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  • Dramatischer Realismus: „Prelude to Ecstasy“ von The Last Dinner Party

    Dramatischer Realismus: „Prelude to Ecstasy“ von The Last Dinner Party


    Prelude to Ecstacy heißt das Debütalbum der britischen Band The Last Dinner Party. Der Titel verspricht eine Flucht vor der Realität – hält das Album dieses Versprechen? 1815 war ganz Europa in Folge des größten Vulkanausbruches aller Zeiten unter einer Decke der Dunkelheit verborgen. In dieser apokalyptisch scheinenden Zeit schuf Mary Shelley eine der ersten gotischen Novellen, besser bekannt als Frankenstein. The Last Dinner Party tun es ihr auf zeitgenössischer Art und Weise gleich.

    Das heutige apokalyptische Setting äußert sich im Sterben unseres Planeten und im Tod der Wahrheit. Im postfaktischen Zeitalter scheint nichts mehr real zu sein. Vielmehr besteht unsere Welt aus deep fakes, fake news und AI. The Last Dinner Party wirken dem entgegen mit etwas, was diese Dunkelheit durchbricht: Ehrlichkeit.

    Inspiriert durch Romantik, Gotik und einen Hang zum Grotesken schaffen die fünf Musikerinnen mit Prelude to Ecstacy ihren eigenen Frankenstein. Dabei halten sie an der Ästhetik des Ursprungs fest. Auch die Musik bedient sich an Stilmitteln einer enormen Dramatik, Theatralik und eines Surrealismus aus vergangen Zeiten. Die Lyrics hingegen könnten aktueller nicht sein. In ebendieses Bild passend: Das Album wurde aufgenommen in einer umgebauten Kirche.

    Der erste Akt

    Schlägt man die Definition von Präludium nach, so stoßt man auf folgende Beschreibung: Ein oft frei improvisiertes musikalisches Vorspiel oder eine fantasieartige selbstständige Instrumentalkomposition. Mit einer solchen findet sich ein dramatischer Einstieg in das Bühnenwerk Prelude to Ecstacy. Erster Akt.

    Die Atmosphäre des Anfangs geht in den darauffolgenden Songs keinesfalls verloren. Während Titel und Track von Burn Alive nur vor Spannung und Tiefe strotzen, wirkt Caesar on a TV Screen zuerst wie ein groteskes Trauerspiel, verwandelt sich aber nach gut einer halben Minute in ein kräftig theatralisches Stück Popmusik und kommt am Ende zu einer Art musikalischem Showdown.

    The Feminin Urge trägt die Stimmung mittels James-Bond-Gedächtnis-Gitarre weiter. Mit On Your Side und Beautiful Boy findet die Dramaturgie des ersten Aktes in schmerzlich träumender, vor allem wunderschöner Manier sein Ende. Zum Einsatz kommen hier neben klassischer Bandbesetzung – wie im Intro von Prelude To Ecstacy – klassische Instrumente.

    „I wish I could be a beautiful boy“


    Der zweite Akt

    Gehüllt in einem himmlischen Stimmennebel und begleitet von einer Kirchenorgel beginnt die zweite Hälfte des Albums mit dem choralähnlichen Gjuha. Der Übergang zum rockigen Popsong Sinner ist phänomenal und unterstreicht einmal mehr, wie sehr Prelude To Ecstasy als Gesamtwerk zu betrachten ist. My Lady of Mercy nimmt diese poppige Gelassenheit auf, wandelt sie jedoch im Laufe des Songs in sich aufbauende (und damit endlich wiederkehrende) Dramatik um.

    Portrait of a Dead Girl verwirrt zuerst, indem das Klavier einen 6/8-Takt vorgaukelt. Beim Einsetzen des Schlagzeugs wird aber klar, dass es sich hier um einen 4/4-Takt und eine triolische Spielweise des Klaviers handelt (und damit wäre der Musiktheorie-Bildungsauftrag erfüllt). Spannend wird es auch beim darauffolgenden Song, der der Bekannteste des Albums sein dürfte.

    „And I will fuck you like nothing matters“


    Nothing Matters verbindet alles, wofür dieses Album, seine Dramaturgie und Ästhetik stehen. Das Künstlerische mit kleinen musikalischen Verweisen an klassische Musik (Orgel, Harfe) verbunden mit zeitgenössischem, kraftvollem Rock. Dazu feministische Perspektive und apokalyptische Endzeitthematik. Sogar ein Gitarrensolo hat dieser sehr, sehr gute Song und ist damit zumindest einer der Höhepunkte des Albums.

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    Prelude To Ecstacy findet mit dem grandiosen Schauerspiel Mirrors ein bedrückendes Ende. Ist das Wort Dramatik schon viel zu oft in diesem Text gefallen, wird aber jene nun aus allen vorangegangenen Songs extrahiert und in einem großen Finale der Melancholie endgültig freigesetzt. Es verläuft sich allmählich in einer ekstatisch solierenden Gitarre über sinfonischen Streichern und verblasst langsam („I fade away“). Schließlich endet es, wie es anfing: mit orchestraler Instrumentalmusik.

    Mit Prelude To Ecstacy schaffen The Last Dinner Party ein perfektes Debütalbum und kreieren durchdacht einen einzigartigen Stil, der die Urform von Kunst und Schönheit mit Spannung und Hyper-Realismus vereint. Die Kombination aus Vergangenheit und Gegenwart gelingt der britischen Band in ihrer Musik und ihren Texten hervorragend. Das Album ist zum Reinhören unter diesem Artikel verlinkt.

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  • Shooting Star Naomi Sharon besingt auf „Obsidian“ mit viel Symbolik die Liebe

    Es ist kein Revival, sondern eine Reinkarnation. Naomi Sharon belebt die schönste Frauenstimme der jüngsten Vergangenheit wieder, und zwar die von Sade. Mit geschlossenen Augen und gespitzten Ohren hört man den Unterschied kaum. Doch der Sound ist ein neuer. Naomi Sharon holt die Musik Sade‘s in die Gegenwart und mischt die bezaubernde Klangfarbe ihrer Stimme mit modernen und sinnlichen Produktionen. 

    Definition of Love

    Obsidian steht für Klarheit und Positivität. Dem aus abkühlender Lava entstehenden Glas werden schützende Kräfte vor negativen Schwingungen nachgesagt, sowie die Fähigkeit toxische Energien zu reinigen und Chaos zu klären. Das Resultat: die Bedeutung der Liebe. Bei maximalem Verstand besingt Naomi Sharon auf ihrer Lead-Single ihre persönliche „Definition of Love“. Über einer meditativen Soundfläche mit plätscherndem Wassergeräuschen gleitet die raumeinnehmende Stimme der Sängerin begleitet von Hallfahnen durch die erste Strophe und den ersten Refrain, ehe der einsetzende Beat rhythmischen Halt gibt. Die Drums sind minimalistisch und dennoch prägnant, dank des geschickt eingesetzten Delays. Der sich ohne Gesang etablierende Beat sowie die anschließend gekonnt gesetzte Kunstpause geben Raum zum Durchatmen und Gedanken schweifen lassen.

