Es gibt immer wieder Albumreleases, die nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdienen. Nichts anderes als eine kleine Sensation ist das im Juni erschienene Album „WEICH“ des Wahlberliner Musikers Peat. Besser spät als nie, möchte ich euch jetzt davon berichten und dem Jahresrückblick ein Highlight aus 2023 vorziehen. Aber das ist noch nicht alles: Peat hat letzte Woche schon wieder eine neue Single veröffentlicht. Diese trägt den Titel „Der September ist noch nicht vorbei“. Außerdem geht er nächste Woche auf Tour.
Mitte Juni sitze ich im ICE nach Hamburg. Also – ich sitze, aber nicht auf einem Platz, sondern auf der Stufenkante der Schiebetür. Aus der Zugtoilette hustet es. Die Tür geht auf, ein Schwall kalter Rauch zieht in den Gang. Ein Kind schreit und tröstet sich mit einem braun gewordenen Apfelschnitz, der mutmaßliche Vater findet Trost in einem kräftigen Schluck aus seiner Bierflasche. So weit, so scheiße, scrolle ich durch meine Playlists – nichts. Nichts, was mich hier rausholen kann.
Dann finde ich Peat und sein vor ein paar Stunden releastes Album „WEICH“, ein purer Zufall. Es wird das erste von vielen Malen sein, dass ich beim Song „IRGENDWANN WIRD ALLES“ Play drücke und „AM ENDE“ noch so vieles nicht verstanden habe. Es sind vor allem die Texte, die mühelos die gesamte Aufmerksamkeit ihres Publikums aufsaugen. Sie sind so schonungslos und ehrlich, dass Weghören manchmal die gesündere Option für den Seelenfrieden zu sein scheint. Erwachsene Vernunft hat hier aber keine Chance. „WEICH“ ist das Chaos jugendlicher Gefühle, das Chaos des Internets der 2000er und die säuerliche Essenz dessen, was daran und darin damals unheimlich sein konnte.
Songs wie „MR. RATTENSAU“ oder „DER SCHRECKEN“ lassen uns die Coming-Of-Age-Episode des Lebens einerseits körperlich nachempfinden – bei den wirklich verstörenden Schilderungen andererseits nur als schockierte Gaffer zurück. Dabei ist auch auf „WEICH“ nicht alles apokalyptisch und dem Tode geweiht. Das Album hat nicht selten hoffnungsvolle Momente, wie im sehnsüchtigen Warten des Songs „ZURÜCK“ oder im letzten Stück „AM ENDE“ mit erfreulichen Aussichten: „Alles wird gut, solang‘ ich bei dir bin.“
Die Produktion der Platte ist außerdem bemerkenswert gut. Peat macht alles selbst. Sie ist vielschichtig, komplex und überrascht in nahezu jedem Track mit unerwarteten Wendungen. Akustische Drums und Balkan-Beats. Gitarrensoli und tiefe, sägende Synthesizer. Klavierballaden, ab und zu eine kleine Überdosis Autotune und über allem schwebt irgendwie „Where Is My Mind“ von den Pixies. Am Ende dieses Albums eine wirklich gute Frage.
Auf die WEICHe Tour
In der neu erschienenen Single „Der September ist noch nicht vorbei“, dass uns bei früherem Release vielleicht einige Green Day-Alben erspart hätte ;), resümiert Peat: „Ich hab‘ mich echt so gut ich kann abgemüht, doch bis hierhin war das Ganze ja nicht so gut.“ Naja, so bescheiden muss er nun wirklich nicht sein. „Der Oktober bringt mir nur Skelette“ könnte hingegen stimmen, wenn er sein Publikum auf den Oktober-Tourdates ordentlich grillt. Ich mache mich jedenfalls auf alles gefasst.
Zum Schluss möchte ich allen von Herzen empfehlen, diese Shows in Deutschland und Österreich zu besuchen. Da steckt viel Arbeit drin, die honoriert werden will.
Erwischen könnt ihr Peat und seine Crew hier:
17.10. Köln – MTC (mit Taby Pilgrim und Thizzy) 22.10. Hamburg – Häkken (mit Juno 030) 29.10. Wien – B72 (mit Taby Pilgrim) 02.11. Berlin – Schokoladen (mit PSASSA)
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Freunde der Nacht, heute gibt es eine kleine Empfehlung für Zwischendurch. Kürzlich berichteten wir auf untoldency bereits über die neue EP „Es geht wieder schief“ des Duos Es brennt.
Hellauf begeistert können wir nun verkünden: Es geht diesmal nicht schief, denn Es brennt spielt endlich live – und zwar gleich fünf Mal am Stück! Als Support der Leipziger Band Humans As Ornaments sind Sören und Magnus alias Es brennt Ende Oktober vorwiegend in Ost- und Mitteldeutschland unterwegs. Und Leser*innen unserer Review zur EP wissen schon, dass das live einfach anderes Level ist. Dafür lohnt sich die Anreise, egal wo ihr wohnt, ganz fest versprochen.
Wer an diesen Daten also noch nichts vorhat, sollte sich auf den Weg machen, um die Live-Qualitäten dieser Bands hinterher selbst bezeugen zu können. Und wer schon was anderes geplant hat, sagt das am besten einfach ab. Denn auch die Tourgastgeber von Humans As Ornaments überzeugen mit ihrem Post-Pop-Hardcore auf ganzer Linie. Das wird laut und heiß und euch am Morgen danach einen schönen Muskelkater bescheren, wenn ihr alles richtig gemacht habt. Also hin da!
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Der September ist rum, der Herbst steht quasi vor der Tür und somit ist auch das diesjährige Reeperbahn Festival wieder vorüber. Auch in diesem Jahr war unser Team auf Europas größtem Musikclub-Festival in Hamburg zu Gast. Unsere Redakteur*innen Anna, Johanna, Leif, Sarah und Julia haben ihre Highlights und den ein oder anderen Geheimtipp für euch zusammengefasst.
Seit 2006 findet im Hamburger Stadtteil St. Pauli das Reeperbahn Festival statt. An vier Tagen wird die Reeperbahn zum Zentrum für den Austausch zwischen Publikum, internationalen Künstler*innen und Musikschaffenden. Ein Ort, an dem man viel neue Musik entdecken kann. So manche Newcomer*innen haben vor ihrem Durchbruch auf dem Reeperbahn Festival gespielt — um mal ein paar zu nennen: Ed Sheeran, Nina Chuba, Bon Iver, Kraftklub, Lewis Capaldi, AnnenMayKantereit oder Sigrid. Neben zahlreichen Konzerten werden auch Workshops und Vorträge angeboten sowie ein Konferenzprogramm für Musikschaffende. Thematisch dreht sich alles um unsere Popkultur. Dabei stehen vor allem aktuelle Entwicklungen der Gesellschaft und globalen Musikwirtschaft im Fokus.
Das Programm im Festival Village oder auf dem Spielbudenplatz ist für alle frei zugänglich und bietet somit auch Musik und Kultur für all diejenigen an, die kein Festivalticket haben.
Schon als die ersten Töne zu „Overkill“ angestimmt waren, war’s um mich geschehen. Keine Ahnung, wie Holly Humberstone es macht, aber sie bringt mich einfach immer zum Weinen. Keine Sorge, das sind Freudentränen. Ihre Songs tragen eine Emotionalität in sich, die sich live noch tausend Mal intensiver anfühlt.
Die 23-jährige Britin hat am Samstagabend, dem letzten Festival-Tag, in der Großen Freiheit gespielt. Es ist der Tag, an dem viele bereits abreisen, trotzdem war die Location voll mit Fans. Und das Bleiben wurde belohnt. Trotz der im Vergleich eher großen Bühne, wirkte das Konzert sehr intim. Aber vor allem hat man gemerkt, wie viel Spaß Holly auf der Bühne hat — und das hat das Publikum angesteckt.
Bruckner in der Elbphilharmonie
Die außergewöhnlichste Location auf dem Reeperbahn Festival ist wohl unangefochten die Elbphilharmonie. Nur vier Bands haben die Ehre, dort spielen zu dürfen. Ich war bei dem Konzert von Bruckner am Freitagabend und muss gestehen: Ich war vorab sehr kritisch, was das Konzert angeht. Eine Deutsch-Pop-Band in der großen Elbphilharmonie, in der sonst Opern und Streich-Konzerte stattfinden? Aber ich wurde (zum Glück) vom Gegenteil überzeugt.
Das kleine Setup von Jakob und Matti wirkte etwas verloren in dem großen Saal. Schnell füllten die Beiden allerdings den Raum mit ihren Stimmen und zogen alle mit sich — selbst die Eltern der beiden waren extra angereist, um mitzuerleben, wie ihre Söhne in dem großen Konzertsaal spielen. „Mama, Papa, wo sitzt ihr?“, fragte Jakob nach den ersten beiden Songs und ein stolzes Elternpaar steht auf und winkt überglücklich aus dem Publikum zu.
