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  • Zwischen Stroboskop, Energie und Dopamin pur: So war Wet Leg am 09.11.2025 in Berlin

    Zwischen Stroboskop, Energie und Dopamin pur: So war Wet Leg am 09.11.2025 in Berlin

    Nika und Noée, Schülerinnen der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, waren am 09.11.2025 auf dem Konzert von Wet Leg in der Columbiahalle in Berlin und berichten von ihrem Erlebnis.

    Columbia Halle ausverkauft

    Am 09. November 25 spielt Wet Leg im Rahmen ihrer fast vollständig ausverkauften Europa Tour nun auch in Berlin. Das britische Indie Rock Duo, bestehend aus Rhian Teasdale (Gitarre, Gesang) und Hester Chambers (Gitarre und backing Vocals), hat im Juli das zweite Studioalbum “moisturizer” veröffentlicht und bringt dies nun gemeinsam mit ihrer Band auf die Bühne. Mit beeindruckender Power und mitreißender Stagepresence schaffen die beiden es, ihr Publikum zu begeistern und ziehen die volle Columbiahalle in ihren Bann. Damit zeigen sie, dass Wet Leg deutlich mehr Wert sind als der anfängliche Socialmedia-Hype, den sie 2021 mit ihren ersten zwei Singles “Chaise Longue” und “Wet Dream” erzielten.

    Power Posing und Action von Sekunde 1

    Die Show startet gegen 21 Uhr nach der Vorband faux real, einem französisch amerikanischen Art Pop Duo, das theatrical Performance mit Hyper Pop kombiniert, und einer kurzen Pause gleich richtig durch. Die Spannung im Publikum ist deutlich zu spüren, die Erwartungen sind groß. Und wir werden nicht enttäuscht. Als Teasdale, begleitet von Stroboskop-Licht aus einer dichten Nebelwand an den Bühnenrand tritt und zu flexen beginnt, schreit die Menge vor Begeisterung. Als Opener werden wir mit “catch these fists”, der zweiten Single des aktuellen Albums, direkt gefesselt. Die fetzigen Gitarrenriffs und harten Schlagzeugbeats zusammen mit der rohen Energie bringen die Crowd sofort in Stimmung und setten den Tone für den restlichen Abend.

    Kompaktes Set – auch für kurze Aufmerksamkeitsspanne

    Die Setlist ist ein ausgewogener Mix aus Staples des ersten Albums, Fan-Favorites und neuen Hits. Nachdem das Konzert mit “catch these fists” und “wet dream” mit zwei der bekanntesten Songs beginnt, nimmt die Stimmung auch im Laufe des Abends nicht ab. Es folgt ein kompaktes Set mit kaum Unterbrechungen. Die Songs gehen nahtlos ineinander über, so wird die unglaublich ansteckende Energie sowohl auf der Bühne als auch im Publikum durch die ganze Show aufrechterhalten. Fast zum Ende des Sets kommt mit “Chaise Longue” wieder ein absoluter Banger. Der Song, mit dem alles begonnen hatte, hittet nochmal anders. Die Power im Raum scheint geradezu greifbar, als Fans Wort für Wort lauthals mitsingen.

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    Super Vibes und Community Feeling

    Die Atmosphäre schwebt irgendwo zwischen Power, Enthusiasmus und andächtiger Hingabe. Das Publikum, das sowohl in Alter als auch in Gender überraschend durchmischt ist, singt bei allen Songs laut und voller Begeisterung mit. Alle scheinen voll im Moment zu sein. Es wird mehr getanzt als gefilmt. Eine faszinierende Mischung aus Energie und Intimität entsteht durch eine Art von Gemeinschaftsgefühl, angetrieben durch eine geteilte Passion für Musik. Auffällt, dass es kaum Interaktionen zwischen Wet Leg und der Crowd gibt. Es werden kaum Ansagen gemacht, kein Kontext, nur Musik. Trotzdem herrscht eine vertraute Stimmung – auch ohne langes Reden.

    Sichtweite: 5 Meter max.

    Die Bühne ist die ganze Show über in einen dichten Nebel gehüllt, zerrissen von harten Strobo-Effekten in Weiß und Orange. Da der hintere Teil der Bühne nur schemenhaft zu sehen ist, liegt der Fokus fast ausschließlich auf Rhian Teasdale, welche uns mit ihrer Präsenz und Power-Performance alle flashed. Die Outfits der Band sind farblich schlicht in schwarz-weiß gehalten, wodurch Teasdales neongrüne Gitarre und pinke Haare spannende Kontraste in das sonst relativ minimalistische Bühnenbild bringen.

    Perücken und Seifenblasen

    Für ein paar Songs kommt ein Special Guest auf die Bühne. Die Band stellt ihn nur kurz als “Tamburine Guy” vor. Da er im hinteren Teil der Bühne kaum zu sehen ist, fällt nur seine enorme, zottelige Perücke auf, die fragwürdig macht, inwiefern er überhaupt etwas sehen kann. Nichtsdestotrotz hindert dies den mysteriösen Unbekannten scheinbar nicht am Musizieren. Ein weiteres Highlight: Gegen Ende kommen plötzlich Seifenblasen von der Seite, die die Bühne und alles drum herum in nebelige Bubbles hüllen und eine mystische, düstere Atmosphäre über den Raum legen. Die Securities vorne an der Absperrung haben sichtlich Spaß dabei, die Blasen platzen zu lassen – wofür Teile des Publikums applaudieren und so für einen denkwürdigen Moment sorgen – eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Publikum und Sicherheitsdienst.

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    Wie in Trance

    Nach 75 sehr intensen Minuten endet das Konzert mit “mange tout” so plötzlich, wie es begonnen hat. Keine Verabschiedung, keine Zugabe. Die Band verschwindet wieder im Nebel und lässt das Publikum sprachlos und verschwitzt, aber glücklich zurück. Völlig außer Atem müssen wir erst einmal realisieren, was gerade passiert ist. Das grelle Raumlicht bringt uns unsanft zurück in die Realität, während wir uns von der Masse in Richtung Garderobe schieben lassen.

    Alles eine Frage der Einstellung

    Als wir uns nach dem Konzert zusammensetzen, merken wir ziemlich schnell, dass wir die ganze Experience sehr unterschiedlich wahrgenommen haben. Auf Nika wirkte die Show etwas oberflächlich. Da sie bisher vor bei allem Pop-Konzerten war, hat sie sich von der Band nicht wirklich abgeholt gefühlt und hätte sich mehr Connection und direktere Interaktionen mit dem Publikum gewünscht.

    Ich hingegen war begeistert von dem Konzert. Wirkliche Erwartungen hatte ich vor dem Abend nicht und so hat mich Teasdales krasse Ausstrahlung und die energetische Dynamik der Band sofort in ihren Bann gezogen. Mir hat das gezeigt, dass Musik nicht unbedingt viele Worte braucht, um in Perspektive gesetzt zu werden, um zu bewegen. Ich fand es überraschend befreiend, während der Show mit meinen Gedanken allein gelassen zu werden und konnte mich so ganz in den Songs verlieren.

    Insgesamt kann man sagen, dass es einfach sehr darauf ankommt, was man sich unter einem guten Konzert vorstellt. Wer also eine klassische Pop-Performance erwartet und von den Künstler*innen an die Hand genommen und durch einen Abend voller persönlicher Anekdoten geführt werden will, kommt bei der wet leg Tour nicht unbedingt auf seine/ihre/* Kosten. Wer aber eine einfach unglaublich powervolle Show erleben möchte, die einen komplett in ihren Bann ziehen kann und für einen unvergesslichen Abend sorgt, ist bei Wet Leg gerade richtig.

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  • Ein Tour-Finale voller Energie & Euphorie: So war FRISO am 05.12.2025 in Berlin

    Ein Tour-Finale voller Energie & Euphorie: So war FRISO am 05.12.2025 in Berlin

    Justus und Ponto, Schülerinnen der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, waren am 05.12.2025 auf dem Konzert von FRISO im Modus in Berlin und berichten von ihrem Erlebnis.

    Zum Tourfinale seiner Luft zum Atmen Tour hat FRISO am 05.12.25 im Berliner Club Modus gespielt und seine Fans begeistert. Der Künstler aus Hamburg ist bekannt für seinen melancholischen Sound der zwischen elegantem Synth Pop, Hiphop Drums und Rap variiert. Anlässlich des Tourfinales war dieser Auftritt einmalig, unvergesslich und emotional.

    Von Anfang an nahbar

    An diesem Abend steht FRISO mit zwei Personen am Schlagzeug und Synth auf der Bühne. Zusätzlich ist der Club ausverkauft, der Raum voll und die Stimmung erwartungsvoll. Es wird schnell klar, wie stark die Verbindung zwischen ihm und seinem Publikum inzwischen ist. Von der ersten Minute an begegnen sich Künstler und Fans mit Freude. 

