Autor: Hannah

  • Das ganze Festival lag sich in den Armen: So war das Stadt ohne Meer 2026

    Das ganze Festival lag sich in den Armen: So war das Stadt ohne Meer 2026

    Einmal im Jahr versammeln sich die sweetesten Menschen Gießens und Umgebung beim Stadt ohne Meer. Der „1 Tag ohne Meer“ bot gute Musik, beste Stimmung und jede Menge Festivalgefühle – inklusive Quallen und einem donnernden Finale.

    Das Stadt ohne Meer Festival ist für mich und meine Friends schon wie ein kleines Ritual geworden ‒ jedes Jahr werden Tickets schon vor dem Line-Up gekauft. Blindes Vertrauen und große Reunion, wenn wir alle aus unseren Studi-Städten wieder Richtung Heimat düsen. Zwar bin ich keine gebürtige Gießenerin, aber aus Marburg ist der Weg zum Stadt ohne Meer auch nicht weit. Das Festival ist irgendwie der Sommerbeginn, Semesterferien mitten im Semester, Catch-Up-Gespräche mit meinen Fern-Freundschaften, 20.000 Schritte vor Mitternacht sammeln und vor Freude erschöpft sein (checkt ihr?).

    Nach dem letzten Festival 2025 hat das Stadt ohne Meer etwas gekämpft. Zum allerersten Mal war es nicht ausverkauft und sah sich mit ein paar finanziellen Struggles konfrontiert. Deswegen war ich umso glücklicher, dass es dieses Jahr doch noch stattgefunden hat – an einer anderen Location und auch nur als ein Ein-Tages-Festival. Die Location fand ich sogar fast noch gemütlicher. Beim Eintritt ist man durch einen alten Torbogen auf das Festivalgelände reingekommen, wie in einem Märchen. In der Mitte standen große Bäume, drum herum gab’s Merch, Essen und kalte Getränke. Man wurde von den Gemäuern des Kloster Schiffenbergs umhüllt. Und zwar nicht auf eine gruselige Art, sondern so, als würde der Ort von außen ein bisschen abgeschirmt sein – eine Festivaloase in Gießen.

    In den letzten Jahren gab es immer zwei Bühnen auf denen abwechselnd gespielt wurde. Dieses Jahr gab es nur eine, aber die hat auch völlig gereicht. Das Festival ist dafür bekannt, die Newcomer*innen der deutschen Musikszene auf die Bühne zu bringen und ordentlich Stimmung zu machen. 

    Gestartet hat die Gießener Rapcrew Neighbour Flavour. Man merkt, dass es dem Stadt ohne Meer nicht nur ein Anliegen ist, die deutsche Newcomerszene zu repräsentieren, sondern auch explizit local Musiker*innen zu unterstützen. Ich hatte Neighbour Flavor vorher noch nicht auf dem Schirm und hab die Crew dort entdeckt – reinhören lohnt! Direkt im Anschluss kam das Trio Lovehead auf die Bühne. Ich habe diese tolle Band schon letztes Jahr auf der Breminale erleben dürfen. Ihre Songs sind für mich purer Sommer und machen einfach Spaß. Ich mein, wie chilled kann man sein und ein Set mal eben auf entspannt barfuß spielen? Wer noch nicht bei der österreichischen Band reingehört hat, sollte das dringend tun. Ihre neue Single „sommerwind“ ist nämlich nicht der einzige Banger der Band.

    Mein liebster Act war Baran Kok – es war sein erstes Festival als Rapper, obwohl er schon einmal auf der Bühne des Stadt ohne Meers stand. 2024 legte der Künstler bereits als DJ für Domiziana auf. Seit er selbst Musik veröffentlicht, macht er sich als Baran Kok einen Namen. Umso schöner fand ich es, bei seinem ersten Festival-Gig seiner Solokarriere dabei zu sein. Wo besser starten, als beim Stadt ohne Meer? Bei seinem Set durften Mosh Pits, freche Sprüche und ein paar cunty Dance Moves natürlich nicht fehlen. Die Crowd war auch hyped und als er mit „Herr Officer“ seinen Auftritt beendete, war ich ganz beseelt (auch wenn der Song andere Vibes versprüht haha).

