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  • Johannas Jahresrückblick: „Von allem ein bisschen und noch so viel mehr“

    Johannas Jahresrückblick: „Von allem ein bisschen und noch so viel mehr“

    Musik hatte für mich dieses Jahr, 2025, persönlich keinen roten Faden – und genau das ist der rote Faden. Dieses Jahr hat mir die Musik nochmal ganz neue Facetten gezeigt, ganz neue Türen geöffnet und ganz neue Begeisterung geweckt. Es geht von dem altbekannten Pop-Girlie, das ich bin, über Neo-Soul und deutsche Musik bis zu Folklore aus Bolivien.


    Doch erstmal zum Vertrauten

    Dieses Jahr gab es einen Haufen vielfältigster Alben, die mich alle in ihrer eigenen Art und Weise begleitet, unterstützt und abgeholt haben. Angefangen mit meinem persönlichen Lieblingsalbum: “Wishbone” von Conan Gray. Schon die vorab veröffentlichten Singles überzeugten mich komplett, sie waren so voller Gefühl und Schmerz – aber alles schonungslos ehrlich und unverpackt in Songs gesteckt. Dieses ganze Album hat mich so viel fühlen lassen. 

    Der erste Platz meiner Lieblingsalben in diesem Jahr war – und bleibt – trotzdem stark umstritten. Die erste Konkurrenz wurde nämlich bereits zwei Wochen früher veröffentlicht: “Bite Me” von Renee Rapp. Wer mich auch nur ansatzweise kennt, weiß, wie sehr queere, feministische, empowernde Musik in meine Identität integriert ist. Und genau das war das neue Album von Renee. Ein weiterer Bonus des Records stellt die Vielfältigkeit der Songs dar. Es gibt alles: von traurigen Balladen wie “Somewhere” über Songs wie “Leave Me Alone”, die ein “Fuck you” an alle geben, bis zu Break-Up-Songs und Indifferenz wie bei “I Think I Like You Better When I’m Gone”. Und diese Vielfältigkeit spiegelt sich nicht nur in den Themen der Songs, sondern auch in der Instrumentalisierung. Jeder Song klingt anders, jeder Song hat einen anderen Fokus. 

    Es gibt aber auch noch eine dritte Konkurrentin im Rennen: “Everybody Scream” von Florence + The Machine. Weil, um ehrlich zu sein, war der Titel auch Programm dieses Jahr – manchmal bleibt nichts anderes übrig, als Frustration und Unverständnis einfach raus zu schreien. Wenn auch vergleichsweise spät erschienen dieses Jahr, hat sich das Album – und vor allem die Single “Buckle” – sehr schnell in die Favoriten gespielt. Lyrisch und musikalisch für mich persönlich ein absolutes Meisterwerk, liebe ich auch einfach den female rage, der im Subtext so vieler Songs liegt, die Self-Awareness, mit der sie Lieder schreibt und sich trotzdem in ihren Emotionen verliert. Das ganze Album für mich eine absolute 10/10.

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    Musikalische Überraschungstüten

    Doch nicht nur vertraute Sounds haben sich dieses Jahr in mein Herz gespielt – ganz überraschend hat sich mein Musikgeschmack in einige Richtungen geöffnet. Und dazu gehört nicht nur die bolivianische Folklore, über die wir noch sprechen werden, sondern auch deutsche Musik, Neo-Soul und 60ziger Sounds.

    Ein Satz, den schon viele Menschen von mir gehört haben, lautet: “Ich mag keine alte Musik, gimme the modern stuff.” Umso überraschender kam das Album “AURORA” von Daisy Jones & The Six. Manche kennen vielleicht das Buch oder die Serie – ich habe dieses Jahr das Buch gelesen und war natürlich dann auf den Sound gespannt, in meinem Kopf hatte ich eine Vorstellung, aber ich wollte es ja auch hören. Und ja, das erste Hören hatte mich nicht vom Hocker gehauen, aber von Anfang an hatte es etwas Interessantes und Fesselndes. Der Sound – auch wenn offensichtlich erst vor kurzem produziert und entstanden – klang authentisch nach 60ern und auch der Vibe und die Atmosphäre waren sehr stimmig. Ich hab’s geliebt.

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    Ebenso überraschend war Nina Chuba wieder da – mit ihrem neuen Album “Ich lieb mich, ich lieb mich nicht” hat sie ebenso wie Renee Rapp eine so breite musikalische Palette präsentiert, dass eigentlich für wirklich jeden was dabei sein muss bzw. kann. Normalerweise halte ich mich meilenweit fern von deutschsprachiger Musik – bisher habe ich einfach keinen Bezugspunkt dazu gefunden. Aber bereits vor dem Release des Albums hat mich das Feature “fucked up” mit Makko begeistert – die Lyrics “Wir beide hab’n zu lange nur an dich gedacht” fand ich direkt genial. Und als ich dann das Album angehört hatte, war ich einmal mehr überzeugt von Nina’s Art zu texten und wie sie jedem einzelnen Song seinen komplett eigenen Charakter gab.

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    Als letzte Überraschungstüte ist Olivia Deans Album “The Art of Loving” zu nennen: Auch Neo-Soul oder R&B begeistert mich normalerweise wenig – Olivias Album allerdings hat sich direkt in mein Herz gespielt. Alle Songs auf diesem Album klangen so sanft und liebevoll. Olivia hat mit diesem Album einen sehr entspannten, langsamen, sanften Ort geschaffen, der auch mal innehalten und einfach lieben – das Leben, seine Mitmenschen und auch sich selbst – lässt.

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    Auf der ganz anderen Seite der Welt – und auch auf der ganz anderen Seite der Musik

    Angekommen in Bolivien wurde Folklore ein ständiger Begleiter im Alltag. Von Flöte spielen und Musik aus den Anden über Tanzen zu Tinku, Caporales, Chacarera und vielem mehr bis zu Fusion-Musik aus Folklore und modernen Stilrichtungen sowie Cumbia wurden viele unterschiedliche, folklorische Einflüsse eine meiner meistgehörten Sounds. Dabei wurde das gemeinsame Erleben und Teilen von Musik sehr viel wichtiger. 

    Jeder Rhythmus hatte seine Choreografien, seine Schritte, seine Essenz. Und Musik nicht nur zu hören, nicht nur musikalisch zu verstehen, sondern auch zu tanzen – zu wissen, wie man zu ihr tanzt und das auch immer mit anderen Menschen teilen zu können, weil die Kultur eben so tief in jeder Person verwurzelt war – hat ein ganz anderes Verständnis und Erlebnis ermöglicht. Es hat direkt Gemeinschaft geschaffen, es hat zur Bewegung animiert, es hat Lebensfreude gegeben. Die Musik wurde gefühlt und gelebt und das war einfach ein wunderbares Gefühl. Musik war nicht nur ein persönliches Konsumgut, sondern ein sozial geteiltes kulturelles Gut, von dem alle Teil waren.

