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  • the wild ride of 2025: this could just be twenty one pilots but it’s more

    the wild ride of 2025: this could just be twenty one pilots but it’s more

    2025 war ein krasses Jahr. Persönlich hat es mich mitgenommen, wie kein Jahr je zuvor. Ich musste mich von meinem Papa verabschieden, der überhaupt noch gar nicht bereit war zu gehen. Das ist eine Erfahrung, die ich keinem anderen Menschen wünsche und eine, die ich selbst immer noch nicht so richtig verarbeitet habe. Ich hab mich aber auch selbstständig gemacht und die Entscheidung getroffen, mein allererstes Printmagazin zu veröffentlichen. Was einfach nur absurd ist – aber geklappt hat. Anfang Dezember sollte ich tatsächlich die allererste Printausgabe von untoldency in der Hand haben! Mit so viel Hingabe und Qualität zusammengestellt, wie ich es selbst schon immer haben wollte. Ich hab auch die Entscheidung getroffen, nach Irland zu ziehen und meinem Bauchgefühl und der Liebe zu folgen. 2025 hat mich verändert wie kein anderes Jahr je zuvor. Und durch all das hat mich verlässlich wie eh und je Musik gezogen. Und wenn ihr wollt, zeig ich euch jetzt, welche.


    I wonder where you are, I wanted you to show me

    Ich brauch keine Streamingdienst-Statistiken, die mir beweisen, dass Twenty One Pilots mein meistgehörter Artist und ihr aktuelles Album Breach mein meistgehörtes Album 2025 ist. Das wusste ich schon letztes Jahr, bevor überhaupt auch nur eine Single aus dem im September erschienenen Album veröffentlicht wurde. Das Alternative-Duo ist eine der faszinierendsten Bands, die es da draußen gibt, und die mich, und Millionen weitere Fans, mit einer über Jahre und erfolgreiche Alben erstreckenden Lore in Bann gehalten hat. Wer mich kennt, weiß, wie hoch das Feuer für Tyler Joseph und Josh Dun in mir lodert. Wer sich unser erstes Printmagazin schon geholt hat, hat das auch gelesen. Denn natürlich hab ich ganze sechs Seiten darauf verwendet, zu erklären, was genau es ist, das diese Band, ihre Musik und Beziehung zu ihren Fans so besonders macht. (Wer das lesen möchte, ich hab mir sehr viel Mühe gegeben.)
    Dementsprechend hab ich also auf das neue Album Breach hingefiebert und kaputt gehört, als es endlich rauskam. Schon der Opener City Walls – ich weiß gar nicht, wie in Worte fassen soll, was dieser Song mit mir macht. Er ist das Ende einer Ära, beschreibt den letzten (verlorenen) Kampf des fiktiven Charakters Clancy und seinen inneren Dämonen und zerreißt mich einfach komplett.

    My smile wraps around my head, splitting it in two
    I don’t have a clue how I can keep the top half glued.

    Diese Bridge ist das Beste, was ich seit September ganze 43 Mal gehört hab. Nicht nur ist es lyrisch absolut genial, es geht auch mit so viel Gefühl und Verzweiflung in mein Herz, nur um danach in fetten Riffs und Screams zu explodieren. Ich beende diesen Song jedes Mal ein wenig außer Puste und mit einer kribbelnden Gänsehaut.


    I’ve been this way, I want to change

    Drum Show ist der nächste Song, der mich auf dem neuen Twenty One Pilots Album absolut weggefegt hat. Fans wie ich bekommen jedes Mal ein kleines Herzkribbeln wenn sie Drummer Josh das erste Mal auf einem Studio-Song singen hören. Und Emo-Girls wie mir schießt das Blut in die Adern wenn Sänger Tyler ins Mikro screamt. Drum Show ist der perfekte Song für beides.

    Auch The Contract, die erste Single-Auskopplung des Albums und dementsprechend mein meistgehörter Song des Jahres, ist voller Riffs und catchiger Melodien, die sich tief in meinen Coping Mechanismen verfestigt haben. Auch Refrains wie „I feel like garbage!“ kann man grandios gut mitsingen wenn man sich genau so fühlt. Und One Way ist vielleicht der beste Pop-Song, der dieses Jahr erschienen ist. Ja, auch neben einem Olivia Dean Album würde ich immer diesen Song bevorzugen. Ob das ein bisschen biased ist? Vielleicht. Ob ich mich trotzdem jedes Mal mit ausgestreckten Armen singend durch meine Wohnung drehe? Ich kann gar nicht anders.

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    I think my skin got worse with good intentions

    Ein Song, der sehr stark für mich auf diesem Album hervorsticht, ist Center Mass. Nicht nur, weil er lyrisch so offen und verletzlich ist wie kaum ein anderer, sondern weil er einfach, entschuldigt meine Ausdrucksweise, so hart reingeht. Er hat die meisten Twists auf dem ganzen Album. Von einem rekordverdächtigen Jazz-Rap-Groove switchen Twenty One Pilots in knapp vier Minuten zu einer absoluten Hard Core Riff-Explosion, die dann einfach mit diesen Worten endet:

    I don’t wanna share what happened, I just wanna let it go

    Nothing was the same right after I went to the funeral

    I miss you so, so much, take what you want
    Take what you want from me, took you for granted

    Ich glaube, ich muss nicht groß erklären, warum ich jedes einzelne Mal Tränen in den Augen hab, wenn ich diesen Song höre.


