Schlagwort: Indie-Pop

  • Power Plush im Interview: »Es soll ein Ort sein, an dem Leute wissen, dass sie mit dem ganzen Scheiß nicht alleine sind«

    Power Plush im Interview: »Es soll ein Ort sein, an dem Leute wissen, dass sie mit dem ganzen Scheiß nicht alleine sind«

    Power Plush haben wir schon ganz am Anfang ihrer Band-Reise lieb gewonnen. Nun haben die vier Musiker*innen aus Chemnitz ihr Debütalbum Coping Fantasies im Februar veröffentlicht. Zwischen leichtem, verträumtem Indie-Pop Sound, eingängigen Melodien und warmen Umarmungen, erwarten die Hörer*innen aber auch ganz klare Ansagen. Das Album nimmt mit in eine pastellfarbene Power Plush-Utopie, die sich so wohltuend anfühlt, dass man sie gar nicht verlassen will. Verschiedene Geschichten und Perspektiven von inneren Gefühlswelten und Beziehungen gleiten smooth in einander und spenden sowohl Trost, als auch Platz für Identifikation. Genauso sympathisch und respektvoll wie Svenja, Maria, Anja und Nino und ihr Umgang mit einander sind, meint man das auch in ihrer Musik zu hören. Auch eine positive Weiterentwicklung zu vorherigen Veröffentlichungen ist deutlich erkennbar, denn es scheint so, als würde die Band nun ihren eigenen Sound so richtig gefunden haben, aber auch Spielraum für weitere Entwicklungen andeuten. Power Plush haben außerdem ein volles Jahr mit vielen Festivals und unter anderem Touren mit Blond und Kraftklub hintern sich. Wir erwarten von ihnen noch ganz, ganz viel in der Zukunft, das der Musiklandschaft garantiert einen liebevollen und offenherzigen Schliff verpassen wird!

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    Power Plush im Interview

    Dascha (untoldency): Wie geht es euch zur Zeit? Wie fühlt ihr euch kurz vor dem Release von eurem Debütalbum? Fühlt es sich schon real an?

    Anja: Es passiert gerade so viel auf ein mal.

    Maria: Ich finde es fühlt sich so in Wellen real an. Manchmal kommen so Momente, in denen man denkt: Oh, wir haben ja wirklich ein Album. Ich vergesse das manchmal.

    Anja: Wenn Leute sagen oder schreiben, dass sie es schon gehört haben, ist das so: Oh mein Gott, es existiert wirklich! Ansonsten proben wir zur Zeit auch viel. 

    Svenja: Entweder man ist gerade nur am hustlen und denkt gar nicht so viel darüber nach oder man hat Momente der Realisation und wird mega aufgeregt, weil es schließlich das erste Album ist. 

    Dascha (untoldency): Wann habt ihr angefangen an dem Album zu arbeiten?

    Anja: Also im Proberaum haben wir schon im Oktober 2021 angefangen Songs zu spielen, aber mit unserem Produzenten Mario Simic haben wir im Januar 2022 angefangen.

    Svenja: Es hat sich dann bis August über das ganze Jahr gezogen, da hatten wir es fertig. 

    Anja: Das war auch örtlich alles verteilt.

    Maria: Stück für Stück ist es dann ein Album geworden.

    Dascha (untoldency): Also für mich macht der Titel voll Sinn, wenn ich das Album höre, aber ich will es nochmal von euch wissen: Was bedeuten für euch Coping Fantasies?

    Anja: Es war ursprünglich als Weiterführung von der EP Vomiting Emotions gedacht, wo es darum ging alles rauszulassen, egal was man fühlt. Also eine Art Ventil. Aber Coping Fantasies ist einen Schritt weiter, eher ein Versuch irgendwie einen Umgang damit zu finden. Oder sogar auch nur die Vorstellung davon, wie es wäre, mit einer Sache gut umgehen zu können. Mit dem Album wollten wir eine Welt schaffen, in der man die Chance hat mit Sachen umgehen zu können. Egal, ob das bedeutet sich einzukuscheln und nicht ansprechbar für die Welt zu sein oder es rauszuschreien.

