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  • untoldency proudly presents: Kinkerlitzchen Festival 

    untoldency proudly presents: Kinkerlitzchen Festival 

    Ihr wisst, wir lieben es Newcomer*innen zu entdecken und sie mit euch zu teilen. Eine Sache, die wir ebenso lieben, sind Newcomer*innen-Festivals oder einfacher gesagt: Die versteckten Schätze der Festivallandschaft zu finden. Glücklicherweise sind wir da wieder einmal fündig geworden. Dürfen wir euch vorstellen? Das Kinkerlitzchen Festival.

    Das Kinkerlitzchen ist ein kleines, von Ehrenamtlichen liebevoll organisiertes Festival im
    Grünen, genau gesagt: In Metelen, nahe Münster. Süße Deko in den Bäumen, alles DIY und gemütlich gestaltet. Für die verwunschene Wald-Atmosphäre hält das Geländer einer alten Kornwassermühle her. Zwei Bühnen, eine Kirche und viel Grün sind der Festivalspielplatz.

    Musikalisch gibt’s auf dem Kinkerlitzchen ein sorgfältig kuratiertes Line-Up von Pop bis Elektro, Indie bis Artpop mit besonderem Gespür für neue Sounds. Beim Blick auf das Line Up könnten dem ein oder anderen alte bekannte und neue untoldency-Lieblinge auffallen:


    Dominik Hartz
    Paula Dalla Corte
    Hymen
    Paulinko
    Juno Lee
    Looking for Ella
    Bluai
    Julie
    Pavon
    Akryl

    Was gibt’s sonst noch auf dem Kinkerlitzchen Festival? Auf dem Gelände verteilt findet man immer wieder Artistik und DIY-Stationen. Unsere persönliche Empfehlung: Verpasst bloß nicht die Live-Musik-Newsletter-Ausgabe von Zwischen Zwei und Vier.

    Wann? Freitagabend, 8.8., und Samstag, 9.8. ab 14.30 Uhr
    Wo? Mühlentor 22 (Plagemanns Mühle), 48629 Metelen

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    Fotocredit: Niklas Demming

  • Brenda Blitz im Interview: „Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten“

    Brenda Blitz im Interview: „Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten“

    Brenda Blitz veröffentliche im Juli ihre neue EP „Schock Herzbrand“. Sie ist schrill, mutig, aufregend und nimmt kein Blatt vor den Mund. So wie Brenda eben auch. Auf 6 Tracks zeigt Brenda Blitz, wer sie ist und dass es Gründe gibt, wieso man ihr zuhören sollte. Nach Supportshows für Querbeat, Ok Kid und Das Moped bewies sie, was sie live drauf hat und wie mitreisend ihr Auftreten funktioniert. Außerdem ist Brenda diesen Monat für den popNRW-Preis nominiert.

    Schock Herzbrand macht, ebenso wie ihr Debüt-Vorgänger, vor allem Spaß und lädt zum tanzen ein. Wobei dennoch sowohl textlich, als auch produktionstechnisch, eine deutliche Weiterentwicklung zu erkennen ist. Wir sind gespannt, was Brenda noch für uns in Zukunft bereit hält, denn an Energie und Motivation mangelt es ihr offensichtlich auf keinen Fall.

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    Brenda Blitz im Interview

    Dascha: Hi, schön, dass das geklappt hat. Magst du dich mal vorstellen, für alle, die dich noch nicht kennen?

    Brenda Blitz: Voll gerne. Ich bin Brenda Blitz. Aber eigentlich sag ich, auch auf der Bühne, lieber „Wir sind Brenda Blitz“, weil mein ganzes Team dazugehört. Also ja, ich bin Brenda und mache Wave-Pop.

    Dascha: Und wie würdest du deine Musik in drei Adjektiven beschreiben?

    Brenda Blitz: Auf jeden Fall knallig. Und, das ist zwar kein Adjektiv, aber: immer mit doppeltem Boden. Das find ich total wichtig. Der Sound ist ja meistens so treibend und happy, aber Themen nicht immer so. Also vor allem bei den neuen Songs sind Text und Melodie meistens konträr zu einander. Und als drittes experimentierfreudig.

    Dascha: Deine neue EP „Schock Herzbrand“ ist ja im Juli erschienen. Was war währenddessen die größte Herausforderung für dich und was die größte Freude?

    Brenda Blitz: Als ich die EP angefangen habe, habe ich noch nicht so unglaublich lange Musik gemacht und für mich war die größte Herausforderung, sie so klingen zu lassen, als würde ich schon ganz lange Musik machen. Ich wollte viele Einflüsse einbringen, mich an vielen verschiedenen Stilelementen bedienen, ich wollte einfach alles, was ich bin da reinpacken. Ich wollte einen Wiedererkennungswert erschaffen und mich von meiner vorherigen EP abheben. Im Endeffekt hab ich dann einfach gemacht. Die größten Herausforderungen kamen immer in den Zwischenschritten. Das Studio, wo ich aufgenommen hab, ist auf dem Land, dann musste ich Tausend Mal hin und her fahren. Die ganzen Fertigstellungsprozesse, die durchgemachten Nächte, die ganzen Leute, die wir bezahlen mussten, die Förderungen an den Start zu bekommen… Das hat so eine große Infrastruktur eine EP auf die Beine zu stellen. Also die Herausforderung lag darin, dass ich das alles so gut, groß und professionell wie möglich machen wollte. Ich glaube die Kapazität dieses Projekts war ein bisschen größer als ich. Ich dachte zwischendrin, dass ich das nicht packe, aber habe es doch durchgezogen. Es waren harte 1 ½ Jahre. Die größte Freude war, als alles fertig war und ich gemerkt hab, dass wir alles richtig gemacht haben. Ich musste anfangen zu weinen, als ich die fertige EP dann gehört habe, das war krass. Auch Nick, mit dem ich das produziert habe, hatte Tränen in den Augen und ich dachte okay, das ist ein gutes Zeichen, dass man was spürt. Ich glaube, das war die Antwort auf alles: Wenn ich nicht geweint hätte, hätte ich was falsch gemacht.

    Dascha: Voll schön! Du hast die Worte „Schock Herzbrand“ schon 2019 in deiner Single Durchsichtig erwähnt. Wieso wurde das nun der Titel deiner EP?

    Brenda Blitz: Ich hab einfach Wortschöpfungen oder neu definierte Begriffe, die ich gerne mag. Und den Ausdruck „Schock Herzbrand“ gibt es quasi ja noch gar nicht. Ich fand es war eine schöne Antwort darauf, dass ich aus der ersten EP etwas mitgenommen hab. Außerdem passt es einfach so gut zu dem Gefühl der Platte, dieses Verliebtsein, dass das Herz weh tut. Ich hab diese grätschigen Gitarren da drin, die manchmal viel zu hoch sind und fast weh tun. Einfach so reizüberflutend wie das Leben halt. Das war also nicht geplant, ich habe einfach überlegt und gemerkt, dass der Begriff mega gut passt.

    Dascha: Finde diese Wortschöpfung ruft einem mitten ins Gesicht. Von dem Song Energievampir bin ich großer Fan. Was raubt dir die Energie und was gibt dir Energie?

    Brenda Blitz: Menschen, jeder Art, die mir nicht gut tun, rauben mir die Energie. In dem Song geht’s ja auch nicht um eine klassische Beziehung, sondern um eine Art von Freundschaft. Außerdem Ungerechtigkeit. Dazu gehören auch Strukturen in der Musikbranche. Da gibt’s richtige Energiezieher, wo man sich so ungerecht behandelt fühlt. Dinge, die mir Energie geben, sind aber gute Freundschaften. Und Sport und Ernährung, damit kann ich meine Stimmung um 180 Grad umdrehen, wenn’s mir schlecht geht. Wenn ich einen neuen Track gemacht habe, gibt mir das auch richtig viel Energie. Ich würde sagen im Endeffekt ist es wirklich sehr entscheidend, was für Menschen man um sich rumhat, ob man Energie bekommt oder sie entzogen wird.

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    Dascha: Du hast außerdem einen Song auf der EP mit dem Titel 17. darin besingst du das Lebensgefühl aus der Perspektive eines Teenies. Was würdest der 17 jährigen Brenda heute raten?

    Brenda Blitz: Ich würde ihr raten, weniger Drogen zu nehmen. (lacht) Ich würde das heute nie machen. Meinem 17 jährigen Ich würde ich sagen „Ey, hör auf zu ballern und fang mal an Musik zu machen“. Ich würde ihr auch raten keine Energie an irgendwelche daher gelaufenen Typen zu verschwenden. Wenn ich die Zeit, die ich in Männer investiert habe, in Gitarren investiert hätte, wär ich heute Jimi Hendrix. (lacht) Aber im Endeffekt ist ja alles gut, ich bin jetzt hier, wo ich bin. Ist ja auch wichtig, dass man solche Phasen hatte, in denen man sich um nichts Gedanken gemacht hat, außer darum, wie das nächste Wochenende aussieht. Ich würde mir im Nachhinein aber raten nicht erst mit Anfang 20 richtig mit der Musik anzufangen. Einfach gesagt „Mach früher das, was dich weiter bringt“.

    Dascha: Und wie kamst du dann dazu Musik zu machen?

    Brenda Blitz: Eigentlich wollte ich das schon seit ich klein bin, habe mich aber für viele unterschiedliche kreative Dinge interessiert. Ich hab auch mal im Theater gearbeitet, manchmal beim Film, ich konnte immer vielen kreativen Spaten etwas abgewinnen. Dann hab ich aber gemerkt, dass die Musik mich von allen am meisten angezogen hat. 2019 habe ich mir gesagt „du machst das jetzt richtig“ und habe es dann angefangen durchzuziehen. Ich war auf einem Festival und dachte „Du willst da oben doch auch stehen“. Außerdem tu ich es mir mit Anstellungsverhältnissen sehr schwer. Ich hatte schon 28 verschiedene Jobs gehabt. Das liegt auch daran, dass ich mit Autoritäten so schwer klar komme. Auch in der Schule schon. Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten. Das ist an Musik als Job auch so cool, dass man da so frei ist. Das ist jetzt drei Jahre her, seit ich gesagt hab ich ziehe das jetzt zu 100% durch. Und ich war damals wirklich bei 0. Ich kannte nicht eine Person, die Instrumente spielt und kein Studio, kannte gar keine Veranstalter*in oder so. Aber in mir war ein Feuer, das man nicht löschen konnte.

    Dascha: Und wenn du von dem Moment sprichst, in dem du wusstest, du willst das auch machen und auf einer Bühne stehen willst: Ist es jetzt so, wie du es dir in dem Moment vorgestellt hast?

    Brenda Blitz: Voll gute Frage. Manchmal, manchmal. Ich hatte natürlich vergessen, dass man nicht direkt bei einer ausverkauften Bühne startet wie zum Beispiel bei Nina Chuba. Künstler*innenwege können ja sehr unterschiedlich sein. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass es manchmal auch gar keinen Spaß machen wird. Der Sommer war auch ziemlich durchmischt, was die Liveshows anging. Wenn man sieht, dass Leute Spaß haben und sogar mitsingen, dann ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe. Dass die Leute vor der Bühne einfach eine gute Zeit haben und es meine Aufgabe ist, ihr Freitagabend zu sein. Aber insgesamt ist es definitiv härter, als ich es mir vorgestellt habe. Ich liebe es wahnsinnig, aber es gibt viele anstrengende Momente. Die mich aber nicht 1cm davon wegtreiben würden.

    Dascha: Du meintest ja der Live-Sommer war durchmischt. Wieso hattest du das Gefühl?