    Dreamer, wake up

    Neben Twenty One Pilots hab ich ehrlich gesagt nicht viel bewusst gehört. Ich hab’s immer mal wieder mit neu releasten Alben versucht, aber nie den Raum gehabt, mich komplett auf eins einzulassen. Dafür sind einzelne Songs sehr hängen geblieben. Die Drums auf horcrux von Loyle Carner zum Beispiel haben sehr bestimmte Punkte in meinem Gehirn gekitzelt. Seitdem ich sie live gehört hab, muss ich den Song täglich mindestens ein Mal anspielen. Ähnlich ist es bei 1996 von RAR, dem einzigen deutschsprachigen Song auf der Playlist. Allein bei diesem Text hab ich ihn drei Mal nacheinander gehört. There’s something in it.

    There’s also something in There’s No Rush von der neuseeländischen Band Mild Orange. Es ist auf jeden Fall diese verträumte Gitarre, die nur von der anderen Seite der Welt kommen kann. Es ist aber auch das Gefühl von Zeit, die das erste Mal stehen bleibt. Auch wenn der Song bereits im Februar rauskam, war es erst November, als ich auf ihn gestoßen bin – genau dann, als ich ihn am meisten gebraucht habe. Die Druck-Deadline des Printmagazins war ein äußerst präsenter Grund sich mehr Zeit für all die Dinge zwischendrin zu wünschen. There’s No Rush hat mir das Gefühl von stehengebliebener Zeit für ganze 5 Minuten geschenkt.


    When I close my eyes, you’re standing there, in front of me

    Ein ähnliches Geschenk haben mir betterthings Ende November gemacht. Sie haben mir eins der überraschesten Konzerte dieses Jahr ermöglicht, das so spät in der zweiten Jahreshälfte kam, dass ich es nicht mehr geschafft hab, es als eins meiner Top 3 Konzerte im Printmagazin aufzunehmen. Tom Odell, Leute, ist, falls ihr es noch nicht wisst, ein absoluter Rockstar. Ende November hat der Singer Songwriter, die Uber Arena ausverkauft und ich hab sie an diesem Abend absolut baff verlassen. Während ich mich unterbewusst auf ein großes akustisches Konzert mit traurigen Songs am Klavier vorbereitet hab, hat mich der sympathische Brite mit einer von so gut konzeptionierten Live-Show und Full Band so abgeholt, dass ich mich glatt ein wenig verliebt hab. Tom Odell hat mich mal wieder daran erinnert, wie es ist, sein Herz an Live-Musik zu verlieren. Und zu sehen, wie dasselbe dem Künstler auch passiert.


    Hello darkness, my old friend

    Jens hat in seinem Jahresrückblick schon über Fear von NF geschwärmt. Aber auch ich muss extra Raum für einen der mit am meist unterschätzten Rapper der USA einräumen. Ich hab NFs Reise seit seinem Debütalbum Mansion (2015) mitverfolgt. Das heißt, zehn Jahre mach ich mir schon Sorgen um den mit Depressionen und OCD diagnostizierten Rapper, der mit schwarzen Klamotten und Cap tief im Gesicht Arena nach Arena auf der ganzen Welt ausverkauft. Auch er hat über die Jahre und vergangenen Alben eine Geschichte hinter der Musik aufgebaut und seine eigenen Dämonen personalisiert. (Hier hab ich meinen Fangirl-Schrei zum letzten Alben rausgelassen.) Fear knüpft direkt dort an und zeigt in einem Musikvideo, das mir absolut die Sprache verschlägt, wie sein Haus, in dem er mit all seinen Emotionen wohnt, abbrennt und er sich selbst zu Grabe schleift. Es gibt hunderte Easter Eggs in diesem Musikvideo, und es ist so gewohnt unverblümt offen und ehrlich, dass ich die Hälfte des Videos mit meiner Hand vor dem Mund schaue. Immer noch, jedes einzelne Mal.

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    Alle Zeit von Heisskalt ist, obwohl musikalisch in einer ganz anderen Ecke, ein überraschend anknüpfender Track. Wir bleiben beim Thema brennende Häuser und metaphorische Verletzungen durch die Umstände des Lebens:

    Das Haus steht in Flammen, die Hände sind blutig, ein Knöcheln gestaucht
    In Anbetracht der Lage der Dinge ein völlig normaler Verlauf

    Ihr wisst vielleicht nicht, was für ein großes Highlight das Heisskalt Album für manche eurer Friends gewesen ist, aber ihr solltet mal fragen. Sechs Jahre haben sie wahrscheinlich darauf gewartet, dass die Alternative Rock-Band wieder was veröffentlicht. Es hat sich mehr als gelohnt.


    In a room full of people, I look for you

    Ich bin dieses Jahr außerdem sombr und Djo verfallen. Gute Popmusik kriegt mich einfach immer wieder. Sie macht das Leben manchmal einfach ein wenig leichter. Besonders, wenn man dabei die Attitude von RAYE hat. Vielleicht guck ich nächstes Jahr das erste Mal in meinem Leben den Superbowl, nur um zu sehen, wie Bad Bunny die Kluft einer gespaltene Nation zu vereinen versucht. Wen ich auf jeden Fall 2026 live sehen werde, ist ROSALÍA in Barcelona und ich bin HYPED. Wir können ja noch gar nicht ahnen, was da mit welcher Wucht auf uns zukommen wird.


