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Jo The Man The Music im Interview (again) – »Wie das „Rauswachsen aus einer Haut“ zu „Ich habe das produziert“« wurde

Jo The Man The Music, Interview vol. 2, untoldency, EP Soft Skin (only), Indie, Österreich, Berlin, 2026

Foto: Daniel Simair

Vor ziemlich genau neun Monaten traf ich Jo The Man The Music das erste Mal zum Interview mit untoldency. An einem leicht verschneiten Tag sprachen wir in einem Berliner Café über ihre erste EP-Release, Support-Konzerte, Lieblings-CDs und Berlin. Heute trafen wir uns an einem Spätsommertag wieder und ich durfte erfahren, was seit unserem letzten Treffen passiert ist – wie lief es mit dem Vorsatz „Gelassenheit“? Wie hat sich ihre Musik entwickelt? Wie steht sie heute zu ihren Songs? Und was war ihre Lieblings-CD diesen Sommer? Ein Gespräch, wie immer, zu Kaffee und Kuchen.


Lizza: Hallo Joey, schön, dass du da bist. Unser erstes Treffen ist nun sechs Monate her. Um dich kurz abzuholen; das war der Tag vor der EP-Release-Party im Flux FM. Kannst du dich erinnern?

Joey: [nickt] Ja, ich kann mich gut erinnern.

Was ist seitdem passiert?

Sehr viel! Ich habe das Gefühl, es ist mehr passiert, als eigentlich in neun Monate passen würde. Es fühlt sich länger an, aber gleichzeitig auch ein bisschen wie gestern. Ich durfte viele Konzerte spielen und diese EP nach außen tragen. Das war ganz, ganz schön.

Das heißt, du bist mit dem Vibe der EP irgendwie durch das Jahr gerutscht?

Ich glaube, ich hatte keine speziellen Erwartungshaltungen daran, was passiert, sobald die EP draußen ist. Aber alle Wünsche, die ich hätte haben können, haben sich erfüllt und wurden auch übertroffen. Ja, eigentlich bin ich einfach mit dieser Welle mit.

Als ich dich im Januar/Jänner gefragt habe: „What’s cooking next?“, meintest du, dass du noch nicht so richtig ein Konzept für dieses Jahr hast. Du warst viel als Support und auf Festivals unterwegs und gehst jetzt solo auf eine Mini-Tour mit dem cuten Untertitel „An evening to celebrate Soft Skin (only)“. Was verbirgt sich hinter diesem Konzept?

Als ich Anfang des Jahres die Tour für Benjamin Amaru supporten durfte, spielte ich eine Vielzahl an Konzerten solo, also alleine auf der Bühne, und habe darin sehr viel Freude gefunden. In Wien meinte Hannes [von ihrem Label Ink Music], er mag die Solo-Version von „Skinny Dipping“ sehr, sie sei so schön anders. Bei der Support-Tour Anfang des Jahres gingen bereits so viele Platten weg und ich realisierte: „Oh wow, ich glaube, die werden bis zum Sommer weg sein.“ So kam diese Idee auf, eine neue Platte zu machen, mit ein paar mehr Songs, beziehungsweise neuen Versionen der bisherigen EP-Titel. Die neue Version von „Skinny Dipping“ hatte ich dann selbst aufgenommen und produziert. Dazu kamen noch Live-Sessions mit der Band und auf einmal war ein Konzept von dieser Deluxe-Vinyl mit all diesen Aufnahmen da. Es war sehr schnell klar, dass die „Soft Skin (only)“ heißen wird. 

Hast du dir das selbst beigebracht oder wie bist dazu gekommen einige Songs selber zu produzieren?

Ich nehme immer mal wieder Demos auf, aber die Stärke zu sagen „Ich habe das auch  produziert“ – das fällt sehr schwer. Ich probiere es aber auch aktiv zu machen, weil diese Hemmung, glaube ich, bei vielen da ist. Auch durch das Dreamboys The Band  Projekt habe ich so viel Vertrauen in mich selbst gewonnen, aber auch in die Anderen. Es war so schön zu sehen, was man alles schaffen kann, wenn man seinen Ideen Glauben schenkt. Bei „Skinny Dipping (just your toes)“ war das voll der schöne Anlass dafür. Ich habe mich dann hingesetzt, es gemacht und bin sehr happy damit.