    Brenda Blitz: Seit Anfang des Jahres hab ich eine Booking Agentur und ich habe gesagt, ich will dieses Jahr überall spielen, wo es möglich ist. Das Konzept: Wir nehmen alles mit. Aber dadurch hat sich rausgestellt, dass nicht unbedingt der richtige Weg ist. Ich denke da immer an das Altstadtfest in Trier. Das zählt zu den negativen Erlebnissen. Das war halt so ein dörfliches Stadtfest mit Bratwurst. Finde ich eigentlich mega cool, dass man sagt man bringt genau an solche Orte mal keine Coverband, sondern etwas ganz neues. Aber leider ist das nicht ganz so aufgegangen, weil das Publikum überhaupt nicht dafür da war. Da waren im Endeffekt nur noch drei Leute vor der Bühne, das war schon frustrierend. Und ich habe gemerkt, da gehör ich irgendwie nicht hin.

    Außerdem hab ich auch Konzerte gespielt wo kaum oder gar keine Gage da war. Die Range war sehr groß, von 0 bis 1200 € war diesen Sommer alles dabei. Man redet ja oft nicht offen über Gagen. Da frage ich mich manchmal schon, was andere Bands, die vielleicht nur white Dudes sind, bekommen. Ich mag es nicht, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Wahrscheinlich habe ich dieses Jahr auch festgestellt, dass es bei Festivals keine Sache von „Wir haben kein Geld“, sondern viel mehr eine Sache der Umverteilung ist. Der Main-Act kriegt ja meistens 80 % des Gesamtbudgets und für die kleinen Bands bleibt kaum etwas übrig. Das ist unfair, aber eben ein strukturelles Problem. Niemand würde in seinem Job gerne 20 Cent pro Stunde verdienen. Das macht mich schon traurig, ich möchte nämlich immer alles geben und die beste Show abliefern. Ich nehme teilweise allein für den Hinweg 6-7 Stunden auf mich, schleppe mich tot, schlafe im Zug und bin total kaputt. Wenn ich mir dann zurück ein Ticket am Bahnhof kaufe, ist meine Gage dann manchmal schon weg. Ist nicht immer so, aber kam oft vor. Da hat man schon das Gefühl, dass man nicht wertgeschätzt wird. Es gab zum Glück auch sehr geile Konzerte und Festivals, wo alles gestimmt hat. Was war für dich das coolste Festival oder Konzert dieses Jahr?

    Dascha: Ja voll, da hast du Recht. Jetzt spontan würde ich sagen das Stadt Ohne Meer Festival, das ist jedes Jahr eines der schönsten Erlebnisse des Jahres für mich. Das ist auch in meiner Heimat, also ein richtiges Herzensding.

    Brenda Blitz: Das war auch mein absolutes Lieblingsfestival. Die Leute waren alle super sweet und fair, sowohl vor, als auch hinter der Bühne.

    Dascha: Du meintest ja bei den negativen Auftrittserfahrungen war das Publikum nicht passend. Ich denke, es gibt viele Menschen, die einfach nicht bereit sind, sich auf etwas außerhalb ihres gewohnten Kreises einzulassen. Was würdest du sagen, muss man wissen oder verstehen, um Brenda Blitz zu verstehen? Wie kann man sich besser darauf einlassen?

    Brenda Blitz: Ich glaube, es ist ein Gefühl. Entweder du fühlst es oder du fühlst es nicht. Man kann ja auch niemanden dazu zwinge, etwas zu mögen. Ich fühl Trap zum Beispiel überhaupt nicht. Hip-Hop ist ja oft politisch, das ist cool und gut zu wissen, aber trotzdem erreicht mich der Sound einfach nicht. Da kann ich mir solche Liveshows egal wie oft anschauen, ich fühl’s nicht. Ich glaube manchen geht es so mit Brenda Blitz, aber das ist auch voll okay. Andersrum merke ich auch, dass wenn jemand davon gecatched ist, er oder sie das dann gar nicht richtig erklären kann. Ein Brenda Blitz-Gefühl haben oder eben keins.

    Dascha: Passend dazu: Was für Komplimente hörst du am liebsten zu deiner Musik? Was freut dich am meisten?

    Brenda Blitz: Also ich freue mich generell immer über alles, was mir schönes gesagt wird. Das aller schönste was mir wahrscheinlich gesagt wurde war von ein einem sweeten Teeniepärchen. Die meinten, als sie zusammengekommen sind, haben sie immer zusammen Küss Mich gehört. Das ist so cool, Teil von einem Erlebnis zu sein. Das kennt ja jeder, wenn man verliebt ist und einen Song auf Dauerschleife hört. Man wird für immer diesen Song mit dieser Situation verbinden. Ansonsten ist es auch immer schön, wenn jemand sowas sagt wie „Ich hatte eine schlechte Woche, aber dein Auftritt hat mir grad viel gegeben“. Wenn man Leute ein bisschen aus ihrem Alltag rausfischen konnte. Dafür macht man es ja auch. Ich freu mich aber sehr über detailliertes Profi-Feedback und wenn Leute auf kleine Akzente achten.

    Dascha: Und was würdest du dir wünschen, was die neue EP in den Hörer*innen auslösen soll?

    Brenda Blitz: Ich würde gerne eine neue Ebene aufmachen. Also zeigen, dass noch mehr möglich ist und dass Dinge nicht immer so sind, wie man denkt. Dinge sind nicht so festgefahren, wie sie scheinen. Auch soundmäßig würde ich gerne Horizonte erweitern. Die EP ist schon poppig geworden, aber es ist trotzdem ein alternativer Sound. Ich find’s cool, wenn Leute dadurch vielleicht eine Form von Musik kennen lernen, die sie vorher nicht kannten. Ansonsten auch noch eine Art Selbstermächtigung durch die Texte. Und auch, dass man den Humor und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen nicht verlieren darf. Natürlich hoffe ich auch, dass die Leute bei Nicks quietschenden Gitarrensolos genau so mitfiebern und eine gute Zeit damit haben.

    Dascha: Was können wir noch von dir erwarten? Was sind deine kommenden Ziele und Träume?

    Brenda Blitz: Also ich bin schon an den nächsten Tracks dran. Ich hab ganz viele politische Skizzen bei mir rumliegen, bei denen ich immer unsicher war, ob ich sie rausbringen soll, weil es so aneckende Themen sind. Eins meiner Ziele ist also politischer in der Musik zu werden. Ansonsten auch meine Liveshow. Ich möchte eine unglaubliche Show auf die Beine stellen. Dafür wünsche ich mir, dass die Gagen bald gut genug sind, damit ich alle Tänzer*innen auf der Bühne immer dabei haben kann, wie ich es mir vorstelle. Es soll richtig aufregend werden. Und auch, dass Brenda Blitz sich bei den Leuten festsetzt, dass mehr Leute das kennenlernen.

    Dascha: Dann bin ich gespannt darauf! Deine Musik geht ja auch in Richtung New Wave. Hörst du in deiner Freizeit viel solcher Musik?

    Brenda Blitz: Das war auf jeden Fall meine erste Inspiration. New Wave war die erste Musik, bei der ich wirklich was gespürt habe. Auch in der Schule sind damals alle auf ihre Charts-Partys gegangen, ich war aber immer eher nischig unterwegs. Also nicht nur New Wave, auch viel Talking Heads, The Cure, The Smiths, Joy Division, die ganzen Klassiker. Ich hab daraus total viel gezogen. Aber auch von den neuen Bands in der Richtung, Black Marble zum Beispiel. Mittlerweile hör ich sowas aber weniger und jetzt auch viele poppigere Sachen, nicht nur ganz dunkle Sachen. Dua Lipa und HAIM zum Beispiel. Ich find das so geil produziert, da achte ich viel drauf. Aber ich höre immer noch gar keine deutschsprachige Musik.

    Dascha: Echt? Das hätte ich nicht gedacht.

    Brenda Blitz: Das Moped, mit denen ich auf Tour war, die sind mal wieder eine coole deutschsprachige Band. Und Drangsal mag ich auch. Aber ansonsten wirklich gar nichts. Inzwischen bin ich aber viel offener geworden, was das angeht. Ich interessiere mich jetzt auch für Musik in den Charts, das hätte ich früher niemals gedacht. Es ist einfach spannend sich mit Popkultur zu beschäftigen.

    Dascha: Cool, wie sich das ändert. Deine Musik klingt ja auch eher uplifting als dunkel. Ich bedanke mich für deine Zeit und deine Antworten!

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    Foto Credit: Frederike Wetzels
  • Exklusive Videopremiere: Traumatin und „Nur zu weit“

    Exklusive Videopremiere: Traumatin und „Nur zu weit“

    Hallo Alle, die genau wie wir der Neuen Neuen Deutschen Welle verfallen sind. Zu unseren Gunsten tauchen immer mehr Künstler:innen in dieser Bubble auf und beglücken uns mit Melancholie, übermäßigem Reverb und den schönsten Synths überhaupt. Dass wir bei untoldency große Fans von dem Ganzen sind, ist ja spätestens, seit dem wir dem Genre eine eigene Playlist (hier) gewidmet haben, nicht mehr zu leugnen.

    In genau dieser Blase finden wir auch Traumatin, welcher nun seit einigen Monaten mein persönlicher Geheimtipp ist, wieder. Vor knapp einem Jahr hat er mit Genug und Ich verdien dich nicht seine ersten Singles auf Spotify veröffentlicht. Zweitere ist mit über 20.000 Streams übrigens auch die bisher meistgehörte. If u ask me, Tendenz ganz safe steigend. 

    Da alle guten Dinge drei sind, kann ich meinen Favoriten auf keinen Fall unerwähnt lassen. Dieser trägt den Namen schließ bitte ab wenn ich geh und ist mindestens genauso vollgepackt mit Gefühlen, Melancholie und einer eindeutig herauszuhörenden großen Menge Schmerz.

    Alle besseren Dinge sind vier

    Kommen wir aber mal zum Anlass dieses Artikels. Das sehnsüchtige Warten auf weitere Lieder hat nämlich ein Ende! Passend zum Herbst gibt es jetzt einen weiteren Song, zu welchem man perfekt Nachts, alleine in der Kälte, im Regen stehend auf den Bus warten kann. Mit Nur zu weit veröffentlicht Traumatin (welcher übrigens nicht Martin heißt, just FYI) seinen vierten Track. Und -aufgepasst- auch sein erstes Musikvideo. Jenes dürfen wir euch hier heute präsentieren!

    Dunkle Nacht, helle Lichter, schnelle Cuts und Zigaretten
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    Im Video von Nur zu weit zieht die Protagonistin ohne erkennbares Ziel durch die Berliner Nacht. Dabei kommen vor allem die Lichter der dunklen Stadt besonders zur Geltung. Passend zum 80’s Wave Sound wird das Video natürlich in analoger Optik gehalten. Es wird von vielen dramatischen Cuts, Effekten und vereinzelten in Handschrift animierten Textzeilen geschmückt und unterstreicht damit bestens sowohl den Klang als auch die Lyrik.

    Erst wenn die Flut mich dann verschluckt
    Merkst du, dass ich gar nicht schwimmen kann

    Damit hab ich meiner Begeisterung genug Raum gegeben, hört und schaut euch Nur zu weit von Traumatin am allerbesten selbst an. I promise, ich hab nicht zu viel versprochen. Und da ich weiß, dass man nachdem man das Video gesehen hat, man nicht mehr genug bekommt, kannst du hier gleich auch die anderen Songs hören.

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  • Schnittstellen und Selbstfindung: Sun’s Sons und ihre „Clean Slate“ EP

    Schnittstellen und Selbstfindung: Sun’s Sons und ihre „Clean Slate“ EP

    Der Bandname ist gerade nicht nur passend zum Juli-Wetter, sondern auch zu der Wärme ihrer Songs. Zwischen sommerlichen Indie-Pop Sounds, ruhiger Melancholie und politisch-gesellschaftlichen Einflüssen finden sich Sun’s Sons. Am vergangenen Freitag veröffentlichte die Frankfurter Band ihre zweite EP mit dem Titel Clean Slate. Im Vergleich zu ihrer Debüt-EP wird eine Entwicklung und vor allem Verfestigung des Stils deutlich, den die junge Band für sich gefunden hat. Die intimen Texte und die sanfte Stimme von Sänger Lasse kreieren eine wärmende, liebevolle Atmosphäre, während auch Songs mit rhythmischen Tanz- und Mitsingparts, sowie Streichinstrumente die EP ausmachen.

