Kategorie: untold stories

  • ENGIN im Interview: »Es ist unser Anspruch, Teil der Veränderung zu sein. «

    ENGIN im Interview: »Es ist unser Anspruch, Teil der Veränderung zu sein. «

    Diese drei ernstaussehenden aber unfassbar lieben Jungs solltet ihr mittlerweile kennen – immerhin wirbeln ENGIN seit knapp einem Jahr durch unsere Bubble. Mit ihrem Debütalbum Nacht haben sie sich letzten Sommer durch fast alle Städte Deutschlands gespielt und mit jedem Stop neue Fans gewonnen. Zuletzt als Support von Von Wegen Lisbeth stehen sie nun vor ihrer ersten Headline-Tour (wir dürfen präsentieren und verlosen!), im Gepäck ihre aktuelle EP. Voll mit neu-interpretierten türkischen Volkslieder und Klassikern des Anadolu-Rocks brechen sie die Schwelle zwischen deutscher und türkischer Rockmusik auf. Eine Schwelle, die schon so lange gebrochen werden wollte! Weil die EP aber nicht nur voll mit Hits ist, sondern auch in einer Sprache, die ich leider nicht spreche, findet ihr hier ein mit witzigen Anekdoten durchspicktes Track-By-Track Interview! Von Quittenbäumen über Pferde im Vollgalopp zu Tipps gegen Liebeskummer und das Zerrissenheitgefühl einer ganzen Generation – hier lernt den Sound hinter David, Engin und Jonas (v.l.n.r.) ganz genau kennen.


    ENGIN im Interview

    Anna: Hey ihr drei! Noch ein wenig rest-frisch im neuen Jahr erstmal ein kurzer Blick zurück: wie war das Jahr 2023 für euch?

    Engin: Das letzte Jahr war ein Geburtsjahr von vielen Sachen. Erste Tour, erstes Album, erste Konzerte in Istanbul. Das war auf jeden Fall ein Jahr voller Highlights! Das Istanbul-Konzert war für mich persönlich ein ganz großes Ereignis. Beziehungsweise waren es ja drei Konzerte am Stück! Das war ein krasses Gefühl mit dem neuen Album, das ein paar Monate vorher rauskam, und ein paar türkischen Songs im Gepäck da aufzuschlagen und auf so viel Gegenliebe zu stoßen. Hätte ich mir nicht erträumt, dass das so schnell geht.

    Jonas: Für mich war es eigentlich mehr so ein Stück weit den Kindheitstraum erfüllen. Diese intensive Zeit, die man als Band verbringt und die witzigen Momente, die dabei passieren. Das Spielen an sich natürlich, das ist schon krass, aber auch das ganze drum herum. Dass man die ganze Zeit beschäftigt ist und rumrennen darf für die eigene Musik.

    David: Ja, ich finde es auf jeden Fall auch ein krasses Privileg, dass wir die Chance bekommen, als (bis aufs Booking) DIY Band so viele Menschen zu erreichen mit Musik und generell einer Thematik, die im Kern so positiv ist. Und das dann auch gerade in der heutigen Zeit. Das macht auf jeden Fall Lust auf mehr!

    „Es soll keine Fremde herrschen, sondern Verbundenheit und Vertrautheit.“

    Anna: Ich wollte das Interview ein wenig an der Tracklist eures neuen Albums „Mesafeler“ hangeln. Vielleicht starten wir zuerst mit dem Album-Titel: „Mesafeler“ bzw. „Distanzen“ wie es auf Deutsch übersetzt heißt, fasst die Thematik des Albums passend zusammen. Welche Distanzen versucht ihr mit dem Album zu überbrücken?

    Engin: Es sind ein paar! Die erste ist natürlich kulturell und sprachlich, weil das Album auf Türkisch ist. Es ist auch eine Überbrückung der innerdeutschen Distanz, weil es Musik ist, die türkische Menschen vor ein paar Jahrzehnten nach Deutschland mitgebracht haben. Für mich persönlich ist es auch eine Überbrückung der Distanz zur eigenen Identität, also dieses „es ist okay, wenn ich hier geboren und aufgewachsen bin, dass ich trotzdem auf Türkisch singe“. Dass auch das seinen Platz hat. Eine weitere Bedeutung sind auch die Distanzen, die wir physisch zurückgelegt haben. Mit knapp 60 Konzerten in acht Monaten ist es auch ein guter Tour-Titel! Und natürlich das selftitled Album von Erkin Koray, welches eine große Inspirationen für uns war und als Meilenstein des Anadolu Rocks gilt. Da heißt der erste Song auch Mesafeler, deshalb ist es so ein bisschen eine Hommage an ihn. Es hat also viele Ebenen!

    Anna: Euer Album „Mesafeler“ ist eine Sammlung von Covern türkischer Lieder, viel auch aus den 60er und 70er Jahren. Warum gerade diese Zeit?

    Engin: Wir beziehen uns auf diese Zeit, weil sie musikalisch sehr spannend ist, was die türkische Musik anbelangt. Vor allem im Zuge des Aufkommens des Anadolu Rocks, der alte türkische Folklore und traditionelle Musik mit westlicher Rockmusik und psychedelischer Musik verbunden hat. Anadolu Rock ist ein sehr globaler Sound, der uns schon seit Jahren als Inspirationsquelle dient. Es gibt so viel Musik aus der Türkei, die in Deutschland gar nicht bekannt ist. Entgegen dem gängigen Klischee-Bild wollen wir zeigen: wie klingt denn eigentlich türkische Musik? Für uns war das auch eine Forschungsreise in dem Sinne! Wir haben ja ganz viel Musik aus dieser Zeit auf Social Media schon präsentiert und da wollten wir auch für uns diesen Kern herausschälen. Aus was besteht Anadolu Rock, und wie kann man Songs in unserem Stil, in unserem Gewand präsentieren? Das war eine spannende Herausforderung!

    Jonas: Musik oder Sprache sind ja beides Klänge. Man gewöhnt sich als erstes an den Klang einer Sprache und kann von da immer weiter eintauchen. Und das finde ich auch wichtig bei unserem Ansatz, dass wir eigentlich nur probieren, Menschen die türkische Sprache und Kultur in einem vertrauten musikalischen Gewand zu präsentieren. Wenn man sie öfter hört, gewöhnt man sich an den Klang der Sprache. Und das ultimative Ziel wäre dann, wenn ich draußen rumlaufen und türkische Menschen sprechen höre, dass mir der Klang vertraut vorkommt, weil ich ihn in der Musik erlebt habe. Darum geht es, diese Distanz mit der Musik zu überbrücken und dann auch im echten Leben nicht mehr Menschen, die seit 60 Jahren hier leben und zwei Sprachen können, als fremd wahrzunehmen. Ich kann nicht mal eine Sprache richtig! (lacht) Und ich merke ja wie geprägt ich von der Gesellschaft bin. Das war eine schöne Reise auch zu mir selbst, diese Vorurteile aufzulösen. Damit mein ich nicht mal intellektuell, weil das geht schnell. Sondern dass man das wirklich fühlt, und keine Fremdheit mehr herrscht, sondern Verbundenheit und Vertrautheit.

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    „Ich freu mich auf den Leidensweg, die Songs live gut zu spielen.“

    Anna: Habt ihr lange gebraucht, um euch auf einen Sound zu einigen oder lief das alles ganz harmonisch zusammen? Wie viel Spaß hat der gesamte Prozess gemacht?

    Engin: Der Prozess hat sehr viel Spaß gemacht und lief auch relativ flott! Wir sind da nicht so planvoll vorgegangen, sondern haben die Songs erst mal gespielt. Dadurch hat sich das sehr organisch ergeben. Wir sind ja einfach auch drei Charaktere, die zusammen was erschaffen, und da entsteht eh ein anderer Sound. Da hat sich relativ schnell rauskristallisiert, was eine coole Version ist.

    Anna: Die erste Single des Albums ist „Ayva Çiçek Açmış“, und bedeutet übersetzt „der Quittenbaum blüht“. Ich hab mir natürlich auch den Original-Song angehört, und eure Version hat deutlich mehr Wucht nach vorne – habt ihr ihn deshalb als Opener des Albus gewählt? Und was für eine Rolle spielt der Quittenbaum?

    Engin (lacht): Der Quittenbaum ist insofern relevant, als dass er für die Vergänglichkeit der Liebe steht und die Angst davor, was passiert, wenn sie erlischt. Es gibt die Zeile: „Weck mich nicht aus meinem tiefen Schlaf / Belüge mich nicht, indem du sagst, dass du mich liebst“ – das hat ja eine enorme Wucht. Wir hatten sofort Lust, da einen sehr tanzbaren Song draus zu machen, aber auch einen Song, der so richtig reinhaut. Das Outro könnte wahrscheinlich jeden Nachbarn aus dem tiefsten Schlaf wecken, wenn man es auf angemessener Lautstärke spielt (lacht). Das fanden wir einfach passend, um ihn als ersten Song zu wählen.

    Anna: Ich kann auch nicht anders, als mir das direkt in einem vollen und durchschwitzen Club vorzustellen. Auf welchen Song des Albums freut ihr euch am meisten auf der Tour im Mai live zu spielen?

    Engin: Also ich freue mich persönlich schon auf sehr auf Ayva çiçek açmış. Wir haben ja auch ein paar Songs schon länger im Programm und Ayva ist auf jeden Fall einer, den wir neu dazunehmen werden. Das wird auf jeden Fall ein Highlight!

    David: Ja bei mir auch, da schließ ich mich an!

    Jonas: Ich bin sehr gespannt auf Cemalım. Ich freu mich auf den Schmerz und den Leidensweg, den Song live gut zu spielen (lacht).

    Engin: Also ist ein herausforderndes Set auf jeden Fall! Die Songs sind sehr unterschiedlich, haben unterschiedliche Stilelemente, und die in unserem Trio-Format überzeugend rüber zu bringen, das wird eine Herausforderung. Aber es wird klappen, vorher gehen wir nicht aus dem Haus! (lacht)

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    „Barış Manço war ein richtiges Original.“

    Anna: Auch der zweite Track „Anlıyorsun Değil Mi“ hört sich an, als würde er sehr viel Spaß live machen. Wenn ihr die Plattensammlung eurer Eltern heute durchkramen würdet, würdet ihr dort Barış Manço auch finden? Der Mann sieht ein bisschen aus wie eine türkische Legende.

    Engin: Auf jeden Fall, man kann ihn eigentlich in jedem türkischen Haushalt finden. Barış Mançoist einer der wichtigsten Vertreter des Anadolu Rock und hat einfach über Jahrzehnte hinweg unfassbar wichtige Arbeit für die türkische Musikkultur geleistet. Er ist Ende der Neunziger gestorben und als er zu Grabe getragen wurde, waren alle auf den Straßen, es lief rund um die Uhr auf den Fernseher. Es war ein Volkstrauertag im Endeffekt. Barış Manço war ein richtiges Original. Er hat auf Englisch gesungen und dann auch sehr viel Bock gehabt, Japanisch zu lernen, also hat er ein japanisch-sprachiges Album aufgenommen. Er war dadurch auch in Japan sehr beliebt und bekannt. Einfach so ein Weltenwanderer und Kosmopolit. Das ist auf jeden Fall ein schönes Vorbild, was das kulturverbindende Element anbelangt.

    Anna: In dem Song „Öyle Sarhoş Olsam Ki“ lautet eine Zeile (übersetzt) „Wenn ich doch nur so betrunken wäre, um dich für einen Moment zu vergessen.“ Wie geht ihr mit Liebeskummer um?

    Engin (lacht): Das hab ich lang nicht mehr gespürt, kann das wer anders beantworten?

    Jonas: Ich glaube, es ist legitim, Sachen ein Stück weit zu kompensieren, dass man nicht die ganze Zeit über den Schmerz nachdenken muss. Vor allem wenn man es eh nicht lösen kann.  Also ich sage jetzt nicht, betrinke dich jeden Tag. Ich sag, betrink dich von mir aus einen Tag, aber geh den nächsten Tag auf ne Wanderung (lacht). Also lenk dich ab, damit du nicht die ganze Zeit über Probleme nachdenkst, weil am Ende braucht das Gehirn gehören einfach Zeit, um die Synapsen aufzulösen und neue zu bauen. Ist ein schwieriges Thema und sehr individuell, da muss man schon sehr auf sich aufpassen.

    David: Musik hilft auch! Also man kann sich ja, wenn man traurige Musik hört, richtig gut im Liebeskummer baden und so. Aber wenn man dann wieder da rauskommt und Musik findet, die einen ablenkt und auch wieder auf positive Gedanken bringt, dann ist das auch sehr gut.

    Jonas: Man kann Schlagzeug spielen.

    David: Genau, also Sport auch einfach! Sport machen, …

    Jonas: Streich einfach alles raus und schreib „Schlagzeug spielen“ (lacht).

    „Ja, das darf auch im Radio gespielt werden!“

    Anna: „Cemalım“ haben wir ja schon angesprochen. Was macht diesen Song so besonders?

    Engin: Cemalım ist eigentlich voll der Krimi! Es erzählt die Ermordung eines türkischen Edelmannes und die Klagen seiner Frau, die nicht weiß wohin, nun wo er gestorben ist. Cemalım ist ein Totenklagelied, einmal aus der Sicht des Mannes und aus der Sicht der Frau. Es geht auch um das Pferd des Mannes, mit dem er ausgeritten ist und das nach seiner Ermordung nicht mehr zurück nach Hause findet. Das ist alles sehr filmisch erzählt, und in den Lyrics steckt dieses ganze Drama hinter diesem brutalen Akt. Es ist auch sehr gehetzt, fast wie eine Verfolgungsjagd, und das haben wir versucht musikalisch zum Ausdruck zu Bringen.

    Anna: Gecovert hat das Lied u.A. auch Altin Gün, eine ebenfalls sehr prägende Band unserer Generation, die dazu beigetragen hat, türkische Musik in den Mainstream zu bringen. Habt ihr das Gefühl, dass die Schwellen zur türkischen Musik und Kultur in den letzten Jahren gesunken sind?

    Engin: Auf jeden Fall! Wir hatten neulich ein interessantes Gespräch mit dem Kölner DJ Burakete, der schon seit den 90ern Partys veranstaltet. Die Leute wussten in den Neunzigern nicht, wie sie auf die türkischen Rhythmen tanzen sollen und jetzt haben diese Partys auch aus der nicht-türkischen Community großen Zulauf. Das hat also schon ein paar Jahrzehnte gedauert, aber ich würde sagen gerade so die letzten vier oder fünf Jahre ist da viel Bewegung reingekommen. In Frankreich zum Beispiel sind viele türkische Acts einfach bekannt! Es gab zum Beispiel in den Siebzigern schon die Band Moğollar, die man auch als einen wichtigen Grundpfeiler des Anadolu Rocks gesehen hat. Die haben ihr prägendes Werk in Frankreich aufgenommen haben und wurden ultra gefeiert. Also die haben da auch Musikpreise gewonnen in Frankreich, in den Siebzigern schon! Obwohl in Deutschland eigentlich viel mehr Türken waren, war in Frankreich die kulturelle Anerkennung der Popmusik der Türkei viel schneller. Das ist also länderspezifisch unterschiedlich, wie schnell das geht. Aber ich würde sagen, gerade in den letzten Jahren tut sich auch in Deutschland was. Und es ist ja auch unser Anspruch, ein Teil dieser Veränderung zu sein. Die Gesellschaft ist divers, und die musikalischen und kulturellen Hintergründe sind auch divers. Wir haben alle Platz. Und ja, das darf auch im Radio gespielt werden!

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    „Dieses Zerrissenheitsgefühlt hat viele Generationen, auch bis heute, begleitet.“

    Anna: „Gurbet“, einer meiner Lieblingstracks des Albums, handelt von genau diesen Gastarbeiter*innen, die nach Deutschland gekommen sind und versucht haben ein neues Leben in der „Fremde“ aufzubauen, weit weg von ihren Liebsten. Sind die Auswirkungen davon heute noch zu spüren?

    Engin: Gurbet ist ein Song, der immer noch sehr aktuell ist. Es gibt immer noch viel Migrationsbewegungen auf der Welt gibt und Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen ihre Heimatländer verlassen. Dieses Gefühl ist ein sehr universelles Gefühl. In der Türkei hat man die Gastarbeiter „Gurbetçi“ genannt, das heißt die im Ausland, also in der Fremde Lebenden. Das drückt diese Zerrissenheit ja schon aus: sie wohnen nicht mehr in der alten Heimat, aber sie gehören auch nicht in die neue. Und dieses Zerrissenheitsgefühlt hat viele Generationen begleitet. „Wo gehöre ich denn eigentlich hin?“ ist die Frage, die man sich auch heute noch in Deutschland stellt, obwohl man hier geboren ist. Deswegen ist es für uns sehr wichtig gewesen, diesen Song nicht nur aus der Perspektive von den Leuten zu sehen, die damals gegangen sind, sondern auch aus der heutigen Zeit. Dieses Zurücksehnen nach den kulturellen Wurzeln.

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    Anna: Auch der nächste Track „Resimdeki Gözyaşları“ handelt vom Vermissen und ist lyrisch sehr poetisch („Das Einzige was dir von mir blieb ist jetzt dieses kleine Bild / Es kann dir keine Antwort geben, aber um deine Einsamkeit weinen“). Wie poetisch im Allgemeinen ist die türkische Sprache?

    Engin: Sehr! Deshalb war es mir ein Anliegen, die Texte so gut es geht zu übersetzen. Es gibt auch viel Deutungshoheit da drin. Gerade Resimdeki Gözyaşları ist sehr atmosphärisch und beschreibt eher so ein diffuses Gefühl. Dieses Gefühl von Trost in der Nostalgie zu finden. Das Spannende ist ja, das es ein sehr trauriger Text ist, und im Original aber voll die wütende Soul-Rock Nummer. Also sehr tanzbar und sehr nach vorne. Aber man würde nicht darauf schließen, dass es jetzt so ein tief trauriges Thema ist, wenn man die Sprache nicht versteht. Deswegen wollten wir bei dem Song wirklich die Traurigkeit rausarbeiten und eine nachdenkliche, stille Version draus machen. Weil ihn wuchtiger als Cem Karaca zu machen, das ist auch nicht möglich.

    „Nein.“

    Anna: Damit sind wir schon beim letzten Song: „Ilgaz“ ist ein Folklore-Klassiker, den jedes Kind der 60er und 70er Jahre in der Türkei in der Schule schon lernte. Worum geht es in dem Song?

    Engin: Es geht um einen Berg (lacht). Wir fanden die Melodie sehr, sehr schön und die Ruhe, die der Song in sich trägt. Wie wuchtig und düster das Album dann auch irgendwie anfängt, baut sich am Ende einfach eine schöne, ruhige, entspannende Landschaft vor einem auf. Man kann so ein bisschen in Frieden gehen sozusagen. Unsere Version ist sehr stripped down und auf’s Wesentliche begrenzt, weil die Melodie schon alles sagt, was zu sagen ist.

    Anna: Anna: Nach den Interpretationen türkischer Volkslieder, gibt es deutsche Klassiker, die ihr gerne mal neu interpretieren würdet? 

    David: Ich bin bisschen unentschlossen, aber ich würde jetzt aus dem Bauch heraus wahrscheinlich irgendwas ganz Altes von Westernhagen raussuchen. Der hat auch schon in 70ern Jahren Platten gemacht, das war nicht immer ganz jugendfrei oder politisch korrekt, aber auch schon wild! (lacht)

    Jonas: Udo Jürgens!

    Engin: Alle Songs außer „Aber bitte mit Sahne“, den find ich ganz schrecklich (lacht)

    David: Aber das wäre vielleicht auch eine geile Challenge! Dass man gerade den dann so versucht zu machen, dass er wieder charmant wird.

    Engin: Nein.

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    Eine Odyssee in Rumänien

    Anna: Wir kommen zu unserer letzten Frage, unsere untold story: gibt es irgendetwas, was ihr in noch keinem Interview erzählt habt und einfach mal erzählen wollt?  

    David: Sollen wir die Odyssee des Albums darlegen?

    Jonas (schüttelt stark den Kopf)

    Engin: Das ist zu schmerzhaft.

    David: Wir können von unserer Istanbul Rückreise erzählen! Aber die würde ich gerne aus Jonas Perspektive hören.

    Jonas: Wir haben drei Konzerte in Istanbul gespielt, aber wollten nicht fliegen und sind deshalb mit dem Auto gefahren. Wir hatten aber kein ATA, also keine Zolleinfuhrgenehmigung. Auf dem Hinweg war alles kein Problem, ein paar Zollbeamte haben komisch geguckt, warum das ganze Auto mit Instrumenten vollgestopft ist, aber wir haben alles immer charmant gehandled und sind durchgewunken worden. Auf dem Rückweg war dann aber eine serbische Grenzbeamtin, die uns mitgeteilt hat, dass wir auf gar keinen Fall nach Serbien einreisen dürfen, weil die Gefahr bestünde, dass ich zum Beispiel meine Becken in Serbien verkaufe – was ich nie machen würde! (lacht) Wir wurden also an der serbischen Grenze abgewiesen und sind dann wieder nach Bulgarien und auf einer Landstraße über Rumänien nach Budapest gefahren. Wir sind um zwei Uhr nachts angekommen, nach 20 Stunden Fahrt. Und dabei war einfach auch der Stress, dass wir in Rumänien auf der Landstraße gefahren sind und die irgendwas von Dracula erzählt haben und tollwütigen Hunden.