    And the sun keeps you warm

    Und das war’s eigentlich auch schon. 2025 ging seltsam schnell zu Ende und war persönlich ein großes Ab und Auf (ja, in dieser Reihenfolge). Ich möchte nicht unbedingt was zu dem allgemeinen Zustand der Welt sagen, denn er erschreckt mich so tief, ich finde keine Worte. Deshalb träum ich mich in meinen eigenen Trance-Zustand zu Blood Orange, RY X und Swimming Paul. Oder ich verlier mich in Hazlett und geb mein Bestes, nicht in all dem zu versinken.

    I’m okay, but kinda upset
    Told my mum I’m doing my best
    It’s too late to go and get rest
    So I’m gonna live in my head

    See you in 2026! Vielleicht habt ihr ja Lust bis dahin mal wieder ein richtig cooles Printmagazin zu lesen. Dann klickt hier und macht euch selbst, euren Freund*innen und uns eine Freude! Wir haben noch Magazine da, und es würde mir die Welt bedeuten, wenn eins davon zu euch finden würde.

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  • „So few, so proud, so emotional. Hello, Clancy“ – Twenty One Pilots und der Blick zurück bevor es weitergeht

    „So few, so proud, so emotional. Hello, Clancy“ – Twenty One Pilots und der Blick zurück bevor es weitergeht

    “We’re excited to get back into the color red again. Because the goal the whole time was learning how to utilize the thing that we were afraid of and try to win. This is kind of what the story is all about.”
    – Tyler Joseph

    Mit diesem Zitat hab ich 2024 meinen letzten Artikel zur Twenty One Pilots-Lore abgeschlossen. Die Kick-Off Single Overcompensate zum aktuellen Album CLANCY wurde Ende Februar released. Im Mai kam dann das Album – und ich höre es seitdem auf Dauerloop. Bisher hatte ich noch keine Möglichkeit gehabt, in Worte zu fassen, was eigentlich alles auf diesem Album passiert ist. Vor dem Kontext, dass es diese Woche mit einer NEUEN SINGLE zu einem NEUEN ALBUM weitergeht (!), ist jetzt der Zeitpunkt, nochmal alles zu sammeln, was bisher passiert ist.

    Was bisher geschah

    Wir befinden uns in dem sechsten Artikel zu der Lore, die Alternative Duo Twenty One Pilots seit ihrem Erfolgsalbum Blurryface (2015) rund um ihre phänomenale Musik bauen. In jedem davon muss ich zu den vorherigen Artikeln verweisen, weil es wirklich unmöglich ist, alles bündig zusammenzufassen. Wer sich also tief in die Geschichten hinter DEMA, Trench, Clancy und Blurryface einlesen will, kann sich ab hier einmal durchklicken. Es lohnt sich.

    Und weil sich die beiden sweeten Boys aus Ohio, Columbus die Mühe gemacht haben, zur jedem Song ein absolut sehenswertes (!) Musikvideo zu drehen, gehen wir genau so durch das Album. Song by Song, Musikvideo by Musikvideo. Buckle up.

    Disclaimer: Ich habe tausende Gedanken und Gefühle zu diesem Album, aber es lohnt sich wirklichwirklichwirklich alles zu lesen und in die eigene Welt von Twenty One Pilots einzutauchen.

    Can you die of anxiousness?

    Nach Overcompensate war nicht ganz klar, in welche Richtung die Story rund um den Protagonisten Clancy gehen wird. Klar war: there’s gonna be some kind of confrontation. Denn nachdem Clancy zum zweiten Mal aus DEMA (aka die mentale Gefängnisstadt) geflohen ist, hat er beschlossen, zurückzugehen, um zu kämpfen. Im Musikvideo sieht man ihn, wie er mit Sturmmaske im Gesicht in ein Auditorium schreitet und ankündigt, entweder ganz DEMA von innen zu stürzen oder selbst zu einem Bischof zu werden. Viele Gänsehautmomente mit vielen Fragezeichen in einem wahnsinnig starken Intro Song. Ob in Tylers Bassriffs oder Joshs treibenden Drums, zu Overcompensate kann man fantastisch einen Moshpit starten.

    Dann, die zweite Singleauskopplung, Next Semester. Für Fans von Songs, deren harte Riffs sich in die Seele ballern, ein absoluter Diamant. Inhaltlich geht es um Panikattacken, die Tyler im College hatte, und den Struggle, diese zu überkommen und immer weiterzumachen. Das Musikvideo wurde in einem kleinen Punkclub mit einer 130 Kapazität in LA gedreht, mit Fans, die extra für den Dreh eingeladen wurden. Der Schweiß tropft von der Decke und von jedem Körper, der sich in der Menge befindet – einschließlich Josh und Tyler. Ja, das ist schon sexy.

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    Immer wieder gibt es einen Cut vom Club auf eine leere, dunkle Straße und ein großes Licht, das auf Tyler zugerast kommt – bis er in letzter Sekunde ausweicht. Dass das Lied dann mit einem Ukulele-Outro in einem kleinen Kreis von Fans endet und mir Flashbacks zu diesem Elvis Cover gibt, dass die Band vor 12 Jahren gespielt hat, ist einfach nur ein Extra on top. Tyler selbst sagt, dass er von diesem Musikvideo geträumt hat – wie wholesome kann es noch werden?

