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futurebae im Interview: »Das ganze Leben ist Inspiration, wenn man dafür bereit ist«

Obwohl sie erst zu Coronazeiten angefangen hat Musik zu machen, steht futurebae jetzt schon auf den Festivalbühnen und hat Features mit Dissy, Tropikel Ltd. oder Juicy Süß. Im Oktober 2020 erschien ihre erste EP “K.T.U.L.E.S.” – “Keine Termine und leicht einen sitzen”, mit welcher sie sich schon einen Namen in der deutschen Musikszene machen konnte. Jetzt, knapp zwei Jahre später, veröffentlichte futurebae ihre zweite EP „Willst du mit mir gehen?“. Wie sie die letzten Jahre und ihren neusten Release erlebt hat, mit wem sie gerne mal essen gehen würde und wie sie die deutsche Musikbranche als weibliche Musikerin erlebt, könnt ihr jetzt hier im Interview lesen!

Lara: Hi! Schön, dass das geklappt hat. Magst du dich zu Beginn erstmal vorstellen, für alle, die deine Musik noch nicht kennen?

futurebae:  Ich bin futurebae. Und ich mache deutsche Musik, die gar nicht so leicht in ein Genre zu fassen ist. Ich bin immer noch am überlegen, ob ich vielleicht einfach mein eigenes Genre kreiere, um nicht immer sagen zu müssen, es ist irgendwie alles und gleichzeitig nichts. Es ist wahrscheinlich irgendwas zwischen 80s und Rap. Und es macht gute Laune. Es ist eine bunte Blumenwiese!

Lara: Das mit der guten Laune kann ich auf jeden Fall unterschreiben. Wie geht es dir, so kurz nach dem großen Release?

futurebae: Das ist mein allererstes Release, wo ich mich jetzt dazu entschieden habe, wirklich all in zu gehen mit der Musik und habe das ja über Virgin releast und das war ganz spannend und aufregend, weil ich ja völlig neu in der ganzen Musikbranche bin und gar nicht so richtig wusste, wie das funktioniert.  Und ich freue mich voll, dass die Songs ankommen, dass die Leute Bock drauf haben und die Musik verstehen und auch nicht abgeschreckt davon sind, dass ich eben ziemlich viel experimentiere, was die Beats angeht.

Lara: Und wie hast du das Releasewochenende verbracht? 

futurebae: Richtig gute Frage! Ich habe keine Party gemacht, glaube ich. Ich schau mal in meinen Kalender, ich kann mir sonst nichts merken.  Mein Kalender ist ein bisschen wie mein Tagebuch.  Oh, ich weiß, was ich gemacht habe! Ich habe doch gefeiert, ich war in Hamburg. Ich hab nämlich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit Satarii zusammen ein Konzert gespielt. Ich weiß nicht, ob die du kennst. Das ist so ne Hamburger Rapperin und die hat auch ihre EP releast. Und wir haben zusammen gefeiert! Es war wild.

Lara:  Wie unterscheidet sich der Release von der deiner EP Willst du mit mir gehen? Zu deiner ersten EP?

futurebae: Ich war gleich aufgeregt, würde ich sagen. Aber auf eine irgendwie andere Art als vorher. Die erste EP, die habe ich halt einfach so gemacht, weil ich dachte, ja, okay, die Songs sind da und irgendwie hab ich Bock.
Ich wusste zu dem Zeitpunkt ja gar nicht, dass es den Leuten so gut gefällt, ich das weitermachen kann und davon leben kann. Das ist bei der neuen EP einfach anders, da ich ja schon eine Erwartungshaltung hatte, vielleicht auch ein bisschen im Sinne von Versagensangst. Es ist ja so, dass sobald etwas wovon abhängt, einen ganz anderen Wert bekommt.  
Vorher habe ich gearbeitet und das nur nebenher gemacht und da war es irgendwie egal, ob die Leute es hören oder nicht. Und jetzt hoffe ich natürlich, dass ich davon irgendwie leben kann.

