Schlagwort: untold stories

  • LOKI im Interview: »Cyan fühlt sich an wie ein altes Holzhaus, in dem jeder Raum einen Song portraitiert.«

    LOKI im Interview: »Cyan fühlt sich an wie ein altes Holzhaus, in dem jeder Raum einen Song portraitiert.«

    LOKI ist eine Band, von der wir uns fragen, ob ihr sie eigentlich auch alle schon kennt – und wenn nicht, warum nicht? Das achtköpfige Projekt rund um Marc Grünhäuser macht Indie-Neo-Folk fürs Herz und hat mit Cyan nun endlich (!) ihr Debütalbum released. Dazu sprechen wir nicht nur unsere Glückwünsche aus, sondern haben sie direkt auch für ein paar Fragen im Interview.

    Cyan ist ein Album, das die Reise selbst feiert. Es geht nicht um das Ankommen, sondern um die kleinen Umwege – und um das gemeinsame Erleben und Erschaffen dieser Erinnerungen. So wholesome wie sich das anhört, so klingt und ist es auch. Eine große Empfehlung von uns an euch.

    LOKI im Interview

    Anna: Hi! Wie geht’s euch? Es ist viel los bei euch, aber auch in der Welt. Wie navigiert ihr euch gerade durch die Zeit?

    Marc: Hey! Ganz gut. Danke für die Nachfrage. Es ist tatsächlich auf allen Ebenen viel los. Navigieren klingt da schon fast zu kontrolliert. Es fühlt sich eher an, als wäre man in einen Bus gestiegen, ohne wirklich zu wissen wo’s hingeht, samt all der Schönheit und all der Überforderungen die eine solche Fahrt mit sich bringen kann.

    Wenn ich mich richtig erinner, ist LOKI als ein Uni-Projekt gestartet. Was sind die Dinge, an die ihr euch jetzt noch am liebsten von der Anfangszeit erinnert? Was waren die Hürden, die ihr seitdem überkommen habt (oder noch überkommt)?

    Marc: Nicht ganz. LOKI war kein klassisches Uni-Projekt, die heutige Konstellation hat sich allerdings an einer Uni kennengelernt. Ich erinnere mich an den Anfang so gerne, weil es einfacher war äußere Umstände, wie Streaming-Zahlen, Ticketverkäufe etc., auszublenden. Mit der Zeit wird ein Projekt meist professioneller, was sehr viele Vorteile mit sich bringt, aber eben auch mit mehr Verantwortung daherkommt.

    Ich glaube die große Hürde, aber auch die große Stärke von LOKI ist die Größe und Vielseitigkeit der Gruppe. Wir sind insgesamt 8 Leute mit verschiedenen Geschmäckern, Ideen & Visionen. Das alles in einem Projekt zu vereinen kann schonmal aufreibend sein, lohnt sich jedoch jedes Mal. Heute denke ich etwas anders darüber nach – ich bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte, alle diese Orte zu sehen. Ich glaube tatsächlich sogar, dass all das genau richtig war, sonst hätte ich die Songs, die ich schreibe, nie so schreiben können, ohne all diese Einflüsse.

    „In jedem Raum findet sich ein neuer Song.“

    Wann habt ihr gemerkt, jetzt ist der Zeitpunkt, um an einem Album zu arbeiten?

    Marc: Wir haben einfach irgendwann gespürt, dass es nach all den EPs die wir schon veröffentlicht, hatten nun an der Zeit ist ein Album anzugehen – dieses Bauchgefühl hat vermutlich vor ca. 1 1/2 Jahren eingesetzt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon einige Demos angesammelt hatten und sobald der Prozess erstmal ins Laufen kam, waren die Unterschiede zu vorherigen Produktionen gar nicht mehr so groß.

    Eurer Album lebt (laut Pressetext) “irgendwo zwischen Blau und Grün” – wo genau ist das? In welcher Szenerie würdet ihr Cyan sehen?

    Marc: Cyan fühlt sich wie ein altes Holzhaus an, das irgendwo auf dem Land steht, aber durch einen modernen Anbau samt Tanzfläche ergänzt wird. In jedem Raum findet sich ein neuer Song, der mal die musikalische Reise von LOKI über die Jahre portraitiert, aber auch neue Einflüsse und Ideen hervorhebt.

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    Wie ist es, zu acht Musik zu machen? Habt ihr euch da mittlerweile gut eingespielt oder gibt es noch ab und zu kreative Differenzen?

    Marc: Ich denke, wir haben uns schon sehr gut eingespielt und trotzdem muss man in Bezug auf kreative Entscheidungen durchgehend Kompromisse eingehen, da es schlichtweg unmöglich ist acht Visionen, die vielleicht zu sogar konträr zueinander sind, in jedem Song zu vereinen. Wir versuchen möglichst viel zu kommunizieren, demokratisch zu handeln und haben ein Veto Recht, das jede:r ziehen kann sobald er oder sie sich mit einer Entscheidung unwohl fühlt. Natürlich benötigen solche Prozesse viel Zeit und können anstrengend sein. Die Erfahrung mit acht Freund:innen auf einer Bühne zu stehen und Musik zu machen, ist es aber auf jeden Fall wert.

    „Wenn man sich die Mühe macht, genau hinzuhören, lernt man uns ein bisschen besser kennen.“


    Was ist euer jeweilige Lieblingssong vom Album, und warum?

    Marc: Ich mag „Greedy“ sehr gerne, weil ich die Produktion und das Songwriting sowohl spannend als auch schön finde.


    Was sind die Momente eurer letzten Jahre, die ihr auf Cyan verarbeitet habt?

    Marc: Cyan verarbeitet ein breites Spektrum an Themen. Manche Texte sind beispielsweise schon ein paar Jahre alt und unterscheiden sich daher auf vielen Ebenen von den neueren. Letztlich schreiben wir immer über unser Leben bzw. unser Erfahrungen – wenn man sich die Mühe macht genau hinzuhören, lernt man uns also ein bisschen besser kennen.

    Gab es einen Song, der besonders lange gebraucht hat, bis er fertig war, bzw. einen, über den ihr gar nicht lange nachdenken musstet, und er hat gepasst?

    Kai: Viele Cyan Songs waren schon vor den Recordings relativ weit, sodass wir die Zeit im Studio zum Experimentieren nutzen konnten, um unsere Vorproduktionen aufsnächste Level zu bringen. „Greedy“ war vermutlich der Song, der am längsten gebraucht hat. Es gab viele Ideen, Parts und Richtungen, die sich erst ganz knapp vor Deadline zusammenführen ließen. Das Outro hingegen ist komplett in einer Livesession entstanden und war innerhalb von drei Takes im Kasten.

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    Ein Rezept á la LOKI

    Wie unterstützt ihr euch gegenseitig im miteinander Musik machen? Und denkt ihr, ihr hättet auch in einer anderen Realität zueinander gefunden?

    Kai: Unser Zusammenfinden ist von derartig vielen Zufällen geprägt, dass wir uns kaum vorstellen können, auf irgendeinem anderen Weg davonzukommen, wo wir jetzt sind. Das macht unsere gemeinsame Zeit so einzigartig und wertvoll. Die Dankbarkeit dafür zeigt sich vor allem, wenn wir zusammen Musikmachen, wo wir voller Respekt und Spielfreude aufeinander hören und uns gegenseitig begeistern.

     Im Oktober geht ihr auf Tour! Falls hier jemand mitliest und noch kein Ticket gekauft hat – was erwartet uns auf Tour und warum sollten wir alle kommen?

    Kai: Auf der Cyan Tour erwarten euch acht Leute, die sich nicht nur aufeinander freuen, sondern auch seit einem Jahr kaum erwarten können, die neuen Songs live zu präsentieren. Wir wollen auf der Tour aber auch eine kleine Reise in die Geschichte der Band wagen und auf die Bühne bringen, inwiefern wir als Gruppe in den vergangenen Jahren zusammengewachsen sind.

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr bisher in keinem Interview erzählt habt. Das kann alles Mögliche sein, ein Fun-Fact über eine Songentstehung, euer Lieblingsrezept aus diesem Jahr oder was ihr sonst noch gerne loswollen möchtet.

    Anna: Es gibt tatsächlich ein Rezept, was wir jedes Mal, wenn wir zusammenkommen, gemeinsam kochen: nudeln mit vegetarischer Bolognese-sauce, darauf Apfelmus und ein Spiegelei nach Rezept von Marcs Oma. klingt erstmal weird aber schmeckt richtig lecker.

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    Hier gibt es mehr Infos & Tickets zur Cyan-Tour 2025! Kommt alle vorbei, es wird wunderschön.

    Foto: Caren Detje

  • ANTHI im Interview: »Musik war das einzige, was mir niemand wegnehmen konnte.«

    ANTHI im Interview: »Musik war das einzige, was mir niemand wegnehmen konnte.«

    Heute stellen wir euch eine Newcomerin vor, die was für alle sein könnte, die melancholische Musik á la Lana Del Rey mögen. ANTHI hat am Freitag ihre Debüt-EP Verwelkte Rosen veröffentlicht, auf der sie nicht nur ihren musikalischen Werdegang aufzeichnet, sondern auch viele persönliche Dinge verarbeitet. Die EP ist geprägt von toxischen Beziehungen aber auch dem Cut und dem Weg zur Heilung. Sie ist geprägt von einer Leidenschaft fürs Storytelling, tiefgründigen Reflektionen und einer Nahbarkeit und Emotionalität, die verbindet. Wir haben mit ANTHI über ihren Werdegang zur Musik und die Inhalte der EP gesprochen.

    ANTHI im Interview

    Anna: Hey! Bald ist es so weit und deine Debüt-EP kommt in die Welt! Es ist das erste Mal, dass deine Songs gesammelt in einem Werk veröffentlicht werden. Wie fühlt sich dieser Moment für dich an? Bist du aufgeregt?

    Ich bin unfassbar aufgeregt! Die Menschen da draußen hören meine intimsten Gedanken aus meinem Tagebuch, die ich auch teilweise nicht mal meinen engsten Freunden erzählt habe. Es ist wie ein Geständnis. Es fühlt sich einerseits sehr aufregend und befreiend an, aber irgendwie macht man sich dadurch sehr verletzlich.

    Du bist als Kind mehrfach umgezogen, auch in unterschiedliche Länder. Wie war diese Zeit für dich, wie hat sie dich geprägt? Gibt es Orte, die du besonders vermisst?

    Als Kind war diese Erfahrung sehr schlimm für mich. Immer wieder neue Städte, neue Länder und neue Sprachen. Immer wieder aus allem, was mir je Halt gegeben hat, rausgerissen werden. Ich hatte nie feste Freunde oder einen Ort, den ich „Zuhause“ nennen kann. Ich wusste auch nie, dass wir umziehen werden: Ich hab mich fertig gemacht für die Schule und hab plötzlich gemerkt, dass das nicht der Schulweg ist.. Dadurch konnte ich mich nie wirklich verabschieden.

    Heute denke ich etwas anders darüber nach – ich bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte, alle diese Orte zu sehen. Ich glaube tatsächlich sogar, dass all das genau richtig war, sonst hätte ich die Songs, die ich schreibe, nie so schreiben können, ohne all diese Einflüsse.

    „Ich liebe einfach Melancholie.“

    Wie hast du inmitten all dem zur Musik gefunden? Und welche musikalischen Einflüsse haben dich besonders geprägt?

    Musik war das einzige was, mir niemand wegnehmen konnte als Kind. Mich hat klassische Musik wirklich geprägt – diese Dramatik und Sinnlichkeit war schon immer meins. Mein Traum war es immer in einer Oper meine Songs zu singen. Aber natürlich habe ich auch schon immer Rihanna & Adele sehr bewundert, genau so Lana del Rey. Ich liebe einfach Melancholie.