    I don’t wanna backslide

    Der nächste wholesome Moment wartet nicht lange, sondern ist direkt im nächsten Musikvideo zu Backslide zu finden. Mein absoluter persönlicher Lieblingssong vom Album ist fast eine Hommage an das Musikvideo von Stressed Out. Man sieht Tyler, wie er am Anfang des Videos Burger Brötchen in einem kleinen Laden kauft und sich dann auf sein Bike schwingt, um irgendwo hin zu fahren. Dabei tauscht er es entweder gegen Limonade um oder beißt ab und zu in eins rein, mag es nicht, und wirft es wieder weg. Im Refrain muss er durch Stürme und Regen radeln, nur um am Ende dann bei Josh anzukommen, der beim Grill auf ihn und die Brötchen wartet. Diese sind zu dem Zeitpunkt so gut wie nicht mehr vorhanden. Tyler muss also wieder zum Laden zurückfahren – wo all das nochmal von vorne beginnt. Wer von euch mag das interpretieren?

    Produziert hat dieses Meisterstück Josh Dun selbst. Es ist das erste Musikvideo, was der Drummer eigenständig in die Hand genommen hat. Ironisch, dass es genau das ist, welches Tyler tagelang Muskelkater im Hinterteil beschert hat, weil er über 8 Stunden Fahrrad fahren musste.

    Auch inhaltlich hat das Video sehr viele Referenzen – “Backslide” bedeutet Rückfall oder Wiederholung alter schlechter Gewohnheiten, auch mentaler. Die Referenz zu dem Stressed Out Video könnte dafür stehen, dass er wieder in die Gefühle und Themen von damals zurückfällt. Was auch Sinn ergibt mit der schwarzen Farbe an seinen Händen und Hals – diese stehen für seine Unsicherheiten und erstickenden Gefühle. Sie sind immer zu sehen, wenn er sich in den Fängen von Blurryface befindet. Zurück in DEMA und in diesen alten Mustern hat er Angst, diesen erneuten Kampf zu verlieren.

    There’s no chance I will shake this again
    ‚Cause I feel the pull, water’s over my head
    Strength enough for one more time
    Reach my hand above the tide

    Die Verzweiflung, mit der Tyler den gesamten Chorus singt, macht mich gelinde gesagt fertig. Ich fühl den Pull, ich fühl alles. Ich weiß nicht, was genau es ist, was Twenty One Pilots in diesen Song gepackt haben, aber es ist fast wie eine Droge.

    Winter in Ohio

    Der nächste Song Midwest Indigo ist wiederum eine Hommage an die Region in den USA, wo die beiden aufgewachsen sind: Columbus, Ohio. Bekannt für kalte Winter, wird das Thema der Kälte nicht nur lyrisch in jedem zweiten Vers aufgegriffen, sondern auch im Musikvideo. Ganz DIY auf einem zugefrorenen See gefilmt, mit versteckten Cameos und vielen süßen Momenten.

    Obwohl der Song eine poppige Melodie hat, die tagelang in meinem Kopf rumschwirrt, ist das Thema ein wenig darker (suprise, it’s a Twenty One Pilots Song). Es geht um Isolation, schwindende Chancen, den Drang vor den eigenen Problemen wegzulaufen und eine durchweg präsente Anxiety zu spät zu sein.

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    I’m keeping my eyelids up, no matter what

    Vor den Problemen weglaufen kann Clancy. Auch im nächsten Song Routines In The Night ist genau das Thema – diesmal nur nachts. REM Cycle nach REM Cycle wird geskipped, um nicht im Schlaf von den eigenen Dämonen heimgesucht zu werden. Schlaflosigkeit ist ein häufiges Symptom von mentalen Krankheiten. Und auch das verworrene Labyrinth im eigenen Geist eine Metapher, die wir alle kennen. In dem Musikvideo sieht man Clancy, wie er anstatt zu schlafen, durch die Räume seines eigenes Geistes wandelt. An manchen ist STAY OUT an die Tür gesprüht, in anderen sitzt Josh und spielt Schlagzeug. Interessante Easter Eggs: der Raum, in dem gelbe Blumen von den Bandidos liegen (die ihn das erste Mal aus DEMA befreit haben) und ein anderer, in dem Clancy vor einem Schrank voller Bischofs-Umhängen sitzt. Will er DEMA mit den Banditos stürzen oder will er einer der Leader werden? Wir wissen es immer noch nicht.

    So beautiful, the space bеtween
    A painful reminder and a terrible dream
    I’ve been here before and I’ve got time
    I’ll give you the tour, show you why I

    Ebenfalls empfehlen kann ich euch neben dem Musikvideo diese Live-Version von Tour. Es macht wirklich Spaß, die einzelnen mit Euphorie überforderten Gesichter der Crowd zu sehen, durch die Tyler einfach so marschiert.

    No, not me, it’s for a friend

    Der nächste Song, Vignette, ist ein Song, der nicht nur ballert, sondern tief persönlich ist, denn es geht um Abhängigkeiten:

    “There’s a few interpretations of it. I think for me, it makes the most sense when I look at it from the perspective of addiction and what that can feel like at times. A certain type of season of that and that’s why this song is very special to me.” – Tyler

    Auch wenn wir alle individuell anders dazu relaten können, bestehen Abhängigkeiten in so vielen mehr Aspekten des Lebens als wir es wahrhaben wollen. Sie sind fast immer mit Scham und defensiven Verhalten verbunden, sie haben ständige Ups and Downs. Sie sind vielleicht der schwerste Kampf in uns allen.

