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Exklusive Videopremiere: Der Assistent und “W”

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Es ist wieder Premierentag bei untoldency und das bedeutet wir haben uns alle frisch geduscht und gekämmt und einen Sekt aufgemacht! Heute im Programm: Der Assistent mit seinem Musikvideo zum Song „W“. Ploppt euch doch auch schnell einen Sekt und klemmt euch mit uns vor die Glotze, los geht’s!

Fleißigen Lesebienchen unseres Magazins wird der Name Tom Hessler auch schon bekannt vorkommen. Erst letztes Jahr hat er mit seiner Band FOTOS ein neues Album veröffentlicht und damit Kritiker und Fans gleichermaßen von seinen Songwriterqualitäten überzeugen können. Auch wir waren ein begeistertes Publikum, wie ihr in der Review nachlesen könnt. Als Der Assistent veröffentlichte Tom 2020 bereits die Single „Neue Lunge“, ein Jahr später folgte „Einsamkeit“. Entspannte, elektronische Beats untermalen mal quirlige, mal gediegene Synthesizer, in den Texten schwingt stets eine beruhigende Message mit. Das ist die richtige Musik für den Urlaub der Menschen, die nie Urlaub machen.


„Dub-Treatment für die Seele“

Wisst ihr noch was eine Heimorgel ist? In besonders gepflegten Partykellern der Republik sind sie bis heute anzutreffen: braune, schwere Ungetüme aus beschichtetem Pressspan, „MELODIA“ oder „CONCORDIA“ sind ihre Namen. Und aus ihnen dröhnt Musik, feinste elektronische Orgelklänge und swingende Drumpatterns.

Mit einer ähnlichen Klangästhetik begegnet uns die neue Single „W“. Ein verträumter Reggaegroove, dauerhaft in die Knie gebeugt, schnipst uns auf die 2 und die 4 in eine ausgeglichene Grundstimmung. Genau die richtigen Vibes bei diesen Temperaturen.

Doch genug der Worte vorerst, hier gibt es jetzt erstmal das Video:



Traurige Songs im Sommer

Im Musikvideo wurde nach guter alter Meme-Manier montiert was das Zeug hält. Wie zufällig zusammen gewürfelt, wird uns hier eine Fülle an kleinen Videoschnipseln geboten, die man sich sonst auf Clipfish über Jahre mühevoll selbst kuratieren musste. Von lustigen Pannen bis süßen Katzenvideos ist hier alles dabei. Allerdings auch solche Sequenzen, bei denen mir nur das Lachen im Halse stecken bleibt. Kontextualisiert werden diese einzelnen Szenen durch wechselnde Bildtexte, immer bestehend aus jeweils einem Wort. Manchmal passgenau wie ein Stichwort, manchmal allerdings nur über zwei oder drei Ecken mit dem Bewegtbild verknüpfbar. „Wadenkrampf“ oder „Wolfsbegegnung“ lesen wir dort, und was diese schönen Worte gemeinsam haben, lernen wir relativ bald: das „W“.

Dieses „W“ ist nicht nur ein Schlüsselelement des Videos, auch der Song lebt von diesem einzelnen Buchstaben. „Ich tat mir selber WEH“ heißt es da nämlich im Refrain. Diese prägnante Zeile lässt nichts Gutes vermuten, muss man sich hier ernsthaft Sorgen machen? Nein, denn hier wurde und wird bereits verarbeitet. Im Song geht es um die Vernachlässigung der eigenen Person – andersrum könnte man es als shout-out für mehr self care betrachten. Ein Thema, das in Anbetracht von Leistungsdruck, Home-Office-Versklavung und strikten Deadlines gesellschaftlich immer wichtiger wird. Eine zugegeben ernste Angelegenheit in einem wirklich fast schon übertrieben fröhlich wirkenden Reggaesong? Ja! Ich kann mir ehrlich gesagt nichts schöneres vorstellen, als traurige Songs im Sommer. Da stimmt einfach der Kontrast!


Will Smith und Selbstreflexion

Auch Der Assistent legt den Fokus auf den Kontrast, denn im Video blitzt immer wieder ein dunkler, manchmal fast zynischer Humor durch. So ist eine Razzia von Polizeispezialkräften mit „Wohnungsbesichtigung“ oder das gescheiterte Abfeuern einer Flak mit „Wehrdienst“ untertitelt. Dadurch wird man das Gefühl nicht los, hier den bösen Zwilling eines TikTok-Feeds vor sich zu haben. Unter dem Deckmantel alberner Kurzvideounterhaltung bildet sich hier im Kern die destruktive und schmerzvolle Realität ab. Und ist deswegen nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene als Kritik im Umgang mit Selbstwertschätzung zu verstehen. Was Will Smith damit zu tun hat? Findet es selbst heraus und schaut euch das Video an!

Diese „Pop-Therapie“ von Der Assistent ist eine inspirierende Motivation zur Selbstreflexion und eine herzliche Empfehlung, euch selbst mal wieder auf die Schulter zu klopfen. Und es gibt noch eine gute Nachricht obendrauf: das Album ist für November 2022 beim Label Papercup Records angekündigt und birgt hoffentlich noch viel mehr davon.

Fotocredit: Maximilian König

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