Schlagwort: Deutschpop

  • Ami Warning im Interview: »Meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe«

    Ami Warning im Interview: »Meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe«

    Ami Warning lebt rent-free im Herzen unser Redaktion und das ist okay so. Denn ihre unaufgeregt ehrlichen Texte und die unvergleichlichen Stimmungen verdienen noch viel mehr als das! Im Rahmen der Acoustics Concerts 2023 in Berlin können wir die Sängerin endlich wieder live erleben und wünschen uns, dass wir diese Erfahrung mit ganz vielen Ami Warning Stans teilen werden. Um eure hibbeligen Beinchen ein wenig zu entlasten, bekommt ihr hier bereits einen Vorgeschmack in Form eines Interviews. Von aktuellen Ohrwürmern, über erste musikalische Erfahrungen bis zu kommenden Projekten erfahrt ihr so einiges über die Münchenerin. Also, let’s fetz!

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    Ami Warning im Interview

    Lucas (untoldency): Hast du einen aktuellen Lieblingssong oder ein Lieblingsalbum, irgendwas, was dir aktuell im Kopf rumschwirrt?

    Ami: Was ich ganz cool finde, wo ich aber noch nicht das ganze Album gehört habe, ich weiß auch gar nicht, ob das neu ist. Ich habe von Little Simz so einen Song entdeckt. „Point and Kill“, heißt der. Den finde ich richtig cool und den hör‘ ich zurzeit oft. Ansonsten hat auch ein Freund von uns ein Album gerade rausgebracht, der heißt Jon Kenzie, macht so bluesige Musik, ist aus Manchester, und da hab ich mir das Album angehört, und das finde ich auch zum Beispiel richtig cool. Das ist jetzt gerade ganz frisch rausgekommen.

    Lucas (untoldency): Würdest du sagen, du verfolgst viel aktuelle Musik oder bist du eher Fan von den Klassikern?

    Ami: Ich verfolge schon auch aktuelle Musik, aber man kriegt halt dann so die Singles mit und so einzelne Songs. Also ja, da mach ich‘s leider viel zu selten, dass ich dann wirklich so die ganzen Alben mir auch anhör‘. Das ist dann eher so stichprobenmäßig. Bei Alben kenne ich wahrscheinlich dann wirklich eher die Sachen, die schon älter sind, so richtig gut.

    Lucas (untoldency): Gibt es ein Genre, was du selber gerne hörst, wovon aber andere Menschen, die dich gut kennen, wahrscheinlich verwundert wären?

    Ami: Also ich mag voll gerne Afrobeats. Aber ich weiß nicht, ob das jetzt so eine große Überraschung ist. Hmm, was wäre eine Überraschung? Wahrscheinlich entspreche ich voll den Klischees, keine Ahnung. Ich mag ganz gern‘ Dubstep. Das fällt vielleicht so ein bisschen aus dem Schema.

    Lucas (untoldency): Musik machen ist ja super komplex und vielfältig. Wenn es einen Teil davon gäbe, den du für den Rest des Lebens machen müsstest, welcher wäre es am Ehesten?

    Ami: Wahrscheinlich wäre es das Live Spielen, denke ich, also, darauf könnte ich, glaube ich, nicht verzichten. Genau im Studio finde ich schon auch cool, aber da bin ich dann auch irgendwie immer froh, wenn es irgendwann abgeschlossen ist und man die Songs dann eben nach draußen tragen kann. Also ich glaube, auf diesen Moment, wenn dann vor echten Leuten die Songs singt, könnte ich schlecht verzichten.

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    Lucas (untoldency): Kannst du dich an deinen ersten Auftritt erinnern?

    Ami: Ich glaube, wahrscheinlich war das mit meinem Papa zusammen, also als ich so angefangen habe, Musik zu machen waren so die ersten Momente bei ihm auf der Bühne, dass ich da mal einen Song ausprobiert habe oder ihn begleitet habe. Also in München weiß ich, da gibt’s noch so eine Aufnahme, wo ich irgendwie so Bass spiele und mit ihm auf der Bühne bin.

    Lucas (untoldency): Es gibt oft von Stars Aufnahmen, wie sie bei irgendwelchen Events oder Schulfesten auftreten. Gibt es solche Aufnahmen abgesehen von der eben genannten auch von dir?

    Ami: Es gibt tatsächlich eine ganz witzige Aufnahme. Also das ist in der Grundschule, da bin ich im Chor und bin so krass, also man sieht, dass ich mich voll rein fühle. Ich bin so in der ersten Reihe und singe so richtig inbrünstig. Also, das gibt’s und ja, später in der Schule habe ich auch Songs nachgesungen mit der Big Band.

    Lucas (untoldency): Wenn du so zurückschaust auf deine eigene musikalische Biografie, fallen dir da Künstler:innen Genres ein, von denen du sagen würdest, die haben dich in einer bestimmten Lebensphase stark geprägt?

    Ami: Ja! Also schon auch wieder mein Papa, weil seine Musik war irgendwie einfach immer da, ich war immer dabei auf den Konzerten. Bob Marley habe ich irgendwann entdeckt, auch über meine Eltern eigentlich und fand das irgendwie auf Anhieb einfach gut. Es gab dann noch Songs auf Gitarre. Ich weiß, dass es einen Ed Sheeran Song gab, den ich dann nachgespielt habe. Also, es gab schon immer wieder so Momente, die mich inspiriert haben, wo ich dachte, ich hab‘ jetzt auch Bock, die Gitarre zu nehmen. Aber irgendwie habe ich nie so auf die Texte gehört. Also, es gab jetzt nicht so den Moment, dass ich einen Song mitgesungen habe, der mich in meiner Einstellung oder so krass beeinflusst hat.

    Lucas (untoldency): Gab es in deiner musikalischen Biografie auch mal eine Pause, als du das Gefühl hattest, du hast gar keine Lust auf Musik und du brauchst mal Abstand?

    Ami: Ich habe tatsächlich, als es mit Corona und so losging, relativ viel gemacht und eben auch selber aufgenommen und Songs geschrieben und habe dann aber gemerkt, dass ich eine Person bin, die immer auch ganz gerne noch andere Sachen macht. Als ich dann auf einmal jeden Tag morgens bis abends Zeit hatte, nur Musik zu machen, habe ich gemerkt, dass ich das gar nicht unbedingt brauche, sondern dass ich am besten auch neue Ideen finde, wenn ich dazwischen andere Sachen mache. Ich hatte nie diesen Gedanken, ganz aufzuhören. Aber ich habe einfach gemerkt, dass es für mich so am besten funktioniert, wenn ich nicht jeden Tag morgens bis abends nur Musik mache. Mein Papa zum Beispiel ist ganz anders, der geht echt jeden Tag ins Studio und kann nicht genug davon kriegen. Aber mir tut irgendwie diese Abwechslung ganz gut.

    Lucas (untoldency): Kommen dir oft, wenn du andere Sachen machst, musikalische Ideen in den Kopf, von denen du denkst, die muss ich schnell aufnehmen oder in irgendeiner Form festhalten?

    Ami: Manchmal schon, aber eher selten. Also es ist tatsächlich so, dass ich schon die Gitarre nehmen muss und anfangen muss, irgendwie nach was zu suchen und zu gucken, dann formen sich Songs oder kommen Ideen. Also es ist eher selten, dass ich so eine Eingebung habe, ohne dass ich die Gitarre in der Hand hab.

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    Lucas (untoldency): Wie sehr machst du dir darüber Gedanken, wie du als Künstlerpersönlichkeit in Musikvideos und generell visuell auftreten möchtest?

    Ami: Im Rahmen von einem Album mache ich mir schon Gedanken, was die Bildsprache zu diesem ganzen Projekt sein könnte. Aber es ist immer irgendwie auch ein Stück weit meine Persönlichkeit. Also jetzt so wirklich einen Charakter zu entwerfen oder so was für ein Projekt, ich glaube, das passt bei meiner Musik nicht so gut, weil es eigentlich schon immer ziemlich nahe dran ist an mir.

    Ich würde auch sagen, dass es funktioniert! Gerade bei „kurz vorm Ende der Welt“ habe ich den Eindruck, dass diese orangen Farbtöne der Bilder und Musikvideos die Wärme deiner Lieder widerspiegeln.

    Lucas (untoldency): Als du beim Wohnzimmerkonzert von TV Noir zu Gast warst, solltest du spontan einen fremden Song performen. Wie fühlst du dich in diesen Momenten, in denen dir spontan gesagt wird: „Hier spiel mal irgendwas“?

    Ami: Das finde ich schwierig (lacht). Ich bin relativ unspontan, auch so Jam Sessions mag ich eigentlich gar nicht. Auch einfach, weil ich auch auf dem Instrument nicht so frei spiele. Ich kann halt Akkorde und schreibe damit meine Songs, aber improvisieren finde ich schwer und auch bei Texten find ich es voll schwer, so drauf loszumachen. Das war übrigens, glaube ich, wir sind Helden. Bitte gib mir nur ein Wort (singt den Song an).

    Lucas (untoldency): Ist dein Vater da ähnlich oder ist eher anders rum? Ich würde jetzt vermuten, dass dein Vater so ein Vollblut Musiker ist, der irgendwie sofort anfängt zu spielen, wenn die Stimmung passt.

    Ami: Ja, also der Papa tut sich auf jeden Fall einfacher, auch gleich auf etwas einzusteigen und eben so zu improvisieren. Wir sind eigentlich beide eher schüchtern. Er wäre jetzt auch nicht der Erste, der auf die Bühne rennt bei einer Jam Session. Aber wenn er dann was dazu spielt oder so, ist er auf jeden Fall ein bisschen freier als ich.

    Lucas (untoldency): Ich fand den Moment ehrlich gesagt ganz sympathisch, weil ich bereit vermutet hatte, dass dir das in der Situation etwas unangenehm war. Wenn dann noch Kameras auf einen Zeigen, ist der Druck ja dreimal so hoch spontan zu performen. Gab es im Freundes- oder Familienkontext auch Momente, in denen du aufgefordert wurdest, etwas vorzuspielen?

    Ami: Ich glaube, meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe, weil ich sehr schüchtern war. Und ne, zum Glück haben die das gecheckt und waren eigentlich sehr zurückhaltend. Mein Papa hat auch generell die Einstellung, dass man überhaupt nicht mit Druck vorgehen sollte. Also, nee, zum Glück konnte ich alles in meinem eigenen Tempo machen und mich step by step der Bühne annähern.

    Lucas (untoldency): Ich fand außerdem spannend, dass du mit deiner Familie da warst, also mit deinem Vater, deiner Schwester und deiner Mutter. Wie ist so die Dynamik auf so einer Reise ist? Und wie kommt es dann dazu, dass alle sagen, okay, wir kommen mit? 

    Ami: Ich hab‘ ja auch öfter Auftritte mit meinem Dad, und irgendwie war es da schon immer so, dass meine Mama alle Daten ausmacht und weiß, wann wir wo sein müssen. Der Papa und ich steigen irgendwie so blind ins Auto und konzentrieren uns eigentlich nur auf die Musik, genau, und sie macht alles Organisatorische, verkauft dann auch CDs. Das war eigentlich schon immer so, dass meine Mama sich früher nur bei meinem Papa um alles gekümmert hat und seit wir zusammen Musik machen, da halt auch immer dabei ist. Und das funktioniert eigentlich voll gut so. Und meine kleine Schwester, das war eher eine Ausnahme. Also, die findet‘s auch oft eher langweilig und will nicht mit. Und es ist nochmal anders, wenn ich mit meiner Band unterwegs bin, dann fällt das eh weg, dann bin ich einfach mit meiner Band und dann mache ich den CD Verkauf und so.

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    Lucas (untoldency): Was ist die nächste Single oder das nächste Projekt, das ich und die Welt von dir erwarten können?

    Ami: Ich mache, glaube ich, gerade das Album, was so am Tanzbarsten wird, und freue mich auch schon voll, das dann irgendwann live spielen zu können. Es fehlen noch ein paar Songs und ich muss noch mal ins Studio, aber ich sammle auch schon Live Sessions und Videos dazu. Ich bin gerade an so einem Punkt, wo ich eigentlich kein Label habe und gar keine Partner. Also ist noch einer der größten Schritte, gerade ein bisschen rauszufinden, wie ich das rausbringen kann. Aber eigentlich habe ich schon ein bisschen gesammelt und würde am liebsten im Sommer anfangen mit einer ersten Single, um dann im nächsten Jahr irgendwann dieses Album rausbringen.

    Lucas (untoldency): Die letzte Single von dir, „Weg“, würdest du dann nicht in das nächste Album reinzählen?

    Ami: Tatsächlich würde ich es gerne dazu tun, weil es von der Thematik her ganz gut passt. Die ganzen Songs, die dann kommen, gehen so ein bisschen darum, wie viel Freizeit man auch braucht und dass es auch voll okay ist, sich Pausen zu gönnen und dieses ganze, dass man sich selbst oft auch viel Druck macht und immer denkt, man muss noch mehr schaffen, dabei ist das manchmal vielleicht auch gar nicht notwendig. Obwohl die Sound Welt sich gerade so ein bisschen von dem Song wegbewegt, glaube ich, dass ich ihn dazu tun will, weil es vom Thema her passt, ja!

    Lucas (untoldency): Dann fällt mir noch das Feature mit KLAN ein. Kannst du mir sagen, wie das zustande gekommen ist?

    Ami: Eigentlich total unkompliziert. Die haben mir auf Instagram einfach geschrieben, ob ich Bock hätte. Dann gab es, glaube ich, zwei Songs zur Auswahl. Dann habe ich eingenommen, habe das bei mir daheim eingesungen, den zurückgeschickt und fertig. Ich würde die auch gerne noch mal so richtig kennenlernen, weil dazu kam es jetzt noch gar nicht so richtig, obwohl wir jetzt diesen Song zusammen haben.

    Lucas (untoldency): Noch zwei leicht verdauliche Fragen zum Schluss: Welches Instrument würdest du gerne spielen, das du noch nicht spielen kannst?

    Ami: Wahrscheinlich würde ich irgendwas mit Tasten nehmen. Klavier! Ja, ich hätte schon Bock, noch mehr auf dem Klavier zu können. Ich hab ja bei diesem Mixtape schon auch immer irgendwie Akkorde und gespielt, aber da brauche ich sehr lang, um die Töne zu finden und kann es eigentlich nicht. Ich glaube, das wäre was, was ich eigentlich schön fände, auch um Songs zu schreiben, mal weg von der Gitarre und vielleicht am Klavier, fände ich das eigentlich ein schönes Instrument.

    Lucas (untoldency): Hast du ein guilty pleasure, vielleicht ein musikalisches, vielleicht Trash TV, etwas dass du eigentlich keinem erzählen darfst?

    Ami: Ja! Bei Trash TV bin ich auf jeden Fall dabei. Da gäbe es richtig viele Sachen, die ich jetzt sagen könnte, die die Leute vermutlich schlimm fänden. Irgendwie kann ich voll gut abschalten, wenn ich mir sowas reinziehe. Da habe ich schon fast alles durch, von GNTM über irgendwelche Sachen auf Netflix.

    Lucas (untoldency): Cool, ich danke dir für das Interview und Ich warne dich schon ein wenig vor. Ich komme auf jeden Fall zu den Acoustics und ich bringe ein paar Groupies mit! Falls du eine Fangruppe siehst, die laut deinen Namen schreit, weißt du, Lucas ist da.

    Ami: Dir auch danke für das Interview!

    Hier geht’s zu den kommenden Tourdaten von Ami Warning und Hier lest ihr die Review zu Ami’s letzter EP „kurz vorm Ende der Welt“

  • The Haunted Youth im Interview: »Great music first needs to be therapy for the writer in order to become therapy for anybody else«

    The Haunted Youth im Interview: »Great music first needs to be therapy for the writer in order to become therapy for anybody else«

    Seit geraumer Zeit hat es mich weg aus Deutschland ins Nachbarland Belgien verschlagen. Das soll jetzt aber kein Ratgeber fürs Leben als Expat werden. Nein, es geht natürlich um Musik. Belgien hat neben den Niederlanden und Luxemburg musikalisch viel Spannendes zu bieten. Wer sich ein Bild machen möchte, dem empfehle ich unsere „indie export – the sound of benelux“ Playlist (die hat übrigens kürzlich ein frisches Update erhalten).

    In den kunterbunten Mix leitet einer ein: The Haunted Youth. Seit der Single „Teen Rebel“ und dem im November letzten Jahres erschienen Debütalbum „Dawn Of The Freak“ haben sich Sänger Joachim Liebens zusammen mit seiner Live-Band zu den Indie-Lieblingen schlechthin gemausert. Mit einem Mix aus Shoegaze und Dream Pop schaffen die verträumten Gitarren einen Sound für eine ganze Generation, gezeichnet von tiefer Traurigkeit und unendlicher Freiheit zugleich.

    Ich habe mit dem Sänger hinter der gequälten Jugend gesprochen.


    The Haunted Youth im Interview

    Evelin: Hey Joachim, thanks for joining! First thing’s first: I myself have been living in Belgium for a few years now and heard a lot about you already. But for the people who might not know you: Who are you and how would you describe your music?

    Hey! Well I would describe my music as coming from a place that’s internal. It’s very introspective, makes you think but also forget. And I made it in a way to exorcise my own demons, and with that sometimes I exorcise someone else’s demons, at least while the song is playing. That’s how i would love it to be (laughs).

    Evelin: In what creative mindset do we find you at the moment?

    The Haunted Youth - by Robin Todde 026 (1)

    It’s kind of a trip, sometimes I feel like my life or my music is going nowhere in the studio, and the next day I feel inspired and focused. When it comes to playing shows, that’s always nice, I think it’s being on the road for a while now that makes me face new ways of going about creating music. And sometimes that’s hard, but I love going through it, it always ends up somewhere exciting!

    Evelin: Your artist name is very carefully chosen. How much does your youth still affect you to this day? Does it still haunt you?

    Well, our youth kinda shapes us in ways, and as we grow older we unconsciously try to make up for things, when this childhood was missing something. In ways, I feel like pursuing this dream was a way for me to be able to unconditionally live as a child, and free something that was imprisoned in me because of my past. While also growing up in other ways, like making a living and sharing a house with my girlfriend. 


    „There’s always traces that follow you around

    Evelin: Your debut album „Dawn of The Freak looks back on a very specific time in your life and in previous interviews you almost sound a bit bitter about your past. Can you explain what the album means to you and what state you were in mentally while writing the album?