    Kannst du dich noch erinnern als du deinen ersten Song geschrieben hast? Worüber war er?

    Ich habe schon nach paar Monaten in Deutschland angefangen Gedichte zu schreiben. Meine Lehrer haben die nie bewertet, weil sie mir unterstellt haben, sie nicht geschrieben zu haben, da eine 12 jährige in der fünften Klasse nicht dazu fähig wäre – vor allem nicht nach wenn sie erst seit 2 Monaten in Deutschland lebt. In dem Gedicht ging es um Verluste und den Neuanfang des Frühlings. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, so ein bisschen wie mein neuer Song „Nur für dich“.

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    Worum geht’s in Nur für dich?

    Letztes Jahr hat sich jemand aus meiner Vergangenheit wieder gemeldet und wollte sich entschuldigen für die Dinge, die vor langer Zeit zwischen uns passiert sind. Wir standen uns gegenüber und das einzige, was ich gehört habe, waren die Blätter und der Wind. Er fängt an sich zu entschuldigen und mir zu sagen, dass er seitdem ein sehr schlechtes Gewissen hat und nachts nicht schlafen kann. „Kannst du mir verzeihen“, fragt er mich. Und das einzige, was ist höre ist, dass er sich besser fühlen will und es nur für sich macht. Hätte ich von seinen Tagen nicht erfahren, würde es ihm nicht leid tun. Am nächsten Tag war ich im Studio und die Fenster waren auf. Und plötzlich höre ich den Wind und die Blätter der Bäume und da wusste ich, dass das der Song wird.

    „Es ist okay, nicht zu verzeihen.“

    Was hast du aus dieser zerbrochenen, toxischen Beziehung gelernt?

    Dass ich keine Verantwortung für die Fehler anderer übernehmen muss. Es ist nicht meine Schuld, dass mir das passiert ist und es ist okay nicht zu verzeihen.

    Hast du Tipps oder unterstützende Worte für Leute, die in einer toxischen Beziehung stecken und es noch nicht rausgeschafft haben oder gerade dabei sind, sie zu verlassen?

    Es ist so schwer, weil es nicht „die eine Lösung“ dafür gibt. Aber ich kenne es, wenn man sich „wertlos“ fühlt und es einem eingeredet wird. Ich kenne es, wenn man sich die Schuld an allem gibt und das tut weh. Wenn ihr selbstlos seid, werdet ihr nicht dafür „mehr“ geliebt. Die Person wird sich dadurch nicht ändern. Wenn euch jemand so behandelt, dann nicht, weil ihr es verdient habt, sondern weil er einfach ein schlechter Mensch ist. Ich wünschte, das hätte mir jemand gesagt.

    Wie hat dir Musik geholfen, das alles zu verarbeiten?

    Ich schreibe unfassbar gerne. Ich hab tagelang oder sogar wochenlang jeden Tag so viel über den Schmerz, den ich in dem Moment gefühlt habe, geschrieben, bis ich mich etwas besser gefühlt habe. Schreiben heilt – manchmal hilft aber auch einfach in ein Kissen zu schreien. Oder halt mehrmals.

    „Azadi is my story: pain, resistence, rebirth.“

    Was sind deine weiteren Pläne dieses Jahr?

    Ich möchte öfters Live singen. Mehr auf die Bühne gehen und mir die Seele raussingen mit Menschen, die es fühlen oder auch mal so etwas erlebt haben.

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Das kann alles sein, was du noch nie in einem Interview erzählt hast, aber jetzt gerne loswerden würdest.

    Ich hab jahrelang gemalt. Viel abstrakte Kunst. Ich hab überlegt, Kunst zu studieren und ich lese sehr viele naturwissenschaftliche & philosophische Bücher.

    Hört hier in Verwelkte Rosen von ANTHI rein!

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  • Faravaz im Interview: »Through music, I fight for freedom, justice, and the right to exist as we are.«

    Faravaz im Interview: »Through music, I fight for freedom, justice, and the right to exist as we are.«

    Faravaz‘ musikalische Reise begann im Iran, wo Sologesang für Frauen verboten war und sie rechtlich gesehen nur als Backgroundsängerin auftreten durfte. „Jedes Mal, wenn ich zu einem Konzert ging, habe ich geweint“, erinnert sie sich. Sie wurde als Untergrundsängerin aktiv, nutzte Social Media, um ihre Musik zu verbreiten. Das führte zu ihrer Verhaftung und sie war gezwungen, ins Exil zu fliehen. In Berlin startete sie ihre Karriere neu, und ist nun kurz vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums! Mit kraftvollen, provokanten Texten in Englisch und einer einzigartigen Mischung aus alternativer Popmusik und orientalischen Elementen gibt sie ihrer Geschichte und ihrem Aktivismus eine Stimme. Wir haben mit ihr über all das im Interview gesprochen.

    Faravaz im Interview

    Anna: Hey Faravaz, I hope you’re good! Since not everyone will know you, do you want to introduce yourself in a few sentences?

    
Hi! I’m Faravaz, an Iranian singer, composer, and activist currently living in exile in Berlin. My journey began in Tehran, where making music as a woman was nearly impossible. But I’ve never been able to stay silent – my voice is my weapon, and through music, I fight for freedom, justice, and the right to simply exist as we are.

    You are now releasing your very first debut album but your path to it has been the opposite of an easy one. Before we get into that though, how did you find your love for music? What is it in music that touches your soul and makes you not want to do anything else?

    In school singing for other students and in the car for my parents and sister when we were on the road. They loved me singing and that’s how I learned that I have a voice for singing.
    Music was always my escape. Even as a little girl, when I wasn’t allowed to sing in public, I would hum melodies to myself, imagining a world where I could be heard. Music doesn’t just express my emotions – it becomes them. It’s my way of surviving pain, celebrating resilience, and connecting with something deeper than words.

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    „I had no choice but to go into exile.“

    Growing up as a woman in Iran, you being were heavily restricted from making music and singing on stage – unless you performed as a background singer. How did you deal with that struggle?

    
It was heartbreaking. Being told that your voice is a threat just because you’re a woman – it stays with you. But I never gave in to silence. I performed underground, behind closed doors, wherever I could. And I always knew: one day, I would sing freely. It always made me cry watching my male friends on stage singing in Iran!
    And I never could understand what is the difference between our voices. But also was hard to see that most of the men in my country didn’t really stand for us female singers. We were their friends, fan and colleagues…

    Were you scared for rebelling the restrictions by going into the underground? How did your family and friends react?

    Of course I was scared. Every performance felt like a risk. But I couldn’t live in fear forever. My family was torn – some were terrified for me, others proud. But they all knew: music is who I am.

    What happened then?

    Eventually, the fear caught up with me. I was arrested, interrogated, threatened and sentenced to one year of prison because of only singing. I knew I couldn’t stay if I wanted to keep creating, so i had to decide between going to prison or living in exile. So I left Iran. I had no choice but to go into exile.

    „It fuels my fire.“

    You’re living in exile in Berlin for a couple of years now. How did the city welcome you? What are the things you miss most about Teheran?

    
Berlin gave me space to breathe and create again. And to be me, more than ever in my life.
    I found my best friends in Berlin. I am loved and supported here. It’s a city full of contrast and courage. But I miss Tehran’s warmth, the smell of my mother’s cooking, the chaos of the bazaars, the mountains, my people and of course speaking Farsi.

    You continued to make music here, already releasing a couple of songs the last years. One of them is Ey Iran. What are the things you’re telling your home country in that song? Does it make you more angry or more sad?

    Ey Iran is my love letter and my cry. It’s filled with grief – for what we’ve lost – and rage, for what we continue to endure. It makes me sad, yes, but mostly it fuels my fire. I sing it with hope that one day we can return to a free Iran.

    Another song is Enemy Of God, where you sing “If god gave a man all the power | Then why you killing women like a coward | Condemn us to death from your tower”. How would you describe your relationship to religion?

    My relationship to religion is not good. I grew up surrounded by faith used as a tool for oppression. I believe religion always been weaponized against human specially women, flinta and queer people, and I also believe patriarchy needs religion to create more borders, taboos, hate and war! This song was dedicated by me to all the political prisoners who stands for humanity and dignity all around the world.

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    „Azadi is my story: pain, resistence, rebirth.“

    You also continue to be very passionate about human rights, especially for women and queer communities in the Middle East. As the founder of the non-profit organisation The Right to Sing e.V., you fight to make marginalised groups heard. What can you tell us about that?

    The Right to Sing is more than an organisation – it’s a movement. We work to give voice to those forced into silence. Whether you’re a woman, queer, exiled, or censored, your voice matters. We create platforms, offer workshops, and build communities that reclaim the right to be loud. Also sponsoring Iranian and Afghan female singers who are still living in Iran and Afghanistan.

    On May 11th you will finally release your debut album Azadi (Freedom in Farsi) – how excited are you for the release? What are the things that were the most fun but also challenging when making it?

    ’m beyond excited—it still doesn’t feel real. Azadi is my story: pain, resistance, rebirth. The fun part was collaborating with other artists who felt the same fire. The hard part? Revisiting my traumas to turn them into sound. But that’s also what made it healing.

    This isn’t just a concert – it’s a celebration of survival.“

    On the same day, May 11th, you will perform the release concert in SO36 – it will be a beyond special moment for you, I’m sure. You’re also premiering your documentary The Orange Garden, a film that captures your imprisonment, exile and resilience. What would you tell people, who haven’t got a ticket yet – what will make this evening so special that they should come?

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You come to my concert to celebrate my residence, a women who is singing at her first solo concert after 35 years!
    I have fight with my love to see this moment.
    This isn’t just a concert – it’s a celebration of survival. It’s a night where every note carries a story of defiance. The documentary is deeply personal, and I’ve never shared this much before. If you want to witness the truth behind the headlines, and feel the power of freedom in music – come. Be part of it.

    For our last question we always ask for an untold story – is there something you haven’t told in an interview before and want to get off your chest now? Could be literally anything.

    Honestly I am truly scared and stressed when I am thinking about my future and my music career in exile!
    To be weird, loud and straight to the point! Already being a refugee, woman, fat and a person in colour make it hard to have peace and safety. And my music and character might make it even more scary…
    But that’s my goal in my life. To live and be myself as it’s possible.

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    Fotocredit: Beyond Binary

  • Soft Loft im Interview: »Wenn plötzlich irgendwo in Dänemark Menschen deine Songs mitsingen, ist das ganz verrückt – verrückt schön.«

    Soft Loft im Interview: »Wenn plötzlich irgendwo in Dänemark Menschen deine Songs mitsingen, ist das ganz verrückt – verrückt schön.«

    Soft Loft sollten alle die von euch kennen, die sich wie wir knee-deep in der Newcomer-Indie-Bubble bewegen. Wir haben sie euch auch schon als einer unserer Artists To Watch 2024 vorgestellt und eigentlich ist der Begriff „Newcomer“ auch bald überfällig. Falls ihr noch nichts von der Band mit dem wunderschönen Namen Soft Loft gehört habt, dann findet ihr hier euer nächstes Indie-Wunder aus der Schweiz, das ihr beim Durchbruch begleiten könnt. Nach ihrem Debütalbum The Party And The Mess, haben sie letzten Freitag ihre neue EP Modern Roses veröffenlicht. Wir haben mit ihnen über all das gesprochen, was die EP begleitet – unter anderem die 46 starke Sommer- und Herbst Tour, die sie letzte Woche angekündigt haben. 2025 ist das Jahr von Soft Loft und wir sind bereit!

    Soft Loft im Interview

    Anna: Hey! 🙂 Ein paar Tage vor eurem EP-Release und kurz nach Ankündigung einer riesen Welle Live-Termine, wie fühlt ihr euch gerade?

