Autor: Leif

  • Moon Mirror: 30 Jahre Nada Surf

    Moon Mirror: 30 Jahre Nada Surf


    Es ist ein kalter Dezemberabend, einer der letzten in 2024. Die Hamburger Markthalle ist bis in die letzte Ecke gefüllt und von der Kälte draußen ist absolut gar nichts mehr zu spüren. Kurz vor Weihnachten kommen Nada Surf mit ihrer Welttournee nach Deutschland. Das amerikanische Indierock-Urgestein hat zuvor im September ihr aktuelles Album mit dem Titel „Moon Mirror“ veröffentlicht. Die langersehnte Veröffentlichung ist das erste Nada Surf Album seit vier Jahren und markiert das 30-jährige Jubiläum ihrer Debütsingle. Auf dem Konzert wurden neue Songs und alte Klassiker der Band zum Besten gegeben.


    Beginn mit einem Klassiker

    Wer an Nada Surf denkt, bekommt vermutlich ganz unfreiwillig einen Ohrwurm ihres größten Erfolges „Inside of Love“. Klar, dass dieser Song dann in der Setlist nicht fehlen darf. Zunächst war es allerdings überraschend, dass der Abend mit diesem eigentlichen Höhepunkt eröffnet wurde. Wer jetzt glaubt, das Pulver sei damit direkt verschossen gewesen: weit gefehlt. Der Fokus sollte damit im weiteren Verlauf auf den neuen Songs liegen.

    „Moon Mirror“ zeigt vor allen Dingen eines. Die Band ist sich und ihrem Klang treu geblieben. Nada Surf schaffen es einerseits ein vertrautes Klangbild zu schaffen, das aussagt: „Wir sind immer noch die Indierock-Helden, die ihr kennt und liebt“. Andererseits klingen sie damit nicht redundant oder eintönig. Dieses Album dürfte also Neuentdecker sowie Fans der ersten Stunde gut gefallen.


    Der Song auf „Moon Mirror“, der den Spagat zwischen neuem Stoff und familiärer Gewohnheit am besten abbildet, ist „New Propeller“. Sanft und träumerisch startend nimmt der Song nach einer Minute Fahrt auf und klingt durch Einsetzen der gesamten Besetzung wie das Gefühl der Freiheit, wenn man an einem lauen Sommerabend durch ein Kornfeld spaziert. Zeitweise ist auch genau das im Musikvideo zu sehen. Stark an den eingangs genannten Hit „Inside of Love“ erinnernd, reiht sich „New Propeller“ perfekt in die nach optimistischer Melancholie klingenden Diskographie der Band ein.

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    Schon immer träumend philosophisch

    Sänger und Songwriter Matthew Caws ist bekannt dafür, Philosophien des Lebens in seinen Songs zu verarbeiten. Dabei strebt er kontinuierlich nach mehr, sucht Lösungen und spricht in einer die Natur und Umwelt darstellenden Bildsprache. Auch im Titelsong „Moon Mirror“ hält er sich auf diese Art den Spiegel vor und begibt sich auf die Suche nach einem Freund – oder zumindest nach etwas Vertrautem. Dieses findet er im Spiegel des Mondes und gibt uns nicht nur mit dem Song, sondern mit dem ganzen Album unseren eigenen „Moon Mirror“.


    „Come down, help me make it clearer
    I’ve been waiting for you, moon mirror“


    Zurück in Hamburg wurde das Set für einen kurzen Moment unterbrochen. Matthew steht allein vorne am Mikro, holt einen gefalteten Zettel aus seiner Hosentasche und liest ihn vor. Auf Deutsch. Mit sympathischer und humorvoller Weise kündigt er den nächsten Song an: „In Front of Me Now“. Der etwas kräftigere Popsong hat dabei eine Botschaft, die nach einem guten Vorsatz für das neue Jahr klingt. Konzentriere Dich auf das, was vor Dir liegt und fokussiere Dich auf die eine wesentliche Sache.

    „Moon Mirror“ ist schon jetzt ein neuer Klassiker der New Yorker Indierockband Nada Surf. Reinhören ist in jedem Fall lohnenswert, darum ist untenstehend das Album verlinkt!

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  • Leifs Jahresrückblick: Wiederentdeckte Dauerbrenner und eine Menge Regen

    Leifs Jahresrückblick: Wiederentdeckte Dauerbrenner und eine Menge Regen


    Das letzte Zwölftel des Jahres 2024 ist angebrochen und mit ihm kommt die kalte dunkle Jahreszeit. Eine Jahreszeit, die zuhause gemütlicher macht, Besinnlichkeit und Beisammensein verspricht und für viele Menschen Tradition bedeutet. So ist es etwa bei untoldency Tradition, in dieser Zeit das musikalische Jahr in einem Jahresrückblick Revue passieren zu lassen.

    Denke ich an 2024 zurück, wird mir bewusst, dass es ein Jahr war, in dem ich vor allem eines noch weniger hatte als je zuvor: Zeit. Wer kennt es nicht? Einen geraumen Anteil der Zeit frisst die Arbeit oder die Uni, das Lernen und Sachen, die einfach gemacht werden müssen. Das, was wohl die meisten nachvollziehen können, hat mich persönlich in diesem Jahr stark eingeholt. Der Wert der Zeit, die ich ganz ohne Verpflichtungen und nur für mich hatte, stieg in diesem Jahr ins Unermessliche. Da ist sie wieder, die Inflation.

    Deshalb ist es auch hier in den letzten Monaten ziemlich ruhig um mich geworden. Aber anstatt über ein Problem zu lamentieren, welches ohnehin fast alle haben, komme ich nun auf meine besonderen musikalischen Highlights von 2024 zu schreiben. Viel Spaß mit meinem Jahresrückblick!


    Mein Album des Jahres

    Anfang des Jahres – ich habe hier darüber geschrieben – kam das Debütalbum Prelude to Ecstasy von The Last Dinner Party und hat meine Welt ein wenig aus den Fugen gerissen. Die kraftvollen Lyrics, der pulsierende Pop aber vor allem der Klassik- und Renaissancebezug im Instrumental und in der Gesamtästhetik haben es mir sehr angetan. So sehr, dass die Songs „Sinner“, „Nothing Matters“ und „On Your Side“ allesamt in meinen Go-To Playlists gelandet sind und (zumindest außerhalb der Weihnachtszeit) bis heute täglich von mir gehört werden. Von der Band konnte ich 2024 gar nicht genug bekommen und hoffe, dass 2025 die Sehnsucht nach mehr stillt.

    Spulen wir vor zum Sommer. Zu einem Jahresrückblick gehören ja bekanntlich nicht nur Neuentdeckungen, sondern auch Bekanntes, Liebgewonnenes oder Wiederentdecktes. Außerdem sind es doch am Ende die Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben. Deshalb möchte ich auch über die einzigartigen Konzerte schreiben, die Mitte 2024 besuchen konnte.


    Was ist, wenn wir beide wie Hannover sind?

    Eines davon war das Seventyfive Festival in meiner Heimat, die Grafschaft Bentheim (ja, auch da können gute Konzerte stattfinden). Im Charme eines Speditionsgeländes hat mich vor allem ein Künstler wieder in den Bann gezogen: Thees Uhlmann. Schon seit Jahren, taucht er hier und da immer mal wieder in meinen Hörgewohnheiten auf, allerdings vergaß ich ihn in der letzten Zeit ein wenig. Die fast erloschene Glut wurde an jenem Tag folglich zu einem lodernden Feuer entfacht. Auch, wenn ich für gewöhnlich kaum deutschsprachige Musik höre, vermag mich die von Thees Uhlmann mittlerweile so tief emotional zu berühren, wie keine andere.

    Ein Beispiel. Die Stadt Hannover – dort, wo ich wohne – hat in diesem Jahr eines seiner berühmtesten Wahrzeichen „verloren“. Der sogenannte Telemoritz ist ein in Stadtzentrumsnähe stehender Fernsehturm, der verziert mit drei großen Volkswagenlogos über die Häuser Hannover wachte. Er war mit seiner VW-Werbe-Charakteristik nicht von der Skyline wegzudenken. In dem Song „Was wird aus Hannover“ besingt Thees Uhlmann diesen Turm mit folgenden Worten:


    „Am Bahnhof steht ein Turm, der für Nutzfahrzeuge wirbt
    Du warst wie ein Sturm, den niemand hört und spürt“


    Vom mittlerweile baufälligen Turm, der seit 2004 unter Denkmalschutz steht, wurden im Juli dieses Jahres die Werbeschilder abgehangen. Der triste Anblick dessen und die Emotionalität, die der Uhlmannsche Soundtrack in mir erweckt, haben mich zu jener Zeit möglicherweise ganz kurz zum Weinen gebracht. So viel zu meiner persönlichen Bauwerktristesse von 2024.


    Ins Wasser gefallen

    Eigentlich wollte ich über das erwähnte Festival bei untoldency berichten. Neben Thees Uhlmann hätte auch einer seiner norddeutschen Kollegen spielen sollen, dem ich einige Tage vorher in seiner Heimatstadt Braunschweig lauschen durfte: Axel Bosse. Nach einer unfassbar tollen Darbietung auf der Volksbank BraWo Bühne, habe ich der Show vom sympathischen Headliner Bosse auf dem Seventyfive Festival voller Vorfreude entgegengefiebert. Dazu kam es allerdings nicht, denn das Konzertgelände musste schon frühabends aufgrund von Unwetterwarnungen und straken Regenfällen geräumt werden. Mitten im Sommer fiel Norddeutschland sich selbst zum Opfer.

