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Kids of Adelaide im Interview: »Freundschaften sind, denke ich, eine der wichtigsten Sachen im Leben«


Straßenmusik spielt in der Geschichte der Kids of Adelaide eine ziemlich große Rolle. Für die Band könnte also das Format der Acoustics Concerts passender nicht sein. Aber auch der Zusammenhalt über mehr als ein Jahrzehnt hinweg, prägt die beiden Musiker noch heute. Im Juli war Benni bei Leif im Interview. Über Freundschaft, Melancholie und Dankbarkeit.

Leif: Hey! Schön, dass Du Zeit gefunden hast und bei dem Interview mit dabei bist. Ihr habt ja momentan richtig viel zu tun: Angefangen bei Eurem vollen Tourkalender bis hin zum neuen Single-Release. Daher eine wichtige Frage: Wie geht es Euch und welche Emotionen begleiten Euch in den letzten Tagen?

Benni: Hey Leif, danke der Nachfrage. Ich sitze gerade mit Covid zuhause, aber an sich geht‘s uns super! Es ist einfach schön, nach der langen Zeit ohne Konzerte wieder live zu spielen. Und auch, dass jetzt die ersten Singles von unserem am 09. September erscheinenden Album The Cabin Tapes veröffentlicht werden, fühlt sich sehr gut an. Gerade, weil wir es erstmals auch in wirklich große kuratierte Spotify-Playlisten geschafft haben. Zu sehen, dass die neuen Songs gut ankommen, tut richtig gut.

Vom Duo zur Band, vom Folk zum Indie-Rock

Leif: Das kann ich mir sehr gut vorstellen, ist aber auch einfach gute Musik, die ihr da macht. Bei der nächsten Frage mache ich es mir ein wenig einfach. Stellt Euch gern selbst vor! Wer seid ihr? Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin? Und wie klingt Eure Musik?

Benni: Also wir sind Severin und Benni, zusammen die Kids of Adelaide. Allerdings kommen wir nicht aus Adelaide, sondern aus Stuttgart. Wir waren über 10 Jahre als Duo unterwegs, haben uns jetzt aber mit dem neuen Album dazu entschieden, live noch einen Drummer und einen Keyboarder mit ins Boot zu holen. Die beiden sind gute Freunde, die wir auch schon länger kennen. Früher war unser Sound eher folkig, mit dem neuen Album hat es sich aber klar in Richtung Indie-Rock entwickelt. Wir haben ziemlich viel The War on Drugs gehört. Aber auch Sharon van EttenQueens of the Stoneage oder Big Thief haben uns beeinflusst. Wie das genau klingt, davon sollte man sich am besten selbst ein Bild machen *zwinker*. Im Moment ist für uns erstmal wichtig, mit dem Album, der anschließenden Tour und unserem Team wieder Wind in die Segel zu bekommen und ins Bewusstsein der Leute zu gelangen. Man merkt natürlich in der ganzen Branche, dass sie erst wieder in Fahrt kommen muss. Auf der einen Seite haben die Leute Lust auf Konzerte, auf der anderen merkt man schon eine gewisse Zurückhaltung zu Beispiel bei den Ticketverkäufen.

Leif: Oh ja, die Ticketverkäufe sind ja momentan ein echtes Problem… Euch verbindet eine lange Freundschaft. Zwar existiert Kids of Adelaide schon länger als eine Dekade, aber wie man in Eurer Bio nachlesen kann, liegen die Wurzeln Eurer Freundschaft noch weiter zurück. Wie wichtig ist Euch das Thema Freundschaft, vor allem beim Songwriting? Braucht ihr auch mal ein wenig Abstand voneinander, wenn ihr viel tourt?

Benni: Klar ist uns das sehr wichtig. Freundschaften sind denke ich eine der wichtigsten Sachen im Leben. Fürs Songwriting spielt das jetzt nicht die große Rolle aber für unser ganzes Selbstverständnis als Band auf jeden Fall. Wir sind kein Projekt, das sich bei Rückschlägen oder Enttäuschungen einfach wieder trennt. Da steckt schon eine große Verantwortung gegenüber der Sache und dem jeweils anderen mit drin. Severins Bruder Sebi ist zum Beispiel auch unser Produzent und Live-Mischer, eigentlich das dritte Bandmitglied. Ohne die Freundschaft hätten wir es angesichts von über 20.000€ Schulden, die wir hatten, vielleicht auch sein lassen können. Aber wir haben uns da gemeinsam zusammengerauft und geschaut, wie wir das hinbekommen. Würde einer hier aussteigen, wären die anderen eben auch aufgeschmissen. Sich aus sowas wieder rauszuziehen, schweißt zusammen und macht uns als Gruppe stärker. Wir machen ja nicht nur seit über zehn Jahren Musik zusammen, sondern haben auch bis letzten Sommer noch für gut sieben Jahre zusammengewohnt. Klar hat sich auch unsere Freundschaft verändert und ist nicht mehr so, wie vor zehn Jahren, als wir kiffend Straßenmusik gemacht haben. Aber das ist ja normal. Früher haben wir eigentlich die ganze Zeit miteinander rumgehangen. Heute braucht auch jeder mal ein bisschen Raum für sich, aber wir sind ja auch keine 20 mehr. Ich würde sagen, dass das gegenseitige Verständnis für die Bedürfnisse und Eigenheiten des anderen noch viel stärker geworden ist. Wir haben heute eine noch tiefere Freundschaft.