    Well, growing up where I did, in the social environment that I did, I just felt isolated. Like I was different, and something was missing. I found something in skateboarding, I found something in punk rock, and when I really started to discover my own world, it was censored and controlled and judged by the people who should be there for me.

    After the divorce of my parents and years of depressing vibes between them, lies they would tell us about each other, to extreme levels, I decided to not see them anymore as soon as I had the chance. So I tried to fight things I felt about it in songs and that became the album. Because even though I left and my worst days seem to be behind me, there’s always traces that follow you around, and haunt you.

    I was sick of feeling like shit because of this and decided music was always my best way to fight it, besides skateboarding, or smoking weed, doing drugs, etc. I wanted to also give back this message to the community like: „Hey this music has been there for me. I made something in return, which I hope will do the same for someone out there.“

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    „I’m not trying to evoke anything in anyone

    Evelin: The main messages in your album revolve around the struggle of finding your place in life. Do you think you found that now? If so, what does that look like for you?

    I feel like I found at least a big picture of it (laughs). I’m pretty happy with my life now. I seem to have it pretty much under control, it just seems to flow, you know. A lot of old passions came back on me, like I just started skating again, and that feeling combined with being on the road with the band.

    They’re my carefully chosen family of freaks and my queen freak, Ammu. She’s my girl and I’m so in love with her. We really come from the same place traumatically speaking, even though she has her own story, but we bond on that deeply. We both make music together, like really hardcore punk shit, you know.

    And I don’t know, things just feel like they fell into place by making this album and everything that came along with it. And there’s been a lot of struggles to get here, but it makes me enjoy it more as it’s happening.

    The Haunted Youth - by Robin Todde


    Evelin: Your upbringing is characterized with contrasts, and it shows in your music. Whereas the melodies are often quite soft and dreamy, the lyrics can get rather dark. What do you hope to evoke in people with that?

    I’m not trying to evoke anything in anyone. I follow what evokes something in me, and weirdly, that’s how I end up making other people feel things with music. By first chasing that feeling for myself, and have me be the judge. Because I am the hardest to please, other people might like something I might not feel. So why do that. I think great music first needs to be therapy for the writer in order to become therapy for anybody else in such a profound way. Not always though, but mostly.


    „Just go until the gas runs out

    Evelin: You write and produce your music basically all on your own and sort of thrive in isolation. Now you released a song together with one of your bandmate’s projects King Victor. How did that more collaborative process work out for you?

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    Well, Tommy (Tom, Teil von King Victor und Gitarrist bei The Haunted Youth) is the only one I share a certain musical connection with. The therapy part, and the way this therapy sounds to us, is something very particular. I think this kind of connection is really rare, but that’s why he got in the band in the first place.

    And one day he had this song, and sent me the demo, and I hated his vocals on it, but loved the song and proposed to sing on it. I still did it alone, 4 am, high as fuck, and a little depressed. I did a few takes, and sent it to him. He loved it and we decided to go with it.



    Our label manager later decided to make it a collaboration thing with the feature, so his song would get the attention it deserved. We later ended up putting it in this year’s live set.

    Evelin: You released your debut album last year in November, after touring and the upcoming festival summer. What is next for The Haunted Youth?

    Just feeling the vibe, riding the waves and rocking in the free world, making lots more music, just go until the gas runs out, and we run out!

    Evelin: At the end of each interview, we always ask for an untold story. This could be a random fact about you, an anecdote, something funny that happened during recording, touring etc. Anything that you haven’t shared with the world yet, but want to now. 😊

    Well, me and my girl have a dog, a Tervuren shepherd. She’s called Kensy, and she’s our little wolf. Every so often we sit with her and we howl together, as a wolfpack. It’s said to strengthen the bond between you and the dog. It’s as if we’re singing a song together! (laughs)


    The Haunted Youth auf Tour

    Wer sich genauso wie Joachim von Traumata und Sorgen mithilfe der Musik loslösen möchte, dem spreche ich eine warme Empfehlung für das Debütalbum „Dawn Of The Freak“ aus.

    Nach bereits vergangenen Shows und Festivals um und in Deutschland gehen The Haunted Youth außerdem im November wieder auf Tour. Unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Heißt, ihr könnt euch auch noch von euren Dämonen frei tanzen. Holt euch hier eure Tickets!


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    Fotocredits: Robin Todde

  • untoldency proudly presents: Paul Weber „Von all dem nichts gewusst“-Tour 2023

    Tolle News für alle Deutschpop-Fans: Paul Weber geht auf seine erste eigene Headliner-Tour. Ja, das war jetzt sehr unverblümt, aber diese Katze wollte einfach direkt raus aus ihrem Sack. Ab Ende März 2023, kurz nach Veröffentlichung seiner kommenden EP „Von all dem nichts gewusst“, habt ihr in 5 deutschen Städten die Chance auf tolle Konzert-Abende. Und da wir nicht weit sind, wenn es um Paul Weber geht, präsentieren wir euch diese Tour von Herzen gerne.

    Paul Weber gehört eindeutig zu den Künstler*innen, die wir schon seit langer Zeit auf unserem Radar haben. Weil er uns mit seinen Songs immer wieder genau da abholt, wo wir gerade stehen. Im März 2021 hat Jule euch nicht nur eine Review zu seinem Song „Auf und davon“ kredenzt, Paul stand auch Paula in einer gemeinsamen Folge untold tea time Rede und Antwort. Seitdem ist eine ganze Menge passiert. Einige Konzerte wurden gespielt und einige Songs, die letztendlich die EP „Alles im Arsch“ mündeten, haben das Licht der Welt erblickt.

    Am 24.03.2023 schreibt er seine Geschichte weiter, denn an diesem Tag wird die neue EP „Von all dem nichts gewusst“ erscheinen. Was wir aber jetzt schon wissen: Es erwarten uns Songs, die uns in den Arm nehmen werden und das in typischer Paul Weber-Manier: Offen und ehrlich, berührend und wärmend, aber eben nicht pathetisch. Nach Supports für Jeremias, Provinz oder Sam Fender wird es nun Zeit für die erste eigene Headliner-Tour, die nur wenige Tage nach EP-Release losgehen wird. Gemeinsam mit seiner Band wird uns Paul, der auch alleine und nur mit seiner Gitarre verzaubern kann wie kein Zweiter (Tipp: schaut euch die Livesession zum Song „Von all dem nichts gewusst“ an!), wunderbare Abende bescheren, die wir bestimmt ganz lange in guter Erinnerung behalten werden. Wann und wo? Na hier:


    Die Tourdates

    29.03.2023 | Hamburg, Häkken
    31.03.2023 | Köln, Jaki
    01.04.2023 | Bochum, Trompete
    02.04.2023 | Hannover, Rampe

    22.05.2023 | Berlin, Schokoladen

    Wir können es jetzt schon kaum abwarten, euch in Scharen vor der Bühne zu treffen. Und vor allen Dingen gemeinsam eine tolle EP und natürlich Paul Weber zu feiern. Wenn wir uns jetzt noch komplett durch seine Diskographie hören, dann vergeht die Zeit bis zum Tourbeginn auch viel schneller, untoldency-Ehrenwort:

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    Fotocredit: Tim Löbbert

  • AB Syndrom im Interview: »Das Album ist die Kollektion aller unterbewussten Prozesse der letzten zwei Jahre«

    AB Syndrom im Interview: »Das Album ist die Kollektion aller unterbewussten Prozesse der letzten zwei Jahre«

    Wer meinen Jahresrückblick gelesen hat, weiß wie sehr ich AB Syndrom in mein Herz geschlossen hab.

    Polarisierend und gleichzeitig so nahbar machen sich die beiden auf ihrem neusten Album „Tut mir gut Tut mir leid“ buchstäblich nackig. So brutal selbstreflektierend katapultieren die beiden mich mit ihrer auf den Punkt gebrachten musikalischen Umsetzung direkt in ihre Gedankenwelt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden auch nächstes Jahr mein Spotify Wrapped anführen werden, denn der Bass dröhnt sowohl in meinen Kopfhörern als auch aus meinem Plattenspieler immer noch non-stop.

    Es war mir eine riesen Freude mit den lieben Jungs über ihre anstehenden Konzerte diese Woche (hier gibts noch Tickets!), ihren Musikschaffensprozess, Süchte und zwischenmenschliche Beziehungen zu sprechen.


    AB Syndrom im Interview

    Anton: So jetzt müssen wir nur unser Video anmachen hier. Wo ist der Knopf? Höre ich schon was?

    Anton und Bennet: Hallo, Evelin!

    Evelin: Hallo!

    Bennet: Wir haben übrigens Antons gute Tageslichtlampe hier hingestellt.


    *Überspringen wir hier kleinen Schwenker über meine aktuell nicht vorhandenen Lichtquellen in meiner Wohnung*


    Evelin: Jetzt erstmal herzlich willkommen. Wie war eure Woche so bisher? Wie geht es euch?

    Bennet: Voll gut! Die Woche war eigentlich ziemlich cool, weil wir noch spontan einen Radioauftritt bei Radio 1 reingekriegt haben, den wir heute noch machen. Und wir sind am Vorbereiten auf die Nachholtermine. Das ist jetzt quasi unser Probekonzert bei Radio 1 (beide lachen).

    Anton: Das Livekonzert im Radio ist unser Probekonzert für die eigene Show am nächsten Tag. Aber war ganz schön, weil als die Tour eigentlich im November stattfinden sollte, war alles relativ gedrängt. Weil wir noch unsere eigene Licht-Show aufgebaut haben, alles gemappt und so. Man kriegt alles gerade so fertig und jetzt war es ganz schön, weil wir jetzt noch mehr Zeit gehabt haben um an ein paar Sachen zu feilen.

    Bennet: Eigentlich noch ein bisschen zu proben (lacht).


    „Das war schon ein ziemliches Desaster“

    Evelin: Ich war ja auch bei dem Tour-Start in Köln dabei und ich fand die Show total toll und war richtig begeistert. Und umso mehr leid tat es mir dann, dass Bennets Gesundheit für die Shows danach einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wie war das Ganze so für euch, als ihr die Termine absagen und Nachholtermine finden musste?

    Anton: Das war schon ein ziemliches Desaster. Im Nachhinein sind das so lustige psychologische Dinge, die da ablaufen. Ich weiß noch genau wie wir am Morgen nach Köln, wo wir dann eigentlich in Bochum am gleichen Tag spielen sollten, aufgestanden sind. Bennet hatte so offensichtlich überhaupt gar keine Stimme zum Sprechen. Aber wir waren trotzdem noch so: „Lass mal gucken, wie es so läuft“.

    Bennet: Bis dahin ist sie bestimmt wieder da (beide lachen).

    Anton: Irgendwann musste man sich der Realität beugen und sagen: „Okay, wir können das Konzert nicht spielen.“ Wenn du dann auf den Morgen zurückschaust und denkst: „In welchem Mindset warst du, wenn du glaubst, dass du morgens aufsteht und es ist keine Stimme zum Sprechen da?“. Die Sachen sind sehr schwierig zu singen, laut und hoch und pipapo. Wie man geglaubt hat, dass es eventuell noch funktionieren könnte. Wie man so Stück für Stück erst realisiert, dass es wirklich nicht gehen wird. Das fand ich irgendwie interessant.

    Bennet: Voll und so hat es sich ja auch weitergezogen von Tag zu Tag. Wir haben immer gesagt: „Das passt und übermorgen ist sie wieder da, das geht, das können wir machen.“ Und dann haben wir immer am Tag des Gigs erst richtig abgesagt. War krass, dass alle das so mitgemacht haben, unsere Booking Agentur und die Clubs. Die sind irgendwie gerade sehr darauf ausgerichtet, flexibel Sachen rumzushiften.

    Anton: Ja, und auch den Gig, den wir dann für die anderthalb Wochen später in München verschoben haben. Ich glaube, der war  auch irgendwie vorher frei geworden von Leuten, die da was weggeschoben haben.

    Bennet: Ja, ich glaube auch, die konnten Sachen einfach machen, weil andere Bands auch verschieben mussten. Bei dem Club in München, da sollten wir in der Woche spielen, Mele und Trille. Beides Leute, die wir persönlich kennen, die alle in dem gleichen Club spielen sollten innerhalb von diesem ganz kurzen Zeitraum und keiner hat da gespielt.

    Anton: Alle mussten krankheitsbedingt absagen, alle wegen der gleichen Sachen.

    Evelin: Aber mega gut, dass ihr das so schnell organisiert bekommen habt!


    Anton: Ja, das war gut, dass wir so schnell neue Termine gefunden haben. Aber ich glaube, die Venues sind diese Konzertverschiebungen jetzt alle gewöhnt sind, und dass wir halt auch nur drei Leute sind. Bei uns ist es noch relativ leicht. Wenn du mit einer zehnköpfigen Crew unterwegs bist und alle müssen dabei sein. Na, dann funktioniert das nicht, irgendwelche Sachen auf vier Wochen später zu verschieben.

    Bennet: Aber bei solchen Crews hast du dann eher die Möglichkeit, jemanden zu ersetzen. Und bei jedem, der bei uns ausfällt, ist das so ein Riesending.

    Anton: Von den drei Leuten kann man jetzt nicht nur einen ersetzen. Das stimmt, das funktioniert nicht.

    Bennet: Aber zum Beispiel Basti, unser Support, ist dann noch ein bisschen länger krank geblieben und konnte bei den zwei Shows, die wir dann noch gemacht haben auch nicht dabei sein. Das war auch natürlich schade.

    Anton: Aber der ist ab jetzt ab wieder dabei!


    „Wir müssen wirklich alles immer sehr verinnerlichen“

    Evelin: Mega, in voller Besatzung also! Ich finde, man merkt richtig krass, – besonders weil ihr so eine kleine Besetzung habt – wie viel Arbeit ihr in die Shows steckt. Was sind Herausforderungen, auf die ihr live tretet?

    Anton: Die größte Herausforderung ist, dass es ja elektronische Musik ist, die wir machen: sehr viele Synthesizer, elektronische Sounds und Samples usw. Und dass wir uns aber trotzdem den Anspruch gesetzt haben, das alles live zu spielen. Das heißt, alle Sounds, die man hört, die werden auch von uns abgefeuert und es gibt keinen Backing Track. Wenn man das zu zweit versucht umzusetzen, heißt das, damit wir neue Songs auf der Bühne spielen können, wir jedes Mal gucken müssen, wie wir das auf die verschiedenen Pads, die ich dort habe, legen können. Was können wir mit was zusammenspielen und wie können wir das runter kondensieren, dass wir das noch genauso live spielen können? Das ist, glaube ich, für mich die große Herausforderung.

    Bennet: Ja stimmt, das ist auch vor allem bei dir natürlich. Ich schieb immer mehr Sachen zu Anton rüber, was eigentlich ganz gut ist für mich, damit ich mich mehr aufs Singen konzentrieren kann. Aber er hat wirklich viel zu tun. Also manchmal macht ein Pad ein Sample, es verstimmt aber auch noch gleichzeitig die Bassdrum, macht einen Hall an und jetzt auch noch das Licht dann hinten auf Rot. Das muss dann halt auch im richtigen Moment gehauen werden. Ja, es ist schon sehr ausgefummelt.

    Anton: Ja, und das funktioniert bei mir eigentlich auch nur, weil die Sachen so richtig in mein Unterbewusstsein absinken müssen, damit ich dann zusätzlich noch Backing Vocals machen kann. Sonst funktioniert das nicht. Das heißt, neue Songs bei uns zu arrangieren ist meistens eine ziemlich langwierige Geschichte.

    Bennet: Ja, und wir müssen es wirklich auch alles immer sehr verinnerlichen, wie du sagst. Es gibt, glaube ich, Leute, die Sachen ein bisschen mehr aus dem Ärmel schütteln können, weil es ähnliche Sachen sind. Aber bei uns sind die Beats immer was ganz anderes, da musst du ganz andere Abläufe reintun. Aber vor allem vielen Dank für die Frage. Das ist schön, dass du das so wahrgenommen hast.


    „Dass Leute für uns da sind, das kennen wir eigentlich noch gar nicht so richtig“

    Evelin: Ich fand es auch total schockierend, als ihr meinte, dass es eure erste richtige Tour ist.

    Anton: Naja, erste Tour ist auch relativ zu sehen.

    Bennet: Bisschen misleading haha.

    Anton: Unsere erste eigene Headliner-Tour in Deutschland, dann stimmt es 100 %.

    Bennet: Support Touren haben wir quasi schon gemacht. Das ist wirklich was anderes finde ich. Und dann haben wir diese Tour in Südostasien gemacht. Die war auch wirklich was ganz anderes. Aber bei allen Sachen kriegt man stellenweise eine Routine rein.

    Anton: Aber den Aspekt, den man nicht hat, den wir jetzt bei einer Solo-Tour natürlich haben, ist diese ganze Verantwortung, dass das unsere Konzerte sind. Dass wir dafür verantwortlich sind, dass genügend Leute kommen, dass es an dem Abend läuft, dass wir am Ende auch den Merch verkaufen (lacht). Das Einzige, was fehlt, ist eigentlich, dass wir den Leuten Getränke zu bereiten. Das ist die einzige Verantwortung, die wir an dem Abend (in Köln) nicht übernommen haben.

    Bennet: Ey, ganz ehrlich, ich habe mich so gefreut, als wir in Köln waren und dann habe ich gesagt: „Oh geil, da ist ja jetzt jemand, der die Tickets abreißt. Voll gut, dass die daran gedacht haben.“

    Evelin: Sonst hättet ihr das auch gemacht (alle lachen).

    Bennet: Das war jetzt schon auch das erste Mal für uns, dass wir den Teil daran so komplett auskosten konnten, der so rewarding ist auch beim Konzert. Dass Leute für uns da sind, das kennen wir eigentlich noch gar nicht so richtig. Und das war teilweise wirklich echt überwältigend, dass die Leute die Sachen mitsingen konnten.

    Anton: Ja, erstaunlich textsicher. Das war von mir auch nicht so erwartet. Aber krass.


    „Ich mache das nie wieder“


    Evelin: Voll schön! Ihr habt das vorhin schon angesprochen. Aber ihr macht ja irgendwie alles mehr oder weniger selbst. Von Videoschnitt, Grafik, Merch verkaufen, etc. Woher kommt das und was gibt euch das?

