Schlagwort: Music

  • Mavi Phoenix gibt mit „Leaving“ einen Vorgeschmack auf seinen neuen Sound

    Mavi Phoenix gibt mit „Leaving“ einen Vorgeschmack auf seinen neuen Sound

    Mavi Phoenix dürfte den aufmerksamen untoldency-Leser:innen bereits ein bekannter Name sein. Der österreichische Sänger hat im Frühjahr letzten Jahres sein Debütalbum „Boys Toys“ veröffentlicht. Anna’s Review zum Album findet ihr hier. Mit „Boys Toys“ eröffnete Mavi einen exklusiven Einblick in seine Gefühlswelt rund um die Gender-Identitätsfindung. Während das Album sehr geprägt ist von Trap-Beats, Cloud-Rap und R&B, kommt Mavi dieses Jahr mit einem neuen Sound daher. Die neueste Single „Leaving“ habe ich einmal genauer unter die Lupe genommen und versucht zu verstehen, was hinter dem neuen Sound steckt.

    Als im April – gut einem Jahr nach „Boys Toys“ – die Single „Grass And The Sun“ rauskam war mir direkt klar: Das ist ein neuer Mavi Phoenix Sound. Dieser neue Sound klingt nach Indiepop, Lo-Fi, Spuren von Folk und Rock. Also ein ziemlicher Kontrast zu den alten Songs von Mavi. Das kommt allerdings nicht von ungefähr. Der 26-jährige Österreicher möchte mit „Leaving“ eine neue Richtung vorgeben und macht deutlich: So will er ab jetzt klingen.

    the new main indie pop boy

    Passenderweise kommentiert er dazu in einer Insta-Story: „On my way to become a main indie pop boy“. Als Marlon, wie Mavi mit bürgerlichem Namen heißt, Anfang September den Amadeus Austria Music Award in der Kategorie Urban/Hip-Hop gewinnt, freut er sich natürlich total, betont aber im gleichen Atemzug, dass er sich dem Alternative/Indie-Genre zugehörig fühlt. Wem das immer noch nicht deutlich genug war: Mavi Phoenix macht jetzt Indie Pop Musik.

    Kommen wir jetzt aber mal zu „Leaving“. Beim ersten Hören musste ich direkt erstmal stutzen: Kommt mir der Anfang nicht bekannt vor? Für mich klingen die ersten paar Akkorde wie eine Akustikgitarrenversion von „Nothing Good“, der zweiten Single von Mavi in 2021. Da ich den Song aber auch schon ziemlich gefeiert habe, stört mich das nicht weiter. Ansonsten klingt Mavi in „Leaving“ ungewohnt ruhig. Der Song baut sich langsam auf und die Gitarre wird immer mehr unterstützt.  

    „Ich wusste gleich, dass dieser Song etwas Besonderes ist. Das könnte der beste Song sein, den ich je geschrieben habe.“

    Leaving“ ist letztes Jahr entstanden – also mitten in einer Zeit, die geprägt von Ungewissheit, Abwarten und einer Menge Selbstreflexion war. Mavi sieht den Song daher als eine Art Neuerfindung seiner Musik. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich mich über die Veröffentlichung des Songs freue, denn er hat mich nach einer schwierigen Phase wieder an mich, als Künstler glauben lassen“,erklärt Mavi.

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    Das Musikvideo zu „Leaving“ kommt in minimalistischer schwarz-weiß Ästhetik daher. Die Aufmerksamkeit soll auf der Musik liegen. Mavi selbst ist immer eher klein zu sehen und wirkt etwas verloren in der „großen“ Welt – meiner Meinung nach sehr passend zu den Lyrics.

    It’s the same old story for us all. When you love someone and they just don’t.“ 

    Diese Zeile aus dem Song fasst den Kern des Songs ganz gut zusammen und lässt wahrscheinlich auch ziemlich viele ganz gut mit ihm identifizieren. Den Rückschlag einer nichterwiderten Liebe zu verkraften ist nicht einfach, aber in „Leaving“ verarbeitet Mavi dieses Gefühl und findet den Weg zurück in ein ausgeglichenes Selbstwertgefühl. „Ich bin zu der befreienden Erkenntnis gekommen, dass man die Kontrolle über sein Leben und seine Gefühlswelt wiedererlangen kann, indem man Situationen, Menschen und/oder andere Dinge die schlecht für einen sind einfach verlässt,“ sagt Mavi.

    Ende Juli hat der österreichische Künstler ein Video auf YouTube gepostet, wo er die Entwicklung seiner Stimme festgehalten hat nachdem er ein Jahr lang Testosteron nimmt und man merkt einfach total, wie er im Laufe deutlich glücklicher wirkt und sich wohler fühlt mit seiner Stimme und auch in seinem Körper. Zusammen mit der Message hinter „Leaving“ macht es mich ebenfalls sehr glücklich zu sehen, wie Mavi zu sich selbst findet.

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    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was von Mavi Phoenix als nächstes kommt und bin ziemlich gehyped auf den neuen Indie Pop Sound. Für mich bleibt Mavi trotz veränderten Klang weiterhin ein super interessanter Künstler, der einfach mehr Aufmerksamkeit verdient. Wenn ihr also den neuen Song „Leaving“ noch nicht gehört habt, dann könnt ihr das jetzt hier mal ganz schnell nachholen:

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    Fotocredit: Randy Kambodscha

  • Jorja Smith mit „Be Right Back“: Wenn Schmerz sich gut anfühlt

    Jorja Smith mit „Be Right Back“: Wenn Schmerz sich gut anfühlt

    4 Jahre Pause zwischen dem Debütalbum „Lost & Found“ (2018) und dem für 2022 angekündigten zweiten Album sind für alle Jorja Smith Fans keine Option. Aus diesem Grund hat die Neo-Soul Sängerin im Mai allen einen Gefallen getan, indem sie ihre EP „Be Right Back“ veröffentlichte. Auch wenn der Release bereits einige Monate zurückliegt, gibt es keinen Grund, nicht weiterhin von dieser authentischen und minimalistischen Soulplatte zu schwärmen.


    Melancholische Soulstimme zum Verlieben

    Über Jorja Smith zu schreiben, ist für mich eine pure Herzensangelegenheit. Kaum eine Stimme klingt für mich so verletzlich und schmerzvoll, und schenkt mir gleichzeitig so viel Kraft, wenn ich mich von dieser wohligen Melancholie einhüllen lasse. 

    Alles fängt mit der Debut Single „Blue Lights“ an, die zugleich ihren musikalischen Durchbruch bedeutet. Auf ihr teilt die in Walsall, England geborene Sängerin Ängste vor Polizeigewalt, insbesondere gegenüber Schwarzen und People of Colour, und lässt diese spürbar in ihrer Stimme aufleben. Was danach folgt, sind gute Marketingstrategien, wie beispielsweise Platzierungen auf dem Drake-Album „More Life“, und unglaublich schöne und berührende Musik. Ihr Debütalbum „Lost & Found“ ist meine persönliche Entdeckung des Jahres 2018 und bereits jetzt eines meiner all-time favourites. 

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    Mit dieser beinahe bedingungslosen Liebe bin ich in Jorja Smiths im Mai erschienenen EP „Be Right Back“ gegangen und wurde erst einmal enttäuscht. Denn die großen Popnummern bleiben auf der 25-minütigen EP aus. Die klangliche Fülle der Produktionen des ersten Albums bleibt unübertroffen. Dafür gewinnt der Gesang an Tiefe und Intimität. Die Produktionen beschränken sich überwiegend auf eine einfache Bandbesetzung und geben der Stimme Platz für ihre nachdenklichen Geschichten. Die Melodien bleiben weiterhin eingängig, doch werden sie unaufgeregter inszeniert. Ein bisschen weniger Hall, ein bisschen kleinere Chöre und ein bisschen weniger komplexe Harmonien schaffen Raum für mehr musikalische Seele. Was ich beim ersten Hören der EP als Schwäche empfand, zeichnet sich für mich jetzt als Stärke ab. Die vielleicht etwas zu ausgeklügelten und durch-inszenierten Popsongs des ersten Albums werden durch minimalistische und authentische Soullieder zum Verlieben abgelöst. 