    Mit der Klarheit, die die musikalische Komposition auszeichnet, beschreibt Naomi Sharon auch ihre Gefühle: „All I see, all I know, is that you are the definition of love“, und bringt ihre Ekstase mit den Worten „Heaven’s in your eyes, let me follow“ zum Höhepunkt. Die mantraartige Wiederholung dieser Zeile sowie der Zeile „Won’t rest ‚til I know for sure, won’t rest ‚til I know“ manifestieren den Wunsch nach Liebe und unterstreichen die Bestimmtheit ihrer Gefühle. Nach eigenen Aussagen deutet die Sängerin die Liebe von innen heraus und setzt die Liebe zu sich selbst als Maßstab.

    If this is Love

    Aus dem klaren Verlangen nach romantischer Intimität entwickelt sich deren Verneinung: „If this is love, then I don’t want it“. Im Sinne des Albumtitels klären sich auf dem zweiten Song des Albums die persönlichen Wünsche auf und stoßen daraus resultierend toxische Energien ab. Dies alles geschieht erneut über durch plätscherndes Wasser angereicherte Klangflächen und zurückhaltender Percussion. Die Bedeutungsschwere der sich wiederholenden Refrain-Zeile wird durch die zweite Stimme verstärkt. Aus der Verneinung der Liebe ergibt sich wiederum eine Bejahung. Die Ablehnung einer unzureichenden Liebe umreißt stärker die gewünschte Hingabe.

    Nahtlos fließt das Album weiter zum darauffolgenden Song „Another Life“, der sich mit der Kompliziertheit der Liebe auseinandersetzt. Der bereits etablierte Sound der niederländischen Sängerin mit karibischen Wurzeln breitet weiter seinen Radius aus. Die Stimme schwebt durch einen endlosen Klangraum, bis der signifikante Bass Orientierung bietet. Am Ende stehen erneut im Kreise laufende Zeilen im Fokus: „Love is a wicked game, still we play it“ bzw. „Don’t let your love run out“.

    Versiegte Romantik

    „Myrrh“ beginnt mit einer neuen Klangfarbe. Naomi Sharon besingt eine weitere Facette der Liebe über eine gezupfte Gitarre, die dieses Mal von Anfang rhythmische Struktur bietet. Der Klangraum bleibt allerdings riesig. Eine zurückhaltende Klangatmosphäre und weich gesetzte Delays erschaffen einen Raum zum Träumen. Die besungene nicht erfüllte Liebe wird dabei gekonnt durch die Refrain-Zeile „Kiss like myrrh, sweet perfume, ancient love fills the room“ auf den Punkt gebracht. Das vor langer Zeit für Parfüm verwendete Harz des Myrrhe-Strauchs versprüht einen Geruch, der ebenso an altertümliche Zeiten wie an die versiegte Liaison erinnert.

    Drake Summer Mixtape Vibes

    Mitte des Albums werden die Tracks tanzbarer. „Time and Trust“ gibt einen ersten Vorgeschmack, ehe der gemeinsame Song „Push“ mit dem nigerianischen Sänger Omah Lay die weichen und emotionalen Töne Sharons mit modernen Afrobeats und Amapiano Einflüssen verbindet. „Holding in Place“ treibt das Tempo weiter an und würde sich neben Songs wie „Get it Together“ oder „Passionsfruit“ nahtlos in das 2017 veröffentlichte Mixtape „More Life“ von Drake einordnen, ein Song, der im Winter Wärme spendet und im Sommer die Karibik nach Hause holt. Es ist kein Zufall, dass die Künstlerin bei Drake’s Label OVO unterschrieben hat. Eine Kollaboration würde nicht nur klanglich Sinn machen und den in Belanglosigkeit ertrinkenden kanadischen Rapper wieder etwas Spannung verleihen. „Extacy“ ist ein weiteres Puzzlestück, das Überschneidung mit Drakes Musikkatalog aufweist: Vocal-Samples, gedämpfte Drums und viel Platz für die Stimme. Und im Mittelpunkt steht erneut eine prägende, sich stets wiederholende Zeile: „It’s so easy to go, it’s so hard to come home“.

    Aus den verhallten Träumen in die klare Realität

    Auf „Lucid Dreamer“ gewinnt Sades Einfluss auch innerhalb der Produktionen. Funkelnde Keys und in Hall getränkte Percussion begleiten die träumende Stimme Naomi Sharons. Der dazu gehörende Kalenderspruch lautet dieses Mal: „If you’re not there, there’s no luxury worth living“. Dabei verrät der Titel bereits alles. Der Song ist ein Traum von sinnlicher Nähe, der sich so real anfühlt, dass er echt sein könnte. Es bleibt die Frage, was hören wir, wenn wir luzid träumen? Diesen Song!

    Das Ende des Albums hält noch eine Überraschung bereit. Der Hall verschwindet aus den Songs und es bleiben bescheidene Gitarren und die im Vergleich zurückhaltend effektierte Stimme. „Regardless“ und „Hills“ geben aufgrund der klanglichen Zurückhaltung noch mehr preis und fassen die verschiedenen Facetten des Albums zusammen. Die aktuelle Single „Nothing Sweeter“ führt den eingeschlagenen Weg weiter und kommt ebenfalls nur mit einer Gitarre aus, deren Akkorde und Melodien kaum schöner sein könnten.

    Ein Netz aus roten Fäden

    Naomi Sharon zeichnet ihren persönlichen Klang mit besonderer Klarheit. Warme Bässe ergänzen sphärische Flächen und erschaffen neue Dimensionen für eine ewig wachsende Stimme. Zentrales Element der Songs sind dabei immer sich im Refrain und Outro wiederholende Zeilen, die inhaltlich die Essenz des Liedes in sich tragen und als eine Art Mantra die eigenen Gedanken und Gefühle manifestieren. Dass dieses Album, dass sich in aller Ausführlichkeit mit der Liebe und dessen Reflektion beschäftigt, „Obsidian“ heißt, deutet darauf hin, dass der Heilungsprozess während der emotionalen Aufarbeitung im Vordergrund steht.

    Naomi Sharon zieht ihren roten Faden nicht nur durch ihre Songs, sondern auch durch ihren in blau & und schwarz gehaltenem Instagram-Feed bis hin zum Albumnamen. Diese besondere Homogenität ist ein Beweis ihrer künstlerischen Fähigkeiten und lässt fast vergessen was die Tracks auf dem Album auch sind: einfach verdammt schöne Songs.

    Was noch viel schöner ist, ist Naomi Sharons Konzert in Berlin Anfang April, das allerdings schon ausverkauft ist. Aber wer weiß, vielleicht wird die ein oder andere Karte noch frei.

  • Exklusive Videopremiere: Black Chai Stevia und „Callen“

    Exklusive Videopremiere: Black Chai Stevia und „Callen“

    Today’s Spotlight scheint auf Black Chai Stevia! Die Berliner Band veröffentlicht heute ihr erstes Musikvideo seit ihrem Comeback. Neues Wiedererkennungsmerkmal seit der Reunion: die stampfende four-on-the-floor-Kick, die jeden noch so umrhythmischen Körper zum Bewegen bringt.