    Engin (lacht)

    Jonas: Und weil wir dankenswerterweise das Auto von meinem Papa hatten, hatte ich dann so ultra Angst, dass irgendwas mit dem Auto passiert, wenn ich das Steuer abgebe. Da hat mein eigener Kopf mich gezwungen durchzufahren.

    Anna: Du bist 20 Stunden durchgefahren?

    Jonas: Ja…

    Engin: Wir konnten auch nicht anhalten, weil es gibt ja tollwütige Hunde! (lacht)

    Jonas: Das war dann irgendwann dieses Narrativ nach zwölf Stunden auf die Straße gucken. Das spinnt sich ja immer weiter aus.

    David: Das, was wirklich lustig war, war als wir in Bulgarien quasi die Kehrtwende machen mussten, und dann an der serbisch-bulgarischen Grenze Richtung Norden gefahren sind. Wir waren keine fünf Minuten auf der Landstraße, da kam uns so ein Dude im Vollgelopp auf dem Pferd entgegen (lacht). Und das halt über so ne saulange gerade Straße, das sah so wild aus, wie der da auf uns zu kam.

    Jonas: Es war auch schon die schönste Landschaft, die ich aus dem Auto bis jetzt gesehen hab. Vor allem war das ja im Oktober, also Herbst, und dann dieses goldene Blätterdach, soweit das Auge sehen kann…

    Mit diesem schönen Bild im Kopf endet das Track-By-Track Interview. Wer sich inspiriert fühlt, darf sich natürlich gerne einmal durch die gesamte Diskografie von ENGIN hören und/oder sie direkt auf Tour besuchen! In ein paar Tagen geht’s los, schnappt euch hier noch Tickets!

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    Fotocredit: Yasmin Sara Ergen, CAPADOL

  • The Holy im Interview: »The record’s main aesthetic is to be an invitation to come see us live«

    The Holy im Interview: »The record’s main aesthetic is to be an invitation to come see us live«

    Es wird laut im Februar! Der Winter, besonders in Berlin, ist kein leichter, wenn die Sonne sich für maximal zwei bis drei Tage aus den grauen Wolken traut. Da hilft manchmal ein Stupser melodischer Riffs, unterstützt mit der Power von zwei Schlagzeugen, Wunder. So ist es mit dem neuen Album „Ländmark“ der finnischen Rockband The Holy. Uns vor dem Album auch noch unbekannt, freuen wir uns umso mehr, euch das Quintett aus dem Norden im Interview genauer vorzustellen! Inklusive wertvoller Anspieltipps und, viel wichtiger, einer Headline-Tour durch Deutschland im Gepäck bringen The Holy euch sicher durch den restlichen Winter.


    The Holy im Interview

    Anna: For a smooth start, can you introduce yourselves and your band to people here in Germany who haven’t heard from you yet?

    The Holy: We are The Holy, a rock quintet from Helsinki, Finland. The band was founded in 2014 and we have released an EP and two albums with a third one set to be released in February 2024. We love making records but we are most known for our energetic live shows.

    Anna: To point out the most obvious fun-fact about your band: you have two drummers. It may seem a simple question, but why? Do you feel like this opens more musical spaces to explore that you couldn’t with a single drummer?

    The Holy: We started out with two drummers because we had two people that both wanted to play drums in the band hah! But also because we were the most interested in making the biggest wall of sound possible. Today we feel that it opens a lot of options in the rhythmic landscape and makes the band sound unique. And also because a third drummer wouldn’t fit the stage!

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    Nordic inspirations

    Anna: Growing up in Finland, what music did you grow up with? What was the musical landscape like when you started out as a band almost 10 years ago?

    The Holy: I think most of the band has been growing up with our parents a-class vinyl collections. But also around international music media, like Pitchfork, Stereogum and NME.. So kind of all the dad rock, fusion jazz, folk and early heavy metal meeting up with contemporary pop music, hip hop and indie.. I doubt that the Finnish music scene or tradition has been that influential for us at all.

    Anna: Can you name three Nordic artists or bands that inspire you right now and you want to recommend to us? We’re always looking for new good music input!

    The Holy: Of course! Elia Lombardini is violin prodigy with finnish and italian roots. He has collaborated with us in the past both in records and live but is now building his own career with cinematic contemporary instrumental music. Virta is an instrumental jazz trio, but expanding their sound also to electronic, post rock and psychedelic landscapes. They just released their new album a few months ago and we are very excited to play some shows together in the future. Antti Hevosmaa from the band also contributed some horns on our latest record. Jonsjooel is finnish but now berlin based composer, singer and multi-instrumentalist who just released his debut last year. He is also helping us out on tour with his insane drumming this year.


    „The record’s main aesthetic is to be an invitation to come see us live.“

    Anna: Talking about your new album “LÄNDMARK”, it’s your third album as a band. How excited are you releasing it? And how different was the process compared to your first two albums?

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    The Holy: We are of course insanely excited to put out new music after a long break! We released our previous album Mono Freedom in the middle of covid-times roughly three years ago and have been waiting since to release new music. We have been sitting on top of these songs for a long time. Many other bands have also been in this same position. It feels like a new era is starting in our scene.

    The making process was very different than while doing the previous albums. During covid break we were able to study ourselves and mirror back what we have done before. That made it more clear that we want to focus on the live energy of the band. So during the process we dropped all the songs that we knew might not work that well in live situations. We also wanted the sound to represent that aspect. The record’s main aesthetic is to be an invitation to come see us live. And to expand the experience of the songs. We had challenges to actually finish the record and to actually do the recordings. We wanted to use different kind of unconventional spaces for natural and unpredictable ambiences and challenge the process in that way. While we had mostly fun doing it, in mixing we had to do plenty of revisions and edits. Our mixing engineer Magnus Lindberg of course is a wonderful professional and handled our mayhem really well and with extraordinary precise.


    „Kind of  post-apocalyptical dream.“

    Anna: If you can, how would you describe LÄNDMARK visually?

    The Holy: I had this dream of a cold windy ocean and Escher -esque patterns and repetitive lines really burned into my eyes when I started to work on these songs. Saturated landscapes and mountains… deep forests and waters… kind of a post-apocalyptic dream from a city living person’s perspective. Some kind of study and reflection of the modern relationship between human and nature. A need for nature, but the dream and memory about it is starting to saturate, glitch and break down…

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    Anna: You have a couple of instrumental songs on the album and I was wondering, when do you decide that a song needs lyrics or when it doesn’t?

    The Holy: Basically, all of our songs start with a prepared demo that Eetu has made. We listen to it first and then start to work on it as a group and after a while it starts to feel like The Holy. Putting instrumental songs into the album was not a decision made beforehand, but during the recording process we started to have discussions about what our concept is and that we need to trust our gut instinct better. After that we just realised that there are a few songs in the album that carry a big emotional load that we want to just deliver to the listener to be interpreted.

    „The atmosphere at Haldern Pop was electric.“

    Anna: First and foremost, you are a live band, and all of your songs sound like they will unfold an incredible amount of energy played live. What is it that you love about playing shows the most? Which are the shows you played that you will never forget and why?

    The Holy: First and foremost, we love the way our music comes alive on stage. Each of us always gives 110% of ourselves on stage. It’s cleansing and every gig is kind of a therapy session for each of us. The connection we create as a band in a live situation is something unique. All your worries and cares are forgotten for a moment.

    It’s hard to pick one particular gig, but there have been a few unforgettable moments for sure. Certainly one of the most unforgettable gigs was when the Covid restrictions were still in their final stages and we played under restricted conditions in Haldern Pop, Germany. Everyone in the audience and performers were tested for Covid and we were booked for two shows, one during the day and one in the evening. The first gig was in the middle of a field where the audience came in bike groups to watch the gig. It was weird. Huge field and maybe 100 people. Then in the evening, at our second gig in the centre of a small town, the energy of the audience somehow exploded. The originally seated audience just went wild and no longer cared about any safety restrictions and people were dancing, kissing, and hugging. It felt like being part of something very special. The atmosphere was electric and that energy was reflected to us from the audience. A great moment and a great festival.

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    „Germans are taking the music seriously.“

    Anna: Being people who enjoy live music so much, what were your top 5 favourite concerts you saw last year?

    The Holy: Zwei Last year seeing Christine and The Queens live in Flow Festival was probably the highlight show of the year. Such a boss. Also the legendary Moderat performing at the same festival was a blast. Gilla Band playing in a small cap Helsinki venue Kuudes Linja made a huge impact and was really inspiring to see in a small joint. Jonsjooel record release show in Korjaamo was a blast, and also Erki Pärnoja playing his new album “Jäljed” in Tallinn with an orchestra and visuals by Kaupo Kikkas was a wholesome experience.

    Anna: Are there any plans of touring Germany? What is your impression of German rock fans when you played here during previous festivals and tours?

    The Holy: We will be back in Germany in October! We love playing in Germany, Germans are taking the music seriously. They are REALLY into music, they buy shirts and records and are so passionate about it. It’s wonderful. And if they don’t like it, they’re not afraid to show it either. In general, the music culture in Germany is so alive and well and it seems like every little village has its own annual festival where they want the best bands to play. It’s really rare these days and it’s really something to be envied. That’s why we’re thrilled to come back:

    17. – 19.05. Beverungen, Orange Blossom Special
    21.10. Aschaffenburg, Colos Saal
    22.10. Langenberg, KGB Kultur.Güter.Bahnhof.
    23.10. Berlin, Privatclub
    25.10. Hamburg, headCRASH
    26.10. Köln, Yard Club Kantine

    Anna: For our last question we always ask for an untold story – something you’ve never shared in an interview before. Is there something you want to get off your chest now?

    The Holy: The first ever German festival we did, the whole trip took only 16 hours in total. We left Helsinki, drove to the festival site, did a quick soundcheck before the show and then played in front of a killer audience. After that we packed up, took a quick nap at the hotel and headed home. It was a good introduction to touring abroad!

    Hier könnt ihr in das neue Album Ländmark reinhören!

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    Fotocredit: Samuli Matias Vienola

  • LNA im Interview: »Ich möchte die Plattform für kreative FLINTA* Personen stetig erweitern«

    LNA im Interview: »Ich möchte die Plattform für kreative FLINTA* Personen stetig erweitern«

    Es passiert wieder einiges um LNA! Nach ihrem Namenswechsel (ihr könnt sie noch unter Elena Steri kennen), released die Musikerin aus Nürnberg im April ihre neue EP und hat davor mit uns zu ihren bisherigen Single-Releases gesprochen: von Wut-Rants über die Musikindustrie und das Patriachat zu Mental Health und den gegenseitigen Support in der FLINTA* Bubble. Lest hier unser Gespräch nach und findet raus, welche intrusiven Gedanken wir alle einmal haben und welche Indie-Band sich bisher ungemerkt in eine LNA-Produktion geschlichen hat! Und wer bis zum Ende dabei bleibt, bekommt eine persönlich kuratierte FLINTA*-Playlist – So let’s get started.


    LNA im Interview

    Anna: Hey Elena, wir treffen uns frisch im neuen Jahr, wie geht’s dir? Wie war das letzte Jahr für dich?

    LNA: Das letzte Jahr war ein bisschen entspannter für mich. Was gut war, weil ich im Jahr davor richtig viel gehustled habe und ich gemerkt habe, dass ich irgendwie ein bisschen Pause brauche, um auch neue Musik zu schreiben. Sich aktiv Zeit dafür zu nehmen für den Part, warum man das eigentlich alles macht, war voll wertvoll. Jahreswechsel sind aber immer ein bisschen weird bei mir, ich sitze immer da und überlege mir, was ich eigentlich möchte.

    Anna: Hast du Vorsätze?

    LNA: Nicht so arg, ich bin nicht so Fan von typischen Vorsätzen. Eher so generelle Sachen wie „Ich möchte mich dieses Jahr besser um mich selber kümmern“ oder sowas. Das sind so Sachen, die man erfüllen kann. Nicht so Sachen wie „Ich nehme zehn Kilo ab“, wo man nach einem Monat schon denkt „ja, na klar“ (lacht). Aber so Vorsätze, die ein bisschen mit mir selbst zu tun haben oder mit der Art, wie ich mit mir umgehen will, finde ich eigentlich immer ganz gut. Ich brauche immer ein bisschen, um mich rein zu grooven zum Anfang des Jahres, aber jetzt freue ich mich schon auf alles, was noch so passiert.


    „Alles verändert sich stetig.“

    Anna: Letztes Jahr hast du dein Debütalbum „soft trigger“ veröffentlicht. Wie hat sich der Release für dich angefühlt, ist alles so gelaufen, wie du dir das vorgestellt hast?

    LNA: Ich hatte das Gespräch mit einer Freundin neulich, und die meinte: „Ich hoffe, du erwartest nicht so viel“. Bei Releases weiß man ja momentan nie, wie die so laufen. Alles, was passiert, irgendwie cool, aber ein digitaler Release geht ja manchmal trotzdem so ein bisschen ins Nichts. Ich glaube, das Schönste daran ist es, die Songs auf der Bühne zu spielen und zu sehen, dass da so ein direktes Feedback kommt. Leute, die nach einer Show zu einem kommen und sagen, dass sie das voll berührt hat oder sowas. Ich finde, das ist immer die schönste Resonanz, die man kriegen kann.

    Anna: „soft trigger“ ist in meinen Augen ein sehr starkes Debüt! Amelie hatte dich zum Vorab-Single-Release von „reset“ im Interview, wo ihr u.a. auch darüber geredet habt, wie organisch sich dein Songwriting und Producing im Laufe deiner Karriere entwickelt hat. Wie war der Prozess für dich rückblickend, dir das alles selbst beizubringen?

    LNA: Ich glaube, „überraschend“ ist das Wort (lacht). Und „intuitiv“. Am Anfang hab ich mir nicht überlegt, wo ich eigentlich hinwill, sondern hab einfach das gemacht, was sich richtig anfühlt. Dann kamen aber auch viele Leute von der Seite, die einem versuchen, zu sagen, wie man zu sein hat und wie man sich besser vermarken kann. Ich versuche natürlich auf konstruktive Kritik zu hören, aber auch bei mir selbst zu bleiben. Am Ende des Tages soll es sich für mich richtig anfühlen. Ich bin schon auch stolz auf den Weg und darauf, dass ich mir das alles selber beigebracht habe. Jetzt komme ich so langsam an dem Punkt an, wo ich die Musik mache, die ich eigentlich schon immer machen wollte. Und ich freu mich einfach, weiterzuarbeiten und zu schauen, was noch so passiert. Alles verändert sich, glaub ich, stetig. Vielleicht gehe ich auch irgendwann wieder zurück zu soften Tönen.

    Anna: Vermisst du manchmal deine Ukulele?

    LNA: Die Ukulele nicht (lacht). Das war schon krass, da wurde ich sehr drauf reduziert und irgendwie war das nicht gut für mich. Weil die Leute mich nur als sehr süß wahrgenommen haben, und das ging mir ein bisschen gegen den Strich, muss ich sagen. Es liegt vielleicht auch daran, wie das Instrument konnotiert ist, und dass ich ne kleine Frau bin, von außen betrachtet. Aber ja, mir fehlen schon manchmal so softere Sachen. Ich hab schon auch wieder an Musik gearbeitet, die wieder einen softeren Touch hat. Die, die jetzt gerade rauskommt, ist ja sehr elektronisch und schon auch sehr bold! Aber es ist halt nur eine Seite.


    „Die Musikindustrie macht Babysteps.“

    Anna: Ich hab auch den Eindruck, dass deine Musik ist direkter geworden ist, sich stark nach vorne entwickelt hat und auch in ihrem ganzen Ausdruck ein wenig konfrontierender geworden ist. Ich möchte nach „BOYS CLUB“ und „WANT WANT“ irgendwas abreißen.

    LNA (lacht): So war’s auch!

    Anna: Kam das auch aus dieser Stimmung?

    LNA: Voll! Ich habe letztes Jahr einfach gemerkt, wie viel Wut ich auch in mir hatte. Gerade auch darauf, wie die Zustände in der Gesellschaft sind, aber auch in der Industrie. Und irgendwie musst ich dem mal kurz Luft machen, deswegen sind die Songs auch so konfrontierend. Das war quasi mein Transportmedium für meine Gefühle. Es ist immer bisschen die Zeit, in der man die Songs schreibt, die man damit festhält. Es sind Momentaufnahmen.

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    Anna: Wie würdest du deinen Beziehungsstatus zur Musikindustrie beschreiben? Wie viel Arbeit hat sie noch vor sich?

    LNA: Schon viel (lacht). Ich würde sagen, es sind Babysteps, die gerade passieren. Ich hoffe einfach, dass ich irgendwann nicht mehr in Interviews darüber reden muss, wie es ist, als FLINTA* Person in der Musikindustrie zu sein. Es passiert schon viel, aber es ist immer halt ein Trend und keine nachhaltige Veränderung. Wir müssen alle daran arbeiten, dass es eine wird. Ich freue mich gerade schon über alles, was passiert, aber ich sehe auch ein bisschen die Gefahr, dass dann wieder was anderes kommt, und es wieder hintergründig wird. Ich versuche einfach so hoffnungsvoll wie möglich meinen Teil dazu beizutragen.

    Marc von LOKI hat mal gesagt, dass in der Musikindustrie oft das Wort „Industrie“ größer geschrieben wird als das Wort „Musik“. Das war ein Satz, den sehr bezeichnend fand. Ich meine, wenn man mal überlegt, wo Musik überall auftaucht, kann man ja nicht davon ausgehen, dass da kein Geld dranhängt. Es ist eine riesige Industrie, wo Leute auch nur ihr Geld verdienen wollen, und aus Artists Profit schlagen. Das sieht man ja auch gerade bei so Plattformen wie Tik Tok extrem. Dass dann Leute einen Song haben, der viral geht, und dann sofort gesigned werden, weil die großen Labels denken, das hat hohes Potential, da müssen wir nicht mehr niemand mehr aufbauen, das hat die schon gemacht!

    Anna: Geht da dann nicht auch der Wert der Musik ein wenig verloren?

    LNA: Ja, aber ich glaube auch, dass so Plattformen, gerade Tik Tok, auch eine große Chance sind, weil da auch wirklich viele gute Artists unterwegs sind, die man vielleicht sonst nie gefunden hätte. Ich habe auch schon Leute auf Konzerten gehabt, die mich über Tik Tok gefunden haben. Es gibt also auch sehr viele gute Seiten. Die schlechte Seite ist, dass es eine Kurzlebigkeit fördert. Das ist schon auch alles ein großer Teil vom Problem. Dass Musik oft nur noch in diesem Teil der Branche geschrieben wird nach dem Kriterium: wie könnte das viral gehen oder wie könnten das möglichst viele Leute gut finden? Ich glaube, da muss ein bisschen aufpassen, dass man sich nicht selbst verliert.


    „Gegenseitiger Support ist der größte, den man geben kann.“

    Anna: Du bist ja aus diesem Grund auch wahnsinnig aktiv in Kollaborationen und Zusammenarbeit mit FLINTA* Personen aus der Musikindustrie. Was ist etwas, was du daraus am meisten mitnimmst?

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    LNA: Ich merke, dass der gegenseitige Support der größte ist, den man sich geben kann. Und auch, dass ein anderes Verständnis für Themen da ist. Ich muss da nicht 1000 Jahre erklären, dass ich meine Tage habe und was das mit mir macht in meinem Kopf, wenn ich halt mehr von Hormonen gesteuert bin als von meinem gesunden Menschenverstand (lacht). Das können einfach Personen viel besser verstehen, die davon selbst betroffen sind. Es ist manchmal eine Erleichterung, zu wissen, ich muss es jetzt nicht großartig erklären, und ich werde auch nicht potentiell komisch von der Seite angeschaut. Es gibt sowieso weniger Plattformen für kreative FLINTA* Personen und ich möchte diese Plattform erweitern. Man hilft sich halt gegenseitig, und das finde ich ein gutes Prinzip. Einfach mal zu schauen, was es noch gibt, bevor man den erstbesten Typ nimmt, der am lautesten „Hier!“ schreit.

    Anna: Daraus entstehen ja auch so viele schöne Sachen.

