Ein Abend, der uns in seinen Bann zog! Charlotte und Mila (Evangelische Schule Berlin Zentrum) berichten von einem magischen Konzertabend mit London Grammar.
Am 07.11. trat die Band London Grammar erstmals während ihrer „The Greatest Love Arena Tour“ im Velodrom, Berlin auf. Hannah Reid, Dan Rothman und Dot Major: das sind die drei Mitglieder der Band, die nicht nur sehr kreativ und besonders sind, sondern auch seit ihrer Gründung 2009 einen einzigartigen Weg in der Musikwelt eingeschlagen haben.
Von Student*innen zu Stars
Nach ihrem frühen Durchbruch 2013 mit ihrem ersten Album „If you wait“ wurde der Band schnell klar, dass berühmt sein nicht zu ihren Lieblingstätigkeiten zählt und so ist ihnen bis heute ein zentrales Anliegen nicht als Personen sondern einzig und allein mit ihrer Musik im Vordergrund zu stehen. Und das gelingt! Während Hannah erzählt, immer noch unerkannt durch die Straßen laufen zu können, haben sie weltweit bis zu 3 Millionen Alben verkauft und Millionen von Hörer*innen auf Spotify und anderen Streaming Plattformen.
Erfüllte Herzen
Die Band fängt direkt an den ersten Song zu spielen. „Hey now“, ein ruhigeres Lied, bei dem das Publikum zum ersten Mal an diesem Abend Hannah Reids kraftvolle und doch zerbrechlich und gefühlvoll klingende Stimme hört. Der Fokus der Show liegt insgesamt vor allem auf der Musik mit wenigen Sprechanteilen zwischendurch. Das ist irgendwie auch gar nicht nötig. Die Songs sind mal ruhig, mal energiegeladen, mal dunkel, mal sanft. Sie übertragen unterschiedliche Stimmungen, aber die Grundatmosphäre bleibt gefühlvoll, tiefgründig und mystisch.
Zwischendurch interagiert die Band dann das erste Mal mit den Zuschauer*innen. Die Band durchquert die Menge mit Taschenlampen und landet auf einer kleinen Bühne zwischen all den Menschen. Hannah Reid sagt „Fuck Donald Trump!“, was sie für uns direkt noch sympathischer und authentischer macht. Bevor die Band wieder auf der großen Bühne im Nebel auftaucht, ertönt ein Handyklingeln und auf der Leinwand erscheint „Fakest Bitch“, was den gleichnamigen Song einleitet. Eines der letzten Lieder ist „Wasting my young years“, den die Menge direkt erkennt. Nach dem großen Endapplaus ertönen zwei Zugaben: „Strong“ und „Loose your head“, bei denen das Publikum in zwei Gruppen aufgeteilt wird und es einen Wettbewerb gibt, welche Seite lauter singt. Das sorgt für eine ausgelassene, glückliche Stimmung am Ende.
12.000 Menschen
Mit ihren gefühlvollen Klängen, die einem Momente von echter Freiheit schenken, können sie auch an diesem Abend das Publikum begeistern – inklusive uns. Wir sitzen mittendrin, in einer vollen Halle, gefüllt mit 12.000 Menschen. Menschen, die überraschenderweise älter sind, als wir dachten. Durch den schon eher modernen und poppigen Stil der Songs und das junge Alter der Band hatten wir ein deutlich jüngeres Publikum erwartet. Es ist eine bunte Mischung an Fans, die entspannt, rücksichtsvoll und begeistert die Stimmung ausleben lässt. Von allen Seiten wird fleißig mitgesungen und mitgefiebert.
Die mystische Atmosphäre
Die Musik, die London Grammar an diesem Abend spielt, ist sehr ausdrucksstark, gefühlvoll, fantasievoll, teilweise auch sphärisch, verletzlich, aber trotzdem rhythmisch und bestimmt. Es kommt eine mystische Atmosphäre beim Zuhören auf, die einen direkt in den Bann zieht und mitreißt. Dafür ist vor allem Hannah Reids Stimme verantwortlich. Die Songs sind eher ruhig und fließend und regen zum Nachdenken an. Es gibt allerdings auch elektrisierende Parts, die fast ein bisschen an Techno erinnern und die die Menge sehr feiert und aufheizt.
Zwischen Nebelwolken und Laserstrahlen
London Grammars Show ist unglaublich kreativ und sehr ästhetisch. Von verschiedenen pulsierenden Lichtern, die zur Stimmung beitragen und die Energie widerspiegelen über alte filigrane Zeichnungen von Käfern bis hin zu Nebelwolken, Laserstrahlen, Live-Drohnenvideos und künstlerisch gestalteten Aufnahmen von der Bühne ist an diesem Konzertabend einiges dabei.
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Wir haben uns dazu entschieden zwei Fazits zu schreiben, da obwohl wir beide sehr begeistert aus dem Konzert raus gegangen sind, wir beide ganz individuelle Eindrücke hatten, die wir euch nicht vorenthalten wollen.
Charlotte
Mein Gesamteindruck des Konzerts ist sehr positiv, auch wenn ich teilweise gerne unten in der stehenden Menge gewesen wäre, da ich das Gefühl habe, dass die Musik dort noch offener gefühlt wurde. Musikalisch war London Grammar für mich eine absolut wertvolle Neuentdeckung, die gut zu meinem Musikgeschmack passt. Die Band war mir sympathisch und ich finde die drei Bandmitglieder wirkten sehr authentisch. Ich kannte vorher nicht besonders viele Songs der Band und deshalb schon gar nicht die Lyrics. Das war ein ganz kleines bisschen schade, aber nicht schlimm, denn ich habe die Musik trotzdem von Anfang an gefühlt und mit der Zeit wurde ich dann richtig in den Bann von London Grammar gezogen. Wenn ihr also auch eine sympathische Indie-Band, eine entspannte Atmosphäre, ästhetische Bühnenshows und eine schöne Publikumsstimmung erleben wollt, kann ich euch nur empfehlen auf Konzerte von London Grammar zu gehen!
Mila
Abschließend kann ich sagen, dass das Konzert mich sehr beeindruckt hat und das auf ganz viele unterschiedliche Art und Weisen. Die Musik und das Genre sind zwar eigentlich nicht unbekannt für mich, ganz im Gegenteil. Trotzdem habe ich mich in eine andere und zugleich wunderschöne Welt versetzt gefühlt. Obwohl der Klang manchmal sehr fremd und ungewohnte schien, hatte er dennoch etwas sehr faszinierendes an sich und hat mir nochmal vor Augen geführt, wie unterschiedlich Musik sein kann. Auch der Gesang hat mich sehr beeindruckt! Wie kann man eine so zarte und trotzdem gleichzeitig ausdrucksstarke Stimme haben?! Nicht zu vergessen die ganze Stimmung, die von allen Menschen und der Band ausging. Das in Verbindung mit einer wirklich ästhetischen Show, die genau das nochmal widerspiegelte, werde ich hoffentlich niemals vergessen! Wenn ihr auch einen unvergesslichen Abend zwischen Nebelwolken und atemberaubenden Klängen und Gesang erleben wollt, dann seid ihr bei London Grammar in jedem Fall richtig!
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Erika (Evangelische Schule Berlin Zentrum) schreibt in Kooperation mit Goodlife Artist über einen intensiven Technoabend im Festsaal Kreuzberg, Berlin mit ZHU.
Am 12. November 2024 stattete der kalifornische Künstler ZHUdem Festsaal Kreuzberg einen Besuch ab und lieferte eine beeindruckende Mischung aus elektronischer Musik, Live-Gesang und einer durchdachten visuellen Inszenierung. Mit einer Setlist, die Klassiker und neue Songs aus seinem aktuellen Album GRACE vereinte, beeindruckte er sein Publikum.
Ein Meisterwerk aus Klang und Atmosphäre
ZHU ist ein Meister der atmosphärischen Klänge und bekannt für seine Verbindung von Deep House, R&B und Pop-Elementen. Der Festsaal Kreuzberg, eine Location mit industriellem Charme, bot mit seiner Kapazität von etwa 1.200 Menschen die ideale Kulisse für ZHUs dichte, mystische Ästhetik. Die geringe Größe des Geländes schuf eine intime Atmosphäre, die perfekt zur Musik passte. ZHU konnte sich, seine Musik und Videos auf der Festsaal Bühne präsentieren. Sein Publikum konnte ihm ganz nah sein oder ihn von der zweigeschossigen Empore hinter dem FOH (front of house – Sound) gut beobachten. So konnte man auch trotz vollem Haus seinen Auftritt entspannt genießen oder ihn auch tanzend feiern. ZHU ist seit seinem Durchbruch mit “Faded” im Jahr 2014 bekannt für sein Talent, emotionale Tiefe mit treibenden elektronischen Rhythmen zu verbinden. Mit GRACE, seinem aktuellen Konzeptalbum, das auch einen begleitenden Film umfasst, setzt er erneut auf Storytelling durch Musik und visuelle Kunst.
Aus dem Dunkel zum Licht
ZHU eröffnete den Abend mit einem instrumentalen Intro, das die Spannung im Saal aufbaute. In die Dunkelheit der Bühne getaucht, erschien er als Silhouette, bevor ermit “Skyline” in die Setlist einstieg. Der Song kombinierte sanfte Synthesizer mit hypnotischen Beats und seinem charakteristisch rauchigen Gesang, der die melancholische Grundstimmung des Albums GRACE einleitete. ZHUs Setlist war eine Balance aus alten Favoriten und neuen Tracks. Highlights aus früheren Alben wie Generationwhy und Ringos Desert wurden mit den introspektiven, cineastisch angehauchten Stücken aus GRACE kombiniert. Besonders hervorzuheben ist “Resonance”, ein Stück, das eine fast hypnotische Wirkung hatte und die Fähigkeit des Künstlers unterstrich, musikalische Spannungen perfekt aufzubauen. Der Höhepunkt des Abends war unbestritten “Faded”. Der Song wurde in einer neu arrangierten Version präsentiert, die mit einem langsamen, emotionalen Aufbau begann, bevor er in seinen ikonischen, pulsierenden Beat überging. Diese Version ließ den Saal in Euphorie versinken. Ein weiteres Highlight war “Cold Blooded”, bei dem die Mischung aus minimalistischen Beats und ZHUs eindringlichem Gesang, Stimmung brachte.
