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Alice Phoebe Lou mit “Glow”: So viel Herz in zwölf Songs

Alice Phoebe Lou_Senga Li

Wenn dieses Album ein Motto hätte, dann wäre das bestimmt irgendwas in die Richtung “Herzschmerz vom Feinsten”. Alice Phoebe Lou scheut keine großen Gefühle und packt ihr drittes Album Glow voll damit!

Gleich die ersten vier Zeilen des Songs Only When I, den wir als erstes zu hören bekommen, sprechen Bände:


„You didn’t teach me,
I taught myself through you,
You didn’t heal me, but I healed from the things that you do“  


Eine Trennung zu verarbeiten ist nie einfach und für jeden anders. Es ist ein Prozess, geprägt von Ups und Downs, Phasen, an denen es einem wieder ganz gut geht, in denen man denkt man hätte das Gröbste überstanden, worauf Phasen folgen, an denen doch wieder alles hochkommt. Und ich glaube jeder war schon mal in seinem Leben an diesem Punkt, um solche Herzensangelegenheiten nachvollziehen zu können. Genau diese Ups and Downs sind auch auf dem Album wiederzufinden. In dem Song Glow singt Alice „I’m glowing from inside“, nur um zwei Songs weiter in Mother’s Eyes doch zu einer anderen Einsicht zu kommen: „Loving you’s the cure and the crime“; Wobei sich beides natürlich nicht gegenseitig ausschließen muss.


Die Mischung machts

Die sanfte Stimme und der verträumte Sound klingen ein bisschen melancholisch, aber nicht traurig. Eher schwermütig und das mit jedem weiteren Song ein bisschen mehr. Im Englischen gibt es dieses schöne Adjektiv: bittersweet. Eine Mischung aus Traurigkeit und Glück. Und das beschreibt dieses Album meiner Meinung nach am besten. Vielleicht ist es auch das Glück wenn man eine schwere Phasen überstanden hat. Wenn man seine Wunden geleckt hat und wieder zu neuer Kraft kommt.

Alice-Phoebe-Lou-Glow-LP-Cover-

Dass dieses ganze letzte Jahr auch nicht spurlos an Alice vorbei gegangen ist, merkt man durch die Themen der Songs deutlich. Sie sagt selbst, dass sie nach einem Jahr um die Welt touren auf einmal auf sich gestellt war und noch nie so viel Zeit alleine verbracht hat. Sie war quasi gezwungen sich mit sich selbst und ihren Gefühlen auseinander zu setzten und diese Songs kamen direkt aus ihrem Herzen herausgesprudelt.

Einsamkeit ist ein großes Thema auf dem Album. Was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass wir alle wegen der aktuellen Situation einfach viel in unseren vier Wänden verbringen. Auch Alice Phoebe Lou hat viel Zeit damit verbracht zu grübeln, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und sie zu verarbeiten.


„I’m sitting in the corner of my mind,
I don’t mean to sit here so much of the time.


Ein Song sticht unter den Liebesliedern heraus: In Dirty Mouth singt sie über sexuelle Belästigung, KO-Tropfen und wie ihr Kerle ungewollt zu nah kommen und übergriffig werden. Bei Zeilen wie „my body fell asleep when they took it away from me“ läuft es mir ein bisschen kalt den Rücken runter. Aber umso wichtiger, dass Alice es thematisiert in ihrem Song! In dem dazugehörigen Musikvideo tanz sie sich quasi von den Erfahrungen frei und singt „don’t touch me, don’t even look at me“.


Alte Mikrofone und crooniger Gesang

Vor allem der neunte Song Lover // Over the Moon des Albums ist mein persönlicher Favorit. Irgendwie gibt er mir ein bisschen „la vie en rose“-Vibes. Aber eigentlich gibt mir das ganze Album dieses Gefühl von Wärme, gepaart mit einer gewissen Schwere. Wie ein schwarz-weißes Melodrama. Vielleicht haben das so croonige Stücke auch einfach an sich. Vielleicht liegt es auch an der analogen Aufnahme Technik, die Alice Phoebe Lou und ihr Produzent Dave Parry genutzt haben. Eigentlich sollte das Album in Kanada aufgenommen werden, bevor die Pandemie den beiden einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Nichtsdestotrotz ist Dave nach Deutschland geflogen und sie haben für die Aufnahme von Glow die ältesten Mikrofone, Verstärker und Gitarren ausfindig gemacht. Das macht den Sound des ganzen Albums so authentisch.

Auch wenn sich die Songs musikalisch nicht allzu sehr voneinander unterscheiden, ist das Album als gesamtes Werk wirklich schön und voller Gefühle. Die Gitarren und Synthesizer Sounds und vor allem die analoge Aufnahmetechnik betonen das nochmal zusätzlich. Ich kann euch Glow nur ans Herz legen, im wahrsten Sinne des Wortes. Je öfter man sich das Album anhört, desto schöner wird es. Egal ob man akuten Herzschmerz hat oder an einem moody Tag einfach Alices sanfter Stimme lauschen möchte.

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