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  • Amistat im Interview: „Musik ist etwas so Intimes und das dann mit Familie zu teilen, ist schon sehr besonders“

    Amistat im Interview: „Musik ist etwas so Intimes und das dann mit Familie zu teilen, ist schon sehr besonders“

    Zwei Brüder, eine Leidenschaft. Das sind Amistat. Beim diesjährigen Reeperbahn Festival standen Josef und Jan Prasil gleich zweimal auf der Bühne und hatten ihre neue EP im Gepäck. Zwischen den Shows haben wir die Folk-Zwillinge auf einen (sehr heißen) Kaffee in den Straßen Hamburgs zum Gespräch getroffen. 

    Wir haben mit ihnen über everything in between, Songwriting und besondere Herausforderungen im Leben gesprochen. Warum sich Songs wie gute Freunde anfühlen, welche Träume sie noch verwirklichen wollen und was 2026 noch für Amistat bereithalten könnte, erfahrt ihr hier.

    Amistat im Interview

    Ende des Jahres steht noch eine Tour für euch vor der Tür – wie fühlt es sich an, jetzt zum Ende des Jahres nochmal mit dieser Musik auf die Bühne zu gehen? Gibt es etwas, worauf ihr euch besonders freut?

    Josef: Wir haben lange hingearbeitet auf die Tour jetzt. Wir haben dieses Jahr eine Pause gehabt vom Touren bzw., wir haben nicht so viele Konzerte gespielt, weil wir unser Album geschrieben haben. Und das nehmen wir tatsächlich jetzt zehn Tage in Stockholm auf ab dem Wochenende. Daher ist diese EP und diese Tour schon irgendwie bei uns so – ja, da liegen schon so viele Projekte dahinter, dass man sich immer wieder erinnern muss: „Ach, da kommt ja dieses Jahr noch was“. Aber ich freu mich sehr, nur jetzt gerade ist’s eben das Album und dann sobald das aufgenommen ist, kommt die Vorfreude auf die Tour, die jetzt ansteht. Es gibt jetzt nicht eine Show, wo ich sag, da freu ich mich besonders viel drauf. Vielleicht München oder auch Amsterdam ist immer schön. Aber generell einfach auf die ganze Tour und wieder on the road zu sein, weil wir jetzt lange wie gesagt keine Headline Shows hatten, nur Festivals.

    Jan, geht’s dir ähnlich? 

    Jan: Ja. Ich freu mich sehr aufs Touren. Wir werden ja fast viereinhalb Wochen im Tourbus unterwegs sein. Das erste Mal, dass wir so lange unterwegs sind. Und wir haben eine ganz tolle Crew dabei, also das wird auch nochmal wie so eine Klassenfahrt am Ende des Jahres. Ich freu mich sehr tatsächlich, ja.

    Das freut mich, dass ihr euch so freut! 

    Josef: Wo sehen wir dich denn by the way? Kommst du? 

    Ich hoffe, ich schaff’s nach Leipzig! 

    Josef: Okay, cool!

    Jan: Ja, schön! 

    Apropos Tour. Ihr steht ja manchmal zu zweit und manchmal zu dritt auf der Bühne.

    Josef: Heute sogar zu viert.

    Heute zu viert?  

    Beide: Ja!

    Josef: Seit diesem Jahr spielen wir sogar zu viert.

    Ja, dann würd ich euch direkt fragen, wie sich eure Dynamik verändert, je nachdem, wie viele ihr auf der Bühne seid. Merkt ihr da einen krassen Unterschied?

    Josef: Oh ja. 

    Jan: Ich glaub, die Dynamik hängt sehr davon ab, wer auf der Bühne ist.

    Josef: Ja, absolut.

    Jan: Aber immer alles sehr positiv anders. Ich mag’s mit dem Josef allein zu sein, dann ist es sehr intim. Dann haben wir unseren besten Freund, den Dimitri, seit 12 Jahren dabei und der bringt einfach ganz viel Energie auf die Bühne. Und jetzt haben wir noch einen Schlagzeuger, den Jojo. Mal was ganz Neues. Und jetzt muss ich nicht mehr so viel machen mit meinen Füßen und kann mich sogar noch mehr auf die Songs konzentrieren. Also, man hat mehr Energie für sich selbst. 

    Josef: Man hat mehr Zeit und Energie und man kann ein bisschen atmen und muss nicht die ganze Zeit präsent sein und Energie geben. 

    Jan: Ja, das ist gut. 

    Eure neue EP everything in between erscheint morgen. Was hat es mit dem Titel auf sich? Es gibt ja dieses Mal gar keinen Song auf der EP, der so heißt.

    Jan: Genau. Gut recherchiert. Dieses everything in between ist eigentlich alles, was so im Leben passiert außerhalb der Musik für uns. Weil wir zeigen immer nur die Musik und unser Leben in der Musik. Aber es passiert ganz, ganz viel hinter den Kulissen und es ist einfach das, was uns eigentlich shaped als Musiker und Menschen. Was viele nicht zu Gesicht kriegen. Deshalb glaub ich, war uns wichtig, dass diese EP so ein bisschen die Stories erzählt, die man nicht nach außen trägt. 

    Und der letzte unveröffentlichte Song auf der EP ist ja „seven days a week”, der sich mit dem schweren Unfall eures Vaters und der Zeit beschäftigt, die ihr damals im Krankenhaus verbracht habt. Und das ist ja schon eine krasse Geschichte. Wie ist es, so alte Gefühle und Erinnerungen beim Schreiben oder Aufnehmen eines Songs wieder hervorzuholen? Fühlt es sich eher schwer an – oder kann es auch helfen, diese Zeit noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten?

    Mitten in der Frage kommt plötzlich eine Mitarbeiterin vom Kaffeewagen rüber. Sie hat die beiden erkannt und erzählt ihnen, dass sie sie schon im vergangenen Jahr in Hamburg sehen wollte. „Ich liebe euch, deswegen kriegt ihr Kaffee“, sagt sie und möchte den beiden etwas ausgeben. Jan und Josef freuen sich sichtlich über die spontane Begegnung. 

    Jan: Das ist ja süß.

    Josef: Ist das cute.

    Wie herzig! Dann mit Kaffee zurück zur Frage. 

    Jan: Ich glaube, unsere Musik lebt genau von sowas. Und natürlich kommt jedes Mal wieder die Emotion hoch, was auch gut ist, glaub ich. Weil nur so können wir auch das Lied so rüberbringen, wie es auch rüberkommen soll und mir hilft es sehr, das zu verarbeiten, was passiert ist in der Vergangenheit durch die Musik. Also ich bin sehr dankbar. Das ist mein Weg, nicht darüber zu reden, aber darüber zu singen, und trotzdem ist es ein Prozess der Heilung für mich. Ich glaub, das geht dem Josef wahrscheinlich ähnlich.

    Die liebe Mitarbeiterin bringt Kaffee und Kekse.  

    Beide: Danke dir. Ist das süß.

    Josef: Guck, das sind so Momente, wo man einfach wirklich so – wie sagt man – humble wird. Wenn wer kommt und sagt: „Hey, danke euch, dass ihr das macht“. Und das sind so Momente, die feier ich so. Wenn Leute diese Liebe zurückgeben, einfach wegen der Musik. 

    Jan: Wir kriegen so viel Liebe von den Fans, das ist Wahnsinn. 

    Josef: Ja. 

    Aber ihr bringt ihnen ja auch ganz viel Liebe.

    Jan: Hoffentlich. 

    Ist ja auch ein Geben und Nehmen. 

    Jan: Hoffentlich, ja. 

    Josef: Man, haben wir irgendwie ne Vinyl da oder irgendwas, dass wir ihr was zurückgeben können? Müssen wir mal überlegen. Irgendwas müssen wir zurückgeben.

    J + J = A

    Wie läuft euer Schreibprozess ab? Schreibt ihr viel gemeinsam oder entstehen die meisten Ideen erst einmal unabhängig voneinander? Und wie entscheidet ihr dann, wann aus einer Idee ein Amistat-Song wird?

    Jan: Ich würde sagen, ich zünde immer die Sparks. Ich bin, glaub ich, jemand, der sehr viel überlegt die ganze Zeit und sehr gerne auch komponiert. 

    Josef: Kreativ bist du schon sehr gifted. 

    Jan: Also ich bring dann immer die Ideen zum Josef und wir machen das dann zusammen fertig. Aber ich glaube, es entsteht ganz viel hier und da und es ist auch eine gute Balance. Und Josef schaut es sich von außen dann an und kann es ganz neutral betrachten. Aber normalerweise geht’s los mit entweder der Melodie oder den Lyrics. Dann tu ich das mal kurz zusammen passen schon und dann bringen wir das zusammen nach Hause. 

    Und merkst du, wenn Josef von einer musikalischen Idee nicht überzeugt ist – auch wenn er es gar nicht ausspricht?

    Jan: Ja, ja total. Ja, wir sind da total ehrlich. Also, er sagt dann schon: „Ja, das ist nicht gut genug oder das muss noch besser”. 

    Josef: Ich glaub, die meiste Arbeit fließt in Lyrics. Melodie-mäßig kommen wir eigentlich schon relativ schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Aber Lyrics ist next level. 

    Wie habt ihr euren Sound gefunden? Gab es irgendwann diesen Moment, in dem ihr gemerkt habt: „Das ist jetzt wirklich Amistat. Das sind wir.“? 

    Josef: Ich glaub, das hat sich über die letzten paar Jahre einfach so kristallisiert. Man probiert ja unterschiedliche Sachen und irgendwann merkt man: „Ah, oke. Das fühlt sich gut an“. Und irgendwie findet man den dann so randomly. Da gibt’s kein „so und so wollen wir klingen“, sondern das passiert dann irgendwie einfach.

    Jan: Das ist ein Prozess, glaub ich, über die Jahre.

    Und sind die Songs für euch wirklich immer 100% Amistat-Songs oder gibt es auch welche, bei denen ihr vom Gefühl her sagt: „Das ist definitiv eher ein Jan-Song“ oder „Das ist eher ein Josef-Song“? 

    Josef: Ich meine, ein Amistat-Song ist ja Josef und Jan, aber wir schreiben manchmal schon Songs, die wir dann nicht veröffentlichen. Wo wir sagen: „Ja vielleicht ist das kein Amistat-Song, aber ein guter Song, nur irgendwie nicht unsere Richtung.“ Vielleicht zu vocal oder zu poppig und dann liegt der in der Writer‘s Bank irgendwo geparkt erstmal. Vielleicht kommt dann irgendwie der Song mal anders oder die Idee so ein bisschen und dann arbeitet man wieder dran. 

    Jan: Die Songs, die wir releasen, sind auf jeden Fall immer Amsitat-Songs, sag ich mal. Obwohl jetzt am neuen Album, was jetzt aufgenommen wird, sind ein paar Songs, wo wir beide sagen: „Ah, das würden wir normalerweise nicht machen“. Aber wir probieren‘s. 

    Josef: Stimmt. Ja. Wir wollen ein bisschen ’ne andere Schiene eingehen.  

    Cool. Ich freu mich! Was bringt denn jeder von euch in Amistat ein, das der andere nicht ersetzen könnte?

    Jan: Ich glaube, ich bring das Kreative, aber dafür, dass ich sehr verkopft bin, ist es Josef, der sehr neutral ist. Also, Josef bringt so eine Unverkopftheit rein (lacht). Ich weiß nicht genau, wie man es sonst sagen würde, aber Josef kann sehr gut sagen: „So machen wir’s und so nicht. Das ist gut, das ist schlecht“. Ich bin immer so: „Das alles ist gut und schlecht. I don’t know anymore“. Und er pointed dann und sagt: „Nein, Jan.“ Also ich glaub, er bringt mehr Klarheit rein. 

    Josef: Ja, ich sag dann: „So und das machen wir jetzt und dann gehen wir“. 

    Und was ist das Beste daran, den eigenen Bruder als Bandkollegen zu haben – und was ist manchmal das Nervigste?

    Josef: Das Beste ist – ja, das kann man nicht beschreiben, wenn man mit Familie Musik macht. Musik ist etwas so Intimes und das dann mit Familie zu teilen, ist schon sehr besonders. 

    Jan: Ich glaub, das Beste ist, dass man seinen besten Freund dabei hat die ganze Zeit. 

    Josef: Ach, bin ich dein bester Freund? Du bist auch irgendwo meiner. 

    Jan: Das Schlechte ist aber auch, dass du praktisch ein bisschen deinen besten Freund dadurch verlierst, weil er zum Businesspartner wird und sich viel nur noch um Business dreht und nicht mehr um die Brüder, die wir mal waren.  

    Also fällt euch das schwer so eine Grenze zwischen Arbeit und Familie zu ziehen? 

    Jan: Extrem. 

    Josef: Sehr schwer, ja. 

    Ihr sprecht auf der Bühne Englisch und auch eure Songs sind auf Englisch. Sprecht ihr privat eigentlich auch Englisch miteinander?

    Jan: Ja.

    Josef: Ja, nur Englisch. 

    Und habt ihr das Gefühl, dass ihr euch auf Englisch ein bisschen anders verhaltet oder ausdrückt als auf Deutsch? Also, dass sich eure Persönlichkeit je nach Sprache ein Stück weit verändert?

    Josef: Ja, absolut, absolut. Vor allem mit anderen Leuten, aber auch, wenn wir zusammen Deutsch reden, ist es irgendwie komisch. So dumm wie es klingt. Weil wir ja lange auch nur Deutsch geredet haben. Aber Englisch hat sich irgendwie seit zehn Jahren eingebürgert. Seit wir so lange in Australien waren. Und das ist jetzt so geblieben.

    Jan: Ich glaube, die deutsche Version ist so ein bisschen die verkrampftere Version von uns und die englische ist die etwas lustigere, entspanntere, würde ich sagen. 

    Fühlt ihr euch beim Live-Spielen eurer Songs anders als im Studio? Habt ihr schon mal einen Song durch die Live-Auftritte ganz neu für euch entdeckt oder plötzlich anders empfunden?

    Jan: Ja, auf jeden Fall. Ich glaub, wenn du einen Song Jahre lang spielst, kriegt er einen ganze anderen Spin und im Studio nimmst du es halt so auf, wie du es geschrieben hast, aber dann über die Jahre lernst du ihn so richtig kennen.

    Josef: Man lernt ihn so kennen, genau. Es ist wie ein guter Freund, den man immer wieder trifft und immer besser kennenlernt.

    Jan: Erstmal sollte man ein Lied ein paar Jahr spielen, bevor man es aufnimmt, aber das kann man meistens nicht machen. 

    Josef: Ja, das ist ein Luxus, den hat man nicht.

    Ihr macht jetzt schon ziemlich lange gemeinsam Musik. Wie fühlt sich Musikmachen heute im Vergleich zu damals an?

    Josef: Ich glaub, man ist irgendwie mehr angekommen. Früher war man noch sehr viel ‘da draußen’. Jetzt ist man irgendwie mehr bei sich. 

    Jan: Man lernt und man chased ganz viel und jetzt irgendwann hat man seine Erfahrungen und merkt auch, wie es ist, wenn man so ein bisschen seine Träume oder Ziele erreicht, die man sich gesetzt hat. Ich glaube, die Perspektive ändert sich einfach ein bisschen. Also man wird ein bisschen entspannter und alles beruhigt sich etwas. Aber auf ne gute Art und Weise. 

    Gibt es denn noch einen Traum, den ihr mit Amistat unbedingt verwirklichen möchtet? Etwas, bei dem ihr sagt: „Das müssen wir irgendwann noch machen“? 

    Jan: Ich glaube, wir haben unterschiedliche. Für mich wäre es, mit Mumford & Sons zu Touren oder einen Song aufzunehmen oder einen Song live zu spielen. Das wäre eines meiner ganz großen Ziele mit Amistat. 

