine Crew. Wir sind schon so lange unterwegs. Das ist ein sehr familiäres Gefühl.

    Leif: Das ist ja richtig toll! Cool, dass ihr euch auch nach zehn Jahren dann noch „treu geblieben“ seid.

    Mine: Voll, wir sind halt auch Freunde und arbeiten sehr gern zusammen. Es ist alles immer sehr harmonisch.

    Über die freie Kunst und die Frage nach dem Besonderen

    Leif: Du hast eben schon das Künstlerische in deinem Schaffen angesprochen. Deine Leidenschaft erstreckt sich auch auf Videodreh von zum Beispiel Musikvideos. Und auf Social Media hast du ein kleines Reel-Format namens SWEETE INSTRUMENTE, was ich persönlich ganz cool finde. Wie kam es denn dazu?

    Mine: Ich weiß auch nicht, ich hatte einfach Bock. Ich bin so eine Instrumentensammlerin und interessiere mich für neue Klänge, die ich noch nicht kenne und wollte selbst ein wenig mehr über die Instrumente, die ich bereits habe, herausfinden. Da lag es nahe als Format kurze Instrumentenkunde zu machen. Aber wo genau das herkam, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte einfach Bock drauf.

    Leif: Es passt ja bei deiner Musik auch total ins Bild – und damit kommen wir auch schon zu deiner Musik und zum Album BAUM. Auf den ersten Blick fällt auf, dass es viele Intros und Reprisen gibt. Hört man rein, vernimmt man zum einen Pop, Hip Hop, Electro, Funk, viele außergewöhnliche Instrumente und starke Arrangements. Zum anderen sind viele Elemente aus der Klassik verbaut. Hast du als studierte Musikerin hohe Erwartungen an „das Besondere“ in deinen Songs?

    Mine: Ne. (lacht) Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist.

    Leif: Das ist eine sehr tolle Antwort!

    Mine: Ich bin einfach ein sehr neugieriger Mensch und bin auch sehr schnell gelangweilt und hungrig. Aber das bezieht sich auf alles im Leben. Ich google alles, ich will alles wissen und ich lese mir alles durch. Wenn ich eine Künstlerin geil finde, schaue ich mir alle Videos und Interviews an. Und so geht’s mir eben auch bei der Musik, die ich selbst mache. Ich höre super viel Musik und wenn mich etwas catcht, überlege ich: Was ist da so drin und wieso klingt es so, wie es klingt? Dann versuche ich mich weiterzubilden, weil es mir Spaß macht Dinge zu machen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Diese Euphorie im Musikmachen will ich dann nie verlieren. Das würde passieren, wenn ich immer das gleiche machen würde.

    Leif: Also nicht stehen bleiben, sondern immer weiter. BAUM ist bisher dein chartmäßig größter Erfolg. Wie fühlt sich das an?

    Mine: Stimmt, da habe ich gar nicht so viel Ahnung von. Ich wüsste auch gar nicht auf welchem Platz es war. (lacht)

    Leif: Das kann ich dir sagen: Platz 7.

    Mine: Ahh, sieben. Ich bin da gar nicht so interessiert, mein Management schon eher. (lacht) Für mich ist das immer so gewesen, dass ich von dem Job nicht abhängig bin. Ich wollte eigentlich als Musiklehrerin arbeiten, damit ich freie Kunst machen kann, ohne über des Geldverdienen nachzudenken. Mir ist es wichtig, dass ich nicht so einen Druck habe und meine Kunst frei bleibt. Deshalb können mir Zahlen auch egal sein. Diese Unabhängigkeit genieße ich sehr.

    Leif: Dieses Privileg befreit deine Kunst bestimmt sehr.

    Mine: Total. Für mich ist es auch die einzig richtige Herangehensweise. Unter Druck könnte ich gar keine freie Kunst machen. Das Musikmachen an sich ist ja das Schöne an dem Job. Und wenn das verloren geht, dann hätte ich gar keinen Bock mehr das zu machen.

    Leif: Das verstehe ich sehr. Du kannst das am besten beurteilen: BAUM ist voll mit persönlich und biografisch wirkenden Songs. Wie viel Mine steckt in den Texten?

    Mine: Es ist schon sehr persönlich, ich denke mir da nichts aus. Für mich ist das Musikschreiben immer Safe Space und Dinge aussprechen, die ich mir vor anderen Menschen so nicht traue. Deshalb ist das alles eigentlich privat. (lacht) Bei jedem Song geht es um eine gewisse Situation, die ich empfunden habe. Und den Dampf lasse ich dann in der Musik raus.

    Leif: Es gibt ja auch Storytelling im Songwriting, aber du musst da schon einen persönlichen Bezug zur Handlung haben?

    Mine: Ich finde es fühlt sich dann so an, als würde man sich selbst covern. Es ist dann eher die Schauspielerei. Und ich finde das auch voll geil, wenn das Leute können. Die haben dann auch ein Alter Ego und schreiben dann Sachen, zu denen sie gar keine Gemeinsamkeiten haben. Aber so ist es bei mir nicht. Ich bin genau die gleiche Person wie hinter der Bühne. Zumindest fühle ich mich nicht anders.

    Der BAUM zieht sich bei Mine als optisches und rhetorisches Mittel wie ein roter Faden durch Album und Bühnenbild.


    Leif: „Werde geboren und werde dann groß, lerne zu leben und dann bin ich tot“ – Hören wir da Kritik an einem kapitalistischen Mittelmaß im Titelsong BAUM?

    Mine: Ich liebe diese Interpretation, auch wenn sie nicht die Gedanken waren, als ich den Song geschrieben habe. (lacht) Aber ich kann sehr zu ihr relaten. Weil ich auch richtig abgef*ckt bin vom Kapitalismus. (lacht lauter) Ich finde es ganz schlimm, wie das Schulsystem kleine Arbeitssoldat*innen zusammenschustert, die, sobald sie außerhalb dieser Leistungsgesellschaft keinen Platz finden, durch das System fallen. Deshalb finde ich diese Interpretation super.
    Aber eigentlich hatte ich beim Schreiben eher an den Zyklus gedacht, den zwar jeder Mensch individuell durchlebt, der sich aber auch ganz unemotional ständig wiederholt. Das soll gar nicht so emotional aufgeladen sein. Es ist einfach Fakt, dass unsere Großeltern, Eltern und Kinder das Gleiche machen. Du wirst da reingeworfen, dann versuchst du klarzukommen, denn gehst du wieder und nach zwei Generationen kann sich keiner mehr an dich erinnern. Ich glaube, dass Menschen sich selbst prinzipiell ein bisschen zu wichtig nehmen. Manchmal ist es gut sich bewusst zu machen, dass das Allerwichtigste ist, dass man Menschen gut behandelt. Alles andere, wie „Ich hinterlasse Fußspuren“ finde ich etwas lächerlich.

    Die BAUM TOUR 2024

    Leif: Die nächsten Fragen zielen auf deine BAUM TOUR 2024 ab. Tourst du gern?

    Mine: Ja, ich lieb‘s! Für mich ist das total Quality Time. Ich bin Mutter von Zwillingen und arbeite sehr viel. Daher habe ich nie so viel Zeit für mich selbst wie jetzt auf Tour. Das genieße ich sehr. Und auch, dass ich mein Team um mich herumhabe. Das sind alles meine Freunde und mit denen unterwegs zu sein fühlt sich an wie eine Klassenfahrt. Ich liebe es mit ihnen Musik zu machen. Aber die Tour ist generell so krass! Es läuft alles so gut und es ist sehr erfüllend.