    Kleiner Raum, grosser Sound

    Der Livesound passt gut zur intimen Atmosphäre des kleinen Clubs. Besonders die Tiefen im Bass kommen druckvoll und präsent zur Geltung und tragen die Songs spürbar durch den Raum. Die Stimme sitzt nicht immer perfekt im Mix, was jedoch eher den begrenzten technischen Möglichkeiten der kleinen Anlage geschuldet ist als der Performance selbst. Musikalisch bleibt FRISO seinem Sound treu: melancholisch, ruhig, ohne düstere Schwere. Drums und Synths werden hauptsächlich live eingespielt, was den Songs zusätzliche Tiefe verleiht.

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    Ein Set, das trägt

    Das Set erstreckt sich über mehr als zwei Stunden und wirkt dabei erstaunlich geschlossen. Der Abend baut sich kontinuierlich auf, ohne an Spannung zu verlieren. Gegen Ende spielt FRISO einige seiner bekanntesten Songs, darunter „Serpentinen“ oder seine neue Single „xo“, welche vom Publikum besonders positiv aufgenommen werden. Zusätzlich bedankt er sich auf besondere Weise bei seinen Mitproduzentenund es gibt einen Gastauftritt von moé. Spätestens hier wird auch deutlich, wie gefestigt und loyal seine Fanbase ist – klein, aber stark und aufmerksam.

    Eine Nahbare Atmosphäre

    Auch abseits der Musik überzeugt FRISO mit seiner Art, den Raum zu lesen. Seine Ansagen sind häufig, dabei aber nie aufdringlich. Neben persönlichen Dankesworten richtet er auch den Fokus auf Sicherheit und gegenseitige Rücksichtnahme und betont, wie wichtig es ihm ist, dass sich alle wohl fühlen. Diese Haltung prägt den gesamten Abend und verstärkt das Gefühl von Nähe zusätzlich.

    Die Atmosphäre im Publikum bleibt außerdem durchgehend konzentriert und positiv. Das Licht ist unspektakulär, unterstützt die Stimmung jedoch passend, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gerade weil der Raum so klein ist, entsteht über die gesamte Dauer des Konzertes hinweg ein konstantes Gefühl von Verbindung zwischen Bühne und Publikum. Ein besonders prägender Moment ist eine kurze Pause, in der FRISO seine Gitarre austauschen muss – selbst hier reißt der Kontakt nicht ab, sondern wird durch kleine Gesten und Worte weitergetragen.

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    Ein Abend, der in Erinnerung bleibt

    Zum Abschluss kehrt FRISO für zwei Zugaben zurück, die von einem sichtbar gut gelaunten Publikum gefeiert werden. Längen oder Ausfälle gibt es an diesem Abend kaum, alle Songs funktionieren live und behalten ihre emotionale Wirkung.

    Der Tourabschluss im Modus zeigt eindrucksvoll, wofür FRISO steht: für Nähe, Achtsamkeit und einen Sound, der nicht laut sein muss, um zu berühren. Vor allem bleibt in Erinnerung, wie selbstverständlich und respektvoll er mit seinem Publikum umgeht – ein Auftritt, der weniger durch große Effekte als durch ehrliche Verbindung überzeugt.

    Persönlich für uns

    Für uns war dieser Auftritt etwas, das einem Tourfinale würdig war! Er war gefüllt mit Emotionen, Humor, Talent und natürlich Energie! Uns ist vor allem die sympathische Art von FRISO in Erinnerung geblieben und seine Art, mit Menschen umzugehen hat uns sehr inspiriert. Wir haben FRISO und seine Musik an nur einem Abend kennen und lieben gelernt.

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  • „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    „Be the Challenger“ – Luca Fogale fordert im vierten Studioalbum sein eigenes Selbst heraus

    Neues Jahr, neuer Folk aus Kanada: Luca Fogale legt mit Challenger einen eindrucksvollen Start in 2026 hin und liefert eine intime Kollektion von Songs, die berühren und uns ein Stück weit Einblicke in die Persönlichkeit des Singer-Songwriters gewähren. Ganz nach seinem Prinzip „every word matters to me” wirkt jede Zeile bewusst geschrieben, jede Pause bedacht gesetzt. Fogale veröffentlicht Songs nur dann, wenn sie für ihn einen Mehrwert für die Welt haben – und dies merkt man dem Album an. 

    Nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft” ist Challenger eher leise als laut gestaltet und Fogale bleibt somit seinem bisherigen Sound treu. Er schrieb die Songs in ruhigen Zwischenmomenten des Tourlebens, oft zurückgezogen in einer kleinen Hütte in British Columbia. Diese Abgeschiedenheit hört man der Platte an: Sie wirkt wie ein emotionaler Rückzugsort. Neben sanften Worten findet sich auf dem Album gleichzeitig ein Drang zur Konfrontation und Selbstreflexion. Challenger ist eine Sammlung, deren Funktion es nicht ist, ein Statement zu setzen, sondern Raum für Fragen und Auseinandersetzungen zu bieten. Es geht um Gedanken zur eigenen Vergangenheit, erlernte Muster und die Frage, wer man eigentlich werden möchte.

     „I will not give up, I do not fear death”

    Im Opener „Everything“ spricht sich Fogale selbst Mut und eine gewisse Verpflichtung zum Wachsen zu. Mit Zeilen wie „all of the light that you never could see, it flows in your veins” und „I know what it’s like, feeling everything, feeling nothing” wird der Reflexionsprozess, dem das Album folgt, eröffnet.

    „Could I begin? / Could we begin?”

    Los geht es mit der Frage des Neuanfangs. Wie kann man sich neu entfalten, sich neu entwerfen und was passiert, wenn alles Bekannte einen verlässt? Als erste Single vom Album findet sich „Begin„– ein Song, der sich diesen Gedanken aussetzt. Sanfte Gitarren tragen eine existenzielle Selbstbefragung, die im Refrain von einem „I“ zu einem kollektiven „We“ kippt und seine Nächsten miteinbezieht. Im Zentrum stehen der Wunsch nach Erneuerung und die sehnsüchtige Flucht aus Gleichgültigkeit. 

    „hold on for all that lasts”

    Auch im nächsten Song schwanken zwei Perspektiven hin und her: der Drang, alles bewahren zu wollen und die Erkenntnis, dass nichts bleibt. „For“ ist gleichzeitig eine Reflexion über Zeit und Vergänglichkeit als auch eine Erinnerung an Dinge, die wichtig sind und an denen man festhalten sollte. Kleine Chöre im Hintergrund verleihen dem Song etwas Hymnisches übers Menschsein, während sich die Lyrics zwischen Ehrgeiz und Demut bewegen.

    „cause too often these days, I can’t see the use, I lose track of the road, I lose sight of the truth, oh I’d be lost, I’d be lost without you”

    Was jedoch immer währt, ist Liebe. Der nächste Track, „Lost Without You”, ist ein zarter, klaviergetragener Liebessong über das Angenommenensein, und darüber, wie schwer es ist, Liebe zu akzeptieren, wenn man sich selbst noch nicht vollständig annehmen kann. Liebe, die ihm entgegengebracht wird, bietet Luca hier Schutz und Spiegel zugleich. Der Song beinhaltet die Zeilen „But you see me for all I am“  und „I’m trying to do my part, oh I’m trying with all my heart” und spendet somit Hoffnung, sich durch Augen anderer selbst klarer sehen zu können, auch wenn man es im Moment vielleicht noch nicht schafft. 

    „can you forget all that you know and find some truth and release control to reconcile all that we are”

    Von Akzeptanz handelt auch der nächste Song. „Hymn” ist ein Track über das Loslassen. Was passiert, wenn man Kontrolle abgibt? Bei diesem fast schwebenden Song steht Fogales Stimme im Vordergrund, begleitet von spärlichen Gitarrenklängen. Die Lyrics kreisen um die Schönheit der Stille und das Finden von Sinn im Kontrollverlust und bieten eine meditative Pause innerhalb des Albums. 

    „Some things can change without warning, others get taken away. It’s hard to feel strong in these moments, it’s hard to know what we can take. Some times you carry on hoping, others your spirit can break.”

    Loslassen ist auch Thema des sechsten Songs. „Ashes” thematisiert die Erlaubnis, loszulassen und zu fühlen. Luca Fogale zeigt sich verletzlich und bricht mit den Texten starre Männlichkeitsbilder auf. „Love carries all of us home” sind die Backgroundvocals, die sich zwischen den Strophen und in der Bridge befinden und zentral für diesen Song. „Ashes” handelt von Verlust und Trauer, wobei Liebe das ist, was zusammenhält und Zeit alle Wunden heilt. Es ist einer dieser Tracks, die mitten im Album stehen und sich als emotionaler Mittelpunkt herauskristallisieren.