    LNA: Voll! Ich sag dann eben zu dem Typen „cool, dass du dich meldest, aber ich warte jetzt nochmal noch ein bisschen ab“. Weil ich aus Erfahrung weiß, dass sich manche FLINTA* Personen oft auch nicht auf Anhieb trauen zu schreiben oder noch einen Moment brauchen, um darüber nachzudenken. Deshalb warte ich dann immer noch ab, und da haben sich halt einfach schon so coole Sachen ergeben! Ich hätte ganz sicher meine Bassistin zum Beispiel auch nicht in der Band, wenn ich nicht abgewartet hätte. Deshalb ist es manchmal nicht so verkehrt, mal kurz noch die Füße still zu halten und zu schauen, was noch passiert. Es kommen auch Leute auf mich zu, die fragen „Hey, kennst du eine FLINTA* Person in dem und dem Bereich?“ und inzwischen hab ich mir ein Netzwerk aufgebaut und kann halt sagen, “Ja, frag doch mal die!“

    „Wenn ich jetzt die Treppe runterfalle, muss ich dann morgen zur Arbeit?“

    Anna: Deine nächste Single hat ein noch geheimes Feature – was kannst du uns über den Song verraten?

    LNA: Der Song heißt „MANIC„, ich hab ihn mit MADANII geschrieben, die als Feature auf dem Song ist. Es geht darum, dass man manchmal zu lang seine Emotionen in sich behält und die dann rausbrechen in Form von impulsiven Gedanken. Irgendein extremer Haarschnitt zum Beispiel oder wenn Arbeit viel zu stressig ist und man sich fragt „wenn ich jetzt die Treppe runterfalle, muss ich dann morgen arbeiten?“ (lacht). Es geht sehr viel um Impulsivität und darum, dass man manchmal diesen Gedanken nachgibt. Ich hatte damit früher selbst zu kämpfen, weil es mir lange psychisch sehr schlecht ging als Teenager, und ich die Gedanken auch in dem Ausmaß hatte, die sehr ungesund waren. Deswegen haben wir auch zu dem Song ein Video gedreht, in dem es quasi immer zwei Szenarien gibt: einmal die Situation, in der man sich normal verhält, und dann die Situation, in der man den Gedanken nachgibt.

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    Anna: Weil ich es manchmal selbst verwechsle, was ist der Unterschied zwischen impulsiven und intrusiven Gedanken?

    LNA: Impulsive Gedanken sind das, was ich gerade beschrieben habe, und intrusive thoughts sind schädigende Verhaltensweisen. Im Video gibt es eine Sequenz, wo ich eine Tablette nehme, und dann eine Sequenz, wo ich mir die ganze Flasche in dem Mund kippe. Da muss man natürlich ein bisschen unterscheiden. Aber der Übergang ist voll oft fließend, wenn es einem schlecht geht. Und davon erzählt der Song. Ich hatte das letztes Jahr oft, dass Leute gesagt haben „wow, bei dir läuft es ja voll gut!“ und ich voll oft die Hemmschwelle hatte, zu sagen, „ja, mir geht es aber gar nicht so gut“. Paula Carolina hat ja auch einen Song („Offiziell Glücklich“), in dem es darum geht. „MANIC“ erzählt diese Geschichte weiter. Vor allem, was passiert, wenn sich das zu lange alles aufstaut und man nichts dagegen macht, um diese Anspannung irgendwie aufzulösen.

    Anna: Das hört sich nach einem sehr schweren Thema an, aber auch als hätte der Musikvideodreh sehr viel Spaß gemacht.

    LNA: Er hat sehr viel Spaß gemacht (lacht)! Auch diese ganzen Sachen, wo man immer so denkt „das kann ich jetzt nicht machen“, wie einen Feueralarm auslösen, ne Torte mit den bloßen Händen essen, so was. Ich hatte sehr Bock, das einfach mal auszuleben, das hat schon auch gutgetan! Der Song zeigt das auch musikalisch ganz gut, er explodiert am Ende noch mal so ein bisschen. Er ist ein sehr gutes musikalisches Abbild davon, wie ich es sich in meinem Kopf angehört hat in der Situation. Das mag ich an dem.

    „Die Energie, die die Songs haben, pusht anders.“

    Anna: Wenn du schon beim Teasern bist: kannst du was über deine EP im April verraten?

    LNA: Zwei von den Songs, die noch rauskommen, hab ich komplett selbst produziert, deswegen freue ich mich sehr, dass sie rauskommen. Es gibt noch einen sehr feministischen Song, der im März veröffentlicht wird, auf den ich mich auch sehr freue. Ich hab das Gefühl, die EP ist wie ein Gateway in die nächste Phase, wo es einfach tanzbarer wird. Die Energie, die die Songs haben, pusht irgendwie anders. Ich hab auch zum ersten Mal über Queerness in meiner Musik gesprochen, was auch ein step war, weil ich da sehr lange drüber nachgedacht habe, ob ich das machen soll oder nicht.

    Anna: Warum?

    LNA: Weil ich so ein bisschen Bedenken hatte. Ich glaube, ein paar queere Musiker*innen um mich rum haben das auch. Dass wenn man so Themen wie Queerness in der Musik behandelt, man dann nicht mehr als Artist, der queer ist, gesehen wird, sondern als queer Artist.

    Anna: Wie so eine Schublade, in die man dich dann packt?

    LNA: Genau. Und während ich voll respektiere, wenn Leute das aktiv machen und es auch mega wichtig ist, seh ich mich da selbst nicht so. Und weil es schon auch damit verbunden ist, dass man einfach damit rechnen muss, dass da Gegenwind kommt von Leuten, die das nicht verstehen und nicht respektieren. Man setzt sich auch ein bisschen dem Risiko aus, dass man Hate dafür abkriegt. Deswegen sind die Songs für mich auch eine mutige Entscheidung gewesen. Sie sind stellenweise deutlich näher an mir dran als das Album, weil da einfach viel mehr ist, was ich selbst gemacht habe. Deswegen bin ich sehr gespannt, was passiert, und wie die Tour dazu läuft.

    „Ich freu mich, wenn die Shows Teil von etwas Größerem werden.“

    Anna: Du sprichst es an: im April bist du auf Tour! Aber nicht alleine sondern mit deiner CLIQUE – was genau können wir uns darunter vorstellen?

    LNA: Wir haben uns sehr lange überlegt, wie wir die Release Shows machen wollen. Kurz vor der Pandemie hatte ich schon mal ein Projekt, das hieß „Songs from Her(e)“, wo ich mit vier anderen Musikerinnen Konzerte gespielt habe. Ich mochte das Konzept mega gerne und dachte mir, ich möchte sowas noch mal machen! Und weil so viele FLINTA*Personen an dem Entstehungsprozess der EP beteiligt waren, wollte ich das auch auf der Bühne spiegeln, und so sind wir auf die CLIQUE Sache gekommen. Weil wie cool wäre das eigentlich, wenn so pro Stadt einfach auch noch drei andere Acts spielen und die Leute einfach zur Show kommen und Musik entdecken? Parallel sind dann die BANDE-Shows aufgeploppt…

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    Anna: Die hatte ich auch gerade im Kopf.

    LNA: Ja genau. Ich hab auch mit Selina gesprochen und sie meinte „Je mehr, desto besser!“ und ich glaube auch nicht, dass sowas irgendwie konkurrieren müsste. Und deswegen kann man auch auf unseren Shows neue FLINTA*Acts entdecken, auch welche, die vielleicht noch bisschen unbekannter sind. Es wird eine sehr bunte Mischung! Es gibt auch immer einen lokalen special guest, jede Show wird anders werden, und das finde ich auch ganz besonders. Ich freue mich, wenn das ein Teil von was ein bisschen Größerem ist, was vielleicht ein paar Wellen schlägt, und wenn man sich gegenseitig supportet. Das ist so ein bisschen die Idee hinter den Shows gewesen.

    Anna: Du kennst es bereits, unsere letzte Frage ist immer eine untold story. Gibt es Anekdoten zur Entstehung der Songs oder anderes, das du mit uns hier teilen möchtest? 

    LNA: (schmunzelnd wissend) Lass mich kurz überlegen.

    Okay, ich erzähle euch was zu „DOUBLE CHECK“. Ich hab „DOUBLE CHECK“ auf dem Weg vom Zahnarzt geschrieben, innerhalb von 10 Minuten. Es gibt 20 Memos auf meinem Handy, wo ich versucht habe, die Bassline einzusingen, wo man aber eigentlich nichts versteht (lacht). Und dann lag das ein Jahr rum bis ich beim Bandpool an der Popakademie war. Dort hab ich JISKA kennengelernt, ich hab sie gesehen und sofort wieder an den Song gedacht. Sie ist einfach der Inbegriff von Unbekümmertheit, da haben sie sich Teile ineinandergefügt. Ich glaube, ich hätte den Song ohne sie gar nicht fertig gemacht. Es gibt eine Stelle im Song, da wird von einem Background Chor „backyard“ eingeschrien, und weil wir gerade im selben Studio wie NEEVE waren, haben die das mit uns eingeschrien.  Sie sind also das eigentliche Secret Feature auf der EP (lacht)!

    Anna: Und bekommen hier nun auch ihren verdienten Credit!

    Ebenfalls einen Haufen verdienter Credits bekommt die FLINTA* force collection, kuratiert von niemand anderen als LNA selbst! Let’s keep on supporting each other, oder?

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    Fotocredit: Annika Yanura

  • EKKSTACY im Interview: „I think TikTok is cringey but it shows people music they wouldn’t have found otherwise“

    EKKSTACY im Interview: „I think TikTok is cringey but it shows people music they wouldn’t have found otherwise“

    Am 19.01. startete das Jahr mit einem bemerkenswertem Album Release: Eine ordentliche Portion Post-Punk, eine Prise Lil Peep, Shoegaze-Momente und auffällige Surf-Rock Inspirationen kombiniert mit ungefilterten Lyrics warten darauf von nun an Millionen Hörer*innen zu begeistern. Der Anfang 20 jährige kanadische Musiker EKKSTACY veröffentlichte hiermit sein neues, selbstbetiteltes Album mit 13 Tracks, die direkt in’s Ohr gehen – und bleiben. In seinen Songs thematisiert er häufig Einsamkeit, Enttäuschung und Trauer. An seiner Breakout-Single i walk this earth all by myself, die vor allem durch TikTok Bekanntheit erlangte, kam man zumindest unbewusst nicht vorbei, wenn man Zeit im Internet verbringt. Über 4 Millionen monatliche Spotify Hörer*innen, ausverkaufte Shows, große Festivalnamen, GQ Coverstar und zu den Billboard Magazin „21 Under 21“ gehört er auch schon. Aber wer ist der Typ mit den düsteren Texten und den markanten Tattoos überhaupt? An einem Montagmorgen waren wir beide zum Telefonieren verabredet, um der Antwort etwas näher zu kommen.

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    „I just wanna die, I just wanna kill myself, I don’t give a fuck about anyone else“, schreit EKKSTACY auf seinem Album-Vorgänger misery in die Welt heraus. Er kreiert einen Sound, der bei einer breiten Masse funktioniert, im Kern aber für die nischigen, ehemaligen Außenseiter-Kids oder die, die es noch sind, einsteht. Wie besorgniserregend seine Texte meistens auch sein mögen: Sein Sound und seine mühelose Art sie zu singen, verleihen den Songs zeitgleich ihre angenehme, leichte Art. So, als müsste der junge Kanadier kaum etwas dafür tun. So, als würden die Songs in ihm bereit liegen und er sie nur noch rauslassen müsste. Oder ist das vielleicht sogar so?

    Das Album und die Liveshows

    Auf meine Frage, wie er sein neues Album in nur drei Wörtern beschreiben würde, entgegnet er nach kurzem Grübeln bescheiden mit: „Amazing, short and black“. Wieso er das Album selbstbetitelt hat, scheint er selbst nicht genau zu wissen. Ich sage ihm, dass der Titel meiner Ansicht nach gut passt, weil er seine Essenz und seinen entwickelten Sound auf den Punkt bringt und aussagt: That’s who I am. „Oh hey, here we go! Nice, that sounds good“, lautet seine Antwort auf meine Annahme. Als ich ihn nach einem Konzept oder roten Faden frage, auf dem das Album basiert, antwortet er zunächst: „No, that’s why this Album is kind of weird, because there isn’t a theme at all. It’s kind of just all over the place.“ Ich entgegne, dass das für das Album perfekt aufzugehen scheint. „Thanks! Yeah, that’s what people keep saying to me, it just seems to work out. I’m glad about it.“

    Außerdem interessiere ich mich für seinen persönlichen Lieblingssong auf dem Album. Stacy überlegt und entscheidet sich zögernd für goo lagoon. „This song just makes me happy. Usually my music doesn’t make me happy.“ Verständlich, denn zwischen seinen normalerweise sehr dunklen Songs, glitzert goo lagoon als potentieller Alternative-Summer-Hit und vermittelt eine ähnliche Stimmung wie Lets Go Surfing von The Drums. Meine Assoziation schien passend, denn sein Song sei dadurch entstanden, dass er oft und gerne surfen geht.

    Nachdem er über seinen Albumprozess kurz nachdenkt, spricht er frei heraus: „I honestly don’t know how I’m feeling about any of these songs. I don’t even know what I was doing yesterday.“ Irgendwie freue ich mich heimlich darüber, dass wir an diesem Montagmorgen beide etwas verpeilt klingen und ich zu keinem Moment das Gefühl habe, mit einem Hype-Star zu sprechen, der sich selbst bloß gut vermarkten will. Im Gegenteil, er scheint einfach ein netter, ziemlich unsicherer Typ zu sein, der gerade ein Stück Musik veröffentlicht hat, auf das er halt irgendwann Bock hatte. Good for him – and for us.

    Später fügt er hinzu, dass das Album während er auf „never ending Tour“ war, entstanden ist. Hier und da unterwegs und im Hotel was geschrieben, von den vielen neuen Orten und dem Lifestyle inspiriert. Das sei der bedeutende Unterschied zu den vorherigen Alben gewesen, bei dessen Entstehung er nur in Vancouver rumsaß, erklärt er. Es ist also anzunehmen, dass der treibende Sound des Albums auch seine Live und Tour Erfahrungen reflektiert. Also eigentlich doch ein unbeabsichtigtes Konzept? Die verarbeitete Live-Ekstase spiegelt sich auch in seinen neusten Musikvideos im DIY-Tourvlog Style wider.

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    Für die Antwort, wo es am besten ist, Konzerte zu spielen, muss er nicht überlegen: „Germany or L.A.“ Auch ich habe im vergangenen Jahr EKKSTACY und seine Band live auf einem Festival spielen gesehen und war total positiv überrascht davon, wie viel energischer, schneller und mehr nach Pop Punk die Songs in ihrer Live Version klingen. Die ganze Show lang hatte er die Augen geschlossen, kaum etwas angesagt, aber dafür 100% Energie und top Sound abgeliefert. „I love playing live more than most other things. When I first started playing live, I was so bored because the songs were so soft. So I thought I had to figure out how to make it more fun. We kinda just been figuring it out over time and played so many shows since then“, erklärt Stacy. „Two years ago my shit was really awful live. So I practiced and also started making songs that would perform better. Because I haven’t even thought about that before.“ Sein vorheriges Album misery sei nur aus der Intention heraus es live zu spielen entstanden. „That’s all I had in mind, meanwhile it was just me, depressed in my room.“

    The Best of Both Worlds

    Ich frage Stacy, wie es für ihn war mit Trippie Redd und The Kid LAROI Features aufzunehmen. „Working with Trippie was so cool, I flew to Miami and we made the song together in person“, erzählt er. Er selbst sei großer Fan des Rappers. „LAROI was also cool, although we didn’t make the song in the same room. But we’ve hung out a couple of times and talked about it before.“ Weiter will ich wissen, mit wem er sonst noch in Zukunft gerne ein Feature hätte. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, bekomme ich Indie-Lieblinge Beach House als Antwort geliefert. „They’re currently my favorite band and inspiring me right now.“

    Außerdem stellen wir fest, dass wir beide sehr in der (Midwest) Emo und Pop Punk Szene verwurzelt sind. Joyce Manor und Title Fight seien seine Lieblingsbands aus der Richtung und auch ich kann das gut nachvollziehen, während ich gleichzeitig ein altes Title Fight Shirt unter meinem Pullover anhabe. Aber als wir über seine musikalischen Anfänge sprechen, erzählt er, dass er in der Schulzeit zunächst damit begonnen hat Rap-Beats zu bauen, was man in seinen aller ersten Releases deutlich hört. „I was a little too shy to sing and everyone in school was making SoundCloud Rap at that time. My best friend was kinda doing it well. He showed me how to do it and I thought: I could do this better than you. That was in 2018.“

    EKKSTACY begeistert auch heute noch die SoundCloud-Rap-Schiene der Doomscroller, streut aber Punk-Attitüde hinein und bietet das typische Emo-Verständnis für seelische Schmerzen an. Ein Musiker, der sowohl US Hype-Rapper Trippie Redd auf sein aktuelles Album holt, als auch auf dem Emo-Revival When We Where Young Festival in Las Vegas neben Blink-182, Green Day und Good Charlotte auftritt. Damit kombiniert er verschiedene Seiten so mühelos und ohne dabei prätentiös zu wirken, als seien sie nie auseinander gewesen. Irgendwie scheint es symbolisch, dass das Wort „LOVE“ in kyrillischen Buchstaben unübersehbar seinen Oberkörper ziert, während ihm wortwörtlich „MISERY“ auf der Stirn geschrieben steht. Er als Künstler, seine Musik und seine Fanbase sind eine Kombination aus Vielem.

    Auf dem Album sticht ein Song für mich besonders mit seinem schweren, episch klingenden Sound heraus: the headless horseman lost his way. Dazu entgegnet Stacy: „I just wanted to see if I could do something like that. At first I wasn’t sure if this song was good enough. I sent it to one of my friends who usually doesn’t care about any of my songs and he was like freaking out about it. That’s why I went and finished it.“ Auf mein „So you CAN do it“, lacht er schüchtern: „Yeah, I can.“

    Natürlich konnte ich es nicht lassen nachzufragen, was er von der viralen Song Culture auf TikTok hält, die schließlich auch zu der Popularität seiner Musik geführt hat, worauf hin er „I think it’s great!“ entgegnet. Zugegebenermaßen etwas voreingenommen, erwartete ich eine negativ ausfallende Antwort, von dem scheinbar super edgy, alternativen Typen. „I think TikTok is cringey but it shows people music they wouldn’t have found otherwise. People who hate TikTok are stupid. They don’t understand what it’s doing. There’s so much music that’s huge because of it. Random bands from the 80s and the 90s that nobody would be talking about anymore are getting popular again. You know, some random kid makes a video with their song and now they’re touring again. That is so cool. I mean I won’t be on there posting fucking dances but it’s a cool concept.“ Ich erwähne sofort Surf Curse, die fast 10 Jahre nach eigentlichem Release von ihrem Song Freaks viral gingen und deutlich mehr Fans dazu gewannen. „Exactly, people don’t see that. Surf Curse is a good example“, fügt Stacy hinzu.

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    Von hoher Bedeutung

    Folgende seiner Antworten ist, ohne sie erklären zu müssen, sehr präsent in meinem Kopf verblieben:

    „What would you be doing if you hadn’t become a musician?“ – „Probably die.“

    Ich erzähle ihm, wie mir aufgefallen ist, dass in den Kommentaren von seinen Videos und Posts sehr häufig steht, wie viel seine Musik auch den Hörer*innen bedeutet und wie sie ihnen durch schwere Zeiten hilft. Stacy scheint das nicht wirklich bewusst zu sein. Etwas durcheinander sagt er: „I don’t ever look at comments to be honest. That’s kinda too much to process, it’s impossible to take that in. There are so many comments and so many people, it doesn’t feel real.“ In der Ära des Internets, in der alle nach „relatable Content“ suchen, stößt man eben auf die Identifikationsfigur EKKSTACY, auch wenn er selbst davon überfordert wirkt. Obwohl man nicht besonders viel von seiner Persönlichkeit in der Öffentlichkeit mitbekommt, außer random Memes in seiner Instagram Story, scheint man durch seine Songs einen extrem intimen Einblick in seine Gedankenwelt zu erlangen. Dazu, ob es für ihn einfach ist, so offen über seine Emotionen in seinen Songs zu schreiben, sagt er erstaunlich sicher: „Yeah, that’s easy. That’s how I always wrote. It’s harder for me to write otherwise.“

    Zuletzt frage ich ihn noch, in was für einem bereits existierenden Film seine Musik der Soundtrack wäre. Enthusiastisch antwortet Stacy mit „Good Will Hunting“, der sein absoluter Lieblingsfilm sei. Das erscheint mir plausibel, denn vermutlich ergeben sich Parallelen zwischen EKKSTACY und dem 20 jährigen Protagonisten, der sich im Film seiner mentalen Verfassung und seiner traumatisch belasteter Vergangenheit stellen muss, um sein Leben auf die Reihe zu kriegen.

    Stacy ist wie erwartet kein besonders gesprächiger Mensch in unserem Telefonat. Ob er bescheiden, schüchtern oder es ihm einfach egal ist, konnte nicht ganz entziffern. Aber das ist auch nicht wichtig. Der Fokus liegt auf seiner authentischen Musik, die er will und offensichtlich selbst braucht und eben das trifft den Nerv der Zeit und die Herzen einer jungen Generation. Er ist selbst ein sehr junger Mensch, der Berichten, Schätzungen und eigenen Aussagen zu Folge schon sehr viele Tiefen in seinem Leben erfahren hat. Und genau das in Lyrics verbreitet, die so zugänglich und verständlich geschrieben sind, dass sie unabhängig von individuellen Erfahrungen Trost und Empathie bieten können. Zwar bieten seine Lyrics keine positive Hoffnung und keinen Ausweg aus dem schmerzvollen Zustand an, dafür aber einen willkommenen Ort sich zusammen darin einsam zu fühlen.

