Der Gitarrist und Produzent Vincent Ancot fühlt sich von vielen Musikrichtungen beeinflusst. Der vielfältige Input lässt seine Musik über jegliche Eingrenzungen von Genres hinauswachsen. Dabei macht er sich das Unkonventionelle in seiner Arbeit zum Markenzeichen. Die Schwierigkeit Vincents Musik einzugrenzen, zeigt sich einmal mehr in „Apokalypse Wow 2022“, ein Song mit hoffnungslos überhöhter Kulisse.
Die Welt geriet ins Wanken
Fluten von tragischen, beunruhigenden Schlagzeilen sind in überfüllten Zeitungsblättern nicht mehr nur zu lesen. Mittlerweile fallen sie uns an, finden ihren Weg in unseren Alltag, bohren sich in unsere Gedanken. Global gesehen sind es gerade sehr schwierige Zeiten. Und es scheint in der nächsten Zeit nicht einmal geringfügig besser zu werden. Der kritische Zustand ist nicht mehr eben nur ein Szenario, sondern Realität.
Aber von einer Apokalypse kann dennoch wohl kaum die Rede sein. Oder? Zugegeben wäre es hoffnungslos pessimistisch und maßlos übertrieben das Wort Apokalypse (gerade aus unserem Standpunkt heraus!) auch nur in den Mund zu nehmen. Stellen wir uns trotzdem vor, wir sind der dramatischste, überzogenste Pessimist, den die heutige Welt je gesehen hat. Wir stehen jeden Morgen auf, unbeeindruckt von neuen schlimmen Nachrichten und abgestumpft gegenüber Krieg und Gewalt. Nachts träumen wir von Dystopie und Verwüstung. Wer sonst sollte also eine düstere, chaotischere Alternative zur allgegenwärtigen Situation erschaffen als wir selbst? Und dann schreiben wir einen Song.
Das brillante Ergebnis unseres ausgelassenen Hangs zum Drama klänge vermutlich wie „Apokalypse Wow 2022“. Geschrieben von Till Otter und produziert von Vincent Ancot, erzählt der Song nahezu filmisch von apokalyptischen Kulissen und Wiederauferstehung, einzig und allein um wieder zum unausweichlichen Ende der Welt zurückzukehren.
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Was uns nicht primär betrifft, hat dennoch Auswirkungen zweiten Grades auf unser alltägliches Sein. Es herrschen Lieferengpässe, Rohstoffe werden knapp und alles wird teurer. Vielen gelingt es nur knapp und kläglich und genügend Menschen gar nicht mehr, sich das Leben zu leisten. Für viele hat der allgegenwärtige Zustand also durchaus einen scheinapokalyptischen Charakter.
Warum aber setzt Vincent Ancot letztlich einen bereits 2021 erschienenen Song neu auf und gibt ihm ein noch dramatisches, fast groteskes, neues Gewand? Ganz klare, einfache Antwort: Weil es passt. Es passt in die Zeit und Situation. Nicht unbedingt ist damit nur die Thematik gemeint. Vielmehr das cinematische Kleid und die Dramaturgie des Arrangements sind es, was es so perfekt abrundet. Endlich erlaubt es uns das sonst Dystopische in seiner überzogenen Darstellung ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Und das fehlt uns doch zurzeit so sehr. Eine gewisse Leichtigkeit mit einer Prise Ironie.
Und der Mond verblieb im Meer
Produzent, Gitarrist und apokalyptischer Strippenzieher Vincent Ancot
Noch einmal zurück zu unserer pessimistisch-überzogenen Selbstinszenierung vom Anfang. Stellt Euch vor, wir stehen eines letzten Tages irgendwo allein an einer Klippe mit einer freien Sicht bis zum Horizont. Das ersehnte Apokalypsen-Szenario ist direkt vor unseren Augen. Der Himmel brennt, überall sind Asche und Trümmer und aus dem Wasser wurde Teer. Uns wird klar, der Mond wird nicht mehr aufgehen. Wir schließen die Augen und setzen uns mit einem lässigen Lächeln unsere Kopfhörer auf. Um uns herum explodiert alles und wir hören DIESEN Song, DIESEN Soundtrack.
In „Apokalypse Wow 2022“ hören wir Kometeneinschläge und Dramatik, Zerstörung und Verwüstung. Und inmitten von all dem die allmächtig wirkende Stimme von Till Otter, dem Schöpfer des Originals. Ich erinnere mich, als Vincent Ancot und ich Teil von Tills Band waren und den Song in einer wesentlich anderen Version gespielt haben. Zu hören, wie der Song sich unter einer präzisen Regie zu einem filmreifen Werk entwickelt hat, lässt mich persönlich in Nostalgie schwelgen.
Am Ende zeigt er uns aber einmal mehr, dass wir manchmal selbst diejenigen sind, die sich unsere Welt zerstören. So lange wir nämlich darüber schreiben und lesen können, wie gut wir Musik finden und was sie mit uns macht, scheint es uns wesentlich besser zu gehen, als einem Großteil des Planeten.
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Die Acoustics Concerts2022 sind mittlerweile im letzten Drittel angelangt und neigen sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Leider mussten zwischendurch ein paar Konzerte aus diversen Gründen abgesagt werden und somit bleiben noch neun Gelegenheiten im August, um Mittsommernächte den perfekten Soundtrack zu verleihen. Bis jetzt gab es eine Menge schöner Konzerte mit wunderschönen Settings und traumhafter Musik. Das versprechen auch die Konzerte, die noch darauf warten, besucht zu werden. Aus Erfahrung kann ich sagen: Es lohnt sich! Kauft Euch diese Karte und seid bei einem der zauberhaften Konzerte mit dabei! Neulich, am 12. August, war ich selbst in Essen und habe mich von einem der Acoustics Concerts überzeugen lassen. An diesem Abend wurde es unter anderem mit Rhodes sogar ein wenig international. Ich hatte das Glück, den britischen Musiker ungefähr einen Monat zuvor per Videocall interviewen zu können. Rückblickend war es ein unfassbar schönes, emotionales und privates Interview mit viel Sentimentalität und Selbstreflexion. Aber lest selbst:
About escape and sanctuary
Leif: Hello I’m Leif from music magazine untoldency, nice to meet you! How are you doing and how was your day so far?
Rhodes: Thanks man, I’m doing good! Right now, I’m in London spending two weeks of time between touring. I have a little studio room here, where I can work on any ideas maybe for the next album.
Leif: Sounds very creative then!
Rhodes: Of course! Right now I’m spending most of my time doing songwriting and working on new ideas.
Leif: First of all: How do you want to be called? Rhodes or David?
Rhodes: Rhodes will do fine.
Leif: Alright then, Rhodes. This is going to be a little introducing interview about yourself, and I would like to put focus on your music and how you came to make music but also on some of your new songs, if it’s okay for you. But since this is an introducing interview, would you please introduce yourself and tell me how you would describe your music to poeple who never listened to your music before?