Emotionale Intensität und Visualität auf der Bühne
ZHUs Shows zeichnen sich durch eine fast rituelle Atmosphäre aus. Obwohl er wenig sprach, kommunizierte er über seine Musik und die visuelle Inszenierung auf einer tiefen emotionalen Ebene. Die Dynamik im Publikum war spürbar: Während der energetischen Tracks wie “Came for the Low” vibrierte die Menge, bei ruhigeren Momenten wie “Desire” herrschte fast ehrfürchtige Stille. Die Interaktion zwischen Künstler und Publikum war subtil, aber effektiv, und unterstrich die immersive Natur der Show. ZHUs Bühnenshow war ein durchdachtes visuelles Spektakel. Minimalistische Lichtinstallationen, mit Nebel und tiefen Schatten kombiniert, unterstützten die emotionale Wirkung seiner Musik. LED-Wände zeigten abstrakte Projektionen, die die Songs visuell interpretierten. Die Soundqualität war bis auf einige kleinere Akustikprobleme im mittleren Frequenzbereich überwiegend solide. Allerdings waren manche Gesangspassagen durch den starken Bass etwas überlagert.
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Der Abend endete mit “Dreamland 2021”, einer träumerischen Hymne, die die mystische Stimmung des Konzerts perfekt abrundete. ZHU verabschiedete sich ohne große Worte, ließ aber durch die letzten Klänge seiner Musik eine bleibende emotionale Wirkung zurück. Das Publikum war sichtlich bewegt und applaudierte begeistert, während sich die Saalbeleuchtung langsam erhellte.
Der Gesamteindruck
ZHUs Konzert war ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk, das nicht nur musikalisch, sondern auch visuell beeindruckte. Persönlich mochte ich die durchdachte Dramaturgie der Setlist und die emotionale Tiefe der Performance. Was mich nicht völlig überzeugte, war sein Gesang und der Aufbau seiner Songs. Anfangs hatten seine Songs einen super Beat und man konnte sehr gut darauf tanzen. Zunehmend gab es aber Stellen, an denen der Beat plötzlich zu Ende war und in ein Rauschen überging. Darüber hat er dann live gesungen. Seine Gesang war an diesem Abend nicht in Topform. Seine Stimme hatte wenig Volumen und Feeling. Es war trotzdem ein tolles Erlebnis und live viel besser als auf verschiedenen Streamingdiensten, aber empfehlen, als unvergessliches Erlebnis, würde ich ihn nicht uneingeschränkt. Bei einer solideren Gesangsperformance, wäre ich nochmal dabei. Sorry, ZHU…
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Ab und zu, wirklich nur ab und zu, kommt mir der Gedanke, dass wir ja mal in einer Pandemie gelebt haben, in der alles, was wir (mittlerweile wieder) als normal empfinden, nicht ging. Wir haben kaum oder keine Freund*innen getroffen, wir sind nicht ins Museum gegangen und haben auch keine Konzerte besucht. Dann ergreift mich für eine Sekunde ein ganz merkwürdig irritierendes Gefühl, ich denke kurz daran, wie es sein kann, dass sich das alles schon wieder so weit weg anfühlt und dann geht das Leben normal weiter, als wäre nichts gewesen, als wäre Corona nie da gewesen.
Die Corona-Melancholie
Bei allem Nervigen, das diese Zeit mit sich brachte, bei aller Einsamkeit, Hilflosigkeit oder Überforderung, bin ich der Isolation für eines dankbar: die emotionale Tiefe, die aus ihr hervorgegangen ist. Die Kunst und Musik, die nach dieser für fast alle so anstrengenden Zeit langsam zu uns durchsickerte, fühlte sich für mich auf unterschiedlichsten Ebenen viel bedeutender und tiefgreifender an, als was ich gewohnt war. Nun bin ich, wenn es um Musik geht, ein Kind der Melancholie und genau diese Melancholie nahm ein so ehrliches Antlitz an, dass sich viele dieser „Corona-Alben“ dauerhaft in mein musikalisches Herz spielten. Ich würde sogar sagen, zum Teil haben Künstler*innen mit diesen Werken ihren jeweiligen musikalischen Höhepunkt erreicht und werden dieses Ausmaß an emotionaler Bedeutung nie wieder erreichen.
Wenn ich jetzt also auf der Suche nach neuer Musik bin, ist der Maßstab immer das, was ich gespürt habe, als ich die Musik dieser Zeit hörte. Und ich kann euch sagen, das macht die Sache für mich nicht leichter. Die meisten Songs, die ich neu entdecke, bleiben nicht hängen und wenn mich dann doch Mal ein Song, eine EP oder ein Album überzeugt, dann fällt mir folgendes auf: wenn eines bleibt, dann die Melancholie! Deshalb kommt hier meine Top 8 der Melancholie 2024 in zufälliger Reihenfolge!
ich hoff du brichst mir das Herz
Nach ihrer traumhaft schön-traurigen EP „tatendrang und todmüde“ (auch ein Corona-Tape!?) ist „ich hoff du brichst mir das Herz“ von maïa eine Kombination von unglaublich schönen Gesangsmelodien mit gleichzeitig treibender Countrygitarren-Produktion, die zu keinem Zeitpunkt aufdringlich oder klischeehaft wirkt. Ich bin ehrlich, ich mache dieses Musikjournalismus-Ding nur, um Interviews mit maïa zu führen.
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„aus meiner Haut“ von Trilles gleichnamigen Album ist aus irgendeinem Grund ganz besonders für mich. Ich habe versucht, diesen Song am Klavier und an der Gitarre zu singen und zu keinem Zeitpunkt konnte ich die weiche und zugleich dringliche Atmosphäre reproduzieren. Insbesondere in das Ende habe ich mich verliebt, wenn der Song aus der Stille heraus nochmal Anlauf nimmt und explodiert.
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„Bird of a Feather“ von Billie Eilish fängt eine andere Form der Melancholie ein. Sie ist nicht wirklich traurig und dennoch lässt die Stimmung einen nostalgisch und mit Wehmut in eigenen Emotionen schwelgen. Diese nicht klassisch melancholische Facette fühlt sich meiner Meinung dennoch danach an. Mein Bruder hat letztens zu diesem Song geheiratet und ich kann euch sagen, es gibt keinen schöneren und emotionaleren Hochzeitssong als diesen!
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Ein Artist, der wie wenige andere die Melancholie auf die Tanzfläche bringt, ist orbit. „so far away“ könnte ich ohne Pause Tag und Nacht hören. Ich weiß nicht, wie orbit es schafft in diesen sphärischen und Triebenden Klängen noch so viel Intimität zu verstecken. Wenn ich diesen Song höre, stelle ich mir immer all diese klischeehaften Filmszenen von Jugendlichen vor, die ins Schwimmbad einbrechen, im Cabrio durch die Nacht fahren oder betrunken auf einer Party rummachen, sich dann zerstreiten und dabei dennoch verbunden fühlen. Dann, wünschte ich, ich wäre Teil des Klischees!
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Fontaines D.C. haben eines meiner Lieblingsalben des Jahres veröffentlicht. In der Stimme des Sängers steckt so viel Schmerz, dass die Melancholie nicht weit entfernt sein kann. Die Produktionen untermalen die Energie. In der Regel möchte ich etwas kaputt machen, wenn ich dieses Album hören. Wenn ich „Bug“ höre, möchte ich allerdings ähnlich wie bei „so far away“ mit meinen Freunden unüberlegt Dinge tun, ohne über die Konsequenzen nachzudenken, bis alles schief läuft.
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Unter den aktuellen deutschen Artists gibt es niemanden, der oder die so traurig und verletzt klingen kann wie Levin Liam. Ehrenwort! Ich dachte, kein neues Tape würde an „vergiss mich nicht zu schnell“ herankommen, doch „gesicht verlieren“ beweist das Gegenteil. Wirklich alle Songs stechen ins Herz, wenn man ihnen die Chance dazu gibt. Ich frage mich jedes Mal, wie es sein kann, dass ein Mensch in der Lage ist, so konstant eingängige und zugleich wunderschöne Melodien zu schreiben, die nie vorhersehbar oder langweilig wirken.
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Königin der Melancholie ist natürlich Jorja Smith! Nicht dass ihr Album „falling or flying“ Geschenk genug wäre, veröffentlichte sie eine neu arrangierte Version, die mehr ihrer jazzigen Seite schmeichelt.Der unendliche Schmerz, den Jorja Smith in ihre Stimme legen kann, egal wie wild die Instrumentals sind, ist unvergleichbar. Hiermit ist es offiziell: Ich liebe Jorja Smith und niemand kann mich davon abhalten!
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Ich gebe es zu, ich hatte Anlaufschwierigkeiten. Mit seinem neuen Album hat sich Leon Bridgesnicht sofort in mein Gedächtnis eingebrannt. Nachdem ich den neuen Songs allerdings etwas Geduld entgegenbrachte, entfaltete sich mir ein Reichtum an melancholischen Momenten, die mir jedes Mal die Seele erwärmen, wenn ich „Leon“ anmache. Das Album besteht aus so schön unaufgeregten Instrumentierungen, die mein unschuldiges Musikerherz aufleben lassen. Gleichzeitig spürt man die Ehrlichkeit in der erzählenden Stimme von Leon Bridges. Musikjournalist*innen würden sagen: „Das ist sein ehrlichstes Album jemals!“
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Ich hatte ja eigentlich gehofft, mich beim Schreiben dieses Artikels auf mein Spotify Wrapped verlassen zu können, aber in diesem Jahr hat sich wohl endgültig bestätigt, was ich mir schon zu lange nicht eingestehen wollte (weil ich es eigentlich ganz genau weiß): Es werden mal wieder nur die großen Künstler*innen gepusht. Schauen wir uns das also mal anhand meiner Top 5 Songs an:
„Back on 74“ von Jungle
„howling“ von nothhingspecial (der einzige Song hier, der von einer kleineren Künstlerin kommt)
„BIRDS OF A FEATHER“ von Billie Eilish
„Nothing Matters“ von The Last Dinner Party
„LUNCH“ von Billie Eilish
Ich will gar nicht abstreiten, dass ich all diese Songs nicht super viel gehört hätte, aber trotzdem beschleicht mich das Gefühl, dass bestimmten Artists da einfach der Vorrang gelassen wurde. Deswegen soll es ab jetzt um genau die Artists gehen, die nicht auf den ersten Blick ganz oben auf meiner Streaming-Liste waren.
neue Liebe entfacht
Mein absoluter Liebling war dieses Jahr eindeutig die Band Royel Otis. Das Duo aus Sydney hat mit ihrem neuen Album „PRATTS & PAIN“ einen Sound geliefert, der irgendwo zwischen Dream-Pop und Retro-Vibes schwebt. Ich liebe alles daran. Auch live haben mich die beiden total in ihren Bann gezogen. Ich durfte sie nämlich in wunderschöner Atmosphäre auf dem Appletree Garden Festival sehen. Wenn ihr zu dem Festival mehr lesen wollt, dann kann ich euch nur wärmstes meinen Artikel zu dem meiner Meinung nach familiärstem Festival mit krassem Line-Up empfehlen.
