Unser Lieblings-Antischlager Kaltenkirchen hat seine neue Single „Trocken“ veröffentlicht, mit der er auf das auch ihn betreffende Thema Panikattacken aufmerksam macht. Die hard facts zum Song erfahrt ihr jetzt vom Kaltenkirchen-Fan der ersten Stunde, Jule.
Es gibt so Nachrichten, über die freut man sich einfach mehr als über andere. „Hey Jule, am 16.10. erscheint eine neue Kaltenkirchen-Single“ gehört eindeutig dazu. Auch wenn das Thema des Songs, ihn quälende Panikattacken, nicht das Erfreulichste ist, ist es doch umso schöner, dass Kaltenkirchen mit seiner Musik darauf aufmerksam machen will. Um den offenen Umgang damit und mit psychischen Erkrankungen im Allgemeinen zu fördern und Betroffenen zu sagen: „Du bist nicht allein“.
Hoffentlich bald wieder trocken, runter von dem Scheiß
Schon mit der ersten Sekunde des Songs, der mit panischem, schwerem Atmen von Kaltenkirchen beginnt, wird mir ein bisschen anders. Ich muss dazu sagen, dass ich riesengroßes Glück habe und von psychischen Erkrankungen bisher verschont wurde. Ich kann diese Gefühle daher nicht nachvollziehen, versuche aber bestmöglich, sie zu verstehen. Der einsetzende und sich durch den Song ziehende Beat, der wie ein heftiger Herzschlag klingt, gibt mir irgendwie ein beklemmendes Gefühl. Ich kann das, was Kaltenkirchen mir im Interview zu seiner letzten Single „Gehst Du Davon“ über seine Panikattacken erzählt hat, plötzlich irgendwie spüren. In „Trocken“ behandelt er aber nicht nur die Panikattacken selbst. Sondern auch das auf Psychopharmaka angewiesen sein. Von den Medikamenten, die ihm helfen, diese Phasen zu überstehen. Von denen er aber dennoch lieber gestern als heute wieder loskommen möchte. Um sein Leben wieder selbstbestimmt und bestenfalls ohne Panikattacken zu leben.
„Ich wach’ auf, schweißgebadet, sehe Dinge, die nicht da sind. Das Szenario, ein Betrug. Bin auf kaltem Entzug.„
Auch soundtechnisch hört man Kaltenkirchen an, dass er sich gerade in einer neuen Phase seines Lebens befindet. Oder in einer, in der er sich schon lange befindet, es jetzt aber erst akut bemerkt. Im oben schon angesprochenen Interview hat er erwähnt, in letzter Zeit viel Kummer gehört zu haben. Yes, diese Inspiration kann man gut raushören. Die von ihm gern genutzten und von Produzent Niklas Pichler mal wieder vorzüglich in Szene gesetzten Synthies erzeugen inzwischen aber eine andere, weniger liebliche Atmosphäre. Selbst ohne Gesang hört man dem Sound sehr Schwermütigkeit an.
Psychische Erkrankungen, die tausend Gesichter haben können, werden heutzutage noch immer gerne totgeschwiegen. Ich zitiere Kaltenkirchen einmal, weil den Nagel bereits selbst auf den Kopf getroffen hat: „Bei Problemen mit der Leber oder einem gebrochenen Bein geht man ja auch zum Arzt, aber scheut sich davor, sich bei psychischen Problemen behandeln zu lassen. Dabei ist das völlig normal und sollte auch viel transparenter besprochen werden“. Mit genau dieser Attitüde sollten wir alle durch’s Leben gehen. Haltet die Augen offen. Achtet auf eure Mitmenschen. Und vor allen Dingen: Achtet auf euch selbst und auf die Zeichen, die euer Körper euch gibt. Schämt euch nicht, wenn es euch nicht gut geht. Schämt euch für nichts. Denn dieses Thema darfnicht länger ein Tabu sein. Und Kaltenkirchen hat mit Trocken vielleicht einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Enttabuisierung gemacht. Danke.
Hier könnt ihr euch auch gerne noch das Musikvideo zu „Trocken“ anschauen, viel Spaß:
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Sam Himself ist Wahl-New Yorker, kommt aber ursprünglich aus der Schweiz. Mit Cry liefert er sowohl einen Vorboten zu seinem kommenden Debütalbum als auch einen Song, der Herzschmerz fühlen lässt, der eigentlich gar nicht da ist.
Manchmal fällt es einem einfach wie Schuppen von den Augen. Ich stolpere einfach so und leider völlig unvorbereitet über das Musikvideo zu Cry von Sam Himself. Der Song beginnt mit einer sanften Gitarre und dann beginnt er zu singen… Ups. Eine wunderschöne baritonlastige Stimme bahnt sich seinen Weg durch mein Ohr bis in die wirklich allerletzte Ecke meines Körpers. Ich bin einfach sofort völlig (und damit meine ich: völlig) into it. Cry klingt anfangs wie einer der traurigsten Songs, die ich jemals gehört habe. Ich spüre plötzlich all den Schmerz, den Liebeskummer mit sich bringt, obwohl ich seit 2.000 Jahren keinen mehr hatte. Der Song weiß mich aber aus diesem seelischen Tief auch wieder rauszuholen, indem er sich von der anfänglichen Ballade zu einer nicht weniger dramatischen Midtempo-Popnummer mit E-Gitarre, Bass und Drums entwickelt. Well done, Sam.
Cry, bleed your poor heart dry
Beim zweiten Mal hören denke ich: „Hoffentlich gibt es irgendwo schlaue Filmemacher*innen, die diesen Song für eine fürchterlich traurige Trennungsszene nutzen“. Ich habe Bilder von einem amerikanischen Liebesdrama im Kopf. Ich sehe eine Frau vor mir, die weinend ihre drei Sachen packt, dabei mindestens noch zwei Bilder aus glücklichen Tagen umschmeißt und in die Nacht und eine ungewisse Zukunft flüchtet. Währenddessen einfach nur dieser Song läuft.
Nachdem ich Cry jetzt das dritte Mal hintereinander gehört habe, frage ich mich einfach nur noch: Warum zum Teufel kannte ich Sam Himself bisher noch nicht? Optisch irgendwie über drei Ecken mit Dendemann verwandt, geht er seiner Stimme nach zu urteilen regelmäßig mit Bruce Springsteen (dessen Dancing In The Darker auch schon mal gecovert hat) ein Bier trinken. Whatsoever. Mit einem Song innerhalb weniger Sekunden so krasse Gefühle bei mir auszulösen haben echt noch nicht viele geschafft. Chapeau, ich bin ab sofort großer Fan!
Mit „byebyeskiesofyesterday“veröffentlichen die Münchener Indie-Darlings von Matija heute ihr langersehntes zweites Album und zeigen sich damit von einer musikalisch neuen Seite. Jule hat vorab mit Frontmann und Bandnamensgeber Matt über ihre Entwicklung, Musikvideos und natürlich das Album selbst gequatscht. Das (ganz schön) ausführliche Interview lest ihr jetzt.
Matija im Interview
Jule: Erstmal voll auf Anfang: Mal angenommen, jemand kennt euch und eure Musik nicht und fragt, wie ihr klingt, was ihr macht, wer ihr seid. Was würdet ihr antworten?
Matija: Wir würden wahrscheinlich antworten, dass wir eine Indie-Alternative-Pop-Band aus München sind, die sich sowohl an alter als auch neuer Musik bedient und daraus eine ungewöhnliche Mischung aus Bands wie Radiohead, Foals und Casabian gemischt mit modernen Hip Hop-Einflüssen wie von Kendrick Lamar oder Solange erzeugt.
Jule: Heute erscheint euer zweites Album „byebyeskiesofyesterday“. Bevor wir da näher drauf eingehen, erstmal zum Offensichtlichen: Sowohl der Album- als auch die Songtitel werden komplett zusammengeschrieben. Hat das eine besondere Bedeutung?
Matija: Es ist zufällig passiert. Ich habe den Albumtitel eher gefunden als erfunden. Er ist irgendwie vom Himmel gefallen als ich einen Spaziergang durch den Nymphenburger Schloßpark in München gemacht habe. Ich stand auf einer Brücke, habe hochgeguckt und dann war der Titel einfach plötzlich in meinem Kopf. Ich habe ihn dann ganz schnell in mein Handy geschrieben und war dabei so begeistert, dass ich irgendwie die Leerzeichen vergessen habe. Dann habe ich später nochmal draufgeguckt und im Studio dann vorgeschlagen, auch die Songtitel zusammenzuschreiben, um eine gewisse Kontinuität und ein kleines Konzept reinzubekommen.
„Es war ganz anders als beim ersten Album“
Jule: Wie lange habt ihr denn an den Songs fürs Album gearbeitet bzw. wie lief der Albumprozess bei euch als Band ab?
