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Abstrakte Melodien, aber sehr viel Gefühle: RⱯHM⚉ entführt uns mit „SO CLOSE BUT So o º ˚ ˚ ˚ f ƒ ªa r ®˚“ in seine ganz eigene Welt

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Wenn ihr das lest, ist das zweite Album von RⱯHM ⚉ bereits draußen. Wahrscheinlich habt ihr noch nie von RⱯHM ⚉ gehört und fragt euch, wie ein Album klingen kann, das so einen aufwendig geschriebenen Namen hat. Wenn ihr neugierig seid, dann versucht ihr ihn auf Instagram und Co. zu finden. Gebt ihr da „RAHM“ ein, findet ihr aber nichts. Auch bei „Rahmmusic“ oder ähnlichen Abweichungen kommt nichts raus. Entweder man hat euch hier schon verloren (wie schwer kann es sein, eine öffentliche Person auf Instagram zu finden) oder ihr nehmt den hartnäckigen Weg über die Spotify About Page des Künstlers. Aber alles, was ihr da findet, ist auch nur (neben des wirklich fantastischen Bildes) folgender Hinweis:

“You won’t find me in the places you see people, but you can

TEXT ME, WEB ME, STⱯY IN TOUCH.”

Neben eines Wikipedia Links, den ihr selbst anklicken müsst, um rauszufinden, wo er hinführt, gibt’s nichts. Kein RⱯHM ⚉ auf Instagram, kein RⱯHM ⚉ auf Facebook oder Twitter. Dafür reicht die Liste von Städten, in denen er am meisten gehört wird, von Los Angeles über Sydney und Paris bis nach New Taipei, Taiwan. Random? Wahrscheinlich. Aber auch wenn alles rund um RⱯHM ⚉ zufällig zusammengewürfelt zu sein scheint, so ist eher das Gegenteil der Fall. Verpackt in so viel liebevolle und geniale Weirdness hat mich RⱯHM ⚉ in den letzten Monaten so um den Mikrofonpuschel seines Pokémon-Onesies gewickelt, dass ich gar nicht anders kann, als hier in vollster Wortform darüber auszuschweifen. Wir dürfen euch vorstellen: euren heutigen random Fund des Internets und Musik in ihrer pursten Form: RⱯHM ⚉ und sein zweites Album SO CLOSE BUT So o  º  ˚  ˚ ˚ f ƒ ª a r ®️ ˚ .

Die eigene Comfortzone ist da, wo der Sessel steht

Bevor ich aber ausschweife, möchte ich eure pochende Neugier stillen. Nicht nur darüber, was hier musikalisch überhaupt auf euch zu kommt, sondern, klar, der Pokémon-Onesie (für Nostalgie-Nerds: es ist ein Relaxo). Was gibt es cooleres als Onesies für Erwachsene? Maximaler Komfort mit minimalen Verantwortungserwartungen. Welche erwachsenen Entscheidungen soll ich schon treffen, wenn ich wie ein Pokémon aussehe? Richtig, keine. In Onesies macht man nur Dinge, die der eigenen comfort zone entsprechen und die reicht genau vom Sofa bis zur Küche und wieder zurück. RⱯHM erweitert diese comfort zone auf irgendeinen Schneestrand in „NOWHERE“ (wo das ist, bleibt sein Geheimnis), aber comfort zone ist comfort zone. Und ob Sessel oder Couch ist dann ja auch irrelevant.

Nach diesen 4:25 Minuten war ich verliebt, ich sag’s wie’s ist. Das fängt schon an bei diesem Mikrofonpuschel. Zusammen mit dem Onesie strahlt das so viel unschuldige und ehrliche Kindlichkeit aus, dass ich gar nicht anders kann als den ein kleines bisschen lieb zu gewinnen. Und vielleicht mag ich das Wort „Puschel“ auch ganz gerne. Mehrmals denk ich darüber nach, ob das, was ich mir da angucke, sehr viel Weirdness in einem Relaxo-Onesie ist oder sehr viel Genialität. Ich entscheide mich für letzteres, RⱯHM ⚉ wird’s egal sein, wie man es bezeichnet. Sowas schließt sich immerhin ja auch nicht gegenseitig aus. 

semiautomatical ist der Opener des Albums, ihr seid also direkt mit dem first track in die Welt von SO CLOSE BUT So o  º  ˚  ˚ ˚ f ƒ ª a r ®️ ˚  gestartet. Auf eine Art wisst ihr also jetzt, was euch erwartet. Ab hier geht’s nur tiefer ins Wurmloch.