    Mein absolutes und unangefochtenes Highlight des Jahres hingegen, ist eine Show der Superlative, die seines gleichen sucht. Gemeint ist Coldplay, die ihre „Music Of The Spheres World Tour“ in diesem Jahr nach Deutschland gebracht haben. Auch dort hat es Anfangs durch das offene Stadion wie aus Badewannen gegossen. Die Bühne wurde über eine Stunde lang im Sekundentakt von der Crew mit Wischern abgezogen und von enormen Wassermassen befreit, was natürlich innerhalb von Augenblicken wieder hinfällig war. Diese Show fiel aber nicht ins Wasser – ganz im Gegenteil. Der Regen wurde von der Band atmosphärisch genutzt und auch die Energie der Fans konnte dem schlechten Wetter trotzen. Er schien einfach dazuzugehören, hat das Erlebnis eindrücklicher und die Band trotz Weltruhm noch sympathischer und nahbarer gemacht. Alle tanzten gemeinsam im Regen.


    And It Was All Yellow

    Kurz zusammengefasst war das Konzert knappe 3 Stunden lang ein Hit nach dem anderen, nur Banger aneinandergereiht. Niemals ging die Energie verloren. Die Chance, sich auszuruhen nahm man sich gern selbst. Die phänomenale Lichtshow gab der umwerfenden Kulisse den Rest. Jeder Mensch aus dem Publikum hat für das Konzert ein ferngesteuertes Leuchtarmband bekommen, das nonstop choreographiert in verschiedenen Farben zum Leuchten und Blinken gebracht wurde. So war zum Beispiel die gesamte Arena beim Song „Yellow“ in einem leuchtenden gelb getaucht. Kein Wunder, dass dieses Konzert für lange Zeit unübertrefflich für mich bleibt.

    Das Musikjahr 2024 schließe ich ab mit einer meiner alltime favourites Alternative Band aus den frühen 2000ern. Nada Surf brachten in diesem Jahr ihr neues „Album Moon Mirror“ heraus. Eine Demonstration der neuen Songs habe ich mir im Dezember auf einem ihrer Konzerte in Hamburg geben lassen. Aber darauf werde ich im neuen Jahr zu schreiben kommen. Es sei an der Stelle vorerst nur Folgendes erwähnt: Sie sind sich treu geblieben. Es geht doch nichts über einen Cliffhanger am Ende. Hört Euch das Album bis dahin am besten schonmal an.

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    Am Ende des Jahresrückblickes bleibt nur noch zu sagen: Ich wünsche Euch allen von Herzen besinnliche Festtage, egal was und wie ihr feiert und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2025. Nehmt Euch die eingangs beschriebene, kostbare Zeit, die Euch die Tage zwischen den Jahren geben. Man liest sich!

  • Mine im Interview: »Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist«

    Mine im Interview: »Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist«


    Die BAUM TOUR 2024 zum gleichnamigen Album von Sängerin Mine ist vor etwas mehr als einer Woche zu Ende gegangen. Untoldency hat diese Tour mitpräsentiert und Redakteur Leif hatte die Gelegenheit das Konzert in Hannover im Capitol zu besuchen und vorab ein Gespräch mit Mine zu führen.

    Triggerwarnung/Content Note: Drogen, Drogenkonsum und Sucht
    In der letzten Frage dieses Interviews geht es um die Thematisierung von Drogen und Drogenkonsum. Bitte achtet auf euch selbst und eure Gesundheit.

    Mine im Interview mit untoldency zu ihrem Album BAUM

    Leif: Hallo Mine! Schön, dass du dir Zeit nimmst, ich freu mich richtig. Zum Warmwerden beginne ich mit einer Frage zu deiner Musik. Du hast deine eigene Musik schonmal als „Deutschsprachigen Folk mit Hip Hop-, Jazz- und elektronischen Elementen“ beschrieben. Würdest du das noch so unterschreiben?

    Mine: Deutschsprachiger Folk? Ne, eigentlich nicht. Habe ich das mal gesagt? (lacht) Wenn man mich fragt, sage ich immer ganz grob Deutscher Indiepop mit verschiedenen Genreeinflüssen. Ich finde es voll schwierig mich da festzulegen, weil ich voll gerne mit verschieden Genres arbeite. Manchmal fühle ich mich mehr in die Richtung Dance, andermal eher in Richtung Chanson, manchmal wiederum Klassik. Deswegen überlasse ich das lieber anderen Menschen, meine Musik einzuordnen. Jeder hört es anders und nimmt es anders wahr.

    Leif: Auf die Klassikeinflüsse kommen wir später noch zu sprechen, sie ist ja auch eine Charakteristik deines neuen Albums. Wobei das ja auch schon seit Februar draußen ist.

    Mine: Das gilt noch als neu!

    Leif: Und deshalb: Gratulation zu deinem Album BAUM! Bald ist es zehn Jahre her seit der Veröffentlichung deines Debütalbums Mine, ein Jubiläum also! Seitdem hat sich viel getan. Bist du rückblickend zufrieden und gibt es etwas, das dich bei mehr als zehn Jahren Musikmachen immer begleitet?

    Mine: Es hat sich viel getan, aber hallo! Und ich bin mehr als zufrieden – zufrieden ist gar kein Ausdruck. Ehrlicherweise läuft alles viel viel besser, als ich es mir jemals erträumt habe. Ich hatte ja gar nicht vor, das beruflich zu machen und dachte, dass sich das gar nicht vereinen lässt. Also diese freie künstlerische Arbeit mit künstlerischer Musik als Beruf. Deswegen fühle ich mich gerade sehr privilegiert und dankbar dafür, dass ich das machen darf. Und was mich bis jetzt in den letzten zehn Jahren begleitet hat, ist auf jeden Fall meine Crew. Wir sind schon so lange unterwegs. Das ist ein sehr familiäres Gefühl.

    Leif: Das ist ja richtig toll! Cool, dass ihr euch auch nach zehn Jahren dann noch „treu geblieben“ seid.

    Mine: Voll, wir sind halt auch Freunde und arbeiten sehr gern zusammen. Es ist alles immer sehr harmonisch.

    Über die freie Kunst und die Frage nach dem Besonderen

    Leif: Du hast eben schon das Künstlerische in deinem Schaffen angesprochen. Deine Leidenschaft erstreckt sich auch auf Videodreh von zum Beispiel Musikvideos. Und auf Social Media hast du ein kleines Reel-Format namens SWEETE INSTRUMENTE, was ich persönlich ganz cool finde. Wie kam es denn dazu?

    Mine: Ich weiß auch nicht, ich hatte einfach Bock. Ich bin so eine Instrumentensammlerin und interessiere mich für neue Klänge, die ich noch nicht kenne und wollte selbst ein wenig mehr über die Instrumente, die ich bereits habe, herausfinden. Da lag es nahe als Format kurze Instrumentenkunde zu machen. Aber wo genau das herkam, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte einfach Bock drauf.

    Leif: Es passt ja bei deiner Musik auch total ins Bild – und damit kommen wir auch schon zu deiner Musik und zum Album BAUM. Auf den ersten Blick fällt auf, dass es viele Intros und Reprisen gibt. Hört man rein, vernimmt man zum einen Pop, Hip Hop, Electro, Funk, viele außergewöhnliche Instrumente und starke Arrangements. Zum anderen sind viele Elemente aus der Klassik verbaut. Hast du als studierte Musikerin hohe Erwartungen an „das Besondere“ in deinen Songs?

    Mine: Ne. (lacht) Ich mache immer, wonach mir die Nase gewachsen ist.

    Leif: Das ist eine sehr tolle Antwort!

    Mine: Ich bin einfach ein sehr neugieriger Mensch und bin auch sehr schnell gelangweilt und hungrig. Aber das bezieht sich auf alles im Leben. Ich google alles, ich will alles wissen und ich lese mir alles durch. Wenn ich eine Künstlerin geil finde, schaue ich mir alle Videos und Interviews an. Und so geht’s mir eben auch bei der Musik, die ich selbst mache. Ich höre super viel Musik und wenn mich etwas catcht, überlege ich: Was ist da so drin und wieso klingt es so, wie es klingt? Dann versuche ich mich weiterzubilden, weil es mir Spaß macht Dinge zu machen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Diese Euphorie im Musikmachen will ich dann nie verlieren. Das würde passieren, wenn ich immer das gleiche machen würde.

    Leif: Also nicht stehen bleiben, sondern immer weiter. BAUM ist bisher dein chartmäßig größter Erfolg. Wie fühlt sich das an?

    Mine: Stimmt, da habe ich gar nicht so viel Ahnung von. Ich wüsste auch gar nicht auf welchem Platz es war. (lacht)

    Leif: Das kann ich dir sagen: Platz 7.

    Mine: Ahh, sieben. Ich bin da gar nicht so interessiert, mein Management schon eher. (lacht) Für mich ist das immer so gewesen, dass ich von dem Job nicht abhängig bin. Ich wollte eigentlich als Musiklehrerin arbeiten, damit ich freie Kunst machen kann, ohne über des Geldverdienen nachzudenken. Mir ist es wichtig, dass ich nicht so einen Druck habe und meine Kunst frei bleibt. Deshalb können mir Zahlen auch egal sein. Diese Unabhängigkeit genieße ich sehr.

    Leif: Dieses Privileg befreit deine Kunst bestimmt sehr.