    Es soll ein Ort sein, an dem Leute wissen, dass sie mit dem ganzen Scheiß nicht alleine sind und dass es Leute gibt, denen es genauso geht. Auch wenn du gerade strugglest – we’re in this together. Es bietet nicht wirklich Lösungsansätze, weil es nicht möglich ist, außenstehend allen Personen zu helfen, aber es kann zumindest ein Safe Space sein.

    Svenja: Auch ein Ort, an dem man fantasieren kann, wie man mit etwas umgehen könnte. Es heißt ja Fantasies und nicht Coping Strategies. (lacht)

    Dascha (untoldency): In den Songs werden verschiedene Gefühls- und Sichtperspektiven aufgezeigt. Was ist dann das, was sie im Endeffekt zu einem Ganzen bündelt? Ist es das Gefühl eines Safe Space?

    Maria: Ich denke wir haben den Titel schon so gewählt, damit die Bewältigung quasi der gemeinsame Nenner aller Songs ist. Es sind unterschiedliche Perspektiven und unterschiedliche Bereiche des Lebens auf die sich die Songs beziehen. Manchmal ist es eine gesellschaftliche Ebene und manchmal eine sehr zwischen menschliche. Es ist sind immer Momente der Bewältigung, aber immer ein bisschen unterschiedlich. Dadurch ist für uns eine Art Klammer entstanden, durch die wir die Songs dann sehen konnten. 

    Dascha (untoldency): Ich finde das Album reflektiert auch vieles und spricht auch erstere Themen geschickt an wie auf Leave Me Alone und Girl, He Toxic, ohne dass die Songs dabei total düster klingen. Was bewegt euch dazu solche Themen in euren weichen Indie-Sound zu packen? Was ist der richtige Umgang mit sensiblen Themen in der Musik?

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    Anja: Ich glaube es gibt nicht einen richtigen Umgang. Das war der Umgang, den wir gewählt haben, diese Themen zu bewältigen in dem man den Song rockig macht oder vielleicht sogar ein bisschen Humor reinbringt. Girl, He Toxic ist zum Beispiel auch ein ziemlich ernstes Thema, es wird einer befreundeten Person gesagt: Girl, hau ab, he is a toxic ass! Aber trotzdem ist der Song eine tanzbare Wir-klatschen-alle-in-die-Hände-Nummer. Das hat sich in dem Moment einfach richtig angefühlt beziehungsweise ist es auch das, was man die Leute fühlen lassen möchte. 

    Svenja: Bei dem Song soll es auch einfach ermutigend rüber kommen.

    Maria: Bei Leave Me Alone war es uns einfach wichtig, dass es für uns auf der Bühne empowernd ist, ihn zu spielen. Dass es sich stark anfühlt, den Punkt zu nennen von: Hey, lasst uns doch einfach in Ruhe, wir wollen doch einfach unser Ding machen. Wir wollen nachts draußen rumlaufen ohne komisch angequatscht zu werden. Deshalb haben wir in der Musik extra danach geschaut, dass es diesen starken Effekt für uns hat. 

    Anja: Es gibt ja auch richtig dramatische oder traurige Momente auf dem Album, auch die haben sich in dem Moment einfach richtig angefühlt. Das ist wahrscheinlich wirklich auch Moment-abhängig. Wie man in dem Moment mit dem Thema umgehen möchte und kann.

    Maria: Das ist ja auch ein Stilmittel ernstere Themen mit einem locker flockigem Sound zu untermalen. Einfach weil wenn ein Thema an sich schon schwer ist, muss man es nicht zwingend noch mehr beschweren. Auch das hilft zum Teil bei Bewältigung, da noch eine neue Ebene reinzuziehen. 

    Dascha (untoldency): Ich finde bei Girl, He Toxic auch lustig, dass ein mal das Wort Ass so ganz lang gezogen wird.

    (Alle lachen)

    Svenja: Das ist der beste Moment! Vor allem auch, weil unsere Backings das „Ass“ so mega dramatisch wirken lassen.