    Jorina: Wir sitzen gerade im Auto auf dem Weg ins Studio, um neue Songs aufzunehmen. Deshalb kommt gerade alles zusammen, aber alles, was passiert, fühlt sich sehr gut an. Wir freuen uns mega, dass die EP nun endlich mit der Welt geteilt werden darf und wir dann auch im Herbst groß auf Tour gehen, um sie auch live zu spielen. Die Herbsttour ist für uns ein Riesentraum und fühlt sich noch sehr surreal an.

    Ihr seid schon eine Weile zusammen Soft Loft – bisher noch in Eigenregie, mit der neuen EP jetzt bei PIAS gesigned. In wenigen Jahren seid ihr von kleinen Shows in der Schweiz zu mehreren Clubshows in ganz Europa gewachsen! Wie habt ihr selbst die Entwicklung eurer Band die letzten Jahre wahrgenommen?

    Irgendwie fliegt die Zeit gerade an uns vorbei. Es passiert super viel und wenn wir so zurückblicken, haben wir schon ordentlich Kilometer und Erfahrungen hinter uns. Und trotzdem fühlt sich auch alles noch sehr neu und aufregend an. Unser gemeinsames Wachsen fühlt sich aber sehr natürlich und nicht nach allem auf einmal an. In Gesprächen und auch in unserer Musik spüren wir die Entwicklung dann aber schon sehr, haha. Einerseits sind wir als Band in den letzten Jahren mega fest zusammengewachsen, wir kennen uns immer besser und sind durch die viele gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen, auch quasi dazu gezwungen gut miteinander zu kommunizieren. Andererseits fühlt sich unsere Musik auch immer reifer und besser an über die Jahre. Und auch live wird das Ganze nach 45 Shows im Jahr natürlich schon immer besser hehe.

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    „Wenn sich Musik so anfühlt, ist das doch das Schönste.“

    Soft Loft hat schon immer als Live-Band funktioniert. Was macht euch am meisten Spaß auf der Bühne? Gibt es Momente, an die ihr euch heute noch gerne erinnert?

    Ich persönlich kann gar nicht genau beschreiben, was mir am meisten Spass macht. Ich glaube zu spüren, dass die Zuschauer*innen dabei sind und dass unsere Musik ihnen gut tut. Das ist ein schönes Gefühl. Wenn du plötzlich irgendwo in Dänemark ein Konzert spielst und Menschen deine Songs mitsingen, ist das schon ganz verrückt – verrückt schön. Erst neulich ist nach dem Konzert jemand zu mir gekommen und meinte unsere Musik hätte sie grad kurz wieder zusammengeflickt. Wenn sich Musik so anfühlt, ist das doch das Schönste. Als Band kommen wir auch immer mehr an auf der Bühne, wir fühlen uns immer wohler und es geht auch einfach darum gemeinsam Spaß auf der Bühne zu haben. Es muss nichts perfekt sein, obwohl viele in der Band zum Perfektionismus neigen 😉

    Ich hab mich letztes Jahr Hals über Kopf in euer Debütalbum The Party And The Mess verliebt. Wo setzt die neue EP Modern Roses an? Nach der Party?

    Oh wie schön! Modern Roses probiert mehr aus und ist vielleicht fast mutiger als The Party And The Mess. Auf Modern Roses stelle ich mir viele Fragen bezüglich Zuneigung, die modernen Rosen sollen aber noch immer umarmend sein, vielleicht so wie sich Zuneigung halt anfühlen soll. Nachdem wir unser Debütalbum released hatten, hat sich das Schreiben irgendwie noch freier angefühlt, der Druck von dem ersten Eindruck war weg und wir wussten, die Leute wissen jetzt irgendwie was Soft Loft ist, und wir können mit den nächsten Songs noch weiter in andere Richtungen gehen und anknüpfen.

    „Und, wie klingt es?“

    Kannst du den Prozess hinter den neuen Songs ein wenig beschreiben? War er anders als bei eurem Album?

    Es ging alles viel schneller. Wir haben uns sehr schnell ein Datum gesetzt, um ins Studio zu gehen und quasi diese 6 Momentaufnahmen mitgenommen. Es war wie oben beschrieben viel weniger Druck auf den Songs. Nicht, dass wir den beim Album sehr verspürt hätten, aber irgendwie waren wir alle befreiter von „das muss jetzt richtig gut werden, weil das unser erstes Album wird„. Die Einstellung war mehr „wir machen gerade Musik, die sich für uns gut anfühlt und wenn es verträumter, weirder ist als das Album ist das total egal“. Zum Album zurückgehen kann man ja immer. Zudem haben wir für die EP-Songs alles selbst gemacht! Wir wollten nach dem Prozess mit unserem Produzenten, mit dem wir die Arbeit geliebt hatten, auch hier aber wieder wissen: wie weit kommen wir, wenn wir das alles allein machen? Und wie klingt es?

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    Habt ihr einen Lieblingssong auf der EP? Und warum?

    Ich glaube alle haben einen anderen Lieblingssong aber Can, Paper Plane und Le Parfait sind wohl weit vorne im Rennen. Für mich persönlich fühlen sich Can und Paper Plane je nach Stimmung am besten an. Can gibt mir Comfort an einem eher nachdenklichen Tag und Paper Plane tanzt mit mir durch den sonnigen Frühling.

    In Modern Roses geht es viel um zwischenmenschliche Beziehungen. Findet ihr, dass es schwieriger geworden ist, sich zu finden und verbunden zu fühlen?

    Ich kann nur für mich sprechen, aber das passt glaub auch ganz gut, da ich die Texte schreibe, haha. Ich denke, die anderen aus der Band sehen das nicht alle gleich. In Bezug auf Dating finde ich es persönlich super schwierig, sich zu finden: es gibt zwar sehr viele Optionen, die unterstützend sein sollen, aber einfach jemanden kennenlernen da draussen ist irgendwie kein Thema mehr. Und wenn du dann nicht gerade matchst mit all den Optionen, wirds schwierig.

    Was ist das süßeste/liebste, was je jemand für dich gemacht hat?

    Ich hab eine Zeit lang Gedichte bekommen; das war sehr cute. Aber wir sind froh um jegliche Tipps für Modern Roses! (Notfalls sonst auch immer Paper Planes)

    „Wir fühlen uns alle mal verloren, aber gemeinsam verloren zu sein, ist immer besser.“

    Wir haben alle ein bisschen das Gefühl, verloren zu sein in dem Strudel des Erwachsenenwerdens – gibt es Dinge, die euch geholfen haben, die ihr teilen könnt? Mit welchen Dingen fühlt ihr euch noch immer überfordert?

    Ja! Die beste Medizin hierzu, glaube ich, ist, sich damit nicht alleine zu fühlen. Wir fühlen uns alle mal wieder verloren, aber gemeinsam verloren zu sein, ist immer besser. Und was auch hilft, ist Musik. Sich durch Musik verstanden fühlen und sich somit nicht alleine fühlen, hilft mir persönlich auch oft. Und Laufen! Ich habe die letzten Monate gemerkt, wenn ich mich schlecht fühle, kann ich das manchmal auch einfach weglaufen und fühl mich danach besser. Und wenn du dich wirklich absolut überfordert fühlst, sprich mit deinen Freundinnen oder einer Psychologin, das ist nicht schlimm, für das sind die ja da 🙂

    Vielleicht seid ihr das zu oft gefragt worden und es ist ein wenig offensichtlich, aber wie seid ihr auf den Bandnamen Soft Loft gekommen? Er geht einfach genauso schön und sanft über die Lippen.

    Werden wir tatsächlich in fast jedem Interview gefragt, aber was gibt es auch Spannenderes als die Herkunft eines Namens zu wissen, haha. Der Name ist eigentlich auch irgendwie random entstanden: Wir waren aktiv auf der Suche nach Bandnamen und ich habe damals mit meiner Mitbewohnerin mit einem Bandnamengenerator rumgespielt und plötzlich war da das Wort „soft“, das ich irgendwie sehr passend gefunden hab und dann kam noch „loft“ dazu, um den Namen zu vervollständigen und irgendwie passt der Name jetzt ganz gut.

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Das mag eine Anekdote aus dem Studio, eine Empfehlung von Herzen oder etwas komplettes Random sein. Hier ist euer Space:

    Untolder geht nicht: eine Songzeile aus einem noch unreleasten Song:


    oh love, keep calm
    the world will not stay mad
    oh love, be smart
    the world will not stay mad

    <3

    Fotocredit: Flavio Leone

  • Derya Yıldırım & Grup Şimşek im Interview: »Kultur und Herkunft sind lebendig, sie entwickeln sich – und sie geben uns das Gefühl von Tiefe, Zugehörigkeit und Sinn«

    Derya Yıldırım & Grup Şimşek im Interview: »Kultur und Herkunft sind lebendig, sie entwickeln sich – und sie geben uns das Gefühl von Tiefe, Zugehörigkeit und Sinn«

    Derya Yıldırım & Grup Şimşek bestehen darauf, dass man, wenn man ein altes Volkslied spielt, etwas Neues beisteuern muss, „sonst könnte man genauso gut einfach die alte Platte auflegen.“ Seit mehreren Jahren beeinflusst die Band um Derya Yıldırım die Wahrnehmung türkischer Volksmusik in Deutschland und weltweit. In Hamburg geboren und mit vielen Instrumenten aufgewachsen, hat sie sich schon von früh an intensiv mit Musik beschäftigt – und was es mit ihr macht. Anlässlich ihren neuen Albums Yarın Yoksa haben wir mit ihr über die Bandynamik, Volksmusik als Spiegel der Gegenwart und die Verbundenheit über Musik gesprochen.

    Derya Yıldırım & Grup Şimşek im Interview

    Anna: Hey! Es ist gerade wahrscheinlich sehr viel los bei euch, könnt ihr uns einen Einblick geben in alles, was gerade passiert und wie’s euch geht?

    Derya: Wir sind gerade von unserer Album Release Tour zurückgekommen und immer noch total überwältigt von den ersten Konzerten mit dem neuen Album. Die Tour begann mit einem sehr besonderen Konzert in der Elbphilharmonie in Hamburg – das war ein wunderschöner Auftakt und ein ganz besonderer Moment für uns. Es gab viele Überraschungen und die Resonanz war einfach unglaublich. Ich glaube, wir müssen alle erst mal wieder ein bisschen runterkommen und alles verarbeiten. Gerade jetzt, in der kleinen Verschnaufpause vor den Frühlingskonzerten im Mai, fühle ich mich sehr beseelt und dankbar.

    Yarın Yoksa, so der Titel eures neuen Albums, ist nun seit etwa zwei Wochen erhältlich. Wie fühlst du dich damit, dass die neue Musik endlich in der Welt ist?

    Es ist wirklich aufregend, dass das Album jetzt draußen ist. Wir haben ziemlich lange daran gearbeitet, aufgenommen haben wir es schon letzten Sommer. Jetzt endlich die Musik teilen zu können, fühlt sich sehr besonders an. Vor allem, weil ich das Gefühl habe, dass diese Lieder den Menschen in der aktuellen Zeit Halt geben können. Die politische Lage, die Unsicherheiten – all das spiegelt sich in gewisser Weise auch im Album. Es hat eine bestärkende, fast tröstende Energie. Es ist Musik, die versucht, die Welt zu verstehen, sie zu beobachten, und gleichzeitig die eigene innere Stimme zu finden.

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    „Es war der Beginn eines neuen Kapitels für uns.“

    Wie war das Schreiben und Produzieren des Albums? Habt ihr einen Unterschied im Vergleich zu euren vorherigen Alben festgestellt? Gab es etwas, das ihr anders geplant (oder nicht geplant) habt?