Lara: Wie lief der Prozess von der EP ab?

futurebae: Wann ich konkret damit angefangen habe, weiß ich gar nicht.  Mir war da aber auch noch nicht wirklich bewusst, dass ich noch eine EP mache, sondern ich habe einfach Musik gemacht. Das ist momentan auch immer noch so. Also ich gehe ins Studio und mache einfach was. 
Und bei den Songs, die auf der EP gelandet sind, war das dann einfach klar, dass die gut ineinander greifen. Und ich habe es geschafft, beim Entwickeln der Song irgendwie eine Gesamtgeschichte zu entwickeln. 
Der älteste Song ist deine Haut, das war einer der ersten Songs, die ich überhaupt geschrieben habe. Und der jüngste ist überall und nirgendwo. Ich wollte eigentlich nur ein Outro machen. 

Lara: Hast du einen Liebling auf der Platte?

futurebae: Ja, ich dachte, das ändert sich über die Zeit vielleicht noch, aber es war von Anfang an und ist es auch immer noch sowas wie ja.

Ich mag die Energie und auch die Art, wie ich da die Geschichte erzähle. Ich kenne auch kaum Songs, die das Thema Unsicherheiten in der Art und Weise so aufgreifen, wie in diesem Song.

Lara: Die EP wurde ja von Tilmann Jarmer Produziert. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

futurebae: Das ist ziemlich zufällig entstanden. Ich habe eine ganze Zeit lang in Erfurt gewohnt und er kommt auch aus der Ecke. Und wir haben irgendwie einen ziemlich großen Freundeskreis, wo man sich eben irgendwie so ein bisschen kannte. Aber wir haben uns nie persönlich getroffen. 
Als ich dann angefangen habe Musik zu machen, hat er mich auf Instagram angeschrieben und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, was mit ihm zusammen zu machen. 

Er hat mir super viel beigebracht und mir mit seiner ruhigen Art geholfen, mich ein bisschen zu formen.  Er hat mir einfach viel Raum gegeben und hat alle meine Ideen unterstützt, egal wie verrückt die waren.  Und so hat es angefangen und es hat nie aufgehört. 

Lara: Das hört sich ja richtig traumhaft an!

futurebae: Ja, das ist wirklich eine richtig gute Seele, ich bin sehr froh. Das sind die schönen Seiten des Internets!

Lara: Ich finde, man hört es auch meistens am Endprodukt, wenn alles so harmoniert. 

futurebae: Ja, ich kann mir auch tatsächlich nicht vorstellen, mit fremden Leuten zu arbeiten. Also wenn ich für mich Musik mache, ich schreibe ja sehr persönlich, dann muss es auch jemand sein, mit dem ich mich einfach wohlfühle und wo ich das Gefühl habe, das ist nicht nur so ein Arbeitsding, sondern da ist einfach die Leidenschaft hinter.

Ich hoffe, ich komme nie an den Punkt, wo sich das alles wie eine Maschine anfühlt und nicht mehr die Musik im Vordergrund steht, sondern die Seele ist mir das Wichtigste.

Lara: Ich durfte dich letztes Jahr in Gießen beim Stadt ohne Meer ansehen und anhören. Bald wirst du ja auch auf dem Splash auftreten. Du machst noch nicht so lange Musik, wie ist das für dich, so plötzlich auf den großen Bühnen zu stehen?

futurebae: Voll geil. Also ich kann das selber noch gar nicht fassen, dass das alles passiert. Ich habe ja vor zwei Wochen auch auf dem Melt gespielt und ich hatte so Angst! Ich habe im Moment immer noch bei jedem Auftritt, nicht Angst auf der Bühne zu stehen, sondern Angst, dass einfach nur fünf Leute oder so kommen. Es ist so schön zu sehen, dass dann aber doch Leute kommen und es auch wirklich fühlen. Das hätte ich einfach nie erwartet. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich noch so eine kleine Künstlerin bin.