    Female Empowerment und Gesellschaftskritik

    Die Lead-Single „Addicted“ führt in die nachdenkliche und leicht aufgewühlte Atmosphäre der EP ein. Die Single thematisiert ungleiche Machtverhältnisse in einer Liebesbeziehung, während ein markantes Gitarren-Riff den Gesang komplementiert. Weitere Highlights der Platte sind die Songs „Home“ und „Burn“. Während Smith auf ersterer klassische Rollenbilder und Familienstrukturen in Frage stellt und damit gesellschaftliche Denkmuster dekonstruiert, besingt sie auf „Burn“ die Schwierigkeiten, die eigenen Träume und die damit verbundene Arbeit mit einem gesunden Privatleben in Einklang zu bringen. Damit widmet sie sich dem in der Öffentlichkeit zunehmend an Bedeutung und Aufmerksamkeit gewinnenden Thema Mental Health, hier konkret in Form eines Burnouts. Jorja Smith beschreibt die Geschichte eines jungen Mädchens und warnt im Refrain davor, den eigenen Träumen alles bedingungslos unterzuordnen:


    You burn like you never burn out
    You try so hard, you can still fall down
    You keep it all in, but you don’t let it out
    You try so hard, don’t you know you’ve burnt out?


    Die behandelten Themen sind aufgrund ihres hohen Lebensweltbezugs unglaublich wirkungsvoll. Auch der letzte Song der EP namens „Weekend“ schlägt in dieselbe Kerbe. Auf ihm kritisiert Smith Konsum und die Anhäufung materieller Güter. Stattdessen fordert sie mehr Achtsamkeit innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen, sprich ein Rückbesinnen auf die vermeintlich wichtigen Dinge im Leben.

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    Musikalischer Minimalismus für das Herz

    Musikalisch lebt die EP vom Minimalismus. Zurückhaltende und organische Produktionen schenken der Platte Wärme und Intimität. Zugegeben, ich benötigte mehr als einen Durchlauf, um mich von der Musik überzeugen zu lassen. Doch jedes Mal, wenn ich „Be Right Back“ anhöre, wächst meine Liebe für jeden einzelnen Song. 

    Da die ergreifende Soulstimme von Jorja Smith eh niemand hinterfragt, können wir diese Diskussion direkt überspringen. Bezüglich der Instrumentals fiel allerdings die Kritik, sie könnten der Kraft der ausdrucksvollen Stimme nicht standhalten. Dabei konzentriert sich die Musik lediglich auf ihre Kernaufgabe, nämlich die Gesangsmelodien zu komplementieren und zu tragen. Diese musikalische Unaufgeregtheit trifft den Ton der EP und betont zugleich die Ernsthaftigkeit und Authentizität ihres Inhalts.

    Zum Teil benötigt es kein Harmonieinstrument, um von Jorja Smiths Stimme umgarnt zu werden. In „Burn“ sind vor dem letzten Refrain Bass, Schlagzeug und Gesang alles, was die Seele in diesem Moment zum Loslassen braucht. In „Home“ hingegen verleihen Stimme und Gitarre allein dem Lied eine besondere emotionale Tiefe. Interessanterweise fällt der vorletzte Song „Digging“ für mich am ehesten aus dieser sonst so homogenen EP heraus. Denn er täuscht ein wenig die Größe der Pop-Produktionen des Debüt-Albums „Lost & Found“ an, die „Be Right Back“ eigentlich gar nicht anstrebt. 

    Es wird dennoch offensichtlich, dass dieser Text ein Liebesbrief an „Be Right Back“ von Jorja Smith ist. Die britische Sängerin leistet einen weiteren wichtigen gesellschaftlich-politischen Beitrag, ohne auch nur einen Hauch an musikalischer Ästhetik einzubüßen.

    Die Hörempfehlung geht hiermit raus! Go listen and be right back für das kommende zweite Album …

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  • Maple & Rye im Interview: »Playing live is addictive, you can’t get these emotions in daily life«

    Maple & Rye im Interview: »Playing live is addictive, you can’t get these emotions in daily life«

    Zum Abschluss unserer Interview-Reihe zu den Acoustics Concerts stelle ich euch die Band Maple & Rye vor. Maple & Rye – das sind Milton, Leo, Henrik und Gustav. Die vier Jungs kommen aus Göteborg, Schweden, und haben sich dort und in der Scandifolk-Szene bereits etabliert. Für die Acoustics Concerts am 06.09. in Berlin und am 08.09. in Hamburg packen die Schweden ihren Van voll Equipment und machen sich auf den Weg nach Deutschland. Ich habe Maple & Rye vorher bereits in Göteborg auf ein Interview getroffen. Ja, ihr lest richtig – so ganz in real life und vor Ort. Ihr könnt euch vorstellen, wie glücklich wir alle waren, nach über einem Jahr endlich mal wieder Interviews in Person führen zu können. Ich habe mit Milton, Leo, Henrik und Gustav über neue Musik und alte Songs gequatscht und nachgehakt, wie es ist eigentlich so ist in einer musikalischen Stadt wie Göteborg eine Band zu starten.

    Maple & Rye im Interview

    Anna: Hej guys, nice to meet you, hope you’re all good! To anyone who has not listened to your music before: Describe the sound of Maple & Rye in one sentence.

    Milton: At least we get one sentence. Usually it’s like one word (laughing). There’s one description that we have previously used a little tag of folk inspired indie-pop. Yeah, I guess that’s still pretty true. We tried to combine all the genres we play into one phrase.

    Anna: So, it’s been a little bit more than a year now since you released your first album. How do you feel about it now? If you would have done the same album again, would you have done something differently? Or still completely stand behind it as it is?

    Leo: Great questions (starts thinking about it). I mean, we have better songs now.

    Gustav: Exactly. Yeah, that’s where I always go in as well. We could like replace songs with those.

    Milton: I agree, we do have some new songs that we’ve written since we recorded and released the album that we like even more, but at the same time, the package of that album makes a lot of sense. I think the songs, there’s a common theme in the entire album musically and somatically, production-wise, instrumentally. Yeah, I wouldn’t exchange any of the new ones for that album. But I’m very excited to release the new stuff. That’s gonna be a new package.

    Henrik: Yeah, no if we did the same album at the same time, like one year ago again, not like now: Then I would probably have done the same.

    Anna: It’s probably also like capturing that time, like how you felt about the music at that time.

    Henrik: Yeah, exactly. And it’s hard, I mean: Would you would you have done anything differently? Maybe, but that’s what you felt like doing at that time. So why dwell on that really?

    Milton: Any improvements we can apply to the next thing. We should write a song about that.

    „We’ve reached a point where we have a certain sound“ – Is there gonna be change in the future?

    Anna: So, when is the next album going to be released?

    Maple & Rye Untoldency Interview

    Henrik: It’s not on the horizon just yet. We have loads of material. But we haven’t started really recording and producing anything yet. But that’s next on the agenda.

    Milton: Yeah. And then we’ll see, I guess, if it is a full album that we’ll do or if we’ll do an EP. I think we feel that we’ve reached a point to a little bit where we have a certain ‚Maple & Rye‘ sound. And there still is a clear kind of common theme towards where we’re developing into, but it’s a little bit of turning a page with what we’re doing next. And it might be that maybe an EP or a couple of singles to kind of introduce this maybe slight change of genre or tweak and what we’ve done before, might be a good little taster before going for the full album. We’ll see, we have a lot of strategy discussions to that.