Ein Song von Royel Otis hat es mir ganz besonders angetan. Vorsicht, Tränen-Gefahr: Es geht um das Cover von „Linger“ (ja, der Cranberries-Klassiker). Ich sag’s wie’s ist: Spätestens als sie den Song auf dem Festival gespielt haben, habe ich angefangen zu weinen. Freudes-Tränen natürlich.
Mehr Frauen
Kommen wir zu wundervollen Frauen, die mich sehr inspiriert haben. Da gibt es eine ganze Menge, besonders ans Herz legen möchte ich euch da aber Olivia Dean und Jorja Smith. Die beiden sind für mich unter den Indie-Artists auf jeden Fall die Soul-Queens. Beide haben eine total warme Stimme und ihre Songs schaffen es, auf die sanfte Art ganz tief zu gehen. Und spätestens bei der Cover-Version von „You can’t hurry love“ kann man gar nicht nicht lächeln und tanzen.
Die letzten Jahre hatte ich immer ganz zuverlässig BROCKHOFF ganz oben auf meiner Liste der meistgehörten Songs. Umso überraschter war ich, als ich gesehen habe, dass sie es dieses Jahr „nur“ auf Platz 6 geschafft. Das macht aber auch Sinn, denn der Song ist der einzige, den die Künstlerin in diesem Jahr veröffentlicht hat. Die Rede ist von „Bigger Picture“ zusammen mit Blush Always (ebenfalls große Empfehlung!). Aber ist auch ok, denn ich freue mich schon ganz dolle auf das Album, was nächstes Jahr rauskommt. Bis dahin schreie ich weiterhin lauthals zu dem Banger aus 2024 mit. Die rauen Gitarren und perfekt harmonierenden Stimmen der beiden Sängerinnen – wie kann man den Song nicht lieben? Ähnlich geht’s mir mit „Shame“ von Philine Sonny und Miya Folick. Beide Songs kamen auch immer genau nacheinander in meiner Playlist. Die Energy matched einfach perfekt. Die Songs passen besonders gut, wenn man gerade wütend ist – was ich ehrlicherweise sehr oft war. Der Grund waren meistens (alte, weiße) Menners. Aber da helfen doch starke Songs von starken Frauen.
Pink Pop Pilates Girl Era
Ich muss gestehen, auch mit hat der brat summer in seine Fänge gezogen – tatsächlich aber erst so richtig mit „brat and it’s completely different but also still brat“. Kann mir irgendwer erklären, warum „Guess featuring Billie Eilish“ so hart kickt? Wie ein musikalischer Orgasmus. Was anderes fällt mir dazu auch gar nicht ein.
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Aufgrund mir mittlerweile gar nicht mehr so ersichtlichen Gründen dachte ich sehr lange Zeit, dass es zu uncool ist, mainstreamige Popmusik zu hören. Dadurch sind wohl so einige Banger an mir vorbei gegangen. Das habe ich dieses Jahr auf jeden Fall anders gemacht (vielleicht deswegen auch mein Spotify Wrapped?). Ich habe mich aber auf flinta artists beschränkt: Olivia Rodrigo, The Last Dinner Party, Billie Eilish. Ok, viel mehr waren es auch eigentlich, aber die liefen auf Dauerschleife.
Vor allem das neue Album von Billie Eilish hatte es mir angetan. Ich muss ja gestehen, dass ich vorher gar nicht so ein großer Fan war, aber das Album … puh. Neben den Songs, die sowieso am bekanntesten sind (und auch toll, keine Frage) hat mich „CHIHIRO“ auch sehr gecatched. Der Song hat einfach so viele Schichten, dass mir bei jedem Hören wieder ein neues Detail aufgefallen ist. Außerdem wirkt er wie eine Geschichte, die ihre Hörenden in den Bann zieht und erst nach Ende des Songs wieder fallen lässt.
Der Geheimtipp zum Schluss
Ich will euch aber natürlich nicht fallen lassen, ohne zumindest eine kleine, nischige Indie-Band empfohlen zu haben. Sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen. Also: Strahlemann. Ich bin der festen Überzeugung, dass das genau die Indie-Boys sind, die euch in eurer Playlist fehlen. Strahlemann-Songs sind poetisch, süß, ein bisschen verkopft und vor allem eins: Durchdacht. Ich habe schon ein paar Mal über die Musik der vier Strahlemänner geschrieben, das könnt ihr hier lesen und hier schauen. Und wenn ihr mögt: Besucht sie doch auf Tour im Januar.
So, genug gefaselt. Ich habe meine Top 3 Songs in unsere geteilte Jahresrückblick-Playlist gepackt. Da sind auch noch ganz viele tolle andere Songs drin. Hört doch mal rein:
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Das letzte Zwölftel des Jahres 2024 ist angebrochen und mit ihm kommt die kalte dunkle Jahreszeit. Eine Jahreszeit, die zuhause gemütlicher macht, Besinnlichkeit und Beisammensein verspricht und für viele Menschen Tradition bedeutet. So ist es etwa bei untoldency Tradition, in dieser Zeit das musikalische Jahr in einem Jahresrückblick Revue passieren zu lassen.
Denke ich an 2024 zurück, wird mir bewusst, dass es ein Jahr war, in dem ich vor allem eines noch weniger hatte als je zuvor: Zeit. Wer kennt es nicht? Einen geraumen Anteil der Zeit frisst die Arbeit oder die Uni, das Lernen und Sachen, die einfach gemacht werden müssen. Das, was wohl die meisten nachvollziehen können, hat mich persönlich in diesem Jahr stark eingeholt. Der Wert der Zeit, die ich ganz ohne Verpflichtungen und nur für mich hatte, stieg in diesem Jahr ins Unermessliche. Da ist sie wieder, die Inflation.
Deshalb ist es auch hier in den letzten Monaten ziemlich ruhig um mich geworden. Aber anstatt über ein Problem zu lamentieren, welches ohnehin fast alle haben, komme ich nun auf meine besonderen musikalischen Highlights von 2024 zu schreiben. Viel Spaß mit meinem Jahresrückblick!
Mein Album des Jahres
Anfang des Jahres – ich habe hier darüber geschrieben – kam das Debütalbum „Prelude to Ecstasy„ von The Last Dinner Party und hat meine Welt ein wenig aus den Fugen gerissen. Die kraftvollen Lyrics, der pulsierende Pop aber vor allem der Klassik- und Renaissancebezug im Instrumental und in der Gesamtästhetik haben es mir sehr angetan. So sehr, dass die Songs „Sinner“, „Nothing Matters“ und „On Your Side“ allesamt in meinen Go-To Playlists gelandet sind und (zumindest außerhalb der Weihnachtszeit) bis heute täglich von mir gehört werden. Von der Band konnte ich 2024 gar nicht genug bekommen und hoffe, dass 2025 die Sehnsucht nach mehr stillt.
Spulen wir vor zum Sommer. Zu einem Jahresrückblick gehören ja bekanntlich nicht nur Neuentdeckungen, sondern auch Bekanntes, Liebgewonnenes oder Wiederentdecktes. Außerdem sind es doch am Ende die Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben. Deshalb möchte ich auch über die einzigartigen Konzerte schreiben, die Mitte 2024 besuchen konnte.
Was ist, wenn wir beide wie Hannover sind?
Eines davon war das Seventyfive Festival in meiner Heimat, die Grafschaft Bentheim (ja, auch da können gute Konzerte stattfinden). Im Charme eines Speditionsgeländes hat mich vor allem ein Künstler wieder in den Bann gezogen: Thees Uhlmann. Schon seit Jahren, taucht er hier und da immer mal wieder in meinen Hörgewohnheiten auf, allerdings vergaß ich ihn in der letzten Zeit ein wenig. Die fast erloschene Glut wurde an jenem Tag folglich zu einem lodernden Feuer entfacht. Auch, wenn ich für gewöhnlich kaum deutschsprachige Musik höre, vermag mich die von Thees Uhlmann mittlerweile so tief emotional zu berühren, wie keine andere.
Ein Beispiel. Die Stadt Hannover – dort, wo ich wohne – hat in diesem Jahr eines seiner berühmtesten Wahrzeichen „verloren“. Der sogenannte Telemoritz ist ein in Stadtzentrumsnähe stehender Fernsehturm, der verziert mit drei großen Volkswagenlogos über die Häuser Hannover wachte. Er war mit seiner VW-Werbe-Charakteristik nicht von der Skyline wegzudenken. In dem Song „Was wird aus Hannover“ besingt Thees Uhlmann diesen Turm mit folgenden Worten:
„Am Bahnhof steht ein Turm, der für Nutzfahrzeuge wirbt Du warst wie ein Sturm, den niemand hört und spürt“
Vom mittlerweile baufälligen Turm, der seit 2004 unter Denkmalschutz steht, wurden im Juli dieses Jahres die Werbeschilder abgehangen. Der triste Anblick dessen und die Emotionalität, die der Uhlmannsche Soundtrack in mir erweckt, haben mich zu jener Zeit möglicherweise ganz kurz zum Weinen gebracht. So viel zu meiner persönlichen Bauwerktristesse von 2024.
Ins Wasser gefallen
Eigentlich wollte ich über das erwähnte Festival bei untoldency berichten. Neben Thees Uhlmann hätte auch einer seiner norddeutschen Kollegen spielen sollen, dem ich einige Tage vorher in seiner Heimatstadt Braunschweig lauschen durfte: Axel Bosse. Nach einer unfassbar tollen Darbietung auf der Volksbank BraWo Bühne, habe ich der Show vom sympathischen Headliner Bosse auf dem Seventyfive Festival voller Vorfreude entgegengefiebert. Dazu kam es allerdings nicht, denn das Konzertgelände musste schon frühabends aufgrund von Unwetterwarnungen und straken Regenfällen geräumt werden. Mitten im Sommer fiel Norddeutschland sich selbst zum Opfer.