Rhodes: I’m a kind of ballad songwriter. So, most of my music is quite cinematic, introspective, heartfelt, real-life stories about struggling with those feelings of doubt, anxiety, and depression. But also, I really strive to bring an element of hope with my music, because music was my saviour when I grew up, and it still is my escape and my sanctuary. I hope that my music provides a bit of an escape for the people who hear it.
Leif: I think especially in the new releases you can listen to this dealing with anxiety and as you said there’s always a little hope in your songs. But let’s go back to where it all started. How did you get in touch with making music for the very first time and how did it go on?
Rhodes: I grew up with a very musical and creative household. My dad played guitar and I grew up watching him play and wanting to pick up a guitar as soon as I could. I actually still write and record most of my songs with his old guitar. It still is my main tool in the studio. That was really fortunate, and I think because I was surrounded by that I had this expansive and beautiful musical collection from a really young age. Even in primary school I used to try it and get a group of friends together and play whenever I could even if I could imagine that it sounded absolutely terrible. I’ve been in bands throughout my teenage years and when I moved to London for uni I started to play in more serious bands. We took ourselves more seriously and tried to get out there and do it for real. It was during my early twenties when I started to write my own music and although the guitar is my first instrument, somehow, I found myself playing bass in some bands. I started to really get lost into my own creativity, so I left that band and started to write my own songs. They were very small and very strict it was just like vocal and guitar, but it put together some bedroom demos.
„You have to be honest with yourself, you have to be honest with the song“
Leif: You are from England. Did your origin affect your way of understanding music and writing songs in general?
Rhodes: I grew up in a small town just outside of London and it was very much one of those towns where wasn’t really much to do. Also, when I was young, I had a kind of fractured home life because my parents lived apart. That all formed my need for music. And looking back now and seeing a lot of my friends and what they’re doing, music is a huge part of everyone’s lives. I think living so close to a major city like London always felt like it was on my doorstep all the time. So, the big dream was always to go to London and do a show. That was what everyone was working for. The way I grew up and where I grew up gave me the feeling that it was possible and that it is down to you that you chase your dreams.
Leif: Speaking of songwriting: In your opinion, what are the most important ingredients when it comes to writing a good song?
Rhodes: This is a good one. Because I think it is easy to get caught up in writing something that you think people want to hear. I’ve been signed to major labels, and I’ve been there, I’ve done that, and I’ve tried to do the thing that I think will please anybody. But actually, I think the most important thing – especially with the kind of music that I do – is honesty. You have to have honesty, you have to be honest with yourself, you have to be honest with the song. And you have to almost allow those initial, great ideas to hit you and then you have to nurture them.
Leif: With that being said: Are your songs rather biographic or is it mostly storytelling?
Rhodes: They’re biographic. They have evolved through the years. I have experimented with different things. Since opening my eyes up to collaboration and working with different people I’ve tried to explore this idea of storytelling and using my experiences to try and highlight things that other people might be feeling. But almost every song I’ve ever written comes from my own experience, so they’re mostly biographical.
Leif: So, with the biographical songs mixed with the honesty you mentioned before you aim to create a specific intimate feeling, right?
Rhodes: You can write ten songs about the same thing. It’s those moments when you land upon a really powerful statement. And then you can write a song around that. Some of them are more playful than others. Some of them are deep and introspective and hard to write. And on my next record I experimented more with the fun songs to write. But ultimately, I believe my favourite songs are the ones that I write in the middle of the night feeling nostalgic and melancholy. I try to capture these emotions I feel like everybody relates to. Because we might not tell the same stories, but the feelings stem from the same experiences. We’ve all experienced heartbreak and we’ve all experienced anxiety. And whilst we might not have all experienced things like, you know, depression, and medically kind of diagnosed mental health conditions, we’ve all experienced low days, we’ve all experienced these feelings of doubt and hopelessness. And I think, that’s a very important place to draw inspiration from because you can take that sadness and turn it into something positive, which is a song. And the song can help other people as much as it helps you. Just getting it out and just laying it down, creating something from nothing. That’s the best feeling, man. Like, that’s an amazing feeling. And if that day, you’ve spent labouring over this idea, and this feeling that you have inside can connect with someone else. That’s it’s just an incredible feeling.
100 conversations at once
Leif: It is, it really is. You can tell that there is a lot of deep and personal emotions going on in all of your songs and especially the new releases float between being truly in love and self-doubt. Would you consider yourself emotional or overthinking?
Rhodes: Yeah, 100%. Like I, I’m deeply, deeply emotional, and connected spiritually to every nuance around me. I’m very affected by things and very affected by people and my relationships. And, you know, I’ve been affected by life just up to this point. We all carry trauma with us. And it’s difficult to let go of things. And they resurface, and they kind of come back and you find yourself in these, kind of, downward spirals. But I think ultimately, I do have amazing people in my life, and I do have amazing relationships, and I’m very grateful for them. And I acknowledge them a lot in my songs. I don’t know why I don’t know if there’s a reason for that. But I do. I do write a lot of songs about my love for people and how they affect me and the way I know I should be living my life. I also have ADHD as well, which is like a neuro diverse kind of condition that I’ve had since I was a kid. So, my head is just absolutely thinking all different outcomes or different possibilities, every single emotion, 100 conversations happening at once in my in my mind. It’s really easy for me to just absolutely downward spiral into these, kind of strange, murky depths of my brain and just like trying to figure stuff out. But luckily, I have people around me who can pull me out of that. Yeah, very important. And I guess that inspires quite a lot of my music.
Leif: Alright. Yeah, your new song suffering? Yeah, I love the song. By the way. It’s a really good one.
Rhodes: Thank you so much.
Leif: “Suffering” is about the fear of hurting another person and the fear of not being enough because of the own doubts and mental state, I would guess. What advice would you give a person in that very situation?
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Rhodes: Well, I think it’s tricky. I mean, you’re right. That is what it’s about. Ultimately, it’s about just not wanting to hurt somebody. But kind of knowing that you are, or you have. If someone’s in that position, I think it goes back to the honesty thing. You have to be honest with yourself. You have to be open, you have to be able to talk to somebody that you love, you know, I find that’s really important. I also find it really strange that it’s just not how a lot of people are. Some people are very, very closed and that makes it difficult to communicate. And I think people can end up running away from things whether that be with drinking, going out partying or just like having a relationship share it with someone and then just letting it break down and leaving. Because you’re unable to actually articulate the way you really feel, or you’re scared of what they might think. And yeah, I’ve been guilty of this in the past before just like running away from stuff, running away from my problems, and just not facing up to stuff. And I ended up making it worse. And that’s what the song is about. The message is, well, the message is clear in itself, but I think beneath the surface, it’s a song about what I would want to say to somebody, if I was in that position. I was, I knew I was making mistakes, I knew I was hurting somebody. And then the ultimate bottom line is, I don’t want to hurt this person. „I can’t, I don’t want to hurt you. So, I’m being honest with you. I’m being open with you about the way I feel.“.