Als besonderes Goodie gab es sogar einige Songs in abgeänderter Version mit Streicher-Arrangement und Special Guests on top: Paula Carolina und Dominik Hartz. Spätestens als die beiden auf die Bühne kamen stand wohl auch der letzte Gast. Denn die Sitzplätze im großen Saal hielten bei Songs wie „Moment“ oder „Wer wir sind“ nicht vom Tanzen ab.
Bruckner-Fans kennen von Konzerten den Moment, in dem die beiden in mitten des Publikums „Für immer hier“ akustisch spielen. Ohne Mikrofon, ohne Verstärker. Diese Atmosphäre haben die beiden versucht, auf der kleinen Bühne im großen Saal nachzuempfinden — mit einem kleinen Mikro, um das sich die Band im Halbkreis tummelte. Alles andere war ausgeschaltet. Dank der Akustik der Elbphilharmonie entstand ein echter Gänsehaut-Moment und ein ganz neues Gefühl einer Akustik-Session.
Wie jedes Jahr fällt mir die Entscheidung schwer, wenn ich gefragt werde, welche Acts mir am besten gefallen haben. Dennoch hat mich die Show von Singer- und Songwriterin Sophie May aus London im Imperial Theater am meisten verzaubert. Dazu hat sicherlich auch die schöne Location beigetragen. Bereits im Vorhinein habe ich mich sehr auf die Band Mar Malade gefreut, die im Knust wie zu erwarten einen Hammergig hingelegt haben. Weiche Knie gab es zum Ende des Festivals beim kleinen aber feinen Auftritt von Holly Humberstone auf dem N-Joy Reeperbus (big Fangirl-Moment an dieser Stelle). Hier noch ein paar Künstler*innen, die ich für mich neu entdeckt habe und weiterempfehlen möchte: Soft Loft, Blush Always, Girl Scout und Temples.
Sarah’s Highlights
BIBIZA im CHIKAGO
Während ich um am Donnerstag um 19:30 Uhr bei DAMONA stand, waren alle meine Freund*innen zur gleichen Zeit im Gruenspan bei BIBIZA – und obwohl ich eine super Zeit hatte, nagte auch etwas an mir. Doch ich wollte auf mein Glück hoffen, und versuchen, sein späteres Set an dem Abend zu erwischen. Meine Friends kamen vom Gruenspan mit gemischten Gefühlen zurück: Die Stimmung war ganz vorne zwar gut, aber es war eben doch eine “Industry Show”. Da sind sich die Leute einfach zu cool, um mit zu wippen.
Bei den IMJA wurden nationale und internationale Musikjournalist*innen ausgezeichnet.
Aber da winzige Clubshows sowieso schon immer meine präferierte Art von Gigs sind, habe ich auf das Set im Chikago um 23:10 Uhr gesetzt. Ich war also sicherheitshalber überüberpünktlich (45 min. vor Beginn) an der Bar. Da konnte ich sogar gleich noch den Soundcheck sehen! Das Chikago wurde immer und immer voller, und es wurde heiß und stickig. Kaum ging die Show dann los, war die Energie auch schon bei 2000 %. Hier waren wirklich nur die Leute die RICHTIG Bock hatten. Wie zum Beispiel ich.
Weil die meisten Shows, die ich an dem Tag gesehen hatte, nur ca. 30 min. lang waren, hatte ich hier auch nicht mehr erwartet. Stattdessen wurde hier 50 min. durchgepowert!
Alle Hits, bis der Schweiß von der Decke tropft. Wiener Schickeria vom Feinsten. „Es ist so schön mit dir, zu schön, um wahr zu sein“, aber wirklich!
DOTTIE ANDERSSON in der Prinzenbar
Als ich nach den International Music Journalism Awards (IMJA) um 19:30 Uhr um die Ecke der Prinzenbar lief, standen dort schon ca. 15 Leute in einer Schlange. Und die wurde nur noch länger und noch länger. Die schwedische Sängerin war heiß heiß begehrt beim Reeperbahn Publikum. Und das absolut zurecht!
In der schönsten Location von allen (mit einer tollen Lichtershow) performte Dottie ihre an dem Tag frisch releaste EP “Drinking Gasoline” und noch mehr. Auch ein Song auf ihrer Muttersprache war dabei. Und ganz lässig spielte sie bei zwei Songs nebenbei noch am Schlagzeug. Und obwohl man ihr die Nervosität etwas anmerkte, war die Performance 10/10, und wurde eins meiner absoluten Highlights! Für nächstes Jahr solltet ihr also alle Dottie Andersson auf eure Artists to Watch Liste packen. Da kommt noch was ganz Großes, versprochen.
Als Bow Anfang September ankündigte, dass sie auf dem Reeperbahn-Festival spielt, wusste ich: Egal was parallel an Programm ist, ich auf jeden Fall dieses Konzert sehen werde. Denn seitdem die schottische Sängerin 2020 ihre erste Single veröffentlicht hat, freue ich mich über jeden Release von ihr. Also höchste Zeit, sie auch mal live zu sehen. Und das kann ich allen anderen auch nur empfehlen!
Bow ist dafür gemacht, auf der Bühne zu stehen – die authentische Show im Mojo Club hat das einmal mehr betont. Abgesehen von einem kurzen Texthänger, der sie noch sympathischer hat wirken lassen, war die Show einwandfrei. Bow vermittelte mit ihren Songs ein Gefühl der Geborgenheit und Selbstliebe. Und genau mit diesem Gefühl ging das Reeperbahn Festival für mich 2023 dann auch zu Ende.
TJARK in der Prinzenbar
Ein weiteres Highlight für mich waren Tjark. Vor allem in Kombination mit der Prinzenbar. Ich hatte oben auf dem Balkon einen Platz gefunden und konnte so die ganze Location gut überblicken. Das ganze Set über wurde getanzt, mitgesungen, gefeiert.
Kurz vor dem Reeperbahn Festival hatte der Sänger seine erste eigene Tour angekündigt. Ich hatte das Gefühl, dieser Auftritt war der perfekte Moment, die Vorfreude darauf bei allen zu steigern und einzufangen. Denn am Ende wurden noch Rufe nach einer Zugabe laut und Tjark wirkte vollkommen überwältigt von dem ganzen Zuspruch und der Begeisterung, die das Publikum für ihn und seine Musik aufgebracht haben.
Anfang des Jahres wurde der deutsche Sänger mit seiner Single “schon okay” erfolgreich und war im Sommer mit LEA auf Tour. Da kommt noch ganz viel Tolles auf uns zu!
HELGA! Award
Außerdem wurde auch dieses Jahr wieder der Helga! Festival Award verliehen. Dieser wird seit 2013 im Rahmen des Reeperbahn Festivals vergeben und zeichnet die besten nationalen Festivals des Jahres aus. Partner*innen der diesjährigen Verleihung waren erneut das HÖME Magazin und die LiveKomm.
Kategorien waren dieses Jahr “Feinstes Booking” (Gewinner: Nürnberg Pop Festival), “Grünste Wiese” (Gewinner: NØRDEN – The Nordic Arts Festival), “Höchster Hürdensprung” (Gewinner: Die andere Seite der Welt), “Reichhaltigste Reichweite” (Gewinner: Pferdefestival) sowie “Gemischteste Tüte” (Gewinner: Umsonst & Draußen Festival Würzburg). Was schnell klar wurde, unabhängig davon, wer den Preis letztendlich erhielt: in allen Festivals steckte unfassbare Liebe zur Veranstaltung und zur Arbeit. Sogar soviel, dass es zwischendurch kurz kitschig (aber schön kitschig!) wurde. Während der Bewerbungsphase konnten neben Nominierungen auch Liebesbriefe eingeschickt werden. Liebesbriefe an die Crew, an das Feeling, an die Festival Family. Als das Ab geht die Lutzi! Festival dann einen an die Crew adressierten Liebesbrief vorlas, wurde es schon sehr sentimental. Fazit: Wir sollten alle öfter Liebesbriefe schreiben!
Wer schon ein Mal beim Reeperbahn Festival zu Besuch war, der/die weiß vermutlich, dass man trotz akribischer Planung, lupenreinem Schlachtplan und enormer Motivation nur ein Bruchteil von dem sehen und hören wird, was man sich vorgenommen hat. So war es auch bei mir. Und wenn die Liste der Acts, die man verpasst hat länger ist, als die Liste der Gigs, die man tatsächlich erlebt hat, weiß man diese Konzerte noch viel mehr zu schätzen.
Temples im Mojo Club
Auch, wenn der Tag schon lang schien, war der Auftritt der Temples für mich obligatorisch. Eigentlich war es der Slot „Freitag, 22. September, 19:30-20:40 Uhr“, der meinen Zeitplan für das gesamte Festival überhaupt zusammengehalten hat. Ganz egal, wen ich vorher gesehen habe und nachher sehen würde (und wen eben nicht), kein Weg ging am Mojo Club und den Temples vorbei.
Die Location, muss man sagen, besticht schon dadurch, dass sie unterirdisch liegt und mir das Gefühl gab, in die Katakomben der Reeperbahn einzutreten. Außerdem hatte der bis oben hin zugestapelte Club zusätzlich Ränge, von denen die Band sogar von oben (!) zu sehen war. Was für eine Aussicht.