    Mine: Total. Für mich ist es auch die einzig richtige Herangehensweise. Unter Druck könnte ich gar keine freie Kunst machen. Das Musikmachen an sich ist ja das Schöne an dem Job. Und wenn das verloren geht, dann hätte ich gar keinen Bock mehr das zu machen.

    Leif: Das verstehe ich sehr. Du kannst das am besten beurteilen: BAUM ist voll mit persönlich und biografisch wirkenden Songs. Wie viel Mine steckt in den Texten?

    Mine: Es ist schon sehr persönlich, ich denke mir da nichts aus. Für mich ist das Musikschreiben immer Safe Space und Dinge aussprechen, die ich mir vor anderen Menschen so nicht traue. Deshalb ist das alles eigentlich privat. (lacht) Bei jedem Song geht es um eine gewisse Situation, die ich empfunden habe. Und den Dampf lasse ich dann in der Musik raus.

    Leif: Es gibt ja auch Storytelling im Songwriting, aber du musst da schon einen persönlichen Bezug zur Handlung haben?

    Mine: Ich finde es fühlt sich dann so an, als würde man sich selbst covern. Es ist dann eher die Schauspielerei. Und ich finde das auch voll geil, wenn das Leute können. Die haben dann auch ein Alter Ego und schreiben dann Sachen, zu denen sie gar keine Gemeinsamkeiten haben. Aber so ist es bei mir nicht. Ich bin genau die gleiche Person wie hinter der Bühne. Zumindest fühle ich mich nicht anders.

    Der BAUM zieht sich bei Mine als optisches und rhetorisches Mittel wie ein roter Faden durch Album und Bühnenbild.


    Leif: „Werde geboren und werde dann groß, lerne zu leben und dann bin ich tot“ – Hören wir da Kritik an einem kapitalistischen Mittelmaß im Titelsong BAUM?

    Mine: Ich liebe diese Interpretation, auch wenn sie nicht die Gedanken waren, als ich den Song geschrieben habe. (lacht) Aber ich kann sehr zu ihr relaten. Weil ich auch richtig abgef*ckt bin vom Kapitalismus. (lacht lauter) Ich finde es ganz schlimm, wie das Schulsystem kleine Arbeitssoldat*innen zusammenschustert, die, sobald sie außerhalb dieser Leistungsgesellschaft keinen Platz finden, durch das System fallen. Deshalb finde ich diese Interpretation super.
    Aber eigentlich hatte ich beim Schreiben eher an den Zyklus gedacht, den zwar jeder Mensch individuell durchlebt, der sich aber auch ganz unemotional ständig wiederholt. Das soll gar nicht so emotional aufgeladen sein. Es ist einfach Fakt, dass unsere Großeltern, Eltern und Kinder das Gleiche machen. Du wirst da reingeworfen, dann versuchst du klarzukommen, denn gehst du wieder und nach zwei Generationen kann sich keiner mehr an dich erinnern. Ich glaube, dass Menschen sich selbst prinzipiell ein bisschen zu wichtig nehmen. Manchmal ist es gut sich bewusst zu machen, dass das Allerwichtigste ist, dass man Menschen gut behandelt. Alles andere, wie „Ich hinterlasse Fußspuren“ finde ich etwas lächerlich.

    Die BAUM TOUR 2024

    Leif: Die nächsten Fragen zielen auf deine BAUM TOUR 2024 ab. Tourst du gern?

    Mine: Ja, ich lieb‘s! Für mich ist das total Quality Time. Ich bin Mutter von Zwillingen und arbeite sehr viel. Daher habe ich nie so viel Zeit für mich selbst wie jetzt auf Tour. Das genieße ich sehr. Und auch, dass ich mein Team um mich herumhabe. Das sind alles meine Freunde und mit denen unterwegs zu sein fühlt sich an wie eine Klassenfahrt. Ich liebe es mit ihnen Musik zu machen. Aber die Tour ist generell so krass! Es läuft alles so gut und es ist sehr erfüllend.

    Leif: Die ausverkauften Veranstaltungen und die hochgebuchten Konzerte machen es doch sicher noch besser, oder?

    Mine: Ich habe ab dieser Größe hier nach unten alles gespielt. Jede Größe von 30 Leuten bis zu dem, was ich momentan spiele. Ich fand’s auch vorher cool. Was es natürlich mit sich bringt, wenn man mehr Zuschauer*innen hat, ist, dass man alle aus dem Team gut bezahlen kann. Für mich ist das sehr entspannend, wenn ich weiß, alle können davon leben. Denn man investiert super viel Zeit. Aber vom Publikum her ist es ganz egal, es ist immer ein geiles Gefühl. Diesbezüglich ist es bei uns auch nie schlechter geworden. Es kamen immer etwas mehr Leute dazu als vorher. Es gab da nie einen Sprung, sondern ging konstant weiter nach oben. Total angenehm, aber crazy, dass wir jetzt so groß unterwegs sind. Und total entspannt.

    Leif: Entspannt?

    Mine: Ja! Ey, früher sind wir noch hunderte Kilometer selbst auf der Autobahn gefahren mit einem Sprinter. Danach ist man anders müde.

    Leif: Und dann muss noch performt werden!

    Mine: Genau. Das war zwar auch cool, aber jetzt haben wir natürlich Luxus.

    Leif: Was machst du denn beim Touring zwischen den Auftritten am liebsten?

    Mine: Sport! Ich mache jeden Tag Sport. Und heute habe ich noch einen Beat produziert. Sonst geht der Tag ziemlich schnell rum. Wir fangen schon um 14 Uhr an, so viel Zeit ist dann gar nicht mehr. Sport, Duschen, Bühne vorbereiten, Einsingen, Essen und Interviews geben. (lacht und klopft mir auf die Schulter)

    Leif: Du hast eben deine Zwillinge angesprochen. Was fehlt dir am meisten, wenn du unterwegs bist?

    Mine: Auf jeden Fall meine Kinder. Meine Kinder, das Studio und das Alleinesein. Man hat immer Menschen um sich rum und Zurückziehen ist da eher rar. Und meine Freunde in Berlin fehlen mir auch sehr. Aber sonst vermisse ich ehrlich gesagt gar nicht so viel.

    Leif: Das reicht ja auch! Selbst eine Sache zum Vermissen kann ja schon schwer wiegen.

    Mine: Im Großen und Ganzen sind es auch eigentlich nur meine Kids. Alles andere ist nicht der Rede wert. Die sind so süß. (lacht)

    An dieser Stelle sei erneut auf die anfängliche Triggerwarnung hingewiesen:
    Sollte euch die Auseinandersetzung mit den Themen Drogen und Drogenkonsum schwerfallen, lest diesen Artikel ab dieser Stelle bitte nicht weiter.

    Leif: Bei uns endet ein Interview immer mit einer Anekdote oder etwas, was du noch nie über dich erzählt hast. Was ist deine untold story?

    Mine: Eine Sache kann ich dir verraten. Was ich noch nie gesagt habe, weil ich das eigentlich nicht verherrlichen will, ist, dass es bei einem Song von mir um LSD geht. Ich habe das noch nie erzählt, denn ich bin nicht so ein Fan davon, über Drogen in der Öffentlichkeit zu reden. Ich denke, das Thema muss mit sehr großer Vorsicht betrachtet werden. Und ich rate Leuten prinzipiell erstmal davon ab, weil es sehr gefährlich ist für Leute mit psychischen Vorerkrankungen und man sehr aufpassen muss.

    Leif: Der Titel des Songs bleibt daher an dieser Stelle lieber unerwähnt. Und damit endet unser Interview! Ich danke dir für deine Zeit, für das schöne Gespräch und freue mich auf’s Konzert!

    Mine: Mich hat es auch gefreut! Wir geben heute alles!


    Dass zum Beinahe-Tourende alles gegeben wurde, verspürte man in jeder Sekunde des Konzertes. Die kraftvolle und energiegeladene Performance zeichnete sich durch einen abwechslungsreichen Mix aus Mine-Klassikern und neuen Songs des Albums aus. Auch die Support Acts Shelly Phillips und ffortissibros heizten dem Saal ordentlich ein.

    Am Ende wird hier die klare Empfehlung ausgesprochen, ein Mine-Konzert zu besuchen. Auch, wenn die Tour nun vorbei ist, stehe weitere Daten in der bald startenden Festivalsaison an.


    22.06.2024 – Duisburg, Traumzeit Festival
    24.07.2024 – Freiburg, Zelt-Musik-Festival
    25.07.2024 – Marburg, KFZ
    16.08.2024 – Leipzig, Parkbühne Geyserhaus
    17.08.2024 – Hamburg, MS Dockville
    07.09.2024 – Berlin, Lollapalooza
    08.09.2024 – Berlin, Lollapalooza


    Wer sich das Album BAUM bisher noch nicht angehört hat, sollte es schleunigst tun. Die Möglichkeit zum Reinhören gibt es hier.

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    Fotocredit: Bastian Bochinski

  • Dramatischer Realismus: „Prelude to Ecstasy“ von The Last Dinner Party

    Dramatischer Realismus: „Prelude to Ecstasy“ von The Last Dinner Party


    Prelude to Ecstacy heißt das Debütalbum der britischen Band The Last Dinner Party. Der Titel verspricht eine Flucht vor der Realität – hält das Album dieses Versprechen? 1815 war ganz Europa in Folge des größten Vulkanausbruches aller Zeiten unter einer Decke der Dunkelheit verborgen. In dieser apokalyptisch scheinenden Zeit schuf Mary Shelley eine der ersten gotischen Novellen, besser bekannt als Frankenstein. The Last Dinner Party tun es ihr auf zeitgenössischer Art und Weise gleich.