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    Foto Credits: (1 & 4) Jason Nocito, (2 & 3) Gilbert Trejo

  • Willow Parlo im Interview: »Das Ziel war, ihm einen Song zu widmen, den er selber gerne gemocht hätte«

    Willow Parlo im Interview: »Das Ziel war, ihm einen Song zu widmen, den er selber gerne gemocht hätte«

    Musik, voller Leichtigkeit, Hoffnung und träumerischer Nostalgie, die dir hilft loszulassen und ein Gefühl von Wärme schenkt: So klingen die Songs von Willow Parlo. Die Band aus Hamburg veröffentlichte mit „Silver Screens“ im vergangenen Jahr ihren ersten Song und landete damit direkt auf dem Radar aller Indie-Newcomer*innen-Liebhaber*innen. Jetzt legen die vier Musiker nach und veröffentlichen am 8. Dezember ihre nächste EP „See U Whenever„. Warum diese so anders klingt als die erste EP, was die Band inspiriert hat und warum „My Fathers Eyes“ der persönlichste Song – der Lieblingssong der Band – ist, verraten sie im Interview.

    Willow Parlo im Interview

    Anna: Hi,schön, dass ihr die Zeit gefunden habt, euch mit mir zu treffen. Möchtet ihr euch zu Beginn einfach alle einmal vorstellen?

    Noemi: Ich bin Noemi. Ich spiele Gitarre und singe.

    Jan: ich bin Jan und ich spiele Schlagzeug.

    Björn: Ich bin Björn und ich spiele Bass.

    Marco: Ich bin Marco und ich spiele die Ukulele. Nein, Quatsch, die Gitarre.

    Anna: Perfekt, danke! Wie geht es euch?

    Noemi: Also mir geht es, uns geht es gut. Wir sind gerade in den Vorbereitungen für unsere Veröffentlichung. Deswegen gibt es viel zu tun und wir haben auch noch ein paar Konzerte vor uns. Deswegen geht alles gerade ein bisschen drunter und rüber, aber es ist auch irgendwie aufregend und wir freuen uns auch noch darauf, was kommt bis Ende des Jahres.

    Wie aus ein paar Demos eine Band wurde

    Anna: Jetzt würde ich gerne nochmal ganz vorne anfangen, weil es euch als Band in dieser Konstellation erst seit anderthalb Jahren gibt. Wie kam es – wie ist Willow Parlo entstanden?

    Jan: Gute Frage. Eigentlich hat es ja mit euch beiden, also mit Noemi und Marco angefangen, die so zusammen irgendwie so Demos geschrieben haben. Erstmal eigentlich ohne so ganz konkretes Ziel oder auch so ein Band-Konstrukt im Hinterkopf. Und dann sind Björn und ich dazu gekommen und dann hat sich das irgendwie immer mehr so verfestigt. Gerade in der Zeit der Pandemie haben wir dann einfach viel Zeit gehabt, uns irgendwie so mit der Musik auseinanderzusetzen und da irgendwie konkretere Songs zu schreiben. Dann hat sich einfach ein konkreteres Bild entwickelt. Und da sind auch die Songs der ersten EP entstanden, die wir dann auch in der Corona Zeit aufgenommen haben.

    Anna: Die nächste Frage stelle ich nur noch super selten und ihr könnt gerne sagen, wenn ihr sie nicht beantworten wollt.

    Marco: Ich weiß, welche Frage kommt: Wie wir auf unseren Namen gekommen sind – richtig?

    Anna: Genau! Ich stelle die Frage eigentlich nur noch selten, aber heute dachte ich mir zur Abwechslung mal: Warum eigentlich nicht!

    Noemi: Ja, in letzter Zeit wurde ich das witzigerweise öfter mal gefragt und dann hat mir irgendjemand danach mal gesagt, dass die Story eigentlich  total langweilig ist. Also sollte ich es vielleicht doch nicht erzählen.

    Anna: Ach Quatsch, das ist ja alles Ansichtssache.

    Noemi: Also wir haben ja eine ganz romantische Geschichte: unsere romantische Version ist, dass wir uns in der Corona-Zeit, weil man sich nicht drinnen privat treffen durfte, draußen im Park unter einer Weide getroffen haben und „geparled“ haben. (lacht) Also von dem italienischen Wort parlo – das heißt sprechen … und Willow Parlo dadurch entstanden ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch irgendwie einfach ein Eigenname, was so ein bisschen das Ziel war in der Namensfindung. Ich persönlich fand es schön, wenn er aus zwei Teilen besteht und dass man mehr hineininterpretieren kann. Es könnte eine Person sein oder auch eine Band – man weiß es nicht.

    Jan: Ganz genau. Ich kann mich auch noch erinnern, dass wir noch was gesucht haben, wo man noch nicht so direkte Assoziationen mit hat. Irgendwie ein Wort, wo man merkt, das könnte vielleicht in die und die Richtung gehen, sondern dass man halt irgendwas findet, wo man sich seine eigenen Assoziationen zu herstellen kann. Es ist auch ein gewolltes Spiel damit, ob nicht Noemi als Sängerin vielleicht auch Willow Parlo sein könnte – also Willow Parlo als Person.

    Björn: Bei Autovermietungen sind wir auch schon bekannt als Herr Parlo, Herr Willow Parlo. (lacht)

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    Anna: Ich finde das jetzt gar nicht so langweilig! Wenn wir jetzt mal zurückblicken auf euren ersten Release zu „Silver Screens“ – wie fühlt ihr euch jetzt damit? Wie blickt ihr jetzt auf die Zeit zurück?

    Jan: Ich fand es wahnsinnig spannend, weil das ja das erste Mal war, dass wir mit der Musik, die wir gemacht haben, an die Öffentlichkeit gegangen sind. Das war eigentlich wie eine Geburt, weil vorher haben wir zwar für uns diese Musik gemacht, aber es kannte keiner, es wusste keiner davon. Und das war dann halt so dieses, dieses Heraustreten an die Welt da draußen. Und ich weiß, dass es irgendwie wahnsinnig spannend war und aufregend. Wir wussten halt irgendwie nicht, was zurückkommt, ob die Leute es gut finden, ob sie es schlecht finden.

    Marco: Ich finde jetzt auch retrospektiv betrachtet, haben wir ganz schön lange an den Sachen rumgeschraubt, bis sie dann so geworden sind, wie sie jetzt sind. Und es hat uns schon recht lange auch begleitet. Wie du sagst, das war wie so eine Geburt. Deshalb war es für mich persönlich einfach total erleichternd. Wir können da jetzt nicht mehr noch neue Gitarren aufnehmen, können da nicht mehr neue Spuren aufnehmen, können am Mix nichts mehr ändern. Das steht jetzt einfach so.

    Warum es zwei Versionen von „Silver Screens“ gibt

    Anna: Aber ihr habt ja auch zwei Versionen von dem Song, also die Single Version und die EP Version. Was steckt dahinter? Wart ihr euch nicht einig?

    Jan: Das war einfach nur so ein Zeit Ding, weil das Label dann meinte, dass gerade über Streaming Services besser läuft und sogar im Radio, wo der Song halt irgendwie auch erstaunlich gut gespielt wurde. Ich glaube die EP Version ist vier Minuten fünfzig oder so, also geht fast an die fünf Minuten – und das ist blöd gesagt einfach zu lang.

    Noemi: Aber wir hängen halt so daran.

    Björn: Also der Tipp von uns ist: Die lange Version ist der Song!

    Noemi: Für mich fehlt auch textlich irgendwie bei der verkürzten Version ein wichtiger Teil der Aussage.

    Björn: Würden wir das nochmal machen? Zwei Versionen von einem Song?

    Noemi: Nee, ich glaube irgendwie nicht.

    Marco: Nee. Entweder man sagt so „Scheiß drauf“, dann ist der halt so lange wie er lang wird oder man lässt es.

    Noemi: Und wir hatten auch einfach wenig Ahnung, wie man es jetzt richtig macht. Da nimmt man natürlich auch Tipps an und versucht es überhaupt erstmal hinzubekommen. Und es bestimmt auch ganz gut in dem Fall als erstes so eine Version, die leichter verdaulich ist, rauszuhauen als erstes Hallo.

    Anna: Wenn ihr eurer Musik ein Genre-Label aufsetzen müsstet, welches wäre das?

    Noemi: Ich finde es hat sich ein bisschen verändert. Am Anfang wurden wir voll in den Dream Pop eingeordert. Bei dem was jetzt kommt ist es aber nicht mehr ganz so richtig. Ich finde Dream Pop ist schon wirklich sehr speziell. Den hört man raus und wenn der wegfällt, dann kann man sich eigentlich auch nicht mehr als Dream Pop Band bezeichnen. Und ich finde mittlerweile ist es eher: Dreamy melodic indie Pop mit so amerikanischer Rockmusik – also Einflüssen davon. Aber ich finde, dass es eigentlich keine so super spezielle Genre Bezeichnungen braucht dafür, sondern ein Mischmasch ist.

    Anna: Eure erste EP kommt sehr verträumt und eher langsam daher. Im Gegensatz dazu steht für mich ein bisschen die zweite, kommende EP. Die Songs sind eher uplifting und irgendwie lauter. Welche Entwicklung steckt bei euch dahinter, dass das jetzt so ein Unterschied war?

    Jan: Ich glaube, der große Unterschied war, dass die erste EP ein bisschen jammiger entstanden ist. Da haben wir einfach viel Zeit im Proberaum verbracht und haben diese Songs gemeinsam gespielt und entwickelt. Und jetzt bei dieser neuen EP ist es irgendwie ein bisschen konzeptioneller. Zumindest wollten wir etwas schaffen, dass den Kern des Ganzen trifft und halt nicht mehr so rumschweifen und das einfach so ein bisschen konkreter gestalten. Also sowohl die Texte als auch die Musik ist alles ein Hauch konkreter.

    Noemi: Aber in erster Linie hängt es ja auch damit zusammen, dass man in der Anfangszeit einfach wirklich seinen Sound finden musste – es klingt klischeehaft, aber so ist es. Und ich glaube, dass mit der Zeit auch einfach mehr Selbstbewusstsein dazu kommt. Ich persönlich habe in diesem Prozess eine viel genauere Vorstellung bekommen von dem, was mir auch liegt und wo ich mich eigentlich auch schon immer zu Hause gefühlt habe.

    Jede EP spiegelt eine Lebensphase der Bandmitglieder wieder

    Anna: Spiegelt sich das auch thematisch in den Lyrics wieder?

    Noemi: Irgendwo schon. Auf der ersten EP ging es deutlich um eine Art Hilflosigkeit. Und ich glaube, das hat sich auch im Gesamtpaket bemerkbar gemacht. Und bei den neuen Sachen glaube ich nicht, dass es jetzt alles nur happy und straight forward Texte sind. Aber es ist schon, wie du schon meintest, mehr uplifting und auch irgendwie ein bisschen mehr zuversichtlich. Aber ich würde wirklich sagen, auch da selbstbewusster. Wir haben uns weiterentwickelt und jede EP spiegelt da auf eine Weise eine Lebensphase wieder.

    Anna: Habt ihr auf der neuen EP einen Lieblingssong? Wahrscheinlich werden es unterschiedliche sein, aber wenn ja – warum?

    Jan: Bei mir wechselt das witzigerweise immer. Zu Beginn war es auf jeden Fall „Can’t Get Enough„, als der gerade frisch war, weil er von der Art her sehr frisch ist und wir auch so in den Aufnahmeprozess gegangen sind. Aber ja, das wechselt immer wieder.

    Noemi: Das ist aber auch einfach unsere Pop-Single! Ich habe tatsächlich einen ganz klaren Lieblingssong und das ist auch der Wichtigste und der Persönlichste: „My Father’s Eyes“.

    Björn: Da schließe ich mich an!

    Marco: Ich auch!

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    Anna: Wie kommt’s?

    Noemi: Ich glaube einen so persönlichen Song habe ich textlich noch nie geschrieben und haben wir so auch bisher nicht veröffentlicht. Es hängt damit zusammen, dass Jan’s Vater vor knapp zwei Jahren plötzlich verstorben. Irgendwie ist dieser Song so ein Teil von dieser ganzen Zeit. Aber ich finde ihn einfach wirklich warm und schön gewandt. Ich merke auch, dass er mir auch persönlich gut tut.

    Jan: Es ist auch eine Widmung an den Menschen, was es auch musikalisch zum Beispiel sehr inspiriert hat. ich habe damals das Instrumental, kurz nachdem das passiert ist, selber gebaut. Das war für mich auch neu, weil ich Schlagzeuger bin und normalerweise keine Gitarre in der Hand habe. Aber da hatte ich irgendwie dieses Bedürfnis, das in Musik zu verpacken. Inspiriert ist es durch die Band The War On Drugs, weil mein Papa und ich waren beide riesengroße Fans. Dann war mein Ziel, ihm einen Song zu widmen, den er, glaube ich, selber total gerne gemocht hätte. Und dann habe ich probiert, diesen Vibe von der Band aufzufassen, aber dann trotzdem gemeinsam mit den anderen etwas eigenes draus schaffen. Genau dadurch ist halt irgendwie auch so ein bisschen das Herzstück der EP geworden – tatsächlich auch Namensgeber der EP. Da ist ja die Textzeile „See You Whenever your face is changed but I see it in mine“ – danach ist die EP „See U Whenever“ benannt.

    Anna: Wie hat deine Familie darauf reagiert, als du gesagt hast, du hast einen Song über deinen Vater geschrieben?

    Jan: Die wissen das noch gar nicht so richtig. Das wird noch eine große Überraschung. Ich glaube, ich habe das schon mal irgendwann angesprochen.

    Noemi: Die haben den schon mal live gehört.

    Jan: Ja, man hört ja live meistens jetzt nicht so genau auf die Texte. Und ich glaube ich, ich hab meiner Mama das auch schon mal erzählt. Sie hat mich sowieso was das Musik machen angeht, immer total unterstützt und für sie ist es einfach schön, dass das auch so festgehalten wird. Meinem Papa war es immer total wichtig und er fand es toll Musik zu machen und dass ich Musik mache.

    Noemi: Der war auch immer bei allen Konzerten. Deswegen ist das irgendwie auch echt ein Tribut.

    „Wir hatten für jeden Song einen Tag Zeit“

    Anna: Das ist eine schöne Geschichte. Ich glaube das ist jetzt auch mein Lieblingssong. Ich möchte noch ein bisschen auf den Entstehungsprozess der EP eingehen. Gab es irgendwelche Schwierigkeiten beim Aufnehmen oder Schreiben oder sich einig werden?

    Noemi: (lacht und schaut Björn an) Anscheinend waren da verschiedene Wahrnehmungen. Ne, aber ich muss aber sagen, ich finde, beim Recording hatten wir gar keine Struggles. Aber es war eigentlich auch so eine Kamikaze Aktion, weil wir innerhalb von fünf Tagen fünf Songs aufgenommen haben und das auch noch in einem Studio, was eigentlich gar kein Studio war, sondern eine alte Schule in Niebüll. Also es ist schon das Watt’n Sound Studio, aber es ist jetzt nicht ein ausgestattetes professionelles Tonstudio. Wir haben eigentlich für jeden Song einen Tag Zeit gehabt.

    Jan: Genau, dazu muss ich aber auch sagen, dass wir jetzt nicht mit fertigen Songs ins Studio gegangen sind und sie aufgenommen haben, sondern auch an den Tagen selbst immer noch viel passiert ist, was das Arrangement angeht. Teilweise wurden komplette Parts entweder rausgeschmissen oder neu arrangiert. Aber das ist auch eigentlich sehr organisch entstanden.

    Marco: Generell finde ich das aber auch wichtig, dass man sich selbst auf die Probe stellt. Wenn man zum Beispiel etwas rauskürzt und dann am nächsten Tag merkt, dass man den Teil vermisst und er einfach reingehört – dann kann man das auch wieder ändern. Dann hat man es wenigstens einmal auf dem Prüfstand gehabt.

    Nostalgie-Gefühle garantiert bei diesem 90er-Coversong

    Anna: Ich habe euch dieses Jahr zwei Mal live auf Festivals gesehen und war ihr habt in beiden Shows eine Cover- Version von „I Love You Always Forever“ von Donna Lewis gespielt. Ich liebe die Version sehr. Aber wie kommt es dazu? Warum gerade der Song?

    Noemi: Ich finde den Song geil. Ich fand den schon immer geil. Das ist einer der Songs, die irgendwie so einen wahnsinnigen Nostalgie Charakter der 90er haben, aber gleichzeitig noch nicht so überhört ist. Es ist keiner dieser typische Partyhits.

    Jan: Aber trotzdem finde ich es immer krass, wie den jeder wieder erkennt. Immer wenn man den Song anderen Leuten gezeigt hat, waren alle so: „Ach ja, stimmt, geil, den gibt’s ja auch noch!“ Irgendwie so ein vergessenes Stück Musik gewesen, was halt so super präsent in einer ganz bestimmten Zeit war, dann aber auch irgendwie wieder nicht. Aber bei allen passiert irgendwas, wenn sie den hören.

    Noemi: Wir hatten halt Bock, ein Cover zu machen. Es ist ja auch gerade reizvoll und auch der Sinn, dass es bei den Leuten, die dir zuhören, was aufbricht. Ich freue mich auch persönlich selber immer darüber, wenn jemand ein Cover geil spielt. Auch als eher noch unbekannte Band macht es was mit dem Publikum, wenn das spielt nachdem man vorher nur seine eigenen Songs gespielt hat. Da ist das irgendwie manchmal auch so ein Türöffner.

    Anna: Hattet ihr dieses Jahr eine Lieblingsshow? Wenn ja, welche war das?

    Marco: Meine Lieblingsshow war in der Kirche, beim Reeperbahn Festival. Das war richtig, richtig schön. Das war einer, fand ich, unserer coolsten Gigs. Das Ambiente war richtig schön und besonders irgendwie.

    Björn: Voll. Und ich fand das Kiez Kultur Festival in Hannover auch richtig schön. Einfach weil es so ein tolles Festival ist. Und weil wir kurz dachten, es kommt niemand und dann auf einmal war es voll.Zur

    Noemi: Zur Kirche nochmal – das ist mir gerade noch eingefallen: Da haben wir ja auch „Godless“ gespielt und ich habe halt hoch geguckt und genau an dieser Empore hing ja dieser gigantische Jesus an der Decke und ich musste fast lachen. Es war strange. Man spielt den Song „Godless“ und schaut dabei auf Jesus – schon weird.

    Anna: Habt ihr einen Flinta-Artist, den ihr momentan besonders feiert?

    Noemi: Ja, sehr viele.

    Anna: Okay, dann deine Top Drei!

    Noemi: Also einmal so low-key und friends-mäßig auf jeden Fall Brockhoff, Blush Always und gerade stehe ich auch auf Girl in Red und Japanese House.

    Marco: Für mich auf jeden Fall Little Simz.

    „The books we never read“

    Anna: Ok, jetzt habe ich noch eine etwas philosophische Frage. Die habe ich bisher nur den Ottolien gestellt, aber ich dachte es ist mal wieder Zeit: Wenn eure Band-Story oder ihr als Gruppe ein Buch wäret, welchen Titel hätte es?

    Noemi: Boah, krasse Frage. Da müssen wir kurz drüber nachdenken. Ich glaube, unser Buch hat einen sehr langen Satz, wahrscheinlich eher auf Englisch.

    Jan: Oder wäre es ein Gedichtband? Das wäre dann wieder was anderes, aber sowas wie: Gesammelte Werke von Willow Parlo.

    Noemi: Ich finde es schwer zu sagen. Ich könnte mir wirklich vorstellen, bei der Musik, die wir machen, dass es kein klassischer Buchtitel wäre, sondern irgendwie ein lyrischer Satz oder so was.

    Jan: „The books we never read“ – das ist eine Textzeile aus „Silver Screens“. Das finde ich nice.

    Anna: Ich würde es kaufen! Ok, ich komme zu meiner letzten Frage. Das ist bei uns immer die Kategorie der untold story. Was ist eure untold story

    Jan: Hm, also die Geschichte zu „My Fasters Eyes“ ist tatsächlich noch nie irgendwo aufgetaucht. Das ist eine untold story.

    Noemi: Ja, stimmt. Tatsächlich ist mir das auch als allererstes eingefallen.

    Noemi: Also ich könnte natürlich über meine Fähigkeit, Metal-Mikrofone zu zerstören sprechen. Also Metal-Mikrofone sind eigentlich unzerstörbar. Ich weiß auch nicht, wie ich das immer schaffe. Ich singe nur hinein mit meiner zarten Stimme und dann macht das Puff und irgendwie geht’s kaputt.