It’s that kinda dead feeling inside.

E ist schwierig, die Musik zu beschreiben, die RⱯHM ⚉ macht. Man kann sie wirklich nur selbst hören und fühlen. Und selbst das, was ich fühle, find ich sehr schwierig in Worte zu fassen. Alles an diesem Album fühlt sich so persönlich und kryptisch zugleich an. Getrieben von abstrakten Melodien und Beats ist SO CLOSE BUT So o  º  ˚  ˚ ˚ f ƒ ª a r ®️ ˚  wie eine emotionale Achterbahnfahrt, aber mit Augen zu.

all the things zum Beispiel fühlt sich – für mich – an wie depressive Kopfschmerzen voll mit Selbstzweifeln und nie abgeschickten Briefen tiefsten Herzschmerz. open wii-iide dagegen wie ein experiementeller Rave von ganz simplen gestellten Existenzfragen, auf die man eine Antwort sucht, aber weiß, dass man sie nie findet.

„I break my bones instead of just letting you go”. So abstrakt RⱯHM ⚉ seine Songs auch dichtet, so klar heben sich auch solche Zeilen hervor. Das ganze Album ist durchzogen von Trennungsschmerz und Selbstreflektion:  “I consider music making to be a kind of mining, or maybe spelunking. You grab some hot feelings way down there and try to bring it back up to the surface. The album came out of that mining of feelings.”

Das ist der Grund, warum es mir so schwer fällt, konkrete Gedanken zu diesem Album niederzuschreiben. Auf eine Art ist dieses Album eine abstrakte Therapie für uns alle. Die Gefühle, die es bei uns auslöst, sind zwar in Teilen komplett verschieden, aber haben bestimmt auch viele Überschneidungen. Angst, nicht genug zu sein, Angst, zu viel zu sein, Angst, überhaupt zu sein. Hier ist alles an Gefühlen erlaubt. RⱯHM ⚉ gibt uns den Platz auf seinen elf Songs, alles zu so viel bewusster wahrzunehmen, was wir vielleicht sonst im Alltag einfach zur Seite schieben. Das zu fühlen, was er fühlt, oder das, von dem wir selbst nicht mal wussten, dass wir es fühlen. It’s open therapy for all.

Der letzte Song afterlife ist wahrscheinlich der Song, der am meisten aus dem ganzen Album hervorsticht. Ohne Sampeln oder Beatloops ist afterlife das komplett akustische Outro. Mehrstimmig und konsequent auf 4 Minuten aufbauend kann ich sagen: RⱯHM ⚉ kann singen. Aber es wäre auch kein RⱯHM ⚉ Song, würde auf diesen 4 Minuten kein dramatisches Klavierinstrumental die letzte Minute des Albums ausmachen. Also ist irgendwie doch wieder alles in sich schlüssig.

Die Welt von RⱯHM ⚉ ist sehr schwer zu finden, doch einmal gefunden, will man nicht mehr raus. In diesem Meer aus Musik und Kunst sticht er hervor, ohne dass man ihn wahrnimmt. But that’s okay. Jemanden wie RⱯHM ⚉ würde man durch zu viel Kommerz nur kaputt machen. Alles an seiner Musik ist ehrlich und zerbrechlich. Und so einzigartig! Um trotz meines leicht sprunghaften Textes wieder die Einleitung aufzugreifen – dieser Künstler hat kein Social Media. Kein Output an Promo auf dem üblichen Wege, keine Tik Tok Reels oder persönliche Einblicke in sein Leben. Alles, was er hat, ist seine Musik (und seine wirre Website, auf der man mehr als interessante Gedankenanstöße finden kann).

 
Fazit: Es gibt kein Fazit, nur Musik

SO CLOSE BUT So o  º  ˚  ˚ ˚ f ƒ ª a r ®️ ˚  ist ein Gefühlstagebuch in Sounds, es ist eine emotionale und aufschürfende Reise in sowohl die Welt von RⱯHM ⚉ als auch zu einem selbst. Für all die Sachen die so close sind but yet so far. Doch auch aus dem schlimmsten Heartbreak lernt man die wichtigsten Dinge über sich selbst. Und für genau diese Zeit braucht man dieses Album. Ich kann es nicht beschreiben, aber es öffnet wirklich andere Türen – im ganz metaphorischen Sinne.

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