    Josef: Es gibt ’ne Menge Ziele noch, oder Träume, würde ich sagen. Ich hab mir damals vor zehn Jahren den Grammy eingebildet und jetzt ist er mir eigentlich nicht mehr so wichtig, aber den werd ich noch haben. Einfach, um das Unmögliche machbar zu machen. Jetzt ist es schon näher dran als es früher war. Früher war’s noch viel weiter weg, aber das will ich noch erreichen, irgendwie. Einfach nicht, weil’s ums Ego geht oder so, aber das wär irgendwie cool, mir selbst zu beweisen: „Hey man kann wirklich alles im Leben schaffen. „

    Das find ich richtig super! Habt ihr als Band irgendein Ritual oder eine Tradition vor dem Auftritt oder im Studio? 

    Josef: Ja, vor dem Auftritt haben wir immer so ein Irish Poem. 

    Jan: Das ganze Team kommt zusammen, wir umarmen uns und dann sagen wir ein Gedicht auf. 

    Beide: There are good ships, there are wood ships, there are ships that sail the sea. But the best ships are the friendships and may they always be.

    Süß! Dann hab ich auch schon meine zwei letzten Fragen für euch. Auf eurem Instagram ist ziemlich viel Schwarz-Weiß – gibt es dafür einen bestimmten Grund oder findet ihr die Welt einfach in Schwarz-Weiß einfach schöner?

    Jan: Ich glaub, auf Instagram wird ganz viel poliert, es wird alles schön gemacht und für mich ist das Schwarz-Weiß ein Zeichen für: „Es muss gar nicht die ganze Zeit shiny sein“. Es geht um die Musik und um nichts anderes. Also, wir wollen es gar nichts optisch verschönern, sondern sagen: „Hey, es ist ganz simpel.” Aber in der Welt – nichts ist Schwarz-Weiß, für mich ist gar nichts ist Schwarz-Weiß, sondern es ist immer alles in between. Aber das Schwarz-Weiß war eher so für: „Hey, fokussiert euch eher auf die Musik und nicht auf was ihr seht unbedingt.“ 

    Und zum Schluss noch unsere traditionelle Untoldency-Frage: Was ist etwas „Untold“ über euch? Ein Fun Fact, eine Geschichte, Erinnerung oder irgendetwas, das man über Amistat oder über euch vielleicht noch nicht weiß?

    Josef: Oh, da gibt’s ne Menge, ich überleg mal was. 

    Jan: Ich fang mal an. Es ist jetzt keine wahnsinnige Überraschung, aber ich hab extrem Angst vor großen Hunden, tatsächlich. Also wirklich so krass, dass ich die Seite der Straße wechsle, wenn einer auf mich zukommt. Etwas, was ich auf jeden Fall noch konfrontieren möchte in Zukunft.

    Aber kleine Hunde? 

    Jan: Es geht. Ich würde sagen alles so, ja, Dackel, Chihuahua, alles cool. Aber so bald es in die Richtung Labradoodble- oder Australian Shepheard-Größe geht, dann wirds bei mir kritisch.

    Ist ja eigentlich gar nicht so Fun, aber ist trotzdem ein guter Fact! 

    Jan: Und ich weiß, es geht nicht um Leben und Tod oder so, aber ich hab einfach extrem Angst. 

    Ist auch komplett nachvollziehbar.

    Josef: Mh, ich überleg gerade noch. Ein Fun Fact…

    Jan: Ich sag’s einfach. Josef kann ganz schlecht schwimmen. Ich glaube, Josef würde keine zehn Minuten im Wasser überleben. Ist einfach so. 

    Josef: Ja, ich bin ein sehr schlechter Schwimmer.

    Jan: Josef kriegt Panik, schwimmt dann ganz schnell wie so ein Hund, der ins Wasser geschmissen wurde, aber würde dann auch genau so schnell untergehen (lacht). Ja, also Josef nicht allein schwimmen lassen! 

    Gut zu wissen! Ja, dann war’s das auch von mir.

    Jan: Ja, danke dir! 

    Danke euch und danke für eure Zeit! 

    Beide: Na klar.

    Amistat gehen Ende des Jahres auf Tour und ihr könnt sie in folgenden Städten live erleben: Leipzig, Stuttgart, Köln, Münster, München. 

    Hier könnt ihr die neue EP „everything in between“ von Amistat hören:

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    Fotos: Anja Kaufmann

  • David Kushner im Interview: „Devotion to me is full commitment to a certain thing, person or place“

    David Kushner im Interview: „Devotion to me is full commitment to a certain thing, person or place“

    Mit über fünf Millionen Follower:innen auf TikTok und mehr als zwei Millionen auf Instagram gehört David Kushner seit einigen Jahren zu den aufstrebenden Artists der internationalen Musikszene. Seine Songs haben in der Vergangenheit immer wieder auf Social Media für Aufmerksamkeit gesorgt und ihm eine stetig wachsende Fanbase eingebracht. Ende des Jahres erscheint unter seinem eigenen Label sein zweites Album Devotion. Vorab veranstaltete Kushner am 15. September ein exklusives Pre-Listening-Event in Berlin, wobei wir die Gelegenheit genutzt und mit dem Singer-Songwriter über sein neues Album und seine musikalische Entwicklung gesprochen haben.

    David Kushner im Interview

    You’re about to release your sophomore album, Devotion and you’re ending the year with a completely new body of work. How does that feel right now? What’s on your mind as you’re getting closer to the release?

    I’m feeling great. I’m excited to put Devotion out on November 13th and yeah, people love the snippets I’ve posted of some of the songs already and yeah, it’s been cool. I’ve put out two singles for the album so far. We’re doing three total, so I have one more single after this but this song is undecided as of right now. “Electrified” was the first single and then the second single was “Ritual” which just came out last week but yeah, I’m super excited, it’ll be very fun. 

    And how did the album come together? Was there a particular moment or experience that sparked the writing process for it?

    Definitely. Overall the album is about my disappointment with love and relationships. And the past two years I’ve been going through some loss with, you know, relationships surrounding my family members. And I had a relationship with a manager that I fired. I fired a manager in my career in the past year and I had gone through some traumatic stuff with him and so I had a very bitter taste in my mouth with certain relationships and trusting people again and how love and relationships can be very good for you and in in the right environment they can be really healthy and good. But also how love can, like, ruin you and destroy you at the same time if it’s not nourished in the right way.  

    So did you feel like you processed all of that with that album? Are you feeling better with all that than before?

    Totally. That’s what the album was for. It feels really cool to write it about that. And I think so many people will relate to it and so many people will really identify with it and it’ll help them process relationships of their own that they’ve lost or grieved and maybe they’re having a hard time trusting again in people, in humanity and yeah. 

    I guess that happens to a lot of people. The album is called Devotion, but there isn’t actually a song on the album with that title – and that was also the case with your previous album. Is there a reason why you don’t have title tracks? Do you rather see the album title as something that connects all the songs, rather than giving one song the full attention?

    It’s definitely that. That’s a good question. Yes, I know a lot of artists do that, where they’ll have the same title as the album as a title track. I would definitely do it one day, but it wasn’t intentional. It’s not like I never did that for a certain reason but yeah, the way you explained it at the end was – that is definitely how it’s been for those albums. The title is kind of like the overall meaning of the collection of songs. That’s just what I’ve always done.

    And so what does “devotion” mean to you, and why did that feel like the right title for the album?

    So, devotion to me is full commitment to a certain thing, person or place. However, the listener interprets the album in their own way. But for me when I hear devotion, it means just full commitment to a person. And I would say it felt like the right title cause it just summarized all the songs together ‘cause all of the songs are like the highs in the lows of a relationship and being devoted to somebody. I was just trying to think real hard of what’s a word that would summarize all of these songs and then it just hit me like: “devotion” would be the perfect title. Because that’s a universal human thing. We’re all devoted in so many different ways to so many different things in our lives and I just thought it was a universal album title.

    And you said that you did release two singles. “Electrified” was the first single from the album. What made you want to introduce Devotion to listeners with this song?

    Because it’s the one song that’s pretty different than the rest and it’s like the high of the relationship. So the album kind of starts on that high – everything‘s good and then it kind of gets worse. That song is like the honeymoon phase, like everything‘s new and exciting and “this is great, I wonder what is held in store for us or for this”. That’s what “electrified” is about. Everything‘s good and you and that person don’t really know your deepest, darkest secrets and like the ugly side of your character or like you know the things that nobody sees, just our struggles and the messy side that we all have as humans. So it kind of start on that, and then the other songs are just about the toxic side of it.

    Then “Ritual” came out just last week. Which is the opening track of Devotion. So does that also count as a more ‚happy‘ kind of song? 

    Yeah, it kinda has like a hopeful, cinematic element. “Ritual” is one of the songs that – it’s about the inevitable end to something,  like the relationship, or whatever it may be, and just being afraid to change something and walk away from something and you’re just stuck in this ritual of only toxicity with this person. And you’re waiting for some miracle from God or something to happen and you’re waiting for this person to change or this thing to change, but you just know you need to walk away from it. 

    So the hopeful aspect is kind of finding the courage to walk away and break that cycle of toxicity? That’s what its sounds like to me.

    Yeah, defnitely. I agree.

    „I definitely pushed myself vocally.“

    Once Devotion is out, can we expect to see you bringing the album on tour next year?

    Yeah, yeah yeah June and July. I’ll be touring around Europe. I’ll do like my first world tour, which would be really exciting.I’ve never done a full on tour where I’ve posted like I’ll be all around the world. I’m excited to do that. So yeah, we’ll definitely tour starting in the spring. Next year will be really fun so stay tuned everybody.

    Great – exciting things are happening!

    Yeah, it’ll be fun. 

    I feel like your music has always had a very distinct identity – even when your sound evolves, it still feels very recognisably like you. Is that something you consciously try to hold on to when making new music, and does Devotion stay true to that “classic David Kushner” sound, or did you find yourself experimenting more this time around? 

    Yeah, I did experiment a little bit more. There’s like three songs on the album that I can think of right now that have some melodies that I have an R&B undertone to it. And some of the production as well is in this R&B kind of world. I definitely pushed myself vocally. And also just the production. Overall, I worked with Jacob Ólafsson as the executive producer on the album and he comes from the R&B world, so it was really cool working with him. It was really inspiring. It was really fun and he’s an awesome producer. But it still overall has my sound in it that people know of, but there’s still some differences that you can hear in a lot of the records of just things that are fresh and new and like “whoa, I have never heard this in David’s music” or “he’s going in a different direction with this”. So I’m excited to see what people think.

    So you did a little experimenting but it sounds like you did stay true to your sound for the most part. Is having that consistency in your sound important to you and do you think there’s a point where experimenting too much can make an artist lose what makes their music feel like them?

    Yeah, one hundred percent ,I think you always have to stay true to you and what’s authentic and as long as you know that it’s coming from your heart and your soul and you’re not necessarily trying to sound like another artist. Cause I think artists get definitely taken away by trying to sound exactly like this artist or sound exactly like this song that’s, you know, an already successful song or something. But yeah, for sure. I think it’s a balance. I think you have to stay true to yourself and to make sure it doesn’t sound like something that it’s not or that it doesn’t sound like you and it doesn’t sound genuine.

    Your music has always had a very cinematic sound to it, and you’ve released cinematic versions of some of your songs with strings before. But I could actually imagine your music sounding incredible live with a full orchestra or a choir. Is that something you’ve ever thought about or could you see yourself doing a project like that in the future?

    Yeah, one hundred percent. So I actually just did a little performance music video of some of the unreleased songs on the album, like a cinematic rendition. I recorded that about two months ago back home in America. I have a full band. I have string players. Like, I have a cinematic set to it where there’s strings and we had three people from a choir singing. It’s a really cool cinematic thing. It’s not a full choir. I would love to do a video where it’s a full gospel choir or something cool like that but yes, I’ll definitely gonna do more of that in the future. I love that and I think my fans love that type of stuff. So yes, I’ll do more of that for sure. I love that stuff.

    I hope so because I also think it fits your sound pretty well.

    Thanks!

    „It’s definitely been hard in all honesty to be in Nashville creatively.“

    So you were mentioning touring which means not being at home for a while. You’ve lived in a few different places yourself and have been based in Nashville for a while now. Does Nashville feel like home to you at this point? And has living there changed the way you make music?

    For sure. It definitely feels like home. It’s a very – in the best way possible – mundane side of Nashville where I live, like there’s not much going on. It’s very quiet, like simple living. It’s  kind of in the countryside of Nashville. So yes, it feels like home, it’s very peaceful and yeah, I have very much so cultivated a home environment there which has been amazing and very needed for sure.

    As far as music, I feel like as shocking as it is, it’s definitely been a struggle for me cause as nice as it is to have a home and what I need as far as a home, leaving Los Angeles and coming to Nashville was hard for music. Cause like 90% of the industry is in Los Angeles where I used to live. And all of my collaborators, like most people I still work with on all my albums are in LA. So I’m always in LA and still having to travel there so it’s been a little tough being inspired. I feel like LA is more inspiring to me. Just cause there’s so many walks of life and different cultures and yeah, lots of things happening. Very busy, it can be super stressful at times to live there, which is kind of why I left, but yeah, so it’s definitely been hard in all honesty to be in Nashville creatively. I mean I have the means to travel to LA but but it’s been good in terms of like I built a studio in my house there and it’s been a good place creatively just by myself, but it can get lonely creatively cause there’s just not many people in Nashville that I work with and not many people to choose from.

    That sounds tough but I hope it’s still manageable. But I can totally see why you left. I live here in Berlin which is not quite LA but still a lot going on.

    Big city, yes. Totally.

    And finally, we have one little Untoldency tradition: is there anything untold about you? Preferably it’s a fun fact about you or a funny story you haven’t shared. But it could be honestly anything.

    What comes to mind about a fun fact is: I am a golf addict. I love golf and I’m currently on the journey to be a scratch golfer. 

    What is that?

    So there’s a handicap system in golf. Just think of a scale – there’s zero and the negative and positive numbers. So handicap is like: the higher positive number you are, the worse you are at golf. And if you’re a zero – which is scratch – you’re like really good. So I’m like a positive five, which is still good but it’s not a scratch so I’m trying to get to the zero. And then professional golfers are like negative seven, negative eight. 

    Well, then that’s good that there’s still room for you to improve!

    Yes, definitely there is. So almost being a scratch golfer is the fun fact about me. 

    That is a very good fun fact indeed! And that’s all. Thanks so much for taking the time. I hope you’ll have a wonderful show tomorrow with some amazing fans or yours. And enjoy the rest of your time in Berlin.

    Of course, thanks for having me. Thanks for the questions. Appreciate it.

    Hier könnt ihr „Devotion“ von David Kushner pre-saven:

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    Fotos: Joel Alexander

  • Immergut Festival 2026 in Neustrelitz –  26 Jahre Indie, Mücken und Kuddelmuddel

    Immergut Festival 2026 in Neustrelitz – 26 Jahre Indie, Mücken und Kuddelmuddel

    Johannes Martin (bekannt von seinen feinperlig-Kolumnen bei uns) war beim Immergut Festival in Brandenburg und hat ein paar Momente für uns festgehalten. Am Ende gibt es ein spannendes Interview mit Festival-Mitarbeiterin Charlotte Brehe inkl. extra Insights hinter der Organisation des Festivals. Für alle, die ein Spot im Herzen frei haben für DIY-Festivals, ist das besonders interessant – denn die stabilste Branche ist es leider nicht. Umso mehr Grund, hier extra viel Liebe für’s Immergut Festival dazulassen 💚

    Festival: Immergut Festival
    Ort: Neustrelitz
    Datum: 28.–30. Mai 2026
    Kapazität: rund 5.000 Besucher:innen
    Ausrichtung: Indie, Pop, Rock, Post-Punk, Alternative, Elektronik, Kulturprogramm, Lesungen und Talks.

    „So ein Kuddelmuddel“

    Es flirrt und surrt in der Sommerluft der Mecklenburgischen Seenplatte.
 Die Sonne überlässt die Bühne erst einmal den Mücken, während Seifenblasen durch die Abenddämmerung treiben, der Bass pumpt und Gitarren über den Bürgerseeweg krächzen. Das erste Festival des Jahres lässt uns wieder Gras unter nackten Füßen spüren.