    Obwohl das Line-Up natürlich vorher bekannt war, hat mich trotzdem die ein oder andere Überraschung erwartet. Da es dieses Jahr nur eine Bühne gab, musste zwischen den Sets umgebaut werden. Halb so wild, ein Päuschen tut ja auch mal gut. Als ich nach einer Getränkepause zum Merchstand schlendern wollte, erschrak ich kurz. Ist schon der nächste Act an der Reihe? Fehlalarm! Zwischen dem Schutz der Bäume ertönte Musik. Apollo Online spielte ein kleines Akustikset auf einer Mini-Bühne. Vor ihm: das Festivalpublikum, dass sich einfach auf den Boden setzte. Wie ein kleines Wohnzimmerkonzert ‒ nahbar und heimelig.

    Nach dem melodischen Akustikset, war Apollo Online aber noch nicht fertig. Zwischen den späteren Acts verwandelte er den Platz mit seinem Mischpult zu einem kleinen Club. Was soll ich sagen, einem „party 4 u-Remix“ kann ich auch nur schwer widerstehen.

    Weiter ging es mit Jolle. Die Musikerin kreierte mit ihren Songs und ihrer Art so eine mausige Atmosphäre, dass alle begeistert waren. Sie kam nach ihrem Set sogar noch runter zu den Festivalgästen, quatschte mit ihnen und machte ein Bild nach dem anderen mit ihren Fans. Sie meinte, dass sie etwas aufgeregt war ‒ sie hat das Ding aber auf jeden Fall gerockt.

    Wer wahrscheinlich gar nicht mehr aufgeregt ist, ist Megaloh. Als vorletzter Act machte der etablierte Rapper nochmal richtig Stimmung bevor es für den Gastgeber auf die Bühne ging: OK KID!

    Jonas, der Frontsänger von OK KID, kündigte bereits mit einem Lachen an: „Eigentlich geht immer irgendwas schief“. In den Jahren zuvor hätte er nie Stimme gehabt, wenigstens das wäre dieses Jahr anders. Und naja ein paar Kleinigkeiten sind auch „schief gegangen“, wenn man das so böse formulieren möchte. So hat das Bühnenbild kurz den Geist aufgegeben, als sich das Unwetter angebahnt hat. Aber, das hat die Kids natürlich nicht davon abgehalten, die Bühne abzureißen. Während „Die Kids sind alright“ spielte, verwandelte sich die Crowd kurz in ein Fußballstadion. Fahnen wurden geschwenkt und Bengalos wurden angezündet. Mein Lieblingsmoment: „Verschwende mich“. Der Regen strömte, doch das Festival lag sich in den Armen und schaukelte im Takt . Schließlich musste das Festival früher abgebrochen werden. Das Gewitter schmiss uns am Ende raus.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Manchmal braucht es gar kein Meer für das perfekte Sommergefühl, sondern einfach ein altes Gemäuer in Gießen, gute Musik und die richtigen Menschen. Eins habe ich auf jeden Fall dieses Jahr rausgefunden: „Stadt ohne Meer“ ist der ultimative Song zum im Regen tanzen. 

    Fotocredit: Merle Schweitzer/Hannah Busch

  • This one is for the girls: Warum girli mit „it’s just my opinion“ einen Nerv trifft

    This one is for the girls: Warum girli mit „it’s just my opinion“ einen Nerv trifft

    Rage, verträumte Popmelodien und rockige Hymnen – girli zeigt uns einen authentischen Einblick in ihre Gefühlswelt und ist dabei so relateable. Das perfekte Album für den Sommer!

    girli bringt Female Rage in den Alternative Pop. Zwischen Wut und Romantik fühlt es sich so an, als hättest du einen langen Talk mit deiner besten Freundin — ungefiltert und mit allen Höhen und Tiefen.

    Das Album eröffnet mit „Blue Sky“. Der Track beschreibt ziemlich genau das, was viele Girls in ihren Zwanzigern durchmachen: dieses Hin und Her zwischen Unsicherheit und dem Wunsch nach Freiheit. Zeilen wie „Three years from thirty, still stuck in this city / Caring what strangers might think“ sind mir sofort hängen geblieben. Es ist dieses beruhigende Gefühl zu merken, dass man mit seiner eigenen Lostheit nicht alleine ist. girli singt davon, einfach nur unter einem „blue blue sky, in the place of the ceiling“ liegen zu wollen – I can relate.