    Nachdem ich die Band auch live spielen gesehen habe, wurde deutlich wie viel Energie, Potential und Liebe hinter dem ganzen Projekt steckt. Der eingängige Titeltrack der EP wird definitiv zu meinen Sommer-Soundtracks des Jahres gehören und ich bin gespannt, was uns Sun’s Sons in Zukunft noch von sich zeigen werden. Ich bin mir sicher: Das ist gerade erst der Anfang.

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    Wer also eine neue Lieblings-Indie-Band zum Supporten sucht, ist hier bestens aufgehoben. Checkt auch ihren sympathischen Instagram Account aus, um nichts zu verpassen: https://www.instagram.com/sunssonsmusic/?hl=de

    Um den frischen Release zu verarbeiten, erzählte die Band im Folgenden selbst von ihrer EP:

    Sun’s Sons über „Clean Slate“

    „Unsere neue EP ist so etwas wie der Soundtrack zu unserem derzeitigen Lebensgefühl. Das war schon bei unserer Debüt-EP „You & My Mind“ so, nur dass es damals um Themen wie Verlust und Hoffnung ging. Diesmal machen wir mit unserer Musik einen sauberen Schnitt, einen „Clean Slate“, wie auch der Titel der EP lautet. Die Vergangenheit liegt hinter uns, jetzt geht es um Veränderung und Aufbruch, um einen Neustart in Richtung Zukunft. Das betrifft übrigens ganz private Erlebnisse und Erfahrungen genauso wie Politisch-Programmatisches. 

    Wer uns kennt, weiß natürlich, dass das Um- und Irrwege und die eine oder andere Sackgasse mit einschließt. Die gerade Linie zum Ziel beherrschen wir noch nicht so richtig. Aber das macht unsere Musik vielleicht auch gerade so spannend. 

    Hinzu kommt – auch das ist ein Neustart –, dass die EP diesmal eine echte Teamarbeit war. Alle vorherigen Veröffentlichungen gingen nämlich aus der Zusammenarbeit unseres Sängers Lasse Kuhl mit dem ehemaligen Bassisten der Band hervor. Seit letztem Jahr bestehen die sun’s sons jedoch aus fünf Vollblutmusikern, die sich alle in die Entwicklung der Songs eingebracht haben. Das war nicht ganz einfach, wie man sich vorstellen kann, auch dieser Weg war steinig und holprig. Aber die Arbeit hat sich gelohnt, wie wir finden. Oder anders gesagt: Viele Köche haben hier keinen Brei verdorben, sondern gemeinsam ein wunderbares, mehrgängiges Menü gezaubert! 

    Was Vor- und Hauptspeise und was Zwischengang und Dessert ist, muss jeder und jede für sich selbst entscheiden. Wir finden nur, dass uns der Spagat zwischen tanzbaren Indie-Pop Songs und intimen Balladen diesmal tatsächlich ganz gut gelungen ist. Mal werden Funk-Rhythmen mit orchestralen Streichinstrumenten gemischt, ein anderes Mal wechseln sich rockige Gitarrensounds und mit Inbrunst herausgeschriene Gefühle ab mit ruhigeren, nachdenklichen Momenten – inklusive der stets melancholischen Texten, die es natürlich auch wieder auf der neuen EP gibt. Etwas Kontinuität muss es schließlich auch bei einem Neuanfang geben…“ 

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    Foto Credit: @/chayapqformel auf Instagram
  • Aze im Interview: »Wir akzeptieren die Schattenseiten mit offenen Armen«

    Aze im Interview: »Wir akzeptieren die Schattenseiten mit offenen Armen«

    Aze? Den Namen hab ich doch schon mal irgendwo gehört, oder?“ Vielleicht habt ihr euch den Namen des österreichischen Pop-Duos seit unserer Review von ihrer Doppel-Single „Sweet Talk / Sidewalk“ bereits hinter die Ohren geschrieben. Wenn nicht, dann bekommt ihr hier eure nächste Chance. Selbst beschreiben die zwei ihre Musik als „sad, sexy Pop“ und dieser überzeugt auf voller Länge.

    Die zwei Aufsteiger haben im Interview mit Evelin über ihr frisch erschienenes Debütalbum „Hotline Aze“, mentale Gesundheit und die Bedeutung ihrer engen Freundschaft gesprochen. Und was Justin Bieber mit der ganzen Sache zu tun hat, erfahrt ihr am Ende.



    Aze im Interview

    Evelin: Erstmal ein herzliches Hallo, Beyza und Ezgi! Wie geht es euch? Wie ist die Stimmung so kurz vor dem Release eures Debüt-Albums “Hotline Aze”?

    Beyza: Hiiii! Ich muss sagen, ich bin seit ein paar Tagen schon sehr aufgeregt, weil das Datum immer näher kommt. Es fühlt sich teilweise noch so surreal an, dass das jetzt wirklich passiert. Es war mir zu langsam und zu schnell zugleich haha. Aber ich würde sagen, meine Stimmung ist, trotz Nervosität, dennoch sehr positiv gestimmt – I’m simply excited for everything that is still to come!

    Ezgi: Hellooo!! Same here! Ich weiß echt nicht, was ich gerade fühlen soll. Meine Moods gehen von super exited bis super anxious und schwanken die ganze Zeit hin und her. Ich hab zwar kein Kind, aber ich schätz‘ mal, dass es sich so anfühlen muss als Elternteil, wenn ein Kind vom Elternhaus wegzieht hahah.

    Evelin: Den Vergleich mit dem Kind find‘ ich super, haha. Wie würdet ihr eure Musik denn, jemandem, der/die zum ersten Mal davor ist, eure Musik zu hören, beschreiben?

    Aze: Am liebsten würden wir sie gar nicht beschreiben wollen und uns wünschen, dass sich die Person einfach mal drauf einlässt und selbst fühlt. Uns würde es interessieren welche Gesichtsausdrücke das erste Mal Aze hören bei den Leuten auslöst. Aber wir beschreiben unsere Musik selbst immer als sad & sexy und wir finden, das trifft’s schon sehr gut.


    Hotline Aze, how can I help you?
    Aze Hotline Aze untoldency indie pop music magazine Amelie Strobl

    Evelin: Das Album dreht sich ja um das Konzept einer Art Mental Health Hotline, deswegen auch der Name. Auch durch das Album hinweg werden Sprachmemos und Telefongespräche als Stilmittel verwendet. Wie fiel die Entscheidung auf genau dieses Konzept?

    Beyza: Wir sind ins Studio gegangen, um einfach mal draufloszuschreiben und ohne viel nachzudenken, damit wir mal ein Gefühl kriegen, was überhaupt alles möglich ist. Die Idee mit den Sprachmemos war anfangs nicht ausgedacht, sondern hat sich ergeben. Ich habe ein paar Tage vor dem Studio, eine Sprachmemo mit einem Guitar Riff und einer Chorus-Idee an Ezgi geschickt, was dann zu „Sweet Talk“ geworden ist. Das war der erste Song, den wir geschrieben haben. Irgendwann sind wir auch musikalisch in diese Richtung abgeschweift und im richtigen Moment kam noch eine Sprachmemo von Ezgi’s Schwester, die perfekt auf ein Instrumental gepasst hat. Die Konzeptidee an sich hat dann eigentlich als Joke begonnen. Aber da wir eben genug Instrumentals hatten, die nach einer Warteschlange geklungen haben, haben wir diesen Joke einfach weitergeführt and here we are.

    Evelin: Wo kommt diese Affinität für die 90’s her?

    Aze (B&E): Wir wollen uns jetzt nicht so vehement auf bestimmte Jahre eingrenzen, aber wir feiern einfach die künstlerische Leichtigkeit, die die meisten Artists in den 90ern und 2000er hatten. Wir sind immer schon Riesenfans von Hip-Hop und R’n’B gewesen, und für uns ist diese Zeit sehr von diesen Genres geprägt. Nicht nur was Musik angeht, sondern auch mehr Lifestyle, Fashion, usw. Für uns sind die 90er eine perfekte Mischung aus Kitsch und Gangster and we love it. 

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    Wir wollen nicht mehr in unserer Trauer versinken

    Evelin: Gab es spezielle Momente während des Entstehungsprozesses von “Hotline Aze”, die euch in Erinnerung geblieben sind?

    Aze (B&E): Wir haben das Album in einer Woche geschrieben und für uns war der ganze Entstehungsprozess sehr besonders, da wir anfangs schon nervös waren, ob jetzt überhaupt was Gutes dabei rauskommt, aber wir dann einen Song nach dem anderen geschrieben haben, weil es so gut geflowed hat. Wir tun uns schwer einzelne spezielle Momente zu wählen, weil für uns das Ganze mit all dem Drum und Dran einfach sehr schön war. Für uns steckt im Album nicht nur Musik, die wir selbst gerne hören, sondern auch random Gespräche, die wir geführt haben oder die Chipspackung, die wir dabei gesnacked haben. Wir sagen immer, dass es sich für uns ein bisschen so anfühlt wie ein Kind auf die Welt zu setzen und dann mit 18 loslassen zu müssen. Die Freude und Aufregung in unseren Gesichtern nach jeder nicen Hook oder jedem Riff werden wir auf jeden Fall immer in Erinnerung behalten. 

    Evelin: Im Album geht es ja viel um den eigenen Struggle, toxische Verhaltensweisen, Weltschmerz etc. In welchem Mindset ist das Album entstanden?

    Aze (B&E): Das Album ist eigentlich in einem sehr lockeren und lighthearted Mindset entstanden. Es repräsentiert auch sehr gut, wo wir persönlich grade stehen. Wir wollen nicht mehr in unserer Trauer versinken und dem ganzen so viel Macht geben, sondern haben über die Jahre hinweg gelernt, dass ein lockerer Umgang mit bedrückenden Themen und ein bisschen Distanz und Humor, um das Ganze auch mal von außen betrachten zu können, sehr guttun kann. Die EP war für uns sehr intense, da es uns persönlich auch so ging. Wir haben uns weiterentwickelt und sind gewachsen, und so auch unsere Musik. Inzwischen akzeptieren wir die Schattenseiten mit offenen Armen aber wissen auch, dass sie uns nicht ausmachen.


    Eine wichtige Lektion über mentale Gesundheit
    Aze Hotline Aze untoldency indie pop music magazine Amelie Strobl

    Evelin: Ihr thematisiert den Umgang mit den eigenen mentalen Problemen ja auch teilweise ironisch. Man nehme allein schon das Konzept des Hilfetelefons, was ja eigentlich gar keins ist, sondern fast das Gegenteil. Ich finde das manchmal auch problematisch, wenn man anfängt Traurigkeit und Depression zu romantisieren. Wie sieht euer Umgang mit mentaler Gesundheit aus?

    Aze (B&E): Es ist auch irgendwo problematisch, Traurigkeit und Depressionen zu romantisieren, aber wir denken, wenn man sich so in diesen Gedanken und Gefühlen gefangen fühlt, kann es schwer sein, das zu erkennen. Mentale Gesundheit ist zwar etwas, das viele Menschen betrifft, aber dennoch sehr individuell und subjektiv. Es ist ein sehr wichtiges Thema, auf das oftmals nicht so viel Wert gelegt wird und eines, das sehr entfremdet dargestellt wird. Uns persönlich hilft Humor und Ironie, das Thema an uns ranlassen zu können, ohne dass es erdrückt. An seiner mentalen Gesundheit zu arbeiten, braucht viel Kraft und Zeit, wobei wir denken, dass man nie auslernt.

    Wir denken, es ist wichtig, es nicht als eine Aufgabe zu sehen, die einen gerade belastet und hoffentlich bald wieder vorbei ist, sondern als Gefühle und Gedanken, die, aus verschiedenen und validen Gründen, einen zurzeit begleiten und dass das okay ist. Es gibt keinen Leitfaden, wann welche Gefühle verschwinden und wann neue kommen müssen. Manchmal tut es gut es einfach mal so stehenzulassen wie es ist und es versuchen nicht zu zerdenken. Es gelingt uns natürlich auch nicht immer, aber dann erinnern wir uns, dass sowieso alles so kommt wie es kommt. Jede/r muss für sich seine Wege finden und das auch in seiner eigenen Zeit, ohne Druck und Erwartungen von anderen oder von sich selbst.