    Das heutige apokalyptische Setting äußert sich im Sterben unseres Planeten und im Tod der Wahrheit. Im postfaktischen Zeitalter scheint nichts mehr real zu sein. Vielmehr besteht unsere Welt aus deep fakes, fake news und AI. The Last Dinner Party wirken dem entgegen mit etwas, was diese Dunkelheit durchbricht: Ehrlichkeit.

    Inspiriert durch Romantik, Gotik und einen Hang zum Grotesken schaffen die fünf Musikerinnen mit Prelude to Ecstacy ihren eigenen Frankenstein. Dabei halten sie an der Ästhetik des Ursprungs fest. Auch die Musik bedient sich an Stilmitteln einer enormen Dramatik, Theatralik und eines Surrealismus aus vergangen Zeiten. Die Lyrics hingegen könnten aktueller nicht sein. In ebendieses Bild passend: Das Album wurde aufgenommen in einer umgebauten Kirche.

    Der erste Akt

    Schlägt man die Definition von Präludium nach, so stoßt man auf folgende Beschreibung: Ein oft frei improvisiertes musikalisches Vorspiel oder eine fantasieartige selbstständige Instrumentalkomposition. Mit einer solchen findet sich ein dramatischer Einstieg in das Bühnenwerk Prelude to Ecstacy. Erster Akt.

    Die Atmosphäre des Anfangs geht in den darauffolgenden Songs keinesfalls verloren. Während Titel und Track von Burn Alive nur vor Spannung und Tiefe strotzen, wirkt Caesar on a TV Screen zuerst wie ein groteskes Trauerspiel, verwandelt sich aber nach gut einer halben Minute in ein kräftig theatralisches Stück Popmusik und kommt am Ende zu einer Art musikalischem Showdown.

    The Feminin Urge trägt die Stimmung mittels James-Bond-Gedächtnis-Gitarre weiter. Mit On Your Side und Beautiful Boy findet die Dramaturgie des ersten Aktes in schmerzlich träumender, vor allem wunderschöner Manier sein Ende. Zum Einsatz kommen hier neben klassischer Bandbesetzung – wie im Intro von Prelude To Ecstacy – klassische Instrumente.

    „I wish I could be a beautiful boy“


    Der zweite Akt

    Gehüllt in einem himmlischen Stimmennebel und begleitet von einer Kirchenorgel beginnt die zweite Hälfte des Albums mit dem choralähnlichen Gjuha. Der Übergang zum rockigen Popsong Sinner ist phänomenal und unterstreicht einmal mehr, wie sehr Prelude To Ecstasy als Gesamtwerk zu betrachten ist. My Lady of Mercy nimmt diese poppige Gelassenheit auf, wandelt sie jedoch im Laufe des Songs in sich aufbauende (und damit endlich wiederkehrende) Dramatik um.

    Portrait of a Dead Girl verwirrt zuerst, indem das Klavier einen 6/8-Takt vorgaukelt. Beim Einsetzen des Schlagzeugs wird aber klar, dass es sich hier um einen 4/4-Takt und eine triolische Spielweise des Klaviers handelt (und damit wäre der Musiktheorie-Bildungsauftrag erfüllt). Spannend wird es auch beim darauffolgenden Song, der der Bekannteste des Albums sein dürfte.

    „And I will fuck you like nothing matters“


    Nothing Matters verbindet alles, wofür dieses Album, seine Dramaturgie und Ästhetik stehen. Das Künstlerische mit kleinen musikalischen Verweisen an klassische Musik (Orgel, Harfe) verbunden mit zeitgenössischem, kraftvollem Rock. Dazu feministische Perspektive und apokalyptische Endzeitthematik. Sogar ein Gitarrensolo hat dieser sehr, sehr gute Song und ist damit zumindest einer der Höhepunkte des Albums.

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    Prelude To Ecstacy findet mit dem grandiosen Schauerspiel Mirrors ein bedrückendes Ende. Ist das Wort Dramatik schon viel zu oft in diesem Text gefallen, wird aber jene nun aus allen vorangegangenen Songs extrahiert und in einem großen Finale der Melancholie endgültig freigesetzt. Es verläuft sich allmählich in einer ekstatisch solierenden Gitarre über sinfonischen Streichern und verblasst langsam („I fade away“). Schließlich endet es, wie es anfing: mit orchestraler Instrumentalmusik.

    Mit Prelude To Ecstacy schaffen The Last Dinner Party ein perfektes Debütalbum und kreieren durchdacht einen einzigartigen Stil, der die Urform von Kunst und Schönheit mit Spannung und Hyper-Realismus vereint. Die Kombination aus Vergangenheit und Gegenwart gelingt der britischen Band in ihrer Musik und ihren Texten hervorragend. Das Album ist zum Reinhören unter diesem Artikel verlinkt.

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  • FLUKES sind süchtig nach „Blauem Licht“

    FLUKES sind süchtig nach „Blauem Licht“


    Der Song wie ein einziger Rausch, ein Titel, der viel bedeuten kann und Musik, die einen von der Party nach Hause trägt: Die vierköpfige Hannoveraner Indie Band FLUKES veröffentlichen ihren neuen Song Blaues Licht.

    Zu Beginn ein liegender Synthie, eine angedeutete Gitarre. Die Strophe setzt nach sehr kurzem Intro beinahe plötzlich mit klarem Gesang und prägnanten Drums ein. Fast gesprochen, steht der Gesang direkt im Vordergrund und findet sich perfekt in den vorerst atmosphärischen, trotzdem stark treibenden Refrain ein


    „Einfach vor den Latz geknallt“

    Kurzer Break, dann der Refrain. Die Synthies werden stärker, die Gitarre lebendiger, beide nehmen ein Lasso und ziehen dich auf die Tanzfläche. Die eintönige Melodie des Gesangs steigt gleich mit ein und pflanzt einen Ohrwurm, der sich zum Glück nicht so schnell entfernen lässt.

    „Shalala die ganze Zeit verrinnt in deinen Händen,

    Süchtig nach blauem Licht
    Shalala die ganze Nacht allein in dein‘ vier Wänden,

    Süchtig nach blauem Licht“


    In der zweiten Strophe will der Gesang mehr. Er wird intensiver, nuancierter und arbeitet sich steigernd bis zum nächsten Refrain heran. Unmittelbar danach bricht dann ein verzerrtes Gitarrensolo aus, was den Rausch im Song auf die Spitze treibt. Und dann kurz Ruhe. Blaues Licht beruhigt sich und lässt dich durchatmen, ehe es dich mit einem letzten Ohrwurmchorus und offenem Ende in die Nacht entlässt.

    Irgendwo zwischen The Strokes und Von wegen Lisbeth

    Und nun zur Band: FLUKES sind ein vierköpfiges Indie-Gespann und stammen aus Hannover. Die Bandmitglieder verbindet eine lange Freundschaft und sie fühlen sich bei Themen wie Jugendliebe oder Grow-Up-Struggles zuhause.

    Ihre Musik beschreiben sie selbst als Zusammenspiel von melancholischen Gitarren-Lines, Wohlfühl-Synthies und treibenden Schlagzeug-Beats stets charakterisiert durch Nostalgie und gleichzeitigem Blick nach vorn. Genau das ist in „Blaues Licht“ gut zu hören. Zu ihren Inspirationen zählen The Strokes, Bilderbuch und Von wegen Liesbeth. In naher Zukunft dürfen wir uns über weitere neue Singles, eine EP und eine kleine Tour von FLUKES freuen. Reinhören und dabeibleiben lohnt sich also!

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  • Leifs Jahresrückblick: Der Soundtrack, der jedes meiner Weihnachten bestimmt

    Leifs Jahresrückblick: Der Soundtrack, der jedes meiner Weihnachten bestimmt


    Alle Jahre wieder kehrt im Dezember die unvermeidbare Weihnachtsstimmung ein. Zwar hat sich über die Jahre hinweg eine Menge verändert und ein Weihnachten ist nie, wie das andere, trotzdem bleibt eine Sache bei mir immer gleich: Der Soundtrack. Deshalb möchte ich an dieser Stelle gar nicht in das turbulente Jahr 2023 zurückblicken, sondern über ganz besondere Weihnachtsongs schreiben. Von einigen habt ihr definitiv noch nicht gehört.


    Ein festgeschriebenes Ritual

    Vermutlich liegt es an Nostalgiegefühlen aus der Kindheit, warum gerade dieses eine Kompilationsalbum bei mir jedes Jahr aufs Neue rauf und runterläuft. Mit dem weihnachtlichen Schmücken des ganzen Hauses spätestens (!) gegen Ende November läutet meine Mutter traditionell die Weihnachtszeit ein. Das ist ein festgeschriebenes Ritual. Aber schon kurz vorher wusste ich als Kind, dass der besinnliche Zauber innerhalb der Folgeminuten erweckt werden müsste. Denn ich sah es. Das auf dem Phonoschränkchen drapierte, dunkelblaue, mit Sternen versehene CD-Hardcover. In der Mitte ein großer, nach Coca-Cola aussehender Weihnachtsmannkopf mit Sonnenbrille und oben der knallige Schriftzug: BRAVO Rock Christmas. Von diesem Augenblick wussten alle im Haus, dass bis zum Ende des Jahres kein Radio mehr gehört, sondern die Einstellung der Stereoanlage auf CD bleiben würde.