    Die einen sind froh, endlich der Tristesse und dem Immergleichen des Alltags zu entfliehen. Die anderen neurotisieren sich bereits vorab in sämtliche Gefahren hinein: Sonnenbrand, Zecken- und Mückenstiche, schlaflose Nächte im Zelt.

    Das Immergut Festival geht in seine nächste Runde – und wie jedes Jahr entsteht dieser besondere Zustand zwischen Euphorie, Chaos und Routine. Seit nunmehr 26 Jahren versammelt das Organisationsteam in Neustrelitz eine vergleichsweise kleine, aber treue Gemeinschaft von Musikbegeisterten.
Rund 5.000 Gäste reisen an, ausgestattet mit Zelt, Sneakers und Mückenspray, um für ein verlängertes Wochenende den Alltag hinter sich zu lassen – und Teil einer temporären Indie-Familie zu werden.

    Unter dem diesjährigen Motto „So ein Kuddelmuddel“ zeigt sich das Festival bewusst verspielt und offen für Überraschungen. Zwischen Zeltplatz, Waldbühne, Zeltbühne und Wortbühne entsteht ein Raum für Begegnung, Musik, kritischen Austausch und Party.

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    Konzerte, Lesungen und Begegnung

    Das Line-up 2026 spannt einen Bogen zwischen Indie, Post-Punk, Pop und experimentellen Sounds. Mit dabei sind unter anderem Jehnny Beth, Sprints, Fuffifufzich, La Sécurité, Sorry, Brockhoff, Die Höchste Eisenbahn, Dressed Like Boys und Kabeaushé.

    Ergänzt wird das Musik-Programm durch Lesungen sowie Talk- und Wortformate, die das Festival um gesellschaftliche und kulturelle Perspektiven jenseits der Musik erweitern. Etwa Sonja Eismann, die über queere Tiere spricht, oder Sveamaus alias Svea Mausolf – Comedy-Autorin und Meme-Wunder auf Instagram – sowie der Podcast Too Many Tabs.

    Die Wortbühne am Marktplatz ist seit Jahren fester Bestandteil des Festivals.
Bei den morgendlichen Frühstücksrunden mit Künstler:innen, Festivalmacher:innen und lokalen Initiativen wie StädteBANDE e.V. entstehen Gespräche über Kultur, Zukunft und Zusammenleben.

    Mehr Musik, weniger Hype

    Ein Headliner ist klassisch jener Act, der zur Primetime die größte Bühne bespielt. Beim Immergut lässt sich diese Zuschreibung kaum treffen. Hier verschmelzen Zeitgeist und Nostalgie, Publikum und Künstler:innen. Das Line-up fühlt sich wie eine Rückbesinnung an – back to the roots. Dorthin, wo Indierock für Liebhaber:innen, Musikentdecker:innen und Tagträumer:innen gedacht war. Auf die ganz großen Namen wird bewusst verzichtet, auch wenn Acts wie Sorry oder La Sécurité längst mehr sind als Geheimtipps. Das Immergut bleibt ein Ort der Begegnung – generationsübergreifend.

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    Der Soundtrack deines Sommers

    Die Höchste Eisenbahn eröffnen den ersten Abend fulminant. Ein klassischer Immergut-Act: nahbar, melancholisch, mit neuem Album im Gepäck.
Francesco Wilking streift auch am nächsten Tag noch übers Gelände, spricht mit Fans und Helfer:innen.

    Der Freitagnachmittag startet mit dem Indie-Nachwuchs von Future Franz, Kapa Tult und The Tullamarines. Bei EBBB aus London treffen schwebende Elektronik-Klänge auf einen klagenden, melodiösen Gesang. Die Headliner-Show von Mine muss kurzfristig abgesagt werden – Kehlkopfentzündung. Es wird geschoben, improvisiert. Chloe Slater und Fuffifufzich übernehmen die Mainstage.

    Vanessa Loibl alias Fuffifufzich setzt bei ihrem dadaistischen Schlager-Elektro-Pop auf große Gesten und fancy Show. Das funktioniert – zumindest teilweise. Das Publikum wippt mit, bleibt bei den Animationsversuchen jedoch zurückhaltend.

    Nachts lösen sich die Körper dann doch noch, als das Immergucci-DJ-Team zum letzten Gefecht ruft.

    Der Samstag ist voller, familiärer, gehaltvoller.

    La Sécurité liefern den passenden Soundtrack. Dressed Like Boys aus Belgien imponieren mit Elton-John-haften Klängen und kämpferischen Worten.

    quickly, quickly, das Projekt des US-Musikers Graham Jonson, eröffnet mit verträumtem Indie-Pop und erweist sich als echte Entdeckung. Anschließend bringen die Londoner von Sorry ihre kantigen Garage-Gitarren auf die Open-Air-Bühne, bevor Jehnny Beth – einst Frontfrau der Band Savages – im Zelt eine kompromisslose Rockorgie zelebriert. Den Schlusspunkt setzt Valentino Vivace mit verspieltem Italo-Elektro-Pop.

    Der Autor versucht zu schlafen. Das gelingt ihm aber erst nachdem der letzte Ton von Nina Hepburns Set erklang.

    Mehr als Musik

    Immergut 2026 – das war ein gelungenes Festivalwochenende. Auffällig ist der freundliche, beinahe familiäre, Umgang miteinander – beim Tischtennis, an der Pizzabude, vor den Bühnen.

    Nachhaltigkeit zeigt sich hier weniger als Schlagwort, sondern als langfristige soziale und strukturelle Verantwortung: Wie kann ein Festival dieser Größe in einer ländlichen Region fair, dauerhaft und ressourcenschonend bestehen? Das meint mehr als FLINTA*-Toiletten oder Mülltrennung. Die Frage „Wie wollen wir leben?“ wird auf dem Marktplatz diskutiert – und gleichzeitig vom Festival selbst beantwortet. Das Immergut steht sinnbildlich für ein anderes Miteinander.

    Gleichzeitig teilte das Team bereits im Vorfeld auf ihren Social Media-Kanälen mit: Die Zukunft ist ungewiss. Man müsse sich neu erfinden. Die Probleme resultieren aus der Branche selbst. Die konzentriert sich zunehmend auf wenige Großkonzerne. Superstars binden Nachfrage, steigende Kosten setzen kleinere Veranstalter unter Druck. Vielfalt gerät in Gefahr. Der Markt bewegt sich Richtung Monopolisierung.

    „Wir wollen mit euch gemeinsam am Immergut der Zukunft werkeln, Ideen spinnen und Utopien bauen“, heißt es von den Organisator:innen.

    Ein Anspruch, der das Wochenende trägt.
    Lasst uns weiter an dieser Utopie spinnen.

    Und – besucht mehr Indie-Konzerte.

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    Line-up Immergut Festival 2026

    BLVTH | Brockhoff | Chloe Slater | Die Höchste Eisenbahn | Dressed Like Boys | EBBB | ELLiS·D | Fuffifufzich | Future Franz | Jehnny Beth | Kapa Tult | La Sécurité | Mine | Nina Hepburn | Peki Momés | quickly, quickly | Snuggle | Sorry | Sonja Eismann (Lesung)| Sprints | Sveamaus (Lesung) | The Tullamarines | Too Many Tabs (Nordwestradio-/Podcast-Format) | Valentino Vivace | Waving The Guns

    Interview mit Charlotte Brehe (Booking, Kommunikation, Veranstalterin)

    Was war dein persönliches Highlight beim diesjährigen Immergut-Festival?

    Heidi Curtis, die dieses Jahr zum Festivalauftakt am Donnerstag auf der Waldbühne gespielt hat, den Wald und den Mond um sie herum nur zu gut zu schätzen wusste und mit uns gemeinsam in den Release ihrer Debüt-EP gerutscht ist. Außerdem ganz klar: das Zusammenkommen und Wiedersehen mit den vielen Vereinsmitgliedern und Helfer*innen, was immer ein Fest ist.

    Seid ihr mit dem diesjährigen Ergebnis zufrieden?

    Ja! Wir hatten bestes Wetter mit viel Sonnenschein, haben viele neue Künstler*innen wie quickly, quickly oder Chloe Slater entdeckt und vor allem gemerkt, wie viele Personen seit kurzem oder schon seit langem mit dem Immergut Festival verbunden sind und Lust haben, ihre Ideen einzubringen.

    Wenn ihr sagt: „2027 wird das Immergut anders aussehen“ – welche Aspekte werden sich am ehesten verändern: Größe, Dauer, Programm, Orte, Publikumszahl?

    Das können wir aktuell noch nicht konkret sagen – vor Ort haben wir angefangen, mit den Besucherinnen partizipativ über die Entwicklung und vor allem die Zukunft des Immergut zu reden und zu diskutieren. Diese Anstöße und Impulse aus dem Verein und von anderen Partnerinnen nehmen wir nun mit in die Überlegungen, wie ein Zusammenkommen im Jahr 2027 aussehen kann. Ob das die Anzahl der Tage oder Bühnen betrifft, ist noch ungewiss.

    Welche äußeren Faktoren, wie Preissteigerungen, machen euch am meisten zu schaffen?

    Ein Zusammenspiel aus steigenden Produktionskosten in fast allen Bereichen, fehlenden langfristigen Förderungen und daraus schlussfolgernd steigenden Ticketpreisen, die die Zugänglichkeit zum Festival verringern. Außerdem spielen zaghaftere und spätere Kartenkäufe eine große Rolle, die durch ein geringeres Budget für Kultur erklärt werden könnten, uns aber wichtige Planungssicherheit nehmen. Dazu kommt ein sich stark verändernder Kultur- und Festivalmarkt, der durch „Big Player“ wie CTS Eventim oder Live Nation/Ticketmaster dominiert wird und Konzerte einzelner Superstars mehr in den Vordergrund rücken als Newcomer*innen-Konzerte und Festivals.

    Gleichzeitig haben wir das Gefühl, dass sich das Verständnis von Kulturveranstaltungen verändert, mehr erwartet wird, was aber finanziell bzw. kapazitär für kleine Kulturveranstaltende nicht vollends umsetzbar ist – obwohl die Bestrebungen dafür auf jeden Fall vorhanden sind. Wir wollen einen Weg finden, langfristig in der Mecklenburgischen Seenplatte mit einem sicheren Grundgerüst zu veranstalten, was wohl einige Anpassungen und Veränderungen im nächsten Jahr mit sich bringen muss.

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    Foto: Claudia Damps, Bear Film

  • LUNA im Interview: «Musik ist meine Selbsttherapie»

    LUNA im Interview: «Musik ist meine Selbsttherapie»

    Was würdest du machen, wenn du plötzlich ganz allein auf der Welt wärst? Genau darüber macht sich Pop-Künstlerin LUNA in ihrer neuen Single „Allein auf dieser Welt“ Gedanken. Im Gespräch mit Untoldency öffnet sie sich und erzählt von Selbstzweifeln, (Selbst-)Liebe und dem Mut, dieselben Kämpfe immer wieder anzugehen und trotzdem nicht aufzugeben. Ein Interview über Queerness, Empowerment, Schicksalsschläge und ihre kommende EP. Eines ist sicher: Wer LUNAs Texte hört, fühlt sich nicht allein.

    LUNA im Interview

    Leonie: Wir reden natürlich jetzt gleich ganz viel über deine Musik, aber wer läuft denn gerade in deiner Playlist?

    LUNA: Ich höre eigentlich viel Unterschiedliches. In letzter Zeit war es ein wilder Mix aus den 2000ern – so Musik für richtig heiße Tage, wenn man mit Freund*innen am See chillt.

    Und sonst: „Überdosis“ von Nina Chuba habe ich wieder viel gehört. Das ist ein mega stabiler deutscher Popsong, den ich liebe. Und noch ein Beispiel, auch 2000er-Vibe: „Shower“ von Becky G.

    Oh, das ist aber auch so ein Vibe! Und du hast ja auch schon eine ganz schöne Reise hinter dir. Wie geht es dir jetzt so damit, dich mit deiner Musik so offen zu zeigen? Kostet es mittlerweile noch viel Überwindung, oder hast du dich da schon daran gewöhnt?

    Also gewöhnen – ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Aber man kennt die Situationen inzwischen und weiß, wie sie ablaufen.

    Gerade im echten Leben, wenn man wieder auf der Bühne steht oder auf Events ist und den Leuten face-to-face in die Augen schaut, bin ich jedes Mal wieder aufgeregt. Man muss ja auch sagen: Bei mir hat das alles während Corona begonnen. Das ist zwar schon ein paar Jahre her, aber es hat meinen Start in die Musikindustrie total geprägt. Es ging direkt von null auf hundert und ich habe noch zu Hause, in meiner Heimat Passau, auf dem Dorf gewohnt. Gleichzeitig geht im Internet alles ab und dein Leben verändert sich komplett.

    Dann ist es ja wirklich ein Calling, wenn man merkt, wie viel Freude das macht, obwohl es ja nicht immer so einfach ist.

    Ja, es gibt auf jeden Fall Tage, an denen man sich besser oder schlechter fühlt. Und das ist in dem Job schon krass, weil man auch sein Gesicht hinhält, zum Beispiel bei Musikvideos. Du weißt halt nie, wie es dir in zwei Wochen geht, wenn genau dann ein Dreh ansteht.

    Einmal bin ich zum Beispiel in der Uber Arena auf die Bühne gegangen, weil ich einen Song mit DIKKA habe, „Glücklich“ heißt der. Der macht Kinderlieder und spielt riesige Shows.

    Zwei Minuten, bevor ich auf die Bühne gegangen bin, habe ich einen Anruf von meiner Mutter bekommen, dass meine Oma gestorben ist. Das war eine total weirde Ironie, zwei Minuten später auf der Bühne zu stehen und „Glücklich“ zu singen. Das ist so ein bisschen das Ding: Am Ende ist es trotzdem die Entertainment-Branche, da lässt man sich vieles nicht anmerken. Aber ich bin ein großer Fan davon, auch meiner Community gegenüber offen und transparent zu sein. Das mache ich ja auch in meiner Musik.

    Dort war natürlich eine andere Audience als deine normale, aber oft entstehen ja super vulnerable und bedeutungsvolle Konzertmomente, wenn Artists da offen sind und auch mal auf der Bühne sagen, dass sie nicht okay sind.

    Ja, in dem Moment habe ich natürlich nicht den ganzen Kids gesagt: ‚Ey …’ (lacht).

    Aber ich muss sagen: Ich war in dem Moment tatsächlich auch wirklich glücklich. Das war nicht so, dass ich eine Maske aufgesetzt habe und einfach schnell durch musste. Als ich auf der Bühne stand (das klingt jetzt vielleicht ein bisschen kitschig), dachte ich mir: Meine Oma war ja auch schon alt, und irgendwann geht das Leben eben zu Ende. Und dann in diese ganzen Gesichter mit den funkelnden Augen zu schauen, deren Leben gerade erst beginnt, und ihnen so eine schöne Message mitgeben zu können, war irgendwie so ein Moment von: Okay, das ist der Lauf des Lebens.

    Hier sind gerade ganz viele Kids glücklich, und das ist doch auch etwas Schönes. Deswegen bin ich am Ende tatsächlich glücklich von der Bühne gegangen. Dadurch fiel es mir mit der Zeit auch leichter, das alles zu verarbeiten, weil ich gemerkt habe: Krass, Musik kann echt viel bewirken. Dieser Moment hat auf jeden Fall viel mit mir gemacht.

    Wie schwierig und beeindruckend! Bald erscheint deine neue EP. Was hat dich denn die letzte Zeit am meisten kreativ bewegt, gab es da für dich bestimmte Themen?

    Es geht viel um Themen, die mich selbst beschäftigen, wie mentale Gesundheit und natürlich auch Heartbreak. Der Song „Nur wenn” handelt davon, dass es einem oft schwerfällt, sich emotional nackt zu machen und Leute an sich ranzulassen.

    Die EP heißt ja Allein auf dieser Welt. Da geht es darum, was vielleicht alles anders wäre, wenn ich wirklich allein auf dieser Welt wäre. Gleichzeitig beleuchtet sie auch einige Probleme, die wir als Menschen so haben. Aber sie soll natürlich auch empowern. Im Sinne von: Es kann auch schön sein, allein zu sein und sich die Zeit zu nehmen, wieder mehr zu sich selbst zu finden.