    Evelin: Richtig schöne Worte! Würdet ihr sagen, dass das Album ein optimistisches oder eher verbittertes ist?

    Aze: Es ist ein sehr lighthearded Pop Abum geworden. Ein bisschen Melancholie ist immer dabei bei uns, aber der Umgang ist auf jeden Fall optimistischer und lockerer geworden.


    „Ohne großes literarisches Ramtam

    Evelin: Gibt es einen Song, der euch am meisten Spaß gemacht hat? Ob während des Schreibens, der Produktion oder einfach beim Hören.

    Beyza: Ich hab in jedem Song so meine favourite parts und meine Lieblingssongs vom Album ändern sich auch immer wieder mal, aber „Sad Sensations“ bleibt immer in der Liste. Ich finde, mit dem Song haben wir mal ein bisschen was anderes probiert und er gibt mir so ein richtiges old school – Band Feeling. „Showbiz, Baby!“ hat beim Schreiben sehr Spaß gemacht und macht mir beim Performen auch immer gute Laune. Und „Sweet Talk“ wird natürlich auch immer einen special place in meinem Herzen haben, weil damit alles angefangen hat. 

    Ezgi: Natürlich gibt’s in jedem Song favorite Parts und für mich als die, die den Text schreibt, verschiedene Sparten des “sich ausleben”. „My own Business“ hat mir gezeigt, dass nicht jeder Song gesungen sein muss, um “belebt” zu werden. „Waterfalls“ auf der anderen Seite, hat mich beim Aufnehmen im Studio so viel Kraft gekostet und am Ende bewiesen, dass der erste Take manchmal einfach der Beste ist. „Silk“ hat mir die Mut gegeben, meine Texte so zu formulieren, wie ich mir’s denk – ohne großes literarisches Ramtam. „Showbiz“ hat mir erlaubt meine RnB-Vocalist Fantasien auszuleben, mit Slow Fade am Ende und alles und „Talk Away“ berührt mich jedes Mal, wenn ich’s hör‘. Helins und Jakobs Stimme auf dem Track sind für mich die Manifestation der Liebe und Geborgenheit. Production-technisch hat mir das Pannen am meisten Spaß gemacht – I love a good stereo experience hahah.


    Vor dem Album mussten wir immer in getrennten Räumen Musik schreiben

    Evelin: Wie hat eure Freundschaft euren Musikschaffungsprozess beeinflusst?

    Beyza: Die Innigkeit und Verbundenheit spürt man denke ich in der Musik auch. Wir harmonieren und verstehen uns, ohne viel sagen zu müssen. Vor dem Album mussten wir immer in getrennten Räumen Musik schreiben. Inzwischen haben wir gelernt, dass es auch zusammen gut funktioniert, haha.

    Ezgi: Ich bin sehr froh, dass wir zwei miteinander in einer Band sind und nicht in getrennten – auch wenn man gerade viel arbeitet und nicht großartig viele Leute außerhalb der Band treffen kann, trifft man so halt automatisch die beste Freundin, hahah. Außerdem ist es auch sehr angenehm, gemeinsam wachsen zu dürfen. Ich bin sehr dankbar für die Situation in der wir uns befinden.


    Die Geschichte beginnt und endet hier mit Justin Bieber

    Evelin: Am Ende jedes Interviews fragen wir nach einer untold story. Das kann was sein, was während des Entstehungsprozesses des Albums passiert ist, ein random fact oder alles andere, was ihr noch nicht mit der Welt geteilt habt 😊

    Aze: Most random Aze Fact ever ist, dass der Grund, warum wir überhaupt so gut befreundet sind – glauben wir jetzt retrospektiv – Justin Bieber ist. Wir waren halt wie ca. alle round 2009 hardcore Beliebers. Die meisten Songs aus seinen ersten zwei Alben trauen wir uns zu wetten heute noch plus minus zu beherrschen. Unsere Eltern haben uns damals extra vom Land zum Konzert nach Wien gefahren, wo wir ca. 6 Stunden vor Beginn schon da waren, um realistisch einen okayen Platz zu bekommen. Und wir versprechen, wir waren davon überzeugt das nächste “One less lonely girl” würde eine von uns sein hahaha.

    Evelin: Wie geil ist bitte diese Story?! Lieb’s! Danke für eure Zeit, hat mich total gefreut 😊


    Das neue Album „Hotline Aze“ von Aze möchte ich euch hiermit nochmal ganz stark ans Herz legen. Das Konzept stimmt, der Sound stimmt und man merkt wie viel Arbeit hier reingesteckt wurde. Obendrein sind die zwei auch bezaubernd. Hört definitiv unten mal rein und wählt euch selbst in die Hotline ein (so gute Musik habt ihr noch in keiner Warteschleife gehört, da bin ich mir sicher)!

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    Fotocredits: Amelie Strobl

  • Aze und die Ironie des eigenen Verhaltens in “Sweet Talk / Sidewalk”

    Aze und die Ironie des eigenen Verhaltens in “Sweet Talk / Sidewalk”

    Und schon wieder ein Stern am österreichischen Musikhimmel: Aze. Ich weiß ja nicht, was unsere Nachbarn gerade am Laufen haben, aber ein Juwel nach dem anderen wird hier poliert. Und immer mit dabei, ist dieser internationale Touch, auf den man in Deutschland meiner Meinung nach deutlich seltener stößt.

    Das beweist auch das Indie-Pop-Duo Aze. Bestehend aus den Freundinnen Ezgi und Beyza machen die zwei zusammen mit ihrem Produzenten Jakob Herber selbst bezeichneten “sad sexy Pop”, mit einer Schippe Selbsthumor, besonders wenn es um Mental Health geht.

    Vor zwei Wochen hat die Band die Doppelsingle “Sweet Talk / Sidewalk” veröffentlicht, die mich richtig verzaubert hat. On top gibt es noch ein skurriles Musikvideo mit ordentlich Retro-Feeling. Aber erstmal zum Musikalischen: 


    Toxischer Sweet Talk
    Aze Sweet Talk Sidewalk untoldency indie pop music magazine Amelie Strobl

    Dem Titel des Songs nach, würde man vielleicht erwarten, dass es um die Verträumtheit des Verliebtseins geht. Und das tut es auch, aber von einem etwas anderen Blickwinkel aus, und zwar aus dem toxischen. Beyza beschreibt die Unzufriedenheit ihrer aktuellen Beziehung. Es findet nur “Sweet Talk” statt, nichts Substanzielles oder Echtes, nur leeres Gelaber und Manipulation. Trotz dieses Bewusstseins für die Situation, “Sweet Talked” sie sich aber selbst in die Toxizität und akzeptiert zynisch, dass das Ganze zwar nicht okay ist und es nicht schlau wäre zu bleiben, aber etwas dagegen unternommen wird nicht. Da winkt die Selbstmanipulation fröhlich zur Begrüßung.

    Diese Selbst-Intrige wird musikalisch in einen sommerlichen, warmen Sound verpackt. Dieser funktioniert einerseits als Kontrast zu dem Thema, aber gleichzeitig passt er wie Faust aufs Auge dazu, wie Beyza sich selbst bewusst täuscht. Ich liebe es ja, wenn eigentlich sehr schwere, existenzielle Themen in leichte, sorgenfreie Sounds verpackt werden. Und das schaffen Aze mit der sanften Stimme und dem schwerelosen Sound, der automatisch zum leichten Mitgrooven einlädt. Azes Sound lässt mich dahinschmelzen, und zwar buchstäblich. Ich fühle mich als würde ich irgendwo am Strand in der Sonne brutzeln, mit dem Song in meinen Ohren und der Ignoranz meiner eigenen Probleme im Kopf.


    Auf dem Sidewalk der Realität
    Aze Sweet Talk Sidewalk Hotline Aze untoldency indie pop music magazine Amelie Strobl

    “Sweet Talk” endet auf den ersten Hörer sehr abrupt, geht dann aber mühelos sofort in das deutlich darkere “Sidewalk” über. Und so erzeugen Aze eine Symbiose mit den beiden Songs. Das Ende von “Sweet Talk” ist die Batterie, die leer geht, nachdem man sich selbst was vorgespielt hat. Mit “Sidewalk” setzt die schwermütige Realität ein, dass die eigene Täuschung nirgends hinführt. Wo der vorangegangene Sound unbekümmert und naiv klang, ist der Ton jetzt deutlich trauriger, was sich durch die gedämpfte Melodie und die verzerrten Stimmen deutlich macht. Zum Ende hin setzt dann nochmal “Sweet Talk” ein, zusammen mit einer Sprachnachricht feat. sympathischen Wiener-Akzent.


    Wie mentale Gesundheit und Sitcoms zusammengehen

    Der Kontrast zwischen den beiden Songs wird so auch im Video zur Doppelsingle visualisiert. Während “Sweet Talk” full-on Sommervibes gibt, ist das Video zu “Sidewalk” – genauso wie der Song selbst – völlig gegensätzlich.

    Queue: cringey Intro à la 90’s Sitcom, bei der jeden Moment ein austauschbarer weißer Dude einen völlig unpassenden Witz über Frauen im Haushalt macht. Das brauchen wir zum Glück nicht im Musikvideo zu erwarten. Dennoch schaffen Aze aus dieser cringigen Ästhetik ein sympathisches, retroesques Video, bei dem man sich nicht zu ernst nimmt. Das wird schon allein mit dem absichtlich gewählten Greenscreen-Hintergrund klar.

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    Man sieht die zwei und ihren Produzenten auf einem Roadtrip durch eine wüstenähnliche Landschaft fahren und schon da läuft alles schief, was schieflaufen kann: Das Auto gibt auf. Natürlich, wie sollte es auch anders sein. Denn das Auto steht als Metapher für die zum Scheitern verurteilte Beziehung bzw. den verklärten Umgang von Beyza mit ihrer Situation. Die drei steuern notgedrungen eine Tankstelle an, in der Hoffnung das Auto reparieren zu können und hier kommt mein Lieblingspart. Man bekommt einen Austausch zwischen Tankstelleninhaberin und Beyza mit, den ich hier einfach mal für sich stehen lassen möchte.


    “My life is falling apart…”

    “So is mine.”

    “Our car is broken. Can you help us fix it?”

    “No fixing what is already broken. No one can help you“


    Beyza verlässt den Laden und fragt, was sie jetzt tun sollen. Jakob sagt: “Move on?” Und alle zucken mit ihren Schultern und Beyza geht von dannen.

    Plötzlich klingelt Beyzas Handy und wer ruft an: Bae. Nach einer wenig hilfreichen Diskussion mit Ezgi und Jakob als Engel und Teufel, gibt sie nach und hebt ab. So beginnt “Sidewalk”. Der zweite Part des Videos teleportiert uns ins Stadtleben inklusive wackeligen, Stress verursachenden Einstellungen. Ein Gefühl von Chaos und Trunkenheit äußert sich, was wiederum die vorher aufgesetzte rosarote Brille zur Realität werden lässt.

    Die Idee zu den zwei Singles entstand über eine Sprachmemo zwischen den beiden, die durch die Tracks hindurch gesampelt wird. Auch das am 24.06. erscheinende Debütalbum “Hotline Aze” spielt mit Telefonaten und der Idee einer Mental-Health Hotline, duh. Zum Release könnt ihr euch übrigens über ein Interview mit dem Duo freuen, also Ohren offen halten. Bis dahin, hört auf jeden Fall in die aktuelle Single rein und überzeugt euch von dem cuten Musikvideo.