Mein absolutes und unangefochtenes Highlight des Jahres hingegen, ist eine Show der Superlative, die seines gleichen sucht. Gemeint ist Coldplay, die ihre „Music Of The Spheres World Tour“ in diesem Jahr nach Deutschland gebracht haben. Auch dort hat es Anfangs durch das offene Stadion wie aus Badewannen gegossen. Die Bühne wurde über eine Stunde lang im Sekundentakt von der Crew mit Wischern abgezogen und von enormen Wassermassen befreit, was natürlich innerhalb von Augenblicken wieder hinfällig war. Diese Show fiel aber nicht ins Wasser – ganz im Gegenteil. Der Regen wurde von der Band atmosphärisch genutzt und auch die Energie der Fans konnte dem schlechten Wetter trotzen. Er schien einfach dazuzugehören, hat das Erlebnis eindrücklicher und die Band trotz Weltruhm noch sympathischer und nahbarer gemacht. Alle tanzten gemeinsam im Regen.
And It Was All Yellow
Kurz zusammengefasst war das Konzert knappe 3 Stunden lang ein Hit nach dem anderen, nur Banger aneinandergereiht. Niemals ging die Energie verloren. Die Chance, sich auszuruhen nahm man sich gern selbst. Die phänomenale Lichtshow gab der umwerfenden Kulisse den Rest. Jeder Mensch aus dem Publikum hat für das Konzert ein ferngesteuertes Leuchtarmband bekommen, das nonstop choreographiert in verschiedenen Farben zum Leuchten und Blinken gebracht wurde. So war zum Beispiel die gesamte Arena beim Song „Yellow“ in einem leuchtenden gelb getaucht. Kein Wunder, dass dieses Konzert für lange Zeit unübertrefflich für mich bleibt.
Das Musikjahr 2024 schließe ich ab mit einer meiner alltime favourites Alternative Band aus den frühen 2000ern. Nada Surf brachten in diesem Jahr ihr neues „Album Moon Mirror“ heraus. Eine Demonstration der neuen Songs habe ich mir im Dezember auf einem ihrer Konzerte in Hamburg geben lassen. Aber darauf werde ich im neuen Jahr zu schreiben kommen. Es sei an der Stelle vorerst nur Folgendes erwähnt: Sie sind sich treu geblieben. Es geht doch nichts über einen Cliffhanger am Ende. Hört Euch das Album bis dahin am besten schonmal an.
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Am Ende des Jahresrückblickes bleibt nur noch zu sagen: Ich wünsche Euch allen von Herzen besinnliche Festtage, egal was und wie ihr feiert und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2025. Nehmt Euch die eingangs beschriebene, kostbare Zeit, die Euch die Tage zwischen den Jahren geben. Man liest sich!
Alljährlich werden wir im Dezember mit diversen Jahresrückblicken berieselt, die einem so oft auch mal einen Kloß im Hals verpassen. Hinter meinem musikalischen Jahresrückblick verbirgt sich zum Glück nur Freude über die großartigen Künstler*innen, die mich 2024 so fleißig begleitet haben. – Eine Reihe musikalischer Neuentdeckungen auf Dauerschleife, gute Konzerte und viel Altbewährtes mit meinen Top-Songs und -Alben aus diesem Jahr.
MEINE TOP SONGS AUS 2024
In diesem Jahr war ich mir zum ersten Mal ziemlich sicher, welcher Song es auf Platz 1 meiner meist gehörten Songs schaffen wird – laut Statistik. Keinen Song habe ich 2024 so dermaßen auf Dauerschleife gehört wie „Messy“ von Lola Young. Ein – für mich – sehr feministischer Song, in dem Lola Young beschreibt, wie man es nie irgendjemandem recht machen kann. Sie reflektiert dabei vor allem auch sich selbst. Ein Ohrwurm, den ich bis heute nicht loswerde (und auch nicht möchte).
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Neben Lola Young hat mich auch Olivia Dean wieder in den Bann gezogen, diesmal mit ihrem Song „Time“. An zwei Orten gleichzeitig sein, jeder Person im Leben alles geben zu können und dabei auch Zeit zu für sich selbst zu haben? Der Song klingt so wunderschön leicht und hin- und hergerissen zu gleich. Ich halte ihre Stimme einfach für perfekt. Nach ihrem Debütalbum bekomme ich nicht genug von ihr und ihrem Songwriting.
Nun, was wäre dieser Jahresrückblick ohne die Nennung der australischen Neuentdeckung Royal Otis? Um ehrlich zu sein, könnte hier vermutlich jeglicher Song der Band stehen, denn ihre ganze Diskographie hat mich in diesem Jahr ununterbrochen begleitet. Mit „Foam“ habe ich den letzten meiner Top-3 Songs gekürt, der den Vibe der Band ziemlich gut widerspiegelt – locker, schwungvoll, mit dem perfekten Bass. Ein Muster lässt sich bisher auf jeden Fall erkennen: Neuentdeckungen machen sich gut auf Dauerschleife.
Da 2024 noch viele andere gute Songs rausgekommen sind, die man gehört haben muss, folgt eine Sneak Peak aus meiner Jahresrückblick-Playlist: „Lullaby for the Lost“ von Current Joys, „Flowers“ von Jordan Rakei, „Son“ von Palace, „Flicker of Light“ von Lola Young, „Sundowner“ von Fontaines D.C., „Me And the Dog“ von Sam Fender, „Showtime“ von Catfish and the Bottlemen.
MEINE TOP ALBEN AUS 2024
Hach, wer hätte das gedacht. Royal Otis landen mit ihrem Debütalbum „Pratts & Pain“ zum zweiten Mal in diesem Jahresrückblick. Anders ginge das auch nicht, denn kein Album habe ich mehr verschlungen. Von Songs wie „Merry Mary Marry Me“, „Always Always“ oder „Till The Morning“ habe ich mich bis heute nicht erholt. Es passiert zwar nicht allzu selten, aber auf diesem Album gibt es einfach keine Flops. Nun durfte ich Royal Otis dieses Jahr zwei Mal live erleben und kann überzeugt behaupten, dass das Duo auch live und in Farbe Herzrasen bei mir verursacht hat. Gleichzeitig ist das relativ amüsant, denn beide erinnern mich mit ihrer gleichgültigen und lässigen Attitude auf der Bühne an Liam und Noel Gallagher von Oasis.
Über das folgende Album habe ich im vergangenen Februar bereits eine Review geschrieben und darf hier natürlich nicht fehlen. Declan McKenna ist keine Neuentdeckung für mich, sondern gehört eher zum Standard-Inventar meines Hörverhaltens. Mit „What Happened to the Beach?“ hat der Brite eine Platte geschrieben, die mich immer an den Frühling erinnert und mir gute Laune bringt, wenn sie dringend benötigt wird.
IT’S MUCH BETTER LIVE
Auch in diesem Jahr habe ich wieder viele gute Konzerte erlebt. Neben Royel Otis und Declan McKenna, die ich live sehr empfehlen kann, war ich noch auf einigen anderen Konzerten, die mir in Erinnerung geblieben sind. Zum einen kann ich sagen, dass Coldplay Konzerte wirklich so gut sind, wie alle immer sagen, vielleicht noch besser. Im Februar war ich bei Charlie Cunningham, der mich live fast zum Weinen gebracht hätte (natürlich im Positiven) und die langersehnten Gigs von Nothing But Thieves und Holly Humberstone zählen auch zu meinen diesjährigen Highlights.
Hier könnt ihr meinen Jahresrückblick nachhören:
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Da der Spotify Wrapped noch auf sich warten lässt, wrappe ich mein Jahr 2024 vorab hier. Dazu habe ich den vertrauten Streamingdienst durchforstet. Denke ich so drüber nach lässt sich das grob ziemlich leicht und schnell so zusammenfassen:
Die Kenner:innen verstehen vielleicht die Holly Humberstone Reference. Dieses Motto ist aber nicht neu, sondern das trage ich seit zwei Jahren mit mir herum. Ob meine Top drei Songs des Jahres wieder alle von Holly sein werden? Ich will es nicht ausschließen, aber ich habe meinen Horizont im british sad songs departement stark erweitert. Auffällig hier: ziemlich nur FLINTA*s. Thank god. (Auch hier ein kleiner hint vorneweg)
Von Schweden nach Berlin
Ich starte am Anfang. Es ist der 06. Januar 2024, ich sitze mit meinem Papa im Auto. Mein ganzes Hab und Gut im Kofferraum. Ein Straßenschild und die Großstadt-Umgebung verraten, dass wir in Berlin angekommen sind. Ich fühle mich ein bisschen rastlos, komme gerade aus meinem Auslandssemester in Schweden und ziehe für ein Praktikum für 3 Monate nach Berlin. Im Winter. Von verschneiter schwedischer Kleinstadt am Meer zu ich kann die Sonne nicht mehr sehen vor lauter großen grauen Häusern. Im Auto läuft ein Song, der mich direkt catched. Es ist
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von den Wallners. Für mich ist dieser Song direkt mit Berlin connected. Wenn ich ihn jetzt höre, fühle ich, wie sich diese Zeit und dieser Song da angefühlt hat. Dunkel, bisschen kalt, aber tröstend und Comfort-spendend. Der Song ist ruhig, düster, aber warm, mit traumvollen Glockenspiel-Elementen und einer kühlen Dramatik. Jeder einzelne Sound in diesem Stück fasziniert mich.
Begeistert hat mich während meiner Zeit in Berlin auch die Musik von PRISMA. Die beiden Schwestern aus Dänemark habe ich bei ihrem Konzert im Schokoladen gesehen und danach wochenlang nichts anderes mehr gehört. Hätte mir da jemand gesagt, dass ich Ende des Jahres mit ihnen im Booking zusammenarbeiten würde, hätte ich es nicht glauben können. Aber genau das ist seit Ende September der Fall!
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Um jetzt den Bogen zu den same old sad songs zu ziehen, führt uns mein Weg zurück zu ihr: Holly Humberstone. Mein Berlin-Highlight und eines meiner 2024 Konzert-Highlights ist das Konzert von ihr im Februar in Berlin. Ein paar Tage vorher kommt ihre neue alte Single “Dive”, die mich durch den trostlosen Februar trägt. Beim Konzert kann ich dann endlich nochmal 16 sein und habe dieses aufgeregte Herzklopfen, bevor mein Idol die Bühne betritt. Ich fühle mich belebt und möchte nicht, dass es endet. Ich schreie und tanze mir die Seele aus dem Leib und kaufe im Anschluss alles, was der Merchstand zu bieten hat.