    Ich persönlich bin nämlich oft gerne allein. Gerade wenn ich schreibe, merke ich, dass ich dann auf Themen und Gedanken komme, auf die ich in einer klassischen Songwriting-Session wahrscheinlich gar nicht kommen würde.

    Und daher kommt auch so ein bisschen die Themenwelt der EP. In den letzten Jahren sind bei mir einige Dinge passiert, die sowohl beruflich als auch privat sehr herausfordernd waren. Zum Beispiel habe ich meine vorletzte Tour mit einer Stimmbandlähmung gespielt. Die wurde damals während der Tour diagnostiziert.

    Oh, hättest du da im schlimmsten Fall nicht sogar deine Stimme verlieren können?

    Vielleicht. Auf jeden Fall war es rückblickend im Gesamtbild schon schön zu sehen, dass ich das bis zum Ende durchgezogen und irgendwie die Kurve bekommen habe. Aber dementsprechend – und das sehen die Leute draußen ja nicht – hat die Reise für mich danach erst richtig begonnen.

    Ich habe gemerkt, dass ich dadurch zum Beispiel eine gewisse Bühnenangst entwickelt habe. Ich habe es immer geliebt, auf der Bühne zu sein, aber dann hatte ich plötzlich einen gewissen Respekt davor: Was ist, wenn meine Stimme wieder unkontrolliert irgendwo hinflattert und ich keine Kontrolle mehr habe?

    Dann hat es angefangen, dass ich mein Leben auch privat extrem umgestellt habe, mehr auf meinen Lifestyle geachtet habe und Dinge angefangen habe, die mir guttun – von Freizeitgestaltung bis hin zu der Frage: Welche Menschen tun mir gut? Ich weiß nicht, ob ich sonst aktiv darüber nachgedacht hätte: ‚Wie lebe ich gerade mein Leben? Finde ich das eigentlich schön?’ Wenn mir das nicht passiert wäre.

    Ja, schön zu sehen, dass du trotzdem mutig bleibst und auch weiter auf die Bühne gehst und dass du aus so einer schweren Zeit auch so viel Gutes mitgenommen hast.

    Dann hast du natürlich gerade auch deinen neuen Song „Allein auf dieser Welt” rausgebracht, der auch übrigens super, super schön ist. Wie bist du auf die Idee des Konzepts gekommen, dass du dich gefragt hast, wie es wäre, alleine auf der Welt zu sein?

    Ich muss sagen, dieser Song ist, glaube ich, schon drei Jahre alt. Der ist tatsächlich in einem Songwriting-Camp entstanden. Wir waren zu viert in der Session und ich weiß gar nicht mehr, wer auf die Zeile gekommen ist. Wir haben sie aber übel abgefeiert.

    Danach lag der Song aber erstmal lange da. Es gibt einfach manchmal einen Moment für einen Song, und dann passt er rein, oder eben nicht. Das kann man gar nicht so erklären. Und jetzt war irgendwie die Zeit für dieses Lied. Es ist ja sogar die Single zur EP geworden.

    Aber jetzt hat der Track es ja geschafft! In der Hook singst du, dass du vielleicht mehr Liebe für dich selbst hättest, wenn du alleine wärst. Du hast ja schon ein bisschen erzählt, dass du dann besser mit deinen Emotionen connectest.

    Genau, dass ich mich dann weniger vergleichen würde. Im Musikvideo singe ich in einen Spiegel. Im Grunde sind das Themen, mit denen sich viele Menschen identifizieren können. Es gibt so viele schöne und selbstbewusste Menschen auf dieser Welt, jeder ist auf seine Art und Weise schön. Aber die Ideale, die immer verbreitet werden, vermitteln ständig, was schön ist und was nicht. Und das war schon immer ein Thema, das mich begleitet hat.

    Gerade in der unsichersten Zeit, der Pubertät, wenn man zum Beispiel mit Freund*innen baden gehen möchte, aber dann nicht mitkommt, weil man sich nicht wohlfühlt, den eigenen Körper zu zeigen. Ich glaube, das waren lange Themen, die ich vor mir weggeschoben habe, weil es unangenehm ist, sich einzugestehen, dass man vielleicht nicht so offen und selbstbewusst damit umgeht, sondern sich eher versteckt.

    Ich habe durchs Singen schon immer Themen verarbeitet, auch Outing und Queersein. Das habe ich ja zum Beispiel in „blau” gesungen. Damals war ich in meinem Dorf oder teilweise auch in meiner Familie noch gar nicht wirklich geoutet. Meine Tante hat durch die Zeitung erfahren, dass ich auf Frauen stehe.

    Das ist irgendwie meine Art und Weise, damit umzugehen. Es ist so eine Art Selbsttherapie und ich wünsche mir, dass ich den Leuten und der Crowd etwas mitgeben kann. Ihnen zeigen kann: ‚Ey, schau mal, wenn du dich gerade auch so fühlst, du bist damit nicht allein.‘ Und das gibt dem Musikmachen und dem Veröffentlichen für mich einfach eine große Sinnhaftigkeit.

    Ich glaube, es gibt nichts Besseres als im richtigen Moment den perfekten Song oder das perfekte Album zu finden, das Gefühle ausdrückt, die man selbst noch nicht in Worte fassen kann. Und genau das gelingt dir mit deiner Musik sehr oft.

    Ich habe das Gefühl, dass deine Songs besonders für junge queere Menschen ein echtes Blessing sind, aber auch darüber hinaus. Es ist einfach schön, solche Vorbilder zu haben. Siehst du dich denn selbst in dieser Rolle, oder setzt dich das eher unter Druck?

    Klar hat man dadurch eine gewisse Verantwortung und sollte nicht einfach random draufloslabern. Gleichzeitig versuche ich, mich trotzdem frei zu machen und nicht alles zu zerdenken.

    Aber man hat diese Verantwortung und muss sich dessen bewusst sein. Am Ende des Tages sind das aber einfach meine Werte, die ich vertrete. Wenn ich zum Beispiel auf eine Demo gegen Rechts gehe, dann mache ich das auch privat. Das ist nichts, was nur LUNA macht, sondern das mache ich auch als Alina.

    Deswegen fällt es mir eigentlich relativ leicht, das zu vertreten und ungehemmt darüber zu sprechen. Und wenn ich dann eine Community habe, die froh ist, dass ich solche Themen anspreche, dann haben wir uns da irgendwie gefunden.

    Gleichzeitig denke ich oft, wie viele Artists, die sich engagieren: Ich habe das alles schon so oft gesagt. Man wünscht sich, nicht ständig darauf reduziert zu werden, zum Beispiel eine queere Person zu sein, sondern einfach wie alle anderen behandelt zu werden. Man muss zum Beispiel auf den CSD gehen, wo ich jetzt auch spiele, weil wir bei Gleichberechtigung, FLINTA-Themen und auch in der Musikindustrie einfach noch lange nicht da sind, wo wir sein sollten.

    Es gibt noch sehr viele Baustellen, und solange es die gibt, ist es wichtig, seine Stimme dafür zu nutzen. Aber manchmal ist es auch ermüdend. Es ist oft sehr empowernd, auch für mich selbst, aber manchmal fragt man sich schon: An welchem Punkt stehen wir gerade? Oder an welchem Punkt stehe ich gerade?

    Ich kann das total nachvollziehen. Du hast gerade die Hook nochmal so schön gesagt, aber du bist ja zum Glück nicht alleine auf dieser Welt. Hast du denn eine Art von Selbstliebe-Practice? Wie findest du trotzdem Liebe zu dir selbst?

    Ich versuche gerade, wieder freier zu werden. Durch die Stimmbandlähmung bin ich sehr in Routinen gerutscht und habe viel nachgedacht, auch vor Auftritten. Jetzt möchte ich das nicht nur auf die Bühne beziehen, sondern generell lockerer mit mir selbst sein.

    Das heißt zum Beispiel, mir Dinge wieder zu erlauben, spontaner zu sein und mehr im Moment zu leben. Auch wenn das manchmal bedeutet, etwas zu machen, das vielleicht nicht perfekt für mich ist. Das gibt mir mehr Selbstliebe, weil es sich anfühlt, als würde ich mir etwas Gutes tun.

    Gleichzeitig versuche ich mir weniger Druck zu machen und klare Grenzen zu setzen – etwa das Handy wegzulegen und bewusst Zeit für mich oder meine Freundin zu nehmen, auch wenn von außen ständig etwas „dringend“ ist.

    Ja, total. Es gibt ja dieses Sprichwort: „You can’t pour from an empty cup“ – man muss erst auf sich selbst achten, bevor man sich um andere kümmern kann. Du hast ja schon ein bisschen über die Themen deiner kommenden EP gesprochen. Hast du sonst noch irgendwas, was du dazu teilen möchtest?

    Es gibt einen Song auf der EP, der mir besonders wichtig ist. Er handelt von einer Trennung innerhalb der Musikbranche. Ohne ins Detail zu gehen, war das eine sehr prägende Erfahrung, weil diese Zusammenarbeit extrem intensiv war. Für mich war das ein Befreiungsschlag aus Strukturen, die mir lange nicht gutgetan haben. Gerade als junge FLINTA-Person rutscht man oft in solche Dynamiken, aus denen ich mich bewusst gelöst habe.

    Ich habe lange gebraucht, um diesen Song zu schreiben – etwa ein Vierteljahr in verschiedenen Sessions. Aber das Thema hat mich nicht losgelassen, deshalb war klar: Ich schreibe so lange daran, bis es sich richtig anfühlt. Umso mehr bedeutet mir dieser Song jetzt, und er wird Teil der EP sein.

    Ja, okay, cool, dann freue ich mich schon sehr drauf, den dann mal zu hören. Klingt auf jeden Fall super spannend. Gibt es denn irgendetwas, das du musikalisch in der Zukunft mal versuchen möchtest?

    Ich komme ursprünglich aus einem musikalischen Gymnasium mit viel klassischem Gesang, auch Oper und war immer Sopran.  Ein Konzert oder eine Show zu spielen, bei der ein paar Songs mit Orchester begleitet werden, wäre auf jeden Fall etwas, worauf ich sehr Lust hätte. Aber sowas ist sehr aufwendig, teuer und verlangt viel, viel Planung.

    Klingt auf jeden Fall sehr, sehr cool. Ich drücke die Daumen, dass das irgendwann klappt.

    Du hast den aktuellen Rechtsruck schon angesprochen: Einerseits war es für queere Menschen noch nie so sichtbar, gleichzeitig fühlt es sich in vielem wieder unsicherer an. Was möchtest du Menschen sagen, die sich gegen queere Personen oder ihre Rechte stellen?

    Was will ich denen sagen? Boah, das ist spannend.

    Man sagt ja oft, dass man mit denen nicht redet und ich verstehe die Wut dahinter. Gleichzeitig glaube ich, dass viele gar nicht genau wissen, was sie mit bestimmten Entscheidungen eigentlich unterstützen und welche Konsequenzen das hat, oft auch für Menschen im eigenen Umfeld.

    Wir bewegen uns häufig in unserer eigenen Bubble. Beim CSD zum Beispiel erreicht man vor allem Leute, die ohnehin schon derselben Meinung sind. Das ist einfacher, als die Konfrontation zu suchen. Trotzdem finde ich es wichtig, im Gespräch zu bleiben und nicht sofort mit ‚Fuck you’ zu reagieren, auch wenn das nicht immer überzeugt. Aber es wäre schön, wenn solche Inhalte auch diese Menschen erreichen würden. Wenn zum Beispiel eine Luisa Neubauer, die wirklich inhaltlich smarte Sachen sagt und versucht, sie so einfach wie möglich zu vermitteln, auch bei Leuten landen würde, die sonst nicht damit in Berührung kommen.

    Die große Herausforderung ist, aus dieser Bubble herauszukommen und Menschen zu erreichen, die sonst keinen Berührungspunkt haben.

    Konkret würde ich wahrscheinlich erstmal fragen: ‚Warum soll das ein Problem sein, wenn ich mit meiner Freundin da bin?’ Es schränkt ja niemanden ein. Dann würde ich schauen, was kommt. Und dann will ich zurückschießen und für mich einstehen.

    Auf jeden Fall. Ja, aber ich glaube, das machst du ja mit deiner Musik auch. Ich wünsche mir dann immer, dass solche Leute dann wirklich hinhören und hoffe dann auch so, dass das an ihre Empathie appelliert.

    Du empowerst viele (junge) queere Menschen. Hast du etwas, das du gerne zu der jüngeren Version von dir selbst sagen möchtest?

    Lass dich nicht stressen. Mach dir keinen Druck, sowohl in deiner Musik als auch generell. Hör immer darauf, was dein Herz und dein Bauchgefühl dir sagen, weil das oft einfach der richtige Weg ist. Es gibt sowieso kein Richtig oder Falsch. Auch bei der persönlichen Entwicklung würde ich sagen: Nimm dir die Zeit, die du brauchst.

    Gerade beim Thema Outing gab es Momente, in denen ich eigentlich noch nicht bereit war, mich zu outen. Das habe ich über die Jahre gelernt: Es geht niemanden etwas an. Es ist scheißegal. Auch wenn ich mich nicht labeln möchte, muss das akzeptiert werden. Wenn das mein Weg ist, dann ist das einfach so.

    Ich würde aber nicht sagen, dass ich mir wünschen würde, dass mir alles egaler gewesen wäre oder ich mir weniger Druck gemacht hätte. Das ist immer leichter gesagt als getan. Ich finde es eigentlich gut, dass es genau so war. Ich habe Dinge intensiv erlebt und gefühlt, und ich glaube, dass alles seinen Sinn hatte. Dass ich da durchgehen musste, aber dass es auch schön war, diese Entwicklung zu machen.

    Wunderschöne Full-Circle-Antwort. Wow, Dankeschön. Dann sind wir auch schon bei der letzten Frage: Hast du noch eine Untold Story für uns? Eine Geschichte, die du sonst noch nicht erzählt hast?

    Was ich erst vor ein paar Tagen erzählt habe, ist die Sache mit der Stimmbandlähmung. Das wusste wirklich niemand. Aber was ich zum Beispiel auch funny finde: Ich war mal beim FC Bayern zum Fußball-Scouting.

    Oh, als Spielerin?

    Jaja, aber das ist schon sehr lange her. Aber ich war da, das kann mir keiner nehmen. Weiter bin ich dann aber auch nicht gekommen. Ich schiebe es darauf, dass ich Linksfuß war und die ganzen Übungen immer auf Rechtsfuß ausgelegt waren. Wenn da das Tor ist und du Rechtsfuß bist, musst du hier so rumdribbeln – aber bei mir hätten sie das eigentlich alles noch andersrum bauen müssen.

    Aber wer weiß, vielleicht wärst du dann jetzt nicht hier und hättest deine Musik nicht veröffentlicht, wenn du dann Nationalfußballspielerin geworden wärst. Und das wäre ja wirklich schade, oder?

    Im November erscheint LUNAs zweite EP.

    Hier geht es zu den Tourdates für die Nicht Allein auf dieser Welt-Tour:

    12.11.2026 – Köln

    13.20.2026 . Berlin

  • Sinu im Interview: »Ich war schon immer eher ein Oversharer, mit der Flucht nach vorne.«

    Sinu im Interview: »Ich war schon immer eher ein Oversharer, mit der Flucht nach vorne.«

    Für Fans von RY X, HALLER oder Ben Howard kommt jetzt eine ganz große Herzens-Empfehlung: Sinu. Direkt aus Köln macht der deutsch-türkische Singer-Songwriter Indie-Pop mit tiefgehenden Vibes und poetischen Texten. „und doch“ ist eine Ansammlung von Songs aus den letzten drei-vier Jahren und fließt genau so smooth über die Seele wie sich Wasser um den Körper schmiegt. Es ist ein Debütalbum für die ruhigen Momente, aber auch die energetischen – zwischen minimalistischen Gitarren und treibenden Beats hat alles kurz Platz.