    Anton: Es stimmt so, wir machen alles selber. Aber es ist nicht das gleiche, wie wir machen alles alleine. Es gibt natürlich Leute, mit denen wir viel zusammenarbeiten, zum Beispiel Anne, mit der wir ganz viel zusammenarbeiten für die ganzen Fotos. Oder auch bei den Videos, die wir gemacht haben, wirklich teilweise große Crews aus unserem Zirkel sind, die bei den Videos mithelfen. Wir drehen natürlich keines dieser Videos zu zweit, sondern es sind immer viele Leute aus dem Netzwerk, das wir aufgebaut haben, am Start.

    Bennet: Also ich glaube, für uns ist es, wie das Songschreiben auch ein Teil der Kunst und so ein therapeutischer Prozess. Ich merke das auch bei den Videos, so: „Ah ja, eigentlich habe ich das auch noch ein bisschen gebraucht, um zu raffen, worum es im Song geht“. Trotzdem denke ich manchmal, das ist dann so viel, was man sich auferlegt und gerade in dieser ganzen Releasephase. Dann haben wir am Freitag den Release, es muss alles aber noch gegradet werden, der der Schnitt muss noch fertig gemacht werden, dann in After Effects die ganzen Seile rausretuschiert und dann spitzt sich das alles so zu, dass man irgendwann denkt: „Okay, ich mache das nie wieder. Das kann jemand anders machen.“ Aber ja, ist auch trotzdem irgendwie wichtig für uns oder dieses Videoding nochmal ein bisschen mehr wichtig für mich eigentlich.

    Anton: Ich bin immer der, der versucht zu sagen: „Können wir nicht ein bisschen weniger aufwendiges Video machen?“ Und er sagt „Ach ja, das geht ganz schnell…“

    Bennet: Es nervt ihn richtig (lacht).

    Anton: „… wir müssen nur kurz die Seile hier rausretuschieren und am Ende sitzen da 10 Leute die ganzen Nächte, nicht 10, aber fünf Leute daran, diese Seile rauszuretuschieren.

    Bennet: Zu acht waren wir glaub ich.

    Anton: Na dann wars ja gar nicht übertrieben. Also ich reg mich auch deswegen auf, weil ich natürlich nicht geholfen habe, irgendwelche Seile rauszuretuschieren, weil ich kann mit After Effects nicht umgehen. Was soll ich machen? (lacht)

    Bennet: Aber das ist natürlich auch so ein bisschen das Ding. Es geht, weil wir in diesem Raum hier irgendwie unterwegs sind, dass wir ein paar Leute kennengelernt haben, die Filme machen. Und es sind auch Freunde von uns. Sonst wird es auch nicht gehen.

    Evelin: Sonst müsste Anton After Effects lernen.

    Anton: Wo ichs gesagt habe, habe ich gerade drüber nachgedacht, dass ich natürlich schon mal für so ein Video von uns Sachen gemacht habe. Da hab ich was animiert.


    „Es ist ein sehr unterbewusster Prozess“

    Evelin: Um so ein bisschen mehr aufs Album zu sprechen zu kommen: Es ist ja jetzt seit gut drei Monaten draußen und bei mir auf jeden Fall noch immer in Dauerschleife. Was macht die Veröffentlichung von diesem Album so besonders?

    Bennet: Das habe ich jetzt gemerkt bei dem Album. Ich finde, dass sich wirklich jedes Album immer anfühlt wie so ein ganz neues Ding. Ich habe nie das Gefühl: „Ah okay, jetzt passiert das, jetzt passiert das, …“ Und wir haben diese Abläufe und spulen die ab, sondern es ist immer anders. Und es ist mir jetzt erst klar geworden, dass das eigentlich auch ganz schön crazy ist und irgendwie auch Teil des Hustles ausmacht. Aber ja, was jetzt eigentlich gar nicht so interessant für euch ist, wahrscheinlich nur für mich (lacht).

    Evelin: Passiert das unbewusst oder setzt ihr euch dahin: „Okay, mit diesem Album, machen wir was anderes“?

    Anton: Das wollt ich auch gerade schon sagen. Ich glaube, dazu ist wichtig zu verstehen, wie bei uns überhaupt der Songschreib-Prozess funktioniert und wie sich die Themen zu den Songs überhaupt entwickeln. Es ist schon ein sehr unterbewusster Prozess. Wirklich interessant finde ich, dass wie die Songs entstehen und wenn Bennet dazu die Texte schreibt und sich Stück für Stück so ein Song herauskristallisiert, dass wir uns oftmals zusammen den Song anhören und man gemeinsam im Prinzip entdeckt, worum es in dem Song eigentlich geht.

    „Man erkennt gemeinsam, worum es in dem Song eigentlich geht.“


    Es gibt nie oder fast nie, einen Plan dazu, einen Song zu schreiben. Sondern ein Song entsteht irgendwie und man muss auch selber dechiffrieren, worum es in dem Song eigentlich geht und was das eigentliche Thema des Songs ist, welche unterbewussten Prozesse sich da an die Oberfläche geboxt haben. Und das Album ist quasi die Kollektion der unterbewussten Prozesse der letzten zwei Jahre. Dementsprechend ist das, was uns oder was die Texte angeht natürlich vor allem Bennet jetzt in dem Moment am nächsten ist, weil da sind die aktuellen Themen drauf. Über unseren Prozess, ist ein neues Album immer das, was am krassesten ist, weil es das ist, was an der jetzigen Version von dir selbst oder von uns am nächsten dran ist.


    „Mit dem großen Plan der Außenwirkung sind die Songs nicht geschrieben“

    Evelin: Weil das Album ja so persönlich ist, was erhofft ihr euch, was eure Hörer*innen daraus mitnehmen?

    Bennet: Diese Gedanken gibt es immer beim Songschreiben nicht so richtig. Ich lass da Sachen raus und ich finds dann immer total verrückt zu sehen, dass Leute auch mit diesen Sachen, die quasi ganz persönliche, ganz private Geschichten von mir sind, bei denen ich manchmal das Gefühl habe, damit kann eigentlich kein Mensch außer mir was anfangen, connecten und daraus Sachen für sich ziehen. Dass das funktioniert, finde ich einfach schon total den Mind Fuck.

    Anton: Ich finde es echt krass, was uns da für persönliche Geschichten von Leuten erreichen. Was diese Songs mit denen gemacht haben. Was war nochmal dieses Beispiel mit „Tut mir gut, tut mir leid“ und den Geschwistern? Ich versuche, mich zu erinnern. 

    Bennet: Achso ja, stimmt! Da hat sich die eine Person immer so ein bisschen im Zugzwang gefühlt, zu antworten. Dieses ganze Kommunikationsthema, das dann über den Song ziemlich auf den Punkt gebracht worden ist, anscheinend.

    Anton: Und dann hat es da auch geholfen, das zu artikulieren und diesen Konflikt ein bisschen aufzulösen. Wenn ichs richtig in Erinnerung habe, ist schon ein bisschen her. Aber das zeigt, dass obwohl die Songs so ultra persönlich sind und eigentlich die ganz persönlichen Geschichten von Bennet, dass es offensichtlich genug Leute gibt, die damit connecten können. Entweder dadurch, dass sie vielleicht doch nicht so explizit sind und ein bisschen Interpretationsspielraum lassen. Oder einfach auch, weil natürlich viele Leute trotzdem selbst was Ähnliches erleben.

    Bennet: Ja, voll! Ich denk dann da auch ja immer nicht so richtig dran. Aber es gibt natürlich immer viele Leute, die ähnliche Sachen erleben wie man selbst. Nur checkt man es halt nicht. Es gibt diesen einen Song, „33 Prozent“ über meine Kopfverletzung. Das war wirklich sehr, sehr knapp war und sehr so mit Leben und Tod, alles ziemlich haarscharf. Eigentlich haben so gut wie alle Menschen so eine Situation erlebt in ihrem nahen Umkreis. Und das habe ich echt einfach nicht auf dem Schirm. Da haben sich ganz viele Leute dazu gemeldet, dass es was mit denen gemacht hat und so was ist krass. Das haben wir uns aber nie erhofft vorher.

    Anton: Genau mit dem großen Plan der Außenwirkung sind die Dinger nicht geschrieben, sondern halt immer irgendwie Sachen rauslassen.

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    „Das ist alles mein Shit, den ich rauslasse und das tut mir gut“

    Evelin: Aber ist ja schön, wenn man selbst in seiner Blase lebt. Aber dann doch sieht, dass wir alle ziemlich gleich sind. Ihr – oder Bennet eher spricht sehr selbst-reflektierende Themen an, die vielleicht etwas unkonventionell sind oder worüber viele sich nicht trauen, zu sprechen. Kostet sowas Überwindung? Oder ist das wirklich so eine Art Stream of Consciousness und denkst du gar nicht darüber nach, dass so viele Leute das zu hören?

    Bennet: Ja, es ist so, wie du es sagst (lacht). Ich mache mir keine Gedanken darüber beim Schreiben. Und das ist auch dann das, was ein bisschen einholt beim Release-Prozess oder wenn ich die Sachen dann jemandem zeige. Dann merke ich irgendwann: „Ah ja, krass“. Vielleicht auch dann manchmal ein bisschen unangenehm. Aber es ist für mich auch die einzige Art, das zu machen. Deswegen werde ich es auch nicht ändern, also kann ich es nicht ändern. Das ist eigentlich auch, was der Album-Titel sagt. Das ist alles mein Shit, den ich rauslasse und das tut mir gut, das zu machen. Aber es tut mir auch leid, wenn manchmal Leute dann da drin vorkommen oder damit dealen müssen. Und die können vielleicht keinen Song da drüber schreiben oder die werden nicht so richtig gefragt.

    Anton: Genau die müssten jetzt alles schlucken. Deine Eltern können zu „33 Prozent“ keinen Response-Song schreiben, um das alles wieder loszuwerden.

    Bennet: Weiß auch gar nicht, ob die da so ein Bedürfnisse haben.

    Anton: Ja, aber zum Beispiel bei dem Song ist es wahrscheinlich wirklich krass für die Leute, den zu hören und um die es persönlich geht. Also zumindest war das mein Eindruck.


    „Aus Angst, süchtig zu werden“

    Evelin: Und gibt es einen Song, neben „33 Prozent“ der euch beiden besonders am Herzen liegt?

    Bennet: Ich find eigentlich „Overdose“ einen, der mir besonders am Herzen liegt, weil es um Sucht geht. Und das war wirklich ein Thema, bei dem ich gedacht habe, darüber würde ich wirklich gerne mal schreiben. Weil ich selber ein bisschen aus Angst, süchtig zu werden, ziemlich abstinent lebe und gar keine Drogen konsumiere usw. Deswegen wars auch sehr wichtig für mich, das mal zu beschreiben. Und dann auch in Korrelation zu „Adrenalin“, der so ein bisschen meine Online Sexsucht behandelt hat. Also weil ich glaube, dass ich aus Angst, schnell süchtig, abhängig zu sein, diese Sachen gar nicht erst anfange. Und ich habe das Gefühl, dass ich durch diese Online Sexsucht, die ich hatte, einen Beweis habe, dass ich dafür anfällig bin. Und das sind immer Themen, die bei mir auftauchen, weil alle Leute fragen einen immer: „Warum trinkst du nix? Oder warum rauchst du nicht und nimmst keine Drogen usw.“

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    Evelin: Aber woher kommt die Angst davor, süchtig zu werden? Gab es da einen bestimmten Auslöser?

    Bennet: Ja, das war sozusagen so ein bisschen mit der Online-Sex-Sucht und worum es in „Adrenalin“ geht. Das ist auch, glaube ich, ziemlich kryptisch in „Adrenalin“. Das sind Sachen, die unangenehm sind, darüber zu sprechen. Aber ich hatte da so eine Phase, wo ich auf Chat Roulette rumgecreept bin und probiert hab, mit irgendwelchen Leuten Online-Sex zu haben und davon echt nicht so richtig weggekommen bin. Es hat mich so richtig eingesaugt. Ich glaube, das hat auch so ein bisschen zu tun mit diesen Glücksspiel-Mechanismen, dass du immer weiterklickst, und weißt, das gibt es so eine Art Zufallsprinzip. Und ja, da seh ich tatsächlich so einen Zusammenhang, der sich über das Album da rausgeschält hat.

    Evelin: Hilft dir das dann bei solchen Themen das durch das Schreiben zu verarbeiten und die Musik als Therapie zu nutzen? Merkst du davon Effekte, wenn du dir das so quasi von der Last schreibst?

    Bennet: Ja, voll. Ich habe darüber auch noch nie mit irgendjemandem geredet. Und das war einfach irgendwann angenehm, Sachen immer so nicht alleine mit sich rumtragen zu müssen. Und wenn Leute davon wissen, dann ist das zwar unangenehm, aber auch ein bisschen ein reinigender Prozess. Es ist ja auch letztendlich nicht so schlimm, diese Sucht ist ja jetzt nicht so furchtbar. Du gehst ja daran nicht zugrunde. Aber ich will auch meine Zeit damit nicht verlieren und wenn du das dann so preisgegeben hast, ist das schon hilfreich.


    „Aber das ist ja totaler Quatsch“

    Evelin: Um noch mal zu einem anderen Song zu kommen. Worum geht es in „Guck ich dich immer an“ und was war die Idee hinter dem Musikvideo? Das sah nach sehr viel Spaß aus.

    Bennet: Witzig, gute Frage! Wir werden eigentlich voll selten zu den Musikvideos gefragt, obwohl wir ganz viele machen (lacht).

    Anton: Stimmt!

    Bennet: Die Idee war, eine Beziehung darzustellen und dass es einen Song gibt, der die verschiedenen Stadien oder Erinnerungen an die Beziehung wieder hervorruft. Und das war die Idee, dass wir eine Beziehung darstellen und verschiedene Szenen daraus, an die sich dann jeweils erinnert wird.

    Anton: So gibt es eben verschiedenen Parts für die verschiedenen Phasen der Beziehung.

    Bennet: Und dann bei „Bei der einen Stelle im Song“ wird es dann immer emotional und das ist das, was der Song erzählt. Auch lustig, weil so verstehen wir es halt, aber manchmal ist es glaube ich, gar nicht so offensichtlich. Für mich ist es einfach so: „Okay, wir haben halt das gemacht, was der Song sagt.“ Aber das ist ja totaler Quatsch. Du kannst es natürlich nicht so sehen, wenn man nicht so den Einblick in unsere Köpfe hat. Und das war aber wirklich ein sehr, sehr lustiger Dreh, aber auch echt anstrengend. Wir mussten alles relativ kurzfristig machen, mal wieder.

    Anton: Und die kompletten Pläne geändert ein paar Tage vorher.

    Bennet: Ja, wir wollten eigentlich auch Darstellende dafür bekommen.

    Anton: Und dann keine gefunden und mussten es selber machen (beide lachen).

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    „Das ist in tausend Teile zersplittert“

    Evelin: Dann komme jetzt schon zu meiner letzten Frage, weil ich sehe, dass mein Gratis Zoom Abo die Zeit schon runterzählt. Unsere altbewährte Abschlussfrage: Habt ihr eine untold story für mich?

    Bennet: Oh, Moment.

    Evelin: Ja, so on the spot manchmal ein bisschen schwierig.

    Bennet: Ja, eigentlich gut, man hätte so was einfach parat. Wir hatten das einmal, dass uns dieser Stein durchs Dachfenster geflogen ist. Das haben wir aber bestimmt einmal irgendwo erzählt.

    Anton: Nee, das glaub ich nicht. Das ist schon sehr, sehr lange her. Wir sind von einem Gig nach Hause gefahren, aus Mannheim oder so zurück nach Berlin. Da waren wir noch zu viert und auf der Autobahn und auf einmal *insert Sound-Effects* zerplatzt das  Dachfenster.

    Bennet: Ja, so ein kleines Schiebeding. Das war auch nur so ein kleiner PKW, in dem wir gefahren sind und da gab es so ein Dach. Und ich habe das wirklich bis jetzt noch vor Augen, wie das aussieht. Mein Bruder war noch in der Band. Ich glaube, ihr saßt vorne und ich war hinten. Und ich habe auf einmal gesehen von hinten, wie die beiden (Anton und Aljoscha) vorne sitzen und von oben kommt es so runter (gestikuliert wild).

    Manchmal macht es die Wahrnehmung ja so, dass sich alles in Slow-Mo abspielt und sich die Bilder auch so reinfressen. Das sah aus wie Wasser und das ist in tausend Teile zersplittert. Ein Glück ist Aljoscha einfach weiter gefahren, aber hat total den Schock bekommen. Dann sind wir raus und wir haben es auch überhaupt nicht verstanden. Du hattest da drin keinen Stein oder so, das war kein crazy Gewitter oder Hagel, es gab nichts. Keiner ist vor uns gefahren und es gab keine Brücke.

    Anton: Was hat die Polizei gesagt? Es war wahrscheinlich irgendein Ast.

    Bennet: Es war mit Sicherheit einfach…ne Art Bestimmung.

    Anton: Wir mussten rausfahren, dass irgendwas anderes nicht passiert wäre.

    Bennet: Wahrscheinlich.

    Anton: Auf der Autobahn zu fahren ist natürlich schon ein großer Anteil des Alltages, wenn man auf Tour ist, ne? Wir haben einige krasse Sachen erlebt. Zum Beispiel auch, wo wir 6 Stunden lang auf dieser Vollsperrung mit Eis und Schnee festsaßen und dann eingeschlafen und wieder aufgemacht sind und wir standen immer noch in der Vollsperrung (beide lachen). Na ja, also so ist es. Das sind so unsere Geschichten.

    Evelin: Gute Geschichten auf jeden Fall. Ich bin froh, dass niemandem was passiert ist.

    Bennet: Aber ja, wir brainstormen da nochmal. Wenn uns noch was einfällt, schreiben wir dir nochmal.

    Evelin: Ja genau, kleiner Nachtrag von der Redaktion. Habt ihr noch irgendwas, was ihr loswerden möchtet zum Schluss?

    Anton: Wir laden alle Leute herzlich zu den verbleibenden Shows der Tour zu kommen. Weil es das für uns das Album komplettiert. Das bringt diesen Zyklus erst zu Ende und wir freuen uns über alle, die nach Bochum, Oldenburg und Hamburg kommen. Natürlich auch Berlin, aber da gibt es keine Karten mehr (lacht).

    Bennet: Und überall sonst gibts noch Tickets!

    Evelin: Dann danke für das tolle Gespräch und viel Spaß bei den Shows und ich freu mich ungemein, was noch alles von euch kommt.

    Anton: Danke dir für das nette Interview!

    Bennet: Vielen Dank! War voll schön, dich wiederzusehen.