Matija: Das kann ich natürlich noch nicht so generalisiert sagen, weil es ja erst unser zweites Album ist. Es hat aber insgesamt so 2,5 Jahre gedauert, bis es fertig war. Die Songs auf dem Album sind sowohl einige Monate, als auch teilweise schon 3 oder 4 Jahre alt. Da ist ganz viel verschiedenes Material dabei, was unglaublich viele Metamorphosen durchlaufen und sich oft verändert hat. Es ist auf jeden Fall ganz anders gewesen als beim ersten Album. Das haben wir zusammen als Band geschrieben und in 1,5 Wochen live im Studio in Hamburg aufgenommen. „byebyeskiesofyesterday“ haben wir gemeinsam geschrieben und dann Stück für Stück aufgenommen. Manche Songs haben wir beispielsweise in Italien aufgenommen und die Audiospuren dann mitgebracht.
Jule: Ich höre auf jeden Fall auch, dass die Songs im Vergleich zum ersten Album anders sind. Ihr klingt jetzt nachdenklicher, vielleicht auch ein Stück ernster. War das eine natürliche Entwicklung oder ein geplantes Konzept?
Matija: Wir haben uns natürlich schon verändert über die letzten Jahre. Wir sind einfach erwachsener geworden, glaube ich. Es sind uns als Individuen und auch als Band viele Dinge passiert, positive und negative. Wir haben krasse Krisen durchlaufen, in einer davon befindet sich ja auch gerade die ganze Welt. All diese Sachen haben den Ernst des Lebens geändert und eben auch die Art, wie unsere Songs klingen. Wir behandeln auf dem Album schon schwere Themen, die uns persönlich passiert sind oder die wir verarbeitet haben. Das erste Album war geprägt von einem sehr jungen Aufbrechergeist, durch eine angenehme Naivität und die Lebenslust eines ersten Albums. „byebyeskiesofyesterday“ hat einfach mehr von diesem Realistischen. Es ist auch von den Texten her einfach nahbarer.
Jule: Ich finde auch, dass ihr nicht nur textlich, sondern auch vom Sound her einen riesengroßen Schritt gemacht habt. Das erste Album könnte man schon als „klassischen Indie“ bezeichnen. Für das zweite Album habe ich noch keine passenden Worte, aber ich höre jetzt etwas völlig Eigenes. Würdest du sagen, dass ihr mit dem zweiten Album näher an euren eigenen Sound gekommen seid?
Matija: Erstmal vielen Dank für das Kompliment, das freut mich sehr zu hören. Wir haben uns auf jeden Fall sehr viel Zeit genommen, jede einzelne Note, jeden Schlag, jeden Synthesizer dreimal umzudrehen und den für uns perfekten Sound zu finden. Wir haben uns viel damit beschäftigt, wie Klaviere klingen können, was für unterschiedliche Aufnahme-Arten es gibt. Was kann man mit E-Gitarren machen, wenn man sie einfach nur in ein Mischpult steckt oder durch einen alten Lautsprecher feuert. Dieses Album trägt viel mehr unsere eigene Handschrift. Auch weil unser Gitarrist Jan viel vorproduziert hat, was dann meisterhaft von unserem Produzenten Willy Löster in shape gebracht wurde. Wir waren einfach mehr an der Soundfindung beteiligt. Während wir beim ersten Album das Glück hatten, mit Johann Scheerer einen wahnsinnig guten Produzenten zu haben, der unsere damaligen Songs perfekt verstanden und nach seinem Klangbild super gut produziert und aufgenommen hat.
„Wir sind wirklich sehr stolz auf unser neues Baby“
Jule: Ich weiß, das ist immer super schwer, aber gibt es für dich einen Lieblingssong vom Album oder einen, der dir besonders viel bedeutet?
Matija: Hmm. Mein persönlicher Lieblingssong ist entweder „awaytosurvive“ oder “reanalyser“. Weil das zwei Nummern sind, die mir mit meinem persönlichen Musikgeschmack als Hörer einfach unglaublich gut gefallen. Der Song, bei dem ich auf uns als Band am stolzesten bin, ist allerdings „saddaysinthecity“, weil ich den richtig stark finde und denke, dass der uns als Band auch weiterbringen wird. Aber natürlich mag ich alle Songs sehr gerne. Wir sind wirklich sehr stolz auf unser neues Baby.
Jule: Du hast vor einigen Jahren mal gesagt, dass Lana Del Rey eine große Inspiration für euch ist. Kann es sein, dass sich das bis heute nicht geändert hat? Es gibt so einige Momente auf dem Album, die mich stark an ihren Sound erinnern.
Matija: (lacht) Ja voll, Lana Del Rey ist immer noch eine große Wegbegleiterin. Ihre Musik ist für mich einfach, und ich glaube auch für den Rest der Band, das perfekte Beispiel von einer Realitätsflucht, aber irgendwie auch einer wunderschönen Melancholie. Ich sage immer „von den Meistern muss man lernen“ und Lana Del Rey ist eben genau so eine Meisterin dieser Art Songs zu schreiben. Songs, in denen gesagt wird, dass das Leben eben diese bittersüße traurige Note hat, aber eigentlich ist es auch ganz schön, dass es so ist und dass man Schmerz und Reue und Melancholie empfindet. Das in einen Popsong zu packen macht einfach Spaß und ich finde, sie macht das ganz großartig. Auf jeden Fall haben wir uns da auch einige Sachen abgeschaut, ja.
„Wir sind weniger auf dieser metaphorischen Ebene unterwegs“
Jule: Es gibt auf „byebyeskiesofyesterday“ ja auch Songs, die eine wirklich unmissverständliche Wortwahl nutzen. Songs, in die man nicht so viel rein interpretieren kann oder muss, weil ihr euch ziemlich klar ausdrückt – was auf dem ersten Album vielleicht nicht unbedingt so war.
Matija: Völlig korrekt. Wir sind weniger auf der metaphorischen Ebene unterwegs als auf dem ersten Album. Da fanden Texte statt, die viel Platz zur Interpretation lassen. Auf der zweiten Platte geht es einfach um Dinge, die uns aufgefallen oder passiert sind. Und wir haben versucht, das in den Texten auch 1 zu 1 so darzustellen. Wie in „absolutlynothing(today)“, wo wir verstanden haben, dass ein Tag, an dem du absolut gar nix hinbekommst, trotzdem ein guter Tag ist. Diese Dinge waren für mich einfach nicht mehr in Metaphern auszudrücken. Oder auch „awaytosurvive“, wo wir wortwörtlich übersetzt sagen: „Ich habe einen Weg gefunden, um zu überleben“. Dieses Album wird getragen von ehrlichen Emotionen und Erkenntnissen, die unverblümt genauso dargestellt werden. Ich war als Texter beim ersten Album damals in so vielen Sphären gleichzeitig unterwegs, dass ich dem Zuhörer den Spielraum zur Interpretation auch einfach geben wollte.
Jule: Ein wichtiger Faktor sind ja auch die Musikvideos. Die, die ihr bisher zu den Singles veröffentlicht habt, sind auch von der Bildsprache her ziemlich stark. Und haben sich zu denen in der Vergangenheit auch weiterentwickelt. Wie wichtig sind euch die Videos?
Matija: Uns sind die Videos sehr wichtig! Wir sind große Fans der Bildsprache von saymyname oder auch von unserem Lichtmischer Lenny Heidtmann, der auch eine eigene Filmproduktionsfirma hat. Wir machen uns schon früh Gedanken darum, was im Video passieren könnte. Ich weiß nicht, ob Musikvideos heutzutage noch so eine große Rolle spielen. In der Musikindustrie hat sich auf jeden Fall verändert, dass man dafür nicht mehr so viel Geld ausgibt. Während in den 80ern halt teilweise 1 Mio. Dollar für eine große Produktion ausgegeben wurden. Vielleicht auch, weil die Aufmerksamkeitsspanne der Leute sehr kurz geworden ist und viel über Streaming funktioniert. Aber ich glaube immer noch, dass das für Fans wichtig ist, dass es tolle Musikvideos gibt. Um den Song auch auf dieser zweiten Ebene erleben zu dürfen und besser zu verstehen, was die Künstler*innen sagen möchten. Oder auch um sich in der eigenen audiovisuellen Konzeption bestätigt zu fühlen oder einen neuen Aspekt des Songs zu entdecken.
Jule: War das beim ersten Album auch schon so, dass ihr euch so viele Gedanken um eure Videos gemacht habt?