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    Ich habe in Bolivien viel über das Teilen von Musik gelernt. Zum einen eben viel durch Folklore – mir wurde hier eine ganz neue musikalische Tür eröffnet, etwas, das ich vorher so noch nicht gehört habe. Und es ging eben nicht nur um das Konsumieren der Musik, sondern auch um das Ausleben davon. Es sollte – und wurde – Gemeinschaft geschaffen werden, indem man Musik teilt, sich gegenseitig unterstützt und lehrt. Ich wurde immer gerne in das Schaffen von Musik integriert, mir wurde immer gerne jedes noch so kleinste Detail zum zehnten Mal beigebracht, bis ich endlich Erfolg hatte – ohne mich zu verurteilen, einfach mit viel Geduld und Freude am Teilen. Und dieses bedingungslose Teilen war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung.

    Aber auch abseits der Folklore lernte ich viele Musiker*innen teilen. Menschen, die zutiefst leidenschaftlich über ihre Musik waren, auch wenn die Musiklandschaft in Bolivien natürlich ganz anders funktioniert als hier bei uns und es teilweise sehr viel schwieriger ist, Musik zum Hauptteil seines Lebens zu machen. Dabei lernte ich unter anderem die Sängerin Nia Cole kennen, deren Live-Energy und Texte mich komplett überzeugten. Vor allem live zog sie ihr Publikum in einen Bann, hielt sie im Moment und schaffte eine ganz besondere Atmosphäre. Es war eines der Konzerte, die so schwierig in Worte zu fassen sind, wenn man nicht da war – das vor Ort aber absolut magisch war. Insgesamt war ich in so vielen Kontexten Teil eines gemeinsames Schaffens von Musik, Teil von kreativen Prozessen, vom Austausch von Musik. Und das hat mir auch, wie bei der Folklore, eine sehr andere Wertschätzung von Musik gegeben.

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    Eine Wundertüte, die nicht hätte besser sein können

    Letzten Endes war dieses Jahr musikalisch eine komplett bunte Wundertüte. Es gab so viele Lieder, so viele Alben, so viele Künstler*innen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mich so in ihren Bann ziehen können und mir etwas zeigen und geben können, das ich gesucht habe. Aber offensichtlich ist das passiert – und hat meinen Musikgeschmack und meine Einflüsse stark diversifiziert. Genau diese Vielfalt – manchmal widersprüchlich, aber immer ehrlich – war das, was dieses Jahr geprägt hat.

  • Annas Jahresrückblick 2024: Meet Me In The Middle of 2024

    Annas Jahresrückblick 2024: Meet Me In The Middle of 2024

    Es ist 16:30 Uhr und stockduster in Berlin. Eine Kerze brennt auf meinem Wohnzimmertisch, es riecht nach Pumpkin Latte und durch meine Kopfhörer tönt Frankie Stew and Harvey Gunn ­– nur ein Album von so vielen, das mein Jahr geprägt hat. Book Smart ist der erste Song, den ich Anfang des Jahres auf Dauerloop gehört hab und der mich in die komplett verzaubernde Welt der beiden Briten gezogen hat. Es hittet einfach zu sehr: “I’m nearly 30, shit. Maybe I should quit, Maybe I should not do this.”

    …maybe I should? Das frag ich mich seit Jahren. Zwischen Berufswechseln und Burnouts chille ich nun ein Weilchen schon in diesem Vakuum in der Mitte von Dingen und weiß nicht so Recht, wohin oder woher. Doch eins bleibt über die Zeit eine Konstante und wird es auch weiterhin bleiben: die Liebe zur Musik. Ob auf Alben, Konzerten oder im Maileingang von untoldency – 2024 hielt mich Musik bei Sinnen. Es gab dieses Jahr so viele Songs und Alben, die sich in meine Identität gegraben haben, als würden sie schon ewig dort leben. Also wirklich so viele! Wenn ihr wollt, werd ich euch einige davon hier vorstellen. Wenn ihr nicht so viel lesen wollt, könnt ihr sie hier hören. Beides geht auch, klar, und keins davon eh.


    “I don’t wanna backslide“

    Auch wenn dieser Artikel und die Playlist mit Booksmart starten, ist er nicht mein meistgehörter Song des Jahres. Diese Trophäe geht an, suprise suprise, Twenty One Pilots. Und das absolut zu Recht! Ich hab mich dieses Jahr nicht in Chapell Roan oder Sabrina Carpenter verliebt (sorry), sondern stattdessen meine ewigwährende Liebe zu Tyler Joseph und Josh Dun vertieft. Für die Personen, die mich kennen, wird das absolut keine Überraschung sein. Für die unter euch, die einen meiner Twenty One Pilots Deep Dives gelesen haben, wahrscheinlich auch nicht. Für mich ist die Band aus Ohio, Columbus eine der most underrated Bands überhaupt. Obwohl sie Arenen ausverkaufen und Festivals headlinen, ist für die meisten das Universum, das Tyler und Josh mit jedem Aspekt ihrer Musik erschaffen, völlig unbekannt. Wer ist Clancy? Was ist Trench? Wieso hat der Sänger schwarze Farben auf seinem Hals und Händen? SO VIELE FRAGEN und mindestens genau so viele Antworten.

    Das letzte Mal, als ich ausführlich über die Storyline der Alternative Band philosophiert hab, war im März zu ihrer ersten Singleauskopplung Overcompensate. Ich werde noch die Zeit finden, die Theorien, Fakten und Gefühle zum neuen Album schriftlich festzuhalten. Dass ich das in dem halben Jahr seit Albumveröffentlichung nicht geschafft habe, zeugt davon, wie verschlungen ich vom restlichen Leben war. Schnell auf die Hand empfehlen kann ich euch: Backslide, Routines In The Night, Snap Back und At The Risk Of Feeling Dumb. Mit meilenweitem Abstand gewinnt hier aber Backslide. Auf Platz 1 von meinem Spotify Wrapped gekrönt ist es der eine Song, der mich seit Monaten emotional komplett durchwirbelt. Egal, wie oft ich ihn höre oder wann er zufällig angespielt wird, ich gebe meine ganze Seele diesem Song. Der Aufbau, die Lyrics, der musikalische Switch, die Verzweiflung – alles ist perfekt. Und wahnsinnig schwer zu beschreiben. Also hört einfach selbst:

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    Kirschblüten vs. Winterdepression

    Dass Clancy mein Top-Album 2024 wird, war schon klar, bevor es überhaupt veröffentlicht wurde. Ein weiteres Album, das ganz weit oben auf der Liste gelandet ist, ist das Debütalbum des palästinensischen, französischen, algerischen und serbischen Künstlers Saint Levant. In Gaza aufgewachsen, hat er mit seiner Debüt-EP From Gaza, With Love den ersten internationalen Durchbruch erreicht. Saint Levant singt auf Englisch, Französisch und Arabisch und schafft auch was Genres angeht eine so spannende Mischung, dass ich ihm komplett verfallen bin. Sein Debütalbum DEIRA war mein Türöffner für mehr arabische Musik in 2024, etwas, das ich euch wirklich sehr ans Herz legen kann. Es ist Wahnsinn, wie sehr einen etwas berühren kann, was man nicht versteht.