    Leif: Die ausverkauften Veranstaltungen und die hochgebuchten Konzerte machen es doch sicher noch besser, oder?

    Mine: Ich habe ab dieser Größe hier nach unten alles gespielt. Jede Größe von 30 Leuten bis zu dem, was ich momentan spiele. Ich fand’s auch vorher cool. Was es natürlich mit sich bringt, wenn man mehr Zuschauer*innen hat, ist, dass man alle aus dem Team gut bezahlen kann. Für mich ist das sehr entspannend, wenn ich weiß, alle können davon leben. Denn man investiert super viel Zeit. Aber vom Publikum her ist es ganz egal, es ist immer ein geiles Gefühl. Diesbezüglich ist es bei uns auch nie schlechter geworden. Es kamen immer etwas mehr Leute dazu als vorher. Es gab da nie einen Sprung, sondern ging konstant weiter nach oben. Total angenehm, aber crazy, dass wir jetzt so groß unterwegs sind. Und total entspannt.

    Leif: Entspannt?

    Mine: Ja! Ey, früher sind wir noch hunderte Kilometer selbst auf der Autobahn gefahren mit einem Sprinter. Danach ist man anders müde.

    Leif: Und dann muss noch performt werden!

    Mine: Genau. Das war zwar auch cool, aber jetzt haben wir natürlich Luxus.

    Leif: Was machst du denn beim Touring zwischen den Auftritten am liebsten?

    Mine: Sport! Ich mache jeden Tag Sport. Und heute habe ich noch einen Beat produziert. Sonst geht der Tag ziemlich schnell rum. Wir fangen schon um 14 Uhr an, so viel Zeit ist dann gar nicht mehr. Sport, Duschen, Bühne vorbereiten, Einsingen, Essen und Interviews geben. (lacht und klopft mir auf die Schulter)

    Leif: Du hast eben deine Zwillinge angesprochen. Was fehlt dir am meisten, wenn du unterwegs bist?

    Mine: Auf jeden Fall meine Kinder. Meine Kinder, das Studio und das Alleinesein. Man hat immer Menschen um sich rum und Zurückziehen ist da eher rar. Und meine Freunde in Berlin fehlen mir auch sehr. Aber sonst vermisse ich ehrlich gesagt gar nicht so viel.

    Leif: Das reicht ja auch! Selbst eine Sache zum Vermissen kann ja schon schwer wiegen.

    Mine: Im Großen und Ganzen sind es auch eigentlich nur meine Kids. Alles andere ist nicht der Rede wert. Die sind so süß. (lacht)

    An dieser Stelle sei erneut auf die anfängliche Triggerwarnung hingewiesen:
    Sollte euch die Auseinandersetzung mit den Themen Drogen und Drogenkonsum schwerfallen, lest diesen Artikel ab dieser Stelle bitte nicht weiter.

    Leif: Bei uns endet ein Interview immer mit einer Anekdote oder etwas, was du noch nie über dich erzählt hast. Was ist deine untold story?

    Mine: Eine Sache kann ich dir verraten. Was ich noch nie gesagt habe, weil ich das eigentlich nicht verherrlichen will, ist, dass es bei einem Song von mir um LSD geht. Ich habe das noch nie erzählt, denn ich bin nicht so ein Fan davon, über Drogen in der Öffentlichkeit zu reden. Ich denke, das Thema muss mit sehr großer Vorsicht betrachtet werden. Und ich rate Leuten prinzipiell erstmal davon ab, weil es sehr gefährlich ist für Leute mit psychischen Vorerkrankungen und man sehr aufpassen muss.

    Leif: Der Titel des Songs bleibt daher an dieser Stelle lieber unerwähnt. Und damit endet unser Interview! Ich danke dir für deine Zeit, für das schöne Gespräch und freue mich auf’s Konzert!

    Mine: Mich hat es auch gefreut! Wir geben heute alles!


    Dass zum Beinahe-Tourende alles gegeben wurde, verspürte man in jeder Sekunde des Konzertes. Die kraftvolle und energiegeladene Performance zeichnete sich durch einen abwechslungsreichen Mix aus Mine-Klassikern und neuen Songs des Albums aus. Auch die Support Acts Shelly Phillips und ffortissibros heizten dem Saal ordentlich ein.

    Am Ende wird hier die klare Empfehlung ausgesprochen, ein Mine-Konzert zu besuchen. Auch, wenn die Tour nun vorbei ist, stehe weitere Daten in der bald startenden Festivalsaison an.


    22.06.2024 – Duisburg, Traumzeit Festival
    24.07.2024 – Freiburg, Zelt-Musik-Festival
    25.07.2024 – Marburg, KFZ
    16.08.2024 – Leipzig, Parkbühne Geyserhaus
    17.08.2024 – Hamburg, MS Dockville
    07.09.2024 – Berlin, Lollapalooza
    08.09.2024 – Berlin, Lollapalooza


    Wer sich das Album BAUM bisher noch nicht angehört hat, sollte es schleunigst tun. Die Möglichkeit zum Reinhören gibt es hier.

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    Fotocredit: Bastian Bochinski

  • some sprouts im Interview: »Es war nie dafür gedacht, mal auf eine Platte zu kommen«

    some sprouts im Interview: »Es war nie dafür gedacht, mal auf eine Platte zu kommen«

    Sommer, Sonne, gute Laune: Genauso klingen die Songs von some sprouts. Die Indie-Band aus dem Süden Deutschlands klingt nach einem Strandtag im Urlaub an der spanischen Küste oder einem Sommer-Flirt im Campingtrip. Auf den Synthie-Sounds von some sprouts lässt es sich perfekt in die Leichtigkeit des Sommers träumen. Für das perfekte Gefühlsbad gibt es aber auch noch eine Portion Melancholie dazu.

    Ja, lange haben uns die Indie-Boys aus Regensburg auf ihr Debütalbum warten lassen. Sporadisch wurden Singles oder mal eine EP veröffentlicht, aber das Album ließ warten. Dabei gehören some sprouts seit 2017 zum Repertoire einer jeden Indie-Klassiker Playlists. Mit Songs wie „Someone you love“ und „She longs for you“ wurden Ohrwürmer in die Welt gesetzt, die nur schwer wieder wegzubekommen sind. Mit ihrem Debütalbum „sweet bug“ liefern die Jungs jetzt ein volles Paket an neuen Ohrwürmern. Im Interview sprechen sie darüber, warum das Album so lange warten ließ, welcher Song eigentlich nur Zufall war und wie es zu dem Namen „sweet bug“ kam.

    some sprouts im Interview

    Anna: Mögt ihr euch einmal kurz vorstellen?

    Jakob: Ich bin Jakob. Ich spiele Gitarre. Alek spielt Bass.

    Jonny: Und ich bin der Schlagzeuger Jonny. Ich bin noch recht neu dabei.

    Anna: Ihr macht jetzt seit gut 6 Jahren zusammen als some sprouts Musik. Wie kommt es, dass euer Debütalbum erst jetzt rauskommt?