    Ja, da gab es tatsächlich eine große Veränderung. Unsere bisherigen Alben haben wir alle selbst geschrieben und produziert, komplett als Band. Bei Yarın Yoksa war das zum ersten Mal anders: Wir haben bei Big Crown Records unterschrieben und mit Lein Michels als Produzenten gearbeitet. Wir schätzen ihn sehr und die Arbeit mit ihm im Diamond Mine Studio war eine ganz neue, bereichernde Erfahrung. Seine Perspektive hat uns in unserer Entwicklung sehr weitergebracht. Das war der entscheidende Unterschied bei diesem Album – und in gewisser Weise auch der Beginn eines neuen Kapitels für uns.

    Kannst du uns den Entstehungsprozess (eines) deiner Lieblingssongs auf dem Album erklären? Warum und wann hat dieser Song begonnen, sich für dich besonders anzufühlen?

    Ein Lied, das mir besonders am Herzen liegt, ist Bilemedim Ki – auf Deutsch: Ich konnte es nicht wissen. Der Song erzählt von einem lyrischen Ich, das in einem kleinen Boot sitzt, im Auge des Sturms, und der Kompass ist kaputt. Diese schwankende Bewegung – wie ein Boot auf dem Wasser – wollten wir unbedingt auch musikalisch spürbar machen, und dabei die inneren Ruhe nicht verlieren. Anstatt eine Demo vorzuspielen, haben wir im Studio spontan eine reduzierte Version gespielt – mit Rahmentrommel, ein paar Akkorden und einem einfachen Groove. Es ging uns vor allem darum, das Gefühl und den Kern des Refrains erfahrbar zu machen… Besonders war auch das Experimtieren mit dem Sound der Bağlama, wie sie zum Beispiel durch einem Oilcan effect Pedal aufzunehmen. Dadurch hat der Song einen schimmernden, fast träumerischen Klang bekommen. Es war einer der ersten Titel, die wir aufgenommen haben – und beim gemeinsamen Spielen entstand sofort eine besondere Magie.

    „Volksmusik ist kein Relikt aus der Vergangenheit, sondern ein Spiegel der Gesellschaft.“

    Ihr habt euch Musik immer aus einem ganz bestimmten Blickwinkel genähert. Was ist für euch so wichtig, wenn ihr traditionelle Musik in moderne Musik übersetzen? Ich glaube, man muss sehr behutsam vorgehen, um die Seele dieser Lieder nicht zu verlieren, ihnen aber dennoch eine neue Wendung zu geben.

    Für uns geht es gar nicht darum, traditionelle Musik modern zu machen – denn was bedeutet überhaupt modern? Volksmusik ist kein Relikt aus der Vergangenheit, sondern ein Spiegel der Gesellschaft. Sie war immer Ausdruck ihrer Zeit, ihrer Menschen, ihrer Kämpfe und Hoffnungen. In diesem Sinne ist sie auch heute relevant – vielleicht sogar notwendiger denn je. 

    Ein zentrales Anliegen für uns ist es, unsere eigene Sprache zu finden. Eine Stimme, die in unserer heutigen Gesellschaft schwingt und sich darin spiegelt. Die Volksmusik, insbesondere durch die Bağlama, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer musikalischen Identität. Sie prägt unseren Sound, ohne dass wir sie „anpassen“ müssen. Es geht nicht um Tradition versus Moderne, sondern um das, was dazwischen liegt – um ein musikalisches Erbe, das weiterlebt, wenn man es ernst nimmt und ihm zuhört. Für uns heißt das: Kultur und Herkunft sind lebendig, sie entwickeln sich – und sie geben uns das Gefühl von Tiefe, Zugehörigkeit und Sinn. Das ist es, was wir mit unserer Musik ausdrücken wollen.

    Derya Yıldırım & Grup Şimşek, Yarın Yoksa, untoldency, interview, derya yilidrim

    Wie seid ihr zum Musikmachen gekommen? Kannst du dich an den Moment erinnern, in denen euch klar wurde, dass ihr dieser Leidenschaft professionell nachgehen und sie auf Bühnen und Festivals bringen wollt, um sie mit vielen anderen zu teilen?

    Wir haben uns 2014 bei einem Theaterprojekt kennengelernt – und diese intensive Zusammenarbeit hat uns nicht nur musikalisch, sondern auch freundschaftlich sehr zusammengeschweißt. Einer der Schlüsselmomente war, als wir unsere ersten Konzerte, die in England stattfanden, selbst organisiert haben. Das war aufregend, mutig und hat uns gezeigt, wie viel möglich ist, wenn man einfach loslegt. Kurz darauf entstand unsere erste EP Nem Kaldı, und die Resonanz auf unsere erste Single war überwältigend. Das war für uns der Wegweiser – da wussten wir: Das ist mehr als nur ein Projekt, das ist unser Weg. Und jetzt, über zehn Jahre später, sind wir immer noch gemeinsam unterwegs.

    „Es geht darum, den ständigen Kampf um Sichtbarkeit und Anerkennung weiterzuführen.“

    Wir haben mit ENGIN, einer deutsch-türkischen Indie-Band, die kürzlich eine EP mit türkischen Volksliedern und Klassikern des Anadolu-Rocks namens Mesafeler veröffentlicht hat, darüber gesprochen, wie türkische Musik in Deutschland wahrgenommen wird und wie sich das über die Jahre verändert hat. Was sind deine Erfahrungen damit?

    Definitiv hat sich die Wahrnehmung anatolischer Volksmusik in Deutschland verändert – sie hat sich auf neuen Ebenen etabliert. Früher fand sie oft eher im kleinen Rahmen statt: in der Nachbarschaft, in Kulturvereinen, innerhalb einer Community. Heute wird sie durch neue Generationen weitergetragen – und dadurch entstehen neue Räume für Begegnung. 

    Es geht nicht nur darum, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern darum, den ständigen Kampf um Sichtbarkeit und Anerkennung weiterzuführen. Es fühlt sich an, als wären wir gerade an einer Schnittstelle angekommen, an der sich etwas öffnet: Es entstehen professionelle Alben, Konzerte, Festivals – und diese Musik erreicht ein neues Publikum. Ein starkes Zeichen dafür ist für uns, dass die Bağlama heute über die Grenzen hinweg klingt – dass wir mit einem Plattenvertrag in New York arbeiten und Musik machen, die tief in Anatolien verwurzelt ist, aber gleichzeitig ihren Platz in einem globalen Kontext findet. Da wo es auch hingehört. 

    „Uns fasziniert vor allem die Ästhetik des analogen Sounds.“

    What is it that pulls you to this era of music of the 60s and 70s?

    Uns fasziniert vor allem die Ästhetik des analogen Sounds – diese Wärme, Tiefe und Direktheit. Gleichzeitig steht bei uns immer die Suche nach einer eigenen musikalischen Sprache im Mittelpunkt. Geschmack und Klangästhetik spielen dabei eine zentrale Rolle. Natürlich ist die Musik dieser Zeit eine große Inspirationsquelle für uns, aber es geht uns nicht um Nostalgie oder Nachahmung. Ganz im Gegenteil: Wir wollen etwas Eigenes schaffen – mit Respekt vor dem, was war, aber mit dem Blick nach vorne.

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    Was sind deine schönsten Erinnerungen an deine Kindheit, was die Musik angeht? Welche Künstler und Lieder, sowohl deutsche, internationale als auch türkische, haben dich am meisten beeinflusst?

    Meine musikalische Sozialisation fand stark im familiären Kontext statt. Bei uns lief immer Musik – sei es die Plattensammlung meiner Großeltern oder die Kassetten meiner Eltern, die zu jeder Tageszeit liefen. Musik war ein ständiger Begleiter im Alltag. Besonders prägend war die Vielfalt türkischer Genres: von traditioneller Volksmusik über Pop und Rock bis hin zu Arabesque. Diese breite Mischung hat mich tief beeinflusst. Eine besonders schöne Erinnerung sind die Autofahrten zur Musikschule mit meinem Vater. Er hatte immer selbstgebrannte Compilations dabei – das war für mich etwas ganz Besonderes und hat mich musikalisch stark geprägt.

    Wenn wir gerade bei musikalischen Prägungen sind: gibt es türkische Bands/Künstler, die wir uns ansehen sollten? Wir sind immer auf der Suche nach neuem Input.

     AySay aus Dänemark – ein kurdischsprachiges Trio, die Musik ist sehr eigen, atmosphärisch.. und Meral Polat aus den Niederlanden – eine unglaublich vielseitige Künstlerin. Beide Projekte tragen zur Sichtbarkeit und Weiterentwicklung anatolischer und kurdischer Musik im europäischen Kontext bei.

    „Musik verbindet uns einfach.“

    Ihr macht jetzt seit fast 10 Jahren zusammen Musik – wie hat sich die Dynamik in eurer Band seitdem verändert?

    Unsere Banddynamik hat sich im Laufe der Zeit bestimmt verändert. Es ist schwer, das genau in Worte zu fassen, weil es einfach passiert, ohne dass man es wirklich merkt. Natürlich verändert man sich mit der Zeit, aber das Besondere ist, dass wir uns immer gegenseitig zuhören und die Lebensweisen des anderen respektieren. Es ist einfach dieser natürliche Flow, der es uns ermöglicht, auch mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und Orten zu leben und trotzdem zusammenzukommen, um Musik zu machen. Für mich macht das die Band so besonders – Musik verbindet uns einfach.

    Für unsere letzte Frage fragen wir immer nach einer untold story – gibt es etwas, dass du noch keinem Interview erzählt hast und jetzt loswerden willst? Das kann eine zufällige Geschichte sein oder ein gutes Album, das Sie kürzlich gehört haben.

    … hmm weiß jetzt nicht genau, was ich erzählen soll. Kurz vor dem Albumaufnahmen wo wir noch auf Tour waren, hat mir Graham Mushnik Dorothy Ashbys Album The Rubáiyát of Dorothy Ashby empfohlen und drauf geschworen, dass ich es lieben werde und dass es genau was für mich wäre… und da kannte Graham mich einfach wirklich zu gut. Seither höre ich das Album immer wieder und hat mich während der Albumproduktion sehr inspiriert. Ich fühle mich sehr wohl in Dorothy Ashbys Stimme und in ihren Melodien.

    Fotocredit: Philomena Wolflingseder + Sebastian Madej

  • Interview Odd Couple: »Jo, das isses.«

    Passend zum Album Titel »Rush Hour des Lebens« zieht Odd Couple uns ICE-artig durch dieses Interview. Dabei bekommen wir Eindrücke ihrer Selbst und ihrer Kunst.

    Maja (untoldency) : Hey Odd Couple, willkommen im Interview mit untoldency. Wie würdet ihr das Jahr bis jetzt bewerten?

    Odd Couple: 10/10 – es ist schön wieder auf Tour zu sein und wir freuen uns wenn die Platte endlich draußen ist.

    Maja (untoldency): Habt ihr bis zum jetzigen Zeitpunkt eine Lieblingsmusik für 2025 (Song, Musiker*in,…)? 

    Odd Couple: Wir warten eigentlich nur auf den Moment, in dem AI anfängt, konsequent gute Musik zu schreiben, damit wir uns zur Ruhe setzen können.

    Maja (untoldency): Am 4.04 erscheint euer neues Album und ihr seid schon jetzt damit auf Tour. Was macht am meisten Spaß beim „auf Tour“ sein? 

    Odd Couple: Schlafen im Bus, Soundchecks in Hallen mit Hall und die Gigs sind auch ganz ok.

    Maja (untoldency): Habt ihr das Gefühl, es war richtig, das Album erst im Nachhinein zu veröffentlichen? 