    Was ich verstehe, ist der Hype um Fontaines D.C. – die Band aus Irland hat mit ihrem neuen Album Romance und der dazugehörigen Tour alle in meinem Umfeld mitgerissen. Bei mir lief im durchwachsenden April vor allem Starbuster auf Dauer-Repeat, abgelöst von WILLOWs run! Beide Songs haben meine Winterdepression in Schach gehalten, bis sie langsam den aufblühenden Kirschblüten gewichen ist. Das erste Mal die Jacke in der wärmenden Sonne ausziehen ist und bleibt für immer einer der besten Momente im Jahr. Und wenn dann so ganz unerwartete Songs wie Nukho von niemand anderen als Comedy-King Teddy Teclebrhan in der Playlist landen, werden ganz andere Glücksgefühle wach.

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    Generell hab ich mich dieses Jahr weiter in Afrosoul und Afrobeat verloren. Genres im Deep-Dive von Künstler*innen zu entdecken, ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Falls ihr auch mal einen Abstecher machen wollt, kann ich euch Artists wie Juls, June Freedom, Tems, Tyla, CKay, Tim Lyre sehr empfehlen – fast alle mit einem neuen Album! Ich sags ja, es gab 2024 wirklich so viele gute Alben.


    Hit me hard and soft, please.

    Darunter auch, ich könnte sie nie vergessen, Billie Eilish. Mittlerweile eine völlige Ikone und ohne weitere Erklärung hält ihr neues Album HIT ME HARD AND SOFT alle Versprechen. Songs wie CHIHIRO, BIRDS OF A FEATHER oder BITTERSUITE schlängen sich durch ihren gesamten Aufbau durch jede emotionale Barriere und lassen einen atemlos zurück. Für mich allein nur deshalb eines der absoluten Highlights des Jahres, weil Billie vor Album-Release keine einzige Single veröffentlicht hat. Und für dieses Erlebnis, das Album wirklich von vorne bis hinten als eine Sammlung komplett neuer und unbekannter Songs zu erfahren, bin ich ihr sehr dankbar. In dem Sog aus wöchentlichen Releases vergisst man schnell, wie es ist, Alben als die Gesamtwerke wahrzunehmen, die sie sind.

    Ebenfalls komplett aus dem Nichts kam Ende November Kendrick Lamar mit seinem neuen Album GNX. Es heißt, nicht mal das Label hatte was vom Album gewusst bis kurz vor Veröffentlichung. Es braucht seine Zeit, die Gänze und Tiefe von Kendricks Alben zu erfassen. Klar ist aber, dass wenn die ganze Drake/Kendrick – Debatte bis hier noch keinen klaren Abschluss gefunden hatte, es spätestens mit diesem Album ganz eindeutig ist, wer den amerikanischen Hip Hop dominiert.

    (So halb) fließende Überleitung zum nächsten Song, der mich in den letzten Wochen komplett umgehauen hat: Kennedy Space Center von der Americanism-EP von Post Punk-Duo GAST. Ich hab die beiden auf ihrer ersten Tour live sehen können und bin jetzt noch überzeugter als davor, dass wir hier gerade die Anfängen von etwas ganz Großem beobachten. Die Verzweiflung übers Leben und die Sehnsucht nach Mehr ist in jedem ihrer Songs so unfassbar spürbar, dass man sich am liebsten in den Sound legen und nicht mehr aufstehen möchte. Es hilft vielleicht nicht gegen die grauen Wintergedanken, aber es gibt ihnen immerhin den richtigen Soundtrack.


    Purer Balsam für die Seele: WEZN

    Ebenfalls in diesen Soundtrack eingereiht hat sich dieses Jahr bei mir All I Have von RY X und das Debütalbum von Singer-Songwriter Mustafa. Und, Wundermittel gegen jedes Wetter und purer Balsam für die ganze Seele: WEZN. Auch wenn sie in diesem Jahresrückblick evtl. ein wenig untergehen, (ich hoffe, jemand von euch liest hier noch mit?), sind sie vielleicht der bedeutendste Teil meines Versuchs, dem Leben mithilfe von Musik einen Sinn zu geben. Das klingt düsterer als es ist, aber die noch fairerweise kleine Band aus Hannover ist der Grund, warum ich nie aufhören werde, nach neuer Musik zu suchen. Es gibt einfach SO VIEL unbekannte Musik da draußen, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Bands wie WEZN zuzuschauen (und in meinem Fall direkt mitzuhelfen) wie sie größer werden, hat mir in diesem Jahr so viel mehr Energie und Motivation gegeben, als sie es selbst vielleicht wissen. Hier hab ich schon mal versucht zu beschreiben, was genau WEZN ausmacht. Aber weil die Musik selbst sowieso immer mehr überzeugt als reine Worte, könnt ihr euer ganzes Herz hieran verlieren:

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    WEZNs Debütalbum Meet Me In The Middle ist deshalb nicht nur Namensgeber für meinen Jahresrückblick, sondern irgendwie auch für das ganze Jahr. Ich arbeite immer noch auf Nachtzügen nach Stockholm, buche aber nicht mehr die Tour meiner Lieblingsband. Dafür manage ich sie! Ich bin umgezogen, hab mich verliebt, war auf Demos und vielen Festivals, und wurde mir mal wieder sehr vieler meiner eigenen Privilegien bewusst und wie wichtig es ist, sich immer weiterzubilden. 2024 war ein sehr intensives Jahr, Räume für Kultur werden chronisch weggekürzt und universal geglaubte Menschenrechte muss man auf einmal rechtfertigen. Sich zwischen all dem, was in der Welt schief geht, nicht zu verlieren, sondern sich halbwegs glücklich durchs Leben zu navigieren, ist für uns alle jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung. Dieses Jahr war ein wahres Auf und Ab, und in all dem hat mich Musik begleitet. Wenn ihr wollt, könnt ihr hier in eine kleine Auswahl reinhören:

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    Und wenn ihr bis hier hin gelesen habt und untoldency generell eine Weile schon verfolgt und gut findet: wir haben jetzt die Möglichkeit geschaffen, dass ihr uns unterstützen könnt! Es ist auch finanziell kein leichtes Jahr gewesen und Musikjournalismus in dem liebevollen Rahmen hier ist leider komplett unbezahlt, deshalb könnt ihr (wenn ihr wollt), uns auf Steady mit monatlich 3,50€ unterstützen. Im Gegenzug bekommt ihr unendliche Liebe & Wertschätzung, Sticker, exklusive Verlosungen und eine monatliche kuratierte Playlist. Es würde uns die Welt bedeuten.