    Gehen Sie auf die Tour, sie ist sehr gut

    Dann bleibt mir auch nur noch zu sagen, besucht auf jeden Fall eine der anstehenden Show, denn es ist es wirklich mehr als wert! Die beiden machen das mit so viel Fleiß und Liebe und das Ergebnis überzeugt von hinten bis vorne! Unten könnt ihr schon mal eure Textsicherheit für die neuen Songs trainieren 😉


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    Fotocredits: Anne Ludwig

  • Brenda Blitz im Interview: „Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten“

    Brenda Blitz im Interview: „Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten“

    Brenda Blitz veröffentliche im Juli ihre neue EP „Schock Herzbrand“. Sie ist schrill, mutig, aufregend und nimmt kein Blatt vor den Mund. So wie Brenda eben auch. Auf 6 Tracks zeigt Brenda Blitz, wer sie ist und dass es Gründe gibt, wieso man ihr zuhören sollte. Nach Supportshows für Querbeat, Ok Kid und Das Moped bewies sie, was sie live drauf hat und wie mitreisend ihr Auftreten funktioniert. Außerdem ist Brenda diesen Monat für den popNRW-Preis nominiert.

    Schock Herzbrand macht, ebenso wie ihr Debüt-Vorgänger, vor allem Spaß und lädt zum tanzen ein. Wobei dennoch sowohl textlich, als auch produktionstechnisch, eine deutliche Weiterentwicklung zu erkennen ist. Wir sind gespannt, was Brenda noch für uns in Zukunft bereit hält, denn an Energie und Motivation mangelt es ihr offensichtlich auf keinen Fall.

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    Brenda Blitz im Interview

    Dascha: Hi, schön, dass das geklappt hat. Magst du dich mal vorstellen, für alle, die dich noch nicht kennen?

    Brenda Blitz: Voll gerne. Ich bin Brenda Blitz. Aber eigentlich sag ich, auch auf der Bühne, lieber „Wir sind Brenda Blitz“, weil mein ganzes Team dazugehört. Also ja, ich bin Brenda und mache Wave-Pop.

    Dascha: Und wie würdest du deine Musik in drei Adjektiven beschreiben?

    Brenda Blitz: Auf jeden Fall knallig. Und, das ist zwar kein Adjektiv, aber: immer mit doppeltem Boden. Das find ich total wichtig. Der Sound ist ja meistens so treibend und happy, aber Themen nicht immer so. Also vor allem bei den neuen Songs sind Text und Melodie meistens konträr zu einander. Und als drittes experimentierfreudig.

    Dascha: Deine neue EP „Schock Herzbrand“ ist ja im Juli erschienen. Was war währenddessen die größte Herausforderung für dich und was die größte Freude?

    Brenda Blitz: Als ich die EP angefangen habe, habe ich noch nicht so unglaublich lange Musik gemacht und für mich war die größte Herausforderung, sie so klingen zu lassen, als würde ich schon ganz lange Musik machen. Ich wollte viele Einflüsse einbringen, mich an vielen verschiedenen Stilelementen bedienen, ich wollte einfach alles, was ich bin da reinpacken. Ich wollte einen Wiedererkennungswert erschaffen und mich von meiner vorherigen EP abheben. Im Endeffekt hab ich dann einfach gemacht. Die größten Herausforderungen kamen immer in den Zwischenschritten. Das Studio, wo ich aufgenommen hab, ist auf dem Land, dann musste ich Tausend Mal hin und her fahren. Die ganzen Fertigstellungsprozesse, die durchgemachten Nächte, die ganzen Leute, die wir bezahlen mussten, die Förderungen an den Start zu bekommen… Das hat so eine große Infrastruktur eine EP auf die Beine zu stellen. Also die Herausforderung lag darin, dass ich das alles so gut, groß und professionell wie möglich machen wollte. Ich glaube die Kapazität dieses Projekts war ein bisschen größer als ich. Ich dachte zwischendrin, dass ich das nicht packe, aber habe es doch durchgezogen. Es waren harte 1 ½ Jahre. Die größte Freude war, als alles fertig war und ich gemerkt hab, dass wir alles richtig gemacht haben. Ich musste anfangen zu weinen, als ich die fertige EP dann gehört habe, das war krass. Auch Nick, mit dem ich das produziert habe, hatte Tränen in den Augen und ich dachte okay, das ist ein gutes Zeichen, dass man was spürt. Ich glaube, das war die Antwort auf alles: Wenn ich nicht geweint hätte, hätte ich was falsch gemacht.

    Dascha: Voll schön! Du hast die Worte „Schock Herzbrand“ schon 2019 in deiner Single Durchsichtig erwähnt. Wieso wurde das nun der Titel deiner EP?

    Brenda Blitz: Ich hab einfach Wortschöpfungen oder neu definierte Begriffe, die ich gerne mag. Und den Ausdruck „Schock Herzbrand“ gibt es quasi ja noch gar nicht. Ich fand es war eine schöne Antwort darauf, dass ich aus der ersten EP etwas mitgenommen hab. Außerdem passt es einfach so gut zu dem Gefühl der Platte, dieses Verliebtsein, dass das Herz weh tut. Ich hab diese grätschigen Gitarren da drin, die manchmal viel zu hoch sind und fast weh tun. Einfach so reizüberflutend wie das Leben halt. Das war also nicht geplant, ich habe einfach überlegt und gemerkt, dass der Begriff mega gut passt.

    Dascha: Finde diese Wortschöpfung ruft einem mitten ins Gesicht. Von dem Song Energievampir bin ich großer Fan. Was raubt dir die Energie und was gibt dir Energie?

    Brenda Blitz: Menschen, jeder Art, die mir nicht gut tun, rauben mir die Energie. In dem Song geht’s ja auch nicht um eine klassische Beziehung, sondern um eine Art von Freundschaft. Außerdem Ungerechtigkeit. Dazu gehören auch Strukturen in der Musikbranche. Da gibt’s richtige Energiezieher, wo man sich so ungerecht behandelt fühlt. Dinge, die mir Energie geben, sind aber gute Freundschaften. Und Sport und Ernährung, damit kann ich meine Stimmung um 180 Grad umdrehen, wenn’s mir schlecht geht. Wenn ich einen neuen Track gemacht habe, gibt mir das auch richtig viel Energie. Ich würde sagen im Endeffekt ist es wirklich sehr entscheidend, was für Menschen man um sich rumhat, ob man Energie bekommt oder sie entzogen wird.

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    Dascha: Du hast außerdem einen Song auf der EP mit dem Titel 17. darin besingst du das Lebensgefühl aus der Perspektive eines Teenies. Was würdest der 17 jährigen Brenda heute raten?

    Brenda Blitz: Ich würde ihr raten, weniger Drogen zu nehmen. (lacht) Ich würde das heute nie machen. Meinem 17 jährigen Ich würde ich sagen „Ey, hör auf zu ballern und fang mal an Musik zu machen“. Ich würde ihr auch raten keine Energie an irgendwelche daher gelaufenen Typen zu verschwenden. Wenn ich die Zeit, die ich in Männer investiert habe, in Gitarren investiert hätte, wär ich heute Jimi Hendrix. (lacht) Aber im Endeffekt ist ja alles gut, ich bin jetzt hier, wo ich bin. Ist ja auch wichtig, dass man solche Phasen hatte, in denen man sich um nichts Gedanken gemacht hat, außer darum, wie das nächste Wochenende aussieht. Ich würde mir im Nachhinein aber raten nicht erst mit Anfang 20 richtig mit der Musik anzufangen. Einfach gesagt „Mach früher das, was dich weiter bringt“.

    Dascha: Und wie kamst du dann dazu Musik zu machen?

    Brenda Blitz: Eigentlich wollte ich das schon seit ich klein bin, habe mich aber für viele unterschiedliche kreative Dinge interessiert. Ich hab auch mal im Theater gearbeitet, manchmal beim Film, ich konnte immer vielen kreativen Spaten etwas abgewinnen. Dann hab ich aber gemerkt, dass die Musik mich von allen am meisten angezogen hat. 2019 habe ich mir gesagt „du machst das jetzt richtig“ und habe es dann angefangen durchzuziehen. Ich war auf einem Festival und dachte „Du willst da oben doch auch stehen“. Außerdem tu ich es mir mit Anstellungsverhältnissen sehr schwer. Ich hatte schon 28 verschiedene Jobs gehabt. Das liegt auch daran, dass ich mit Autoritäten so schwer klar komme. Auch in der Schule schon. Es fällt mir schwer, mich nach Strukturen von anderen zu richten. Das ist an Musik als Job auch so cool, dass man da so frei ist. Das ist jetzt drei Jahre her, seit ich gesagt hab ich ziehe das jetzt zu 100% durch. Und ich war damals wirklich bei 0. Ich kannte nicht eine Person, die Instrumente spielt und kein Studio, kannte gar keine Veranstalter*in oder so. Aber in mir war ein Feuer, das man nicht löschen konnte.

    Dascha: Und wenn du von dem Moment sprichst, in dem du wusstest, du willst das auch machen und auf einer Bühne stehen willst: Ist es jetzt so, wie du es dir in dem Moment vorgestellt hast?

    Brenda Blitz: Voll gute Frage. Manchmal, manchmal. Ich hatte natürlich vergessen, dass man nicht direkt bei einer ausverkauften Bühne startet wie zum Beispiel bei Nina Chuba. Künstler*innenwege können ja sehr unterschiedlich sein. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass es manchmal auch gar keinen Spaß machen wird. Der Sommer war auch ziemlich durchmischt, was die Liveshows anging. Wenn man sieht, dass Leute Spaß haben und sogar mitsingen, dann ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe. Dass die Leute vor der Bühne einfach eine gute Zeit haben und es meine Aufgabe ist, ihr Freitagabend zu sein. Aber insgesamt ist es definitiv härter, als ich es mir vorgestellt habe. Ich liebe es wahnsinnig, aber es gibt viele anstrengende Momente. Die mich aber nicht 1cm davon wegtreiben würden.

    Dascha: Du meintest ja der Live-Sommer war durchmischt. Wieso hattest du das Gefühl?

    Brenda Blitz: Seit Anfang des Jahres hab ich eine Booking Agentur und ich habe gesagt, ich will dieses Jahr überall spielen, wo es möglich ist. Das Konzept: Wir nehmen alles mit. Aber dadurch hat sich rausgestellt, dass nicht unbedingt der richtige Weg ist. Ich denke da immer an das Altstadtfest in Trier. Das zählt zu den negativen Erlebnissen. Das war halt so ein dörfliches Stadtfest mit Bratwurst. Finde ich eigentlich mega cool, dass man sagt man bringt genau an solche Orte mal keine Coverband, sondern etwas ganz neues. Aber leider ist das nicht ganz so aufgegangen, weil das Publikum überhaupt nicht dafür da war. Da waren im Endeffekt nur noch drei Leute vor der Bühne, das war schon frustrierend. Und ich habe gemerkt, da gehör ich irgendwie nicht hin.

    Außerdem hab ich auch Konzerte gespielt wo kaum oder gar keine Gage da war. Die Range war sehr groß, von 0 bis 1200 € war diesen Sommer alles dabei. Man redet ja oft nicht offen über Gagen. Da frage ich mich manchmal schon, was andere Bands, die vielleicht nur white Dudes sind, bekommen. Ich mag es nicht, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Wahrscheinlich habe ich dieses Jahr auch festgestellt, dass es bei Festivals keine Sache von „Wir haben kein Geld“, sondern viel mehr eine Sache der Umverteilung ist. Der Main-Act kriegt ja meistens 80 % des Gesamtbudgets und für die kleinen Bands bleibt kaum etwas übrig. Das ist unfair, aber eben ein strukturelles Problem. Niemand würde in seinem Job gerne 20 Cent pro Stunde verdienen. Das macht mich schon traurig, ich möchte nämlich immer alles geben und die beste Show abliefern. Ich nehme teilweise allein für den Hinweg 6-7 Stunden auf mich, schleppe mich tot, schlafe im Zug und bin total kaputt. Wenn ich mir dann zurück ein Ticket am Bahnhof kaufe, ist meine Gage dann manchmal schon weg. Ist nicht immer so, aber kam oft vor. Da hat man schon das Gefühl, dass man nicht wertgeschätzt wird. Es gab zum Glück auch sehr geile Konzerte und Festivals, wo alles gestimmt hat. Was war für dich das coolste Festival oder Konzert dieses Jahr?

    Dascha: Ja voll, da hast du Recht. Jetzt spontan würde ich sagen das Stadt Ohne Meer Festival, das ist jedes Jahr eines der schönsten Erlebnisse des Jahres für mich. Das ist auch in meiner Heimat, also ein richtiges Herzensding.

    Brenda Blitz: Das war auch mein absolutes Lieblingsfestival. Die Leute waren alle super sweet und fair, sowohl vor, als auch hinter der Bühne.

    Dascha: Du meintest ja bei den negativen Auftrittserfahrungen war das Publikum nicht passend. Ich denke, es gibt viele Menschen, die einfach nicht bereit sind, sich auf etwas außerhalb ihres gewohnten Kreises einzulassen. Was würdest du sagen, muss man wissen oder verstehen, um Brenda Blitz zu verstehen? Wie kann man sich besser darauf einlassen?

    Brenda Blitz: Ich glaube, es ist ein Gefühl. Entweder du fühlst es oder du fühlst es nicht. Man kann ja auch niemanden dazu zwinge, etwas zu mögen. Ich fühl Trap zum Beispiel überhaupt nicht. Hip-Hop ist ja oft politisch, das ist cool und gut zu wissen, aber trotzdem erreicht mich der Sound einfach nicht. Da kann ich mir solche Liveshows egal wie oft anschauen, ich fühl’s nicht. Ich glaube manchen geht es so mit Brenda Blitz, aber das ist auch voll okay. Andersrum merke ich auch, dass wenn jemand davon gecatched ist, er oder sie das dann gar nicht richtig erklären kann. Ein Brenda Blitz-Gefühl haben oder eben keins.

    Dascha: Passend dazu: Was für Komplimente hörst du am liebsten zu deiner Musik? Was freut dich am meisten?

    Brenda Blitz: Also ich freue mich generell immer über alles, was mir schönes gesagt wird. Das aller schönste was mir wahrscheinlich gesagt wurde war von ein einem sweeten Teeniepärchen. Die meinten, als sie zusammengekommen sind, haben sie immer zusammen Küss Mich gehört. Das ist so cool, Teil von einem Erlebnis zu sein. Das kennt ja jeder, wenn man verliebt ist und einen Song auf Dauerschleife hört. Man wird für immer diesen Song mit dieser Situation verbinden. Ansonsten ist es auch immer schön, wenn jemand sowas sagt wie „Ich hatte eine schlechte Woche, aber dein Auftritt hat mir grad viel gegeben“. Wenn man Leute ein bisschen aus ihrem Alltag rausfischen konnte. Dafür macht man es ja auch. Ich freu mich aber sehr über detailliertes Profi-Feedback und wenn Leute auf kleine Akzente achten.

    Dascha: Und was würdest du dir wünschen, was die neue EP in den Hörer*innen auslösen soll?

    Brenda Blitz: Ich würde gerne eine neue Ebene aufmachen. Also zeigen, dass noch mehr möglich ist und dass Dinge nicht immer so sind, wie man denkt. Dinge sind nicht so festgefahren, wie sie scheinen. Auch soundmäßig würde ich gerne Horizonte erweitern. Die EP ist schon poppig geworden, aber es ist trotzdem ein alternativer Sound. Ich find’s cool, wenn Leute dadurch vielleicht eine Form von Musik kennen lernen, die sie vorher nicht kannten. Ansonsten auch noch eine Art Selbstermächtigung durch die Texte. Und auch, dass man den Humor und die Fähigkeit über sich selbst zu lachen nicht verlieren darf. Natürlich hoffe ich auch, dass die Leute bei Nicks quietschenden Gitarrensolos genau so mitfiebern und eine gute Zeit damit haben.

    Dascha: Was können wir noch von dir erwarten? Was sind deine kommenden Ziele und Träume?

    Brenda Blitz: Also ich bin schon an den nächsten Tracks dran. Ich hab ganz viele politische Skizzen bei mir rumliegen, bei denen ich immer unsicher war, ob ich sie rausbringen soll, weil es so aneckende Themen sind. Eins meiner Ziele ist also politischer in der Musik zu werden. Ansonsten auch meine Liveshow. Ich möchte eine unglaubliche Show auf die Beine stellen. Dafür wünsche ich mir, dass die Gagen bald gut genug sind, damit ich alle Tänzer*innen auf der Bühne immer dabei haben kann, wie ich es mir vorstelle. Es soll richtig aufregend werden. Und auch, dass Brenda Blitz sich bei den Leuten festsetzt, dass mehr Leute das kennenlernen.

    Dascha: Dann bin ich gespannt darauf! Deine Musik geht ja auch in Richtung New Wave. Hörst du in deiner Freizeit viel solcher Musik?

    Brenda Blitz: Das war auf jeden Fall meine erste Inspiration. New Wave war die erste Musik, bei der ich wirklich was gespürt habe. Auch in der Schule sind damals alle auf ihre Charts-Partys gegangen, ich war aber immer eher nischig unterwegs. Also nicht nur New Wave, auch viel Talking Heads, The Cure, The Smiths, Joy Division, die ganzen Klassiker. Ich hab daraus total viel gezogen. Aber auch von den neuen Bands in der Richtung, Black Marble zum Beispiel. Mittlerweile hör ich sowas aber weniger und jetzt auch viele poppigere Sachen, nicht nur ganz dunkle Sachen. Dua Lipa und HAIM zum Beispiel. Ich find das so geil produziert, da achte ich viel drauf. Aber ich höre immer noch gar keine deutschsprachige Musik.

    Dascha: Echt? Das hätte ich nicht gedacht.

    Brenda Blitz: Das Moped, mit denen ich auf Tour war, die sind mal wieder eine coole deutschsprachige Band. Und Drangsal mag ich auch. Aber ansonsten wirklich gar nichts. Inzwischen bin ich aber viel offener geworden, was das angeht. Ich interessiere mich jetzt auch für Musik in den Charts, das hätte ich früher niemals gedacht. Es ist einfach spannend sich mit Popkultur zu beschäftigen.

    Dascha: Cool, wie sich das ändert. Deine Musik klingt ja auch eher uplifting als dunkel. Ich bedanke mich für deine Zeit und deine Antworten!