Matija: Nee, eben nicht. „SongFor Celine“ und „White Socks“ sind Auftragsarbeiten. Die Songs wurden an eine Produktionsfirma gegeben, die sich ein Konzept ausgedacht und ausgeführt hat. Da hatten wir nicht so viel mit dem Skript zu tun. Bei „Justify Your Love“ hatte ich zum ersten Mal eine ganz klare Vision für das Video. Ich wollte bzw. musste dafür nach Paris und der Rest der Band hat gesagt „go for it, mach es!“. Dann habe ich das Drehbuch geschrieben und wir haben das umgesetzt. Damit fing dieser Trend an. Ab dem Video zu „The Calling“ ging es dann richtig damit los, dass wir uns mit den Leuten hingesetzt und zusammen überlegt haben, was in den Videos passieren soll. Das hat für uns sehr gut funktioniert, gerade auch bei den zuletzt erschienenen Videos.
„Ich will, dass das Album in die Charts kommt“
Jule: Wenn du dir für das Album was wünschen darfst, was wäre es?
Matija: Darf ich eine richtig dumme Antwort darauf geben? Ich will, dass das Album in die Charts kommt (lacht). Es ist total beknackt, aber es ist tatsächlich so ein Kindheitstraum von mir, ein Album in den Charts zu haben. Und ich weiß, dass das mit der Musik die wir machen, aktuell in Deutschland sehr schwer ist, weil eben Leute wie Apache 207 oder Capital Bra die neue Messlatte für die Charts sind. Aber ich hoffe einfach, dass „byebyeskiesofyesterday“ es, aus welchem verrückten Grund auch immer, schafft, und wenn es nur Platz 90 ist, in den deutschen Albumcharts einzusteigen. Das fände ich so super (lacht).
Jule: Weißt du was ich mir wünschen würde? Daran habe ich gedacht, seit ich den Song das erste Mal gehört habe: Eine Orchesterversion von „inlovewithamurderer“. Der ist nicht nur vom Sound, sondern auch von den Lyrics her wirklich… doll.
Matija: Ohhh ja, darüber haben wir tatsächlich auch schon nachgedacht. Das Ende bietet sich total dafür an, das stimmt. Der ganze Song ist auch ziemlich orchestral. Der Film „Leon der Profi“ war übrigens die Grundlage für diesen Song. Das ist mein absoluter Lieblingsfilm, den ich bestimmt schon 20 Mal gesehen habe. Wir sind aber tatsächlich nicht die einzigen, die sich von diesem Film haben inspirieren lassen – „Matilda“ vom ersten Album von alt-J oder auch „Shape Of My Heart“ von Sting ebenfalls.
Jule: Dann kommen wir jetzt zum Ende des Interveris und zu unserem berühmten blank space, bei dem du alles rauslassen kannst, was meine Fragen vielleicht nicht hergegeben haben.
Matija: Also, zunächst würden wir uns natürlich freuen, wenn ihr alle zu unserer Tour Anfang 2021 kommt. Es gibt 18 Termine und wir hoffen sehr, dass die stattfinden können. Und ich möchte ein Rezept aus Ottolenghi’s Buch „Flavour“ empfehlen. Das ist ein Rezept für süß-saure Zwiebeln, die man mit der Unterseite in eine sehr heiße Pfanne legt, so dass die Zwiebeln komplett verbrennen und schwarz werden. Danach packt man die in den Ofen und kocht in einem Topf Granatapfelsaft auf, bis der sirupartig wird und bereitet eine kleine Schale mit Olivenöl und diversen Kräutern vor. Dann gibt man den Granatapfelsirup in eine große Schale, holt die Zwiebeln aus dem Ofen und legt die einzeln dort rein. Dann noch das Kräuteröl und Ziegenkäse drüber geben und schon hat man eine wunderbare Vorspeise, die sehr lecker und gesund ist.
Jule: Hui, in letzter Zeit beende ich Interviews immer mit knurrendem Magen… Mir bleibt dann jetzt eigentlich nur noch, euch die Daumen für die Chartplatzierung zu drücken und einen tollen release day zu wünschen. Vielen Dank für das tolle Gespräch!
Das zweite Album „byebyeskiesofyesterday“ von Matija könnt ihr euch hier anhören:
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Hände hoch oder sie schießt (wirklich): MELE veröffentlicht heute exklusiv bei uns das Musikvideo zu ihrer neuen Single „Rosalie“. Liebe, Leidenschaft, Flucht und naja, Straftaten. Jule legt euch nachfolgend sowohl MELE, den Song und natürlich auch das Video ans Herz.
MELE ist süße 25 Jahre jung, studiert am Institut für Musik in Osnabrück und hat gute Chancen, in meinem Spotify-Jahresrückblick 2020 ganz weit oben zu landen. Mit Songs wie „Monogamie“ oder „deine cousine“ hat sie in der Vergangenheit zurecht viel Aufmerksamkeit und Lob geerntet. Auch ich habe es schon mehrfach betont und laufe Gefahr, dass es langsam awkward wird, aber MELE = mein absoluter Girlcrush. Sie nimmt kein, und zwar wirklich gar kein, Blatt vor den Mund und verpackt Themen, die nicht unbedingt Smalltalk-kompatibel sind, mit Charme und Witz zu Popsongs aller erster Güte.
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Die am letzten Freitag erschienene Single „Rosalie“ wurde von ihrer Fangemeinde (zu der ich mich absolut zähle) wirklich sehnlichst erwartet. MELE hat diesen Song zuvor schon ein paar Mal in Livestreams zum Besten gegeben und damit böse Ohrwürmer ausgelöst. Eventuell habe ich diese Streams deshalb auch abgespeichert, um sie morgens in der Bahn in semiguter Qualität hören zu können. Hatte ein bisschen den Charme von YouTube-Konvertern, mit denen ich mir 2005 meine Lieblingssongs auf den MP3-Player gezogen habe.
„Rosalie“ beginnt mit einer knackigen Gitarre und MELE’s Stimme, die von Anfang einen bittersüßen Touch hat. Während des Gesangs hört man wunderbar die unterschiedlichen Gefühle raus. Sie klingt lieblich, wenn sie darüber singt, wie verliebt sie ist und super angriffslustig, wenn es um Rosalie geht. Im Refrain wird’s dann rockig, die Gitarre mündet in Power-Akkorde, die von pfeffrigen Drums angefeuert werden. Wer diese Melodie nicht feiert, dem kann ich auch nicht helfen. Die Strophen sind etwas beruhigter, ab der Hälfte des Songs spürt man aber, dass es eeecht ernst ist. Das heftige Gitarrensolo kurz vor Schluss tut da sein Übriges. Geil, geil, geil.
Zwischen uns fliegen die Funken Aber es funkt was dazwischen… Rosalie, ich bin in deinen Sohn verliebt Wenn er auf seinem Mofa flieht, vor der Polizei
Inspiriert ist der Song von MELE’s erster Jugendliebe und offensichtlich auch von dessen Mutter. Hollywood, RTL2 und ihr kennt das vielleicht: Die Mutter des/der Angebetenen ist einfach ein verdammtes Monster, das nicht checkt, wie krass ihr zusammengehört. Im schlimmsten Fall denkt sie sogar, dass du schlechter Einfluss für ihren Abkömmling bist – äh excuse me? So oder so ähnlich lässt sich Rosalie beschreiben, einfach ein Schwiegermonster (hey, das Jahr 2000 hat angerufen, es möchte sein Wort zurück). Deren Meinung interessiert MELE, rebellisch wie sie ist, aber herzlich wenig.
Genau mit dieser Uns-doch-egal-Attitüde zeigt sich auch das Musikvideo. Als ich mir das zum ersten Mal angeguckt habe, wäre ich fast aus dem Bett gefallen. Das Video ist ein verdammt geiler Kurzfilm, in dem sooo gut gespielt wird, dass ich mich kurz frage, ob es sich lohnt, noch schnell Popcorn zu machen. Achtet mal auf ihren durchbohrenden Blick – der ist so strong, dass ich mich echt kurz ertappt fühle. Viel besser hätte man das nicht in eine Bildsprache packen können, echt nicht. MELE und ihr von Jan van Putten verkörperter Partner in crime stolpern von leidenschaftlicher Liebe hinein in einen Überfall und wieder zurück. Und sind dabei immer auf der Flucht vor Rosalie, die die beiden erfolglos versucht aufzuhalten. Sorry Muddi, aber nicht mit uns, pow pow. Ich liebe wirklich alles an diesem Video, auch das Ende ist einfach nur der Shit!
Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Video. Und dir, liebe MELE, wünsche ich einen tollen video release evening, weil ich weiß, wie sehr dir das am Herzen liegt. <3
Fullax aus Kassel halten mit ihrem Debütalbum „Dann Dann Dann“ einer ganzen Generation den Spiegel vor. In 11 Songs wird’s mal wild, mal zurückhaltend, mal ausgelassen und mal melancholisch. Aber egal welche Stimmung sie nun verbreiten, die Songs sind immer gespickt mit starken Sounds und noch stärkeren Messages. Die komplette Review von Jule liest du jetzt.