    Maria: Es macht ja irgendwie auch Bock, in solchen Themen doch etwas Spaß zu finden.

    Dascha (untoldency): Ja, voll. Mir hat eure letzte Single Emergency // Freeze sehr gut gefallen, ich konnte mich da sehr wiederfinden. Was könnt ihr zu diesem Zustand sagen, den ihr darin besingt? Und habt ihr eine Idee, wie man eventuell dagegen ankommen kann?

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    Anja: Ich glaube wir kennen alle diesen Freeze-Zustand an unterschiedlichen Stellen. Vor allem wenn man eine sensible Person ist, der es eher schwer fällt, Struktur in das eigene Leben zu bringen. Dieser Freeze-Zustand, das ist das Gefühl gerade nichts ausrichten oder ändern zu können, obwohl du eigentlich weißt, dass du es könntest. Aber du kannst es einfach nicht, weil du wie eingefroren in einem Ohnmachtsanfall-Gefühl bist. Gleichzeitig ärgerst du dich über dich selbst, weil du weißt du könntest es eigentlich und du hättest die Option. Aber in dem Moment kannst du es einfach nicht. Aus Erfahrung würde ich sagen, dass man den Zustand auf jeden Fall überwinden kann, aber das benötigt an vielen Stellen viel Arbeit. Es ist ein Prozess. Am besten sagt man sich „du hast es schon mal geschafft, du kannst es auch nochmal schaffen“ und vor allem sollte man auch nett zu sich selbst sein. Auch wenn du es mal wieder nicht geschafft hast, solltest du lieb mit dir umgehen. Aber man kann es immer wieder probieren, aus dieser Starre rauszukommen. Es wird zwar nicht immer funktionieren, aber vielleicht mal doch. Doch eine ultimative Lösung dafür? I don’t know! (lacht)

    Dascha (untoldency): Ich glaube niemand hat dafür eine perfekte Lösung.

    Anja: Ja, ich kenne aber auch viele Leute, die das Gefühl gar nicht haben. Die sind so „Ich mach’s jetzt einfach“ und dann sprechen die das einfach an oder organisieren das einfach. Das ist ja übelst toll, dass Leute das direkt umsetzen können. Ich glaube manchen Leuten liegt das einfach nicht und das ist in Ordnung. Aber es für sich selbst immer mal zu probieren, ist glaube ich trotzdem eine gute Sache. Mal einen Schritt nach vorne zu schaffen. Das klingt jetzt alles so abstrakt gesagt, aber das ist eben nicht auf eine bestimmte Situation bezogen, sondern auf viele verschiedene Stellen im Leben.

    Maria: Wir sind natürlich Musiker*innen und keine Psycholog*innen, aber ich denke das hat auch viel mit Verhaltensgewohnheiten zu tun. Man kann es schon schaffen, daraus auszubrechen, aber das ist halt Arbeit und anstrengend. Es gelingt nicht immer, das ist okay. 

    Anja: Lieb zu sich und anderen sein hilft an vielen Stellen.

    Dascha (untoldency): Danke für die Motivationsstunde! Wie sähe denn eure ultimative Power Plush Utopie aus? Natürlich auch auf euren Song Utopia bezogen. 

    Svenja: Keine Macker. Macker-Verbot!

    Maria: Lieb sein ist auf jeden Fall Teil der Power Plush-Welt. Ich denke dadurch könnten Menschen sich freier ausleben und entfalten. 

    Anja: „Lieb“ ist irgendwie so ein krasser wichtiger Begriff bei uns. Natürlich muss man nicht immer nur lieb sein, aber wenn man merkt, dass Intention ist, eine aufrichtige gute Person zu sein: mit solchen Menschen umgibt man sich einfach gerne. Wir sind einfach richtige Softies. Wir finden aber auch, dass in Softness sehr viel Stärke. Deswegen natürlich auch unser Bandname Power Plush. Die Welt könnte soft sein, dann haben wir uns alle gern. 

    Maria: In einer Power Plush-Welt können auch alle mitgestalten. 

    Dascha (untoldency): Und soll diese Welt auch so aussehen wie das Cover vom Album?