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Auch, wenn Rhodes das Trinken als einen Weg bezeichnet, vor den eigenen Gefühlen zu flüchten: In seinem neusten Song „Drink to this“ besingt er die guten Tage des Lebens.
Leif: That’s really an important message. It sounds very reflecting and grown up. You beautifully managed to wrapped that into a song. In „The Love I Give“, another great song, you sing about the ups and downs in a relationship. Regarding love and life in general, do you think there is a no-good-without-bad-ying-and-yang-balance? And if so, why is that?
Rhodes: Yeah, I really do think there is this kind of quest for happiness going on the whole time. And we’re all constantly told about this certainly is this inner peace kind of feeling. And to me, that’s hard because there are going to be struggles, there always will be. And it’s not going to be easy. A lot of the time, it’s going to be hard. A lot of the time it’s going to be good days and bad days. And I think you have to try and find a way to find balance in life, that’s for sure. But when you are happy, it’s important to just take hold of those moments and keep them and make them sacred and understand that happiness isn’t a moment. It’s not a constant state of being either. I don’t think anyone can be that. It’s just not how we’re programmed. Especially if you’re an empathetic person. And you’re constantly faced with what’s going on in the world. You are going to agree and disagree with people the whole time, you’re going to have to deal with things in life. It’s just impossible to imagine life without those hardships. But I think what it goes down to again, is just this feeling that, as long as you have people around you, who you love and who you trust, it goes the other way as well. You have to be that to somebody else too. You have to be somebody else’s rock. You know, even if that’s a friend or a partner, it’s important to make sure that you give out what you what you want to have back. We’re all going to have moments where we are feeling like a terrible person, and you’re going to make mistakes and you’re going to have things. But then, that’s what life is. It’s about experiences and it’s about learning and about working through those things. And that’s what the song really is about. It’s about “listen, I’ve got to tell you that this is how it is. But just know one thing, I love you. And this is what’s going to admit, and this will always remain there for you. Like, I’ll always be there for you. Just don’t beat yourself up on the bad days.”. That’s the sentiment. I do. I do think there is this kind of yin yang thing. It’s just always been there written into folklore and into religion and into everything. So, it is always going to be that. It’s just one of those.
Just me on my guitar
Leif: I totally agree on that. Coming on to the acoustic concerts. You are going to perform 7 shows during the acoustic concert series for example in Dresden, Berlin, and Hamburg. What do you like most about performing acoustically or unplugged?
Rhodes: It’s amazing. It’s like music at its rawest form. One of the things I’ve really experienced first-hand is taking things all the way to the highest possible level of production, and then stripping it right back down to nothing. And the experience you get when it’s stripped right back down to nothing is incredible. When you’re playing a stadium, when I’ve played big arenas and big festival stages, you need a bit more of that production behind you when you’re onstage because it’s just so vast and big. Also, to hold people’s attention. I did a tour with Hozier back in 2016. And I played a bunch of massive arenas with him all around the world. And it was just me on my guitar. I was really lucky during that, because it showed his fans wanted to see someone with a guitar playing their songs. And they were there for a beautiful, peaceful spiritual experience. They weren’t there to party and get wasted. Because it’s Hozier, you know. But when I was up on that stage, I was like “Shit, you can do this just with a guitar.”. You don’t need a whole thing where I am in my career – I’m rebuilding from COVID, having these two years. I can’t wait to get on to these intimate little stages and just with a guitar and I’d bring a piano as well. I think the set is only half an hour every night. It’s just about me getting out there and showing people my voice and my songs in their rawest form. And they can really hear them. I love to perform like that. It’s great.
Leif: But I think those are the hardest, like the most intimate concerts in bars or something with like 20 people in it. Those seem the hardest to me.
Rhodes: Yeah, they are. They are the hardest. But it’s one of those things where it’s like, you’re pushing yourself to really be in the moment. And to really experience the whole thing with everyone else who’s there. Sort of, when I’ve done a big show or a big thing before in the past, people are like “Are you scared up there?” and I’m like I literally can’t see anyone when the lights are off and the spotlights on. I can’t see anybody out past the front row. So, it’s not scary at all. But when you’re in those smaller places, you can see everybody. You can see the guy in the back talking, like “Oh shit, you’re just talking did you enjoy it?”. But these are just the things that we do. I think back to one of my favourite artists of all time, Jeff Buckley. He started his career playing in coffee shops. So, it’s like, he’s playing in coffee shops, to people who are talking, chatting, doing other things, making coffee, ordering coffee, and he’s just playing. I love that. I think it’s really cool. And plus, at the end of the day, everyone’s going to be there to watch. That’s why they’re going to go buy a ticket. It’s going to be one of those things, I hope, where people want to enjoy it and not like talk the whole time.
Leif: That’s true. Also, it would be quite disrespectful. As we do in all of our interviews, the last question is about an untold story. Is there any story, sidenote or fun fact of you, that you never told anybody and want to share with us right now?
Rhodes: Oh my god, you’re putting me on a spot!
Leif: I do!
Rhodes: I have told this story before in the UK but not to Germany. When I was growing up, I had a really, really, really deep intense fear of singing. I don’t know what it stemmed from, but I resigned myself to just being a guitar player. And then it was my stepmother who pretty much begged me to sing a song with my dad on his 50th birthday party. I got up on stage and I was really drunk, and I sang “Crossroads” by Cream. And everybody loved that, and everybody wanted me to sing that again. From that day onwards, I was like “Okay, I think I can do this.”. That was my first experience of singing, like, the first time being on stage and opened my mouth and sung anything. Then I wrote two songs and one of them was the one that got me signed as a singer. I don’t know if that’s interesting enough, but I hope that it’s inspiring to somebody. Because I feel like so many people are afraid of expressing themselves. I know that it makes you feel naked and it’s very exposing. But if people are afraid of it, they just shouldn’t be, do you know what I mean?
Leif: I do. But I can totally relate to the feeling of being exposed while singing or even performing. Otherwise, I think the story you told us is really helpful and inspiring to those who feel like this.
Rhodes: I’d say you just gotta do it!
Leif: With that being said, we came to the end of this interview. I am looking forward to these beautifully emotional concerts in august! Thank you for your time, I hope you enjoyed it a bit! Also thank you for this amazing interview, it was fun to me!
See you on august 12th in Essen!
Rhodes: I did! I really enjoyed it. Thank you so much and I see you in Essen on the 12th!
Straßenmusik spielt in der Geschichte der Kids of Adelaide eine ziemlich große Rolle. Für die Band könnte also das Format der Acoustics Concerts passender nicht sein. Aber auch der Zusammenhalt über mehr als ein Jahrzehnt hinweg, prägt die beiden Musiker noch heute. Im Juli war Benni bei Leif im Interview. Über Freundschaft, Melancholie und Dankbarkeit.