    Die drei Jungs sind vor einigen Jahren mit ihrem Hit „Hoodie“ viral gegangen und haben die Hip Hop Welt mit ihrem besonderen Sound aufgewühlt. Nach einer Schaffenspause und neuen Projekten als BLVTH und Pabst bekommen wir endlich wieder neue Musik. Nach „Nachts um 4“ und „Seifenblasen aus Beton“ ist „Callen“ bereits die dritte Single der letzten Wochen. Vom Popsong mit Radiopotenzial über einen verzerrten Brutalismus 3000 type Beat hin zu einem mit Hyperpop angehauchten Hitsong, Black Chai Stevia beweisen eindrücklich ihre Vielseitigkeit.

    Dieses Mal wird der Song noch durch Visuals begleitet und wir sind mehr als hyped!

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    Was macht ihr, wenn ihr alleine im Büro seid, weil alle anderen im Home Office sind? Richtig! Die Fußnägel lackieren, mit der Tischhydraulik spielen, tanzen und … der Ex schreiben! Black Chai Stevia thematisieren in ihrer neuen Single die Zeit nach der Trennung, wenn man sich langsam eingesteht, dass das Single-Leben die neue Realität ist, aber man ab und zu noch an die Ex oder den Ex denken muss. Wenn dann noch das Büro leer ist und die Arbeit schon seit Stunden nicht mehr bockt, fliegt die Nachricht an den Ex-Partner, die man später bereut, schneller raus, als man denkt. Dass die kurz aufflammende Euphorie dann nicht erwidert wird, ist selbsterklärend. Die drei Musiker füllen die Leere im Herzen und im Büro dennoch mit kreativen Ablenkungen, gekonnten Tanzmoves und einem Hitsong! Das Schönste daran: Den Refrain können wir alle nach zwei Mal blinzeln mitsingen.

    Ah, Ah Ah Ah Ah!

    Streamt die neue Single und checkt das aufstrebende Trio auf allen sozialen Channels wie Instagram oder TikTok! Wer genau hinschaut, könnte vermuten, da kommt vielleicht bald eine EP!

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  • Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Declan McKenna mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    Drei Jahre nach Release seines Sophmore-Albums „Zeros“ ist Declan McKenna zurück mit seinem neuen Album „What Happened to the Beach?“

    2015 gewann der gerade mal 16-jährige Brite den „Emerging Talents“-Wettbewerb des Glastonbury-Festivals und ist seither nicht mehr von den UK-Festivalbühnen wegzudenken. Mit der Kombination aus Upbeat-Sound und rockigen Elementen wird seine Musik oftmals mit Britpop verglichen. Aufrichtig, locker und ganz und gar nicht nullachtfünfzehn — Gerade für das Schreiben seiner politischen Texte (z.B. „British Bombs“ (2019), „Brazil“ (2015)) wird McKenna gelobt. Dabei richtet sich viel an seine eigene Generation.

    Nun veröffentlichte er sein drittes Studioalbum mit sechzehn Tracks, die mich in vielerlei Hinsicht überzeugt haben. Der Sound von „What Happened to the Beach?“ ist ein wenig anders als der seiner Vorgänger — experimenteller, aufregender und dennoch vertraut. Zwischen Beatles-Klängen („I Write The News“), 2000er-Indie-Rock Songs („The Phantom Buzz (Kick In)“) und typischen McKenna-Ohrwürmern („Nothing Works“, „Sympathy“) bietet das Album sehr viel Abwechslung. Von einer Platte, auf der sich jeder Song gleich anhört, fehlt hier jede Spur. Auf dem neuen Album herrscht ein entspannterer Vibe, als auf seinen Vorgängern. Die Songs sind langsamer und fühlen sich durchdachter an.



    “Opening up and embracing the simple things in life has helped me make something that is more authentically me than ever before.”


    „What Happened to the Beach?“ ist ein sehr persönliches Album, das nun mehr die Freuden als Katastrophen der Welt in den Fokus stellt. Für Declan scheint eine neue Zeit angebrochen zu sein, jene, die ihn befreiter Songs schreiben lässt. Er ist angekommen und selbstbewusster in dem, was er tut. Das Album beschreibt gleichermaßen die letzten Jahre, die nicht nur gobal sondern auch in persönlicher Hinsicht von Dunkelheit geprägt waren. In der Ballade „It‘s An Act“ zeigt sich diese emotionale und verletzliche Seite der Platte. 



    „If every song features a lyrical statement then it loses some of its impact, too. I haven’t let go of that aspect of myself but I don’t want to live out that style forever.”

    Das Album ist insbesondere von dem Ort geprägt, an dem es produziert wurde: dem sonnigen Los Angeles. Gefühle von Leichtigkeit und Sonnenschein, die Declan dort aufgesogen hat, lassen sich unter anderem auf dem Artwork wiederfinden, das übrigens ABBA-inspired ist. Musikalisch werden diese positiven Gefühle von den poppigen Tracks wie „Sympathy“, „Wobble“ oder „Elevator Hum“ eingefangen. 

    Mit „Mystery Planet“ folgen drei zusammenhängende Interludes, die nur auf der physischen Platte zu hören sind. Part I beginnt mit einem kurzen von Declan eingesprochenem Intro, dass später in den Song übergeht. Nach Track sieben folgt „Mystery Planet Pt. 2“, der sich eher nach kurzen abgehackten Ausschnitten anhört, um am Ende erneut den Song anzuteasern. Neben „I Write The News“ hört man auch hier die Beatles heraus. „Mystery Planet Pt. 3“ schließt das Album mit lauten, rockigen Drums ab. Als einer meiner Favoriten macht „The Phantom Buzz (Kick In)“ seinem Titel alle Ehre und ist mit seinen verzerrten Gitarren einer der rockigsten und energievollsten Songs auf dem Album. 

    „What Happened to the Beach“ ist trotz seines neuen Sounds ein klassisches Declan McKenna Album. Obwohl es im Gegensatz zu den vorhergingen Alben eher eine entspanntere Atmosphäre hat, wirkt die Platte durch seine experimentellen Einflüsse und psychedelischen Elemente viel aufregender und abwechslungsreicher. Ein Album, das von Anfang bis Ende durchdacht und vollendet wirkt, aber vor allem Spaß macht zu hören. 

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  • FLUKES sind süchtig nach „Blauem Licht“

    FLUKES sind süchtig nach „Blauem Licht“


    Der Song wie ein einziger Rausch, ein Titel, der viel bedeuten kann und Musik, die einen von der Party nach Hause trägt: Die vierköpfige Hannoveraner Indie Band FLUKES veröffentlichen ihren neuen Song Blaues Licht.

