2020 hatten wir die vierköpfige Girlband Friedbergbereits im Interview. Zu ihrer damaligen Debüt-EP hat uns Frontsängerin Anna viel um den Hype, den Struggle mit Covid und alles rund um Cowbells erzählt. Vier Jahre später und Friedberg sind in einen wirbelnden und hypnotischen Dance-Punk-Indie-Gitarren-Pop gewachsen, mit dem sie live alle Bühnen abreißen, auf die sie dürfen. Ihr Debüt-Album Hardcore Workout Queen ist seit ein paar Tagen draußen und wir haben dies als Chance genutzt, um nochmal über diesen einzigartigen Sound zu sprechen, den Friedberg so ausmacht.
Friedberg im Interview
Anna: Hey Anna, das letzte Mal haben wir uns 2021 zu eurer Debüt-EP Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah gehört. Diese acht Yeahs haben meinen Corona-Lockdown damals sehr aufgeheitert. Würdest du immer noch denselben EP-Titel wählen?
Friedberg: Gute Frage. Vielleicht würd ich’s jetzt auch einfach Lizzy nennen, den Song mag ich immer noch sehr 🙂 Oder auch Your Hollywood. Freut mich jedenfalls voll, dass dich die EP damals aufgeheitert hat!!
Anna:Von eurem spontanen ersten Gig in einem kleinen Pub in London zur Support bei Placebo – eure Bühnen sind größer geworden. Wie habt ihr die Entwicklung eurer Band in den letzten Jahren wahrgenommen? Hast du ein Highlight, von dem du immer noch nicht ganz glauben kannst, dass es passiert ist?
Friedberg: Ich denke, die Tour mit Hot Chip in den USA war ein absolutes Highlight. Dass ich geschafft habe, diese Tour fast komplett alleine auf die Beine zu stellen und die Finanzierung klarzumachen, erscheint mir jetzt noch fast als Wunder. Und dann war es echt die most fun tour ever. Wir waren eine big Family, Hot Chip war die beste Band zu touren, weil die einfach alles mit uns geteilt haben, mit uns gefeiert haben, uns den Kühlschrank mit Wein vollgemacht haben etc. Und dass sie uns nach der Tour auch noch eingeladen haben, für sie in der Brixton Academy in London zu eröffnen und Alexis (Sänger von Hot Chip) einen Song mit uns performed hat in unserem Set, war wahrscheinlich eins der absoluten Highlights bisher.
„Girlbands sind 10/10, obviously“
Anna: Ihr wart zuletzt auch mit Giant Rooks auf US-Tour. Als absolute Fred Fangirl muss ich wissen: wie war das?
Friedberg: Das war auch mega. Ich liebe die USA zu touren. Man hat zwar so krasse Strecken jeden Tag zu fahren und man sieht so arge Landschaften, aber auch Menschen, dass man sich wie auf einem anderen Planeten fühlt. Man hat jeden Tag stundenlang Zeit über Dinge nachzudenken, einen Kaffee to go für 8 Dollar zu kaufen und vielleicht sogar noch ein Cowboy Café am Weg zu besuchen haha. Die Leute bei den Shows waren so krass enthusiastisch, dass wir jetzt echt sowas wie Hardcore Fans dort haben, die sich sogar unsere Cowbell tätowieren haben lassen 🙂
Anna: Von 1 bis 10, wie geil ist aber eine Girlband?
Friedberg: 10 out of 10, obvs.
Anna: Euer Debütalbum heißt Hardcore Workout Queen. Würdest du euch als Harcore Workout Queens bezeichnen?
Friedberg: Manchmal ja, manchmal nein. In dem Song geht es eher darum, dass man gerade nix hinkriegt und man jede Möglichkeit ergreift faul zu sein und z.b. Chat GPT statt einem selbst ins Museum zu schicken „Gotta love you Chat GPT, can you live out this weekend for me, Hit the Saatchi, paintings bore me“.
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Anna: Wie war der Schreibprozess für die einzelnen Songs auf dem Album? Ich kann mir vorstellen, dass jeder seine eigene Geschichte hat.
Friedberg:Ja, es sind viele ganz verschiedene Geschichten und Beobachtungen der letzten Jahre. Viele sind auf Reisen entstanden oder manche Texte nehmen den Ursprung im Cafée meines Nachbarn. Mein Nachbar ist ein genialer Maler, der jeden Tag sein Fenster zum Hof öffnet und Free Coffee für jeden ausschenkt. Da treffen wir uns dann alle kurz, haben oft echt richtig interessante Gespräche, die dann wiederum in meinem Notizbuch landen.
Anna:Was für einen Einfluss hat für dich der Ort, an dem du beim Schreiben bist?
Friedberg: In Bewegung sein, neue Orte sehen finde ich einfach inspirierend. Weirde Orte, schöne Landschaften, Züge, alles mögliche. Hauptsache kein Stillstand.
Anna: Hardcore Workout Queen ist ein Album ohne Ort, es ist der Soundtrack für den perfekten Roadtrip. Was macht für dich die Romantik eines Roadtrips aus?
Friedberg: Mit offenem Fenster beim Sonnenaufgang oder -untergang dahinzucruisen, Landschaften beobachten und natürlich super Musik hören. Und spontan irgendwo ein Motel buchen und da übernachten.
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Anna: Neben diesem Album, welche Musik hörst du auf einem Roadtrip?
Friedberg: Ich finde J.J. Cale eignet sich so genial für Roadtrips.
„Ich fürchte mich vor Luftballons.“
Anna: Der Sound auf eurem Debütalbum hat sich weiterentwickelt und ist gewachsen, ohne jedoch euren unverkennbaren Friedberg-Schlif zu verlieren. Du bist auch deiner Kuhglocke treu geblieben! Vielleicht lieb ich So Dope deshalb so doll. Hast du einen Lieblingssong auf dem Album?
Friedberg: Haha, das freut mich, dass du den Song wegen der Cowbells so gern magst. Dann hab ich ja mein Ziel erreicht 🙂 Mein derzeitiger Favourite ist 100 Times.
Anna: Mit eurem Debütalbum geht ihr im Dezember endlich auf Headline-Tour in Deutschland! Worauf freut ihr euch am meisten? Gibt es Songs, die ihr unbedingt live spielen wollt?
Friedberg: Ich freu mich 100 Times endlich mal live zu spielen. Ich freu mich auch auf unser Eisbär Cover. Aber am meisten freu ich mich, dass wir unsere eigenen Shows haben und daher endlich ein längeres Set spielen können und uns ne Dramaturgie überlegen können.
Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was du in keinem bisherigen Interview erzählt hast. Hier ist dein safe space, um alle (oder ein paar) Geheimnisse zu teilen.
Dass der richtig gute Indie aus Österreich kommt, ist kein großes Geheimnis mehr. Vor allem die Newcomer-Bubble ist voller spannender Acts, und inkludieren eben auch Leyya. Nur dass sie schon sehr viel länger mitmischen! Ihre Indie-Pop Melodien sitzen uns seit Superego (2016) tief im Ohr. Die letzten Jahren wurde es ein wenig ruhiger um Sophie Lindinger und Marco Kleebauer, die nebenbei auch bei Projekten wie My Ugly Clementine oder Sharktank mitwirken. Jetzt haben sie sich für ihr neues Album „Half Asleep“ wieder zusammengefunden, und zeigen, wie heilsam es ist, wieder bei sich selbst anzukommen. Wir haben sie ein paar Dinge dazu gefragt.
Leyya im Interview
Anna: Ihr macht als Duo schon lange zusammen Musik und veröffentlicht mit „Half Asleep“ nun eurer drittes Studioalbum. Daneben seid ihr sowohl solo als auch bei verschiedenen großen österreichischen Projekten wie My Ugly Clementine oder Sharktank mit – ihr habt aber immer wieder in Leyya zurückzueinander gefunden. Was macht dieses Projekt so besonders?
Leyya: Wir haben begonnen mit 11/12 Jahren gemeinsam Musik zu machen, wir sind zusammen persönlich und musikalisch miteinander aufgewachsen. Was sich seitdem entwickelt hat über diese Jahre, ist die unausgesprochene musikalische Konversation, die wir während des Schreib- und Produktionsprozesses miteinander führen. Wir vertrauen uns blind und gehen kompromisslos in die gleiche Richtung. Das war bei unserem ersten Album nach 10 Jahren gemeinsam Musik machen schon so und hat sich über die letzten Jahre bis hin zu Half Asleep verstärkt. Mittlerweile geht alles fast wortlos.
Jedes mal wenn wir zu diesem Projekt zurückkehren (auf welche Art und Weise das auch sein mag) fühlt es sich an wie heimkommen. Eine vertraute, sichere Umgebung in der man sich von Äußerem loslösen kann.
Anna:Ich hab euch erst in der Pandemie entdeckt und die EP Longest Day Of My Life auf Dauerschleife gehört. Was bedeutet diese EP für euch?
Leyya: Es freut uns, dass unsere EP dich in dieser Zeit begleiten durfte! Ich denke, dass die Songs der EP genauso eine ausweglose Unveränderbarkeit beschreiben. Zumindest habe ich mich beim Texten so gefühlt und ich konnte damit festsitzender Anxiety und Depression einen Namen geben. Musikalisch haben wir uns da auch einfach reinfallen lassen können, weil es so stark in der Luft lag, obwohl die Pandemie selbst bei manchen Songs noch gar nicht begonnen hatte. Ich denke, die EP bzw. die Thematiken habe uns auch die Augen geöffnet, dass wir einen Schritt langsamer machen müssen, um unsere mentale Gesundheit mehr in den Vordergrund zu rücken und zu lernen, diese auch in Zukunft zu schützen.
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Anna: Was waren die Platten oder Künstler*innen, die eure Monate der Pandemie geprägt haben? Hatten einige davon auch einen musikalischen Einfluss auf euer kommendes Album?
Leyya: Für mich war das „WIIMP3“ von Haim. Es ist sehr selten, dass ich ein Album finde, dass ich von vorne bis hinten durchhören will – ein sogenanntes „No Skip“ Album weil man bei keinem Song weiterschalten möchte.
Ich kann jetzt nicht sagen, dass dieses Album per se den Sound unseres neuen Albums geprägt hat. Sowas hängt von ganz vielen Faktoren ab und wir setzen uns ja auch nicht hin und entscheiden, dass wir jetzt einen Song machen wollen, der so und so klingt. Aber jede Musik, die man intensiv hört, prägt sich ein und inspiriert. Aber da fällt viel so viel mehr rein als nur ein Album, das man gerne gehört hat.
Anna: Auf Longest Day Of My Life wird Half Asleep folgen, welches ihr innerhalb einer Woche fast komplett produziert habt. Wie sah diese Woche aus?
Leyya: Innerhalb einer Woche ist auf jeden Fall übertrieben. Wir haben sehr viele ausschlaggebende Ideen und Songskizzen gesammelt und teilweise Songs fertiggestellt, aber ein Album beinhaltet mehr Arbeit als nur eine Woche. Ich denke diese Woche hat auf jeden Fall den Weg zum Album gelegt. Anfangs wollten wir einfach nur mal schauen, was passiert und hatten nicht mal an eine Veröffentlichung gedacht. Wir haben in dieser Woche jeden Tag eine Songidee gemacht, die es alle auf das Album geschafft haben. Es gab im generellen Prozess keinen einzigen Song, den wir dann nicht da drauf gepackt haben, weil wir so happy mit jedem Song waren, der entstanden ist. Es war ein sehr unbeschwerter und druckloser Prozess und vor allem auch ein unglaublich kreativer Austausch und das hat sehr viel Spaß gemacht.
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Anna: Bei all den vielschichtigen Songs stechen vor allem die unterschiedlichsten Instrumente und Sounds, die ihr nutzt, hervor. Welcher Sound ist besonders an euch hängen geblieben, vielleicht auch durch die Geschichte, wie er entstanden ist?
Leyya:Die Hookline in Pumped Up High ist eine uralte Saxophon Aufnahme von uns, eine übriggebliebene von der Produktion zu Sauna, unserem zweiten Album, das 2018 erschien.Marco hat die auf einer alten Festplatte gefunden. So etwas ist immer spannend in aktuelle Produktionen zu implementieren. Eine schöne Verbindung von damals zu heute und daher auch sehr passend zur Thematik von Half Asleep.
„Den Themen ein Gesicht zu geben, hilft.“
Anna:Eure Songs sind wie immer vor allem lyrisch sehr stark. Half Asleep fühlt sich an wie eine Ansammlung von Themen, die einen Nacht für Nacht wachhalten und den Schlaf klauen. Was waren die Hauptthemen, die euch beschäftigt haben?
Leyya: Vergangenes in der Gegenwart, unheilbare Schmerzen, Akzeptant und Resignation, Soziale Strukturen und Regeln, Einsamkeit und aber gleichzeitige Überforderung im sozialen Umfeld, Weltschmerz, …
Anna:Habt ihr durch den Albumprozess ein paar Themen davon für euch lösen können?
Leyya: Ein Schreibprozess, vor allem im lyrischen Kontext, ist für mich wie Therapie. Eine Betrachtung jener Themen, die in meinem Unterbewussten sitzen und Schmerz bereiten. Die Themen und Geschichten hervorzuholen, ihnen ein Gesicht zu geben, und sie vielleicht sortieren zu können, hilft. Aber Lösungen gibt es dadurch nicht, nur vielleicht eine gewisse Ordnung bzw. Übersicht, um mit ihnen besser umgehen zu können.
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Anna: Ihr werdet nach langer Zeit auch wieder live auftreten. Wie hat sich eure Beziehung zum Live-Spielen in den letzten Jahren entwickelt?