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    Foto Credit: Frederike Wetzels
  • Marie Bothmer im Interview: »Ich habe kurz gedacht, ich hör’ auf mit Musik«

    Marie Bothmer im Interview: »Ich habe kurz gedacht, ich hör’ auf mit Musik«

    Trennungsschmerz ist sicherlich etwas, was wir alle gern in die hinterste Ecke der hintersten Schublade stecken würden und so schnell wie möglich vergessen würden. Marie Bothmer dagegen hat sich bewusst mit ihrer Trennung im letzten Jahr auseinandergesetzt und den stechenden Schmerz in eine pointierte, dynamische und extrem starke Debüt-EP namens „Swimmingpool“ verwandelt.

    Ich habe mit der zuckersüßen Marie über ihr toughes letztes Jahr und die Musik, diedaraus hervorgegangen ist, im Interview gesprochen.


    Marie Bothmer im Interview

    Evelin: Heute reden wir insbesondere über eine EP “Swimmingpool”, die letztens erschienen ist. Erstmal Glückwunsch dazu!

    Marie: Dankeschön!

    Evelin: Es geht um das Ende einer Beziehung, genau genommen deiner. Releases sind ja immer mit sehr viel Aufregung verbunden und auch Erleichterung, besonders wenn’s ums Debüt geht. Da die EP so wahnsinnig persönlich und schmerzerfüllt ist, wie hast du dich gefühlt vor und jetzt nach dem Release?

    Marie: Ich glaube, ich bin dieses Mal irgendwie wahnsinnig entspannt gewesen und normalerweise geht mir richtig doll die Düse. Ich kann tagelang davor nicht schlafen und bin dann so: “Ist alles schon da? Haben wir ein Video? Was kann ich tun und was kommt auf mich zu?” Und das ist jetzt so abgerundet fertig geworden, dass ich dachte, es ist schon irgendwie ziemlich cool und alles was passiert, passiert. Und wenn auch mal was nicht klappt, dann ist es auch okay und dann macht man einfach weiter. Und ich bin sehr stolz auf diese EP.

    Evelin: Ist das eigentlich komisch, seine Gefühle und die Trennung immer aufs Neue auseinanderzunehmen, wie jetzt hier mit mir im Interview?

    Marie: Ja (lacht). Die EP ist fast chronologisch über diese Trennung und über das letzte Jahr. Live versuche ich richtig lustig über diese Trennung zu reden, weil dann ist hoffentlich keiner suizidgefährdet, wenn ich so wahnsinnig traurig singe. Ich versuche das ein bisschen aufzulockern und dadurch fasse ich das immer relativ knapp zusammen. In den Songs ist auch oftmals so, dass nicht jedes Bild komplett zutreffend ist zum Beispiel. Mein Expartner zum Beispiel kann gar kein Deutsch, der ist nämlich Däne. Ich hoffe, dass er das nicht in Google Translate eingibt. Weil da natürlich ein paar Dinge sind, wo ich mir denke: “schon sehr persönlich”. Aber wie gesagt, es ist auch die künstlerische Freiheit. Und es hat mir sehr geholfen, darüber wegzukommen.

    Evelin: Ich meine, okay, er spricht kein Deutsch, aber hattest du je den Gedanken gehabt, ob das jetzt das Richtige ist, alles Persönliche so in die Öffentlichkeit zu tragen?

    Marie: Muss er durch (lacht). Also keine Ahnung. Er ist auch Musiker. Deswegen ist es etwas, was er auch verstehen kann, denke ich. Und unsere Beziehung war auch teils öffentlich. Aber jetzt glaube ich nicht, dass die Leute checken, um wen es geht. Und ich würde niemals sagen, das ist übrigens über den und den. Aber er hat nichts gesagt und er hat auch über mich geschrieben. So verarbeitet man irgendwie. Und dann halt immer dieses Fiktive.


    „Ich bin ein totaler Quatschkopf“

    Evelin: Das Album ist in einem sehr kollaborativen Weise entstanden. Unter anderem haben Künstler:innen wie Nina, Madeleine Juno oder Blinker mitgeschrieben. Wo lag da der Mehrwert für dich speziell? Hast du das auch gebraucht, nicht allein zu sein während du alle deine Gedanken und Gefühle durchgehst?

    Marie: Das Schöne ist bei allen, die mitgeschrieben haben ist, dass die richtig gute Freundinnen und Freunde sind. Blinki (Blinker) ist ein richtig guter Freund. Und auch Nina (Chuba) kenne ich ganz lange schon. Madeline (Juno) auch. Wir saßen eh im Studio und die wussten eh, wie es mir ging. Die haben das alles in Realtime mitbekommen und dadurch war das relativ einfach als wenn man sich mit jemand Neues im Studio setzt und dann sagt: “So, das war so. An einem kalten Wintertag musste ich leider aus der Wohnung ziehen… (lacht)

    So war alles klar und dann hat man richtig schön zusammen geschrieben. Ich schreibe auch lieber gemeinsam. Ich schreibe ab und zu noch zu Hause allein, aber manchmal fehlt mir die Motivation. Und wenn man dann zusammen im Studio ist, dann freut man sich so richtig, was zusammen zu schaffen.

    Evelin: Du bist jemand, die viel aus ihrem Leben teilt und viele wichtige, auch Tabuthemen anspricht und das oft mit viel Humor. Was möchtest du damit erreichen?

    Marie: Ich trage mein Herz schon sehr auf der Zunge. Und manchmal ist es auch ein bisschen zu unüberlegt, vielleicht. Ich als Künstlerin, meine Persönlichkeit und mein Charakter spielen so sehr in die Songs mit, dass ich niemals einen Song singen könnte, den ich nicht selbst geschrieben habe. Wenn die Leute mir auf Instagram folgen, dann ist das meine komplette Person und natürlich zieh‘ ich da auch oftmals Grenzen. Ich bin ein totaler Quatschkopf auf Instagram und manchmal geht es mir scheiße und dann bin ich so “Fuck, ich muss jetzt ‘ne Story machen”. Das ist auch für meine Mutter manchmal extrem schwierig, weil die sagt: “Ja, dir scheint es ja jetzt gerade total gutzugehen” und ich: “Eh ja auf jeden Fall…”


    Und dann auch gewisse Werte zu vertreten und einen gewissen Einfluss zu haben, seien es jetzt feministische oder politische Themen. Also ich versuche nicht so crazy aktivistisch zu sein. Das würde ich mir nicht rausnehmen. Ich bin keine öffentliche Aktivistin, sondern ich gehe gern auf Demos. Aber ich würde nie eine Demo unter meinem Namen veranstalten, weil ich mich darüber auch nicht profilieren will. Aber ich möchte auf jeden Fall eine gute Botschaft in die Welt senden und dann hoffen, dass Leute, die mich cool finden, sagen: “Marie fand das cool, dann mach‘ ich das vielleicht auch”.


    „Ich war gefangen in einem Loch“

    Evelin: Und was erhoffst du dir, dass deine Zuhörer:innen mitnehmen, wenn sie die EP hören?

    Marie: Ich hoffe, dass Leute, die auch durch Trennungen gegangen sind, ein bisschen Trost finden. “Temporär” zum Beispiel, da ging es mir schon wieder total gut und ich war so: “Ja, das tut manchmal noch weh. Es kommt immer mal wieder hoch, aber man weiß dann irgendwann, zum Glück okay, jetzt ist auch wieder gut. Morgen tuts dann nicht mehr so doll weh”. Und so sind halt Trennungen.

    Evelin: Das ist wahrscheinlich schwer zu entscheiden, weil jeder Song so persönlich ist, aber welcher Song liegt dir besonders am Herzen?

    Marie: Ich glaube, tatsächlich ist “Dopamin” der wichtigste. Während Corona habe ich kurz gedacht, ich hör‘ auf mit Musik. Ich hatte keine Muse und ich war gefangen in einem Loch, auch krass depressiv. Und dann war das der erste Song, den ich auch mit Nina geschrieben habe. In einem komplett neuen Setup und ich bin ins Studio gegangen, habe gesagt, ich will einfach einen Song machen, den ich fühl‘, ohne darüber nachzudenken, was ist. Der hatte auch gar keine richtige Struktur, sondern ist einfach nur ein Vibe. Ich glaube, deswegen musste das auch der erste Song auf der EP sein. Und es sind immer noch die Demo Vocals, komplett roh. Es geht um das Thema Depressionen, was Beziehungen auf jeden Fall erschweren kann und darüber, dass es nicht so leicht ist, damit umzugehen.


    „Ich wäre lieber kein analytischer Mensch“

    Evelin: In “Swimmingpool” hört man dich, wie du dir selbst vormachst, dass es dir gut geht nach der Trennung, es fast schon einfach unter Teppich kehrst, um es zu vertuschen. Konntest du deine Trauer akzeptieren? Wie kamst du zu dem Schritt?

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    Marie: Also „Swimmingpool“ habe ich geschrieben, da war ich auch noch mit dem zusammen. Es war eher so eine recycelte Geschichte, aber ich wusste schon die ganze Zeit okay, diese Beziehung ist jetzt bald zu Ende und das wird so schlimm. Wir haben den gleichen Freundeskreis und wie soll ich das machen? Es war wie ein Ausblick darauf. Tatsächlich habe ich mich dann nach der Trennung sehr darin gesuhlt und bin sehr viel aufgefangen worden. Dieses “Kugelsicher”-Thema passt auch ganz gut dazu, weil dann hab ich ganz schnell gesagt: “Jetzt bin ich nicht mehr traurig. Jetzt mache ich das und das.” Dann bin ich wahnsinnig viel rausgegangen und habe versucht mich abzulenken und habe mich komplett taub gemacht. Aber das Problem ist ja, dass du das dann nicht verarbeitest. Das musste dann irgendwann kommen, dass man dann einbricht und sich dem widmet, weil sonst bleibt man für immer in dieser Spirale.

    Evelin: Dieses Betäubtmachen in “Kugelsicher”. War das eine Art Schutzmechanismus und wie arbeitest du daran, diese aufgerichtete Wand wieder abzubauen?

    Marie: Ja, ich hab auch noch voll Probleme, neu zu daten. Weil ich denke, ich bin noch gar nicht so weit und ich will noch gar nicht wirklich. Und andererseits ist es aufregend, neue Leute kennenzulernen. Aber ich merke, dass ich total vorsichtig bin, mich neu zu öffnen und auch dieses Commitment Ding. Dass wenn ich jetzt loslegen würde mit jemand Neues, dann muss da alles perfekt stimmen, weil was, wenn das nicht passt? Und dann committe ich mich und es passiert das gleiche nochmal. Ich bin 26, eigentlich müsste ich das mittlerweile wissen (lacht). Aber es ist immer wieder schwer und das ist jetzt ein bisschen über ein Jahr her und ich glaube, es wird langsam. Ich muss mal ein bisschen loslegen (lacht).

    Evelin: Also bist du jemand, der jedes einzelne Gefühl und Gesagtes analysiert?

    Marie: Ja, ganz schlimm. Ich bin ganz, ganz, ganz doll reflektiert, was gut ist. Aber manchmal glaube ich zu reflektiert, und sag so: “Okay, das muss daran liegen. Das ist wahrscheinlich aus dem Grund. Und mein Vater und meine Mutter und meine Geschwister und was nicht alles.” Ich bin auch in Therapie, deswegen macht das total Sinn. Aber das ist manchmal gar nicht so gut. Manchmal wäre ich lieber kein analytischer Mensch, sondern eher Gefühlsmensch.


    “If you want to get over someone get under someone”

    Evelin: “Deadline”, das einzige Feature auf der EP. Auch wahnsinnig toller Track. Wie kam das Feature mit YRRE zusammen und in welchem Zeitpunkt des Verarbeitungsprozesses treffen wir dich in dem Song an?

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    Marie: Das gibt es auch als Originalversion mit zwei Strophen von mir. Und da war ich in dieser Phase, wo ich wusste, ich muss mich mit irgendwem ablenken. Im Live-Set sage ich immer: “If you want to get over someone get under someone”. Mir war das klar, dass ich da keine Beziehung anfangen möchte und keine neuen Gefühle aufbauen will. Aber dass ich wahnsinnig doll diese Nähe brauchte und dann dieses: “Ich muss es beenden, es geht ja gar nicht anders, aber es war ja auch nie etwas.” Also total komisch. Wir hatten das doch damals irgendwie abgesprochen, dass auf keinen Fall irgendwas daraus wird. Also sehr autobiografisch.

    Und YRRE fand ich super toll, habe ich ganz lange schon gehört und dem habe ich einfach auf Instagram geschrieben, ob er Bock hat und ihm ein paar Songs geschickt. Er hat sich “Deadline” rausgepickt, was total schön ist, weil das jetzt für mich auch total Sinn macht, dass er diesen Song singt. Weil das der einzige ist, der nicht über mein Expartner ist, sondern über jemand Neues. Das gibt dem Ganzen so ein gutes Gefühl. Dann hat er einfach seinen Part draufgeschrieben und ich hab’s sofort abgesegnet. Wir haben uns erst vor zwei Wochen beim Videodreh gesehen. Zum ersten Mal in echt, aber voll der tolle Mensch.


    „Ich hab‘ diesen Cut gebraucht“

    Evelin: Zu “Temporär”: Wie hast du gegen die Momente angekämpft, wo man einfach wieder versuchen will, alles zu reparieren und die Beziehung wieder zu flicken?

    Marie: Also, wir teilen uns ja einen Hund. Mein Exfreund und ich. Und das ist natürlich immer schwierig, weil eigentlich ging es mir dann schon total gut. Aber immer wieder, wenn wir diese Hund-Übergabe hatten – der liegt hier übrigens auch ganz brav – muss man sich sehen und ich habe mir am Anfang gedacht, jetzt schminke ich mich, jetzt mache ich mich total schön und ich kriege alles auf die Kette und bin ganz toll. Und er denkt sich, jetzt wird es bestimmt scheiße. Aber ich glaube, was mir da geholfen hat, war dieses: “Ey, wenn der nicht mit mir zusammen sein will, dann will ich auch nicht mehr mit ihm zusammen sein.” Warum sollte ich das versuchen, wenn es eh nicht geht? Und man kann ja auch niemanden überreden. Irgendwann habe ich gelernt, wenn ich ihn gesehen habe und danach traurig war, vor allem, wenn er den Hund abgeholt hat. Dass ich wusste, ich muss jetzt erstmal die Mama anrufen und dann geht es mir morgen aber auch schon viel besser. Es ist wie so ein kleiner Schnitt in den Fingern, der morgen aber wieder verheilt ist.

    Evelin: Für mich wär das extrem schwierig. Anderes Thema aber: Besonders in “Filmriss” merkt man den Stil-Change im Vergleich zu vorherigen Singles. Sehr gelungen, meiner Meinung nach. Alles klingt so wahnsinnig rund und einfach geil. Wie war das für dich so einen anderen Stil zu präsentieren?

    Marie: Das war der erste Song, den ich nach der Trennung geschrieben habe, nach einer Woche oder so. Ich war richtig doll traurig und wollte was richtig Düsteres machen, auch mit Nina zusammen und es war auch eher dieses “Komm, wir machen einfach mal irgendwas. Mal gucken, ob was daraus wird.” Da war genau dieses Thema, auch wieder mit “Kugelsicher” und ich brauch‘ einen Filmriss.

    Ich will jetzt fünf Monate pennen und dann wache ich auf und es ist Sommer und eh alles wieder gut. Und so funktioniert es ja leider nicht. Aber ich dachte dann, ich muss den rausbringen, weil es so ein krasser Cut ist. Auch zu dem, was ich davor gemacht habe. Ich wollte den eigentlich als Erstes rausbringen und nicht “Swimmingpool”. Ich habe das Gefühl gehabt, zum ersten Mal fühle ich die Songs zu 100.000 %. Nicht, um das Alte zu diskreditieren. Aber ich glaube, da war ich auch noch jünger und war noch nicht so gesettelt in dem, was ich will. Aber jetzt ist alles komplett meins und dann ich hab‘ diesen Cut auch gebraucht.


    „Hot Girl Summer und so“

    Evelin: Um beim Thema Neuanfänge zu bleiben: Du bist vor einiger Zeit nach Berlin gezogen. Wie hat der Umzug deine Musik beeinflusst? 

    Marie: Sehr. Ich war ja davor in München und da hat mein Produzent damals auch gewohnt, deswegen hat es total Sinn gemacht. Also in München ist sehr heile Welt und irgendwie passiert auch nicht so viel. Ich musste andauernd nach Berlin oder nach Hamburg reisen, für die Musik. Und ich dachte auch, ich brauche ein kleines Netzwerk an anderen Künstler:innen und Writer:innen und was nicht alles. Um mich so ein bisschen mehr zu etablieren, weil einfach niemand in München ist. Ich glaube, man kann wieder zurück nach München ziehen, wenn man dann Berlin lange genug erlebt hat. Und ich fühle mich hier auch sehr viel wohler. München war ein guter Start. Aber Berlin war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Ich glaube, ich bleibe auch hier.

    Evelin: Glaube, jeder gefühlt haha. Dann zur letzten Frage schon: Hast du eine untold story für uns? Etwas, was du noch nirgends geteilt hast?

    Marie: Ich muss mal überlegen, es gibt so ein richtig unnecessary Talent, aber das habe ich schon so oft gezeigt. Das ist gar nicht mehr untold. Aber es war noch nie in der Presse, glaube ich. Ich kann Tiergeräusche imitieren, zum Beispiel.

    Evelin: Was ist dein Go-To Tier?

    Marie: Der Delfin. Willst du ihn hören?

    Evelin: Das ist gar keine Frage.

    Hier für alle also: Marie, die Delfinflüsterin


    Marie: Also kannst du gern mit reinnehmen, aber das gibts schon auf TikTok. Ansonsten fällt mir gerade gar nichts ein, was ich noch nicht erzählt hätte. Ich teile wahrscheinlich auch einfach wahnsinnig viel… Ich habe bei Nina gewohnt. Ein Monat nach der Trennung. Das habe ich, glaube ich, noch nicht erzählt. Nach der Trennung hat sie mich direkt eingesammelt mit der Tram und gesagt: “Marie, Hot Girl Summer und so.” Dann habe ich da einen Monat bei denen im freien WG–Zimmer gewohnt. Das war sehr schön. Die erste Nacht auch mit Nina in einem Bett, weil ich so viel geweint habe.

    Evelin: Na ja, jetzt sind bessere Zeiten.

    Marie: Ja, auf jeden Fall. Ich habe heute Abend noch ein Date. Jetzt geht’s rund.

    Evelin: Dann halte ich dich nicht länger hier. Viel Spaß beim Date! War schön, mit dir gesprochen zu haben. 

    Marie: Danke für das Interview. Ciao!