    Wir haben uns mit Sinu über seine Songs unterhalten, was hinter ihnen steht, was er an der Türkei & Köln so liebt, wieso deutsche Singer-Songwriter Tradition oft ein wenig „hölzern“ ist und wo die Magie eines falsch gehalteten Mikros liegt.

    Sinu im Interview

    Anna: Hey Sinan, seit letzter Woche ist dein Debütalbum draußen! Wer dich schon länger verfolgt, würde wahrscheinlich sagen, “ENDLICH!” Wie geht’s dir damit, das erste Mal deine Musik in einem Album zu veröffentlichen? Fühlt es sich anders an?

    Sinu: ENDLICH, ja, das trifft es ganz gut, haha! Ich freue mich sehr, diese intensive Phase voller Veränderungen in meinem Leben in meinem Album zusammengefasst zu haben. Ich war die letzten Jahre einfach immer am machen und habe auch mal verschiedene Ansätze und Stile musikalisch ausprobiert. Aber da lagen dann auf einmal ein Stapel neuer Songs vor mir, die mit einigen meiner Songs, die mich auch schon ein paar Jahre begleitet haben, total resoniert haben. Ich hab drauf geschaut und gemerkt, „Ah krass, das ist ein Vibe, das ist also, wo ich hingegangen bin und wo ich hinwill“. Deshalb heißt das Album und doch, weil ich eben nicht mit der klaren Idee eines Albums losgezogen mit, sondern mich eher ins Getümmel geworfen haben und ausprobiert habe. Die Songs auf dem Album sind das, was sich im Schaffen dann herauskristallisiert hat. Sie sind das, was mich in den Fluten des Lebens über Wasser gehalten hat und mir Auftrieb geben hat 🙂

    Das erste Mal bist du in meinen Playlisten mit Salzwasser aufgetaucht. Das war vor vier Jahren, nun ist er auch mit auf deinem ersten Album. Was bedeutet dir der Song?

    Salzwasser ist einfach ein Türöffner gewesen. Durch den kleinen Mini-Hit im Sommer damals, hab‘ ich einfach so viele tolle neue Leute kennengelernt, vor der Bühne, hinter den Kulissen und online.

    Salzwasser war auch der erste Song, indem wir bewusst unperfekte Sounds benutzt haben. Die Gitarre schnarrt -> noice!, die Stimme bricht -> uhhhhh. Wir sind damals einfach bewusst weg davon, die Sachen zu hart zu produzieren. Viele der Percussions in dem Song sind einfach Töpfe aus der Küche im Studio, die wir an Stativen mit Schnüren aufgehängt und dann wie ein Schlagzeug gespielt haben. Also Salzwasser ist einfach definierend für meinen Stil aus sehr echten, mal zerbrechlichen mal brachialen Vocals, kleinen einzigartig-unperfekten und großen sphärischen Sounds. Ich lieb‘ die Nummer nach wie vor und freue mich, sie jetzt im Sommer wieder neu zu fühlen 🙂

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    „Die deutsche Singer-Songwriter Tradition klingt öft hölzern.“

    Schon der erste Track auf deinem Album, Sonne, geht unter die Haut mit wunderschönen Lyrics, die die Tiefe des Verlusts eines Menschen versuchen zu fassen. Fällt es dir schwer oder leicht, Emotionen in Worte zu fassen? Ist es anders, als die Musik zu komponieren?

    Danke für das Lob! Hmm, also das hat sich auf jeden Fall sehr geändert. Als ich als Teenager angefangen habe zu schreiben und überhaupt Musik zu machen, da war ich glaube ich viel verschlossener. Aber ich war schon immer eher ein Oversharer, mit der Flucht nach vorne. Und irgendwie hat mir das immer gut getan, das was in mir vorgeht, mit anderen zu Teilen. Für mich ist das ganz klar ein Ventil. Und wenn dann meine Texte mit anderen resonieren, dann ist das ein tolles Gefühl von Community und sich verstanden und weniger allein fühlen.

    Für mich sind Text und Musik ziemlich untrennbar. Also manchmal schreibe ich erst die Musik, dann muss der Text dazu passen. Ich mag es, wenn die Melodie zu den Vokalen, wenn die Sounds zur Message passen – das ist auch tatsächlich etwas, das mir bei deutscher Musik oft nicht gefällt. Unsere Singer&Songwriter Tradition vor allem in Deutschland ist extrem auf Message fokussiert und ich finde viele Sachen klingen hölzern, überladen, so als wäre der Song nur das Medium für den Text. Für mich ist das nicht trennbar und vielleicht bin ich da beeinflusst von internationalen Vorbildern. Andere musikalischen Kulturen sind da nämlich irgendwie runder, weicher, schöner?

    Manchmal schreibe ich auch zuerst den Text, aber im Prozess verändern sich Musik und Text bei mir immer wechselseitig. Für mich ist Schönheit, wenn es dann gemeinsam organisch wirkt 🙂

    „Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt.“

    Auch Linien ist ein sehr persönlicher Song, der über Familien-Dynamiken und weitergereichte Traumata spricht. Wie navigierst du dich durch solche Sachen?

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    Puh! Reden mit Freunden hilft, und genau so ist auch Linien entstanden. Martin (Haller) und ich haben uns im Studio getroffen und hatten dann erstmal ne Stunde Deeptalk über unser Aufwachsen und unsere Familiengeschichte. Ich finde, in so Gesprächen merkt man eigentlich immer, dass wir alle super unterschiedlich und dann doch wieder ähnlich sind. Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt und was im eigenen Leben und bei den Vorfahren so passiert ist. Es ist eben auch so, dass es in unserer Hand liegt, andere Wege zu gehen und Herkunft und Aufwachsen nicht als Schicksal, sondern als Startpunkt (komplett aware of allen Vor-und Nachteilen) zu begreifen. Genau davon handelt auch Linien. Ich komme aus einer Familie, in der ganz sicher nicht über Probleme geredet wurde und in der unvorstellbare Dinge passiert sind. Aber ich bin ja hier im Jetzt und kann die Richtung, in die es weitergeht, durch mein Handeln komplett beeinflussen (positiv, yay!)

    „Ich mag es explorativ.„

    Du hast auch mit vielen Menschen für dieses Album zusammengearbeitet. Wie wichtig ist dir Kollaboration und Zusammenarbeit in der Musik? Ziehst du daraus nochmal eine andere Art von Inspiration?

    Teamwork makes the dream work. Ich finde das so wichtig, mit anderen zusammen zu arbeiten! Ich hab da einfach mit Lukas Neckritz (hat die meisten Songs auf dem Album produziert) jemanden gefunden, mit dem ich auf einer Wellenlänge musikalisch und darüber hinaus bin. Wenn wir schreiben, dann passiert das schon auch mal, dass ich eine Stunde was anderes mache und Lukas und machmal auch Sevinj (macht meine Videos, spielt in meiner Band live) einfach machen lasse. Wir sind alle sehr gut darin, einen Vibe zu fühlen. Ich habe selten, wenn ich einen Song schreibe, eine unumstößliche Vision davon. Ich mag es explorativ und auch mit dem Zufall oder dem Zauber eines jeden Tages zu arbeiten und bin da immer offen für neuen Input. Weil ganz ehrlich, manchmal hört jemand anderes einen anderen Akkord, ein anderes Instrument, ein anderes Wort und dann macht auf einmal alles Klick.

    Manche Songs brauchen lange, manche sind direkt fertig, manchmal gehen wir in eine Richtung, die sich nicht richtig anfühlt und fangen neu an. Das ist alles super aufregend und toll. Meistens habe ich etwas Text und etwas Musik als Ausgangspunkt und dann bin ich einfach offen für alles, was passiert. Ich glaube da fest an den Moment, und das macht jeden der Songs auf dem Album auch so besonders. Ich weiß, dass Mut anders klingen würde und anders geworden wäre, wenn wir an einem anderen Tag, dran gearbeitet hätten und das ist gut so! Weil Life is ever changing und exciting!

    Auch wenn du wahnsinnig schöne deutsche Texte schreibst, so tragen die türkischen Lyrics eine nochmal andere Ebene von Poesie bei. Schreibst du lieber auf deutsch oder auf türkisch, und wie fühlt sich der Unterschied für dich an?

    Ich kann mich auf deutsch besser ausdrücken, wenn es um kleine Details geht. Aber auch türkisch ist eine Sprache, die mir am Herzen liegt, die ich seit meiner Kindheit spreche. Es ist auf jeden Fall einfacher gut klingende Wörter auf türkisch zu finden. Ich schreibe aber auf beiden Sprachen und auch auf anderen Sprachen gerne, ich will mich da nicht festlegen 🙂

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    Köln vs Istanbul

    Was vermisst du an meistens aus der Türkei in Deutschland?

    Das Meer, die Olivenhaine, die milden Winter, die Spontanität der Menschen.

    Mit Istanbul hast du ja auch einen Song der bevölkerungsreichsten Stadt der Türkei gewidmet. Bist du oft da? Wie würdest du deine Beziehung mit der Stadt und dem Land beschreiben im Gegensatz zu Köln?

    Ja, ich bin oft in Istanbul, ein Teil meiner Familie lebt dort. Ich habe durch meine Kindheit an der Westküste der Türkei eine tiefe Verbindung zum Land, zum Meer und zur mediterranen Mentalität dort. Zu Istanbul habe ich so richtig erst ab 2015 eine Beziehung aufbauen können. Als erwachsener Mensch ist es einfach anders, wenn man auf einmal alles selbst erkunden und erfahren kann. Istanbul ist krass, und auch vor allem krass laut. Es ist eine Millionenmetropole mit schnellem Leben, viel Geschichte, toller Architektur und schlimmem Verbau. Das Meer ist immer spürbar und die Überfahrten mit den Fähren sind wunderschön. Man muss es aber wollen, die Stadt bietet von streng religiös bis progressiv Hipster alles. Es gibt viel Kultur, aber es ist eben schon eine Großstadt. Sie hat ihre absolut romantischen und schönen Momente mit ihrer Meereskulisse, aber im Allgemeinen mag ich es ruhiger.

    Köln ist meine Wahlheimat. Ich bin hier, weil ich finde, das die Stadtkultur so gesprächig, gesellig und positiv ist, wie sonst nirgendwo in Deutschland. Ich habe das Gefühl, dass sich in Köln und vor allem in Ehrenfeld und drum herum die Kulturen wirklich toll mischen. Es ist irgendwie egal, wo man herkommt, das Kölsche steht im Vordergrund und ist auch für Leute von woanders zugänglich. Und Köln ist so krassssss grün. Die Grüngürtel und die vielen Parks machen die Stadt zu Fuß und auf dem Fahrrad so lebenswert.

    „Allem zum Trotz, lässt die Musik mich schweben.“

    Wenn du einen Lieblingssong vom Album picken müsstest – welcher wäre das und warum?

    Wenn ich müsste, und das fällt mir schwer, dann wäre das vibe. Mein Favorit auf dem Album wechselt ständig, aber ich liebe die Mehrsprachigkeit in dem Song. Die zweite Strophe fühlt sich mit ihrem Mix so an, wie das, was ich glaube, in Zukunft sprachlich machen zu wollen 🙂

    Ein besonderes Shoutout muss an dein Cover gehen – wo & wie ist das Foto entstanden? Warum wolltest du es auf deinem Cover?

    Das Foto hat Sevinj Yusifova gemacht, die auch das Cover und die Vinyl designed hat. Das Foto wollten wir ursprünglich in Assos in der Westtürkei aufnehmen, aber am Ende lag ich auf einem Feld auf dem Boden. Das Wasser ist digital, ich habe es einfach nicht über das Herz gebracht, die 130 Jahre alte Gitarre, die ich auf dem Cover halte, mit ins Wasser zu nehmen. Das hätte sie nicht überstanden.

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    Für mich zeigt das Foto, wie ich selbst in der weite eines dunklen Meeres, oben auf der Oberfläche treibe. Wie die Musik mir Auftrieb und Sicherheit gibt, obwohl ich geworfen bin ins ungewisse. Deshalb heißt das Album auch „und doch“. Weil allem zum trotz, die Musik mich schweben lässt 🙂

    Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story. Das kann eine Musik- oder Filmempfehlung sein, ein Lieblingsrezept oder ein Funfact zu dem Album, den noch niemand kennt.

    Ich habe als wir Drei Stück Zucker aufgenommen haben das Mikrofon falsch rum gehalten. Und dann saßen wir da im Mix und haben uns die ganze Zeit gefragt, warum meine Stimme so anders klingt. Sowas passiert mal, aber ich hab es dann richtig rum nen ganzen Tag versucht nochmal einzusingen, aber der Vibe, den hab ich einfach nicht genau so, wie ich wollte, hinbekommen. Also haben wir die Vocals gelassen, wie sie sind 😀 Ich sage euch, seit der Grundschule ist der Flüchtigkeitsfehler mein Endgegner! Das ist was, was ich mittlerweile einfach akzeptiert habe 😀

    Foto: Merve Seçkin, Sevinj Yusifova

  • BROCKHOFF im Interview: »Ich habe gelernt, dass Sensibilität keine Schwäche ist, sondern meine Stärke«

    BROCKHOFF im Interview: »Ich habe gelernt, dass Sensibilität keine Schwäche ist, sondern meine Stärke«

    BROCKHOFF ist nicht, wie das erste Google-Ergebnis befürchten lässt, der „größte lokale Gewerbemakler in Deutschland“, sondern empowernder Indie-Garage-Rock der Hamburgerin Lina Brockhoff. Ihre Debüt-EP “Sharks“ hat 2022 schon für großen Wirbel in der deutschen Indie-Rock-Szene gesorgt. Seit 2024 war es etwas ruhiger um die Musikerin – aber nicht ohne Grund. Jetzt versorgt BROCKHOFF uns mit ihrem Debütalbum „Easy Peeler“ und mit einer Menge neuer Indie-Rock-Hymnen.

    Eigentlich wollte BROCKHOFF ihr Debütalbum schon im vergangenen Jahr veröffentlichen. Warum sich die Sängerin aus Hamburg dann aber doch länger Zeit gelassen hat und froh darüber ist, das verrät sie im Interview.

    BROCKHOFF im Interview

    Welche Musik hat dich durch das Jahr 2025 gebracht?

    Bei mir war auf jeden Fall das neue Album von Momma ganz hoch im Kurs, das im April rausgekommen ist. Ansonsten höre ich gerade auch sehr viel das Album „Adult Romantix“ von Winter – das ist auch sehr so 90s Grunge Musik. Das sind auf jeden Fall zwei Favourites. Ansonsten hatte ich auf jeden Fall eine krasse Alanis Morissette und Avril Lavigne Phase im Sommer. Da hatte ich so eine komplette 90s/early 2000er Nostalgie Phase.

    Jetzt war es sehr lange etwas ruhiger um dich und deine Musik. Vor der ersten Album-Single „The Carpet Song“ kam eineinhalb Jahre erstmal nichts. Magst du uns einmal aufklären, warum so eine lange Pause war?

    Ich habe mir einfach sehr viel Zeit genommen, um das Album fertig zu stellen. Ich glaube das war auch die richtige Entscheidung. Ich hatte das Album auch schon einmal grob angekündigt Anfang letzten Jahres und dann haben wir den Release noch mal verschoben. Am Ende haben ein paar letzte kreative Prozesse im Mixing und Mastering länger gedauert als geplant. Aber auch ein paar Fragen rund um „wie will ich das Album releasen“ waren noch unklar. Grundsätzlich fand ich es super wichtig, mir Zeit zu nehmen mit dem Album. Ich habe mich auch entschieden, das Album mit meiner Live-Band einzuspielen und dementsprechend war der Prozess vielschichtig. Erstmal habe ich Songs geschrieben, Demos gesammelt, dann haben wir die als Live-Band entsprechend geprobt. Das war alles noch ein großer Vorproduktionsschritt. Dann sind wir ins Studio gefahren, haben dort das Album aufgenommen und dann habe ich es wiederum hier in Hamburg im Studio zusammen mit Christian Hartung ausproduziert.

    Rückblickend: Findest du, es hat sich gelohnt die Zeit zu nehmen?