Leyya: Wir haben 2021 verkündet eine Live Pause zu machen und erst dann wieder zu spielen wenn wir tatsächlich Lust darauf haben. Die 8 Jahre davor haben wir wirklich alles bespielt, was wir konnten. Das war teilweise sehr aufwendig und mühsam. Wir sind zwar sehr viel herumgekommen, was auch wirklich bereichernd war, aber man ist ab irgendeinem Zeitpunkt so ausgelaugt, dass die Essenz verloren geht. Daher haben wir beschlossen, das so lange ruhen zu lassen bis die Essenz wieder kommt. Mit diesem Album haben wir bemerkt, dass wir sehr große Lust haben, das auf die Bühne zu bringen und uns entschieden eine kleine Tour zu spielen. Wir werden auch so immer wieder mal auftreten, aber der Kontext muss passen. Unsere Musik passt einfach nicht auf manche Veranstaltungen und darum wollen wir damit bewusst umgehen.
Anna: Auf welchen Song freut ihr euch am meisten, live zu spielen?
Leyya: Ich liebe live alle Songs besonders, wo mehrere Stimmen zusammenkommen. Oder, wo die Energie und Stimmung sich innerhalb des Songs verändert. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen, das ist als würde man fragen welches seiner Kinder man am liebsten hat. Alle!
Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr in keinem bisherigen Interview erzählt habt. Hier könnt ihr loswerden, was ihr noch nicht loswerden konntet.
Leyya: Alle Sounds, die wir auf Half Asleep verwendet haben (das war auch bei den anderen Alben bisher so) sind komplett handgemacht und aufgenommen. Da gibt’s keine Soundsamples von Splice oder sonst wo. Das einzige sind so Dinge wie das Läuten eines Telefons oder ein zwei Aussagen aus einem Gespräch einer externen Person, die bei zwei Songs eine andere Ebene rein bringen.
Alfie Templeman ist eigentlich kein richtiger Geheimtipp mehr. Mit seinem mittlerweile zweiten Album Radiosoul hat sich der Multi-Instrumentalist nicht nur Musik-Legenden wie Nile Rodgers ins Boot geholt, sondern begeistert auch immer mehr Fans weltweit. Und das ist auch kein Wunder, bei so viel musikalischem Talent in so jungen Jahren, macht es wirklich nur Spaß ihn auf seiner Karriere zu begleiten. Zu seiner damaligen EP „Happiness In Liquid Form“ (2020) hatten wir ihn schon im Interview und freuen uns deshalb sehr, zu seinem neuem Album nochmal mit ihm zu sprechen!
Alfie Templeman im Interview
Anna: Hey Alfie, I hope you’re doing good! It’s been a while since we last talked, a lot has happened. How did you experience the last four years?
Alfie: Hi! I’m doing good thank you. These last 4 years have been a ride for sure. Every year has been very different from the last. 2020 saw an influx of streams and new listeners due to the pandemic, so 2021 and 2022 was all about touring the music people got to love whilst they were isolating. I released my first album in 2022 and did my first ever world tour which was good fun but very intense. 2023 ended up being a lot more relaxed and I ended up moving out of my parents place and going to London. I wrote my new album during that process.
Anna:It’s still as fun as it was back then to watch your musical career unfold in so creative and beautiful ways. What were the highlights of your career so far that you will never forget?
Alfie: That’s a really sweet thing to say! My dream as a kid was to release records and build a good discography that feels aesthetically pleasing. So taking action on that and maintaining it honestly feels like one of the main highlights of my career. But there’s also touring the world and meeting people that enjoy your music all over the place. And working with Todd Rundgren and Nile Rodgers is of course another highlight!
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Anna: What is something you learned during these years?
Alfie: Don’t rush art! But also don’t slouch around. Focus and energy is key. I’m still finding the perfect environment to create music. It’s yin and yang. Being comfortable but taking risks. Remember to excite yourself!
Anna: Your new songs on Radiosoul are about entering the new decade of your life: the 20’s. As someone who has been there, I can tell you: it’s gonna be lot. How do you feel about the 20’s? What are you most excited for?
Alfie: Yeah I’m already overwhelmed to be honest! I’ve put pressure on myself to work hard during this decade of my life as I know musicians tend to create some of their best work in their 20s. I think Radiosoul is a really nice way of entering this period. It’s a bridge that my adolescence took a walk over to get to the present.
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Anna: Are you someone who thinks about the meaning of life a lot?
Alfie:Too much. I think sometimes it’s okay to be existential and tap into your mind a bit. But I definitely go down that route a little too much and sometimes it affects my work flow and day to day attitude – especially recently for some reason. But I think I’ll channel it into something good later on down the line. I’d rather have a mind that thinks fairly deeply and face the wobbles that come with it.
„My songs are like a diary entry.“
Anna:When we’re already in a deep-talk, what kind of role does music play in your approach to finding your own path in the world and expressing yourself in it?
Alfie: Sometimes my songs are like a diary entry. I don’t really mean to do it but I end up oversharing things and processing my emotions through writing songs. I like this because in the bigger picture it paints a nice image of the different stages of my life and all the highs and lows of being a recording artist.
Anna:It feels like a random thing to say, but I really love your lyrics and your way with words. How do you approach writing songs?
Alfie: Thank you! Sometimes songs just fall out of the sky. The track “Beckham” wrote itself in a weird way. I just wrote a bunch of lyrics down without really knowing how I was going to sing them. But normally I just think of a really good melody and then write things that fit into it. I often write down little words and phrases that I think of in the shower or on a plane.
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Anna: You’ve worked with a lot of talented people on this album. What is something that you most enjoy when working with other people on somethings that’s as personal as your music?
Alfie: Well, for a lot of my songs I’ve sat in the hot seat when it comes to producing. When I started writing this album I had a hard time producing anything I was happy with. So I gathered together a small list of producers that I wanted to work with. This meant that I could focus on writing the best material possible without worrying about restricting myself when it came to executing the song.
Anna: Is there a song on the album that kinda stands out for you? In meaning or in the creative process?
Alfie: “Beckham.” Dan Carey and I recorded it in two afternoons with a few sandwiches. It just came from nowhere. Dan has an incredible studio, a jungle of instruments. We messed around with lots of different instruments until this song kinda just pieced itself together and I chucked my lyrics on top. It felt so good.
„I miss playing in Germany.“
Anna: You’ll be playing some intimate release shows over the UK in June – do you have plans on coming back to Germany yet?
Alfie: I hope so. I’ve just been out to Berlin to hang with some fans of the album and I also mastered my album over there too. I miss playing in Germany. They have the best riders of all time. You get treated amazingly and the people are so lovely and excited to see you play. But yeah, I reckon by the end of this year we’ll be back over there to play some shows!
Anna: For our last question we always ask for an untold story – it’s your space to share whatever you like.
Alfie: Germany was the first place I ever played outside of England. My dad and I flew out to Reeperbahn when I was 16 and I did this small set at Molotow with just a guitar. I was so nervous but it was really fun! I remember being so excited because I could buy beer over there as the drinking age is 16. Luckily I didn’t go crazy before the performance! Thanks so much for having me and hopefully it won’t be 4 whole years before we speak again! 🙂
Radiosoul ist ein Album der Selbstfindung in den 20ern, voll mit catchigem Indie-Pop Hits, tiefen Lyrics und viel Humor. Alfie Templeman auf dem Schirm zu haben, lohnt sich immens. Wer weiß, wo die reflektierte Reise des junges Songwriters und Produzenten noch hingehen wird, aber eins ist sicher: Spaß machen wird sie!
Das französische Pop-Duo Charlotte Fever kommt Ende Juni im Rahmen der Fête de la Musique für ein Konzert nach Berlin. Vorab haben wir sie ausquetscht: über ihr aktuelles Album „Paris Cyclone“, ihre Dynamik als Duo und Sommer in Frankreich mit all seinen Facetten. Wir können jetzt nicht nur die garantierte Gute Laune empfehlen, die man bekommt, wenn man ihr Album hört, sondern sind jetzt auch riesen persönliche Fans der sympatischen Pariser. Wer sommerliche Landschaften und 80s Pop mag, ist hier genau richtig.
Charlotte Day im Interview
Anna: You’re a “french band with fresh sounds” as you say in your Insta-Bio. What is it that makes your sound so fresh?
Charlotte Fever: As much as we love Paris, the city has a slightly anxiety-inducing vibe. So when we begin working on a new song, we rely on our imagination to design ideal sonic and visual landscapes where we feel good in order to start creating. These imaginative spaces become our sanctuary, allowing us to craft our fresh new universe.
Our creative process often begins with visions of tropical paradises — sipping cocktails by a poolside oasis or strolling along sun-kissed beaches on a torrid day. We are usually infusing our music with elements of sunny percussion, dreamy 80s synths and echoes of good memories. Then we weave together melodies that transport us to these idyllic scenes.
Anna: How did you find your way to making music? What’s the origin story behind Charlotte Fever?
Charlotte Fever: We met about ten years ago through mutual friends and hit it off right away. We had our first musical experience together in a psychedelic rock band. But we both wanted to do something fresher, lighter, more spontaneous — just the dynamic duo of us. We realized that together the whole creative process was so much easier. Probably because we feel free to play and sing anything in front of each other. Whether it’s crafting melodies, weaving lyrics or delving into themes, our complicity fuels our creative flow effortlessly.
„When we’re composing, our minds wander between the streets of Paris and tropical daydreams.“
Anna: You released your debut album last November. After two EPs it’s a milestone called Paris Cyclone and packed with songs I wanna play on repeat at my fictional pool. What’s the story behind the album title?
Charlotte Fever: From start to finish, we do pretty much everything on our own in our Parisian-sized studio. That’s probably one of our strengths, because we record with each other with complete freedom and no time limits. But we still crave to get away from these few square metres and therefore we chat together a lot! We usually talk about things we like in general, like idyllic beaches, dreamy holidays and the occasional natural disasters… Writing about these ‚fantasies‘ gives us a sense of freedom.
Our very first album Paris Cyclone is a blend of solar tracks and a good summary of what’s going on in our imagination. When we’re composing, our minds wander between the streets of Paris and tropical daydreams. The album is resolutely designed to get people dancing to the rhythm of exotic percussion. We really tried to take people with us, to places where they can escape their everyday lives. In the end, like your fictional pool, Paris Cyclone is our very own make-believe paradise!
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Anna: What would you play at your fictional (or non-fictional) pool? Do you have a favorite summer album/playlist or artists that you connect deeply with the sense of summer?
Charlotte Fever: To party on the day that we will get a non-fictional pool on the roof of our studio, the top of the playlist will be:
Anna: What are some of your favorite memories of summer in France?
Charlotte Fever: August transforms Paris into a tranquil haven. The city is (almost) empty and it’s the moment of the year we like it the most. Any summer day spent basking in the sun, playing Mölkky with friends would be a favourite memory. Especially this time when we stumbled upon THE perfect spot in Les Tuileries, the experience was even more magical haha.
„Perhaps the next album will tell that tale?“
Anna: What’s your current favorite song on Paris Cyclone? And why?
Charlotte Fever: Our standout favorite would probably have to be Septembre, as it is a step away from our usual style. It had us dive into nostalgia, which proved to be quite the challenge!
Since the beginning, we’ve strived to keep our songwriting detached from personal experiences, delivering a rather neutral message. Yet, Septembre was a deliberate break from that norm where we intended to capture the bittersweet essence of summer’s end with a story we’ve all experienced to some extent.
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As we both have a tendency to turn to music to let off steam, sadness is really not our go-to… Melancholic music is the only kind of sad tune we are able to feel at ease with. Therefore crafting a track like this one was a bit of a risk but also an intriguing experiment. And in the end, we are super happy that we ventured into this unfamiliar territory. So who knows, maybe someday we’ll explore the depth of outright sorrow. Perhaps the next album will tell that tale?
Anna:What topics do you cover on the album and in your music? As a (sadly) non-french speaking person, I only understand so much.
Charlotte Fever: Charlotte Fever is more than just two collaborators — we’re friends who chat a lot and share everything. Our songs are born from the very conversations we have, delving into topics like love, heartbreaks, parties, natural disasters, erotica, holidays… and even aquagym.
Overall, with this album we’re trying to make the summer season last all year round, to conjure up a sensual universe whisking you away on a journey away from everyday life. Paris Cyclone immerses you in an eternal, tropical, and sensual summer, inviting you to escape the ordinary and embrace the extraordinary.
„80s pop inspires us a lot.“
Anna: Who would you list as your musical influences? Is there a dream-collab you would like to make happen some day?
Charlotte Fever: Clearly, 80s pop inspires us a lot, but if we’re going to do a collab we might as well do it with someone who’s still alive. We would probably jump at the chance to work with Sébastien Tellier, Tame Impala, Niagara, Polo&Pan or Daft Punk…
Anna: Talking about collabs, you’re deeply rooted in the Parisian music bubble. Can you rec us some local artists we should check out?
Charlotte Fever: Absolutely! We assume that you are undoubtedly already familiar with L’Impératrice, but if not, do something about it as it’s a must-know haha. We even had the chance to collaborate with them at the very start of Charlotte Fever. And while you’re at it, don’t miss out on discovering other incredible talents like Edouard Bielle, Lewis OfMan, Zaho de Sagazan, and many others featured in our curated Spotify playlist La Fièvre F.M.
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„It was both totally out of the blue and truly magical.“
Anna: You’ve been touring and playing (sold out) shows not just in Paris or France but globally. Is there one show that stands out to you? It has to be really exciting to play your music in a completely different country.
Charlotte Fever: Tokyo was absolutely surreal. We had the incredible opportunity to perform at Spotify o-nest, a renowned venue for indie music. The energy was electrifying, the show sold out, and the audience was super welcoming. It was like stepping into a dream come true, we did not even expect half of this!
Another unforgettable experience for us was not a traditional concert. Picture this: we were touring Central America, and while in Honduras, we received the unexpected request from the Alliance Française to play in a school. So, at 10 AM, we found ourselves performing in the schoolyard of a local school. The children, who were all learning French, surprised us with handcrafted signs adorned with our photos and lyrics written in bold felt pen and as we performed, they sang along with us. After the concert, they presented us with banknotes, plaster casts, pencil cases, erasers — anything they could find for us to sign. It was both totally out of the blue and truly magical.
