Schlagwort: untold stories

  • Sinu im Interview: »Ich war schon immer eher ein Oversharer, mit der Flucht nach vorne.«

    Sinu im Interview: »Ich war schon immer eher ein Oversharer, mit der Flucht nach vorne.«

    Für Fans von RY X, HALLER oder Ben Howard kommt jetzt eine ganz große Herzens-Empfehlung: Sinu. Direkt aus Köln macht der deutsch-türkische Singer-Songwriter Indie-Pop mit tiefgehenden Vibes und poetischen Texten. „und doch“ ist eine Ansammlung von Songs aus den letzten drei-vier Jahren und fließt genau so smooth über die Seele wie sich Wasser um den Körper schmiegt. Es ist ein Debütalbum für die ruhigen Momente, aber auch die energetischen – zwischen minimalistischen Gitarren und treibenden Beats hat alles kurz Platz.

    Wir haben uns mit Sinu über seine Songs unterhalten, was hinter ihnen steht, was er an der Türkei & Köln so liebt, wieso deutsche Singer-Songwriter Tradition oft ein wenig „hölzern“ ist und wo die Magie eines falsch gehalteten Mikros liegt.

    Sinu im Interview

    Anna: Hey Sinan, seit letzter Woche ist dein Debütalbum draußen! Wer dich schon länger verfolgt, würde wahrscheinlich sagen, “ENDLICH!” Wie geht’s dir damit, das erste Mal deine Musik in einem Album zu veröffentlichen? Fühlt es sich anders an?

    Sinu: ENDLICH, ja, das trifft es ganz gut, haha! Ich freue mich sehr, diese intensive Phase voller Veränderungen in meinem Leben in meinem Album zusammengefasst zu haben. Ich war die letzten Jahre einfach immer am machen und habe auch mal verschiedene Ansätze und Stile musikalisch ausprobiert. Aber da lagen dann auf einmal ein Stapel neuer Songs vor mir, die mit einigen meiner Songs, die mich auch schon ein paar Jahre begleitet haben, total resoniert haben. Ich hab drauf geschaut und gemerkt, „Ah krass, das ist ein Vibe, das ist also, wo ich hingegangen bin und wo ich hinwill“. Deshalb heißt das Album und doch, weil ich eben nicht mit der klaren Idee eines Albums losgezogen mit, sondern mich eher ins Getümmel geworfen haben und ausprobiert habe. Die Songs auf dem Album sind das, was sich im Schaffen dann herauskristallisiert hat. Sie sind das, was mich in den Fluten des Lebens über Wasser gehalten hat und mir Auftrieb geben hat 🙂

    Das erste Mal bist du in meinen Playlisten mit Salzwasser aufgetaucht. Das war vor vier Jahren, nun ist er auch mit auf deinem ersten Album. Was bedeutet dir der Song?

    Salzwasser ist einfach ein Türöffner gewesen. Durch den kleinen Mini-Hit im Sommer damals, hab‘ ich einfach so viele tolle neue Leute kennengelernt, vor der Bühne, hinter den Kulissen und online.

    Salzwasser war auch der erste Song, indem wir bewusst unperfekte Sounds benutzt haben. Die Gitarre schnarrt -> noice!, die Stimme bricht -> uhhhhh. Wir sind damals einfach bewusst weg davon, die Sachen zu hart zu produzieren. Viele der Percussions in dem Song sind einfach Töpfe aus der Küche im Studio, die wir an Stativen mit Schnüren aufgehängt und dann wie ein Schlagzeug gespielt haben. Also Salzwasser ist einfach definierend für meinen Stil aus sehr echten, mal zerbrechlichen mal brachialen Vocals, kleinen einzigartig-unperfekten und großen sphärischen Sounds. Ich lieb‘ die Nummer nach wie vor und freue mich, sie jetzt im Sommer wieder neu zu fühlen 🙂

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    Die deutsche Singer-Songwriter Tradition klingt öft hölzern.“

    Schon der erste Track auf deinem Album, Sonne, geht unter die Haut mit wunderschönen Lyrics, die die Tiefe des Verlusts eines Menschen versuchen zu fassen. Fällt es dir schwer oder leicht, Emotionen in Worte zu fassen? Ist es anders, als die Musik zu komponieren?

    Danke für das Lob! Hmm, also das hat sich auf jeden Fall sehr geändert. Als ich als Teenager angefangen habe zu schreiben und überhaupt Musik zu machen, da war ich glaube ich viel verschlossener. Aber ich war schon immer eher ein Oversharer, mit der Flucht nach vorne. Und irgendwie hat mir das immer gut getan, das was in mir vorgeht, mit anderen zu Teilen. Für mich ist das ganz klar ein Ventil. Und wenn dann meine Texte mit anderen resonieren, dann ist das ein tolles Gefühl von Community und sich verstanden und weniger allein fühlen.

    Für mich sind Text und Musik ziemlich untrennbar. Also manchmal schreibe ich erst die Musik, dann muss der Text dazu passen. Ich mag es, wenn die Melodie zu den Vokalen, wenn die Sounds zur Message passen – das ist auch tatsächlich etwas, das mir bei deutscher Musik oft nicht gefällt. Unsere Singer&Songwriter Tradition vor allem in Deutschland ist extrem auf Message fokussiert und ich finde viele Sachen klingen hölzern, überladen, so als wäre der Song nur das Medium für den Text. Für mich ist das nicht trennbar und vielleicht bin ich da beeinflusst von internationalen Vorbildern. Andere musikalischen Kulturen sind da nämlich irgendwie runder, weicher, schöner?

    Manchmal schreibe ich auch zuerst den Text, aber im Prozess verändern sich Musik und Text bei mir immer wechselseitig. Für mich ist Schönheit, wenn es dann gemeinsam organisch wirkt 🙂

    Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt.“

    Auch Linien ist ein sehr persönlicher Song, der über Familien-Dynamiken und weitergereichte Traumata spricht. Wie navigierst du dich durch solche Sachen?

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    Puh! Reden mit Freunden hilft, und genau so ist auch Linien entstanden. Martin (Haller) und ich haben uns im Studio getroffen und hatten dann erstmal ne Stunde Deeptalk über unser Aufwachsen und unsere Familiengeschichte. Ich finde, in so Gesprächen merkt man eigentlich immer, dass wir alle super unterschiedlich und dann doch wieder ähnlich sind. Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt und was im eigenen Leben und bei den Vorfahren so passiert ist. Es ist eben auch so, dass es in unserer Hand liegt, andere Wege zu gehen und Herkunft und Aufwachsen nicht als Schicksal, sondern als Startpunkt (komplett aware of allen Vor-und Nachteilen) zu begreifen. Genau davon handelt auch Linien. Ich komme aus einer Familie, in der ganz sicher nicht über Probleme geredet wurde und in der unvorstellbare Dinge passiert sind. Aber ich bin ja hier im Jetzt und kann die Richtung, in die es weitergeht, durch mein Handeln komplett beeinflussen (positiv, yay!)

    Ich mag es explorativ.

    Du hast auch mit vielen Menschen für dieses Album zusammengearbeitet. Wie wichtig ist dir Kollaboration und Zusammenarbeit in der Musik? Ziehst du daraus nochmal eine andere Art von Inspiration?

    Teamwork makes the dream work. Ich finde das so wichtig, mit anderen zusammen zu arbeiten! Ich hab da einfach mit Lukas Neckritz (hat die meisten Songs auf dem Album produziert) jemanden gefunden, mit dem ich auf einer Wellenlänge musikalisch und darüber hinaus bin. Wenn wir schreiben, dann passiert das schon auch mal, dass ich eine Stunde was anderes mache und Lukas und machmal auch Sevinj (macht meine Videos, spielt in meiner Band live) einfach machen lasse. Wir sind alle sehr gut darin, einen Vibe zu fühlen. Ich habe selten, wenn ich einen Song schreibe, eine unumstößliche Vision davon. Ich mag es explorativ und auch mit dem Zufall oder dem Zauber eines jeden Tages zu arbeiten und bin da immer offen für neuen Input. Weil ganz ehrlich, manchmal hört jemand anderes einen anderen Akkord, ein anderes Instrument, ein anderes Wort und dann macht auf einmal alles Klick.

    Manche Songs brauchen lange, manche sind direkt fertig, manchmal gehen wir in eine Richtung, die sich nicht richtig anfühlt und fangen neu an. Das ist alles super aufregend und toll. Meistens habe ich etwas Text und etwas Musik als Ausgangspunkt und dann bin ich einfach offen für alles, was passiert. Ich glaube da fest an den Moment, und das macht jeden der Songs auf dem Album auch so besonders. Ich weiß, dass Mut anders klingen würde und anders geworden wäre, wenn wir an einem anderen Tag, dran gearbeitet hätten und das ist gut so! Weil Life is ever changing und exciting!

    Auch wenn du wahnsinnig schöne deutsche Texte schreibst, so tragen die türkischen Lyrics eine nochmal andere Ebene von Poesie bei. Schreibst du lieber auf deutsch oder auf türkisch, und wie fühlt sich der Unterschied für dich an?

    Ich kann mich auf deutsch besser ausdrücken, wenn es um kleine Details geht. Aber auch türkisch ist eine Sprache, die mir am Herzen liegt, die ich seit meiner Kindheit spreche. Es ist auf jeden Fall einfacher gut klingende Wörter auf türkisch zu finden. Ich schreibe aber auf beiden Sprachen und auch auf anderen Sprachen gerne, ich will mich da nicht festlegen 🙂

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    Köln vs Istanbul

    Was vermisst du an meistens aus der Türkei in Deutschland?

    Das Meer, die Olivenhaine, die milden Winter, die Spontanität der Menschen.

    Mit Istanbul hast du ja auch einen Song der bevölkerungsreichsten Stadt der Türkei gewidmet. Bist du oft da? Wie würdest du deine Beziehung mit der Stadt und dem Land beschreiben im Gegensatz zu Köln?

    Ja, ich bin oft in Istanbul, ein Teil meiner Familie lebt dort. Ich habe durch meine Kindheit an der Westküste der Türkei eine tiefe Verbindung zum Land, zum Meer und zur mediterranen Mentalität dort. Zu Istanbul habe ich so richtig erst ab 2015 eine Beziehung aufbauen können. Als erwachsener Mensch ist es einfach anders, wenn man auf einmal alles selbst erkunden und erfahren kann. Istanbul ist krass, und auch vor allem krass laut. Es ist eine Millionenmetropole mit schnellem Leben, viel Geschichte, toller Architektur und schlimmem Verbau. Das Meer ist immer spürbar und die Überfahrten mit den Fähren sind wunderschön. Man muss es aber wollen, die Stadt bietet von streng religiös bis progressiv Hipster alles. Es gibt viel Kultur, aber es ist eben schon eine Großstadt. Sie hat ihre absolut romantischen und schönen Momente mit ihrer Meereskulisse, aber im Allgemeinen mag ich es ruhiger.