    Das Musikvideo ist in der dunkelsten Stunde der Nacht gedreht, auf einem zugefrorenen See, von Schnee bedeckt. Tyler hat einen roten Zettel in der Hand, der ihm zu sagen scheint, wo er hingehen soll, und malt nicht erkennbare Muster in den Schnee. Er schreit Where Do I Go From Here? und hält sich mit seinen schwarz bemalten Händen die Augen zu. Am Ende erscheint dann ein wahres Meisterwerk von Josh Dun’s Gesicht in Großaufnahme – Kunst kreiert Kunst.

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    Another Love Letter

    Eine Tradition, mit der Tyler Joseph auch auf diesem Twenty One Pilots Album nicht gebrochen hat, ist einen Song nur für seine Frau zu schreiben. Von Tear In My Heart, zu Smithereens und Formidable haben die letzten drei Alben einen Song, der nur seiner Frau Jenna gewidmet ist. The Craving (Jenna’s Version) ist dieser Song auf CLANCY. Ein paar Tage vor Album-Release kam eine Single Version raus, ebenfalls mit eigenem DIY Video. Auf dem Album wurde jedoch Jenna’s Version veröffentlicht. Viel ruhiger als die Single-Version und nur mit einer Ukulele, hat dieser Song ein Musikvideo bekommen, das genau diese Intimität einfängt. Mit alten Videos auf einer Leinwand projiziert, kommt die Nostalgie hoch, um die es in The Craving geht. Die Hoffnung, dass diese eine Person für immer im Leben bleibt und man ihr die eigene Liebe gut genug zeigt.

    Welcome to the new way of living

    Welcome to the most underrated track on the album: Lavish. Es ist wahrscheinlich der Track, der am meisten aus dem Album hervorsticht. Es geht um den abgehobenen und verschwenderischen Lifestyle der Musikbranche, und alles wird ein wenig auf die Schippe genommen. Inmitten vieler Referenzen (wie die Capri Sonne aus dem Stressed Out Video oder die Anzüge, die sie bei ihrer 2017 Grammy-Verleihung anhatten) haben sie ein wahnsinnig cooles Musikvideo kreiert, vielleicht das coolste aus der ganzen Reihe. Die Magie von Google Maps und Straßenschilder kann einen nur zum Lächeln bringen. Welcome To The Lavish-Lifestyle:

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    Pardon my delay, I’m navigating

    Wir befinden uns im letzten Drittel von CLANCY und falls ihr hier noch dabei seid, es warten wirklich noch die besten Songs auf euch. Sobald Navigating anfängt, öffnet sich der Mosh – da ist es mir egal, ob ich in einer Arena mit 20 anderen euphorisch rumspringe, oder ob ich alleine in meinem Bad bin. Hier wird aufgestaute Energie ausgeschüttet.

    Das liegt nicht nur an den treibenden Riffs, sondern auch daran, dass die Lyrics aus dem Nichts so ins Schwarze treffen. “Pardon my delay, I’m navigating my head” beschreibt einfach perfekt das, was ich so oft fühle. In einer ewigen Dissoziation, überfordert mit allem, und immer diese Angst, dass Leute gehen.

    If you really want to know what I’m thinkin‘
    Kind of feels like everybody leaves
    Feelin‘ the reality that everybody leaves
    My dad just lost his mom, I think that everybody leaves
    And now I’m tryin‘ to hold onto you ‚cause everybody leaves

    Für Lore Zwecke müsst ihr euch das Musikvideo angucken. Es knüpft direkt an das letzte Lore-Video von The Outside an, welches ich zum Glück schon hier für euch auseinander genommen hab. Dort ist Clancy aus DEMA ausgebrochen und wurde an eine einsame Insel gespült. Mit Torchbearer Josh an der Seite, wird er ins innere der Insel geleitet und lernt seizing – das Ergreifen und Steuern eines entfernten Körpers. (Das wird dann zum Beispiel im Musikvideo von Overcompensating wieder aufgegriffen). Am Ende sieht man beide mit Fackel in die Nacht auf das Meer schauen und ganz viele andere Fackeln, die am Horizont zurückleuchten. Von diesen Personen werden beide am Anfang von Navigating am Ufer begrüßt. The rebels are preparing to fight.

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    Das Riff startet und Josh hämmert auf seine Drums ein in tiefster Nacht. Hinter ihnen ein riesen Feuer, das brennt. Dann, Szenenschnitt zu den Banditos (Rebellen, die helfen wollen, die Bischöfe zu stürzen). Sie führen Clancy und Josh durch einen Wald, durchschreiten Täler, laufen an gelben Blumen vorbei. Josh hilft Clancy einen kleinen Abhang hinauf und ermuntert ihn, weiterzulaufen, als dieser zu erschöpft war. So laufen sie scheinbar stundenlang bis in die Nacht hinein. Dann treffen sie auf eine Lichtung. Auf der anderen Seite tritt Josh in Bandito-Kleidung hinein, und Clancy schaut sich verwundert um. Der Josh, der ihn gerade noch begleitet hatte, ist nicht mehr da. Turns out: er war nie da. Man sieht Flashbacks aus den vorherigen Szenen, in denen Clancy ihn gesehen hat, in denen er aber nie da zu gewesen zu sein scheint. Ich hab Gänsehaut.