    Odd Couple: Definitiv. Es ist interessant die Songs das erste mal im Live Kontext zu präsentieren.

    Odd Couple
    Odd Couple, Rush Hour des Lebens, 2025, Tour

    Maja (untoldency): Odd Couple – Was macht euch zu so einer guten odd couple? Referiert der Name (auch) auf anderes? 

    Odd Couple: Der Name beschreibt unser Verhältnis sehr gut. Wir sind wie ein altes Ehepaar.

    Maja (untoldency): Was denkt ihr, ist eine Eigenschaft des anderen, die wichtig für eure Musik ist? 

    Tammo (Odd Couple): Jascha hat ein unglaubliches Talent, aus allem einen guten Sound zu bekommen und Konzepte für Songs festzulegen. 

    Jascha (Odd Couple): Tammo kann innerhalb von Sekunden eine catchy Melodie aus dem Hut zaubern. Manchmal nervt es, weil es so easy aussieht.

    Maja (untoldency): Schreibt ihr zusammen oder schreibt ihr getrennt Songtexte? 

    Odd Couple: In der Regel schreiben wir getrennt und die Songs werden im Ping-Pong produziert.

    Maja (untoldency): Sucht ihr euch aktiv Inspiration oder kommt sie von allein? Wenn sie von allein kommt, gibt’s dafür typische Momente, von denen ihr erzählen könnt? 

    Odd Couple: Das kommt einfach und dafür gibt es auch keine Regel – bei uns zumindest.

    Maja (untoldency): Was waren konkrete Inspirationen für das Album? Gibt’s Filme, Philosophie oder andere Künstler*innen, die starken Einfluss auf das Album nahmen? 

    Odd Couple: Jede/r, die/der sich nicht zu schade ist, mal was Neues auszuprobieren. Der Lebensabschnitt, in dem wir uns befinden hat auch eine große Rolle gespielt. Deswegen der Titel „Rush-Hour des Lebens“.

    Maja (untoldency): Wie ist das Cover entstanden? 

    Odd Couple: Das Cover ist eigentlich ein zufälliger Schnappschuss von uns, den wir dann so lange angeguckt haben, bis wir uns dachten: „Jo, das isses.“

    Maja (untoldency): Wieso habt ihr euch dafür entschieden, aus den Songs ein Album zu machen und sie nicht einzeln hochzuladen? 

    Odd Couple: Weil Alben wichtig sind um gesamte Konzepte und/oder Abschnitt darzustellen.

    Maja (untoldency): Ihr spracht in einem Interview mit dem WDR davon, dass in diesem Album Demos Teil der Musik wären. Wieso habt ihr euch dafür entschieden?

    Odd Couple: Weil Demos oft die roheste, ehrlichste Form eines Songs sind. Unser Produzent Olaf Opal fand die Demos so lässig, dass wir uns dafür entschieden haben bei dem Vibe zu bleiben.

    Maja (untoldency): Überarbeitet ihr Songs auch noch nach der Veröffentlichung oder sind sie mit dem Release abgeschlossen? 

    Odd Couple: Die Songs ändern sich live eigentlich ständig in Nuancen und das ist auch das interessante am Live spielen.

    Maja (untoldency): Wann ist die Rush Hour des Lebens? 

    Odd Couple: Zwischen 30 und 40, wenn man glaubt, dass man jetzt alles auf die Reihe kriegen muss.

    Maja (untoldency) : Wo ist die Rush Hour des Lebens? (Mittelernst gemeint) 

    Odd Couple : Wahrscheinlich überall, wo man selbst ist.

    Maja (untoldency) : Warum lassen sich die Songs unter dem Titel am besten zusammenfassen? 

    Odd Couple: Die Songs sind über einen ziemlich langen Zeitraum entstanden und in diesem Zeitraum ist bei uns beiden viel passiert, was sich gut unter dieser Überschrift zusammen fassen lässt.

    Am 04.04.2025 erscheint »Rush Hour des Lebens«. Wem die aufblitzenden Antworten noch auf der Netzhaut brennen kann hier mehr von Odd Couple finden.

  • Victor Solf im Interview: »Willing to be a musician is not an easy task.«

    Victor Solf im Interview: »Willing to be a musician is not an easy task.«

    Kennt ihr noch Her? Das Duo hat mit Songs wie Five Minutes (2018) auch heute noch einen Platz in unseren Playlisten. Wenn ihr sie auch in euren Playlisten findet, wisst ihr, wie viel Potential leider verloren ging, als einer der zwei talentierten Franzosen vor einigen Jahren an Krebs verstarb. Die tragische Wendung hat seinen Bandkollegen Victor Solf bis in die Knochen erschüttert, doch nicht davon abgehalten, weiter Musik zu machen. Im Gegenteil: die Songs und Alben von Victor sind ehrlicher und berührender denje. In seinem neuen Album Tout peut durer singt er nun das erste Mal in seiner Muttersprache und lässt damit jegliche Schutzmauer hinter sich. Positiv und hoffnungsvoll getränkt ist Tout peut durer ein Album zwischen zeitlosen Soul und progressiven R’n’B. Wir haben mit ihm über alles rund um sein neues Album und seinen Weg dorthin gesprochen.

    Victor Solf im Interview

    Anna: Hey Victor! Last Friday you released your new album Tout peut durer. How do you feel starting 2025 off with such an important release? What are the feelings and thoughts in your mind right now?

    Victor: Releasing this album in January definitely feels like a fresh start. A symbolic way of allowing myself to turn a new page in my musical career and gently letting the past behind. I have probably never been as proud of an album as I am of this one. It is my fourth album release within the past ten years, but the first two albums were released as part of a band and two of them now as a solo artist. Except that this one if in French which makes a big difference to me. I feel very happy and honoured to be able to continue my musical journey.

    Anna: You’ve been making music for so long, it’s a great joy to have followed you through the years ever since Her. If you would have to describe the route through your last 10 years, how would you say your relationship to music has changed?

    Victor: Thanks for following the process 🙂

    Willing to be a musician is not an easy task. You must be confident enough to believe you can create your own music, then be bold enough to try to make a living out of it. In 10 years the most drastic change for me has been going through a collaborative process within a band to releasing music under my real name as a solo artist. It was never a choice I wanted to make but life lead me here. It has taught me to believe in myself and in what I can achieve on my own as a musician. Everything that I have learnt throughout the past 10 years lead me to this album and I believe it is my best craft so far. What I am sure of is that, no matter the obstacles and tragic events in my life, I will never be able to quit music.

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    „I can’t hide behind cool vibes anymore.“

    Anna: Finding yourself as an artist is hard, especially if you’re redefining yourself. How has music help you navigate through life? How did you first fell in love with music and knew you want to do this for a long part of your life?

    Victor: I was in high school when I started a band with my classmates. Surprisingly enough we started touring and playing big festivals by the time I turned 19. At first it was concerts that made me realize I wanted to do this for the rest of my life. I always felt like outcast and this type of life suited me well. All our band mates quitted the band when they realized they couldn’t make a proper living out of it. Simon and I pursued because we considered that no matter the outcome and success, we would continue making music together. That’s exactly when it blew up for us with Her, when we were not expecting anything anymore. Since then, it never occurred to me that I would do something else. I play piano and compose music every single day in my living room.

    Anna: On Tout peut durer you break down a lot of things – musically but also lyrically. What is the main message behind the album? What are the topics that you captured in your songs?

    Victor: It is my most intimate album lyrically because it is in French. In my mother tongue I couldn’t hide anymore behind cool vibes or big themes. First of all, I am 34 now and have experienced life, love, death, parenthood and all that blends into my music. My main topic is hope and positivity. I would like people to relate to what I say even though it is very personal.

    „Music is a love language.“

    Anna: Can you take us in the production process of songs? Which songs challenged you, how did they become what they are now and are you proud of how everything turned out?

    Victor: I am very proud of how it turned out.

    I composed all the music and toplines in my home studio for quite some time. Then I met with Vincha who wrote most of the lyrics with me. Once I had strong acoustic versions piano/vocal and production directions that I loved, we built a team of 10 musicians with my A&R Sylvain Taillet. Considering my background of beings in bands, I can’t help but cherishing making music with other people. Music a love language, it is about sharing. I was lucky enough to be able to make music in such a pure traditional way while adding some modern production to it. That’s how I love making an album.

    Anna: Singing in French, you made a huge change to your music that was mainly in English. I feel like even though I might not understand everything now, it is yet way more personal than your previous album. How did you approach writing songs for the first time in your mother language?  

    Victor: It was intimidating. I knew it was going to be a challenge both in the way I would sing and in the topics I would approach. The first song I wrote with the help of Barbara Pravi was about my dad. Once we recorded a rough demo, I remember walking down the streets of Paris for two hours just crying. French has been a catharsis move for me.

    „My self-expression is notes and music.“

    Anna: What did change for you when you started making music in French? And what stayed the same, maybe even surprisingly?

    Victor: What stayed the same is my musicality. I try to make music in the pure English/American Pop way but in French, to be more precise my challenge was to make a soul record in French which is not an easy task. I tried and I hope I succeeded.

    Anna: What song has been the most difficult to write on this album and why?

    Victor: Le Meilleur de Toi was the longest process. The lyrics first talked about the movie “Eternal Sunshine of the Spotless Mind”, about losing someone, the absence. After weeks of back and forth with Vincha, he is the one who told me I was actually talking about Simon, my former band mate who passed away from cancer at 27 yo. I wanted to make a personal song about loss but that anyone could identify to. Musically it was also the first demo of the album. I had 30 seconds that my manager and I loved, we felt it was special. It was also the last tweaks we made on the album until the very end of the recording.

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    Anna: How does songwriting help you with dealing with things you can’t control?

    Victor: When I am at my piano, I’m literally “in the zone”. I could stay there for hours just composing music. It has helped me a lot without a doubt. It’s how I truly express myself. It’s also why I always needed help with the lyrics. My self-expression is notes and music, not necessarily words.

    Anna: What was the most fun song to write on Tout peut durer?

    Victor: Plus Jamais Rentrer as it’s about parental burnout and just willing to go out for one night as we used to before we had kids.

    „Make yourself heard!“

    Anna: You will kick off your Release Headline Tour in France in February – what are you most excited about getting back on stage? And will there be any shows in Germany? Asking for a friend (me) and everyone else.

    Victor: I can’t wait to sing my songs live and to meet with my public again. I love them so much and I thank them for following me throughout my journey even though I made quite a few radical shifts. I’m afraid no gigs are booked in Germany as of now but if there are enough fans out there, make yourselves heard 🙂

    Anna: For our last question we always ask for an untold story – it’s your space to share whatever you like. A random anecdote, a deep meaning behind a song or just something you want to get off your chest.

    Victor: It has never been this hard to be an artist nowadays. There is little to no economy for most of us so if you love music and artists please support them by going to gigs and buying albums. It is a political act in 2025! Thank you for all the love and support.

    Um in die wunderschöne und vielfältige Welt einzutauchen, die Victor Solf mit seinem neuen Album Tout peut durer geschaffen hat, einfach hier auf Play klicken:

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    Fotocredit: Estévez + Belloso

  • CARY im Interview: »Einsamkeit begleitet mich schon mein Leben lang«

    CARY im Interview: »Einsamkeit begleitet mich schon mein Leben lang«

    CARY nimmt uns auf ihrem Debütalbum Allein oder Einsam auf eine intensive Reise durch persönliche und universelle Gefühlswelten und beschäftigt sich mit Verlusten, Depression, dem Bruch mit der Familie oder Freund:innen – aber auch mit der Hoffnung, dass alles besser werden kann. Warum fühlen wir uns alle so einsam? Und was können wir dagegen tun? Über all das und noch mehr haben wir mit ihr gesprochen.