    „leave the past in the past, it doesn’t have to be your truth, it doesn’t define you”

    Der nächste Song zieht das Tempo leicht an. „Define You“ ist ein empowerndes Stück über Identität und Selbstdefinition. Es dient als Erinnerung, dass Schmerz und Vergangenheit nicht definieren müssen, wer man ist. Der Song ist eine Hymne für einen Freund, dem man eine Orientierung mit auf den Weg gibt, die er einst verloren hat. „I know that you see yourself in the way I see you now, I have always known deep in your heart, there is a light that won’t ever burn out”. Der Song dient als Ermutigung, nach vorn zu schauen und sich nicht von den Sachen definieren zu lassen, die man sich nicht im Leben ausgesucht hat.

    „when everything is cold and I cannot find my way and the light is dying, oh, you are my horizon”

    Das Tempo wird auch im Song „Horizon” gehalten. Schlagzeug und Gitarre treiben den Track voran und der Refrain öffnet sich in helle Klangflächen. „Wherever I am, a vision of you makes the darkness fall away in all the times I’ve reached toward a hiding place, you never let me go, no and through your eyes I watch myself become who I’m supposed to be” – Fogale beschreibt Liebe hier als Orientierungspunkt, wobei der Song eine Liebeserklärung an seine:n Partner:in und an das Leben, das diese Liebe ermöglicht hat, darstellt.

    „you are right where you’re meant to be”

    Nach dem instrumentalen „Relief“ folgt „Daniel’s Theme“, der kürzeste Track des Albums. Der Song ist ein Porträt eines archetypischen Mannes, der trotz Narben mit Güte und Stärke durchs Leben geht, und gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass unser eigener Schmerz nicht bestimmen muss, wie wir anderen begegnen.

    „you are not what came before, you are an unending form”

    Der Titeltrack „Challenger“ startet mit einem Gitarrenintro und ist ein ganz besonderer Song, da der Sänger ihn seit fast fünf Jahren mit sich trägt. Fogale ruft im Track dazu auf, transgenerationalen Schmerz abzulegen und erlernte Zyklen zu durchbrechen, um sein Potenzial auszuschöpfen und vollständig in sich hinein oder sogar über sich hinaus zu wachsen: „Hold them close and break the chain, kill the rage and kill the shame”. Identität wird als etwas Veränderbares beschrieben, das man herausfordern kann und der Song fasst das Album thematisch in sich zusammen.

    „may you find what you’re looking for, may this world be an open door and may your love lead you on, now and evermore”

    Der finale Song des Albums ist „Yours.“ Der Track schließt das Kapitel als Ehrung unserer Anstrengungen und mit der Schönheit, menschlich zu sein. Er reduziert sich zum Ende auf ein leises Klavier mit den Lyrics: „This life is yours. So for all your worth, be the challenger”. Ein Kreis schließt sich – vom inneren Zweifel des Openers zur Selbstermächtigung am Ende.

    Insgesamt dient Challenger als Auseinandersetzung mit dem, was nicht mehr dient, und mit dem Mut, loszulassen. Das Album wirkt wie ein zusammenhängender Gedankengang, in dem sich Selbstreflexion, Wachstum und ein leiser Kampf gegen das Stagnieren gegenseitig ergänzen. Luca Fogale hat eine Kollektion geschaffen, die sich anfühlt wie ein stiller Dialog mit sich selbst, und in dem sich viele Menschen wiederfinden können.

    Im April geht Luca Fogale mit Band auf Tour und macht auch in Berlin, Hamburg, München und Köln Halt. Für unter 30 Euro bekommt man nicht nur neue Songs, sondern einen Querschnitt durch vier Alben voller feinfühliger Lyrics. Kurz gesagt: unbedingt hingehen!


    Fotos: Brandon Artis / Nettwerk Music Group

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  • Ein schwungvoller Jahresabschluss voller Energie und Gefühlen: So war REMOTE BONDAGE am 20.12.2025 in Berlin

    Ein schwungvoller Jahresabschluss voller Energie und Gefühlen: So war REMOTE BONDAGE am 20.12.2025 in Berlin

    Am 20.12.2025 spielt REMOTE BONDAGE im Lido Berlin und bringen zum Jahresende nochmal richtig Schwung in ihr Publikum.

    Die Musik der 2022 gegründeten Berliner Band spielt irgendwo zwischen Punk, Indie, Rock und Pop. REMOTE BONDAGE besteht aus drei Sängerinnen, einer Bassistin und einem Schlagzeuger, ab und zu spielen sie auch Gitarre. Sie thematisieren mit ihren kritischen, politischen Texten Feminismus, Sexismus, Gewalt, Sex und Queerness.

    An diesem Abend spielen sie nicht irgendein Konzert, sondern das Abschlusskonzert ihrer ersten Headline Tour! Gleichzeitig ist es ihr zweites Jahresabschlusskonzert, mit dem sie das Jahr gemeinsam mit ihren Fans beenden.

    Kreative Ansagen und großartige Supports

    Die Bühne ist leer, da kommen zwei der drei Sängerinnen von REMOTE BONDAGE auf die Bühne. Singend kündigen sie den ersten Support an: LISKA. Nur sie und ihr DJ sind auf der Bühne. Sie beginnen das Konzert mit einer ruhigen und gefühlvollen Stimmung im Saal, die das Publikum gut ankommen lässt. Auf meist langsamen Beats rappt LISKA sehr authentische Texte über sensible Themen wie zum Beispiel das Thema Essstörungen, für die sie Aufmerksamkeit schaffen möchte.

    Nach einer Umbaupause füllt sich der Saal des Lido Berlin. Wieder kommen die Sängerinnen auf die Bühne und kündigen auch den zweiten Support mit zweistimmigem Gesang an: die Band NIKRA. Die Queer-Punk-Band bringt viel Energie mit und eröffnet einen ersten Moshpit.

    Ein energievoller Start

    Da kommt sie endlich, die Band. Wie echte Queens kommen sie auf die Bühne geschwebt und begrüßen winkend ihr Publikum. Mit einem kurzen Inhaltsverzeichnis über den Verlauf des Abends teilen sie dem Publikum mit, was sie heute alles für Themen erwarten werden.

    Als erstes spielen sie ihren Song „Alle leben schneller“, der den Leistungsdruck der Gesellschaft thematisiert und mit seiner starken Bass Line sofort zum Mittanzen animiert.

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    Etwas Besonderes in jedem Song

    Die Setlist steckt voller Energie. Direkt zu Beginn spielen REMOTE BONDAGE Hits wie „Daddy“ und „Katze“, in denen sie über Themen wie die Sexualisierung von Frauen, sexuelle Übergriffe und das Patriarchat singen. Diese Inhalte und ihre klare Haltung dazu bringen sie durch ihre Texte laut und eindringlich auf die Bühne.

    Doch auch die ruhige, gefühlvolle Seite kommt nicht zu kurz. Sie zeigt sich zum Beispiel im Song „als wäre es egal“, in dem es um eine Welt geht, in der Queerness etwas ganz Normales ist. Lange bleibt es jedoch nicht ruhig: Mit Songs wie „VULVARINE“„Ronny“ oder „Fast / Sex on the Beach“ thematisiert die Band Sex und Liebe ganz offen.

    In allen Liedern findet sich Kritik an diesen Themen oder ihrer Rolle in der Gesellschaft. Doch durch die Ironie in den Texten bleibt auch das Lachen nicht aus.

    Auch musikalisch bleibt es trotz der wenigen Instrumente immer interessant. Vor allem durch die unterschiedlichen Stimmen der drei Sängerinnen wirkt jeder Song spannend. Außerdem variieren sie den Gesang beispielsweise durch Mehrstimmigkeit und Background Vocals. Auch ein großartiges Bass Solo sorgt für Abwechslung in der Musik, womit sie absolut überzeugen.

    Besondere Momente gemeinsam erleben

    Man könnte meinen, als Zuhörer müsse man auf einem Konzert einfach nur zuhören – doch nicht bei REMOTE BONDAGE. Hier wird es nie langweilig. Bei Songs wie „Ronny“ singt das Publikum in drei verschiedenen Stimmen mit, die jeweils von einer der Sängerinnen angeleitet werden.

    Kurz vor einem Song über das Leben in einer WG bietet die Band eine Art WG-Suche an: Sie fragen ins Publikum, ob jemand gerade ein Zimmer frei hat oder selbst eines sucht, um Menschen miteinander zu verknüpfen.

    Zwischen den Songs stellen die Sängerinnen immer wieder die Frage ins Publikum: „Was wärt ihr gerne?“ Antworten wie fotzig oder lesbisch kommen zurück, woraufhin die Band den Refrain ihres Hits „So gerne hässlich“ angepasst anspielt: Statt „hässlich“ singen sie die vorgeschlagenen Wörter – etwa „Ich war noch nie so gerne lesbisch“.