    Anna: At least you have a strategy!

    Henrik: Yeah! And at least we have music. That’s the baseline, that we didn’t lose our inspiration on the way.  I mean, that happens to a lot of artists.
    So we’re really lucky that we’re still creating a lot.

    Milton: Absolutely. I’m always excited to release the next thing. But it’s also slight curse, because it means that the second you release something you’re already over. You’re excited for the next idea.

    Henrik: From what I’ve heard, that’s basically always true for musicians because it takes so long from the moment you write something to the moment you finish it, and then you record it, and then produce it and mix it. And then, like, you have a release date, but then it’s like, three months until we can actually release it. And then by that time, you heard the song like 200 times. And listened to every minimal detail. So yeah, I’ve heard a lot of people working in music saying that they hate every song they release, like they love it, when they start doing it. And they had to remember that they do actually have that feeling. But then when they release it, like, I don’t want to hear that song for a long time. But then they like remarried a song after a while, and they’ve gotten some distance to it. And like, okay, yes, that was actually a great song.

    Milton: Because it kind of sucks because as soon as you release it, that’s when it’s life starts. Yeah, that’s when everyone else gets to hear it. We have to go promote it and go on tours. And that’s why it’s really important to write songs that you like playing live. Because that’s what you’re going to have to do, for the most part.

    Love stories à la Maple & Rye about relationships and remarrying songs

    Anna: Do you sometimes feel like that with songs, certain songs, that you can’t really play them anymore at concerts?

    Milton: We’ve definitely had songs like that, where we’ve been like, okay, this song is now over and done. But then we’ve often remarried to where we’ve, with a little bit of space in between that song and the present. You’re able to look back at it and think that okay, well, this is a song that at least got this reception. Or you could think back to how you felt when you released it. And then it’s okay to start playing it again. Like we’ve had one or two songs like that, which we thought, okay, we’re never playing this again. And we did stop playing them for a long time. And now already in this summer, like last, for example, our first song that we ever recorded and released. There was a time where we didn’t play it at all for two years, maybe. And now we’ve played it a little bit as like, the third encore song when you have to chuck something else out in there. Yeah, that’s been fun.

    Henrik: There’s always also, it’s been for us at least, when you go to play live, when you hear people say that they want you to play certain songs. And a lot of the time, there’s songs that we have, like not even thought about playing. Like ’no, doesn’t really fit the live set‘. But you know, people have relationships to all the songs on our album, even though we think that maybe that’s not like the most common song that people will like, there’s always some people who do like it and want to hear it live. So therefore, we kind of pick them up and need to be ready to play them anyway. And that also is a reason I think that some of them get like reintroduced to us as well. And like, okay, yeah, I actually do like the song more than I thought.

    Playing songs live vs. recording an album: the differences

    Anna: Do you have your favourites on the album? Like, very personal songs or so? That’s probably individual, I guess and differs for each one?

    Maple & Rye Untoldency Interview

    Henrik: Yeah, it does. I think we have some that are high, all of our individual lists, but they’re definitely individuals.

    Milton: I think there’s definitely a common one that we each enjoy. I think all of us like to play that one live: ‚Con of the Century‘. Now speaking for everyone, but it looks like I’m getting some nods. It’s a song that we’ve played live since before we started the band almost. You know, it’s been with us since the very beginning. And we’ve been waiting to release it to try and find the right album and the context and producer and everything like that. And then we did release it on the album. And we continued to play it live and it’s one of the highlights.

    Henrik: Yeah, it’s a very special very live song, a very good song to play live. It works well in that context. Although we have changed it quite a lot. We actually play it as it was originally played. That’s what we continue playing live, which differs from what we actually recorded, like instrumentally. It’s quite different. Both because we don’t really have brass instruments with us all the time when we go out on the road and stuff, because none of us play it. And it’s really expensive to hire musicians to go with you. We do like to have them with us when you’re playing bigger shows, because it really brings a lot of awesome stuff in a live set. But that’s one of the things that differs quite a lot. But then also when you play live, it’s more heavy drums, like more classic punk rock feel, sort of. But like the other recordings, like just a kick drum and some tambourine really is the rhythm section. And here is more like a full drum kit.

    Gustav: And it’s a drum solo as well.

    Henrik: And it’s really like a sing along song. Instead of, I don’t know if you know the song, but the hook that’s played by brass instruments on the recording, but that whole thing we just sing the melody.

    „All four of us write music and we share experiences – there is always something to write about“

    Anna: Sweet. So, this is more of like a typical question that you probably get a lot, but where do you draw inspiration for when you write songs?

    Henrik: And you’re going to get the most boring answer that everyone says: Everywhere! Life! (laughing) But I don’t know. Like, that is true, it’s sort of everywhere. But I think we have some more common ones. Like stories from other people, books, movies, stuff like that. We have a couple of songs that are written very explicitly, like, sort of, not about a book but drawn straight from a book, like the inspiration for it. Yeah, stuff like that. We have a couple of those.

    Gustav: And also emotions!

    Milton: Yeah. Like, I think they’re, they’re a couple of things that we have recurring at least were one of them is definitely you know, books or movies and stuff like that, where it could either be about the book, or it is an adaptation of the book. So like the story told by the book, the character in the book or something like that, and we write a song about that person with that story. And like you said, emotions, there’s certain times that we’ve just heard a word about an emotion. For example, ‚Monterey‘, which is about, I can’t remember it’s got a really cool word, namely, this emotion. Anyways, it’s the emotion of not feeling good enough. And always feeling like you don’t live up to your own or other people’s expectations. It’s almost like a phobia. No, it is a phobia, an inadequacy. I think it’s really interesting, just emotions. Because it’s something that absolutely everyone feels, at some point to certain degrees. You know, like, if you’re in a relationship and you’re worried that that person is gonna leave you because you’re not good enough. You’re in a job and you’re scared of not doing well enough to get a promotion or to stay in your job. Or you’re playing in a football team, and you feel like you missed a pass and you made the team lose. There are so many examples in everyday life. And I think one good thing that we have, is that there’s four of us in the band. All four of us write music, and lyrics. So we can all pick different things from our own lives or experiences we share or discussions we’ve had and stuff like that. And since it’s four people, it means that the breadth of things, the stories we want to tell, is wider. And it also means that if one of us has no inspiration, there’s three other people to kind of pick up the slack.

    Maple & Rye Untoldency Interview
    Das Interview mit Maple & Rye habe ich bei Milton im Wohnzimmer geführt. Leo war leider noch in Quarantäne und über FaceTime hinzugeschaltet. Man beachte, dass alle vier unabgesprochen im Partnerlook aufgetaucht sind!

    Anna: Would you say that maybe living in Gothenburg influences you and your music? Because I feel like there’s always lots of music around. Different types of music and lots of live music. And in general, I feel like people here are very, creative and you’re not so judged in what you do. I hope that makes sense to you.

    Milton: I think definitely, Gothenburg is a very open city where there’s people of all kinds and types and backgrounds and cultures doing different things and expressing themselves in different ways. And traditionally at least, Gothenburg has been a very open place for that. Which is I think one of the reasons which has created Gothenburg the music city or the art city. That is quite predominant, at least in Sweden. We always look at Germany and think: Hamburg and Berlin is the Mecca of creative things in Europe, you know? (grin on his face) But I think that has been very important for us. We’ve found each other here in Gothenburg. It made us Maple & Rye. It’s not like any of us really were deep in the culture scene in Gothenburg before we started playing music, but when we found each other and found this joint ambition, being in Gothenburg already opened up certain doors. In a way that there were people around us, there were music studios, we could go to. There were live music venues that we could play at. Everything from tiny little places where we had our first ever shows to the larger venues, where we’re now maybe playing and hopefully at some day, even larger arenas and stuff like that, which would be the dream.