    CARY im Interview

    Anna: Hey CARY, als erstes ein kleiner Check-In: Wie geht’s dir gerade?

    CARY: Hi Anna, danke der Nachfrage! Mir geht es aktuell sehr gut. Ich genieße und sauge auf. Es gab am Anfang des Writing-Prozesses sehr viel Hürden zu überwältigen. Die Findungsphase und auch die Album- und Tourpromo kommen mit steilen Hindernissen. Jetzt aktuell freue ich mich einfach, dass das Album so gut ankommt, verstanden wird und meine Tour ansteht!

    Anna: Willst du dich und dein kommendes Projekt für alle vorstellen, die dich noch nicht kennen?

    CARY: Sich selbst vorstellen ist immer so ne Sache. Ich würd sagen: Hört mein Album und kommt Ende Februar zu meinen Tour-Shows in Berlin, Hannover & Leipzig. Danach kennt ihr mich in und auswendig.

    Anna: Du machst ja schon seit ein paar Jahren Musik. Ich hab die ersten Sachen so richtig erst 2023 mitbekommen, als du Teil der 365XX-Vol.I Reihe warst. Wie bist du zur Musik gekommen und was bedeutet die 365XX Family für dich?

    CARY: Ich mach schon super lange Musik. Ich habe mit sechs angefangen, Klavier zu spielen und mit sieben meine ersten eigenen Songs geschrieben. Als ich mit 12 das erste Mal Whitney Houston und Mariah Carey gehört habe, war für mich klar, dass ich den Großteil meines Lebens mit dem Singen füllen möchte. Dass natürlich neben den Kreativprozessen noch sehr viel Business dazugehört, musste ich dann als Artist erfahren. Mit der 365XX-Family allerdings habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass sich Professionalität und „miteinander lieb umgehen“ überhaupt nicht ausschließen müssen. Lina ist für mittlerweile für mich weitaus mehr geworden. Sie ist Teil meines Management-Teams und eine Freundin. Sie unterstützt mich in allem, wo sie kann und das nun schon seit zwei Jahren. Dafür bin ich sehr dankbar.

    „Die Grenze ist nicht klar, sie verschwimmt.“

    Anna: In deinem Debütalbum geht es, das sagt der Titel ja schon, um Einsamkeit. Du beschäfigst dich mit vielen traurigen und deepen Themen wie Depression, toxische Beziehungen oder den Verlust von Freundschafen. Dort greifst du auch das Thema Familie auf. Was bedeutet Familie für dich in diesem Zusammenhang?

    CARY: Familie bedeutet für mich, vom gleichen Blut zu stammen. Alle, die mir erzählen, dass meine engen Freunde oder Familienmitgliedern von meinen Freunden doch meine Familie sind, weiß einfach nicht, wie es sich anfühlt, keine echte Blutsfamilie mehr bei sich zu haben. Das bedeutet nicht, echte Blutsfamilie auch immer als Familie anzusehen. Aber ich glaube, das größte Glück ist es, ein Blutsfamilienmitglied zu haben, das einen bedingungslos liebt. Ich hatte die Ehre, eine Mama zu haben, die genau das getan hat, mich geliebt. Ich musste sie 2015 gehen lassen und hab das auf meinem Song Asche verarbeitet.

    Anna: Wie definierst du Einsamkeit? Und warum denkst du fühlen so viele von uns diese Emotion so stark und präsent?

    CARY: Einsamkeit begleitet mich schon mein Leben lang. Es passiert mir sehr schnell, dass wenn ich alleine bin, ich mich einsam fühle. Die Grenze ist nicht klar, sie verschwimmt. Und manchmal frage ich mich eben: “Bin ich gerade allein oder einsam?” Es ist ein Problem unserer Zeit. Es passiert immer mehr online. Kellner werden Roboter. Der Einkauf passiert über Flink. Wir vereinsamen nach, ohne dass wir es merken. Ich glaube sogar, dass noch viel mehr Menschen dieses Gefühl der Einsamkeit haben, ohne dass sie wissen, dass es sich bei ihrer „schlechten Laune“ gerade um „Einsamkeit“ handelt.

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    Anna: In Lena geht es um den Verlust einer sehr engen Freundschaft – wer das schon einmal erlebt hat, weiß, dass der Schmerz anders tief sitzt als der Verlust einer Beziehung. Es ist aber auch Teil vom Älterwerden und sich Weiterentwickeln – wie hast du einen Weg gefunden, mit dem Verlust umzugehen? Was hast du daraus vielleicht auch gelernt?

    CARY: Lena und ich haben uns im Prozess des Erwachsenwerdens irgendwie aus den Augen verloren, sind unsere eigenen Wege gegangen und haben vergessen, wie wir eigentlich zusammen waren. So einen richtigen „Cut“ wie bei einer Liebesbeziehung gab es da aber nie. Als ich Lena geschrieben hab, habe ich gemerkt, dass ich dieses Thema unserer zerrissenen Freundschaft lange verdrängt hatte, weil andere Themen akuter waren. Und doch war da etwas in meinem Herzen, dass zu mir gesagt hat, “ich vermisse sie eigentlich”, „wie geht es ihr?“. In dem Moment wusste ich, ich muss ihr nach all den Jahren einfach den Song senden. Es war für mich an der Zeit, ich hatte mich weiterentwickelt und reflektiert. Es ist für mich also nie ein „Verlust“ gewesen, sie war und ist immer noch da.

    „Das Schreiben von Songs ist wie Therapie.“

    Anna: Hat dir das Schreiben der Songs geholfen, all das zu verarbeiten?

    CARY: Das Schreiben von Songs ist wie Therapie. Erst kommt der Schmerz doppelt so schlimm und dann wird es immer besser, weil du auf einmal Zusammenhänge verstehst, warum du so fühlst. Also ja. Ich hab das Glück, mich als Künstlerin sehr viel refektieren zu dürfen und mir Zeit für mich nehmen zu können. Das ist ein großes Privileg und weiß ich zu schätzen. Ich musste aber auch während des Albumprozesses und der wirklich deepen Songthemen aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr retraumatsiere. Man verliert sich schnell, wenn so tef taucht, ich habe aber meistens ein Seil mit, um wieder nach oben zu gelangen 😉

    Anna: Was sind die größten Erkenntnisse, die du während des Albumprozesses über dich aber auch über den Umgang mit all diesen Themen gezogen hast?

    CARY: Als ich das Album angefangen habe zu schreiben, war für mich die Frage: “Was ist der Unterschied zwischen “Allein” und “Einsam”?“ nicht ganz klar. Es war schwammig. Dann, als ich den Titeltrack Allein oder Einsam geschrieben habe, ist mir ganz viel bewusst geworden. Dass sich Einsamkeit aus einem reinen Gefühl, sogar aus einem Hirngespinst zusammensetzt, das einem ganz schön weh tun kann. Mittlerweile hab ich sogar das Gefühl, Einsamkeit etwas besser lenken zu können und mich davor so manchmal zu bewahren, bevor sie eintritt.

    Anna: Viele werden dein Album wahrscheinlich hören, wenn sie sich einsam fühlen und es wird sie hoffentlich auffangen können. Welche Artists fangen dich auf, wenn du dich down fühlst?

    CARY: Es sind nie die positiven Songs, die mich in meinem Schmerz halten. Viel mehr sind es die, die mich fühlen lassen, dass ich nicht die Einzige mit dem Thema bin. Ich hab im Winter ’23 Crystal F kennen und schätzen gelernt. Er ist ein Künstler, der sehr transparent über seinen Feelings redet, ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Seine Texte berühren, weil sie echt sind. Ich bin 1000fach dankbar, dass er mit Eingefrorenen ein wichtiger Part auf meinem Album ist.

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    Anna: Du bringst Allein oder Einsam im Februar auch auf die Bühne! Es wird deine erste Headline-Tour sein – auf was freust du dich am meisten?

    CARY: Ich freue mich auf die Bühne und dass ich meine Songs mit anderen Menschen teilen kann. Während des Albumprozesses ist man sehr mit sich, setzt sich alleine mit dunklen Themen auseinander, ist in seinen eigenen Gedanken. Auf der Bühne kann ich dann sehr extrovertiert Gefühle rauslassen und sie mit meinen Zuhörer*Innen teilen und nach der Show dann erfahren, wie es ihnen mit ihren Problemen geht. Zusammen weinen, zusammen tanzen und wissen, dass wir alle nicht alleine sind.

    Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was du in keinem Interview bisher erzählt habt. Gibt es etwas, was du in diesem Kontext noch loswerden möchtest?

    CARY: Ein Songwriter sagte mir mal, dass ich doch mal einen heiteren Partysong im Repertoire haben sollte. Wir haben keinen Kontakt mehr.

    Hier könnt ihr in CARYs Debütalbum reinhören! Vielleicht fängt es ja den ein oder anderen February-Blues auf 🫂

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    Fotocredit: Corinna Dumat

  • So Soon im Interview: »Es passieren gerade so viele überwältigende Dinge«

    So Soon im Interview: »Es passieren gerade so viele überwältigende Dinge«

    So Soon sind die Multiinstrumentalisten, Songwriter und Producer David Stöbener und Marco Braun. Oder um es in unseren Worten zu sagen: So Soon sind die Newcomer-Empfehlung, die die nächsten Jahre unsere Indie-Folk Bubble von innen aufrümpeln werden. Das ist auch der Grund, warum wir ihre im Dezember startende Headline-Tour mitpräsentieren dürfen! Mit einem gefühlvollen und impressionistischen Ansatz im Sounddesign schaffen sie es, kleine Songs ganz laut werden zu lassen und große Gefühle ganz klein zu verpacken. Wie genau sie das machen und was ihr noch alles über das Duo und ihr Debütalbum Whether You Like It Or Not wissen müsst, erfahrt ihr hier im Interview.

    So Soon im Interview

    Anna: Hey ihr beiden, wie geht’s euch? Wollt ihr euch für alle, die euch noch nicht kennen, einmal vorstellen?

    So Soon: Hallo Anna, vielen Dank, dass ihr uns die Möglichkeit gebt, das hier zu machen, wir freuen uns riesig! Wir sind David & Marco von So Soon und kommen ursprünglich aus kleinen Dörfern in Rheinland-Pfalz. Wir sind seit der Schulzeit befreundet und machen seit einigen Jahren zusammen Musik. Seit 4-5 Jahren hatten wir den Traum ein Konzeptalbum zu veröffentlichen und letzte Woche war es wirklich soweit. Es hat eine Weile gedauert, und es gab einige Umwege, aber wir sind sehr glücklich. Wir sind unfassbar dankbar dafür, dass wir die Chance haben, unsere Musik auf Deutschlandtour den Menschen zu zeigen. Es fühlt sich ein wenig komisch an, dass in so vielen Städten Leute zu unseren Konzerten kommen. Wir fühlen uns sehr geehrt und geben unser Bestes, dass die Shows für alle schöne und unvergessliche Momente werden. Es passieren gerade einfach so viele überwältigende Dinge.

    Anna: So Soon gibt es seit 2020, ihr macht aber schon sehr viel länger Musik. Wie habt ihr beide zum Musikmachen aber auch zueinander gefunden?

    David: Als jüngster von vier Brüdern habe ich das gemacht, was meine großen Geschwister so machten, und die haben in Indie Rock Bands gespielt. Da unser großes Kinderzimmer sowieso eine Art Proberaum war, fingen wir irgendwann an, Songs meines ältesten Bruders zu spielen. So entstand unsere gemeinsame Band My Friend The Immigrant als ich 14 Jahre alt war. Mit der Zeit fing auch ich an Songs zu schreiben, und ein paar davon spielen wir jetzt mit So Soon.