    Wer girli kennt, weiß: Sie macht keinen Hehl aus ihrem Rage. „Slap on the Wrist“ war die zweite Single des Albums, die veröffentlicht wurde und trifft genau ins Schwarze. Eine rockige Pop-Anthem, die beschreibt, was es bedeutet, als Frau in dieser Welt zu existieren. Getränke abdecken beim Date, Schlüssel zwischen den Fingern auf dem Nachhauseweg – halt einfach Realität, wenn man kein Macker ist. „If you were me for a day / Trust me, you’d feel the rage / They blame it on my outfit / And all that he got was a slap on the wrist“girli bringt es auf den Punkt. Und wenn sie davon träumt „If I could be king for a day“, dann ist das nicht nur Wunschdenken, sondern ein Statement.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Heartbreak und gute Laune

    Neben der Wut ist auf dem Album auch verdammt viel Platz für emotionales Chaos. „Pedestal“ zeigt, wie klein man sich fühlen kann, wenn man sich so sehr in die Idee einer Beziehung hineinsteigert, dass man den Blick für die Realität verliert. Der Song „Don’t Make Me Cry“ ist einfach nur schönes Storytelling: „I know you’ll love me right / But I’m too used to the downfall / I’ve seen it every time.“ girli schafft es, emotionale Schwere in fröhliche Beats zu packen – und ja, man bekommt dabei fast gute Laune. Ist das überhaupt erlaubt?

    Besonders ans Herz gewachsen ist mir „Lifestyle“ – ich kann aber auch nicht anders, wenn Drums im Refrain hitten und ich einfach mit meinem Kopf mitwippen MUSS. girli singt viel über queere Liebe und blickt hier auf eine vergangene Beziehung zurück. Die Angst, aus der Geschichte der Ex-Partnerin einfach wegradiert zu werden. Zeilen wie „Tell your friends that I made you gay / Hate to break it to you, you were born that way“ oder „Don’t you dare call me a phase“ brechen ihre Emotionen auf eine so ehrliche Art runter, dass der Song definitiv zu meinen Favoriten gehört. Auch hier kommt das Thema „Rage“ wieder vor, wenn auch unterschwelliger.

    Auch „Light in the Dark“ hat sich in meine Dauerschleife geschlichen. Die groovy Melodie, die Lyrics – wer hier nicht wenigstens ein bisschen mitsingt, hat was falsch gemacht. „Touch me there, don’t tell me if you think that we could be more than this / Stranger on my fingertips, it’s easier like this“. Das ist so ein Song, den man an einem Sommerabend im Cabrio laut aufdreht und zusammen mit seiner besten Freundin rausgrölt. Haare zerzaust vom Wind, Sonnenbrille auf dem Kopf und ein bisschen Sonnenbrand auf der Nase.

    Rockige Hymen und Girly-Pop-Anthems

    „Bones“ hat mich erst nicht abgeholt, aber wie das nun mal so ist: nach ein paar Durchläufen wurde daraus ein kleiner Ohrwurm. Ähnlich war es bei „Traces“ – musikalisch ist der Song für meinen Geschmack etwas fade. Das gleiche dachte ich auch erst bei „Romantic Sadness“, aber weil der Song so schön geschrieben ist, ist er mir doch ans Herz gewachsen. Eins muss aber sowieso festgehalten werden: girli macht Storytelling super nahbar und es macht einfach Spaß ihr zuzuhören.

    „Squirm“ hingegen hat mich direkt überzeugt. Der Song kommt mit einem rauen, rockigen Sound daher, der sich perfekt ins Album einfügt. „The way you’re looking at me / I go all shy, it’s disgusting“ – ich liebe diese Zeile. Und dann ist da noch „Better Undressed“, der sich anfühlt wie eine 2010er Girly-Pop-Anthem – and I’m here for it! Wer kann auch schon einer Friends-to-Lovers-Story widerstehen? Definitiv mein neuer„Get Ready“-Song, bevor man in eine lange Partynacht aufbricht.

    Die Antwort – oder so ähnlich

    Das Album schließt mit „The Answer“ – und naja, die Antwort auf alles bekommen wir vielleicht nicht. Aber es ist ein messy Lovesong, eine romantische Fantasie, die daran erinnert, dass Liebe und Leidenschaft real sind. Dass sie da draußen noch existieren und auf die eine oder andere Weise Wirklichkeit werden können.

    „it’s just my opinion“ fühlt sich an wie eine Sammlung von Tagebucheinträgen. girli gibt tiefe Einblicke in die Struggles eines Girls in den Zwanzigern – und als ebenfalls Girl in den Zwanzigern kann ich mich darin so sehr wiederfinden. Für mich trifft sie irgendwie einen Nerv: Das Album ist wütend und romantisch, chaotisch und ehrlich. Und genau das macht es so gut. Also reinhören jetzt!