Ich kann mir vorstellen, dass es nicht so einfach ist, den eigenen Perfektionismus zu überwinden. Denkst du dabei schon an mögliche Kritiken? Und wann ist überhaupt der Punkt erreicht, in dem man fertig mit einer Songproduktion ist?

Es war eher so: „Wie kann ich einschätzen, ob ich es für gut empfinde und ob ich das wirklich, ehrlich mag.“ Ich hatte eine Version eigentlich schon halb fertig und zum Glück aber wieder verworfen. Dann hatte ich mich nochmal hingesetzt, nochmal von neu begonnen und da hat es sich dann von Sekunde eins richtig angefühlt. Es war wichtig, alles umzuschmeißen und nochmal ganz neu zu beginnen. Bei der zweiten Version wusste ich dann: „Das ist es jetzt“ und da habe ich mir auch keine negative Kritik zu Herzen genommen.

Wo fühlst du dich in deiner Karriere? Hat sich bereits ein casual Umgang mit dem Leben als Musikerin eingestellt oder ist vieles noch genauso überwältigend?

Ich glaube, ich fühle mich schon ein bisschen mehr angekommen. Es waren jetzt doch einige Konzerte und Veröffentlichungen. Aber ich glaube, wenn man jetzt wieder beginnt, an einem neuen Projekt zu arbeiten, und da der erste Song rauskommt, wird es immer mit Nervenkitzel verbunden sein.

Dann hast du auch im Januar/Jänner gesagt, dass du dir für dieses Jahr Gelassenheit wünschst. Wie klappt’s?

Eigentlich ganz gut, muss ich sagen.

Wie machst du’s?

Ach, ich weiß nicht, wie ich’s mache. Ich denke oft: „Ach, es wird schon irgendwie klappen.“ Mit der Naivität gehe ich durchs Leben und mir persönlich schenkt das ganz viel Gelassenheit, zu wissen „irgendwie klappt’s immer“ – und es klappt auch irgendwie immer. 

Was war dein liebstes Konzert bislang auf dem du in diesem Jahr gespielt hast?

Ich glaube, es war in Vorarlberg in der Location Hegi Wendels. Es ist ein alter, ausgebauter Dachboden, der von einer ganz lieben Familie zur Konzertlocation ausgebaut wurde. Dieser Abend war so unerwartet schön. Wir haben im Trio gespielt und wussten nicht so ganz genau, wie wir es auf der Bühne machen werden. Aber es war so spontan, so schön, und ich habe ganz viel bei diesem Konzert gefühlt. Ich glaube, deshalb würde ich sagen, dass das mein Highlight-Konzert dieses Jahr war. Zudem auch das Acoustic Lakes Side Festival – so ein tolles Festival!  Da wollte ich schon seit Jahren als Besucherin hingehen, habe es jedes Jahr versucht und es hatte irgendwie nie geklappt. Jetzt waren wir dieses Jahr als Act dort und es war sehr besonders. Und wir durften Alice Phoebe Lou kennenlernen! 

Jo The Man The Music, Interview vol. 2, untoldency, EP Soft Skin (only), Indie, Österreich, Berlin, 2026

»Es war eher so: „Wie kann ich einschätzen, ob ich es für gut empfinde und ob ich das wirklich, ehrlich mag“.«

Foto: Vivien Bendlin

Was war das beste Konzert, was du dieses Jahr gehört hast?

Ich bin ja großer Big Thief Fan und wollte die schon ganz lange mal live sehen. Im April war ich beim Konzert in der Columbiahalle.

Tolle Überleitung zu meiner nächsten Frage: Du hattest mir damals gesagt, dass du gern mal für Big Thief oder Adrienne Lenker Support spielen würdest, aber auch Phoebe Go. Jetzt hast du dieses Jahr für ganz schön große Namen Support gespielt und unter anderem eben für auch Kat Frankie aus Australien. Da denke ich mir, wo ist da der Kontakt zu Phoebe Go? Die kennen sich doch ziemlich sicher.

[lacht] Ja, ich weiß auch nicht. Vielleicht muss ich Kat mal anrufen, ganz lieb fragen, ob sie mir den Kontakt weiterleiten kann. Aber ja, es haben sich echt so tolle Support-Shows dieses Jahr ergeben. Es kamen einfach mega tolle Anfragen und dann ist es einfach so passiert und bestimmt wird das auch noch passieren[lacht]. Es hat alles seine Zeit.