    „People in Gothenburg were always using music as a way to tell their stories“

    Henrik: But I think in terms of getting inspiration from Gothenburg, I totally agree that it’s a very cultural city. I think it started long ago, like early 1900s. Maybe like the 20s, or something, I don’t even know. I think that sort of where Gothenburg’s music heritage started. And it’s just been present all the time. And I think that it gets out into everything around the city. And because of that, there’s so many people that really put their hearts and put a lot of effort into the music scene, to make it work, to make all these small places be able to run so that small bands and artists can get somewhere to play. That’s where they can find the crowd and then grow. So yeah, I think that really is quite inspiring, just to be in that sort of energy.

    Milton: I think it’s also very tied to the kind of political and social economic history of Gothenburg in many ways because it’s always been this working class town with the big harbour, being like the big source of income. And historically, the music scene has been very tied to that as well with like, you know, the progressive rock. People were using music as a way to tell their stories.

    „Playing live is addictive“

    Anna: That’s a lovely view of the city, I can only agree. How important is it for you to be able to play live?

    Gustav: Of course, it is a major part of playing music. And I think it’s also connected to, at least for me, motivation for writing music and everything that is connected to music – it’s playing for other people. So, yeah, it’s a major part.

    Milton: Yeah, I think, it’s been tough the last year. I think, for everyone, just getting that motivation. A lot of people have been really innovative and found different ways of sharing their music through livestream things and, you know, getting inspiration in other ways and thinking outside the box. But overall, I think it’s been shit for everyone.

    Gustav: And it’s also hard to find another place in your life where you get all these kind of emotions when you play and get that rush of adrenaline. And that’s there is a very rare thing in daily life.

    Milton: Oh yeah, it’s addictive. You kind of like you go into some heroin withdrawal and then you get reminded again of how it feels.

    Henrik: And I mean, we are a live band. We’ve always been a live band. We like to write our music so that we can play live. And therefore, the songs are organic, and are meant to be played live by us, you know. So, yeah, it’s a really big part of what we are as artists – of what Maple & Rye is.

    Anna: What would you say was your best live experience so far? Was there one that really stood out?

    Gustav: A lot of them. But I would say the show at Pustervik (concert venue in Gothenburg). When we released our EP and we didn’t realise that it was going to be sold out. That was just such an extreme experience.

    Maple & Rye Untoldency Interview
    Maple & Rye auf ihrem Konzert in Pustervik, Göteborg, 2018.

    Henrik: Yeah, definitely. That was just such a jump up from the venues we have played before. Everything was so much more professional. Everything around it, you know, all the arrangers and audio technicians and everything’s like a completely different level. So yeah, that was definitely a memory.

    Milton: Standing backstage just before going on to stage, and we’re all just sitting there scared shitless but also, just the adrenaline pumping. The doors would open sometimes with people sorting things out, and you see the crowd. That was pretty unbeatable.

    Henrik: Yeah, it was. But more of a recent one, I really remember is playing in Norway.

    Anna: Oh, yeah, I saw a video of that concert. The scenery was just incredible!

    Henrik: Yeah, when you’ve seen that footage … like, do I need to saw more? Yeah, that scenery, and just having a stage there. It’s just insane. So memorable in two completely different ways.

    Milton: But there have been a couple of those where we were just in some incredible places. And then other ones where we’re just somehow ended up in some weird, incredible place, because we play music and we have to stop and be like ‚What is going on?‘ It’s been like Norway, where you’ve got this beautiful stage. And this beautiful scenery. Or when we went to California and played, there were pretty small gigs that we were playing. But we were also like, we’re on the other side of the planet. It’s 30 degrees warm, and we’re walking around Los Angeles, and we’re gonna play a pretty small gig. But we’re still playing in front of Americans all of a sudden, because we play music. Just small things like that, which are really special and memorable. In completely different ways.

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    Das ist das Video über Norwegen, von dem wir sprechen. Es ist zum Musikvideo für den Song „Monterey“ von Maple & Rye geworden. Anschauen lohnt sich!

    Anna: I’m very curious right now because I always keep asking this questions to German bands aswell if they sing in English. Was it an active decision for you to sing in English? Because I think the Swedish indie scene is even more focused on performing in their mother tongue, aka Swedish. So I feel like that’s really big thing. Was that ever up for discussion?

    Milton: I think we’ve all just naturally written in English.

    Henrik: I don’t even remember it. We have definitely talked about it. Sort of in the bypass.

    Milton: But there it’s been more: Should we write something in Swedish?

    Henrik: Yeah, maybe to just try it out. That could be fun. But it’s not really been like ‚oh, we should switch to Swedish‘. I don’t think that’s on the agenda, not for now at least. But you never know.

    Milton: I think it could be really fun to do something in Swedish. It would be a whole different process. My brain isn’t wired in that manner.

    Henrik: Yeah. You know, like one of the biggest Swedish bands ever: Kent. They used to write in English at first and trying to go big outside of Sweden. And then they switched to Swedish and became the biggest Swedish band ever. So maybe that’s what we should do. We’ll see. (laughing)

    Matching tattoos and the album cover

    Anna: Haha, keep me updated! But to wrap it up: At the end of an interview, we always have a question that we kind of established to ask in every interview by now. You can take some time to think about it. Do you have an untold story of yours? It could be band related, so a special Maple & Rye story or something you want to say privately as a group of friends that you have never mentioned in any interview before. Kind of like a fun fact or so.

    Milton: I’m always really bad at coming up with stuff like that. It’s just like my brain just freezes completely.

    Album Cover "For Everything"

    Henrik: Well, we do all have matching tattoos. That could be an interesting background story to tell. We got them before we made the album. Or kind of when we were in the decision of the cover for the album. Yeah, we were in the process of the album. And then we all got these tattoos at a festival where we played. And when we had decided … wait or was it after?

    Leo: No, I think we just made that decision when we did it. We all got small record players tattooed. And then we looked at each other and we’re like, I guess we know what we’re putting on our album cover.

    Henrik: And then we did this for the cover, but a lot more stuff. But yeah, that was like the basis on the album cover.

    Anna: Okay, cool, that’s it for me then. Thanks a lot for the interview and I’m looking forward to the next opportunity to see a live performance of Maple & Rye!

    Hier könnt ihr in das Album „For Everything“ von Maple & Rye reinhören!

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    Fotocredit: Emil Daniel (1,2 & 4), Anna Niere (3)

  • Playlist: let’s talk about politics

    Playlist: let’s talk about politics

    Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Während die einen schon wissen, welcher Partei sie am 26.09. ihre Stimme geben, wälzen andere sich noch fleißig durch die Wahlprogramme. Wir wissen, wie mühsam der Findungsprozess sein kann und können euch das leider auch nicht abnehmen. Wobei wir allerdings helfen können, ist die passende Playlist zu hören, um in Stimmung zu kommen. Mit „in Stimmung kommen“ meine ich, politisch aktiv zu werden – sei es, etwas verändern zu wollen oder bestehende Systeme zu unterstützen. Das sollt ihr ja selbst entscheiden. Die Hauptsache ist: Geht wählen!