Leif: Hey! Schön, dass Du Zeit gefunden hast und bei dem Interview mit dabei bist. Ihr habt ja momentan richtig viel zu tun: Angefangen bei Eurem vollen Tourkalender bis hin zum neuen Single-Release. Daher eine wichtige Frage: Wie geht es Euch und welche Emotionen begleiten Euch in den letzten Tagen?
Benni: Hey Leif, danke der Nachfrage. Ich sitze gerade mit Covid zuhause, aber an sich geht‘s uns super! Es ist einfach schön, nach der langen Zeit ohne Konzerte wieder live zu spielen. Und auch, dass jetzt die ersten Singles von unserem am 09. September erscheinenden Album The Cabin Tapes veröffentlicht werden, fühlt sich sehr gut an. Gerade, weil wir es erstmals auch in wirklich große kuratierte Spotify-Playlisten geschafft haben. Zu sehen, dass die neuen Songs gut ankommen, tut richtig gut.
Vom Duo zur Band, vom Folk zum Indie-Rock
Leif: Das kann ich mir sehr gut vorstellen, ist aber auch einfach gute Musik, die ihr da macht. Bei der nächsten Frage mache ich es mir ein wenig einfach. Stellt Euch gern selbst vor! Wer seid ihr? Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin? Und wie klingt Eure Musik?
Benni: Also wir sind Severin und Benni, zusammen die Kids of Adelaide. Allerdings kommen wir nicht aus Adelaide, sondern aus Stuttgart. Wir waren über 10 Jahre als Duo unterwegs, haben uns jetzt aber mit dem neuen Album dazu entschieden, live noch einen Drummer und einen Keyboarder mit ins Boot zu holen. Die beiden sind gute Freunde, die wir auch schon länger kennen. Früher war unser Sound eher folkig, mit dem neuen Album hat es sich aber klar in Richtung Indie-Rock entwickelt. Wir haben ziemlich viel The War on Drugs gehört. Aber auch Sharon van Etten, Queens of the Stoneage oder Big Thief haben uns beeinflusst. Wie das genau klingt, davon sollte man sich am besten selbst ein Bild machen *zwinker*. Im Moment ist für uns erstmal wichtig, mit dem Album, der anschließenden Tour und unserem Team wieder Wind in die Segel zu bekommen und ins Bewusstsein der Leute zu gelangen. Man merkt natürlich in der ganzen Branche, dass sie erst wieder in Fahrt kommen muss. Auf der einen Seite haben die Leute Lust auf Konzerte, auf der anderen merkt man schon eine gewisse Zurückhaltung zu Beispiel bei den Ticketverkäufen.
Leif:Oh ja, die Ticketverkäufe sind ja momentan ein echtes Problem… Euch verbindet eine lange Freundschaft. Zwar existiert Kids of Adelaide schon länger als eine Dekade, aber wie man in Eurer Bio nachlesen kann, liegen die Wurzeln Eurer Freundschaft noch weiter zurück. Wie wichtig ist Euch das Thema Freundschaft, vor allem beim Songwriting? Braucht ihr auch mal ein wenig Abstand voneinander, wenn ihr viel tourt?
Benni: Klar ist uns das sehr wichtig. Freundschaften sind denke ich eine der wichtigsten Sachen im Leben. Fürs Songwriting spielt das jetzt nicht die große Rolle aber für unser ganzes Selbstverständnis als Band auf jeden Fall. Wir sind kein Projekt, das sich bei Rückschlägen oder Enttäuschungen einfach wieder trennt. Da steckt schon eine große Verantwortung gegenüber der Sache und dem jeweils anderen mit drin. Severins Bruder Sebi ist zum Beispiel auch unser Produzent und Live-Mischer, eigentlich das dritte Bandmitglied. Ohne die Freundschaft hätten wir es angesichts von über 20.000€ Schulden, die wir hatten, vielleicht auch sein lassen können. Aber wir haben uns da gemeinsam zusammengerauft und geschaut, wie wir das hinbekommen. Würde einer hier aussteigen, wären die anderen eben auch aufgeschmissen. Sich aus sowas wieder rauszuziehen, schweißt zusammen und macht uns als Gruppe stärker. Wir machen ja nicht nur seit über zehn Jahren Musik zusammen, sondern haben auch bis letzten Sommer noch für gut sieben Jahre zusammengewohnt. Klar hat sich auch unsere Freundschaft verändert und ist nicht mehr so, wie vor zehn Jahren, als wir kiffend Straßenmusik gemacht haben. Aber das ist ja normal. Früher haben wir eigentlich die ganze Zeit miteinander rumgehangen. Heute braucht auch jeder mal ein bisschen Raum für sich, aber wir sind ja auch keine 20 mehr. Ich würde sagen, dass das gegenseitige Verständnis für die Bedürfnisse und Eigenheiten des anderen noch viel stärker geworden ist. Wir haben heute eine noch tiefere Freundschaft.
Leif:Wo kommt eigentlich der Name her?
Benni: So heißen wir einfach 🙂
Unzertrennliche Brüder
Leif:Kommen wir nun zu Eurer Musik. Besser gesagt zur neuen Single „The Five Minute Drive“. Seid Ihr gern unterwegs? Auch mal so für fünf Minuten?
Benni: Wir sind gern unterwegs, aber kommen auch gerne wieder nach Hause. Wir müssen jetzt nicht ständig auf Achse sein, sondern können auch sehr gut unsere Zeit im Garten oder der Werkstatt verbringen. Die Fahrt, um die es in dem Song geht hat sich zugetragen als Severin und Sebi vor einigen Jahren mit ihren Eltern umgezogen sind. Im gleichen Dorf, sodass es immer etwa fünf Minuten gedauert hat vom alten zum neuen Haus. Den Song hat Severin für seinen Bruder Sebi geschrieben, mit dem er so vieles zusammen erlebt hat. Und heute ja immer noch erlebt. Die beiden sind sich sehr nah und es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass Geschwister sogar zusammenarbeiten können und das so gut und harmonisch funktioniert.
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Leif:Das hört sich nach einem besonderen Verhältnis zwischen den beiden an. Ich habe das Gefühl, dass Ihr Euch in dem Song zurück an Eure Vergangenheit erinnert – korrigiert mich, wenn ich falsch liege. Schwelgt Ihr gerne in Erinnerung? Was für Gefühle kommen dabei in Euch auf?
Benni: Wie schon gesagt, ist es nicht unsere gemeinsame Vergangenheit, sondern in dem Fall die von Severin und Sebi. Aber generell liegst du da schon richtig. Gerade auf dem neuen Album haben wir sehr viel in die Vergangenheit geschaut, vielleicht auch weil mit Corona die Zukunft so ungewiss erschien. Für uns ist es aber auch eine schöne Art und Weise sich zu erinnern und das, was man hatte wertzuschätzen. Sich daran zu erfreuen, auch wenn gerade bei mir häufig auch sehr viel Melancholie mitschwingt. Es kommt ja nichts davon je wieder. Melancholie, Dankbarkeit, Freude und das Gefühl, im Laufe der Zeit nur ein unbedeutender Teil zu sein. Das sind so die Gefühle, die da aufkommen.