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Fotocredit: Connie Swift und Believe Music

  • Bye, bye BRAT – wie Charli xcx mit „Wuthering Heights“ den Club verlässt

    Bye, bye BRAT – wie Charli xcx mit „Wuthering Heights“ den Club verlässt

    Nach dem von Charli xcx eingeläuteten BRAT-Summer ist die Sängerin zurück und steckt mal wieder mitten im Hype. Neben der Premiere ihres eigenen Films „The Moment“ hat sie nun ihr neues Album „Wuthering Heights“ veröffentlicht. Das Album ist der Soundtrack zum gleichnamigen Film von Emerald Fennell – eine Neuinterpretation von Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“. Beim Film scheinen sich die Geister zu spalten: Zwischen scharfer Kritik und begeisterten Zuschauer*innen ist alles dabei. Ob sich Emily Brontë wegen des Films im Grab umdrehen würde, kann ich leider noch nicht beurteilen, da ich es noch nicht geschafft habe, den Film im Kino zu schauen (Schande über mich).

    Deswegen gibt’s heute nur eine Review von Charlies neuem Album – und das hat keine Probleme für sich allein zu stehen. Die Künstlerin schafft es, eine Geschichte von Liebe, Hass, Schmerz und Verzweiflung zu erzählen und in hervorragende musikalische Inszenierungen einzubetten. Charli xcx dreht ihrer Popidentität zwar nicht den Rücken zu, schreckt aber nicht davor zurück ihren Sound weiterzuentwickeln.

    Kein Entkommen vor diesem Song

    Ein gutes Beispiel für diese Weiterentwicklung ist der Opening-Song „House“ mit John Cale. Als ich den Song das erste Mal vor ein paar Wochen gehört habe, hätte ich vieles erwartet, aber nicht das. Der Track beginnt mit einem Monolog, gesprochen von John Cales ikonischer Stimme, und läutet eine unbehagliche Stimmung ein. Cales Worte fesseln und spätestens in dem Moment, in dem Charlies Gesang sich mit den aggressiven, schrillen Streichinstrumenten mischt und sich alles zu verzerren scheint, gibt es kein Zurück mehr.

    Mit den Worten „I think I’m gonna die in this house“ entkomme ich dem Song genauso wenig, wie Charli. Das Ganze hat etwas Beunruhigendes, fast schon Gruseliges. Das Pop-Girl scheint verschwunden zu sein, doch keine Sorgen – fort ist sie nicht. Ab hier werden die Lieder sanfter, obwohl die düstere Atmosphäre bei vielen Songs mitschwingt. Für mich war dieser erste Song der stärkste des gesamten Albums, obwohl Charli noch einiges zu bieten hat.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Tanzend durch romantische Abgründe

    Mit „Wall of Sound“ lassen die verstörenden Streichklänge besonders gegen Ende des Songs noch nicht ganz locker. Die Lyrics beschreiben eine hoffnungslose romantische Verbindung, der sie nicht entfliehen kann. Zeilen wie „Love and hatred and I can’t escape it“ oder „Every time I try, something stops me“ werden mit teilweise sanften, teilweise erdrückenden Streichelementen untermalt. Die Verzweiflung wird hier durch ihre wiederkehrenden hallenden Worte und Sounds besonders transportiert und symbolisiert einen Zyklus, der undurchdringlich scheint (zumindest meiner bescheidenen Interpretation nach). 

    Im nächsten Track „Dying for You“ verlassen uns die bedrückenden Lyrics nicht, obwohl das die musikalische Tonalität erst einmal nicht vermuten lässt. Zu dem Song habe ich nämlich in meinem überteuerten WG-Zimmer schon das Tanzbein geschwungen und dabei fröhlich Lyrics wie „I’m losing gallons of blood / the river’s turning to red“ mitgesungen. Darf ein so tragischer Song gute Laune machen? Ich sage, Charli xcx darf das. 

    Balladen, Dramatik und facettenreicher Pop

    „Always Everywhere“ und „Chains of Love“ sind zwei moderne Balladen, die das Album vom gute Laune-Trip runterholen. „Always Everywhere“ ist zart und angelic – genau wie die begleitenden Streicher*innen. Ich muss gestehen, dass ich von „Chains of Love“ als zweite Single etwas enttäuscht war. Vielleicht liegt das aber auch daran, weil „House“ so gescheppert hat, dass jeder andere Song danach nur wenig Chancen gehabt hätte.