    Marco: Ich bin mit 10 Jahren eines Tages aufgewacht und hatte die Idee, dass ich Gitarre lernen muss, weil ich unbedingt in einer Band sein wollte. Davor hat mich Musik nie so richtig interessiert. Mein ältester Kindheitsfreund hat damals Schlagzeug gespielt und wir sind wir zu zweit zB beim Geburtstag seiner Schwester aufgetreten. Er mit seinem Drumset und ich mit einer Spielzeuggitarre. Irgendwann fand ich, dass es Zeit war das Instrument mal richtig zu lernen und fing an Unterricht zu nehmen und in meiner Band zu spielen. 

    Wir beide kennen uns seit der Schulzeit und haben in der Oberstufe angefangen zusammen Musik zu machen. Anschließend zogen wir zum Studium eine gemeinsame WG. In dieser Zeit entstand die Idee zusammen ein Album zu schreiben, bzw zusammen Musik zu machen. Kurz vor der Corona Pandemie haben wir angefangen erste Ideen zu schreiben, die jetzt Teil unseres Albums Whether You Like It Or Not sind.   

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    „Wir mögen Songs, die klein und nahbar starten und mit der Zeit größer werden.“

    Anna: Eure erste Single-Veröffentlichung hieß Silent Moment – welche Bedeutung hat für euch Stille? Vor allem in der Musik kann ein gut gewählter Moment der Stille viel Macht haben.

    So Soon: Bei diesem Song geht es um das Bedürfnis bei der Person, die einen am besten kennt Ruhe finden zu können. Bezogen auf unsere Musik kommen ruhige Momente ziemlich häufig vor. Wir mögen es wenn Songs klein und nahbar starten und mit der Zeit größer werden. Wir sind Fans von solchen Dynamikunterschieden, weil dann Parts, die laut sind, noch intensiver sein können. Umgekehrt natürlich genauso. 

    Anna: EureKompositionen zeichnen viel Gefühl für genau solche Momente aus, was mich von Anfang an sehr in den Bann gezogen hat. Wie sieht der Prozess hinter euren Songs normalerweise aus?

    So Soon: Vielen Dank! Das bedeutet uns sehr viel. 

    Ehrlich gesagt fängt es meistens mit Ideen an, die einfach aus dem Nichts beim Üben, Proben oder Rumprobieren entstehen. Eigentlich ist immer erst Musik und eine gewisse Stimmung da und ab dann taucht man ab und probiert solange aus bis die Idee immer konkreter wird. Dann probieren wir einfach viel aus und behalten, was uns gefällt. Manchmal gibt es auch Lyrics, die dann musikalische Ideen triggern.

    „Plötzlich ist man erwachsen.“

    Anna: Nach eurer ersten EP Then (2022) kommt nun euer Debütalbum Whether You Like It Or Not raus. Direkt in eurem ersten Song beschäftigt ihr euch mit dem Älter werden. Wie habt ihr die Zeit zwischen der ersten EP und eurem Album wahrgenommen? Inwiefern seid ihr mit eurer Musik älter geworden?

    So Soon: Viele Grundideen der Albumsongs sind tatsächlich schon mehrere Jahre alt. Sie sind also mit uns zusammen gealtert. Wir hatten von Anfang an die Idee, ein Album zu schreiben, dass einen Zusammenhang hat und eine Art Gesamtwerk ist. Es war für uns direkt klar, dass wir uns unserem aktuellen Leben, Gefühlen und Wahrnehmungen widmen, weil noch nie so viel in unserem Kopf los war, als zu dieser Zeit. Die meisten Songs sind schon 4-5 Jahre alt und in der Zeit entstanden, wo wir gerade unser Zuhause verlassen hatten, um in eine neue Stadt zu ziehen und zu studieren. Eigentlich dachten wir, es geht genau so harmlos und sicher weiter wie bisher, doch plötzlich ist man erwachsen. Zum ersten Mal muss man sich mit komischen Ängsten und Sorgen rumschlagen, die man zuvor nie kannte und fragt sich wie die Zukunft wird.

    Als hätten wir unser kindliches Paradis aufgeben müssen, um uns dann in einer neuen Welt wiederzufinden, auf die man nicht vorbereitet war – ob wir wollten oder nicht. Denn so ist einfach der Lauf der Dinge. 

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    Anna: Eure erste Single-Auskopplung All About The Sunshine handelt von der egoistischen Denkweise der Gesellschaft, vor allem im Kontext von sozialen Medien. Wie geht ihr mit dem Druck der sozialen Medien und Algorhithmen um, vor allem als Band, die zu Teilen sehr auf darauf angewiesen ist?

    So Soon: Es liegt tatsächlich nicht in unserer Natur, Social Media besonders viel nutzen. Manchmal ist es etwas mühsam, weil uns das nicht immer leicht fällt guten Content herzustellen. Aber ist natürlich mega cool einen (mehr oder weniger) direkten Kanal zu den Leuten zu haben, die gut finden was man macht. Das motiviert dann! Aber natürlich gerät man auch oft ins Vergleichen, und sieht was andere Bands so auf die Beine stellen und viel cool deren Content ist. Aber wir versuchen uns da immer wieder von zu lösen und einfach unser Ding zu machen. 

    „Wir hoffen, dass sich Leute in unserer Soundwelt verlieren können.“

    Anna: Musik ist eins der stärksten Mittel, um Gefühle universell miteinander zu teilen. Was sind die Alben und Songs, bei denen ihr das Gefühl hattet, sie sprechen euch aus der Seele?

    So Soon: Eigentlich alle Bon Iver Alben. Besonders die ersten drei. 

    Das Album Two Star & The Dream Police von Mk.gee.

    Hortelã von Maro

    Vincent von Don McLean.

     Friendly Travelers von Brian Blade und Wolfgang Muthspiel.

    Das Album Bridge Over Troubled Water von Simon And Garfunkel.

    Die ersten vier Coldplay Alben. 

    Das Album Songs of Leonard Cohen

    The Freewheelin’ Bob Dylan

    Anna: Ihr geht mit eurem Album auch auf große Deutschland-Tour. Habt ihr die Songs schon mal live gespielt? Auf was freut ihr euch am meisten?

    So Soon: Ja, wir spielen den Großteil der Songs schon länger live. Aber für eine eigene Show haben wir nochmal einiges an neuem Repertoire mit in unser Tourset genommen. Wir freuen uns einfach darauf, eine gute Zeit mit unserer wahnsinnig guten Crew zu haben und endlich das Album und die Songs mit der Welt teilen zu können. Wir hoffen, dass wir den Leuten einen schönen Abend bereiten können und dass sie für die Konzertdauer ein bisschen abtauchen und sich in unserer Soundwelt verlieren.

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    Ein vergessener Bass und eine Nike-Narbe

    Anna: Es geht so langsam Richtung Ende des Jahres zu und das Album und die Tour werden wahrscheinlich eure größten Highlights von 2024 sein – was sind eure Ziele/Wünsche für nächstes Jahr? Habt ihr Sachen auf eurer (auch persönlichen) To-Do Liste, die ihr euch unbedingt erfüllen wollt?

    So Soon: Wir hoffen, dass wir gut erholt ins neue Jahr 2025 starten können und eine erfolgreiche Tour hatten. Wir haben sehr viel Lust neue Musik zu schreiben und an Ideen zu arbeiten, die zurzeit in den Untiefen unserer Festplatten schlummern. Wir hoffen, dass wir unseren ersten Festivalsommer spielen können und weitere Konzerte vor uns liegen.

    Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr bisher in keinem Interview erzählt habt. Das kann alles Mögliche sein, was ihr gerne loswollen möchtet.

    So Soon: Vor einigen Jahren hatte David mal einen Gig und sollte Bass spielen. Er hat allerdings seinen Bass vergessen. Zum Glück war es ein Auftritt mit mehreren Bands und jemand hatte noch einen Bass. 

    Marco hat eine Narbe an der linken Hand die aussieht wie das Nike Logo. 

    Wer die David & Marco aka So Soon im Dezember auf ihrer ersten Tour live erwischen möchte, bekommt hier alle Infos.

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    Fotocredit: Flemming Fuchs

  • Mulay im Interview: »Musik ermöglicht es mir, schmerzhafte Erfahrungen in etwas Schönes zu verwandeln«

    Mulay im Interview: »Musik ermöglicht es mir, schmerzhafte Erfahrungen in etwas Schönes zu verwandeln«

    Es gibt wenig Künstler*innen, die uns so begeistern wie Mulay. Zu ihrer damaligen Debüt-EP schon bei uns im Interview hat die Alternative-R&B Musikerin aus Berlin nun ihr langerwartetes Debüt-Album LAVENDER veröffentlicht. Ein intimes Heartbreak-Album, was so viel mehr behandelt als nur schmerzhaften Liebeskummer. Es geht um toxische Liebe, Enttäuschung und die Kraft wieder zu selbst zu finden. Aus Verletzung schöpft Mulay Stärke und Empowerment, und verpackt all das in ein Gesamtkunstwerk, das uns tief berührt. Über all das und viel mehr haben wir mit ihr gesprochen.

    Mulay im Interview

    Anna: Hey Mulay, das letzte Mal haben wir uns 2021 zu deiner Debüt-EP ANTRACYTE gehört. Seitdem ist sehr viel passiert. Wie hast du die die letzten Jahre wahrgenommen?

    Mulay: Wow, das ist eine umfangreiche Frage. Die Zeit ist einerseits unglaublich schnell vergangen, andererseits ist auch unglaublich viel passiert. Wenn ich an meine Debut-EP und den Entstehungsprozess denke, wird mir bewusst, wie sehr ich als Mensch und Künstlerin seitdem gewachsen bin. Ich habe viele Erfahrungen dazu gewonnen und gelernt, meinen Instinkten, Visionen und Skills noch mehr zu vertrauen. Mit meiner ersten Vinyl “Antracyte/Ivory habe ich mir einen Traum erfüllt. Und auch andere Meilensteine erreicht, wie meine erste eigene Tour zu spielen. Ich bin unglaublich dankbar für alles, was ich in den letzten Jahren umsetzen konnte. Für all die inspirierenden Menschen, die mir begegnet und zu Freunden geworden sind. Obwohl ich langsam spüre, dass ich seither keine wirkliche Pause eingelegt habe und nach dem Album erstmal neue Kräfte tanken muss, fühlt es sich dennoch wie ein Anfang an: Mein erstes Album, auf das hoffentlich viele weitere folgen.

    Anna: In dieser Zeit hast du auch dein Debütalbum LAVENDER geschrieben. Wie hast du bemerkt, dass die Zeit reif für ein Album war?

    Mulay: Für mich war von Anfang klar, dass ich sobald wie möglich ein Album machen wollte. Ich bin selbst ein großer Fan von und habe großen Respekt vor dem Album als Kunstform. Ich höre lieber Alben von Anfang bis Ende durch, als Playlists.

    Besonders liebe ich dabei in die Welt und den Kopf eines Künstlers eintauchen zu dürfen. Auf emotionaler und kreativer Ebene sich selbst zu entdecken und inspiriert und berührt zu werden. Man kann nur soviel von sich in einen Song stecken. Ein ganzes Album bietet da etwas mehr Raum, verschiedene Seiten und Perspektiven zu beleuchten und in mehr Dimensionen zu reflektieren.

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    „Nichts und niemand kann meine Kreativität aufhalten.“

    Anna: Ein Album schreiben ist ja nochmal was ganz anderes. An welchen Dingen bist du während dieser Zeit gewachsen? Was hat dir besonders Spaß gemacht?