„Something good started then, Something new began“
Leif:Und trotzdem ist die Zukunft doch ziemlich vielversprechend. Nach dem 24. Juli habt ihr erstmal ein paar Tage Pause von Auftritten, so verrät mir zumindest Euer Kalender mit den Tour Dates. Was macht ihr in der Zeit? Habt ihr was Bestimmtes geplant?
Benni: Eigentlich wollte ich in den Urlaub fahren, was aufgrund der Covid-Infektion jetzt gerade aber noch ein bisschen in den Sternen steht. Ansonsten kommt am 5. August unsere neue Single Chimney Sweeper raus. Da wir nach wie vor sehr viel Organisatorisches selbst machen, gibt es genug zu tun.
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Chimney Sweeper inklusive Video ist seit wenigen Tagen raus. Den Song könnt Ihr bei uns in der new untold releases Playlist auf Spotify hören. Das Video habe ich natürlich hier verlinkt.
Ein Hauch akustische Nostalgie
Leif:Bei den Acoustics Concerts habt ihr auch viel zu tun. Für Euch geht es eine ganze Woche lang quer durch Deutschland und mit sieben Gigs seid Ihr durch die Bank weg vertreten. Steht Ihr gerne akustisch, unplugged auf der Bühne?
Benni: Auf jeden Fall! Wir haben in unseren ersten Jahren jeden Samstag Straßenmusik gemacht und waren auch mal auf einer ganzen Straßenmusik-Tour in den Niederlanden unterwegs. Momentan genießen wir die neuen musikalischen Möglichkeiten, wenn wir mit der ganzen Band auf der Bühne sind. Allerdings hat das mit dem ganzen Geschleppe und dem viel größeren Aufwand auch seine Nachteile. Da wir in einigen Städten, die wir jetzt im Rahmen der Acoustics bespielen auch im Herbst auf Tour sein werden, freuen wir uns riesig darauf, uns den Leuten in der akustischen, ganz direkten Art zu präsentieren.
Leif:Das wird auf jeden Fall ein direktes und etwas privateres Erlebnis! Privat ist ein gutes Stichwort. Denn für die letzte Frage ist es bei Untoldency gang und gäbe, einer untold story einen Platz zu geben. Was ist also eine Anekdote oder Fun Fact, die/den Ihr noch nie erzählt habt?
Benni: Severin findet manchmal schlaftrunken und orientierungslos nachts im dunklen Hotelzimmer die Toilette nicht und ich muss ihm dann den Weg weisen. Sonst könnte da was schiefgehen…
Leif: Ich sehe schon, ohne den einen, ist der andere aufgeschmissen. Ich danke Euch für Eure Zeit und für das tolle Interview und freue mich ganz doll auf Eure Gigs bei den Acoustics! Aber zuallererst wünsche ich Dir natürlich eine gute Besserung!
Benni: Vielen Dank Dir! Hat Spaß gemacht und hoffentlich sehen wir uns bei einer der Shows.
POV: Es ist Mitte der 1960er Jahre. Du befindest dich mitten in den USA – genauer: Chicago, Illinois. Nach dem Frühstück bestehend aus Toast, Rührei und gebratenem Bacon trittst du aus der Tür des Diners auf den Parkplatz. Der Kaffeegeschmack liegt dir noch im Mund, als du dich auf den warmen Ledersitz deines 64er Mustangs niederlässt. Gleichzeitig zündest du den Motor und dir eine filterlose Zigarette an. Für dich geht es über die Route 66 in Richtung Westküste. Du hast einen langen Roadtrip vor dir. Durch das heruntergekurbelte Fenster fährt dir der Fahrtwind durchs Haar. Das Gefühl von Freiheit macht sich breit, du schaltest das Radio ein.
Back To The 60ies
Die Ästhetik eines 60ies-Soundtrack, den man zu dieser Vorstellung bekommt, liefern The Courettes. Das dänisch-brasilianische Duett hat es sich zur Aufgabe gemacht die Musik der Rock ’n‘ Roll Ära in die Gegenwart zu importieren. Wir haben Flavia Couri (Gesang, Gitarre) und Martin Couri (Gesang, Schlagzeug), eine Menge schillernde Gitarren und noch mehr Vintage Reverb.
Mit dem neusten Album „Back in Mono (B-Sides & Outtakes)” lässt es sich in der Zeit zurückreisen. Es kam letzten Mai und scheint schon vor 55 Jahren aufgenommen zu sein. Für Leute wie mich, die sich ohnehin an der Musik der Beatles, Beach Boys etc. in Schallplattenqualität erfreuen, sind die Courettes eine gute Gelegenheit, den Spirit der 60er in zeitgenössischem Gewand zu erleben. Minder interessant ist es aber auch für alle anderen nicht.
Das Album beinhaltet acht knackig-kurze Songs in mono. Ja, richtig gelesen, mono (also alles aus der Mitte des Lautsprechers heraus und nicht in einem Panorama verteilt, wie heutzutage üblich). Aber auch der „Wall of Sound“ Charakter der surfigen „Doo Wop“ Scheibe hat sich an den Kriterien der Musik aus der Zeit bedient. Phil Spector lässt grüßen.
Was damals als revolutionär galt, ist heute Retro. An Charme hat aber auch die Ästhetik der 60ies nicht verloren.
„Please don’t wake me up“
Gleich vom Opener wird man träumend in die Höhe getragen. „Daydream“ handelt von den kurzen Pausen eines harten Alltages, in denen man sich in seinen Gedanken verliert und zu tagträumen beginnt. Im Mittelpunkt steht die Sehnsucht nach der Liebe, dem zu Hause und einem Ort oder einer Person, zu der man sich gehörig fühlt. Somit sind auch Vermissen und Distanz Themen des Songs.
Unterstützt wird die träumerische Romantik des Textes mit der tragenden, eigentlich fast schwebenden Musik. Der Track an sich ist dabei sehr weit und fast überwältigend. Die knackige, liegende Gitarre und die obligatorischen Harmonien in den Background Chören runden das Gesamtbild ab. Teile des Songs haben, nebenbei gesagt, eine verblüffende Ähnlichkeit mit Sonny & Cher’s„I Got You Babe“.
Nicht nur rosarot
Wie man schon beim Titel „Only Happy When You’re Gone” erahnen kann, ist das Ganze thematisch umgedreht. Geht es hier zwar auch um eine Beziehung, scheint sie eine unglückliche zu sein. Die Zeichen der Lyrics stehen hier ganz klar auf Trennung.
„Breaking up is hard to do
And so is future life with you“
Die Musik hat davon aber noch gar nichts mitbekommen. Sie schimmert im klassischen Mersey Beat weiter. Die kleinen Details in den rhythmischen Elementen erinnern an zeitweise sogar an lateinamerikanische Percussion. Zu finden sind diese beispielsweise auch im vorangegangenen „Last Dance With You“. Hinzu kommen Tremolo Gitarren, ein ganz schön bewegtes Feeling und eine Prise Echo über ALLEM. Unterm Strich gibt das dem Song den klassischen Surfsound. Sollte der Song eine Referenz sein, dann definitiv an The Ronettes.