    Zu Beginn ein liegender Synthie, eine angedeutete Gitarre. Die Strophe setzt nach sehr kurzem Intro beinahe plötzlich mit klarem Gesang und prägnanten Drums ein. Fast gesprochen, steht der Gesang direkt im Vordergrund und findet sich perfekt in den vorerst atmosphärischen, trotzdem stark treibenden Refrain ein


    „Einfach vor den Latz geknallt“

    Kurzer Break, dann der Refrain. Die Synthies werden stärker, die Gitarre lebendiger, beide nehmen ein Lasso und ziehen dich auf die Tanzfläche. Die eintönige Melodie des Gesangs steigt gleich mit ein und pflanzt einen Ohrwurm, der sich zum Glück nicht so schnell entfernen lässt.

    „Shalala die ganze Zeit verrinnt in deinen Händen,

    Süchtig nach blauem Licht
    Shalala die ganze Nacht allein in dein‘ vier Wänden,

    Süchtig nach blauem Licht“


    In der zweiten Strophe will der Gesang mehr. Er wird intensiver, nuancierter und arbeitet sich steigernd bis zum nächsten Refrain heran. Unmittelbar danach bricht dann ein verzerrtes Gitarrensolo aus, was den Rausch im Song auf die Spitze treibt. Und dann kurz Ruhe. Blaues Licht beruhigt sich und lässt dich durchatmen, ehe es dich mit einem letzten Ohrwurmchorus und offenem Ende in die Nacht entlässt.

    Irgendwo zwischen The Strokes und Von wegen Lisbeth

    Und nun zur Band: FLUKES sind ein vierköpfiges Indie-Gespann und stammen aus Hannover. Die Bandmitglieder verbindet eine lange Freundschaft und sie fühlen sich bei Themen wie Jugendliebe oder Grow-Up-Struggles zuhause.

    Ihre Musik beschreiben sie selbst als Zusammenspiel von melancholischen Gitarren-Lines, Wohlfühl-Synthies und treibenden Schlagzeug-Beats stets charakterisiert durch Nostalgie und gleichzeitigem Blick nach vorn. Genau das ist in „Blaues Licht“ gut zu hören. Zu ihren Inspirationen zählen The Strokes, Bilderbuch und Von wegen Liesbeth. In naher Zukunft dürfen wir uns über weitere neue Singles, eine EP und eine kleine Tour von FLUKES freuen. Reinhören und dabeibleiben lohnt sich also!

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  • Lucas‘ Jahresrückblick: Auf der Suche …

    Lucas‘ Jahresrückblick: Auf der Suche …

    Dieses Jahr war ich auf der Suche, ohne so richtig anzukommen. Viele verschiedene Genres, Artists, Singles und Alben sind durch meine Ohren geflogen, ohne dass so richtig viel hängengeblieben ist. Das müsste eigentlich gar nicht schlimm oder erwähnenswert sein, fühlt sich aber ein wenig wie eine erste musikalische Midlife Crisis an. Komme ich langsam in ein Alter, in dem mich nichts mehr überrascht, in dem mich nichts mehr von neuem begeistert? Die gute Seite daran ist allerdings, mir fällt meine musikalische Jahresauswahl ungewöhnlich leicht. Hier kommt eine Entdeckung für jeden Monat des Jahres 2023, die sich auf der Suche nach neuen Favourites doch in meinem Ohr festgesetzt haben.

    Januar: maïa – tristesse

    Das Jahr hat vielversprechend mit einer neuen Entdeckung angefangen. maïa trifft mit ihrem Song „tristesse“ sowie ihrer Debüt-EP „tatendrang und todmüde“ genau die musikalische Sitmmung, die ich liebe: leicht depressiv. Die zarte Stimme verschmilzt mit den organischen und zugleich modernen Produktionen. Mein Tipp: maïa wird sich durchsetzen. Die junge Künstlerin ist in ihrer künstlichen Erscheinung zu besonders, um ignoriert zu werden.

    Februar: BENEE – Green Honda

    Ganz abrupt wurde ich aus der Melancholie des Winters herausgerissen, als BENEE „Green Honda“ veröffentlichte. Meine Lieblings-Neuseeländerin hat ihre ADHS-Type Personality in Form eines Songs veröffentlicht. „Green Honda“ klingt wie ein tiefergelegtes neongrünes Auto mit Heck-Spoiler (ausgesprochen „Schpoiler“) und Bodenbeleuchtung, das ohne Rücksicht auf Verluste über den Nachbarsgarten driftet. Falls du ein Gartenzwerg bist: watch out!

    März: Oliva Dean – Dive

    Der Frühling hatte noch gar nicht so recht begonnen, da sind dank Olivia Dean bereits die ersten Schmetterlinge im Bauch umhergeflogen. Mein Celebrity Crush der letzten zwei Jahre hat die erste Single ihres Debütalbums „Messy“ im März veröffentlicht. Noch nie bin ich so geduldig und mit so viel Vorfreude den langen Single-Marathon mitgelaufen wie bei diesem Album. „Dive“ ist für alle Girls da draußen mit rosaroten Brillen und für alle, die es ab und zu im Herzen sein wollen (ich).

    April: Dominic Fike – Dancing In The Courthouse

    Der Sommer begann in diesem Jahr sehr früh. Dominic Fike hat mit „Dancing In The Courthouse” die perfekte Caprio-Hymne sowie das schönste Musikvideo des Jahres releast. Auf Dominic Fike ist am Ende immer Verlass. Auf jeden unbedeutenden Song folgt ein Hit zum Mitsingen. Wo auch immer Dominic Fike in den USA lebt, dort scheint es immer warm zu sein. Anders kann ich mir den perfekten Sommersong im April nicht erklären. 

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    Mai: Jorja Smith – Little Things

    Bevor Olivia Dean mein kleines Teenie-Herz eroberte, war Jorja Smith die unangefochtene Nummer eins. Dabei kann man noch immer auf ihre musikalische Schönheit vertrauen. Die engelsgleiche Stimme der Britin bezaubert immer wieder mit besonderen Momenten. Man muss ihr nur ein wenig Zeit geben. Jorja Smith ist wie Opa’s Bollo. Mit jeder Stunde, die sie länger auf dem Herd steht, schmeckt sie besser, nur mit Musik halt. Umso mehr man Jorja Smith hört, … ihr wisst schon!

    Juni: Olivia Dean – Messy

    Weil ein Song nicht ausreicht, um den vollen Umfang meiner grenzenlosen Liebe für Olivia Dean auszudrücken, betone ich hier erneut wie toll diese Frau und ihre Musik sind. Alles ist ein bisschen kitschig, aber ich falle voll darauf rein und bereue nichts. Wenn Olivia Dean mir vom Paradis vorsänge während ein Bär an meinem Körper knabbert, mich würde es nicht stören. Kurz: „Messy“ ist ein ganz tolles Album. Einziger Schwachpunkt: Nach dem langen Single-Marathon gab es auf dem Album gar nicht mehr soo viel zu entdecken. Aber das ist mir jetzt auch egal, solange mir mein YouTube-Algorithmus weiterhin regelmäßig neue fantastische Live-Auftritte von Olivia Dean vorschlägt.