    Achja, und: Free Palestine 🇵🇸

  • Johannas Jahresrückblick: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“

    Johannas Jahresrückblick: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“

    „Sad girl delicate wednesday night“ – so hat Spotify meine erste Daylist betitelt. Und zwar auch ziemlich passend. Denn alles, an das ich mich dieses Jahr erinnern kann, ist gefühlt eine Überpräsenz von Noah Kahan, Gracie Abrams und – wer hätte es geahnt – Taylor Swift. Was mein Hörverhalten dieses Jahr sonst noch auszeichnete, waren eine große Menge an unhealthy obsession und comfort music mit einer Prise von Empowerment-Reclaiming Versuchen zwischendurch.


    Ein besonderes Erlebnis dieses Jahr war allerdings ein Interview mit einer Künstlerin. Dafür habe ich im Vorfeld die Definition eines Mixtapes recherchiert: “a compilation of favourite pieces of music, typically by many different artists, recorded on to tape or another medium by an individual.” Und da sowohl dieses Interview als auch Mixtapes (ich liebe persönlich erstellte Playlisten – Musik zu teilen ist definitiv eine meiner love languages) einen ganz besonderen Platz in diesem Jahr hatten, habe ich mich für einen Jahresrückblick in Form eines mixtapes zu entschieden. 


    Auf diesem hypothetisch erstellten Mixtape finden sich 13 Songs. Diese Tracks stehen stellvertretend für Alben und Erlebnisse, die mich durch dieses Jahr begleitet, nicht allein gelassen und immer wieder aufgefangen haben.

    Side A, Track 1: Lost On You – Rosie Darling

    Drei Töne, ständig wiederholt. Mehr braucht es anscheinend nicht, um mich komplett verliebt und sprachlos zurückzulassen. Die Fragilität und Vulnerabilität haben mich von Anfang an nicht losgelassen. Dieses Lied ist so zart und gleichzeitig voller Hoffnung und auch Schmerz und hat mich einfach innehalten lassen. Ich war komplett gefesselt von der Einfachheit dieses Songs, die trotzdem so starke Emotionen hervorrufen konnte. Dieses Gefühl von starker Dualität und irgendwo auch Ambivalenz werden wir noch in einigen Songs dieses Jahr finden.

    Lost On You“ steigert sich im Verlauf des Songs: Angefangen mit einzelnen Klaviertönen wird der Sound intensiver, Drums steigen ein, es wird theatralischer. Der Song entfaltet sich, nimmt Raum ein und schafft durch die Wiederholungen ein Bild von Verzweiflung. Ein wahres Meisterwerk.

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    Side A, Track 2: 0 or 100 – Upsahl

    Wer UPSAHL bereits kennt, hatte vielleicht schon die Vermutung, dass sie die Inspiration für das Mixtape war. „0 or 100„, ein Track aus ihrem Mixtape UPSAHL PRESENT: THE PHX TAPES, hat mich dieses Jahr viel begleitet. UPSAHL hat in diesem Song das Gefühl eingefangen, sich zerrissen zu fühlen. Irgendwo zwischen „es läuft alles“ und „es läuft gar nichts“, nicht nur textlich, sondern auch im Sound, spielt sich dieser Song ab.

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    Side A, Track 3: I’m A Problem – Caity Baser

    Caity hatte ich vor einiger Zeit auf TikTok gefunden und seitdem nicht mehr losgelassen. Die Art, wie sie Songs schreibt, voller Selbstbewusstsein und Lockerheit, hat etwas für sich. Und „I’m A Problem“ (inklusive Musikvideo) hatte mich im Februar und März erst recht an der richtigen Stelle abgeholt.

    Der Song ist ein Statement für sich. Wenn andere Leute ein Problem damit haben, dass du eine Meinung und Selbstbewusstsein hast:

    „put your middle fingers up / say that we don’t give a fuck“

    Caity ermutigt dazu, zu sich selbst zu stehen und lieber zu akzeptieren, ein „Problem“ zu sein als sich kleinzumachen. Genau das, was ich gebraucht hatte.

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    Side A, Track 4: Pretending – Fletcher

    Oh Fletcher“In Search Of The Antidote”, veröffentlicht im April, war bis Juni der beste Release in diesem Jahr für mich. Dieses Album wird angetrieben von der Imperfektion, der messiness, die man in Fletcher’s Stimme hört. Das Album erzählt eine Geschichte davon, sich selbst zu verlieren – durch zu starke Emotionen, durch den Wunsch, etwas zu fühlen und dem Wunsch, sich selbst zu finden. Zu versuchen, einen Weg durch dieses Chaos zu finden. Für mich eines der wichtigsten Alben dieses Jahr.

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    Side A, Track 5: Growing Sideways – Noah Kahan

    Mein musikalischer Mai bestand genau aus drei Artists: Noah Kahan, Taylor Swift und Gracie Abrams. Angeführt wurde der Monat von „Growing Sideways“ und Noah. Noah’s Musik ist eine ganz besondere Art von Umarmung für mich. Wenn ich an seine Musik denke, kommen mir Wörter wie „Sanftheit“, „Komfort“ oder „Verständnis“ in den Sinn. Ich höre wirklich zu und fühle mich dabei einfach so aufgefangen, dass die einzig passende Metapher wirklich eine Umarmung bleibt.

    Und „spend my savings at a lulu, now I’m suffering in style“ hatte einfach immer eine gewissene Ironie an sich – wenn man sich schon nicht gut gefühlt, dann doch wenigstens in Style.

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    Side A, Track 6: Free Now – Gracie Abrams

    Im Juni wurde dann das – in meinen Augen – beste Album des Jahres veröffentlicht. “The Secret of Us” von Gracie Abrams hat sich direkt in mein Herz gespielt, besonders der Song „Free Now“. Die Lyrics und die Geschichte, die sie mit diesem Song erzählt, mit ihrer sanften Stimme verbunden malen ein Bild von Verständnis, Geduld und Liebe, aber trotzdem Selbstachtung. Spätestens in der Bridge, wenn sich der Song intensiviert, fühlt es sich nach loslaufen an, dem Freimachen von einer Beziehung, die einem selbst nicht mehr gutgetan hat.

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    Side A, Track 7: Who’s Afraid Of Little Old Me? – Taylor Swift

    Mai, Juni und Juli waren drei besondere Monate für mich. Zwar auch mit die schwersten, das konnte die Freude aber nicht überlagern. Und zwar Freude über Taylor Swift Konzerte. Während letztes Jahr die Eras Tour in den USA gestartet ist, konnten wir sie dieses Jahr endlich in Europa genießen – mit einem zusätzlichen neuen Album! Und alle Konzerte waren alles, wovon ich geträumt habe, und so viel mehr.