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„It was both totally out of the blue and truly magical.“
Anna: A few weeks ago you’ve played a c/o pop, in June you’re going to play the final show at Fête de la Musique in Berlin. We’re already excited for you to be here, have you ever been here before/know some artists from here?
Charlotte Day: A few years back, we had the chance to go to Berlin on holidays and we love this city for many reasons. Yet, what truly stole our hearts was its culinary scene: you have the finest vegan pizza and the most incredible vegan blue cheese on the planet! Now, as we prepare for our first show in the city, our excitement extends beyond just the food to the legendary Berlin atmosphere. Parties in Berlin are said to be memorable and we’re eager to see if the live music scene lives up to the vibrant hype.
Even though Nena, Kraftwerk, and Nina Hagen may not hail from Berlin, they’re German icons we admire. And during our time in Berlin, we’re hoping that we will get the time to explore the city’s record stores, hoping to unearth gems and discover new local indie artists.
Anna: For our last question we always ask for an untold story– something you’ve never shared in an interview before. That can be totally random, serious, funny or music connected, whatever you feel like sharing now.
Charlotten Day: Oh wow, this is going to be hard because we are an open book… It’s not untold but it’s a truth bomb: nobody’s actually called Charlotte in our band.
The real story goes like this: we have been super close friends for years and started making music together purely for fun. It all started on a rainy summer day in our Parisian apartment, where our friend Charlotte was staying with us. She was crashing on the couch due to a fever, which inspired us to jokingly name our very first song „Charlotte Fever“ after her… It eventually stuck and was adopted as our band name.
Wer Lust hat, das sympatische Pop-Duo live zu sehen, am 21.06. spielen sie im Kesselhaus, Berlin im Rahmen der French Night der Fête de la Musique! Der Eintritt ist frei, bis dahin verliert euch gerne noch ein wenig in der idyllischen Sommer-Welt von Charlotte Fever:
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Hidden Gemz zu hören macht einfach Spaß. Die Newcomerband aus Österreich, die letztes Jahr quasi aus dem Nichts kam und Supportslots von Bilderbuch spielte, hat nun ihre Debüt-EP The Gemz Mixtape veröffenlicht. Passend zum Frühling und all seiner Endorphine ist The Gemz Mixtape genau das: ein Mixtape voller überragend guter Songs. Irgendwo zwischen Brockhampton, Dominic Fike und Gorillaz finden Hidden Gemz ihren ganz eigenen Style. Und der macht einfach Spaß. Was genau da drin steckt, wie alles gestartet ist und vieles mehr erfahrt ihr hier, denn wir haben sie all das mal selbst gefragt.
Hidden Gemz im Interview
Anna: Eure erste Single Miss Monroe hat erst im Oktober 2023 das Licht erblickt, ihr macht aber schon sehr viel länger Musik. Wie habt ihr zur Musik aber auch als Band zusammengefunden?
Didi: Zur Musik haben wir alle auf verschiedene Weisen gefunden. Für mich war es durch meine Familie und vor allem durch meine Geschwister, wo ich mich viel durch deren Lieblingsmusik durchgehört habe. Als Band haben wir uns alle im Kontext Schule kennengelernt und gemerkt, wie gut wir zusammen passen.
Jonas: Meine ersten Berührungungspunkte mit Musik hatte ich mit sechs Jahren auf meinem ersten Konzert. Schon damals hatte mich der Schlagzeuger der Band sehr fasziniert und ab diesem Zeitpunkt wollte ich dann auch Schlagzeug lernen. Bis zu meinem ersten Schlagzeugunterricht trommelte ich auf allen Kochtöpfen, die wir zuhause hatten. Didi, David und Mateo habe ich dann erst viel später in der Oberstufe kennengelernt. Nachdem ich schon ein Jahr in der Oberstufe war, wechselten die drei auf meine Schule und es hat sich schnell herauskristallisiert, dass wir vier sehr gerne gemeinsam Musik machen. Nach den ersten Schulauftritten wollten wir das Ganze auch außerhalb der Schule präsentieren und seitdem arbeiten wir zielstrebig an unserer Karriere.
Anna: Was ist die Geschichte hinter Miss Monroe? Wieso habt ihr euch entschieden, die Single nicht mit auf die EP zu nehmen?
David: Miss Monroe gab es schon sehr lange. Ursprünglich ist er so entstanden, dass ich am Keyboard die Akkorde von Sunset To Sunrise in einem anderen Rhytmus gespielt habe. Eigentlich zum Spaß. Wir haben dann durch unsere Konzerte bemerkt, dass der Song zu einem Favoriten des Publikums wurde, und so dachten wir uns, dass Miss Monroe perfekt als Debut-Single geeignet wäre.
Didi: Es war auch ein Statement Song für uns. Wir wollten den Leuten einen passenden Einstieg in unsere Musikwelt geben. Von dort aus kann man uns als Band gut mitverfolgen und sich mit uns gemeinsam entwickeln. Die EP hatte nochmal den Zweck eine andere Geschichte zu erzählen, in die Miss Monroe nicht passte.
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„Ich hätte Paranoia, dass ich auf Butterfly Effekt irgendwas anrichten würde.“
Anna: In eurer Debüt-EP The Gemz Mixtape geht’s viel ums Reminiszieren der Vergangenheit und die Essenz eurer Teenie-Jahre. Was ist es, was ihr am meisten aus der Vergangenheit vermisst? Würdet ihr gerne ab und zu zurückkehren und Dinge nochmal erleben/anders machen?
Jonas: Aus meiner Vergangenheit vermisse ich am meisten das unkomplizierte Leben, in dem ich mir weniger Gedanken über gewisse Themen gemacht habe. Ab und zu denke ich schon darüber nach zurückzuspulen und Momente nochmal zu erleben. Jedoch hält dies meistens nur kurz an, weil ich meinen jetzigen Lebensabschnitt auch sehr schätze. Dinge konkret anders machen würde ich nicht.
David: Ich vermisse die Freiheit von Sorgen und die Gelassenheit. Nach der Schule bin ich heim gegangen und habe mein Instrument geübt, Songs geschrieben oder mich mit Freunden getroffen. Und ich hatte alle Energie der Welt trotz Schule, Hausaufgaben und Lernen.
Mateo: Auf jeden Fall kommt Nostalgie hoch wenn ich an die Zeit denke, wo man sich um nichts geschert hat außer Spaß mit Freunden zu haben und die Schulzeit zu überstehen. Das war ein „anderes“ Gefühl von Freiheit.
Didi: Das schöne Gefühl der Gegenwart vergisst man oft ein wenig im Moment und erinnert sich dann erst wieder daran wenn es schon in der Vergangenheit liegt. Es gibt schöne Zeiten, an die ich gerne zurückdenke, aber sie noch einmal erleben wollen tu ich nicht. Ich versuch so gut es geht meinem eigenen Wort zu folgen und zu erkennen welche schönen Seiten meines Lebens ich aktuell leben darf. Anders machen will ich auch nichts. Ich bin zu froh darüber, wie es mir heute geht und hätte Paranoia, dass ich auf Butterfly Effekt irgendwas anrichten würde und plötzlich alles anders wäre.
Anna: Outside könnte glatt zu meiner Frühlings-Hymne werden, so oft wie es momentan höre. Wie verbringt ihr eure Frühlings- und Sommertage am liebsten?
Didi: Mit Freunden so viel es geht. Die Tage, an denen es möglich ist, versuche ich immer zu nutzen und Sommer ist sowieso meine Jahreszeit. Sich irgendwo draußen treffen und schwimmen gehen oder Fußball oder auch Volleyball spielen während wir Musik hören, das fühl ich.
Mateo: Am Liebsten verbringe ich diese Tage mit rausgehen Leute treffen und auf jeden Fall auch Songs hören, die einem dieses Sommer-Gefühl geben.
David: Ich persönlich: Ein guter Tee mit dem Album „The Peaceful Side of Jazz“ von Billy Strayhorn oder ein Spaziergang durch den Prater.
„Das Lied hittet bei mir komplett.“
Anna: Welche Musik hört ihr, wenn ihr draußen mit euren Freunden unterwegs seid?
Didi: Das ist unterschiedlich da gibt’s bei mir persönlich eigene Playlisten zu verschiedenen Vibes. Aber welches Lied ich zum Beispiel jetzt schon tot höre und sicher noch im Sommer hören werde ist „11 y once“ auf dem neuen Album von Tainy. Das Lied ist zu gut und hittet bei mir komplett.
Jonas: Viel Hip-Hop wie zum Beispiel unter anderem Jay-Z, Anderson Paak, Mac Miller oder Remi Wolf.
Mateo: Also man kann auf jeden Fall nicht viel falsch machen mit klassischen R&B/Hip Hop Songs von Künstler*innen wie Tyler the Creator, SZA oder Kanye West.
Anna:Welche Songs und Artists haben euren Sound inspiriert? Ich hör viel von Outcast zu Brockhampton, Dominic Fike oder Gorillaz und liebe diesen Mix vollkommen.
Didi: Das sind ehrlich geile Künstler. Ich mein, irgendwo her kommt Inspiration immer, aber bei unserer Musik denken wir nicht bewusst an irgendwelche Inspirationen sondern einfach was aus uns so rauskommt. Wir spielen und spielen und schauen, was uns gefällt. Im Endeffekt entsteht dann vielleicht ein ganzer Song auf diese Weise.
David: Mein „Bass-Spiel-Style“ (wenn man das sagen kann) ist sehr beeinflusst von dem Album „All Eyez On Me“ von 2Pac. Songs wie „Scandalouz“ oder „Only God Can Judge Me“ haben bis heute für mich die besten Bass-Lines.
Mateo: Mich persöhnlich haben Künstler wie Dominic Fike, Kendrick Lamar aber auch Bands wie Pink Floyd oder RHCP total inspiriert.
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„Es hat sich angefühlt wie auf einer Klassenfahrt.“
Anna: Bevor ihr überhaupt Musik veröffentlicht habt, habt ihr schon live gespielt. Zuletzt auf Supporttour mit Bilderbuch – zu dem Zeitpunkt war nur die Single Miss Monroe veröffentlicht. Wie ist es dazu gekommen und wie war das für euch, am Anfang von eurer Karriere vor so vielen Menschen zu spielen, die euch nicht kennen?
Jonas: Das ist sehr richtig, wir haben vor unserem ersten Release auch schon viel live gespielt. Vorrangig in den Wiener Gürtellokalen. Als wir mitbekommen haben, dass Bilderbuch uns als Vorband möchte, hat uns das natürlich sehr gefreut und es war eine komplett neue Erfahrung für uns. Vor so vielen Leuten zu spielen war ein sehr aufregendes Erlebnis, doch was an diesen beiden Gigs besonders war, war das gemeinsame herumreisen. Es hat sich angefühlt wie auf einer Klassenfahrt.
David: Es war sehr überwältigend wie viele Leute auf einmal vor der Bühne stehen. Gleichzeitig hat es einfach total viel Spaß gemacht auf einer Bühne mit dieser Größe zu performen.
Anna: Bilderbuch sind eine der größten Band aus Österreich, die die deutsche Indie-Bubble dominiert haben und es immer noch tun. Dabei wimmelt es in eurer Wiener Bubble nur so von unfassbar guten Newcomer-Artists. Und weil wir natürlich nichts davon verpassen wollen, vielleicht die Frage direkt an die Quelle: Wen aus eurer Bubble sollten wir auf jeden Fall auf dem Schirm haben?
Didi: Ehrlich gesagt sind wir gar nicht so in dieser „Bubble“. Aber es ist immer eine gute Idee seine Augen und Ohren offen zu halten für interessante Charaktere. Man kann da echt überall Sachen finden, die zu einem passen, man muss nur offen sein. Wenn man das ist, gibt es so viel zu sehen.
Anna: Ihr habt die gesamte EP selbst aufgenommen und produziert – wie war diese Erfahrung für euch? Und wie hat sich die Dynamik eurer Band dabei entwickelt?
Didi: Es war echt was Neues für uns, aber wir haben auch dabei, ähnlich wie im Songwriting und Performen, so einen Spaß drin finden können. Studio-Arbeiten war manchmal sehr anstrengend für den Kopf, aber die Momente, in denen man rumprobiert und auf was geiles kommt, sind zu wild gewesen. Hat mir persönlich absolut gefallen mal mehr im Studio zu sein und da zu hustlen. Ich glaub, wir lernen uns gegenseitig immer besser kennen bei sowas und deswegen schweißt es einen auch mehr zusammen und stärkt das Verständnis zum anderen.
David: Jeder hat einfach Aufgaben in seinem Möglichkeitsbereich erledigt. Meine Kenntnisse beim Aufnehmen sind leider nicht die stärksten, reichen aber aus wenn Jonas am Schlagzeug sitzt und deshalb nicht selbst aufnehmen kann.
Jonas: Wir haben in diesem Prozess auch sehr viel dazu gelernt. Dadurch, dass jeder von uns seine Stärken und Schwächen hat, haben wir uns sehr gut ergänzt. In der Produktionszeit der EP haben wir uns fast täglich gesehen und wir sind somit nochmal ein Stück näher zusammengewachsen.
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Anna: „I think I finally understand that I’m in love with cake.” mag fast meine Lieblingszeile aus der gesamten EP sein. Die offensichtliche Frage: was ist euer Lieblingskuchen?
Jonas: Für mich ist es absolut ein Himbeerkuchen.
Didi: Für mich ist es vielleicht sogar ehrlich gesagt Sachertorte.
David: Oblatentorte.
Mateo: Erdbeerjoghurttorte.
Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Das mag eine Anekdote aus dem Studio, eine Empfehlung von Herzen oder etwas komplettes Random sein. Hier ist euer Space, zu sagen, was ihr wollt.