Aber die Musik war noch besser. Der handgemachte Neo-Psychedelia Sound der vier britischen Musiker brachte jede*n Zuhörer*in in Ekstase. Nein wirklich, sämtliche Energie, die von der Bühne kam – und das war eine Menge – wurde unmittelbar vom ausgelassen tanzenden Publikum zurückgestrahlt. Für alle, die auf waschechte Musik, viel Gitarre und klassisches Rockkonzert-Feeling stehen, sind Temples schon längst kein Geheimtipp mehr.
Korea Spotlight Showcase auf der Spielbude XL
Auch dieses Jahr wurde das Korea Spotlight Showcase, welches von popup-records betreut wurde, für mich eine Überraschung der positiven Art. Denn, wenn ich ehrlich bin, denke ich immer im Vorhinein, dass ich mit Musik aus Korea nicht viel anfangen kann. Zurecht scheint da die Frage: Warum denn nicht? Und darauf weiß ich keine Antwort. Vor allem die Acts auf dem Showcase haben mir gezeigt, dass meine Annahme über mich selbst komplett falsch ist.
Wie schon in der Einleitung beschrieben, ist der Spielbudenplatz, auf dem sich die Bühne der Spielbude XL wiederfindet, auch für Menschen ohne Ticket zugänglich war. Dementsprechend gefüllt war der eigentlich freie Platz vor der Bühne. Mein persönlicher Favorit aus dem gesamten Showcase-Lineup war die Band cobota. Sie haben mich mit ihren klaren Gitarrenklängen, hypnotisierenden Bassläufen und prägnanten Drums überzeugt. Ganz klar kommt bei mir da der Fan von analoger Musik wieder zum Vorschein. Bei dem Stichwort muss ich in meinem vorletzten Satz als Tipp die Band Dirty Sound Magnet erwähnen. Reinhören, lohnt sich.
Kennt ihr das Roskilde Festival? Wir haben bisher immer nur mal wieder den Namen aufgeschnappt und die großen Headliner, die dort spielen, aber nie so richtig, was genau dahintersteckt. Dieses Jahr hatten wir dann die Ehre von den lieben Menschen von Factory92 eingeladen worden zu sein. Das hieß: vier Tage vollstes Festival-Feeling in Dänemark! Und weil wir nicht nur vom Line-Up wahnsinnig beeindruckt waren, sondern auch von der liebevollen und nachhaltigen Art, wie das Non-Profit (!) Festival sein gesamtes Konzept gestaltet, wollen wir euch hier einen Einblick in alles geben:
Willkommen in der fünft-größten Stadt Dänemarks
In der Vorstellung des Festivals haben wir euch schon mal einen detaillierten ersten Eindruck gegeben. Vor allem was die verschiedenen Säulen der Nachhaltigkeit betrifft passiert einiges in Roskilde (hier könnt ihr es nochmal nachlesen). Was sich für uns damals noch ein wenig abstrakt angehört hat, haben wir Ende Juni dann persönlich vor Ort gesehen. Wir können sagen: in Roskilde werden große und wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht!
Dabei ist (nahezu) nachhaltige Festivals zu veranstalten gar nicht mal so ein leichtes Unterfangen. Es ist noch schwieriger wenn das Festival nicht 1000 lieben und umsichtigen Menschen Platz bietet, sondern 100000. Das sind ganze zwei Nullen mehr. 100.000 Menschen wollen campen, wollen feiern, tanzen, trinken, und ihre freien Tage weg vom Alltag genießen. Es kommen tatsächlich so viele Menschen zusammen, dass Roskilde in der Woche die fünftgrößte Stadt Dänemarks wird. Lasst das mal kurz sacken und versucht euch vorzustellen, was das heißt. Als wir am Mittwochnachmittag bei der offiziellen Eröffnung dabei sein durften, haben wir gesehen, wie viele Menschen das dann wirklich sind. Wirklich viele! Nach nur einer Stunde war das Festivalgelände mit Müll bedeckt. Auch wenn durch Müllsammler*innen die Verschmutzung ein wenig eingegrenzt wurde, war es ein Problem, das in der Masse sehr schwer in den Griff zu bekommen ist. Wie das leider so ist in einer überfüllten (Festival-)Stadt…
Einlass beim Roskilde Festival 2023
Next stop: UTOPIA
Bevor wir in den musikalischen Teil einsteigen, ein paar Worte zur Struktur und Philosophie des Roskilde Festivals. Workshops, Lesungen, Kunstinstallationen und andere nicht-musikalische Beiträge bilden einen großen Teil des mehrtätigen Festivals. An den sogenannten „First Days“ spielen Newcomer*innen aus der skandinavischen Musikszene auf den kleineren Bühnen Gaia und Eos und die ersten Lesungen und Workshops finden statt. Der Fokus ist weg von Headlinern und ganz klar auf dem Nachwuchs. Und das nicht dieses Jahr nicht nur auf der musikalischen Ebene:
Das Festival wählt jedes Jahr ein spezifisches Thema, unter das es sich jährlich inhaltlich ausrichtet. 2023 lautete das Thema „Utopia“. Es ging darum, den Blick der zweiten Festival-Edition post-Corona auf die Zukunft zu richten. Genauer, auf die Hoffnung, die in der Zukunft liegt. Was für unsere jetztige Generation gar nicht so einfach ist oder? Mit Anfang/Mitte 20 sind wir durch zwei Jahre Lockdown und Pandemie in einer Phase, die zentral in unserer sozialen Entwicklung ist. Wir leben in Zeiten, in denen die Klimadebatte akut ist wie nie und Kriege das Gefühl von Frieden und Sicherheit, mit dem wir aufgewachsen sind, zum Einbrechen bringen. Das sind nicht unbedingt rosige Zeiten, in die wir blicken.
Umso wichtiger ist es, dass sich nicht nur junge Leute selbst, sondern auch die Generationen darüber die Frage stellen: was können wir dagegen tun? Wie können wir dem entgegensteuern und wie können wir selbst einen positiven Beitrag schaffen, um die Zukunft besser zu gestalten? Das sind die Fragen, die sich auch das Roskilde Festival stellt.
Sie wollen die jungen Leute in dieser Hoffnung bestärken und zeigen: so könnte es aussehen, wenn wir alle an den gleichen Hebeln ziehen! Die 30.000 Freiwilligen, die das Roskilde Festival ehrenamtlich über die Bühne bringen, sind ja nicht nur während der Festivaltage da. Sie bauen das gesamte Gelände über mehrere Wochen und Monate auf, sie kuratieren das Bühnenprogramm, sie bauen Camps und Rückzugsorte, sie bringen sich aktiv mit neuen Ideen ein. So gibt es zum Beispiel einen „Community Camping“-Bereich, bei dem sich Gruppen mit einem Konzept bewerben können, wie sie sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen können. So sind beispielsweise Pfandsammlungs-Kollektive entstanden, die die Pfanderlöse an einen guten Zweck spenden. Auch Kunstinstallationen und verschiedenen Workshops finden ihren Platz im Festivalprogramm und auf dem gesamten Gelände.
Was alles möglich ist: Frauen und POC auf Festivalbühnen!
… ihr merkt, man kann hier sehr schnell sehr tief in die Strukturen des Festivals abtauchen. Täglich ploppte der Gedanke bei uns auf „Ach, wenn sich dadurch doch nur ein paar der deutschen Festivals in Deutschland inspirieren lassen würden…“. Man könnte so viel mehr umsetzen! An Inhalten, an politischen Diskursen, an musikalischer Breite. Es ist so viel mehr möglich, als Marteria auf dem Headliner-Slot zu halten. Oder sich angegriffen zu fühlen, wenn die erschreckend (!) niedrige Frauenquote auf der Bühne kritisch thematisiert wird. Stattdessen könnte man Rosaliá oder 070Shake oder Biig Piig oder Japanese Breakfast oder Greentea Peng oder Sudan Archives oder Louis and the Yakuza oderoderoder buchen und Tausende begeistern lassen. Und das sind alles nur bekannte internationale Acts, die wir aus dem diesjährigen Roskilde Line Up gezogen haben! Dass wir in unserer deutschsprachigen Indie/Pop-Bubble so viel mehr Künstlerinnen haben, die das auch können, ist hoffentlich allen von uns klar.
Wer an dem Booking-Prozess hinter dem Roskilde Festival interessiert ist: wir hatten die Freude, zu einem Presse Q&A geladen worden zu sein, bei dem uns Head of Music Booking Thomas Jepsen genauere Einblicke in die Arbeitsweise gibt. So ist das Hauptziel des Festivals to „embrace the next big thing“. Also das bewusst nach außen Schauen, was eigentlich hinter den Ländergrenzen so passiert. Da geht der Blick natürlich viel zu den Staaten und nach England, Länder, die auch unsere internationale Musikszene sehr formen. Aber halt auch noch weiter! Wir haben so viele Künstlerinnen aus verschiedenen Ländern Afrikas oder Südamerikas gesehen, dass wir nicht umhin konnten uns zu fragen: wo sind die ganzen POC auf den deutschen Festivals? Hat sie jemand gesehen? Will sie jemand absichtlich nicht auf die Bühne lassen?