    Navigating endet mit Torchbearer-Josh und Clancy, die sich vor dem Lagerfeuer erneut zusammenschließen. Im Hintergrund hört man das Knistern des Feuers und ganz leise die Snythie-Melodie von My Blood. It’s another wholesome moment in this fandom. Take him home, Josh.

    It’s a backslide

    Während es im vorderen Teil des Albums darum ging, nicht in alte Muster zu verfallen, ist genau das, was nun passiert. Snap Back ist ein, wie ich finde, underrated Track, der mit seiner Melodie direkt im Ohr bleibt. Es knüpft an Themen von Backslide und Vignette an. Clancy will mit Muster und Abhängigkeiten zu brechen, spürt aber auch den einher kommenden Druck, nicht zu scheitern. Relatable oder?

    Got a bad feeling that I’m about to break
    Been a good streak, but the pressure’s overweight
    Is it even good for my head to keep track?
    If I’m gonna snap necks, I’m gotta snap back

    Wer sich das Musikvideo zu Snap Back anschaut, sieht Tylers braunen Haarschopf abrasiert werden. Fans wissen, das ist ein common theme, das sich schon in manch andere Musikvideos geschlichen hat. Es passiert nicht viel, aber strahlt irgendwie doch die Verzweiflung aus, die der Song inne trägt.

    Der Song für die Fans

    Fast direkt daran anknüpfend, kommt Oldies Station, der Song, den Tyler für seine Fans geschrieben hat. Es ist ein Song für alle, die auch gegen Muster, Abhängigkeiten und ihre eigene Art von Dunkelheit ankämpfen. Auch wenn Tyler mit Clancy und DEMA und allem drum herum eine komplett fiktive Welt gebaut hat, so sind es reale Probleme, die er von sich und seinem Umfeld verarbeitet. Es ist ua. diese Ehrlichkeit und Offenheit, über solche Themen zu sprechen, die Twenty One Pilots über die Jahre eine so große und loyale Fanbase beschert haben. Dieser Song ist nur ein kleines Danke, dafür aber ein sehr deutliches. Denn so wie Tyler durch seine Depressionen kämpft und nicht aufgibt, so wünscht er sich dasselbe auch für seine Fans.

    Make an oath, then make mistakes
    Start a streak you’re bound to break
    When darkness rolls on you
    Push on through

    Das Video dazu ist einfach nur wholesome. DIY, ohne viel Budget, inklusive Workout für Josh Dun. Es braucht eine Weile, weil das Video sich erstmal nur auf Tyler mit seiner Ukulele fokussiert, der einen von Schnee bedeckten Waldweg langläuft. Doch dann bekommt man einen Blick hinter die Kulissen und sieht die auf Tyler gerichtete Steadycam, die auf einer Holzplatte gezogen wird. Damit sie so gezogen werden kann, braucht sie Rohre unter sich. Diese werden von Josh selbst immer wieder vor die Holzplatte geworfen. Wie ein Hamster im Rad muss er sich Rohr für Rohr holen, hinschmeißen, das nächste holen, hinschmeißen – alles, damit das Rad weiter läuft. Ich fang beim Zuschauen schon an zu schwitzen. Und je länger man das so betrachtet, desto mehr kommt auch der Gedanke auf, dass sich so das eigene Leben anfühlt.

    It’s not worth the risk of losing a friend

    Der nächste Song beschäftigt sich ebenfalls damit wie wichtig es ist, aufeinander aufzupassen. Während es in Oldies Station eher darum ging, auf sich selbst aufzupassen, geht es in The Risk Of Feeling Dumb darum, auf andere aufzupassen, die mit ihrer Mental Health strugglen. Vor allem wenn diese das nicht wollen oder sich abgrenzen. Wir wissen, dass “Danke, gut” die Standard-Antwort auf die Frage ist, wie es einem geht. Es fällt uns allen schwer, nach Hilfe zu fragen wenn es uns nicht gut geht, weil man nicht will, dass andere deswegen ihre Pläne ändern oder sich Sorgen machen. Genauso kann es schwerfallen, die eigenen Herzensmenschen zu fragen, wie es ihnen wirklich geht. Wenn alles okay ist, fühlt man sich vielleicht ein “dumm”, gefragt zu haben. Doch umso wichtiger ist es, trotzdem da zu sein.

    Musikalisch einer der rockigsten Songs auf dem Album und definitiv einer meiner Favoriten. Das Video dazu macht auch einfach Spaß zu schauen. Die Metapher des Pläne fallen Lassens (“drop everything”) wird wörtlich genommen und im Laufe des Videos immer mehr gesteigert. Es fängt an auf Heuballen, über kleine Scheunen zu Hausdächern. Überall sieht man Josh seine Drums spielen. Ähnlich wie das Video baut sich auch der Song auf und endet fast explosiv auf dem Dach eines Hochhauses. It’s worth a watch:

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    Das Ende naht

    Wir sind am Ende. Also fast. Paladin Strait ist der abschließende Lore-Song auf CLANCY. Clancy, der sich auf den letzten Kampf seinem Endgegner Blurryface vorbereitet. Wir wissen, dass Clancy die Macht erhalten hat, tote Körper in Beschlag zu nehmen (“seizing”). Er hat den Versuch aufgegeben, aus DEMA zu fliehen. Stattdessen will er die Konfrontation suchen und den Kreislauf durchbrechen. Diese Geschichte wird im Musikvideo von Paladin Strait wie in einem Film festgehalten. Man sieht die Berg- und Tallandschaften von Trench, das Camp der Banditos, die sich mit Clancy auf die Kampf vorbereiten, die Wellen vom Paladin Strait Gewässer im Sonnenuntergang. Und: die Gefängnisstadt DEMA. An den Außenmauern treffen Banditos auf eine Armee aus Körpern, die von den Bischofs aus ihrem Turm heraus kontrolliert werden. It’s an old fashion Kriegsschlacht, die sich beide Gruppen leisten – zu einem wahnsinnig epischen Song.