    Obwohl die Tiergeräusche nicht in der EP gefeatured sind, ist „Swimmingpool“ definitiv ein Reinhören wert. Jetzt aber mal ohne Spaß: Die Richtung, die Marie mit der EP eingeschlagen hat, ist wahnsinnig erfrischend und so gut ausgearbeitet, dass jeder Song richtig rund und einfach geil klingt. Unten könnt ihr in die 6 tollen Songs reinhören 😊

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    Fotocredits: Zena Bala
  • OK KID im Interview: „Wir sind über jeden einzelnen Song happy, das war bisher nie so“

    OK KID im Interview: „Wir sind über jeden einzelnen Song happy, das war bisher nie so“

    Es ist September 2021, eine warme Sommernacht in Gießen folgt einem bunten Tag, auf dem Gelände des Stadt ohne Meer Festivals wird es ruhiger – scheinbar. Eine große Überraschung haben OK KID auf ihrem eigenen Festival natürlich noch parat. Mit unangekündigtem Auftritt, eindrucksvoller Lichtinstallation und Feuerwerk kündigte die Band ihr neues Album DREI an. Inklusive Vorgeschmack auf die bis dahin unveröffentlichte Single Mr. Mary Poppins und Album Cover-Reveal. Nun sind Monate vergangen und DREI erblickte am 13.05. das Licht unserer Streaminganbieter und Plattenregale. Der spektakulären Ankündigung auf dem Festival sind OK KID auf jeden Fall gerecht geworden.

    Auf 11 Tracks, die aktueller und greifender kaum sein könnten, beweisen sie, wie viel Energie und Kreativität noch in ihnen steckt. Von mächtigen Rock-Sounds, politisch cleveren Bemerkungen bis hin zu gewohnt tiefgründigen Zeilen voller Melancholie decken OK KID alle Facetten gelungen ab. Facetten, die uns vielleicht bis hierhin noch gar nicht bewusst waren. Und eine Breite an Themen, die wir nur nach wiederholtem Hören vollständig begreifen. Zwar ist es nicht ihr drittes Album, doch mit dem Albumtitel knüpft die Band an ihr zweites Album Zwei (2016) an und zeigt seinen Hörer*innen, um wen es sich hier handelt. Nämlich um Jonas, Moritz und Raffi. Wie der Song Nur wir 3 schon in 2019 sehr ehrlich die Geschichte erzählte: Von Label, Management, Produzenten und Bookingagentur getrennt, arbeiteten die drei Wahlkölner nun völlig eigenständig. Und man hört, dass ihnen das gut tut! Auch die neu gesammelte Energie nach der ersten Auszeit von einander in 10 Jahren Bandgeschichte, scheint sich wohl gelohnt zu haben. 

    Man bekommt die Auf- und Umbruchstimmung als Hörer*in mit voller Wucht zu spüren. Sowohl die, die Bandintern geherrscht hat, als auch die, die musikalisch darin steckt. Mit höchstem Maß an Reflexion, sich selbst, seinem Umfeld und der Gesellschaft gegenüber, vermittelt das Album den Eindruck einer neu begonnenen Zeit. Oder ist alles doch schon immer so gewesen? OK KID wissen, wie sie mit ihrem kritisch betrachtendem Auge zum Nachdenken anregen und anstoßen. Und Sänger Jonas bewies schon immer, dass er weiß, wie er geschickt die passenden Worte findet. Selbst für die Dinge, die man weder aussprechen, noch wahrhaben möchte. Doch auf diesem Album ist es der Band vor allem gelungen, die Inhalte auch soundtechnisch genauso angemessen, überzeugend und ja, manchmal sogar angreifend, zu gestalten, wie ihre Aussagen. Die anhaltende Diskussion darüber, ob ihre Musik denn Rap oder Pop sei, ist nun noch irrelevanter als zuvor. Egal, wie sehr man drücken und pressen würde, DREI würde in keine Schublade hinein passen.

    Ursprünglich hatte ich keine bestimmten Erwartungen an das Album, ich war eigentlich bloß neugierig. Jetzt, wo ich das Album nun schon eine Weile hören und an mich ranlassen durfte, kann ich sagen, dass es objektiv und subjektiv die beste Veröffentlichung von OK KID ist. Als Cold Brew, der vierte Teil der Kaffee Warm-Reihe zum Release angesetzt war, hatte ich ein wenig Angst. Die bisherige Trilogie schien so perfekt, geliebt und gefeiert, wie ein langjähriger Begleiter. Und plötzlich eine Fortsetzung? Ja. Und im nachhinein kann ich nicht glauben, dass ich überhaupt eine Sekunde daran gezweifelt habe, dass sie dem nicht nochmal gerecht werden könnten. OK KID haben auch mir bewiesen, dass sie nicht einfach nur beständig sein können, sondern sich sogar steigern können. Wenn man durch die Tracklist stöbert, wird die Emotionalität der Songs wie Cold Brew und Leben light von totalen Überraschungen wie Bubblegum und Es regnet Hirn umklammert. DREI ist kein Album, das spurlos vorbeigeht und dann in der verstaubten Ecke der totgehörten Spotify-Playlist landet. Mal ist es eine verständnisvolle Umarmung und mal ein Tritt in den Magen, aber in beiden Richtungen verbleibt ein anhaltender Eindruck.

    Ehrlicherweise ist eine Sache, die mich an OK KID immer begeistert hat, das Gefühl, dass sie niemals aufhören zu sein. Auf erste Veröffentlichungen, die bis heute zeitlos wirken, folgten immer wieder neue Ideen, neue Anstöße, neue Projekte, Selbsterfindung und Wiederfindung. Und zwischen ihrem dauerhaften Streben nach Optimierung und angenehmer Konstante war das Gefühl beständig, dass “OK KID” das ein und alles für sie ist. DREI weist Gründe auf, um nachts nicht mehr schlafen zu können und bietet im selben Moment Hoffnung, um es doch endlich wieder zu tun. DREI fühlt sich wie ein aufbrechender Neuanfang und ein grandioses Finale in Einem an. Ich bin so froh, dass nun alle die Möglichkeit haben, dieses Album in das eigene Leben willkommen zu heißen. Und es hoffentlich nicht mehr gehen zu lassen.

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    Kurz vor dem Album Release trafen sich vier Gießener*innen per Zoom, drei davon sind Jonas, Moritz und Raffi.

    OK KID im Interview

    Dascha: Wie fühlt ihr euch so kurz bevor das Album endlich erscheint?

    Jonas (OK KID): Es ist schon so surreal, weil es auch schon mal verschoben wurde. Im September haben wir es angekündigt und dann gab’s die ganzen Verschiebungen, weil es keine Vinyl mehr gab und die Tourverschiebung, das ganze hin und her… Wir haben zwei und halb Jahre keine richtige Show mehr gespielt und sind sehr froh, dass jetzt was neues da ist, mit dem wir wieder auf Tour gehen können. Wir sind auch gespannt wie es ankommt, heute haben die ersten Menschen schon ihre Vinyl bekommen. Mega aufregend, was in den nächsten Tagen so abgehen wird.

    Dascha: Voll schön, dass da jetzt so viel passiert! Nennt mal ein paar Sachen, die für euch auf diesem Album ein erstes Mal waren?

    Raffi (OK KID): Wir haben zum ersten Mal auf Albumformat alles selber gemacht. Angefangen bei der Produktion, wir hatten ja keinen externen Produzenten, außer auf einem Song Tim Tautorat, ansonsten haben wir alles selbst produziert. Alles was drum herum passiert machen wir auch selber. Wir managen uns selber. Wir haben quasi noch ein Produktmanagement, also Leute die für uns in verschiedenen Promo-Bereichen arbeiten, aber alles mit unserer Abstimmung. Es ist alles ein riesen Haufen Arbeit. Aber das führt natürlich dazu, dass das Album einfach wir sind. In jedem Bereich. Es sieht alles ganz genau so aus, wie wir das wollten. Alles läuft genau so, wie wir das zusammen gebaut haben. Nicht nur die Mucke, sondern eben auch alles andere.

    Dascha: Ich finde, dass man das auch hört.

    Jonas (OK KID): Was ist deine Meinung zum Album? Du kennst uns ja schon so lange.

    Dascha: Ihr schon habt oft betont, dass Frühling Winter der dringlichste Song ist, den ihr je geschrieben habt. Aber ich finde das komplette Album klingt so super dringlich und reflektiert. Sowohl inhaltlich, als auch soundtechnisch klingt alles so episch und groß, viel mehr als früher. Da habt ihr euch krass weiterentwickelt.

    Jonas (OK KID): Geil, dankeschön! Wir haben Frühling Winter rausgebracht, als das Album noch gar nicht stand. Der Song war da und es war spannend das Album da anzusetzen, dass die Geschichte von DREI da beginnt. Auch, wenn es kein klassisches Konzeptalbum ist. Zum Beispiel welche Farben das Album braucht, was genau wir eigentlich erzählen wollen. Da hatten wir zum ersten Mal das Cover, bevor der Rest stand. Und das hat uns vergewissert und dabei geholfen zu wissen, wo es überhaupt hingeht. Gerade kriegt das Cover ja noch mehr Aktualität mit einem Twist, den wir damals gar nicht auf dem Schirm hatten.

    Dascha: Und wie kam es dazu, dass ihr so ein dringliches, wichtiges Album gemacht habt? Ich meine, ihr macht schon lange Musik, ihr könntet genauso gut sagen, hey wir machen jetzt nur noch was leichtes zum Spaß.

    Moritz (OK KID): Als wir uns im April 2020 nach einer Bandpause zusammengesetzt haben und gesagt haben, dass wir ein Album machen, waren wir uns einig, dass es keine Zeit für ironische und humorvolle Songs ist. Genau wie du das mit der Dringlichkeit gesagt hast, wir wollten etwas machen, was Relevanz hat und dringend raus muss. Das ist total schön zu hören, dass es bei dir auch so angekommen ist. Es war für uns klar, dass es ein Album werden muss, das mit der aktuellen Zeit und unserer aktuellen Stimmung geht.

    Dascha: Ich hab aber schon öfters mitbekommen, dass Menschen sagen, eure neuen Songs würden sie eher so ansprechen wie eure ersten Alben. Und ich meine mich zu erinnern, dass ihr auch schon gesagt hättet, dass die neue Musik eher an die vom Anfang anknüpft, die Fans der früheren Musik anspricht und wieder das „wahre OK KID“ sei. Wobei ich nicht finde, dass eure neue Musik wie die alte ist. Legt ihr denn viel Wert auf Feedback von außen? Sind euch andere Meinungen zu eurer Musik wichtig?

    Jonas (OK KID): Also uns ist relativ bewusst gewesen, dass als wir Sensation rausgebracht haben, es auf jeden Fall Leute abschrecken kann. Weil es was komplett anderes ist. Bei DREI wussten wir zum Beispiel bei Cold Brew, also Kaffee Warm 4, dass die Leute, die uns schon kennen, das feiern werden. Da sehen wir unsere Musik mit viel Objektivität. Wobei Es regnet Hirn auch was komplettes neues war. Vor allem vom Sound, wir hatten noch nie so einen tanzbaren Song wie den, aber trotzdem mit einem krassen Thema. Wir haben eine kleine Blase von Leuten, die wir gut kennen und denen wir vertrauen, denen spielen wir das dann vor. Wenn jemand von denen sagen würde „Ey, was ist das denn für Musik?!“, würden wir wahrscheinlich hinhören. Aber wenn wir den Song veröffentlichen, sind wir einfach happy damit. Wir sind über jeden einzelnen Song mega happy, das war bisher nie so. Es gab bisher auf jedem Album Songs, wo ich persönlich im nachhinein dachte: „Joa, in dem Moment fand ich’s geil, aber ich weiß nicht, ob ich mir den noch jeden Abend reinziehen würde“.

    Dascha: Voll schön zu hören, dass ihr euch jetzt so sicher fühlt!

    Raffi (OK KID): DREI ist schon nicht genau wie die alten Sachen. Es ist nicht wie das Album Zwei, aber es schließt eher daran an. Es ist eher die Fortführung und Weiterentwicklung von Zwei. Echt schön von dir zu hören, dass du die Weiterentwicklung bemerkst, weil ich sehe das genauso. Ich glaube wir haben uns in allen Bereichen sehr weiterentwickelt, sowohl inhaltlich, als auch soundlich. Bei diesem Album fallen auch jegliche Filler weg. Bei anderen Alben waren doch noch Tracks mit drauf, weil sie einfach gut reingepasst haben. Jetzt konnten wir glücklicherweise komplett auf sowas verzichten, jeder Song hat die Dringlichkeit vom ganzen Album. Da gibt es keinen Song, der irgendwie rausfällt.

    Dascha: Wo wir schon bei Feedback sind – Was sind die schönsten Komplimente zu eurer Musik? Was hört ihr gerne von anderen?

    Jonas (OK KID): Ich finde persönliche Worte eh viel schöner, als irgendwas im Internet zu lesen. Im Internet schmeißt man sehr gerne mit Superlativen rum. Ein mal in die positive und ein Mal in die negative Richtung. (lacht) Ich glaube es ist schön, wenn Menschen Musik nicht egal ist und sie sie in irgendeiner Weise berührt. Völlig egal wie. Es kann sein, dass jemand sagt “ Ey, ich hab durch die Musik mega Hass auf etwas bekommen“, dann ist das auch okay. Für mich ist Musik etwas gegen emotionale Stumpfheit. Etwas, das Sachen in dir aufrüttelt, was vielleicht ohne Musik gar nicht rausgekommen wäre. Wir wurden auch schon oft gefragt „Ihr seid doch so politisch, wünscht ihr euch, dass mehr Bands solche Statements in der Musik machen?“, dann sagen wir nein. Es muss auch nicht jede Band politisch sein, ich selbst hör gar keine politische Musik. Aber trotzdem krieg ich viel davon raus und es bringt mir sehr, sehr viel Musik hören, auch wenn sie keine Haltung hat. Wenn Leute sagen, unsere Musik hat sie zum Nachdenken angeregt oder berührt – das ist das Beste!

    Was wiederum unangenehm ist, ist wenn Leute ihr gesamtes ich auf uns projizieren. Wenn uns jemand sagt „Ohne euch hätte ich mich umgebracht“. Und sowas kam schon vor. Da wird man einfach in so eine große Verantwortung gebracht. Das ist too much. Mit so einem Feedback ist es sehr schwer umzugehen, auch wenn es natürlich schön ist, dass die Musik Leuten hilft. Aber wenn jemand zu krass von deiner Musik positiv berührt ist, kann es genau so 180 Grad in’s Negative gehen, wenn du eine Sache machst, die der Person missfällt. Wir hatten auch schon Leute, die Bücher über uns geschrieben haben. Und letztens haben wir ein Tattoo gesehen, da hat einer seine komplette Brust, seinen ganzen Oberkörper, mit einem Foto von uns tätowiert. Da sagen wir nicht unbedingt „Ey, geil!“, das wollen wir nicht positiv oder negativ bewerten. Das muss der oder diejenige für sich wissen, ob man das wirklich so sehr feiert.

    Dascha: Das ist krass! Als ich beim Prelistening das Album zum ersten Mal gehört habe, ist mir Hausboot am See am meisten hängengeblieben. Der lag mir sehr schwer im Magen. Deswegen würde ich gern inhaltlich darauf eingehen. Was würdet ihr raten, ab wann sollte man eine zwischenmenschliche Beziehung, oder eher Freundschaft, beenden? Ab wann sollte man sein Umfeld oder seine Bubble aussortieren?

    Jonas (OK KID): Der Song ist der persönlichste Song auf dem Album, das ist keine Überraschung. Es gab diesen Junggesellenabschied, es gab dieses Hausboot. Die Dinge haben sich dort so zugespitzt, dass es dazu geführt hat, dass wir keine Freunde mehr sind. Das ist also keine Geschichte, die ich nur für das Album genutzt habe. Nicht jede Zeile ist eins zu eins so in der Abfolge passiert, aber es ist eins zu eins die Situation, die es gab. Voll oft hängt man sich bei alten Freundschaften und Beziehungen an Bindungen fest, die in der Vergangenheit liegen, weil man früher mal eine tolle Zeit miteinander hatte. Dann sieht man sich ein paar Jahre nicht und der Gedanke sich wieder zu treffen ist mit einer wunderschönen Romantik erfüllt. Und wenn man sich dann endlich trifft merkt man, es ist gar nicht mehr so. Außer der Vergangenheit gibt es kaum noch etwas, was dich mit den anderen Personen verbindet.

    Das ist also ein bisschen eine Aufforderung an Freundschaften zu arbeiten. Die Freundschaften und Beziehungen müssen im jetzt existieren können. Eine Freundschaft muss hier und jetzt von Vertrauen, Inspiration, von Sachen teilen können, sich Geborgenheit geben, leben. Das kann die Vergangenheit oft eben nicht mehr. Mir ist es in den letzten Jahren oft passiert, dass ich mich von solchen Beziehungen aktiv entfernt habe, weil sie mir einfach nichts mehr bringen. Dann sagen andere „Du musst doch loyal sein, ihr habt so viel zusammen erlebt“. Und wahrscheinlich wäre ich wie bei Familie auch wieder da, wenn etwas ganz Ernstes passieren würde, aber man braucht keinen Kontakt und keine aktuellen Verbindungen mehr.

    Dascha: Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist, das zu können.

    Jonas (OK KID): Ja, ich glaube das braucht viel Mut und Kraft. Gerade auf dem Dorf stell ich mir das noch viel schwieriger vor. Da hast du meistens nur diese drei Leute, mit denen du halt abhängen musst.

    Dascha: Ja, das stimmt wirklich. Was würdet ihr den früheren Moritz, Raffi und Jonas sagen oder als Rat mitgeben, wenn ihr jetzt um 10 Jahre zurückreisen würdet?

    Raffi (OK KID): 2012, das war also sogar noch vor dem ersten Album. Dann würde ich sagen: „Jungs, freut euch, das wird jetzt richtig geil!“ Eine Fehleranalyse aus der Vergangenheit würde ich nicht machen, ich würde empfehlen, wenn du es machen willst, dann mach es einfach. Nicht über irgendwelche anderen Optionen nachdenken und was man im nachhinein anders machen könnte. Ich glaube, wir drei können über die letzten 10 Jahre ziemlich glücklich sein. Natürlich kann man im nachhinein irgendwelche Moves anders bewerten, als zu dem Zeitpunkt, aber im Großen und Ganzen sind wir ziemlich happy.

    Jonas (OK KID): Ja. Mir selbst würde ich „Lass doch mal los“ sagen. Das kann ich jetzt besser als früher.