Wann ich dieses Gefühl davor zum letzten Mal hatte, weiß ich schon gar nicht mehr. Dieser Abend hat mich auf eine Weise sehr beruhigt von dem grauenvollen Gedanken und der Erwartung, so wie die meisten Industry People, die Euphorie und Freude an Konzerten zu verlieren. Nur noch hinzugehen, weil man irgendwie auf der Gästeliste steht und vor der Zugabe geht, weil man nicht mehr stehen kann. Dieses Konzert hat mir die Angst vor der Entzauberung der Musik genommen und mich mit einem traurig melancholischen Gefühl zurückgelassen, weil ich diese 90 Konzert-Minuten direkt nach ihrem Ende vermisst habe.
Einen Monat später released Holly Humberstone ihre EP “work in progress” mit Songs, die wohl schon länger existieren, es aber nicht auf das Album geschafft haben. Diese EP habe ich sehr in mein Herz geschlossen, weil sie eben so nach Holly Humberstone klingt.
“I had a panic attack on the Underground / Man, I felt like a circus freak”
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Ein Album, was mich auch durch die Straßen und die U3 Fahrt jeden Morgen begleitet hat, sind Royel Otis. Sie bringen zu der Zeit ihr neues Album “PRATTS & PAIN” raus, was dem Winter ein paar Sonnenstrahlen entlockt. Indie-Rock-Gitarren und ihre sonderbare Weise Texte zu schreiben untermalen das Gefühl, ironischerweise alleine in Berlin zu sein.
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“I run away with all my bags packed, leave this crazy town behind”
Die drei Monate in Berlin sind geschafft und es geht für mich zurück nach Mannheim (endlich), mit kurzem Zwischenstopp Zuhause.
Am 01. April ist die Tour-Show von Tom Odell in Frankfurt in der Festhalle. Dieser darf natürlich in der Auflistung der Sad Song Artists nicht fehlen. Einer meiner absoluten lieblings Alben “Best Day Of My Life” stammt von ihm und auch sein neuestes Album “Black Friday” steht für mich an einer besonderen Stelle, weil es mit zum Soundtrack meines Auslandssemesters in Kalmar, in Schweden, gehört. Dieses Konzert mit 15.000 weiteren Menschen war crazy. Besonders hervorheben möchte ich an der Stelle das britische Geschwister-Duo Wasia Project, die an dem Abend Support gespielt haben. Vor allem ihr Song “Is This What Love Is?” ist ein Masterpiece. Der lief bei mir schon vor dem Konzert auf Dauerschleife und das Live hören, hat mich erfüllt. Meine Schwester und ich haben jede Zeile, jedes Wort mit geschrien und die Leute um uns herum haben uns dumm angeschaut, was uns in dem Moment völlig egal war.
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Worüber ich beim Durchforsten meines Spotifys gestoßen bin, ist Lila Dupont und ihr Song “There’s Something About You”. Eine weitere tolle Empfehlung von meiner Schwester (Shoutout an dich Anni, dein Musikgeschmack ist einfach toll<3). Lila läutet für mich den rettenden Frühling ein und ist Grund für eine neue Playlist. Immer wenn ein Song Grund für eine neue Playlist ist, wird er mich noch lange begleiten. Während “Dracula” von den Wallners meine erste Playlist des Jahres “berlin vol.1” eröffnet hat, beginnt meine zweite Playlist “wird wieder warm” nun Lila Dupont. An diesem Song konnte ich mich gar nicht satt hören.
“I run away with all my bags packed / leave this crazy town behind”
Mit der sanften Gitarre, der sanften Stimme, einer leichten Melodie und dem nachdenklichen Text fühlt sich der Song an wie eine Umarmung und nach dem Versprechen, dass mal alles gut wird. Lila Dupont findet die Leichtigkeit auch in der Situation des Zurück- und Loslassens, im Neuanfang und hilft mir dabei.
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Ich skippe an der Stelle mal in den Sommer, wo es wieder sehr interessant wird. Das vierte Semester ist fast geschafft. Durch die End- und Prüfungsphase bringt mich “BRAT” von Charlie xcx. Das ist absolut kein Geheimtipp, sondern vielleicht mehr Trend, aber hat mich komplett abgeholt. Nicht nur die Songs, sondern auch das ganze Lebensgefühl, was damit einhergeht. Der brat summer hat den Sommer dieses Jahr popkulturell um sehr viel besser gemacht. Ich liebe es, wie Charlie xcx iconic macht, „brat“ zu sein. Messy, bad, bisschen rücksichtslos und unperfekt ist der neue Standard bei den Girls und hat mir auch einen Teil confidence für den Sommer mitgegeben.
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Wir befinden uns mittlerweile mitten im Spätsommer. Auf meiner TikTok For You Page ist viel Belangloses und ich kann mich an nichts erinnern, was ich im Juli da gesehen hab. Außer an ein Gesicht und einen 15 Sekunden Songausschnitt, den ich am liebsten auf Dauerschleife hören möchte. Es ist die britische (sad song) Künstlerin Ellur. Sie promotet zu der Zeit ihren da noch unreleased Song “God Help Me Now”. Ab dem ersten Mal hören, komme ich nicht mehr los von diesem Song. Der Sound, die Stimme, die LYRICS
“I think too much / I’m all out of fucks / the world’s on fire / I’m just getting drunk / and the fear is real / tell me how to feel / tell me how to heal / God help me now”
Es fühlt sich an, als hätte Ellur einen Teil meiner Seele behutsam in diesen Song gepackt. Als der Song endlich veröffentlicht wird, bin ich mit meiner Familie in London. Wie perfekt kann das Timing sein? Und wie kann es sein, dass der actual Song noch so viel besser ist, als der 15 Sekunden-TikTok Ausschnitt einen überhaupt hoffen lässt? Meine Schwester und ich können es gar nicht glauben und müssen den Song mehrmals hintereinander hören. Und natürlich wird “God Help Me Now” zum Soundtrack unseres UK Sommers.
Wie man sich schon denken kann, ist auch dieser Song ein Meilenstein in meinem Musikjahr gewesen, wenn nicht sogar der Größte. So ist Ellur nicht nur Teil meiner “wird wieder warm”-Playlist, sondern eröffnet auch meine dritte und letzte Playlist dieses Jahr “involuntary waiting for autumn”.
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Es ist ein so unfassbar schönes und verzweifelt tragisches Bild, Gott als Lyrisches-Du zu besingen. Das macht nicht nur Ellur, sondern auch Genevieve Stokes in ihrem Song “God”.
“God you let me down / … / did you grow tired of the show and so you chose to go away”
Gott symbolisiert hier vielleicht ein bisschen die Hoffnung in einem selbst, die einen verlässt. So erklärt sie “Gott” als nicht echt, weil er einfach gegangen ist. Weil da eben doch niemand anderes ist, der die Dunkelheit in einem vertreibt. Genevieve Stokes ist auf jeden Fall ein Glücksfund im sad song departement.
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Den traurigen Herbst komplettiert für mich Searows. Seine Songs sind auf heilende Art tod traurig. Es tut immer ein bisschen weh, aber heilt danach besser ab. Searows Musik gibt mir Frieden und Comfort:
“nothing’s ever really quiet when you need distraction to survive”
Diese Zeile stammt aus “Keep The Rain”, der nach “End Of The World” mein liebster Track von Searows ist. Beim Reeperbahn Festival konnte ich 1,5 Stunden in einer Kirche sitzen und die Songs live hören. Das hat mich zerstört und zusammengehalten und war genau das, was ich in diesem super hektischen und schnellen Umfeld des Festivals gebraucht habe. Ein Searows Konzert kann ich jeder:jedem nur empfehlen.
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Herbst-Ende 2024 war für mich dieses Jahr GAST. Mit Tim und Linus arbeite ich seit zwei Jahren im Management und Booking zusammen. So habe ich auch über das Jahr ihre erste Tour, eine Co-Headline Tour mit TEER, gebucht. Nicht nur das, sondern ich bin auch als Tourmanagement mitgefahren, was mir in der Kombination im Vorfeld auch sehr viel Stress beschert hat. Das war auch meine erste Tour und mich hat in der Vorproduktion das Gefühl nicht losgelassen, nicht genug gemacht oder etwas Wichtiges vergessen zu haben.
Kurz bevor es dann auf Tour ging, gab es für mich zwei Optionen: entweder ich werde es hassen, weil es zu anstrengend und stressig ist 14 Tage lang mit sechs weiteren Leuten auf einem Fleck zu sein oder es wird die beste Zeit meines Lebens und ich möchte nichts anderes mehr machen.
Und es wurde letzteres. Diese Tour und vor allem die Menschen, mit denen ich unterwegs war, war das Beste und das Prägendste, was ich dieses Jahr erlebt habe. Wir waren 14 Tage unterwegs und haben insgesamt neun Stopps in Deutschland, Österreich und Tschechien gespielt. Hab euch alle lieb!<3
Genau zur Tour und den US-Wahlen haben GAST ihre neue EP “Americanism” veröffentlicht, die für mich den Herbst stark geprägt hat, weil ich natürlich so viel damit zu tun hatte und den Entstehungsprozess über ein Jahr miterlebt habe. Mein Liebling der EP ist “Soft Punk”. Meine Favourite Tour-Stopps waren Frankfurt, meine Heimat, und unser Tourabschluss in Leipzig, der ein einziger Film war.
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Mein Favourite TEER Track ist noch nicht released, also kann ich da nicht zu viel verraten:)
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Ich kehre ja eh irgendwie jedes Mal zu den “same old sad songs” zurück
Dieses Jahr in drei Songs zusammenzufassen, ist nicht leicht, aber machbar: „Dracula“ von den Wallners, „There’s Something About You“ von Lila Dupont und abschließend und am prägendsten „God Help Me Now“ von Ellur. Was stark auffällt neben dem Hang zu sad songs, ist der starke Hang zu FLINTA*s, in denen ich mich wiederfinde und Trost suche. Ergibt super viel Sinn.
Das Jahr generell abschließend in Worte zu fassen fällt mir schwer. Ich bin froh wieder in Mannheim zu sein und vor allem zu wissen, dass ich das mache, was ich wirklich machen will. Diese Bestätigung aus diesem Jahr zu ziehen, tut gut, denn ich habs mir meistens ganz und gar nicht leicht gemacht. Vielleicht lerne ich das fürs nächste Jahr, vielleicht auch nicht. Ich kehre ja eh irgendwie jedes Mal zu den “same old sad songs” zurück, das aber mit Freude.