Fullax, bestehend aus Julian Giese und Jonas Hoppe, gibt es bereits viiiele Jahre. Der Name „Fullax“ ist übrigens nordhessische Mundart und bedeutet „Faulenzer“ (danke Facebook). Faul waren die beiden in den letzten Jahren aber nun wirklich nicht. In einem Scheunenanbau auf einem alten Mühlenkomplex haben sie sich ihr eigenes Studio eingerichtet und dort in sweeter Eigenregie ihr kürzlich erschienenes Debütalbum produziert.
Bevor ich mit den einzelnen Songs starte, noch ein Einwurf vorweg: Selten ist mir eine Review schwerer gefallen als diese. Ihr hättet diesen Artikel eigentlich schon viel früher lesen sollen, aber meine eigene Unzufriedenheit stand mir im Weg. Ich habe es einfach nicht geschafft, dem Album mit meinen Worten auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Warum ich das erzähle? Weil auch ich mal einen Reminder brauche, dass es völlig okay und normal ist, unzufrieden mit sich zu sein.
Aber jetzt höre ich auf rumzuheulen und steige in „Dann Dann Dann“ ein:
„1000 Karat“
Das Album beginnt mit dem Song „1000 Karat“, der ein Intro im klassischen Sinne ist. Nicht einmal eine Minute lang heißt er mich sanft glitzernd und in AutoTune gehüllt willkommen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich ein kurzes Intro, gerade auf Alben, ziemlich angenehm finde. Man wird doch gerne erst einmal begrüßt, oder? Nach dem „Hallo“ habe ich genau einen Atemzug lang Zeit, dann geht es weiter.
„Scary“ und „Egal“
Schon die ersten Takte von „Scary“ lassen mich wissen, dass ich’s in der nächsten halben Stunde mit richtig guten Melodien zu tun haben werde. Ein bisschen fühlt es sich an, als sitze ich in einer Achterbahn. „1000 Karat“ war die noch langsame Fahrt nach oben. Mit „Scary“ bin ich dort angekommen und rase das erste Mal steil hinab. Eine poppiger Beat und saftige 80er Synthies, die sich etwas zurücknehmen, wenn Sänger Julian loslegt. Der Song lebt für mich von den Harmonien, die durch die Background-Vocals erzeugt werden. Es geht darum nicht zu wissen, wohin man eigentlich will. Und wie man bisher so weit gekommen ist. Ist das überhaupt der richtige Weg? Kommst du mit mir nach ich-weiß-auch-nicht-so-genau? Bitte komm‘ doch mit mir.
Nicht weniger rhythmisch geht’s dann mit „Egal“ weiter. Aber Moment mal, sind das Streicher? Oh. Gott. Wie. Nice. Streicher in Verbindung mit E-Gitarren, klaren Drums und ein paar gut platzierten Synthies sind der absolute Shit. Die Vocals machen den Song zwar erst vollkommen, aber das Instrumental ist einfach eine stabile 12/10. Fullax liefern hier einen tanzbaren Hit mit Ohrwurm-Faktor, der es auch in sehr viele Insta-Storys geschafft hat. Weil er eindrucksvoll ausdrückt, wie egal einem etwas oder jemand sein kann. Oder gerade eben nicht egal. Denn es ist ein Hin und Her zwischen „du kannst mich mal“ und „ich kann nicht ohne dich“. Ein toller Song, dessen Story wohl viele mitfühlen können.
„Die Nacht“ und „Nordstadt“
„Die Nacht“ startet mit kräftigen Drums und einer toughen Gitarren-Melodie. Julian‘s Stimme strotzt hingegen ab dem ersten Ton vor Melancholie. Es geht um jemanden, der Nacht für Nacht im Traum da ist, aber am Morgen danach eben genauso verblasst, wie der Traum selbst. Dem Song gelingt hier ein toller Spagat zwischen Traurigkeit und Ausgelassenheit, auch durch die dezent platzierten AutoTune-Akzente. Die Melodie des Refrains beißt sich sofort in meinem Hirn fest. Während der Sound nach vorn geht und zum Tanzen anregt, findet sich stimmliche Melancholie aber auch in den Lyrics wieder. Wahrscheinlich deshalb hat sich „Die Nacht“ auch zu einem meiner Lieblinge des Albums gemausert.
Du bist das kleine bisschen Schlaf Du bist das kleine bisschen Hass Du bist die Nacht, du bist die Nacht für mich
Im Vergleich zu „Die Nacht“ kommt „Nordstadt“ soundtechnisch beschwingter und fröhlicher daher – und etwas poppiger als die Songs davor. Fullax besingen hier die Kasseler Nordstadt. Es geht um die Verbundenheit und Liebe zu dem Teil der Stadt, den man sein Zuhause nennt. Und der Abgrenzung zu anderen Teilen der Stadt. Ich glaube, egal woher man kommt, jeder kann diesen Song auf seine Stadt spiegeln. Denn es ist einfach in jeder Stadt genau SO. Soundmäßig offenbart sich mir spätestens mit „Nordstadt“ der rote Faden dieses Albums. Highlight des Songs ist aber eindeutig die italienische Strophe, die dem ganzen einen witzigen und auflockernden Twist gibt.
„Dann Dann Dann“ und „Absinth“
An sechster Stelle des Albums findet sich der titelgebende Song „Dann Dann Dann“. Der Anfang gibt einen beruhigenden Moment zum Durchatmen. Dann explodiert der Song aber zum Refrain hin und nimmt mich mit auf einen wilden Ritt (= Metapher dafür, dass der Beat ein bisschen wie ein Galopp klingt). Im Song selbst geht es um das Verreisen, ohne genau zu wissen, wohin der Weg einen führt und wann genau man eigentlich wiederkommt. Er kritisiert aber auch die Art wie wir verreisen. Ist man wirklich weg und nicht greifbar, wann man jeden Zentimeter des Strands und jeden Cocktail am Pool mit der Welt teilt? Kurz vor Ende des Songs gibt’s einen ruhigen Vocoder-Part, der dem Song die Schnelligkeit, die auch das Reisen manchmal mit sich bringt, wieder nimmt und ihn zurück auf den anfänglichen Boden der Tatsachen befördert.
Weiter geht’s mit „Absinth“, einem einminütigen Song, der überraschend punkigrockig klingt. Er wirbelt die vorherigen Synthie-Pop-Sounds einmal wild durch die Luft und lässt die bisher besungenen Fragen und Unsicherheiten dank seiner klaren Worte im Regen stehen. Eine schrammelige Abwechslung, mit der ich nicht gerechnet habe, die ich aber unfassbar gut und erheiternd finde. Live dürfte dieser Song der absolute Stimmungscatcher sein. I like.
„Beverly Hills“ und „Fake“
Als nächstes läuft „Beverly Hills“, der nach dem Punk-Ausflug wieder im gewohnten 80er-Synthies-Sound daherkommt. Und im Refrain den auf dem ganzen bisherigen Album immer mal wieder aufkeimenden AutoTune-Flair nochmal auf ein höheres Level hebt. Zwischendrin wird’s fast sogar etwas psychedelisch. Ich weiß, dass dieser Song nicht nur für mich einer der Highlights dieses Album ist. Besonders die Lyrics haben es mir angetan, in denen Fullax die Rich Kids kritisieren, die sich auf dem ihnen in die Wiege gelegten Reichtum ausruhen – und das mit einem Song, dessen Ohrwurmfaktor bei geschätzt 3000 liegt.
Komm her, ich kauf dir die Welt Wenn’s dir nicht gut geht, wird schon mit Geld Brauch ich Geld, oder brauch ich dich? Und was brauch ich?
„Fake“ führt dann konsequenterweise das Themengebiet fort, dem „Beverly Hills“ die Tür geöffnet hat. Hier geht’s jedoch um die, die nur so tun, als wäre ihr Lifestyle der in Beverly Hills – ist natürlich nur die halbe Wahrheit, wenn überhaupt. Es ist wichtig, sich selbst dafür zu sensibilisieren, was wahr und was falsch ist. Kann ich dir vertrauen oder soll mich deine Geschichte nur künstlich beeindrucken? Passend zu diesen Fragen baut sich „Fake“ langsam und schon fast zurückhaltend auf und blüht in wilden Synthies und Snares auf, um sich danach wieder in seine Gediegenheit zurückzuziehen. Julian‘s Stimme fällt mir hier übrigens extrem positiv auf, weil sie stark und zerbrechlich zugleich klingt. Der starke Part steht für mich in diesem Fall für das Aufbauen des Fake-Konstrukts und die Zerbrechlichkeit für die Angst davor, dass eben jenes auffliegen könnte.