    Juli: MAVICA – sometimes a person never comes back (but that’s okay)

    Im Juli dachte ich kurz, ich wäre ein A&R, der das nächste große Ding entdeckt hat. Auf TikTok wurde mir ein ca. 5 Sekunden langes Video angezeigt, das mit einem Song unterlegt war. Sofort war ich hooked. Wenn normalerweise auf TikTok der einzige gute Teil eines Songs zum Trend wird, während der Rest Trash ist, wurde ich dieses Mal eines besseren belehrt. „sometimes a person never comes back (but that’s okay)“ ist so unglaublich schön, dass ich leider vermute, dass diese kleine Indie-Künstlerin nie wieder einen so schönen Song releasen wird. Aber das ist okay! Ein Meisterwerk für die Ewigkeit ist mehr als ich zu träumen wage.

    August: Victoria Monét – How Does It Make You Feel?

    Die amerikanische Soul und RnB Sängerin aus dem Dunstkreis von Ariana Grande hat sich schon lange von ihrer Star-Freundin emanzipiert und verkörpert einen Sound der modern ist und zugleich die Wurzeln des Souls und Disco honoriert. Das im August erschienene Album „JAGUAR II“ entdeckt noch mehr musikalische Genres als der Vorgänger und kehrt dennoch immer wieder zu Victoria Monét’s Markensound zurück: anspruchsvolle Pop-Vocals auf tanzbaren Instrumentals mit einem Funken Disco & Glamour. 

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    September: Levin Liam, Miksu/ Macloud – Mann vom Fach

    Für den September gilt die gleiche Regel wie bei meinem Fahrschein. Die ersten paar Tage des neu angefangenen Monats darf ich noch mit der alten Karte fahren. Die erste Single der Kollaboration zwischen Miksu/ Macloud kam zwar erst Anfang Oktober raus, aber mit Sicherheit habe ich mich im September schon darauf gefreut, als auf TikTok der Song bereits intensiv beworben wurde. Wer hätte gedacht, dass das noch vor kurzem Most-Mainstream-HipHop-Producer-Duo Miksu/ Macloud mit dem aktuell Most-Indie-Up-And-Coming-Artist Levin Liam zusammenarbeiten würde. Das Ergebnis ist allerdings unbestechlich. „Mann vom Fach“ überzeugt schnell, ebenso wie die gemeinsame EP „neue Ufer“. Der darauf veröffentlichte Song „so k.o.“ ist die vermutlich schönste Deutsch-Pop-Ballade des Jahres. No cap!

    Oktober: Mustafa – Name of God

    Kommen wir von dem schönsten Deutschen Song des Jahres zum schönsten englischsprachigen Song des Jahres. Die erste Single zum kommenden Album „Name of God“ übertrifft all meine Erwartungen. Ich hatte nämlich erwartet, dass es nicht möglich ist noch mehr so schöne Songs zu schreiben, wie es Mustafa auf seinem ersten Album getan hatte. Doch er hat mich eines besseren belehrt. „Name of God“ steht ganz oben auf der Liste meiner Lieblingssongs 2023. Nothing more to say!

    November: The Kid Laroi – BLEED

    Justin Bieber 2.0 hat mich ebenfalls sehr positiv überrascht. Statt glatter Radio-Hits wie „Stay“ featuring Justin Bieber 1.0 sind die aktuellen Singles eher Indie-Pop Songs. Die durchschnittliche Songlänge von 1,51 Minuten und die stadionesken Ohrwurm-Melodien deuten zwar immer noch auf ein hohes Hitpotenzial mit Erfolgsgedanken hin, berühren aber dennoch auch die ab und zu stark geschundene Seele.

    Dezember: Bee Gees – OG Keemo, Levin Liam

    Den Abschluss macht mein Artist of the Year: Levin Liam. Weil ich Olivia Dean bereits im letzten Jahr neu entdeckt habe, steht Levin Liam auf der Pole Position. Wer so leichtfertig zwischen Rap und gefühlvollen Melodien, zwischen Bangern und Balladen und zwischen Punchlines und poetischen Zeilen hin und her hüpft, hat ganz viel Liebe verdient. Das dies bereits der Fall ist, haben seine letzten Konzerte bewiesen. In Berlin war die Stimmung mega! In Hamburg ebenfalls (wenn wir TikTok trauen können). Levin Liam wird mit seiner Vielseitigkeit und charakteristischen Stimme die Deutsche Pop-Landschaft ganz schnell erobern. Trust me!

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  • Von „vergiss mich nicht zu schnell“ bis „neue Ufer“ mit Levin Liam

    Levin Liam ist noch! der „most underrated“ Artist der aktuellen Stunde. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass dieser Stern ganz bald ganz groß über unseren Köpfen glitzern wird. Ein Feature mit Trettmann, ein angefragtes Feature von Mark Forster und die aktuelle Zusammenarbeit mit dem größten deutschen Produzenten Duo Miksu & Macloud beweisen das. Doch bevor wir über das aktuelle Projekt „neue Ufer“ sprechen, fangen wir weiter vorne bei der EP an, die Levin Liam rasant in mein nicht ganz leicht zu erreichendes Musikherz schoss.

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    „Vergiss mich nicht zu schnell“ heißt die 2022 erschienene EP des in Hamburg wohnenden Rappers, Sängers und Produzenten. Nach einigen englischsprachigen Singles unter dem Künstlernamen Liam Levin erscheinen 2022 die ersten Tracks auf Deutsch. Dieses Mal als Levin Liam. „Keine Geduld“, „Heim“ oder „Ich Hab Dich“ zeigen bereits sein Potenzial für besondere Momente. So richtig tief in den emotionalen Nerv stechen allerdings erst die Singles der zuvor genannten EP. „gleich“ ist so unfassbar gefühlvoll, dass die Lobeshymne in Form eines eigenen Absatzes kommt.

    In Wellen rauscht das Intro von „gleich“ langsam in die Ohren, ehe die leicht schüchterne, leicht zerbrechliche Stimme Levin Liams die ersten Zeilen nuschelt:

    „Ich guck’ dir von weitem zu und seh‘ du machst Fortschritt
    Und ich frag mich wie es wohl ist, wenn du fort bist“

    Diese Wortes sind ebenso schön wie clever, denn sie sind die inhaltliche Essenz, um die der gesamte Song kreist. Mit dem Pre-Chorus wird die Stimme bestimmter und die Position des lyrischen Ichs klarer: 

    „Ich will dir mehr von den Lichtern zeigen
    Ich will, dass wir für immer so nüchtern bleiben
    Sag mir, dass du niemals an den Lichtern zweifelst
    Und wir beide zusammen Geschichte schreiben“

    Eine vielsagende Kunstpause bis der Refrain langsam warmes Wasser über unsere verspannten Rücken laufen lässt. Die hauchzarte Stimme singt in einen großen Raum voll Intimität ohne nach mehr als einem zurückhaltenden Klavier zu verlangen. Und doch ebnen sich die Background Vocals ebenso wie der im zweiten Teil des Refrains einsetzende Beat unaufdringlich ein. Es ist wirklich ganz große Kunst wie der Song sich im weiteren Verlauf um den Gesang und das Klavier herum entwickelt. Jedes Element wirkt authentisch und organisch, obwohl der Song auch ganz minimalistisch die volle Gefühlswelt entfalten würde. 

