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Lena&Linus im Interview: »Es ist fast therapeutisch, schwere Gefühle in Songs festzuhalten«

Zarte Stimmen, ehrliche Texte und leichte Gitarrensounds – wer da keine Gänsehaut bekommt, dem weiß ich auch nicht mehr zu helfen. Die Musik von Lena&Linus löst bei mir auf jeden Fall immer wieder aufs neue Gänsehaut-Momente aus. Das Duo aus Würzburg hat im Oktober letzten Jahres ihre erste Single “Emilie” veröffentlicht und erobert seitdem mit jeder neuen Single die Herzen der deutschen Indie-Pop-Liebhaber*innen. Ich habe Lena&Linus vor ihrem Auftritt beim Pop Salon in Osnabrück getroffen und mit ihnen über ihre EP “Fühlst du dich allein?” geredet.

Lena&Linus im Interview

Anna: Hi ihr beiden! Schön, dass ihr euch vor eurer Show beim Pop Salon hier in Osnabrück die Zeit genommen habt. Ihr kommt ja beide aus Würzburg. Kennt ihr Osnabrück? Wart ihr schon mal hier oder habt ihr eine Verbindung zu der Stadt?

Lena: Also, ich war einmal in Osnabrück, aber es ist bestimmt zehn Jahre her. Und unsere Connection ist unser lieber Schlagzeuger Jan, der hier in Osnabrück studiert.

Linus: Ich bin das erste Mal in Osnabrück und find’s bisher ganz entspannt hier.

Glücklicher Zufall oder Schicksal?

Anna: Mögt ihr vielleicht die Geschichte erzählen, wie aus euren beiden Soloprojekten jetzt das Duo Lena&Linus geworden ist.

Linus: Also ich habe so während des Lockdowns 2020 angefangen Musik zu machen. Ich habe dann im April meine erste Single rausgebracht und darauf hat mich Lena angeschrieben und gefragt: “hey, wollen wir nicht zusammen einen Song machen?” Und da haben wir uns dann mal getroffen, haben Musik gemacht, hatten dann auch eine Band, aber dieser Gedanke vom Duo war irgendwie noch nicht so präsent. Der entscheidende Punkt war dann eigentlich erst, als wir Tim getroffen haben, unseren Produzenten. Da habe ich Lena ein bisschen begleitet, als sie vorgesungen hat. Das war total spontan. Und dann war Tim so: Das ist super sweet, das müssen wir als Duo machen! So ist es von meiner Seite zum Projekt gekommen. Also eigentlich war es ein Geistesblitz von Tim.

Anna: Ein glücklicher Zufall also.

Linus: Ja, ich war eigentlich ungeplant.

Lena: Ungeplant, aber trotzdem erwünscht.

Anna: Ich hab mich natürlich vorher durch eure EP “Fühlst du dich allein?” durchgehört und das erste, was ich gedacht habe war, dass es super viel um Herzschmerz geht. Vermissen, Trauern und Fragen, die man sich dann so stellt, sind die Themen, die man dort sehr stark wiederfindet. Da hab ich mich gefragt, ob das bei euch so ein bisschen wie Tagebuchschreiben ist. Könnt ihr mit dem Gefühl abschließen, wenn ihr einen Song fertig geschrieben habt? Oder kommt das immer wieder hoch, wenn man den Song live singt?

Linus: Es ist irgendwie schön, Worte über so schwierige Situationen einfach mal niederzuschreiben, finde ich. Es hilft mir sehr viel, auch so schwere Konzepte und schwere Gefühle einfach mal zu binden – in dem Sinne, dass es ist für mich fast schon therapeutisch ist, das einfach mal so festzuhalten. Aber wenn man dann die Songs öfter spielt, geht es viel weniger irgendwie darum, das Gefühl jetzt nochmal aufzumachen oder so, sondern es ist für mich schon gebunden. Mir geht es viel mehr darum, dass es irgendwie cool wirkt oder dass man denkt eher an die Performance als an den Text.

Lena: Ja genau. Man hat so eine Verknüpfung an den Song. Also man fühlt ihn schon, aber es ist jetzt nicht wie eine Wunde, die nochmal aufgemacht wird.

Linus: Das Pflaster ist schon da und wir reißen es live quasi nicht ab, sondern versuchen es möglichst fehlerfrei rüberzubringen.

“Ich bin ein introvertierter, extrovertierter Mensch”

Anna: Zurück zum Titel der EP: Könnt ihr gut alleine sein?

Linus: Ja und nein, würde ich sagen. Kannst du gut alleine sein, Lena? Ich glaube, du kannst echt gut alleine sein.