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    Fotocredits: Amelie Strobl

  • Borninmay im Interview: »Der Sound soll die verschleierte Wahrnehmung an die Vergangenheit beschreiben.«

    Borninmay im Interview: »Der Sound soll die verschleierte Wahrnehmung an die Vergangenheit beschreiben.«

    Würde man den Blog nach dem Wort „Nostalgie“ durchsuchen, würde man sicher so einige Treffer landen. Aber wie schön ist das? Dass Musik so starke Gefühle in uns erweckt, dass wir sie mit ganz persönlichen Ereignissen assoziieren? Situationen und Menschen, die uns derart geprägt haben, dass nur ein paar Gitarrenklänge, nur ein paar tiefsinnige Zeilen ausreichen. Und sofort werden wir zurück zu diesen Momenten katapultiert.

    Heute stellen wir euch jemanden vor, der genau das perfektioniert hat. Borninmay, neu auf dem Radar, aber schon ganz groß darin diesen träumerischen Schleier in seine Musik zu legen. Ich habe mit dem Newcomer über seinen musikalischen Werdegang, seinen charakteristischen Sound sowie seine persönlichen Geheimtipps gesprochen.


    Borninmay im Interview

    Evelin: Erstmal ein herzliches Hallo! Schön, dass es geklappt hat. Wie geht es dir, wie war dein Tag bis jetzt?

    Borninmay: Danke für die Einladung! Mir geht’s super, mein Tag war bisher entspannt und ich freue mich dieses Interview mit dir führen zu können.

    Evelin: Nach meinem Empfinden bist du mit einer der aufregendsten Newcomer*innen. Denen, die dich noch nicht auf dem Radar haben, würdest du dich und deine Musik kurz vorstellen?

    Borninmay: Ich bin Borninmay, 23 Jahre alt, komme aus einem kleinen verschlafenen Städtchen in Rheinland-Pfalz und produziere von meinem Zimmer aus Indie/Bedroom Musik. Neben meinen eigenen Songs beteilige ich mich auch an Produktionen für Künstler*innen aus verschiedenen Genres.

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    „Ab einem bestimmten Punkt wusste ich dann was ich machen wollte“

    Evelin: Unter anderem hast du bereits einiges für andere Künstler*innen produziert. Wie und wann kam die Entscheidung selbst zu releasen? Was war dein musikalischer Weg bis du bei deinem aktuellen Solo-Projekt gelandet bist?

    Borninmay: Bis zu meinem jetzigen Solo-Projekt bin ich einige große Umwege gefahren und habe sehr lange nach einer Möglichkeit gesucht, mich musikalisch auf eine Art und Weise auszudrücken, die mich zufriedenstellen würde, weshalb ich mich in vielen Musikrichtungen ausgetobt habe. Die Entscheidung eigene Musik unter Borninmay zu veröffentlichen kam mir Anfang 2021. Zu diesem Zeitpunkt habe ich seit ca. eineinhalb Jahren eigene Beats und sehr experimentelle Musik à la Jai Paul und Ben Khan produziert und dachte, dass ich mich musikalisch endlich gefunden hätte. Dabei ist eine EP mit insgesamt 6 Songs entstanden, welche nun auf meiner Festplatte verweilt.

    Zum selben Zeitpunkt arbeitete ich zusammen mit Tom Blanc seit Anfang 2020 an Instrumentals für sein Solo-Projekt und mit jeder Skizze gingen die immer mehr in Richtung Indie/Alternative Rock, Post Punk etc. Ab einem bestimmten Punkt wusste ich dann was ich machen wollte. Es war für mich ein Back To The Roots Ding. Viele Monate experimentieren, um letztendlich dann doch bei der Musikrichtung zu landen, die man sein Leben lang gehört hat. Da ich durch meinen Dad bereits als Kind, mit dem Gitarre spielen angefangen habe und sehr vertraut mit dem Rock Genre bin, war es die logische Schlussfolgerung in diesem Bereich zu bleiben und auch eigene Musik in diesem Stil zu produzieren. Wie schon erwähnt, habe ich viel experimentiert und mich in einigen Genre ausprobiert, jedoch fühlte sich keins so vertraut an wie das in dem ich mich zurzeit musikalisch auslebe.


    Nostalgie und Verträumtheit

    Evelin: Welchen Vibe, welche Gefühle soll deine Musik Hörer*innen vermitteln? Was erhoffst du dir?

    Borninmay: Nostalgie und Verträumtheit sind so ziemlich die besten Begriffe, um den Vibe zu beschreiben, den ich versuche an meine Hörer*innen weiterzugeben. Ich erhoffe mir, dass sie sich in der Musik verlieren, aber auch gleichzeitig wiederfinden können. Wenn sich Hörer*innen mit meinen Songs identifizieren können oder bestimmte Ereignisse in ihrem Leben damit verbinden, ist das für mich das größte Lob.

    Zudem erhoffe ich mir, dass die Songs nicht als kurzlebige Produkte wahrgenommen werden. Ich versuche mich so gut es geht von den jetzigen Musikstandards zu distanzieren und meinen Songs die Zeit zu geben, die sie brauchen, um sich vollständig entfalten zu können. Das Ganze bei einer Laufzeit von 2 Minuten unter einen Hut zu bringen ist für mich eher schwierig und nicht immer möglich, zumal ich gerne Zwischenpassagen einbaue in denen z. B. nur Gitarren zu hören sind. Insbesondere die Instrumentals drücken den Großteil der Emotionen aus, die ich meinen Hörer*innen vermitteln möchte.

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    Ein endloser Lernprozess

    Evelin: Gibt es bestimmte Songs oder Künstler*innen, die grundlegend verändert haben, wie du Musik machst oder erlebst?

    Borninmay: Definitiv! Ich habe von sehr vielen Bands und Künstler*innen Einflüsse mitnehmen können, um diese letztendlich in meine eigene Musik einzubringen. Um ein Beispiel zu nennen: Das Album „Down Through“ von Gleemer ist für mich eine unfassbar große Inspiration sowie auch der Frontmann der Band Corey Coffmann, welcher die Songs produziert. Bei diesem Album fasziniert mich die Komplexität der Gitarren, sprich die Akkordfolgen, Harmonien und wie diese ineinander verschwimmen, aber trotzdem sehr transparent bleiben. Alles klingt sehr warm, träge und schwer im Low-End-Bereich – ganz großes Kino für die Ohren.

    Dank dieses Albums habe ich vieles dazu gelernt. Insbesondere wenn es darum geht, ein verträumtes Klangbild zu erschaffen, während man sich von der klassischen Arrangement-Abfolge eines Songs löst, um das Instrumental für die Emotionen sprechen zu lassen. Wenn Worte mal nicht ausreichen sollten. Bands und Künstler*innen, die mich in meiner Vorgehensweise beim Produzieren ebenfalls beeinflusst haben, sind CitizenWhirrDream CeremonyDelachuteMen I Trust uvm.

    Zu der Art und Weise wie ich Musik erlebe kann ich sagen, dass sie sich tatsächlich erst dann verändert hat, als ich angefangen habe selber zu produzieren. Ich mache mir viele Gedanken über das Arrangement, das Sounddesign, den Mix, die einzelnen Instrumente und wie diese miteinander harmonieren. Mein Kopf arbeitet im Vergleich zu vorher ununterbrochen, sobald ich einen Track starte. Klingt nicht unbedingt danach als würde ich Musik genießen (lacht). Aber das Sezieren des allgemeinen Klangbildes bis hin zu den kleinsten Details macht mir sehr viel Spaß und hilft mir enorm, wenn es darum geht zu verstehen, was sich die Künstler*innen bei der Komposition/Post-Produktion gedacht haben. All diese Techniken wende ich dann letztendlich auch auf meine eigenen Produktionen an. Für mich ist alleine nur das Hören von Songs ein endloser Lernprozess, den ich wirklich sehr genieße.

    Evelin: „Feels Like We Never Met“ handelt davon, dass man für eine Person, die einst mit das Wichtigste auf Erden war, zum Fremden wird, eben als wäre man sich nie übern Weg gelaufen. Worum genau geht es in deinem neuesten Song „Moving Away“?

    Borninmay: „Moving Away“ handelt von Flucht und dem vergeblichen Versuch Abstand zu gewinnen. In Bezug auf sich selbst, emotionale Bindungen und Orte. Der Song führt im Prinzip die Thematik von „Feels Like We Never Met“ fort, was zu Beginn nicht geplant war, mir aber schlussendlich als recht logisch erschien.

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    „Die Songs stellen Erinnerungen dar“

    Evelin: Deine Songs haben eine sehr nostalgische Art. Siehst du dieses träumerische Zurückblicken als toxische Eigenschaft oder hilft es dir dabei, Dinge, – besonders in deiner Musik – zu verarbeiten?

    Borninmay: Wenn es um meine Musik geht, funktioniere ich am besten, wenn ich von Emotionen geleitet werde und so ehrlich wie möglich bin. Dafür greife ich gerne auf Thematiken oder Erinnerungen zurück, bei denen mir bewusst ist, dass es wichtig wäre sich damit auseinanderzusetzen. Das gehört irgendwie zum Prozess, ich reflektiere und verarbeite das Ganze in einem Rutsch beim Komponieren und Schreiben. Zumal sind diese Rückblicke auch Teil des Konzepts. Die Songs stellen Erinnerungen dar, die durch nostalgische und verwaschene Elemente, Rückblicke Revue passieren lassen. Dieser Sound soll die verschleierte Wahrnehmung an die Vergangenheit beschreiben, die nach und nach gemeinsam mit gewissen Emotionen verblasst.

    Evelin: Ich vermute stark, dass es um dich herum immer lauter werden wird. Und dass wir noch einige aufregende Releases erwarten können (hoffe ich zumindest 😄). Was sind sonst noch deine persönlichen Ziele für dieses Jahr?

    Borninmay: Zu den wichtigsten Zielen gehört, dass ich von nun an regelmäßig Musik veröffentliche und viel rumkomme. Des Weiteren habe ich noch ein paar Sachen geplant, die ich dieses Jahr umsetzen möchte. Was es genau sein wird, möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Abseits von meiner eigenen Musik freue ich mich darauf, die Songs für Tom Blancs Solo-Projekt fertigzustellen. An denen arbeiten wir schon sehr lange. Außerdem möchte ich mich an weiteren Projekten beteiligen. Bisher steht noch nichts fest, aber ich bin gespannt was die Zeit bringen wird. Ich habe seit dem Release von „Feels Like We Never Met“ einige spannende deutschsprachige Künstler*innen kennengelernt, mit denen ich sehr gerne arbeiten würde. Am liebsten persönlich und vielleicht auch mal im Studio statt über Zoom.

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    Borninmay’s Newcomer*innen Tipps

    Evelin: Nach ausgiebigen Stalken deiner Spotify-Page 😄, hast du eine Vorliebe für Bedroom-Pop, New Wave und Post Punk. Das spiegelt sich ja auch in deiner eigenen Musik wider. Hast du ein paar Newcomer*innen Tipps oder Artists, die wir uns ganz besonders hinter die Ohren schreiben sollten?

    Borninmay: Sehr zu empfehlen wäre an erster Stelle mein kanadischer Freund Delachute. Er produziert extrem einzigartige Musik und befasst sich in seinen Songs mit Interviews, die er mit Mördern und den Angehörigen der Opfer geführt hat. Absoluter Geheimtipp! Seine meistgehörte Single „Caligula“ überzeugt von der ersten Sekunde an. Eine weitere Empfehlung wäre Chris Yonge, ebenfalls ein Musiker aus Kanada, den ich seitdem ich ca. 13 bin höre und für den ich letztes Jahr den Song „cool kids“ produzieren durfte.

    Weitere empfehlenswerte Bands/Artists und deren Alben/Songs wären:

    Nürnberg – Skryvaj
    Whirr – Ease
     & Younger Than You
    Dream Ceremony – Hearts On Fire
    bdrmm – Happy
    Tom Blanc – Wovor hast du Angst?
    dj ignorant – i don’t want to lose you


    Evelin: Am Ende jedes Interviews bitten wir immer um eine untold story. Das kann ein random Fakt über dich sein, eine kleine Anekdote, irgendwas Witziges, das im Studio passiert ist, usw. Kurz gesagt irgendwas, was du noch nicht mit der Welt geteilt hast, was du jetzt aber gerne wollen würdest. 😊

    Borninmay: 2020 fing ich an, aktiver Beats zu produzieren. Ich bin, ohne jegliche Studio-Erfahrungen in der Rolle als Produzent gesammelt zu haben, sehr oft in Sessions mit Artists geraten, die musikalisch das absolute Gegenteil von dem waren, was ich zu Beginn produzierte und privat hörte. Es ging meistens nur um Hip-Hop, Rap, RnB usw. Zu dieser Zeit war ich in einem Tonstudio als freiwilliger Audio-Engineer aktiv. Ich kannte mich lediglich mit Mixing und Mastering aus, was anscheinend dabei half, die Illusion aufrechtzuerhalten.

