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Mit brennendem Herzschmerz in die COLORS Session: Schmyt und „Ich wünschte, du wärst verloren“

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Vor eineinhalb Jahren bin ich über Schmyt gestolpert, als er mit Niemand die Hellhörigen unter uns das erste Mal sehr, sehr aufmerksam werden lassen hat. Das war im April 2020. Ein Jahr später, im April 2021, veröffentlichte Schmyt seine Debüt-EP Gift, über die ich mich hier bereits sehr ausgelassen hab. Schmyt hat mit Gift dem Deutschrap seine emotionale Zugänglichkeit wiedergegeben und das auf so unfassbar gut produzierten Songs, dass er zu Recht schon ein halbes Jahr später einen Raktenstart direkt in die COLORS Sessions hingelegt hat. Ich wünschte, du wärst verloren ist die nächste Single im Repertoire des Berliner Newcomers. Hier lest ihr, warum ihr ihn unbedingt auf eurem Radar haben solltet.

 
Herzschmerz eingebrannt in Songs

Doch fangen wir kurz nochmal am Anfang an. Die Geschichte, die Schmyt mit Niemand zu erzöhlen begonnen hat, hat in der EP ihren Kontext bekommen. Wir finden Herzschmerz nach einer Trennung, eingebrannt in sechs Songs, vom besinnungslosen Saufen zu verloren Taxifahrten und den großen Existenzfragen. Das sind die Themen der Gift EP, die sich zu Teil auch im neuen Song Ich wünschte, du wärst verloren fortsetzen. Es ist wahrscheinlich immer noch dieselbe beendete Beziehung, die hier verarbeitet wird:  

Ich leg’ dir mein Herz schön verpackt vor die Tür, yeah
Sind ein paar Knitter dran, doch du weißt, die sind eh von dir
Ich glaub’, ich liebe dich und ich hasse es
Ich sitze Zuhaus’ und frag’ mich, wo du heute pennst
Mische Benzin in meine Coke und hoff’, dass es brennt, hm

Ich wünschte, du wärst verloren ist theatralischer Liebeskummer in einer Ballade, die mich zweifeln lässt, dass es wirklich erst eineinhalb Jahre seit Schmyts ersten Single sind. Und die dann noch mit einer COLORS Session im Gepäck zu präsentieren, sollte eigentlich mehr als nur für sich zu sprechen. Guckt euch das an und sagt mir, ihr fühlt’s nicht:

Ngl, ich hab Gänsehaut. Was ist das für eine Stimme bitte? Während der Song sich ruhig aufbaut, malt Schmyt mit seinen Worten und seiner Stimme Bilder, die unter die Haut gehen. Die Stimme steht so zentriert im Raum, dass ich sicher nicht die einzige bin, die hier mit 2 Minuten Dauergänsehaut dieses Video schaut. Ist halt einfach auch COLORS, ist aber auch einfach ein absolut starker Song.

In den ersten Sekunden des Songs erinnert mich Schmyt zugegebenermaßen ein bisschen an Trettmann. Und auf eine Weise liegt dieser Vergleich gar nicht so fern. Doch anders als Trettmann, holt Schmyt auch noch all jene ab, die ab von RIN auch gern mal Faber und Henning May laut zuhause durch die Boxen singen lassen. Hier werden Welten verbunden, die manchmal viel ferner scheinen als sie es vielleicht sind. Auf Ich wünschte, du wärst verloren rappt Schmyt nicht mal.

Doch ob Deutschrap oder nicht: Was hier mit Sprache und Musik gemacht wird, hat ne fette Zukunft vor sich. Es dauert bestimmt nicht lange, bis ich das nächste Mal meine kleine Fan-Liebe ins Internet schreibe. Bis dahin lass ich das hier noch eine Weile auf Dauerloop laufen:

 

Fotocredit: Lea Bräuer

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