    Auf jeden Fall! Es war schon immer mein größtes Ziel und mein größter Traum, ein eigenes Album zu releasen. Das ist einfach so ein Gesamtwerk, vor allem mit Band zusammen aufzunehmen im Studio. Für diesen ganzen Prozess wollte ich auch einfach voll und ganz dabei sein und nicht zwischendurch schon anfangen, Sachen zu releasen. Deswegen war es auf Social Media bei mir sehr ruhig – das tat aber auch gut.

    Kommen wir zum Album: Wann sind die ersten Songs vom Album entstanden?

    Es gab nicht den einen Zeitpunkt, wo ich gesagt habe: Ich schreibe jetzt fürs Album. Bei mir entstehen regelmäßig Songs. Deswegen hatte ich einen Pool an Songs und Demos in meinem Kopf oder auf meiner Festplatte gesammelt. Auf dem Album gibt es also auch Songs, die sind schon 2020 entstanden – also schon fünf Jahre alt. Die meisten anderen sind eher so zwei, drei Jahre alt. Manche kommen auch aus 2024. Einige Songs haben wir auch live schon länger gespielt.

    Würdest du sagen, das Album klingt – auch wenn einige Songs schon älter sind – ein bisschen anders oder vielleicht sogar erwachsener als die Musik, die du vorher releast hast?

    Ich würde es nicht unbedingt als erwachsener betiteln. Es war eher eine andere Art von Arbeit. Ich habe mir für das Album die Zeit genommen, einen roten Faden durch das Gesamtwerk zu ziehen: Wie sollte der Sound des Albums sein, welche Gedanken bringe ich ins Album? Aber es ist auf jeden Fall etwas mutiger.

    „Es geht um Beziehungskrisen, zwischenmenschliche Herausforderungen“+

    Was würdest du so sagen, hat dich thematisch zu den Songs auf dem Album gebracht?

    Es gibt auf jeden Fall immer wieder krasse Umbrüche im Leben. Bei meinen ersten Songs, die rausgekommen sind, hat mich sehr viel der Umzug nach Hamburg und das Ankommen dort beschäftigt. Auch jetzt erinnere ich mich in Teilen oft noch an die Zeit. Es gibt auch ein, zwei Songs auf dem Album, die noch aus dieser Zeit stammen. Da war ich trotzdem überrascht, wie aktuell diese Gefühle immer noch für mich sind. Ich hätte die Songs auch nicht auf das Album gepackt, wenn ich mich nicht mehr mit ihnen identifizieren könnte. Dadurch, dass die Songs innerhalb von fünf Jahren entstanden sind, sind es alles eher einzelne, abgeschlossene Stories in sich und kein Konzeptalbum.

    Es geht um Beziehungskrisen und um die Herausforderungen jegliche Art von zwischenmenschlichen Beziehungen zu pflegen, wenn man so viel unterwegs ist, wie ich es die letzten zwei Jahre war, um den Traum von einer musikalischen Karriere zu verfolgen. Das sind die Dinge, die mich vor allem die letzten drei Jahre beschäftigt haben, seitdem ich Musik veröffentliche.

    Gibt es vielleicht trotzdem einen Unterschied in dem Fokus der Themen?

    Es geht auf dem Album auch viel um meine Rolle als Musikerin in der Musikwelt. Ich bin ja jetzt seit gut drei, vier Jahren in der Branche. Zwischenzeitlich ging es mir da nicht so gut. Auf dem Album reflektiere ich das und mich selbst mehr. Vor allem der Song „Easy Peeler“, dessen Titel ja auch das Album trägt, zeigt das. Zu Beginn meiner Musikkarriere war noch alles super frisch und aufregend. Aber so nach zwei, drei Jahren kam dann immer mehr Stress und Druck. Da fiel es mir schwer, meinen Weg dort durchzufinden. Diesen Leistungsdruck verarbeite ich auf dem Album in gewisser Weise.

    Magst du beschreiben, warum du dich so unwohl gefühlt hast?

    Da war auf einmal so ein Druck von außen, dem ab einem gewissen Punkt nicht mehr so gut standhalten konnte. Dazu kamen noch die eigenen Erwartungen, die dann immer höher wurden.

    „Ich hatte oft das Gefühl, dass Sensibilität und Emotionalität im Weg stehen“

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    Du hast gerade schon gesagt, dass der Albumtitel „Easy Peeler“ das gut zusammenfasst. Magst du einmal erklären, was ein „Easy Peeler“ ist?

    Der Begriff „Easy Peeler“ hat mich schon beim ersten Hören fasziniert. Ich bin darauf in dem Song „Better Than Blue“ der Band Flyte gestoßen, und dieses Bild – etwas, das sich leicht schälen lässt, wie eine Clementine – hat sofort etwas in mir ausgelöst. Für mich stand das sinnbildlich für Sensibilität, für das Sich-Häuten, das Offenlegen der eigenen Schichten. Genau so habe ich mich in der Zeit gefühlt, als ich an meinem Album gearbeitet habe – sehr verletzlich, sehr emotional.Lange dachte ich, das seien eher Schwächen, besonders in der Musikbranche. Ich hatte oft das Gefühl, dass Sensibilität und Emotionalität einem im Weg stehen, dass man härter im Nehmen sein müsste. Aber ich habe gemerkt, dass gerade diese Eigenschaften meine größte Stärke sind. Ohne sie könnte ich gar nicht so schreiben, wie ich schreibe. Mein Bauchgefühl, meine Entscheidungen, meine Texte – all das hängt mit dieser Feinfühligkeit zusammen.

    Dadurch wurde „Easy Peeler“ für mich zum Symbol: dafür, dass es keine Schwäche ist, offen zu sein, sondern eine Form von Mut. Ich habe gelernt, dass man sensibel und gleichzeitig stark sein kann – entschlossen, selbstbewusst und trotzdem emotional. In unserer Gesellschaft wird das oft gegeneinander ausgespielt, besonders bei Frauen. Aber ich finde, man darf beides sein. Und ehrlich gesagt: Ich finde es schön, wenn Menschen ihre Emotionen zeigen – das bedeutet doch, dass sie sich sicher genug fühlen, sie zuzulassen.

    Wie zum Ende jedes unserer Interviews die Frage: Was ist dein untold secret? Dein Geheimnis, eine Geschichte, die bisher noch niemand kannte?

    Meine erste Band hieß Lina & Nina. Die hatte ich mit 11 Jahren. Da habe ich teilweise gerappt. Diese Aufnahmen bleiben wohl für immer ein secret.  

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    Fotocredit: Charlotte Krusche

  • Mia Berg im Interview: »I think there are a lot of things to learn from going through a breakup.«

    Mia Berg im Interview: »I think there are a lot of things to learn from going through a breakup.«

    Wir sind schon eine Weile Fan von Mia Berg. Wir hatten die Singer Songwriterin aus Norwegen 2022 im Interview und haben auch davor schon von ihrer Art geschwärmt, intime Emotionen in einem inspirierten Pop-Kontext zu verarbeiten.

    Nach ihrem Debütalbum Sleepwalkers at noon musste wir aber ein wenig warten, bis neue sanfte Mia Berg-Klanglandschaften unsere Seele besalmen sollten. Auf ihrem zweiten Album Aftermath hat die Norwegerin ehrliche Texten gesammelt, die vor allem wenn man sich gerade mitten im Herzschmerz verliert, sehr nahe gehen. Still und herzzerreißend, aber auch irgendwie heilend begleiten sie den dreijährigen Prozess einer Trennung und die Phase danach. Wir haben mit Mia über diesen Prozess gesprochen und warum sie immer Wollsocken dabei hat.

    Mia Berg im Interview

    Anna: Hey Mia, very happy to get the chance to talk to you! Last month, you released your new album Aftermath – how does it feel now that it’s finally out in the world now?

    Mia: It feels so good to share the album with the world and everyone who wants to listen <3

    The second album is always a big step for an artist. How did you feel about your debut album and how did you approach this new one?

    Since my debutalbum was released in 2022, I started working with producer Mikhael Paskalev, even though I didn’t think too much about what we were gonna create in the studio. It started as a couple of ideas and songs and ended as an album. 

    „I got lost somehow.“

    I fell for your music a couple of years ago and am so happy you’re finally back! This album tells a lot about what you were going through in this time. You made acquaintance with a painful heartbreak.. and you accompanied it with music. How did it help you through this whole process?

    For me, writing songs was a way of processing my thoughts and emotions. As a songwriter or artist I think whatever we experience in life, we bring into our art and thats what makes it real and truthful. But it’s also scary to open up about such raw and painful emotions. 

    You mentioned that you also thought about quitting music in the middle of it all. What made you hold on?

    At one point in the process I didn’t feel that connected to making music and got lost somehow. I didn’t feel that what I did mattered in a way, and also felt confused about my own intuition. But I chose to trust Mikhael as my closest collaborating partner, and that’s what made me hold on I think. This and finally getting back to a place where everything made sense again. 

    What are some of the learnings you can share of it all?

    I think there is a lot of things to learn going through a break up: navigating grief, loss and finding out who you are on your own and building your way forward. 

    „It felt like a very natural journey from start to finish.„

    From all the beautiful songs on the album, which one stands out to you and why?

    Hmm, I think I must say The city. It was such a fun song to write togheter with Bo Milli. I had been back home in Bergen (where I grew up) and we met in the studio one afternoon. After a talk about life and drinking coffee, we started playing on the guitars and the whole song just came out in an instant. As a songwriter, you can write and rewrite a song over and over again. So to suddenly be able to make a song within an hour felt quite unique.

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    How did you approach this album musically? Did you want to change some things up or dideverything come quite naturally to you?

    It felt like a very natural journey from start to finish. Some ideas were thrown around, some ended up not making it and finally we ended up with these 9 tracks that completed the album. I started writing them on the guitar or on the piano in my parents house. But some of them were also written with some incredible songwriters and musicians that inspire me, and that I feel very grateful to be able to work with. 

    About Berlin City & warm woolen socks

    I know that your music will be a safe place for many people that go through a similar experience. Do you have an artist or an album that catches you when you’re feeling down and defeated?

    I will say Adrianne Lenker & Bon Iver!

    In June you’re gonna come to Berlin to play an intimate show at Flux Bergfest! How is your relationship to this city? Are you excited to come?

    Im so excited to come back to play in Berlin! Last time was in 2023!  I love the city, the streets, parks and just how warm and friendly the audience that comes to shows are. 

    Last but not least we ask about an untold story of yours – something you haven’t shared in an interview before. That can be a hidden meaning behind a song or a fun fact about yourself, anything really.

    Hmm, a small hidden secret is that i’m always afraid to get cold wherever I travel or go. So I always have tea and a pair of wollen socks in my backpack or bag. Always! It’s a bit strange, but I rather be safe than sorry. 

    Am 03.06. spielt Mia Berg im Fluxbau Berlin ein Konzert im Rahmen des Bergfests! Der Eintritt ist frei, es gibt also eigentlich keinen Grund, warum ihr nicht kommen solltet!

    Foto: Mikhela Greiner

  • Mariybu im Interview: »Ich bin eine Bitch – und jetzt?«

    Mariybu im Interview: »Ich bin eine Bitch – und jetzt?«

    Der Titel ist Programm. Mit ihrem neuen Album FRECH veröffentlicht die Berliner Hyperpop-Künstlerin Mariybu ein Album, das provoziert und keine Angst davor hat, anzuecken. In den Songs geht es um alltäglichen Sexismus, von Catcalling über dumme Kommentare und Online-Hass bis hin zu Machtverhältnissen und Selbstermächtigung. Satirisch, lustig, wütend und empowernd liefert  FRECH maximale Unterhaltung.

    Kurz vor Albumrelease sprach sie mit uns über fragile Männer-Egos, Doppelmoral und darüber, warum das Patriarchat manchmal die beste Inspiration liefert.

    Mariybu im Interview

    Leonie: Du kommst ja gerade frisch von der Tour mit Blond. Wie war das und wie geht’s dir?

    Mariybu: Ich bin irgendwie noch sehr beseelt. Ich kann gar nicht glauben, dass es nur eine Woche war. Ich bin auch echt, würde ich sagen, richtig sad, weil die ja noch weiterfahren. Und ich war ja quasi ein Drittel der Tour dabei.

    Ich bin auch müde, sehr müde, weil ich den letzten Abend natürlich voll auskosten wollte mit einem Teil vom Team und danach sehr lange wach war. Ja, aber mainly bin ich eigentlich einfach richtig happy, weil es so eine krass schöne Tour war.

    Dein neues Album FRECH ist politisch, queer, gesellschaftskritisch, feministisch, provozierend, we love to see it. Wie fühlt sich das für dich an, dass das jetzt raus in die Welt geht?

    Endlich kommt dieses Album raus und alle können alles hören. Auf der anderen Seite fühlt es sich auch an wie: Krass, was? Das kommt jetzt schon raus? Ich bin doch gar nicht bereit. Aber ehrlich gesagt fühlt es sich genau richtig an. 

    Es ist schon so viel Gutes passiert, dass ich mir vom Album-Release gar nicht mehr groß etwas erwarte. Ich bin einfach froh, dass es draußen ist, weil alles, was jetzt schon passiert ist, mehr ist, als ich mir hätte wünschen können. Ich bin für dieses Jahr gefühlt schon komplett bedient (lacht).

    Wie schön eigentlich, richtige Selbstverwirklichung. Und mega auch, dass du mit dem Prozess zufrieden bist. 

    Dann lass uns doch gleich mal reingehen. In der ersten Line und in der Opening Line bezeichnest du dich ja schon selber als Bitch und Fotze.  Wer oder was ist für dich eine Bitch und hat sich der Begriff für dich schon immer empowernd angefühlt?

    Früher war der Begriff für mich etwas ganz anderes. Eine Bitch war für mich eine hinterhältige, gemeine, übertrieben zickige Frau. Das war auf jeden Fall eine Beleidigung. 

    Was ich auch krass finde: Ich wurde das erste Mal mit sieben schon als Fotze beleidigt. Und das ist ultra früh, wenn ich heute darüber nachdenke. Ich weiß noch genau, dass mir das nicht aus dem Kopf gegangen ist. Ich musste jeden Tag daran denken, dass dieser Junge das vor der gesamten Klasse zu mir gesagt hat.

    Dass das irgendwann ein empowernder Begriff wurde, ist erst im Laufe des Erwachsenwerdens passiert – das ist ja mittlerweile auch eine Bewegung. Als ich das erste Mal SXTN gehört habe, war das so der Moment, wo es bei mir angefangen hat. Am Anfang konnte ich mir das kaum anhören, weil ich dachte: ‚Ach du Scheiße, was sagen die da?‘

    Aber dann habe ich gemerkt, wie gut es sich anfühlt, mitzusingen und sich diese Begriffe zurückzuholen und habe immer mehr angefangen, mich auch selbst so zu bezeichnen.

    Für mich ist Bitch mittlerweile eher etwas anderes geworden. Wenn mir jemand sagt: ‚Boah, du siehst aus wie eine Bitch‘, dann denke ich eher: ‚Hm, danke.‘ Das ist für mich eher sassy, strong, schlau, gewitzt – und auch irgendwie hübsch. Es hat für mich einfach positive Attribute bekommen.

    Ich mag es auch, damit zu spielen. Der Song „Dein Ideal” zum Beispiel besteht nur aus Hate-Kommentaren. Und da geht es genau um dieses: ‚Ja, okay, ich bin eine Bitch – und jetzt?‘

    Einfach um zu zeigen: Ihr könnt uns damit nicht beleidigen. Diese typisch weiblichen Attribute werden ja schnell negativ gelesen – emotional wird dann direkt zu zickig und so weiter. Und ich finde es wichtig, das umzudrehen und diese Begriffe neu und positiver zu besetzen.

    Voll, das ist ja auch eines der zentralen Themen im Album. Würdest Du sagen, dass das den kreativen Prozess als zentrale Inspiration gestartet hat, oder hattest Du dabei mehrere Faktoren? 

    Ich glaube, für mich war bei diesem Album das Hauptding, dass ich voll anders an alles rangegangen bin. Vorher war ich irgendwie direkter und habe das nicht so auf die Schippe genommen.