    Jakob: Wir haben eigentlich immer so von Song zu Song gearbeitet. Das war für uns nie so ein Ding, ein Album zu machen, wie es vielleicht früher mal wichtig gewesen ist. Das man dann mit einem Debütalbum irgendwie mal rauskommt und dass das so der Ritterschlag ist. Das war für uns irgendwie in Zeiten des Streamings gar nicht mehr so relevant. Ob es jetzt ein Album ist oder eine EP oder man geht irgendwie von Projekt zu Projekt – das war egal. Und zum Beispiel bei der letzten EP war das auch nicht konzeptionell gedacht, sondern das hat sich dann im Nachhinein so ergeben. Okay, wir haben jetzt sechs Lieder. Lass doch eine Platte machen. So ist es dann irgendwie oft gewesen. Genau. Und dieses Mal war es dann irgendwie so, dass wir eine Phase hatten, wo wir viel geschrieben haben und dann auf einmal relativ viele Songs da waren. Und dann dachten wir, das könnten wir jetzt nutzen und da gleich ein Album draus machen.

    Der Kleber, der das Album zusammenhält: Das Schöne im Unperfekten

    Anna: Beschreibt doch mal: Worum geht es thematisch in „Sweet bug“?

    Jakob: Man macht sich dann ja irgendwie doch immer Gedanken und man könnte das jetzt schon so voll bedeutungsschwanger aufladen. Aber im Endeffekt glaube ich am Anfang stand an dem Namen so ein bisschen das Wortspiel oder der Gag. Ich glaube, es war eine Nachricht, die der Joshi mir mal geschrieben hat oder ich Joshi geschrieben habe, aber keiner konnte sich so genau dran erinnern, warum eigentlich oder wer es wem geschrieben hat. Aber irgendwie war dieses „sweet bug“ dann da und das fanden wir irgendwie witzig und auch, dass „bug“ einerseits als Käfer, andererseits wird es ja dann in der Computersprache auch als Fehler verwendet. Dieses Positive durch „sweet bug“, also das Positive in einem Fehler sehen oder dass ein Fehler auch eine Tür zu einer ganz neuen Welt sein kann. Das war dann, was uns irgendwie an dem Namen gefallen hat. Das ist eigentlich auch das, was das Album ein bisschen zusammenhält. So dieses schöne in dem Unperfekten zu sehen.

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    Anna: Würdet ihr sagen, das spiegelt sich dann auch in den Songs inhaltlich wieder?

    Jakob: Von den Lyrics würde ich sagen: Da ist es glaube ich gar nicht so klar, weil die dann doch tendenziell hauptsächlich über zwischenmenschliche Sachen gehen. Romantisch, aber auch platonische Beziehungen. Aber im Sound würde ich sagen, da kann man es schon auf jeden Fall raushören. Und wir haben auch zum Beispiel einen Song drauf, der das eigentlich ganz gut trifft. „My Idea 84“ – das war nur eine Demo, wo wir dann doch irgendwie gedacht haben: ganz nett, könnte man draufpacken und da haben wir zum Beispiel die Drums nur mit einem iPhone aufgenommen. Das haben wir aber bewusst so gelassen und auf die, auf die, auf die Platte gepackt. Also auch wie es entstanden ist. Es war nie dafür gedacht, dass es mal auf eine Platte kommt, geschweige denn irgendwie mal online geht. Es war eigentlich nur eine spontane Recording Session und die ist natürlich ziemlich voller Fehler. Und genau da glaube ich, kann man es auf jeden Fall raushören.

    Alek: Das ist dann wieder der Vorteil an dem Album, dass du das wir halt jetzt mal so einen Song haben, der eigentlich mehr so demomäßig ist oder ein Instrumental Song. Das würde man sich bei einer fünf Song EP halt dann irgendwie zweimal überlegen.

    Jakob: Ja, das stimmt. Wir haben vorher drüber geredet, wie sich das Streaming in den Recording Prozess quasi eingeschlichen hat oder die Art wie Musik gehört wird. Aber so ein Album gibt dann schon noch mal Freiheiten für unkonventionellere Sachen und aus dem Schema F ein bisschen auszubrechen.

    „Wenn man nicht zu sehr auf sich selber achtet, dann feiert man den Song mehr“

    Anna: Habt ihr denn einen Lieblingssong auf der auf dem Album? Und wenn ja, warum?

    Jonny: Das tatsächlich der einzige, auf dem keine Drums drauf sind: „Crave„. Der ist also entstanden, bevor ich überhaupt bei euch gespielt habe. Dann habe ich irgendwann mal die Demo oder nicht die Demo, sondern ja schon den fertigen Song gehört und fand den ziemlich ziemlich nice und war dann irgendwie richtig froh, dass der das dann auch auf die Platte geschafft hat.

    Alek: Ja, Witzig. Ich glaube, mein Lieblingssong ist auch einer, wo ich quasi nicht selbst drauf bin. Also da hat der Tobi Blessing in der Session den Bass eingespielt. Ich finde „Green Feather“ einfach am nicesten. Vielleicht ist es aber auch so ein Phänomen, das, wenn man nicht zu sehr auf sich selber achtet, dass man den Song mehr feiert.

    Jakob: Ja, das stimmt, wenn man das Gefühl hat, man könnte noch was ändern, dann will man es auch irgendwie ändern, wenn man es jemand anders eingespielt hat, dann hat man nicht so einen kritischen Blick drauf.

    Anna: Ich hab mal irgendwo gelesen, dass eure Musik nach Sommer klingt – find ich sehr passend. Was meint ihr, wie würde ein some sprouts song klingen, der sich nach Winter anhört? Was müsste der für Elemente haben?

    Alek: Also ich finde der Opener ist zum Beispiel so ein herbstlich, winterlicher Song von der Stimmung her. Ich glaube nicht, dass der nur nach Sommer klingt.

    Jakob: Vielleicht bräuchte es noch Glocken, um mehr nach Winter zu klingen. Müsste auf jeden Fall auch langsamer sein. Natürlich in Moll.

    Alek: Die Frage ist: Welche Songs klingen generell wie Winter? Mir fallen eigentlich nur so melodische Metal Sachen ein oder irgendwie so Weihnachtssongs.

    Jakob: Müssen wir mal ausprobieren. Das wäre vielleicht mal eine Challenge, um aus unserer Komfortzone rauszukommen.

    Die Magie der englischen Sprache in Songs

    Anna: „Es ist einfacher, Gefühle und Erfahrungen auf Englisch zu schreiben, da versteht man das nicht sofort. Wenn man auf Deutsch singt, ist man ein bisschen nackter.“ – Das ist ein Zitat aus einem Interview von 2019 (damals war ich noch bei Ernst.FM) – unterschreibt ihr das noch immer so?

    Jakob: Es ist schon so, dass Yoshi schon auch in letzter Zeit, in den letzten Jahren, auch hin und wieder mal Songs auf Deutsch geschrieben hat. Von dem her würde ich sagen, da hat sich schon ein bisschen was getan, oder Ich höre jetzt auch hin und wieder mal deutschsprachige Sachen. Genau. Aber im some sprouts-Kontext kann ich mir das nicht vorstellen. Aber es gibt auf jeden Fall Songs von unserem Sänger Joshi, die auf Deutsch sind.

    Anna: In besagtem Interview habt ihr auch erzählt, dass ihr teilweise noch mehr oder weniger im Studium hängt – wie sieht‘s an der Front denn jetzt 5 Jahre später aus?

    Jakob: Die Phase haben wir jetzt alle überwunden. Außer Jonny. Der ist genau mittendrin, sozusagen.

    Jonny: Genau, ich studiere soziale Arbeit, aber auch noch gar nicht so lang.