    Köln ist meine Wahlheimat. Ich bin hier, weil ich finde, das die Stadtkultur so gesprächig, gesellig und positiv ist, wie sonst nirgendwo in Deutschland. Ich habe das Gefühl, dass sich in Köln und vor allem in Ehrenfeld und drum herum die Kulturen wirklich toll mischen. Es ist irgendwie egal, wo man herkommt, das Kölsche steht im Vordergrund und ist auch für Leute von woanders zugänglich. Und Köln ist so krassssss grün. Die Grüngürtel und die vielen Parks machen die Stadt zu Fuß und auf dem Fahrrad so lebenswert.

    „Allem zum Trotz, lässt die Musik mich schweben.“

    Wenn du einen Lieblingssong vom Album picken müsstest – welcher wäre das und warum?

    Wenn ich müsste, und das fällt mir schwer, dann wäre das vibe. Mein Favorit auf dem Album wechselt ständig, aber ich liebe die Mehrsprachigkeit in dem Song. Die zweite Strophe fühlt sich mit ihrem Mix so an, wie das, was ich glaube, in Zukunft sprachlich machen zu wollen 🙂

    Ein besonderes Shoutout muss an dein Cover gehen – wo & wie ist das Foto entstanden? Warum wolltest du es auf deinem Cover?

    Das Foto hat Sevinj Yusifova gemacht, die auch das Cover und die Vinyl designed hat. Das Foto wollten wir ursprünglich in Assos in der Westtürkei aufnehmen, aber am Ende lag ich auf einem Feld auf dem Boden. Das Wasser ist digital, ich habe es einfach nicht über das Herz gebracht, die 130 Jahre alte Gitarre, die ich auf dem Cover halte, mit ins Wasser zu nehmen. Das hätte sie nicht überstanden.

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    Für mich zeigt das Foto, wie ich selbst in der weite eines dunklen Meeres, oben auf der Oberfläche treibe. Wie die Musik mir Auftrieb und Sicherheit gibt, obwohl ich geworfen bin ins ungewisse. Deshalb heißt das Album auch „und doch“. Weil allem zum trotz, die Musik mich schweben lässt 🙂

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Das kann eine Musik- oder Filmempfehlung sein, ein Lieblingsrezept oder ein Funfact zu dem Album, den noch niemand kennt.

    Ich habe als wir Drei Stück Zucker aufgenommen haben das Mikrofon falsch rum gehalten. Und dann saßen wir da im Mix und haben uns die ganze Zeit gefragt, warum meine Stimme so anders klingt. Sowas passiert mal, aber ich hab es dann richtig rum nen ganzen Tag versucht nochmal einzusingen, aber der Vibe, den hab ich einfach nicht genau so, wie ich wollte, hinbekommen. Also haben wir die Vocals gelassen, wie sie sind 😀 Ich sage euch, seit der Grundschule ist der Flüchtigkeitsfehler mein Endgegner! Das ist was, was ich mittlerweile einfach akzeptiert habe 😀

    Foto: Merve Seçkin, Sevinj Yusifova

  • Mia Berg im Interview: »I think there are a lot of things to learn from going through a breakup.«

    Mia Berg im Interview: »I think there are a lot of things to learn from going through a breakup.«

    Wir sind schon eine Weile Fan von Mia Berg. Wir hatten die Singer Songwriterin aus Norwegen 2022 im Interview und haben auch davor schon von ihrer Art geschwärmt, intime Emotionen in einem inspirierten Pop-Kontext zu verarbeiten.

    Nach ihrem Debütalbum Sleepwalkers at noon musste wir aber ein wenig warten, bis neue sanfte Mia Berg-Klanglandschaften unsere Seele besalmen sollten. Auf ihrem zweiten Album Aftermath hat die Norwegerin ehrliche Texten gesammelt, die vor allem wenn man sich gerade mitten im Herzschmerz verliert, sehr nahe gehen. Still und herzzerreißend, aber auch irgendwie heilend begleiten sie den dreijährigen Prozess einer Trennung und die Phase danach. Wir haben mit Mia über diesen Prozess gesprochen und warum sie immer Wollsocken dabei hat.

    Mia Berg im Interview

    Anna: Hey Mia, very happy to get the chance to talk to you! Last month, you released your new album Aftermath – how does it feel now that it’s finally out in the world now?

    Mia: It feels so good to share the album with the world and everyone who wants to listen <3

    The second album is always a big step for an artist. How did you feel about your debut album and how did you approach this new one?

    Since my debutalbum was released in 2022, I started working with producer Mikhael Paskalev, even though I didn’t think too much about what we were gonna create in the studio. It started as a couple of ideas and songs and ended as an album. 

    I got lost somehow.“

    I fell for your music a couple of years ago and am so happy you’re finally back! This album tells a lot about what you were going through in this time. You made acquaintance with a painful heartbreak.. and you accompanied it with music. How did it help you through this whole process?

    For me, writing songs was a way of processing my thoughts and emotions. As a songwriter or artist I think whatever we experience in life, we bring into our art and thats what makes it real and truthful. But it’s also scary to open up about such raw and painful emotions. 

    You mentioned that you also thought about quitting music in the middle of it all. What made you hold on?

    At one point in the process I didn’t feel that connected to making music and got lost somehow. I didn’t feel that what I did mattered in a way, and also felt confused about my own intuition. But I chose to trust Mikhael as my closest collaborating partner, and that’s what made me hold on I think. This and finally getting back to a place where everything made sense again. 

    What are some of the learnings you can share of it all?

    I think there is a lot of things to learn going through a break up: navigating grief, loss and finding out who you are on your own and building your way forward. 

    It felt like a very natural journey from start to finish.

    From all the beautiful songs on the album, which one stands out to you and why?

    Hmm, I think I must say The city. It was such a fun song to write togheter with Bo Milli. I had been back home in Bergen (where I grew up) and we met in the studio one afternoon. After a talk about life and drinking coffee, we started playing on the guitars and the whole song just came out in an instant. As a songwriter, you can write and rewrite a song over and over again. So to suddenly be able to make a song within an hour felt quite unique.

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    How did you approach this album musically? Did you want to change some things up or dideverything come quite naturally to you?

    It felt like a very natural journey from start to finish. Some ideas were thrown around, some ended up not making it and finally we ended up with these 9 tracks that completed the album. I started writing them on the guitar or on the piano in my parents house. But some of them were also written with some incredible songwriters and musicians that inspire me, and that I feel very grateful to be able to work with. 

    About Berlin City & warm woolen socks

    I know that your music will be a safe place for many people that go through a similar experience. Do you have an artist or an album that catches you when you’re feeling down and defeated?

    I will say Adrianne Lenker & Bon Iver!

    In June you’re gonna come to Berlin to play an intimate show at Flux Bergfest! How is your relationship to this city? Are you excited to come?

    Im so excited to come back to play in Berlin! Last time was in 2023!  I love the city, the streets, parks and just how warm and friendly the audience that comes to shows are. 

    Last but not least we ask about an untold story of yours – something you haven’t shared in an interview before. That can be a hidden meaning behind a song or a fun fact about yourself, anything really.

    Hmm, a small hidden secret is that i’m always afraid to get cold wherever I travel or go. So I always have tea and a pair of wollen socks in my backpack or bag. Always! It’s a bit strange, but I rather be safe than sorry. 

    Am 03.06. spielt Mia Berg im Fluxbau Berlin ein Konzert im Rahmen des Bergfests! Der Eintritt ist frei, es gibt also eigentlich keinen Grund, warum ihr nicht kommen solltet!

    Foto: Mikhela Greiner

  • ENGIN im Interview: »Es ist dieses miesepetrige Geschrei des Populismus, das uns wütend macht.«

    ENGIN im Interview: »Es ist dieses miesepetrige Geschrei des Populismus, das uns wütend macht.«

    ENGIN sind eine Dauer-Empfehlung aus der untoldency Redaktion. Mit ihrem charakterstarken Alternative-Rock, der zwischen deutschen und türkischen Lyrics und Einflüssen wechselt, haben sie uns schon vor Jahren als loyale Fans gewonnen. Mit „Sag Mir Almanya“ hat die Band aus Mannheim nun ihr neues Album draußen und wir haben Sänger Engin kurz vor Release im Interview dazu befragt!

    ENGIN im Interview

    Anna: Hey Engin, wie geht’s dir? Wie sieht ein normaler Tag gerade bei dir aus?

    Engin: Mir geht’s gut! Wir sind für das Albumrelease top vorbereitet und schreiben gerade schon wieder an neuen Sachen. Wir sind ja auf einer ausgedehnten Tour ab Ende März und dann noch auf Sommerfestivals und wollten als Ziel davor jetzt im Winter einfach schon mal anfangen, neues Material zu schreiben. Damit das alles ein bisschen gären kann. Dieses Album jetzt haben wir in der Zeit geschrieben, wo wir wirklich sehr viel unterwegs waren, das war alles ein wenig unter kreativem Druck. Das waren so anderthalb Jahre, die wir am Stück durchgeackert haben, und das war krass! Und cool, dass wir das gemacht und geschafft haben! Aber jetzt wollen wir schon früher anfangen, damit wir mehr Zeit haben.

    Ihr steht also auf jeden Fall noch voll auf Gas.

    Ja, wir drücken voll auf’s Gas! Da führt auch kein Weg dran vorbei. Also es ist wirklich gut, da dranzubleiben und in diesem Spirit immer weiter zu machen. Das hält einen bei der Stange und hilft auch so mit diesem Wahnsinn im Musikbusiness einfach. Wir sind die ganze Zeit produktiv und es kommt ständig neues Zeug zusammen. Das macht Spaß!

    “Das ist meine Geschichte.”

    Ihr seid auf der kommenden Tour auch sehr viel in der Türkei unterwegs! Wie fühlt sich das für dich an, mit eurer Musik da immer mehr Bühnen zu bespielen und Leute zu erreichen?

    Es ist immer wieder einfach ein schönes Gefühl! Mit dem letzten Album Mesafeler waren wir in Ankara und Istanbul, dieses Jahr spielen wir Konzerte in neun verschiedenen Städten. Das ist auf jeden Fall unsere größte Türkei-Tour bisher und wir sind sehr gespannt darauf. Vor allem mit dem neuen Album, das jetzt wirklich 50/50 deutsch-türkisch ist! Bis auf zwei eigene Interpretationen von existierenden Songs sind es alles Eigenwerke. Das dann auch live zu spüren und zu sehen, wie es ankommt, da bin ich sehr gespannt.

    Gehst du an Songs unterschiedlich ran, wenn du weißt, du möchtest auf deutsch oder türkisch schreiben?

    Wir jammen ja oft und dann existiert da ein Stück Musik, das eigentlich schon ein wenig sagt, was es wird. Da ist wie so ein innerer Kompass, der uns in die Richtung zeigt. Man kann da aber auch ein wenig spielerisch mit umgehen. Zum Beispiel bei den neuen Sachen, die wir jetzt gerade schreiben, können wir uns vorstellen, eine Version auf Deutsch und eine auf Türkisch zu schreiben und einfach beides in die Welt zu blasen und zu schauen, was passiert. Es ist wie ein weiteres Stilelement, was wir nutzen, das ist super schön.