Lena: Ja, komm drauf an… Also, manchmal habe ich keine guten Tage. Da bin ich nicht gerne allein, aber auch nicht gerne unter Menschen. Aber sonst bin ich schon gerne alleine, ja.

Linus: Da kann ich mich anschließen. Ich genieße meine me-time sehr. Aber ich liebe es auch mit Leuten zu sein. Und es gibt mir auch immer super viel. Also ich bin ein introvertierter, extrovertierter Mensch.

Lena: Das ist auch so, die Abwechslung ist gut. Wir sind super viel unterwegs gerade. Und wenn wir dann daheim sind, ist es mega geil. Ist man dann aber zwei Wochen am Stück alleine und hat nichts, ist es nicht mehr so geil.

Das ultimative Mittel gegen Einsamkeit

Anna: Habt ihr denn ein bestimmtes Mittel, was euch hilft gegen das Einsamkeitsgefühl?

Lena: Schlafen – also jetzt for real. Das hilft.

Linus: Ja, aber ich habe in dem Sinn auch zwei Mittel fast meinen Freundeskreis, weil diese Freunde wohnen direkt bei mir in der Nähe. In meiner Straße sogar. Liebe Grüße an Nico an dieser Stelle. Der klopft halt einfach mal an meinem Fenster und ist dann sogar ein paar Mal zufällig da gewesen, wenn es mir echt mies ging. Aus’m Fenster raus ruft er auch einfach mal: “Ey, lass nen Kaffee trinken, lets go.” Und das hat mich dann oft einfach rausgebracht. Also meine Freunde sind da eine große Hilfe.

Anna: Das ist doch schön! Ich möchte jetzt auch weg von den traurigen Themen. Der letzte Song auf eurer EP “Irgendwie auch schön” bringt ja totale Frühlingsgefühle hervor. Könnte das ein Vorbote auf die kommenden Songs sein?

Lena: Das ist eine interessante Frage. Von den Gefühlen, die es auslöst, würde ich sagen: Ja. Musikalisch machen wir gerade noch ein bisschen anderes Fass auf.

Linus: Also vom Sinn, dass es ein bisschen schneller wird und ein bisschen Uplifting ist und so eine Grundstimmung da ist. Da werden die nächsten Songs auf jeden Fall anknüpfen.

Lena: Ein paar davon bleiben auch traurig natürlich.

Linus: Aber musikalisch wird das Ganze ein bisschen größer alles und ein bisschen mehr und wir sind ganz gespannt, was die Leute so denken.

Lena: Ich bin schon etwas aufgeregt.

Anna: Im Herbst geht ihr ja dann auch auf Tour. Kommt bis dahin noch eine EP raus?

Linus: Das dürfen wir zum Glück schon sagen: Ja!

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Anna: Habt ihr einen Guilty Pleasure Song?

Linus: Also ich find viele Udo Jürgens Songs einfach mega geil. Ich find es auch mega geil, dass er bei seiner Zugabe immer im Bademantel auf die Bühne gekommen ist. Also vielleicht Udo Jürgens. Aber das ist auch, weil meine Mama viel Udo Jürgens gehört hat.

Lena: Also ich hör halt einfach unglaublich gerne so richtige Pop-Musik, wo vielleicht viele Musiker*innen eher sehr skeptisch gebenüber sind. Aber ich find es ganz cool, einen Popsong zu schreiben.

Diese Newcomer*innen solltet ihr euch merken

Anna: Habt ihr passend dazu auch noch eine aktuelle “gute” Musik Empfehlung parat?

Linus: Oh ja! Man kann es nicht oft genug sagen, weil er ein guter Freund von uns ist und ein ganz interessanter Newcomer. Zwei sogar, um genau zu sein: Otto Luft. Das ist der eben genannte Freund, der mich aus meinen schlechten Phasen herausbringt. Sein Track “Secco Mate” ist gute Laune pur. Und der zweite ist Udo West. Er macht so NNDW-Musik und beide kommen aus Würzburg.

Lena: Er ist wirklich der größte Star auf der Welt und auch wie er sich auf der Bühne bewegt. Wir teilen uns auch den Schlagzeuger.

Linus: Er ist der beste Frontmann und das ist einfach Musik, die noch nicht so viele Leute kennen, aber die viele Leute kennen sollten.

Lena: Und noch ein Geheimtipp von mir: marita hat letztens ihren ersten Song rausgebracht, ist auch bei uns im Label und ich glaube, da kommt noch großes.

Anna: Die kenne ich alle noch nicht und werde sie mir auf meine Liste schreiben. Seid ihr bereit für eine Entweder-Oder-Fragerunde?