    Jakob: Der Rest von uns ist jetzt ins Arbeitsleben eingetreten.

    Alek: Also Jakob ist Arzt.David macht so Projektmanagement-Zeug. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni.

    Jakob: Joshi ist auch schon fertig mit Studium und in der Medieninformatik tätig. Aber er arbeitet nicht voll und hat noch etwas mehr Zeit für die Musik.

    Demos = finale Songs und warum das gut ist

    Anna: Was hat sich bei euch über die Jahre verändert – entstehen die Songs auf andere Weise oder bleibt ihr da beim Altbewerten?

    Jakob: Ja, hat sich schon verändert, würde ich sagen. Früher ist schon noch viel mehr im Proberaum entstanden. Das war aber auch als wir noch viel mehr live gespielt haben und da hat sich mehr ergeben. Da gab es dann mal eine Demo, die am iPad entstanden ist und jetzt genau produktionstechnisch weit gedacht war. Hatte eigentlich nur den Zweck, dass man es festhält. Dann haben wir halt die Songs gespielt und dann haben sie sich meist erst entwickelt und sind runder geworden. Erst dann sind wir ins Studio gegangen und haben die aufgenommen. Und jetzt bei dem Album ist viel mehr am PC entstanden. Und da haben wir dann noch viele Sachen, die in den Demos drin waren, auch in die finalen Versionen übernommen.

    Anna: Eine Frage habe ich noch: Habt ihr eine untold story für mich parat?

    Alek: Jakob dachte, dass Kraftklub an Stelle von „Wenn du mich küsst, schreibt Noel wieder Songs für Liam“ „… schreibt Bohlen wieder Songs für Liam“

    Jakob: Ich habe es einfach so hingenommen. Ich dachte klar, natürlich, Dieter Bohlen macht voll Sinn. Aber jetzt macht es wirklich viel mehr Sinn.

    Anna: Aber wenn man das halt einmal gehört hat, dann hört man das ja auch immer so weiter. Das Problem daran?

    Jakob: Ja voll, ich hab das eine Zeit lang echt nur gehört.

    Anna: Mein Beileid an dieser Stelle. Aber trotzdem danke, dass ihr diese Story geteilt habt und danke für’s Interview.

    Jakob: Danke dir und viel Spaß beim Album hören!

    Für alle, die es noch nicht getan haben, hier könnt ihr „sweet bug“ von some sprouts streamen:

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  • „I’ve just been on a journey of loving myself“– girl in red mit „I’M DOING IT AGAIN BABY!“

    „I’ve just been on a journey of loving myself“– girl in red mit „I’M DOING IT AGAIN BABY!“

    SHE’S DOING IT AGAIN BABY! – Die norwegische Künstlerin girl in red ist zurück mit ihrem zweiten Album und schafft damit einen würdigen Nachfolger ihres Debüts „if i could make it go quiet“ (2021). Der Release des zweiten Albums ist immer schwer, vor allem, wenn das Erste durch die Decke ging. Die Erwartungen waren also hoch – so auch bei mir, als ich das erste Mal in das neue Album reingehört habe. 

    Seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums sind ein paar Jährchen vergangen, die auf der neuen Platte deutlich zu hören sind. Ihre Stimme ist klarer, die Stimmung positiver und selbstbestimmter. Was gebelieben ist, sind die ehrlichen und humorvollen Lyrics, die einen intimen Einblick in den Kopf von girl in red geben. Selbstbewusst, energievoll und trotzdem sensibel erzählt das Album von Selbstliebe, der Liebe für das Leben und einen ganz besonderen Menschen in ihrem Leben. Dabei klingt die Platte vor allem selbstreflektiert.


    „I’m on a new level, something’s got me feeling so good (I could be inflammable, and I might be), My energy is through the roof (I’m gonna light it up) Yeah, nothing’s gonna stop me now“

    SHE’S BACK 

    Schon der Titel „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ zeigt, wie viel Entschlossenheit und Positivität im neuen Album steckt. Dabei ist der Sound immer noch typisch girl in red, im Gegensatz zum Debüt sind die Songs jedoch ein wenig abwechslungsreicher. Im gelungenen Opener „I’m Back“ beschreibt Marie den Prozess nach ihrer Depressionserkrankung, wieder zurück zu sich selbst gefunden zu haben. Die verspielte Klavierballade lässt das Album schon von Beginn an selbstbewusst und hoffnungsvoll klingen.


    Der Titeltrack „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ ist die Hymne des Albums und ein Song, den man so bisher noch nicht von der Künstlerin gehört hat. Dieser strahlt nur so vor Selbstliebe und Energie, ein Song, der einfach nur Spaß macht. Thematisch knüpft „I’M DOING IT AGAIN BABY!“ an „I’m Back“ an. Das Gefühl, sich gut zu fühlen, äußert sich dort auf eine schräge, überdrehte Art und Weise.  

    Die ersten Klänge von „Too Much“ haben mich sehr an das erste Album erinnert. Hier verarbeitet die Norwegerin, dass sie von außen immer als „zu viel“ wahrgenommen wird. Obwohl in dem Song auch ein wenig Traurigkeit steckt, vermittelt er viel mehr ein Gefühl von Ermutigung, dass man genau so viel sein kann, wie man eben muss. „Phantom Pain“ ist ein energie- und humorvoller Song über das Verliebtsein. Kann man Herzschmerz bekommen, obwohl man die Person nicht mal richtig kennt? girl in red bezeichnet dieses vermeintliche Gefühl von Herzschmerz als „Phantom Pain“, das sie nach einer Abweisung beim Kennenlernen ihrer Freundin verspürt hat. 


    Musikvideo zu „Too Much“

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    „You Need Me Now?“ ist das einzige Feature auf dem Album und ein weiterer Empowerment-Song. Zusammen mit Sabrina Carpenter erzählt girl in red von einer toxischen Ex-Beziehung, die sie hinter sich lassen möchte. Gerade der treibende Sound und die Rock-Elemente machen den Song zu einer Feier der Selbstpriorisierung. Ob das Feature nötig gewesen ist, darüber lässt sich allerdings streiten. Nun fehlt noch der Song über die eine große Liebe. „A Night To Remember“ handelt von der Nacht, in der Marie ihre Freundin kennengelernt hat: „Can you feel the chemical reaction? You triggered my desire and attraction, everything in me wants this to happen“. Ein typischer girl in red Song, der als langsame Ballade beginnt und später lebendig wird.


    „It was a night to remember, nothing ever felt like, The moment I met her, I met the rest of my life“


    Meine zwei Favoriten auf dem neuen Album sind unter anderem „Pick Me“ und „New Love“. Beide Songs mag ich vor allem in musikalischer Hinsicht. Die melodievolle Klavierballade „Pick Me“ baut eine Dramatik im Song auf, die zum ersten Mal nach Sehnsucht und Schmerz klingt und thematisch wieder an das letzte Album erinnert. Mit dem vorletzten Track „New Love“ möchte Marie ein Kapitel schließen, dass sich vermutlich auch auf die Thematik von „if i could make it go quiet“ bezieht. Die gleichbleibende Dynamik und das lange Outro lassen den Song demnach als guten Abschluss stehen.

    girl in red hat mit „I’m Doing It Again Baby!“ ein hoffnungsvolles und ermutigendes Album geschrieben, das Selbstliebe und -achtung in den Fokus nimmt, Selbstreflexion thematisiert aber auch über Ängste und Schmerz spricht. Das neue Album klingt nach girl in red, ehrlich, verspielt und nun auch selbstbewusster.