    Taylor Swift hat offensichtlich wie alle Jahre einen besonderen Platz bei mir. Und dieses Jahr war es vor allem der Song „Who’s Afraid Of Little Old Me?“, der ein wenig öfter abgespielt wurde und ein bisschen intensiver gefühlt wurde. Wut war für mich eine wiederkehrende Emotion dieses Jahr und genau das hat dieser Song auch für mich wiedergespiegelt – ein Track über Selbstermächtigung, sich seine Gefühle und Erfahrungen zurückzunehmen. Auch wenn gewisse Dinge passiert sind, die nicht zu beeinflussen waren oder nun auch nicht mehr rückgängig gemacht werden können, kann man sich jetzt seine Wut zurücknehmen und sagen: „Bis hierhin und nicht weiter“. Und genau das ist dieser Song für mich.

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    Side B, Track 1: August 5th, 2021 – Lexi Jayde

    Ich möchte eigentlich ungern zu viel vorneweg nehmen, indem ich über diesen Track schreibe. Als ich die EP “closer to closure” das erste Mal angehört hatte, hat mich „August 5th, 2021“ mehr als unvorbereitet getroffen – und war deshalb umso einprägsamer. Wenn ihr genauso off guard erwischt werden wollt, hört euch die EP am besten einmal an. Oder zumindest Track 3 bis 5 in dieser Reihenfolge. Trust me, it’s gonna be worth it. Wenn nicht, könnt ihr einfach weiterlesen.

    Bei „August 5th, 2021“ handelt es sich nämlich nicht um einen Song – es ist eine Sprachnachricht, in der man Lexi weinen hört und sie ihr Unverständnis und ihren Schmerz ausdrückt. Und genau diese Sprachnachricht und auch ihr Inhalt haben mich so unerwartet getroffen. Dies in die EP zu inkludieren, verleiht sowohl Lexi als auch der ganzen EP auf eine andere Art von Verletzlichkeit – und daraus entstehend auch Stärke. Denn eine solch persönliche Nachricht öffentlich zu zeigen, schafft eine ganz gewisse Intimität.

    Diese Audio läutet Side B des Mixtapes auch sehr treffend ein. Denn ab hier prägten vor allem vulnerable, ruhige und emotionale Songs die Monate.

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    Side B, Track 2: California – Chappell Roan

    September war Chappell Roan Monat für mich. Ich konnte glücklicherweise eine Karte fürs Konzert in Berlin ergattern und somit eins meiner besten Konzerte dieses Jahr erleben. Das Outfit Motto („My Kink is Karma“), das Publikum, die Atmosphäre, einfach alles an diesem Konzert war ein solcher Safe Space, der mich alles andere für einen Abend vergessen ließ. Während die meisten sicher ihre Hits wie „Pink Pony Club“ oder „HOT TO GO!“ kennen, hat mich vor allem ein etwas unbekannterer Song auch nach dem Konzert nicht mehr losgelassen.

    „’Cause I was never told that I wasn’t gonna get / the things I want the most“

    hat mich direkt ins Herz getroffen – genau wie “Thought I’d be cool in California / I’d make you proud / to think I almost had it going / but I let you down”. Der Song drückt für mich Hoffnungslosigkeit aus, eine gewisse Resignation, die man spürt, wenn man etwas so sehr versucht hat, es aber trotzdem einfach unerreichbar bleibt.

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    Side B, Track 3: 9 Lives – Emei

    Auch “9 Lives” zeigt genau diese verletzliche Seite, die in den anderen neun Tracks immer mal wieder zur Sprache kam. Viele dieser Songs fühlen sich für mich nach Gefühlen und Gedanken an, die zwar ständig existent sind, aber schön sauber in einer schwer erreichbaren Ecke verstaut werden. Und in sehr verletzlichen, ehrlichen Momenten wird ein Blick in genau diese Ecke geworfen.

    Was sowohl „0 or 100“, „California“ als auch jetzt „9 Lives“ für mich so ausmachen, sind der starke Kontrast zu den sonst sehr empowernden Songs dieser Künstlerinnen. Songs, die von Selbstbewusstsein triefen, Selbstliebe und den eigenen Wert feiern. Aber nicht jeder Tag kann so sein – und diese Songs zeigen die andere Seite. Die Dualität beider Gefühle, die Ambivalenz und auch, dass diese berechtigt sind.

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    Side B, Track 4: Sad Anymore – FRENSHIP, OSTON, kate the dreamer

    Ich war nicht nur viel wütend dieses Jahr, sondern auch viel traurig. Und es gab viele Songs, die mich in dieser Traurigkeit aufgefangen haben und mich das haben fühlen lassen. Und das war okay und auch gut so. Aber dieser Song drückt wieder einmal perfekt aus, wie ich selber irgendwann die Nase voll hatte von dieser Traurigkeit – „I don’t wanna be sad anymore“.

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    Side B, Track 5: stay a little longer – Rosé

    Noch ganz frisch erst seit einer Woche draußen, hatte dieser Song mich doch sehr im Griff und wurde wahrscheinlich einmal zu oft in Dauerschleife gehört. Trotzdem hat er das gleiche erreicht wie „California“ oder auch „August 5th, 2021“ – er hat mich unerwartet getroffen, kurz innehalten und wirklich zuhören lassen.

    Was mich einfach immer wieder überzeugt, sind Gitarren oder ein Klavier (in diesem Fall letzteres) mit heartfelt Lyrics und echter Emotion (meistens trauriger). Dieser Song erzählt eine ähnliche Geschichte wie der finale Track auf diesem Mixtape. Und um mich nicht zu wiederholen, kommen wir direkt dazu:

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    Side B, Track 6: Stay – Gracie Abrams

    Ich hatte ursprünglich überlegt, nur 12 Tracks auf das Mixtape zu packen. Das Jahr hat nur 12 Monate, aber Taylor Swifts Lieblingszahl ist 13 und dieser Rückblick erscheint am 13. Und bei einem Jahr von 12 Monaten fühlt sich die 13 wie eine Zugabe an – und Zugaben sind immer besonders wichtige Songs. Genau wie „Stay„.

    Ein eher alter Track von Gracie Abrams, aber seit ich ihn gehört hab, einer meiner all time favourites. Jede Ambivalenz, jede Dualität, jede Zerbrechlichkeit, die in den anderen Tracks angesprochen wurde, habe ich zum ersten Mal in diesem Song gefunden. „Stay“ ist für mich der Inbegriff von Verletzlichkeit, Hoffnung und Sehnsucht in einem Song. Es geht Gracie in dem Song gar nicht darum, irgendetwas zu retten, es ist okay so, wie es gerade ist. Aber sich einfach ein letztes Mal bei der anderen Person sicher fühlen, das Gefühl nochmal aufsaugen. Alles an diesem Song ist fragil und verletzlich, aber gleichzeitig auch so beruhigend.

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    Noah Kahan gab seinen Top Hörer*innen dieses Jahr über Spotify Wrapped folgenden Ratschlag mit auf den Weg: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“. Und mit einem Blick auf diese Songs, zu denen auch Noah gehört, würde ich zu diesem Mixtape tatsächlich den gleichen Ratschlag geben.