    Marco: Ja, generell hat Nono so eine Angewohnheit, dass sie immer kaputtes Equipment kauft oder dass es dann irgendwie kaputt geht, meistens glücklicherweise in der Garantie-Zeit.

    Noemi: Ich habe halt zweimal ein Neues bekommen und beide hatten den gleichen Fehler und ich bin zurück in den Laden gegangen, habe es denen gegeben, die haben es da ausprobiert, es funktionierte einwandfrei. Und dann habe ich trotzdem Neues mitbekommen und das Gleiche ist wieder passiert. Ich habe schon sehr viel kaputt gemacht. Aber genau verstehe ich es auch nicht.

    Anna: Ja, das ist tatsächlich mysteriös. Vielleicht einfach schlechtes Mikrofon-Karma? Danke für’s Teilen der Geschichte und danke euch für das Interview!

    Jan: Danke dir!

    Noemi: Danke für das schöne Interview. Wir sehen uns!

    Die EP „See U Whenever“ kommt zwar erst am 8.12. raus, aber hier könnt ihr euch schonmal mit den ersten drei Songs der EP einstimmen. Außerdem spielt Willow Parlo am 15. Dezember eine Release-Show zur EP in der Molotow Sky Bar in Hamburg, also alle hin da!

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    Fotocredit: Nilo Yamandi

  • Bow Anderson im Interview: „The more honest you are and specific, the more people relate“

    Bow Anderson im Interview: „The more honest you are and specific, the more people relate“

    Die aus Schottland stammende und in London lebende Künstlerin Bow Anderson hat im Juli 2023 nach längerer Pause ihre neue Single „Midnights“ veröffentlicht, kurz darauf folgend „Dear Body„. In beiden Singles zeigt sie ihr Talent, furchtlos und kompromisslos ehrlich ihre eigenen Gedanken darzulegen und schwierige, persönliche Themen mit einer Nahbarkeit und Offenheit anzusprechen. Im Rahmen des Reeperbahnfestivals durfte ich die Sängerin treffen und mit ihr über ihre neue Musik sprechen.


    Bow Anderson im Interview

    Johanna (untoldency): Hello, I’m happy to meet you here today.

    Bow: Awww, I’m happy to meet you


    Johanna: Maybe an easy question for start: You’ve just performed at the N-JOY Reeperbahn Bus and tonight at the Mojo Club in here. Are you happy to be here?

    Bow: I’m so excited. I’ve not done many shows this year because I’ve just been busy writing, so I’m buzzing. Yeah, I’m really excited. And the show just there was so fun. It was just an acoustic set, but I just… I love playing live, so I was like, let’s go, I’m having a great time


    Johanna: Yeah, I’m looking forward to tonight. I’m coming over.

    Bow: Are you? I hope you enjoy it. I hope it’s not bad.


    „It’s really cool to feel like you’re part of something and everyone else feels like part of it as well. Like a little group.“


    Johanna: Yeah, no, it’s gonna be great. You just said that you’ve been writing much and you’ve recently released a single, “Midnight”. It’s been a year since the last single was released. How was the feedback after releasing after such a time? How were you feeling?

    Bow: Yeah, it was like a mixture of feelings because I was so desperate to release. But as it got closer to the release date, I was like “oh, am I actually quite… like anxious?” But no, I’m happy. I love music and I love releasing music. And when you release, you get live shows. So yeah, it’s a mixture of emotions, but I’m buzzing to be releasing again.

    And again because I’ve written some of these songs like a while ago and people are like, “when are you releasing it?” And I’m like, ”yeah, soon, soon, I promise, I promise, I’m working on it, I swear”. So now it feels great, feels great.


    Johanna: It’s a song about sleepless nights, racing thoughts in your head. Like, do you have any tips on coping with insomnia? How do you cope with sleepless nights?

    Bow: I’m still working on it, it’s work in process. And I wrote that because it’s like a therapy to me. It like, helps me feel better. But I try not to look at my phone when I go to sleep and I’m trying to read a book. Um, meditation is meant to help. I’m not very good at it. My brain’s, like on overdrive all the time. But apparently meditation is meant to be good to, like, center your brain.

    Yeah, but just like doing stuff that you like I guess, that doesn’t involve sitting on your phone all the time because that makes you stay awake. Anything relaxing, self-care, whatever that is to you. You know what I mean?


    Johanna: Any good book recommendations?

    Bow: Oh, God, I can’t think… I’m so bad at remembering… oh seven strange. Is it seven strangers? That’s not helpful. I read a lot of books that are just like fiction, that are like thriller, like, oh, what’s going to happen? Are they going to get murdered? Who knows? You’re like, okay, she’s weird. Um, but yeah.


    Johanna: No, I read much as well. Mostly fantasy – but I know what you mean.
    You just said it’s like writing it’s a little bit of therapy for you. Is it mostly therapy, or do you want to also get your thoughts out there to help other people?

    Bow: I definitely write from a place of like therapy for myself. But I also like when other people relate. It’s kind of like a healing process because you’re like, „okay, I’m not the only one that feels like this. You also feel like this.“ And the fact that you’re making someone else feel like they’re not the only one is also really nice. Like, I get some stories that people have, like traumas and stuff that people have went through and the things that it helps them with. And it’s quite like, oh, wow. Because you do feel like the only person sometimes with these feelings, but actually we’re all quite… We all have our own unique story, but we’re all quite similar. Really. So yeah, no, it’s really cool to feel like you’re part of something and everyone else feels like part of it as well. Like a little group.


    „The more honest you are and specific, the more people relate“


    Johanna: I can imagine. But most of your songs are pretty self-aware. You’re singing about doubting yourself or being your own worst enemy. When it comes to releasing music, it’s pretty personal sometimes, maybe even like giving people your journal or something like this. Are you maybe sometimes overthinking your music as well or is it really like you’re writing it and then it’s completely fine?

    Bow: You know, I think like since I released a song called 20s, that was definitely a time where prior to that, I’d always really overthought what I was saying and “oh, is that relatable to people?” And then 20s, I was never going to release. It was just kind of like a song that I was like, I just need to use this today because, like, I just need to get this out. And it was just very honest. And then it just… People really resonated with it. And I think that really opened my eyes to being like, the more honest you are and specific, the more people relate. So I just kind of like… It’s really weird because I’m quite a private person, like in terms of I’m not very good at talking to my friends about my feelings. But then as soon as I’m in a studio, it’s… Well, I don’t know what it is, but I’m just like (kind of sings) la la la la la la….

    I would just… I will just say everything and anything. And I think honestly, it’s the best way. I think people know when you’re not being honest. I think being honest is probably the best way to write… For me anyway.


    Johanna: But is it sometimes like, a letter to your friends, about things you can’t tell them, because you’re like too private about it. And then you have a song for them like, “hey, listen to this to know what I’m feeling”

    Bow: I know I have had some people be like, “are you okay?” And I’m like, “yeah, I feel fine.” I’m just using it as my therapy, you know? I think that is my way of like healing and process and things. But it’s funny like my mum’s phoned me before being like, you know, like “you good. Yeah? Because you said in that song that like, you’re not good when this happens.” And I’m like, “yeah mom, it’s fine”. I’m like, “don’t worry, I’m just writing songs and it’s just healing process. I’m fine. Honestly. Sorry.”


    „Growing up, like just all these pressures of what you’re meant to look like. It was like all these expectations.“


    Johanna: One of your unreleased songs, I’ve seen it on TikTok, “Dear Body” talks about your relationship with your body and the host of the N-JOY Reeperbahn bus also said you had a gymnastics career before.
    Most of the times, like, competitive sport can be pretty hard, especially when it comes to body images. And when I first heard “Dear Body” I also thought of that – like competitive sport and body images and issues all that kind of stuff. Do you feel like that career still influences your songwriting?

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    Bow: I think, I don’t know… I think that like what I went through in like the toughness of the sport, it’s like it definitely makes you stronger as a person. But I think I wrote “Dear Body” just like I… Growing up, like just all these pressures of what you’re meant to look like. And if you don’t look like that, you need to be on these crazy diet… to be this certain size. And it’s like there wasn’t like, oh, it’s okay. Everyone’s a different body type. It was like all these expectations.

    And I think just growing up, it was just something that really stuck with me. Like my mom would like go on these mad diets and she’d show me these books and be like, so this is your protein count. This is your like, sugars. And that was when I wasn’t even a teenager. Like, she wasn’t saying it to me to be like, you should do this. But she was like, oh, I’m going to Weight Watchers, which is like in the UK, like, yeah…

    Johanna: Yeah, my mum did that too.

    Bow: See what I mean? I mean, so then even from a young age you’re like triggered to be, you know… And then like when I was trampolining and doing gymnastics and dance like you had to wear all these skinny, tight leotards and like, everyone was different body types. And when I was younger, I wasn’t really conscious about it.

    But now looking back, there was probably times where me or other people were probably a bit conscious of “oh God, I’ve got to wear like barely anything”. And like, I have friends that are dancers and they’d have to wear these skimpy, skinny leotards or whatever. And it feels so, like insecure, because there’s just so many expectations.

    Sorry. I went off on a total rant there about it. But yeah. So I guess like just throughout my years of like dancing and doing trampoline and stuff, like it was always kind of at the back of my mind, I guess. Yeah.

    Johanna: Yeah. No, I think that’s also an important topic because I’m sure you’ve heard about, like, I think it was the…. Female finnish beach volleyball team? [Anm. d. Red.: Es war das norwegische Beachvolleyball Team] Where they have to wear this like bikini…..

    Bow: Yeah yeah yeah yeah yeah yeah.

    Johanna: And one time all of those wore just like longer shorts and were disqualified because it was too long. Because that’s their uniform. Yeah, and it’s still important because it doesn’t matter what you wear to play beachvolleyball. But it matters much to your mind.

    Bow: Oh totally. It has. And I think even at the time if you know, you try and brush it over, it still subconsciously has an effect. I think all these little things as you grow up as a female or as a male or whoever you are like, it definitely has an impact on like how you feel just gradually. Totally. Yeah.


    „You’re so fucking selfish“


    Johanna: Yeah, totally. When I prepared for this interview, I’ve also watched your music videos. The most recent one was the selfish music video. And in the beginning for the intro, you’re like, just walking your dog – or probably not your dog…

    Bow: Yeah. Chilly. He was called Chilly. He was a big dog. Oh, my God, he was strong. I was in big heels. And I was like, they were like, just walk casually. And I was like, yeah, okay. Like getting killed by this dog.


    Johanna: So yeah, you’re walking your dog. And you’re just like recording the music, selfish, like as a memo. And that was probably for the music video, but is that also a way you write songs like thinking something and recording it just like that?

    Bow: Yeah, definitely. Like, I mean, I write differently every day. Like there’s no… like sometimes I’ll have a concept or I’ll have a title or I’ll have this random weird melody, or I’ll have a bit of everything. Who knows? But yeah, for selfish, I literally was walking down the street and I was like, selfish yourself? And I was like, (starts singing) you’re so fucking selfish, only think of yourself, meh mimi me

    And then the rest of the lyrics, I was getting all I had and then I just took it into session. So that’s why we did the vocal recording, because I was like, oh, I actually did do that, but we just couldn’t sync it up. So I had to like, recreate it. Yeah. But yeah, I do have it.

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    Johanna: And we’ve been already speaking about outfits and dress codes and all that. In the video it was like very many different outfits, very high fashion. Is that something that matters to you as well, because I feel like you have a very unique style, like you like do dress very sporty.

    Bow: Yeah. I love my sports gear. I’m like a tomboy really deep down. But I do like dressing up.I love this.

    Johanna: Because I feel like that because it was not the only music video where you were like, all dressed up.

    Bow: Yeah, yeah, I think I’ve learnt to. So my creative director, Daisy Dean, she, I’ve worked with her for a long time. And like when I first started with her, I was very like, I just wear jeans, trainers and jumpers. She was like, right, okay. But like over time I’ve just like built this relationship with her and she gets me and I just kind of go, “you know what? Just like have fun with it.” So we’ve just had so much fun creating all these looks with like an amazing team of people. And it’s just, yeah, it’s really cool.

    Johanna: And it’s like one time you get to dress up.

    Bow: Yeah. You’re like, yeah, okay, I trust that you’re going to make me look good. Yeah. Okay, great. And I’m like, it’s so fun. It’s so fun to do that. Yeah, definitely.


    „Don’t chat too much with my granny.“


    Johanna: Okay. One last question actually, already, um, our magazine is called untoldency, and in the end we always ask for one untold story. If you’d like to tell us one, which you haven’t especially told in an interview, or maybe in general how you like it, a fun fact, secrets, whatever you’d like.

    Bow: Anything I’ve just thought of, like, quite a funny story that happened. I am, you know, the Shard in London.

    Johanna: Yeah

    Bow: Oh actually, I’ve got a better story. I’ve got a better story. Okay, so my family, there’s a movie called The Lampoons, which is like, basically this family that, like, everything goes wrong. I think it’s an American film.

    Anyway, my family call themselves lampoons because everything goes wrong. And my granny is known for chatting like a lot. To the point that we’d been the whole family – like my auntie, my cousin’s brother, like whole family went out, mom and dad – and we missed their flight back to the UK because my granny was like chatting to a neighbor too much. So we like completely missed their flight. But then we couldn’t stay where we were staying because there were other people staying. So we had to go to a motel. We’re all in a motel. My granddad locked himself out the room, put his passports in the lockbox. Forgot the code to the password. My granny was like, didn’t have any clothes because it was all at the apartment. Yeah. So she wore just underwear to sit at the pool. And then the next day, my mum and dad and my brother and me, we flew back, but they missed the second flight because of storms. So basically they didn’t get back for like three days. But the main reason was because my granny was chatting too much to her neighbor that we missed her flight.

    Johanna:  Oh no. So what do we learn from that? Don’t chat too much.

    Bow: : Don’t chat too much with my granny. You just have to be like la la la la la la… leaving goodbye. But no, that was a situation. Yeah, I don’t know, that just popped random. It just I was like, that happened. That’s quite bad.


    Johanna: Yeah. Very random.
    And actually, for real this time, one last open question. Because I’d like to just do that at the end of the interview. If you’d like to say something to the readers, what you think is important, they should know about you, about your song, if you have anything left on your heart.

    Bow: I mean, I just kind of write, like, uplifting, not sad songs, but honest songs to try and help people feel less alone. Because I think I’m not very good at talking about my feelings to people. And I feel like sometimes if you hear in a song something that really resonates with you, it makes you feel less alone. Like even if you can’t speak to other people, at least you have someone that you’re like, okay, I’m not the only one that feels this way, and it kind of makes… It heals you and it makes you feel less alone. So I love writing music to just make people feel kind of good about themselves, even if it is kind of sad. Yeah, roughly.


    Johanna: Yeah. And maybe the song can help them talk.

    Bow: I hope so, yeah, definitely. Yeah.

    Johanna (untoldency): So, thank you for your time.

    Bow: Thank you. Thank you very much.

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  • Fred Roberts im Interview: »It’s mostly just realizing that you don’t have to run away from yourself either«

    Fred Roberts im Interview: »It’s mostly just realizing that you don’t have to run away from yourself either«

    Musikalisch habe ich mich vor einiger Zeit in Großbritannien verirrt und mich sehr in die britische Popmusik verliebt. Heißt, ich bin also auch immer auf der Suche nach neuen Acts und Songs, die ich in meine Bibliothek hinzufügen und rauf und runter hören kann.

    Und da kam ich um einen Sänger nicht herum: und zwar Fred Roberts, der mit seiner Debüt Single “Runaway” nicht nur bei mir in Spotify, sondern auch im deutschen Radio rauf und runter lief.

    Als Fred vor kurzem in Berlin war, um ein Live Set für The Circle° Sessions zu spielen, habe ich mit ihm unter anderem über seine Single „Runaway„, Storytelling und Kuchen gesprochen.

    Johanna (untoldency): Hello, nice to meet you. How are you feeling?

    Fred: Yeah, you too. I’m good. Excited to be in Berlin. Had a good few days here. „Runaway“ has just come out. Well, just a few weeks ago. A month. And the support here has been amazing. So it’s been nice to come and be in the place where it started.


    Johanna (untoldency): It was your first single, a few weeks ago you just said. Releasing for the first time can be pretty exciting. What was it like for you? How did you feel?

    Fred: Yeah, really exciting because I wrote the song nearly two years ago now, so it’s been a long time. Getting it all ready and getting the sounds and stuff. It’s nice to finally get it out in the world after working on it for so long. And now I’m just excited to release more.


    Johanna (untoldency): Yeah. I’m also excited. I’ve had a sneak peek sent to me. I’m definitely looking forward to it.

    Fred: Thank you.

    Johanna (untoldency): You said that the song is about overcoming resentment towards someone who used to be a big part of your life. Do you feel like the song helped you get closure or was it just like looking back and telling the story?

    Fred: Yeah, I mean my songwriting is quite retrospective and like, definitely I started writing in lockdown and it really helped like unpack the four years beforehand. When it’s written down and you’re singing it, you have to believe what you’re saying. So it’s definitely been good at. That and just starting the next chapter I think, so it’s a positive song, but yeah, it’s been good.


    Johanna (untoldency): You also made a video. What is your best or dearest memory regarding the making of the single or the video?

    Fred: Well, the video was good, but it was in January in England and it was freezing cold. So I think the best memories I had running away from the car because I could get warm again after. Lots of the shots were like stand still or performance to camera. But when I got to run through like these country lanes in England, that was a good bit.

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    Johanna (untoldency): And what was the concept behind the video? You said that the song is a celebration of freedom, but the video is kind of dark, at least visually, like the color scheme. You are alone. It’s at night. How does this video relate to the message of the song?

    Fred: So I think the video kind of offers an alternative view on how you view the song. We didn’t want it to be as following the lyrics as much, but it’s… again, so I’m the one that’s driving the car but also running away from it. The colors and everything – you’re right, it’s a bit of horror aspects. When the shots weren’t treated and it was the raw images I look like a vampire, like running through the lanes. But when they went back and did it was all good. It’s mostly just realizing that you don’t have to run away from yourself either. I wrote this song about running. Them not needing to run away because I don’t have any resentment towards it, but it’s also about dealing with your own problems and maybe you’ve been running away from them. That was kind of what the video was meant to be showcasing. So, yeah, you don’t need to run away from yourself.


    Johanna (untoldency):  I see. That sounds pretty interesting. Um, is there something you’d like to say to people who are really relating to to this single. Like, they really feel it. Like they maybe experienced something similar?

    Fred: Well, yeah. I mean, for me it was… like the songs I listened to when I was going through those experiences like the choice of songs, that kind of music that helped me get through it. I hope that it’s doing the same for people. And yeah, if they’ve had a similar experience, then the sound of the song is like a very uplifting, anthemic kind of thing. And you’re able to dance all the stress and the worries away.


    Johanna (untoldency): Yeah. „Runaway“ is just a start. Like we said, there are many more singles to come. Like, what can we expect? What are you most looking forward to?

    Fred: I think Runaway is definitely an upbeat, it’s a in-your-face song. But I’ve definitely got a bit of like a few guitar ballads and a mixture of stuff really. Just like exploring all the genres that I kind of grew up listening to. And it’s like a blend of that. So yeah, just lots of different stuff to come.


    Johanna (untoldency): What is your favorite part of the process? Like recording the song or putting it out, maybe playing it live afterwards? What do you enjoy the most?

    Fred: So The Circle° session was actually the first live performance I’ve done with the band, so… But that was really fun and I’m looking forward to doing more of that, hopefully. But the writing process for me is like the best bit. You’re with people you’re working with, but they are your friends, you know, you can have a good time and you’re able to just like unpick a story. I enjoy that process a lot. And just like exploring different avenues in that and the melodies and just the storytelling aspect of it is, yeah, I enjoy it a lot.

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    Johanna (untoldency): Nice. And what do you want people to feel while listening to your song? And also, what do you want to inspire them to do?

    Fred: Yeah, I think especially with „Runaway„, I want people to feel inspired and feel like a sense of freedom. Because the sound of the song is like very uplifting, I hope and maybe the lyrics are a bit more reflective or melancholic, but the overall like when you finish listening to the song, I hope you like have some sort of release. It’s kind of, yeah, a release of freedom.


    Johanna (untoldency): Yeah, sounds good. I hope all of them do experience that. So you’ve released one single runaway. Another one is coming soon. I don’t know if you can say that yet, but do you have something like a release ritual or something you like to do in the future? Like hanging out with your friends every time you release something or baking a cake with the title on it.

    Fred: When „Runaway“ came out, I had, like, some of my closest friends around, and we went for dinner before and stayed up till midnight because that’s when it comes out. I think just that again, but maybe more people. But yeah, definitely like marking the occasions of different songs. But a cake is a good idea. The next song it’s called „Say„. Maybe if I wrote „Say“ on it. Like, yeah, little cake.

    Johanna (untoldency): Like, what would be the best cake? Do you have a favorite cake?

    Fred: Uh, do you guys have Costco here? 

    Johanna (untoldency): No, no, we don’t have it here.