    Jetzt ist alles sehr ironisch und satirisch. Das ist für mich ein Mittel, um die Kraft aus diesen Beleidigungen und diesem Hass rauszunehmen.

    Natürlich waren dumme Typen sozusagen der Hauptantrieb für dieses Album. Aber ich finde es auch geil, weil ich mit deren Kommentaren Geld machen kann. Ich lebe davon, dass diese Pisser mir Inhalt geben und dadurch so viele Sachen viral gegangen sind.

    Ich erlebe den Scheiß so oder so, dann kann ich jetzt auch darüber schreiben und irgendwie Geld damit machen. Danke für die Inspiration.

    Ja, sehr iconic auf jeden Fall. Und speaking of annoying men in den Kommentaren, du hast ja auch einen Release an einem besonderen Tag. Willst du dazu kurz was erzählen?

    Ich habe mir gedacht: Welcher Tag im Jahr wäre perfekt für mein Albumrelease? Der Herrentag! Der Tag, an dem mich Männer ganz besonders nerven und Catcalling ganz oben steht. 

    An dem Tag könnte ich doch mal Männer ärgern, mein Album rausbringen und mich über die lustig machen. Und dann hat sich alles irgendwie gefügt, auch mit dem Cover-Art und dem Würstchengrillen – Männertag eben.

    Ja, frech von dir, ne? 

    Ey, das meinte so ein Typ auch zu mir. Er hat irgendwas gesagt, ich habe irgendwas kritisiert, und dann meinte er: ‚Das ist ganz schön frech von dir.‘ Und ich so: ‚Gut, dass du’s sagst.‘

    Ich glaube, so nenne ich mein Album. Und ja, danke. Perfekt.

    Wie würdest du dein Album in drei Wörtern beschreiben?

    Frech, schnell, lustig. 

    Und welchen Eindruck möchtest du bei Hörer*innen hinterlassen, die das Album einmal ganz durchgehört haben?

    Ich möchte auf jeden Fall, dass es eine Journey ist und sich vor allem FLINTA-Personen empowert fühlen. Cis-Männer sollen es schon funny finden, aber das Lachen soll ihnen manchmal auch im Hals stecken bleiben. 

    Spätestens beim vorletzten Song soll dann eher ein wirklich ernstes Gefühl entstehen – Trauer oder auch Wut. Ich möchte aber mit dem letzten Song nochmal alle zum Lachen bringen und irgendwie so einen sanften Ausklang schaffen.  Der letzte Song ist so ein bisschen dafür da, alle wieder rauszuholen, wie in einer Therapie, sie einzufangen, zurückzuholen und so ein bisschen in den Arm zu nehmen.

    Und der Einstieg ist halt wirklich da, um erstmal alle zu catchen. Ich will, dass die Leute das Gefühl haben, sie haben etwas gelernt und mitgenommen, aber auch einfach Spaß hatten. Ich hatte extrem viel Spaß dabei, dieses Album zu machen, es war so witzig. Das steht an erster Stelle, weil ich denke, dass man, wenn man Spaß hat, auch offener dafür ist, wirklich zuzuhören.

    Ich habe in deinen Pressematerialien gesehen, dass du als Pionierin des Genres Fotzenmusik beschrieben wirst. Wo siehst du Fotzenmusik denn in der Zukunft hingehen?

    Ich bin noch voll dabei, mich da so dazuzuzählen, weil dieses Fotzenmusik-, Fotzenrap-Ding gefühlt erst seit einem halben Jahr offiziell existiert. Ich glaube, es gibt das vielleicht schon länger, wenn man die Early Days von SXTN mit reinbezieht, aber es hat sich nochmal sehr verändert, vor allem auch mit Ikkimel als Figur.

    Also das Ding ist halt: Fotze sagen und diese Art von Musik machen, das mache ich seit sieben Jahren. Deswegen ist das für mich jetzt nicht so etwas mega Neues. Neu ist eher, dass es jetzt so die breite Masse erreicht.

    Es ist natürlich mega geil, dass Ikkimel da jetzt so eine Riesenreichweite hat und das so breit verteilt. Deswegen denke ich mal, wird das immer weiter wachsen. Das merkt man ja auch gerade, wie viele FLINTAs Fotzenrap machen.

    Ich hoffe einfach, dass das dazu beiträgt, dass wir uns wirklich den Platz nehmen, der uns zusteht – und vielleicht irgendwann in Richtung 50-50-Verteilung gehen.

    Du trägst ja auch deinen Teil dazu bei und empowerst Leute mit deiner Musik. Hast du einen Song auf dem Album, mit dem du besonders connectest oder der dir sehr am Herzen liegt?

    Das ist wirklich schwierig, aber ein Song der für mich doll heraussticht, war von Anfang an „Nicht alle Männer.” Er hat eine ganz andere Produktion, ich hatte sowas noch nie versucht. Und es war auch so ein bisschen ein Risiko, weil ich auch dachte: Wird dieser Song überhaupt ankommen? Das hat gar nichts mit meinem sonstigen Musikstil zu tun. Und der Text ist mir halt voll wichtig, weil ich auch mit meiner Mom beim Schreiben viel geredet habe. Und ja, es hat mir irgendwie voll viel bedeutet, da auch so ihre Geschichte mitzuerzählen und die von meiner Oma – also generationsübergreifend diesen Song zu machen.

    Und dann auch noch mit Ebow zusammen, von der ich seit acht Jahren Fan bin. Ich glaube, in dem Song kommen einfach so viele emotionale und aufregende Sachen für mich zusammen, dass das schon auch mein Baby ist. Und es ist echt schön, dass der so viel Aufmerksamkeit bekommen hat, oder immer noch bekommt.

    Da hattest du ja auch ein sehr cooles Release-Datum. (Die Single erschien am 08. März, dem feministischen Kampftag.)  Gab es denn im Schreibprozess vorher, auch generell bei dem ganzen Album, irgendwelche Momente oder Lines, die zu dir gekommen sind, die dich selber überrascht haben? 

    Jeder Song, ich schwöre. Es ist voll oft so, dass ich anfange, einen Text zu schreiben, und mir denke: Wo geht der Song hin? Ich habe keine Ahnung, was schreibe ich hier gerade überhaupt?

    Das ist so ein bisschen wie Psychoanalyse, wo man einfach frei assoziiert und gar nicht weiß, wie die Dinge zusammengehören. Und dann merkt man am Ende: Krass, dieses Thema beschäftigt mich übelst doll.

    Manche Songs auf dem Album waren aber auch Konzept. Bei  „Alphafeminist” habe ich einfach gesammelt, was da für Kacksachen kommen.

    „Schlaflied” war für mich auch spannend, weil das ein völlig anderer Sound ist. Ich habe mit „Guten Abend, gute Nacht” angefangen und war so: Was soll das für ein Song werden? Und dann ist halt das daraus geworden.

    Ich glaube, das hat mich am meisten überrascht. Also wirklich eine Mischung aus Trust the Process, Therapiesessions und Konzepten.

    Du möchtest (mit deiner Musik) ja auch Banden kreieren und mit FRECH passiert das auf jeden Fall durch die Kollaborationen. Du hast schon ein bisschen erzählt, aber wie hast du Ebow und 6euroneunzig denn kennengelernt? Also wie sind die Kollabs entstanden und wie war der Prozess mit allen für dich? 

    Also 6euroneunzig kenne ich schon länger, wir haben ja auch vorher schon zusammen ein Feature gemacht, „Pussypop” auf der EP von 6euroneunzig. Es war irgendwie klar, dass wir irgendwann mal einen Song zusammen machen. Dann haben wir uns letztes Jahr im Studio getroffen und uns direkt übelst gut verstanden.

    Und irgendwie war dann auch direkt klar, dass wir uns gegenseitig zurückfeaturen, weil wir einfach so eine gute Zeit hatten. Wir haben super harmoniert und super zusammen geschrieben. Das war voll nice, weil die beiden voll klar ihre Meinung sagen und ich auch voll klar meine Meinung sage. Aber niemand fühlt sich davon angegriffen.

    Mit Ebow: Ich wusste gar nicht, ob sie überhaupt mit mir einen Song machen will. Ich habe sie dann einfach gefragt und sie hatte sofort übelst Bock. Das war richtig geil.

    Ich freue mich einfach voll, dass die Features auf dem Album wirklich auch Friends sind. Das ist richtig schön.

    Eine Sache, die ich noch sehr cool finde, auch bei deinen Lyrics auf dem Projekt, ist, dass du Machtverhältnisse und Geschlechterrollen komplett umdrehst, um sie zu kritisieren. Natürlich auch überspitzt – aber manchmal vielleicht gar nicht so doll.

    Ich habe das Gefühl, man hört dann immer diesen Satz: ‚Das ist ja dann auch Sexismus, nur andersrum.‘ Was ist dein Take dazu?

    Ja, erstmal kann man über sowas eigentlich nur lachen. Und ich glaube, Sexismus andersrum gibt es per Definition halt gar nicht.

    Ich habe ja auch Cis-Männer als Friends. Niemand davon würde auf die Idee kommen, sich von so einem Text angegriffen zu fühlen. Also wie tief musst du gesunken sein, dass dich so ein Text angreift? 

    Wenn du dich angegriffen fühlst, dann bist du halt wahrscheinlich genau das Problem. Dann bist du gemeint. Genau das kenne ich ja auch von mir selber: Als ich das erste Mal mit eigenen rassistischen Narrativen von mir konfrontiert wurde, war ich auch direkt so: ‚Nee, auf gar keinen Fall‘ und habe mich übelst angegriffen gefühlt.

    Das sind genau die Momente, in denen du merkst: Es geht um mich. Deswegen denke ich bei den Typen, die sich davon angegriffen fühlen: Ja, es geht um euch. Hoffentlich wirkt das dann wenigstens als kleiner Wake-up-Call.

    Hast du von deiner Seite aus noch etwas, was du gerne teilen möchtest, was Leser*innen sehen sollen, wissen sollen, wie sie dich erinnern sollen, oder generell etwas, das dir einfach irgendwie auf dem Herzen liegt? 

    Ich kann es mir natürlich nicht verkneifen, noch Werbung für meine Tour im September zu machen. 

    Ich habe halt zwei Jahre lang live gespielt, ohne überhaupt etwas veröffentlicht zu haben, viel auf Demos. Das war für mich auch politische Arbeit, einfach auf der Bühne zu stehen, politische Musik zu machen.

    Und erst danach habe ich angefangen, Sachen rauszubringen. Deswegen bin ich so richtig eine Live-Musikerin durch und durch. Und ja, es ist für mich total schön, dass das Album jetzt rauskommt.

    Ich freu mich auch schon sehr auf die Tour, wie cool! Dann habe ich noch eine letzte Frage an dich. Wann warst du das letzte Mal so richtig frech? 

    Was mir direkt einfällt: Ich schicke manchmal Typen aus der ersten Reihe, die mir eklig vorkommen, von der Bühne aus nach Hause. Das habe ich schon öfter gemacht. Die stehen dann in der ersten Reihe, mitten vorne, bewegen sich nicht, filmen von unten, auch unter den Rock.

    Und da weißt du schon: Die sind nicht hier, weil sie Fans sind. Dann unterbreche ich manchmal einfach Songs und sage: ‚Du störst mich, ich fühle mich nicht wohl hier, geh bitte nach Hause.‘ Und wenn du nicht gehst, mache ich nicht weiter.

    Das sind auf jeden Fall so richtig gute Momente, in denen ich mich auch echt frech fühle.

    Hier geht es zu den Tickets für die FRECH-Tour:

    24.09.2026 Köln

    26.09.2026 FFM

    27.09.2026 Göttingen

    02.10.2026 Leipzig

    03.10.2026 Wien

    04.10.2026 München

    08.10.2026 Hannover

    09.10.2026 Karlsruhe

    10.10.2026 Freiburg

    11.10.2026 Zürich

    16.10.2026 Hamburg

    17.10.2026 Bremen

    18.10.2026 Münster

    07.11.2026 Berlin

  • Luca Fogale im Interview: »We’re all nudging this world in a direction«

    Luca Fogale im Interview: »We’re all nudging this world in a direction«

    Nachdem wir uns bereits im Januar intensiv mit der Welt vom Album Challenger beschäftigt haben, ist Luca Fogale mit seinem neuen Material nun auch live in Europa zu erleben. Während seiner aktuellen Tour hat er sich Zeit genommen, um über die Reise hinter dem Album zu sprechen und darüber, wie sich seine Songs auf der Bühne zu einem großen Ganzen zusammensetzen.

    Im Gespräch wird deutlich, wie eng Kunst und Identität bei ihm miteinander verwoben sind und dass Musik für ihn vor allem eines bleibt: ein Ausdruck von Dankbarkeit und ehrlicher Auseinandersetzung mit sich selbst.

    Luca Fogale im Interview

    Thank you so much for coming.

    My pleasure.

    First of all, how are you? How has Europe treated you so far?

    It’s been great, always great. It was my first time in Scandinavia. We had three shows in Scandinavia, and I’ve always wanted to go there. But to be back here in Germany feels really familiar, so I’m having a great time.

    That’s great to hear! So, who have you been listening to a lot lately on the road?

    The record I’ve been listening to the most lately is, it’s an old record, Donny Hathaway – Live At The Bitter End. It’s a live set from the early 70s. And the other album I’ve been listening to is Rosalía’s album Lux. It’s creative beyond belief.

    Do you feel inspired by these albums? Or is there anything else you’re currently inspired by, musically or beyond?

    I’m mostly in awe of these albums. When I listen to music, I’m usually just a fan. So I don’t listen to a lot of music in my genre. The music I make sort of just feels like it – it doesn’t really get influenced by anything, it’s sort of just my music in a strange way, if that makes sense.

    Yes, it does.

    People are always surprised by what music I listen to because I don’t listen to, you know, I get called indie-folk or contemporary, and I don’t listen to that kind of music (laughs).

    Any particular reason why you don’t listen to this kind of music?

    I don’t think so (laughs).

    Luca Fogale. Foto: Brandon Artis.

    Speaking of music, you released some new music at the beginning of this year. Congratulations, first of all, it’s a very beautiful collection of songs. The title track Challenger had been with you for about five years – what made it take so long to release? And at what point did you feel the song was finally finished and that this album was the right place for it?

    The older I get, the closer I got to what the idea represented for me, which was someone who is deconstructing themself, sort of taking a step back from who they are and wondering what it was that made them that way, you know, wondering what shapes us into the people that we are. And thinking about what we want to leave behind and what we want to carry forward.

    And so, the older I get, the more I think about how I show up in this world, what I contribute to it, and how much influence I can have over that, how much care I can have over that. I feel like we’re all nudging this world in a direction, every one of us has their own little tiny influence on it and so I am thinking a lot about my place in this world. I think it’s just a symptom of getting older and wanting not to get caught in patterns that aren’t serving myself or anyone else.

    So with getting older, this realization came and you felt like the track found its place?

    Yeah, absolutely.

    „It feels purposeful“

    Talking about finding your place, finding who you are – you seem like a very calm and grounded person in conversation. Do you think that translates into your songs? Or would you say your artistic expression is different from how you come across as a person?

    Well, I think that music occupies a large part of my life and also a large part of my identity. Obviously, I am a person outside of my music, but I’ve noticed the longer I spend in this career, the more fused my identity is with my music.

    So, when I think of myself – what do I think of when I think of myself? I think about music, mostly. But of course I have my bad days. I think I am becoming more one thing with this project in an interesting way. I’ve heard it recommended a few times that being a professional in the arts – you want to separate yourself from your art so that no matter how another person feels about what you do, it doesn’t have to represent everything that you are, it doesn’t have to impact your identity.

    Not on purpose, but I’ve gone the other direction, and I’ve gotten so close to who I am in a song, who I am on stage. And getting closer to that, it does feel a little bit vulnerable. There is less room for error, I think.

    So I think that the way I am in life and the way I am in music are quite close in that sense. It’s a product of spending so much time thinking about all these songs and about these shows. And also recognizing the gift I am given by having people’s attention, which is so special and so sacred. So I am wanting to honor that by paying really close attention. There is a lot to think about, obviously, but it feels good, it feels purposeful.