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    Es ist auch das erste Mal, dass du auf Türkisch geschrieben hast!

    Ja! Das war auf jeden Fall eine große Herausforderung. Ich bin auch da echt stolz darauf.

    Die Songs sind auch wirklich sehr poetisch geworden.

    Danke! Es war auch sehr viel Arbeit und sehr viel Überwindung. Auch dieses “Klingt das jetzt zu deutsch? Kann ich das so sagen?”. Das abzuschütteln und zu sagen “Ich stehe dazu”. Das ist meine Geschichte. Ich bin sehr deutsch sozialisiert und hole mir auch darüber den Zugang zur Sprache. Und dann ist es auch etwas sehr Eigenes, was man daraus macht.
    Früher in den Sechzigern zum Beispiel, da kamen die französischen Sänger und Sängerinnen, und haben ihre Chansons dann auf Deutsch gesungen, um sie hier zu verkaufen, in einem ganz heavy französischen Akzent (lacht). Ich fand das immer sehr sympathisch.

    Es hat auch sehr viel Spaß gemacht, eure Social Media Kampagnen zu den Releases zu beobachten. Wie war die Experience für dich im Teppich eingerollt im Kofferraum rumgefahren zu werden?

    Sehr befremdlich kurz. Aber nach dem fünften Reel war ich dann schon so “Hey, wo ist mein Teppich? Ich vermiss ihn!” (lacht). Das war auf jeden Fall viel über die eigene Komfortzone hinausgehen, aber hat auch super viel Spaß gemacht.

    “Das ist ein sehr wichtiges Album für uns.”

    Welcher der vorab veröffentlichten Songs ist dein Favorite?

    Also ich bin ganz stolz auf den Song Kırlangıçlar, weil das der erste selbstgeschriebene türkischsprachige Song ist. Und auch diese Psychedelic-Elemente und so, es hat auch so was Sehnsuchtsvolles. Ich find Şeker auch cool, weil sich das deutsch-türkische da so schön miteinander verwebt. Ich bin aber insgesamt auf dieses Album stolz, dass es überhaupt existiert unten den Umständen und in der Zeit, in der wir das gemacht haben. Wir haben etwas sehr Eigenständiges produziert, was sehr organisch nach uns live auch klingt, haben den Sound weiterentwickelt,.. Das ist ein sehr wichtiges Album für uns einfach und ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben.

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    Sag Mir Almanya ist eine Ansammlung offener Fragen an Deutschland. Welche Fragen sind das genau?

    Es sind Fragen wie: In welche Richtung geht es jetzt? Also wo wollen wir hin? Machen wir weiter auf dem Weg der Spaltung und des gegenseitig Fertigmachens, Niederbrüllens, Niederschimpfens? Oder gibt es da vielleicht einen besseren Weg, der weniger negativ ist? Der nach mehr Zusammenhalt schaut, nach Toleranz und gegenseitigem Respekt? Es ist dieses miesepetrige Geschrei des Populismus, das mich wütend macht. Deswegen ist es eigentlich auch mehr eine Aufforderung als eine Frage.

    Kannst du das Album in einem Satz zusammenfassen?

    Es ist ein psychedelischer, bunter Blumenstrauß.

    Das klingt mega.

    Ja, es ist sehr vielfältig! Es ist rockiger geworden, psychedelischer geworden. Auch ein bisschen krautig. Wir haben viel experimentiert, haben Anadolu-Rock reingebracht, Chansons, sehr geradlinigen Rock,.. Es ist sehr vielfältig und gitarrenlastig. Es macht Bock!

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    Habt ihr mal über Features nachgedacht?

    Ja! Bisher hatten wir das noch keine, aber wir sind gerade tatsächlich auch in Gesprächen für ein türkischsprachiges Feature, aber wir können da noch nichts zu verraten. Wir haben aber generell Lust, uns da weiter zu vernetzten mit Acts, die wir mögen und wo wir auch persönlich Bock drauf haben.

    Bewegung ist wichtiger als Perfektion.“

    Es ist ein vollgepacktes Jahr für euch. Was wird euer Highlight?

    Auf jeden Fall die Tour, die ist riesig. Wir spielen jetzt neun Termine in der Türkei, insgesamt haben wir 34 Tourstops, von Ende März bis Ende Mai, das ist auf jeden Fall viel. Und da liegt unser Fokus drauf. Parallel dann natürlich auch die Festivalsaison, in der Türkei und auch in Deutschland, da sieht man dann noch, wo genau wir da spielen. Und währenddessen halt immer weiter schreiben, produktiv sein. Da freuen wir uns riesig drauf.

    Macht ihr auch mal Urlaub zwischendurch?

    Wir machen auch mal Urlaub, eine Woche oder zwei, das geht schon so im Winter. David war jetzt drei Wochen in Thailand! Der hat genug Urlaub gemacht für dieses Jahr, da darf er jetzt von zehren (lacht).

    Aber wir gucken da schon drauf. Man muss sich bewusst Freiräume schaffen, um Musik zu machen, das erfordert viel Planung. Und da werden wir immer besser drin, die realistischen Zeitfenster dafür abzustecken. Es kommt eine Art Routine rein. Und wir merken, je früher wir anfangen, desto besser. Wenn man früh mit Sachen startet, kann man ihnen die Liebe und Aufmerksamkeit widmen, die sie brauchen.

    Müsst ihr manchmal aufpassen, dass ihr dann nicht zu perfektionistisch seid?

    Die Idee der Perfektion ist eigentlich schlecht, wenn man sich ständig denkt “ah, das kann man nicht rausbringen, das muss so und so sein”. Es geht um den Output. Man muss machen, machen, ausprobieren. Kreative Energie muss fließen und es muss Bewegung drin sein, das ist viel wichtiger als Perfektion.

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    Die untold story von ENGIN, die eine 12-Minütige Abwesenheit auf der Bühne beinhaltet, könnt ihr hier auf unserem Tik Tok-Kanal schauen!

    Und hier gibt es alle Infos & Tickets zur Sag Mir Almanya-Tour 2026! Wir können es wirklich ganz, ganz doll empfehlen.

  • Büyük Ev Ablukada im Interview: »It reminds you that music can cross a lot without losing where it came from.«

    Büyük Ev Ablukada im Interview: »It reminds you that music can cross a lot without losing where it came from.«

    Büyük Ev Ablukada aus Istanbul sind ein Kollektiv, das Länderübergreifende Musik macht – mal chaotisch, mal melancholisch, aber immer ein Vibe. Wir haben mit Bandfrontmann Bartu über ihr aktuelles Album und die Umstände und Restriktionen rund um die Musik in der Türkei gesprochen. Es gibt ein paar Teaser auf neues Material sowie ein Konzert am 18. April in Berlin – aber auch einfach eine ganz ehrliche Musikempfehlung von uns! Für ein paar anatolische Vibes, die sich mit Neugier in euer Hörverhalten einschleichen werden, empfehlen wir Büyük Ev Ablukada! Checkt sie aus!

    Büyük Ev Ablukada im Interview

    Anna: Hey Bartu, I hope you’re good! Since we just came across your cosmos, can you maybe start with introducing yourself and your music?

    Bartu: Hi Anna, of course. I’m Bartu, and I’m one of the people behind Büyük Ev Ablukada. We’re a band from Istanbul, but it never felt like just a band to me. It’s more like a living thing that grew out of friendship, noise, curiosity, and a need to make sense of life in our own way.

    Musically, we’ve never really stayed in one lane. There’s indie rock in it, there’s pop, electronics, spoken word, weird little turns, tenderness, chaos. We like songs that feel human, a bit messy, emotional, playful, and alive.

    How did you all find each other?

    The band came together in a pretty organic way. Aslan and Galvan are childhood friends of mine. Cembir and Galvan were already working in the same theatre, and then Cembir and I started working together, too. So a lot of it grew out of friendship, theatre, and people already being around each other for years.

    Our guitarist was actually our roadie at first, but he turned out to be so much better at guitar than the rest of us that he more or less forced us to retire. Zeynep originally joined to help with vocal arrangements, then realized the band had some serious vocal weak spots and decided to stay. And Can becoming our drummer is still a mystery to me, which somehow feels right.

    „Things are intense, but we’re still here.“

    Your most recent album “Defansif Dizayn” is a full good-vibe with a lot going on. In what state of mind did you write this album?

    That’s actually funny because I don’t think it came from a super peaceful headspace. The album came out of trying to stay soft and awake in a world that constantly pushes you to become defensive. So yeah, there’s energy in it, even lightness in places, but underneath that there’s tension too.

    It was written from a place of emotional overload, but also from wanting to stay connected to yourself, to other people, to joy, to humour. Maybe that’s why it moves the way it does. It’s not “everything is great” music. It’s more like “things are intense, but we’re still here.”

    How would you describe the process behind these songs? Do you have a typical approach to making music or do you like to mess around and see what happens?

    Sometimes a song starts with one line, sometimes a beat, sometimes just a weird little feeling that won’t leave the room.
    But we also care a lot about detail. So it’s loose at first, then very specific later. We like accidents, but we also like shaping those accidents into something that feels inevitable. It’s a mix of instinct and design, I guess.

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    „Life is rarely one thing.“

    Since it’s all in Turkish, you gotta help us out. What are the songs about? What topics are close to your heart and made it into songs?

    A lot of the songs are about closeness, distance, emotional confusion, city life, modern exhaustion, love, miscommunication, and the weird ways people protect themselves. Some of them are very intimate, almost like private conversations. Some of them look more at the outside world and the pressure of living in it.
    I think even when the songs sound playful, there’s usually something a bit heavier underneath. That balance feels honest to me. Life is rarely one thing. It can be sad and funny at the same time, warm and alienating at the same time. I’m interested in that space..

    Being from Turkey, how would you describe the music scene over there? What were your inspirations growing up?

    Turkey has an incredibly rich and layered musical culture. There’s a deep archive here folk traditions, arabesque, Anatolian rock, pop, protest music, experimental work and all of that exists next to a very alive contemporary underground. So the scene can be extremely creative, inventive, and emotionally direct. People make things with limited means but strong intention.

    Growing up, I was inspired by both local and international music. From Turkey, there’s always the shadow and light of artists who managed to be poetic, political, strange, and accessible at the same time. And then of course we were listening to all kinds of global music too alternative rock, post-punk, electronic music, singer-songwriters, things that gave us permission to think of songs as worlds rather than products. Our music comes from that mixture.

    „Artists always find ways.“

    Art and music are always political, but in Turkey even more. How did you experience the restrictions?

    Sometimes the restriction isn’t even a direct ban. It’s more like an atmosphere. You feel the pressure in the air. You know certain things come with consequences, and that changes the way people speak, share, or even imagine.

    But artists always find ways. Sometimes through metaphor, sometimes through humour, sometimes by saying one thing on the surface and another underneath. That kind of pressure can be exhausting, obviously, but it also sharpens people. It forces you to listen differently, write differently, mean more than one thing at once.

    Inmost all of this, you’re still making music. How important do you think it is to keep going and sharing your passion with the world?