    Fred: In the UK, I think it’s for businesses. The cake itself like it’s not that good but because it’s bad it’s good and it’s like very manufactured but you can get like photos printed on top and writing. So yeah, like Victoria Sponge from Costco. That will be maybe that one.

    Johanna (untoldency): Maybe. Maybe that will work out.

    Fred:  If you’re ever in the UK you should have a Costco cake. There you go.


    Johanna (untoldency): Sounds like a plan. And next question. Being young is hard enough I would say. And also, as a queer person, you don’t always have it easy, especially on the Internet and in public. How do you feel about sharing such personal stories with so many different people out there?

    Fred: I mean, yeah, it’s not always easy. And I think for me it was important to share that part of myself because not to reference Troy Sivan all the time, but when, you know, I was listening to his music and he was an openly gay man and just to, have that information out there that I’m not holding anything back. And people are in difficult spaces where they’re not able to to say who they are. There’s like, yeah, maybe like a sense of hope, but it’s not always easy. Especially if you’re in school or like certain environments which aren’t the best for it.

    Johanna (untoldency): Have you had any negative experience putting out such a personal part of your life?

    Fred: I mean, not in a career aspect, I think. I haven’t faced it like personally in the songwriting stuff, but in school it wasn’t… I think it’s more accepted now, but it still was a long way to go. But not everyone takes the news well. But like everyone’s supporting „Runaway“ and it’s all been very positive so far, but I’m sure there are a few haters out there, right? Yeah.

    Johanna (untoldency): Yeah. Haters gonna hate.

    Fred: Haters gonna hate. But yeah, just follow the love.


    Johanna (untoldency): Okay, I have three questions left. First one is, as you said before, The Circle° Session was your first live experience. Do you have, like, a certain goal where to play live, like a stage where you want to play. What is it?

    Fred: Do you know Reading and Leeds in the UK? The festival. Yeah. So that was the first festival I ever went to. I think playing on any stage there, there are so many. But any stage there’s like a massive goal. And then I mean the obvious ones, Wembley or O2 in London. I mean we’re staying quite close to the Mercedes-Benz Arena, so that’d be, that’d be a cool one. That’s like for the bucket list.


    Johanna (untoldency): For sure. As someone who doesn’t know you or your music, what would you answer to the question? Who is Fred Roberts and what is „Runaway„?

    Fred: Oh, that’s a good question. Uh, who is Fred Roberts?


    I’m a 20 year old from England. Making like pop slightly alternative music that hopefully empowers. But I’ve got other songs that, like, I want to break hearts with and stuff, so. Hope you hope you feel something. That’s the main message.

    I just want people to feel something with the music. And „Runaway“ is a big anthemic track that you can put in your car and just drive. Or if you don’t have a car run.


    Johanna (untoldency): Um, another quick question I just thought of. Do you have a song you put in the car where you like, got your rooftops open, blast the song, have your windows open?

    Fred: „Mr. Brightside“ by The Killers. Because that song was played all the time when I was younger. And yeah, now it’s just like summery and nostalgic. And also it’s influenced my music a lot. So yeah, „Mr. Brightside„.


    Johanna (untoldency): Okay, then the last question for real this time. Do you have an untold story for us? Like our magazine is called Untoldency and we end every interview with a question of an untold story, like a little secret or a story you haven’t told to anyone or in public until now.

    Fred: You’re putting me on the spot. Uh oh. Okay. A secret story. I don’t know if I should say this if it’s printed. But, um, when I was in secondary school, the only thing I’ve ever stolen is a freddo from a corner shop. That’s. Yeah, I’ve never said that to anyone before.

    Johanna (untoldency): Did you do that on purpose?

    Fred: Yes. But I went back and felt bad, so I gave them more money. So I didn’t actually steal it in the end. I never told anyone that.

    Johanna (untoldency): Yeah, that’s a good story. I’ve also stolen one time in my life, but only because I put it in my bag and I forgot to put it out. And then I left the store and was like, damn. And then I was at home at the point when I recognized and I was like now I have to go back and explain it. Like I didn’t do it on purpose.

    Fred: Yeah, I don’t think they believe you. Yeah, they’d be like „Oh, sure, Yeah. The guilt’s got to you now.“

    Don’t condone stealing. So that’s. Yeah. Don’t steal.

    Johanna (untoldency): Don’t steal approved by Fred Roberts. Yeah.

    Fred: Yes. There we go.

    Johanna (untoldency): So that’s it. Any last words you’d like to say? 

    Fred: I don’t think so. We covered quite a lot. Thank you.

    Johanna (untoldency): Thank you for your time. Byeee



    Wer jetzt auch hooked ist, kann sich schon auf die nächste Single “Say” freuen, die diese Woche erscheint und Fred Roberts am 23.09. auf dem Reeperbahnfestival live hören

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  • LEVIN im Interview: »Nicht zu viel nachdenken und einfach mal die Leichtigkeit rauslassen«

    LEVIN im Interview: »Nicht zu viel nachdenken und einfach mal die Leichtigkeit rauslassen«

    Für alle Träumer*innen unter euch gibt es den perfekten neuen Sommer-Track! Allround-Talent LEVIN serviert euch ZAHNLÜCKE MUTTERMAL & lädt euch ein, einfach mal die „Leichtigkeit rauszulassen“. Was genau das bedeutet könnt ihr hier lesen, denn letzte Woche hat sich Sarah mit ihm zum Interview getroffen und ihn mal ein bisschen ausgequetscht.


    Levin im Interview

    Sarah: Möchtest du dich kurz vorstellen, für alle unsere Leser*innen, die dich vielleicht noch nicht kennen?
    Konni: Ich bin LEVIN. Ich mach Musik in allen möglichen Formen. Wenn ich das beschreiben müsste, dann ist das irgendwas zwischen Indie, Alternative, Hip Hop, Pop Punk, Emo Rap und Deutschrap. Das ist mein Soloprojekt, auch mein Herzensprojekt, wo ich am meisten Zeit und Liebe, und Liebe zum Detail reinstecke. Ansonsten rappe ich noch in einem Möchtegern-Duo namens Cloutboi Juli & Pink Stan, und spiele Gitarre in der Metal Band Commence und studiere Soziale Arbeit nebenbei. Und, Fun Fact, ich habe ein Bachelor in Architektur.


    Wie kam es denn eigentlich dazu, dass du Teil von so vielen verschiedenen Musikprojekten bist? Weil genretechnisch ist es ja schon so ein ziemlicher Sprung, Metal und Pop?
    Ich glaube wenn man genauer hinhört, checkt man schon so ein paar Parallelen. Metal sind meine Roots, so mit 13/14, da hatte ich meine Metalband T-Shirts, „zieh mich schwarz an“ Phase. Die T-Shirts sind dann irgendwann weggegangen. Eigentlich sieht man mir das jetzt nicht unbedingt mehr an, aber ich höre auf jeden Fall jeden Tag Metal. Also das ist nach wie vor meine Herzmusik. Aber ich mag so Metal, der hauptsächlich Cross-Over ist und auch viel Cross-Over mit dreamy Gitarren, die auch ein bisschen ruhiger sind. Ich mag auch Mischung aus extrem hartem Gesang und cleanem Gesang. Also es ist jetzt nicht nur so, dass es nur auf die Fresse geht, sondern halt ne Mischung. Und das ist quasi der ruhigere Teil, den ich am Metal mag, der hört sich auch sehr ähnlich an wie das was ich selbst an der Gitarre manchmal raushole. Also ich glaube schon, dass man da eine Parallele findet, auch so in der Art und Weise, wie die Songs geschrieben sind vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht täusche ich mich auch.

    Du bist die Verbindung?

    Ich bin die Verbindung! Aber deine Frage war, wie es dazu kam? Ein Schlüsselmoment: so siebte, achte Klasse (da hat man ja noch nicht so einen Musikgeschmack) und dann als mir irgendjemand Billy Talent gezeigt hat ist so meine Liebe für „härtere Musik“ entstanden. Ich habe Schlagzeug gespielt, und dann eine Alternative Rockband gehabt. Ich hab einen Kumpel kennengelernt der Gitarre gezockt hat, der hat mir das ein bisschen beigebracht. Da habe ich mich dann reingefuchst und dann mit Singen, Rappen und sowas ist die Metalband entstanden.

    DANN habe ich Architektur studiert, habe dafür ein MacBook gebraucht, weil die Programme auf meinem alten Windows Rechner nicht gelaufen sind. Habe dann mit dem Juli mal einen Abend gesoffen und dann haben wir festgestellt, dass Garageband schon vorinstalliert war auf dem Laptop. Wir haben das mal ausgecheckt und einfach ohne Mikrofon in den Laptop rein gebrüllt und so Knöpfe gedreht (und hatten keine Ahnung, was sie machen) bis es sich mehr oder weniger gut angehört hat. Im Nachhinein war es schon ziemlicher Müll, den wir da gemacht haben. Aber das war dann so der Start des selbst Produzierens und ich hab einfach nie aufgehört, immer Bock dran gehabt.


    „So kam es, dass wir besoffen entschieden haben uns die Haare pink zu färben und dann die Idee hatten, Cloud Rap zu machen“

    Irgendwann gab es eine Phase, in der Juli nicht so viel Drive hatte und anders viel beschäftigt war. Da habe ich viel Mucke allein für mich selbst gemacht, wo dann auch immer mehr Gitarre reingeflossen ist. Und dann hat sich das so aufgespalten: diese Depri-Mucke mit Gitarre war dann LEVIN und die Suff-Mucke war dann Cloutboi Juli & Pink Stan und dann irgendwann hat sich halt das so verselbständigt und ist halt irgendwie ein bisschen ein größeres Ding geworden. Aber genauso kam dann eben Metal, Hip Hop und das Solo Projekt zustande.


    Wie sieht es denn jetzt aus? Was für Musik hörst du denn jetzt so selbst gerne bzw. was inspiriert dich?

    Ich habe so meine Go-To Alben und Songs, die ich immer höre – die werden mir auch seit Jahren nicht langweilig und es kommt sehr selten nur was Neues dazu. Der letzte, der dazu kam, war Makko, den höre ich viel zurzeit. Und sonst was ich viel höre, ist halt Metal Core, Deathcore, oder auch Hardcore. Sowas kann ich auf jeden Fall immer hören. Und was ich aber auch viel höre, ist einfach Mucke von Freunden: von Narses zum Beispiel.

    Ihr habt ja auch nen Track zusammen, oder?

    Drei! Also wir haben drei zusammen rausgebracht bis jetzt und aber noch drei in der Pipeline. Da wird noch mehr kommen. Wo war ich jetzt eigentlich? Was ich so gern höre? Also ich habe so meine zehn Go-To Künstler, die ich immer Pump und ein paar Freunde…. Was ich aber auch viel höre, sind meine unfertigen Demos, weil ich mich da halt konstant immer reindenke: „Okay, wie könnte ich weitermachen? Was könnte ich anders machen?“ Oder ich bin am Text schreiben. Also die packe ich mir aufs Handy, und wenn ich unterwegs bin, höre ich mal rein und vielleicht fällt mir was Geiles ein.

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    Da fällt mir jetzt noch eine neue Frage ein. Wie oft würdest du schätzen, hört man so ein Demo selbst an, bevor es rauskommt? Also ich stelle mir das so vor, dass man das so 100.000-mal hört und eigentlich, wenn der Release ist, das schon nicht mehr hören will.

    Ist oft so, deswegen versuche ich die Mucke so schnell wie möglich zu releasen. Also ich hatte früher so dann den Entschluss das immer am Tag, wo es fertig wurde, direkt rauszuhauen. Geht aber auch mal nicht gut, weil manchmal findet man den Track dann ein paar Tage später schon scheiße. Aber das ist auf jeden Fall das Gesündeste. Nicht zu viel overthinken. Auch wenn man noch selbst mischt und macht und so, dann hörst du ja nicht nur auf das Künstlerische… sondern man achtet ja auch darauf ob der Kompressor geil ist, der Equalizer, hat es die richtige Lautstärke, ist es auf allen Geräten gut ausgeglichen. Also du hast mehrere Probleme gleichzeitig.

    Von daher: man hört es sehr oft. Es kommt aber wirklich darauf an, wie lang der Zeitraum zwischen Fertigstellung und Release ist. Ich versuche es kurz zu halten, aber meistens schaffe ich es nicht. Von meinem Album lagen teilweise Songs drei Jahre rum und die habe ich sicher ein paar hundert Mal angehört. Es gibt auch viele Sachen, die ich nicht mehr hören kann. Aber dann irgendwann so alle paar Monate hört man dann doch mal rüber und denkt, es ist eigentlich schon ganz geil geworden, was man da gemacht hat. Würde man jetzt vielleicht auch nicht mehr so machen. Es ist ja auch schön, dass man eine Entwicklung sieht und hört. Hoffe ich zumindest.


    Meine eingefallene Frage ist eigentlich auch eine gute Überleitung zu meiner nächsten Frage, die ich mir tatsächlich aufgeschrieben habe, nämlich zum neuen Release – ZAHNLÜCKE MUTTERMAL. Erzähl doch mal kurz einfach so, gibt es eine Botschaft, ein Gefühl, das du mit dem Song vermitteln möchtest oder worum geht es?
    Also mit dem Song, der soll overall einfach so ein Lebensgefühl oder einfach so einen Vibe generell transportieren. Und ich würde jetzt nicht sagen, dass es eine Message hat, wenn man das runterbrechen müsste, dann ist es so…

    Feel Good?

    Es ist nicht unbedingt Feel Good – sondern eigentlich Feel Bad, aber wie man mit Feel Bad umgeht. In der ersten Strophe kommt ja zum Beispiel so „Vakuum in meiner Brust“ oder „Melancholie ist meine beste Freundin“ – dass man halt irgendwie viel Kopfweh hat, aber dass man weiter daran glaubt, dass man das alles irgendwie packt. Und dass man auch Sachen um sich rum hat, die einen stolz machen, die einen da durchpushen manchmal. Dass man die Sachen, die eigentlich nicht leicht sind, mit Leichtigkeit angeht oder zumindest versucht, sie nicht zu verlieren. Das wäre so die Message davon. Aber auch so der generelle Vibe.

    Manchmal verkrampf ich so beim Text schreiben. Hier konnte ich einfach nachts nicht einschlafen. Und dann sind mir einfach so ein paar Trashlines eingefallen, das wurde dann 8 Halbe von Cloutboi Juli & Pink Stan. Jedenfalls in der Writing-Session nachts um drei im Bett am Handy, ich habe einfach alles aufgeschrieben, was mir so eingefallen ist. Es ging echt überraschend schnell, es ist einfach so raus gesprudelt, einfach nicht zu viel nachgedacht. Und das ist vielleicht auch so der Vibe von dem Song. Nicht zu viel nachdenken und einfach mal die Leichtigkeit rauslassen.

    Also doch irgendwie Feelgood?

    Ein bisschen, ja.

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    Wie ist denn der Entstehungsprozess von neuer Musik bei dir? Du hast das ja schon so ein bisschen angeteasert.
    Ist aber auch immer unterschiedlich. Meistens spiele ich Gitarre, komme auf irgendwas was mir gefällt, nehme es auf, bastle Drums dazu, dann habe ich so ein Basic Loop und versuche das einfach schon mal grob zu arrangen, dass ich eine leichte Struktur habe: wo die Drums mal weg sind, dann etwas chorusmäßiges, wo es ein bisschen voller ist. Und dann exportiere ich mir das raus und schaue, ob ich was drauf schreiben kann. Oder manchmal habe ich eben wie bei ZAHNLÜCKE MUTTERMAL unabhängig vom Instrumental schon einen Text und versuche, ob der da drauf passt. Manchmal passt es nicht.

    Manchmal hat man einen geilen Text und ein geiles Instrumental, aber zusammen klingt‘s scheiße. Das passiert auch oft. Und oft ist es so, wenn man was Neues startet, dann ist diese Inspiration oder Begeisterung, die man für das neue Instrumental hat, so beflügelnd, dass es dann auch beim Text schreiben wieder läuft. Meistens entsteht tatsächlich alles an einem Tag. Aber oft dauert es auch ein Jahr, bis was fertig wird. Manchmal dauert es sehr lang, dann ist es oft verkrampft. Die guten Songs, auch die von mir, die so ein bisschen bekannter sind, das sind eigentlich fast alles Songs, die in einem Tag geschrieben wurden, also inklusive Instrumental und Text und Basic Mixen.


    Das kenne ich auch so von Freunden. Da gab es auch so eine Story, dass die im Studio waren und irgendeiner ist dann kurz duschen gegangen und hat im Spaß gemeint „okay, ihr schreibt jetzt in der Zeit einen Song“. Und dann kam er wieder und dann stand halt so das komplette Gerüst einfach schon und das ist auch jetzt einer von den bekanntesten Songs von denen.
    Auf jeden Fall. Ich habe auch in einem Interview mit Post Malone gehört, dass er einfach 60 Prozent von seiner Musik auf dem Klo geschrieben hat.


    Das stellt die Frage, wie viel Zeit er dort verbringt.
    Ja, erstens das, aber wie schnell schreibt er seine Songs? …. Vielleicht hat er auch Verdauungsprobleme.

    Was stehen denn bei dir so für Releases als nächstes an? Kannst du schon was verraten?
    So das nächste worauf ich richtig stolz bin, ist mit Narses zusammen, das ist „Mische“. Das wird wahrscheinlich als nächstes kommen. Und dann habe ich noch einen mit ihm, und selbst habe ich gerade so drei, vier neue Songs zu 80-90% fertig rumliegen. Aber da warte ich wahrscheinlich auf Winter. Ich glaube bei Cloutboi Juli & Pink Stan kommt auch noch was Neues. Alles, was noch so Sommer Vibe hat, und dann im Winter wird es wieder sad.

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    Und wie sieht’s aus mit Live-Auftritten?
    Mit LEVIN gibt’s zwei: am 9.9. Im Feierwerk in München und am 28.10. im Ampere mit Wait of the World – das sind gute Freunde von mir, die ein Album veröffentlichen, und bei dem Gig ist auch Bloomer mit dabei.

    Ah stimmt, die touren ja zusammen!

    Genau, und in München bei der Tour-Eröffnung bin ich Opener.

    Cool! Dann komm ich auf jeden Fall vorbei.

    Da freu ich mich auch drauf, weil Ben, der Sänger von Wait of the World, ist der Bruder von Jordan, meinem Gitarristen. Ich kenne die schon seit 2014 oder so. Es wird auf jeden Fall ein Freundeskreis-Abend, auf den ich mich sehr freue. Mit Cloutboi Juli & Pink Stan haben wir noch eine eigene Release Show im Oktober geplant, im Bahnwärter Thiel. Da kommt eventuell bald was raus. Es wird krass!


    Bin gespannt! Dann habe ich noch eine bisschen deepere Frage. Wenn du dem Konni, der gerade erst mit Musik machen angefangen hat, was mitgeben könntest, was wäre es dann?
    Ich glaube, mein erster Impuls wäre sehr langweilig und kurz: „Mach einfach.“ Ich bin eigentlich ganz happy damit wie es läuft. Weil ich glaube, die Frage zielt ja so ein bisschen darauf ab, ob ich irgendwas anders gemacht hätte, wenn ich es beeinflussen könnte.

    Ich bin ganz happy mit dem Weg, den ich so gegangen bin. Weil ich auf dem Weg sehr viele unterschiedliche Hintergründe mitbekommen habe. Von Schlagzeug dann über Zufall zur Gitarre gekommen, über noch größeren Zufall zu Hip Hop und so. Und ich würde einfach sagen, „trust the process!“.


    Und in jedem Untoldency Interview haben wir am Schluss noch eine untold story. Also irgendwas, das du noch nie in einem Interview erzählt hast, das du jetzt gerne teilen möchtest. Das kann eine witzige Story sein, random Fun Fact oder sonst irgendwas, das du einfach den Leuten mitgeben möchtest.

    Ich musste neulich für meine Sozialverwaltungsrecht-Prüfung lernen, und hab am Abend vor der Prüfung aus Prokrastinationsgründen mir selbst Merchandise von Nelly Furtado auf Shirtinator gebastelt, weil es kein offizielles Merch mehr von ihr gibt. Hab ihr Logo runtergeladen, es freigestellt, dann noch das Cover von All Good Things runtergeladen, jetzt ist vorne das Logo und hinten das Cover. Ich bin jetzt ein Unikat in diesem Tshirt!

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    Alle Fotos von Juliane Haerendel, München.

  • Ami Warning im Interview: »Meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe«

    Ami Warning im Interview: »Meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe«

    Ami Warning lebt rent-free im Herzen unser Redaktion und das ist okay so. Denn ihre unaufgeregt ehrlichen Texte und die unvergleichlichen Stimmungen verdienen noch viel mehr als das! Im Rahmen der Acoustics Concerts 2023 in Berlin können wir die Sängerin endlich wieder live erleben und wünschen uns, dass wir diese Erfahrung mit ganz vielen Ami Warning Stans teilen werden. Um eure hibbeligen Beinchen ein wenig zu entlasten, bekommt ihr hier bereits einen Vorgeschmack in Form eines Interviews. Von aktuellen Ohrwürmern, über erste musikalische Erfahrungen bis zu kommenden Projekten erfahrt ihr so einiges über die Münchenerin. Also, let’s fetz!