Und viel wichtiger: wieso wird so vehement an diesem sehr mit rassistischen Strukturen unterwanderten „Status Quo“ festgehalten und kein Vertrauen ins Publikum gesetzt? Wenn wir eins gemerkt haben auf dem Roskilde ist es nämlich: die Leute haben Bock. Sie haben Bock, Neues zu entdecken. Sie haben Bock, sich von Energien mitreißen zu lassen und ihre persönlichen Sommerhighlights auf dem Roskilde zu finden. Auch wenn viele der (vor allem kleineren) Bands den meisten im Publikum unbekannt waren, so waren es immer energiereiche Konzerte, mit einer Atmosphäre, die darauf schließen ließ, dass sich hier viele aufs erste Hören verliebt haben.
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Hier dürfen sich Festivalveranstalter*innen gerne Input holen:
Kurz wieder abgedriftet, zurück zum Booking. Es wurden 2022 sechs neue und junge Menschen eingestellt, die das Booking-Team von insgesamt 14 Booker*innen abrunden. 10 von diesen 14 Personen sind weiblich. … Ja, da lassen wir bewusst kurz eine Pause. Merkt ihr, wie schön sich dieser Satz liest? 10 von 14, das sind fast 75%. Noch nie waren wir auf einem so großen Festival, das uns aus Booking-Sicht so überzeugt hat, wie dieses hier. Program Director Anders Wahrén sagt:
„Our programming must be in constant development, so that Roskilde Festival stays relevant and keeps up with time. Therefore, it is necessary to move around the roles occasionally. I can support the work better when I can also relate to our surrounding world and the festival landscape in general.”
… Weshalb Scouting einer der wichigsten Booking-Prozesse hinter jeder Edition ist! 14 Menschen mit unterschiedlichen Perspektive, die sich das ganze Jahr über mit Musik aus der ganzen Welt auseinandersetzen, schauen, was für Trends gerade im Kommen sind, aber auch welche versteckten Newcomer*innen den Step auf Dänemarks größte Bühnen machen sollten. Und für Musiknerds wie uns, die die ganze Zeit nach genau solchen Acts suchen, ist das natürlich ein wahres Fest! Deshalb hier, direkt von uns an euch, einmal eine Liste an konkreten Empfehlungen, direkt von uns live ausgecheckt und validiert:
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Und damit schließen wir unseren (sehr späten aber dafür sehr langen!) Nachbericht des Roskilde Festivals 2023 ab. Es ist kein perfektes Festival und spiegelt wie jedes Festival nur das Verhalten der Gäste, welche auf eine Art auch nur das Verhalten der Gesellschaft spiegeln. Es ist aber auch ein Festival, was etliche Bemühungen mehr stellt, wertvollen Input zu diesem Verhalten zu liefern. Der Rahmen, in dem das möglich war, ist zwar nicht ganz ausgereizt, aber ganz ehrlich – ein Blick auf’s Line Up und an die Konzerterinnerungen reicht uns, dass wir damit erstmal zufrieden sind. So einen Vorsprung darf man auch einfach kurz mal genießen. Und 2024 dann ausbauen?
Der September in Berlin bedeutet vieles, doch er bedeutet vor allem eins: Es ist wieder Zeit fürs Lollapalooza. Strahlender Sonnenschein begleitete die über 60.000 begeisterten Festivalbesucher*innen, die sich auf Auftritte von Imagine Dragons, Macklemore, Mumford & Sons, David Guetta, Ava Max und vielen anderen freuten.
Lollapalooza Berlin: Nicht nur für Musikliebhaber*innen
Auch dieses Jahr überzeugte das Festival, das ursprünglich aus Chicago stammt und zum 7. Mal in Berlin stattfindet, mit einem bunten Angebot. Man fand nicht nur musikalische Highlights auf 5 Bühnen, sondern auch das Grüne Kiez, in dem man sich in diesem Jahr politisch zur Europawahl 2024 austauschen, mit der Berliner Ernährungsstrategie über gesundheitsfördernde Ernährung philosophieren und vieles mehr konnte. Wer eher an Lifestyle & Glamour interessiert ist und sich wie auf dem Coachella fühlen will, konnte dies im Fashionpalooza tun. Dort gab es neben Kunstinstallationen und Photopoints auch diverse Marken wie essence, die die Besucher*innen mit Glitzer und Haarspangen für den Festivalbesuch ausstatteten. Und wer mit Kind unterwegs war, konnte einen Abstecher zum Kidzalooza einlegen, wo auch Kinder Musik und Unterhaltung nach ihrem Geschmack finden konnten.
Neben diesen alljährlich wiederkehrenden Bereichen sorgten auch die diesjährigen Partner*innen für ein breites Angebot. Bei der Stage des Coke Studios, gab es verschiedene (Acoustic-)Auftritte von Künstler*innen, Meet & Greets mit Influencer*innen sowie Bands und verschiedene Creative Talks. Falls man sich zwischendurch kurz sportlich austoben wollte, bot Wrangler die Möglichkeit zu einem Rodeo.
LIZ auf der Alternative Stage (c) Nadja Aumüller
Für jeden Geschmack eine Bühne
Das wichtigste (zumindest für mich) aber: die Musik. Wie gesagt – auf fünf verschiedenen Bühnen (+ die Bühne im Kidzalooza) konnte man an zwei Tagen sehr viel unterschiedliches erleben und genießen. Mainstream Mausis befanden sich vermutlich vor allem auf Sprints zwischen den beiden Main Stages North und South, wo über die beiden Tage verteilt Acts wie Imagine Dragons, Macklemore, Ava Max, David Guetta, SDP,Bilderbuch und viele mehr gespielt haben. Wollte man ein bisschen außerhalb der Popwelt unterwegs sein, stattete man am besten der Alternative Stage einen Besuch ab. Dort konntet ihr am Wochenende Acts von AJR über Aurora, Lovejoy und Weird Crimes bis hin zu Moncrieff genießen. Wenn das nicht ganz euren Geschmack trifft, hatte man bei der Weingarten Stage die Möglichkeit, vielen deutschen Newcomer*innen wie Marie Bothmer, Pantha, Futurebae oder auch Wa22ermann zu lauschen. Oder dann doch lieber typisch Berlin ein bisschen Electro oder HipHop/Rap mit Alligatoah, Domiziana, Ski Aggu, KSHMR und Lost Frequencies auf der Perrys Stage? Das blieb wirklich ganz euch überlassen – und da das vielfältige Festival Gelände und Line Up ein ganz individuelles Festivalerlebnis ermöglichte und ihr von 100 verschiedenen Menschen wahrscheinlich 100 verschiedene Wochenend-Berichte erzählt bekommt, möchte ich euch hier auf eines davon mitnehmen.
Vorab Spoiler Alert: Es gab insgesamt drei große Highlights an meinem Wochenende, allen voran Imagine Dragons. Doch vor allem abseits der großen Highlights konnte ich noch viele kleinere Momente genießen. Doch erstmal von Anfang an.
Der Start in den Tag mit sad girl songs, Partyhymnen und red flags
Lauren Spencer-Smith auf der Mainstage South (c) Nadja Aumüller
Mein Samstag startete mit Lauren Spencer-Smith: Nachdem die kanadische Sängerin immer wieder mit Songs wie Fingers Crossed oder Narcissist auf meiner TikTok For You Page landete, musste ich das ganze auch mal live sehen. Und das Warten hatte sich auch gelohnt – 40 min tanzten wir, sangen uns die Seele aus dem Leib und verfluchten gemeinsam mit Lauren toxische Beziehungen. Ein gelungener Start in den ersten Festivaltag. Lauren war später auch noch bei den Coke Studios für einen Creative Talk und eine Acoustic Performance, doch da sollte ich bei AYLIVA sein.
Doch erstmal ging es weiter zu Ski Aggu – den hatte ich zwar dieses Jahr schon hier und da live gesehen, aber dementsprechend wusste ich auch, dass dort gute Partystimmung aufkommt. Also auf die Treppen runter ins Olympiastadion, wo wir alle zusammen ein bisschen abdancen konnten. Nach ein paar Partyhymnen und guter Laune haben wir das Set leider frühzeitig verlassen, da wir Mimi Webb sehen wollten.
Die britische Künstlerin kenne ich vom Jingle Bell Ball und seitdem landen ihre Songs regelmäßig in meinen Playlists. Also eine sichere Sache: da muss ich hin. Während wir vor der Main Stage standen und unsere Haut wahrscheinlich von der Sonne verbrannt wurde, sang Mimi passend dazu “House on Fire”.