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    Foto Credits: Heather Hazzan

  • Traurige Indie-Songs für Außenseiter: Philine Sonny ermutigt mit ihrer „Invader“-EP

    Traurige Indie-Songs für Außenseiter: Philine Sonny ermutigt mit ihrer „Invader“-EP

    Musik für Außenseiter – das klingt erstmal total uncool, aber zeugt von großer Stärke. Philine Sonny bezeichnet sich selbst oft aus Außenseiterin oder Eigenbrödlerin. Sie hatte zu Schulzeiten keine feste Freundesgruppe, konnte sich nirgendwo so richtig einfinden und hat einen Großteil ihrer Freizeit in ihrem Zimmer verbracht, wo sie (zu unser aller Glück) ihre Gefühle in Songs verpackt hat und sich selbst das Produzieren beigebracht hat. Wenn ich sagen würde, Philine Sonny macht Indie-Musik, dann könnte ich wohl kaum eine allgemeinere Beschreibung finden – und das wird ihr auch nicht gerecht. Aber trotzdem reiht sich ihre Musik perfekt in die deutsche Indie-Bubble ein. Kein Wunder, dass sie zusammen mit Shelter Boy, Amilli oder Brockhoff musiziert.


    Ungeschönte Ehrlichkeit – verpackt in Songs

    Im Februar habe ich Philine Sonny als Vorband beim Giant Rooks Konzert gesehen. Etwas abgehetzt, weil ich mal wieder viel zu spät los gefahren bin, kam ich gerade rechtzeitig zum ersten Song der Künstlerin in der Konzerthalle an. Und was soll ich sagen – ich habe direkt geweint. Ich weiß nicht einmal genau warum, aber diese Emotionalität in den Songs von Philine Sonny kickt live einfach nochmal ganz anders. Ein Moment ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Bevor die Band „same light“ anstimmt, erzählt Philine, welche Geschichte hinter dem Song steckt: Sie erzählt, dass es ihr oft peinlich war, mit 22 noch Jungfrau zu sein und sich komisch gefühlt hat – und genau das in dem Song verarbeitet hat.

    Ganz ehrlich und ermutigend gesteht sie dann sich und dem Publikum ein, dass es doch total bescheuert ist, sich dafür zu schämen und doch jede*r das machen sollte, was und wie einem am besten passt. Diese Ehrlichkeit auf Konzerten ist nicht selbstverständlich und hat einfach ein verdammt gutes Gefühl bei mir hinterlassen. Deshalb habe ich mich auch gefühlt als würde ich in der Wolke einer wohl-warmer Umarmung liegen. Und genauso fühlt sich für mich auch die EP „Invader“ an.

    Warum heißt die EP „Invader“ Invader – also Eindringling? „Ich habe gemerkt, dass das etwas ist, wo ich Angst vor habe – in verschiedenen Bereichen meines Lebens“, erklärt Philine. „Zur Therapie zu gehen hat mir geholfen das Thema aufzuarbeiten und mir gezeigt, dass es ein großes Ding ist, was mich schon lange begleitet.“ Auf der EP nimmt Philine uns mit auf eine Art Therapiestunde und zeigt uns, dass wir uns nicht zu fühlen brauchen als wären wir ein Eindringling oder alleine mit diesem Gefühl.

    Mit „I wanna take drugs“ gibt es wohl kaum einen deutlicheren Einstieg in eine EP. Textlich zeichnet Philine ein klares Bild im Kopf: „Es ist eine romantisierte Idee, wie das Leben aussehen würde, wenn man ganz dreist und rücksichtlos die Angst hinter sich lassen würde und alles riskieren würde, um sich lebendig zu fühlen.“ Ganz im Gegensatz dazu zieht der Sound ein verträumtes Bild und lässt Grenzen verschwimmen. Egal, ob es gewollt ist oder nicht: Die romantisierte Idee wird zur Realität. Eine Realität in der alles schei*egal ist und das Bauchgefühl entscheidet, was richtig ist.


    „Somebody out there?“

    In Denial“ ist der Weckruf. Nach der verträumten Indie-Pop-Hymne rüttelt der zweite Track auf „Invader“ uns wach aus unserem Traum. Der Fokus liegt auf dem Bass und wird durch Post-Punk-Elemente  mit dem richtigen Retro-Gefühl unterstrichen – passend zur Coming-of-Age-Story, die Philine Sonny über die Lippen bringt. Immer wieder fragt sie „Somebody out there?“ und bekommt keine Antwort. Ein Gefühl, dass vermutlich viele nachvollziehen können.

    Die selbsternannte Außenseiterin spricht die Gedanken eines jeden Eigenbrödlers aus. Zwischen Einsamkeit und Wohlfühlen im Alleinsein. „Es versteckt nicht den Schmerz, der mit hoffnungsvoller, jugendlicher Beharrlichkeit daherkommt, die von der Erkenntnis überschattet wird, dass einige Dinge einfach nicht sein sollen. Es ist auch eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, zu lernen für sich selbst einzustehen.“


    Viele Fragen, wenig Antworten

    Nach dem Power-Track der EP, versetzt der langsame Acoustic-Track „Stranger In Your Living Room” uns wieder zurück in eine Gedankenwelt voller Fragen. Gehöre ich hier hin? Bin ich zu viel? Geht es gerade zu schnell? Überschreite ich hier eine Grenze? Was passiert hier gerade mit mir? All diese Fragen stellt Philine Sonny sich in „Stranger In Your Living Room”. Und all diese Fragen bleiben auch offen. Der Song hinterlässt beim Hören irgendwie ein leicht schlechtes Gefühl und bringt viele dieser Fragen in einem selbst hoch. Das gilt natürlich nur, wenn man sich drauf einlässt, denn „Stranger In Your Living Room” lässt auch sehr gut nebenbei hören und die ganzen Gefühle in den Lyrics ignorieren. Denn so viele alle Songs auf der EP von Philine Sonny verlangt dieser Song besonders, dass man sich auf ihn einlässt und sich selbst hinterfragt.

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    Die Gedankenwelt, in die Philine Sonny uns seit 3 Songs gesungen hört auch mit dem folgenden Track nicht auf – doch gibt mal wieder einen kleinen Lichtblick. „Take A While“ baut sich erst langsam mit atmosphärischen Gitarrenakkorden auf und geht dann über in einen offenen, treibenden Refrain. „Der Song ist ein Liebesbrief an alle, die damit strugglen, ihre Verletzlichkeit dem Schmerz überleben zu lassen“, erklärt Philine.

    Etwas, das ich vorher noch gar nicht erwähnt habe, fällt bei diesem Track besonders auf: Die Stimme von Philine Sonny kommt sehr sanft daher und geleitet und quasi immer weiter rein in unsere Gedankenwelt – ohne dabei aufdringlich zu werden. Zu meiner großen Freude darf aber bei „Take A While“ die Gitarre mal wieder in den Vordergrund, was dem Song eine erstaunliche Leichtigkeit verleiht.


    Die Erlösung?