Didi: Schwierig, aber eine Sache, die mir aufgefallen ist, ist, dass in dem Stress, den wir teilweise stark zu spüren bekommen haben, es immer wichtig ist, verbunden mit Leuten zu bleiben. Man sollte sich nicht in Einsamkeit abschotten. Sich mit den Leuten in dem eigenen Umfeld auszutauschen kann einem so sehr helfen aus diesem Tunnel zu kommen. Das ist mir aufgefallen und würde ich gern weitergeben an Leute, die etwas ähnliches erfahren haben oder gerade erfahren.
Jonas: Ein lustiges „Easter Egg“ gibt es in unserem Song Chops. In jedem Chorus hört man einen von uns, als rhythmische Element, atmen/hauchen. Das ist auch das entscheidende Element, welches den Bounce im Song ausmacht.
Mateo: Was oft missverstanden wird, ist dass Musik Kunst ist und es da kein richtig oder falsch gibt.
Wir lassen Mateos Schlusswort nochmal eine Minute wirken und dann hören wir die Kunst, die The Gemz Mixtape und Hidden Gemz sind, nochmal von vorne. Ihr auch?
Wenn die Melancholie zuschlägt und auch der Synth genau diese Frequenz trifft, die direkt für Gänsehaut sorgt – dann hört ihr vielleicht einen Song von Tusks. Die Sängerin, Produzentin und Multiinstrumentalistin aus London hat atmosphärische Synths mit dunklen Pop-Melodien zu ihrem unverwechselbaren Sound gemacht und verpackt in ihnen Verletzlichkeit, Ehrlichkeit und Intimität. Die Vergleiche schwanken zwischen Daughter, Sigur Ros und Art School Girlfriend, und auch wir haben ihr neues Album Gold erstmal ein wenig sacken lassen müssen. Dann haben wir jedoch die Möglichkeit ergriffen, um Tusks selbst was zu ihrer Musik erzählen zu lassen.
Tusks im Interview
Anna: You’ve been making music for some time now. How would you describe your new record in comparison to the last two?
Tusks: I think it definitely feels more refined and mature than my previous two. I fully feel like I’m In my 30s writing it now. Like I was way younger making the first two. I think it’s richer, I think the songs are more developed and I think it sounds maybe more like the music I listen to a lot.
Anna: Gold is an album full of contradictions that you also pulled from your personal experiences. Is there one that fascinated you the most, or one that made you struggle the most?
Tusks: I think Strangers is the one that I struggle with most. The idea that you can be so close to someone for so long and then the relationship can end and you can just become strangers… Something about that just always feels so sad and gutting to me – even if its right to break up the relationship. Every time I sing it live it makes me sad in a different way to the other tracks.
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Anna: What’s a learning you pulled from these experiences? Maybe we can learn something from them, too.
Tusks: I think that you can always get through the things that felt like they would be too much to handle. I feel like experiences just come around again and again in life disguised as different things and you will be OK – even if it seems impossible.
Anna: Your music is very ethereal, and it’s really easy to let myself just fall into it. How was the process behind the music for you?
Tusks: I love losing myself in the process of writing and producing music. Normally, I’d take myself away to a secluded place, not talking to anyone for days. It all kinda flows out of me. Then I take it back to the studio and start producing it properly. This one was really fun to produce. We ran it through loads of tape machines and analog delays and got really creative with the recording side of things. That brought so much fun and energy to the process.
Anna: Can you share songs (or artists) that recently made you feel like falling into them?
Anna:Your song The Wayis addressed to anxiety and trying to accept the things you cannot change. Did writing the song and addressing it so clearly change something for you?
Tusks: Yeah it did actually. The song is about realising that this is the way it was always going to be. Something about having that element of control or choice taken away from me really calms my anxiety. You just have to accept that this is how things are and this is what’s happened and move on. There’s no other choice really.
Anna: Read The Roomalso feels like a very personal song. What is it about?
Tusks: Yeah it is. Its another break up song – kinda more reflective and defeatist than the others on the album. It was all recorded in one take in this studio in Wales. Then I did a take of synths over the top through a Copicat Tape Echo which I think makes it feel way more lonely than the other tracks. Its meant to be a bit of an interlude. Kinda like a daydream.
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Anna: In parts, the album was written amidst exceptional circumstances of 2020/2021. Do you feel like you would have written a different album if it wasn’t for Covid?
Tusks: Yeah for sure – it would’ve just been a completely different album I think because there was such a pause on everything that I just wrote and re-wrote all the songs. I think maybe only two of the songs that made it onto Gold were in the original ten songs – Wake and Cold Storm (weirdly the first and last).
Anna: What is the weirdest (or coolest) habit you picked up during the lockdown years?
Tusks: Haha err I made a lot of pasta at home. But I feel like that’s something you can only really do when you have the time you have in a lockdown.
Anna: For our last question we always ask for an untold story – something you’ve never shared in an interview before. Is there something you want to get off your chest now?
Tusks: The middle 8 of strangers came about because I got covid just before we went in to record the album. I was living in this warehouse of 11 people at the time. The rule was if you got covid, you couldn’t leave your room. I tested positive for ten days so was in this room for ten days and it was literally like 2m x 3m. It was so bizarre. Luckily it had a huge window which looked out across London and we were on the top floor so there was an amazing view – one day I just watched this crane build a house for hours. But yeah – I wrote the middle 8 of strangers at that time too which I think is why its so full of angst and tension.
„Full of angst and tension“, aber trotzdem wunderschön – wir können euch allen Tusks Album sehr ans Herz legen. Hört hierin Golden rein!
Trennungsschmerz ist sicherlich etwas, was wir alle gern in die hinterste Ecke der hintersten Schublade stecken würden und so schnell wie möglich vergessen würden. Marie Bothmer dagegen hat sich bewusst mit ihrer Trennung im letzten Jahr auseinandergesetzt und den stechenden Schmerz in eine pointierte, dynamische und extrem starke Debüt-EP namens „Swimmingpool“ verwandelt.
Ich habe mit der zuckersüßen Marie über ihr toughes letztes Jahr und die Musik, diedaraus hervorgegangen ist, im Interview gesprochen.
Marie Bothmer im Interview
Evelin: Heute reden wir insbesondere über eine EP “Swimmingpool”, die letztens erschienen ist. Erstmal Glückwunsch dazu!
Marie: Dankeschön!
Evelin: Es geht um das Ende einer Beziehung, genau genommen deiner. Releases sind ja immer mit sehr viel Aufregung verbunden und auch Erleichterung, besonders wenn’s ums Debüt geht. Da die EP so wahnsinnig persönlich und schmerzerfüllt ist, wie hast du dich gefühlt vor und jetzt nach dem Release?
Marie: Ich glaube, ich bin dieses Mal irgendwie wahnsinnig entspannt gewesen und normalerweise geht mir richtig doll die Düse. Ich kann tagelang davor nicht schlafen und bin dann so: “Ist alles schon da? Haben wir ein Video? Was kann ich tun und was kommt auf mich zu?” Und das ist jetzt so abgerundet fertig geworden, dass ich dachte, es ist schon irgendwie ziemlich cool und alles was passiert, passiert. Und wenn auch mal was nicht klappt, dann ist es auch okay und dann macht man einfach weiter. Und ich bin sehr stolz auf diese EP.
Evelin: Ist das eigentlich komisch, seine Gefühle und die Trennung immer aufs Neue auseinanderzunehmen, wie jetzt hier mit mir im Interview?
Marie: Ja (lacht). Die EP ist fast chronologisch über diese Trennung und über das letzte Jahr. Live versuche ich richtig lustig über diese Trennung zu reden, weil dann ist hoffentlich keiner suizidgefährdet, wenn ich so wahnsinnig traurig singe. Ich versuche das ein bisschen aufzulockern und dadurch fasse ich das immer relativ knapp zusammen. In den Songs ist auch oftmals so, dass nicht jedes Bild komplett zutreffend ist zum Beispiel. Mein Expartner zum Beispiel kann gar kein Deutsch, der ist nämlich Däne. Ich hoffe, dass er das nicht in Google Translate eingibt. Weil da natürlich ein paar Dinge sind, wo ich mir denke: “schon sehr persönlich”. Aber wie gesagt, es ist auch die künstlerische Freiheit. Und es hat mir sehr geholfen, darüber wegzukommen.
Evelin: Ich meine, okay, er spricht kein Deutsch, aber hattest du je den Gedanken gehabt, ob das jetzt das Richtige ist, alles Persönliche so in die Öffentlichkeit zu tragen?
Marie: Muss er durch (lacht). Also keine Ahnung. Er ist auch Musiker. Deswegen ist es etwas, was er auch verstehen kann, denke ich. Und unsere Beziehung war auch teils öffentlich. Aber jetzt glaube ich nicht, dass die Leute checken, um wen es geht. Und ich würde niemals sagen, das ist übrigens über den und den. Aber er hat nichts gesagt und er hat auch über mich geschrieben. So verarbeitet man irgendwie. Und dann halt immer dieses Fiktive.
„Ich bin ein totaler Quatschkopf“
Evelin: Das Album ist in einem sehr kollaborativen Weise entstanden. Unter anderem haben Künstler:innen wie Nina, Madeleine Juno oder Blinker mitgeschrieben. Wo lag da der Mehrwert für dich speziell? Hast du das auch gebraucht, nicht allein zu sein während du alle deine Gedanken und Gefühle durchgehst?
Marie: Das Schöne ist bei allen, die mitgeschrieben haben ist, dass die richtig gute Freundinnen und Freunde sind. Blinki (Blinker) ist ein richtig guter Freund. Und auch Nina (Chuba) kenne ich ganz lange schon. Madeline (Juno)auch. Wir saßen eh im Studio und die wussten eh, wie es mir ging. Die haben das alles in Realtime mitbekommen und dadurch war das relativ einfach als wenn man sich mit jemand Neues im Studio setzt und dann sagt: “So, das war so. An einem kalten Wintertag musste ich leider aus der Wohnung ziehen… (lacht)”
So war alles klar und dann hat man richtig schön zusammen geschrieben. Ich schreibe auch lieber gemeinsam. Ich schreibe ab und zu noch zu Hause allein, aber manchmal fehlt mir die Motivation. Und wenn man dann zusammen im Studio ist, dann freut man sich so richtig, was zusammen zu schaffen.
Evelin: Du bist jemand, die viel aus ihrem Leben teilt und viele wichtige, auch Tabuthemen anspricht und das oft mit viel Humor. Was möchtest du damit erreichen?
Marie: Ich trage mein Herz schon sehr auf der Zunge. Und manchmal ist es auch ein bisschen zu unüberlegt, vielleicht. Ich als Künstlerin, meine Persönlichkeit und mein Charakter spielen so sehr in die Songs mit, dass ich niemals einen Song singen könnte, den ich nicht selbst geschrieben habe. Wenn die Leute mir auf Instagram folgen, dann ist das meine komplette Person und natürlich zieh‘ ich da auch oftmals Grenzen. Ich bin ein totaler Quatschkopf auf Instagram und manchmal geht es mir scheiße und dann bin ich so “Fuck, ich muss jetzt ‘ne Story machen”. Das ist auch für meine Mutter manchmal extrem schwierig, weil die sagt: “Ja, dir scheint es ja jetzt gerade total gutzugehen” und ich: “Eh ja auf jeden Fall…”
Und dann auch gewisse Werte zu vertreten und einen gewissen Einfluss zu haben, seien es jetzt feministische oder politische Themen. Also ich versuche nicht so crazy aktivistisch zu sein. Das würde ich mir nicht rausnehmen. Ich bin keine öffentliche Aktivistin, sondern ich gehe gern auf Demos. Aber ich würde nie eine Demo unter meinem Namen veranstalten, weil ich mich darüber auch nicht profilieren will. Aber ich möchte auf jeden Fall eine gute Botschaft in die Welt senden und dann hoffen, dass Leute, die mich cool finden, sagen: “Marie fand das cool, dann mach‘ ich das vielleicht auch”.
„Ich war gefangen in einem Loch“
Evelin: Und was erhoffst du dir, dass deine Zuhörer:innen mitnehmen, wenn sie die EP hören?
Marie: Ich hoffe, dass Leute, die auch durch Trennungen gegangen sind, ein bisschen Trost finden. “Temporär” zum Beispiel, da ging es mir schon wieder total gut und ich war so: “Ja, das tut manchmal noch weh. Es kommt immer mal wieder hoch, aber man weiß dann irgendwann, zum Glück okay, jetzt ist auch wieder gut. Morgen tuts dann nicht mehr so doll weh”. Und so sind halt Trennungen.
Evelin: Das ist wahrscheinlich schwer zu entscheiden, weil jeder Song so persönlich ist, aber welcher Song liegt dir besonders am Herzen?
Marie: Ich glaube, tatsächlich ist “Dopamin” der wichtigste. Während Corona habe ich kurz gedacht, ich hör‘ auf mit Musik. Ich hatte keine Muse und ich war gefangen in einem Loch, auch krass depressiv. Und dann war das der erste Song, den ich auch mit Nina geschrieben habe. In einem komplett neuen Setup und ich bin ins Studio gegangen, habe gesagt, ich will einfach einen Song machen, den ich fühl‘, ohne darüber nachzudenken, was ist. Der hatte auch gar keine richtige Struktur, sondern ist einfach nur ein Vibe. Ich glaube, deswegen musste das auch der erste Song auf der EP sein. Und es sind immer noch die Demo Vocals, komplett roh. Es geht um das Thema Depressionen, was Beziehungen auf jeden Fall erschweren kann und darüber, dass es nicht so leicht ist, damit umzugehen.
„Ich wäre lieber kein analytischer Mensch“
Evelin: In “Swimmingpool” hört man dich, wie du dir selbst vormachst, dass es dir gut geht nach der Trennung, es fast schon einfach unter Teppich kehrst, um es zu vertuschen. Konntest du deine Trauer akzeptieren? Wie kamst du zu dem Schritt?