    Very important. For me, making music is one of the ways of staying real. It keeps me connected to myself, to other people, to whatever still feels honest. And sharing it matters too, especially when it travels. When something made in Turkish, in Istanbul, under certain local conditions, reaches someone somewhere else and they still feel it; that’s powerful. That reminds you music can cross a lot without losing where it came from.

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    „New music is definitely on the way.“

    Can you teaser some new music? What are you working on right now?

    Yes, there’s always something cooking. We’re writing, collecting fragments, trying things out. I think the new material feels a bit more open in some ways, maybe a little more exposed, but also more free.

    I don’t like explaining things too early because songs change while they’re becoming themselves. But yes, new music is definitely on the way.

    I hear there might be a concert coming up in Berlin! What can you tell us about that? Have you been in Berlin before? If so, how did you like it?

    Yes, we’ve had some really memorable nights in Berlin. We’ve played there a few times over the years, including one show in a space inside the Berghain, so the city already has a strong place in our story. One of the most unforgettable memories for me was also sharing the stage in Berlin for Ezhel’s first concert outside Turkey, which made that connection even more special.

    Berlin has its own pulse. It feels open, raw, and very alive, and people really show up for music there. You can feel that energy immediately. So coming back is always exciting. What I’m looking forward to most is that moment when the crowd and the band really meet in the same frequency that’s always the best part. We’ll be playing in Berlin again on April 18, so if anyone reading this is around, come join us.

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    An untold story of Berlin

    For our last question we always ask for an untold story – is there something you haven’t told in an interview before and want to get off your chest now? Could be a random story, a good album you recently listened to or a movie we should check out!

    Hmm…I actually got beaten up pretty badly and robbed in Berlin once, which is also part of my history with the city. Oddly, I don’t even think of it as a bad memory. In a strange way, it was almost refreshing it pulled me out of everyday life and turned into one of those surreal stories you end up carrying with you.

    Kommt am 18. April in der Passionskirche vorbei und lasst euch auf ein special Live-Erlebnis mit Büyük Ev Ablukada ein!

  • Malummí im Interview: »Kunst ist immer politisch — und Schweigen oder Neutralität können genauso Schaden anrichten.«

    Malummí im Interview: »Kunst ist immer politisch — und Schweigen oder Neutralität können genauso Schaden anrichten.«

    Wir haben heute eine überfällige Empfehlung aus Basel für euch! Musiktipps aus der Schweiz, ihr kennt es, sie halten sich prinzipiell immer an ihr Versprechen. Malummí sind genau so eine Band. Mit ihrem dritten Album „Damaged By Their Silence“ lässt sich das Basler Trio um Sängerin Larissa Rapold auf eine verletztliche und intime Indie-Reise ein, die mit einer schonungslosen Konfrontation mit Schmerz, Verlust und gesellschaftlicher Müdigkeit einher geht. Musikalisch und lyrisch gehen die Songs tief und bleiben auch eine längere Weile – Versprechen gehalten!

    Wir haben Sängerin Larissa und Gitarrist Giovanni ein paar Fragen rund ums Album gestellt – lernt sie hier besser kennen und verliert euch danach in ihre Musik!

    Malummí im Interview

    Anna: Hey ihr Lieben, als erstes ein kleiner Check-In: Wie geht’s euch gerade?

    Giovanni & Larissa: Hallo Anna, danke für die Einladung zum Interview! Uns geht es sehr gut, wir sind glücklich und aufgeregt, da unser Album jetzt veröffentlicht wurde. Aber auch etwas angespannt, da es eher intime Songtexte sind, die jetzt jeder hören kann.

    Damaged By Their Silence ist euer drittes Studioalbum. Wie unterscheidet es sich zu den vorherigen? Könnt ihr uns in den Prozess des Albums mitnehmen?

    Giovanni: Wenn man unsere drei Alben nebeneinander aufreiht, merkt man schnell, dass Damaged by Their Silence und The Universe Is Black sehr eng miteinander verwandt sind. Wir spielen unsere Songs immer zuerst live an Konzerten, bevor wir sie ins Studio bringen — so kann sich ein Song wirklich entfalten und seinen eigenen Charakter finden. Larissa kommt jeweils mit einer Idee, einer Skizze, und erzählt uns von ihren Gefühlen und Vorstellungen. Daraus entwickeln wir dann gemeinsam den Sound, den wir suchen.

    „Wir erlauben uns aber auch, alles mit einer Prise Humor zu nehmen.“

    Damaged By Their Silence ist ein sehr ausdrucksstarker Album Titel – was ging euch durch den Kopf als ihr den Titel gewählt habt? Wieso ist er so passend?

    Larissa: „Damaged by Their Silence“ ist eine Zeile, die ich im Song Loneliest Heart of All singe. In diesem Song widme ich mich der Einsamkeit, die beendete Freundschaften mit sich bringen. Dieser Titel spiegelt aber auch die aktuelle Weltlage erschreckend genau wider. Kunst ist immer politisch — und Schweigen oder Neutralität können genauso Schaden anrichten.

    Was sind die Themen, die euch auf dem Album besonders beschäftigt haben?

    Einsamkeit, Selbstreflexion und Anerkennung. Wir sind immer in Bewegung, alles verändert sich konstant — so auch unsere Psyche. In diesem Album nehmen wir Abschied und sprechen die Dinge aus, die wir vor zwei Jahren noch nicht in Worte fassen konnten. Wir erlauben uns aber auch, alles mit einer Prise Humor zu nehmen.

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    Zeilen wie “My therapist told me to look for the child in me / But whenever I see it, it runs far away from me” unterstreichen wie komplex die Aufarbeitung persönlicher Themen in Therapie ist. Wie wichtig empfindest du es, offen darüber zu sprechen? Hilft dir das auch nochmal auf eine andere Art, diese Dinge mit Musik zu verarbeiten?

    Bei diesem Album ist besonders, dass ich einen direkteren Schreibstil verwende als beim letzten. Psychische Gesundheit ist so wichtig — und ich bin dankbar, dass sie in unserer Gesellschaft immer mehr an Stellenwert gewinnt. Im Grunde schreibe ich Songs, um meine Gedanken und Gefühle zu ordnen, und während des Spielens verarbeite ich gemeinsam mit der Band, was auch immer dabei herauskommt. Ich hoffe, dass es die Menschen erreicht, die es brauchen — vielleicht fühlt sich jemand genau so wie ich und findet Trost, oder was auch immer gerade wichtig ist, in der Musik.

    „Schlimme Stille ist, wenn man keine Stellung bezieht.“

    In Silent Baby gibt es die Zeile “I’m scared to release this song”. Begleitet dich die Angst so kurz vor Release immer noch?

    Nein, ganz und gar nicht — ich habe keine Angst mehr! 🙂

    Was hofft ihr, wird das Album mit den Menschen machen, die es hören?

    Larissa & Giovanni: Wir hoffen, dass es bei den Menschen ankommt, die es brauchen. Vielleicht finden wir ein paar Gleichgesinnte — wer weiß.

    Was empfindet ihr als die schlimmste Art von Stille? Und welche als die schönste?

    Larissa: Schlimme Stille ist, wenn man keine Stellung bezieht, schweigt, sich enthält und anderen Menschen nicht hilft. Wenn man sich nicht betroffen fühlt und deswegen keine Seite unterstützt. Spoiler: Damit kann man mehr Schaden anrichten, als man denkt — wie man es gerade in der Welt sieht. Deswegen: Climate change is real, pride is protest, protect the dolls, black lives matter, no one is illegal on stolen land, free Palestine und free Sudan.

    Die schönste Art von Stille ist, wenn Menschen, die sich lieben, einfach beisammen sein können — in einvernehmlichem Schweigen, ohne dass es sich seltsam anfühlt. Oder diese ganz besondere Stille kurz bevor der Mainact die Bühne betritt, wenn alle den Atem anhalten und die Vorfreude fast greifbar ist.

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    Musiktipps aus Basel

    Welches Album löst in euch ein Gefühl der absoluten Ruhe aus?

    Giovanni: Haley Heynderickxx – I Need to Start a Garden

    Larissa: Palinstar – Backtrain Places

    Ihr kommt aus Basel – was geht da so? Habt ihr Musikempfehlungen, neben euch!, die ihr uns mit auf den Weg geben wollt?

    Oh ja, wir können hier viele Projekte empfehlen!

    luri, Laurel Bloom (das Projekt von unserem drummer Lucas), Lost in Lona, Glitch Baby,Tinysatelitte (Giovannis Soloprojekt), Moonpools, Sarah El Hachimi, Tiramisadness, Gina Pelosi, Claire my Flaire, Cori Nora und Tiramisdaness.

    Im Mai seid ihr für ein paar Termine auch in Deutschland! Wo kann man euch erwischen?

    Ja, ihr könnt uns hier an diesen Orten live hören:

    18.04.2026 Köln – c/o Pop Festival

    05.05.2026 Mainz – Schon Schön

    08.05.2026 Leipzig – Noch Besser Leben

    09.05.2026 München – Orangehouse

    Wir spielen an allen Daten mit der ganzen Band — wir freuen uns sehr darauf!

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr in keinem Interview bisher erzählt habt. Gibt es einen Funfact, eine Empfehlung oder etwas Anderes, was euch beschäftigt und ihr in diesem Kontext noch loswerden wollt?

    Wir werden immer wieder auf Silent Baby angesprochen, und einige schlussfolgern, dass sich unser Albumtitel auf diesen Song bezieht — aber das stimmt gar nicht. Es ist eine Zeile aus Loneliest Heart of All, und dieser Song handelt von beendeten Freundschaften.

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    Hier gibt es Tickets zur Damaged By Their Silence-Tour 2026! Kommt vorbei, es wird wunderschön.

    Foto: Dshamilja Kalt

  • LOKI im Interview: »Cyan fühlt sich an wie ein altes Holzhaus, in dem jeder Raum einen Song portraitiert.«

    LOKI im Interview: »Cyan fühlt sich an wie ein altes Holzhaus, in dem jeder Raum einen Song portraitiert.«

    LOKI ist eine Band, von der wir uns fragen, ob ihr sie eigentlich auch alle schon kennt – und wenn nicht, warum nicht? Das achtköpfige Projekt rund um Marc Grünhäuser macht Indie-Neo-Folk fürs Herz und hat mit Cyan nun endlich (!) ihr Debütalbum released. Dazu sprechen wir nicht nur unsere Glückwünsche aus, sondern haben sie direkt auch für ein paar Fragen im Interview.

    Cyan ist ein Album, das die Reise selbst feiert. Es geht nicht um das Ankommen, sondern um die kleinen Umwege – und um das gemeinsame Erleben und Erschaffen dieser Erinnerungen. So wholesome wie sich das anhört, so klingt und ist es auch. Eine große Empfehlung von uns an euch.

    LOKI im Interview

    Anna: Hi! Wie geht’s euch? Es ist viel los bei euch, aber auch in der Welt. Wie navigiert ihr euch gerade durch die Zeit?