    Bares für Rares

    Spätestens in der ersten Weihnachtszeit nachdem ich von zuhause auszog, war ich mir um den Verlust dieses wertvollen Stücks Musik bewusst. Dieses Album brauchte ich also unbedingt selbst. Problem nur, dass ich keinen CD-Player, sondern lediglich einen Plattenspieler hatte. Denn der Gebrauchtmarkt war voller CDs, niemand aber schien eine Vinyl des Albums zu besitzen, geschweige denn loswerden zu wollen. Durch ein Angebot „eines der größten Online-Bestelldienste“ aber die Gewissheit: Dieses Album gibt es in Plattenform. Allerdings unheimlich teuer, weil selten (120€ während der Wintersaison – bekloppt!). Knauserig wie ich bin, habe ich mich von dem Preis so lange abschrecken lassen, bis auch das einzig verfügbare Exemplar aus den Anzeigen verschwunden war.

    Es dauerte einige Monate – ich gab die Hoffnung längst auf – da erblickte ich ein weiteres Exemplar im Internet. Dieses Mal wesentlich günstiger als das letzte. Das war meine Chance. Ich schlug zu und hatte somit Mitten im Hochsommer eine Weihnachtsplatte gekauft. Ein wenig hat es sich angefühlt, wie die Nadel im Heuhaufen gefunden zu haben. Das nächste Weihnachten konnte kommen.


    Eine Mischung aus Klassikern und purem Gold

    Wer bis hierhin gelesen hat, ist sicherlich an dem Soundtrack interessiert. Tatsächlich finden sich sehr viele Klassiker, wie Last Christmas, Driving Home for Christmas, White Christmas oder Do They Know It’s Christmas? auf dem Album. Zwar sind sie auf gar keinen Fall aus einer guten Weihnachtsplaylist wegzudenken, hier lassen sich die Juwelen aber einmal mehr zwischen den bekannten Hits finden.

    Viele traditionelle Lieder zeigen sich im Gewand der 80er. Schöne Beispiele sind da Little Drummer Boy von New Kids On The Block, Have Yourself A Merry Little Christmas von den Pretenders und Mike Oldfields rockige Fassung von In Dulci Jubilo. Hier trumpft aber vor allem Silent Night von Bros mit einer unfassbar guten Gesangseinlage auf. Bei 2:38 geht einem selbst beim Zuhören die Luft aus.

    Das Herzstück von BRAVO Rock Christmas ist meiner Meinung nach Another Lonely Christmas von Prince. Richtig gelesen. Prince, der aus den 80ern nicht wegzudenken ist, hat einen Weihnachtssong geschrieben. Nach Weihnachten hört sich der Song aber nun wirklich nicht an und auch der Text erzählt eher eine tragische Geschichte, als dass er von Schnee, Santa und Geschenken handelt. Die fast beängstigende Virtuosität von Musik-Genie Prince, der alles an dieser Produktion selbst gemacht hat, verleiht dem Song seine ganz eigene Besinnlichkeit. Nur ein einziges Mal live aufgeführt, ist dieser Song in meinen Augen also ein wirkliches Goldstück.


    Wo Rock draufsteht, ist auch Rock drin

    Dafür Gary Glitters Another Rock and Roll Christmas und Joys of Christmas von Chris Rea Paradebeispiele. Letzterer Künstler ist somit übrigens als einziger doppelt auf dem Album vertreten. Jeder kennt erwähntes Driving Home for Christmas, Joys of Christmas jedoch ist relativ unbekannt. Als gitarrenlastiger Blues-Rock Song bildet er den krönenden Abschluss des Soundtracks und ist als Rausschmeißer perfekt platziert. Der Song hört sich meines Erachtens nach genau dem Moment an, in dem man sich befindet, wenn man den Heiligen Abend gerade hinter sich gebracht hat. Leicht bis stark angetrunken, vollgegessen und allein draußen spazierend ein letztes Mal in die klare Sternennacht schauen und die Nachwirkungen des Weihnachtsstresses spüren, ehe es in den sich taub anfühlenden Zeitraum zwischen den Jahren geht.

    Da leider nicht alle dieses Album auf CD besitzen – auf Platte sowieso nicht – und es das Album nicht zum Streamen gibt, habe ich eine Playlist erstellt damit jede*r die Reise durch den besten Weihnachtssoundtrack aller Zeiten antreten kann. Für Fans von Klassikern, Rockmusik und 80er ist BRAVO Rock Christmas definitiv ein Tipp zum Reinhören.


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  • „Now And Then“ – die letzte Single der Beatles

    „Now And Then“ – die letzte Single der Beatles


    Die Beatles haben ihre allerletzte Single herausgebracht! Was für eine Nachricht. Dass diese Schlagzeile im Jahre 2023 überall zu lesen ist, würden George Harrison und John Lennon vermutlich nicht einmal selbst glauben. Dennoch ist zumindest ein Fünkchen Wahrheit dran an diesem Satz. Die gesamte Medien- und Musikwelt, vor allem aber so ziemlich alle Beatles-Fans sind ziemlich aus dem Häuschen.

    Auch ich kann es immer noch nicht so recht fassen. Die musikalischen Helden meiner Kindheit und Jugend bringen trotz Trennung vor 50 Jahren und nur mit halber Besetzung JETZT in 2023 einen NEUEN Song heraus? Und dann auch noch die LETZTE Single? Schreibt die größte Rockband aller Zeiten, deren Vermächtnis ein halbes Jahrhundert zurück liegt in der Gegenwart etwa Musikgeschichte?


    Ein kurzer Rückblick

    Gegen Ende der 60er ist die Band laut eigenen Aussagen von musikalischen und vor allem zwischenmenschlichen Problemen geprägt. Diese Spannungen sind unter anderem in der vor zwei Jahren erschienenen Dokumentarfilmreihe Get Back zu sehen. Nachdem immer wieder einzelne Mitglieder der Beatles ausgestiegen und wieder zurückkamen, verließ Paul McCartney 1970 die Band endgültig und machte das Ende der Beatles offiziell, indem er die übrigen drei Musiker verklagte.

    Das legendäre Rooftop Concert: Das letzte Mal, dass sich die Bandmitglieder zusammen in der Öffentlichkeit gezeigt haben.

    Im gleichen Jahr hatte jeder Ex-Beatle bereits mindestens ein eigenes Soloalbum veröffentlicht. Auch wenn es in Studiosessions vereinzelte Zusammenarbeit gab, sah man nie wieder alle Bandmitglieder zusammen in der Öffentlichkeit. Lennon zog sich 1975 sogar komplett aus der Öffentlichkeit zurück und wurde kurz nach seinem Comeback 1980 in New York erschossen. In der Zwischenzeit nahm er in seiner Wohnung zahlreiche Demos auf, die nicht auf seinem letzten Album Double Fantasy landeten – darunter auch Now And Then.


    Jahre nach Lennons Tod gab seine Witwe Yoko Ono einen Teil dieser Demos an Paul McCartney, der 1995 diese dem Rest der Band aufarbeitete und schließlich den Song Free As A Bird veröffentlichte. Dasselbe wurde auch mit Now And Then versucht. Durch die Aufnahmequalität und der Überlagerung der Stimme durch das Klavier schien dies zu dem Zeitpunkt aber nicht möglich. Das hat sich jetzt geändert. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz hat man es jetzt geschafft, Lennons Stimme zu isolieren und die Aufnahme studiotauglich zu machen.

    Die erste Welle der berechtigten Euphorie über Now And Then ist nach tausendfachem Hören nun abgeflacht und für mich kommen zwei zentrale Fragen auf, mit denen sich die Medienwelt scheinbar wenig beschäftigt. Trotz des hohen Stellenwertes der Beatles oder vielleicht sogar gerade deswegen gibt es Dinge an der Single, die es sich kritisch zu hinterfragen lohnt.


    Warum die Veröffentlichung?

    Eine Frage, die viele Antworten kennen könnte. Liegt es am Geld? Wohl eher nicht. Alle Beteiligten, damit seien nicht nur Musiker und Produzenten gemeint, sind nicht gerade knapp bei Kasse. Neben Paul McCartney und Ringo Starr tauchen auf der Liste der Verantwortlichen zahlreiche hochrangige Namen, wie Giles Martin (Sohn des berühmten Beatles- und Abbey Road Studios Produzenten George Martin) oder Peter Jackson (Filmregisseur unter anderem von Herr der Ringe) auf. Auch Universal wird mit den Beatles jährlich noch immer Millionenbeträge einfahren.

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    Bei dem offiziellen Musikvideo zu Now And Then hat Peter Jackson Regie geführt


    Eine eher plumpe Vermutung wäre, die Veröffentlichung als ein Act of Service für die Fans anzusehen. Denn wenn Abba mit einem neuen Album und Avatar-Live-Show kommen und niemand geringeres als die Rolling Stones jetzt auch noch ein Album veröffentlichen, muss McCartney ja auf jeden Fall nachlegen. Auch 2023 soll die nervigste Frage der Musikgeschichte klar mit „Beatles!“ beantwortbar sein. Zumindest scheinen die Beatles noch mithalten zu müssen.

    Letzten Endes wird mit Now And Then meines Erachtens versucht, auch jüngere Menschen auf den Beatles-Zug aufspringen zu lassen. Das heiß diskutierte Thema KI könnte nicht mehr in aller Munde sein als zu diesem Zeitpunkt. Hier sogar als Schlüsselrolle in der Musikgeschichte. Vielleicht wird sogar in Vorbereitung auf die kommenden Neuveröffentlichungen des roten und blauen Albums eine breitere Zielgruppe mit Aktualität und Emotionalität angesprochen.