    Und dann es endlich: Das Piano. Gibt es ein Instrument, das besser zu einem balladigen Track mit der zarten Stimme von Philine Sonny passt? Wohl kaum. „Lovely“ ist der wohl verletzlichste Song der EP, was durch den Einstieg des Pianos wunderschön unterstrichen wird. Und dann kickt der Herzschmerz so richtig als die verzerrte Gitarre, das hämmernde Becken und Philines hemmungsloses Jammern einsetzen. Also wer jetzt den Schmerz in dem Song nicht fühlt, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.

    Could you really tell something’s off,
    or did you just find what you were looking for?
    Did you really know from the start,
    or did you just never get over your fear of abandonment?

    „Das sind die Fragen, die „Lovely“ nie stellt“, erklärt Philine. „Diese nicht gestellten Fragen lassen Raum für Wut und Frustration, die für einen Moment die Überhand nehmen, alles rauslassen, um dann für das nächste Kapitel bereit zu sein: Selbstbeobachtung und Wiedergutmachung.“

    Mit ihrer „Invader“ EP beweist sich Philine Sonny nicht nur sich selbst eine Menge Mut, sondern ermutigt auch ihre Hörer*innen. Schmerz, Wut, miese Gefühle und ein schlechtes Gewissen – all diese Gefühle, Gedanken und Zustände sind Teil der EP, so wie sie Teil des Lebens sind. Philine Sonny besingt genau das in roher, ehrlicher und trotzdem irgendwie aufmunternder Art und Weise. Die selbsternannte Außenseiterin nimmt sich alle Außenseiter*innen da draußen und zieht sie mit sich aus ihrem Loch heraus. Und damit beweist die Künstlerin, wie relatable sie und ihre Musik sind.

    Wenn es für euch diesen Text brauchte, um auch von Philine Sonny zu überzeugen, dann hört spätestens jetzt unbedingt in ihre EP „Invader“ rein:

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    Fotocredit: Nicolas Blanchadell

  • Dramatischer Realismus: „Prelude to Ecstasy“ von The Last Dinner Party

    Dramatischer Realismus: „Prelude to Ecstasy“ von The Last Dinner Party


    Prelude to Ecstacy heißt das Debütalbum der britischen Band The Last Dinner Party. Der Titel verspricht eine Flucht vor der Realität – hält das Album dieses Versprechen? 1815 war ganz Europa in Folge des größten Vulkanausbruches aller Zeiten unter einer Decke der Dunkelheit verborgen. In dieser apokalyptisch scheinenden Zeit schuf Mary Shelley eine der ersten gotischen Novellen, besser bekannt als Frankenstein. The Last Dinner Party tun es ihr auf zeitgenössischer Art und Weise gleich.

    Das heutige apokalyptische Setting äußert sich im Sterben unseres Planeten und im Tod der Wahrheit. Im postfaktischen Zeitalter scheint nichts mehr real zu sein. Vielmehr besteht unsere Welt aus deep fakes, fake news und AI. The Last Dinner Party wirken dem entgegen mit etwas, was diese Dunkelheit durchbricht: Ehrlichkeit.

    Inspiriert durch Romantik, Gotik und einen Hang zum Grotesken schaffen die fünf Musikerinnen mit Prelude to Ecstacy ihren eigenen Frankenstein. Dabei halten sie an der Ästhetik des Ursprungs fest. Auch die Musik bedient sich an Stilmitteln einer enormen Dramatik, Theatralik und eines Surrealismus aus vergangen Zeiten. Die Lyrics hingegen könnten aktueller nicht sein. In ebendieses Bild passend: Das Album wurde aufgenommen in einer umgebauten Kirche.

    Der erste Akt

    Schlägt man die Definition von Präludium nach, so stoßt man auf folgende Beschreibung: Ein oft frei improvisiertes musikalisches Vorspiel oder eine fantasieartige selbstständige Instrumentalkomposition. Mit einer solchen findet sich ein dramatischer Einstieg in das Bühnenwerk Prelude to Ecstacy. Erster Akt.

    Die Atmosphäre des Anfangs geht in den darauffolgenden Songs keinesfalls verloren. Während Titel und Track von Burn Alive nur vor Spannung und Tiefe strotzen, wirkt Caesar on a TV Screen zuerst wie ein groteskes Trauerspiel, verwandelt sich aber nach gut einer halben Minute in ein kräftig theatralisches Stück Popmusik und kommt am Ende zu einer Art musikalischem Showdown.

    The Feminin Urge trägt die Stimmung mittels James-Bond-Gedächtnis-Gitarre weiter. Mit On Your Side und Beautiful Boy findet die Dramaturgie des ersten Aktes in schmerzlich träumender, vor allem wunderschöner Manier sein Ende. Zum Einsatz kommen hier neben klassischer Bandbesetzung – wie im Intro von Prelude To Ecstacy – klassische Instrumente.

    „I wish I could be a beautiful boy“


    Der zweite Akt

    Gehüllt in einem himmlischen Stimmennebel und begleitet von einer Kirchenorgel beginnt die zweite Hälfte des Albums mit dem choralähnlichen Gjuha. Der Übergang zum rockigen Popsong Sinner ist phänomenal und unterstreicht einmal mehr, wie sehr Prelude To Ecstasy als Gesamtwerk zu betrachten ist. My Lady of Mercy nimmt diese poppige Gelassenheit auf, wandelt sie jedoch im Laufe des Songs in sich aufbauende (und damit endlich wiederkehrende) Dramatik um.

    Portrait of a Dead Girl verwirrt zuerst, indem das Klavier einen 6/8-Takt vorgaukelt. Beim Einsetzen des Schlagzeugs wird aber klar, dass es sich hier um einen 4/4-Takt und eine triolische Spielweise des Klaviers handelt (und damit wäre der Musiktheorie-Bildungsauftrag erfüllt). Spannend wird es auch beim darauffolgenden Song, der der Bekannteste des Albums sein dürfte.

    „And I will fuck you like nothing matters“


    Nothing Matters verbindet alles, wofür dieses Album, seine Dramaturgie und Ästhetik stehen. Das Künstlerische mit kleinen musikalischen Verweisen an klassische Musik (Orgel, Harfe) verbunden mit zeitgenössischem, kraftvollem Rock. Dazu feministische Perspektive und apokalyptische Endzeitthematik. Sogar ein Gitarrensolo hat dieser sehr, sehr gute Song und ist damit zumindest einer der Höhepunkte des Albums.

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    Prelude To Ecstacy findet mit dem grandiosen Schauerspiel Mirrors ein bedrückendes Ende. Ist das Wort Dramatik schon viel zu oft in diesem Text gefallen, wird aber jene nun aus allen vorangegangenen Songs extrahiert und in einem großen Finale der Melancholie endgültig freigesetzt. Es verläuft sich allmählich in einer ekstatisch solierenden Gitarre über sinfonischen Streichern und verblasst langsam („I fade away“). Schließlich endet es, wie es anfing: mit orchestraler Instrumentalmusik.

    Mit Prelude To Ecstacy schaffen The Last Dinner Party ein perfektes Debütalbum und kreieren durchdacht einen einzigartigen Stil, der die Urform von Kunst und Schönheit mit Spannung und Hyper-Realismus vereint. Die Kombination aus Vergangenheit und Gegenwart gelingt der britischen Band in ihrer Musik und ihren Texten hervorragend. Das Album ist zum Reinhören unter diesem Artikel verlinkt.