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Marie: Also „Swimmingpool“ habe ich geschrieben, da war ich auch noch mit dem zusammen. Es war eher so eine recycelte Geschichte, aber ich wusste schon die ganze Zeit okay, diese Beziehung ist jetzt bald zu Ende und das wird so schlimm. Wir haben den gleichen Freundeskreis und wie soll ich das machen? Es war wie ein Ausblick darauf. Tatsächlich habe ich mich dann nach der Trennung sehr darin gesuhlt und bin sehr viel aufgefangen worden. Dieses “Kugelsicher”-Thema passt auch ganz gut dazu, weil dann hab ich ganz schnell gesagt: “Jetzt bin ich nicht mehr traurig. Jetzt mache ich das und das.” Dann bin ich wahnsinnig viel rausgegangen und habe versucht mich abzulenken und habe mich komplett taub gemacht. Aber das Problem ist ja, dass du das dann nicht verarbeitest. Das musste dann irgendwann kommen, dass man dann einbricht und sich dem widmet, weil sonst bleibt man für immer in dieser Spirale.
Evelin: Dieses Betäubtmachen in “Kugelsicher”. War das eine Art Schutzmechanismus und wie arbeitest du daran, diese aufgerichtete Wand wieder abzubauen?
Marie: Ja, ich hab auch noch voll Probleme, neu zu daten. Weil ich denke, ich bin noch gar nicht so weit und ich will noch gar nicht wirklich. Und andererseits ist es aufregend, neue Leute kennenzulernen. Aber ich merke, dass ich total vorsichtig bin, mich neu zu öffnen und auch dieses Commitment Ding. Dass wenn ich jetzt loslegen würde mit jemand Neues, dann muss da alles perfekt stimmen, weil was, wenn das nicht passt? Und dann committe ich mich und es passiert das gleiche nochmal. Ich bin 26, eigentlich müsste ich das mittlerweile wissen (lacht). Aber es ist immer wieder schwer und das ist jetzt ein bisschen über ein Jahr her und ich glaube, es wird langsam. Ich muss mal ein bisschen loslegen (lacht).
Evelin: Also bist du jemand, der jedes einzelne Gefühl und Gesagtes analysiert?
Marie: Ja, ganz schlimm. Ich bin ganz, ganz, ganz doll reflektiert, was gut ist. Aber manchmal glaube ich zu reflektiert, und sag so: “Okay, das muss daran liegen. Das ist wahrscheinlich aus dem Grund. Und mein Vater und meine Mutter und meine Geschwister und was nicht alles.” Ich bin auch in Therapie, deswegen macht das total Sinn. Aber das ist manchmal gar nicht so gut. Manchmal wäre ich lieber kein analytischer Mensch, sondern eher Gefühlsmensch.
“If you want to get over someone get under someone”
Evelin: “Deadline”, das einzige Feature auf der EP. Auch wahnsinnig toller Track. Wie kam das Feature mit YRRE zusammen und in welchem Zeitpunkt des Verarbeitungsprozesses treffen wir dich in dem Song an?
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Marie: Das gibt es auch als Originalversion mit zwei Strophen von mir. Und da war ich in dieser Phase, wo ich wusste, ich muss mich mit irgendwem ablenken. Im Live-Set sage ich immer: “If you want to get over someone get under someone”. Mir war das klar, dass ich da keine Beziehung anfangen möchte und keine neuen Gefühle aufbauen will. Aber dass ich wahnsinnig doll diese Nähe brauchte und dann dieses: “Ich muss es beenden, es geht ja gar nicht anders, aber es war ja auch nie etwas.” Also total komisch. Wir hatten das doch damals irgendwie abgesprochen, dass auf keinen Fall irgendwas daraus wird. Also sehr autobiografisch.
Und YRREfand ich super toll, habe ich ganz lange schon gehört und dem habe ich einfach auf Instagram geschrieben, ob er Bock hat und ihm ein paar Songs geschickt. Er hat sich “Deadline” rausgepickt, was total schön ist, weil das jetzt für mich auch total Sinn macht, dass er diesen Song singt. Weil das der einzige ist, der nicht über mein Expartner ist, sondern über jemand Neues. Das gibt dem Ganzen so ein gutes Gefühl. Dann hat er einfach seinen Part draufgeschrieben und ich hab’s sofort abgesegnet. Wir haben uns erst vor zwei Wochen beim Videodreh gesehen. Zum ersten Mal in echt, aber voll der tolle Mensch.
„Ich hab‘ diesen Cut gebraucht“
Evelin: Zu “Temporär”: Wie hast du gegen die Momente angekämpft, wo man einfach wieder versuchen will, alles zu reparieren und die Beziehung wieder zu flicken?
Marie: Also, wir teilen uns ja einen Hund. Mein Exfreund und ich. Und das ist natürlich immer schwierig, weil eigentlich ging es mir dann schon total gut. Aber immer wieder, wenn wir diese Hund-Übergabe hatten – der liegt hier übrigens auch ganz brav – muss man sich sehen und ich habe mir am Anfang gedacht, jetzt schminke ich mich, jetzt mache ich mich total schön und ich kriege alles auf die Kette und bin ganz toll. Und er denkt sich, jetzt wird es bestimmt scheiße. Aber ich glaube, was mir da geholfen hat, war dieses: “Ey, wenn der nicht mit mir zusammen sein will, dann will ich auch nicht mehr mit ihm zusammen sein.” Warum sollte ich das versuchen, wenn es eh nicht geht? Und man kann ja auch niemanden überreden. Irgendwann habe ich gelernt, wenn ich ihn gesehen habe und danach traurig war, vor allem, wenn er den Hund abgeholt hat. Dass ich wusste, ich muss jetzt erstmal die Mama anrufen und dann geht es mir morgen aber auch schon viel besser. Es ist wie so ein kleiner Schnitt in den Fingern, der morgen aber wieder verheilt ist.
Evelin: Für mich wär das extrem schwierig. Anderes Thema aber: Besonders in “Filmriss” merkt man den Stil-Change im Vergleich zu vorherigen Singles. Sehr gelungen, meiner Meinung nach. Alles klingt so wahnsinnig rund und einfach geil. Wie war das für dich so einen anderen Stil zu präsentieren?
Marie: Das war der erste Song, den ich nach der Trennung geschrieben habe, nach einer Woche oder so. Ich war richtig doll traurig und wollte was richtig Düsteres machen, auch mit Nina zusammen und es war auch eher dieses “Komm, wir machen einfach mal irgendwas. Mal gucken, ob was daraus wird.” Da war genau dieses Thema, auch wieder mit “Kugelsicher” und ich brauch‘ einen Filmriss.
Ich will jetzt fünf Monate pennen und dann wache ich auf und es ist Sommer und eh alles wieder gut. Und so funktioniert es ja leider nicht. Aber ich dachte dann, ich muss den rausbringen, weil es so ein krasser Cut ist. Auch zu dem, was ich davor gemacht habe. Ich wollte den eigentlich als Erstes rausbringen und nicht “Swimmingpool”. Ich habe das Gefühl gehabt, zum ersten Mal fühle ich die Songs zu 100.000 %. Nicht, um das Alte zu diskreditieren. Aber ich glaube, da war ich auch noch jünger und war noch nicht so gesettelt in dem, was ich will. Aber jetzt ist alles komplett meins und dann ich hab‘ diesen Cut auch gebraucht.
„Hot Girl Summer und so“
Evelin: Um beim Thema Neuanfänge zu bleiben: Du bist vor einiger Zeit nach Berlin gezogen. Wie hat der Umzug deine Musik beeinflusst?
Marie: Sehr. Ich war ja davor in München und da hat mein Produzent damals auch gewohnt, deswegen hat es total Sinn gemacht. Also in München ist sehr heile Welt und irgendwie passiert auch nicht so viel. Ich musste andauernd nach Berlin oder nach Hamburg reisen, für die Musik. Und ich dachte auch, ich brauche ein kleines Netzwerk an anderen Künstler:innen und Writer:innen und was nicht alles. Um mich so ein bisschen mehr zu etablieren, weil einfach niemand in München ist. Ich glaube, man kann wieder zurück nach München ziehen, wenn man dann Berlin lange genug erlebt hat. Und ich fühle mich hier auch sehr viel wohler. München war ein guter Start. Aber Berlin war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Ich glaube, ich bleibe auch hier.
Evelin: Glaube, jeder gefühlt haha. Dann zur letzten Frage schon: Hast du eine untold story für uns? Etwas, was du noch nirgends geteilt hast?
Marie: Ich muss mal überlegen, es gibt so ein richtig unnecessary Talent, aber das habe ich schon so oft gezeigt. Das ist gar nicht mehr untold. Aber es war noch nie in der Presse, glaube ich. Ich kann Tiergeräusche imitieren, zum Beispiel.
Evelin: Was ist dein Go-To Tier?
Marie: Der Delfin. Willst du ihn hören?
Evelin: Das ist gar keine Frage.
Hier für alle also: Marie, die Delfinflüsterin
Marie: Also kannst du gern mit reinnehmen, aber das gibts schon auf TikTok. Ansonsten fällt mir gerade gar nichts ein, was ich noch nicht erzählt hätte. Ich teile wahrscheinlich auch einfach wahnsinnig viel… Ich habe bei Nina gewohnt. Ein Monat nach der Trennung. Das habe ich, glaube ich, noch nicht erzählt. Nach der Trennung hat sie mich direkt eingesammelt mit der Tram und gesagt: “Marie, Hot Girl Summer und so.” Dann habe ich da einen Monat bei denen im freien WG–Zimmer gewohnt. Das war sehr schön. Die erste Nacht auch mit Nina in einem Bett, weil ich so viel geweint habe.
Evelin: Na ja, jetzt sind bessere Zeiten.
Marie: Ja, auf jeden Fall. Ich habe heute Abend noch ein Date. Jetzt geht’s rund.
Evelin: Dann halte ich dich nicht länger hier. Viel Spaß beim Date! War schön, mit dir gesprochen zu haben.
Marie: Danke für das Interview. Ciao!
Obwohl die Tiergeräusche nicht in der EP gefeatured sind, ist „Swimmingpool“ definitiv ein Reinhören wert. Jetzt aber mal ohne Spaß: Die Richtung, die Marie mit der EP eingeschlagen hat, ist wahnsinnig erfrischend und so gut ausgearbeitet, dass jeder Song richtig rund und einfach geil klingt. Unten könnt ihr in die 6 tollen Songs reinhören 😊
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„Aze? Den Namen hab ich doch schon mal irgendwo gehört, oder?“ Vielleicht habt ihr euch den Namen des österreichischen Pop-Duos seit unserer Review von ihrer Doppel-Single „Sweet Talk / Sidewalk“ bereits hinter die Ohren geschrieben. Wenn nicht, dann bekommt ihr hier eure nächste Chance. Selbst beschreiben die zwei ihre Musik als „sad, sexy Pop“ und dieser überzeugt auf voller Länge.
Die zwei Aufsteiger haben im Interview mit Evelin über ihr frisch erschienenes Debütalbum „Hotline Aze“, mentale Gesundheit und die Bedeutung ihrer engen Freundschaft gesprochen. Und was Justin Bieber mit der ganzen Sache zu tun hat, erfahrt ihr am Ende.
Aze im Interview
Evelin: Erstmal ein herzliches Hallo, Beyza und Ezgi! Wie geht es euch? Wie ist die Stimmung so kurz vor dem Release eures Debüt-Albums “Hotline Aze”?
Beyza: Hiiii! Ich muss sagen, ich bin seit ein paar Tagen schon sehr aufgeregt, weil das Datum immer näher kommt. Es fühlt sich teilweise noch so surreal an, dass das jetzt wirklich passiert. Es war mir zu langsam und zu schnell zugleich haha. Aber ich würde sagen, meine Stimmung ist, trotz Nervosität, dennoch sehr positiv gestimmt – I’m simply excited for everything that is still to come!
Ezgi: Hellooo!! Same here! Ich weiß echt nicht, was ich gerade fühlen soll. Meine Moods gehen von super exited bis super anxious und schwanken die ganze Zeit hin und her. Ich hab zwar kein Kind, aber ich schätz‘ mal, dass es sich so anfühlen muss als Elternteil, wenn ein Kind vom Elternhaus wegzieht hahah.
Evelin: Den Vergleich mit dem Kind find‘ ich super, haha. Wie würdet ihr eure Musik denn, jemandem, der/die zum ersten Mal davor ist, eure Musik zu hören, beschreiben?
Aze: Am liebsten würden wir sie gar nicht beschreiben wollen und uns wünschen, dass sich die Person einfach mal drauf einlässt und selbst fühlt. Uns würde es interessieren welche Gesichtsausdrücke das erste Mal Aze hören bei den Leuten auslöst. Aber wir beschreiben unsere Musik selbst immer als sad & sexy und wir finden, das trifft’s schon sehr gut.
Hotline Aze, how can I help you?
Evelin: Das Album dreht sich ja um das Konzept einer Art Mental Health Hotline, deswegen auch der Name. Auch durch das Album hinweg werden Sprachmemos und Telefongespräche als Stilmittel verwendet. Wie fiel die Entscheidung auf genau dieses Konzept?
Beyza: Wir sind ins Studio gegangen, um einfach mal draufloszuschreiben und ohne viel nachzudenken, damit wir mal ein Gefühl kriegen, was überhaupt alles möglich ist. Die Idee mit den Sprachmemos war anfangs nicht ausgedacht, sondern hat sich ergeben. Ich habe ein paar Tage vor dem Studio, eine Sprachmemo mit einem Guitar Riff und einer Chorus-Idee an Ezgi geschickt, was dann zu „Sweet Talk“ geworden ist. Das war der erste Song, den wir geschrieben haben. Irgendwann sind wir auch musikalisch in diese Richtung abgeschweift und im richtigen Moment kam noch eine Sprachmemo von Ezgi’s Schwester, die perfekt auf ein Instrumental gepasst hat. Die Konzeptidee an sich hat dann eigentlich als Joke begonnen. Aber da wir eben genug Instrumentals hatten, die nach einer Warteschlange geklungen haben, haben wir diesen Joke einfach weitergeführt and here we are.
