Tag: 31. März 2021

  • EESE im Interview: »Wir wollen immer wieder was Neues, Eigenes kreieren.«

    EESE im Interview: »Wir wollen immer wieder was Neues, Eigenes kreieren.«

    Newcomer-News aus der Sparte experimenteller, gitarren- und synthlastiger Indie: EESE, die vierköpfige Band aus Köln werfen sich mit ihrer EP Into Anything auf den Radar unserer kleinen Musikbubble. Sie stechen heraus, erfinden sich stets neu und scheuen vor nichts zurück. Luca, Pablo, Max und Leon sind EESE und sie sind hier, um zu bleiben – warum, erzählen sie euch selbst.

     
    EESE im Interview

    Anna: Hey ihr! Vielleicht eine etwas lapidare Frage vorweg, aber wie geht’s euch?

    Max: Uns geht es soweit gut, wir hoffen euch auch! Natürlich bleibt für uns als Band derzeit leider einiges auf der Strecke, was nicht spurlos an unser aller Gemütszustände vorbei geht. Wir versuchen aber, unsere Motivation und Energie aufrecht zu erhalten und freuen uns auf die Zeit, in der wir unsere Kreativität zusammen wieder besser ausleben können. Wir nutzen glaube ich alle die Zeit auch, um privat das ein oder andere anzugehen und uns gegenseitig zu supporten.  

    Anna: Ihr seid eine Newcomer Band aus Köln, macht aber schon ein bisschen länger Musik. Wie habt ihr euch als Band zusammengefunden und was für Musik macht ihr?

    Luca: Pablo, Max und ich kennen uns schon seit über zehn Jahren. Wir haben damals schon in unterschiedlichen Besetzungen zusammen Musik gemacht und 2017 mit EESE nochmal ein neues Projekt gegründet. Mitte letzten Jahres (2020) ist noch unser guter Freund Leon dazu gestoßen und hat nochmal einen neuen Drive mit eingebracht. Ich würde sagen, wir haben schon einen großen Anspruch an unsere Musik und wollen auch immer wieder was Neues, Eigenes kreieren. Auch mit Struktur und Sounds experimentieren, ohne dass darunter die Eingängigkeit der Songs leidet und wir unzugänglich werden. Soundmäßig ist uns sehr wichtig, dass wir alles selber produzieren und mischen, damit wir uns da komplett verwirklichen können und es immer EESE bleibt.

     
    „Was man von den Songs erwarten kann, ist Vielseitigkeit und Experimentierfreude.“

    Anna: 2019 kam eure Single „Odd Repair, mit der ihr schon ein bisschen durch die Szene gewirbelt seid. Wie hat sich das angefühlt nach längerer Zeit wieder Musik zu releasen?

    Pablo: Ich glaube, es wurde echt Zeit! Die Leute, die uns folgen, haben sich bestimmt schon gefragt, ob es die Band überhaupt noch gibt. Außerdem hat sich unser Sound in der Zwischenzeit auch ziemlich verändert, also wollten wir unbedingt, dass das auch endlich jemand hört.

    Anna: Auch wenn die Pandemie immer noch verhindert, „normal“ Musik zu releasen und die neuen Songs live zu spielen, geht auch euer Leben als Musiker immer weiter. Wie geht ihr damit um?

    Leon: Wir versuchen, wie wahrscheinlich die meisten Leute, ob Musiker oder nicht, so gut es geht das Positive zu sehen. Andere Menschen trifft diese Krise sicherlich noch bedeutend härter als es bei uns der Fall ist. Dieses Jahr hat uns sehr dabei geholfen, uns musikalisch weiterzuentwickeln um neue Richtungen einzuschlagen. Natürlich freuen wir uns wieder sehr darauf, auf die Bühne zu gehen, um die EP endlich live zu zocken. In dieser ganzen Zeit sind natürlich auch noch viele weitere Songs entstanden, an deren Fertigstellung wir gerade sitzen. Sodass wir, sobald der ganze Spuk vorüber ist, besser vorbereitet sein werden als ohne Pandemie.

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    Anna: Mit „Into Anything“ kommt jetzt eure neue EP raus. Welche musikalischen Einflüsse haben euch während der Entstehung der EP geprägt und was können wir von den Songs erwarten?