Jetzt ist dancen, mitsingen und Feel-Good Time angesagt
Samstag gehörte ich auf jeden Fall zu den vorher erwähnten Mainstream Mausis: denn von Mimi Webb ging es direkt zu AYLIVA auf der Mainstage North. Also kurzer Sprint auf die andere Seite, der sich aber volle Kanne gelohnt hatte. Die Show der aufstrebenden Künstlerin, die gerade auch ihre erste Arena Tour spielt, war sehr beeindruckend. Sie verteilte zwischendurch Rosen ans Publikum, es gab roten Konfettiregen, Pyrotechnik und Feuer auf der Bühne. Und auch die Crowd hat das alles sehr genossen und konnte fast jedes einzelne Wort mitsingen.
Nach AYLIVA ging es dann wieder direkt zur Mainstage South (wie gesagt: heute war ich Mainstream Mausi), wo Zara Larsson spielte – ein persönliches must-see von mir. Denn 2019 spielte die Künstlerin als Support bei Ed Sheerans World Tour und bei beiden Konzerten, die ich damals besuchte, hatte ich Zara aufgrund von Stau bei der Anreise leider verpasst. Als ich sie also im diesjährigen Line-Up entdeckte, wurde sie direkt in der App als Favorit markiert. Und es hatte sich auch sehr gelohnt: wir kannten fast jeden Song, die Bühnenperformance mit Zara und mehreren Tänzerinnen ließ uns teilweise mit offenem Mund zurück und wir genossen den Slot insgesamt einfach sehr. Es war auf jeden Fall Feel-Good Zeit angesagt.
Premiere beim Lollapalooza Berlin: Zara Larsson (c) fabivsu
Und danach gab es für heute den letzten Sprint auf die andere Seite zu Ava Max. Auch Ava hatte mehrere Tänzerinnen dabei, dafür aber keine Liveband. Man hatte zwischendurch das Gefühl, dass die Gruppe auf der großen Bühne etwas unterging, aber die Energy und Attitude, die sie alle mitbrachten, machten das wieder wett.
Nach guten fünf Stunden tanzen, springen, singen und abfeiern, war es jetzt mal kurz Zeit für eine Pause. Mit einem kühlen Getränk und leckerem Essen von der großen Auswahl an Food Ständen dort, genossen wir THE BLAZE im Hintergrund und beobachteten einfach mal kurz die Menge. Dabei fiel uns folgendes auf: durchsichtige Röcke und Kleider mit Glitzerdruck oder Glitzersteinen waren dieses Jahr sehr beliebt – genauso wie Netzoberteile (mit oder ohne Glitzer) und generell viel Farbe. Das Lollapalooza in Berlin kann getrost als das deutsche Coachella bezeichnet werden – sowohl die Outfits als auch das internationale Line-Up mit so vielen großen Namen spricht dafür.
“I felt alive and I can’t complain”
Apropos bedeutende Namen: nach unserer kurzen Pause ging es weiter mit Mumford & Sons. I mean, wer wird nicht direkt 10 Jahre zurückgeworfen, wenn “I Will Wait” oder “Little Lion Man” angestimmt wird? Ich war hin und weg von dem Auftritt – denn dieser war sehr vielschichtig, die Live-Besetzung umfasste viele Musiker*innen, von Trompeten über Gitarren bis hin zum Schlagzeug, die teils für kurze Zeit auch die Besetzung wechselten. Ich konnte bei weitem nicht alles mitsingen, aber bei dem beeindruckenden Live-Arrangement war ich eh schon hin und weg.
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Nach der Show ging es dann noch weiter zu AURORA. Die schwedische Sängerin wird den meisten von euch mit dem TikTok Hit “Runaway” bekannt sein. Der Song ist eine starke Nummer, die mich persönlich wirklich emotionalisiert und deshalb musste ich ihn natürlich live sehen. Aber auch unabhängig davon war es ein magischer Slot – bereits dunkel kamen die Lichter ihrer Bühnenshow gut zur Geltung und mit ihrer klaren, dünnen Stimme verzauberte sie Zuschauende und zieht sie schnell in ihren Bann. Sie lässt sie die Welt um sie herum vergessen und ein bisschen Frieden verspüren. Und nicht nur musikalisch ein Treat – auch ihre Interaktion mit dem Publikum war zuckersüß. Man merkte richtig, wie sehr sie sich freute, hier zu sein. Und das ist nicht nur meine Meinung: mein TikTok Feed war danach auf jeden Fall gefüllt mit Aufnahmen von ihren Ansagen.
Den ganzen Tag in prallender Sonne tanzen, springen und zwischen Bühnen hin und her sprinten kann ziemlich anstrengend sein – trotzdem wollte ich David Guetta noch einen kurzen Besuch abstatten. Es ist allerdings schwierig sich bei solch nostalgischen Songs nicht direkt mitreißen zu lassen und so war ich schnell überzeugt, bis zum Ende zu bleiben. Aber danach schnell nach Hause, denn Tag 2 steht vor der Tür.
Headliner David Guetta beendete den Samstag mit einem fulminanten Feuerwerk (c) Philipp Kratzer
Lollapalooza 2023 – Klappe die Zweite
Cut zu Sonntag Morgen – ich war früher als Samstag vor Ort, da ich das Gelände noch vor dem ganzen Gewusel entdecken und mehr als nur die Musik mitnehmen wollte. Also bin ich durch den Grünen Kiez geschlendert – dort wurden zum Beispiel mit alten Bannern gebastelt, es konnten Formen ausgeschnitten und verschönert werden, die anschließend mit Wünschen beschrieben und aufgehängt wurden. Auch Fritz Radio war vor Ort und wir verschickten Grüße an unsere Freund*innen zuhause. Danach kamen wir bei Coke Studio vorbei und konnten noch etwas von einer Live Performance von HE/RO mitansehen. Von dort aus schlenderten wir langsam Richtung Weingarten Stage und Fashionpalooza, vorbei an verschiedenen Kunstinstallationen und Performing Arts Künstler*innen, mit dem Ziel: Marie Bothmer.
Marie Bothmer auf der Weingarten Stage (c) fabivsu
Auch Sonntag war die Sonne wieder voll am Start, aber das hatte kaum jemanden abgehalten, Marie Bothmer in vollen Zügen zu genießen: vor der Stage war es brechend voll und auch nebenan im Schatten tummelten sich so viele Menschen, dass selbst Marie von der Bühne aus meinte, sie hatte nicht erwartet, bei so heißen Temperaturen so viele Menschen zu sehen. Umso besser war es, dass wir alle zusammen abfeierten und die Musik genossen.
Von Marie Bothmer ging es für uns dann zu Only The Poets weiter. Ich hatte die vierköpfige Band bereits 2022 als Support für Louis Tomlinson kennengelernt und mich direkt verliebt. Auch auf dem Lollapalooza überzeugte mich die britische Band direkt wieder – die Energy und Freude an der Musik, die die vier zeigten, übertrug sich auf die Crowd und die Stimmung war richtig gut.
Ein Nachmittag voller Experimente
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Danach war für mich erstmal nochmal Pause und das Lolla Feeling genießen angesagt. Wir schlenderten durch den Food Court und holten uns einen Crepe. Mit etwas Essen auf der Hand genossen die Stimmung, das gute Wetter und gute Musik im Hintergrund. Nach einer kurzen Stärkung ging es dann weiter zu AJR auf der Alternative Stage. Vielleicht werden sie euch vor allem durch “Weak”, “The Good Part” oder “World’s Smallest Violin” bekannt sein. Und auch ich kenne sie noch vor allem von 2017, als “Weak” erschien und schon damals ein großer Hit war. Aber die Live Show war noch so viel mehr als Hit auf Hit auf Hit. Die Brüder zeigten live (mit wunderschönen Visuals) unter anderem wie sie aus zufälligen Geräuschen und der New Yorker Subway Stimme den Song “Bang!” zauberten.
„When we produce, we like to experiment a lot.“
Ihre Musik ist geprägt von Experimenten, die sie mit auf die Bühne genommen und in eine energiegeladene Show verwandelt haben. Die Show von AJR hat mit am meisten Spaß gemacht, da live wirklich Musik gemacht und nicht nur performt wurde. 10/10 would recommend.
Experiment 2: Unbekannte Acts aufsuchen
Von AJR ging es dann weiter zu KSHMR. Ehrlich gesagt war mir der Name davor nicht bekannt. Aber die Perry Stage ist immer sehr gut gebucht und zeitgleich gab es für mich kein anderes must-see. Also hieß es: etwas Neues ausprobieren!
Und das hat sich gelohnt – wie immer hatte ich eine super Zeit bei der Perry Stage. Ich konnte die Musik, das Wetter und das Feeling einfach genießen. Ich würde auch wirklich gerne mehr Zeit hier verbringen, aber die Mainstages haben mich dieses Jahr einfach mehr verlockt.
Experiment 3: Lass dich live überraschen
Nach KSHMR ging es dann noch auf einen kurzen Abstecher zu Pantha auf der Weinstage, die mich positiv überrascht hatte. In den letzten Monaten habe ich schon viel von ihr gehört, sie aber noch nie live gesehen. Aber die Stimmung und auch ihre Stimme warf für mich nochmal ein ganz anderes Licht auf die Sängerin. Ich wollte dann gar nicht früher gehen, wusste aber, dass ich es sonst nicht zu Macklemore vor die Bühne schaffe.