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    Ami Warning im Interview

    Lucas (untoldency): Hast du einen aktuellen Lieblingssong oder ein Lieblingsalbum, irgendwas, was dir aktuell im Kopf rumschwirrt?

    Ami: Was ich ganz cool finde, wo ich aber noch nicht das ganze Album gehört habe, ich weiß auch gar nicht, ob das neu ist. Ich habe von Little Simz so einen Song entdeckt. „Point and Kill“, heißt der. Den finde ich richtig cool und den hör‘ ich zurzeit oft. Ansonsten hat auch ein Freund von uns ein Album gerade rausgebracht, der heißt Jon Kenzie, macht so bluesige Musik, ist aus Manchester, und da hab ich mir das Album angehört, und das finde ich auch zum Beispiel richtig cool. Das ist jetzt gerade ganz frisch rausgekommen.

    Lucas (untoldency): Würdest du sagen, du verfolgst viel aktuelle Musik oder bist du eher Fan von den Klassikern?

    Ami: Ich verfolge schon auch aktuelle Musik, aber man kriegt halt dann so die Singles mit und so einzelne Songs. Also ja, da mach ich‘s leider viel zu selten, dass ich dann wirklich so die ganzen Alben mir auch anhör‘. Das ist dann eher so stichprobenmäßig. Bei Alben kenne ich wahrscheinlich dann wirklich eher die Sachen, die schon älter sind, so richtig gut.

    Lucas (untoldency): Gibt es ein Genre, was du selber gerne hörst, wovon aber andere Menschen, die dich gut kennen, wahrscheinlich verwundert wären?

    Ami: Also ich mag voll gerne Afrobeats. Aber ich weiß nicht, ob das jetzt so eine große Überraschung ist. Hmm, was wäre eine Überraschung? Wahrscheinlich entspreche ich voll den Klischees, keine Ahnung. Ich mag ganz gern‘ Dubstep. Das fällt vielleicht so ein bisschen aus dem Schema.

    Lucas (untoldency): Musik machen ist ja super komplex und vielfältig. Wenn es einen Teil davon gäbe, den du für den Rest des Lebens machen müsstest, welcher wäre es am Ehesten?

    Ami: Wahrscheinlich wäre es das Live Spielen, denke ich, also, darauf könnte ich, glaube ich, nicht verzichten. Genau im Studio finde ich schon auch cool, aber da bin ich dann auch irgendwie immer froh, wenn es irgendwann abgeschlossen ist und man die Songs dann eben nach draußen tragen kann. Also ich glaube, auf diesen Moment, wenn dann vor echten Leuten die Songs singt, könnte ich schlecht verzichten.

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    Lucas (untoldency): Kannst du dich an deinen ersten Auftritt erinnern?

    Ami: Ich glaube, wahrscheinlich war das mit meinem Papa zusammen, also als ich so angefangen habe, Musik zu machen waren so die ersten Momente bei ihm auf der Bühne, dass ich da mal einen Song ausprobiert habe oder ihn begleitet habe. Also in München weiß ich, da gibt’s noch so eine Aufnahme, wo ich irgendwie so Bass spiele und mit ihm auf der Bühne bin.

    Lucas (untoldency): Es gibt oft von Stars Aufnahmen, wie sie bei irgendwelchen Events oder Schulfesten auftreten. Gibt es solche Aufnahmen abgesehen von der eben genannten auch von dir?

    Ami: Es gibt tatsächlich eine ganz witzige Aufnahme. Also das ist in der Grundschule, da bin ich im Chor und bin so krass, also man sieht, dass ich mich voll rein fühle. Ich bin so in der ersten Reihe und singe so richtig inbrünstig. Also, das gibt’s und ja, später in der Schule habe ich auch Songs nachgesungen mit der Big Band.

    Lucas (untoldency): Wenn du so zurückschaust auf deine eigene musikalische Biografie, fallen dir da Künstler:innen Genres ein, von denen du sagen würdest, die haben dich in einer bestimmten Lebensphase stark geprägt?

    Ami: Ja! Also schon auch wieder mein Papa, weil seine Musik war irgendwie einfach immer da, ich war immer dabei auf den Konzerten. Bob Marley habe ich irgendwann entdeckt, auch über meine Eltern eigentlich und fand das irgendwie auf Anhieb einfach gut. Es gab dann noch Songs auf Gitarre. Ich weiß, dass es einen Ed Sheeran Song gab, den ich dann nachgespielt habe. Also, es gab schon immer wieder so Momente, die mich inspiriert haben, wo ich dachte, ich hab‘ jetzt auch Bock, die Gitarre zu nehmen. Aber irgendwie habe ich nie so auf die Texte gehört. Also, es gab jetzt nicht so den Moment, dass ich einen Song mitgesungen habe, der mich in meiner Einstellung oder so krass beeinflusst hat.

    Lucas (untoldency): Gab es in deiner musikalischen Biografie auch mal eine Pause, als du das Gefühl hattest, du hast gar keine Lust auf Musik und du brauchst mal Abstand?

    Ami: Ich habe tatsächlich, als es mit Corona und so losging, relativ viel gemacht und eben auch selber aufgenommen und Songs geschrieben und habe dann aber gemerkt, dass ich eine Person bin, die immer auch ganz gerne noch andere Sachen macht. Als ich dann auf einmal jeden Tag morgens bis abends Zeit hatte, nur Musik zu machen, habe ich gemerkt, dass ich das gar nicht unbedingt brauche, sondern dass ich am besten auch neue Ideen finde, wenn ich dazwischen andere Sachen mache. Ich hatte nie diesen Gedanken, ganz aufzuhören. Aber ich habe einfach gemerkt, dass es für mich so am besten funktioniert, wenn ich nicht jeden Tag morgens bis abends nur Musik mache. Mein Papa zum Beispiel ist ganz anders, der geht echt jeden Tag ins Studio und kann nicht genug davon kriegen. Aber mir tut irgendwie diese Abwechslung ganz gut.

    Lucas (untoldency): Kommen dir oft, wenn du andere Sachen machst, musikalische Ideen in den Kopf, von denen du denkst, die muss ich schnell aufnehmen oder in irgendeiner Form festhalten?

    Ami: Manchmal schon, aber eher selten. Also es ist tatsächlich so, dass ich schon die Gitarre nehmen muss und anfangen muss, irgendwie nach was zu suchen und zu gucken, dann formen sich Songs oder kommen Ideen. Also es ist eher selten, dass ich so eine Eingebung habe, ohne dass ich die Gitarre in der Hand hab.

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    Lucas (untoldency): Wie sehr machst du dir darüber Gedanken, wie du als Künstlerpersönlichkeit in Musikvideos und generell visuell auftreten möchtest?

    Ami: Im Rahmen von einem Album mache ich mir schon Gedanken, was die Bildsprache zu diesem ganzen Projekt sein könnte. Aber es ist immer irgendwie auch ein Stück weit meine Persönlichkeit. Also jetzt so wirklich einen Charakter zu entwerfen oder so was für ein Projekt, ich glaube, das passt bei meiner Musik nicht so gut, weil es eigentlich schon immer ziemlich nahe dran ist an mir.

    Ich würde auch sagen, dass es funktioniert! Gerade bei „kurz vorm Ende der Welt“ habe ich den Eindruck, dass diese orangen Farbtöne der Bilder und Musikvideos die Wärme deiner Lieder widerspiegeln.

    Lucas (untoldency): Als du beim Wohnzimmerkonzert von TV Noir zu Gast warst, solltest du spontan einen fremden Song performen. Wie fühlst du dich in diesen Momenten, in denen dir spontan gesagt wird: „Hier spiel mal irgendwas“?

    Ami: Das finde ich schwierig (lacht). Ich bin relativ unspontan, auch so Jam Sessions mag ich eigentlich gar nicht. Auch einfach, weil ich auch auf dem Instrument nicht so frei spiele. Ich kann halt Akkorde und schreibe damit meine Songs, aber improvisieren finde ich schwer und auch bei Texten find ich es voll schwer, so drauf loszumachen. Das war übrigens, glaube ich, wir sind Helden. Bitte gib mir nur ein Wort (singt den Song an).

    Lucas (untoldency): Ist dein Vater da ähnlich oder ist eher anders rum? Ich würde jetzt vermuten, dass dein Vater so ein Vollblut Musiker ist, der irgendwie sofort anfängt zu spielen, wenn die Stimmung passt.

    Ami: Ja, also der Papa tut sich auf jeden Fall einfacher, auch gleich auf etwas einzusteigen und eben so zu improvisieren. Wir sind eigentlich beide eher schüchtern. Er wäre jetzt auch nicht der Erste, der auf die Bühne rennt bei einer Jam Session. Aber wenn er dann was dazu spielt oder so, ist er auf jeden Fall ein bisschen freier als ich.

    Lucas (untoldency): Ich fand den Moment ehrlich gesagt ganz sympathisch, weil ich bereit vermutet hatte, dass dir das in der Situation etwas unangenehm war. Wenn dann noch Kameras auf einen Zeigen, ist der Druck ja dreimal so hoch spontan zu performen. Gab es im Freundes- oder Familienkontext auch Momente, in denen du aufgefordert wurdest, etwas vorzuspielen?

    Ami: Ich glaube, meine Eltern dachten auch ganz lange nicht, dass ich überhaupt auf irgendeine Bühne gehe, weil ich sehr schüchtern war. Und ne, zum Glück haben die das gecheckt und waren eigentlich sehr zurückhaltend. Mein Papa hat auch generell die Einstellung, dass man überhaupt nicht mit Druck vorgehen sollte. Also, nee, zum Glück konnte ich alles in meinem eigenen Tempo machen und mich step by step der Bühne annähern.

    Lucas (untoldency): Ich fand außerdem spannend, dass du mit deiner Familie da warst, also mit deinem Vater, deiner Schwester und deiner Mutter. Wie ist so die Dynamik auf so einer Reise ist? Und wie kommt es dann dazu, dass alle sagen, okay, wir kommen mit? 

    Ami: Ich hab‘ ja auch öfter Auftritte mit meinem Dad, und irgendwie war es da schon immer so, dass meine Mama alle Daten ausmacht und weiß, wann wir wo sein müssen. Der Papa und ich steigen irgendwie so blind ins Auto und konzentrieren uns eigentlich nur auf die Musik, genau, und sie macht alles Organisatorische, verkauft dann auch CDs. Das war eigentlich schon immer so, dass meine Mama sich früher nur bei meinem Papa um alles gekümmert hat und seit wir zusammen Musik machen, da halt auch immer dabei ist. Und das funktioniert eigentlich voll gut so. Und meine kleine Schwester, das war eher eine Ausnahme. Also, die findet‘s auch oft eher langweilig und will nicht mit. Und es ist nochmal anders, wenn ich mit meiner Band unterwegs bin, dann fällt das eh weg, dann bin ich einfach mit meiner Band und dann mache ich den CD Verkauf und so.

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    Lucas (untoldency): Was ist die nächste Single oder das nächste Projekt, das ich und die Welt von dir erwarten können?

    Ami: Ich mache, glaube ich, gerade das Album, was so am Tanzbarsten wird, und freue mich auch schon voll, das dann irgendwann live spielen zu können. Es fehlen noch ein paar Songs und ich muss noch mal ins Studio, aber ich sammle auch schon Live Sessions und Videos dazu. Ich bin gerade an so einem Punkt, wo ich eigentlich kein Label habe und gar keine Partner. Also ist noch einer der größten Schritte, gerade ein bisschen rauszufinden, wie ich das rausbringen kann. Aber eigentlich habe ich schon ein bisschen gesammelt und würde am liebsten im Sommer anfangen mit einer ersten Single, um dann im nächsten Jahr irgendwann dieses Album rausbringen.

    Lucas (untoldency): Die letzte Single von dir, „Weg“, würdest du dann nicht in das nächste Album reinzählen?

    Ami: Tatsächlich würde ich es gerne dazu tun, weil es von der Thematik her ganz gut passt. Die ganzen Songs, die dann kommen, gehen so ein bisschen darum, wie viel Freizeit man auch braucht und dass es auch voll okay ist, sich Pausen zu gönnen und dieses ganze, dass man sich selbst oft auch viel Druck macht und immer denkt, man muss noch mehr schaffen, dabei ist das manchmal vielleicht auch gar nicht notwendig. Obwohl die Sound Welt sich gerade so ein bisschen von dem Song wegbewegt, glaube ich, dass ich ihn dazu tun will, weil es vom Thema her passt, ja!

    Lucas (untoldency): Dann fällt mir noch das Feature mit KLAN ein. Kannst du mir sagen, wie das zustande gekommen ist?

    Ami: Eigentlich total unkompliziert. Die haben mir auf Instagram einfach geschrieben, ob ich Bock hätte. Dann gab es, glaube ich, zwei Songs zur Auswahl. Dann habe ich eingenommen, habe das bei mir daheim eingesungen, den zurückgeschickt und fertig. Ich würde die auch gerne noch mal so richtig kennenlernen, weil dazu kam es jetzt noch gar nicht so richtig, obwohl wir jetzt diesen Song zusammen haben.

    Lucas (untoldency): Noch zwei leicht verdauliche Fragen zum Schluss: Welches Instrument würdest du gerne spielen, das du noch nicht spielen kannst?

    Ami: Wahrscheinlich würde ich irgendwas mit Tasten nehmen. Klavier! Ja, ich hätte schon Bock, noch mehr auf dem Klavier zu können. Ich hab ja bei diesem Mixtape schon auch immer irgendwie Akkorde und gespielt, aber da brauche ich sehr lang, um die Töne zu finden und kann es eigentlich nicht. Ich glaube, das wäre was, was ich eigentlich schön fände, auch um Songs zu schreiben, mal weg von der Gitarre und vielleicht am Klavier, fände ich das eigentlich ein schönes Instrument.

    Lucas (untoldency): Hast du ein guilty pleasure, vielleicht ein musikalisches, vielleicht Trash TV, etwas dass du eigentlich keinem erzählen darfst?

    Ami: Ja! Bei Trash TV bin ich auf jeden Fall dabei. Da gäbe es richtig viele Sachen, die ich jetzt sagen könnte, die die Leute vermutlich schlimm fänden. Irgendwie kann ich voll gut abschalten, wenn ich mir sowas reinziehe. Da habe ich schon fast alles durch, von GNTM über irgendwelche Sachen auf Netflix.

    Lucas (untoldency): Cool, ich danke dir für das Interview und Ich warne dich schon ein wenig vor. Ich komme auf jeden Fall zu den Acoustics und ich bringe ein paar Groupies mit! Falls du eine Fangruppe siehst, die laut deinen Namen schreit, weißt du, Lucas ist da.

    Ami: Dir auch danke für das Interview!

    Hier geht’s zu den kommenden Tourdaten von Ami Warning und Hier lest ihr die Review zu Ami’s letzter EP „kurz vorm Ende der Welt“

  • Blond im Interview: »In der Musiklandschaft fehlt uns einfach eine Haltung«

    Blond im Interview: »In der Musiklandschaft fehlt uns einfach eine Haltung«

    „Auf geht’s Blondies, kämpfen und siegen!“, mit diesen motivierten Fan-Rufen beginnt das Album Perlen. Und das zu recht – für mich haben Blond mit ihrem zweiten Album quasi das Spiel der deutschen Musik gewonnen.

    Von fesselnden Erzählungen, gewohnt humorvollen Bemerkungen, schmerzhaften Erkenntnissen, Euphorie und Emotionalität bis hin zu krassen, unerwarteten Parts von Johann: das ist nur ein Bruchteil von dem, was sich in den schillernden Schätzen von Perlen verbirgt. Nina, Lotta und Johann aus Chemnitz zeigen hiermit, dass ihr erstes Album ein leckerer Vorgeschmack auf all das war, was noch mehr in ihnen steckt. Sowohl musikalisch, als auch inhaltlich schien die Band über sich hinausgewachsen zu sein und erreichte damit eine bemerkenswert positive Entwicklung. Gleichzeitig kann man sich bei Blond sicher sein, dass sie nicht darauf ausruhen werden.

    Obwohl Blond viele persönliche Geschichten erzählen, ist die Bedeutung der Sichtbarkeit und Identifikation für Hörer*innen nicht abzustreiten. Blond ist natürlich eine Band für alle, aber selten habe ich von so vielen FLINTA* Personen aus meinem Umfeld mitbekommen, dass sie sich so von einem Stück Musik so gesehen gefühlt haben. Und das ohne plakativ zu wirken oder Absicht irgendeine Art von feministischem Manifest schaffen zu wollen. Es tut einfach gut, mit Songs, die eine ähnliche Lebensrealität und ähnliche Erfahrungen spiegeln, mitzufühlen. Denn so sehr ich auch meine anderen Lieblingsbands liebe und bei deren Musik das Verlangen nach Identifikation und Verständnis verspüre, werde ich das von einem verrauchten Alex Turner im Anzug nie bekommen. Ich bin dankbar, diese Möglichkeit hier zu bekommen und gleichzeitig zu solchen Bangern mit dem Po wackeln zu können.

    Es scheint für mich so, als würde fast niemand anderes in der deutschen Musik sich zutrauen so verdammt viel Vielseitigkeit zu bedienen und so verdammt viel Wahrheit schamlos auszusprechen. Niemand macht es so wie Blond.

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    Nina und Lotta von Blond im Interview

    Dascha (untoldency): Hi, so sieht man sich wieder! Wie geht es euch? Wie erlebt ihr die Zeit um euer Album herum gerade?

    Nina: Wir sind irgendwie immer noch ziemlich im rush. Wir waren ja gestern noch in Chemnitz und haben noch Platten signiert, sind dann nach Hause und haben dann sofort geschlafen, sind aufgewacht und machen jetzt Interviews. Das ist halt alles immer noch so viel nacheinander. Der Puls ist die ganze Zeit hoch und wir sind die ganze Zeit so in Action. 

    Dascha (untoldency): Kann ich mir vorstellen!

    Nina: Aber es war alles sehr, sehr schön! Also wir sind auch sehr gut gelaunt und glücklich, gerade weil die Leute, die zu unseren Konzerten und zu diesen Signier-Sachen kommen, alle übelst tolle Menschen sind und dadurch ist das alles immer sehr, sehr angenehm.

    Dascha (untoldency): Voll schön! Dann fange ich mal ganz von vorne an. Wie kamt ihr auf den Albumtitel? Und diese „Unterwasser“-Ästhetik, die sich gerade bei euch durchzieht? 

    Lotta: Wir haben mal gehört, dass wenn Schmutz in eine Muschel gerät, die diesen Schmutz nimmt und umwandelt und zu einer schönen Perle macht. Das war für uns ein sehr schönes Bild. Und es gefällt uns sehr gut, wenn man sich überlegt, dass wir diese Songs auch schreiben, um vielleicht Schmutz, der in unser Leben kommt, zu verarbeiten und zu einem schönen Song zu machen, zu dem man sich empowered, fühlen kann. Deswegen haben wir nun ein Album, auf dem ganz viele Perlen sind. 

    Nina: Da lag natürlich die Unterwasserwelt sehr nah, und die ist ja auch von der Ästhetik her ein sehr schönes, weites Feld und da haben wir uns komplett reingestürzt. Wir waren sehr dankbar, dass wir uns selber so ein riesiges ästhetisches Feld gegeben haben. Wir haben ganz viele riesige Moodboards dafür und die sind noch lange nicht alle fertig umgesetzt. 

    Dascha (untoldency): Geil! Diese ganzen Schwimmbad Prelistenings und die Aktion mit den Synchronschwimmer*innen zu eurer Musik sahen sehr, sehr cool aus!

    Lotta: Ja, das war auch richtig schön. Das ist so absurd, dass wir das machen, weil sich das angefühlt hat wie ein Traum. Ich meine: Ja, ich spiele in einer Band. Und jetzt sitzen wir hier im Schwimmbad in der Bademeister Kabine und erlauben den Leuten, ins Wasser zu gehen. Wie sind wir denn hier gelandet? 

    Dascha (untoldency): Ein bisschen absurd, aber mega cool. Wann habt ihr angefangen, an dem Album zu arbeiten und was waren eure Highlights oder auch Tiefen? 

    Lotta: Wir haben in der Coronazeit angefangen. Also wir haben ja das erste Album rausgebracht, dann waren wir auf Tour und zu dem Album hätte noch eine zweite Tour im Herbst gehört. Wir kam quasi vom Tourabschluss aus Leipzig in Chemnitz an und einen Tag später war Lockdown überall. Da dachten wir am Anfang so „Nee, wir können jetzt nicht sofort neue Songs schreiben“, weil wir ja das erste Album noch gar nicht so präsentiert haben, wie wir das gerne machen wollten. Auch einfach mental ging es uns dann nicht so gut. Natürlich hatte man in dieser Coronazeit auch richtige Existenzängste und hat sich gefragt: „Okay, was passiert jetzt mit so einer Newcomer Band?“ Man hat angefangen, irgendwo anders zu jobben, man hat sich gefragt „Bleibe ich jetzt für immer in diesem Beruf? Kann man jemals wieder vor Leuten Konzerte spielen?“ und dadurch gab es keine krasse Motivation. 