    I can see how it’s difficult to keep these two apart, but I think it’s important that you’re not one hundred percent the same because that is impossible.

    Your whole life would be a performance, yes.

    Besides the calmness – are there other states or emotions that you bring into your songs or that you find yourself returning to in your songwriting?

    I think I am trying to reflect gratitude and hope more lately. It also feels real and honest to represent anger and hurt and frustration, kind of the full spectrum of who we are as people. I am trying to lean further into – and I talk about this in the show – sort of the brighter emotions in life. I don’t see myself ever making an album of songs that feel purely positive because I don’t expect, but I also don’t want my life to be that way. I feel like the spectrum is getting a bit more dynamic.

    „It’s so beautiful to share something with people“

    That is sort of where my next question comes in…

    These are excellent questions, by the way!

    Thank you so much. So, comparing Challenger and Run Where The Light Calls, what would you say has changed or evolved in your sound or perspective? Does that have to do with what you just said – the spectrum getting broader?

    Yeah, I think so. RWTLC felt or feels a bit more lost, a bit more desperate.

    I feel like I am slowly becoming more confident in expressing the ideas that I have. I’ve spent a lot of my writing expressing questions. There are a lot of open-ended questions in my music that I don’t think ever conclude, but I am finding more answers in songs now, which in some ways are answers to the questions I used to have, too.

    Challenger feels more of a complete thought, a bit of a closed loop. When I finished writing it, I had the lyrics in my notebook, and when I looked at all of them, it felt like it made sense as a story. And that was really special. So I think that’s where they’re different. RWTLC feels a lot more open-ended. Challenger is a loop that’s closed, it’s circular.

    That’s what it felt like to me too when I listened to it. So now you’re performing the album live for the first time, and yesterday was the first show with a band. Is there a reason why you’re bringing a band now? How does touring and being on stage with a band differ from performing solo for you?

    They are very, very different. So I’ve fallen in love with touring with these guys and the band. It’s so much more restorative and energizing to be able to share everything with other people, in the same way as friendships, family, and relationships. It’s so beautiful to share something with people. And that’s what we do here, too. 

    There is always gonna be a part of me that wants to tour solo because it’s such a different experience. Being one with an audience – that’s all that the show is. It’s sort of one dialogue. Having these shows in Scandinavia solo reminded me of that. We did some small album listening shows in Vancouver, and it was really cool, really emotional, and very special.

    In the most simple way, it feels like a one-on-one conversation with an audience. Everyone is an individual in the audience. For me, here with the band show, it feels like we are all in the same room together. It feels like a collective experience versus the individual experience. This I could do forever with the band. I could go all year. There is a certain amount of solo touring that I can do before I get a bit too far into myself, I sort of start to collapse. Because I am not just alone on the stage, I’ll be alone in the hotel, on the drives. So it’s a big shift to have company – the best company – here.

    So in the most simple sense, it’s an individual experience versus a collective experience, which is why this can feel so sustainable.I love traveling the world with these guys, it’s so amazing.

    Luca Fogale. Foto: Raunie Baker

    Also, when you’re on stage with a band, your songs are closer to what they are on the album than when you perform solo. So far, we heard an alternate version of “Horizon” – can we expect more alternate or acoustic versions of your songs from Challenger in the future?

    Yes. Thanks for asking.

    Do you think your relationship to performing live has changed over time with the albums or in general?

    It must have. That is a great question.

    I think so. I feel like singer-songwriter music is inherently honest because it’s just one person singing. Nothing to hide behind. I think the music is the music, and that’s one thing. I play the songs that I’ve written, and I feel more and more comfortable playing them.

    But I think the dialogue has changed a lot – what I say in between songs. I think about that just as much as I think about the songs because I want it to feel like a holistic experience.

    Like I really love film, I love theater. And mostly what I love about that is that there is typically an unbroken line of a story. I think what I used to do at shows was try to lighten things up in between songs, lighten the mood and take the tension off if I thought I was falling too deep into the melancholy of the songs.

    Whereas now, because of my catalogue changing a bit, I don’t ever want someone to be pulled out of the experience of the music. So when I think about the show now, I think about how far can we go together? I think it’s important to be expressing oneself to an audience in between the songs, I think it’s a very important part. But my fear is that I don’t want to lose anybody.

    Let’s say someone drops a bottle, the audience gets pulled out of the show. What I want is – well, you have to be in the film. Like you’re really watching it and you never feel as though the line gets broken. So in a perfect world, there’d be staging and more lighting; sort of what we do in North America with bigger shows. Obviously, we have to take a smaller version here. But to give the audience that unbroken experience of one story. That is what I am trying to build. I am trying to take care of the songs and the dialogue in a way that it feels as though they are one piece.

    Because musicians are always storytellers, right?

    For sure.

    Where would you want to tell your story then? Is there a venue or festival you would particularly love to play at one day?

    I don’t think so. I am happy about everything. I love it all.

    And the last question – if you weren’t making music today, what do you think you would be doing instead?

    I think about that a lot. First of all, if I wasn’t playing music, I would find another way to express the same ideas. I always thought of writing as very pure. Any kind of authorship, writing a novel or something. But if I wasn’t working in music, I think I would want a job that was outside. I fantasize about being an arborist. Yes, something outdoors. I think I am understanding how special it is to be outside a lot. So I am trying to do that more regularly, but I spend a lot of time indoors with music. In the studios, writing at home, touring – you’re in a van, you’re in a hotel, or in a theater. Always inside. And I think the opposite is attractive to me.

    Well, thank you so much for taking the time.

    These were wonderful questions.

    Thank you again. Very kind. I am super excited for the show, and it was lovely to meet you.

    Hier könnt ihr „Challenger“ von Luca Fogale hören:

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    Fotos: Raunie Baker, Brandon Artis

  • Philine Sonny im Interview: »Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein«

    Philine Sonny im Interview: »Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein«

    Musik macht und veröffentlicht Philine Sonny schon seit einigen Jahren. Auf ihr Debütalbum hat sie uns allerdings ziemlich warten lassen, doch jetzt können wir es endlich hören. „Virgin Lake“ ist eine Sammlung musikalischer Werke der Bochumer Künstlerin, die alles alleine produziert in ihrem Wohnzimmer. Mit viel Liebe zum Detail und vor allem einer stets großen Portion Ehrlichkeit kommen die 14 Songs auf dem Album daher.

    Philine Sonny spricht im Interview unter anderem darüber, wie Therapie, eine Beziehung und ein persönlicher Wendepunkt ihre Musik verändert haben. Es geht um Rückblicke, Kontrollverlust und den Versuch, sich selbst zu verstehen.

    Philine Sonny im Interview

    Hey, schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Wie geht’s dir?

    Mir geht’s ganz gut. Ich bin im Moment ein bisschen im Handysumpf und das stört mich ein bisschen. Aber ich versuche, mit Stricken dagegen anzukämpfen.

    Das klingt nach einer sehr guten Ablenkung. Was ist dein aktuelles Strickprojekt?

    Ich fange gerade erst richtig an. Ich habe ein bisschen geübt und jetzt mache ich direkt einen Pulli. Ich dachte mir: Ich mache direkt etwas, das ich auch wirklich trage. Man macht sonst so oft Sachen, die man eh nicht anzieht oder nutzt.

    Fair. Ich habe letztes Jahr versucht, mit Häkeln anzufangen, und mein erster Topflappen war so schräg, dass mich das komplett demotiviert hat.

    Dann ist Stricken vielleicht einfach was für dich.

    Ich werd’s mal testen! In letzter Zeit ging ja dieser „2016“-Nostalgie-Trend rum. Erinnerst du dich noch an das Jahr?

    Ich habe tatsächlich schon nach Fotos gesucht, aber keine mehr gefunden auf meinem Handy. Aber es war das Jahr nach dem Tod meines Opas, zu dem ich sehr eng war. Deshalb war es eher schwierig für mich. Gleichzeitig war es aber auch das Jahr, in dem ich angefangen habe, mehr Musik zu machen. Ich war so 14 oder 15 Jahre alt und habe angefangen, Songs zu schreiben. Aber insgesamt war es eher ein schwieriges Jahr.

    Verständlich. Kommen wir lieber wieder zurück in die Gegenwart. Gibt es Artists, die dich gerade inspirieren?

    Das Album von Rosalía fand ich richtig krass. Es ist total anders als das, was ich sonst höre, aber gerade deshalb so spannend. Ihre Stimme und die Vocal Production – ich glaube, sie macht das auch selbst – finde ich extrem beeindruckend. Und sonst höre ich gerade Saya Grey. Die finde ich auch sehr cool.

    „Durch Therapie habe ich verstanden, dass es nicht nur um mich geht, sondern um ein größeres Ganzes“

    Lass uns über dein Album sprechen. Du hast es in vier Teile aufgeteilt, aber es erzählt trotzdem eine durchgehende Geschichte. Worum geht es?

    Für mich ist die Geschichte ein bisschen rückwärts aufgerollt. Das Album fängt eher laut und chaotisch an und wird dann ruhiger und vielleicht auch erwachsener. Chronologisch ist das aber eigentlich umgekehrt. Ein bestimmtes Event in meinem Leben war so eine Art Auslöser – eine Krise, ein Wake-up-Call. Darauf ist vieles hinausgelaufen. Und von diesem Punkt aus habe ich angefangen zurückzuschauen: Was ist eigentlich passiert? Wo kommt das alles her? Wie bin ich geworden, wer ich bin? Wie sind die Menschen um mich herum zu dem geworden, was sie sind? Am Anfang geht es viel um meine eigenen Gefühle, um Frust und Traurigkeit. Aber durch Therapie habe ich irgendwann verstanden, dass es nicht nur um mich geht, sondern um ein größeres Ganzes. Gegen Ende kommt mehr Verständnis dazu, mehr Perspektive auf das Gesamte. Es ist ein bisschen kompliziert, aber im Kern geht es um dieses Zurückblicken und Verstehen.

    Wenn du jetzt auf deine erste EP zurückblickst – wie fühlt sich das für dich an?

    Es ist krass zu sehen, wie viel sich soundmäßig verändert hat. Ich habe ja alles selbst produziert, und deshalb bin ich besonders stolz darauf, wie ich mich entwickelt habe. Der Sound kommt jetzt viel näher an das ran, was ich mir damals schon vorgestellt habe. Ich bin aber auch stolz auf mein jüngeres Ich, das einfach gesagt hat: „Ich mache das jetzt.“ Und ich bin sehr dankbar für die Leute um mich herum, die mich darin bestärkt haben, das alleine zu machen.

    Du hast mal  – ich glaube in einem Video – gesagt, dass du durch Therapie erst lernen musstest, wütend zu sein. Gibt es Gefühle, die dir immer noch schwerfallen?

    Ja, auf jeden Fall. Ich bin jetzt mit 24 zum ersten Mal in einer Beziehung, und dadurch merke ich Dinge, die vorher gar nicht hochgekommen sind. Ich dachte immer, ich wäre sehr offen mit meinen Gefühlen. Aber jetzt merke ich, dass es mir gar nicht so leicht fällt, mich wirklich verletzlich zu zeigen oder nicht perfekt zu sein. Mit Freund*innen ist das einfacher, weil sich die Gefühle weniger intensiv anfühlen. In einer Beziehung ist das nochmal eine ganz andere Ebene.

    „Positive Songs sind oft schwerer, weil sie schnell oberflächlich wirken“

    Gab es auch Songs auf dem Album, die besonders schwierig waren?

    „Dog Bite“ war extrem schwierig. Mein Manager meinte: „Schreib doch mal einen fröhlichen Song.“ Das war für mich eine totale Herausforderung. Ich habe bestimmt ein Dreivierteljahr daran gearbeitet. Positive Songs sind oft schwerer, weil sie schnell oberflächlich wirken. Wenn es einem gut geht, analysiert man Dinge nicht so sehr. Bei traurigen Songs gibt es mehr Konflikt, mehr Perspektiven. Außerdem sind in dem Song viele doppeldeutige Referenzen versteckt, die sich auf andere Songs beziehen. Deshalb hat das so lange gedauert.

    Wie lange hast du insgesamt am Album gearbeitet?

    Der älteste Song ist von 2021. Richtig bewusst angefangen habe ich am 22. Juni 2024, da habe ich mir gesagt: Jetzt mache ich das Album fertig. Zu dem Zeitpunkt waren vielleicht 60 % der Songs schon in irgendeiner Form da. Ich arbeite nicht klassisch mit Demos – vieles fließt direkt in die finale Produktion ein. Insgesamt waren es also schon ein paar Jahre.

    Du hast auch einen Song mit Shelter Boy und Brockhoff gemacht. Hast du Lust auf mehr Kollaborationen?

    Ja, aber ich bin nicht so gut darin. (lacht) Ich finde es schwierig, mich mit jemandem hinzusetzen und gemeinsam etwas zu schreiben. Es war noch eine Kollab geplant, die dann zeitlich nicht geklappt hat. Aber grundsätzlich habe ich Lust, das mehr auszuprobieren.

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    Dein Album hat auch einen sieben Minuten langen Song – das sieht man eher selten. Setzen dich Trends wie kurze Songs oder Social Media unter Druck?

    Social Media stresst mich extrem. TikTok, Instagram, YouTube Shorts – jede Plattform funktioniert anders. Und gerade in der Release-Phase vor dem Album habe ich kaum Zeit, Musik zu machen, weil ich ständig Content produzieren soll. Das zerstört für mich den kreativen Prozess. Musik machen ist messy – und das sollte es auch sein. Aber sobald eine Kamera läuft, wird alles künstlich. Was Songlängen angeht, bin ich entspannter. Da lasse ich mir nicht reinreden.

    Worauf freust du dich dieses Jahr – außerhalb des Albums?

    Ich freue mich darauf, wieder neue Musik zu machen. Das Album ist sehr autobiografisch, und jetzt habe ich Lust, mal anders zu arbeiten – mich von Bildern oder Gedichten inspirieren zu lassen.

    Das klingt schön, da bin ich schon gespannt. Zum Abschluss: Deine „Untold Story“ – etwas, das du noch nie erzählt hast?

    Ohja, da gibt es etwas. Meine allererste Tour mit Band waren damals vier Dates, verteilt auf zwei Wochenenden. Und ich habe zu der Zeit gerade erst angefangen, Alkohol für mich zu entdecken – ich habe bis ich 21 war eigentlich gar nichts getrunken. Irgendwer hat dann aus Spaß auf unseren Rider einfach Gin Tonic geschrieben. Und ich habe das komplett unterschätzt. Es war auf jeden Fall keine gute Idee. Ich trinke seitdem auch nicht mehr, wenn ich spiele. Nach der letzten Show kam jemand zu mir und wollte, dass ich ihr ein Tattoo zeichne. Ich war wirklich ziemlich betrunken und habe noch gesagt: „Bist du dir sicher? Das ist keine gute Idee.“ Aber sie wollte unbedingt. Ich habe dann versucht, einen Briefumschlag zu zeichnen – der sah schon echt schlecht aus. Dann noch einen zweiten, der auch nicht besser war. Am Ende meinte sie: „Schreib einfach den Titel.“ Also habe ich „Postcards For Mom And Her Friends“ aufgeschrieben… allerdings mit einem Rechtschreibfehler. Ein halbes Jahr später hat sie mir ein Foto geschickt: Sie hat sich das tätowieren lassen. So relativ groß auf den Bauch. Mit den hässlichen Umschlägen – und mit dem Fehler im Wort.

    Oh no.

    Ja, das tat mir wirklich leid.

    Für’s nächste Mal bist du dann ja vorbereitet.

    Mir ist das auch nochmal passiert, dass Leute nach einem Tattoo-Motiv gefragt haben. Aber dann habe ich das Albumcover zu „Virgin Lake“ gezeichnet, da kann nichts falsch laufen.

    Das klingt nach der sicheren Variante. Trotzdem danke dir, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast und bis bald!

    Danke, Anna, das war schön.

    Hier könnt ihr „Virgin Lake“ von Philine Sonny hören:

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    Fotos: Emil Gentes