    Mulay: Es ist wirklich ein unglaublich intensiver Prozess, auf so vielen Ebenen… Ich denke, das Schreiben der Songs hat mir auf der einen Seite erlaubt, mich von sehr viel Schmerz und Wut zu befreien. Es war eine Form der Katharsis, die mir geholfen hat, all diese Emotionen raus- und loszulassen. Auf der anderen Seite habe ich in Jule Minck und Elie Zylberman zwei neue, unglaublich talentierte kreative Partner gefunden und sehr viel Spaß und Inspiration aus der Zusammenarbeit mit ihnen geschöpft.

    Ich glaube, eine der größten Herausforderungen dieses Projekts war, dass ich unglaublich viele Aufgaben gleichzeitig übernehmen musste, um meine Vision trotz fehlenden Fundings irgendwie umzusetzen. Dadurch war ich praktisch gezwungen, auf vielen Ebenen über mich hinauszuwachsen und mehrmals über meine eigenen Grenzen zu gehen. Dem mentalen Druck – den man sich einerseits aus Leidenschaft und Perfektionismus selbst macht, andererseits aber auch durch den Zeitdruck, Deadlines einzuhalten – standzuhalten, war eine echte Übung in Resilienz. Daran bin ich definitiv gewachsen. Es hat mich erneut darin bestärkt, dass nichts unmöglich ist und nichts und niemand mich und meine Kreativität aufhalten kann.

    „Step by step by step…“

    Anna: LAVENDER ist sehr persönlich, voller intimer Einblicke in einen sehr schmerzvollen Heartbreak, aber auch in eine sehr toxische Beziehung. Was waren die Phasen, durch die du während und nach der Trennung gegangen bist?

    Mulay: Da es bei der Erfahrung, die LAVENDER verarbeitet, nicht nur um einen Heartbreak, sondern auch um eine für mich traumatische Erfahrung geht – was oft zusammenwirkt, jedoch sehr unterschiedliche Gefühle und Gedanken auslöst –, musste ich beide getrennt für sich verarbeiten. Auf der einen Seite war da der Schmerz und die Sehnsucht nach einem Menschen, den ich vermisste und die Erinnerung an eine gemeinsame Zeit, die ich betrauerte. Auf der anderen Seite standen das Unverständnis über das Verhalten dieser Person mir gegenüber, das Unverständnis mir selbst gegenüber, wie ich mich so täuschen lassen konnte, und schließlich die Wut über beides und die gesamte Situation.

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    Wenn ich den Verarbeitungsprozess in Phasen beschreiben müsste, würde ich sagen, erst kam die Depression, das Tief-in-sich-Blicken, dann die Erkenntnis, den Fokus für eine Weile auf mich selbst, mein Innenleben und meine Bedürfnisse zu legen. Dann kam die Verarbeitung durch das Schreiben und die Musik, die Ablenkung durch kreative Arbeit. Und dann das nach und nach Loslassen: weniger an die Person denken, weniger Sehnsucht, mehr Wut. Mich selbst wieder stärker spüren und neu sortieren, was ich möchte und was nicht, was ich brauche und was nicht. Schließlich ging es darum, Teile von mir loszulassen, die mir nicht mehr guttaten und durch Therapie und das Album eine Art Katharsis zu erreichen. Step by step by step…

    „It’s my superpower.“

    Anna: Du hast vielem Luft gelassen, was sich angestaut hat. Was hat dir geholfen, die toxische Beziehung zu verlassen?

    Mulay: In meinem Fall ging das alles zum Glück sehr schnel. Im Sinne von “lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende”. Erst war alles zu gut um war zu sein und sehr schnell unglaublich intensiv und dann ist das Kartenhaus zusammen gefallen. Ich wurde mit Fakten konfrontiert, die mir das wahre Gesicht der Person gezeigt und damit keine andere Wahl gelassen haben. Es war so als wäre ein Schleier gefallen und plötzlich erblickt man alles in einem anderen Licht. Die Realität der letzten Monate stellt sich als Inszenierung heraus und der Traum wir zum Albtraum.

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    „Dated keine Künstler.“

    Anna: Wie hast du dich selbst auf dieser Reise wiedergefunden?

    Mulay: Ich glaube, das Schwierigste ist, dass man Vertrauen in seine eigene Wahrnehmung und Instinkte verliert. Man hat jemanden so nah an sich rangelassen und vertraut und dieses Vertrauen wurde missbraucht. Zum Glück habe ich sehr gute Freunde, auf die ich mich verlassen kann, die für mich da waren, mich unterstützt haben. Und zum Glück habe ich die Musik und das Schreiben, das mir einen direkten Draht zu meinem Unterbewusstsein gewährt und stets dabei hilft in mich selbst einzuchecken. Mich künstlerisch auszudrücken hilft mir dabei mich daran zu erinnern, wer ich bin und meine innere Stärke zu spüren. It’s my superpower.

    Anna: Was sind Sachen, die du aus diesem gesamten Prozess gelernt hast? Für dich persönlich, aber auch für andere.

    Mulay: Dated keine Künstler. Haha.

    Ich habe über mich selbst gelernt, dass meine Empathie zwar eine Stärke ist, ich aber auch lernen muss, mich selbst zu schützen, damit diese nicht ausgenutzt wird. Außerdem habe ich erkannt, wie wichtig es ist, mich selbst zu nähren und mir das zu geben, was ich sonst in anderen suche.
    In vielen Gesprächen über diese Erfahrung habe ich festgestellt, wie viele Menschen ähnliche Erlebnisse teilen und wie verbreitet toxische Dynamiken sowie emotionaler und sogar physischer Missbrauch sind. Das hat mir wirklich die Augen geöffnet. Wichtig ist dabei, sich bewusst zu machen, dass man keine Schuld trägt, wenn einem Unrecht widerfährt. Und dass man dem Impuls widerstehen sollte, sich selbst dafür verantwortlich zu machen. Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass Opfer von Manipulation zu werden nichts mit Schwäche oder Naivität zu tun hat – es kann wirklich jedem passieren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns austauschen und offen über unsere Gefühle und Erfahrungen sprechen. Ohne Scham, sondern mit Stolz und neu gewonnener innerer Stärke.

    „Musik ermöglicht es mir, schmerzhafte Erfahrungen in etwas Schönes zu verwandeln.“

    Anna: Du empfindest Verletzlichkeit als Stärke – warum?

    Mulay: Ich hab das Gefühl durch das Schreiben und Performen meiner Songs, Verletzlichkeit zulassen und in Stärke umwandeln zu können. Oft kann ich meine tiefsten Gedanken und Gefühle ehrlicher auf Papier bringen, als sie auszusprechen. Die Musik hilft mir, all das nach außen zu tragen und auszudrücken, was mir sonst schwerfällt, mit meiner Außenwelt zu teilen – paradoxerweise, weil ich mich damit zu verletzlich fühlen würde. Die Musik ermöglicht es mir, diese Gefühle zu transformieren, die schmerzhaftesten Erfahrungen oder düstersten Gedanken in etwas Schönes zu verwandeln, etwas Kraftvolles, das im besten Fall sogar andere berührt und bestärkt. Was vorher mit Scham bedeckt war und tief vergraben werden sollte, wird nun zum leuchtenden Schmuck. Sichtbar für alle und entwaffnend für jeden, der dachte, darin Munition zu finden. ‚Turning tears into diamonds‘ eben.

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    Anna: Deine Musik drückst du auch weiterhin sehr visuell aus – Videokonzepte und Styling spielen eine große Rolle beim Release deiner bisherigen Singles und das merkt man. Was macht dir am meisten Spaß beim Drehen und Entwickeln eines Musikvideos?

    Mulay: Am meisten Spaß macht wahrscheinlich der Dreh selbst, denn das ist der Moment, in dem die Vision, die man so lange im Kopf entwickelt und gesponnen hat, endlich in die Realität umgesetzt wird. Zum ersten Mal fügen sich dann alle Bausteine und Details, die man geplant und vorbereitet hat, zusammen.

    Ein großer Teil des Spaßes liegt natürlich auch in der Zusammenarbeit mit anderen. Ob es um das Styling, die Produktion, das Casting oder den Dreh selbst geht – ich bin immer unglaublich dankbar, so vielen talentierten und inspirierenden Menschen zu begegnen, die mich unterstützen. Für dieses Projekt habe ich einige Aufrufe auf Social Media gemacht, z. B. für das Casting oder für Behind-the-Scenes-Fotografie, und ich war überwältigt von den Reaktionen. So viele Menschen wollten Teil des Projekts sein, was für mich eine unglaublich schöne und bestärkende Erfahrung war. Gerade als jemand, der sehr viel alleine macht, hat es mir noch einmal vor Augen geführt, was für eine tolle Community ich hinter mir habe, die jeden Dreh zu etwas besonderem gemacht haben.

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    „I hope you love it as much as I do.“

    Anna: LAVENDER ist bald draußen und nicht mehr nur deins. Freust du dich aufs Loslassen des Albums? Was kommt jetzt?

    Mulay: Es ist ein ganz komisches Gefühl… Einerseits kann ich nicht darauf warten endlich loszulassen und die Vinyl in meinen Händen zu halten. Andererseits geht damit auch ein unglaublich langer Prozess zu Ende und ein unglaublich großes Projekt findet seinen Abschluss. Es ist auf jeden Fall befreiend und ich bin sehr dankbar für die Erfahrung, für alles, was ich daraus mitnehmen durfte und stolz das Ergebnis endlich mit der Welt zu teilen. Der Gedanke, dass es bald zum ersten Mal von Menschen gehört wird ist verrückt! I hope you love it as much as I do.

    Danach werde ich versuchen mal ein bisschen Urlaub zu machen, da die letzten Jahre dafür entsprechend keine Zeit war und 2024 dann LAVENDER auf die Bühne bringen und touren. Allgemein wieder mehr Live spielen, natürlich neue Musik machen, neue Projekte realisieren, sich vllt mal wieder verlieben und weiter wachsen. Als Mensch und als Künstlerin.

    Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, das du in noch keinem Interview erzählt hast. Hier ist dein space, alles loszuwerden, was du möchtest.

    Mulay: You called it end game and I believed you, I blame myself because I didn’t mean to, it’s so unlike me, like to keep things lightly, thought I brushed it off, but I still pictured you beside me.‘ – Diese Phrase hatte ich in meinem Handy, als ich in Paris mit Elie und Jules an Songs arbeitete. Ich wollte daraus einen Song namens End Game machen, der sehr dunkel und beatlastig sein sollte.

    Eines Tages, als wir im Studio waren, schien die Sonne, und wir entschieden, eine Pause einzulegen und in den Park zu gehen. Wir nahmen die Akustikgitarre mit, legten uns ins Gras, schauten den Wolken zu und improvisierten. Plötzlich nahm die Musik eine folky Richtung und alles passte – die vorbeiziehenden Wolken, die warmen Akkorde. Zurück im Studio versuchten wir, diesen Moment nachzustellen – erst kläglich, dann ein wenig erfolgreicher.

    Es war bereits Nacht, als die Gitarrenaufnahme lief. Ich schrieb und schrieb, und es floss einfach nur aus mir heraus. Ich machte eine schnelle Aufnahme mit dem Handy, um die Idee festzuhalten, bevor wir Schluss machten. Als ich sie im Flugzeug nach Hause wieder anhörte, war ich schockiert, wie schön sie war. Direkt nach meiner Ankunft in Berlin setzte ich mich an den Computer und nahm Demo-Vocals auf. Als ich die Vocals editiert hatte und den Song hörte, weinte ich – jedes Mal. Solche Momente passieren mir selten. Ich entschied, die Vocals nicht noch einmal aufzunehmen. Der Song war genau so, wie er sein sollte. Eine Spiegelung meines Innersten, eine Umarmung an mich selbst und hoffentlich jeden der in hörte.

    Fotocredit: Lotte Thor, Tilo Wandelt