Fotocredits: Mia Le Guen, Amélie Ostara Freund, Linus Georgi
Am 14.09.2024 verwandelte Paul Kalkbrenner die mit 22.290 Plätzen ausverkaufte Waldbühne in einen Techno-Tempel. Tausende Fans kamen um dieses Spektakel mitzuerleben und wurden nicht enttäuscht. Es war ein aufregender Abend voll mit intensiven Klangerlebnissen und einer beeindruckenden Lichtshow.
Paul Kalkbrenner – Pionier der Technoszene
Der 1977 in Leipzig geborene und in Berlin-Lichtenberg aufgewachsene Techno, Elektronik und Dance Produzent Paul Kalkbrenner ist bereits seit der Veröffentlichung seiner ersten EP „Largesse“ im Jahre 1999 unter dem Pseudonym „Paul dB+“ aktiv. Mit seinem Bruder Fritz Kalkbrenner, der ebenfalls DJ und Produzent ist, gelang Paul Kalkbrenner 2013 mit der Single „Sky and Sand“ der musikalische Durchbruch.
Die perfekt inszenierte Show
Der Ablauf des Konzertes war perfekt durchdacht. Zu jedem Zeitpunkt gab es den richtigen Song wodurch die Spannung durchgehend auf einem hohen Niveau blieb und die insgesamt 2 1⁄2 Stunden nie langweilig wurden. Neben vielen bekannten Songs, wie „Aaron“ oder „Parachute“ war auch sein wohl bekanntester Song „Sky and Sand“ dabei, welche für emotionale Höhepunkte sorgten, während neuere Songs Bewegung reinbrachten. Nicht nur die musikalische, auch die visuelle Gestaltung war ein reines Spektakel. Lichter, Nebel und sogar Feuer wurden passend zur Musik abgestimmt.
Zusätzlich gab es auf der anfangs sehr einfach gestalteten und nach und nach immer actionreicheren Bühne einen im Hintergrund agierenden Bildschirm, der dem Publikum die Möglichkeit gab, Paul Kalkbrenner in Echtzeit und hautnah bei der Arbeit mitverfolgen zu können.
Kollektive Euphorie
Seit Beginn des Konzerts war die Stimmung im Publikum positiv geladen. Die Kombination aus Musik, Licht und der euphorischen Atmosphäre verwandelte die Berliner Waldbühne in einen Ort kollektiver Begeisterung. Die ruhigen Zwischenmomente dienten regelrecht als Durchatmungspausen, um danach wieder mit voller Kraft von dem nächsten Beatdrop mitgerissen zu werden. Man merkte – die Stimmung hielt an und auch nach ca. 2 1⁄2 Stunden wollte niemand aufhören zu tanzen.
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Paul Kalkbrenner war unser erstes Techno-Konzert und hat alle unsere Erwartungen weit übertroffen. Besonders die Qualität der Lautsprecher war überragend. Der Bass durchdrang den ganzen Körper und ließ den Magen vibrieren, während die Melodien einen regelrecht schweben ließen. Es war ein Erlebnis, das sich tief eingebrannt hat und noch lange nachhallen wird. Als wenn das nicht schon perfekt genug wäre, gab es am Anfang einen herrlichen Sonnenuntergang und später einen noch beeindruckenderen klaren Sternenhimmel. Es war ein wirklich hervorragender Abend, den wir nicht so schnell vergessen werden und jedem Techno-Begeisterten weiterempfehlen!
Kleiner Tipp: am 19. Oktober 2024spielt Paul Kalkbrenner auf dem Big Air Chur Festival in der Schweiz.
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Die Liste an Festivals im Sommer ist mittlerweile fast unendlich lang. Zwischen den großen Namen wie Rock am Ring, Deichbrand oder dem Fusion gehen die kleineren Festivals schnell mal unter – dabei sind das genau die, die eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Eins möchten wir euch heute vorstellen: Das Appletree Garden Festival.
Gartenparty auf einer Apfelbaumwiese wird zum Festival
Was einst als Gartenparty unter Freund*innen auf einer Apfelbaumwiese gestartet ist, zieht heute internationale Headliner in das beschauliche Städtchen Diepholz in Niedersachsen. Doch die familiäre Atmosphäre hat das Appletree Garden Festival nicht verloren. Organisiert wird das Festivals nämlich von Ehrenamtlichen, die schon Monate vorher dafür sorgen, dass das Festivalwochenende unvergesslich wird. Im Schatten von Eichen und Apfelbäumen präsentiert das Appletree drei Tage voller Lieblingsmusik, Kultur und Leidenschaft – von ausgewählten Newcomer*innen, über gefeierte Acts der Indie-, Pop- und Elektro-Szene bis hin zu einem liebevoll gestalteten Rahmenprogramm aus Zirkus, Diskurs und Workshops.
Wenn man mit dem Zug in Diepholz ankommt, kann man das Festival eigentlich gar nicht verfehlen, denn man muss keine zehn Minuten zu Fuß gehen bis man auf dem Festivalgelände steht. Da die Besucher*innenzahl auf 5.500 beschränkt ist, ist hier auch alles schnell erreichbar. Großer Pluspunkt für einen heißen Sommer: Die vier verschiedenen Bühnen stehen im Wald auf kleinen Lichtungen und spenden so eine Menge Schatten. Es gibt eine Große Bühne, eine Waldbühne, den Spiegelpalais, das „Tiefe Holz“ und die „Oase“. Die letzten beiden sind verhältnismäßig klein, aber dafür mit besonders viel Liebe zum Detail gestaltet.
Die „Oase“ beherbergt DJ’s. Jetzt könnte man fast denken: Wo ist denn hier die Bühne? Denn das Gerüst sieht aus wie ein Sprungturm aus dem Freibad, dem ein gigantischer Diamant aufgesetzt wurde. Das DJ Booth ist genau darin versteckt und die Besucher*innen können im Sand der „Oase“ bei Freibad-Gefühlen tanzen.
Kein Appletree ohne das passende Accessoire
Auch sonst ist das Gelände liebevoll gestaltet: Überall hängen Lichterketten, Diskokugeln und Sitzmöglichkeiten wurden aus Holz selbst gebaut. Die Liebe zum Detail bringen aber auch die Festivalgäste selbst mit. Mittlerweile ist es schon fast Tradition, dass beim Tanzen vor der Bühne ein selbstgebasteltes Accessoire mitgebracht wird. Das könnte zum Beispiel ein Regenschirm sein, der durch Verzierungen aussieht, wie eine Qualle – oder ein Besenstiel, der zu einem Apfelbaum umfunktioniert wurde. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.
Ansonsten wirken hier alle sehr entspannt. Das könnte auch daran liegen, dass ein Großteil der Besucher*innen nach dem Aufstehen morgens erstmal zum nahegelegenen Freibad wandert, um sich dort abzukühlen und etwas Ruhe zu finden. Aber auch im Freibad sind die Diepholzer natürlich auch die Festivalbesucher*innen eingestellt: Wenn der Bademeister morgens um 10 Uhr zur längsten Polonaise aufruft und „Pump up the jam“ aus den Lautsprechern dröhnt, dann ist das vermutlich nicht der Normalzustand in der nach eigenen Angaben 18.000 Einwohner-großen Stadt. Total egal, denn die längste Polonaise bekommt er natürlich trotzdem.
Line Up: Von deutschen Hit-Garanten bis französischer New Wave
Genug drum herum gequatscht: Wie sieht’s denn mit der Musik aus? Das diesjährige Line Up bestand aus run 70 musikalischen Acts, Workshops, Zirkus und Theater unter anderem mit: Wanda, Crystal Fighters, La Femme, Edwin Rosen, The Vaccines, Leoniden, Royel Otis, ÄTNA, Berq, Charlotte Adigéry & Bolis Pupul, Fatoni, Paula Carolina, Rachel Chinouriri, Derya Yildirim, Say Yes Dog, TRÄNEN, Futurebae und vielen mehr. Das persönliche Highlight ist natürlich total subjektiv, aber wir möchten euch trotzdem nicht unsere persönlichen Favoriten vorenthalten:
Für den Zuckerschock direkt zu Beginn des Festivals haben die Tiny Wolves gesorgt. Der Kinderchor hat mit Klassikern von Coldplay und Co. direkt mal die Messlatte an Emotionalität ganz hoch gesetzt. Weiter ging es mit starken deutschsprachigen Acts: Paula Carolina, Marie Curry, Kasi und Buntspecht haben direkt angeschlossen. Vor allem Paula Carolina und ihre Band haben uns mit ihrer Energie und ausgefallenen Dance Moves überzeugt.
Mit voller Energie ging es auch an den folgenden Tagen weiter. Der Freitag war vollgepackt mit Garanten der guten Musik: Leoniden, La Femme, Ätna, Get Jealous. Die große Überraschung war Bukahara, denn die Band war bis zum Festival beginn nur ein „secret act“ – es wusste also keine*r, dass sich die Indie vierköpfige Indie-Band hinter diesem Label versteckt. Dabei hätte es wohl einen passenderen Act für den Slot geben können. Besonders gefreut haben wir uns aber auch auf Royel Otis. Die Newcomer aus Australien sind innerhalb eines Jahres mit ihrem Album „Sofa King“ durch die Decke gegangen. Vermutlich angestoßen durch den TikTok-Erfolg ihres Covers „Murder on The Dancefloor„. Auf der Festivalbühne konnten die Australier aber auch mit ihren gefühlvollen Balladen punkten.
Unser Geheimtipp (der für euch hoffentlich bald keiner mehr ist): Picture Parlour. Die female fronted Indie-Rockband aus Manchester bringt so eine Energie auf die Bühne, dass das Publikum gar nicht anders kann, als im Takt mitzuwippen und sich die Seele aus dem Leib zu grölen – genauso wie es Sängerin Katherine Parlour selbst vorgibt.
Zugegeben waren wir am Samstag schon etwas mitgenommen vom bisherigen Festivalwochenende, aber nach einer Runde Aqua Fitness im Freibad und der Lesung von Miriam Davoudvandi ging es unaufhaltsam weiter mit guter Musik. Zwischen türkisch-deutschen Indie Folk Sounds von Engin und klassischem Rap von Fatoni stich vor allem die britische Pop-Sängerin Rachel Chinouririmit geballter Portion Guter Laune auf der Bühne heraus – denn die war richtig ansteckend. Auch die passenden Dance Moves konnte die 25-Jährige uns präsentieren und hat den Bereich um die Bühne im Handumdrehen in eine Wohlfühloase verwandelt. Zum Abschluss hat NNDW-Liebling Edwin Rosen in mystischer Atmosphäre neue Songs präsentiert und seinen Fans versichert, dass er sich jetzt Zeit nimmt für neue Releases. Was für ein Versprechen zum Festivalabschluss!