  • Annas Jahresrückblick: Es ist keine Schande, generic girl Pop zu hören

    Annas Jahresrückblick: Es ist keine Schande, generic girl Pop zu hören

    Ich hatte ja eigentlich gehofft, mich beim Schreiben dieses Artikels auf mein Spotify Wrapped verlassen zu können, aber in diesem Jahr hat sich wohl endgültig bestätigt, was ich mir schon zu lange nicht eingestehen wollte (weil ich es eigentlich ganz genau weiß): Es werden mal wieder nur die großen Künstler*innen gepusht. Schauen wir uns das also mal anhand meiner Top 5 Songs an:

    1. Back on 74“ von Jungle
    2. howling“ von nothhingspecial (der einzige Song hier, der von einer kleineren Künstlerin kommt)
    3. BIRDS OF A FEATHER“ von Billie Eilish
    4. Nothing Matters“ von The Last Dinner Party
    5. LUNCH“ von Billie Eilish


    Ich will gar nicht abstreiten, dass ich all diese Songs nicht super viel gehört hätte, aber trotzdem beschleicht mich das Gefühl, dass bestimmten Artists da einfach der Vorrang gelassen wurde. Deswegen soll es ab jetzt um genau die Artists gehen, die nicht auf den ersten Blick ganz oben auf meiner Streaming-Liste waren.

    neue Liebe entfacht

    Mein absoluter Liebling war dieses Jahr eindeutig die Band Royel Otis. Das Duo aus Sydney hat mit ihrem neuen Album „PRATTS & PAIN“ einen Sound geliefert, der irgendwo zwischen Dream-Pop und Retro-Vibes schwebt. Ich liebe alles daran. Auch live haben mich die beiden total in ihren Bann gezogen. Ich durfte sie nämlich in wunderschöner Atmosphäre auf dem Appletree Garden Festival sehen. Wenn ihr zu dem Festival mehr lesen wollt, dann kann ich euch nur wärmstes meinen Artikel zu dem meiner Meinung nach familiärstem Festival mit krassem Line-Up empfehlen.

    Ein Song von Royel Otis hat es mir ganz besonders angetan. Vorsicht, Tränen-Gefahr: Es geht um das Cover von „Linger“ (ja, der Cranberries-Klassiker). Ich sag’s wie’s ist: Spätestens als sie den Song auf dem Festival gespielt haben, habe ich angefangen zu weinen. Freudes-Tränen natürlich.

    Mehr Frauen

    Kommen wir zu wundervollen Frauen, die mich sehr inspiriert haben. Da gibt es eine ganze Menge, besonders ans Herz legen möchte ich euch da aber Olivia Dean und Jorja Smith. Die beiden sind für mich unter den Indie-Artists auf jeden Fall die Soul-Queens. Beide haben eine total warme Stimme und ihre Songs schaffen es, auf die sanfte Art ganz tief zu gehen. Und spätestens bei der Cover-Version von „You can’t hurry love“ kann man gar nicht nicht lächeln und tanzen.

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    Die letzten Jahre hatte ich immer ganz zuverlässig BROCKHOFF ganz oben auf meiner Liste der meistgehörten Songs. Umso überraschter war ich, als ich gesehen habe, dass sie es dieses Jahr „nur“ auf Platz 6 geschafft. Das macht aber auch Sinn, denn der Song ist der einzige, den die Künstlerin in diesem Jahr veröffentlicht hat. Die Rede ist von „Bigger Picture“ zusammen mit Blush Always (ebenfalls große Empfehlung!). Aber ist auch ok, denn ich freue mich schon ganz dolle auf das Album, was nächstes Jahr rauskommt. Bis dahin schreie ich weiterhin lauthals zu dem Banger aus 2024 mit. Die rauen Gitarren und perfekt harmonierenden Stimmen der beiden Sängerinnen – wie kann man den Song nicht lieben? Ähnlich geht’s mir mit „Shame“ von Philine Sonny und Miya Folick. Beide Songs kamen auch immer genau nacheinander in meiner Playlist. Die Energy matched einfach perfekt. Die Songs passen besonders gut, wenn man gerade wütend ist – was ich ehrlicherweise sehr oft war. Der Grund waren meistens (alte, weiße) Menners. Aber da helfen doch starke Songs von starken Frauen.

    Pink Pop Pilates Girl Era

    Ich muss gestehen, auch mit hat der brat summer in seine Fänge gezogen – tatsächlich aber erst so richtig mit „brat and it’s completely different but also still brat“. Kann mir irgendwer erklären, warum „Guess featuring Billie Eilish“ so hart kickt? Wie ein musikalischer Orgasmus. Was anderes fällt mir dazu auch gar nicht ein.

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    Aufgrund mir mittlerweile gar nicht mehr so ersichtlichen Gründen dachte ich sehr lange Zeit, dass es zu uncool ist, mainstreamige Popmusik zu hören. Dadurch sind wohl so einige Banger an mir vorbei gegangen. Das habe ich dieses Jahr auf jeden Fall anders gemacht (vielleicht deswegen auch mein Spotify Wrapped?). Ich habe mich aber auf flinta artists beschränkt: Olivia Rodrigo, The Last Dinner Party, Billie Eilish. Ok, viel mehr waren es auch eigentlich, aber die liefen auf Dauerschleife.

    Vor allem das neue Album von Billie Eilish hatte es mir angetan. Ich muss ja gestehen, dass ich vorher gar nicht so ein großer Fan war, aber das Album … puh. Neben den Songs, die sowieso am bekanntesten sind (und auch toll, keine Frage) hat mich „CHIHIRO“ auch sehr gecatched. Der Song hat einfach so viele Schichten, dass mir bei jedem Hören wieder ein neues Detail aufgefallen ist. Außerdem wirkt er wie eine Geschichte, die ihre Hörenden in den Bann zieht und erst nach Ende des Songs wieder fallen lässt.

    Der Geheimtipp zum Schluss

    Ich will euch aber natürlich nicht fallen lassen, ohne zumindest eine kleine, nischige Indie-Band empfohlen zu haben. Sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen. Also: Strahlemann. Ich bin der festen Überzeugung, dass das genau die Indie-Boys sind, die euch in eurer Playlist fehlen. Strahlemann-Songs sind poetisch, süß, ein bisschen verkopft und vor allem eins: Durchdacht. Ich habe schon ein paar Mal über die Musik der vier Strahlemänner geschrieben, das könnt ihr hier lesen und hier schauen. Und wenn ihr mögt: Besucht sie doch auf Tour im Januar.

    So, genug gefaselt. Ich habe meine Top 3 Songs in unsere geteilte Jahresrückblick-Playlist gepackt. Da sind auch noch ganz viele tolle andere Songs drin. Hört doch mal rein:

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  • Daschas Jahresrückblick: Schäbig und nostalgisch

    Daschas Jahresrückblick: Schäbig und nostalgisch

    Mein Jahresrückblick aus dem letzten Jahr liegt mir auch immer noch sehr am Herzen, wenn ich bedenke welche Probleme auch 2023 mit sich forttrug. (Hier: https://untoldency.de/daschas-jahresrueckblick-ich-habe-keine-lust-mehr/) Ein bisschen Besserung schien vorhanden, bis zur deutlichen Änderung steht noch vieles aus. Wie ironisch es ist, dass ich von Fortschritt träume, aber mich musikalisch in diesem Jahr nur nach einer früheren Zeit sehnte, ist mir bewusst.