    Musik zum Mitwippen in der Wahlkabine

    Dass es wichtig ist wählen zu gehen, sollte ja jetzt deutlich geworden sein. Die endgültige Entscheidung ist allerdings dann doch etwas sehr Persönliches. Hier findet ihr übrigens den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl, falls ihr noch unsicher seid, welche Partei eure Interessen am besten vertritt. Mir hilft beim Nachdenken über wichtige Entscheidungen (sowie in vielen anderen Lebenslagen) immer eine liebevoll zusammengestellte Playlist. Deswegen haben wir als Team mal eine Playlist zusammengestellt mit allen Songs, die sich für uns irgendwie politisch anfühlen. Da ist so ziemlich alles dabei von „Randale“ und „Auf die Fresse“ bis zu „Ach, eigentlich hab ich es ja ganz gut“ und natürlich alles dazwischen.

    Los geht’s mit einem Song, der in mir im letzten Jahr trotz zu viel Zuhause rumhocken direkt wieder das Bedürfnis nach Aufschrei gegen Gesellschaftsnormen und fette Demonstrationen ausgelöst hat: „Hymne gegen euch“ von Provinz. Die vier Jungs aus Baden-Württemberg sind bekannt dafür, den Zeitgeist unserer Generation in Wort und Musik festzuhalten. In „Hymne gegen euch“ drücken sie meiner Meinung nach aus, was viele Mittzwanziger so fühlen: Eine generelle Unruhe und Unzufriedenheit mit dem Status Quo. Ich fühle den Song auf jeden Fall sehr und find ihn sehr passend zur momentanen Lage. Definitiv ein Song, der mich auf die Bundestagswahl einstimmt!

    „All these days, they went to waste
    Waiting for something to change
    Now we go
    Here we go“

    Das sind Zeilen aus „New 68“ von den Leoniden. In dem Song bezieht sich die Band auf die 68er-Bewegung und vergleicht den momentanen Kampf für Gerechtigkeit – sei es fürs Klima, sozial oder politisch – mit der bekannten politischen Bewegung. Der Song wurde vor dem zugehörigen Album „Complex Happenings Reduced To A Simple Design“ released und kam für mich sehr überraschend. Klar, die Leoniden setzen sich schon seit langem für Bewegungen wie Fridays for future, Sea Watch oder Viva con Agua ein, aber in ihren Texten haben sie es vorher noch nie so deutlich ausgesprochen: Jetzt ist die Zeit! Und zwar die Zeit, sich klar zu werden, wo man politisch steht und wen man unterstützen möchte. Der Song selbst ist eher weniger vom Typ „Auf die Fresse“, sondern kommt ruhiger daher und versucht den Ernst der Lage durch die Lyrics zu vermitteln. Im Musikvideo zu „New 68“ sind zudem Ausschnitte aus Interviews mit Carla Reemtsma (FFF), Mattea Weihe (Sea Watch) und Aminata Touré (Grünen) zu sehen, die ich selbst total empowernd finde. Reinschauen lohnt sich!

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    Neben den aktuellen Songs dürfen natürlich auch die Klassiker nicht fehlen. Da hätten wir zum Beispiel „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd im Angebot. Der Song steht seit seiner Veröffentlichung 1979 für Aufruhr gegen bestehende Systeme und dagegen, sich nur wie „ein weiterer Stein in der Mauer“ zu fühlen. An dem Song schätze ich vor allem, dass er immer wieder sehr universell in verschiedensten Lagen passt – politisch als auch privat.

    politische Musik kennt keine Genregrenzen

    Musiker:innen, die sich politisch einsetzen, sind vor allem in den letzten Jahren in Deutschland deutlich lauter geworden – und das nicht nur rund um Bundestagswahlen, Landtagswahlen und Co. Nicht nur in ihren Songs zeigen sie Solidarität und fordern zu Veränderungen auf, sondern auch auf der Straße werden sie aktiv. Sei es der Gig auf der Fridays for future Demo oder eine Spendenaktion für Vereine wie Viva con Agua. Ein großes Vorbild ist in dem Bereich auch die Band ZSK, die die Initiative „Kein Bock auf Nazis“ gestartet haben und Präventationsarbeit an Schulen leisten. Zu der ganzen Thematik habe ich in meinem Artikel „Musik gegen Rechts“ ausführlich berichtet!

    Musik war schon immer politisch

    Wenn man in der deutschen Musikgeschichte in die Vergangenheit der politischen Unruhe schaut, darf natürlich eine Band auf keinen Fall fehlen: Ton Steine Scherben. Die Band um Sänger Rio Reiser wurde in den 70er Jahren durch ihre Hymnen zur Hausbesetzerbewegung bekannt. Besonders Songs wie „Keine Nach für Niemand“ oder der „Rauch-Haus-Song“ sind auch heute einfach noch legendär. Die Thematik ebenfalls aktueller denn je durch die Diskussionen um Mietpreisbremse und Wohnungsmangel in Großstädten wie Berlin oder München. Das Thema ist ein sehr wichtiger Aspekt rund um die Bundestagswahl, wenn es darum geht, wie Deutschland eine gerechte Zukunft für alle sichern kann.

    Viel weiter will ich auch gar nicht ins Detail gehen, lasst die Playlist am besten einfach auf euch wirken. Falls die bisher vorgestellten Songs nicht so euer Ding sind, hier noch ein paar weitere Namen von Künstler:innen, die ihr in der Playlist findet:  KUMMER, Alter Kaffee, Annenmaykantereit, Die Ärzte, Green Day, Sam Fender, Mine, Oehl, Jorja Smith und noch viele mehr. Viel Spaß beim Hören unserer „Let’s talk about politics“-Playlist und denkt dran: Geht zur Bundestagswahl!

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  • John Moods lädt auf “So Sweet So Nice” mit verträumten Synths auf eine Reise in die 80er Jahre ein

    John Moods lädt auf “So Sweet So Nice” mit verträumten Synths auf eine Reise in die 80er Jahre ein

    Eine große Portion Nostalgie, veträumter Sound und Texte, die zum Nachdenken anregen. Das klingt für mich eigentlich nach der perfekten Kombination für ein erfolgsversprechendes Album und da bin ich anscheinend nicht alleine. Denn genau diese Kombination ist auf dem zweiten Album von John Moods, „So Sweet So Nice“, wiederzufinden.

    Hinter dem Soloprojekt John Moods steckt Jonathan Jarzyna, der zuvor viele Jahre in der Band Fenster aktiv war. 2018 veröffentlichte er sein erstes Album unter dem Namen „The Essential John Moods“, auf dem er eine klare Richtung vorgibt: verträumte Pop-Hymnen, die den perfekten Soundtrack für einen Backpacking Urlaub vorgeben. Diese Richtung wird auf dem zweiten Album „So Sweet So Nice“ weiterverfolgt und noch etwas mehr verschärft. Während die ersten Songs von John Moods leicht und unbeschwert sind, dreht es sich auf dem neuen Album sehr viel um das Grübeln über die Sterblichkeit – verpackt in einen groovigen Sound. Hinter dieser Konzeption stecken zwei Jahre voller Ups und Downs, geprägt durch Phasen kreativer Inspiration als auch Frustration.

    Vertonte Poesie

    Für mich klingt das Album nämlich insgesamt wie ein Gedicht, das sich im Ganzen schön liest, aber jede einzelne Zeile ihre Aufmerksamkeit verdient und Überraschendes offenbaren kann, wenn man sich einmal genauer mit ihr beschäftigt. Deshalb gibt so mancher Widerspruch, der auf den ersten Blick (oder wohl eher dem ersten Hören) verwirrt, im Endeffekt doch Sinn, wie zum Beispiel die titelgebende Zeile:

    So sweet, so nice; everything is waiting to die. So sweet so high; nothing ever felt so alive

    Das Album besteht aus zwei EPs. Die erste EP „So Sweet“, welches die ersten sechs Songs des Albums bildet, erschien bereits am 16. April und wurde dann am 6. August durch „So Nice“ ergänzt.