Linus: Auf jeden Fall!

Anna: Nike oder Adidas Sneaker?

Lena: Nike – auch wenn ich gerade Adidas trage.

Linus: Ich sage Adidas.

Anna: Mio Mate oder Club Mate?

Linus: Club Mate.

Lena: Mio!

Anna: Ja, das ist nicht einfach. Hamburg oder Paris?

Linus: Ich war noch nie in Paris.

Lena: Ich war auch noch nie in Paris, aber safe Paris!

Linus: Ja, fair (lacht).

Lena: No front, aber ja … (lacht)

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Anna: Call me by your name oder Little Woman?

Lena: Little Woman.

Linus: Call me by your name, einfach weil ich den öfter gesehen habe. Ich hab den schon zwölf Mal gesehen.

Lena: Hmm ja, stimmt … Gleichstand, wenn es geht.

Anna: Naa, das lasse ich gerade mal so durchgehen. Instagram oder TikTok?

Linus: Also zum Verblöden TikTok, weil es einfach unendlich weitergeht.

Lena: Aber ich hätte auch gesagt, deshalb Instagram. TikTok ist einfach so: Du machst es auf und es schreit dich an und dann schreit es dich auch drei Stunden lang an … also ja, Instagram.

Linus: Instagram ist halt auch cooler, um mit Freunden zu connecten und so. Aber wenn ich einfach nur dumm rumliegen will und Videos schauen, dann TikTok.

Anna: Akustik- oder E-Gitarre?

Linus: Puh, schwieriges Thema.

Lena: Für mich auch.

Linus: Akustikgitarre ist halt einfach. Klingt immer irgendwie ganz geil. Ist charmant, aber mit E-Gitarre kann man so viel mehr machen. Aber weil ich momentan mehr Akustikgitarre spiele, sage ich Akustikgitarre.

Lena: Ich nehm die E-Gitarre.

Auf einen Kaffee mit Jeremias

Anna: Die letzte Frage: Habt ihr noch eine untold story parat?

Linus: Ich glaube, eine Geschichte, die wir noch nie erzählt haben, ist unser erstes Treffen mit Jeremias. Das ist schon witzig eigentlich. Wir hatten das erste Treffen mit unserem Produzenten, wo eigentlich ja nur Lena eingeladen war und ich war so dabei. Dann habe ich einen Kaffee getrunken mit Tim und davor waren wir halt auch super aufgeregt. Und Tim produziert auch für Jeremias. Da dachten wir schon so: Vielleicht treffen wir irgendwann dann mal Jeremias.

Lena: Also wir waren so krasse Fans von Jeremias. Also sind wir natürlich irgendwie immer noch.

Linus: Aber an dem Tag haben wir noch drüber geredet, wie cool das wäre, mal Jeremias kennen zu lernen und so. Dann sitzen wir da so draußen. Es war September in Berlin und trinken Kaffee und dann fährt ein Auto vorbei und Tim winkt. Wir fragen so: Wer war denn das? Und Tim nur: Ach, das war Jeremias.

Lena: Und wir waren innerlich so richtig aufgeregt und äußerlich nur so: Ah cool (lacht).

Linus: Und dann stand der gute Jeremias Heimbach einfach bei uns am Tisch und meinte zu Tim: hey, ich wollte meinen Synthie abholen. Ich bin ein bisschen früh. Und dann haben wir zusammen Kaffee getrunken – am ersten Tag direkt. Ich sollte gar nicht dabei sein.

Lena: Und er hat sich eine Zigarette von meinem Tabak gedreht. Es war cool.

Linus: Das war so die erste Berührung mit der Musikindustrie. Und das war dann irgendwie schon ganz krass. Wir verstehen uns aber richtig gut. Ganz liebe Grüße.

Anna: Ja, also demnächst mal ein Feature?

Linus: Also das können wir jetzt natürlich nicht sagen, aber vielleicht. Jeremias hat uns gestern in sein Studio eingeladen.

Anna: Oha, ich bin gespannt! Das war es von meiner Seite aber auch schon. Wollt ihr noch was loswerden?

Linus: Leute, wir spielen im September unsere erste eigene Tour. Es wird ganz intim. Kleine Läden mit Band, nicht nur zu zweit. Und wir würden uns richtig freuen, falls ihr unsere Musik mögt, dass ihr vorbeikommt.

Anna: Ja, dann bedanke ich mich bei euch für das Interview und freu mich auf den Auftritt!

Linus: Danke dir, Anna. Wir sehen uns!

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Fotocredit: Paula Tauber & Anna Niere

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