    Ich ertappte mich dieses Jahr oft dabei genervt von aktueller Musik zu sein. Die Festival Line Ups sahen fast alle identisch aus, die neuen Releases erkämpften sich zielstrebig die Aufmerksamkeit der Algorithmen und Playlistplatzierungen. Obwohl ich nicht immer mit Hater-Attitüde darauf schauen will und auch ich gelegentlich Domiziana und Ski Aggu pumpe, begehrte ich wohl in meinem Inneren eine andere Zeit und diese zog mich immer weiter in sich hinein: Die Indie Sleaze Ära. Da ich hoffe, dass diese Zeit niemals in Vergessenheit gerät, teile ich gerne wie viel Platz dieses Thema in meinem Gehirn einnimmt. Das wird jetzt quasi kein Jahresrückblick von 2023, sondern eher 2007.

    Kurz gefasst: Die gesamte Ästhetik um die UK und US Indie Musik- und Partyszene der Zeit zwischen 2006 bis 2012 lag schon immer in meinem Interesse, begann aber dieses Jahr meine vollkommene Obsession zu werden. Alles in mir wünschte sich mehr Intensität, aber irgendwie mehr Ranzigkeit. Sleaze, zu deutsch „schäbig“, “schmutzig” beschreibt das ganze auf den Punkt. Bandmember die aussehen als würden sie ein Mal im Monat duschen, bunte Strumpfhosen mit Shorts, schlechte Digicam Fotos mit viel zu grellem Blitzlicht, exzessive, schwitzige Partys und eine große Menge aufkommender neuer Bands, die für immer ihre Spuren hinterließen. 

    Whatever People Say I Am…

    Als erstes muss ich unbedingt erwähnen, dass Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not, das 2006 erschienene Debütalbum der Arctic Monkeys, meiner Meinung nach das beste Indie Album aller Zeiten ist. Genau darin befindet sich auch die Kernessenz und der Beginn der Indie Sleaze Ära. Auf 13 unvergesslichen Songs nehmen die damals 20 jährigen die ganze Welt auf einen nächtlichen Trip durch das Partyleben von Sheffield mit. Alex Turner fungiert als Beobachter und Geschichtenerzähler: Betrunkene junge Menschen auf der Suche nach etwas Nähe, sinnloses Drama, dreckige Dancefloors und unangenehmes Erwachen am Morgen danach. Hier scheint alles egal, denn der Rausch ist die treibende Kraft der Szenerie des Albums, das eine akkurate Zeitkapsel seines Moments darstellt, jedoch keineswegs schlecht gealtert ist. Es sind keine großen Emotionen und abstrakten Lyrics, sondern banale zwischenmenschliche Situationen, die betrunkene junge Menschen nunmal durchleben. Es scheint so, als ob genau das rohe, scheinbar simple, hässliche den Nerv der Zeit traf und das große Aufsehen quasi über Nacht auslöste. Die große Geschichte des Abends besteht eben oftmals daraus das beliebteste Mädchen der Stadt auf der Tanzfläche mit einem betrunkenen Witz nicht wie erhofft zum Lachen zu bringen. Und genau diese Geschichte dann doch so mitreißend und dramatisch zu erzählen, als sei der Rest der Welt in dem Moment ein Stück weit weniger wichtig geworden, ist die Kunst des Albums. Denn sind wir ehrlich, genau diese Fokus-Verschiebung ist es, was eine Partynacht ausmacht. Man trifft durch die Tracks auf fremde Alltags-Charaktere, von denen man doch das schwammige Gefühl bekommt, ihnen selbst schon mal begegnet zu sein.

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    Die vier Musiker aus Sheffield sahen während dieser Zeit zugegebenermaßen ziemlich ranzig aus: Keine Ahnung von Fashion, nur verwuschelte Haare, laute Gitarren und Alex Turners geliebter Sheffield-Akzent. Sie wurden in Rekordzeit nach einem Hit-Single Release zu Cover Stars und Indie Ikonen. Oft denke ich an Alex Turner, der ab 2007 mit Model und Moderatorin Alexa Chung für einige Jahre das legendäre, beliebte Indie Sleaze-Paar abgab. Die Medien liebten sie und Alex Turner’ berühmter Liebesbrief an Alexa kursiert bis heute im Internet. „My mouth hasn’t shut up about you since you kissed it. The idea that you may kiss it again is stuck in my brain, which hasn’t stopped thinking about you since, well, before any kiss(…)“, ja ich kann ihn auswendig. Der Mythos besagt, Alexa hätte den Notizzettel in einer Bar vergessen, doch das Internet und ich vergaßen ihn nie. 

    Bei einem der bis dahin am häufigsten, schnellsten verkauften Debütalben Englands ist auch der Einfluss, den das Album auf kommende Indie-Rock Bands hatte, ist nicht wegzudenken. Wer einen weiteren Tiefgang in das legendäre Album machen möchte, sollte unbedingt den in diesem Jahr erschienen BBC UK Podcast „Believe the Hype“ von Kate Nash anhören, der alles rund um den Release und die Anfänge der Arctic Monkeys behandelt. Ich bin Fan: https://www.bbc.co.uk/sounds/play/m001hlds

    Selbstverständlich sind Arctic Monkeys nicht die einzige einflussreiche Band dieser Zeit gewesen. Es gibt eine Menge Bands, die genau in diese Ästhetik – ich würde es sogar eher als Phänomen bezeichnen – reinpassen. Da wären beispielsweise The Strokes, Bloc Party, Yeah Yeah Yeahs, Crystal Castles, The White Stripes, CSS, Gossip, Franz Ferdinand, Metric nur um ein Paar zu nennen. Um auf alle davon einzugehen, müsste ich wahrscheinlich ein ganzes Buch statt einem Artikel schreiben. Von knallendem Indie-Rock zu absurdem Elektro-Pop: Es ist schwierig, ihre Musik in Worten zu einer gemeinsamen Kategorie zu fassen, aber ein Gefühl verbindet sie. Ein Gefühl, dass es schafft sich beim Hören bis heute weiterzuvermitteln. Mein liebster Instagram Account ist @indiesleaze, der genau diese Party- und Musikszene, ihren Style und ihre Persönlichkeiten dokumentiert und nicht vergessen lässt. In diesem Jahr habe ich viel Zeit damit verbracht die Posts zu durchstöbern, um mir ein kleines Stückchen dieser Ära abzugreifen. 