Bad Boy Banger
Der größte Banger des Albums ist meiner Meinung nach „Killer Eyes“. Schnell, direkt, wild und verspielt – some proper Rock ’n‘ Roll. Endlich hören wir auch die obligatorischen Choo Wap’s in den Backing Vocals. Die Gitarren haben NOCH mehr Tremolo als vorher (sie hören sich also noch zitternder an) und das Schlagzeug prügelt einen praktisch auf die Tanzfläche. Genauso rude ist der restliche musikalische Charakter des Songs, alles ist ein wenig angezerrt und roh.
Speaking of rude: Im Text geht’s um den Rebellen, den Trouble Maker, um Auflehnung und die Vergötterung des Bad Boy Images. Klar, die 60er halt.
„I know his heart
Is cold as ice
But I fell for those
Killer eyes“
Der wichtigste Bestandteil eines guten Liedtextes aus jener Zeit ist ebenso wenig wegzudenken, wie die Schmalzlocke beim Teddy-Boy: Das „Yeah!“ ist in diesem Song quasi überrepräsentiert.
Wie beim Konzert
Den Abschluss krönt „So What“. Mit dem lebhaften Song am Schluss rundet sich das Album perfekt ab. Er strotzt vor Energie, ist fröhlich und ausgelassen und kommt einem wie eine Party vor. Gesungen wird über eine unbeschwerte Gleichgültigkeit, die Musik könnte gar nicht besser dazu passen. Tatsächlich traut sich sogar ein Gitarrensolo in die letzten Minuten des Albums auf den Track, den es sich nicht besser hätte aussuchen können. Zu guter Letzt gibt es einen wohlverdienten Applaus, als wäre das ganze Album eine Live-Show gewesen.
Die Wurzeln von heute
Man kann sagen, dass beinahe alles, was die Musik der frühen 1960er Jahre bewegt hat, aufgegriffen wurde. Gefühle und Romantik spielen eine große Rolle, aber auch die Unbeschwertheit und Teenie-Fantasien sind leitmotivartig eingearbeitet. Die Musik soll heute, wie damals eine gute Laune, trotz negativ gestimmten Emotionen vermitteln.
Ein starkes Duo also, die Courettes. Erinnert mich teils sogar an die White Stripes. Und das nicht nur, weil die Besetzung die gleiche ist. Die rohe, angeraute Musik impliziert Ehrlichkeit und ist eine Hommage an ein schon längst vergangenes Zeitalter, was – und das darf man nicht vergessen – unsere heutige Sicht auf die Popmusik und -kultur maßgeblich geprägt hat.
Für mich ist es immerhin schön, neue Musik, die nach alt klingt, zu entdecken. Das ist es nämlich, was Liebhaber von Vergangenem fehlt: Jenen Spirit in neuer Musik.
Das Album ist natürlich unten verlinkt. Vielleicht hört ihr ja sogar für euren nächsten Roadtrip mal rein, passt wirklich gut. Also dann, Lederjacke an, Pomade in die Tolle und Nadel auf die Platte: The Fabulous Courettes!
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Der Züricher Musiker veröffentlichte vor kurzen die Singles „GTA“ und „Verlür Mi“.
Zugegeben, bei einer Hörgewohnheit von überwiegend englisch- und deutschsprachigen Songs ist Schweizerdeutsch erst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Das ist für den Spirit der Songs von Garvan Shvarts aber kein Hindernis, um Hörer*innen in den Bann seiner lyrisch-sphärischen Musik zu ziehen. Dabei schafft er es sogar, den Träumer ein wenig auf die Tanzfläche zu schicken. „Melancholischer Indie-Elektro-Pop zeigt Tanzallüren“ schreibt er selbst.
Sehnsüchtig, hadernd und aufgekratzt
Er selbst war Leadsänger und Gitarrist bei mehreren Punk- und Indie-Bands und kam so 2019 zur elektronischen Musik. Wer seine Musik hört wird auch merken, dass er seine Indie Vergangenheit definitiv nicht leugnen kann – und das ist auch gut so. Seither ist er unter anderem als Support für den Rapper Kryslaufgetreten und konnte vor dem Lockdown noch einige Liveperformances genießen. Die Zeit im Lockdown nutze er für Studiozeit, Kooperationen und Releases. Jetzt sind Anfang 2022 die beiden neuen Singles „GTA“ und „Verlür mi“ erschienen.
Melancholie und zeitgenössische Hip-Hop Thematik
Für Garvan Shvarts begann das Jahr 2022 gleich mit der Veröffentlichung seiner Single „GTA“ am 07. Januar. Sie befasst sich mit der Wut eines jungen Menschen über seine fehlenden Perspektiven.
„ganz Tag gschlafe GTA gspilt
Ghofft dass Insta d’Einsamkeit killt“
Mal ehrlich, wir kennen diese Tage. Man liegt den halben Tag im Bett, hängt die andere Hälfte auf dem Sofa und kommt aus Motivationslosigkeit nicht zur Produktivität. Manchmal braucht man diese Tage, oft hat man sie sich auch verdient. Manchmal ist es aber auch etwas anderes, was einen ans Bett fesselt und das kann auch ein Indiz dafür sein, dass es momentan eine schwere Zeit ist und es einem gerade einfach nicht gut geht.
Dieses Feeling greift Garvan Shvarts in „GTA“ auf und verpasst dem Song damit seine typische, melancholische Thematik. Mit hinzu kommt auch eine Note der Frustration, nicht nur über fehlende Perspektiven, sondern ebenfalls über das Alleinsein.
„mir und mine Brüeder ghört d’Strass Dihei wenig Zimmer viel Lüt name Hass“
Gleichzeitig wird eine klassische aber zeitgenössische Hip-Hop Thematik aufgegriffen. Die Kombination aus einer bescheidenen Wohnsituation zuhause, dem Straßendasein und der ungewissen Zukunft geben „GTA“ ein typisches Motiv.
Die Musik des Tracks selbst lässt zuerst das Potenzial durchschimmern, den angekündigten Tanzallüren gerecht zu werden – das erste, was man hört ist die eingängige Hook. Im Verlauf bewegt sich die Atmosphäre des Songs immer näher zum Thema der Lyrics. Allmählich wird durch die Musik eine Melancholie, gar Desorientierung freigesetzt, die sich später in unterschwelliger Wut und Verzweiflung äußert.
Ein klitzekleiner Teil des Universums
Die zweite Single „Verlür Mi“ ist eine Kooperation mit der Sängerin Dijana Vidovic und kam am 04. Februar. Auch hier möchte ich euch in eine Situation entführen, die viele bestimmt schon einmal gehabt haben. Nach einem anstrengenden Tag oder einer nervenaufreibenden Nacht auf dem Nachhauseweg in der Bahn kommt es irgendwann unweigerlich dazu, dass man anfängt aus dem Fenster zu schauen und ziellos ins Nichts zu blicken. Dabei können die Gedanken zügellos schweifen und sich in Raum und Zeit verlieren.