    Beim zweiten und dritten Hören konnte ich mich mit dem Track anfreunden, wobei das Musikvideo seinen Teil dazu beigetragen hat. Jetzt fühle ich besonders den Refrain und kann mich in der Dramatik richtig suhlen. Die Zeilen „Shattering like glass / It’s the breaking of my heart / The chains of love are cruel“ brechen aus Charli (und mir) förmlich heraus.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Eine prägnante Mischung aus poppigen Beats und Streichmusik bietet auch der Song „Out of Myself“ zu dem ich persönlich wenig Zugang gefunden habe. Ähnlich wie „Dying for You“ setzt der Song textlich auf qualvolle Begierde, entlädt diese Spannung aber mit Popmelodien. Obwohl ich die musikalische Mischung des Tracks spannend finde, blieb der Song bei mir wenig hängen. Umso besser gefällt mir dafür der kürzeste Song des Albums „Open up“, der sich mehr wie ein Interlude anfühlt.

    Charli xcx goes Taylor Swift?

    Bei „Seeing Things“ dachte ich kurz, Charli xcx hätte ein Feature mit Taylor Swift gemacht, obwohl das wohl ein Collab der Unmöglichkeit ist (if you know, you know). Die Lyrics erschaffen mit dem Storytelling eine Szenerie, die mich stilistisch sehr an Swift erinnert hat. Auch der Pre-Chorus und der Refrain könnten lyrisch und musikalisch aus einem Swift-Song sein. Ein Lied, das Ohrwurm-Potential hat, für mich aber wenig herausgestochen ist.

    Ein weiterer offensichtlicher Popsong, der mir allerdings besser gefällt, ist „Altars“. Wie ihr wahrscheinlich schon mitbekommen habt, spielt in diesem Album Streichmusik eine große Rolle (Überraschung). Wenn ihr den zauberhaftesten Einstieg eben dieser Streichmusik hören wollt, dann hört euch „Altars“ an. Die Streicher*innen spielen so sanft und zaghaft und füllen den Song trotzdem melodisch so aus, dass ich heulen möchte. Was diesen Track dann noch besser macht, ist der Umschwung zum Refrain. Als Charli mit der Zeile „One is not the loneliest number“ ihre raspy Stimme raushaut, war es um mich geschehen. Ich finde, der Song wirkt anfangs unscheinbar, hat sich aber zu einem meiner Lieblingssongs des Albums entwickelt.

    Düsterer wird es wieder mit dem Song „Eyes of the World“ feat. Sky Ferreira. Die altbekannten verzerrten Streichinstrumente kommen zurück und hätten nicht besser platziert sein können – ein Unbehagen, das ich gerne in Kauf nehme. Sky Ferreiras und Charlies Stimmen mischen sich zu finsteren Abgründen zusammen und unterstreichen die musikalische Stimmung: „You’re gonna think the things you think about me anyway / Put my flesh upon the cross until I scream / Oh, the eyes of the world“.

    Zwischen Hoffnung und Doomsday-Stimmung

    Die letzten beiden Songs des Albums könnten unterschiedlicher nicht sein. Während ich bei „My Reminder“ noch fröhlich mitgewippt habe, fühlt sich „Funny Mouth“, mit schweren und doomigen Musiksequenzen, verstörend an. 

    „My Reminder“ wirkt auf mich fast wie eine Synth-Pop-Versöhnung in Anbetracht der vorherigen Lyrics. „I’m not gonna be your bitter rival / We grew together in the same four walls“ und „I don’t hate you, we’re just different“ erzählen von dem Umgang mit einer komplizierten Geschwisterbeziehung. Doch das Album wäre nicht „Wuthering Heights“, wenn es nicht düster enden würde.

    Obwohl die Zeile: „If there’s a light, don’t let it go out“ einen kleinen Schimmer der Hoffnung verspricht, hüllt uns die Schwere der Musik in „Funny Mouth“ ein. Ganz so beklemmend, wie der erste Song „House“ ist der Track zwar nicht, trotzdem ist es ein starker Abschluss.