    Während „gleich“ zusammen mit „outro (wenn du hier bist)“ die EP einfühlsam schließen,  leitet „intro (vergiss mich nicht zu schnell)“ das Projekt bittersüß ein. Ein gefiltertes Sample, eine Gitarre und seichte Keys leiten unsere sensiblen Öhrchen sanft in den 1:34 Minuten langen Einstieg der Platte, der lyrisch direkt seinen vollen Zauber entfaltet. Authentisch einfache Worte beschreiben bekannte Bilder und Gefühle, während dumpfe Klänge beruhigend die Stimme umarmen und jeden Teil unserer jemals verletzten Seele trösten.

    „Ich glaub, du kennst mich mittlerweile
    Ich kann lieben, dass es einen überrollt
    Und ich glaub, ich mach da manchmal fehler bei
    Weil ich denk, das kommt alles schon wies soll
    Ich war nie der typ, der sich viel prügelt und das weisst du auch
    Doch für dich nehm ich nen mittelgrossen streit in kauf“

    Auf „finde mich“ säuselt Levin Liam hauchdünn über einen Beat nach Spezialrezept. Warme analoge Keys, ein gefiltertes Sample, dumpfe sphärische Sounds, organische Drums, summende Backing Vocals und das Essen ist angerichtet. Produzent Cato macht erneut alles richtig dabei Levin Liams charakteristische Stimme nuanciert herauszuarbeiten und Bildern wie „Ich rede viel, doch denke zehn mal so viel mindestens“ oder  „Wer nicht im Stau stehen will, der darf auch nicht ins Auto steigen“ Farbe zu verleihen.

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    Mein Highlight ist Lied sieben: „graues papier“. Das gedämpfte Klavier pulsiert erwartungsvoll, ehe unsere neue Lieblingsstimme die Gedanken auf dem grauen Papier mit uns teilt. Der Track ebnet sich stilvoll ein in die Klangästhetik der EP und überrascht mit einer Jersey Kick, die seit Lil Uzi Verts „I Just Wanna Rock“ auf jedem deutschen und amerikanischen Hip Hop Album mindestens 3 Mal auftaucht. Die größere und spannendere Überraschung ist dann aber der Beat Switch, der den Song in gesteigertem Tempo in einen Sad Club Banger verwandelt. Cato beweist, dass er gefühlvolle Atmosphäre genauso gut kann wie tanzbare Club Hits.

    Levin Liam und Cato treten auf „Vergiss mich nicht zu schnell“ in eine besondere Synergie, die die Stärken beider glänzen lässt. Der größte Schwachpunkt dieses Projekt ist, dass es nur knapp 25 Minuten lang ist. Die Stimmungen jedoch sind unbeschreiblich und bedingungslos schön. Während Levin Liam stimmlich wie textlich sein volles Potenzial ausschöpft, gilt gleiches für die durchdachten und treffsicheren Produktionen Catos.

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    Resultat dieser fruchtvollen Zusammenarbeit ist die kürzlich erschienene EP „neue Ufer“ mit Produzenten-Team Miksu & Macloud. Insbesondere die Singles „Mann vom Fach“ und „so. k.o.“ featuring Jeremias beweisen Levin Liams Gespür für eingängige Melodien und lyrische Bilder, während Miksu & Macloud sich selbst und der Welt beweisen auch mit Indie-Produktionen den Zeitgeist des deutschen Hop Hops zu treffen. Das Duo hat sich einen Status erarbeitet, der ihnen musikalische Flexibilität erlaubt. Profiteure sind spannende upcoming Artists wie Levin Liam, dessen Stimme bald die Playlisten, das Radio und alle Festivals prägen wird.

    Gradmesser Levin Liams Entwicklung wird für mich dennoch immer „vergiss mich nicht zu schnell“ bleiben. Durch den musikalischen Feinschliff Catos erschafft der vielseitige Künstler schöne Geschichten mit viel Raum für eigene Gedanken. 

    Vergesst diese EP nicht zu schnell!

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  • Der goldene September auf einem Album: „brew“ von kitsches

    Der goldene September auf einem Album: „brew“ von kitsches


    kitsches, das sind Sängerin Mathea und Drummer Moritz, brachten Mitte August 2023 ihr zweites Album „brew“ heraus. Folgend auf das vor der Pandemie erschienene Debütalbum legen sie damit den passenden Soundtrack zur sich allmählich breitmachenden Jahreszeit nach. Dass das Duo die Musik im winzigen Homestudio aufnimmt, dürfte den einen oder die andere wundern. Denn es hört sich nach so viel mehr an.


    Wie wärmende Strahlen durch wehendes Herbstlaub hindurch

    So oder so ähnlich fühlt sich der gleichnamige Eröffner des Albums an. Dabei geht es um nichts Geringeres als das vakante Leben und die Frage nach einem Sinn dahinter. Beginnt die Musik vorerst verträumt und schwebend, so ändert sie schnell ihre Richtung und lässt alles eben noch gedanklich Niedergelassene aufstehen und zügig, dennoch präzise umherwandern. Der Song an sich gewinnt dadurch eine erhebliche musikalische Tiefe.


    „I hold the line
    and brew me one more time“


    Auch, wenn oder gerade, weil sich alles unfassbar schnell ändert, ist Zeit ein wertvolles Gut. An Vergänglichkeit erinnert eben nicht nur der Herbst mit seinem fallenden Laub, sondern auch dieser Song.


    September

    Dieser leichte Indie-Folksong fügt sich nicht nur durch seinen Titel „september“ passend in das Gesamtwerk ein. Auch musikalisch zeugt er einmal mehr von der musikalischen Qualität des Duos. Wie durch den Wind gepfiffene, wunderschöne Melodien werden durch Matheas sanftem Gesang gekonnt in das atmosphärisch warme Instrumental hineingearbeitet. Der Text dazu behandelt malerisch, wie lyrisch unverschlossen Erinnerung, Vergessenheit und das Wertschätzen von Dingen, die die eigene Person ausmachen.


    Unruhige Nächte

    Dass das Kreisen von Gedanken, Zweifeln und unbeantworteten Fragen einen nachts nicht schlafen lassen, können wahrscheinlich viele aus ihren eigenen Erfahrungen nachempfinden. Diese Spirale der Selbstsabotage wird in „attic“ thematisiert. Der Song wurde schon im vergangenen Jahr als Single vorab veröffentlicht.


    „There are people in the attic
    and they only walk at night
    ‚cause they walk around on eggshells
    towards me“


    „attic“ kommt zu dem Schluss, dass das Selbst die Ursache ist und umschreibt das nächtliche Phänomen mit Menschen, die zwar übervorsichtig, aber bestimmt auf dem Dachboden auf einen hinzuschleichen. Die Musik wirkt trefflich unruhig, nicht zur Ruhe kommend und trotzdem niedergeschlagen.