„Can’t Hold Us“ und die Magie der Musik
Also ab zurück zur Mainstage und Macklemore. Sobald der US-amerikanische Rapper die Bühne betrat – instant throwback in die 2010er Jahre. Auch das Set von Macklemore gehört definitiv mit zu den Highlights des diesjährigen Lollapaloozas.
Fans warten auf Macklemore (c) Nadja Aumüller
Die Nostalgie, die die Songs hervor riefen gepaart mit der bunt gemischten Bühnenshow von Tänzer*innen und Trompeten bis hin zu Konfettiregen und Sonnenuntergang während des Slots, sorgten durchwegs dafür, das Leben in dem Moment ein bisschen mehr zu genießen.
Aber auch hier hieß es: früherer Abzug, denn es stand ja noch das absolute Showhighlight bevor – Imagine Dragons. Für mich das Highlight mit meilen weitem Abstand. Und auch für sehr viele andere. Schon während dem Macklemore Set füllte sich der Bereich direkt vor der Bühne sehr schnell. Und dabei erlebte ich dann tatsächlich einen der schönsten Momente auf dem Festival. Als Macklemore seinen Song “Can’t Hold Us” anstimmte, klatschte und sang das ganze Feld mit. Von Front of Stage der Main Stage South bis zur Front of Stage der Main Stage North. Obwohl alle hier seit 45 Minuten bewusst für Imagine Dragons warten statt mit Macklemore zu feiern, brachte der Song alle zum Mitmachen. Und ich merkte einmal mehr, wie sehr Musik verbinden kann.
Imagine Dragons: Mein krönender Abschluss des Lollapalooza-Zaubers
Und schon kurz darauf war es dann soweit: die Main Stage South wurde dunkel. Ein Mitglied des Awareness Teams kam ein letztes Mal auf die Bühne (vor den Shows gab es immer kurze Ansagen, die an ein rücksichtsvolles Miteinander und Wasser trinken erinnerten) und die Spannung stieg. Das ist jetzt der Zeitpunkt, wo ich einen ganzen Artikel über einen einzigen Slot schreiben könnte. Weil mich Imagine Dragons wirklich immer abholt. Egal, wo ich gerade bin oder wie ich mich fühle. Die Energy, die die Band und vor allem Dan Reynolds auf die Bühne bringen, kann nicht anders, als auch die Menge zu erfüllen und diese für 1,5 Stunden eine gute Zeit haben zu lassen.
„I hope tonight is everything you need it to be. I hope you can feel whatever you need.“
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Es wurde ein Hit nach dem anderen gespielt, es gab Konfettiregen, Nebel und Feuerwerk. Aber vor allem eines war wichtig: “to feel whatever [we] need”. Und die Emotionen, Liebe und Dankbarkeit, die Imagine Dragons mit auf die Bühne bringen, machen genau das möglich. Es sind 90 Minuten, für die man sich komplett auf die Show einlassen und seine Gefühle fühlen kann. Denn es geht nicht nur um gute Laune und Hits. Bevor „Demons“ angestimmt wird, ein Song über Dans Depressionen, richtet der Frontsänger das Wort an seine Fans. Er ermutigt sie dazu, in schweren Zeiten mit Menschen zu sprechen, sich zu öffnen und zur Therapie zu gehen. Denn “your life is always worth living.”
Ich, begeistert von dem Timetable Tattoo
Für mich waren das auf dem diesjährigen Lollapalooza Festival die letzten 90 Minuten, in denen ich die Musik ein letztes Mal voll aufnehmen und darin aufgehen konnte. Noch ein letztes Mal die Seele aus dem Leib singen. Noch ein letztes Mal mittanzen und springen. Und für mich waren das auch mit Abstand die besten 90 Minuten vom ganzen Wochenende.
Bevor es dann nach Hause ging, hieß es noch, das Lolla-Feeling ausklingen zu lassen. Wie der Zufall es wollte, gab es dabei noch einen Timetable als Temporary Tattoo auf den Arm. Zwar vielleicht ein bisschen spät für dieses Wochenende, aber wie cool ist denn diese Idee? Wie ihr seht, ich habe mich sehr darüber gefreut!
See you next year!
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es auch dieses Jahr ein wunderschönes Festival Wochenende war. Das Line-Up war wieder wie gewohnt internationaler als 2022, die Sonne ist extra nochmal rausgekommen. Auch neben der Musik gab es lauter liebevoll gestaltete Kleinigkeiten und Bereiche zu entdecken. Wir haben getanzt, gelacht und hatten Spaß. Bleibt also nur: goodbye Lolla 2023, wir freuen uns auf nächstes Jahr!
Mainz erwartet ein musikalisches Highlight: Die BANDE Konzertreihe geht am 28. Oktober 2023 in die dritte Ruhe und verwandelt den Kulturclub schon schön in einen glänzenden Ort für düsteren NNDW. Auch diesmal erwartet euch ein einzigartiges, ausgewähltes Line-up: Lyschko, Absteige und MODULAR werden für eine Show voller Kreativität, Energie und Begeisterung sorgen. Die von MODULAR selbst organisierte Konzertreihe setzt nicht nur auf gut kombinierte Line Ups innerhalb der deutschen NNDW, New Wave und Post-Punk-Szene, sondern unterstützt vor allem gezielt FLINTA* Artists, um ihnen in einem von Männern dominierten Genre die Plattform zu geben, die ihnen zusteht.
MODULAR
MODULARs Musik nimmt das Publikum mit auf eine Reise von hypnotischen Beats bis hin zu abstrakten Klangwelten. Die Bühne wird zum Spielfeld für ihre Energie und progressiven Sound. Dabei vermengt sie geschickt das Dunkle und das Schöne, das Warme und das Kalte, und erschafft so eine einzigartige Neuinterpretation der romantischen 80er-Jahre Nostalgie. Es gelingt ihr mit ihrer Musik, besondere Räume zu schaffen, in denen man sich fallen lassen und verlieren möchte.
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Lyschko aus Nordrhein-Westfalen verkörpern die Melodien der Neuen Neuen Deutschen Welle und Post Punk perfekt in sich. Ihre Musik ist ein kraftvoller Mix aus brutalistischem Pop und tiefgründigen Texten. In ihren Songs spiegeln sich Frustration und Ängste ihrer Generation wider, gepaart mit utopischen Visionen von Veränderung und Überwindung. Lina Holzrichters Stimme transportiert viele Ebenen mit sich und lässt lässt ihre Musik als etwas ganz eigenes aufleben. Auf ihrem Debütalbum Brennen entstehen filmartige Bilder im Kopf, die die die Hörenden so schnell nicht mehr loslassen. Lyschkos Musik ist ein Spiegelbild von Unsicherheiten und großen Träumen.
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Absteige sang sich mit ihrer rohen Leidenschaft im Post-Punk-Stil direkt in die Herzen der Bubble. Die Texte der Newcomerin bewegen sich zwischen euphorischen Vorstellungen von düsteren Tänzen, Vampiren und den schmerzhaften Facetten unerwiderten Liebeskummers. Ihre Musik reicht von 80er- Jahre-inspiriertem Gothic Rock bis zu aktueller NNDW und tanzbarem, futuristischem Electroclash. Musik, um alleine im Nachtbus zu sitzen und von fernen Realitäten zu träumen. Absteige spricht jene an, die Raum für Dunkelheit und Intensität in ihrem Inneren finden.
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Die erste Ausgabe der BANDE-Konzerte fand Ende Mai im prall gefüllten Molotow in Hamburg mit SERPENTIN, Larasüß, Mia Morgan, MODULAR und Kerker statt. Ohne Zweifel hat man die unvergleichliche Energie, gegenseitige Unterstützung und Faszination für einander an dem Abend wahrgenommen. Ein Raum, eine Bühne und ein gedanklicher Space, der eben mal nicht größtenteils von Männern bespielt wird, hat so viel zu bieten! MODULAR, Lyschko und Absteige werden an diesem Abend ganz sicher wieder zu etwas kreieren, das hoffentlich nur der Anfang für etwas ganz Großes ist und Platz für Diversität, bewegende Musik und junge Talente schafft.
Wir gehen mit großen Schritten dem Sommer entgegen. Und was bedeutet Sommer? Na klar: Acoustics Concerts! Auch in diesem Jahr findet die akustische Konzertreihe wieder statt und wir freuen uns tierisch, auch 2023 – inzwischen das 3. Jahr in Folge – wieder für euch dabei zu sein und euch die vielleicht schönsten Open Air-Konzerte des Jahres und die Künstler*innen vorstellen und präsentieren zu dürfen. Alle Infos zu den Acoustics Concerts gibt’s hier.
Akustisch, hautnah und handgemacht. Vor inzwischen bereits 13 Jahren entstanden die Acoustics Concerts aus der Leichtigkeit einer spontanen Idee: 3 Newcomer-Artists, jeweils 30 Minuten, rein akustisch. Outdoor. Auf einer kleinen Bühne eines bekannten Clubs. Aus einer einmaligen Show auf der Außenfläche vor dem Knust in Hamburg hat sich eine etablierte Reihe in ganz Deutschland entwickelt. Und 2023 wird diese Geschichte weitergeschrieben.