Aber ich find’s voll geil, es ist das allerschönste Gefühl und die Bühnen können von mir aus einfach immer größer werden.

Lara: Wobei, so klein bist du ja jetzt auch nicht mehr. Ich meine, ich habe vorhin bei Spotify gesehen, dass du mittlerweile 150.000 monatliche Listener hast.

futurebae: Es fühlt sich auch immer noch so an wie gestern, als bei Spotify die 250 standen und ich mir den Arsch abgefreut hab, dass 250 Leute meine Musik fühlen. Mir jetzt vorzustellen, dass es 150.000 sind, ist einfach nur absurd. Und dann denke ich aber auch, wie müssen sich denn Leute fühlen, bei denen da irgendwie 3 Millionen stehen?

Lara: Ich glaube, ab einem gewissen Punkt sind diese Zahlen auch einfach gar nicht mehr so greifbar. Es ist dann einfach eine Zahl. Nicht wie bei einem Konzert oder Festival, wo man dann die Masse an Menschen wirklich sehen kann.

futurebae: Ja, voll! Dass da dann auch noch so viele sind, die die Texte können und mitsingen, das ist der Wahnsinn.  Dass man eine Geschichte geschrieben hat, die mich natürlich berührt oder auch mein Umfeld betrifft und dann damit andere Leute erreicht ist einfach krass.

live, live, live!

Lara: Wo wir jetzt schon bei live Auftritten sind, hast du einen Song den du live am liebsten performst?

futurebae: Oh, ja. Richtig krass ist auf jeden Fall immer noch Coca Cabana

Lara: Hast du eine Traumlocation wo du mal spielen magst?

futurebae: Puh, in Deutschland, würde ich auf der Fusion gerne mal spielen. Ich glaube aber auch, dass die Fusion in Amerika völlig abgedreht ist, das wäre richtig krass.

Lara: Wo wir schon bei Liveshows sind, hast du schon Pläne für eine Tour?

futurebae: Also ich hoffe, dass ich eine machen kann. Vielleicht nächstes Jahr oder so, aber speziell geplant ist da jetzt noch nicht. Jetzt erstmal die Festivals und dann mal schauen, ob da dann immer noch Menschen stehen und Bock haben (lacht). Und wenn ja, dann wäre das schon cool.

Lara: Na hoffen wir mal! Aber ich bin mir da ehrlich gesagt schon ziemlich sicher. 

Ich bin nicht da, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich einfach krass bin!

Lara: Kommen wir mal zu einem ganz anderen Thema. Und zwar habe ich gesehen, dass du z.B. auf Playlists wie „Girls to the Front“ zu hören bist. Ich habe das Gefühl, dass langsam zumindest etwas Bewegung in das Thema “Frauen in der Musikbranche” gekommen ist. Siehe auch Kampagnen wie  Cock am Ring oder Musequality.  Wie erlebst du das, als weibliche Musikerin?

futurebae: Also ich habe ja während Corona angefangen Musik zu machen. Ich weiß nur vorher als Konsumentin, dass ich schon immer gedacht habe, dass das einfach kein Verhältnis zwischen Männern und dem Frauenanteil ist. Gerade auch auf großen Festivals ist es ja immer noch ein Fakt, dass einfach so viel mehr Männer als Frauen gebucht werden. Und das kann einfach nicht sein. 

Es ist einfach ein absolutes Unding, weil es gibt super viele talentierte Künstlerinnen und ich finde, es sollten z. B. solche Quoten gar nicht nötig sein müssen. Die Leute müssen einfach verstehen, dass ein ausgeglichenes Booking einfach alles ist. Die Fans haben da ja auch Bock drauf!
Es ist ja nicht so, dass weibliche Artists nicht bekannt sind. Also wir haben so viele großartige Künstlerinnen in Deutschland. Sei es eine Nura im Rap oder eine Mine im Pop. 