    Moritz (OK KID): Der Band hätte ich gesagt „Lasst uns mal nach Berlin ziehen“.

    Raffi (OK KID): Geil, in dem Interview in dieser anderen Realität sagst du dann: „Ey Jungs, zieht auf keinen Fall nach Berlin!“ (alle lachen)

    Moritz (OK KID): Wir haben ja damals als Band entschieden nach Köln zu ziehen. Ich war eigentlich immer für Berlin, aber letztendlich bin ich der Band auch dankbar. Ich glaube meine damalige und jetzige Beziehung hätte das sonst nicht ausgehalten. Hier hat es also privat sehr viele Vorteile, beruflich wahrscheinlich auch. Man weiß ja nie, wo wir jetzt stehen würden, wenn wir nach Berlin gezogen wären. Aber das würde ich der Band damals trotzdem sagen.

    Dascha: Haha, trotzdem nochmal versuchen zu überzeugen. Dann kommen wir jetzt zu unserer letzten Frage, der untold story. Also einem kleinen Geheimnis oder einer Geschichte, die ihr noch nicht öffentlich erzählt habt. Habt ihr was auf Lager?

    Jonas (OK KID): Wir haben nie richtig von unserem schlimmsten Gig ever erzählt. Das war als wir mal vor Deichkind gespielt haben.

    Dascha: Ey, ich war da! Damals auf dem Hessentag, richtig?

    Jonas (OK KID): Ach stimmt, du warst da! Auf dem Hessentag in Herborn. Nichts gegen Deichkind, die können nichts dafür, aber die Leute, die wegen denen da waren, waren einfach extrem strange. Wir waren da nicht als klassische Vorband, aber schon so reingebucht. Die waren alle nur wegen Deichkind da, das war ja auch ganz früh, 2014 oder so. Dann stehen wir auf dieser Bühne „Hallo, wir sind OK KID aus Gießen“ und dann buhen alle, weil für die Herborn so cool ist und Gießen in dem Kontext so „Naja, die aus der Großstadt, oder was?!“ war. Dann kommt auch noch die Moderatorin auf die Bühne und bestimmt um die 200 Vollottos brüllen auf ein mal „Ausziehen! Ausziehen!“. Wir haben uns gefragt, auf welchem Jahrmarkt wir hier gelandet sind. Danach fingen wir an zu spielen, es waren schon um die 10 Tausend Leute da und wir guckten einfach in nichtssagende, starrende, leere Gesichter. Naja, die Positiven waren nichtssagend, der Rest war so „Fickt euch, wir wollen Deichkind“. Und wir mussten einfach eine ganze Stunde spielen.

    Dascha: Witzigerweise ist meine Erinnerung von eurer Deichkind Show gar nicht so schlecht.

    Jonas (OK KID): Dann warst du da wohl irgendwie verblendet, der Vibe war auf jeden Fall furchtbar. Das war die schlimmste Konzerterfahrung für uns. Obwohl, als wir noch mit der alten Band als Jona:S mal in Frankreich in einer Kneipe gespielt haben, war das noch schlimmer. Wir waren da bei so deutschen Surfcamps dabei und konnten da dann Musik machen. Dann dachten wir, wir mieten uns mal einen Laden für einen Gig und dann können die Deutschen dahin kommen. Was wir nicht wussten ist, dass an dem Tag auch holländischer Karneval war. Die einen dachten „Juhu, es kommt eine Band“ und haben halt Leute mitgebracht und die anderen 300 in dem Club waren verkleidet und eigentlich nur da, um Karneval zu feiern. Als wir gespielt haben wurden die dann so aggressiv, dass sie angefangen haben die Kabel rauszureißen.

    Raffi (OK KID): Die sind zum Gitarristen hin und haben die Saiten verdreht und irgendwelche Dudes wollten Bier über meinen Laptop kippen.

    Jonas (OK KID): Ja, diese besoffenen Holländer haben uns dafür gehasst, dass wir deutsch sind. Dann haben die auch noch „The Germans are gay“ gesungen. Das war das einzige Mal, dass wir eine Show abgebrochen haben.

    Raffi (OK KID): (Singt in der Melodie von Seven Nation Army) All the Germans are gayyy!

    Um zu verhindern, dass sich solche Gigs wiederholen, könnt ihr die Band hier auf ihrer großen DREI-Tour im Herbst besuchen.

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    Foto Credits: Niren Mahajan
  • Kurz vorm Ende der Welt hören wir Ami Warning

    Kurz vorm Ende der Welt heißt das zuletzt erschienene Mixtape von Ami Warning und es hält was es verspricht: Eine Untergangsstimmung, die sich so warm anfühlt, dass jede Angst vorm Ende verfliegt und jeder Atemzug, jeder Gedanke sich ganz klar anfühlt. Ami Warning liefert uns Musik, die alles gut sein lässt, so wie es ist und jeglichen emotionalen Ballast abfallen lässt. Sprich, genau das was wir derzeit alle so dringend brauchen!

    Lost & Found

    Ich gebe zu, mein Zugang zu deutscher Musik ist beschränkt. Ich höre mir immer wieder unterschiedliche deutsche Interpret*innen an, aber bleibe zu selten hängen. Deutsche Musik, die sich nachhaltig in meine Synapsen einbrennt, muss mich mit außergewöhnlichen musikalischen Stimmungen, kreativen Textzeilen, eingängigen Melodien, spannenden Musikproduktionen oder am besten mit einer Kombination aus allem catchen. Mit dem Song „kurz vorm Ende der Welt“ bin ich aus dem Nichts auf eine Künstlerin gestoßen, die für mich all diese Faktoren auf dem gleichnamigen Mixtape auf ihre Art vereint.

    Angenehme Melancholie
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    Dabei war mir noch nicht bewusst, dass mir diese Musik so sehr gefallen könnte. Ami Warning kreiert Stimmungen, die sich für mich besonders anfühlen. Diese zu beschreiben, fällt etwas schwer, weil sie sich so sehr durch meine subjektiven Höreindrücke auszeichnet, but I’ll give it a try! Das Tape zeichnet sich für mich durch eine gedämpfte, melancholische, manchmal angenehm bedrückende Atmosphäre aus, die sich zugleich doch hoffnungsvoll und sogar befreiend anfühlt. Ohne inhaltliche Aspekte einzubeziehen, fühlt sich die Musik auf einer gewissen Weise verständnisvoll an und lässt mich dem Gefühl sorglos hingeben.

    Melodien für den nächsten Weltuntergang

    Puh, das war chessy. Springen wir straight zu den Details, die die vorherigen Gefühlseindrücke stärker umreißen. Das 8 Songs lange Mixtape startet mit der Single „kurz vorm Ende der Welt“. Eine träumerische Gitarre gibt mit langsamem Anschlag eine unglaublich schöne Stimmung vor, bis das Schlagzeug den Einsatz der Stimme vorbereitet. Über einen minimalistisch groovenden Beat schwebt die simple, wie geniale Zeile „kurz vorm Ende der Welt, kann ich dir verzeihen“, denn „kurz vor Schluss, soll es wohl so sein“. Ein paar melodiöse Keys im Hintergrund und fertig ist der Titelsong des nächsten Weltuntergangs. 

    Die Strophe setzt die Linie des Refrains fort und beschreibt in klaren Worten emotionale Zustände, über die ich mir sonst tagelang den Kopf zermürbe. Die Aussagekraft dieses Textes wirkt in seiner Einfachheit unglaublich stark. Das einzige Problem ist, dass es von dem Song keine 10h Dauerschleife gibt, die mich nicht nach zweieinhalb Minuten dazu zwingt, wieder auf Repeat zu drücken.

    »Ich hab‘ schon so lange gewartet
    Auf den guten Moment
    In dem jeder von uns beiden seine Fehler erkennt
    Ich bin immer noch sauer und du bestimmt auch
    Am meisten tut’s weh, dass ich dich trotzdem brauch’« 

    „kurz vorm Ende der Welt“

    Musikalische Wärme mit langsamen Puls

    Der nächste Song übernimmt die ruhige Art des Anfangstracks, hebt sich allerdings durch ein lockereres und luftigeres Gefühl gegenüber der vorangegangenen Abenddämmerungs-Stimmung ab. „Schöne Stunden“ besingt die Tage, Stunden oder sogar Sekunden, in denen wir nicht dem Alltagsstress hinterherrennen und uns ganz dem Moment hingeben. Weniger Zwänge, mehr Freiheit und Stand jetzt: 2 von 2 Songs sprechen mir aus der Seele.

    „Es ist wie es ist“ bleibt dem slow groove treu und wirft eine neue atmosphärische Nuance in den Raum, weniger träumerisch, dafür ein bisschen bestimmter und zugleich reflektierender. Die bisherigen akustischen Drums werden durch einen Lo-Fi type Beat ergänzt und geben den spielerischen Gitarrenmelodien im Hintergrund eine zielstrebige Form. Im Refrain zieht Ami Warning auf dem ersten Wort „Gut“ die Melodie angenehm wohlig nach oben. Charakteristisches Element in der Hook mit Wiedererkennungswert: Check! Hinzu kommt das einzige Feature auf der EP durch Témé Tan, und zwar auf französisch.

    Watte für die Ohren
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    Auf dem vierten Track des Projekts „jetzt“ zieht eine treibende Gitarre das Tempo plötzlich an und wir werden zum ersten Mal für einen Augenblick aus der musikalischen Trance herausgerissen. Zwei knackige Strophen münden in einem stimmungsvoll gesummten Refrain. Kein Text, nur unglaublich schöne Melodien mit viel Gefühl. Der ausschließlich in der Hook einsetzende Bass gibt den rastlosen Gesangsmelodien eine zusätzliche Tiefe.

    Nach nur zwei aufreibenden Minuten fängt uns die weiche Klangwelt des folgenden Tracks „simsalabim“ wieder auf und 10 Sekunden reichen aus, um unsere Ohren wieder in Watte zu packen. Ein langsames Schlagzeug sowie gefühlvolle Gitarrenakkorde, komplementiert durch eine schöne Melodie und der Signature Sound des Mixtapes ist wieder komplett. Als wäre das nicht genug, dreht der Refrain nach dem ersten Mal hören bereits Dauerschleifen im Kopf. Interessanterweise bricht das Stück zum ersten mal aus der Loop Struktur der vorangegangenen Songs aus. Strophe und Bridge weichen von den Akkorden des Refrains ab und bauen etwas Spannung auf, die im Refrain wunderbar weich aufgelöst wird. 

    Blaue Augen

    Ein weiteres Highlight des Albums heißt „blaue Augen“ und appelliert an das Kind in unserem Geist und Körper. Eine Sekunde vom Intro und ich weiß, mir wird der Song gefallen. Mir stellt sich nur die Frage, was ich da am Anfang höre: einen Kinderchor, ein Sample oder einen verrückten Synth? Ich bin mir nicht sicher, aber weiß, dass es unglaublich schön klingt. Den Rest könnt ihr euch vermutlich denken: ein langsam groovendes Schlagzeug und Gesangsmelodien mit balladigem Hitpotential und fertig ist ein weiterer Song zum Verlieben. Ganz besonders empfehlenswert ist es, sich das Musikvideo zum Song anzuschauen. Die Bilder fangen die Stimmung des Liedes unglaublich gut ein und bestärken die besondere Atmosphäre.

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    Hoffnungsvolle Träume

    Das Tape schließt mit einem hoffnungsvollen, fast frühlingshaften Gefühl. „Dort“ lässt uns noch etwas weiter träumen und zeichnet einen Ort, an dem alle Seelen dieser Welt sorglos vereint sind. Begleitet von einer unaufdringlichen Melodie fließt die Stimme erzählend über ein lockeres Gitarrenriff. Kein Schlagezug mehr, dass uns ein Tempo vorgibt, nur noch begleitende Schnipser, die ein wenig Halt bieten, während unsere Gedanken langsam abschweifen.

    Synonym für „schön“

    Beim Schreiben dieses Artikels hatte ich dauerhaft die Google Suche „Synonyme für schön“ in der Tableiste offen. Ich habe mich ganz einfach in die musikalischen Stimmungen dieses Mixtapes verliebt und mir fehlen die passenden Worte. Aber am Ende ist halt alles irgendwie schön. Allerdings so unglaublich schön, dass ich gar nicht zu träumen vermag, dass es Menschen auf dieser Welt gibt, die diese Musik nicht kennen. Und das erschreckende ist, dass Ami Warning auch auf der lyrischen Ebene kein müh weniger gefühlvoll agiert. Ich bin wahnsinnig froh diese Musik entdeckt zu haben und noch froher, sie hier teilen zu können. Springt schnell rüber zur Musik und zu allen sozialen Medien von Ami Warning und lasst euch für einen Augenblick verzaubern.

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    fotocredits: Stef Zinsbacher

  • Tiemo Hauer im Interview: „Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt.“

    Tiemo Hauer im Interview: „Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt.“

    Diesmal handelt es sich hier nicht um die Vorstellung eines Newcomers, sondern einen bereits längst etablierten Künstler. Wenn man auf Tiemo Hauers Spotify-Profil klickt, sieht man schnell, dass er in den letzten zehn Jahren schon einige Singles und Alben veröffentlich hat. Immer sehr geschickt wortgewandt, hat Tiemo Hauer keine Scheu offen und ehrlich mit Themen innerhalb seiner Texte umzugehen. Ob herzzerreißender Liebessong oder Song, der von den Missständen der Gesellschaft handelt, Tiemo findet genau die richtigen Worte dafür und sorgt damit nicht selten für Gänsehaut. Dieses Jahr veröffentlichte er zwei neue Singles in positivem Sound-Gewand, die definitiv neugierig auf kommende Projekte machen. „Zeit mit Schleife“ hat mit seiner humorvollen Art gepaart mit selbstreflektierenden Einsichten sofort bei mir gepunktet, wobei „Weisst du noch damals“ trotz mitschwingender Melancholie Potential für einen persönlichen Sommer-Hit 2021 hat. Nun präsentiert Tiemo seine Songs diesen Sommer ab dem 25.07. in sieben Städten auf den Bühnen der Acoustics Concerts-Reihe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das schlichte Akustik-Format perfekt zu Tiemos Musik passt, seine gewählten Worte nur noch mehr unterstreicht und ein Gefühl des Wohlseins hinterlassen wird.

    Dascha: Hey Tiemo, danke für’s Zeit nehmen! Wie geht’s dir im Moment?

    Tiemo: So weit so gut würde ich sagen. Ich freu mich riesig, dass es langsam wieder los geht mit Live-Shows und Veranstaltungen, aber mir ist auch bewusst, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist und es aktuell noch einige andere Probleme auf der Welt gibt, die mir oft schwer auf der Brust liegen.

    Dascha: Mit was verbringst du deinen Sommer 2021 bisher?

    Tiemo: Um ehrlich zu sein, verbringe ich bisher die meiste Zeit des Sommers damit Möbel herum zu tragen. (Es gab ungewöhnlich viele Umzüge im engsten Familien- und Freundeskreis.) Wenn ich keine Möbel trage, probe ich für die kommenden Konzerte. Die Abende verbring ich gerne mit Hund im Garten eines Freundes, der bei mir in der Straße wohnt. 

    Dascha: Wie fühlt es sich für dich an, schon so bald bei den Acoustics Concerts eine Tour zu spielen? Was hat dir am meisten am live Spielen gefehlt?

    Tiemo: Ich freu mich riesig. Meine letzte Tournee ist über fünf Jahre her. 2020 wäre es eigentlich endlich wieder losgegangen, aber was dann kam wissen wir alle. Die Acoustics Concerts sind für mich der perfekte Wiedereinstieg ins Tourleben. Die letzten Touren bin ich immer mit fünfköpfiger Band gefahren. Diesmal bin ich ganz alleine mit dem Piano unterwegs. Das wird aufregend und ein bisschen wie am Anfang meiner Musikerlaufbahn. 

    Dascha: Du machst ja nun schon ziemlich lange Musik. Wie würdest du sagen, dass sich deine Musik bis hierhin entwickelt hat und was hatte darauf besonderen Einfluss?

    Tiemo: Den größte Einfluss auf die textliche Komponente hatte wohl das Älterwerden und die damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung an sich. Zwischen dem Schreiben meiner ersten Songs und heute liegen bereits 16 Jahre. Musikalisch habe ich schon allein durch das Spielen mit unterschiedlichen, wunderbaren Bandkolleg*innen unglaublich viel gelernt. Natürlich haben sich auch meine Hörgewohnheiten über die Jahre verändert. Ich habe viele neue Genres, Künstler*innen und Bands für mich entdeckt und so das Feld der Einflüsse unterbewusst immer größer gesteckt. 

    Dascha: Du hast einige sehr emotionale und, ich gehe davon aus, persönliche Songs. Was macht es mit dir einen emotionalen, persönlichen Song zu schreiben? Fällt dir das leicht?

    Tiemo: Umso intensiver ein Gefühl ist, um so leichter ist es für mich, es musikalisch wiederzugeben aber auch um so schwerer, die richtigen Worte zu finden. Ich merke auf jeden Fall, dass mir das Schreiben nicht mehr immer so leicht von der Hand geht, wie das als Teenager oder mit Anfang zwanzig noch war. Mein Anspruch an mich selbst ist höher, ich denke mehr nach und hinterfrage mehr. Das hat Vor- und Nachteile. 

    Dascha: Außerdem hast du ja auch gesellschaftskritische Inhalte in Songs wie in „Herzlichen Glückwunsch!“. Ist es dir wichtig, solche Themen auch musikalisch zu verarbeiten?

    Tiemo: Es ist mir sehr wichtig. Genau bei solchen Themen, werde ich meinen eigenen Ansprüchen aber auch viel seltener gerecht. Oft verpacke ich dann Dinge so lange in Metaphern, bis nur ich selbst noch verstehe, worum es eigentlich geht. Es gibt sehr viel, was ich noch sagen möchte und ich bin immer auf der Suche nach den richtigen Worten. 

    Dascha: Was sind deine eigenen Lieblinge von deinen Songs?

    Tiemo: Meine Lieblinge sind meistens meine aktuellsten Songs und die werden dann auch prompt mit dem Schreiben neuer Songs abgelöst. Manchmal flammt aber auch die Liebe zu älteren Stücken wieder auf. Das ist das schöne am Live-Spielen. Da kann ich Gedanken und Gefühle, die vielleicht auch schon eine Weile zurückliegen, gemeinsam mit dem Publikum wieder zum Leben erwecken. 

    Dascha: Welches ist dein liebstes Instrument und warum?