    Diese Zweiteilung spiegelt laut Jonathan die Ideen wider, die ihn bei der Erarbeitung dieser Songs beschäftigten: „Die notwendigen Wechselbeziehungen von Gegensätzen und das Fortbestehen ursprünglicher Dualitäten – Licht und Dunkelheit, Gut und Böse, Hoffnung und Verlust, Leben und Tod. Und es geht darum zu lernen, sich in den undurchsichtigen Räumen dazwischen wohlzufühlen. Jede Hälfte kontrastiert die andere.“

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mir auch nach mehrmaligem Hören noch etwas schwerfällt, diese deutliche Zweiteilung zu hören. Dazu muss ich aber auch zugeben, dass ich das Album nur als Ganzes gehört habe und nicht die einzelnen EPs. Dementsprechend hört es sich für mich nach einem sehr runden Gesamtwerk an, indem die Songs aufeinander aufbauen. Lasst euch also nicht von den typischen Voreinstellungen Spotifys vernatzen und das Album auf Shuffle hören (eventuell ist mir dieser Anfängerfehler beim zweiten Hören passiert, aber behaltet das bitte für euch). 

    „Why do we strive to be fooled?“

    Ok, genug drum herum beschrieben, schauen wir uns doch die Songs einmal genauer an. Mit „New Skin“ gibt John Moods einen sehr smoothen Start in die Gefühlswelt des Albums. Ab dem ersten Ton fühle ich mich direkt in eine Art Traumwelt versetzt. Außerdem frage ich mich: Ist die Musik von dieser Erde? Klingt blöd, aber irgendwie muss ich direkt an den „Zurück in die Zukunft“-Soundtrack denken und fange schon wieder an mit den Gedanken abzudriften.

    Back to the 80s

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    Der namensgebende Song „So Sweet So Nice“ geht nach einem härteren Übergang vom ersten Song schnell in eine glitzernde Synthwave über, die auch die nächsten Songs bestimmt. Im zugehörigen Musikvideo wird Jonathan’s Auseinandersetzung mit Leben und Tod sinnbildlich dargestellt. Man sieht ihn den verschiedenen Phasen des Lebens und ist dabei, wie er schlussendlich seine eigenen Beerdigung besucht.


    Without You“ klingt für mich irgendwie nach einem warmen Sommertag, der durch ein ordentliche Portion Regen abgekühlt wird – wahlweise tanzen wir dazu ganz sorgenfrei im Regen herum. Wahrscheinlich ist das jetzt wieder eine dieser Wunschvorstellungen, die Disney-Filme à la High School Musical in meinen Kopf gepflanzt haben, aber dieses Bild bekomme ich immer wieder bei dem Song.

    Dirty Dancing Feelings

    Etwas experimenteller wird es dann mit „Ordinary Magic“. Hier verlassen mich leider kurz meine fachlichen Kenntnisse über Instrumente, aber ich meine in diesem Song einen Mix aus Saxofon und Marimba, gemischt mit spacigen Sounds und Synths zu hören. Bitte berichtigt mich, falls ich mich irre. Aber ich feiere es auf jeden Fall sehr. Der Song hat dadurch seinen ganz eigenen Charakter, der wieder sehr unbeschwert und leicht daherkommt. Ich bekomme wieder ein sehr gutes Gefühl und habe generell seit Beginn des Albums so ziemlich alle Probleme der Außenwelt um mich herum vergessen.

    Genau da setzen auch die nächsten Songs wieder an. „All you gotta do is wait“ bildet den Cut, also den Abschluss der ersten EP, was ich mir nur durch den kurzen Übergang im Song selbst erklären kann, in dem John Moods in der Hälfte ein paar eindringliche Lines raushaut, die sich von der Musik abheben und von einer etwas rockiger daherkommenden Gitarre ummauert werden.

    Der Traum geht weiter

    Part zwei des Albums greift nochmal stärker die Auseinandersetzung mit den Dualitäten des Lebens auf. Vor allem „Meet Me In My Dreams“ bleibt im Kopf. Haben wir nicht alle schonmal das Konzept von Träumen in Frage gestellt? Also ich auf jeden Fall und nach diesem Song beginne ich damit auch immer wieder aufs Neue.

    „Trying to be stable but I’m changing day to day“

    So simple Gedanken, die oft nicht ausgesprochen werden, aber doch so wahr sind – danke, Jonathan, dass du sie für uns alle einmal in musikalischer Form festgehalten hast. Auch auf den letzten Songs des Albums komme ich aus dem nachdenklichen Träumen nicht mehr heraus und wundere mich eigentlich nur, warum die Musik auf einmal aufhört. „Sensitive One“ bildet da für mich den perfekten Abschluss – genauso sanft und mitfühlend wie ich es schon am Anfang bei „New Skin“ gelobt habe.

    Mein Fazit zu „So Sweet So Nice“ von John Moods: Ein Album, das eindeutig aus der Masse heraussticht. Die Sounds klingen wie frisch aus den 80er-Jahren und laden zum Träumen über die eigene Existenz und die Banalitäten des Lebens ein. Texte und Musik fließen so gekonnt ineinander über, dass es mir wirklich schwer fällt hier irgendetwas negatives zu schreiben – also lasse ich es. Tut euch selbst den Gefallen und hört das Album an!

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    Fotocredit: JJ Weihl & Andie Riekstina

  • Zimmer90 mit ihrer Single „Baby“ (Frühlingsgefühle inklusive)

    Zimmer90 mit ihrer Single „Baby“ (Frühlingsgefühle inklusive)

    Darf ich euch Zimmer90 vorstellen? Das sind Joscha, Michi und Finn aus Stuttgart. Für die einen oder anderen, die sich in der deutschen Indie-Musiklandschaft zuhause fühlen, sind sie vielleicht schon kein Geheimtipp mehr, aber die drei haben auf jeden fall noch mehr Aufmerksamkeit verdient. Mit ihrem Indie-Electropop, wie sie es selbst betiteln, reihen sich die Jungs perfekt zu Bands wie Rikas, Shelter Boy oder Cinemagraph ein. Nicht umsonst findet man genau diese Bands auf der Spotify-Seite von Zimmer90 unter „Was anderen Fans gefällt“.


    Ein bisschen Feelgood-Indie zum Mitnehmen, bitte
    Zimmer90_2_(c)@mariopixic

    Das Trio hat sich bereits einen kleinen Namen in der Stuttgarter Gegend erspielt. 2020 haben sie sich dazu entschieden, ihre Musik auch mit dem Rest der Welt zu teilen – zum Glück! Ihr Song „Baby“ ist seit einer Woche in meinem Kopf stecken geblieben, vor allem die melodischen Synthies und Joscha, wie er „Baby, tell me, why i need your love, why i need your loooove“ singt. Je öfter ich den Song höre, desto lieber mag ich ihn. Er klingt nach einer Cabriofahrt am ersten richtig warmen Tag im Frühling, nach „das ersten mal Eis essen“ im Jahr. Nach der Slowdance-Szene auf dem Abschlussball eines Coming of Age-Film, ein bisschen kitschig, aber so schön! Oder nach „im Park liegen, in den Himmel schauen und vor sich hinträumen“.


    Gibt es eine rosarote Brille für die Ohren?

    Beim Schreiben kommt mir die Frage, ob es eigentlich ein Pendant zur rosaroten Brille, bloß für die Ohren, gibt? Wenn ja, hab ich wahrscheinlich genau das!

    Auch wenn der Sound super leicht und verträumt klingt, ist der Text dann doch eine Spur nachdenklicher und zweifelnder. Es werden Fragen aufgeworfen, wieso man eigentlich genau die Liebe des Gegenüber braucht oder wieso man so sehr daran festhält. Aber im Endeffekt kommt die richtige Erkenntnis:


    „All we know, all we know:
    love is nothing we should hide“


    Mit der Aussage bin ich ganz bei den drei Jungs von Zimmer90. Gerade jetzt sollten wir, glaube ich, versuchen noch ein bisschen mehr unsere Liebe zu zeigen und die positiven Dinge irgendwie zu betonen, so gut es eben geht. So wie ich hier mit meinem kleinen Liebesbrief an diesen Song.