    Marc: Hey! Ganz gut. Danke für die Nachfrage. Es ist tatsächlich auf allen Ebenen viel los. Navigieren klingt da schon fast zu kontrolliert. Es fühlt sich eher an, als wäre man in einen Bus gestiegen, ohne wirklich zu wissen wo’s hingeht, samt all der Schönheit und all der Überforderungen die eine solche Fahrt mit sich bringen kann.

    Wenn ich mich richtig erinner, ist LOKI als ein Uni-Projekt gestartet. Was sind die Dinge, an die ihr euch jetzt noch am liebsten von der Anfangszeit erinnert? Was waren die Hürden, die ihr seitdem überkommen habt (oder noch überkommt)?

    Marc: Nicht ganz. LOKI war kein klassisches Uni-Projekt, die heutige Konstellation hat sich allerdings an einer Uni kennengelernt. Ich erinnere mich an den Anfang so gerne, weil es einfacher war äußere Umstände, wie Streaming-Zahlen, Ticketverkäufe etc., auszublenden. Mit der Zeit wird ein Projekt meist professioneller, was sehr viele Vorteile mit sich bringt, aber eben auch mit mehr Verantwortung daherkommt.

    Ich glaube die große Hürde, aber auch die große Stärke von LOKI ist die Größe und Vielseitigkeit der Gruppe. Wir sind insgesamt 8 Leute mit verschiedenen Geschmäckern, Ideen & Visionen. Das alles in einem Projekt zu vereinen kann schonmal aufreibend sein, lohnt sich jedoch jedes Mal. Heute denke ich etwas anders darüber nach – ich bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte, alle diese Orte zu sehen. Ich glaube tatsächlich sogar, dass all das genau richtig war, sonst hätte ich die Songs, die ich schreibe, nie so schreiben können, ohne all diese Einflüsse.

    „In jedem Raum findet sich ein neuer Song.“

    Wann habt ihr gemerkt, jetzt ist der Zeitpunkt, um an einem Album zu arbeiten?

    Marc: Wir haben einfach irgendwann gespürt, dass es nach all den EPs die wir schon veröffentlicht, hatten nun an der Zeit ist ein Album anzugehen – dieses Bauchgefühl hat vermutlich vor ca. 1 1/2 Jahren eingesetzt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon einige Demos angesammelt hatten und sobald der Prozess erstmal ins Laufen kam, waren die Unterschiede zu vorherigen Produktionen gar nicht mehr so groß.

    Eurer Album lebt (laut Pressetext) “irgendwo zwischen Blau und Grün” – wo genau ist das? In welcher Szenerie würdet ihr Cyan sehen?

    Marc: Cyan fühlt sich wie ein altes Holzhaus an, das irgendwo auf dem Land steht, aber durch einen modernen Anbau samt Tanzfläche ergänzt wird. In jedem Raum findet sich ein neuer Song, der mal die musikalische Reise von LOKI über die Jahre portraitiert, aber auch neue Einflüsse und Ideen hervorhebt.

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    Wie ist es, zu acht Musik zu machen? Habt ihr euch da mittlerweile gut eingespielt oder gibt es noch ab und zu kreative Differenzen?

    Marc: Ich denke, wir haben uns schon sehr gut eingespielt und trotzdem muss man in Bezug auf kreative Entscheidungen durchgehend Kompromisse eingehen, da es schlichtweg unmöglich ist acht Visionen, die vielleicht zu sogar konträr zueinander sind, in jedem Song zu vereinen. Wir versuchen möglichst viel zu kommunizieren, demokratisch zu handeln und haben ein Veto Recht, das jede:r ziehen kann sobald er oder sie sich mit einer Entscheidung unwohl fühlt. Natürlich benötigen solche Prozesse viel Zeit und können anstrengend sein. Die Erfahrung mit acht Freund:innen auf einer Bühne zu stehen und Musik zu machen, ist es aber auf jeden Fall wert.

    „Wenn man sich die Mühe macht, genau hinzuhören, lernt man uns ein bisschen besser kennen.“


    Was ist euer jeweilige Lieblingssong vom Album, und warum?

    Marc: Ich mag „Greedy“ sehr gerne, weil ich die Produktion und das Songwriting sowohl spannend als auch schön finde.


    Was sind die Momente eurer letzten Jahre, die ihr auf Cyan verarbeitet habt?

    Marc: Cyan verarbeitet ein breites Spektrum an Themen. Manche Texte sind beispielsweise schon ein paar Jahre alt und unterscheiden sich daher auf vielen Ebenen von den neueren. Letztlich schreiben wir immer über unser Leben bzw. unser Erfahrungen – wenn man sich die Mühe macht genau hinzuhören, lernt man uns also ein bisschen besser kennen.

    Gab es einen Song, der besonders lange gebraucht hat, bis er fertig war, bzw. einen, über den ihr gar nicht lange nachdenken musstet, und er hat gepasst?

    Kai: Viele Cyan Songs waren schon vor den Recordings relativ weit, sodass wir die Zeit im Studio zum Experimentieren nutzen konnten, um unsere Vorproduktionen aufsnächste Level zu bringen. „Greedy“ war vermutlich der Song, der am längsten gebraucht hat. Es gab viele Ideen, Parts und Richtungen, die sich erst ganz knapp vor Deadline zusammenführen ließen. Das Outro hingegen ist komplett in einer Livesession entstanden und war innerhalb von drei Takes im Kasten.

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    Ein Rezept á la LOKI

    Wie unterstützt ihr euch gegenseitig im miteinander Musik machen? Und denkt ihr, ihr hättet auch in einer anderen Realität zueinander gefunden?

    Kai: Unser Zusammenfinden ist von derartig vielen Zufällen geprägt, dass wir uns kaum vorstellen können, auf irgendeinem anderen Weg davonzukommen, wo wir jetzt sind. Das macht unsere gemeinsame Zeit so einzigartig und wertvoll. Die Dankbarkeit dafür zeigt sich vor allem, wenn wir zusammen Musikmachen, wo wir voller Respekt und Spielfreude aufeinander hören und uns gegenseitig begeistern.

     Im Oktober geht ihr auf Tour! Falls hier jemand mitliest und noch kein Ticket gekauft hat – was erwartet uns auf Tour und warum sollten wir alle kommen?

    Kai: Auf der Cyan Tour erwarten euch acht Leute, die sich nicht nur aufeinander freuen, sondern auch seit einem Jahr kaum erwarten können, die neuen Songs live zu präsentieren. Wir wollen auf der Tour aber auch eine kleine Reise in die Geschichte der Band wagen und auf die Bühne bringen, inwiefern wir als Gruppe in den vergangenen Jahren zusammengewachsen sind.

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr bisher in keinem Interview erzählt habt. Das kann alles Mögliche sein, ein Fun-Fact über eine Songentstehung, euer Lieblingsrezept aus diesem Jahr oder was ihr sonst noch gerne loswollen möchtet.

    Anna: Es gibt tatsächlich ein Rezept, was wir jedes Mal, wenn wir zusammenkommen, gemeinsam kochen: nudeln mit vegetarischer Bolognese-sauce, darauf Apfelmus und ein Spiegelei nach Rezept von Marcs Oma. klingt erstmal weird aber schmeckt richtig lecker.

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    Hier gibt es mehr Infos & Tickets zur Cyan-Tour 2025! Kommt alle vorbei, es wird wunderschön.

    Foto: Caren Detje

  • ANTHI im Interview: »Musik war das einzige, was mir niemand wegnehmen konnte.«

    ANTHI im Interview: »Musik war das einzige, was mir niemand wegnehmen konnte.«

    Heute stellen wir euch eine Newcomerin vor, die was für alle sein könnte, die melancholische Musik á la Lana Del Rey mögen. ANTHI hat am Freitag ihre Debüt-EP Verwelkte Rosen veröffentlicht, auf der sie nicht nur ihren musikalischen Werdegang aufzeichnet, sondern auch viele persönliche Dinge verarbeitet. Die EP ist geprägt von toxischen Beziehungen aber auch dem Cut und dem Weg zur Heilung. Sie ist geprägt von einer Leidenschaft fürs Storytelling, tiefgründigen Reflektionen und einer Nahbarkeit und Emotionalität, die verbindet. Wir haben mit ANTHI über ihren Werdegang zur Musik und die Inhalte der EP gesprochen.

    ANTHI im Interview

    Anna: Hey! Bald ist es so weit und deine Debüt-EP kommt in die Welt! Es ist das erste Mal, dass deine Songs gesammelt in einem Werk veröffentlicht werden. Wie fühlt sich dieser Moment für dich an? Bist du aufgeregt?

    Ich bin unfassbar aufgeregt! Die Menschen da draußen hören meine intimsten Gedanken aus meinem Tagebuch, die ich auch teilweise nicht mal meinen engsten Freunden erzählt habe. Es ist wie ein Geständnis. Es fühlt sich einerseits sehr aufregend und befreiend an, aber irgendwie macht man sich dadurch sehr verletzlich.

    Du bist als Kind mehrfach umgezogen, auch in unterschiedliche Länder. Wie war diese Zeit für dich, wie hat sie dich geprägt? Gibt es Orte, die du besonders vermisst?

    Als Kind war diese Erfahrung sehr schlimm für mich. Immer wieder neue Städte, neue Länder und neue Sprachen. Immer wieder aus allem, was mir je Halt gegeben hat, rausgerissen werden. Ich hatte nie feste Freunde oder einen Ort, den ich „Zuhause“ nennen kann. Ich wusste auch nie, dass wir umziehen werden: Ich hab mich fertig gemacht für die Schule und hab plötzlich gemerkt, dass das nicht der Schulweg ist.. Dadurch konnte ich mich nie wirklich verabschieden.

    Heute denke ich etwas anders darüber nach – ich bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte, alle diese Orte zu sehen. Ich glaube tatsächlich sogar, dass all das genau richtig war, sonst hätte ich die Songs, die ich schreibe, nie so schreiben können, ohne all diese Einflüsse.

    „Ich liebe einfach Melancholie.“

    Wie hast du inmitten all dem zur Musik gefunden? Und welche musikalischen Einflüsse haben dich besonders geprägt?

    Musik war das einzige was, mir niemand wegnehmen konnte als Kind. Mich hat klassische Musik wirklich geprägt – diese Dramatik und Sinnlichkeit war schon immer meins. Mein Traum war es immer in einer Oper meine Songs zu singen. Aber natürlich habe ich auch schon immer Rihanna & Adele sehr bewundert, genau so Lana del Rey. Ich liebe einfach Melancholie.

    Kannst du dich noch erinnern als du deinen ersten Song geschrieben hast? Worüber war er?

    Ich habe schon nach paar Monaten in Deutschland angefangen Gedichte zu schreiben. Meine Lehrer haben die nie bewertet, weil sie mir unterstellt haben, sie nicht geschrieben zu haben, da eine 12 jährige in der fünften Klasse nicht dazu fähig wäre – vor allem nicht nach wenn sie erst seit 2 Monaten in Deutschland lebt. In dem Gedicht ging es um Verluste und den Neuanfang des Frühlings. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, so ein bisschen wie mein neuer Song „Nur für dich“.

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    Worum geht’s in Nur für dich?