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  • Shooting Star Naomi Sharon besingt auf „Obsidian“ mit viel Symbolik die Liebe

    Es ist kein Revival, sondern eine Reinkarnation. Naomi Sharon belebt die schönste Frauenstimme der jüngsten Vergangenheit wieder, und zwar die von Sade. Mit geschlossenen Augen und gespitzten Ohren hört man den Unterschied kaum. Doch der Sound ist ein neuer. Naomi Sharon holt die Musik Sade‘s in die Gegenwart und mischt die bezaubernde Klangfarbe ihrer Stimme mit modernen und sinnlichen Produktionen. 

    Definition of Love

    Obsidian steht für Klarheit und Positivität. Dem aus abkühlender Lava entstehenden Glas werden schützende Kräfte vor negativen Schwingungen nachgesagt, sowie die Fähigkeit toxische Energien zu reinigen und Chaos zu klären. Das Resultat: die Bedeutung der Liebe. Bei maximalem Verstand besingt Naomi Sharon auf ihrer Lead-Single ihre persönliche „Definition of Love“. Über einer meditativen Soundfläche mit plätscherndem Wassergeräuschen gleitet die raumeinnehmende Stimme der Sängerin begleitet von Hallfahnen durch die erste Strophe und den ersten Refrain, ehe der einsetzende Beat rhythmischen Halt gibt. Die Drums sind minimalistisch und dennoch prägnant, dank des geschickt eingesetzten Delays. Der sich ohne Gesang etablierende Beat sowie die anschließend gekonnt gesetzte Kunstpause geben Raum zum Durchatmen und Gedanken schweifen lassen.

    Mit der Klarheit, die die musikalische Komposition auszeichnet, beschreibt Naomi Sharon auch ihre Gefühle: „All I see, all I know, is that you are the definition of love“, und bringt ihre Ekstase mit den Worten „Heaven’s in your eyes, let me follow“ zum Höhepunkt. Die mantraartige Wiederholung dieser Zeile sowie der Zeile „Won’t rest ‚til I know for sure, won’t rest ‚til I know“ manifestieren den Wunsch nach Liebe und unterstreichen die Bestimmtheit ihrer Gefühle. Nach eigenen Aussagen deutet die Sängerin die Liebe von innen heraus und setzt die Liebe zu sich selbst als Maßstab.

    If this is Love

    Aus dem klaren Verlangen nach romantischer Intimität entwickelt sich deren Verneinung: „If this is love, then I don’t want it“. Im Sinne des Albumtitels klären sich auf dem zweiten Song des Albums die persönlichen Wünsche auf und stoßen daraus resultierend toxische Energien ab. Dies alles geschieht erneut über durch plätscherndes Wasser angereicherte Klangflächen und zurückhaltender Percussion. Die Bedeutungsschwere der sich wiederholenden Refrain-Zeile wird durch die zweite Stimme verstärkt. Aus der Verneinung der Liebe ergibt sich wiederum eine Bejahung. Die Ablehnung einer unzureichenden Liebe umreißt stärker die gewünschte Hingabe.

    Nahtlos fließt das Album weiter zum darauffolgenden Song „Another Life“, der sich mit der Kompliziertheit der Liebe auseinandersetzt. Der bereits etablierte Sound der niederländischen Sängerin mit karibischen Wurzeln breitet weiter seinen Radius aus. Die Stimme schwebt durch einen endlosen Klangraum, bis der signifikante Bass Orientierung bietet. Am Ende stehen erneut im Kreise laufende Zeilen im Fokus: „Love is a wicked game, still we play it“ bzw. „Don’t let your love run out“.

    Versiegte Romantik

    „Myrrh“ beginnt mit einer neuen Klangfarbe. Naomi Sharon besingt eine weitere Facette der Liebe über eine gezupfte Gitarre, die dieses Mal von Anfang rhythmische Struktur bietet. Der Klangraum bleibt allerdings riesig. Eine zurückhaltende Klangatmosphäre und weich gesetzte Delays erschaffen einen Raum zum Träumen. Die besungene nicht erfüllte Liebe wird dabei gekonnt durch die Refrain-Zeile „Kiss like myrrh, sweet perfume, ancient love fills the room“ auf den Punkt gebracht. Das vor langer Zeit für Parfüm verwendete Harz des Myrrhe-Strauchs versprüht einen Geruch, der ebenso an altertümliche Zeiten wie an die versiegte Liaison erinnert.

    Drake Summer Mixtape Vibes

    Mitte des Albums werden die Tracks tanzbarer. „Time and Trust“ gibt einen ersten Vorgeschmack, ehe der gemeinsame Song „Push“ mit dem nigerianischen Sänger Omah Lay die weichen und emotionalen Töne Sharons mit modernen Afrobeats und Amapiano Einflüssen verbindet. „Holding in Place“ treibt das Tempo weiter an und würde sich neben Songs wie „Get it Together“ oder „Passionsfruit“ nahtlos in das 2017 veröffentlichte Mixtape „More Life“ von Drake einordnen, ein Song, der im Winter Wärme spendet und im Sommer die Karibik nach Hause holt. Es ist kein Zufall, dass die Künstlerin bei Drake’s Label OVO unterschrieben hat. Eine Kollaboration würde nicht nur klanglich Sinn machen und den in Belanglosigkeit ertrinkenden kanadischen Rapper wieder etwas Spannung verleihen. „Extacy“ ist ein weiteres Puzzlestück, das Überschneidung mit Drakes Musikkatalog aufweist: Vocal-Samples, gedämpfte Drums und viel Platz für die Stimme. Und im Mittelpunkt steht erneut eine prägende, sich stets wiederholende Zeile: „It’s so easy to go, it’s so hard to come home“.

    Aus den verhallten Träumen in die klare Realität

    Auf „Lucid Dreamer“ gewinnt Sades Einfluss auch innerhalb der Produktionen. Funkelnde Keys und in Hall getränkte Percussion begleiten die träumende Stimme Naomi Sharons. Der dazu gehörende Kalenderspruch lautet dieses Mal: „If you’re not there, there’s no luxury worth living“. Dabei verrät der Titel bereits alles. Der Song ist ein Traum von sinnlicher Nähe, der sich so real anfühlt, dass er echt sein könnte. Es bleibt die Frage, was hören wir, wenn wir luzid träumen? Diesen Song!

    Das Ende des Albums hält noch eine Überraschung bereit. Der Hall verschwindet aus den Songs und es bleiben bescheidene Gitarren und die im Vergleich zurückhaltend effektierte Stimme. „Regardless“ und „Hills“ geben aufgrund der klanglichen Zurückhaltung noch mehr preis und fassen die verschiedenen Facetten des Albums zusammen. Die aktuelle Single „Nothing Sweeter“ führt den eingeschlagenen Weg weiter und kommt ebenfalls nur mit einer Gitarre aus, deren Akkorde und Melodien kaum schöner sein könnten.

    Ein Netz aus roten Fäden

    Naomi Sharon zeichnet ihren persönlichen Klang mit besonderer Klarheit. Warme Bässe ergänzen sphärische Flächen und erschaffen neue Dimensionen für eine ewig wachsende Stimme. Zentrales Element der Songs sind dabei immer sich im Refrain und Outro wiederholende Zeilen, die inhaltlich die Essenz des Liedes in sich tragen und als eine Art Mantra die eigenen Gedanken und Gefühle manifestieren. Dass dieses Album, dass sich in aller Ausführlichkeit mit der Liebe und dessen Reflektion beschäftigt, „Obsidian“ heißt, deutet darauf hin, dass der Heilungsprozess während der emotionalen Aufarbeitung im Vordergrund steht.