    Zwischendurch wird auf der Bühne gequatscht, gelacht oder es werden Themen angesprochen, die der Band wichtig sind, vor allem politische. Dabei wenden sie sich immer wieder direkt an das Publikum.

    All das sorgt dafür, dass REMOTE BONDAGE sehr nahbar wirken. Es fühlt sich an, als würde nicht nur das Publikum die Band feiern, sondern auch die Band das Publikum. Alle sind unterstützend, authentisch und genießen gemeinsam den Moment – vor wie auf der Bühne.

    Kreativ über die Musik hinaus

    REMOTE BONDAGE sind unglaublich performativ, ob eine WG besichtigt wird oder sie zu ihrem Song „Ode an die Periode“ auf der Bühne scheinbares „Periodenblut“ trinken, wunderbar kreativ!

    Ihr Bühnenbild ist angenehm unaufwändig: Ein knallpinkes Banner mit ihrem Namen, welches super zu den knallpinken Outfits der Bandmitglieder passt.

    Auch vielseitige Choreos gehören zu ihrer Show. Ob zu dritt auf der Bühne kniend oder tanzend oder mitten durch das geteilte Publikum spazierend. Immer wild und bewegt.

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    Volle Bühne, toller Song

    Natürlich spielen REMOTE BONDAGE ihren frisch veröffentlichten gemeinsamen Song mit NIKRA nicht ohne sie. Für „Madonna vs. Britney“ kommt NIKRA noch einmal auf die Bühne und gemeinsam performen sie den Song so mitreißend, dass man die Beine kaum stillhalten kann.

    Das Beste kommt zum Schluss

    Nach ihrem letzten Song „Skorpion“ folgt eine Zugabe einer ganz anderen Klasse. Die Leute, die das Abschlusskonzert letzten Jahres bereits erlebt haben, wissen schon was gleich kommen wird.
    Es werden Liedzettel im ganzen Publikum verteilt. Sie sehen aus wie in einem Gottesdienst – mit Text und Noten. Dann singen alle gemeinsam „Fotzige Nacht“, eine umgedichtete Version von „Stille Nacht“, mit einem viel besseren Text, der durch und durch feministisch ist! Es ist wie in der Kirche – nur eben ganz anders. Es entsteht ein unglaublich schöner Moment der Verbindung schafft und noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    Danach spielen sie endlich „So gerne hässlich“, aber diesmal ganz. Zuallerletzt erklingt „Ronny“, als ein letztes Mal das ganze Publikum mitsingt, sogar dreistimmig.

    Nach einer Danksagung an alle, die an der Tour mitgewirkt haben, ist dann auch mal die Band mit feiern dran: Mit dem gesamten Team tanzen sie auf der Bühne zum Techno-Remix ihres Songs „So gerne hässlich“. Damit ist das Konzert vorbei und alle gehen beschwingt, ausgelassen und glücklich nach Hause.

    Ein unvergessliches Erlebnis

    Das Konzert hat uns viel Spaß und Energie gebracht und uns auf vielen Ebenen sehr beeindruckt. Musikalisch waren es vor allem ihre Stimmen und der mehrstimmige Gesang, der ihre Musik so abwechslungsreich macht.

    Auch begeistert hat uns, dass sie ganz offen über so viele politische Themen und „Tabuthemen“ gesprochen und auch klar ihre Meinung dazu geäußert haben. Dabei wirkten sie auf uns immer nahbar und authentisch.

    Aber vor allem wurde das Konzerterlebnis so einzigartig durch die vielen und so unterschiedlichen, lustigen Aktionen und Ideen zwischendurch. Sie haben uns immer fühlen lassen, als wären wir mittendrin. Dabei haben wir uns von ganzem Herzen willkommen gefühlt, mit all unseren Emotionen, von Wut über Freude bis Geborgenheit.

    Alles in allem war es ein unvergessliches Erlebnis mit wunderbaren Menschen!

    REMOTE BONDAGE ist eine großartige Band, die ihr euch unbedingt anhören solltet. Ihr findet sie auf Instagram und Spotify und anderen Social Media Kanälen

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  • Ein Abend voll Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit: so war Naomi Sharon am 24.11.2025 in Berlin

    Ein Abend voll Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit: so war Naomi Sharon am 24.11.2025 in Berlin

    Mina und Miranda, Schüler*innen der Evangelische Schule Berlin Zentrum, berichten von ihrem Konzertabend mit Naomi Sharon.

    Intimität ab der ersten Sekunde, es ist klar: das wird ein Abend der nachklingt. Am 24.11.2025 tritt Naomi Sharon mit ihrer „The Only Love We Know“-Tour im Columbia Theater in Berlin auf. Sie füllt das gemütliche Theater mit ihrer meditativen Energie und schafft eine intime Atmosphäre.

    Die niederländisch-karibische Sängerin hatte ihren Durchbruch mit ihrem Debütalbum „Obsidian“ und hat mittlerweile fast 2 Millionen monatliche Hörer*innen. Zum Verwechseln ähnlich mit Sade hat auch Naomi Sharon eine unglaublich schöne, selige Stimme und arbeitet viel mit akustischen Gitarren-Sounds, welche sie mit modernen Elementen in die Gegenwart holt. Mit ihrer in diesem Jahr neu erschienenen EP ,,The Only Love We Know“ tourt sie durch Europa und Amerika und singt mit einer spirituellen Stimmung über Selbstliebe.

    Minimalismus mit maximaler Wirkung

    Gegen 20 Uhr ist das Columbia Theater gefüllt mit rund 800 Menschen, die an der Bar sitzen, sich unterhalten und gespannt auf Naomis Performance warten. Bevor sie auf die Bühne tritt, eröffnet Jessy Blakemore den Abend mit mehreren ihrer warmen und herzlichen Songs, die einen stimmungsvollen Einstieg bieten.

    Die Bühne ist leer bis auf ihre Begleitung am DJ-Pult, eine weiße Beleuchtung und Nebel. Aus den Boxen ist für das Publikum bereits der erste Song zu hören, alle jubeln. Naomi tritt in einem ihrer epischen, weißen Latex-Outfits aus dem Nebel hervor und schenkt dem Publikum ein verzauberndes Lächeln.

    Ohne ein Wort beginnt sie mit ihrem Song „Bittersweet“, der auch ihre neue EP eröffnet. So startet sie mit einer selbstbewussten Energie und ihren im Wind der Ventilatoren wehenden Haaren in den Abend. Nun folgen überwiegend ruhige Songs wie „Hills“, der von einer akustischen Gitarre begleitet eine sinnliche Stimmung schafft. Das Publikum wiegt im Wind hin und her und singt mit, wo es nur kann.

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    Mit „Myrrh“ trifft uns Naomi direkt ins Herz. Ihre samtige Stimme füllt den Raum mit einer beeindruckenden Klarheit. Mit Lichtern, die auf dem Publikum wie Wasser schimmern, fließen vermehrt Tränen. Der minimalistische Bühnenaufbau und die One-Woman-Band geben Naomis Stimme die verdiente Aufmerksamkeit.

    Zwischen Liebe und Unabhängigkeit

    Mit „Definition of Love“, die Lead Single aus ihrem Debutalbum, leitet sie schon fast einen kleinen Stimmungswechsel ein. Spätestens ab dem Refrain fangen alle an mitzuwippen. Ziemlich textsicher wird das Publikum in den Mantra-ähnlichen Zeilen: „Heavens in your eyes, let me follow“ mit denen Naomi ihren Wunsch nach Liebe manifestiert.

    Danach geht es direkt weiter mit „If This Is Love“. In dem Song entwickelt sich aus dem Wunsch nach Liebe eine Ablehnung ihr gegenüber. Auch jetzt animiert sie das Publikum, die Zeilen: „if this is love, then I don’t want it“ mitzusingen. Insgesamt hält sie sich viel an die Albumstruktur und sagt wenig bis gar nichts zu ihren Songs. Dies empfinden wir aber nicht als negativ, da die Songs sehr gut für sich stehen.

    Langsam werden die Songs immer tanzbarer. Bei „Push“ tanzt Naomi sogar selbst extravagant mit und unterstreicht ihre weiche Stimme mit modernen Afrobeats. „Holding in Place“ treibt das Tempo weiter an. Spätestens jetzt tanzen wirklich alle mit und singen: „nothing. I give that boy nothing.“

    Mit „Celestial“ leitet sie noch einmal eine ruhigere Stimmung ein, welche sie dann aber mit „Time and Trust“ wieder auflöst. „Time And Trust“ ist zurzeit ihr beliebtester Song und schafft es fast, den Sommer an diesem kalten Novemberabend ins Columbia Theater zurückzubringen.

    Eine spirituelle Stimmung

    Es gibt keinen Moment in dem das Publikum so richtig abgeht, da Naomi Sharon die meditative und emotionale Stimmung fast durch das gesamte Konzert hält. Stattdessen tauchen Songs wie „Calm Waters“, mit seinen Naturgeräuschen und einem entspannten Beat den Abend in eine spirituelle Atmosphäre. Zu „Soft Like Dawn“ holen alle im Publikum ihre Lichter heraus und mit Wassergeräuschen im Hintergrund werden wir zu einem schwimmenden Lichtermeer.