    Nina: Wir sind schließlich eine Live-Band und wollen den Leuten die Musik, die wir schreiben, auf Konzerten zeigen. Deswegen hat es sehr, sehr lange gedauert, bis wir dann den ersten Song einfach geschrieben haben, das war Du und Ich. Danach erst, als auch wieder ein paar Festivals kamen, haben wir angefangen Songs zu schreiben und wieder ins Studio zu gehen. Johann hat sich in der Corona Zeit das Produzieren selber beigebracht, deswegen konnten wir da viel in Chemnitz machen. Was halt anfänglich total schwer war, war dieser Anfang, wieder kreativ zu werden. Das war auch ganz anders als beim ersten Album, aber eigentlich ziemlich cool, man war dann wieder in so nem kreativen Fluss drin. Also haben wir dann viel in Chemnitz gemacht und sind dann damit zu Produzenten ins Studio und haben die Songs dann da weiter ausgearbeitet. 

    Dascha (untoldency): Thematisch habt ihr ja auf dem Album sehr viele unterschiedliche Themen abgedeckt und viele Themen, die eben viele FLINTA* Personen beschäftigen und betreffen oder aktuell häufig im Gespräch sind. Was meint ihr, wie findet ihr für euch persönlich einen angemessenen Umgang mit solchen sensiblen Themen? Und auch, wie man vielleicht Leute außerhalb der eigenen Bubble erreicht, die sich nicht so häufig damit beschäftigen? 

    Nina: Wir sind natürlich nicht der Maßstab der Dinge und machen sicherlich auch nicht alles immer richtig. Unser Stilmittel ist ja immer so der Humor und wir versuchen dann halt durch Humor relativ einfach mit Themen umzugehen. Da muss man aber auch immer sagen, dass man bei einem Popsong von drei Minuten ja nie alle Facetten eines Themas abdecken kann. Das ist halt einfach Popmusik und da kann man auch nicht sehr, sehr tief in ein Thema einsteigen. Also so machen wir das, aber ich würde jetzt nicht sagen, so ist der einzig gute Umgang damit. Wir gucken immer, wie sich das für uns anfühlt und bauen das dann so aus. 

    Dascha: Aber es funktioniert gut! Was für einen Effekt oder was für Gefühle sollte das Album bei den Hörenden auslösen, was erhofft ihr euch? 

    Lotta: Wir haben jetzt auch schon relativ oft gespiegelt bekommen, dass sich Menschen gehört fühlen oder empowered fühlen oder einen Song haben, der die auch vielleicht mit ihren Freund*innen verbindet.

    Nina: Man macht ja die Musik in erster Linie für sich. Um sich selber das Ventil zu geben, um Sachen einfach zu verarbeiten oder Sachen anzusprechen. Wenn es dann im zweiten Schritt quasi funktioniert, dass Leute das auch noch toll finden, sich vielleicht darüber kennenlernen, connecten und Gemeinschaften bilden, die ähnliche Einstellungen haben, dann ist das voll cool. Aber man schreibt jetzt nicht einen Song, um zu sagen, ich möchte, dass die Leute dann das und das damit machen. Sondern der ist erst mal so für uns und tut uns gut, weil wir Bock haben, über etwas bestimmtes zu singen.

    Dascha: Und welche Bedeutung hat für euch persönlich weibliche Sichtbarkeit in der Musik? Besonders bezogen auf Durch die Nacht, weil vor allem die erste Strophe bei mir total hängengeblieben ist. Deswegen würde ich gerne mal hören, wer bei euch besonders zu diesem „Vielleicht kann ich das auch“ beigetragen hat. 

    Lotta: Also der Song ist für uns ja so ein bisschen ein „Danke“ an LaFee und Judith Holofernes. Das waren zum Beispiel zwei Künstlerinnen, die wir gehört haben, als wir zehn Jahre alt waren. Da war schon so der Moment da, dass man dachte irgendwie könnte man das doch auch, da hat man dann auf dem Kinderzimmerbett mit Mikrofon performt und sich das vorgestellt.

    Nina: Ich habe mir im Saturn immer jede LaFee CD geholt. Die hatte ja Alben, EPs, Single-Auskopplungen, dann noch mit einem Instrumental und einem Textblatt drinnen, wo man dann selbst den Text mitsingen konnte und so. Ich war eigentlich nur: LaFee. Ich habe mir sogar die Biografie gekauft, die hat sie geschrieben, als sie 17 war. Alter, das ist wirklich ein Legenden-Move! Später kam auch Missy Elliott oder Gossip dazu. Aber es gab immer wieder diese Momente, auch als wir schon älter waren. Zum Beispiel waren wir zusammen auf dem Peaches Konzert und waren so: „Oh mein Gott, das ist ja das Geilste überhaupt! Wir wollen das auch!“ Also bei Peaches haben wir dann gesehen, dass man über den Song hinaus quasi das gesamte Konzert zu einer einzigen Performance verwandeln kann und dass das voll geil ist. Also es nicht so, man geht auf eine Bühne und spielt ein Lied, sondern alles gehört zusammen. Das haben wir bei ihr das erste Mal gesehen. 

    Dascha (untoldency): Das ist so cool! Durch die Nacht hat mich so richtig gepackt, weil das für mich immer ein richtig großes Thema ist. Auch wenn ich selbst keine Musik mache, sondern Sachen hinter den Kulissen. Aber jedes mal, wenn ich starken weiblichen Personen begegne, vergesse ich diese Begegnungen auch nicht. Da gibt es so viele tolle Vorbilder.

    Nina: Ja, weibliche Vorbilder sind ja in allen Bereichen geil. Es tut einfach gut, dann eine Identifikationsfigur zu haben.

    Dascha (untoldency): Ja, total. Ihr habt auf dem Album auch das erste Mal in eurer Diskografie richtige Features mit drauf. Wie kam es dazu und wie war das für euch?

    Lotta: Wir haben das ja schon so immer über oft gemacht, dass wir uns so auf Festivals gegenseitig auf der Bühne besucht haben mit befreundeten Bands. Wir haben das irgendwie nicht so eingesehen, dass sowas nur im Rap komplett Standard ist. Also, mittlerweile ist es auch im Indie angekommen. Zum Beispiel bei Männer hat das für uns einfach voll Sinn ergeben, da noch eine andere Perspektive aus einer etwas anderen Musikrichtung reinzuholen. AddeN hat früher sehr viel Battlerap gemacht und war da so ein bisschen allein. Deswegen haben wir uns gedacht: Okay, sie kann das wahrscheinlich gut nachvollziehen, vielleicht hat sie ja Bock. Also wir hatten auch übelst Schiss sie anzufragen, weil wir waren so „Als ob die das macht!“ Wir dachten, die sagt safe nein. Aber dann hatte sie übelst Bock und ist ein ganz toller Mensch. Sie war jetzt auch bei unserer Releaseparty mit dabei und hat mit uns live performt und das hat alles voll Sinn ergeben. 

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    Nina: Auch Power Plush, das lag ja auf der Hand, weil wir sowieso immer übelst viel rumhängen und immer so einen kreativen Austausch haben. Bei Ich sage ja hatte das so gut gepasst von der Art her wie Power Plush Musik machen, durch diese harmonischen Gesänge. Die erste Zeile ist ja „Ich bin die Harmonie“ und dann kommen Power Plush mit ihrem harmonischen Wesen da rein. Das ist so geil! 

    Dascha: Finde ich auch. Es war aber auch cool, Power Plush mal auf deutsch zu hören.

    Nina: Genau, wir versuchen natürlich auch, denen so ein bisschen die Tür zu öffnen. Vielleicht machen sie ja auch mal einen Song auf deutsch!

    Dascha: Haha, vielleicht! Um bei Ich sage ja zu bleiben – Als ich den zum ersten Mal gehört habe, musste ich einfach heulen. 

    Nina und Lotta: Ahhh danke, das freut uns wirklich zu hören!

    Dascha: Mega song, einfach richtig schön. 

    Nina: Wir haben den jetzt schon ein paar Mal live gespielt und es gibt ja diese Bridge mit „Fass mich nicht an“ und dann singt das das Publikum immer nach und da kriege ich jedes mal Gänsehaut. Und wir haben ja sehr viel weibliches Publikum, da singen alle immer vor allem übelst laut das „Halt dein scheiß Maul!“ Da krieg ich Gänsehaut! Man merkt, dass die das brauchen, dass einfach mal heraus zu sagen.

    Dascha: Kann ich mir vorstellen. Könnt ihr mal in euren Worten aus eurer Erfahrung kurz sagen, wieso man weibliche Wut braucht? Auf den Song bezogen, also jetzt nicht unbedingt in einem revolutionärem historischen Kontext, sondern auch einfach im Alltag. Und findet ihr dieses Bild von diesem braven Mädchen, was immer ja sagen sollte, ist gerade im Wandel?

    Nina: Ich glaube, das ist wieder was Persönliches. Also ich habe halt viel gelesen, wo es einfach um Weibliche Wut ging und dann bin ich selber meine Sozialisation so ein bisschen durchgegangen und habe mich dann viel im Freund*innenkreis unterhalten. Dass man sich als Frau immer blöd vorkommt, wenn man sauer ist, weil man denkt man übertreibt oder ist hysterisch, weil einem das ja auch so gespiegelt wird, als ob Wut eine Emotion wär, die mir nicht steht. Und dann hab ich aber überlegt, dass das bei Männern nicht so ist. Zum Beispiel bei Politikern oder so, wenn die eine wütende Rede halten, dann sind das die total starken Typen. Wenn eine Politikerin aber eine wütende Rede hält, dann ist die überemotional und so. 

    Dann sind mir total viele solcher Sachen aufgefallen. Auch im Kindergarten zum Beispiel, dass die Jungs sich immer gerauft haben, aber Mädchen sollten sich ja immer sofort vortragen und lieb sein. Man rutscht dann ja selber in so eine Rolle rein, wenn die Gesellschaft die so vorgibt. Das Thema ist also eine persönliche Sache, die aber natürlich trotzdem strukturell bedingt ist. Dann hab ich eben viel dazu gelesen und habe gemerkt, dass es Lektüre dazu gibt und dass das ein Thema ist, was schon mal bearbeitet wurde. Ich habe das Gefühl, das ist wie bei allen möglichen feministischen Themen, dass es gerade schon so ein bisschen popkulturell abgebildet wird. Die Frage ist immer nur, wie sich dann sowas wirklich auch im System verändert. 

    Dascha (untoldency): Ich finde, das habt ihr sehr gut in dem Song auf den Punkt getroffen. Also, dass man es irgendwie einfach persönlich auf sich beziehen kann, aber trotzdem den allumfassenden Kontext versteht.

    Nina: Danke, wirklich! Wenn alle möglichen Leute gemeinsam dann „Halt einen scheiß Maul“ mitsingen und das in dem Moment ein Ventil für die ist, dann ist das geil. Es ist ja auch ungesund, seine Wut runterzuschlucken, das machen ja auch total viele. Ich habe auch gelesen, dass viel mehr Frauen als Männer Zähne knirschen, weil die da irgendwas nicht verarbeiten. Oder ganz viel mehr Frauen melden sich für diese Kurse an, wo man mit Baseball Schlägern Autos und so zerschlägt, um Wut rauszulassen. Das Gefühl ist ja da, aber wird dann einfach nicht ausgelebt. Das ist ungesund.

    Dascha (untoldency): Ja, das stimmt! Apropos Gefühle, ich würde noch gerne auf Immer lustig eingehen, weil ich den Song überraschend fand. Also, vielleicht werdet ihr auch einfach von außen schon ein bisschen in die Schublade der „funny“ Band gesteckt. Den Kontrast von dem Song auf dem Album finde ich super interessant und überraschend, aber andererseits hat es auch total Sinn ergeben. Vielleicht könntet ihr einfach mal ein bisschen zu dem Song erzählen und auch zu dieser Balance zwischen diesen zwei Seiten, um die es geht.

    Nina: Der Song ist der einzige auf dem Album bei dem es jetzt keinen doppelten Boden gibt, sondern der ist einfach das, was man singt ohne zusätzlich etwas zu erklären. Der ist genau so gemeint. 

    Lotta: Ich glaube, da geht’s auch so ein bisschen darum, dass wir gemerkt haben, dass oft Leute schnell so sind wie „Also, das hätte ich nicht gedacht, die ist doch immer so gut gelaunt“ und dass man Leuten auch mal zeigt, dass andere Leute nicht immer so sind, wie du die siehst. Wenn du Leute siehst, die nach außen vielleicht immer total funny wirken, dann kann das vielleicht auch ein Mechanismus sein, um mit Sachen umzugehen, die im Privatleben extrem scheiße sind. Es sollte einfach zeigen, dass es halt nicht so einfach ist, von außen in Leute reinzugucken. Dass es nicht so leicht ist zu sagen „Hey, dir geht’s doch gut, du scheinst doch immer gut gelaunt“ und ich glaube darum war uns das auch wichtig, da einfach mal so ehrlich zu sein, weil halt nicht immer alles schön ist. Auch bei uns nicht. 

    Dascha (untoldency): Ja total, das ist auch wichtig, sich dem bewusst zu sein. Der Song ist wirklich super schön geworden. Ich habe generell den Eindruck, dass ihr so eine Band seid, die irgendwie immer wieder neue Ideen einbringt und sich immer wieder weiterentwickelt und immer versucht, den Rahmen zu sprengen und irgendwas cooles neues einzubringen und damit auch irgendwie die Musikszene aufregender macht. Was treibt euch so dazu an? Also was gibt euch die Motivation, euch immer neues auszudenken? 

    Nina: Ich finde, und das sagen wir auch ganz oft, wir finden es übelst toll, dass wir in einer Band spielen und es könnte keinen besseren Beruf für uns geben. Zu dieser Band gehört ja auch sowas wie Musikvideos, irgendwelche Sessions, wie jetzt unsere Unterwasser Prelistenings und wir haben 100000 Ideen im Kopf, die gar nicht unbedingt in erster Linie nur was mit Musik zu tun haben. Und man kann die ja trotzdem alle umsetzen. Wir haben uns selber jetzt einen Rahmen geschaffen, wo wir einfach alles, was uns so einfällt, was wir geil finden, umsetzen können. 

    Lotta: Man kann sich kreativ so krass ausleben! Uns treibt dann auch an, dass man einfach umgeben ist mit kreativen Leuten. Also unser Freundeskreis ist auch extrem kreativ und so, das treibt uns dann natürlich auch an, wenn die Sachen machen und man sich darüber unterhält. Was einem außerdem so gute Gefühle gibt, ist dann halt, wenn man auf der Bühne steht und merkt, es zahlt sich aus und die Leute wertschätzen voll die künstlerische Arbeit, die man macht. Wenn man merkt, die Leute verstehen das und die Leute haben Spaß damit, dann treibt das natürlich auch wieder an, dass man wieder mit einer neuen Sache um die Ecke kommt. Das ist ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Dingen, aber wir sind einfach extrem glücklich, so kreativ arbeiten zu können.

    Dascha (untoldency): Das merkt man auch! Was ist für euch die größte Entwicklung, die ihr als Band gemacht habt? Von euren ersten Releases bis jetzt hier hin. 

    Nina: Ich finde, alles mögliche hat sich irgendwie gleich weiterentwickelt. Also, ich habe gestern unsere beiden Albumcover mal nebeneinander gesehen und die sind irgendwie trotzdem in einem Stil. Aber das zweite ist natürlich professioneller, sag ich mal, und ich kann das gar nicht an einer Sache festmachen, aber ich glaube man kann das auf alles beziehen. Musikalisch, aber auch die Ästhetik, das Bühnenbild, dann gibt es ja ein übelst tolles Team, was jetzt unsere Bühnenoutfits näht und solche Sachen. Wir haben halt quasi dadurch, dass wir jetzt ein bisschen größer sind, mehr Möglichkeiten, noch mehr Sachen, die wir uns immer gewünscht haben, umsetzen zu können. Das ist vielleicht nicht wirklich eine Entwicklung, aber einfach eine Möglichkeit.

    Lotta: Man hat sich privat auch so entwickelt, dass man vielleicht ein bisschen selbstbewusster mit dem eigenen Projekt ist und sich so ein bisschen den Raum, der einen ja auch zusteht, noch mehr nimmt. Außerdem arbeiten wir halt jetzt mit Leuten, die wir einfach übelst lieben und die uns mögen, man ist einfach auf einer Wellenlänge. Ich habe das Gefühl, das ist auch so eine persönliche Entwicklung, dass wenn eine Person einfach scheiße ist, man nicht mehr mit der Person zusammen arbeitet oder die Person nicht supported. Also, dass wir uns jetzt dieses Recht nehmen.

    Nina: Genau, das meinte ich auch mit Möglichkeiten. Wir sind jetzt an einem Punkt, wo man auch sagen kann: „Ist mir scheiß egal, du bist kacke, ich hab kein Bock auf dich“ und das ruiniert jetzt nicht die gesamte Karriere. Es ist natürlich immer kompliziert, aber es ruiniert jetzt nichts mehr. 

    Dascha (untoldency): Passend dazu, was fehlt euch persönlich momentan in der deutschen Musiklandschaft, egal in welcher Hinsicht?

    Nina: Um es mal kurz zusagen: in der Musiklandschaft fehlt uns meistens einfach eine Haltung. Einfach mal ein bisschen Rückgrat zeigen.

    Dascha (untoldency): Ja, gut zusammengefasst. Die nächste Frage, die vorletzte, ist sehr wichtig. Was ist euer lieblings Sims Erweiterungspack?

    Lotta: Ich muss dazu sagen, ich musste Sims letztens leider löschen, weil es so viel Speicherplatz eingenommen hat. Das Erweiterungspack mit den Haustieren ist zwar schon lange her, aber das war ein großer Schritt in die richtige Richtung. (lacht) Hauserweiterung fand ich super, aber ich weiß gar nicht mehr, wie das hieß. Irgendwas mit Home Decor? Da hat man so geile Badematten für den Pool bekommen und so. Da gab’s ganz spezielle kleine Sachen wo ich immer dachte „nice“, sowas wie schöne Vasen. Ich glaube, mein liebstes Erweiterungspack ist aber Haustiere. Was ist denn dein lieblings Erweiterungspacks?

    Dascha (untoldency): Ich glaube, auch Haustiere. Und Jahreszeiten ist für mich ein Klassiker. Ich denke manchmal daran zurück, dass es für Sims 2 so ein Pack gab, das hatte ich damals auf der Playstation, das hieß Sims 2 Gestrandet. Das war einfach so unnormal verstörend, da war man alleine auf der wilden Insel und irgendwann wurde man immer von Affen gejagt und getötet, ich hatte so Angst davor.

    Nina: Ich weiß einfach direkt im Kopf, wie diese Verpackung aussah! Das ist aber was, wo ich immer so drum rumgelaufen bin und meine Eltern überreden wollte, mir das zu kaufen. Ich habe es nie gekriegt. Ich kenne deswegen nur diese Verpackung, bei der für mich ein Heiligenschein drum rum war, das war etwas unerreichbares für mich als Kind. (lacht)

    Dascha (untoldency): Ja, das war geil, aber eben auch verstörend. Naja, okay. Die letzte Frage ist bei uns immer eine untold story, also eine Geschichte oder ein kleines Geheimnis, das ihr noch nicht öffentlich erzählt habt.

    Nina: Für alle, die uns letztes Jahr auf unserer Tour besucht haben, die ging einen Monat: Ich habe den gesamten Monat lang gezahnt. Also den gesamten Monat lang sind mir meine Weisheitszähne hinten durchgebrochen und ich konnte eigentlich meinen Mund kaum aufmachen und musste immer Schmerztabletten vorm Auftritt nehmen, damit ich überhaupt ordentlich singen kann. Ich dachte halt, die Martini Sprite Tour wurde drei mal verschoben wegen Corona, wir können jetzt nicht vier mal verschieben, wegen meinen Weisheitszähnen. Das geht ja nicht! Deswegen Shoutout an alle Babys die gerade zahnen, weil ich kann das komplett mitfühlen. Wenn du dich nur noch durch schreien äußern kannst, dann tut’s mir leid. (lacht) Das ist eine Geschichte, die wir noch nicht erzählt haben. Und jetzt ist es raus: Ich habe auf Tour gezahnt.

    Dascha (untoldency): Respekt, du hast es aber geschafft! Sind sie jetzt raus?

    Nina: Ne, die sind noch drinnen, ich habe genug Platz in meinem Mund.

    Lotta: Die leben da einfach rent free!

    Dascha (untoldency): Ich danke euch für eure Zeit und das schöne Interview!

    Ende des Jahres könnt ihr alle Perlen-Hits live auf Tour hören! Hier geht’s zur den Tourdaten.

    Foto Credits: Anja Jurleit