    Mit „Wuthering Heights“ lässt Charli xcx die dröhnenden Clubbeats von „BRAT“ hinter sich und taucht in die vollen Klänge der Streichmusik ein – die sie wirklich fabelhaft einsetzt. Eine Weiterentwicklung, die ich sehr begrüße, obwohl „BRAT“ eine Zeit lang gefühlt das einzige Album war, das ich gehört habe. Ich finde, dass Werke nicht immer verglichen werden müssen und als das stehen können, was sie sind: gute Musik. Auch wenn mich nicht alle Songs gleichermaßen begeistert haben, ist das Album hörenswert – nicht nur für Popliebhaber*innen. Und falls der Film von Fennell nicht überzeugend sein sollte, weiß ich wenigstens: Charli delivered.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Foto: instagram/charli_xcx

  • Vom Kino-Raven, Girlhood und der heiligen Vierfaltigkeit

    Vom Kino-Raven, Girlhood und der heiligen Vierfaltigkeit

    Es ist so weit! Es weihnachtet und der Jahresrückblick steht vor der Tür – als mein erster Artikel für Untoldency. Ehrlich gesagt, war ich anfangs damit überfordert, wie ich mich an all meine musikalischen Highlights dieses Jahres erinnern soll. Schließlich sind zwölf Monate eine ganze Menge Stoff. Glücklicherweise habe ich mir seit zwei Jahren angewöhnt für jeden Monat eine Playlist zu erstellen in der ich alle Neuentdeckungen, alte Nostalgie-Lieder oder was ich sonst so in dem Monat gehört habe, reinpacke. Und genau das war meine Rettung für den Rückblick. So let’s dive in!


    Film und Musik = the best of both worlds?

    Ihr lernt mich hier neu kennen und eins solltet ihr über mich wissen: Neben Musik, gucke ich gerne gute Filme. Was mich besonders glücklich macht, sind gute Filme mit guter Musik. Zwei Kinostarts haben das Anfang des Jahres für mich vereint. Der Film Queer hat mich nicht nur mit seiner Story verzaubert, sondern auch mit dem wunderschönen Filmscore von Trent Razor und Atticus Ross. Wem diese Namen jetzt bekannt vorkommen, kennen die beiden Komponisten vielleicht schon durch den Film Challengers für den sie ebenfalls die Musik schufen. Die musikalischen Inszenierungen der beiden Filme könnten allerdings nicht unterschiedlicher sein. Als ich Challengers geschaut habe, dachte ich während der Hälfte des Films, ich wäre eigentlich in einem Techno-Club. Der Filmscore von Queer ist dahingegen viel sanfter. Der Song „Vaster Than Empires“ hat mich im Kino regelrecht in Watte gepackt und in die Luft schweben lassen. Der Rest des Albums ist so erdrückend schön, zwischen hoffnungsvoll romantischen Klängen und Schmerz, dass es mich bei jedem Hören emotional packt.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Und weil ich Filmmusik oft besonders finde, lief ein anderer Soundtrack vor allem im Januar auf Dauerschleife. Der etwas eigenartige Film Babygirl (Warnung: schaut diesen Film nicht mit euren Eltern) hat mich vor allem durch seine wilde musikalische Mischung abgeholt. Seit diesem Film habe ich „Father Figure“ von George Michael mehr als einmal unter der Dusche gesungen und mich dabei, wie ein Teenie aus den 80ern gefühlt. Der wahre musikalische Star des Films war für mich aber ganz klar „CRUSH“ von Yellow Claw, Natte Visstick und RHYME. Sobald ich mich motivieren wollte oder einfach nur einen Energieschub auf dem Nachhauseweg brauchte, dieser Song hat mich nie im Stich gelassen. Er ist der Inbegriff eines elektrisierenden Rave-Moments. Nicht nur für Nicole Kidman, die im Film die Hauptrolle spielt, sondern auch für mich. So wurde der Kinosaal, die U-Bahn, meine Küche oder auch die Uni-Bib zum Techno-Club, sobald ich diesen Track auf den Ohren hatte.