    In ihrer neuen EP spricht Naomi vermehrt Themen wie Selbstliebe und Weiblichkeit an. Sie ist die erste Frau mit einem Vertrag bei Drake’s Label „OVO Sound“ und setzt damit ein Zeichen in einer männlich dominierten Musikbranche.

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    Energie, die den Raum füllt

    Ihr letzter Song „Another Life“ fasst das Konzert perfekt zusammen. Es gibt einen schönen schwebenden Klangteppich, einen prägnanten Beat und natürlich wieder ein Mantra, das allen im Kopf bleibt: „Don’t let your love run out“. Auch diese Zeile wäre der perfekte Abschluss, wenn es nicht eine noch perfektere Zugabe gäbe.

    Ein Gospelchor singt: „That’s the way the story goes, that’s the only love we know“. Obwohl der Chor nicht anwesend ist, wird die gewünschte Stimmung durch die Energie des Publikums noch ein letztes mal hervorgehoben.

    Beseelt in die Nacht

    Die ruhigere Atmosphäre hat uns zu Anfang überrascht, da wir kraftvollere Beats und einen stärkeren Bass erwartet hatten. Doch von Naomi Sharons Performance waren wir schnell beeindruckt. So haben wir das Columbia Theater nach 60 Minuten beseelt verlassen.

    Unsere gemeinsamen Favoriten waren „Myrrh“ und „Time and Trust“. So gegensätzlich sie auch sein mögen, haben wir uns in „Myrrh“ mit seinem minimalistischen Aufbau und der dadurch herausstechenden starken Stimme sofort verliebt. „Time and Trust“ hat uns einfach den Sommer zurück ins graue Berlin geholt und uns unseren Alltag für einen Moment vergessen lassen.

    Nach einem Konzert ohne viel Interaktion beendet Naomi den Abend mit dem Appell:

    „That may be the only love you know but that doesn’t mean that that’s the love you deserve. It means that there’s more out there for you to have or receive.“

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  • the summer I turned metal

    the summer I turned metal

    2025 war für mich, wie schon die letzten Jahre, mal wieder ein bunter Genre-Mix, der von Pop über Indie-Rock und Hardcore-Punk. Dass ich dieses Jahr zum Metalhead werden würde stand allerdings nicht auf meinem Bullshit Bingo. Dass mein Album des Jahres dennoch ein Folk-Rock-Album sein würde auch nicht. 

    Deutscher Metal-Pop

    Auch wenn viel altbekanntes aus den letzten Jahren mir auch 2025 noch gefallen hat, brachte das Jahr dennoch einen markanten shift in meinem Musikgeschmack hin zu deutlich härterer Rock-Musik. Zum ersten Mal habe ich dieses Jahre angefangen mich tiefer gehend für Alternative Rock und Metal, vor allem der späten 90er und frühen 2000er, zu begeistern. Ausgelöst wurde das ironischerweise von einer Künstlerin, die mit ihrer Musik oft fälschlich als deutscher Indie-Pop abgestempelt wird.

    Im März erschien mit “silber” das zweite Album von Mia Morgan und es hat mich komplett aus den Socken gehauen. Inspiriert von Bands wie Bring Me The Horizon, Linkin Park und Nine Inch Nails widmet sich Mia Morgan auf ihrem zweiten Album voll und ganz den verschiedensten Subgenres des Rock und Metal. Was auf dem Debüt, “Fleisch” noch eher im Hintergrund lag, versteckt unter dicken Schichten 80s Synth-Pop und Indie-Rock, kommt auf “silber” nun zu voller Geltung. Krachende, verzerrte Gitarren statt Synthesizer, Live-Schlagzeug statt Drum Machine und eine große Portion female rage. Songs wie “(spielen mit den großen) JUNGS” und “silbertablett” verlangen einfach mit Live-Band und Moshpit bei Rock am Ring gespielt zu werden und haben bei mir das Interesse an mehr härterer Musik geweckt. 

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    FLINTA*-Stimmen und Supergroups

    Dementsprechend erschien im gleichen Monat mit “Tsunami Sea” das 2. Album der kanadischen Metal-Band Spiritbox und schon jetzt fällt mir auf dass dieser Jahresrückblick doch ein Überthema zu haben scheint: Starke weibliche Frontpersonen. Was das angeht gibt es aktuell nur sehr wenige, die Courtney LaPlante von Spiritbox das Wasser reichen. Mit Leichtigkeit wechselt sie zwischen gescreamtem und melodischem Gesang und hat dabei eine Bühnenpräsenz, die an die großen Pop-Sängerinnen unserer Zeit erinnert.

    Dass LaPlante absolut zur Royalty der Rock- und Metal-Sängerinnen gehört wurde dieses Jahr auch durch ihren gemeinsam Song mit Poppy und Amy Lee von Evanescence, “End of You” deutlich. Drei Generationen an Musikerinnen, die sich zur Metal-Version von Boygenius zusammenschließen. Das hat mein noch junges Metal-Herz mit Freude erfüllt. 

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    Niemand schreit so schön wie Emily Armstrong

    Ein Album, dass streng genommen schon 2024 erschien, ist “From Zero” von Linkin Park. Da im Mai aber eine Deluxe Version mit drei zusätzlichen Songs released wurde, will ich hier mal ein bisschen mogeln. Ich habe nicht (laut Spotify Wrapped) 1069 Minuten meines Jahres mit diesem Album verbracht um jetzt nicht zumindest kurz drüber zu sprechen.

    Wenn ich hier von den starken weiblichen Stimmen und Frontpersonen spreche muss Emily Armstrong natürlich erwähnt werden. Linkin Parks unerwartetes Comeback letztes Jahr und die darauffolgende Tour übertrafen alle Erwartungen und Emily Armstrong als neue Sängerin war definitiv einer der Gründe dafür. Zwischen ruhigeren, melodischeren Songs, wie “Over Each Other” oder “Good Things Go” und den großen, lauten Hits, wie “Emptiness Machine” und “Heavy is The Crown” trägt sie mit ihrer Stimme das Album und die Live-Performance der Band. Das niemand so schön schreit wie sie beweist sie im Intro von „Casualty„. Eine queere Frau an der Spitze der aktuell wahrscheinlich größten Rock-Band der Welt zu sehen war für mich definitiv eines der Highlights 2025.

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    Hardcore-Punk mit Synthesizern

    Nicht ganz in der Metal-Schiene aber doch im Kosmos der härteren Gitarrenmusik bewegten sich dieses Jahr außerdem Turnstile mit “Never Enough”. Auf ihrem mittlerweile fünften Album entwickelt die Band aus Washington ihre Mischung aus Hardcore-Punk, sphärischen Synths und Indie-Gitarren weiter. “Never Enough” ist gleichzeitig simple und komplett durchdacht, gleichzeitig gefühlvoll und auf die Fresse. Songs wie “Birds”, “I Care” und “Seein’ Stars” wollten meine On-Repeat-Playlist das Jahr über einfach nicht verlassen.


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    Ein Phönix aus der Asche

    Kommen wir nun zu etwas seichteren Klängen. Denn trotz meiner Metal-Phase sind auch Pop und Indie dieses Jahr bei mir nicht zu kurz gekommen. Das Album, auf dass ich mich seit Beginn des Jahres am meisten gefreute habe, war ohne Zweifel “Aus keiner meiner Brücken die in Asche liegen ist je ein Phönix emporgestiegen” von Drangsal.

    Wer die raren Auftritte von Max Gruber, aka Drangsal, in den vergangenen zwei Jahren verfolgt hat, konnte sich schon denken, dass ein viertes Drangsal-Album, so es denn jemals erscheinen würde, sich wahrscheinlich deutlich von seinen Vorgängen unterscheiden würde. “Aus keiner meiner Brücken” stellt eine deutliche Abkehr vom hochpolierten, durchproduzierten “Brutalo-Pop” des letzten Drangsal-Albums, “Exit Strategy”, dar. Alles scheint ruhiger, gesetzter, 30 bpm langsamer. Klavier ersetzt Synthesizer, mehr Akustik-Gitarren, weniger Distortion. Alles ist weniger durchstrukturiert und es gibt mehr Raum für Experimente und Instrumental-Parts.