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    On the ground are banditos
    Fighting while I find Nico
    Even though I’m past the point of no return
    Climb the top of the tower
    „Show yourself,“ I yell louder
    Even though I’m past the point of no ret—

    Clancy schafft es in die Stadt und erklimmt den Turm, von dem aus die Bischöfe ihre Macht ausüben. Er schaltet sie aus, doch wird dann von der plötzlichen aufspringenden Tür überrumpelt. Blurryface rast auf ihn zu und legt seine Hände würgend um seinen Hals.

    So few, so proud, so emotional
    Hello, Clancy

    Paladin Strait ist mit 6:28 Minuten der längste Song in der Diskografie von Twenty One Pilots und mit Abstand der schönste auf dem gesamten Album. Alles, was es braucht, ist diese Ukulele. Ruhig und melodisch zieht sie einen in das Outro der Geschichte, hält aber auch einen unglaublichen Cliffhanger in sich. Denn es endet genau an dieser Stelle. Es scheint, als sei das ultimative Duell zwischen Blurryface und Clancy das, was jetzt aussteht. Fans spekulieren seit über einem Jahr, dass hier noch was kommen muss. Ein Doppelalbum oder ein Nachfolgealbum? Irgendetwas, das die Geschichte weitererzählt. Denn jetzt steht noch alles offen.

    Ein Jahr später bestätigt sich diese Theorie. Nach dem Ende ihrer Welttour haben Twenty One Pilots ihre neue Single The Contract für den 12. Juni angekündigt. Das Album The Breach wird im September 2025 veröffentlicht.

    Die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

  • Die Lore geht weiter: Twenty One Pilots und „Overcompensate“

    Die Lore geht weiter: Twenty One Pilots und „Overcompensate“

    Wie fang ich hier an? Es ist der 29. Februar, der Tag, den es nur alle paar Jahre gibt, und ich steh vor meinem Hotelfernseher in Hamburg Altona. Ein paar Wochen zuvor hat meine Lieblingsband ihre bisherigen Albumcover auf den Streamingplattformen mit einem roten Balken über den Augen versehen und die neue Single „Overcompensate“ angekündigt. Seitdem ist mein Körper angespannt, ein gesamter Fandom ist mit mir wieder zum Leben erwacht und alle wissen: am 29. Februar kommt ein neues Twenty One Pilots Musikvideo. Es erscheint neuer Twenty One Pilots Song. Die nächste Twenty One Pilots Ära wird eingeleitet. WO FÄNGT MAN DA AN?

    Welcome Back To Trench.

    Vielleicht am Anfang. Die Lore um das Duo aus Columbus, Ohio ist seit dem Erfolgsalbum Blurryface (2015) immens gewachsen. Fast zehn Jahre später ist Stressed Out mit über 2 Billionen Streams immer noch Twenty One Pilots erfolgreichste Single, und nur wenige wissen, welche wahnsinnige Geschichte Leadsänger Tyler Joseph und Drummer Josh Dun da angefangen haben zu erzählen. Das in einem einleitenden Absatz zu fassen ist wahrlich unmöglich, weshalb ich für alle, die neu hier sind, von Herzen meinen gesamten Fangirl-Schrei über drei gestreckte Artikel empfehlen darf: Hier zum Beispiel introduce ich euch ins beste Sommeralbum aus dem Corona-Peak Jahr 2021. Hier könnt ihr einen Drachen unter Wasser schwimmen sehen. Und hier bekommt ihr wahrscheinlich den besten Überblick über die Story so far. Da könnt ihr jetzt natürlich überall reinlesen, ihr könnt euch aber auch den gesamten Kontext von der Band selbst erklären lassen:

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    Um die drängendste Frage zu beantworten: yes, it’s a lore. It’s a big one, indeed. Es ist eine gesamte Geschichte rund um den Protagonisten Clancy, die sich seit Blurryface aufbaut und über die Alben Trench (2018) und Scaled And Icy (2021) erstreckt und jetzt endlich, ENDLICH mit Overcompensate weitergeht. Und selbstverständlich kann man die neue Musik auch ohne die Lore genießen und feiern, aber wie viel geiler ist es denn, wenn man jedes noch so kleine Detail auseinandernehmen kann und alles einen Sinn ergibt? So let’s settle back in again, es geht in das abschließende DEMA-Kapitel.

    Wait, what?