    Dabei bin ich auch auf eine geniale Fotoreihe des britischen Fotografen James Mollison gestoßen, der Fans von Bands in diesen Jahren vor ihren Konzerten fotografierte:

    Arctic Monkeys Fans, London 2006
    Gossip Fans, Birmingham 2007
    Klaxons Fans, London 2007

    Neben Style und Musik gibt es auch Filme und Serien, die eng mit der Ästhetik in Verbindung stehen. Dabei stehen Submarine, für den Alex Turner übrigens den Soundtrack schrieb, Mysterious Skin und Scott Pilgrim vs. the World ganz oben. Michael Cera, der immer so schrecklich nachvollziehbar awkward auf Fotos aussieht, steht passend als einer der Symbolbilder der Indie Sleaze Ära ein. Die Filme sind seltsam, die Charaktere nicht den begehrenswerten Star-Standards entsprechend. Sie sind keine klassischen Meisterwerke, man könnte sagen „trashy“, aber vollkommen liebenswert.

    Skins – Hautnah

    Bleiben wir bei Symbolbildern: Erinnert ihr euch noch an Effy Stonem? Ich habe sie definitiv nie vergessen. Die coolste britische Teenager-Figur prägte eine gesamte Generation von Teenagern und wurde zum Vorbild einer neuen Ästhetik, auch wenn die dabei geschehene Romantisierung von psychischen Problemen selbstverständlich kritisch zu betrachten ist. Die Rede ist natürlich von Skins UK, 2007-2013. Mit genau dieser Serie bin ich aufgewachsen und ich könnte niemals nachzählen, wie oft ich sie bis heute gesehen habe. Skins ist quasi das Epitom des Indie Sleaze Begriffs: Es zeigt junge verlorene Menschen, die nicht in die breite Gesellschaft zu passen scheinen und die lieber feiern und Drogen nehmen statt auf andere zu hören. Die Serie und der damalige Hype um sie zeigt die Blase einer gewissen Zeit, rohe Gefühle, keine makellosen Schauspiel-Stars, sondern eine Clique ranzig aussehender Teenies, die wahrscheinlich ausschließlich nach Kippen und Bier riechen. Aber vor allem auch viel gute Musik. Ich bin froh, dass ich nicht an einem Punkt bin, dass ich Skins als cringe und überholt ansehe, sondern es immer mehr als einzigartigen Moment zu schätzen weiß.

    Effy Stonem (Kaya Scodelario), Skins UK

    Es gibt einige Musikmomente in der Serie, die immer wieder etwas in mir auslösen: Wie Main Character Effy Stonem selbstbewusst zu Shove It von Santigold feat. Spank Rock den Schulflur entlang schlendert, die Charaktere der ersten Serien-Generation einen Breakdown auf einem Crystal Castles Konzert erleben, die Skins Surprise Party auf einem Foals Konzert zu Hummer, der erste Trailer, dessen wilde Party mit Standing In The Way of Control von Gossip unterlegt war und, obwohl musikalisch nicht aus der Zeit, das große Staffelfinale mit Gesangseinlage zu Cat StevensWild World. Einen besonderen Platz in meinem Herzen hat für immer auch Don’t Preach To Me von The Skallywags, den Hauptcharakter Cooks singt, wenn er die Straße entlang läuft und er vermittelt, dass alles auf der Welt im Kern egal sei. Nichts daran ist schön oder scheint künstlich, eher schäbig und manchmal brutal. Wahrscheinlich ist diese furcht- und schamlose Nahbarkeit auch das, was die Serie so anziehend macht. Es wirkt fast so, als ob ein Teil dieser Ästhetik eben genau daraus bestand zu wissen, dass das nicht ewig anhält. 

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    Zurück zur Realität

    Dabei handelt es sich um ein dargestelltes, ungreifbares Gefühl, das ich nur noch aus der Ferne betrachten kann und nach dem ich mich sehne, obwohl ich es nie richtig kannte. Irgendwie nicht fremd, aber keine reale Erinnerung. Zwar hab ich die Zeit miterlebt, war aber definitiv zu jung, um mich in Clubs aufzuhalten. Vielleicht romantisiere ich eine selektiv dokumentierte Ästhetik zu sehr, vielleicht brauche ich diese unstillbare Sehnsucht aber auch, weil mich zur aktuellen Zeit nichts besonders reizt. Damals war gewiss nicht alles besser, jedoch strebt ein Teil von mir nach genau diesem unperfektem Chaos, von dem ich meine Augen und Ohren nicht abwenden kann. Vielleicht auch nur, weil ich das eben mit einem Sicherheitsabstand tue. Während mir momentan vieles in der Musikszene zu glatt und poliert erscheint, zog mich das Schäbige immer weiter zu sich hinein.

    Wenn man nach dem Begriff ‚Indie Sleaze’ im Internet sucht, wird man als erstes von Modeseiten darauf hingewiesen, dass das Fashion-Revival in den Startlöchern stünde. Klar, das macht Sinn, die frühen 2000er sind bereits wieder im Trend und der Kreis dreht sich bekanntlich weiter. Allerdings erhoffe ich mir, dass wir wenigstens ein bisschen mehr aus der Ära abgreifen können, als nur gestreifte T-Shirts, Skinny Jeans und hässliche Schals und die positiven Aspekte in die Gegenwart integrieren. Schließlich besteht so ein Phänomen in seiner Gänze nicht nur aus seinen Outfits. Neue Bands wie TEMMIS haben beispielweise vorsichtig, aber offensichtlich, in ihrem Musikvideo zu Arterien und auf ihrer Tour dieses Jahr auf die Ästhetik zurück gegriffen. Auch cumgirl8 aus NYC habe ich dieses Jahr live gesehen und mir unmittelbar in einem kleinen schwitzigen New Yorker Club in 2010 vorgestellt. Zwar habe ich mein Jahr mental anscheinend nicht in 2023 verbracht, während ich mir Fotos der IT-Girls Sky Ferreira und Alexa Chung angeschaut habe, jedoch haben es die verwaschenen Spuren des Indie Sleaze trotzdem  geschafft mich einzuholen. Sei es mit Hugh Harris von The Kooks zu quatschen, bei Interpol im Fotograben zu stehen, mit The Subways in einem Backstage zu sitzen, Midnight City von M83 oder zwei Songs von Whatever People Say I Am live zu erleben, es hat mich in sanfter Form auch in der Realität begleitet. Die Hits sind Hits geblieben, alles herum hat sich verändert. Ich weiß nicht genau, ob die Menschen heute insgesamt einfach langweiliger, vorsichtiger und bequemer geworden sind. Schätzungsweise wird kein versuchtes Revival das Phänomen wohl wieder in gänzlicher Kraft zurückbringen. Vielleicht ist das besser so, damit ich auch in 2024 nostalgisch in fremde verpixelte Partyaufnahmen fliehen kann.

    Zuletzt findet ihr hier meine in diesem Jahr entstandene Indie Sleaze Playlist. Sie ist mit Liebe kuratiert, sie ist lang und rückt definitiv die besten Juwelen dieser Zeit in’s (Blitz-)Licht:

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