    Der sperrige Albumtitel und Songnamen, wie “Die Bestie mit dem brennenden Schweif” haben es schon vermuten lassen: Dieses Album biedert sich nicht an, ist verkopft und verworren. Drangsal – mittlerweile nicht mehr nur Max Gruber, sondern eine dreiköpfige Band, gemeinsam mit Marvin Holley und Lukas Korn – machen was sie wollen und wie sie es wollen. Trotzdem finden sich auf dem Album mit Songs, wie “Bergab” oder “Die satanische Ferse” klassische Drangsal-Songs, die den früheren Alben doch gar nicht so unähnlich sind. Denn

    „man kann so viel verändern und doch bleibt alles gleich“


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    Unerwartete Entdeckungen

    Es ist für mich immer ein wenig frustrierend, am Ende des Jahres auf die lange Liste mit Alben, die ich unbedingt anhören wollte, zu schauen und festzustellen, wie viele ich doch gekonnt ignoriert habe. Bis vor ungefähr drei Wochen war “Ego Death At A Bachelorette Party” eins davon. Als Paramore-Fan hat mich Hayley Williams drittes Solo-Album natürlich interessiert, aber anscheinend doch nicht doll genug.

    Als ich dem ganzen vor kurzem dann doch nochmal eine Chance gegeben habe, hat es mich auf Anhieb komplett umgehauen. Auf ganzen zwanzig Songs deckt Williams verschiedenste Facetten des Indie-Pop und Alt-Rock ab, teils experimentell, teils nostalgisch. Ihre gesangliche Bandbreite steht der instrumentellen dabei in nichts nach. Auf tiefe, intime Momente folgen laute, kraftvolle Refrains, die ein wenige an frühe Paramore-Tage erinnern.

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    Das Beste kommt zum Schluss

    Die schönsten Alben sind doch die, die einen am Anfang gar nicht abholen und erst mit der Zeit ans Herz wachsen. So war es für mich bei dem Album, dass ich tatsächlich als mein Lieblingsalbum des Jahres bezeichnen würde, “The Clearing” von Wolf Alice. Auf den ersten Blick ein Folk-Rock-Album, dass sehr an die späten 60er und frühen 70er und Bands wie Fleetwood Mac erinnert. Das würde mich an sich erstmal nicht abschrecken, entsprach aber dieses Jahr (wie durch die zuvor erwähnten Alben deutlich werden dürfte) nicht ganz meinem Vibe. Ich hab mich trotzdem immer wieder dabei erwischt, wie ich es doch nochmal angehört habe, dem ganzen doch nochmal eine Chance geben wollte, bis es klick gemacht hat.

    The Clearing” stellt stilistisch die wahrscheinlich größte Kehrtwende in der Karriere von Wolf Alice dar, einer Band, bei der Genrebezeichnungen ohnehin nur limitierend erscheinen. Auf Klavierballaden, wie “Thorns” oder “Play it Out”, energetischen Pop-Songs, wie “Bloom Baby Bloom” und “Bread Butter Tea Sugar”, und experimentelleren Folk-Songs, wie “White Horses”, besingt Frontfrau Ellie Roswell Themen, wie Liebe, Freundschaft, Identität und das verwirrende Leben in den 30ern. Mein persönliches Highlight des Albums und vielleicht mein Lieblingssong des Jahres war dabei “Just Two Girls”. Der Titel ist Programm. Roswell besingt nichts weiter, als einen Abend zwischen zwei Freundinnen,

    “just two girls in a bar
    like two kids in the park
    Here’s the stage, you’re the star”.

    Und was mehr braucht es für einen Song des Jahres? 

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  • Ein Abend voller Energie und Ehrlichkeit: So war Little Simz am 23.09.2025 in Berlin

    Florin und Mei, Schüler*innen der Evangelische Schule Berlin Zentrum, berichten von ihrem Konzertabend mit Little Simz.

    Am 23. September 2025 bringt Little Simz beim Tourauftakt im Berliner Velodrom die Wände zum Beben. Die Rapperin aus Nordlondon ist bekannt für ihren intelligenten, ehrlichen und oft politischen Rap – und genau das spürt man von der ersten Sekunde an. Rund 9.000 Fans haben sich versammelt, voller Vorfreude auf eine Künstlerin, die live so echt wirkt wie auf ihren Alben.

    Der Auftakt – Energie ab der ersten Sekunde

    Noch bevor sie die Bühne betritt, erscheinen auf den großen Leinwänden Bilder aus ihrer Kindheit – kleine Little Simz mit ihrer Familie. Als der Vorhang fällt, beginnt sie sofort mit voller Energie und dem Song „Thief“. Sie trägt ein Tuch um den Kopf, eine Sonnenbrille und tanzt zu jedem Schlag, den ihre vierköpfige Band spielt. Das Publikum ist sofort gefesselt.

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    Tourauftakt

    Passend zu ihrem neuen Album „Lotus“ steht Little Simz mit ihrer Vierköpfigen Band in einer riesigen, leuchtenden Lotusblüte. Ihre Band besteht aus einer Bassistin, einem Schlagzeuger, einem Gitarristen und einem Pianisten. Die Blüte erblüht im Laufe der Show in den verschiedensten Farben. Es ist ein starkes Bild – die Blume als Symbol für Wachstum, Kraft und Erneuerung.

    Eine von uns

    Zwischendurch verlässt sie die Bühne, geht mitten durch die Menge, umgeben von Security, und performt danach weiter, als wäre nichts gewesen. Diese Nähe zum Publikum wirkt nicht geplant, sondern echt – als wolle sie sagen: Ich bin eine von euch. Sie zeigt verschiedenste Emotionen. Ob Freude, Wut oder Unsicherheit ist egal, sie wirkt natürlich wie ich und du.

    Eine Reise durch die Musik

    Die Setlist ist abwechslungsreich gestaltet: Zu Beginn stehen vor allem Rap-Songs auf dem Programm, bevor sie mit Hits wie „I Love You, I Hate You“ und „Point and Kill“ das Publikum begeistert. Plötzlich übernimmt Little Simz selbst das DJ-Pult und ruft: „Berlin, gehen wir in den Club!“  Little Simz rappt und legt gleichzeitig auf – ein Moment, der zeigt, wie vielseitig sie als Musikerin ist. Ihre Performance bewegt sich zwischen lyrischem Rap, Afrobeats, energiegeladenen Tracks, Soul, orchestralen Sounds und Funk. Jeder Song hat seine eigene Stimmung, und doch fügt sich alles zu einem großen Ganzen zusammen.

    Die Kraft der Ehrlichkeit

    Auf einmal folgt ein starker Wechsel zu ihren emotionaleren Songs. Sie erklärt, dass es ihr manchmal unangenehm ist, so persönliche Stücke zu teilen und singt über Schreibblockaden, Liebe, Freundschaft und Krieg und betont, wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Sie spricht offen über Zweifel und Dankbarkeit und bedankt sich ehrlich bei jedem Menschen, der sie unterstützt. Im Publikum tanzen viele, andere wischen sich zwischendurch Tränen aus den Augen – es ist ein ständiges Auf und Ab der Emotionen.

    Zum Abschluss performt sie mit „Gorilla“ ihren größten und bekanntesten Hit auf die Bühne, der das Konzert eindrucksvoll abrundet.

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    Musik die ins Herz geht

    Das Konzert hat uns sehr beeindruckt, aber nicht überrascht. Es ist klar zu erkennen, dass sich Little Simz viel von Künstlerinnen wie Missy Elliott und Lauryn Hill inspirieren lassen hat.

    Sie hat das Publikum vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen. Ihre Texte bestehen aus einer kraftvollen Mischung aus Emotionen und politischen Aussagen. In jedem Song gibt es mindestens eine Stelle, an der Little Simz das Publikum zum Mitsingen animiert und alle Zuschauer*innen machen mit. Sehr berührend, eine so erfolgreiche Rapperin auf der Bühne zu sehen, die so offen und eindringlich über Politik, familiäre Hintergründe, Freundschaft und Liebe rappt. Diese Ehrlichkeit und Tiefe hinterlässt ein seltenes Gefühl von Intimität.

    Am Ende bleibt ein starkes Gefühl: Little Simz hat nicht nur eine Show gespielt, sondern eine Verbindung geschaffen.

    Wir hatten einen intensiven Abend – voller Power, Ehrlichkeit und Musik, die direkt ins Herz ging. Besonders beeindruckt hat uns die Band, die Texte und das Bühnenbild, das perfekt zu ihrer Botschaft passte. Zwei Stunden sind lang, unsere Körper tut weh und textsicher waren wir auch nicht – aber jede Minute hat sich gelohnt. Es war ein Konzert, das noch lange nachklingt.

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  • Es kann sein dass alles endet: So waren die Leftovers am 23.10 in Hamburg

    Es kann sein dass alles endet: So waren die Leftovers am 23.10 in Hamburg

    Sie sind eine dieser Bands, die scheinbar unermüdlich neue Musik releasen und durch die DACH-Region touren: Drei Alben in drei Jahren mit ebenso vielen Touren und intensiven Festival-Sommern, die sie unter anderem zu Rock am Ring und Rock im Park brachten. Die Leftovers aus Wien bringen seit ihrem Debüt-Album „Krach“ im Jahr 2022 den Spirit des 90s Grunge und Alternative Rock auf deutschsprachige Bühnen. Am 23. Oktober waren sie im Zuge ihrer „Alles Endet“-Tour im hamburger Molotow.