    Ein bisschen Pop darf im Mix nicht fehlen

    Nicht nur internationale Filme haben mich begeistert, sondern auch internationale Künstler*innen. Ich weiß, ich weiß, brat summer ist schon lange vorbei. In mir schlummert er aber trotzdem noch zu jeder Jahreszeit. Zwar habe ich Charlie xcx’s Album „BRAT“ nicht so exzessiv gehört wie das Jahr davor, aber let’s face it: Ich werde immer Fangirl dieses Albums sein. Wer auch das „Brat and it’s completely different but also still brat” Album gehört hat, ist sicherlich mit „Von Dutch“ feat. Addison Rae vertraut. Und ja, Addison Rae ist für mich schon jetzt eine kleine Popikone, die den Sprung aus der etwas cringen TikTok-Welt zur Popmusikerin geschafft hat. Letztes Jahr war „Diet Pepsi“ ein dauerhafter Ohrwurm für mich. Ihr diesjähriges Album „Addison“ legte aber nochmal nach. Allein das Musikvideo zu „Headphones On“ könnte ich mir täglich anschauen. Sobald sich Addison ihre Kabelkopfhörer anzieht, entflieht sie einem kleinen Stück Realität. Wer kennt das nicht? Kopfhörer auf, Stadtgeräusche auf stumm und sich selbst so fühlen, als wär man grade Teil eines Musikvideos. An dieser Stelle hört der peak girly Pop allerdings nicht auf. „New York“ oder „Fame is a Gun“ liefen bei mir ebenfalls hoch und runter – so wie eigentlich das ganze Album.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Weiter geht’s im Popuniversum, aber diesmal in eine etwas andere Richtung. In meiner Vorfreude auf die fünfte Stranger Things Staffel, darf eine Band natürlich nicht fehlen: Djo! Leadsänger Joe Keery spielt nämlich in besagter Serie die Figur Steve Harrington. Die Band veröffentlichte dieses Jahr ihr Album „The Crux“, inklusive Deluxe-Version. Und ehrlich gesagt, gefiel mir das extended Album noch ein bisschen besser. Ich glaube, das war das Album, welches dieses Jahr am meisten bei mir nebenherlief. Zugegeben klingt das erstmal wenig spannend – aber ganz im Gegenteil: „The Crux Deluxe“ war mein treuer Begleiter. Es war das Album bei dem ich mich in meine Tagträume fallen lassen konnte, obwohl ich eigentlich produktiv sein wollte. Das Album, welches beim Kochen in der Küche lief. Das Album, welches ich meistens direkt nach dem Aufstehen anmachte. Und das Album, das mich auf langen Zugfahrten nostalgisch aus dem Fenster starren ließ. Wenn ich einen Song aus der Deluxe-Version empfehlen müsste, wäre es „Love Can’t Break The Spell“. Hört rein und vertraut.


    Popmodus 2.0

    Nun zur Essenz meines musikalischen Jahres: Girlhood und Musik von Flintas, die ballert!!! Ich muss gestehen, dass ich dieses Jahr überwiegend deutschsprachige Girls und Flintas gehört habe – von Pop bis Rap. Und ich kann euch eins sagen: es war toll! Eine poppige, rockige Neuentdeckung war für mich Paulinko, die ich in irgendeiner Flinta-Playlist aufgegabelt habe. Ich kann die Lieder der Band nur mit instant happiness und Euphorie beschreiben, obwohl sie in ihrer Musik häufig Wut gegen das Patriachart und Menners im Allgemeinen ausdrücken. Im Sommer konnte ich Paulinko auf einem Konzert sehen. Währenddessen war ich quasi dauerhaft am hüpfen und tanzen. Highlight und Dauerschleifensong ist übrigens „Für ein Mädchen“ zu dem nicht nur mein jetziges Ich, sondern auch mein Kindheits-Ich mitfühlen kann. Welches Girl wurde schließlich nicht schon einmal für ihre Leistung belächelt? Seit dem Konzert hängt übrigens ein Poster mit der Aufschrift „Für ein Arschloch ist deine Fresse leider ziemlich groß“ in meinem Zimmer. Eine der vielen tollen Lyrics aus dem Song.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Eine weitere Offenbarung war außerdem Emma Rose. Singles wie „Roundhouse Kick“ oder „Liebe Süße Mädchen“ verkörpern für mich ein Gefühl von Girlhood. Schließlich hat Emma Rose verdammt nochmal Recht, wenn sie „Ich will nur mit mein’n Girls chillen / Und du kannst das nicht verstehen“ singt. Auch ihre „Süß sauer EP“ hat ihren vorherigen Songs alle Ehre getan. „Hauptsache Easy“ und „Männergrippe“ gehören zu meinen absoluten Lieblingssongs von Emma. Ihre ehrlichen Texte, die Leichtigkeit ihrer Melodien und die Nahbarkeit, die sie dabei vermittelt, machen sie für mich so besonders. Unter uns: ihre Stimme ist so schön, dass sie mir wahrscheinlich eine TV-Gebrauchsanweisung vorsingen könnte – ich würde es mir trotzdem anhören. 