    Tiemo: Da gibt es immer wieder Phasen. Manchmal schreib ich einen Song nach dem Anderen an der Gitarre, manchmal frickle ich tagelang an Snyths, eine Zeit lang war es der Bass, der mir am meisten gegeben hat, dann wieder das Schlagzeug, aber meine große Liebe ist und bleibt das Klavier. Damit hab ich angefangen und es gibt mir das stärkste Geborgenheitsgefühl beim Musizieren. 

    Dascha: Deine aktuelle Single „Weisst du noch damals“ ist ja vor kurzem erst erschienen. Kannst du ein wenig den Hintergrund zu dem Song erläutern? Aus welchem Gedanken heraus ist er entstanden?

    Tiemo: Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt. In dem Song beschreibe ich die Beklemmung, die damit einher geht. Wenn man Dinge jahrelang für selbstverständlich oder normal hält und es dann irgendwann besser weiß, schämt man sich für unglaublich viel, was man davor regelmäßig gesagt oder getan hat. Manchmal möchte ich vor diesem „alten Ich“ einfach weglaufen. Darum geht es in dem Song. Das Bild „…damals, als man sich noch umarmt hat“ habe ich gewählt, weil das leider aktuell eine sehr greifbare zeitliche Einordnung ist. So lange ist es gar nicht her, aber es kommt uns wie eine Ewigkeit vor. So fühlt es sich auch manchmal an, wenn man etwas über sich selbst gelernt hat. In dem Moment, in dem man es verstanden hat, ist es unvorstellbar, dass man es nicht schon früher begriffen hat, auch wenn die Erkenntnis noch sehr jung ist.

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    Dascha: Wer oder was inspiriert dich musikalisch besonders?

    Tiemo: Mich inspiriert eigentlich alles, das ein intensives Gefühl in mir auslöst. Das können Gespräche sein, Bücher, Theaterbesuche, Songs, Filme oder jede andere Art von Kunst. Wenn es etwas mit mir macht, inspiriert es mich. Egal ob das ausgelöste Gefühl positiv oder negativ ist. Inspiration kann bei mir aus Wut, Angst, Freude oder Trauer entstehen, aber nie aus Gelassenheit. 

    Dascha: Was für Pläne und Ziele hast du für dieses Jahr noch?

    Tiemo: Es erscheinen noch ein paar neue Songs in den nächsten Wochen und eine EP im Herbst. Darauf freu ich mich sehr. Ansonsten möchte ich unbedingt noch mehr Konzerte spielen, viel schreiben, entdecken und lernen. Es gibt auch ein paar Dinge die ich schon lange machen möchte, aber bisher nie in Angriff genommen habe. Zum Beispiel wünsche ich mir seit Ewigkeiten neben der Musik Hörbücher zu lesen. Vielleicht schaff ich es ja noch dieses Jahr, diesen Traum mal anzugehen. 

    Dascha: Zum Schluss fragen wir immer nach einer Untold Story, also einem kleinen Geheimnis oder einer Geschichte, die die Öffentlichkeit vielleicht noch nicht von dir weiß. Fällt dir da was ein?

    Tiemo: Ich habe einen Chihuahua auf dem Hintern tätowiert. 

    Genießt Tiemo Hauers Songs in der Sonne und seht ihn nach so vielen Jahren das erste Mal wieder auf Tour bei einem der Acoustics Concerts! Zu allen Terminen geht es hier lang.

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    Foto Credit: Kim Hoss

  • Bruckner im Interview: »Der Fuji-Dreh war eine einzige Party für uns«

    Bruckner im Interview: »Der Fuji-Dreh war eine einzige Party für uns«

    Vor gut einem Monat haben Bruckner ihre neue Single „Fuji“ veröffentlicht – gut ein Jahr nach dem Release ihres Debütalbums „Hier„, mit dem sie es zum Beispiel auch in unsere Pop-Playlist zum Jahresrückblick 2020 geschafft haben. Die beiden Brüder aus Bayern knüpfen mit der neuen Nummer an ihre gewohnten gute Laune Deutschpop-Vibes mit einer guten Portion Melancholie an. Im Interview habe ich mit den beiden über „Fuji“, ihre persönlichen Worst Case Bands und das Leben in ihrer 6er-WG geredet.

    Bruckner im Interview

    Anna: Hey ihr beiden, schön, dass ihr am Start seid. Ich habe natürlich euren neuen Song „Fuji“ gehört – natürlich schon seit Release – aber vorhin nochmal so ganz intensiv reingehört. Und auch Texte und Musikvideo habe ich mir angeschaut und bin sehr happy, dass jetzt nach gut einem Jahr wieder was Neues von euch kommt. Auf jeden Fall ein geiler Song, hab richtig Bock auf Sommer jetzt. Für mich hat „Fuji“ sehr viel Potenzial als Sommerhit, weil es einfach gute Laune macht und mir so ein bisschen aus dem Herzen spricht, weil wir einfach alle wieder Lust haben feiern zu gehen. Gibt es etwas, das ihr zu „Fuji“ noch loswerden möchtet, dass vielleicht aus dem Song oder aus dem Musikvideo irgendwie noch nicht so sehr transportiert wird oder was dahinter steckt?

    Jakob: Ist irgendwie crazy, dass das alle den Song so als Sommer und gute Laune Hit sehen. Ich finde in „Fuji“ ist schon sehr viel Melancholie drin, muss ich sagen. Für mich schwingt so ein bisschen dieses Gefühl mit von ‚Wir wissen nicht so richtig, wo unser Platz ist‘. Weißt du was ich meine? Unsere Generation, die so jede Möglichkeit hat und irgendwie auch so ein bisschen Verzweiflung und so der Wunsch von ‚Ich will mich mal loswerden und diesen ganzen Hirnfick, den ich habe, einfach vergessen‘ und deswegen so diese Sehnsucht nach Feiern. Also für mich ist der Song nicht nur euphorisch feiern, sondern schon auch so bisschen melancholisch. Aber geil, dass die Leute bei „Fuji“ gute Laune kriegen! (lacht)

    „Es war eine einzige Party für uns“

    Anna: Wie war der Dreh zum „Fuji„-Musikvideo für euch? Ich muss dazu sagen das Video macht was mit mir: Ich habe jetzt permanent Lust Flunkyball zu spielen.

    Matti: Es war eine einzige Party für uns. Wir hatten eine mega gute Zeit und durften die ganzen Sachen machen, die man sonst halt jetzt gerade gar nicht so machen darf. Also es wurden natürlich immer alle getestet. Aber ja, es hat mega Spaß gemacht!

    Jakob: Ja, es war alles voll gewissenhaft was die Corona-Bedingungen betraf. Ich muss sagen wir haben uns echt ein bisschen verliebt in den Regisseur Miguel und seine Crew. Wir werden bestimmt noch mehr zusammen machen.

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    Das offizielle Musikvideo zu „Fuji“
    „Es wird auf alle Fälle noch mehr neue Musik geben“

    Anna: Ich hab das Gefühl, man muss diese Frage immer stellen, wenn es eine neue Single nach längerer Zeit gibt und „Fuji“ lässt mich etwas hoffen: Können wir auf ein Album oder eine EP hoffen, die demnächst oder im Laufe des Jahres erscheint?

    Jakob: (zögert) Auf jeden Fall ist Hoffnung immer gut. Es wird auf alle Fälle noch mehr neue Musik geben. (schmunzelt)

    Anna: Okay, ich merke schon, dass ihr nicht mehr verraten möchtet. Um ein bisschen von den Standardfragen wegzukommen: Was ist eure persönliche Worst Case Band?

    Jakob: Ohhhh (zögert) Ich habe verschiedene!

    Anna: Top 3!

    Matti: Okay, bei mir unter den Top 3 ist auf jeden Fall Bon Iver.

    Jakob: Bei mir ist Pine Grove und Vampire Weekend auf jeden Fall unter den Top 3. Und dann noch Daft Punk!

    Matti: (überlegt ziemlich lange) Ich hör auch in solchen Phasen dann gerne mal ein bisschen was Deftiges. Ich glaube, Bring Me the Horizon ist da auch bei mir mit dabei. Auch wenn’s in eine ganz andere Richtung geht. Aber das brauche ich manchmal. Sag mal deine!

    Worst Case Band = „die Band, die einen aus dem Loch wieder rausholt“

    Anna: Oh, damit hab ich jetzt nicht gerechnet, lass mich kurz überlegen. Ich glaube Bon Iver ist bei mir auch ziemlich weit vorne dabei. Auf jeden Fall noch Alt-J. The Neighbourhood geht auch immer! Was macht eine Worst Case Band für euch eigentlich aus?

    Jakob: Eine Worst Case Band ist quasi die Band, die man rauszieht im Worst Case. Also wenn es einem so richtig mies geht. Dann ist das die Band, die einen aus dem Loch wieder rausholt und sozusagen die Wunden versorgt.

    Anna: Schöne Erklärung! Ihr habt vorhin schon gesagt, ihr seid gerade in eurer WG. Ich habe mir das Sputnik Interview angeschaut, wo ihr im März wart und von der WG erzählt habt. Und ihr habt dort gesagt, dass alles sehr harmonisch läuft. Deswegen meine Frage: Ist es immer noch so harmonisch?

    Matti: Auf jeden Fall! Das wird immer besser. Wir werden immer bessere Freunde und gehen durch dick und dünn. Es hat natürlich jeder Mal seine Ups und Downs und den Wechsel man aber dann auch immer so schön zusammen. Und es ist geil zu sehen, wie man sich gegenseitig da wieder rausholt. Unser letztes akutes Down war als unser Refi Kili seine Lehrprobe halten musste und war die zwei Wochen davor wirklich nicht zu gebrauchen und hat quasi sämtliche Aufgaben im Haushalt bis in Gänze vernachlässigt. Aber auch seine eigene Körperhygiene. Also er war echt ein Wrack. Und jetzt ist er wieder back. Er hat schon wieder Maultaschen für uns gekocht und Salat heute mittag.

    Anna: Ja, ich glaube, das kennt man aus jeder gut funktionierenden Studenten-WG.

    „Meditativste Beschäftigung aller Zeiten übrigens, wenn man Dienstagvormittags mit lauter Rentner:innen aufm Acker arbeitet“

    Matti: Ey, großes Upgrade auch gerade und der Grund, warum wir doppelt so gut drauf sind: Wir haben unsere ersten Ernte-Eträge von unserem kleinen Feld und jetzt gibt’s erstmal Salat und Kohlrabi. Also das ist so eine krasse Empfehlung in einer WG zu wohnen für jeden, der*die es noch nicht gecheckt hat. Es empfiehlt sich so krass, vor allem für uns ist es auch der Luxus. Wir könnten uns halt niemals so ne Butze leisten. So viel Fläche und so viel Freiraum und zu sechst ist das überhaupt kein Problem.

    Anna: Wait a minute, wenn ihr Feld sagt, meint ihr da ein Feld im Garten oder wie?

    Matti: Ne, am Dorfrand haben wir so 30-40 Quadratmeter Feldstück mit ganz vielen anderen Leuten zusammen. Es wird irgendwo von der Stadt vermietet oder so, glaube ich. Und genau den können wir beackern.

    Jakob: Meditativste Beschäftigung aller Zeiten übrigens, wenn man Dienstagvormittags mit lauter Rentner:innen aufm Acker arbeitet. Das ist wirklich ganz cool!

    Anna: Okay, das klingt echt ganz cool, jetzt habt ihr mich etwas angefixt (lacht). 
    Letzte Frage: Was ist eure untold story? Also eine noch nie erzählte Geschichte von euch? Irgendetwas super Absurdes, Interessantes, was ihr bisher in noch keinem Interview erzählt habt.

    Jakob: Ich habe da was, aber das ist keine richtige Geschichte, eher ein Fakt. Hast du was, Matti? Hau mal raus und ich guck mal, ob ich das dann noch erzählen will? Nee, nee, es ist zu privat. Ich müsste erst fragen, ob ich das erzählen darf.

    Matti: (lacht so vor sich hin) Ich musste nur gerade dran denken, dass wir mal eine Zeit lang in Regensburg den ‚Erzähl mir dein Geheimnis‘-Dienstag hatten. Kennst du denn noch, was du da mit dabei? Das war zusammen mit Basti, Benni und Hanni. Da haben wir uns jeden Dienstag in der Bar getroffen und haben dann den Abend damit eingeleitet, dass jeder ein Geheimnis erzählt hat, dass er davor noch niemanden erzählt hat. Jetzt bin ich natürlich geneigt dazu von Basti, Benny oder Hanni irgendein Geheimnis zu erzählen, damit ich meins nicht erzählen muss. Aber tatsächlich hab ich auch gerade kein sinniges auf Lager. Mir ist es nur gerade eingefallen. (zu Jakob) Jetzt hau deins raus!

    Jakob: Ahh neee, ich weiß echt nicht.

    Anna: Alle Namen können auch anonymisiert werden bei Bedarf.

    Dorfgeschichten aus der Jugend

    Matti: Ok, ich habe was! Ich kann die Geschichte erzählen, die ich mir im Puls Interview gespart hab. Wir kommen ja richtig vom Dorf, Jakob und ich, und da gibt’s irgendwie keine Busse oder es gab halt einen Bus, der so in die nächst Stadt nach Traunstein gefahren ist, wo wir zum Feiern waren. Und sonst muss halt immer irgendwer – die Mutter oder der Vater von irgendwem – uns abholen. Und dann dieser eine Bus, der vom Nachbardorf aus ging, wo man schon irgendwie noch zusammen hin gehen musste, so 15 Minuten. Der hatte immer denselben Busfahrer und er hat uns gehasst, als wir so 15, 16, 17 waren. Also ich verstehe auch, warum er uns gehasst hat, weil wir halt immer relativ knülle auch dann in den Bus eingestiegen sind. Der hat den Bus immer hingefahren und dann auch nachts um drei wieder zurück. Und das sag ich jetzt gleich dazu: Mittlerweile, wenn wir dann mal wieder da mit gefahren sind verstehen wir uns mit ihm echt gut. Aber so der Zenit war erreicht, als wir dann eines Nachts heim gefahren sind. Und da hatten wir noch einen Kumpel dabei, der da sonst irgendwie nicht so mit dabei war. Und der hat ihm dann so kurz bevor die Haltestelle erreicht war … Auf alle Fälle hat der Kumpel dann kurz vor der Haltestelle noch in den Bus gekotzt. Dann sind wir alle als er stehen geblieben ist und die Türen auf sind, sind alle rausgelaufen und sofort weggelaufen. Und im Weglaufen sehen wir noch, wie ihm hinten auf seinen Bus noch ein Auto drauf fährt. Und das war dann quasi sein Feierabend. Ihm wurde er in den Bus gekotzt von den asozialen Jugendlichen und es wurde ihnm noch sein Bus geschrottet, irgendwie von dem anderen Auto. Naja, aber wir haben uns bei ihnen entschuldigt und wir sind im Guten jetzt … Jakob, du hattest doch auch noch was!

    Untold Band Story

    Jakob: Ja, ich habe noch eine Band-related story! Wir haben vor kurzem Musik gemacht bei einer Veranstaltung. Da haben für die Arbeiter:innen aus der Musikbranche Geld gesammelt auf dem Hausboot von Finn und Olli. Da haben wir einen Song gespielt und in Hamburg gepennt. Wir waren an dem Abend danach halt noch bisschen um die Häuser ziehen, so in der kleinen Gruppe, haben noch gefeiert. Ich hatte nachts meinen Geldbeutel irgendwo liegen lassen. Als ins Hotelzimmer gekommen sind, habe ich dann erstmal alle Karten sperren lassen von mir. Hab dann direkt darauf die Nachricht gesehen auf Instagram ‚Hey Jacob, hier ist dein Geldbeutel, soll ich ihn dir bringen?‘ Hab ihn dann geholt, bin wieder zurück ins Hotelzimmer. Matti hat schon gepennt, als ich ins Hotelzimmer gekommen bin. Meine Karte ging nicht. Ich habe ultra laut klopfen müssen, um ihm rauszukriegen aus. Er hat mir die Zimmertür aufgemacht und ich habe ihn gefragt, wann denn der Zug morgen früh geht. Matti ist, der Organizer bei uns mit, quasi der Tourmanager. Er hat mir die Zeit für den Zug gesagt. Ich glaube, es war halb acht. Und ich stell den Wecker auf halb sieben, damit wir rechtzeitig zum Zug kommen und Matti hat sein Zeug schon gepackt. Also wache ich auf, um halb sieben, fang an mein Zeug zu packen. Wirbel rum, sag mehrmals ‚Matti, steh auf, wir müssen los, steh auf, wir müssen los‘. Irgendwann frage ich, weil ich nicht checke, warum er nicht aufsteht. Er reagiert eigentlich immer so leicht. Er steht aber nicht. Ich so: ‚Matti, wann geht nochmal unser Zug?‘ Matti: ‚Halb 10!‘ Ich: ‚Alter, ist das dein scheiß Ernst? Das kannst du mir auch mal früher sagen, ich bin jetzt hellwach!‘ Reg mich dann halt total auf. Leg mich wieder hin. Muss mich zwingen, wieder einzuschlafen. Ich zwinge mich wieder einzuschlafen. Mega schlimm. Der Wecker klingelt um dreiviertel 9. So, ich steh auf, alles gepackt. Ich versuch wieder Matti zu wecken. Er kommt wirklich wieder sehr schwer in die Gänge. Ich putz noch mal Zähne, räum das letzte Zeug ein und sag so ‚los Matti‘. Er wacht irgendwie aus seinem Schlaf, völlig überrascht und aus dem Häuschen: ‚Fuck, wie spät ist es?‘ ‚Dreiviertel 9!‘ ‚Fuck, wir haben den Zug verpasst!‘ Ich bin stinksauer und dann ging es so hin und her. Er war wohl wirklich überrascht, dass er das gesagt hatte.

    Matti: Ich habe ihn dann angemault, warum er mich denn nicht eher aufweckt, wenn er doch wach ist.

    Jakob: Dann ging es weiter mit: Der Zug hat Verspätung und er ist dann 55 Minuten später gekommen. Haben dann noch irgendeinen Anschluss verpasst. Es war die Hölle am Bahnhof. Hat viel Geld und Zeit gekostet.

    Anna: Danke für die Story und vielen Dank für’s Interview! Schönen Tag euch noch und bin gespannt auf die neue Musik, die noch kommt!

    Falls ihr „Fuji“ noch nicht gehört habt, dann könnt ihr das hier ganz schnell nachholen!

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