    Erster Shot des Videos: das Meer. Sanfte Wellen sollen für den vermeintlich ruhigen Einstieg in das neue Kapitel sorgen, bevor sie von übersteuerten Vocals aus dem Off unterbrochen werden. Auf Deutsch, Französisch und Spanisch wird hier die Zeile „diese kleine unheimliche Insel hat mich zu einer Waffe gemacht“ eingesprochen, Zeilen aus den damaligen Clancy Briefen. Karten aus DEMA werden gezeigt, die Landschaften überflogen. Doch als wäre das nicht genug, droppt nach dem anschließenden „Welcome Back To Trench“ das Key-Riff des Songs und ich fühl mich endlich wieder selbst. Am liebsten würd ich diese aufgestaute Energie selbst aufs Joshs Drumkit auslassen, aber nie sähe ich dabei so sexy aus wie er. Was auch nicht hilft ist, was direkt danach folgt, nämlich die 1:1 eingespielte Bridge aus Bandito, einem Song aus Trench, der nicht nur Fan-Favorite ist, sondern auch Backbone der gesamten Storyline. And I am living for this.

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    An dem Punkt bin ich also schon einmal völlig durch mit meinen Nerven. Auch das Musikvideo gibt mir mehr als nur einmal Gänsehaut. Das rote Colorgrading gibt Blurryface Flashbacks und auch die schwarze Farbe auf Tylers Hals und Händen ist zurück. Dann kommt der erste Break nach knapp eineinhalb Minuten. Das „Sahlo Folina“ noch in meinen Ohren wird einmal alles durchgewirbelt und der Song bekommt eine komplett andere Struktur. Grund Nummer 125, warum das meine Lieblingsband ist, nichts wird jemals langweilig! Hab ich mich bis zu diesem Punkt gefragt „warum spielt Josh alleine in dieser Halle Drums und wer sind die ganzen Leute, die drumherum Platz nehmen?“, dann kommt jetzt die Antwort. Mit dem Break öffnet sich die Tür und Tyler als Clancy erscheint, Sturmmaske tief im Gesicht und einer pulsierenden Aura, die ihn umgibt. Ich sitz nicht in diesem Raum, aber auch ich hab die Luft kurz angehalten.

    „I feel like I was just here, same twitchin‘ in my eyes
    Don’t sleep on a boy who can’t fall asleep twice
    In the same night, and won’t hesitate
    To maybe overcompensate“

    How the turntables

    Highlight des gesamten Musikvideos: Tylers Dancemoves. Sie sind Grund 126, warum Twenty One Pilots meine Lieblingsband ist. Grund 127? Joshs Frisur, die im Farbverlauf rote Spitzen hat und nicht nur unfassbar gut aussieht, sondern auch, wie alles andere, perfekt in die Storyline passt. Grund 128: „corazón“ (iykyk).

    Doch was passiert eigentlich? Und was ist davor passiert? Tatsächlich knüpft die Story zu Overcompensate genau dort an, wo sie am Ende des letzten Musikvideos The Outside geendet ist: Clancy ist zwar aus DEMA geflohen, hat aber mit einer wirklich kultigen Choreo Besitz von einem getöteten Bischof ergriffen (wenn euer Gesicht gerade einem Fragezeichen gleich, lest das hier). Das, was ich damals noch als „ein Ritual, mit sehr, sehr, sehr smoothen Moves“ bezeichnet habe, war Clancy, der durch seizing den toten Körpers des Bischoffs Keons kontrolliert hat. Bisher hatten jedoch nur die Bischöfe diese Fähigkeit. Das ändert natürlich so einiges an Machtverhältnissen, und ist auch der Grund, warum Clancy zurück in DEMA ist und ein Auditorium voller Menschen mit

    “If you can’t see, I am Clancy, prodigal son
    Done running, come up with Josh Dun, wanted dead or alive
    So now you pick who you serve, you bow to the masses
    Get kicked to the curb for passin‘ the classes
    Half empty, half full, save half for your taxes
    Then overtake your former self“

    anschreit.

    Die Lore geht weiter

    Clancy ist also erst erfolgreich geflohen und jetzt ist er wieder zurück? Was sich auch mir erst nicht ganz erschließen will, kann nur bedeuten, dass die Rückkehr nicht nur freiwillig ist, sondern auch einen direkten Plan verfolgt. Vielleicht will er die Bischöfe und ganz DEMA von innen stürzen, vielleicht will er selbst an die Macht. Vielleicht, vielleicht, vielleicht – Discord verrennt sich hier in sehr viele, sehr interessante Theorien, die alle vielleicht wahr sind oder werden.

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    Wenn DEMA also für das mentale Gefängnis steht, in dem wir uns alle gefangen sehen, wenn Angst, Depression und andere negative Gedanken die Überhand gewinnen, war Blurryface der Startschuss der Geschichte. Trench ging auf die Suche nach Hoffnung, raus aus DEMA und dem Gefängnis, war aber im Endeffekt erfolglos. Scaled And Icy war eine Überkompensierung (ha) der mentalen Dunkelheit und wurde als propagierende Lügen für DEMA eingesetzt. Das neue Album Clancy (!!) mit Leadsingle Overcompensate ist der Weg zurück, ein weiterer Versuch, den Kampf zu gewinnen. Auf welche Weise, und ob das überhaupt geht, das werden wir erst mit den nächsten Singles und dem Albumrelease im Mai erfahren. Lesen wir uns dann wieder?

    “We’re excited to get back into the color red again. Because the goal the whole time was learning how to utilize the thing that we were afraid of and try to win. This is kind of what the story is all about.”
    – Tyler Joseph

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    Fotocredit: Ashley Osborne