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    Fotos: Mario Simic

  • Goat Girl und ihr zweites Album „On All Fours“

    Endlich veröffentlicht die Londoner Band Goat Girl ihr heißersehntes Album „On All Fours“. Seit der Veröffentlichung der neuen Singles und der Ankündigung des Albums letztes Jahr war der Hype für mich jedenfalls perfekt.

    Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich das erste Mal mit der Musik von Goat Girl in Berührung kam. Es war einer dieser schmerzlich vermissten Nachmittage im Plattenladen im Jahre 2018. Je knapper das Geld wurde, desto genauer und länger hörte ich mir im Plattenladen auch die Alben an. Muss sich ja auch lohnen. Da kam es schon häufiger vor, dass drei oder vier Stunden ins Land zogen und meine Freunde einfach nur noch genervt und/oder schon mal vorgegangen waren. So muss es damals auch gewesen sein. Und das Debüt Album von Goat Girl zog ich ganz zum Schluss aus der Plattenkiste. Ich habe die Scheibe aufgelegt, die ersten anderthalb Minuten gehört und wahrscheinlich meine letzten 20€ des Monats meinem Plattendealer anvertraut.

    Heavy Bedroom Pop

    Nach shame mit ihrem grandiosen Album „Drunk Tank Pink“ ist Goat Girl jetzt die zweite aufstrebende Band aus South London, die dieses Jahr ein neues Album veröffentlicht. South London ist seit einigen Jahren schon die hippe Brutstätte von zukunftsorientierten und angenehm diversen Newcomer Bands, die alle irgendwie und irgendwann mal in der Kultlocation The Windmill, Brixton ihr Konzertdebüt gefeiert haben. Auch wenn der für South London typische Post-Punk-Sound auf dem neuen Album nicht mehr ganz so stark zu vernehmen ist, ist Goat Girl ein lebendiges und wichtiges Mitglied dieser Szene.

    Die verzerrten Gitarren und Pogoparts des ersten Albums hat die vierköpfige Band bei „On All Fours“ gegen analoge Syntheziser und raffinierte Chorarrangements eingetauscht. Spotify würde die Songs wahrscheinlich als „Chamber Psych“ kategorisieren, was tatsächlich irgendwie auch wirklich gut passt. „Heavy Bedroom Pop“ gefällt mir aber noch besser.

    Trotzdem ist Goat Girl keine Band, die es nötig hat in Genre Schubladen sortiert zu werden. Die vier selbstbewussten MusikerInnen zeigen auf „On All Fours“, dass sie sich längst ihr eigenes Genre geschaffen haben. Gleich das erste Stück „Pest from the West“ bezeugt den Wandel ihres Bandsounds, als nach einem ruhigen Gitarren Arrangement mit tollen, eingängigen Akkorden ein sogenannter „Arpeggiator“ das Klangbild aufmischt. Dieser rhythmische Syntheziser war zumindest im Debüt so noch nicht zu hören. Der Text des Openers handelt von gescheiterter bzw. fehlender Genderpolitik und die angestaute Wut darüber, die für die junge englische Generation steht, aber sicherlich in der ganzen Welt im Moment wie die Faust auf’s Auge passt.

    „Words remain in the suits of today,
    And I have no shame when i say step the fuck away
    I’ll be glad that when it’s the end,
    You’ll be caught and torn when there’s no law to fall in“

    Auch was für Nerds

    Nie zu konkret und mit einem gewissen ironischen Abstand scheint Goat Girl in ihrem neuen Album sowohl politische Themen, als auch persönliche Probleme wie z.B. Angststörungen zu verarbeiten. Generell zeichnet das Album eine gewisse melancholische Grundstimmung aus, die nicht zuletzt durch die warme und tiefe Stimme der Sängerin Lottie Cream zum Leben erweckt wird und irgendwie den Weltuntergang einläutet.

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    In einem anderen politischen Kontext steht der folgende Song „Badibab“, der die eigene Schuld an der zerstörerischen Kraft der Menschheit in Bezug auf den Klimawandel reflektiert. Die poppige Songstruktur passt auf absurde Art wirklich gut zu diesen düsteren Gedanken. Zum Ende hin gerät diese Struktur dann doch noch ins Wanken und formiert sich zu einem chaotischen Getöse. Eine gelungene Überleitung zum einzigen Instrumentalstück auf dem Album, „Jazz in the Supermarket“. Mit Jazz im eigentlichen Sinne hat dieser Song zwar vermeintlich nichts zu tun, er beweist aber eindrucksvoll, dass die vier MusikerInnen ein ausgeprägtes Gespür für ungewöhnliche Harmoniekonstruktionen haben. Das lässt sich auch in jedem weiteren Song auf „On All Fours“ erkennen und macht mich als Nerd sehr glücklich.

    Dass es ebenfalls rhythmisch gut zur Sache geht, zeigt uns „Never Stays The Same“. Das Album lief bei mir die letzte Woche wirklich auf Heavy Rotation und bei diesem Song hab ich meine verstaubten Tanzbeine jedes Mal zum zappeln bringen können, sogar im Auto (bitte nicht nachmachen). Die Angst vor Veränderung und die Angst vor der Stille stehen hier textlich im Vordergrund und schlagen damit ein weiteres thematisches Kapitel des Albums auf. Hier zeigt sich eine weitere Parallele zum neuen shame Album, das dort einen ähnlichen thematischen Strang verfolgt und damit auf den für junge Bands schwierigen plötzlichen Stillstand der Pandemie hinweist.

    Plot Twist

    In dieses Raster passt auch „P.T.S. Tea“, der die psychische Krankheit „PTBS“ diffus und etwas undurchsichtig zu behandeln scheint und konträr dazu mit lockerer Synth-Pop Atmo und einer Ohrwurmmelodie um die Ecke kommt.

    „PTSD from a hot cup of tea,
    Chug chug chug along on the ferry,
    Dumb man wouldn’t even look back at me“

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    Musikalisch etwas völlig neues wagen die vier MusikerInnen dann mit dem Song „Sad Cowboy“, der schon sehr früh vorab als Single erschien und mir persönlich richtig gut gefällt. Im Morricone-Western-Style galoppieren Gitarrenriff und Drumbeat durch meine Gehörgänge und reißen mich mit, obwohl ich überhaupt nicht auf Western stehe. Der Song wandelt sich durch zunehmende Präsenz von Synthezisern und Filterfahrten zu einem repetitiven Housetrack. Ein gelungener Plot Twist!
    Zugegeben, nach Erscheinen der Single hätte ich mir auch mehr solcher Experimente auf dem Album gewünscht und vorstellen können. In dieser Form bleibt der Song auf „On All Fours“ aber unter sich.

    Das rockigere „The Crack“ mit seinen psychedelischen Lyrics und dem surrealistischen Video spielt mutmaßlich auch wieder auf die egoistischen Verhaltensweisen unserer Gesellschaft an und zwingt zur Selbstreflektion – wenn auch für mich irgendwie nicht ganz so eindrucksvoll wie zuvor schon auf dem Album gehört. Deutlich interessanter wird es für meinen Geschmack mit dem Song „Closing In“. In diesem Song versprüht Goat Girl ihren vollen Charme. Das Songwriting und das Arrangement wirkt so luftig und leicht, regt zum Träumen an gehört für mich mit zu den besten Songs des Albums.