    Letztes Jahr hat sich jemand aus meiner Vergangenheit wieder gemeldet und wollte sich entschuldigen für die Dinge, die vor langer Zeit zwischen uns passiert sind. Wir standen uns gegenüber und das einzige, was ich gehört habe, waren die Blätter und der Wind. Er fängt an sich zu entschuldigen und mir zu sagen, dass er seitdem ein sehr schlechtes Gewissen hat und nachts nicht schlafen kann. „Kannst du mir verzeihen“, fragt er mich. Und das einzige, was ist höre ist, dass er sich besser fühlen will und es nur für sich macht. Hätte ich von seinen Tagen nicht erfahren, würde es ihm nicht leid tun. Am nächsten Tag war ich im Studio und die Fenster waren auf. Und plötzlich höre ich den Wind und die Blätter der Bäume und da wusste ich, dass das der Song wird.

    „Es ist okay, nicht zu verzeihen.“

    Was hast du aus dieser zerbrochenen, toxischen Beziehung gelernt?

    Dass ich keine Verantwortung für die Fehler anderer übernehmen muss. Es ist nicht meine Schuld, dass mir das passiert ist und es ist okay nicht zu verzeihen.

    Hast du Tipps oder unterstützende Worte für Leute, die in einer toxischen Beziehung stecken und es noch nicht rausgeschafft haben oder gerade dabei sind, sie zu verlassen?

    Es ist so schwer, weil es nicht „die eine Lösung“ dafür gibt. Aber ich kenne es, wenn man sich „wertlos“ fühlt und es einem eingeredet wird. Ich kenne es, wenn man sich die Schuld an allem gibt und das tut weh. Wenn ihr selbstlos seid, werdet ihr nicht dafür „mehr“ geliebt. Die Person wird sich dadurch nicht ändern. Wenn euch jemand so behandelt, dann nicht, weil ihr es verdient habt, sondern weil er einfach ein schlechter Mensch ist. Ich wünschte, das hätte mir jemand gesagt.

    Wie hat dir Musik geholfen, das alles zu verarbeiten?

    Ich schreibe unfassbar gerne. Ich hab tagelang oder sogar wochenlang jeden Tag so viel über den Schmerz, den ich in dem Moment gefühlt habe, geschrieben, bis ich mich etwas besser gefühlt habe. Schreiben heilt – manchmal hilft aber auch einfach in ein Kissen zu schreien. Oder halt mehrmals.

    „Azadi is my story: pain, resistence, rebirth.“

    Was sind deine weiteren Pläne dieses Jahr?

    Ich möchte öfters Live singen. Mehr auf die Bühne gehen und mir die Seele raussingen mit Menschen, die es fühlen oder auch mal so etwas erlebt haben.

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Das kann alles sein, was du noch nie in einem Interview erzählt hast, aber jetzt gerne loswerden würdest.

    Ich hab jahrelang gemalt. Viel abstrakte Kunst. Ich hab überlegt, Kunst zu studieren und ich lese sehr viele naturwissenschaftliche & philosophische Bücher.

    Hört hier in Verwelkte Rosen von ANTHI rein!

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  • Faravaz im Interview: »Through music, I fight for freedom, justice, and the right to exist as we are.«

    Faravaz im Interview: »Through music, I fight for freedom, justice, and the right to exist as we are.«

    Faravaz‘ musikalische Reise begann im Iran, wo Sologesang für Frauen verboten war und sie rechtlich gesehen nur als Backgroundsängerin auftreten durfte. „Jedes Mal, wenn ich zu einem Konzert ging, habe ich geweint“, erinnert sie sich. Sie wurde als Untergrundsängerin aktiv, nutzte Social Media, um ihre Musik zu verbreiten. Das führte zu ihrer Verhaftung und sie war gezwungen, ins Exil zu fliehen. In Berlin startete sie ihre Karriere neu, und ist nun kurz vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums! Mit kraftvollen, provokanten Texten in Englisch und einer einzigartigen Mischung aus alternativer Popmusik und orientalischen Elementen gibt sie ihrer Geschichte und ihrem Aktivismus eine Stimme. Wir haben mit ihr über all das im Interview gesprochen.

    Faravaz im Interview

    Anna: Hey Faravaz, I hope you’re good! Since not everyone will know you, do you want to introduce yourself in a few sentences?

    
Hi! I’m Faravaz, an Iranian singer, composer, and activist currently living in exile in Berlin. My journey began in Tehran, where making music as a woman was nearly impossible. But I’ve never been able to stay silent – my voice is my weapon, and through music, I fight for freedom, justice, and the right to simply exist as we are.

    You are now releasing your very first debut album but your path to it has been the opposite of an easy one. Before we get into that though, how did you find your love for music? What is it in music that touches your soul and makes you not want to do anything else?

    In school singing for other students and in the car for my parents and sister when we were on the road. They loved me singing and that’s how I learned that I have a voice for singing.
    Music was always my escape. Even as a little girl, when I wasn’t allowed to sing in public, I would hum melodies to myself, imagining a world where I could be heard. Music doesn’t just express my emotions – it becomes them. It’s my way of surviving pain, celebrating resilience, and connecting with something deeper than words.

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    „I had no choice but to go into exile.“

    Growing up as a woman in Iran, you being were heavily restricted from making music and singing on stage – unless you performed as a background singer. How did you deal with that struggle?

    
It was heartbreaking. Being told that your voice is a threat just because you’re a woman – it stays with you. But I never gave in to silence. I performed underground, behind closed doors, wherever I could. And I always knew: one day, I would sing freely. It always made me cry watching my male friends on stage singing in Iran!
    And I never could understand what is the difference between our voices. But also was hard to see that most of the men in my country didn’t really stand for us female singers. We were their friends, fan and colleagues…

    Were you scared for rebelling the restrictions by going into the underground? How did your family and friends react?

    Of course I was scared. Every performance felt like a risk. But I couldn’t live in fear forever. My family was torn – some were terrified for me, others proud. But they all knew: music is who I am.

    What happened then?

    Eventually, the fear caught up with me. I was arrested, interrogated, threatened and sentenced to one year of prison because of only singing. I knew I couldn’t stay if I wanted to keep creating, so i had to decide between going to prison or living in exile. So I left Iran. I had no choice but to go into exile.

    „It fuels my fire.“

    You’re living in exile in Berlin for a couple of years now. How did the city welcome you? What are the things you miss most about Teheran?

    
Berlin gave me space to breathe and create again. And to be me, more than ever in my life.
    I found my best friends in Berlin. I am loved and supported here. It’s a city full of contrast and courage. But I miss Tehran’s warmth, the smell of my mother’s cooking, the chaos of the bazaars, the mountains, my people and of course speaking Farsi.

    You continued to make music here, already releasing a couple of songs the last years. One of them is Ey Iran. What are the things you’re telling your home country in that song? Does it make you more angry or more sad?

    Ey Iran is my love letter and my cry. It’s filled with grief – for what we’ve lost – and rage, for what we continue to endure. It makes me sad, yes, but mostly it fuels my fire. I sing it with hope that one day we can return to a free Iran.

    Another song is Enemy Of God, where you sing “If god gave a man all the power | Then why you killing women like a coward | Condemn us to death from your tower”. How would you describe your relationship to religion?

    My relationship to religion is not good. I grew up surrounded by faith used as a tool for oppression. I believe religion always been weaponized against human specially women, flinta and queer people, and I also believe patriarchy needs religion to create more borders, taboos, hate and war! This song was dedicated by me to all the political prisoners who stands for humanity and dignity all around the world.

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    „Azadi is my story: pain, resistence, rebirth.“

    You also continue to be very passionate about human rights, especially for women and queer communities in the Middle East. As the founder of the non-profit organisation The Right to Sing e.V., you fight to make marginalised groups heard. What can you tell us about that?

    The Right to Sing is more than an organisation – it’s a movement. We work to give voice to those forced into silence. Whether you’re a woman, queer, exiled, or censored, your voice matters. We create platforms, offer workshops, and build communities that reclaim the right to be loud. Also sponsoring Iranian and Afghan female singers who are still living in Iran and Afghanistan.

    On May 11th you will finally release your debut album Azadi (Freedom in Farsi) – how excited are you for the release? What are the things that were the most fun but also challenging when making it?

    ’m beyond excited—it still doesn’t feel real. Azadi is my story: pain, resistance, rebirth. The fun part was collaborating with other artists who felt the same fire. The hard part? Revisiting my traumas to turn them into sound. But that’s also what made it healing.

    This isn’t just a concert – it’s a celebration of survival.“

    On the same day, May 11th, you will perform the release concert in SO36 – it will be a beyond special moment for you, I’m sure. You’re also premiering your documentary The Orange Garden, a film that captures your imprisonment, exile and resilience. What would you tell people, who haven’t got a ticket yet – what will make this evening so special that they should come?

    Faravaz, Azadi, SO36, Iran, Exile, untoldency, untoldency proudly presents, Iranian Freedom Woman

    
You come to my concert to celebrate my residence, a women who is singing at her first solo concert after 35 years!
    I have fight with my love to see this moment.
    This isn’t just a concert – it’s a celebration of survival. It’s a night where every note carries a story of defiance. The documentary is deeply personal, and I’ve never shared this much before. If you want to witness the truth behind the headlines, and feel the power of freedom in music – come. Be part of it.

    For our last question we always ask for an untold story – is there something you haven’t told in an interview before and want to get off your chest now? Could be literally anything.

    Honestly I am truly scared and stressed when I am thinking about my future and my music career in exile!
    To be weird, loud and straight to the point! Already being a refugee, woman, fat and a person in colour make it hard to have peace and safety. And my music and character might make it even more scary…
    But that’s my goal in my life. To live and be myself as it’s possible.

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    Fotocredit: Beyond Binary

  • Soft Loft im Interview: »Wenn plötzlich irgendwo in Dänemark Menschen deine Songs mitsingen, ist das ganz verrückt – verrückt schön.«

    Soft Loft im Interview: »Wenn plötzlich irgendwo in Dänemark Menschen deine Songs mitsingen, ist das ganz verrückt – verrückt schön.«

    Soft Loft sollten alle die von euch kennen, die sich wie wir knee-deep in der Newcomer-Indie-Bubble bewegen. Wir haben sie euch auch schon als einer unserer Artists To Watch 2024 vorgestellt und eigentlich ist der Begriff „Newcomer“ auch bald überfällig. Falls ihr noch nichts von der Band mit dem wunderschönen Namen Soft Loft gehört habt, dann findet ihr hier euer nächstes Indie-Wunder aus der Schweiz, das ihr beim Durchbruch begleiten könnt. Nach ihrem Debütalbum The Party And The Mess, haben sie letzten Freitag ihre neue EP Modern Roses veröffenlicht. Wir haben mit ihnen über all das gesprochen, was die EP begleitet – unter anderem die 46 starke Sommer- und Herbst Tour, die sie letzte Woche angekündigt haben. 2025 ist das Jahr von Soft Loft und wir sind bereit!