    Grunge-Glam im Molotow

    Es ist Ende Oktober und einer der ersten richtig kalten Abende auf der Hamburger Reeperbahn, aber das hält die Besucher des Molotows nicht davon ab in vollem Emo-Grunge-Glam aufzutauchen. Viele Menschen in diesem jungen Publikum sehen aus als wären sie direkt aus den frühen 2000ern ins Molotow transportiert worden. Die Show ist ausverkauft, die Schlange lang und schon beim Einlass lässt sich von Seiten der Crew vernehmen, dass die Show verspätet starten wird. Klassisch Rock-Band eben. 

    Doch vor den Leftovers öffnet zunächst deren Support-Act Julia Effekt, ebenfalls aus Wien, den Abend. Mit ihrem in diesem Jahr erschienen Album “Nachtparkett” präsentiert die fünfköpfige Band irgendwas zwischen Goth, Post-Punk und 90s Grunge und passt damit perfekt ins Beuteschema der Leftovers-Fans, die direkt eine Zugabe fordern. 


    Wut und Frustration kanalisiert in Musik und Energie

    Nach kurzer Umbaupause, in der das Publikum lautstark “Iris” von den Goo Goo Dolls zum besten gibt, erklingt dann “Für mich soll’s rote Rosen regnen” von Hildegard Knef, quasi der Einlauf-Song der Leftovers. Die vier Bandmitglieder betreten die Bühne und stehen ihrem Publikum ästhetisch in nichts nach. Sowohl Band, als auch Fans gehen direkt von 0 auf 100. Schon mit dem ersten Song, “System” öffnet sich der Moshpit und das Molotow beginnt zu beben. Diese Energie zwischen den Menschen auf der Bühne und denen davor wird sich auch in den nächsten 1,5 Stunden nicht legen.

    “Wer von euch hat Die Verwandlung von Kafka gelesen?”, schreit Sänger Leonid als der erste Song verklingt und kündigt damit den zweiten Song, “Käfer”, an, der von eben jener Verwandlung von Kafka inspiriert ist. Schließlich sind die Leftovers auch eine intellektuelle Band!

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    Neben einer bunten Mischung ihrer drei Alben, spielen die Leftovers an diesem Abend auch ein paar unveröffentlichte Songs. “Wir machen jetzt wieder richtigen Grunge”, erklärt Leonid vorab. Als hätten sie jemals wirklich damit aufgehört. Auch das Grauzone-Cover “Marmelade und Himbeereis”, das seit jeher Bestandteil des Live-Sets ist und die Fans zum mitgröhlen animiert, darf natürlich nicht fehlen.

    Die Leftovers schaffen es die Wut und Frustration, die aus ihrer Musik sprudeln live in positive Energie umzuwandeln und ihrem Publikum einen Abend Eskapismus vor der Welt zu bieten. Denn es kann sein, dass alles endet aber die Leftovers werden weiterhin Musik machen. 

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  • Blair Davie erinnert uns, wie schön die Liebe klingt

    Blair Davie erinnert uns, wie schön die Liebe klingt

    Newcomer*in Blair Davie kehrt im Herbst 2025 mit First And Last zurück – einer gefühlvollen EP über die Liebe in all ihren Phasen. Am 8. Oktober erschienen, reiht sich ein herzerwärmender Song an den nächsten. In sechs wunderschönen Tracks erzählt Blair eine Story vom ersten Herzklopfen bis zum Für-immer-Gefühl. Mit First And Last hat das schottische Ausnahmetalent eine Sammlung geschaffen, die berührt und uns daran erinnert, wie Liebe sich anfühlt und wie sie klingt, wenn man sie wirklich zulässt.


    Wenn du vergessen hast, wie sich Liebe anfühlt – First And Last erinnert dich daran. 

    Blair Davie ist eines der wenigen Talente, bei dem man beim Hören der Songs direkt gute Laune bekommt. Man hört förmlich die Freude am Songwriting und Singen in jedem Wort, und diese positive Energie überträgt sich von der ersten Note an. So wirkt auch diese EP absolut authentisch. Der Opener setzt den Ton für die gesamte EP: verletzlich und ehrlich, träumerisch und sanft. Ganz ohne Filter. Bei „Coming Back Babe“ ist die rohe Power von Blairs Stimme sofort spürbar. Als kraftvollstes Instrument entsteht zwischen Sounds ähnlich Adele und Bruce Springsteen (wie Blair selbst sagt) ein intensiver Sound, gefüllt mit verliebten Textzeilen. 

    impulsiv, unvernünftig, wunderschön

    Blair singt vom Davonlaufen, von Freiheit und der Sehnsucht nach einem Für immer zu zweit.

    „you and me runnin‘, never coming back, babe“ 
    „two hearts in a black car and we drive away“ 

    Im Zentrum steht die Flucht ins Glück, weit weg von allem, fokussiert auf eine gemeinsame Zukunft, immer mit dem beflügelten Gefühl vom Verliebtsein, das mitschwingt. 

    Dass das größte aller Abenteuer in der Liebe liegt, wird auch im nächsten Song hörbar.  „Crashing The Car“ ist ein Track darüber, jemanden so intensiv zu lieben, dass alles andere nebensächlich wird – sogar das Leben selbst:

    „if we end up crashing the car, I’m happy we made it this far
    „darling, I know in my heart, it’s a beautiful way to go into the dark if I die wherever you are“  

    Der Song erzählt von Hingabe und der Bereitschaft, intensive Liebe zuzulassen, sodass sie dem Tod entgegensteht. Trotz der etwas düsteren Metapher ist dieser Song eine weitere poetische Liebeserklärung, wobei außerdem auch ein Gefühl von Hoffnung durch den optimistischen Gedanken auf ein Wiedersehen im nächsten Leben mitschwingt: „If you asked me, I’d leave the whole world behind. If we meet in another life, then it’s alright“.  

    Im Kontrast dazu folgt im nächsten Song die Freude über das Leben zusammen. „What a Life“ erzählt vom Gefühl, jemanden zum ersten Mal in die eigene Welt mitzunehmen – ins Zuhause, in Erinnerungen, in das, was man liebt und wo man herkommt. 

    there ain’t no taste of home down the telephone, so welcome to my little slice of something called paradise“

    Zwischen den Zeilen klingt Blair Davies Herkunft aus Perth, Schottland an und es scheint fast so, als würde die Liebe die Heimat in neuem Licht erscheinen lassen.

    „all the streets sound like they’re singing now that I‘ve got you in it  – what a life“

    Die Zeilen erwecken den Eindruck, als würde Blair die Welt durch eine rosarote Brille sehen – aber eine, die ganz ehrlich getragen wird, ohne Kitsch, einfach aus purer Freude.  

    Mit Freude geht es auch in den nächsten Track. „Wouldn’t Be Right“ ist ein weiterer Feel-Good-Song über Zufriedenheit mit dem, was man hat, auch wenn nicht immer alles einfach ist. Es braucht nicht die neuesten und teuersten Sachen, solange man eins hat: die Liebe.

    „I know that it’s worth it all the days that you’re mine“
    „it might not be perfect all of the time, but with any other human, no it wouldn’t be right“

    Trompeten- und Gitarrenklänge ziehen sich durch den Song und geben dem Ganzen einen sehr glücklichen Folk-Vibe. Euphorisch und ehrlich singt Blair darüber, dass es am Ende nur darauf ankommt, jemanden zu haben, mit dem sich alles richtig anfühlt, egal, wie chaotisch das Leben gerade ist.

    Der Titeltrack verdichtet das zentrale Motiv der EP: ewige Liebe, die bleibt. Als Herzstück des Projekts fasst „First And Last“ vieles alles aus den vorangegangenen Songs zusammen. Blair macht deutlich, was es heißt, jemanden so sehr zu lieben, dass diese Person zur Hauptfigur im eigenen Leben wird. Nicht aus Selbstaufgabe, sondern aus Vertrauen und Nähe:

    „you’re the protagonist in my little life“

    Es geht um das Gefühl, jemanden gefunden zu haben, bei dem man ankommen darf. Für immer. 

    „from hellos to goodbyes, every morning, every good night – I’m all yours, you’re all mine, till the end of time“

    Der Song fühlt sich an wie eine musikalische Umarmung und transportiert Wärme, Hingabe und ein Versprechen für immer. Ähnlich weiter geht es im letzten Song, wobei es zum Abschluss nochmal kraftvoll wird: „Butterflies“ ist eine Ballade über Liebe, die nicht vergeht, über Schmetterlinge, die nicht wegfliegen. 