    Tranquilize it

    Ebenso der darauf folgende Song „Anxiety Feels“, der eine besonders gut ausgearbeitete Melodie und einen derbe lässigen Laid-Back Feel verbreitet, ist einer meiner Favs. Hier kommt das gekonnte Arrangement der Backingvocals gut zur Geltung, das sich ebenfalls auf dem ganzen Album als Alleinstellungsmerkmal von Goat Girl etabliert.

    „Please don’t leave me alone,
    Staring out the window
    I know I should get out the house,
    Make myself useful
    (Na na na na na na)“

    Das verträumte „Na Na Na“ ist der eigentliche Clue des Textes, der dadurch die unangenehmen Gedanken und Ängste zu übertönen versucht. Eingelullt in dieses weiche und irgendwie dumpfe Instrumental, bekomme ich wirklich das Gefühl, vollgedröhnt mit Tranquilizern in der hintersten Ecke meines Zimmers zu hocken. Da reiht sich auch passender Weise „They Bite On You“ mit ein. Träge und schwer schleppt sich der Song durch und Lottie Cream besingt Schlafprobleme und das angenagte Nervenkostüm.

    Vorbildfunktion

    Die Stücke „Egos“ und das darauffolgende „Where Do We Go From Here?“ lassen sich textlich als offensive Abwehr des Patriarchats und Anklage gegen die politischen Machthaber interpretieren, die schon auf dem Debüt Album eine prägende thematische Rolle gespielt haben. Hier knüpft das Album wieder an seinen Anfang an und beeindruckt mit sprachlicher Raffinesse.

    „So put them in the middle to start with,
    Push out all their egos they hide in,
    It’s funny where the mind goes without it,
    Now it’s a simple silence.“

    Mit „A Men“ zieht Goat Girl ihren Schlussstrich und beendet mit den Worten „Bless God, he tries“. Sie lassen uns ein wachrüttelndes Album zurück, das sehr genau beobachtet und viele Missstände aufdeckt. Auch wenn viele der Themen absolut keine Neuigkeiten mehr sind und sicherlich einigen Menschen zum Halse raushängen, ist es umso wichtiger, sie immer und immer wieder anzusprechen. Gerade Songs mit feministischer und diverser Haltung machen Goat Girl zu einem absoluten Vorbild für eine hoffentlich wachsende neue Generation von weiblichen und transsexuellen MusikerInnen.

    Fazit

    „On All Fours“ lässt uns auf allen Vieren die Scherben unserer Taten und die der Generationen vor uns aufsammeln. Ein insgesamt wirklich eingängiges Album, das jeder Zeit zu überraschen weiß und mit jedem Hören besser wird.

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    Fotocredit: Holly Whitaker

  • Heartbreak-Indie Pop: „Colorblind“ von Beach Bunny

    Heartbreak-Indie Pop: „Colorblind“ von Beach Bunny

    Okay, stellt euch folgende Filmszene á la OC California vor: Ihr seid gerade so um die 18 Jahre alt, es ist eine warme Sommernacht und ihr seid mit euren Freunden unterwegs. Ihr fahrt alle zusammen im Auto durch die Gegend, hört laut Musik und singt aus vollem Hals mit. Die Lichter der Stadt verschwimmen irgendwie ineinander, bis ihr an eurem Ziel ankommt: ein kleiner Club. Dort sind noch mehr Leute, die ihr kennt. Ihr hört im Hintergrund schon die Band spielen. Und als ihr reinkommt, tanzen alle zur Musik und singen mit, und auf der Bühne steht die Band Beach Bunny und sie spielt ihre poppigen Indie-Heartbreak-Baladen.  

    Coming Of Age mit Beach Bunny

    Also meiner Meinung nach macht Beach Bunny den perfekten Soundtrack für jegliche Art von Coming-of-Age Filmen oder Teenieserien. Bestes Beispiel dafür ist der Hit Prom Queen, der auf der gleichnamigen EP 2018 erschienen ist. Nicht nur weil der Song auf TikTok viral ging hat sich die Band eine beachtliche Hörerschaft erspielt, sondern vor allem, weil die meisten ihrer Lieder und Melodien energiegeladen sind, aber gleichzeitig genau die Themen besingen, die vor allem weibliche Teenager und junge Erwachsene umtreibt. Dass hier sehr persönliche Erfahrungen der Frontfrau der Band aufgegriffen werden, ist nicht von der Hand zu weißen. Und doch beschreibt sie in ihren Liedern viele Szenarien so ehrlich, dass man sich sicherlich mit mindestens einem identifizieren kann. Zum Beispiel bei dem eben erwähntem Song Prom Queen, in dem sie mit Schönheitsidealen abrechnet. Oder in dem zweiten Song dieser EP Painkiller, in dem sie eine schwierige Beziehung auf ihre Art verarbeitet.

    Lili Trifilio, die Frontfrau von Beach Bunny, hat – wie heutzutage viele Karrieren beginnen – angefangen, in ihrem Zimmer Lieder selbst aufzunehmen und bei Bandcamp hochzuladen. Um in ihrer Heimatstadt Chicago an einem Battle of the Bands-Wettbewerb teilnehmen zu können, holt sie sich kurzerhand Unterstützung in Form ihrer Bandkollegen dazu. Nachdem sie dann eine Weile zu dritt unterwegs waren, stieß noch der Bassist der Band hinzu und macht somit das musikalische Projekt komplett.

    Poppige Herzschmerzhymnen

    Das Debüt Album Honeymoon erschien an Valentinstag, den 14. Februar 2020 – wie passend. Auch hier finden sich poppige Herzschmerzhymnen, darunter auch mein Favorit der Platte: der Song Colorblind. Die bildhafte Sprache, die Lili Trifilio verwendet, find ich in diesem Song besonders schön. Gleich zu beginnt wird gesungen:

    Feel like technicolor TV screens / Only say you see black and white / More to me than a daydream, you’re my color scheme / You’re a whole spectrum of light“.

    In dem Song geht es um eine On-Off Beziehung, in der sich der Partner immer wieder entschuldigt, aber sich nichts ändert. Bis man an einem Punkt angekommen ist, wo man es nicht mehr ertragen kann:

    Every moment I fall to pieces / Every moment I fall apart“.

    Letztlich sollte man auch wissen, wann es genug ist und akzeptieren, dass es keinen Sinn hat, so mit sich umgehen zu lassen. Im Gegensatz zu dem eigentlich traurigen Text des Songs, klingt die Musik viel positiver und energiegeladener. Ich meine, dass man einen traurigen Text mit einer eher fröhlichen Melodie kombiniert ist nichts neues, aber das stört ja eigentlich auch niemanden. Weil, wenn wir ehrlich sind, will man doch spätestens ab dem Chorus nur noch laut mitsingen und mitspringen (vorzugsweise auf einem Konzert der Band mitten im Getümmel).   

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    Empowering ist das neue Motto

    In einem Interview mit der amerikanischen Rolling Stone erzählte Lili Trifilio, dass das Material auf Honeymoon hauptsächlich im Jahr 2018 geschrieben und 2019 aufgenommen wurde. In diesen zwei Jahren ist die Anfang Zwanzigjährige durch viele Veränderungen in ihrem Leben gegangen, inklusive einer Trennung, was sich auf dem Album auch wiederfinden lässt. “At the time, I didn’t really know my worth and had lower self-esteem, so a lot of the Honeymoon songs are sort of dramatic, sad ballads. Now I’m trying to write more empowering songs — maybe talking about the same things, but I have a more healthy mindset.” *

    Das klingt doch wunderbar oder? Einen ersten Vorgeschmack auf die kommende EP Blame Game, die am 12. Januar 2021 erscheinen wird, gibt es bereits mit dem Song Good Girls (Don’t Get Used).

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    * Hier nachzulesen

    Fotocredit: Alexa Viscius