Der Fahrplan umfasst in diesem Jahr 3 Städte, nämlich Berlin (Festsaal Kreuzberg), Hamburg (Knust) und Essen (Weststadthalle).
Das Line up
Auch in diesem Jahr zählt für die Acoustics Concerts der Newcomer*in-Gedanke, so dass ihr sowohl etablierte Künstler*innen im Line up findet, als auch kleine Diamanten, die im Licht des Sonnenuntergangs auf der Bühne strahlen werden. Freut euch also auf Artists wie Ami Warning, Future Franz, Pano, M.Byrd und viele, viele mehr.
Auch in diesem Jahr werden wir euch diese tollen Künstler*innen im Rahmen unserer euch schon aus dem letzten Jahr bekannten Formate Quickfire, 3 Fakten über und 3 Fragen an vorstellen, die ihr ab nächster Woche auf dem Instagram-Kanal der Acoustics Concerts finden könnt. In diesem Jahr wird es bei den Shows außerdem physische Programmhefte geben, zu denen wir einen kleinen Teil beitragen durften. Also haltet eure Äuglein auch dahingehend offen!
Für Berlin und Hamburg bekommt ihr eure Tickets für einen schmalen Taler ganz easy über den Ticketlink-Button und in Essen ist der Eintritt sogar frei!
Wir freuen uns auf einen musikalisch vollgepackten Sommer mit euch uns den Acoustics Concerts. Und bis dahin könnt ihr euch die diesjährigen Künstler*innen in dieser Playlist einverleiben:
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Fast genau 10 Jahre ist es nun her, dass OK KID ihren Song Stadt ohne Meer als Ode an ihre Heimatstadt Gießen veröffentlichten. Außerdem ist es nun 5 Jahre her, dass sie sich dazu entschlossen der oft so grauen Stadt einen frohen Pinselstrich zu verpassen. Das Stadt ohne Meer Festival entstand aus einer witzigen Idee der Band heraus und entwickelte sich mittlerweile zu einem bekannten Bestandteil der deutschen Musikszene, der Fans aus allen Ecken des Landes nach Mittelhessen lockt. Am 09. und 10.Juni feiert das Festival nun seine Jubiläumsedition. Wieso ausgerechnet für dieses Festival entscheiden und nach Gießen anreisen?
Das Festival schafft es immer wieder, sich die beliebtesten, angesagtesten Acts aus verschiedenen Musikrichtungen für sein Line Up zu schnappen, dabei aber sorgfältig auszuwählen: Acts wie Giant Rooks, Edwin Rosen, Mia Morgan, Blond, JEREMIAS, Mine, Schmyt, Nura, Leoniden standen bereits auf dem Programm. Auch Newcomer*innen mit Wachstumspotential, sowie lokale Bands bekommen jedes Jahr die Möglichkeit sich dem Publikum zu zeigen. Dabei sind erfreulicher Weise weibliche, wie männliche Acts ausgeglichen vertreten. Somit wird ihnen die Plattform, die ihnen zusteht, geboten und dem Publikum ein vielfältiges Programm, das zum Tanzen, Feiern, Entspannen und Entdecken einlädt. Das beste ist: Man muss sich nicht entscheiden! Denn die musikalischen Acts überschneiden sich dank abwechselndem zwei-Bühnen-Konzept nicht. Die kleine, intime Schwätzer Stage und die große Elefantenklo Stage, benannt nach den, zugegebenermaßen unschönen Sehenswürdigkeiten Gießens, bieten durchgehendes Programm an und verhindern das übliche Rennen von Bühne zu Bühne.
Selbstverständlich darf auch ein ein Auftritt von OK KID selbst nicht fehlen, die jedes Jahr überwältigt lächelnd und stolz das Gelände bemustern. Und jedes Jahr aufs Neue hält die Band, die vor Ideen immer sprudelt, besondere Überraschungen für die Festivaltage parat. Was aus einem kleinen Tagesfestival entstand, entwickelte sich mittlerweile zu zwei vollen Tagen Action inklusive benachbartem kleinen Campingplatz. Doch das Stadt ohne Meer Festival bleibt sich trotz Optimierung stets treu – Es findet immer noch auf dem selben, übersichtlichen Gelände statt und der sympathische DIY-Charme bleibt vollkommen erhalten. Statt ewig langen Wegen und Hektik, fühlt man sich hier wie zu Hause und hat bei lockerer, stressfreier Atmosphäre die Möglichkeit alte und neue Freund*innen zu treffen.
Gießen ist nicht gerade als Kulturmetropole für junge Menschen bekannt und als gebürtige Gießenerin muss ich sagen, das ist den meisten von uns auch klar bewusst. Das Stadt ohne Meer Festival macht keine neue glänzende Stadt aus Gießen, sondern holt eher das Potenzial aus der verstaubten Dachboden Ecke, was schon längst bestand und darauf wartete, entdeckt zu werden und sich anderen zeigen. Vielleicht ist das der Grund, wieso die Motivation und Begeisterung bei Crew und Publikum besonders bemerkbar ist. Burger King, KFC, McDonald’s, Subway. Zugegeben: Wenn man auf der langen Hauptstraße des Schiffenberger Tals in Gießen fährt, gibt es zunächst nicht mehr als das zu sehen. Umso schöner ist die versteckte Idylle dahinter! Neben musikalischem Programm ist auf dem grünen Festival-Gelände auch jedes andere Detail mit Liebe und Mühe durchdacht. Handgefertigte Deko, Mitmach-Aktionen, besondere Essensangebote, Außermusikalisches Programm, Fokus auf Nachhaltigkeit und gemütliche Areas zum Genießen in der Sonne, machen jeden Teil des Aufenthalts angenehm und erinnerungswürdig. Ewige Schlangen an Ständen und zugemüllter Boden, wie es oft auf Festivals üblich ist, sind hier Fehlanzeige.
„Du bist so hässlich und grau, ich glaub‘ du stehst auf Beton“ – So lauten die ersten Worte im Song Stadt ohne Meer. Und diese werden zumindest an zwei Tagen im Jahr vollständig widerlegt.OK KID haben es gemeistert, das oft scheinbar verlorene Potenzial der Stadt auszugraben und zu gold werden zu lassen. Zwar hat Gießen kein Meer, aber jetzt immerhin das sympathischste, gemütlichste Festival zu bieten. Wer sich davon selbst überzeugen möchte, kann hier noch schnell die letzten Tickets ergattern, denn die gehen schneller weg, als je zuvor:
Im vergangenen Monat waren wir auf dem Reeperbahn Festival unterwegs, das dieses Jahr zum 17. Mal stattgefunden hat. Vier Tage lang bietet das größte Clubfestival in Europa neben zahlreichen Konzerten auch Workshops und Vorträge an, die sich rund um die Popkultur drehen. Das Festival dient jedes Jahr als ein Ort des Zusammenkommens von Künstler*innen, Musik- und Kulturinteressierten sowie Fachbesucher*innen aus der ganzen Welt. Diskussionsrunden zu aktuellen Entwicklungen in der Musikwirtschaft sind ebenso im Programm. Das Reeperbahn Festival lohnt sich für alle, die Bock auf Livemusik haben und neue Acts entdecken wollen.
Auftakt mit BILBAO und Beachpeople
Musikalisch hat das Reeperbahn Festival für uns am Mittwoch mit der Band BILBAO im Spiegelzelt der Festival Village gestartet. Die Indie-Pop Band aus Hamburg lieferten einen energievollen Start in das Programm. Für die Jungs dürfte der Auftritt wohl etwas ganz besonderes gewesen sein, denn die Idee für die Gründung von BILBAO kam auf dem Reeperbahn Festival 2019. Passender als ihr tanzbarer Spätsommer-Indie-Pop hätte der Anfang nicht sein können.
Ganz anders ging es mit Beachpeople weiter. Bei gemütlicher Atmosphäre in den roten Samtsesseln des Imperial Theaters konnten wir dort sanften melancholischen Träumereien lauschen. Zwischen der enormen Lebhaftigkeit des Festivals konnte man sich dort der Musik völlig hingeben und vergaß jegliches Zeitgefühl.
Kaftklub legen die Reeperbahn lahm
Die Stimmung auf dem Reeperbahn Festival war krass. Wie könnte man das toppen? Eine Frage, die leicht zu beantworten ist. Auf dem Spielbudenplatz lief die Bavarian Export Session mit Elena Steri. Ein kurzer Blick über den Zaun und man sah, wie die komplette Reeperbahn abgesperrt wurde und eine Bühne mitten auf der Straße stand. Menschenmassen strömten auf die Bühne zu und es war kein Ende in Sicht. Was das bedeutet, merkte man ungefähr 30 Sekunden nachdem Elena Steri ihr Set auf der Bühne beim Spielbudenplatz beendet hatte.
