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Zwischen Chaos und Leichtigkeit: Bilderbuch liefert mit „∞+1“ ab

Bilderbuch ist so eine Band, bei der man eigentlich nie ganz weiß, was als Nächstes kommt. Mal etwas rockiger, mal etwas sanfter – aber immer mit ihrem eigenen Sound. Mittlerweile hat die österreichische Band und vor allem Frontsänger Maurice Ernst ihre eigene musikalische Sprache entwickelt. Auf „∞+1“ machen sie genau da weiter – nur irgendwie noch freier!

„∞+1“ ist bereits das neunte Studioalbum von Bilderbuch. Mit dem Titel tragen sie vielleicht ihre +1 dem ewigen musikalischen Kosmos bei. Wenn man das Unendlichkeitszeichen umdreht, merkt man schnell, dass die Band auch Mathe kann – „8+1“ ergibt nämlich 9… Wie mir das Album gefallen hat, erfährst du hier, also keep reading!

Den Einstieg macht „Finstere Erleuchtung“ und der Name ist Programm. Schwere Synthesizer treffen auf schwere Gitarren und der erste Song zeigt direkt, wo es lang geht. Maurice’ Stimme machen die Mischung perfekt. Energiegeladener hätte die Eröffnung des Albums wohl kaum sein können und ich bin nicht böse drum! 

Die Band sitzt in einem Caprio und lächelt lässig in die Kamera.

„Was In Dieser Welt“ nimmt danach ein bisschen Tempo raus, ohne wirklich leiser zu werden. Der Beat ist von Anfang an catchy und gefühlstechnisch wurde ich von der Herbststimmung wieder zurück in den Sommer geholt. Der Song fühlt sich leicht und gleichzeitig irgendwie dissoziativ an – als würde man kurz neben sich stehen und trotzdem ziemlich genau im Takt bleiben. Ein Popsong, der irgendwie sein eigenes Ding macht – der Sog in die leicht verschwommene Bilderbuch-Welt wird damit nur noch stärker.

Und dann kommt „Irgendwo“ und übernimmt komplett. Schon das Intro macht klar: Jetzt wird’s düsterer. Krächzende Synthesizer, verzerrte Gitarren und ein Sound, der plötzlich deutlich bedrohlicher wirkt. Genau dadurch bekommen auch die Lyrics eine andere Wirkung: „Drohnen am Himmel über uns / Leuchten wie Sterne / Oh, es herrscht Krieg, Baby / In weiter Ferne“. Gleichzeitig verliert das Album dadurch nicht seine Leichtigkeit, die sich für mich durch alle Tracks zieht. 

fünf Menschen stehen vor einer weißen Wand und lächeln in die Kamera.

Mit „Zahlen Als Beweis“ wird man von wilden irritierenden Geräuschen überrumpelt. Im Hintergrund schrille Sounds, bevor ein tiefer Beat einsetzt – und wenn man nur auf diese tiefe Soundkulisse achtet, denkt man kurz man sei im Sci-Fi-Film „Dune“ gelandet. Genauso „out of space“  fühlt sich der Song auch an. Viel Text braucht der Track gar nicht, dafür passiert soundtechnisch umso mehr.

„Unterwasser“ entwickelt währenddessen einen komplett eigenen Sog: Die abgehackten Lyrics treffen hier auf dichte Synthesizer, bis der Song irgendwann tatsächlich so wirkt, als würde man selbst unter Wasser schweben. Gegen Ende setzen die Trommeln ein und plötzlich wird aus der Schwerelosigkeit fast etwas Episches. Vielleicht ist es ein Song, der bei vielen erstmal untergeht (pun intended) – das wäre schade, denn mich hat er voll abgeholt.

Und dann: „Push Reality“. Ich habe die Single schon geliebt, als sie gedroppt ist, und auch im Albumkontext funktioniert sie für mich immer noch. Dieser Song macht einfach Spaß! Neben der heftigen Soundkulisse kommen die Lyrics dazu, bei denen ich einfach schmunzeln musste: „Bauch, Bein und Lobotomie / Hallo Shirin, it is me“ (wer checkt, der checkt). I mean, schon iconic. Und wäre das nicht schon genug, entkommst du dem Song spätestens beim Gitarrensolo nicht mehr. Ein Song, bei dem man eigentlich gar keine andere Wahl hat, als sich zu bewegen.

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„Wahrscheinlich War Es Der Lippenstift“ setzt diese Energie fort, fühlt sich aber besonders im Intro deutlich mehr nach Alternative-Rock an. Danach wird es mit „Baby Junkie“ etwas ruhiger. Der Song ist laid-back und hat eine fast schon zarte Atmosphäre. Vom Vibe erinnert mich der Track an Bilderbuchs letztes Album „Gelb ist das Feld“, welches ich btw auch sehr viel gehört habe. „Ist Es Denn Ein Wunder“ geht musikalisch wieder mehr in die rockige, Synthesizer-lastige Richtung, fühlt sich aber nahbarer an.

Dann sind wir auch schon beim letzten Song angekommen: „Mehr als fair“. Und irgendwie ist das ein ziemlich perfekter Abschluss. Der Song wirkt erstmal fast mystisch. Eigentlich passiert nicht wahnsinnig viel. Der Soundteppich lullt dich ein, während sich der Gesang ruhig und ein bisschen kratzig perfekt einfügt. Immer wieder taucht auf „∞+1“ die Idee des Loslassens auf, des einfachen Seins und der Vergänglichkeit auf. Lyrics wie „Schmeiß weg dein fucking Telefon / Weil du läufst immer nur davon“ passen da ziemlich gut rein.

„∞+1“ ist kein Album, das sich unbedingt darum bemüht, eine große Geschichte zu erzählen. Zwischen Heavy-Gitarren, retroartigen Synthesizern, cleveren Lyrics, Autotune und kleinen gesellschaftlichen Seitenhieben entsteht ein Album, das herausragend funktioniert. Lass dich drauf ein und hör rein!

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Fotocredit: Bilderbuch / Lukas Gansterer

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