    Naomi Sharon zieht ihren roten Faden nicht nur durch ihre Songs, sondern auch durch ihren in blau & und schwarz gehaltenem Instagram-Feed bis hin zum Albumnamen. Diese besondere Homogenität ist ein Beweis ihrer künstlerischen Fähigkeiten und lässt fast vergessen was die Tracks auf dem Album auch sind: einfach verdammt schöne Songs.

    Was noch viel schöner ist, ist Naomi Sharons Konzert in Berlin Anfang April, das allerdings schon ausverkauft ist. Aber wer weiß, vielleicht wird die ein oder andere Karte noch frei.

  • Exklusive Videopremiere: Black Chai Stevia und „Callen“

    Exklusive Videopremiere: Black Chai Stevia und „Callen“

    Today’s Spotlight scheint auf Black Chai Stevia! Die Berliner Band veröffentlicht heute ihr erstes Musikvideo seit ihrem Comeback. Neues Wiedererkennungsmerkmal seit der Reunion: die stampfende four-on-the-floor-Kick, die jeden noch so umrhythmischen Körper zum Bewegen bringt.

    Die drei Jungs sind vor einigen Jahren mit ihrem Hit „Hoodie“ viral gegangen und haben die Hip Hop Welt mit ihrem besonderen Sound aufgewühlt. Nach einer Schaffenspause und neuen Projekten als BLVTH und Pabst bekommen wir endlich wieder neue Musik. Nach „Nachts um 4“ und „Seifenblasen aus Beton“ ist „Callen“ bereits die dritte Single der letzten Wochen. Vom Popsong mit Radiopotenzial über einen verzerrten Brutalismus 3000 type Beat hin zu einem mit Hyperpop angehauchten Hitsong, Black Chai Stevia beweisen eindrücklich ihre Vielseitigkeit.

    Dieses Mal wird der Song noch durch Visuals begleitet und wir sind mehr als hyped!

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    Black Chai Stevia, Pressefoto, Gaderobe, Musikvideo, Single, Premiere

    Was macht ihr, wenn ihr alleine im Büro seid, weil alle anderen im Home Office sind? Richtig! Die Fußnägel lackieren, mit der Tischhydraulik spielen, tanzen und … der Ex schreiben! Black Chai Stevia thematisieren in ihrer neuen Single die Zeit nach der Trennung, wenn man sich langsam eingesteht, dass das Single-Leben die neue Realität ist, aber man ab und zu noch an die Ex oder den Ex denken muss. Wenn dann noch das Büro leer ist und die Arbeit schon seit Stunden nicht mehr bockt, fliegt die Nachricht an den Ex-Partner, die man später bereut, schneller raus, als man denkt. Dass die kurz aufflammende Euphorie dann nicht erwidert wird, ist selbsterklärend. Die drei Musiker füllen die Leere im Herzen und im Büro dennoch mit kreativen Ablenkungen, gekonnten Tanzmoves und einem Hitsong! Das Schönste daran: Den Refrain können wir alle nach zwei Mal blinzeln mitsingen.

    Ah, Ah Ah Ah Ah!

    Streamt die neue Single und checkt das aufstrebende Trio auf allen sozialen Channels wie Instagram oder TikTok! Wer genau hinschaut, könnte vermuten, da kommt vielleicht bald eine EP!

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  • Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Drei Jahre nach Release seines Sophmore-Albums „Zeros“ ist Declan McKenna zurück mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    2015 gewann der gerade mal 16-jährige Brite den „Emerging Talents“-Wettbewerb des Glastonbury-Festivals und ist seither nicht mehr von den UK-Festivalbühnen wegzudenken. Mit der Kombination aus Upbeat-Sound und rockigen Elementen wird seine Musik oftmals mit Britpop verglichen. Aufrichtig, locker und ganz und gar nicht nullachtfünfzehn — Gerade für das Schreiben seiner politischen Texte (z.B. „British Bombs“ (2019), „Brazil“ (2015)) wird McKenna gelobt. Dabei richtet sich viel an seine eigene Generation.

    Nun veröffentlichte er sein drittes Studioalbum mit sechzehn Tracks, die mich in vielerlei Hinsicht überzeugt haben. Der Sound von „What Happened to the Beach?“ ist ein wenig anders als der seiner Vorgänger — experimenteller, aufregender und dennoch vertraut. Zwischen Beatles-Klängen („I Write The News“), 2000er-Indie-Rock Songs („The Phantom Buzz (Kick In)“) und typischen McKenna-Ohrwürmern („Nothing Works“, „Sympathy“) bietet das Album sehr viel Abwechslung. Von einer Platte, auf der sich jeder Song gleich anhört, fehlt hier jede Spur. Auf dem neuen Album herrscht ein entspannterer Vibe, als auf seinen Vorgängern. Die Songs sind langsamer und fühlen sich durchdachter an.



    “Opening up and embracing the simple things in life has helped me make something that is more authentically me than ever before.”


    „What Happened to the Beach?“ ist ein sehr persönliches Album, das nun mehr die Freuden als Katastrophen der Welt in den Fokus stellt. Für Declan scheint eine neue Zeit angebrochen zu sein, jene, die ihn befreiter Songs schreiben lässt. Er ist angekommen und selbstbewusster in dem, was er tut. Das Album beschreibt gleichermaßen die letzten Jahre, die nicht nur gobal sondern auch in persönlicher Hinsicht von Dunkelheit geprägt waren. In der Ballade „It‘s An Act“ zeigt sich diese emotionale und verletzliche Seite der Platte. 



    „If every song features a lyrical statement then it loses some of its impact, too. I haven’t let go of that aspect of myself but I don’t want to live out that style forever.”

    Das Album ist insbesondere von dem Ort geprägt, an dem es produziert wurde: dem sonnigen Los Angeles. Gefühle von Leichtigkeit und Sonnenschein, die Declan dort aufgesogen hat, lassen sich unter anderem auf dem Artwork wiederfinden, das übrigens ABBA-inspired ist. Musikalisch werden diese positiven Gefühle von den poppigen Tracks wie „Sympathy“, „Wobble“ oder „Elevator Hum“ eingefangen. 

    Mit „Mystery Planet“ folgen drei zusammenhängende Interludes, die nur auf der physischen Platte zu hören sind. Part I beginnt mit einem kurzen von Declan eingesprochenem Intro, dass später in den Song übergeht. Nach Track sieben folgt „Mystery Planet Pt. 2“, der sich eher nach kurzen abgehackten Ausschnitten anhört, um am Ende erneut den Song anzuteasern. Neben „I Write The News“ hört man auch hier die Beatles heraus. „Mystery Planet Pt. 3“ schließt das Album mit lauten, rockigen Drums ab. Als einer meiner Favoriten macht „The Phantom Buzz (Kick In)“ seinem Titel alle Ehre und ist mit seinen verzerrten Gitarren einer der rockigsten und energievollsten Songs auf dem Album. 

    „What Happened to the Beach“ ist trotz seines neuen Sounds ein klassisches Declan McKenna Album. Obwohl es im Gegensatz zu den vorhergingen Alben eher eine entspanntere Atmosphäre hat, wirkt die Platte durch seine experimentellen Einflüsse und psychedelischen Elemente viel aufregender und abwechslungsreicher. Ein Album, das von Anfang bis Ende durchdacht und vollendet wirkt, aber vor allem Spaß macht zu hören. 

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