Evelin: Wo kommt diese Affinität für die 90’s her?
Aze (B&E): Wir wollen uns jetzt nicht so vehement auf bestimmte Jahre eingrenzen, aber wir feiern einfach die künstlerische Leichtigkeit, die die meisten Artists in den 90ern und 2000er hatten. Wir sind immer schon Riesenfans von Hip-Hop und R’n’B gewesen, und für uns ist diese Zeit sehr von diesen Genres geprägt. Nicht nur was Musik angeht, sondern auch mehr Lifestyle, Fashion, usw. Für uns sind die 90er eine perfekte Mischung aus Kitsch und Gangster and we love it.
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„Wir wollen nicht mehr in unserer Trauer versinken„
Evelin: Gab es spezielle Momente während des Entstehungsprozesses von “Hotline Aze”, die euch in Erinnerung geblieben sind?
Aze (B&E): Wir haben das Album in einer Woche geschrieben und für uns war der ganze Entstehungsprozess sehr besonders, da wir anfangs schon nervös waren, ob jetzt überhaupt was Gutes dabei rauskommt, aber wir dann einen Song nach dem anderen geschrieben haben, weil es so gut geflowed hat. Wir tun uns schwer einzelne spezielle Momente zu wählen, weil für uns das Ganze mit all dem Drum und Dran einfach sehr schön war. Für uns steckt im Album nicht nur Musik, die wir selbst gerne hören, sondern auch random Gespräche, die wir geführt haben oder die Chipspackung, die wir dabei gesnacked haben. Wir sagen immer, dass es sich für uns ein bisschen so anfühlt wie ein Kind auf die Welt zu setzen und dann mit 18 loslassen zu müssen. Die Freude und Aufregung in unseren Gesichtern nach jeder nicen Hook oder jedem Riff werden wir auf jeden Fall immer in Erinnerung behalten.
Evelin: Im Album geht es ja viel um den eigenen Struggle, toxische Verhaltensweisen, Weltschmerz etc. In welchem Mindset ist das Album entstanden?
Aze (B&E): Das Album ist eigentlich in einem sehr lockeren und lighthearted Mindset entstanden. Es repräsentiert auch sehr gut, wo wir persönlich grade stehen. Wir wollen nicht mehr in unserer Trauer versinken und dem ganzen so viel Macht geben, sondern haben über die Jahre hinweg gelernt, dass ein lockerer Umgang mit bedrückenden Themen und ein bisschen Distanz und Humor, um das Ganze auch mal von außen betrachten zu können, sehr guttun kann. Die EP war für uns sehr intense, da es uns persönlich auch so ging. Wir haben uns weiterentwickelt und sind gewachsen, und so auch unsere Musik. Inzwischen akzeptieren wir die Schattenseiten mit offenen Armen aber wissen auch, dass sie uns nicht ausmachen.
Eine wichtige Lektion über mentale Gesundheit
Evelin: Ihr thematisiert den Umgang mit den eigenen mentalen Problemen ja auch teilweise ironisch. Man nehme allein schon das Konzept des Hilfetelefons, was ja eigentlich gar keins ist, sondern fast das Gegenteil. Ich finde das manchmal auch problematisch, wenn man anfängt Traurigkeit und Depression zu romantisieren. Wie sieht euer Umgang mit mentaler Gesundheit aus?
Aze (B&E): Es ist auch irgendwo problematisch, Traurigkeit und Depressionen zu romantisieren, aber wir denken, wenn man sich so in diesen Gedanken und Gefühlen gefangen fühlt, kann es schwer sein, das zu erkennen. Mentale Gesundheit ist zwar etwas, das viele Menschen betrifft, aber dennoch sehr individuell und subjektiv. Es ist ein sehr wichtiges Thema, auf das oftmals nicht so viel Wert gelegt wird und eines, das sehr entfremdet dargestellt wird. Uns persönlich hilft Humor und Ironie, das Thema an uns ranlassen zu können, ohne dass es erdrückt. An seiner mentalen Gesundheit zu arbeiten, braucht viel Kraft und Zeit, wobei wir denken, dass man nie auslernt.
Wir denken, es ist wichtig, es nicht als eine Aufgabe zu sehen, die einen gerade belastet und hoffentlich bald wieder vorbei ist, sondern als Gefühle und Gedanken, die, aus verschiedenen und validen Gründen, einen zurzeit begleiten und dass das okay ist. Es gibt keinen Leitfaden, wann welche Gefühle verschwinden und wann neue kommen müssen. Manchmal tut es gut es einfach mal so stehenzulassen wie es ist und es versuchen nicht zu zerdenken. Es gelingt uns natürlich auch nicht immer, aber dann erinnern wir uns, dass sowieso alles so kommt wie es kommt. Jede/r muss für sich seine Wege finden und das auch in seiner eigenen Zeit, ohne Druck und Erwartungen von anderen oder von sich selbst.
Evelin: Richtig schöne Worte! Würdet ihr sagen, dass das Album ein optimistisches oder eher verbittertes ist?
Aze: Es ist ein sehr lighthearded Pop Abum geworden. Ein bisschen Melancholie ist immer dabei bei uns, aber der Umgang ist auf jeden Fall optimistischer und lockerer geworden.
„Ohne großes literarisches Ramtam„
Evelin: Gibt es einen Song, der euch am meisten Spaß gemacht hat? Ob während des Schreibens, der Produktion oder einfach beim Hören.
Beyza: Ich hab in jedem Song so meine favourite parts und meine Lieblingssongs vom Album ändern sich auch immer wieder mal, aber „Sad Sensations“ bleibt immer in der Liste. Ich finde, mit dem Song haben wir mal ein bisschen was anderes probiert und er gibt mir so ein richtiges old school – Band Feeling. „Showbiz, Baby!“ hat beim Schreiben sehr Spaß gemacht und macht mir beim Performen auch immer gute Laune. Und „Sweet Talk“wird natürlich auch immer einen special place in meinem Herzen haben, weil damit alles angefangen hat.
Ezgi: Natürlich gibt’s in jedem Song favorite Parts und für mich als die, die den Text schreibt, verschiedene Sparten des “sich ausleben”. „My own Business“ hat mir gezeigt, dass nicht jeder Song gesungen sein muss, um “belebt” zu werden. „Waterfalls“ auf der anderen Seite, hat mich beim Aufnehmen im Studio so viel Kraft gekostet und am Ende bewiesen, dass der erste Take manchmal einfach der Beste ist. „Silk“ hat mir die Mut gegeben, meine Texte so zu formulieren, wie ich mir’s denk – ohne großes literarisches Ramtam. „Showbiz“ hat mir erlaubt meine RnB-Vocalist Fantasien auszuleben, mit Slow Fade am Ende und alles und „Talk Away“ berührt mich jedes Mal, wenn ich’s hör‘. Helins und Jakobs Stimme auf dem Track sind für mich die Manifestation der Liebe und Geborgenheit. Production-technisch hat mir das Pannen am meisten Spaß gemacht – I love a good stereo experience hahah.
„Vor dem Album mussten wir immer in getrennten Räumen Musik schreiben„
Evelin: Wie hat eure Freundschaft euren Musikschaffungsprozess beeinflusst?
Beyza: Die Innigkeit und Verbundenheit spürt man denke ich in der Musik auch. Wir harmonieren und verstehen uns, ohne viel sagen zu müssen. Vor dem Album mussten wir immer in getrennten Räumen Musik schreiben. Inzwischen haben wir gelernt, dass es auch zusammen gut funktioniert, haha.
Ezgi: Ich bin sehr froh, dass wir zwei miteinander in einer Band sind und nicht in getrennten – auch wenn man gerade viel arbeitet und nicht großartig viele Leute außerhalb der Band treffen kann, trifft man so halt automatisch die beste Freundin, hahah. Außerdem ist es auch sehr angenehm, gemeinsam wachsen zu dürfen. Ich bin sehr dankbar für die Situation in der wir uns befinden.
Die Geschichte beginnt und endet hier mit Justin Bieber
Evelin: Am Ende jedes Interviews fragen wir nach einer untold story. Das kann was sein, was während des Entstehungsprozesses des Albums passiert ist, ein random fact oder alles andere, was ihr noch nicht mit der Welt geteilt habt 😊
Aze: Most random Aze Fact ever ist, dass der Grund, warum wir überhaupt so gut befreundet sind – glauben wir jetzt retrospektiv – Justin Bieberist. Wir waren halt wie ca. alle round 2009 hardcore Beliebers. Die meisten Songs aus seinen ersten zwei Alben trauen wir uns zu wetten heute noch plus minus zu beherrschen. Unsere Eltern haben uns damals extra vom Land zum Konzert nach Wien gefahren, wo wir ca. 6 Stunden vor Beginn schon da waren, um realistisch einen okayen Platz zu bekommen. Und wir versprechen, wir waren davon überzeugt das nächste “One less lonely girl” würde eine von uns sein hahaha.
Evelin: Wie geil ist bitte diese Story?! Lieb’s! Danke für eure Zeit, hat mich total gefreut 😊
Das neue Album „Hotline Aze“ von Aze möchte ich euch hiermit nochmal ganz stark ans Herz legen. Das Konzept stimmt, der Sound stimmt und man merkt wie viel Arbeit hier reingesteckt wurde. Obendrein sind die zwei auch bezaubernd. Hört definitiv unten mal rein und wählt euch selbst in die Hotline ein (so gute Musik habt ihr noch in keiner Warteschleife gehört, da bin ich mir sicher)!
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Wenn man mich fragt, wer meine Lieblingsband ist, gibt es schon seit mehreren Jahren nur eine Antwort. Wie aus der Pistole geschossen erkläre ich sofort: die Leoniden. Selbst ein passendes Tattoo hat es mittlerweile schon auf meine Haut geschafft. Deshalb freue ich mich umso mehr mit einem Teil der Band über ihre neue Single „Smile“ zu sprechen. Irgendwo zwischen 2000er Indie und dem klassischen DIY Leoniden Sound siedelt sich das neue Release an und hat mich damit von Sekunde eins gecatcht.
Es ist nicht das erste Mal und wird auch sicher nicht das letzte Mal sein, dass wir die sympathische Truppe auf ein Pläuschchen zu uns einladen. Dieses Mal haben wir über die Liebe zur live-Musik, den neuen Song und das Künstler*innen Dasein in politisch stürmischen Zeiten gequatscht. Wer einen ganz besonderen Fact zu ihrem neuen Release hören möchte, sollte kein (Achtung schlechtes Wortspiel) Quacksalber (Auflösung gibt es später) sein und auf jeden Fall bis zum Ende dranbleiben! 🙂
Auf unserem Instagram-Kanal gibt es für alle Interessierten außerdem noch bis zum 27.05.22 die Chance die Single als 7″ inch Vinyl zu gewinnen :))
Leoniden im Interview
Paula: Hey ihr Beiden. Schön, dass es jetzt klappt! Wie geht es euch so kurz vor dem Release und nach den ersten Shows, die ihr endlich wieder spielen durftet ?
Lennart: Sehr gut geht es uns!
Jakob: Uns geht es echt gut! Die Kampagne zu „Complex Happenings“ hat ja schon 2020 mit „L.O.V.E.“ gestartet und eigentlich wollten wir dazu immer eine Tour spielen aber bis nach dem Release hat es leider nie wirklich geklappt. Jetzt waren wir auf Tour und das macht das Puzzle endlich vollständig. Irgendwie fühlt es sich jetzt endlich zusammenhängend an. Wir haben zwei Jahre darauf gewartet Songs, die wir released haben, in einem Club-Setting live zu spielen und das ist super erlösend und diese ganzen guten Gefühle aus 2019 sind endlich wieder da.
Lennart: Für uns gehört schon zu jedem Album auch eine ausgiebige Tour und das planen wir eigentlich auch immer im Vorfeld so, dass Album und Tour sinnvoll miteinander verbunden werden können und darauf haben wir jetzt ganz schön lange warten müssen. Das hat ja auch viel Chaos angerichtet in dem ganzen Releaseprozess.
Jakob: Ja auch in der ganzen Musikwelt eigentlich. Wir sind ja auch nicht exklusiv von der Pandemie betroffen. Umso schöner war es jedoch, dass wir relativ direkt nach dem „Complex Happenings“ Release wieder angefangen haben, neue Musik aufzunehmen. Dieses Mal haben wir das Studio zu uns in den Proberaum geholt und konnten während des Schreibens schon direkt etwas aufnehmen. Und jetzt fühlt es sich echt gut an, einfach einen Song rauszubringen, ohne Release-Kampagne. Ich mag den Song echt und freue mich da jetzt richtig drauf.
Single-Cover zu „Smile“
Der Song heißt „Smile“ – gibt es etwas, dass euch am heutigen Tag schon zum Lächeln gebracht habt?
Lennart: Klar!
Jakob: Ja einiges.
Lennart: Als wir heute morgen in unseren Proberaum gekommen sind, stand zum Beispiel Magnus Wichmann hier.
Jakob: Das ist unser Homie und Producer, der gerade nebenan saugt. Danke Magnus!
Ja cool. Ihr habt den Song ja kreiert und wisst natürlich am Besten von was er handelt. Beschreibt doch mal in euren eigenen Worten, um was es bei „Smile“ geht.
Jakob: Ich würde sagen bei „Smile“ geht es ein bisschen darum, dass man dem manischen Wahn, in dem man sein kann, auch immer mal wieder entkommen muss, indem man innehält und aussteigt. So fällt einem manchmal auch auf, wie man sich mit einem falschen Wohlgefühl in so etwas hinein legt. Dann realisiert man wie es zum Küntsler*innen Dasein auch dazugehören muss, mal zu Reflektieren und ehrlich zu sich zu sein. Natürlich soll es aber auch keine Ode an das alt und langsam werden sein!