    Das Ganze sprach sich ein wenig rum und mit der Zeit produzierte ich dann immer mehr Songs für Artists, deren Genre mir von der Produktionsweise her völlig unbekannt waren. Auf jeden Fall informierte ich mich während den Sessions nebenbei über die jeweilige Musikrichtung, die produziert werden sollte. Und zu meinem Glück funktionierte es ziemlich gut. Die dabei entstandenen Songs waren echt solide. Ich höre sie mir heute noch an. Ich frage mich, wie ich das zu diesem Zeitpunkt auf die Kette kriegen konnte. War stressig, aber auch ziemlich lustig und trotz der musikalischen Differenzen hatte ich viel Spaß mit den Artists. Konnte eine ganze Menge aus der Zeit in diesem Studio lernen!

    Evelin: Danke dir für deine Zeit!

    Borninmay: Sehr gerne, danke auch für die Möglichkeit!

    So wie ich Borninmay im Interview sowie im generellen Austausch miteinander erlebt habe, merkt man, wie engagiert und passioniert er ist. Und das wird sich auszahlen, da bin ich mir sicher. So rund wie die ersten Songs schon klingen, kann alles, was noch kommt, nur genauso geil sein. Tut euch selbst einen Gefallen und hört in beide Songs rein! Bei einem Stream wird es da safe nicht bleiben 😉

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    Fotocredits: Philip Svigersøn
  • Annelu im Interview: »Mit den Songs habe ich meine eigenen Unsicherheiten verarbeitet«

    Annelu im Interview: »Mit den Songs habe ich meine eigenen Unsicherheiten verarbeitet«

    Ihr wisst ja, wir lieben unsere Newcomer:innen und möchten euch die versteckten Schätze der Musiklandschaft nicht vorenthalten. Heute möchten wir euch einen dieser Schätze vorstellen, einer der besonders am Glänzen ist. Nämlich Annelu! Annelus Musik zeichnet sich durch coming of age Themen aus, die uns alle tagtäglich beschäftigen. Über den Struggle erwachsen zu werden, in der ganzen Oberflächlichkeit etwas Mehrwert zu finden und gleichzeitig nicht an seinen eigenen Unsicherheiten zu zerbrechen. Das alles und noch viel mehr thematisiert die junge Künstlerin in ihrem neuen organischen Sound, der teilweise an The War On Drugs erinnert.

    Aus dem tiefsten Bayern stammend, lebt Annelu mittlerweile mitten in Köln in einem selbstgebauten Studio. In diesem hat sie unter anderem an ihrem Debüt-Album sth. to feel, das am 21.04.2022 über ihr eigenes Label hithome erscheint, gewerkelt. Ich habe mit der sympathischen Sängerin über ihre Musik, ihren persönlichen Zufluchtsort und über die Dinge gesprochen, die ihr am meisten am Herzen liegen.


    Annelu im Interview

    Evelin: Hey Annelu! Erstmal wie geht’s dir gerade? Wie fühlst du dich?

    Annelu: Hey liebe Evelin! Danke, dass ich hier sein darf zum Fragen beantworten. Heute fühl ich mich gut, war schon beim Sporteln und habe bisschen was erledigt bekommen, das tut immer ganz gut, finde ich. 

    Evelin: Für einige Leute bist du ja noch ein neuer Stern am Himmel. Für die, die deine Musik noch nicht zu hören bekommen haben, würdest du dich und deine Musik kurz vorstellen?

    Annelu: Ich bin Anne, 28 Jahre alt und lebe in Köln. Aufgewachsen bin ich in Bayern bei Garmisch. In Köln habe ich meine Band, unser Studio und unser Label und habe dort 2015 angefangen, als Annelu Musik zu machen. Ich würde meine Musik als Indie Pop beschreiben, find es aber immer super schwer die eigene Musik vorzustellen. Daher interessiert es mich immer brennend wie andere Hörer:innen meine Musik wahrnehmen … 🙂

    Evelin: Du arbeitest ja schon seit längerem an deinem Debüt-Album sth. to feel, worauf ich sehr gespannt bin. Wann genau kommt es raus und wie wichtig war es dir, dir Zeit bei dem Prozess zu lassen?

    Annelu Untoldency 2

    Annelu: Das Album wird am 20. April 2022 rauskommen. Tatsächlich war es mir super wichtig, dass das Album nicht unter Zeitdruck entsteht und der Prozess genau so viel Zeit bekommt, wie er eben braucht.

    Evelin: Kannst du uns verraten, worum es in dem Album gehen wird? Was sind die tragenden Themen der Songs?

    Annelu: Ich glaube ich habe mit den Songs viel meine eigenen Themen und Unsicherheiten verarbeitet, mit denen man beim Erwachsenwerden konfrontiert wird. Ich hab über Konflikte in Freundschaften und Beziehungen geschrieben, Zukunftsängste und Selbstzweifel ausgesungen, aber auch Sehnsüchten und
    Träumen Raum gegeben.


    “Momente, in denen die Unsicherheit Überhand nimmt”

    Evelin: Du hast ja bereits einige Singles veröffentlicht, unter anderem den Song kindapeaceofmind. Den find ich übrigens klasse! Du singst darin über Angst, Überforderung, die verzweifelte Suche nach etwas wie einem Zufluchtsort. Erklär‘ doch mal aus deiner Perspektive, um was es dir in dem Song ging und ob du diesen „Ort“ gefunden hast?

    Annelu: Freut mich sehr, dass dir der Song gefällt! 🙂 Der Song beschreibt eigentlich kompletten ‘Overload’. Momente, in denen die Unsicherheit Überhand nimmt und ich einfach nur überfordert bin und alles infrage stelle. Gleichzeitig gibts ‘nen kleinen Hoffnungsschimmer im Song. Denn ich schaffe es das zu erkennen, dass ich mich verloren und verirrt habe und das zu reflektieren. Daraus resultiert ein tiefer Wunsch nach Ruhe und innerem Frieden.

    Ob ich diesen „Ort“ schon gefunden habe, ist eine super Frage. Das ist schwierig, weil ich glaube, ich gar nicht 100 % sagen kann, wie dieser Ort aussieht oder was diesen Ort ausmacht. Aber ich weiß, dass es Momente gibt, da bin ich dort. Das sind vielleicht Momente, in denen ich mich unbeschwert fühle, diese Unsicherheit nicht alles schwieriger macht und ich einfach machen kann und das sich gut anfühlt. 


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    Evelin: Wenn man sich durch deine Diskografie hört, ist der Umschwung in Genres über die unterschiedlichen Releases deutlich zu erkennen. Besonders in kindapeaceofmind merkt man das. Der Song klingt kraftvoll, organisch, einfach richtig rund. Wie fühlst du dich mit deinem Sound momentan? Meinst du, du hast etwas für dich gefunden, was sich für dich gut anfühlt?

    Annelu: Ich mag den Sound sehr und fühl mich gut damit, ich glaube, dass das vor allem live richtig schön wird. Generell ist der Sound organischer und bandmäßiger geworden, damit bin ich super happy! 

    Evelin: Gibt es einen Song auf dem Album, der in der Produktion besonders Spaß gemacht hat oder auf den du besonders stolz bist?

    Annelu: kindapeaceofmind ist auf jeden Fall ein Favorit, aber auch die nächste Single blank&pale geht mir sehr nahe, weil ich mich darin mit einem sehr intimen Thema beschäftige: Bodyshaming.  In dem Song habe ich super viele Vocals übereinander gesungen und mag das Arrangement, das daraus entstanden ist, total gern. 


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    “Nicht easy im selben Space zu wohnen und zu arbeiten”

    Evelin: Ich habe gesehen, dass du nicht lange her ein eigenes Studio mit deinen Freund:innen gebaut hast, wo du zeitweise (oder immer noch?) gewohnt hast. Außerdem hast du das Label hithome mitgegründet. Das alles sprüht vor Zusammenhalt und Gemeinschaft. Wo siehst du den Mehrwert in dieser kollektiven Energie?

    Annelu: Dieses Kollektiv von nummerdrei, dem Studio und dem Label hithome sind meine engsten Menschen und wie eine zweite Familie. Wir wohnen da derzeit auch noch, das ist ein Traum, aber gleichzeitig manchmal auch gar nicht so easy im selben Space zu wohnen und zu arbeiten. Trotzdem ist das, was wir gemeinsam schaffen eine Sache auf die ich sehr stolz bin und dankbar, dass wir das so hinbekommen. 

    Evelin: Gibt es neben dem neuen Album noch irgendetwas, worauf du dich in naher Zukunft besonders freust?

    Annelu: In der jetzigen Ausgangssituation ist es schwer von ‘naher Zukunft’ zu sprechen, aber ich hab richtig Bock, mit dem neuen Album auf Tour zu gehen und die Songs live zu spielen. 

    Annelu Untoldency 3

    Evelin: Am Ende jedes Interviews bitten wir immer um eine untold story. Das kann ein random Fakt über dich sein, eine kleine Anekdote, irgendwas Witziges, das im Studio passiert ist, usw. Kurz gesagt irgendwas, was du noch nicht mit der Welt geteilt hast, was du jetzt aber gern wollen würdest. 😊

    Annelu: Es ist nicht wirklich eine untold story … aber ein Fakt, der mir gerade wieder bewusst wird und wofür ich sau dankbar bin. Nämlich, dass meine Band (es folgen unofficial Spitznamen) Kerem, Micko und Coco schon seit so langer Zeit am Start ist … eigentlich ging es 2014 los und auch mein Mgmt Dave alias Frau Holle 😀 Es ist echt nicht selbstverständlich, dass man so tolle Menschen so lange an seiner Seite hat die Zeit und Kraft investieren … i love you! <3

    Evelin: Danke für deine Zeit!

    Annelu: Liebsten Dank dir!

    Schreibt euch den Namen Annelu auf jeden Fall hinter die Ohren! Denn ich bin mir sicher, von der liebenswerten Newcomerin können wir noch einiges Eindrucksvolles erwarten. Wer die Zeit bis zum Debüt-Album nutzen will und sich der Welt von Annelu öffnen will, hört sich auf jeden Fall in die bereits veröffentlichten Singles kindapeaceofmind und blank&pale rein und setzt sich einen Reminder auf dem Handy für das am 21.04.22 erscheinende Debüt-Album sth. to feel.


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    Fotocredits: David Schweikart

  • FORWARD im Interview: „Man soll durch die EP das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen“

    FORWARD im Interview: „Man soll durch die EP das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen“

    FORWARD ist bei uns auf untoldency kein unbekannter Name mehr. Im vergangenen Monat sind sie ihren großen Schritt als Band gegangen und veröffentlichten ihre Debüt-EP „Overthinking My Mind At Large„. Die acht Jungs aus Hannover thematisieren darin vorwiegend die Zeit zwischen dem Schulabschluss und dem Erwachsenwerden. Immer wieder sticht dabei eine Message heraus: Seinen Weg zu gehen und sein eigenes Ding durchzuziehen. FORWARD finden sich zwischen Zukunftsängsten und zielgerichteten Träumen wieder. Dabei lassen sie aber nicht den Kopf hängen, denn ihr Gleichgewicht scheinen sie gefunden zu haben. Reflektierte Gedanken kombinieren sie ganz locker mit funky Indie-Pop, mal sehr tanzbar, mal sehr ruhig. Es gibt noch eine leckere Kirsche auf der Torte, denn drei Bläser schmücken die Band als fester Bestandteil und heben ihren Sound somit ganz klar von anderen Bands der deutschen Indie-Szene ab. Im Sommer bewiesen sie das auch live, in dem sie die ausverkauften Crowds bei ihren Support Shows von JEREMIAS überzeugten.