    Meine heilige Vierfaltigkeit des German Raps

    Na gut, mit der Vierfaltigkeit mogle ich mich durch, aber anders geht es wirklich nicht. Es sind nämlich vier Künstler*innen, die mich dieses Jahr auf der Rapschiene am meisten begeistert haben. Und nein, männliche Rapper sind nicht dabei. Den Anfang macht Kiarababa. Sorry, aber ihre Beats schlagen alles. Ich habe Songs wie „Sie ist mein Bruder“, „Deine Haare“ und „Hmm lecker“ dieses Jahr im Urlaub mit meinen Besties täglich gehört. Deshalb ist Kiarababa immer eine Zeitreise zurück in den Urlaub: Ich sitze mit meinen Freundinnen auf dem Balkon, ein Getränk in der Hand, Kartendeck auf dem Tisch, alle singen die Lyrics mit und lassen sich vom Rauschen des Meeres einhüllen. Ich kann es nicht beschreiben, aber wenn ich sie höre, kommt die selbstbewussteste Version meiner Selbst raus.

    Wer mich auf eine andere Art und Weise auch begeistert hat, ist Rapper*in Lila Sovia. Vor allem die neuen Singles „Besser“ und „Immer noch da“ landeten in meinen Playlists. Mit queerfeministischen und antifaschistischen Texten rappt sich Lila Sovia in die deutsche Musikszene und das zu Recht. Neben Texten, die zum Nachdenken anregen, überzeugten mich die instrumentalen Inszenierungen und groovigen Basslines der neueren Songs. Lila Sovia ist für mich am interessantesten, wenn es darum geht, was die nächsten Jahre musikalisch noch so mit sich bringen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Weiter geht es mit der Girl Gang, die ich dieses Jahr am meisten gehört habe: bangerfabrique! Sie machen ihrem Namen alle Ehre, denn es kam ein Banger nach dem anderen. Die erste EP „welcome to the groupchat“ kann nur auf repeat laufen, es liegt in ihrer DNA. Der opening-Song „CRASH OUT“ hat mich so aus den Socken gehauen, dass er direkt an meine gesamten WhatsApp-Kontakte weitergeleitet wurde. Die Beats, die Lyrics, die Ad-libs, das Musikvideo – alles perfection! Wie oft ich die Line „wegen Hunden wie dir krieg ich Knacks / wegen Hunden wie dir hab ich Hass“ innerlich oder merklich mitgeschrien habe, kann gar nicht gezählt werden. Andere Songs wie „Dumm“ oder die neue Single „hat was“ haben oft meinen Partymodus aktiviert. Was soll ich sagen? Wenn coole Flintas unabhängig Musik machen, dabei übergriffige Macker outcallen und über’s cunty sein rappen, geht mein Herz auf.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Um die Vierfaltigkeit komplett zu machen, fehlt nur noch OG LU. Ich hatte das Privileg die Frankfurter Rapperin dieses Jahr beim Stadt ohne Meer Festival zu erleben und schon dort ordentlich Texte zu üben. Denn im Dezember bin ich bei ihrer Tour dabei und kann es schon kaum abwarten. Ich verfolge OG LU schon etwas länger, aber dieses Jahr hat sie mein Interesse noch mehr geweckt. Mit dem Albumtitel „assig aber cute“ ist guter Rap vorprogrammiert und allein das Intro macht das Tape hörenswert. Weitere Highlights sind „hanni & nanni“, „Hasskick“ und „2 Etagen“. Ich wurde lange nicht mit Deutschrap warm, doch durch OG LU änderte sich das für mich. Wahrscheinlich könnte ich an dieser Stelle noch unzählig weitere Songs von ihr nennen, aber am besten hört ihr für euch selbst rein, falls ihr das noch nicht getan habt. 

    Allgemein habe ich dieses Jahr festgestellt, wie viel Empowerment es für mich persönlich bedeutet, wenn ich die Musik von coolen, atzigen Flintas höre. Die Songs machen nicht nur Spaß, sondern werden zu einer Art Safer Space und einem kollektiven Gefühl, Mackern in der Musikbranche die Stirn zu bieten – als würde Girlhood die ganze Welt erfüllen. Von mir aus kann das nächste Jahr gerne so weiter gehen!