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80s-Revival plus Sozialkritik: Fly von Flyde

„Ein Cyberfurby, arrogante Himmelsdudes, viel pink und ein wenig Schminke.“ – so beschreibt das Gesicht von Flyde (Lukas Przybilla) den Inhalt des entzückenden Videos zur neuen Single Fly, erschienen Ende November 2020.

Und hinter der Schminke? – Abgründe der menschlichen Seele

In einem kurzen Interview über den neuen Song und das Musikvideo berichtete Lukas, dass es um die Schwierigkeiten des Loslassens, z.B. von einem guten Freund, geht:

„Wer wirklich gut für wen ist zeigt sich manchmal erst nach Jahren, aber dann ist man oft schon so dicke miteinander, dass unter Umständen, eine emotionale Trennung extrem schwierig werden kann.“

Vielleicht ist ein genereller Grund dieses Problems die schwach ausgeprägte Fehlerkultur hier zu Lande, oder dass der Begriff der Freundschaft mehr und mehr inflationiert wird. Eins ist jedoch ganz sicher: der Song Fly ruft unmissverständlich dazu auf Fehler zu machen um daraus zu lernen, mutig zu sein und sich gegebenenfalls helfen zu lassen.

Dass das Video es schafft diese ernsten Themen auf humoristische, augenzwinkernde Art und Weise darzustellen, macht die sozialkritische Kost leichter verdaulich und süßer als das bittere, schwermütige Wehklagen, welches man schon zu genüge bei anderen Produktionen schluckt. Stichwort: Liebeskummer in Songs.

Tanzbare 80er Jahre Klänge vereint mit ernster Botschaft

Auch die dufte Soundästhetik der neuen Single ironisiert und verballhornt die zum überwiegenden Teil traurige Wahrheit, die hinter vielen schnelllebigen Beziehungen steckt. Durch die Einflüsse von David Bowie, Peter Gabriel, Phil Collins, Joy Devision, Fleetwood Mac und Tears For Fears und viele, viele mehr, hat sich Flyde eine Klangwelt erschaffen, die besagte 80er Jahre Größen zwar als referenzielles Fundament nutzt, dabei aber seine ganz eigenen Regeln folgt:

„Mir ist es sehr Wichtig dass es Abwechslung gibt. Ich stehe zwar voll auf Pop, aber ich mag so ‘ne A, B, C, D Struktur. In fast keinem Song (des kommenden Albums) sind zwei identische Strophen, was die Melodie betrifft. Mir ist’s wichtig dass das nicht allzu repetitiv ist. Es ist nicht einfach 80er Sound und Text sondern eine Symbiose aus allem was ich bisher so gehört und gemacht hab.“


Und so stellt die erste Single des im nächsten Jahr erscheinenden Albums eine Symbiose aus 80er Jahre Pop, Psychedelic – und Progressive Rock und dem ein oder anderen Dreampopeinfluss dar, welche den Schulterschluss mit einfühlsamen und persönlichen Themen übt und meiner Meinung nach auch wunderbar vollzieht.

An dieser Stelle sollte noch gesagt sein dass die Lyrics recht allgemein gehalten sind und Raum für Interpretationen offen halten, was durchaus gewünscht ist und jeden zum Denken anregen kann, aber nicht muss. Man kann die Musik von Flyde auf verschiedenen Ebenen genießen: Entweder man hört ganz genau hin und arbeitet sich rein, oder man lässt sich von den tollen Arrangements und Sounds davontragen und hört auf seine eigene innere Stimme, welche in Fly ganz besonders angesprochen wird.

Das Multitalent

Mich hat besonders interessiert wie der Prozess des Songwritings bei Lukas aussieht, da er vom Arrangement, über die Aufnahmen der verschiedensten Spuren/Instrumente, bis hin zum Abmischen alles im Alleingang macht. Auf die Frage wie die Arbeit an einem Song aussähe antwortete er:

„(…)Ich schick ‘ne Gitarre durch fünf bis sechs Pedals und verfremde das und dadurch entstehen dann wieder ganz neue Dinge. Darüber jamme ich dann mit meinem Gesang. Die Texte hole ich aus meinem kleinen Textbuch.“

Obgleich hier die Arbeit mit Synths und Drums aussen vor gelassen wird; dieses kurze Exzerpt bringt’s für mich auf den Punkt: Wenn man Talent und seinen eigenen Workflow gefunden hat, entstehen die Tracks wie von selbst. Das ganze äußert sich dann in einem homogenen Sound der kompromisslos und einzigartig ist. Lukas – das Gehirn von Flyde – hat diese Eigenschaften. Man sollte auf jeden Fall ein Auge auf den aufstrebenden Newcomer, welcher ohne Label und großem Studio tolle Musik macht, werfen. Von dem und seiner kleinen Entourage an Livemusikern wird in Zukunft noch zu hören sein! Bis dahin vertröstet die neue Single Fly und natürlich das bereits 2018 erschienene Debütalbum (Flyde) alle die bock auf 80er – PsyProgDreamPop haben!

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