    Soft Loft im Interview

    Anna: Hey! 🙂 Ein paar Tage vor eurem EP-Release und kurz nach Ankündigung einer riesen Welle Live-Termine, wie fühlt ihr euch gerade?

    Jorina: Wir sitzen gerade im Auto auf dem Weg ins Studio, um neue Songs aufzunehmen. Deshalb kommt gerade alles zusammen, aber alles, was passiert, fühlt sich sehr gut an. Wir freuen uns mega, dass die EP nun endlich mit der Welt geteilt werden darf und wir dann auch im Herbst groß auf Tour gehen, um sie auch live zu spielen. Die Herbsttour ist für uns ein Riesentraum und fühlt sich noch sehr surreal an.

    Ihr seid schon eine Weile zusammen Soft Loft – bisher noch in Eigenregie, mit der neuen EP jetzt bei PIAS gesigned. In wenigen Jahren seid ihr von kleinen Shows in der Schweiz zu mehreren Clubshows in ganz Europa gewachsen! Wie habt ihr selbst die Entwicklung eurer Band die letzten Jahre wahrgenommen?

    Irgendwie fliegt die Zeit gerade an uns vorbei. Es passiert super viel und wenn wir so zurückblicken, haben wir schon ordentlich Kilometer und Erfahrungen hinter uns. Und trotzdem fühlt sich auch alles noch sehr neu und aufregend an. Unser gemeinsames Wachsen fühlt sich aber sehr natürlich und nicht nach allem auf einmal an. In Gesprächen und auch in unserer Musik spüren wir die Entwicklung dann aber schon sehr, haha. Einerseits sind wir als Band in den letzten Jahren mega fest zusammengewachsen, wir kennen uns immer besser und sind durch die viele gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen, auch quasi dazu gezwungen gut miteinander zu kommunizieren. Andererseits fühlt sich unsere Musik auch immer reifer und besser an über die Jahre. Und auch live wird das Ganze nach 45 Shows im Jahr natürlich schon immer besser hehe.

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    „Wenn sich Musik so anfühlt, ist das doch das Schönste.“

    Soft Loft hat schon immer als Live-Band funktioniert. Was macht euch am meisten Spaß auf der Bühne? Gibt es Momente, an die ihr euch heute noch gerne erinnert?

    Ich persönlich kann gar nicht genau beschreiben, was mir am meisten Spass macht. Ich glaube zu spüren, dass die Zuschauer*innen dabei sind und dass unsere Musik ihnen gut tut. Das ist ein schönes Gefühl. Wenn du plötzlich irgendwo in Dänemark ein Konzert spielst und Menschen deine Songs mitsingen, ist das schon ganz verrückt – verrückt schön. Erst neulich ist nach dem Konzert jemand zu mir gekommen und meinte unsere Musik hätte sie grad kurz wieder zusammengeflickt. Wenn sich Musik so anfühlt, ist das doch das Schönste. Als Band kommen wir auch immer mehr an auf der Bühne, wir fühlen uns immer wohler und es geht auch einfach darum gemeinsam Spaß auf der Bühne zu haben. Es muss nichts perfekt sein, obwohl viele in der Band zum Perfektionismus neigen 😉

    Ich hab mich letztes Jahr Hals über Kopf in euer Debütalbum The Party And The Mess verliebt. Wo setzt die neue EP Modern Roses an? Nach der Party?

    Oh wie schön! Modern Roses probiert mehr aus und ist vielleicht fast mutiger als The Party And The Mess. Auf Modern Roses stelle ich mir viele Fragen bezüglich Zuneigung, die modernen Rosen sollen aber noch immer umarmend sein, vielleicht so wie sich Zuneigung halt anfühlen soll. Nachdem wir unser Debütalbum released hatten, hat sich das Schreiben irgendwie noch freier angefühlt, der Druck von dem ersten Eindruck war weg und wir wussten, die Leute wissen jetzt irgendwie was Soft Loft ist, und wir können mit den nächsten Songs noch weiter in andere Richtungen gehen und anknüpfen.

    „Und, wie klingt es?“

    Kannst du den Prozess hinter den neuen Songs ein wenig beschreiben? War er anders als bei eurem Album?

    Es ging alles viel schneller. Wir haben uns sehr schnell ein Datum gesetzt, um ins Studio zu gehen und quasi diese 6 Momentaufnahmen mitgenommen. Es war wie oben beschrieben viel weniger Druck auf den Songs. Nicht, dass wir den beim Album sehr verspürt hätten, aber irgendwie waren wir alle befreiter von „das muss jetzt richtig gut werden, weil das unser erstes Album wird„. Die Einstellung war mehr „wir machen gerade Musik, die sich für uns gut anfühlt und wenn es verträumter, weirder ist als das Album ist das total egal“. Zum Album zurückgehen kann man ja immer. Zudem haben wir für die EP-Songs alles selbst gemacht! Wir wollten nach dem Prozess mit unserem Produzenten, mit dem wir die Arbeit geliebt hatten, auch hier aber wieder wissen: wie weit kommen wir, wenn wir das alles allein machen? Und wie klingt es?

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    Habt ihr einen Lieblingssong auf der EP? Und warum?

    Ich glaube alle haben einen anderen Lieblingssong aber Can, Paper Plane und Le Parfait sind wohl weit vorne im Rennen. Für mich persönlich fühlen sich Can und Paper Plane je nach Stimmung am besten an. Can gibt mir Comfort an einem eher nachdenklichen Tag und Paper Plane tanzt mit mir durch den sonnigen Frühling.

    In Modern Roses geht es viel um zwischenmenschliche Beziehungen. Findet ihr, dass es schwieriger geworden ist, sich zu finden und verbunden zu fühlen?

    Ich kann nur für mich sprechen, aber das passt glaub auch ganz gut, da ich die Texte schreibe, haha. Ich denke, die anderen aus der Band sehen das nicht alle gleich. In Bezug auf Dating finde ich es persönlich super schwierig, sich zu finden: es gibt zwar sehr viele Optionen, die unterstützend sein sollen, aber einfach jemanden kennenlernen da draussen ist irgendwie kein Thema mehr. Und wenn du dann nicht gerade matchst mit all den Optionen, wirds schwierig.

    Was ist das süßeste/liebste, was je jemand für dich gemacht hat?

    Ich hab eine Zeit lang Gedichte bekommen; das war sehr cute. Aber wir sind froh um jegliche Tipps für Modern Roses! (Notfalls sonst auch immer Paper Planes)

    „Wir fühlen uns alle mal verloren, aber gemeinsam verloren zu sein, ist immer besser.“

    Wir haben alle ein bisschen das Gefühl, verloren zu sein in dem Strudel des Erwachsenenwerdens – gibt es Dinge, die euch geholfen haben, die ihr teilen könnt? Mit welchen Dingen fühlt ihr euch noch immer überfordert?

    Ja! Die beste Medizin hierzu, glaube ich, ist, sich damit nicht alleine zu fühlen. Wir fühlen uns alle mal wieder verloren, aber gemeinsam verloren zu sein, ist immer besser. Und was auch hilft, ist Musik. Sich durch Musik verstanden fühlen und sich somit nicht alleine fühlen, hilft mir persönlich auch oft. Und Laufen! Ich habe die letzten Monate gemerkt, wenn ich mich schlecht fühle, kann ich das manchmal auch einfach weglaufen und fühl mich danach besser. Und wenn du dich wirklich absolut überfordert fühlst, sprich mit deinen Freundinnen oder einer Psychologin, das ist nicht schlimm, für das sind die ja da 🙂

    Vielleicht seid ihr das zu oft gefragt worden und es ist ein wenig offensichtlich, aber wie seid ihr auf den Bandnamen Soft Loft gekommen? Er geht einfach genauso schön und sanft über die Lippen.

    Werden wir tatsächlich in fast jedem Interview gefragt, aber was gibt es auch Spannenderes als die Herkunft eines Namens zu wissen, haha. Der Name ist eigentlich auch irgendwie random entstanden: Wir waren aktiv auf der Suche nach Bandnamen und ich habe damals mit meiner Mitbewohnerin mit einem Bandnamengenerator rumgespielt und plötzlich war da das Wort „soft“, das ich irgendwie sehr passend gefunden hab und dann kam noch „loft“ dazu, um den Namen zu vervollständigen und irgendwie passt der Name jetzt ganz gut.

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Das mag eine Anekdote aus dem Studio, eine Empfehlung von Herzen oder etwas komplettes Random sein. Hier ist euer Space:

    Untolder geht nicht: eine Songzeile aus einem noch unreleasten Song:


    oh love, keep calm
    the world will not stay mad
    oh love, be smart
    the world will not stay mad

    <3

    Fotocredit: Flavio Leone

  • Derya Yıldırım & Grup Şimşek im Interview: »Kultur und Herkunft sind lebendig, sie entwickeln sich – und sie geben uns das Gefühl von Tiefe, Zugehörigkeit und Sinn«

    Derya Yıldırım & Grup Şimşek im Interview: »Kultur und Herkunft sind lebendig, sie entwickeln sich – und sie geben uns das Gefühl von Tiefe, Zugehörigkeit und Sinn«

    Derya Yıldırım & Grup Şimşek bestehen darauf, dass man, wenn man ein altes Volkslied spielt, etwas Neues beisteuern muss, „sonst könnte man genauso gut einfach die alte Platte auflegen.“ Seit mehreren Jahren beeinflusst die Band um Derya Yıldırım die Wahrnehmung türkischer Volksmusik in Deutschland und weltweit. In Hamburg geboren und mit vielen Instrumenten aufgewachsen, hat sie sich schon von früh an intensiv mit Musik beschäftigt – und was es mit ihr macht. Anlässlich ihren neuen Albums Yarın Yoksa haben wir mit ihr über die Bandynamik, Volksmusik als Spiegel der Gegenwart und die Verbundenheit über Musik gesprochen.

    Derya Yıldırım & Grup Şimşek im Interview

    Anna: Hey! Es ist gerade wahrscheinlich sehr viel los bei euch, könnt ihr uns einen Einblick geben in alles, was gerade passiert und wie’s euch geht?

    Derya: Wir sind gerade von unserer Album Release Tour zurückgekommen und immer noch total überwältigt von den ersten Konzerten mit dem neuen Album. Die Tour begann mit einem sehr besonderen Konzert in der Elbphilharmonie in Hamburg – das war ein wunderschöner Auftakt und ein ganz besonderer Moment für uns. Es gab viele Überraschungen und die Resonanz war einfach unglaublich. Ich glaube, wir müssen alle erst mal wieder ein bisschen runterkommen und alles verarbeiten. Gerade jetzt, in der kleinen Verschnaufpause vor den Frühlingskonzerten im Mai, fühle ich mich sehr beseelt und dankbar.

    Yarın Yoksa, so der Titel eures neuen Albums, ist nun seit etwa zwei Wochen erhältlich. Wie fühlst du dich damit, dass die neue Musik endlich in der Welt ist?