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, der kann sich das Appletree Garden Festival für das nächste Jahr gleich mal im Kalender notieren: 31.07. – 02.08.2025. Sehen wir uns da? Bis dahin könnt ihr hier nochmal die Banger des diesjährigen Line Ups nachhören:
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„ich hoff du brichst mir das herz“ heißt die neueste und zugleich zweite EP der Sängerin maïa. Zusammen mit ihrem Team hat sie eine gefühlvolle und zugleich energetische Platte produziert, die stärker die Größe der Popmusik sucht. Im Interview sprechen wir über ihre Live-Erfahrungen als Support Act, wie ihr Umfeld und ihre Heimatstadt Duisburg ihr emotionales Innenleben beeinflussen, welchen Stellenwert Literatur und Poesie in ihrem Leben haben und inwiefern sich ihre Musik im Vergleich zur letzten EP weiterentwickelt hat (hier geht’s zur Rezension von „tatendrang und todmüde“). Außerdem verrät maïa ihren aktuellen favourite Artist!
maïa im Interview
Lucas: Du warst letztens bei Ahzumjot Voract in Berlin (6. Mai 2024). Wie war der Auftritt für dich?
maïa: Ich hatte keinen guten Tag, weil ich so eine Panikattacke hatte und die ganze Zeit nicht wusste, ob ich es packe. Ich weiß nicht, ich war nicht zufrieden mit der Performance, aber egal.
Lucas: Ich glaube, das gehört auch dazu, ab und zu. Ich stelle es mir in jedem Fall fies vor, dann auf die Bühne zu gehen. Aber ich denke, dir verzeihen alle. Du warst bei anaïs ebenfalls als Support Act dabei in Berlin, richtig? Wie war es da im Vergleich? Gleiche Stadt, anderer Tag.
maïa: Die Leute bei Ahzumjot waren dadurch, dass so lange von ihm selber nichts kam, super offen für die Musik, die da gespielt worden ist, sowohl bei ihm als auch bei mir und dadurch hatte ich wirklich eine sehr, sehr aufmerksame Crowd. Das ist nicht allzu oft der Fall und deswegen bin ich immer sehr, sehr dankbar, wenn das der Fall ist. Es ist einfach pure Wertschätzung, wenn da 500 Leute vor dir stehen und niemand gibt einen Mucks von sich und hört dir zu, wie du deine Songs singt. Aber der Unterschied war auch nicht so groß, weil bei anaïs war die Show ein bisschen kleiner. Da waren die Leute genauso aufmerksam und genauso lieb. Deswegen hatten die Auftritte das gemeinsam.
Lucas: Wie ist deine Erfahrung bei anderen Acts gewesen, wenn du sagst, bei Ahzumjot und anaïs war das Publikum sehr aufmerksam? Das heißt, du hast vielleicht auch schon andere Auftrittserfahrungen gemacht, bei denen du mehr ankämpfen musstest?
maïa: Ja, ich glaube, sobald sich meine Musik ein bisschen von der Musik des Hauptacts entfernt, ist die Zuhörerschaft da weniger offen für das, was dann auf der Bühne vom Support gespielt wird. So war es bisher bei mir. Je näher ich am Genre des Hauptacts war, desto aufmerksamer waren die Leute einfach. Aber ich hatte bisher das ganz große Privileg, dass ich sehr, sehr tolle Crowds erfahren durfte und sehr, sehr viel Liebe bei den meisten Liveshows gehabt habe, und es waren immer tolle Schows.
Lucas: Okay, schön zu hören! Eigentlich weiß man ja auch schon vorher so ein bisschen, ob man in die Musik des Main Acts reinspielt. Wie gehst du dann damit um, wenn du eigentlich schon vielleicht weiß, es könnte anspruchsvoll werden?
maïa: Also es gibt den Versuch, die Songs zu picken, wo ich denke, dass die vielleicht mit der Crowd am besten passen würden. Aber im Endeffekt ist es mir dann irgendwie auch ein Stück weit egal, weil Fakt ist, ich bin dann der Support Act des Abends. Und wenn dann nur die fünf bis zehn Leute, die vorne stehen, mir zuhören, dann spiele ich halt eben nur für diese fünf bis zehn Leute, und dann sind wir irgendwie in unserer eigenen Welt, und was hinten passiert, ist egal. Ich glaube, man hat das eh nicht so sehr in der Hand, und dann versuchen, das zu kontrollieren, macht keinen Sinn. Hauptsache, ich spiele die Musik, die ich mach‘, und wenn ich dann ein, zwei Leute dazu gewinne, dann ist das auch okay.
Lucas: Fair! Und ich glaube, das steckt auch in dem drin, was du sagst. Wenn man selber die Songs fühlt, dann ist man auch in der Lage, das zu transportieren.
maïa: Ja, voll!
„Ich habe das Gefühl, ich sauge die Leute um mich rum fast schon auf“
Lucas: Du hast bei Ahzumjot gesagt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dass du Duisburg nicht so feierst. Magst du nochmal sagen, was an Duisburg der Grund ist, warum du nicht so Fan von der Stadt bist?
maïa: Ich glaube, das ist ein sehr weites Thema. Im Endeffekt stammt diese Wut daher, dass es eine Stadt ist, die im Stich gelassen worden ist und eine Stadt, die alleine nicht gut klarkommt, ohne Hilfe von oben. Ich meine, wer kümmert sich um Städte wie Duisburg oder Marxloh und Hambornund um solche Orte. Weißt du? Es ist im Endeffekt irgendwie dasselbe. Da sind Menschen, die Hilfe gebraucht haben, die aber keine Hilfe bekommen haben. Es sind Menschen, die nicht wissen wohin, wenn sie Hilfe brauchen. Das resultiert irgendwie darin, dass die Lebenslust von den Leuten verschwindet, was total legitim ist, und das übersetzt sich dann halt in Unfreundlichkeit oder in Dreck auf den Straßen und sowas. Das ist irgendwie immer, was ich mir vor Augen führen muss, wenn ich mich über diese Stadt beschwere, dass sie einfach im Stich gelassen worden ist und dass sie das alleine irgendwie nicht packt, wieder auf die Beine zu kommen.
Lucas: Und würdest du sagen, dass dieses Gefühl in dieser Stadt zu leben, mit all den Gedanken, die du gerade geäußert hast, auch ein Auslöser war beziehungsweise ein Thema ist, das in deiner Musik vorkommt?
maïa: Ja, vollkommen! Ich glaube, jeder Song, den ich schreibe, ob es dann textlich durchkommt oder nicht, fängt oft mit einer Inspirationsquelle aus dieser Stadt an. Also es fließt sehr, sehr viel in die Musik rein. Ich glaube dadurch, dass ich oft das Gefühl habe, dass ich auch Dinge um mich rum stärker oder anders wahrnehme als andere Menschen, hat‘s mir irgendwie auch einen anderen Blick auf diese Stadt gegeben, einen viel aufmerksameren auf die Menschen um mich rum. Ich habe das Gefühl, ich sauge die Leute um mich rum fast schon auf. Ich kann es gar nicht verhindern, dass das in die Musik einfließt, und ich würde es auch gar nicht verhindern wollen.
„Ich hab‘ schon immer das Gefühl gehabt, seitdem ich ein Kind bin, dass ich diese Melancholie in mir habe, die gleichzeitig unergründlich, aber auch ergründlich ist.“
Lucas: Du sagst, du hast so eine stärkere Auffassungsgabe oder Beobachtungsgabe, was deine Umwelt betrifft. Wie genau spürst du das?
maïa: Ich weiß nicht, ob ich es Gabe nennen würde. Ich glaube, es ist Fluch und Segen zugleich. Ich hab‘ schon immer das Gefühl gehabt, seitdem ich ein Kind bin, dass ich diese Melancholie in mir habe, die gleichzeitig unergründlich, aber auch ergründlich ist, und dass das mir einen anderen Blick auf die Welt gibt. Dinge, die für andere ein bisschen banal erscheinen, treffen mich voll hart. Es gibt so Momente, wo ich einfach in der Bahn sitze und ich fühl‘ mich voll konsumiert von meinem Umfeld und ich habe das Gefühl, ich sauge jede Emotion auf, die jeder Fremde um mich fühlt. Ich weiß gar nicht, woher das kommt und wie man das so richtig beschreiben kann. Aber ich glaube, es ist einfach. Ich glaube, ich bin eine sehr passive Beobachterin, wenn’s um die Welt und mich rumkommt.
Lucas: Würdest du sagen, es gibt Situationen, in denen du dich in einer aktiveren Rolle siehst?
maïa: Ich denke immer, wenn ich maïa bin, die Musik macht, bin ich in einer sehr aktiven Rolle, immer wenn ich auf der Bühne stehe. Und das ist dann auch die Zeit, wo ich sehr genieße, im Mittelpunkt zu stehen. Als Privatperson habe ich das gar nicht so gerne. Ich bin gerne jemand, der einfach nur dasitzt und zuhört. Aber wenn ich dann maïa die Musikerin bin, dann stehe ich gerne im Mittelpunkt und nehme gerne eine aktive Rolle ein.
Lucas: Du hast auch das Stichwort Melancholie gedroppt. Ich finde ganz spannend, dass dieses Gefühl, das erste Wort ist, was in jedem Artikel aufploppt, den es da draußen bereits über dich gibt. Wie fühlt sich das von außen an? Ich weiß gar nicht, was zuerst da war, ob du es erst ins Universum geschickt hast oder ob die Leute es aus deiner Musik rauslesen.
maïa: Sobald das irgendwie so beschrieben wird, dass es etwas Schlechtes wäre, melancholisch zu sein – was ich auch verstehe, weil es klar, irgendwie eine negative Konnotation hat – was bisher, um ehrlich zu sein, gar nicht der Fall war, dann würde es mich sehr stören. Aber bisher haben die Leute, glaube ich, verstanden, dass mir diese Melancholie nichts ausmacht und im Gegenteil, dass ich sie voll willkommen heiße und dass ich mich als sehr privilegiert ansehe, diese Melancholie mit mir zu tragen, weil sie mir eben diesen Blick auf mein Umfeld gibt. Sie gibt mir diesen Segen, Dinge anders wahrzunehmen und das Schöne im Schmerz oder in der Melancholie zu sehen. Deswegen ist es bisher ganz okay, aber sobald es negativ konnotiert wird, dann vielleicht nicht mehr.