„Shishabars“ und „Brauner Fluss“
Der vorletzte Song heißt „Shishabars“ und erzählt ziemlich genau einen sehr wichtigen Teil meiner Jugend (dem ich oft hinterhertrauere). So oft es ging, haben wir uns in unserer Lieblings-Shishabar getroffen. Ohne Traube-Minze war ein Freitagabend damals eben nur halb so gut. Soundgebend ist hier ein Klavier, das mir im Zusammenspiel mit dem Gesang die erste Gänsehaut des Albums verpasst. Und mit dem ersten Refrain und den hoch gesungenen Tönen schießen mir ganz vielleicht ein oder zwei Tränchen in die Augen. Fullax beweisen hier, dass sie nicht nur die ausgeklügelten, sondern auch die minimalistischen Sounds krass gut draufhaben. Kleiner Tipp am Rande: Checkt hier mal die Piano-Session von „Shishabars“, die ist wundervoll!
Kommen wir nun also zum Ende des Albums und „Brauner Fluss“. Schon der Titel lässt vielleicht erahnen, dass es jetzt politisch werden könnte. Auch hier baut sich der Sound langsam auf und treibt irgendwo zwischen Nachdenklichkeit wiederspiegelnden Gitarren und der Verzweiflung Ausdruck gebenden Drums. Während mit „Oh dein dämlicher Blick / Verändert sich nicht / Und dein Horizont / Endet da am braunen Fluss“ das Gegenüber hinterfragt wird, kommt auch der Aspekt, sich mal an die eigene Nase zu fassen, nicht zu kurz. „Brauner Fluss“ ist einer der kräftigsten und wichtigsten Songs, der das Album mit einer sau wichtigen Message perfekt und mit dem gebotenen Bumms abschließt.
Das Fazit zu Fullax und „Dann Dann Dann“
Nachdem „Egal“, „Shishabars“ und „Brauner Fluss“ bereits als Singles erschienen sind, muss ich schon sagen, dass ich ziemlich hyped auf das Album war. Aber wie ihr eben gelesen habt, wurden meine Hoffnungen nicht zerstört. Ich würde sogar behaupten, dass das Album noch heftiger ist, als ich erwartet hätte. Die Wand an Sounds, die zwischenzeitlich errichtet wird, ist eeeecht strong. Julian’s Stimme ist vielschichtig und berührt mich genau in den richtigen Momenten. Die Lyrics greifen konsequent Themen auf, die jeden von uns schon mal beschäftigt haben. Die größtenteils beschwingten Synthie-Sounds geben mir ein gutes Gefühl, auch wenn das Thema vielleicht nicht gerade das erfreulichste ist. Fullax haben diesen nicht immer einfachen Balanceakt wirklich mit Bravour gemeistert, ich bin schwer begeistert. Die Platte ist extrem liebevoll ausproduziert, ich habe einfach nichts zu Meckern. Alles in allem kann ich nur meinen Hut ziehen und sagen: Ich bin Fullax-Fan! ♡
Hier könnt ihr euch das Album jetzt selbst anhören – und wem’s so gut wie mir gefällt, der kann sich ja noch unverbindlich im Shop austoben, zwinker zwinker. Viel Spaß!
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Zuhause ist’s doch immer noch am schönsten, oder? Vor allem dann, wenn die eine Person neben dir sitzt. Das dachte sich Trille auch und hat dazu den passenden Song released. Das Musikvideo zu „Santa Monica“ feiert heute exklusiv Premiere bei uns. Was den Track ausmacht und warum das Video unfassbar passend ist, erzählt euch Jule jetzt.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich ohne Zweifel der Girlboss im 1. offiziellen Trille Fanclub bin (sobald ich mit diesem Artikel durch bin, gründe ich den, versprochen – Mitgliedsanträge gerne per Mail). Bisher habe ich jeden einzelnen Release von ihm hemmungslos gefeiert. Und hey, was soll ich sagen, ist bei „Santa Monica“ auch so.
Roaming in Rom und dann landen in London
Im Song geht’s um Sehnsucht und das beschissene Gefühl, weil man seinem Glück nicht hinterherreisen kann. Pessimisten würden sagen, dass Trille sich vorwurfsvoll ausdrückt. Ich würde sagen, dass er mit klaren Worten seine Verzweiflung beschreibt. Ist doch wirklich scheiße, wenn man tausende Kilometer von einander entfernt aneinander vorbei lebt, obwohl man doch eigentlich zusammen sein sollte. Etwas erträglicher wird das Verlangen in „Santa Monica“ durch die sommerlichen Beats, die ihn umarmen und die nötige Geborgenheit schenken. Während die Gitarre für Aufmunterung sorgt und die Drums den nötigen soften Arschtritt verpassen, stehen allem voran Synthies und Bass, um dich aus deinem Bett zu zerren, wo du dich unter Kissen vergraben hast.
Trille versteht es auch mit „Santa Monica“, festgefahrene Genregrenze aufzuschütteln und auf seine eigene Art neu zu arrangieren. Die Stimmeffekte, die er sonst gerne nutzt, sind hier etwas reduzierter. Was ich ziemlich passend finde, weil so für mich genau das richtige Gefühl in seiner Stimme übertragen wird. In der Review zu „Multiple Universen“ habe ich sie zwar auch schon mal hervorgehoben, aber ich muss es einfach wieder tun: Wie geil sind denn die Lyrics bitte? Trille schafft es von Song zu Song mehr, mich damit zu catchen.
„Deine Ansichtskarte, ist nach meiner Ansicht schade Weil ich dich zu meiner Ansicht lieber bei mir habe“
Aber kommen wir mal zum Star des Tages: dem Musikvideo. Im Splitscreen performt Trille den Song gemeinsam mit seiner Band. Und zwar live, jeweils aufgenommen im heimischen Wohnzimmer. Damit wird das Thema von „Santa Monica“ natürlich super eingerahmt. Gleichzeitig kriegt man beim Gucken ein mini Konzertfeeling, was ja gerade im Jahr 2020 Gold wert ist. Auch ziemlich nice, dass man zwischen der Spotify– und der Live-Version eigentlich keinen Unterschied hört (Qualitätsmerkmal!). Und nebenbei kann ich nur empfehlen, sich das Video mindestens 5 Mal anzuschauen und dabei jedes Mal auf ein anderes Bandmitglied zu achten – einfach nur cute, wie jeder für sich den Song mega fühlt. ♡
Wo fliegst du denn schon wieder hin?
Ich lasse euch das Video natürlich nicht auschecken, ohne vorher eine facebookwürdige Lebensweisheit rauszulassen: Höher, schneller, weiter ist nicht so erstrebenswert und geil, wie es einem oft vorgegaukelt wird. In Monika’s Kneipe an der Ecke ist es mindestens genauso schön, wie in Santa Monica. Manchmal braucht es aber eben einen Song von Trille, um sich dessen wieder bewusst zu werden. Und jetzt viel Spaß mit dem Video (wie gesagt, bitte mindestens 5 Mal gucken):
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Leopard, eine quasi neugeborene Band aus Berlin, feiern heute exklusiv bei uns die Videopremiere zu ihrem Song „20.000 Sternis“. Jule hat dazu mit Sänger Lars und Gitarrist Christian einen Abend in Berlin-Schöneberg verbracht. Was Sternburg zu dem Song sagt und was für coole, engagierte Menschen hinter Leopard stecken, lest ihr jetzt in einem etwas anderen Interview.
Vorab: Leopard gibt es echt erst seit knapp einem halben Jahr. Ich habe sie kennengelernt, weil Christian vor einigen Wochen bei einem anderen Interview-Date dabei war und mir eine CD zum Reinhören in die Hand gedrückt hat. Habe ich natürlich getan: Den Sound ihrer am 12.06.2020 erschienen EP „Mysterium“ fand ich direkt spannend. Um es einmal genremäßig runterzubrechen: Es ist irgendwie schrammeliger, aber sau ehrlicher und authentischer Post-Punk mit deutschen Texten.
Es ist ein schöner Mittwochabend, als ich mich mit Lars und Christian in der Roten Insel treffe, weil sie hier, Zitat, „subkulturell sozialisiert“ sind und auch ihren Proberaum haben. Freudestrahlend kommen sie mir entgegen. Die Wellenlänge stimmt ab der ersten Sekunde. Gemeinsam trinken wir das erste Sterni und mampfen was, denn mittwochs gibt’s hier eine VoKü (hands down, ich habe schon lange nicht mehr so lecker gegessen). Etwas an der Roten Insel hat mich nachhaltig beeindruckt: Ich habe diesen Ort noch nie vorher besucht, mich aber von allen Seiten direkt herzlich aufgenommen gefühlt. Konsequenz: Liebe geht raus an die Rote Insel <3
Ziemlich schnell ging es im Gespräch mit Lars und Christian um ihr EP-Release-Konzert. Da ein normales Club-Konzert ja nicht möglich war, haben Leopard nämlich kurzerhand ein Soli-Konzert auf einem Dach gegenüber der JVA Berlin-Moabit gespielt.