    Ist Now And Then wirklich ein Beatles Song?

    Zwei vorhin angesprochene Dinge prägen bei der Single also den Vordergrund: KI und Emotionalität. Das vermeintlich wichtigste in Bezug auf die Frage nach Originalität des Songs sei zuerst geklärt: Hier wurde nichts mit KI künstlich hinzugedichtet. Alles, was zu hören ist, ist in der Urform organisch. Selbst die Besetzung ist die originale. Es wurden sogar Backingvocals der Songs Here, There And Everywhere, Eleanor Rigby und Because hinzugefügt.

    Die Sache der Emotionalität ist eine kompliziertere. Natürlich freuen sich gerade alle sehr, Neues von ihrer Lieblingsband zu hören. Und dann auch noch ein so mehrfach interpretierbarer, emotionaler Song aus Lennons Feder, von McCartney arrangiert – endlich wieder ein echter Lennon/McCartney. Dazu kommt die ganze verbliebene Beatlesfamilie wieder zusammen, selbst Produzentensohn und alle freuen sich riesig ein Teil davon zu sein.


    „Now and then
    I miss you
    Oh, now and then
    I want you to be there for me“


    Ähnlich wie bei Free As A Bird, ist dieser Song aber eine Solokomposition von John Lennon aus 1979. Now And Then war weder als Beatles-Song geschrieben noch geplant worden und ist zu einer Zeit entstanden, in der sich vor allem Lennon und McCartney nichts mehr zu sagen hatten. Letzten Endes wurde sich posthum über Lennon hinweggesetzt und jetzt wird von allen Seiten versichert, dass er den Song geliebt hätte. Über die tatsächliche Meinung kann nur spekuliert werden.


    Now And Then: Ein bedeutendes Stück Musikgeschichte

    Die neue und letzte Beatles-Single ist so oder so ein gelungenes Werk. Now And Then lässt mein Herz definitiv höherschlagen, zeitgleich zwingt mich die übertrieben einseitige Emotionalität der Verantwortlichen und der Medien die Aufarbeitung und Veröffentlichung des Songs eher kritisch zu hinterfragen. Nichtsdestotrotz muss man sich immer vor Augen führen: Die größte Rockband aller Zeiten fand 1970 ihr Ende und veröffentlicht erst 53 Jahre danach ihren letzten Song. Es geht vermutlich genau darum. Um das Schreiben von Musikgeschichte.

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  • Der goldene September auf einem Album: „brew“ von kitsches

    Der goldene September auf einem Album: „brew“ von kitsches


    kitsches, das sind Sängerin Mathea und Drummer Moritz, brachten Mitte August 2023 ihr zweites Album „brew“ heraus. Folgend auf das vor der Pandemie erschienene Debütalbum legen sie damit den passenden Soundtrack zur sich allmählich breitmachenden Jahreszeit nach. Dass das Duo die Musik im winzigen Homestudio aufnimmt, dürfte den einen oder die andere wundern. Denn es hört sich nach so viel mehr an.


    Wie wärmende Strahlen durch wehendes Herbstlaub hindurch

    So oder so ähnlich fühlt sich der gleichnamige Eröffner des Albums an. Dabei geht es um nichts Geringeres als das vakante Leben und die Frage nach einem Sinn dahinter. Beginnt die Musik vorerst verträumt und schwebend, so ändert sie schnell ihre Richtung und lässt alles eben noch gedanklich Niedergelassene aufstehen und zügig, dennoch präzise umherwandern. Der Song an sich gewinnt dadurch eine erhebliche musikalische Tiefe.


    „I hold the line
    and brew me one more time“


    Auch, wenn oder gerade, weil sich alles unfassbar schnell ändert, ist Zeit ein wertvolles Gut. An Vergänglichkeit erinnert eben nicht nur der Herbst mit seinem fallenden Laub, sondern auch dieser Song.


    September

    Dieser leichte Indie-Folksong fügt sich nicht nur durch seinen Titel „september“ passend in das Gesamtwerk ein. Auch musikalisch zeugt er einmal mehr von der musikalischen Qualität des Duos. Wie durch den Wind gepfiffene, wunderschöne Melodien werden durch Matheas sanftem Gesang gekonnt in das atmosphärisch warme Instrumental hineingearbeitet. Der Text dazu behandelt malerisch, wie lyrisch unverschlossen Erinnerung, Vergessenheit und das Wertschätzen von Dingen, die die eigene Person ausmachen.


    Unruhige Nächte

    Dass das Kreisen von Gedanken, Zweifeln und unbeantworteten Fragen einen nachts nicht schlafen lassen, können wahrscheinlich viele aus ihren eigenen Erfahrungen nachempfinden. Diese Spirale der Selbstsabotage wird in „attic“ thematisiert. Der Song wurde schon im vergangenen Jahr als Single vorab veröffentlicht.


    „There are people in the attic
    and they only walk at night
    ‚cause they walk around on eggshells
    towards me“


    „attic“ kommt zu dem Schluss, dass das Selbst die Ursache ist und umschreibt das nächtliche Phänomen mit Menschen, die zwar übervorsichtig, aber bestimmt auf dem Dachboden auf einen hinzuschleichen. Die Musik wirkt trefflich unruhig, nicht zur Ruhe kommend und trotzdem niedergeschlagen.


    Über das Loslassen von Fehlern

    Manchmal sind es zwischenmenschliche Begegnungen, die magisch in uns nachwirken. „eliose“ ist sogar viel mehr als das. Es geht um eine Bekannte, die über die Fehler redet, die sie im Leben gemacht hat und beschließt, über diese hinauszuwachsen. Sie zieht sich heraus und macht sich auf, wandert in die Natur und zieht weiter. „eloise“ ist dabei die perfekte Personifikation des Einfach-Loslassens und der Intuition des Verwirklichens eigener Träume. In dem Gewand von LoFi-Botiqueswing ist der Song wie gemacht für eben diese Zeit einer magischen Nachwirkung von Begegnungen.

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    Das Musikvideo zu einer weiteren Singleauskopplung des Albums: „temporary“


    Für Liebhaber von gemütlichem Indie-Folk, sanften Klängen, wunderschönen Melodien und tiefgründigen Texten ist das neue kitsches-Album der obligatorische Soundtrack für diesen Herbst. Die geeignete musikalische Untermalung eines Spaziergangs durch raschelndes Laub oder eines ruhigen Momentes zu warmem Tee, während draußen die Welt untergeht, ist „brew“ in jedem Fall.

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    Fotocredits: Jacky Kannengießer

  • Über Sexismus, alte Schlager und Sailor Moon – IUMA im Interview

    Über Sexismus, alte Schlager und Sailor Moon – IUMA im Interview

    Letzte Woche Freitag hat die Deutschpop-Sängerin ihre Debüt-EP genug herausgebracht. Auf ihr finden all ihre im letzten Jahr veröffentlichten Singles inklusive einer neuen, gleichnamigen Platz. Im letzten Herbst hatte Leif die Gelegenheit, IUMA zu dem Singlerelease und dem Musikvideo von u-bahn zu interviewen. Neben ihrer Musik als Ventil und ihrer Liebe zu Justin Bieber ging es

    Über Sexismus, alte Schlager und Sailor Moon – IUMA im Interview

    Leif: Wie geht es dir und was machst du momentan so?

    IUMA: Heute geht es mir gut, ich bin ausgeschlafen (lacht). Und momentan mache ich viel Unterschiedliches. Zum einen war ich gerade auf dem Pop Camp, das war sehr schön und ich habe es sehr genossen. Es war ein wenig wie Klassenfahrt mit vielen tollen Menschen und viel Zeit für die eigene Musik. Zum anderen Spiele ich morgen ein Konzert in Berlin im Schlot, was ich gerade vorbereite. Das heißt ich verändere momentan mein Setup und binde in meine Solo Auftritte Novaas Produktion ein und nehme Backing Tracks und Drum Fills mit in die Performance. Vor allem aber arbeite ich ganz viel an den kommenden Releases, wie meine neue EP.

    Leif: Darauf werden wir dann später nochmal drauf zurückkommen. Aber zuerst möchte ich ganz grundlegend fragen: Was machst du für Musik und wie würdest du dich und deine Musik vorstellen?

    IUMA: Ich bin IUMA und mache deutschsprachige, ehrliche Popmusik mache, die unterschiedliche Einflüsse hat. Für mich ist es am Ende Popmusik. Sie kann manchmal souliger sein oder hat Jazz Anlehnungen und oft ist sie knall-hart poppig. Für mich ist es wichtig, meine verschiedenen Einflüsse, die ich so habe, ausleben zu können und darauf kommt es mir letztlich an.

    Leif: Gut gesagt, empfinde ich tatsächlich genauso. Poppig ist es fast immer, aber du hast dir trotzdem eine gewisse Bandbreite aufgestellt. Auch, wenn du es vorhin mit Novaas Produktion vorweggenommen hast: Machst du alles vom Songwriting bis zur Produktion selbst? Wie sieht dieser Prozess normalerweise bei dir aus?