Ein paar Meter weiter setzen Gitarren ein und Menschen jubelten. Und dann war Kraftklub da! Die Stimmung war nicht zu toppen. Einen Tag nach Album-Release sind alle im Kraftklub Fieber. Als dann auch noch Special Guest Casper auf die Bühne kommt, weiß man, dass dieser Gig zum Festival-Highlight werden könnte. Zum Schluss sprang noch Bill Kaulitz bei „Fahr mit mir (4×4)“ auf die Bühne.
Moshpit mit Paula Hartmann
Erwartungsvoll machten wir uns auf den Weg zu Paula Hartmann. Beim Uebel & Gefährlich angekommen, sahen wir schon viele andere in der Halle stehen. Die Vorfreude war natürlich nicht unbegründet! Friso kam als erster auf die Bühne. Ein Moshpit nach dem anderen spielte sich in der Mitte ab und Paulas melancholische Texte sangen alle mit, während zu den Beats getanzt wurde. Gegen Ende ihres Sets stimmte sie noch ihre Version von „Another Love“ von Tom Odell an. Stolz erzählte sie, dass sie am Tag vorher in Hamburg auf einem Konzert von ihm war. Genauso schön war es, als auch bei diesem Track alle mitsangen. Nach dem Konzert waren wir verschwitzt, aber vor allem glücklich und voller Euphorie.
Malerischer Indie-Rock mit M.Byrd und Luke Noa
Die St. Pauli-Kirche in Hamburg vermutet man erstmal nicht als Location für ein Musikfestival. Steht man aber im Gang neben den Kirchenbänken und schaut auf die Bühne, entwickelt sich ein unglaublicher Charme. Die beiden Künstler M.Byrd und Luke Noa haben dort im Rahmen des Festivals ein Konzert gegeben und mit ihrer Musik eine ganz besondere Atmosphäre kreiert. Das Zusammenspiel von Klang und Kulisse verlieh dem Clubkonzerte-Alltag eine schöne Abwechslung.
Die Kulisse war perfekt für den träumerischen Indie-Rock Sound von M.Byrd. Auch Luke Noa hat auf der Humming Records Labelnight im Drafthouse eine wahnsinnig gute Show mit Full-Band Line Up hingelegt. Seinen aktuellen Song „21“ hat er am Ende mit Sängerin Lina von Brockhoff performt – das war magisch.
Tränen bei der Betterov & Friends Session im Michel
Magisch ist auch das perfekte Wort für das Betterov & Friends Konzert im Michel. So besonders wie das Setting in der beeindruckenden Kirche, war auch die Setlist. Betterov betrat die Bühne, hinter ihm die Streicher, dirigiert von Tim Tautorat. Wir hörten Songs des neuen Albums und „Viertel vor Irgendwas“-Tracks, die sich warm und bekannt anfühlten. Im Verlauf des Konzerts kamen die Special Guests auf die Bühne. Novaa, Paula Hartmann, FIL BO RIVA und Olli Schulz performten jeweils einen Betterov-Track und einen eigenen Song im Duett. Irgendwann hatten wir aufgehört die Gänsehaut-Momente zu zählen – es waren sehr viele! Vor allem das Duett von Betterov und Paula Hartmann mit „Nie Verliebt“ war wunderschön. Zweistimmig sangen die beiden den letzten Chorus, dann setzen die Live-Streicher mit dem Outro ein. Der Klang der Kirche hat der*m einen oder anderen glitzernde Tränen über die Wangen geschickt.
Das offizielle Aftermovie vom Reeperbahn Festival 2022
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Zum Mini-Festival im niedersächsischen Osnabrück kamen fast 11.000 Menschen, die mit Hits zum Mitsingen und exklusiven Einblicken in das Leben der Musiker belohnt wurden.
Geballte deutsche Pop-Kraft: Luna, Clueso und Bosse
Die mächtige Bühne glänzt nicht nur wie neu, sie ist es auch: Erst zweimal ist auf ihr eine Band aufgetreten. Und die Stahlkonstruktion musste an diesem Abend einiges aushalten. Der gut aufgelegte Clueso unternahm einen inoffiziellen Versuch, den Weltrekord im Hüpfen zu brechen.
Bevor der Erfurter Popstar loslegt, steht erst einmal Newcomerin Luna in den Startlöchern. Manche der Zuhörenden sind noch jünger als die 2002 geborene Passauerin, aber auch viele Ältere sind beim Auftritt der 19-Jährigen zu sehen. Lunas Texte sind voller Selbstreflexion und Analyse der eigenen Entwicklung, die sie durchgemacht hat. Ihren Song „Blau“ nutzt die lesbische Künstlerin, um über ihr Coming-Out zu sprechen. Ihre brandneue Single „Arschloch“ wird vom Publikum interessiert aufgenommen – zum Tanzen ist vielen da aber noch nicht zu Mute. Lunas Auftritt deutet an, wie viel Routine sich Musikschaffende über die Jahre erarbeiten müssen, um einen solchen Auftritt so locker wirken zu lassen, als ob all das keine kräftezehrende Schwerstarbeit wäre.
Bosse übernimmt
Als Axel Bosse die Bühne entert, kommt allmählich Bewegung ins Publikum. Der Sänger hat mächtig Energie mitgebracht – und eine Gitarre. „Ich zeig‘ euch das Instrument nochmal genau, für diejenigen unter euch, die nicht mehr wissen, wie sowas aussieht“, sagt er und macht klar, was er vom Playback-Trend vieler Artists auf Live-Konzerten hält: „Nichts.“
Seine Interaktion mit der Menge ist nahbar, Bosse verteilt unzählige Handküsse und wirkt von der Stimmung ganz berührt. Zu dieser tragen auch Anekdoten aus seiner eigenen Jugend bei. „In meinem Dorf bei Braunschweig musste ich immer diesen blöden Hügel hoch“, erzählt er und baut sich eine Brücke zum Lied „Hallo Hometown“. Bosses Lieder sind so geschrieben, dass sich jeder ein Stück mit ihnen identifizieren kann, ohne dabei beliebig zu sein.
Der Musiker gerät in Plauderlaune, und so erfahren seine Fans mehr über die Hintergründe zu seinem Song „So oder so“, dessen Text aus einem Brief an eine Freundin stammt, die nach einer Trennung verzweifelt war. Bosse gibt Einblick in sein Inneres und erntet dafür die Gunst der Elftausend. Mit „Schönste Zeit“ beendet Bosse seinen schwungvollen Auftritt und beschert einer Gruppe Mädchen dieselbe, indem er ihnen das Mikrofon überlässt. Kein Playback also, dafür aber „Arbeitsteilung“ zwischen Sänger und Publikum.
Auch bei Clueso wird es emotional
Bosse hatte den Osnabrückern so sehr eingeheizt, dass sich Clueso sinnbildlich nur noch ans gemachte Feuer setzen musste. Der überwältigt wirkende 42-Jährige lobte das Publikum überschwänglich für die von ihm ausgehende Energie. „Ihr seid krass, Osnabrück, was für ein geiler Empfang!“, schwärmte er. Bei ein paar Grad weniger – 37 um genau zu sein – sang Clueso mit „37 Grad im Paradies“ einen seiner neuesten Hits und zeigte beim Chorus mit rockigen Elementen seine stimmliche Wandelbarkeit.
Als ihm ein Fan den Wunsch zuruft, seinen Durchbruch-Song „Gewinner“ zu spielen, lacht Clueso laut. „Super Idee, falscher Zeitpunkt“, entgegnet der Erfurter und bleibt zunächst bei seinen dynamischen Stücken wie „Tanzen“, während er Pirouetten im Takt dreht. Clueso gibt den Animateur im Befehlston: „Ihr müsst tanzen!“. Das Publikum lässt sich daraufhin nicht zweimal bitten.
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Dann aber wird es auch bei Cluesos Teil des Abends emotional. „Dieser Song ist für meinen Großvater“, sagt der Sänger und erklärt, warum ihm das Lied „Anlauf nehmen“ so viel bedeutet. „Ich war damals ein ‚Sorgenkind‘ in der Schule, aber mein Opa hat immer gesagt: ‚Ich mache mir keine Sorgen um den Jungen‘ und mir das Gitarrespielen beigebracht.“ Mit „Zu schnell vorbei“ lässt er eine weitere Ballade folgen, die manchen Zuhörenden Tränen über die Augen kullern lassen.
Clueso spielt mit seinem ausgewogenen Set mit den Emotionen des Publikums, versetzt es abwechselnd in Melancholie und Euphorie. Und obwohl Clueso allen Grund hätte, pünktlich Schluss zu machen – schon am Samstag gibt er das nächste Konzert in seiner Heimatstadt Erfurt – überzieht der Musiker am Ende deutlich und nimmt das Publikum noch einmal mit auf eine letzte Reise: Nach „Chicago“. Zum Schluss gibt’s ein Küsschen für den Saxophonisten, der wie alle Bandmitglieder über die knapp zwei Stunden mit diversen Soli zu beeindrucken weiß, und einem „Bis bald, Osnabrück!“.