    Über das Loslassen von Fehlern

    Manchmal sind es zwischenmenschliche Begegnungen, die magisch in uns nachwirken. „eliose“ ist sogar viel mehr als das. Es geht um eine Bekannte, die über die Fehler redet, die sie im Leben gemacht hat und beschließt, über diese hinauszuwachsen. Sie zieht sich heraus und macht sich auf, wandert in die Natur und zieht weiter. „eloise“ ist dabei die perfekte Personifikation des Einfach-Loslassens und der Intuition des Verwirklichens eigener Träume. In dem Gewand von LoFi-Botiqueswing ist der Song wie gemacht für eben diese Zeit einer magischen Nachwirkung von Begegnungen.

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    Das Musikvideo zu einer weiteren Singleauskopplung des Albums: „temporary“


    Für Liebhaber von gemütlichem Indie-Folk, sanften Klängen, wunderschönen Melodien und tiefgründigen Texten ist das neue kitsches-Album der obligatorische Soundtrack für diesen Herbst. Die geeignete musikalische Untermalung eines Spaziergangs durch raschelndes Laub oder eines ruhigen Momentes zu warmem Tee, während draußen die Welt untergeht, ist „brew“ in jedem Fall.

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    Fotocredits: Jacky Kannengießer

  • Olivia Deans Debütalbum „Messy“ geht den schmalen Grat zur perfekten Pop-Platte

    Es war Liebe auf den ersten Blick. Auf meiner YouTube Startseite wird mir vor über einem Jahr ein Konzertvideo vorgeschlagen: „Olivia Dean – Live At The Jazz Café“. Keine Ahnung, weshalb ich mir das Video anschaue. Weder bin ich ein riesen Jazz Nerd, noch schaue ich mir oft Recommendations auf YouTube von Artists an, die ich nicht kenne. Die Bühne ist dunkel, Fans jubeln vor Vorfreude und Bläserfanfaren kündigen den ersten Song an bis Olivia Dean im aufleuchtenden Spotlight und mit bezaubernder Stimme die ersten Töne ihres Songs „Boyfriend“ ansingt. 

    Ein Jahr später und meine aktuelle Lieblingssängerin hat ihr Debütalbum Messy veröffentlicht. Niemand verbindet in meinen Augen derzeit besser Jazz mit Pop, inhaltliche Tiefe mit Hitmelodien, Authentizität mit Glamour und Bodenständigkeit mit Persönlichkeit. Kurz, it’s a bop!

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    Jeder Anfang ist „The Hardest Part“

    Angefangen hat alles mit „The Hardest Part“, für Olivia Dean ebenso wie für mich. Die fast klischeehafte Pop-Ballade thematisiert den immer wiederkehrenden Herzschmerz am Ende einer missglückten Beziehung. Feenartige Chöre packen die schmerzende Gesangsstimme in Watte und lassen uns für einen Moment an die längst überwunden geglaubte letzte Liebesbeziehung denken. Doch wenn Herzschmerz sich so anfühlt wie dieser Song, möchte ich nie wieder etwas anderes fühlen. Denn „The Hardest Part“ strahlt eine Wärme aus, die sich besser anfühlt als jede Wärmfläche im Bett während einer kalten Winternacht und auch besser als jede heiße Schokolade am Kaminfeuer einer einsamen Skihütte in den Bergen. Und egal wie viel Kitsch jeder Ton und jede Zeile dieses Songs ausstrahlen, keine Person verkörpert ihn so authentisch wie Olivia Dean. Es wäre eine leichte Wette gewesen, auf den Erfolg dieser Single und dieser Künstlerin zu setzen, als sie noch keiner kannte.


    Ein teures Konzert für die Ewigkeit

    Am 04. April 2022 spielt Olivia Dean als Voract für die Show von Jordan Ragen in Berlin. Nach dem Konzertmitschnitt im Jazz Café und intensiven Spotify-Sessions der bisher releasten Songs ist die Vorfreude groß. Einziges Problem: das Konzert ist ausverkauft. Zur Lösung des Problems habe ich meine verstaubte Facebook App reaktiviert und auf der Veranstaltungsseite nach Tickets gesucht. Nach langer und sorgfältiger Suche falle ich auf einen Scam rein und zahle 70€ an eine Person, die das Geld bestimmt einfach nur sehr dringend braucht. Aber für Olivia Dean ist mir nichts zu teuer. Eine Freundin findet anschließend in einem Bruchteil der Zeit Tickets für den Normalpreis, die uns tatsächlich auf das Konzert bringen. 30 Minuten Konzert nehmen uns mit in den Himmel, in dem Olivia mit den Engeln singt und nähren die Sehnsucht nach neuen Songs und kommenden Deutschland-Konzerten. Den Main-Act skippen wir, weil unsere Musik-Seelen im Olymp angekommen nicht weiter aufsteigen können.

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    Single Marathon auf 3, 2, 1! Go!

    In der Folge beginnt der Weg zum Album-Release. „UFO“ ist zurückhaltend, strahlt aber wie immer Wärme und Intimität aus. Thema ist natürlich: die Liebe! Anschließend wird der Song veröffentlicht, der nie alt wird. „Dive“ verzaubert mit liebevollen Melodien, die Radiofans ebenso wie Musikenthusiast*innen um den Finger wickeln. Die zielstrebige Songstruktur geht mit der Zeit, ohne aufdringlich zu wirken und die instrumentale Komposition fühlt sich poppig an, ohne an Musikalität einzubüßen. Wer in diese Stimmung nicht eintauchen möchte, ist Masochist. Als dritte Single veröffentlicht Olivia Dean „Danger“. Der Track ist frech, tanzbar und versprüht good vibes, die die Liebe nochmal aus einer anderen Stimmungsfacette beleuchten.

    Die letzte Single zum Album schließt den Bogen und fühlt sich wieder intimer und persönlicher an. „Carmen“ spricht über die Auswanderungsgeschichte der Großmutter und steigt tiefer in das Innenleben der Sängerin, das zwischen all den Liebessongs doch nicht immer ganz klar zu erkennen ist. 


    One Album, One Love

    Einige märchenhafte Popsingles später und wir können das komplette Album von Olivia Dean namens „Messy“ genießen. Seit Ende Juni ist das 12 Lieder lange Debütalbum der britischen Sängerin draußen und es hält, was die Singles versprechen. Der Titeltrack zum Album beweist einmal mehr wie viel Geborgenheit Olivia Deans Songs ausstrahlen können. Auf „Messy“ singt die Künstlerin in tieferen Stimmlagen, die in Verbindung mit den sparsam arrangierten Instrumenten eine besondere Ruhe ausstrahlen. Hinzu kommt eine Live-Aufnahme im Sonnenblumenfeld bei Sonnenuntergang, die die warme Atmosphäre des Songs verstärkt (siehe unten).