Christian: Wir haben ja im Juni die EP rausgebracht und wollten unbedingt ein Release-Konzert spielen – war halt überhaupt gar nicht möglich. Für uns als Musiker sind sämtliche Beschränkungen natürlich absoluter Abfuck. Gerade, wenn du eben eine EP veröffentlicht hast und einfach spielen willst. Dann haben wir halt für die Insassen der JVA gespielt und das war echt geil.
Lars: Ich wohne da in der Nähe und wir haben sowas auch schon mal aus dem Fenster raus gemacht. Die Insassen freuen sich halt, wenn einfach auch mal irgendwas passiert. Wir haben dieses Konzert dann sowohl live gestreamt als auch mit drei Kameras gefilmt. Einen Zusammenschnitt davon gibt’s übrigens auf YouTube zu sehen.
Jule: Krasse Idee! Wie war das so? Wie waren die Reaktionen? Gab‘s Ärger?
Lars: Joa, wir haben am Ende schon eine Anzeige kassiert (lacht). Wir haben halt eine fette 1.300-Watt-Anlage auf das Dach einer Häuserreihe gestellt, weil wir den Knasthof richtig schön beschallen wollten. Die Insassen haben’s auch voll gefeiert. Irgendwann wurden sie leider wieder weggesperrt.
Nach dem Essen entführen mich die Jungs zum ehemaligen Drugstore bzw. zur Potse. Früher hatten sie im Drugstore ihren Proberaum. Es gab viele Konzerte und Möglichkeiten für Jugendliche, sich wie auch immer auszuleben. Die Mietverträge der selbstverwalteten Jugendzentren wurden nicht verlängert und neue Räume stehen aktuell (noch) nicht zur Verfügung. Stattdessen sollen in die Räume eine private Wirtschafts-Uni und ein Co-Working-Space einziehen. Der Drugstore ist bereits ausgezogen, die Potse ist seit dem Ende des Mietvertrages von Jugendlichen besetzt – um ihren Treffpunkt zu erhalten oder wenigstens neue Räumlichkeiten zugesagt zu bekommen. Dieses Thema liegt Leopard ziemlich am Herzen. Sichtlich bewegt und wütend erklären mir die beiden den aktuellen Stand. Ist in Berlin ja leider keine Seltenheit, dass Institutionen einfach ausradiert und weggentrifiziert werden, obwohl sie ein so wichtiger kultureller Strohhalm für viele Jugendliche und junge Erwachsene sind. Pfui Berlin, pfui!
Um die Gemüter wieder etwas zu beruhigen, steppen wir zum Späti, decken uns nochmal mit Sternis ein und setzen uns in den benachbarten Kleistpark. Als wir da ankommen, ist gerade eine Gruppe dabei, mit Schwertern zu kämpfen – die perfekten Klänge, um ein bisschen intensiver über die Musik von Leopard zu quatschen.
Lars: Unsere EP ist auf jeden Fall mega wichtig für uns, weil sie bisher der einzige musikalische Output ist. In unseren früheren Bands war es auch immer schwierig was zu kreieren, womit alle glücklich sind. Das war hier einfach völlig anders. Wir haben die EP bei Thies in der Tonbrauerei produziert, vorher war das immer DIY und klang irgendwie nicht soo geil (lacht). Ich habe bei der Platte jetzt wirklich das Gefühl, dass das ein Sound ist, der uns gut steht und eben auch der Sound ist, den wir im Proberaum spielen.
Christian: Thies hat auch sofort gecheckt, wie wir den Sound haben wollen. Es war ein super natürlicher Prozess. Wir haben die EP live aufgenommen, sie ist einfach aus einem Guss. Obwohl wir sie schon nach zwei Monaten Bandgeschichte aufgenommen und das im Endeffekt nur viermal geprobt haben. Wir wussten einfach, was wir wollten, es war super harmonisch.
Jule: Wie entstehen eure Songs denn? Schreibt sie gemeinsam oder gibt’s eine Art Rollenverteilung?
Christian: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Songs, die ich geschrieben habe, es gibt welche die Lars geschrieben hat. Das ist sehr offen bei uns: Wer eine Idee hat, der wird unterstützt und dann arbeiten wir das gemeinsam aus. Einen richtig festen Prozess haben wir da nicht.
Die beiden erzählen mir weiter, dass die Mysterium-EP ein absolutes Herzensprojekt ist. Es sind Songs, die schon vor längerer Zeit hätten vertont werden sollen. Ein übergeordnetes Thema gab es daher nicht. Das Mindset war, ehrliche Texte zu schreiben. Für Lars klingen die Texte anderer Künstler:innen oftmals designt, es wird erst darüber nachgedacht, was man ausdrücken möchte, welche Attitüde, welches Lebensgefühl. Bei ihm ist das umgekehrt. Er schreibt die Texte einfach aus der Emotion heraus, ohne darüber nachzudenken, wie sich der Text am Ende als Ganzes liest. Die Songs von Leopard sind Abbilder ihres Lebens, gerade in der aktuellen Situation. Momente krasser Lebensfreude, aber auch das Gefühl des Verlorenseins.
Jule: Kommen wir doch mal zum Song des Tages, „20.000 Sternis“. Wie ist der denn entstanden?
Lars: Den habe ich zu Weihnachten bei meinen Eltern geschrieben. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall eine Abfuck-Zeit, deshalb ist „20.000 Sternis“ auch ein klassisch trotziger Abfuck-Song. Sollte er eigentlich nicht sein, aber natürlich ist er auch irgendwie ein Werbe-Song (lacht).
Christian: Da gibt es übrigens eine witzige Anekdote zu: Wir haben Sternburg gefragt, ob sie mit dem Song Werbung machen wollen. Sie haben geantwortet mit dem Wortlaut: „Wir finden den Song wirklich cool, aber die Hauptaussage dieses Liedes lässt sich leider überhaupt nicht mit bewusstem Konsum von Alkohol in Verbindung bringen“. Und wir dachten nur so: JA KACHING, STERNBURG SAGT WIR SIND ZU BESOFFEN FÜR STERNBURG (alle lachen).
Nach der EP ist vor der EP. Leopard planen natürlich auch schon ihre musikalische Zukunft. Ob nun ein Album, oder eine Doppel-EP, die deutsche und englische Texte beinhalten würde, mal sehen was kommt. War „Mysterium“ noch eine rein intuitive Platte, möchten sie die momentane Lage nutzen, um ihren Sound weiter zu spezifizieren und auszuarbeiten. Es bleibt also auf jeden Fall spannend, was da in Zukunft auf uns zukommt.
Jule: Zum Ende dieses Interviews gibts den weltberühmten blank space, mit dem ihr tun und lassen könnt, was ihr wollt. 3, 2, 1…
Christian und Lars: Wir würden gerne unserer Freundin Nam das letzte Wort überlassen, die Teil des Kollektivs D.A.M.N. ist: „D.A.M.N. (Deutsche Asiat*innen, Make Noise) ist eine politische Plattform für asiatische Menschen in Deutschland. Deutsch-asiatische Perspektiven sind in der deutschen Gesellschaft immer noch unterrepräsentiert oder werden nicht ernst genommen. Auch in feministischen und anti-rassistischen Mainstream-Diskursen werden asiatisch gelesene Menschen oft nicht berücksichtigt. Was übrig bleibt sind eindimensionale, fremdgesteuerte und stereotypisierte Darstellungen von (deutsch-)asiatischen Identitäten. D.A.M.N. versteht sich daher als Widerstandsbewegung gegen Unsichtbar- und Andersmachung, soziale Bevormundung und politische Instrumentalisierung von Menschen mit asiatischer Herkunft.“ (https://deutscheasiatenmakenoiseblog.wordpress.com)
Jule: Sauber. Vielen Dank für den schönen Abend und das noch schönere Interview! *Sternis die aneinander klirren*
So, und jetzt präsentieren euch endlich das Video zu „20.000 Sternis“, in dem es um einen Abend vorm Späti geht (mindblowing). Gefilmt mit einer Steadycam und 10 Freunden, die sich (erwachsen und dem Konsum und den Auswirkungen von Alkoholmissbrauch bewusst) hemmungslos betrinken. Das Ganze kommt als Lyric-Video daher und kann jetzt exklusiv von euch ausgecheckt werden, viel Spaß!
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Es ist endlich da: MOA’s Debütalbum „an/aus“. In 8 Songs entführt er uns in eine zusammenhängende Geschichte vom ersten Höhenflug zu einer tiefen Verbindung, der ersten Resignation, dem Richten des Krönchens und des Neubeginns. Lest jetzt die ausführliche Review von Jule, in der auch MOA selbst zu Wort kommt und einige spannende Hintergrund-Facts verrät.