Lennart: Ne, null! Es geht eher darum, dass man dieses Getrieben sein auch mal ein bisschen hinterfragt oder zumindest mal richtig einordnet, indem man auch mal kurz nach rechts und links und vorne und hinten guckt und sich nicht immer in einen Aktionismus flüchtet.
Jakob: Ja. Ein Teil des Songs ist aber auf jeden Fall auch, dass man nicht mit sich selbst so hart ins Gericht geht. Der Song heißt ja auch „Smile“ und nicht Cry. Es geht darum sich still zuzulächeln und die Getriebenheit nicht zu verteufeln.
Total Spannend! Ich finde das eine Reflexion der eigenen Lebensumstände aber auch oft mit einer Versöhnung mit sich selbst zusammenhängt.
Jakob: Genau das ist der Punkt. Das man den Frieden bewahrt und vor allem annehmen kann.
„Smile“ geht nochmal in eine ganz neue Richtung
Euer neues Album war genremäßig ja eher experimentell und neu im Vergleich zu den Alben davor – dieser Song ähnelt musikalisch aber nun wieder früheren Releases – war das eine bewusste Entscheidung?
Jakob: Ich kann mir vorstellen, dass bei dem Song ganz viele Menschen unterschiedliche Dinge sagen würden. Ich wüsste nicht mal ob Lennart und ich die gleichen Sachen sagen würden. Für mich ist der Song schon nochmal ein Schritt ganz woanders hin, wo wir vorher so noch nicht waren.
Lennart: Ich kann das manchmal gar nicht so auseinanderhalten. Ich würde die Alben vor allem immer an der Art und Weise wie sie aufgenommen sind und wie sie klingen unterscheiden.
Jakob: Gut, dann ist es aber neues Terrain.
Lennart: Ja genau. Aber auch die Art und Weise wie er geschrieben ist, erinnert mich nicht so stark an unsere früheren Alben.
Jakob: Aber woran machst du das denn fest? Siehst du einen konkreten Nachbar zu „Smile“ auf unseren früheren Alben?
Das ist super schwer zu sagen. Ich glaube es geht mir mehr um den generellen Vibe des Songs. Als ich „Complex Happenings“ zum ersten Mal gehört habe, war das zum Beispiel komplett neu für mich aber bei Smile habe ich einen wiedererkennbaren Leoniden-Sound rausgehört.
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Das ist auf jeden Fall gut! Da kommen schöne Nostalgie-Gefühle hoch und der macht echt gute Laune.
Jakob: Ja cool. Was ich auf jeden Fall unterschreiben würde, ist das „Smile“ sich auch sehr ehrlich an Musik orientiert, die wir früher auch viel selbst gehört haben. Ich höre da schon auf viel 2000er Indie raus. Aber ey ich bin mir sowieso sicher – es gibt mehr Meinungen zu dem Song als Menschen! Ich bin gespannt, was wir da noch so hören werden.
Ja klar! Jeder hört Musik ja auch anders und hat andere Einflüsse.
Emotionen beeinflussen die Musik, die man kreiert
Unsere Gesellschaft befindet sich zur Zeit ja in sehr stürmischen und turbulenten Zeiten, wie fühlt es sich in dieser Zeit an Musik zu releasen, aber vielleicht auch Musik zu kreieren? Ist euer Dasein als Musiker für euch hier eine willkommene Ablenkung oder dient die Musik hier vielleicht eher auch als ein Mittel sich geladenen Themen von einer neuen Seite zu nähern und sie vielleicht auch zu verarbeiten?
Jakob: Total Beides. Es gibt logischerweise zwei unterschiedliche Themen, die sich gerade in unterschiedlicher Weise auf die Frage „Wie wohl fühle ich mich in meiner Rolle als Musiker“ auswirken. Da ist auf der einen Seite die Pandemie, die echt richtig reingeschlagen hat. Das was man so gerne tut und das was man als ein so großes Privileg begriffen hat, wurde auf einmal sehr viel blasser und man wusste nicht so richtig wie es weiter geht. Seit der Tour wissen wir aber, es geht zum Glück genauso weiter wie es aufgehört hat. Und der Krieg in der Ukraine zeigt einem dann nochmal sehr deutlich, was für ein privilegiertes Luxusleben wir eigentlich haben.
Ja, das auf jeden Fall. Was ich mich jetzt aber frage ist, ob ihr diese ganzen Themen und Krisen mit in die Musik nehmt? Oder trennt das eher ab?
Lennart: Die Musik, die wir machen und die wir schreiben, ist zu 100 Prozent von dem was wir aufnehmen und was uns beeinflusst geprägt. Und zwar von hinten bis vorne. Wir schreiben ja keine Auftragsmusik – also machen nicht Musik für Leute, die etwas bestellen, was dann eben nach bestimmte Vorgaben erstellt wird.
Jakob: Wir gucken halt auch nicht die Tagesschau um inhaltlich inspiriert zu sein und dann ein Album darüber zu schreiben, was die letzten Monate passiert ist. Bei uns ist es vermutlich eher so, dass die Krisen auf der Welt uns entweder dazu bringen explizit fröhliche Musik zu Schreiben und was Schönes zu hinterlassen oder dass man sagt – ey das hat mich jetzt total umgehauen. Der Weltschmerz ist richtig real heute – Wir müssen was trauriges schreiben. Wir glauben auch dass unsere politische Kraft eher darin besteht in unseren Songs auf Probleme aufmerksam zu machen, sie aber nicht in 3:30 min und 16 Zeilen zu lösen. Das wäre glaube ich ganz schön arrogant, wenn man glaubt man könnte das.
Lennart: Ein Lied mit zwei Strophen ist auch das falsche Medium um so komplexe Themen zu erklären. Aber es geht in unseren Songs natürlich um Gefühle und Einflüsse, die den ganzen Tag auf uns einprasseln. Und wir verarbeiten sie dann peux a peux in Musik.
Ich finde es eine total spannende Frage, wie man äußere Umstände seinen Alltag beeinflussen lässt.. Und in eurem Fall ist ja nunmal das Kreieren von Musik euer Alltag.
Lennart: Ich glaube alle Leute, die Kunst machen, bringen das irgendwie in ihre Kunst auch ein.
Jakob: Ja ich glaube das macht auch die meiste Kunst, die uns umgibt. Wir sind ja alle eher umgeben von konkreter und weniger abstrakter Kunst. Dahin zieht es Einen ja auch. Zu authentischen Gefühlen und Verarbeitungen, wie auch immer diese dann bei unterschiedlichen Menschen aussehen. Es würde Einen ja glaube ich sonst gar nicht so abholen. Aber es ist wirklich zwischen – „ich bin todtraurig ich will einen Song drüber schreiben“ und ey ich habe einfach das erste At the Drive-In Album gehört – es ist so unfassbar geil – wollen wir mal probieren einfach einen Punksong zu schreiben. Auch das kann passieren und das sind auch die Freiheitsgrade, die wir uns auf jeden Fall bewahren wollen. Wir wollen nicht sagen, wir schreiben jetzt nur noch über Beziehungen oder nur noch über Politik. Das wäre ja wie zu sagen, ich rede mit Lennart nur noch über eine Sache.
Leoniden-Konzerte sind Club-Konzerte
Das stimmt natürlich! Aber von hier nun mal zu den ersten paar Konzerten, die ihr nach Corona wieder im altbekannten Setting spielen konntet. Was war bisher der schönste Moment?
Lennart: Es ist jeden Abend der schönste Moment, wenn die Leute anfangen mitzusingen. Das ist halt total heftig das wieder mitzuerleben. Wir habe letztes Jahr einige der corona-konformen Konzert gespielt, wo die Leute weit auseinander gesessen haben und da merkt man jetzt doch schon den Unterschied. Man kann natürlich auch im Sitzen mitsingen, aber jetzt ist es einfach eine ganz andere Energie und eine ganz andere Stimmung, wenn die Leute wirklich vor der Bühne stehen, tanzen und dann bestimmte Songs kommen, wo mitgesungen wird, sowie das vor zwei bis drei Jahren der Fall war. Da wieder reingeworfen zu werden, war für mich der schönste Moment. Und auch zu sehen, dass das nicht einmalig, sondern jeden Abend wenn wir auf die Bühne gehen passiert. Dass es halt einfach geile Konzerte sind.
Jakob: Ja es ist auch erst jetzt wieder was wirklich richtig Besonderes.
Lennart: Auch wenn man als Band wahrscheinlich nie sagen sollte irgendwas ist schlecht, sind Sitzkonzerte glaube ich auch einfach nichts für unsere Band. Das haben wir letztes Jahr mal ausprobiert und es waren unter diesen Umständen auch tolle Konzerte. Es war toll, dass wir überhaupt auf die Bühne konnten und da war ja auch ein Bedürfnis auf beiden Seiten. Aber ich würde es glaube ich nicht nochmal machen. Da sollten wir alle ehrlich zu uns sein. Es gibt Bands zu denen passt das und es gibt Bands, zu denen passt halt einfach ein Club-Konzert und bei uns ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Ja das kann ich nachvollziehen. Ich war 2019 ja auch bei ein paar Shows von euch und das ist schon immer sehr besonders.
Jakob:Sound of the Forest war geil und spät, das weiß ich noch.
Ja stimmt, ihr habt als letzter Act glaube ich nach Bilderbuch gespielt. Bei euch merkt man auch echt, dass eure Band ja quasi von Live-Auftritten lebt – ich habe das Gefühl, dass ihr darin unglaublich aufgeht und auch Energie daraus schöpft
Lennart: Ja das ist der Antrieb von dieser Band.
Jakob: Was ich krass finde, ist dass diese ganzen „Nicht-Pandemie“ Konzerte, die jetzt gerade stattfinden, auf Instagram auch gefühlt alle gleich aussehen. Überall sieht man Wall of Deaths, alle stagediven. Wir sind jetzt natürlich ein bisschen in einer Rolle, wo man als Autoverkäufer seine eigenen Autos bewerben muss, aber bei uns passieren irgendwie Sachen, die auf anderen Konzerten nicht passieren. Und das liegt auch echt viel am Publikum und den Leuten, die manchmal auch einfach die Shows komplett übernehmen.
Lennart: Manchmal spielen wir zwar das Konzert, aber die Regie hat eigentlich jemand ganz anderes. Das ist ein Hochgeschaukel und es sind auf jeden Fall, die Leute, die unsere Konzerte zu etwas besonderem machen.
Wie nice, wenn das aber auch so organisch ineinander übergeht und Band und Publikum werden zu einer großen Masse.
Jakob: Ja es ist genau das! Nur so drüber zu reden, fühlt sich manchmal ein bisschen komisch an. Das könnte vielleicht ein bisschen arrogant rüber kommen, soll es aber echt nicht! Kommt einfach vorbei! 🙂
Lennart: Ja die Magic muss man auch einfach mal für sich selbst erleben; das kann man gar nicht so gut beschreiben.
Ich bin mir sicher, dass vieler unsere Leser*innen euch auch schonmal live gesehen haben und die oben genannten Punkte gut nachvollziehen können!
Konzert-Empfehlungen sind immer gut!
Aber abgesehen von euch selbst – was sind eure TOP 3 Acts, die man live mal gesehen haben muss?
Jakob:Pabst ohne Frage; wenn man sich Zouj live angeguckt hat, ist alles vorbei, bei Philine Sonny würde ich auf jeden Fall richtig weinen. Es sollten nur drei werden oder?
Wenn du möchtest auch gerne mehr 🙂
Jakob:Blush Always – endlich gibt es wieder richtig laute gute alternative Musik.
Lennart: Ich habe jetzt überlegt, was für mich die größten Konzerte waren in den letzten 5 bis 10 Jahren. Ich werde zum Beispiel Bilderbuch und Mojo nie vergessen. Das war wirklich unglaublich. Ich habe mal mit Djamin Faber in der großen Freiheit gesehen und dachte mir erstmal nichts dabei. Und die Leute sind halt total ausgerastet. Da erinnere ich mich immer gerne dran. Ich bin aber auch großer Fan von Turnstile und freue mich, dass so eine Band mit dieser Musik gerade wieder so riesengroß geworden ist und dass das so eine Renaissance hat. Die haben wir auch 2019 zweimal live gesehen auf Festivals und das war irgendwie total witzig. Auf der einen Seite hat Dendemann gespielt und auf der anderen Seite Turnstile. Das ist zum Beispiel auch eine Band, für die ich schon seit nem Jahr ein Ticket aufhebe.
Jakob: Alle die nah an Großstädten wohnen wissen das schon lange und wir hinken da ein bisschen hinterher, aber Idles ist auch eine heftige Liveband. Pom Poko ist noch mein Geheimtipp. So… reicht jetzt auch.
Das ist schnell ausgeartet. Aber ey, gute Konzerttipps gibt es doch nie genug!
Jakob: Ja, das ist aber auch ein Thema über das ich Stunden reden könnte!
Das holen wir ein anderes Mal nach! Für heute kommen wir aber schon zum Ende und meine letzte Frage ist, ob ihr mir noch eine untold story erzählen könnt, die ihr vorher noch nie in einem Interview erwähnt habt? Ich bin gespannt!
Lennart: Hmmm.. wir könnten über das „besondere“ Geräusch am Ende von „Smile“ reden…
Jakob: Welches Geräusch?
Lennart: Die Ente.
Jakob: JAAAAAA… Die Ente stimmt. Wir haben zwei Songs aufgenommen und bei Beiden gibt es im Song-Finale den „Dissapearing Duck“ Sound. Warte ich zeige ihn dir kurz, dann hast du den Sound auch und wirst ihn dein Leben lang nicht mehr los. (holt sein Handy raus) Das ist auch echt ein starkes Video muss man sagen. Aber ja hört mal genau hin und dann hört man am Ende so ein quack.
https://youtu.be/rYAJB7Ddbi0
Für alle, die nun auch von der quackenden Ente in den Schlaf verfolgt werden wollen <3
Ich bin gespannt! Dann höre ich da nochmal rein. Vielen Dank für diesen Fact und das schöne Interview.