    Die sechs Tracks haben alle einen ganz besonderen Flair und fühlen sich, so kitschig das auch klingen mag, irgendwie nach einer warmen Umarmung an. Wer FORWARD verpasst und keine Umarmung haben will, fine. Aber dem entgeht eine vielversprechende, detailverliebte Newcomer Band, die vor Begeisterung für ihr eigenes Werk sprüht. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht noch mehr dazu sagen, das habe ich schon in vorherigen Artikeln. Ich glaube, meine Position ist klar. Deshalb habe ich Tim, Arne und Ruben lieber selbst erzählen lassen.

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    FORWARD im Interview

    Dascha: Hey! Freut mich, dass das geklappt hat. Wie geht’s euch so kurz vor eurem Release?

    Ruben (FORWARD): Gut gut, aber langsam kommt die Nervosität.

    Tim (FORWARD): Jetzt realisiert man erst, dass man nichts mehr daran ändern kann, dass es veröffentlicht wird. Das ist ganz schön überwältigend, aber ich glaube, das ist auch normal. Wenn man zum Beispiel mit den JEREMIAS-Boys spricht, sagen die auch, dass es nicht abnimmt, weil ein Release immer wieder was besonderes ist.

    Dascha: Könnt ihr euch nochmal vorstellen, für alle, die euch noch nicht kennen?

    Ruben (FORWARD): Also wir sitzen stellvertretend für FORWARD hier. Eigentlich sind wir acht Leute, wir sind eine Band aus Hannover. Wir machen Indie-Pop, wobei es schwer ist, das so als Genre festzulegen, ich glaube aber jede Band hat dieses Problem. Wir machen seit zwei Jahren in dieser Konstellation Musik. Am Anfang war es so, dass echt nur Arne, Tim und Carl am Start waren. Dann kamen immer mehr Leute dazu.

    Tim (FORWARD): Ja genau, wir sind 3/8 der Band. Ich bin Tim, der Sänger, Ruben am Saxophon und Arne an der Gitarre.

    Dascha: Und wir habt ihr zusammengefunden?

    Tim (FORWARD): Also Arne und ich kennen uns schon ewig, seit der Krabbelgruppe und machen seit der Grundschule zusammen Musik. Auf der weiterführenden Schule ist dann unser Bassist dazu gekommen und wir haben erstmal Rock-Mucke gemacht, so ein bisschen AC/DC mäßig. Das hat sich dann über die Jahre immer weiter entwickelt. Seit zwei Jahren sind wir eben auch in dieser Besetzung mit den drei Bläsern und dementsprechend hat sich auch das Genre komplett gewechselt. Aber wir haben uns alle durch die Schule kennengelernt und die Musik als gemeinsamen Nenner gefunden. Nicht in irgendeiner Musikhochschule, sondern einfach auf dem Pausenhof.

    Dascha: Noch richtig real also!

    Alle: (lachen)

    Dascha: Wann habt ihr ganz bewusst angefangen an der EP zu arbeiten?

    Tim (FORWARD): Der erste bewusste Schritt, dass wir gesagt haben, wir nehmen jetzt eine EP auf, war eigentlich erst dann, als wir schon ein paar Songs hatten. Die EP ist eher so entstanden, dass wir uns als Band gefunden haben, unseren Sound gefunden haben, dann Songs geschrieben haben, die wir cool fanden und dann ist das so über diese zwei Jahre entstanden. Wir haben immer wieder neue Songs und Ideen mit eingebracht. Dann haben wir gemerkt, dass wir schon einige Songs haben und die sogar zusammen passen, sodass wir auch eine EP daraus machen können. Wir haben es also eigentlich erst im Prozess gecheckt.

    Dascha: Welchen Vibe oder welche Message soll die Hörer:innen der EP erreichen?

    Ruben (FORWARD): Das umfasst eigentlich so die ganze Zeit, in der die Songs entstanden sind. In der Zeit nach der Schule bis hier hin sind bei uns intensive Dinge passiert, zum Beispiel, dass man von zu Hause auszieht. Und man anfängt an sich damit auseinander zu setzen, was man machen will. Man merkt dabei auch, dass es Menschen gibt, die nicht so Fans davon sind, dass man das machen will und auch man selbst merkt, dass es gewisse Hürden gibt. Das sind Dinge, mit denen wir uns viel auseinander gesetzt haben und die einen wichtigen Teil der EP übernehmen. Aber das ist nicht nur negativ, weil wir dementsprechend auch versuchen, eine Antwort darauf zu finden. Da haben wir zum Beispiel On The Run, der eigentlich viel mehr Zuversicht ausspricht, dass man die Ziele doch irgendwie erreichen kann. Dass wenn man denkt, es geht nicht, es doch Wege gibt.

    Tim (FORWARD): Diese Suche nach sich selbst, was man eigentlich machen möchte und eben dieser Struggle, der von außen dazu kommt, was andere von einem erwarten. Wenn man die EP gehört hat, soll man das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen und sein eigenes Ding zu machen. Dazu zu stehen Fehler zu machen und das alles, was andere sagen, zweitrangig ist.

    Dascha: Sehr schön erklärt! Und wonach habt ihr die Reihenfolge der Tracks bestimmt? Hattet ihr einen roten Faden im Kopf oder hat es sich so einfach richtig angefühlt?

    Tim (FORWARD): Da steckt auf jeden Fall ein roter Faden dahinter und der ist an die Inhalte der Songs gebunden. Also es ist nicht so, dass die EP komplett konzipiert ist, wir haben ja schon erwähnt, dass die Songs peu a peu entstanden sind. Aber es steckt schon eine Chronologie dahinter. Die ersten Songs, Julia und Overdrive, haben so eine jugendliche Leichtigkeit und Aufbruchstimmung und dann kommen auf dem Weg Aspekte dazu, wo man merkt, dass es nicht immer so einfach ist. Man wird irgendwann losgelöst von diesem vorgelebten Schul- und Aufwachs-Kosmos, plötzlich kommen Probleme dazu, die es vorher nicht gab. Man hat mega Bock loszulegen, aber dann kommen eben Probleme, die vielleicht Zukunftsängste bergen und darum kümmern sich die Songs To Be Defined und Quarterlife Crisis. Diese Frage, ob man seine Träume verfolgt oder lieber doch etwas sicheres macht und alle im Umfeld happy damit sind. Und damit ist On The Run der Appell am Ende, der quasi beide Seiten zusammenbringt und aussagt, dass man sein Ding einfach durchziehen soll.

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    Dascha: Jetzt hast du es schon angedeutet, aber ich würde gerne nochmal auf To Be Defined zu sprechen kommen. das ist ja auch ein ganz neuer Song, der nicht schon vorher released war. Was genau bedeutet der Song für euch?

    Tim (FORWARD): To Be Defined ist auf zwei Seiten irgendwie ganz interessant. Einmal, weil es eben um diesen Konflikt geht, den ich eben schon angerissen habe. Bei mir war es oft so, dass ich in der Schule erwähnt habe, dass ich nach dem Abi am liebsten Mucke machen würde und ich oft schnippische Kommentare wie „Das ist doch nur brotlose Kunst“ bekommen habe. Und dann so „Aber was ist dann das Ernste, Richtige, was du noch machst?“ Und dann ist das so dieser fucked up Moment, wo du dir denkst „Ey, warum willst du das überhaupt wissen, du bist Bankkaufmann oder Bankkauffrau oder arbeitest seit 40 Jahren im selben Unternehmen“.

    Dann hat man halt den sicheren Weg gewählt, das will ich gar nicht judgen, aber dann hat man halt keine Ahnung, was das für mich bedeutet. Das ist so ein bisschen die Erkenntnis, die in dem Song rauskommt. Gleichzeitig war es auch ein Song, den Arne und ich in Berlin geschrieben haben, als wir das erste mal von zu Hause weggezogen sind. Arne hat ein bisschen Musik studiert in Berlin und ich hab ein Praktikum gemacht. Wir waren zusammen in einer Wohnung und hatten dieses Gefühl der Selbstständigkeit und eben diesen Berlin-Flair, das waren so viele Reize im Überfluss.

    Arne (FORWARD): Genau, der erinnert mich auch immer wieder an diese Zeit.

    Dascha: Ihr erzählt immer so in der Vergangenheit davon. Heißt das, ihr habt euch jetzt von diesen Meinungen von Außen losreißen können oder begegnet ihr dem immer noch?

    Ruben (FORWARD): Es ist schon etwas, womit man sich noch rumschlagen muss. Aber das Schöne ist, über die Zeit lernt man mehr Menschen kennen, die in dieser Musik-Szene sind und auch davon leben und merkt, dass es möglich ist. Und dass es nicht stimmt, wie einem oft gesagt wird, dass man extrem Glück haben muss oder man landet auf der Straße. Das zu sehen gibt einem total viel Zuversicht. Ich werde aber trotzdem häufig damit konfrontiert, dass es ja ein ganz nettes Hobby sei, aber was ich denn sonst so Richtiges mache. Aber ich bin mit mir im Reinen und ich weiß es gibt einen Weg. Man kann auch irgendwann viel besser gegen solche Leute argumentieren. Dann hat man auch mehr konkrete Argumente in der Hand und die Leute merken vielleicht „Okay, krass, da steckt ja viel mehr dahinter“. Aber ja, man wird mit sowas immer wieder konfrontiert und ich glaube das hört auch nicht auf, bis du mal bei Inas Nacht gespielt hast, oderso. (lacht)

    Tim (FORWARD): Ich würde das gar nicht so sehr nur auf das Musik machen beziehen, sondern das ist ja einfach omnipräsent für jeden Weg, den man geht. Es wäre auch unnatürlich, wenn man keinen Selbstzweifeln begegnen würde. Ich glaube dieser Konflikt ist am intensivsten in der Umbruchphase direkt nach dem Schulabschluss. Aber eigentlich besingt die EP ja die komplette Phase von Anfang 20 bis Mitte 30, sowas kann ja immer wieder kommen. Es ist ja auch schwierig zu sagen, dass man sein Ding gefunden hat und dann sein Leben lang dabei bleibt. Vielleicht sagt man 40 auch, dass man Bock hat sich komplett neu zu orientieren. Nicht, dass ich da schon drüber nachdenke, aber es wäre ja möglich.

    Ruben (FORWARD): Ich glaube das vergessen total viele Leute. Ich merke das immer, wenn ich ehemalige Mitschüler:innen treffe und höre, dass die ihr Studium mega schnell durch hustlen, um dann direkt zu arbeiten. Und ich denke mir immer so „Ja cool, jetzt seid ihr schon da, wo ihr hinwolltet, aber was passiert jetzt noch?“ Ich meine, ich hab so viele Leute kennengelernt, die mit 30 oder 40 angefangen haben, was neues zu studieren oder zu erlernen. Es ist halt nie zu spät, mit neuen Dingen anzufangen und ich finde das vergisst man viel zu oft. Dadurch machen sich so viele Leute Stress, aus einem Grund, der gar nicht wirklich existent ist.

    Dascha: Ich fühle mich gerade, als würde ich bei einer inspirierenden Lebensberatung sitzen.

    Tim (FORWARD): Du schaffst das, Dascha! Du musst nur auf dein herz hören! Wir werden jetzt Kalenderspruch-Band. (lacht)

    Dascha: Ihr seid ja von der Anzahl her eine vergleichsweise große Band. Wie läuft da das Songwriting ab? Wie kommt ihr untereinander klar?

    Arne (FORWARD): Manchmal ist es ein bisschen tricky, aber wir kommen klar. Ich würde sagen, dass Ruben und ich musikalisch die Hauptsongwriter sind. Wir kommen immer mit den neuen musikalischen Ideen an, wir sind jetzt auch zusammengezogen. Dann haben wir mehr Zeit uns da dranzusetzen und neue Ideen zu entwickeln. Dann basteln wir meistens eine kleine Demo zusammen, dann wird die an alle rausgeschickt und alle müssen sich die anhören. Danach bekommt jeder die Chance seinen Senf dazu zu geben. Manchmal ist das auch stressig, weil ja jeder eine andere Vorstellung von Songs hat und jeder sich einbringen will.