Es gibt einfach so, so viele große Namen und auch so viele kleine Namen, die vielleicht die Chance bekommen sollten, mal zu spielen. 

Und ich habe das Gefühl, es ändert sich, aber es sollte sich schneller ändern. Und es ist cool, so Listen wie “Girls to the front” zu haben, aber gleichzeitig denke ich auch, es sollte auch in den großen Playlisten, welche nicht nur für Frauen ausgelegt sind, einfach Frauen vertreten sein.

Es ist schon auch anstrengend, immer etwas reduziert zu werden.  Sätze wie: „Ach ja, weil du eine Frau bist“ oder auch auf Festivals zu sein, weil du eine Frau bist.  Ich bin nicht da, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich einfach krass bin!

Lara: Ja, das kann ich auf jeden Fall unterstreichen. Ich muss auch zugeben, dass mir das als Konsumentin erst recht spät aufgefallen ist. Aber als ich das dann erstmal gecheckt und reflektiert habe, war ich einfach nur shocked. 

futurebae: Wenn ich da retrospektiv drauf schaue, habe ich da auch ganz lange einfach nie drüber nachgedacht. Also ich höre schon richtig lange Rapmusik und es war einfach so normal, dass das im Prinzip so eine Männerdomäne ist. Ich habe das am Anfang gar nicht so hinterfragt. Es muss einfach Leute geben, die das ansprechen, die das transparent machen und einfach mal darüber reden, damit man eben selber auch anfängt darüber nachzudenken.

Also die Veränderung kann erst geschehen, wenn Leute einfach darauf hingewiesen werden. Und es muss nicht immer pöbelnd und laut und mit einem großen Schlag ins Gesicht sein, sondern man kann auch einfach mal darüber sprechen. Einfach sagen: hey, krass, es ist aber schon komisch irgendwie vier Männer und nur eine Frau als Line-up zu haben. Warum das wohl so ist?

Lara: Da kann ich dir wirklich nur zustimmen. 

Wir neigen uns dem Ende des Interviews zu. Deine EP trägt ja den schönen Namen „Willst du mit mir gehen?“. Mit wem würdest du denn gerne mal essen gehen?

futurebae: Oh, ich glaube da bin ich momentan bei Harry Styles. Ich hab mich so in das Album verliebt! Und auch seine ganze Ästhetik und diese Welt, die er erschaffen hat. Das ist echt beeindruckend.

Lara: Da wirst du wohl nicht die Einzige sein.

futurebae: Das glaube ich auch nicht. Aber ich kann mich dem Charme auch nicht ergeben, wenn ich ehrlich bin (lacht). Ultra inspirierend.

Lara: Was inspiriert dich denn sonst noch so?

futurebae: Alles!  Gute Erfahrungen, schlechte Erfahrungen. Mein Leben und auch das Leben meiner Freund:innen. Es kann auch eine Ausstellung sein, es kann ein Buch sein, Film, manchmal auch andere Musik. Manchmal reicht da auch einfach ein simpler Spaziergang.

Ich glaube, das ganze Leben ist Inspiration, wenn man einfach hinguckt und dafür auch bereit ist.

Lara: Damit sind wir auch schon am Ende unseres Interviews angekommen. In dieser fragen wir immer nach einer Untold Story. Irgendetwas, was du bisher in keinem anderen Interview erzählt hast. Das kann etwas Lustiges sein, z.b. vom Albumprozess, aber auch irgendetwas anderes, was du gerne mal mit der Welt teilen möchtest.

futurebae: Ich habe gestern zum ersten Mal einen Song live performt. Und auf dem Weg dahin ist mir aufgefallen, dass sich eine Zeile in dem Song habe, die auf der Demo anstatt „um Happiness zu fühlen“ nach „um Herr Penis zu fühlen“ klingt. Ich hätte auch einfach schreiben können „um mich happy zu fühlen“ oder so schreiben können. Ein schönes Schlusswort, na ja.

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