Hinter MOA steckt Lucas Mohr aus Kassel, der schon seit fast 10 Jahren als Musiker durch die Lande zieht. Die einzelnen Songs des Albums hat er in einer ungewöhnlichen Herangehensweise, nämlich in einem 6-wöchigen Rhythmus als Singles veröffentlicht und sich damit bereits eine beachtliche Fanbase aufgebaut. Nun kann das Gesamtwerk bestaunt werden, zu dem mir MOA vorweg Folgendes gesagt hat:
MOA: Man sagt ja, dass man sich für das erste Album lange Zeit nehmen soll. Daher sind da auch Songs drauf, deren Ideen teilweise schon 4-5 Jahre alt sind. Ich habe aus vielen Songs die Besten gepickt und lange ausgearbeitet. Es ist jetzt nicht so, dass ich mich 2 Monate hingesetzt und gesagt habe „Ich schreibe jetzt mein erstes Album“. Es ist vielmehr ein Prozess aus einer sehr langen Zeit.
Mit diesem Vorwort steigen wir jetzt mal detaillierter in die Songs ein:
„du weißt es“
Das Album beginnt mit dem Song „du weißt es“ und einem catchigen Beat aus Drums und Gitarren. MOA besingt eindringlich das Gefühl des Kennenlernens und des kompromisslosen Begehrens. Die Strophen klingen euphorisch. Der Pre-Chorus nimmt sich dann zurück, um im Refrain energiegeladen nach vorne zu gehen. Die Lyrics bringen die Story des Songs, das Verliebtsein, absolut auf den Punkt. Auch die immer mal wieder kurz herausstechenden Gitarrenriffs finde ich toll. Gelungener Einstieg, ich will mehr hören.
„teil von mir“
Der nächste Song beginnt auf jeden Fall ruhiger, nämlich lediglich mit einem Gitarrenriff und MOA’s Stimme. Das Riff im Intro erinnert mich übrigens voll an das von Dean Lewis‘ Song „Waves“. In „teil von mir“ hat sich das anfängliche Liebenlernen von „du weißt es“ zu einer tieferen Verbindung entwickelt. Es klingt nach Hand in Hand am Strand Richtung Sonnenuntergang spazieren, sich anlächeln und den Moment genießen.
Ich hab erst gar nicht gemerkt, dass ich nicht mehr alleine bin Du bist ein Teil von mir
Der Song baut sich langsam auf, bis der Beat wie ein Herzschlag klingt. Das ist süß, ohne kitschig zu sein. Man hört hier stimmlich absolut raus, dass MOA Gefühle beschreibt, die er selbst gespürt haben muss. 1A Liebeslied auf jeden Fall.
„an/aus“
„an/aus“ ist obviously der titelgebende Song des Albums, der auch direkt gut scheppert. Melodiegebend sind hier Becken und Bass, im Refrain gesellt sich dann noch irgendwas Rasselndes und eine Gitarre dazu. Eben diese Gitarre ist für mich das absolute Highlight des Songs. Überraschend ist die Bridge, in der MOA plötzlich rappt. Das Hochgefühl von „teil von mir“ ist auf jeden Fall gedämpft, das Herzchen hat Risse bekommen. Man kann „an/aus“ aber auch durchaus als gesellschaftskritisch sehen. Viele haben verlernt, sich (fest) zu binden. Es wird geliked und blockiert als Zeichen von Zuneigung und Abneigung – geht eben schneller als eine Auseinandersetzung.
MOA: Der Rap-Part in „an/aus“ stammt eigentlich aus einem anderen Song. Als ich „an/aus“ dann geschrieben habe, passte dieser Part richtig gut rein. Er beschreibt dieses Hin und Her einer On-Off-Beziehung einfach ziemlich gut. Der Song thematisiert aber eben auch irgendwie die „Generation beziehungsunfähig“.
„worte“
Der nächste Song ist „worte“. Schon mit der ersten Zeile wird klar, dass von „an/aus“ nur noch „aus“ geblieben ist. Resigniert lässt MOA das Vergangene Revue passieren und zweifelt die Echtheit der Gefühle an. Schön ist hier die stimmliche Umsetzung des Schmerzes, den eine Trennung eben so mit sich bringt. „worte“ ist trotz seines Themas aber keine Ballade, vielmehr der stärkste, abwechslungsreichste und der instrumental „aggressivste“ auf dem Album.
Du hast gesagt du willst nur mich Bis der letzte Tag anbricht Alles verloren, ich habe dich verloren
„trümmer“
„trümmer“, den 5. Song des Albums, habe ich bereits ausführlich auseinandergenommen, die Review dazu findet ihr hier.
„neue wege“
Nachdem MOA in „trümmer“ die Ärmel hochgekrempelt und mit dem Scherbenhaufen einen Pfad Richtung Zukunft gebaut hat, geht er nun eben „neue wege“. Klingt der Songtitel eigentlich nach „Kopf hoch“, sagen die Lyrics doch eher „davonrennen“. Das spiegelt auch das Instrumental des Songs wieder, das mal energisch und dann wieder entspannter klingt – wie wenn man sich mit dem Fahrrad auf der Buckelpiste bergauf abrackert, um sich beim Weg nach unten der Schwerkraft zu bedienen.
MOA: Thematisch geht es um Freundschaft. Klassische Selbstfindungsphase: Anfang 20, was will man, wo will man hin? Er passte aber trotzdem einfach gut auf das Album. Ursprünglich habe ich ihn nach dem Abi geschrieben. Plötzlich gehen die Wege der Freunde auseinander und es steht einem alles offen. Schwierig ist aber eben auch, dass noch in vielen Köpfen steckt, dass es nur einen Weg gibt und man sich entscheiden muss. Obwohl wir eigentlich ganz viele unterschiedliche Sachen machen können.
„nina“
Der vorletzte Song heißt „nina“ und beginnt schön softrockig. Eine klare E-Gitarre und starke Drums, die abermals den leiseren Strophen Platz machen. Also wenn’s hier thematisch nicht um eine kurze Affäre geht, fress‘ ich einen Besen. Egal was kommt, wir sind hier und jetzt genau richtig. Alles an diesem Song ist irgendwie sexy – die Gitarren verrucht und die Stimme flirty. Schade, dass wir gleich durch sind. Btw, erinnert ihr euch an meinen Vergleich mit Dean Lewis‘ Song „Waves“, im Refrain heißt es: „It comes and goes in waves“. In „nina“ wiederum singt MOA eine Zeile die da lautet: „Es kommt in Wellen“. Just sayin, Detektiv Jule entgeht nix, höhö.
Ich will mehr, mehr von dir Deiner Energie, die mich nach oben zieht Du bist mein Dopamin, Koffein, Endorphin Du bist mein Adrenalin
MOA: Der Song ist aus einem Vibe entstanden, aus einer kurzen intensiven Zeit. Ich thematisiere hier tatsächlich nur einen Moment. Herbert Grönemeyer singt in einem Song „Lieb mich wenig, dafür lieb mich lang“ – ich habe daraus „Lieb mich kurz, aber dafür viel“ gemacht, also ein umgedrehtes Songzitat versteckt. Und eigentlich geht es genau darum. Einfach den Moment leben und genießen und sich nicht die Gedanken machen, die man sich in den Songs davor gemacht hat.
„höher“
Kommen wir also zum Ende des Albums, „höher“. Herausstechend ist hier erstmal das Klavier, dass immer mal wieder aufploppt. Der letzte ist auch gleichzeitig der erste Song, der richtig melancholisch klingt. Textlich auf jeden Fall das Highlight des Albums. Wobei ich ihn mir fast etwas ruhiger gewünscht hätte, nachdem eigentlich alle Songs eher in Richtung Uptempo gingen. Während die vorangegangenen Songs aber abgeschlossene Storys erzählen, endet „höher“ mit einem open end. Irgendwie auch eine schöne Metapher dafür, schon jetzt gespannt auf das zu sein, was MOA in den nächsten Jahren noch von sich hören lässt. Denn seine Geschichte ist auch noch nicht zu Ende erzählt.
MOA: Dieser Song ist einer der persönlichsten und schwierigsten Songs für mich. Ich hatte einen Bekannten, der an einem Burn-Out litt und dann auch verstorben ist. Er war ein Mensch, der nie zur Ruhe gekommen ist und immer noch mehr machen musste. Er hat sich da richtig verrannt, darüber habe ich viel nachgedacht und habe da auch einige Parallelen zu meinem Leben entdeckt. „höher“ ist auch ein kleiner Reminder an mich, dass ich mir auch mal Pausen gönnen muss.