    Mit acht Menschen in einer Band ist es auch schwer, dass sich jeder auf seinem Instrument wirklich auf einem Song zeigen kann. Manchmal ist das Motto „weniger ist mehr“, manchmal muss man sich eben zurücknehmen. Es gibt auch Songs wo ich zum Beispiel keine Gitarre spiele, dann ist das halt so, solange es dem Song gut tut. So basteln wir dann daran und versuchen beim Prozess alle happy zu kriegen. Dann fängt Tim an dazu zu singen und schreibt den meistens Text nachträglich.

    Ruben (FORWARD): Also wir drei schreiben die Songs eigentlich, aber die Details kommen dann von allen acht individuell dazu. Das ist ganz schön, so ist von jedem aus der Band am Ende ein Fingerabdruck auf dem Song drauf.

    Arne (FORWARD): Wenn ich eine Song-Idee habe, habe ich immer schon eine sehr krasse Vorstellung davon, wie er am Ende klingen soll. Aber wenn die anderen dann noch ihre Ideen dazu geben, kommt am Ende trotzdem etwas besseres raus, als ich es mir am Anfang hätte vorstellen können. Das find ich aber schön, das macht unseren Sound wahrscheinlich auch aus. Das meinen wir damit, wenn wir sagen, es ist etwas schwer den Sound einzuordnen, weil wir alle unterschiedliche Einflüsse einbringen. Manche hören mehr Funk, manche Jazz, manche Rock oder Pop und dann kommt das da alles zusammen.

    Dascha: Und war euch von Anfang an klar, dass ihr englischsprachige Musik machen wollt oder wie seid ihr dazu gekommen?

    Tim (FORWARD): Ich singe seit Anfang an auf Englisch. Damals als Arne und ich diese Rockphase hatten, fanden wir das einfach am coolsten. Das war halt die Mucke von den ganz Großen. Mit der Musik konnte ich mich am meisten identifizieren. 90% der Musik, die wir in der Band hören ist englischsprachig und da zieht sich die meiste Inspiration raus. Was ich auch ganz schön finde ist, dass wenn man im deutschsprachigen Raum Musik auf Englisch macht, man niemandem diesen Text aufdrückt. Du kannst hinhören, wenn du möchtest, aber du tust es meistens nicht automatisch. Wenn man einen deutschen Song hört, ist man gezwungen auf den Text zu hören. Gerade bei unserer Mucke möchten wir, dass das Augenmerk auch auf andere Aspekte gelegt wird, um die ganze Bandbreite wahrzunehmen.

    Dascha: Stimmt, da hast du Recht. Mal ein anderes Thema: Ihr habt im Sommer ja mehrere größere Shows mit JEREMIAS gespielt. Was nehmt ihr davon mit?

    Ruben (FORWARD): Dass ich nichts anderes machen will! Ich weiß noch, dass ich nach der ersten Show in Köln total beseelt nach Hause gefahren bin und wir das alle erstmal verarbeiten mussten. Das war auch unser erstes Konzert in dieser Größenart. Da war so eine Energie, das war total krass. Ich hab danach mit meiner Mom telefoniert und meinte nur „Ey, ich hab gerade den Traum gelebt.“ Ich wollte am liebsten nur noch weiter rumfahren, Konzerte spielen und die Leute mit Musik überzeugen und begeistern. Das ist so ein krasses Gefühl, das sich da zum ersten Mal so in einer größeren Perfektion für mich gezeigt hat.

    Tim (FORWARD): Absolut! Das ist so ein ultra Privileg, dass wir das so kurz nach Lockdown erleben durften. In Köln, wo wir uns ja auch gesehen haben, war das für uns das erste Mal wieder so eine Masse an Menschen zu sehen und zusammen einen geilen Abend zu haben. Und dabei dann noch seine Musik präsentieren zu dürfen war ein einfach ultra krasses Erlebnis. Ich hab es immer noch nicht ganz verarbeitet.

    Arne (FORWARD): Ich fand es auch krass zu sehen, was bei so größeren Gigs auf professioneller Ebene noch alles dazu gehört. Das ist ja viel mehr, als sich einfach nur auf die Bühne zu stellen. Das ganze Umfeld, der ganze Prozess, da mal reinzuschnuppern, das fand ich richtig schön. Ich hab persönlich gemerkt, dass mir auch das Drumherum Spaß macht. Auch das Auf- und Abbauen und verkabeln und dort den Tag zu verbringen. Alles arbeitet auf diesen Auftritt hin und dann ist das ein richtig erfüllendes Gefühl am Abend.

    Ruben (FORWARD): Allein dieses Unterwegssein und rumfahren war so ein krasses Gefühl. Das hat vorher noch gar nicht so in meiner Gefühlswelt existiert. Letzte Woche sind wir zu dem Release-Konzert von den Power Plush’s gefahren und wir saßen so im Auto und dachten „Alter, es ist so ein geiles Gefühl wieder unterwegs zu sein“. In eine Stadt fahren, neues erleben und Leute kennenlernen, das ist einfach so schön.

    Dascha: Das klingt echt schön. Das hat mich auch nochmal an meinen Sommer erinnert. Habt ihr irgendwas, was ihr als Band unbedingt mal erreichen wollt in der Zukunft?

    Ruben (FORWARD): Für mich ist es auf jeden Fall eine eigene Tour zu spielen. Noch mehr unterwegs zu sein, noch mehr Konzerte zu spielen. Als Künstler seine eigene Mucke an neue Leute zu bringen und dafür durch Deutschland zu fahren. Das ist wirklich mein Traum zu sagen, wir sind jetzt die nächsten drei Wochen auf eigener Tour und sind jeden Tag in einer neuen Stadt.

    Tim und Arne (FORWARD): Ja, absolut!

    Dascha: Das klappt bestimmt! Dann bin ich jetzt bei meiner letzten Frage. Das ist ja bei uns immer eine untold story, also eine Geschichte, die ihr noch nicht erzählt habt.

    Tim (FORWARD): Als wir unsere EP aufgenommen haben, waren wir in Leipzig im Studio. Wir sind total euphorisiert da angekommen und haben alles aufgebaut und vorbereitet. Normalerweise sind wir die Band mit der besten Verpflegung: Das ist quasi schon mal die erste untold story. Du hast quasi gerade drei Profiköche vor dir sitzen.

    Ruben (FORWARD): Wir kochen wirklich sehr gerne, das wird auch immer sehr appreciated von den anderen.

    Tim (FORWARD): Aber am ersten Tag in Leipzig hatten wir es irgendwie vercheckt und vergessen einzukaufen. Dann dachten wir, wir holen uns einfach spät Abends auf dem Weg zum Airbnb was. Aber wir wussten noch nicht, dass in Leipzig ab 10 quasi nichts mehr offen ist.

    Ruben (FORWARD): Dann waren wir Nachts mit Fahrrädern unterwegs und es gab nichts. Wir waren bei zwei Restaurants, die auf Lieferando noch als geöffnet angezeigt wurden, aber dann doch geschlossen waren. Dann irgendwann haben wir doch noch was gefunden und dort Essen bestellt. Es wurde dann immer später und später, wir mussten relativ früh raus am nächsten Tag. Ende der Geschichte: alle aus der Band außer zwei haben schon gepennt und das Essen kam um vier Uhr morgens an. Als wir aufgewacht sind stand da dieses ganze Essen. Es war absolut nicht genießbar. Wir haben danach erst online gesehen, dass das Restaurant nur eins von fünf Sternen als Bewertung hatte.

    Wer den Vibe, den FORWARD gemeinsam haben und ihre Konzerte im Sommer nachempfinden möchte, sollte ich sich das unbedingt anschauen:

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    Foto Credits: Julius Bracke
  • SIALIA verpackt gefühlvolle Dramatik in dunklem Indie-Pop-Mantel auf ihrer Debut Single “Ecstasy”

    SIALIA verpackt gefühlvolle Dramatik in dunklem Indie-Pop-Mantel auf ihrer Debut Single “Ecstasy”

    Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber der Herbst macht so einiges mit meinem musikalischen Hörverhalten. Wenn es draußen kalt, windig und regnerisch wird, dann tausche ich doch gerne mal sommerliche Gute-Laune-Hits gegen etwas mehr Melancholie und dunklen Sound aus. Ganz oben mit dabei ist das London Grammar Album „Truth Is A Beautiful Thing“. Diese unterschwellige Dramatik in London Grammar Songs, mit der mich die Band immer wieder abholt, finde ich sonst irgendwie nur sehr selten.

    Zwischen Nostalgie und Zukunftsklang

    Umso gespannter war ich als ich die Mail von Marvin, Drummer der Band SIALIA, in meinem Postfach entdeckt habe. Er stellt die Band wie folgt vor:

    SIALIA ist eine vierköpfige Alternative-Pop-Band aus Münster. Das Quartett macht Pop Klänge im dunklen Stil mit Rock Wurzeln und Indie Kunstfertigkeit. Inspiriert von London Grammar, Nothing But Thieves, Aurora und Florence + The Machine erschafft die Band einen bewegenden Sound zwischen Melancholie und Euphorie.

    Mehr brauchte es auch eigentlich gar nicht, um mich zu überzeugen direkt einmal in ihren Song „Ecstasy“ reinzuhören. Irgendwie hatte ich von Beginn an das Gefühl, der Song kommt mir bekannt vor. Natürlich kann das nicht sein, denn er war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht veröffentlicht.

    Ohrwurmpotential

    Die starke Stimme von Sängerin Nicole klingt wie eine Mischung aus Florence Welch, Leadsängerin von Florence + the Machine, und Hannah Reid, Stimme von London Grammar. Sie fesselt Hörer:innen von der ersten bis zur letzten Sekunde des Songs. Zusammen mit einem ohrwurmverdächtigen Gitarrenriff baut sie eine Spannung auf, die durch den Refrain etwas aufgelöst wird.

    „Ich möchte mit unserer Musik faszinieren, überraschen und verstören! Die Songs erzählen phantastische oder mysteriöse Geschichten von persönlichen Dramen, inneren Kämpfen oder Träumen mit ungewissem Ausgang, behandeln das Wechselspiel von Tod, Schmerz, Hoffnung, Liebe und allem anderen, dem man sonst so gerne aus dem Weg geht.“

    Und auch das sehe ich in dem Song. Ja, ich fühle mich sogar irgendwie ein bisschen bloßgestellt – auf eine gute Weise, versteht sich. Der Songtext erinnert mich an Emotionen und Gedanken, die ich gerne des Öfteren unterdrücke, die aber bei solch mitfühlenden Songs dann doch an die Oberfläche treten. Aber hey, dafür hört man doch auch melancholische Songs, oder? Wenn ihr übrigens noch auf der Suche nach einer Playlist voller Melancholie, Herzschmerz und entspannten Vibes seid, dann schaut doch mal bei unserer Untold melancholic tunes Playlist vorbei.

    Won’t you cry for me

    It’s the end

    Won’t you fight for me

    ‚Cause I can’t escape

    Diese Zeilen des Refrains bekommen im Musikvideo zu „Ecstasy“ einen ganz besonderen Nachklang und wirken deutlich eindringlicher. Grund dafür sind die Flashlights, Infrarot-Optik und verschwommene, schnell wechselnde Bilder. Wie die ganzen dunklen Gedanken, die auf einmal aus der hintersten Ecke deines Kopfes angekrochen kommen …

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    Die Debut Single „Ecstasy“ von SIALIA hat mich auf jeden Fall direkt abgeholt und ich bin super gespannt auf weitere Songs. Angekündigt sind die allerdings erst fürs nächste Jahr. Bis dahin wird dann wohl „Ecstasy“ auf Repeat gehört!

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    Fotocredits: Leon Huesmann