    Es ist wirklich aufregend, dass das Album jetzt draußen ist. Wir haben ziemlich lange daran gearbeitet, aufgenommen haben wir es schon letzten Sommer. Jetzt endlich die Musik teilen zu können, fühlt sich sehr besonders an. Vor allem, weil ich das Gefühl habe, dass diese Lieder den Menschen in der aktuellen Zeit Halt geben können. Die politische Lage, die Unsicherheiten – all das spiegelt sich in gewisser Weise auch im Album. Es hat eine bestärkende, fast tröstende Energie. Es ist Musik, die versucht, die Welt zu verstehen, sie zu beobachten, und gleichzeitig die eigene innere Stimme zu finden.

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    „Es war der Beginn eines neuen Kapitels für uns.“

    Wie war das Schreiben und Produzieren des Albums? Habt ihr einen Unterschied im Vergleich zu euren vorherigen Alben festgestellt? Gab es etwas, das ihr anders geplant (oder nicht geplant) habt?

    Ja, da gab es tatsächlich eine große Veränderung. Unsere bisherigen Alben haben wir alle selbst geschrieben und produziert, komplett als Band. Bei Yarın Yoksa war das zum ersten Mal anders: Wir haben bei Big Crown Records unterschrieben und mit Lein Michels als Produzenten gearbeitet. Wir schätzen ihn sehr und die Arbeit mit ihm im Diamond Mine Studio war eine ganz neue, bereichernde Erfahrung. Seine Perspektive hat uns in unserer Entwicklung sehr weitergebracht. Das war der entscheidende Unterschied bei diesem Album – und in gewisser Weise auch der Beginn eines neuen Kapitels für uns.

    Kannst du uns den Entstehungsprozess (eines) deiner Lieblingssongs auf dem Album erklären? Warum und wann hat dieser Song begonnen, sich für dich besonders anzufühlen?

    Ein Lied, das mir besonders am Herzen liegt, ist Bilemedim Ki – auf Deutsch: Ich konnte es nicht wissen. Der Song erzählt von einem lyrischen Ich, das in einem kleinen Boot sitzt, im Auge des Sturms, und der Kompass ist kaputt. Diese schwankende Bewegung – wie ein Boot auf dem Wasser – wollten wir unbedingt auch musikalisch spürbar machen, und dabei die inneren Ruhe nicht verlieren. Anstatt eine Demo vorzuspielen, haben wir im Studio spontan eine reduzierte Version gespielt – mit Rahmentrommel, ein paar Akkorden und einem einfachen Groove. Es ging uns vor allem darum, das Gefühl und den Kern des Refrains erfahrbar zu machen… Besonders war auch das Experimtieren mit dem Sound der Bağlama, wie sie zum Beispiel durch einem Oilcan effect Pedal aufzunehmen. Dadurch hat der Song einen schimmernden, fast träumerischen Klang bekommen. Es war einer der ersten Titel, die wir aufgenommen haben – und beim gemeinsamen Spielen entstand sofort eine besondere Magie.

    „Volksmusik ist kein Relikt aus der Vergangenheit, sondern ein Spiegel der Gesellschaft.“

    Ihr habt euch Musik immer aus einem ganz bestimmten Blickwinkel genähert. Was ist für euch so wichtig, wenn ihr traditionelle Musik in moderne Musik übersetzen? Ich glaube, man muss sehr behutsam vorgehen, um die Seele dieser Lieder nicht zu verlieren, ihnen aber dennoch eine neue Wendung zu geben.

    Für uns geht es gar nicht darum, traditionelle Musik modern zu machen – denn was bedeutet überhaupt modern? Volksmusik ist kein Relikt aus der Vergangenheit, sondern ein Spiegel der Gesellschaft. Sie war immer Ausdruck ihrer Zeit, ihrer Menschen, ihrer Kämpfe und Hoffnungen. In diesem Sinne ist sie auch heute relevant – vielleicht sogar notwendiger denn je. 

    Ein zentrales Anliegen für uns ist es, unsere eigene Sprache zu finden. Eine Stimme, die in unserer heutigen Gesellschaft schwingt und sich darin spiegelt. Die Volksmusik, insbesondere durch die Bağlama, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer musikalischen Identität. Sie prägt unseren Sound, ohne dass wir sie „anpassen“ müssen. Es geht nicht um Tradition versus Moderne, sondern um das, was dazwischen liegt – um ein musikalisches Erbe, das weiterlebt, wenn man es ernst nimmt und ihm zuhört. Für uns heißt das: Kultur und Herkunft sind lebendig, sie entwickeln sich – und sie geben uns das Gefühl von Tiefe, Zugehörigkeit und Sinn. Das ist es, was wir mit unserer Musik ausdrücken wollen.

    Derya Yıldırım & Grup Şimşek, Yarın Yoksa, untoldency, interview, derya yilidrim

    Wie seid ihr zum Musikmachen gekommen? Kannst du dich an den Moment erinnern, in denen euch klar wurde, dass ihr dieser Leidenschaft professionell nachgehen und sie auf Bühnen und Festivals bringen wollt, um sie mit vielen anderen zu teilen?

    Wir haben uns 2014 bei einem Theaterprojekt kennengelernt – und diese intensive Zusammenarbeit hat uns nicht nur musikalisch, sondern auch freundschaftlich sehr zusammengeschweißt. Einer der Schlüsselmomente war, als wir unsere ersten Konzerte, die in England stattfanden, selbst organisiert haben. Das war aufregend, mutig und hat uns gezeigt, wie viel möglich ist, wenn man einfach loslegt. Kurz darauf entstand unsere erste EP Nem Kaldı, und die Resonanz auf unsere erste Single war überwältigend. Das war für uns der Wegweiser – da wussten wir: Das ist mehr als nur ein Projekt, das ist unser Weg. Und jetzt, über zehn Jahre später, sind wir immer noch gemeinsam unterwegs.

    „Es geht darum, den ständigen Kampf um Sichtbarkeit und Anerkennung weiterzuführen.“

    Wir haben mit ENGIN, einer deutsch-türkischen Indie-Band, die kürzlich eine EP mit türkischen Volksliedern und Klassikern des Anadolu-Rocks namens Mesafeler veröffentlicht hat, darüber gesprochen, wie türkische Musik in Deutschland wahrgenommen wird und wie sich das über die Jahre verändert hat. Was sind deine Erfahrungen damit?

    Definitiv hat sich die Wahrnehmung anatolischer Volksmusik in Deutschland verändert – sie hat sich auf neuen Ebenen etabliert. Früher fand sie oft eher im kleinen Rahmen statt: in der Nachbarschaft, in Kulturvereinen, innerhalb einer Community. Heute wird sie durch neue Generationen weitergetragen – und dadurch entstehen neue Räume für Begegnung. 

    Es geht nicht nur darum, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern darum, den ständigen Kampf um Sichtbarkeit und Anerkennung weiterzuführen. Es fühlt sich an, als wären wir gerade an einer Schnittstelle angekommen, an der sich etwas öffnet: Es entstehen professionelle Alben, Konzerte, Festivals – und diese Musik erreicht ein neues Publikum. Ein starkes Zeichen dafür ist für uns, dass die Bağlama heute über die Grenzen hinweg klingt – dass wir mit einem Plattenvertrag in New York arbeiten und Musik machen, die tief in Anatolien verwurzelt ist, aber gleichzeitig ihren Platz in einem globalen Kontext findet. Da wo es auch hingehört. 

    „Uns fasziniert vor allem die Ästhetik des analogen Sounds.“

    What is it that pulls you to this era of music of the 60s and 70s?

    Uns fasziniert vor allem die Ästhetik des analogen Sounds – diese Wärme, Tiefe und Direktheit. Gleichzeitig steht bei uns immer die Suche nach einer eigenen musikalischen Sprache im Mittelpunkt. Geschmack und Klangästhetik spielen dabei eine zentrale Rolle. Natürlich ist die Musik dieser Zeit eine große Inspirationsquelle für uns, aber es geht uns nicht um Nostalgie oder Nachahmung. Ganz im Gegenteil: Wir wollen etwas Eigenes schaffen – mit Respekt vor dem, was war, aber mit dem Blick nach vorne.

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    Was sind deine schönsten Erinnerungen an deine Kindheit, was die Musik angeht? Welche Künstler und Lieder, sowohl deutsche, internationale als auch türkische, haben dich am meisten beeinflusst?

    Meine musikalische Sozialisation fand stark im familiären Kontext statt. Bei uns lief immer Musik – sei es die Plattensammlung meiner Großeltern oder die Kassetten meiner Eltern, die zu jeder Tageszeit liefen. Musik war ein ständiger Begleiter im Alltag. Besonders prägend war die Vielfalt türkischer Genres: von traditioneller Volksmusik über Pop und Rock bis hin zu Arabesque. Diese breite Mischung hat mich tief beeinflusst. Eine besonders schöne Erinnerung sind die Autofahrten zur Musikschule mit meinem Vater. Er hatte immer selbstgebrannte Compilations dabei – das war für mich etwas ganz Besonderes und hat mich musikalisch stark geprägt.

    Wenn wir gerade bei musikalischen Prägungen sind: gibt es türkische Bands/Künstler, die wir uns ansehen sollten? Wir sind immer auf der Suche nach neuem Input.

     AySay aus Dänemark – ein kurdischsprachiges Trio, die Musik ist sehr eigen, atmosphärisch.. und Meral Polat aus den Niederlanden – eine unglaublich vielseitige Künstlerin. Beide Projekte tragen zur Sichtbarkeit und Weiterentwicklung anatolischer und kurdischer Musik im europäischen Kontext bei.

    „Musik verbindet uns einfach.“

    Ihr macht jetzt seit fast 10 Jahren zusammen Musik – wie hat sich die Dynamik in eurer Band seitdem verändert?

    Unsere Banddynamik hat sich im Laufe der Zeit bestimmt verändert. Es ist schwer, das genau in Worte zu fassen, weil es einfach passiert, ohne dass man es wirklich merkt. Natürlich verändert man sich mit der Zeit, aber das Besondere ist, dass wir uns immer gegenseitig zuhören und die Lebensweisen des anderen respektieren. Es ist einfach dieser natürliche Flow, der es uns ermöglicht, auch mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und Orten zu leben und trotzdem zusammenzukommen, um Musik zu machen. Für mich macht das die Band so besonders – Musik verbindet uns einfach.

    Für unsere letzte Frage fragen wir immer nach einer untold story – gibt es etwas, dass du noch keinem Interview erzählt hast und jetzt loswerden willst? Das kann eine zufällige Geschichte sein oder ein gutes Album, das Sie kürzlich gehört haben.

    … hmm weiß jetzt nicht genau, was ich erzählen soll. Kurz vor dem Albumaufnahmen wo wir noch auf Tour waren, hat mir Graham Mushnik Dorothy Ashbys Album The Rubáiyát of Dorothy Ashby empfohlen und drauf geschworen, dass ich es lieben werde und dass es genau was für mich wäre… und da kannte Graham mich einfach wirklich zu gut. Seither höre ich das Album immer wieder und hat mich während der Albumproduktion sehr inspiriert. Ich fühle mich sehr wohl in Dorothy Ashbys Stimme und in ihren Melodien.

    Fotocredit: Philomena Wolflingseder + Sebastian Madej