Leif: Wo kommt eigentlich der Name her?

Benni: So heißen wir einfach 🙂

Unzertrennliche Brüder

Leif: Kommen wir nun zu Eurer Musik. Besser gesagt zur neuen Single „The Five Minute Drive“. Seid Ihr gern unterwegs? Auch mal so für fünf Minuten?

Benni: Wir sind gern unterwegs, aber kommen auch gerne wieder nach Hause. Wir müssen jetzt nicht ständig auf Achse sein, sondern können auch sehr gut unsere Zeit im Garten oder der Werkstatt verbringen. Die Fahrt, um die es in dem Song geht hat sich zugetragen als Severin und Sebi vor einigen Jahren mit ihren Eltern umgezogen sind. Im gleichen Dorf, sodass es immer etwa fünf Minuten gedauert hat vom alten zum neuen Haus. Den Song hat Severin für seinen Bruder Sebi geschrieben, mit dem er so vieles zusammen erlebt hat. Und heute ja immer noch erlebt. Die beiden sind sich sehr nah und es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass Geschwister sogar zusammenarbeiten können und das so gut und harmonisch funktioniert.


Leif: Das hört sich nach einem besonderen Verhältnis zwischen den beiden an. Ich habe das Gefühl, dass Ihr Euch in dem Song zurück an Eure Vergangenheit erinnert – korrigiert mich, wenn ich falsch liege. Schwelgt Ihr gerne in Erinnerung? Was für Gefühle kommen dabei in Euch auf?

Benni: Wie schon gesagt, ist es nicht unsere gemeinsame Vergangenheit, sondern in dem Fall die von Severin und Sebi. Aber generell liegst du da schon richtig. Gerade auf dem neuen Album haben wir sehr viel in die Vergangenheit geschaut, vielleicht auch weil mit Corona die Zukunft so ungewiss erschien. Für uns ist es aber auch eine schöne Art und Weise sich zu erinnern und das, was man hatte wertzuschätzen. Sich daran zu erfreuen, auch wenn gerade bei mir häufig auch sehr viel Melancholie mitschwingt. Es kommt ja nichts davon je wieder. Melancholie, Dankbarkeit, Freude und das Gefühl, im Laufe der Zeit nur ein unbedeutender Teil zu sein. Das sind so die Gefühle, die da aufkommen.

“Something good started then, Something new began”

Leif: Und trotzdem ist die Zukunft doch ziemlich vielversprechend. Nach dem 24. Juli habt ihr erstmal ein paar Tage Pause von Auftritten, so verrät mir zumindest Euer Kalender mit den Tour Dates. Was macht ihr in der Zeit? Habt ihr was Bestimmtes geplant?

Benni: Eigentlich wollte ich in den Urlaub fahren, was aufgrund der Covid-Infektion jetzt gerade aber noch ein bisschen in den Sternen steht. Ansonsten kommt am 5. August unsere neue Single Chimney Sweeper raus. Da wir nach wie vor sehr viel Organisatorisches selbst machen, gibt es genug zu tun.

Chimney Sweeper inklusive Video ist seit wenigen Tagen raus. Den Song könnt Ihr bei uns in der new untold releases Playlist auf Spotify hören. Das Video habe ich natürlich hier verlinkt.

Ein Hauch akustische Nostalgie

Leif: Bei den Acoustics Concerts habt ihr auch viel zu tun. Für Euch geht es eine ganze Woche lang quer durch Deutschland und mit sieben Gigs seid Ihr durch die Bank weg vertreten. Steht Ihr gerne akustisch, unplugged auf der Bühne?

Benni: Auf jeden Fall! Wir haben in unseren ersten Jahren jeden Samstag Straßenmusik gemacht und waren auch mal auf einer ganzen Straßenmusik-Tour in den Niederlanden unterwegs. Momentan genießen wir die neuen musikalischen Möglichkeiten, wenn wir mit der ganzen Band auf der Bühne sind. Allerdings hat das mit dem ganzen Geschleppe und dem viel größeren Aufwand auch seine Nachteile. Da wir in einigen Städten, die wir jetzt im Rahmen der Acoustics bespielen auch im Herbst auf Tour sein werden, freuen wir uns riesig darauf, uns den Leuten in der akustischen, ganz direkten Art zu präsentieren.

Leif: Das wird auf jeden Fall ein direktes und etwas privateres Erlebnis! Privat ist ein gutes Stichwort. Denn für die letzte Frage ist es bei Untoldency gang und gäbe, einer untold story einen Platz zu geben. Was ist also eine Anekdote oder Fun Fact, die/den Ihr noch nie erzählt habt?

Benni: Severin findet manchmal schlaftrunken und orientierungslos nachts im dunklen Hotelzimmer die Toilette nicht und ich muss ihm dann den Weg weisen. Sonst könnte da was schiefgehen…

Leif: Ich sehe schon, ohne den einen, ist der andere aufgeschmissen. Ich danke Euch für Eure Zeit und für das tolle Interview und freue mich ganz doll auf Eure Gigs bei den Acoustics! Aber zuallererst wünsche ich Dir natürlich eine gute Besserung!

Benni: Vielen Dank Dir! Hat Spaß gemacht und hoffentlich sehen wir uns bei einer der Shows.

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