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    Ein weiteres Highlight der Platte ist „Ladies Room“. Der Song gehört zu den tanzbaren Nummern des Albums. Auf einem four-on-the-floor beat besingt Olivia Dean die Kraft, die aus ihrer eigenen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit wächst. Mit „Danger“ gehört er zu den weniger sentimentalen Songs, die vor allem eine gute Zeit versprechen. Songs wie „No Man“, „Dangerously Easy“ oder „I Could Be A Florist“ haben nicht die Hitmelodiedichte der zuvor beschrieben Songs, sind aber nicht minder gefühlvoll. Sie glänzen durch eine Unaufdringlichkeit, die mehr Gelegenheiten zum angenehm sorglosen Abschweifen bietet. Wie immer geleiten dabei die seidenen Background Vocals die Gedanken beschwerdefrei in das Land der Träume.


    Keine heiße Schokolade ohne Marshmallow

    Der Marshmallow auf der heißen Schokolade war das Konzert am 24. März 2023 in der Emmaus Kirche am Görlitzer Park in Berlin, dieses Mal als Main Act. Nachdem die Vorband weniger Vorfreude auf den komplizierten Sound der Kirche weckt, überrascht Olivia Dean dann mit der perfekten Performance. Die feenhafte Stimme der Sängerin gleitet mühelos durch den Saal ohne den Hauch eines falschen Tons oder einer nervenden Frequenz. Ganz in weiß schwebt sie über die Bühne und zum ersten Mal fühle ich die Spiritualität eines Gotteshauses. Nach meiner Vorgeschichte mit dem Ticketbetrug für ein halbstündiges Vorband-Konzert kann es keinen besseren vorläufigen Höhepunkt meiner Fangeschichte mit Olivia Dean geben. Der Sound ist perfekt, die Band überzeugt und dass ich in die Musikerin Olivia Dean verliebt bin, muss ich nicht erneut erwähnen. Nach diesem Abend fühle ich mich beseelter als nach jeder Weihnachtsmesse.

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    Gratwanderung zum Erfolg

    Dank Olivia Dean fühlt sich der Herzschmerz wieder real an, wenn ich an meine bisherigen Beziehungen denke, während ich innbrünstig zu breakup Songs singe. Olivia Dean geht den schmalen Grat zwischen Mainstream und Art, zwischen langweilig und kompliziert und gewinnt dabei alle Parteien für sich. Die für ihre musikalische Reife viel zu junge Künstlerin wird all ihren Fans noch ganz viel Freude bescheren, denn ich bin mir sicher: für Olivia Dean geht es nur nach oben! Die einzige Schwäche des Albums ist, dass die Singles so viel Glanz ausstrahlen, dass beim ersten Hören die weiteren Albumsongs etwas abfallen. Doch im Kern glänzen sie keinen Schimmer weniger

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  • Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Indie-Folk aus London: Matilda Mann mit ihrer EP „You Look Like You Can’t Swim“

    Warme, träumerische Melodien und sanfte Gitarrenklänge – Indie-Folk Singer- und Songwriterin Matilda Mann veröffentlichte im Juli ihre vierte EP „You Look Like You Can‘t Swim”. Eine sehr intime 5-Track-EP mit Songs, die aufrichtige Zuneigung, Verlust und den Weg den eigenen Platz in der Welt zu finden, thematisieren. 

    Die Newcomerin aus London macht Musik, die neben einer vertrauten Atmosphäre vor allem Geborgenheit schafft. Ihre sanfte und helle Stimme verleiht den Songs eine Leichtigkeit, die ziemlich gut zum Rest passt. Ihr ehrliches Songwriting und die damit verbundene Fähigkeit jegliche Emotionen in innige Texte zu verwandeln, lässt sie insbesondere als Songwriterin herausstechen.


    The Day That I Met You

    Der erste Song The Day That I Met You” ist mein persönlicher Favorit auf der EP. Im Song wird das Gefühl beschrieben sich viel zu oft allein zu fühlen. Der Gedanke, dass die ganze Welt gegen einen ist, wird durchbrochen durch das Begegnen dieser einen Person, die dich alle negativen Gefühle vergessen lässt. 


    I forgave the world the day that I met you.”


    Für mich ist der Song ein Paradebeispiel für ihr unglaublich gutes Songwriting: „It’s like lavender came and never left”. Muss ich da mehr sagen?

    Ihr Debut feierte Matilda Mann 2020 mit ihren EPs „If That Makes Sense“ und „Because I Wanted You to Know“. Ein Jahr später folgte die EP Sonder”. Seither war sie unter anderem mit Arlo ParksTom Grennan und dodie auf Tour und spielte bereits einige Headline UK-Shows. In der UK ist Matilda also längst als Newcomerin angekommen. Im August spielt sie auf der renommierten BBC Introducing Stage beim Reading & Leeds Festival, die schon einigen britischen Künstler*innen zum Erfolg verholfen hat. Auf den Streaming-Plattformen sieht es mit mehreren Millionen-Streams auch nicht schlecht aus. 


    In Plain Sight

    Stellt euch vor, ihr lauft an einem Spätsommerabend an einem Sonnenblumenfeld vorbei, während die Sonne schon tief am Himmel steht. Und durch eure Kopfhörer dröhnt dieser eine Song, der euch an eure Lieblingsperson erinnert. Jawoll, super kitschig, aber „In Plain Sight“ fühlt sich genau danach an  – mit seiner unfassbar positiven Energie wird der Track zu einer indie-folk Hymne über die eine große Liebe.


    Margaux & If Only

    Mit „Margaux“ beschreibt Matilda die Abwesenheit eines wichtigen Menschen und die Gefühle, die mit dem Verlust einhergehen: „Margaux left and nothing felt the same.“ Während ihre fast flüsternde Stimme im Fokus steht, ist der musikalische Track mit sanften Akustikgitarrenklängen eher simpel gehalten. Trotz der Thematik klingt der Song aber alles andere als traurig.

    Den melancholischen Part auf der EP übernimmt der vorletzte Track If Only“. Eine schmerzvolle Ballade, die vor allem durch die Streicher ihre epische, träumerische Atmosphäre bekommt.

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    You Look Like You Can’t Swim

    Der Titelsong der EP ist laut der Newcomerin eine Metapher, um zu sagen, dass jemand nicht danach aussieht etwas schaffen zu können. Während es so scheint, als hätten alle anderen ihren Platz in der Welt bereits gefunden, ist man selbst ein Fisch im Meer, der nicht schwimmen kann. Neben Selbstzweifeln äußert sie im Song die Angst, nie genug zu sein. „You Look Like You Can’t Swim“ steckt voller Ehrlichkeit und Mut.


    It seems an awful waste to give me so much space

    I never seem to know exactly what’s my place.“


    Für das Musikvideo hat Matilda selbst Regie geführt und es geschafft, die Entschlossenheit und Zweifel im Song visuell darzustellen. Die Protagonistin, die von Matilda selbst gespielt wird, versucht sich immer wieder in Wasser zu wagen. Der Weg dahin kostet sie Überwindung und zeigt wie sie scheitert, aber dennoch niemals aufgibt. In den letzten Sequenzen des Videos sieht man Matilda, wie sie es letztendlich schafft zu schwimmen. 

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    Foto Credits: Caity Krone