    Max: Jeder von uns würde hier glaube ich anders antworten, da wir selbst sehr viel und auch unterschiedliche Musik hören. Das spiegelt sich auch in unserer Musik wieder. Gemeinsame Einflüsse sind aber definitiv Bands wie Foals, Radiohead, Bon Iver und Tame Impala, was man an der ein oder anderen Stelle auf der EP vielleicht auch hört. Uns war es aber auch besonders wichtig, unseren eigenen Stil zu definieren. Was man von den Songs erwarten kann, ist Vielseitigkeit und Experimentierfreude. Jeder Song hält für die Hörer*innen hoffentlich spannende und überraschende musikalische und emotionale Elemente bereit. Und ich glaube auch, dass für jede*n was dabei ist – die EP hat sowohl ruhige, melancholische als auch energetische und ein wenig aggressivere Momente parat.

     
    „So wachsen die Songs auf ganz natürliche Weise.“

    Anna: Worum geht es inhaltlich in den Songs? Gibt es einen, der euch besonders am Herzen liegt?

    Luca: Waive ist definitiv ein Song, der unsere musikalische Entwicklung ziemlich gut zeigen kann. Durch Leon ist neben mir auch noch ein weiterer Sänger dazu gekommen und ich glaube, in Waive wird dieses Zusammenspiel von Gesängen aber auch unserer Stilweiterentwicklung deutlich. Inhaltlich geht’s bei der ganzen EP um Ängste, sozialen Druck, Verantwortung und Selbstverwirklichung, alles was bei uns auch so im Leben mit Mitte 20 eine große Rolle spielt.

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    Anna: Zu viert bringt bestimmt jeder von euch eine eigene Perspektive in eure Band mit rein. Wie war der kreative Prozess hinter den einzelnen Songs?

    Leon: Da jeder von uns mit unserer DAW vertraut ist, waren wir dazu in der Lage, dass jeder, wenn es die momentane Situation gerade nicht zugelassen hat, alleine von zuhause an den jeweiligen Projekten weiterarbeiten konnte. So mussten wir uns nicht jedes Mal persönlich treffen. Ansonsten haben wir uns in Köln in unserem HomeStudio getroffen und den Songs dann zusammen den letzten Schliff gegeben. Normalerweise fängt es damit an, dass eine Person mit einer Idee startet und der Nächste sie weiterführt. So wachsen die Songs auf ganz natürliche Weise.

    Anna: Wir hatten gerade alle irgendwie „einjähriges“ im Lockdown, was vermisst ihr (neben Konzerten) am meisten? Und was ist das erste, was ihr machen wollt, wenn das alles vorbei ist?

    Pablo: Ganz ehrlich: Einfach mal wieder die Jungs aus der Band auf ein Bier sehen und dann vielleicht noch auf ein zweites in die Bar.

    Anna: Zum Schluss gibt’s, wie ihr vielleicht wisst, immer eine kleine untold story: einen kleinen Fun Fact oder eine Anekdote, die ihr davor noch nicht in einem Interview erzählt habt.

    ? + ?: Wir erinnern uns so ganz spontan an den Moment als einer von uns (Wir nennen jetzt bewusst keinen Namen. Du weißt schon.) mal die ganzen aktuellen Projekte in unserer Dropbox ausradiert hat und dann in vollkommener Aufregung in die Gruppe geschrieben hat: „Hey Leute ich glaube, ich hab alles gelöscht“. Zum Glück konnte man alles zurücksetzen. Sonst würde dieses Interview zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich auch gar nicht stattfinden 😀

     

    EESE – zum Glück nicht gelöscht und zum Glück auch auf Spotify:

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    Fotocredit: Frederike Wetzels

  • Alice Phoebe Lou mit „Glow“: So viel Herz in zwölf Songs

    Alice Phoebe Lou mit „Glow“: So viel Herz in zwölf Songs

    Wenn dieses Album ein Motto hätte, dann wäre das bestimmt irgendwas in die Richtung „Herzschmerz vom Feinsten“. Alice Phoebe Lou scheut keine großen Gefühle und packt ihr drittes Album Glow voll damit!