„Verlür mi iZiit und Ruum während ich usem Zweier lueg Und fühl mi so zimli dumm doch freier will ich, nüt anders muen“
„Verlür Mi“ handelt von einem solchen Szenario. Der Text befasst sich mit Gedanken vom Vermissen und Gefühlen der Schwerelosigkeit. Er kommt zur Erkenntnis, dass der Mensch eingeschränkt ist und das Sein Grenzen aufweist. Man ist nur ein klitzekleiner Teil des Universums. Die Bahnfahrt ins Ungewisse wird zu einer Metapher für den Lauf des Lebens.
Die Musik lädt dabei zum Träumen ein. Sie ist eigentlich sogar der perfekte Soundtrack für ihre eigene Handlung. Träumerisch, belegt ergänzen die Synthies den schweifenden Gesang. Das Herzstück des Tracks bildet der Eintritt des wunderschönen Gesangparts von Dijana Vidovic. Ihre Stimme bringt eine gewissen Klarheit in die sonst von Hall und Echo geprägten Soundscapes.
Am Ende dann gewinnt der Song mit einer aufklärenden Message an noch mehr Aussagekraft.
„Das meh Vielfalt viel meh vibriert Und dasses s’okay isch egal wer wer liebt“
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Auf den Veröffentlichungen ruht sich Garvan Shvarts aber nicht aus. Für die kommenden Monate hat er einiges geplant. Im März erscheinen nicht nur der Videoclip zu „GTA“ und die Long Version von „Verlür Mi“, sondern auch eine weitere Single mit dem Namen „Ikarus“.
Im Mai kommt dann das Album „Mitem Schirmlidrink a d’Demo“ in der Zusammenarbeit mit Krysl und Parakeet. Das Trio nennt sich „Cis Wixer“ und findet sich in den Genres Hip-Hip und Electro-Pop wieder. Gleichzeitig wird Dijana Vidovic im Mai ebenfalls auf der gemeinsamen, angekündigten Single „Sommer of la“ zu hören sein.
Seid gespannt und hört gern mal rein – es lohnt sich!
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Das war’s fast schon wieder mit 2021 und jetzt bin ich dran, meinen musikalischen Jahresrückblick mit Euch zu teilen. Ich möchte Euch nicht nur von Songs, Alben und Künstler:innen berichten, die ich neu entdeckt, gefeiert oder auch nicht gefeiert habe, sondern auch von meinen Konzerthighlights 2021 erzählen.
Wer mich kennt, weiß ganz genau um meine Obsession mit der Musik der Beatles. Sie begleitet mich schon seit bald einem Jahrzehnt, beinahe unangefochten an der Spitze meiner Hörgewohnheiten und tauchen auch heute noch immer mal wieder in meinen Playlists auf. Aber nicht nur was das Hören betrifft, sondern auch beim Thema Songwriting und die Art und Weise, wie ich Musik spiele ist weitestgehend von ihnen (zumindest) inspiriert. Umso überraschender ist es daher, dass die Beatles in meinem diesjährigen Spotify Wrapped nicht unter den Top 3 meiner meistgehörtesten Künstler:innen wiederzufinden sind. Und daran hat das Jahr 2021 mit seinen musikalischen Ereignissen, die es für mich auf Lager hatte, eine erhebliche Mitschuld. Grund für die neue Konstellation meiner favourite artists sind aber keine expliziten Alben, sondern endlich mal wieder Konzerte!
Ein Album mit Enttäuschungspotential
Am Anfang des Jahres – muss ich zugeben – bin ich zu einem Dauerhörer der gesamten Diskografie von John Mayer mutiert. Seine Musik hat mich zwar auch schon im letzten Jahr, als ich erstmals auf ihn gekommen bin, ziemlich beeindruckt, Anfang 2021 habe ich aber angesichts eines schmerzenden Herzens das erste Mal das Gefühl gehabt, seine Texte zu verstehen.
Immer mal wieder schimmerten allerdings in sämtlichen Kompilationsplaylists so ein paar Early-bis-Mid-2000’s-Klischeelovesongs von ihm durch, die in ihrer Unangenehmheit teilweise nicht zu übertreffen sind. Irgendwann nach dem zwanzigsten Mal hören von der Line „Your Bubblegum Tongue“ in „Your Body Is A Wonderland“ kam mir dann das Kotzen und ich habe mich auf eine präzisere Auswahl von besseren Mayer Songs, die mehr Gitarrenvirtuosität beinhalten, beschränkt.
Im Juli erschien dann „Sob Rock“ und in der Hoffnung auf ein „New Light“ für neue, überzeugende Songs habe ich mir das Album direkt angehört und habe gemerkt, dass jene neue, überzeugende Songs auf dem Album gänzlich fehlten. Drei davon waren sowieso schon gefühlt vor 10 Jahren veröffentlicht worden (nicht wirklich, sondern 2018 & 2019) und dem Rest kaufe ich die 80er Nostalgie und die softe Ästhetik nicht wirklich ab. Klar, das Album hält, was der Titel verspricht. Wer aber Mayer‘s Bluesrock und mitreißende Gitarrensoli möchte, sollte die Hoffnung bei dem Album aufgeben. John Mayer war danach erstmal raus. So viel zu meiner musikalisch größten Enttäuschung von 2021.
Das erste Konzert seit Dezember 2019
Das erklärt aber immer noch nicht, warum die Beatles von ihrem ewigen Thron meiner Nummer 1 verstoßen wurden. Um eine Erklärung zu finden, erzähle ich jetzt von etwas bei mir mittlerweile sehr Rarem, etwas, was ich lange nicht mehr erlebt habe: Konzerte. Ein Konzert hat 2021 bei mir komplett auf den Kopf gestellt. Am 19. Juli war ich in Köln auf einem Picknick-Konzert von Giant Rooks. Mit der Unwetterkatastrophe im Nacken, musste das Konzert vom 15. auf den 19. verschoben werden, fand dann aber ohne Probleme unter freiem Himmel statt. Wieder ein Konzert anzutreten war erstmal komisch und es war etwas beängstigend, wieder unter Menschen zu gehen.
Das Konzept der Picknick-Konzerte war aber unfassbar ausgeklügelt umgesetzt und einfach nur perfekt. Ich war überrascht, wie sicher und frei ich mich während des ganzen Konzertes gefühlt habe. Nebenbei war alles reibungslos, unchaotisch und von Anfang bis Ende durchdacht geplant. Ganz zu schweigen vom Konzert selbst. Voller Energie und sichtlich erfreut über die Möglichkeit endlich wieder spielen zu können, haben Giant Rooks mit ihrer Show einen so guten Eindruck bei mir hinterlassen, dass ich Dauerhörer, praktisch Fanboy geworden bin – auch, wenn ich damit eher ein Spätzünder bin. Somit waren die im Juni erschienenen Rookery Live Tapes seither permanent in der Dauerschleife. Am besten finde ich davon übrigens „The Birth of Worlds“.