    „these butterflies don’t ever fly away“

    Blair singt von einer Liebe, bei der das Kribbeln im Bauch nicht verschwindet, sondern zu etwas Beständigem wird. Eine Liebe, die wächst, die reifer, tiefer, echter wird. Außerdem singt Blair von einer Liebe, die bedingungslos ist – davon, dass man sich für jemanden nicht verändern muss, weil man genau so geliebt wird, wie man ist. Diese Zeilen feiern Akzeptanz, Vertrauen und ermutigen zur Selbstannahme: „You can change but you don’t have to for me: I love you now matter what“. Butterflies bildet ein sanftes, aber kraftvolles Ende einer EP, wobei eine Mischung aus Klavier- und Gitarrenklängen Blairs unverwechselbare Stimme tragen. 


    Eine Ode an die Liebe

    First And Last ist kraftvoll, mutig und herzerwärmend. Zwischen Intimität und Euphorie zeigt Blair Davie eine beeindruckende Entwicklung, sowohl erzählerisch als auch emotional: „It’s a love story from first moment you meet that person, falling head over heels for them and then how that love grows and grows with everything you go through together“, so Blair selbst über das Projekt.
    Die EP lässt einen das Leben kurz vergessen und erinnert gleichzeitig daran, warum es so schön ist, zu fühlen, zu vertrauen, zu lieben. Sowohl musikalisch als auch persönlich hat Blair Davie bereits einen großen Entwicklungsprozess hinter sich und wir sind gespannt, wohin die Reise weitergeht.

    Fotos: MOTHER ARTISTS

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  • Nahbar, ehrlich, leise stark: philine über das Leben im Hier und Jetzt

    Nahbar, ehrlich, leise stark: philine über das Leben im Hier und Jetzt

    Mit der am 05. September 2025 erschienenen EP The Truth of Living in Reality gelingt philine eine Kollektion, die nicht nur ihre persönliche Geschichte erzählt, sondern die Gefühle einer ganzen Generation einfängt. Sie zeigt, dass man nicht immer alle Antworten braucht. Manchmal reicht es, ehrlich hinzuschauen, zu fühlen und im Moment zu sein. In sechs Songs widmet sie sich den großen und kleinen Fragen des Lebens in den 20ern: Beziehungen, Selbstfindung, Veränderung, Verletzlichkeit und der Akzeptanz des Hier und Jetzt. Mit rohen Emotionen, sanften Gitarrenklängen und kleinen Chören hier und da schafft sie ein Soundbild zwischen Melancholie und eindringlicher Intimität. Ihre Lyrics sind nahbar und ehrlich.


    The truth of living in reality – Fazit: It’s not always easy. 

    Selbst habe ich mich oft in den Songtexten wiedergefunden, weshalb mich die EP schon beim ersten Hören abgeholt hat. Die 20er sind die Zeit des Lebens, wo die meisten von uns viel Veränderung erfahren, sich (neu) entdecken, hinterfragen: Wer bin ich eigentlich und was will ich vom Leben? Philine verarbeitet diese Ambivalenz, das Schwanken zwischen Sicherheit und Unsicherheit, Wissen und Nichtwissen.

    Die EP überbringt die Botschaft, sich nicht mehr im Traum verlieren zu wollen, keine Scheu vor der Wahrheit, vor dem Leben im Moment zu haben. Manchmal muss man über seinen Schatten springen und der Realität ins Auge sehen, denn auch schwierige Momente lassen uns wachsen. 

    Den Anfang macht „waste a life“, in dem philine singt, wie sehr sie sich danach sehnt, nicht länger vor dem Moment davonzulaufen, sondern das Leben im Hier und Jetzt genießen zu wollen, statt es aus Angst vor der Zukunft zu verpassen.

    „I’ve already spent a few years crying over what I wanted, missing out on all the parts that were in front of me“

    Sie reflektiert den Gedanken, zu lernen, dass die Freude über Gutes größer sein kann als die Angst, es wieder zu verlieren. Sie erkennt: „I‘m always scared of losing“ und „I don’t wanna waste a life like this“. Im Song singt sie über ihre Vergangenheit, dass sie schon immer so war, sich vieles nicht getraut und Spaß verpasst hat, immer mit der Angst, zu versagen. 

    „If you think it’s gonna happen, then it’s what you get“

    Sie erkennt, sich und ihren Blick auf die Dinge ändern und nicht mehr auf Negatives fokussiert sein zu wollen, denn eine positive Einstellung bringt auch positive Dinge mit sich. Der Song vermittelt die Botschaft, nicht mehr allem hinterherrennen zu wollen, sondern im Moment zu leben und sich über das zu freuen, was da ist. Mit sanften Gitarrenklängen entfaltet der Song eine Wärme, die sich direkt überträgt.

    Auch ihr zweiter Song „ten years time“ vermittelt die Message: lebe im Moment. Sie singt zuerst über die Hin- und Hergerissenheit zwischen dem aktuellen Leben und zukünftigen Fragen, diesmal aus der Perspektive einer Beziehung. Der Song handelt von partnerschaftlicher Zukunft, Fragen nach Schwangerschaft, Liebe selbst. Philine findet keine Antworten auf diese Fragen im Song, denn auch hier ist das Fazit: Heute ist wichtiger als die Zukunft, wobei der Refrain als Plädoyer fürs Hier und Jetzt gilt: „right here in the moment’s where the magic is (…) forget about ten years time“.  


    Ein Storytelling, das im Stillen trifft

    Der dritte Song ist mein persönlicher Favorit und bildet meiner Meinung nach den Kern der EP, da er zwei Perspektiven gegenüberstellt und philines inneren Konflikt widerspiegelt. „The devil’s advocate“ erzählt auf der Suche nach Orientierung von einem Kampf zweier Seiten: „There’s one believing in a purpose, the other one is nihilistic“. Sie fragt im Song nach dem Sinn im Leben, nach der richtigen Perspektive und so trifft Reflexion auf innerliche Zerrissenheit: „to all that we know there’s an opposite“

    I can’t pick a side and just go with it

    Die Unsicherheit bleibt, beide Stimmen haben ihre Daseinsberechtigung. Wie weiß man, ob das Leben einen höheren Sinn hat oder unser Dasein zum reinen Zeitabsitzen dient? „I just can’t figure out what’s the narrative“ Die Frage nach Bedeutung vs. Sinnlosigkeit bleibt, immer mit der Rücksicht, dass jede:r die Welt auf eine eigene Weise sieht: „cause my reality is just what I perceive, so who am I to judge the things that you believe?“.

    Der nächste Song greift ebenfalls eine Zerrissenheit auf. „Heavy“ beschreibt die eigene Desorientierung in einer schwierigen Phase, nicht zu wissen, wohin mit sich und das Gefühl zu haben, für andere „zu viel“ zu sein. „Every word feels like rejection and I don’t wanna lie so I bore you with silence but believe me, I try to make sense of the sadness“. Philine äußert, selbst zu leiden und singt über innere Schwere und das Ringen um Leichtigkeit: „When did it get so heavy, and how do I get it light?“. Sie singt über ihre Gefühle in einer schweren Zeit und zeigt sich von einer sehr verletzlichen Seite. 

    Auch im folgenden Lied der EP, „josie“, spürt man pure Emotionen und eine Spur Verletzlichkeit. Sie reflektiert ihre letzte Beziehung und nutzt den Song, um Klarheit zu bekommen – etwas, das sie von ihrer Partnerin nie bekam: „I’d love to get closure but you’re not gonna give it, I know that“. Sie singt darüber, dass die Beziehung sie verändert hat und arbeitet die Fehler auf. Zusätzlich beschreibt sie den Wunsch, mehr gewollt zu haben, aber nicht viel entgegen gebracht bekommen zu haben. „When I told you, you were my first real love, then you asked for space and you broke that trust“. Sie zeigt sich sichtlich verletzt und versucht, ihre Wunden im Song zu verarbeiten. Sanfte Klänge treffen hier erneut auf unverblümte Ehrlichkeit.



    Zwischen Schmerz und Stärke

    Ein emotionaler Schmerz zieht sich ebenfalls durch die Lyrics des letzten Songs. „New year’s eve“ ist ein Track über den schmalen Grat zwischen Liebe und Verrat. „I used to trust you more than me, but everything changed since new year’s eve“. Philine singt von Veränderung, von einem Bruch von Nähe und Vertrautheit. Dabei hinterfragt sie auch ihr eigenes Verhalten. Hätte sie etwas vermeiden oder retten können? Hätte sie sich schützen können? „Maybe I should’ve been much clearer, I should’ve set more boundaries.“ Selbstzweifel machen den Song nahbar und ihre Offenheit berührt. 

    Musikalisch setzt philine auf fragile Klänge, die Raum für ihre Texte lassen. Passend zum Cover, das sie verschwommen im Sonnenuntergang zeigt, entfaltet sich zwischen melancholischer Sanftheit und catchy Indie-Melodien eine EP, die wie eine Momentaufnahme wirkt.

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