    IUMA: Meistens – nicht immer – beginnt dieser Prozess bei mir so, dass ich den Song in mein Handy tippe, also mit dem Text. Und wenn ich dann Zeit und Lust habe und mich inspiriert fühle, setze ich mich zuhause ans Klavier und schreibe den Song. Manchmal nur zur Hälfte und teilweise fehlt hier und da noch etwas aber das Grundkonzept des Songs entsteht so. Danach gehe ich ins Studio, treffe mich in letzter Zeit vor allem mit Novaa und am Ende ist der Song fertig.

    Leif: Gibt es denn irgendetwas, was in einem IUMA Song nicht fehlen darf?

    IUMA: Etwas, was sehr häufig in meinen Songs vorkommt und bei mir nicht fehlen darf sind Adlips. Ich liebe Adlips. Ich liebe auch Harmonien. Eigentlich darf beides bei mir nicht fehlen.

    „Und dann entsteht ein emotionales Kollektiv“


    Leif: In Gutgut thematisierst du toxische Beziehungen, bzw. das Austreten daraus und unter anderem auf Social Media befasst du dich viel mit allgegenwärtigem Sexismus. Ich habe immer das Gefühl, dass diese Themen trotz ihrer hohen Relevanz in der Öffentlichkeit heruntergespielt werden. Du greifst sie aber bewusst auf. Ist das für dich eher Coping auf Grundlagen von Erfahrungen, die du alltäglich damit machst oder geht es dir hier im Empowerment und Awareness – oder beides?

    IUMA: Da ich in erster Linie ganz egoistisch an Songs rangehe (lacht), sind sie für mich ein Ventil. Die erste Intention ist bei mir ist also, dass da was raus muss, was mich bewegt oder wütend und traurig gemacht hat. In meinem Song sex ist spreche ich auch über Sexismus, den ich erfahren habe und nach wie vor erfahre. Für mich ist es aber dann auf jeden Fall empowernd wenn ich auch Gefühle, bei denen ich nicht weiß, wohin, rauslassen kann. Das eigene Rauslassen und die damit verbundene Selbstbestätigung spielen eine sehr große Rolle. Was aber dann passiert – und das finde ich wunderschön – ist, dass das aufs Publikum trifft und klar wird, dass Menschen im dort die gleichen oder ähnlichen Erfahrungen gemacht haben. Und dann entsteht ein emotionales Kollektiv und man kann sich gegenseitig empowern.

    Leif: Was auch sehr wichtig ist. Niemand ist allein mit den Empfindungen und man muss auch nicht allein damit durch. Speaking of Sexismus: Hast du seitdem du Musikerin und auf Social Media bist, noch mehr Erfahrung damit machen müssen? Es gibt da ja diesen großen Diskurs über den offensichtlichen Sexismus in der Musikbranche. Wirkt das seither noch mehr auf dich ein als ohnehin schon?

    IUMA: Bezogen auf Reaktionen, zum Beispiel auf Snippets von sex ist, die ich hochgeladen habe oder auf Bilder, auf denen ich etwas mehr Haut zeige, kommen schon manchmal Reaktionen, wie: „Du bist selbst schuld“ oder „Du provozierst das ja damit“. Grundsätzlich sind so 90% der Reaktionen aber sehr positiv. Mit Bezug auf die Musikbranche fühle ich das noch nicht so dramatisch. Da gibt es viele andere Künstlerinnen, die da wesentlich mehr zu sagen können. Ich stehe noch relativ am Anfang dieses Projektes und da passiert das eher verdeckt. Es gab trotzdem schon sehr oft irgendwelche Äußerungen aus der Richtung von Tontechnikern oder Situationen, in denen Leute erstaunt waren, dass ich als Frau ein Kabel aufrollen kann oder meine Technik selber anschließen kann. In der großen Branche und in Sachen, wie Auftrittmöglichkeiten oder Playlistplatzierungen sind wir natürlich sehr betroffen. Aber wie gesagt, momentan ist das bei mir noch nicht so spürbar, weil ich noch am Anfang stehe.

    Leif: Was mir dabei immer wieder auffällt ist die unterrepräsentierte weibliche Besetzung in der Musik. Damit meine ich nicht nur Bandbesetzung, sondern auch Produzent:innen und alles, was sich nebenher abspielt. Man hat das Gefühl, da sind viel weniger Frauen vertreten.

    IUMA: Es gibt super viel Produzentinnen! Vermutlich ist der Männlichkeitsanteil dort immer noch höher, aber den weiblichen Produzentinnen wird einfach nicht so viel Sichtbarkeit gegeben. Das ist das eigentliche Problem. Sie sind da und es gibt dafür viele Foren, die nur für weiblich gelesene Personen da sind. Meiner Meinung nach müsste es noch mehr davon geben, damit man sich einfach besser finden und connecten kann. Da haben wir auf jeden Fall noch einen Weg vor uns.


    „Du sagst

    Ich sei selbst schuld und naiv,

    wenn

    Ich provokativ meinen Body zeig

    Du sagst, ich sag

    Wie kommst du auf die Idee, dass

    ich bleib“



    Leif: Schätzt du dich und deine Musik als politisch ein?

    IUMA: Ja, wahrscheinlich schon. Ich würde es als privatpolitisch bezeichnen.


    Leif: Dann habe ich jetzt eine Frage zum Musikvideo zu u-bahn. Das ist das Erste, was mir in den Kopf geschossen ist, denn es spielt ja in einer U-Bahn-Station. Man sieht so wenig Passanten im Hintergrund, habt ihr einfach alles geräumt und abgesperrt?

    IUMA: Nein, tatsächlich nicht. Wir haben es geschafft zu einer guten Uhrzeit da zu sein und es war ein Endbahnhof. Daher war ohnehin nicht viel los, was gut war. Wir hatten einfach Glück und haben super spät gedreht. Wir hatten zwischen den Bahnen immer Zeit für genau zwei Takes und es hat nicht lang gedauert, bis wir durch waren. War eine richtig schnelle Nummer.

    Leif: Schien auf jeden Fall so, als hättest du sehr viel Spaß daran, Videos zu drehen. Stimmt das auch?

    IUMA: Das ist gut, danke (lacht). Ja, ich liebe Musikvideos und ich habe da super viel Spaß dran. Bislang konzipiere ich die auch selber. Aber ich habe das Gefühl, dass Musikvideos immer unrelevanter werden. Für Musikmagazine, die dann noch etwas zeigen können und Menschen, die meine Musik mögen oder kennenlernen wollen sind Musikvideos natürlich was Schönes. Aber in Bezug auf Mehrwert und Reichweite habe ich schon das Gefühl, dass das nicht mehr so ausschlaggebend ist. Wir sind halt nicht mehr in Zeiten von MTV oder in einer YouTube Hochzeit. Außerdem werden ja alle Videos momentan etwas kürzer. Aber es ist wirklich nur ein Gefühl von mir.

    Leif: Da ist sie wieder, die Tiktokisierung. Schade eigentlich, ich finde Musikvideos immer sehr cool, dann hat man was zum Schauen.

    IUMA: Ja, ich verstehe das voll! Mir blutet da auch das Herz und deshalb mache ich auch noch Musikvideos. Ich bin gespannt, wie es sich demnächst entwickelt. Freut mich aber, dass man mir den Spaß in dem Video auch ansieht, mir gefällt es sehr.

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    IUMAs Single u-bahn erschien im September 2022.



    Leif: Was sind denn deine musikalischen Vorbilder und was feierst du momentan so?

    IUMA: Das ist ganz verschieden. So viel Musik höre ich tatsächlich nicht, denn ich brauche auch mal Pausen davon. Es gibt so Phasen, in denen ich sehr viel höre. Ich bin ein großer Fan von Soul und R&B. Meine all-time-favourites sind Daniel Ceasar, SZA und Frank Ocean. Rosalía hat mich in meinen ersten Tracks sehr beeinflusst. Aber auch Justin Bieber hat mich inspiriert (lacht). Für ihn pocht mein Popherz, da bekomme ich immer gute Laune. Und ich war schon immer fasziniert von Alicia Keys und Lady Gaga. Das Alleinsingen und am Klavier begleiten fand ich schon immer super geil. In Bezug auf deutschsprachige Musik finde ich tatsächlich alte Schlager sehr inspirierend. Sachen von Trude Herr und Hildegard Knef find ich super geil.

    Leif: Manchmal hat der alte Schlager es eben doch richtig drauf. Ich nutze den Alicia Keys und Lady Gaga Aufhänger jetzt gekonnt als Überleitung zur nächsten Frage. Du trittst nämlich auch sehr häufig allein auf, indem du deinen Gesang am Klavier begleitest. Was magst du beim Performen am meisten und würdest du auch gern mit einer Band auftreten?

    IUMA: Ich mag, dass ich mich selbst sehr empowern kann. Ich hatte da immer ein bisschen Schiss vor und komme aus einem jazzigen, akademischen und peniblen Kontext. Ich habe mir nie zugetraut, dass ich das alleine auf dem Klavier schaffe, bis ich mir das irgendwann selbst bewiesen habe. Es ist viel unkomplizierter und leichter zu reisen und aufzubauen und ich bin einfach losgelöster dadurch. Aber für mich bedeutet es sehr viel, dass ich mir zugestanden habe, mich dort alleine hinstellen zu können und den Raum nur mit meinen Songs, meiner Stimme und dem Klavier zu füllen. Das zu schaffen hat mich unfassbar bestärkt und alles andere, was obendrauf kommt ist ein Plus – aber ich brauche es nicht. Aber ich habe auch total Lust auf eine Band. Für mich macht das momentan aber wenig Sinn, weil die Kapazitäten häufig noch nicht reichen.