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Dass Sam Fender nächstes Jahr die legendäre Marke Wembley knackt, ist schon mal ein Zeichen dafür, dass er zu einem wirklich großen Musiker geworden ist. Umso seltener ist es dann jedoch, ein wirklich „kleines“, intimes Konzert von ihm erleben zu können. Dieses Juwel von Chance wurde mir im November zuteil, als ich in Berlin auf einem Clubkonzert von ihm dabei war.
Allerdings hätte der Abend schlechter nicht starten können. Berlin hat sich an diesem Tag von seiner kalten und windigen Seite gezeigt und es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, jeden freien Millimeter der Stadt mit Regenwasser zu füllen. Und als wäre das nicht schon genug, war die Location vollkommen überfordert mit den 700 Menschen, die am Konzert teilnehmen wollten. Nach einer Dreiviertelstunde Vollregnenlassen sind wir dann endlich reingekommen, hatten dann aber erhebliche Schwierigkeiten noch irgendwo im Club Platz zu finden – es war alles bis auf den letzten Quadratzentimeter voll mit Publikum. Eine eigentlich für ein Konzert ziemlich gute Ausgangssituation, innerhalb einer Pandemie und trotzt 2G dennoch abschreckend und beängstigend, zumindest für mich.
Als das eigentliche Konzert anfing, war der ganze Raum plötzlich mit einer ungeheuren Energie gefüllt, die alle vorherigen Negativeinflüsse komplett weggefegt hat. Die Beengung schien umgehend aufgehoben, man wollte sich bewegen und hatte eine wirklich gute Zeit. Nach dem dritten Song ging Sam Fender dann kurz von der Bühne, because he had to „take a piss“. Währenddessen hat seine Live-Band den Laden in Schacht gehalten und einfach weiterimprovisiert. Aber auch Mr. Fender himself hat im seinem Geordie Accent gute Stimmung verbreitet und ist persönlich und spaßig mit seinen Fans umgegangen.
Die Musik klang natürlich wie direkt von der Platte und gewährte keinen qualitativen Nachlass – es war der Wahnsinn. Nebenbei fällt einem dann immer ein: „Der Typ steht gerade 10 Meter weg von mir und spielt nächstes Jahr Wembley!“. Was für ein Feeling, was für gute Musik, was für ein hammer Konzert und – ja, trotz des Wetters und allem anderen – was für ein schöner Abend.
Dementsprechend hab ich auch sein im Oktober gedropptes Album „Seventeen Going Under“ geblastet. Biblical.
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Keine Angst, die sind direkt auf Platz vier gelandet und stellen immer noch einen großen Bestandteil meines Musikkonsums dar. Sie sind aber auf jeden Fall auch weniger greifbar, als Giant Rooks oder Sam Fender. Vielleicht liegt das an ihrem Legendenstatus. Oder daran, dass es sie schon lange nicht mehr gibt und die Hälfte der Besetzung nicht mehr lebt. Und vielleicht entfacht die vor kurzem herausgekommene Beatles-Doku „Get Back“ auch wieder neues Feuer. Das weiß aber nur der Spotify Rückblick vom nächsten Jahr.
Ich hasse Vorsätze für das kommende Jahr. Aber anhand der Musik, die ich höre sieht man, dass sich dort eine ausschließlich männliche Schiene durchzieht und das werde ich nächstes Jahr definitiv ändern.
Treffender kann ein Songtitel nicht sein: Mit „Der letzte Song“ beendet der Kraftklub-Sänger sein Soloprojekt Kummer. Ins Leben gerufen hat Felix Kummer seine Solokarriere als Rapper 2019. Seine Texte sind eher welche von der traurig-melancholischen Sorte, zu hören in Liedern, wie „26“ oder „Es tut wieder weh“. Den hohen Grad an Emotionalität in seinen Lyrics machte er sich schnell zum Markenzeichen.
Böse Mine
„Tut mir leid, keine Sätze, die dich aufmuntern zum Schluss Auch der letzte Track zieht einen noch runter in den Schmutz„
Dieser Manier ist Kummer auch in seinem letzten Song treu geblieben. Er handelt von Perspektivlosigkeit und einer gnadenlosen Realität, die keinen Platz für das leere Versprechen eines Happy Ends lässt. Auch, wenn er es selbst gern anders hätte, meint der Rapper jede Zeile so ernst, wie die Vorangegangene. Er gesteht sich ein, dass seine Texte eben nicht dazu da sind, Ängste zu nehmen und Parolen zu füllen. Wenn man aber ehrlich ist, braucht es das bei einem perfekt traurigen Song, wie diesen auch nicht.
„Ich hab‘ keinen sicken Flow und schreib‘ auch keine Hits Aber gib mir eine Strophe und die gute Stimmung kippt“
Gutes Spiel
So, wie die Strophen einen runterziehen, zieht die Musik dazu einen wieder hoch. Man könnte fast sagen böse Mine zu gutem Spiel? Produziert von BLVTH und Flo August, klingt der Track rockig voranbringend – der Beat allem voran. Auch, wenn es sich zu Anfang erst etwas bedeckt und abgedämpft hält, treibt einen das Instrumental in der zweiten Hälfte zur Bewegung.
Abgerundet wird „Der letzte Song“ durch die wunderschöne, hoffnungsvoll klingende Stimme von Fred Rabe. Für den Giant Rooks Sänger ist es nichts Neues, einen Rapper auf Deutsch zu featuren, schließlich hat er das dieses Jahr schon mit RIN bei „Insomnia“ gemacht. So übernimmt er hier den Gesang in der Hook, was dem Song wirklich gut steht. Ihm würde man tatsächlich glauben, dass alles gut wird.
Live-Performance
Und dann ist da noch der unfassbar sehenswerte Fernsehauftritt im ZDF Magazin Royale vom 12. November. Begleitet vom Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld, legt Kummer eine 1-A Performance hin. Auch Fred Rabe beweist einmal mehr seine musikalischen Fähigkeiten und zeigt sich erstmals am Schlagzeug. Damit sich niemand den Aufwand machen muss, habe das Video dazu hier einmal verlinkt.
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Kummers letzte Tour begann bereits am 17. November und danach ist endgültig Schluss mit dem Soloprojekt. Er kündigte an, sich in nächster Zeit wieder Kraftklub zu widmen. Mit „Der letzte Song“ gelang ihm jedenfalls ein Finale, dass an trauriger Schönheit nicht zu übertreffen ist. Zudem stürmte die Single kürzlich die Spitze der deutschen Single Charts. Falls sich jetzt aber jemand nach dem Ende der Solokarriere in tiefe Sinnkrisen stürzt: Alles wird gut – Ach, wird es das?
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