Jakob: Danke dir und bis bald! See you!
Lennart: Danke, Tschüss!
Und wer sich von diesem ominösen Entengeräusch nun selbst überzeugen will, hört am besten direkt rein in die neue Single! 🙂
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Würde man den Blog nach dem Wort „Nostalgie“ durchsuchen, würde man sicher so einige Treffer landen. Aber wie schön ist das? Dass Musik so starke Gefühle in uns erweckt, dass wir sie mit ganz persönlichen Ereignissen assoziieren? Situationen und Menschen, die uns derart geprägt haben, dass nur ein paar Gitarrenklänge, nur ein paar tiefsinnige Zeilen ausreichen. Und sofort werden wir zurück zu diesen Momenten katapultiert.
Heute stellen wir euch jemanden vor, der genau das perfektioniert hat. Borninmay, neu auf dem Radar, aber schon ganz groß darin diesen träumerischen Schleier in seine Musik zu legen. Ich habe mit dem Newcomer über seinen musikalischen Werdegang, seinen charakteristischen Sound sowie seine persönlichen Geheimtipps gesprochen.
Borninmay im Interview
Evelin:Erstmal ein herzliches Hallo! Schön, dass es geklappt hat. Wie geht es dir, wie war dein Tag bis jetzt?
Borninmay: Danke für die Einladung! Mir geht’s super, mein Tag war bisher entspannt und ich freue mich dieses Interview mit dir führen zu können.
Evelin: Nach meinem Empfinden bist du mit einer der aufregendsten Newcomer*innen. Denen, die dich noch nicht auf dem Radar haben, würdest du dich und deine Musik kurz vorstellen?
Borninmay: Ich bin Borninmay, 23 Jahre alt, komme aus einem kleinen verschlafenen Städtchen in Rheinland-Pfalz und produziere von meinem Zimmer aus Indie/Bedroom Musik. Neben meinen eigenen Songs beteilige ich mich auch an Produktionen für Künstler*innen aus verschiedenen Genres.
„Ab einem bestimmten Punkt wusste ich dann was ich machen wollte“
Evelin: Unter anderem hast du bereits einiges für andere Künstler*innen produziert. Wie und wann kam die Entscheidung selbst zu releasen? Was war dein musikalischer Weg bis du bei deinem aktuellen Solo-Projekt gelandet bist?
Borninmay: Bis zu meinem jetzigen Solo-Projekt bin ich einige große Umwege gefahren und habe sehr lange nach einer Möglichkeit gesucht, mich musikalisch auf eine Art und Weise auszudrücken, die mich zufriedenstellen würde, weshalb ich mich in vielen Musikrichtungen ausgetobt habe. Die Entscheidung eigene Musik unter Borninmay zu veröffentlichen kam mir Anfang 2021. Zu diesem Zeitpunkt habe ich seit ca. eineinhalb Jahren eigene Beats und sehr experimentelle Musik à la Jai Paul und Ben Khan produziert und dachte, dass ich mich musikalisch endlich gefunden hätte. Dabei ist eine EP mit insgesamt 6 Songs entstanden, welche nun auf meiner Festplatte verweilt.
Zum selben Zeitpunkt arbeitete ich zusammen mit Tom Blanc seit Anfang 2020 an Instrumentals für sein Solo-Projekt und mit jeder Skizze gingen die immer mehr in Richtung Indie/Alternative Rock, Post Punk etc. Ab einem bestimmten Punkt wusste ich dann was ich machen wollte. Es war für mich ein Back To The Roots Ding. Viele Monate experimentieren, um letztendlich dann doch bei der Musikrichtung zu landen, die man sein Leben lang gehört hat. Da ich durch meinen Dad bereits als Kind, mit dem Gitarre spielen angefangen habe und sehr vertraut mit dem Rock Genre bin, war es die logische Schlussfolgerung in diesem Bereich zu bleiben und auch eigene Musik in diesem Stil zu produzieren. Wie schon erwähnt, habe ich viel experimentiert und mich in einigen Genre ausprobiert, jedoch fühlte sich keins so vertraut an wie das in dem ich mich zurzeit musikalisch auslebe.
Nostalgie und Verträumtheit
Evelin: Welchen Vibe, welche Gefühle soll deine Musik Hörer*innen vermitteln? Was erhoffst du dir?
Borninmay: Nostalgie und Verträumtheit sind so ziemlich die besten Begriffe, um den Vibe zu beschreiben, den ich versuche an meine Hörer*innen weiterzugeben. Ich erhoffe mir, dass sie sich in der Musik verlieren, aber auch gleichzeitig wiederfinden können. Wenn sich Hörer*innen mit meinen Songs identifizieren können oder bestimmte Ereignisse in ihrem Leben damit verbinden, ist das für mich das größte Lob.
Zudem erhoffe ich mir, dass die Songs nicht als kurzlebige Produkte wahrgenommen werden. Ich versuche mich so gut es geht von den jetzigen Musikstandards zu distanzieren und meinen Songs die Zeit zu geben, die sie brauchen, um sich vollständig entfalten zu können. Das Ganze bei einer Laufzeit von 2 Minuten unter einen Hut zu bringen ist für mich eher schwierig und nicht immer möglich, zumal ich gerne Zwischenpassagen einbaue in denen z. B. nur Gitarren zu hören sind. Insbesondere die Instrumentals drücken den Großteil der Emotionen aus, die ich meinen Hörer*innen vermitteln möchte.
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Evelin: Gibt es bestimmte Songs oder Künstler*innen, die grundlegend verändert haben, wie du Musik machst oder erlebst?
Borninmay: Definitiv! Ich habe von sehr vielen Bands und Künstler*innen Einflüsse mitnehmen können, um diese letztendlich in meine eigene Musik einzubringen. Um ein Beispiel zu nennen: Das Album „Down Through“von Gleemer ist für mich eine unfassbar große Inspiration sowie auch der Frontmann der Band Corey Coffmann, welcher die Songs produziert. Bei diesem Album fasziniert mich die Komplexität der Gitarren, sprich die Akkordfolgen, Harmonien und wie diese ineinander verschwimmen, aber trotzdem sehr transparent bleiben. Alles klingt sehr warm, träge und schwer im Low-End-Bereich – ganz großes Kino für die Ohren.
Dank dieses Albums habe ich vieles dazu gelernt. Insbesondere wenn es darum geht, ein verträumtes Klangbild zu erschaffen, während man sich von der klassischen Arrangement-Abfolge eines Songs löst, um das Instrumental für die Emotionen sprechen zu lassen. Wenn Worte mal nicht ausreichen sollten. Bands und Künstler*innen, die mich in meiner Vorgehensweise beim Produzieren ebenfalls beeinflusst haben, sind Citizen, Whirr, Dream Ceremony, Delachute, Men I Trust uvm.
Zu der Art und Weise wie ich Musik erlebe kann ich sagen, dass sie sich tatsächlich erst dann verändert hat, als ich angefangen habe selber zu produzieren. Ich mache mir viele Gedanken über das Arrangement, das Sounddesign, den Mix, die einzelnen Instrumente und wie diese miteinander harmonieren. Mein Kopf arbeitet im Vergleich zu vorher ununterbrochen, sobald ich einen Track starte. Klingt nicht unbedingt danach als würde ich Musik genießen (lacht). Aber das Sezieren des allgemeinen Klangbildes bis hin zu den kleinsten Details macht mir sehr viel Spaß und hilft mir enorm, wenn es darum geht zu verstehen, was sich die Künstler*innen bei der Komposition/Post-Produktion gedacht haben. All diese Techniken wende ich dann letztendlich auch auf meine eigenen Produktionen an. Für mich ist alleine nur das Hören von Songs ein endloser Lernprozess, den ich wirklich sehr genieße.
Evelin: „Feels Like We Never Met“ handelt davon, dass man für eine Person, die einst mit das Wichtigste auf Erden war, zum Fremden wird, eben als wäre man sich nie übern Weg gelaufen. Worum genau geht es in deinem neuesten Song „Moving Away“?
Borninmay: „Moving Away“ handelt von Flucht und dem vergeblichen Versuch Abstand zu gewinnen. In Bezug auf sich selbst, emotionale Bindungen und Orte. Der Song führt im Prinzip die Thematik von „Feels Like We Never Met“ fort, was zu Beginn nicht geplant war, mir aber schlussendlich als recht logisch erschien.
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Evelin: Deine Songs haben eine sehr nostalgische Art. Siehst du dieses träumerische Zurückblicken als toxische Eigenschaft oder hilft es dir dabei, Dinge, – besonders in deiner Musik – zu verarbeiten?
Borninmay: Wenn es um meine Musik geht, funktioniere ich am besten, wenn ich von Emotionen geleitet werde und so ehrlich wie möglich bin. Dafür greife ich gerne auf Thematiken oder Erinnerungen zurück, bei denen mir bewusst ist, dass es wichtig wäre sich damit auseinanderzusetzen. Das gehört irgendwie zum Prozess, ich reflektiere und verarbeite das Ganze in einem Rutsch beim Komponieren und Schreiben. Zumal sind diese Rückblicke auch Teil des Konzepts. Die Songs stellen Erinnerungen dar, die durch nostalgische und verwaschene Elemente, Rückblicke Revue passieren lassen. Dieser Sound soll die verschleierte Wahrnehmung an die Vergangenheit beschreiben, die nach und nach gemeinsam mit gewissen Emotionen verblasst.
Evelin: Ich vermute stark, dass es um dich herum immer lauter werden wird. Und dass wir noch einige aufregende Releases erwarten können (hoffe ich zumindest 😄). Was sind sonst noch deine persönlichen Ziele für dieses Jahr?
Borninmay: Zu den wichtigsten Zielen gehört, dass ich von nun an regelmäßig Musik veröffentliche und viel rumkomme. Des Weiteren habe ich noch ein paar Sachen geplant, die ich dieses Jahr umsetzen möchte. Was es genau sein wird, möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Abseits von meiner eigenen Musik freue ich mich darauf, die Songs für Tom Blancs Solo-Projekt fertigzustellen. An denen arbeiten wir schon sehr lange. Außerdem möchte ich mich an weiteren Projekten beteiligen. Bisher steht noch nichts fest, aber ich bin gespannt was die Zeit bringen wird. Ich habe seit dem Release von „Feels Like We Never Met“ einige spannende deutschsprachige Künstler*innen kennengelernt, mit denen ich sehr gerne arbeiten würde. Am liebsten persönlich und vielleicht auch mal im Studio statt über Zoom.
Borninmay’s Newcomer*innen Tipps
Evelin: Nach ausgiebigen Stalken deiner Spotify-Page 😄, hast du eine Vorliebe für Bedroom-Pop, New Wave und Post Punk. Das spiegelt sich ja auch in deiner eigenen Musik wider. Hast du ein paar Newcomer*innen Tipps oder Artists, die wir uns ganz besonders hinter die Ohren schreiben sollten?
Borninmay: Sehr zu empfehlen wäre an erster Stelle mein kanadischer Freund Delachute. Er produziert extrem einzigartige Musik und befasst sich in seinen Songs mit Interviews, die er mit Mördern und den Angehörigen der Opfer geführt hat. Absoluter Geheimtipp! Seine meistgehörte Single „Caligula“ überzeugt von der ersten Sekunde an. Eine weitere Empfehlung wäre Chris Yonge, ebenfalls ein Musiker aus Kanada, den ich seitdem ich ca. 13 bin höre und für den ich letztes Jahr den Song „cool kids“produzieren durfte.
Weitere empfehlenswerte Bands/Artists und deren Alben/Songs wären:
Evelin: Am Ende jedes Interviews bitten wir immer um eine untold story. Das kann ein random Fakt über dich sein, eine kleine Anekdote, irgendwas Witziges, das im Studio passiert ist, usw. Kurz gesagt irgendwas, was du noch nicht mit der Welt geteilt hast, was du jetzt aber gerne wollen würdest. 😊
Borninmay: 2020 fing ich an, aktiver Beats zu produzieren. Ich bin, ohne jegliche Studio-Erfahrungen in der Rolle als Produzent gesammelt zu haben, sehr oft in Sessions mit Artists geraten, die musikalisch das absolute Gegenteil von dem waren, was ich zu Beginn produzierte und privat hörte. Es ging meistens nur um Hip-Hop, Rap, RnB usw. Zu dieser Zeit war ich in einem Tonstudio als freiwilliger Audio-Engineer aktiv. Ich kannte mich lediglich mit Mixing und Mastering aus, was anscheinend dabei half, die Illusion aufrechtzuerhalten.
Das Ganze sprach sich ein wenig rum und mit der Zeit produzierte ich dann immer mehr Songs für Artists, deren Genre mir von der Produktionsweise her völlig unbekannt waren. Auf jeden Fall informierte ich mich während den Sessions nebenbei über die jeweilige Musikrichtung, die produziert werden sollte. Und zu meinem Glück funktionierte es ziemlich gut. Die dabei entstandenen Songs waren echt solide. Ich höre sie mir heute noch an. Ich frage mich, wie ich das zu diesem Zeitpunkt auf die Kette kriegen konnte. War stressig, aber auch ziemlich lustig und trotz der musikalischen Differenzen hatte ich viel Spaß mit den Artists. Konnte eine ganze Menge aus der Zeit in diesem Studio lernen!
Evelin: Danke dir für deine Zeit!
Borninmay: Sehr gerne, danke auch für die Möglichkeit!
So wie ich Borninmay im Interview sowie im generellen Austausch miteinander erlebt habe, merkt man, wie engagiert und passioniert er ist. Und das wird sich auszahlen, da bin ich mir sicher. So rund wie die ersten Songs schon klingen, kann alles, was noch kommt, nur genauso geil sein. Tut euch selbst einen Gefallen und hört in beide Songs rein! Bei einem Stream wird es da safe nicht bleiben 😉
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