Lucas: Ich frage mich, wenn du sagst, dass du häufig die Umgebung aufsaugst, ob du manchmal vielleicht auch gar keine Melancholie spürst, sondern ob diese Umgebung manchmal auch Freude in dir auslöst. Es gibt ja schon auch Alltagssituationen, in denen man denkt, irgendwie schön, was ich gerade sehe.
maïa: Ja, voll! Ich hab das Gefühl, ich fühle extrem. Wenn ich mich sehr freue, dann freue ich mich sehr, und dann bin ich sehr glücklich, und alle um mich herum werden es dann sehen. Und wenn ich traurig bin, dann bin ich sehr traurig und alle um mich rum werden es sehen. Es sind meistens eben diese banalen Momente um mich rum, die mich dann fröhlich machen. Sei es ein alter Mann, der mit seiner alten Frau spazieren geht und das füllt mich dann total auf. Und wenn ich dann irgendwas anderes sehe, dann macht es mich total leer. Das passiert immer in Extremen mit allen Gefühlsarten, auf jeden Fall.
„Ich weiß, wenn ich in einer kreativen Blockade bin, dass ich zur Literatur zurückkehren kann und die diesen kreativen Ort in meinem Gehirn wieder ankurbelt.“
Lucas: Ich fühle mich ein bisschen wie ein Stalker, aber ich hab auf Instagram immer mal gesehen, dass du Ausschnitte aus Büchern oder kleine Gedichte in die Story postest. Was für eine Rolle spielen Lyrik, Poesie und Literatur in deinem Leben?
maïa: Das alles hat schon als Kind eine ganz große Rolle gespielt. Dadurch dass man irgendwie in so einem Ort aufwächst, wo es scheint, dass es kein Ausweg gäbe, war Kunst und Literatur für mich dieses Licht am Ende des Tunnels. Ich hatte das Gefühl, vor allem in meiner weiterführenden Schule, dass es sehr wichtig für unsere Lehrer war, dass das auch gefördert wird. Ich finde, das ist so wichtig, weil für die Kinder, die in so einem Ort dann zehn Jahre zur Schule gehen und denken, dass das irgendwie alles ist, was das Leben bietet, ist Kunst und Literatur vielleicht die einzige Hoffnung. Das war es für mich auf jeden Fall. Ich habe sehr gerne gelesen. Ich lese immer noch sehr gerne, und ich verkrieche mich auch immer noch sehr gerne in andere Welten und diese Wörter. Dadurch dass ich so früh in Kontakt mit Literatur kam, hat es wahrscheinlich auch das gefördert, was ich heute mache, und die Art, wie ich heute schreibe. Ich habe mich sehr verstanden gefühlt jedes das mal, wenn ich gelesen habe, und das ist auch heute oft so. Wenn man irgendwie denkt, es gibt keine Worte für das, was man fühlt, liest man ein Buch, und dann wird es genau so beschrieben, und man denkt sich, ich bin nicht die einzige Person, die das fühlt. Vor allem, wenn man ältere Literatur liest, und das Buch ist 100 Jahre alt, und er schreibt immer noch vom selben Gefühl, was du 100 Jahre später fühlst. Das ist total validierend und es gibt ein sehr tröstendes Gefühl.
Lucas: Glaubst du, das ist auch eine Motivation für dich, selber Musik zu machen und Texte zu schreiben: so ein Gefühl einzufangen, das überlebt?
maïa: Ja! Ich glaube aber, ich bräuchte gar keine Motivation. Ich könnte gar nicht anders, als alles um mich rum zu beschreiben. Ich muss das einfach machen.
Lucas: Kannst du erkennen, dass Themen oder Bilder, die in der Literatur auftauchen, von denen du liest, dass die direkt in deine Texte und in deine Musik einfließen?
maïa: Nee, ich glaub nicht. Ich bin auch gar nicht so, dass ich, wenn ich lese und mir irgendwas gefällt, dass ich dann darüber schreibe. Es ist eher so: Ich weiß, wenn ich in einer kreativen Blockade bin, dass ich zur Literatur zurückkehren kann und die diesen kreativen Ort in meinem Gehirn wieder ankurbelt. Ich habe das Gefühl, lesen ist so eine Zwischenwelt, in der ich wieder alleine mit mir bin, anstatt, wenn ich zum Beispiel ganz blöd gesagt, auf Tiktok rumscrolle. Dann tut sich gar nichts in meinem kreativen Bereich.
„Ich finde, die neuen Songs sind ehrlicher geworden und ich fühle mich sehr, sehr wohl und sicher an dem Ort, an dem ich mich bewege„
Lucas: Wie würdest du deine kommenden Releases beschreiben, im Vergleich zu den Songs, die du bisher releast hast, insbesondere im Vergleich zu deiner vorherigen EP „tatendrang und todmüde“?
maïa: Ich finde, die neuen Songs sind ehrlicher geworden und ich fühle mich sehr, sehr wohl und sicher an dem Ort, an dem ich mich bewege, mit meiner Musik gerade. Vorher war ich noch ein bisschen in der Findungsphase und jetzt hab‘ ich das Gefühl, dass ich angekommen bin in der Art, wie ich meine Sprache benutze, in der Art, wie die Musik das dann ummantelt. Es ist sehr viel voller als vorher und vielleicht gewagt, vielleicht aber auch nicht. Es ist auf jeden Fall anders, als was davor kam, aber irgendwie auch immer noch gleich, weil es am Ende immer noch ich bin und immer noch meine Worte sind.
Lucas: Mir ist auch der klangliche Wandel aufgefallen, auch wenn ich natürlich noch nicht so viele Songs kenne, wie du, weil noch nicht alles draußen ist. Ich habe mich gefragt, ist es ein Impuls, der von dir kommt, oder von den Leuten, mit denen du zusammenarbeitest, oder ist es ein gemeinsames Entwickeln des Klangs? Ich finde, es klingt ein bisschen ein bisschen poppiger und geht zum Teil mehr nach vorne, auch was du sagst, es ist größer und voller. Kommt der Wunsch von dir, oder ist es ein Teamergebnis?
maïa: Also würde sagen, es war weder Wunsch noch Ziel. Ich habe das Gefühl, nach der ganzen Musik, die ich releast hab‘, war ich irgendwie an einem Punkt, wo es mich gelangweilt hat, in Sessions zu gehen und dann denselben Ablauf zu machen, wie man es irgendwie bei jedem Song macht. Ich schreibe jetzt eine Strophe, und dann machen wir einen Pre-Chorus und dann den Refrain. Es hat mich voll gelangweilt und ich war irgendwie an einem Punkt, wo ich realisiert hab‘: sobald ich in einem Raum gehe und mir und den Leuten mit mir in diesem Raum Regeln und Grenzen setze, dann hört Kunst auf mutig und ehrlich zu sein. Und das will ich nicht! Dann hat sich das einfach total organisch ergeben, sobald wir in dem Raum sind, wir jede Idee ausprobieren und wir jedes Instrument nehmen, auch wenn ich das vorher nicht gerne gemacht habe. Ich habe vorher nicht gerne Drums benutzt und guck dir meine Musik jetzt an. Sie ist voll mit Drums. Das war auf jeden Fall eine große Veränderung in der Art, wie ich und die Leute um mich herum, die mit mir daran arbeiten, Musik machen, dass wir da ohne Regeln rangehen und alle alles einfach ausprobieren.
Lucas: Magst du noch einmal sagen, mit wem du an deiner Musik arbeitest?
maïa: Ja! Mit RGB, das ist mittlerweile eigentlich der Hauptproduzent geworden. Er hat fünf Songs auf dem ersten Tape produziert und Ismail, mein Manager, mit dem ich aber gleichzeitig eigentlich jeden Song zusammen mache. Die zwei! Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, mit jemanden anderen Musik zu machen, um ehrlich zu sein. Und Wanja hat „Ambulanz“ gemacht und das ist auch ein ganz, ganz toller Song geworden. Es war auch ein total regelfreier Raum und ein ganz magischer Prozess, dieses ganze erste Tape zu machen, und ich freue mich jetzt schon an den nächsten Songs mit den Leuten zu arbeiten. Ich glaube, das wird ganz schön.
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„Ich höre gerade sehr gerne das Album „Messy“ von Olivia Dean“
Lucas: Ich würde dir eine letzte Frage stellen, bevor wir das Interview beenden, damit ich deine Zeit nicht zu sehr beanspruche: Und zwar hast du eine Musik Empfehlung für mich und für die anderen Menschen dieser Welt?
maïa: Ich muss meine Playlist öffnen, weil immer wenn ich so eine Frage bekomme, vergesse ich jeden Song, den ich jemals gehört habe. Eine Empfehlung oder mehrere?
Lucas: Nenn‘ mir gerne deine Top 3.
maïa: Also, ich höre gerade sehr gerne das Album „Messy“ von Olivia Dean. Dann … Oh Gott! Jetzt bin ich nervös. Nee, wir lassen es bei dem Album, sonst wird es zu viel. Ich höre grad sehr gerne dieses Album!
Lucas: Dann frage ich vielleicht doch noch nach, weil ich liebe Olivia Dean: Hast du einen favourite Song auf dem Album?
maïa: „Carmen“ und „Dive“!
Lucas: Die Single „Dive“ ist nur logisch und „Carmen“ ist, finde ich, der Secret Hit. Der ist ein Grower!
maïa: Hast du diese Akustik Sessions gesehen, die sie gemacht hat? Die waren grandios. Dadurch habe ich sie entdeckt, tatsächlich.
Lucas: Ja, die sind super schön! Es ist ein bisschen fies, weil jetzt könnten wir ein ganzes Interview nur über Olivia Dean führen. Hast du sie schon live gesehen?
maïa: Leider nicht, aber würde ich sehr, sehr gerne. Alles was ich auf Tiktok von ihr sehe, ist grandios.
Lucas: Du musst tatsächlich wirklich alles dafür geben, sie einmal live zu sehen, weil es ist krass schön!
maïa: Ja, das glaube ich dir. Bucketlist!
Lucas: Genau, pack es darauf und liebsten Dank für das schöne Interview!
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