    Gleich die ersten vier Zeilen des Songs Only When I, den wir als erstes zu hören bekommen, sprechen Bände:


    „You didn’t teach me,
    I taught myself through you,
    You didn’t heal me, but I healed from the things that you do“  


    Eine Trennung zu verarbeiten ist nie einfach und für jeden anders. Es ist ein Prozess, geprägt von Ups und Downs, Phasen, an denen es einem wieder ganz gut geht, in denen man denkt man hätte das Gröbste überstanden, worauf Phasen folgen, an denen doch wieder alles hochkommt. Und ich glaube jeder war schon mal in seinem Leben an diesem Punkt, um solche Herzensangelegenheiten nachvollziehen zu können. Genau diese Ups and Downs sind auch auf dem Album wiederzufinden. In dem Song Glow singt Alice „I’m glowing from inside“, nur um zwei Songs weiter in Mother’s Eyes doch zu einer anderen Einsicht zu kommen: „Loving you’s the cure and the crime“; Wobei sich beides natürlich nicht gegenseitig ausschließen muss.


    Die Mischung machts

    Die sanfte Stimme und der verträumte Sound klingen ein bisschen melancholisch, aber nicht traurig. Eher schwermütig und das mit jedem weiteren Song ein bisschen mehr. Im Englischen gibt es dieses schöne Adjektiv: bittersweet. Eine Mischung aus Traurigkeit und Glück. Und das beschreibt dieses Album meiner Meinung nach am besten. Vielleicht ist es auch das Glück wenn man eine schwere Phasen überstanden hat. Wenn man seine Wunden geleckt hat und wieder zu neuer Kraft kommt.

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    Dass dieses ganze letzte Jahr auch nicht spurlos an Alice vorbei gegangen ist, merkt man durch die Themen der Songs deutlich. Sie sagt selbst, dass sie nach einem Jahr um die Welt touren auf einmal auf sich gestellt war und noch nie so viel Zeit alleine verbracht hat. Sie war quasi gezwungen sich mit sich selbst und ihren Gefühlen auseinander zu setzten und diese Songs kamen direkt aus ihrem Herzen herausgesprudelt.

    Einsamkeit ist ein großes Thema auf dem Album. Was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass wir alle wegen der aktuellen Situation einfach viel in unseren vier Wänden verbringen. Auch Alice Phoebe Lou hat viel Zeit damit verbracht zu grübeln, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und sie zu verarbeiten.


    „I’m sitting in the corner of my mind,
    I don’t mean to sit here so much of the time.


    Ein Song sticht unter den Liebesliedern heraus: In Dirty Mouth singt sie über sexuelle Belästigung, KO-Tropfen und wie ihr Kerle ungewollt zu nah kommen und übergriffig werden. Bei Zeilen wie „my body fell asleep when they took it away from me“ läuft es mir ein bisschen kalt den Rücken runter. Aber umso wichtiger, dass Alice es thematisiert in ihrem Song! In dem dazugehörigen Musikvideo tanz sie sich quasi von den Erfahrungen frei und singt „don’t touch me, don’t even look at me“.

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    Alte Mikrofone und crooniger Gesang

    Vor allem der neunte Song Lover // Over the Moon des Albums ist mein persönlicher Favorit. Irgendwie gibt er mir ein bisschen „la vie en rose“-Vibes. Aber eigentlich gibt mir das ganze Album dieses Gefühl von Wärme, gepaart mit einer gewissen Schwere. Wie ein schwarz-weißes Melodrama. Vielleicht haben das so croonige Stücke auch einfach an sich. Vielleicht liegt es auch an der analogen Aufnahme Technik, die Alice Phoebe Lou und ihr Produzent Dave Parry genutzt haben. Eigentlich sollte das Album in Kanada aufgenommen werden, bevor die Pandemie den beiden einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Nichtsdestotrotz ist Dave nach Deutschland geflogen und sie haben für die Aufnahme von Glow die ältesten Mikrofone, Verstärker und Gitarren ausfindig gemacht. Das macht den Sound des ganzen Albums so authentisch.

    Auch wenn sich die Songs musikalisch nicht allzu sehr voneinander unterscheiden, ist das Album als gesamtes Werk wirklich schön und voller Gefühle. Die Gitarren und Synthesizer Sounds und vor allem die analoge Aufnahmetechnik betonen das nochmal zusätzlich. Ich kann euch Glow nur ans Herz legen, im wahrsten Sinne des Wortes. Je öfter man sich das Album anhört, desto schöner wird es. Egal ob man akuten Herzschmerz hat oder an einem moody Tag einfach Alices sanfter Stimme lauschen möchte.

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