    Leif: Kommen wir jetzt zu letzten Frage, in der es sich bei uns traditionell um eine untold story dreht. Hast du irgendeine Geschichte von dir auf Lager, die du sonst noch nicht erzählt hast?

    IUMA: Ich durfte als Kind keine Poster von Popstars aufhängen, weil meine Mutter nicht wollte, dass ich Menschen zu sehr anhimmle. Sie wollte mir glaube ich sehr früh mitgeben, dass wir alle irgendwie cool und uncool sind und dass niemand irgendwie krasser ist als ich, nur weil die Person berühmt ist. Tierposter durfte ich aber aufhängen und irgendwann eine „maßgetreue“ Sailor Moon. Das war ein richtiges Highlight, das Poster war mal glaube ich in einem Comic Heft drin. 

    Also hing dann da eine ziemlich große Sailor Moon an meiner Tür und ich war mega stolz. Damit war meine Mama cool, weil die halt „nicht echt“ ist. Aber für mich war sie schon ziemlich echt und ein ziemlicher Superstar. Ich fand Sailor Moon schon immer sehr inspirierend. Damals primär, weil ich auch schon immer davon geträumt habe, mich so verwandeln zu können und sie eben in ihrem Alltag ein ganz normales Mädchen war, mit kleinen lustigen Pannen und Eigenarten. 

    Heute inspiriert mich Sailor Moon immer noch. Die Moves, die Looks, die Farben, die Heldin mit den Kanten, die sich immer weiterentwickelt und manchmal auch scheitert. Diese krass empowerte Crew aus super starken Freund:innen und sowieso, dass alles an die Liebe glaubt und diese dann auch siegt und Ungerechtigkeit richtig scheiße ist. Fühle ich sehr und vielleicht steckt ja hier und da ein bisschen Sailor Moon in IUMA.

    Leif: Eine unfassbar süße Geschichte! Ich danke dir für ein tolles Interview und nettes Gespräch zudem!

    IUMA: Ich fands auch voll schön und habe mich sehr gefreut!


    Am Ende folgt der obligatorische Playlist-Link und die nachdrückliche Aufforderung, sich IUMAs neue EP anzuhören. Lieben Dank an IUMA für das Interview und falls Euch ihre Musik gefällt, schaut doch mal auf einem ihrer Konzerte vorbei! Die Tickets gibt es hier.

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    Fotocredits: Sandra Ludewig

  • Leifs Jahresrückblick: Viele erste Male

    Leifs Jahresrückblick: Viele erste Male


    Mitten in der Adventszeit befindend, geht es mit rasanten Schritten auf die Feiertage zu. Tatsächlich scheint sogar der Winter ausnahmsweise dann einzubrechen, wann man es eigentlich erwarten könnte, und zeichnet somit das perfekte Bühnenbild für die besinnliche Zeit. Draußen ist es kalt geworden, die hellen Stunden kann man beinahe an einer Hand abzählen, während sich so langsam im Innern eine kuschelige Wärme mit Kerzenschein und Nadelholzgeruch breit macht. Am Ende jeden Jahres setzt man sich dann meistens zur Ruhe und lässt jenes traditionell sehr gern Revue passieren.

    Viele Umstände laden in dieser Zeit ja sowieso dazu ein, wie zum Beispiel ein von Jahresrückblicken überladenes Fernsehprogramm oder die zahlreichen Weihnachtsfeiern und Familientreffen. Auch bei untoldency ist es mittlerweile Tradition, persönlich Inventur zu machen und eine Bilanz aus dem fast vollendeten Musikjahr zu ziehen. Als Universalwerkzeug dafür hilft der Spotify Jahresrückblick ungemein. Allerdings ist es bei mir in diesem Jahr nicht ganz so einfach.

    Prokrastination auf Spotify

    Zugegeben, ich bin ein Weihnachtsmensch. Seit Mitte November schon höre ich fast ausschließlich Weihnachtsmusik und romantisiere alles im Sinne des klassischen Weihnachtsfiebers. Ich weiß, alles viel zu früh und so weiter, aber ich kann gar nicht anders. Jedes Jahr klammere ich mich erneut an die Adventszeit und die Feiertage – für mich die tatsächlich schönste Zeit des Jahres. Deshalb ist es auch so schwer für mich herauszukramen, was sich vor der aktuellen Mischung aus Bravo Rock Christmas und anderen Weihnachtsklassikern in meinen Gehörgang eingeschlichen hat.

    Es soll in meinem Jahresrückblick gar nicht unbedingt um Lieblingstracks und Neuentdeckungen, bzw. Hörgewohnheiten insgesamt gehen. Zumal wäre das bei mir ohnehin schwierig festzuhalten, da ich mein Spotify Profil verhältnismäßig wenig genutzt habe und es noch nie so unaufgeräumt und unvollständig war, wie jetzt. Das muss ich unbedingt in einem Frühjahrsputz in 2023 ändern, aber as I said: jetzt ist erstmal Weihnachten. Meine Inkonsequenz bezüglich Spotify hat sich letzten Endes also darin geäußert, dass ich bei anderen „geschnorrt“ habe. Also müsste eigentlich mein Umfeld diesen Rückblick schreiben.

    Mein erstes Interview

    Am meisten musikalisch geprägt hat mich dieses Jahr, dass ich ein Teil von untoldency bin! Das ist zwar wenig überraschend und etwas cringe, wenn ich das so sage, aber an dieser Stelle geht ein fettes Dankeschön an alle aus dem Magazin raus. Zum zweiten Geburtstag finde ich es angebracht, uns auch mal selbst zu feiern. In 2022 war ich für und mit untoldency auf zahlreichen Konzerten und erstmalig Festivals und durfte viele Künstler*innen kennenlernen, einige auch persönlich.

    Zu meinen diesjährigen Highlights gehören das Reeperbahn Festival, das KiezKultur Festival und die Acoustics Concerts. Mit letzterem fange ich einfach mal in der chronologischen Reihenfolge an, denn als untoldency in diesem Sommer die Acoustics Concerts präsentiert hat, habe ich mein erstes Interview jemals geführt. Wie es bei vielen (vermutlich den meisten) Interviews der letzten beiden Jahre der Fall war, so hat auch dieses online per Videocall stattgefunden. Das war zwar sehr schade und auf den ersten Blick vielleicht etwas unspektakulär, so konnte ich aber auf jeden Fall besser mit meiner enormen Aufgeregtheit umgehen.

    Dass das Interview nicht face-to-face stattgefunden hat, lag übrigens nicht vorrangig an Corona-Regulierungen, sondern daran, dass mein Call einmal über den Teich bis ins Vereinigte Königreich zum britischen Sänger Rhodes ging. Dementsprechend war das Interview also auf Englisch (bin echt fast geplatzt vor Aufregung!!). Alles in allem war es aber ein richtig schönes und unbeschwertes Interview, was ihr hier noch einmal nachlesen könnt. Hinterher konnte ich Rhodes auf einem der Konzerte treffen und die fehlende Präsenz vom Videocall nachholen.

    Mein erstes Festival

    Weiter geht es mit den Festivals, zu denen mich untoldency dieses Jahr geführt hat. Auf der Liste steht einerseits das Reeperbahn Festival 2022 in Hamburg und das KiezKultur Festival 2022 in Hannover. Beide waren eine unfassbar schöne Erfahrung und so ein bisschen schien es so, als sei das eine die ganz kleine Schwester vom anderen gewesen. So zeigten sich auch gewissen Parallelen, die sich unter anderem in Punkten des Line-Ups widerspiegeln.

    Für mich steht der Luke Noa Gig im Drafthouse mit Band definitiv im Mittelpunkt meiner positiven Erinnerungen vom RBF 22. Ihn hat man mit ein wenig Unterstützung von Bilbao-Sänger Leon ebenfalls auf dem Kiez Kultur hören können. Speaking of Bilbao: Sie waren für mich der Opener beim RBF 22. Nicht nur beschränkt auf die genannten Acts, haben beide Festivals unheimlich Spaß gemacht und waren wichtige Schnittstellen für die deutsche Musikszene – also sehr zu empfehlen.

    Um den Kreis jetzt zu schließen, erzähle ich Euch noch ganz kurz von meinem letzten Konzert für dieses Jahr. Vor wenigen Tagen fanden in Hamburg die POP Seasons mit Luke Noa, Willow Parlo und Lemony Rug (ja, das Soloprojekt des obengenannten Bilbao-Sängers) in der traumhaft ausgeleuchteten Kulisse der Christianskirche Altona statt. Das Line-Up hat mich dabei aus offensichtlichen Gründen an meine beiden Festival Highlights erinnert und war ein krönender Abschluss meines Musikjahres 2022 mit den vielen ersten Malen.

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    Die gemeinsame Single „Hello Sunshine“ von Luke Noa und Lemony Rug erschien am 27.09.2022

    Bis nächstes Jahr

    Im Hier und Jetzt beschränkt sich mein musikalischer Kosmos ja wie gesagt nur noch auf Weihnachtsmusik. Daher gibt es von mir auch keine Playlist als Rückblick, sondern eine Playlist, die auf meinem Lieblings-Compilations-Weihnachtsalbum basiert. Ich sag Euch, das Ding läuft bei mir jedes Jahr für fast zwei Monate in Dauerschleife. Es bleibt mir also nun nichts anderes übrig, als die Playlist zu verlinken und Euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2023 zu wünschen. Wir sehen, hören und lesen uns im Januar wieder!

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