Das Fazit zu „an/aus“
„an/aus“ ist für mich ein richtig gutes Pop-Album, das dem Klischee trotzt. Es lebt von den Gegensätzen der Lyrics zu den Instrumenten. Wobei ich denke, dass ihm eine Klavier-Ballade oder so echt gutgetan hätte. Trotzdem hat es mich ab dem ersten Hören voll abgeholt. MOA hat es mir im März das erste Mal gezeigt und seitdem habe ich nicht aufgehört, es zu hören – ein gutes Zeichen, oder? Mit am auffälligsten war für mich die klare Aussprache im Gesang. Hier ist ein „nicht“ noch ein „nicht“ und kein genuscheltes „nich“. Das stört mich bei vielen anderen deutschen Songs oft ein bisschen. Die Platte ist mega gut ausproduziert, wobei ich an manchen Stellen das Augenmerk noch mehr auf die wirklich schönen Melodien der Gitarren, Synthies oder des Klaviers gelegt hätte. Aber das ist mein persönlicher Geschmack und „Jammern“ auf hohem Niveau.
Wie auch schon in dem Artikel zum Song „trümmer“ möchte ich nochmal dem Gesamtkonzept „MOA“ meine Liebe beichten. Hier wird einfach bis ins kleinste Detail alles bedacht. Die Single-Cover (die ihr übrigens als kleine Drucke bekommt, wenn ihr ein Bundle kauft, gibt’s auf shop.moamusik.de), die sich als zerrissene Schnipsel auf dem Album-Cover wiederfinden. Die handschriftlichen Details, die euch immer wieder begegnen. Die Songtitel, die alle klein geschrieben sind, der Künstlername dafür aber komplett in Großbuchstaben. Da steckt in der allerkleinsten Ecke das allergrößte Maß an Liebe und Konzept drin. Das hat mich von Anfang an wirklich tief beeindruckt und berührt.
Falls ihr noch nicht in „an/aus“ reingehört habt, dann könnt ihr das nachfolgend tun. Untoldency – hier wird Service noch großgeschrieben.
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Trille entführt uns mit seiner neuen Single „Multiple Universen“ in eine neue Galaxie – voll von Liebe, aber frei von Raum und Zeit. Jule hat ganz genau hingehört und verrät euch, warum der Song einschlägt wie ein Meteorit.
Fleißige -Leser:innen kennen Trille, den neongelben Vocoder-König, natürlich schon. Jetzt dürften aber doch nochmal ein paar mehr Fans dazugekommen sein, nachdem Fynn Kliemann auf Instagram seine vorherige Single „Phase“ gesampelt hat (könnt ihr euch in den Story-Highlights auf Trille’s Insta anschauen). Jetzt hat Trille mit dem ebenso schönen „Multiple Universen“ nachgelegt.
Der Song beginnt mit einem Beat, der einfach gute Laune macht. Und schon in der ersten Strophe höre ich das, was ich bei Trille-Songs immer feier: Der Typ ist ein toller Texter. Er reimt, ohne dass es dieses Haus-Maus-Laus-Flair bekommt und das auch mit Worten, die wir nicht unbedingt täglich nutzen.
„High aber ich komme klar Im Nebel der Andromeda Du Alpha und ich Omega Ich Tatort und du Kommissar„
Und passend zu den Rhymes rappt Trille auch auf eine Art, die ich ziemlich nice finde (hab’s sonst nicht sooo mit Rap). Soundmäßig hat er mir mit „Multiple Universen“ (und auch schon mit seinen anderen Songs) eine große Tür in Richtung Beats geöffnet, die ich bis vorher nicht so gefeiert habe. AutoTune und Trap-Beats, die durch Gitarren, Keys und Bass trotzdem irgendwie Indie, aber eben auch Rap sind. Ich kenne absolut gar nichts Vergleichbares. Da ist wirklich für jeden was dabei.
Wie in vielen Songs von Trille geht es auch in dem Song um die Liebe. Irgendwo zwischen Freudentaumel und Durcheinander, aber am Ende ist völlig klar: Ob nun Mars oder Venus, Neptun oder Uranus – es zählt nur das „Wir“ und wir halten uns auch an den Händen, wenn physikalische Gesetze nicht mehr gelten.
„Und endlich ohne Pflichten, unendliche Geschichte So viele multiple Universen – und überall finde ich dich Verlieren uns in den Sternen, doch komm immer wieder zu dir zurück„
Trille schafft es auch mit „Multiple Universen“, dass sein Sound und seine Songs zwar unverkennbar sind, aber nie gleich klingen. Es ist immer ein neues Element dabei oder der Fokus anders gesetzt. Als er mir den Song das erste Mal gezeigt hat, habe ich ihn mir mit meinem lowen Kinderhumor aber erstmal selbst ein bisschen versaut: Ein paar Tage habe ich von „multiplen Orgasmen“ gesungen. Aber Entwarung, bin von dem Trip wieder runter und kann den Song wieder in seiner eigentlichen Pracht genießen.
Und wenn ihr mir eine Freude machen wollt, dann hört euch doch „Multiple Universen“ (oder auch Orgasmen) mal an. Denn Trille ist ein ganz lieber Typ, der jeden einzelnen Stream verdient hat. Cheers.
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untoldency erhebt mal wieder die Sektgläser: KAFFKIEZ aus Rosenheim (das ist in Bayern, Leude) feiern heute die Videopremiere zum Song „Nie allein“. Wir freuen uns tierisch! Warum, das lest ihr jetzt in Jule’s Review. Und danach wird Video geguckt! *Emoji mit Partyhut*
Wie sie schon im Interview mit Anna erzählt haben, fangen die 5 feschen Buben Johannes, Niklas, Flo, Bene und Johannes als KAFFKIEZ gerade quasi nochmal von vorne an. Bis vor Kurzem waren sie nämlich noch als Maybe und mit englischen Texten unterwegs. Jetzt hört Jule ausm Berliner Kiez die Musik von den Jungs vom Kaff – also dieser Plan ist schon mal aufgegangen.
Strammen Schrittes zum Vulkanausbruch
„Nie allein“ beginnt erstmal super ruhig. Eine sanfte Gitarre begleitet die Reibeisenstimme, die den Sound von KAFFKIEZ unverkennbar macht. Und schon in die erste Strophe habe ich mich schockverliebt:
„Letztens waren wir noch am Meer, scheint ewig lange her Heute wünsch ich dir getrost schwarzen Schimmel auf dein Toast Und dass alle deine Typen mangelhaft verhüten„
Genau mein Humor einfach. Nach der Strophe baut sich direkt der Pre Chorus auf, der mich erahnen lässt, dass hier gleich was abgeht. Und wie: Der Refrain ballert mir rockige Folkmelodien straight ins Trommelfell und ich habe sofort den Drang, mir selbst den Stuhl unterm Hintern wegzuziehen und wild in meinem Zimmer rumzuspringen. Gitarren, Bass, Drums und ich meine auch ein paar Keys zu hören. Wie auch immer, es ist geil!
Die weiteren Strophen beruhigen den Song wieder ein wenig, damit er im Refrain erneut ausflippen kann. Ich muss mich leider wiederholen, aber dieses dramaturgische Auf und Ab in Songs feier ich wirklich doll. Ich sehe jetzt schon die tanzende Meute vor mir, die bei einem KAFFKIEZ-Konzert (hoffentlich nicht erst im Jahr 2028…) eine richtig gute Zeit haben wird.
Symbolbild: KAFFKIEZ zeigen, wie man eine richtig gute Zeit hat
Thematisch geht’s in dem Song um jemanden, der das Ende seiner Beziehung bisher höchstens so zu 23% verkraftet hat. Da schwingt textlich doch noch ein dezentes Bockigsein mit, welches sich auch schön im Refrain zeigt:
„Und ich sag 1,2,3,4 – ich bin gar nicht frustriert! Und ich sag 5,6,7,8 – bin nie alleine in der Nacht!“
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn AnnenMayKantereit und Von Wegen Lisbeth ein Baby machen wollen und währenddessen plötzlich Provinz ins Zimmer platzen, weil sie in dem selben Raum gerade mit dem Lumpenpack anbandeln wollten… dann klingt das wie KAFFKIEZ. Die Entscheidung der Jungs, jetzt auf Deutsch zu texten, war meiner Meinung nach auf jeden Fall eine sehr gute!
Trommelwirbel, hier kommt das Video!
Aber nun ist er da, der Moment auf den wir alle warten: Wir freuen uns ein drittes Ohr an den Hinterkopf, weil wir euch jetzt feierlich das Video zu „Nie allein“ präsentieren zu dürfen. Das hat zwar wirklich gar nix mit dem Text zu tun, spiegelt das trotzig-humorvolle aber trotzdem ganz wunderbar wieder.
Mir bleibt jetzt nur noch zu sagen: Happy Videorelease-Day, liebe KAFFKIEZ-Boys <3 Und viel Spaß beim Auschecken, liebe KAFFKIEZ-Fangemeinde!
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