Was war denn deine Sommer-CD?

Hm, tatsächlich habe ich sehr wenig aktiv Musik gehört, weil ich so viel unterwegs war. Nach Konzerten bin ich meist auch dankbar für Stille und eigentlich war ich auch fast nicht zu Hause bei meinem CD-Player. Ich glaube, leider gab es dieses Jahr keine Sommer-CD.

Vielleicht dann deine eigene EP?

Vielleicht die, ja… Tatsächlich haben wir kürzlich einen Fehler entdeckt und zwar steht „Skinny Dipping“ mit drei p, statt zwei drauf und es ist niemandem aufgefallen. Es hatten, glaube ich, sechs Menschen Korrektur gelesen und ich verkaufe die ja schon seit acht Monaten. Vor zwei Wochen hat dann ein Freund sie angeschaut und das Erste, was er gesagt hat, war: „Warum steht da „Skinny Dipping“ mit drei „p“?“ So richtig in der Track-List und relativ groß würde ich sagen [lacht].

Wie witzig! That’s life, oder? Wann dürfen wir deine nächste CD/Platte erwarten?

Ich weiß es noch nicht. Ich freue mich schon auf den Herbst und Winter, um ein bisschen Ruhe und auch Zeit zum Schreiben zu finden, weil ich gemerkt habe, dass das sehr kurz kommt, wenn man so viel unterwegs ist. Ich mag es, mich so ein bisschen abzukapseln beim Schreiben, gar nicht so dran zu denken, dass man das jetzt für jemanden schreibt oder dass das Menschen jemals hören werden. Sich wirklich hinzusetzen und einen Song fertig zu denken, braucht Zeit und Platz im Kopf. Dieses Abschotten war dieses Jahr bisher eigentlich noch gar nicht möglich und deshalb freue ich mich sehr auf den Winter. Ich habe mich noch nie so auf Weihnachten gefreut [lacht]. Es gab aber auch kurz diesen Moment vor ein paar Wochen, wo ich mir so dachte: „Okay, jetzt müssen wir die nächste Single planen, das muss noch dieses Jahr passieren, dann muss es weitergehen und Anfang nächsten Jahres muss die nächste EP kommen…“ Dann habe ich diesen Plan kurz sacken lassen und dachte mir: „Nein, eigentlich muss gar nichts.“ Ich will was rausbringen, wenn ich zu 100% weiß, dass ich es gut finde und ich mega stolz darauf sein kann. Ich finde, wann der Punkt erreicht ist, ist einfach nicht planbar.

[Wir lassen daraufhin auch kurz nochmal Kuchen und Cappuccino sacken.]

Joey, erinnerst du dich an den Fragenhagel?

Jaaa.

Soft skin „only“ oder doch „zusammen“? Zusammen im Sinne von zusammen oder alleine spielen.

Ach, jetzt für diesen Herbst „Soft Skin (only)“, aber ich freue mich auch ganz doll wieder auf „Soft Skin“ zusammen mit der ganzen Band. Deshalb „only“ auch nur in Klammern. In „Skinny Dipping“ gibt es diese Zeile „I’m talking in brackets“ und es war ganz bewusst, dass „Skinny Dipping (Just Your Toes)“ und „Soft Skin (only)“ auch in Klammern gesetzt sind.

Musik aufnehmen im Sommer oder Winter?

Ja, dieses Jahr auf jeden Fall im Winter.

Buch oder Kopfhörer an der Bahn?

Ich bin gerade richtig im Lesefieber, aber in der Bahn muss ich sagen, wenn es sehr laut ist wahrscheinlich doch Kopfhörer. Kopfhörer auf Noise-Cancelling und dann noch lesen [lacht].

Growing up oder Growing old?

Erstmal noch Growing up, I guess.

Intro oder Outro?

Intro.

Dann darf das jetzt hier gern mein Outro sein. Danke, Joey! Das war’s mit meinen Fragen für dieses Mal. Ich bin gespannt, zu hören, wie es für dich weitergeht, und hoffe, dass wir uns bald mal wieder auf Kaffee und Kuchen treffen.

Ich sage nie nein zu einem Stück Kuchen. Danke Dir!

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Website: Jo The Man The Music
Label: Ink Music

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