    Alle: Ja!

    Anja: Das passt auch zu der Mitgestaltung. Es könnte jede*r Bäume basteln, Sterne basteln, eigene Wege basteln. 

    Dascha (untoldency): Inwiefern unterscheidet oder gleicht sich diese Vorstellung von eurer Realität? Habt ihr etwas davon schon umgesetzt?

    Anja: Im Kontext der Band und unseren Freundeskreisen schafft es schon weitergehend sich diese Safe Spaces gegenseitig zu geben und gemeinsam zu erschaffen. Natürlich trifft man beispielsweise auch immer wieder auf irgendwelche Macker oder Leute, die nicht lieb sind, auch wenn man das gar nicht möchte. Aber innerhalb unserer Gruppe versuchen wir das gut zu machen.

    Maria: Ich würde sagen wir haben dafür gearbeitet, dass das in unserem direkten Umgang mit einander so umgesetzt ist. Als kann man schon sagen, dass wir uns eine Art Power Plush-Welt erschaffen haben. Darüber hinaus sind wir selbstverständlich trotzdem in größere soziale Strukturen eingebettet und können das daher nur bedingt verwirklichen. Bei uns selbst gelingt das aber, finde ich, ganz gut.

    Anja: Das heißt nicht, dass wir nicht auch mal sauer auf einander sind. Meinungsverschiedenheiten sind menschlich. Aber wir wissen immer von einander, dass wir eigentlich nur das Beste von einander wollen. Das ist wahrscheinlich der Startpunkt, um einen schönen und sicheren Umgang miteinander zu finden. 

    Dascha (untoldency): Lieb! Was war denn für euch challenging bei dem Entstehungsprozess des Albums?

    Maria: Zeit. (lacht)

    Svenja: Aber auch, dass man sich die ganze Zeit damit auseinandersetzt. Man setzt sich unter Druck, es ist viel Stress. Da ist man ja auch permanent mit krassen Themen konfrontiert. Meistens schreiben wir über Sachen, die aus den Tiefen in uns drin kommen und dann ist man dem die ganze Zeit ausgesetzt. Das hat uns emotional herausgefordert.

    Anja: Wir lieben es diesen künstlerischen Schaffensprozess gemeinsam durchzugehen, ich würde das um keinen Preis der Welt weggeben, aber auch das bringt dich an deine Grenzen. Entscheidungen haben oft auch was mit Ego zu tun und das man auch mal zurückstecken muss, wenn Teile der Band etwas anders sehen. Zum Beispiel, wenn ein Teil eines Songs, den man lieb gewonnen hat, doch nicht so gut funktioniert und der eben wegkommen muss. Sowas muss man loslassen können. Das ist schon challenging. Und dass du jeden einzelnen Tag mit den Songs aufwachst und einschläfst und keine andere Musik mehr im Kopf hast. (alle lachen)

    Maria: Ich fand’s am Anfang total schwierig zu sehen, wie das ein Album werden soll und dass es mal eins wird. Man hat da diese ganzen Ideen und Skizzen und es ist schwierig sich das vorzustellen. So richtig gecheckt, dass wir ein Album gemacht haben, habe ich glaube ich, erst gegen Ende letzten Jahres. Im Prozess war es schwer das zu verstehen, weil es nicht sichtbar war. Aber haben wir alles ganz gut hingekriegt! (lacht)

    Dascha (untoldency): Na das ist doch die Hauptsache! Wie Svenja schon meinte, ist man bei dem Schreibprozess ja auch mit tiefen Gefühlen konfrontiert. Findet ihr es ist eine große Überwindung das mit einander zu teilen?

    Maria: Das kommt darauf an was es ist und wie roh der Text ist, den wir den anderen mitbringen. Prinzipiell ist es nicht unangenehm und wir haben zum Glück diesen Safe Space, dass wir Dinge relativ unbedenklich miteinander teilen können. Ich fand’s manchmal schon trotzdem krass Dinge auch so sichtbar und explizit zu thematisieren. Aber ich fand es auch sehr lehrreich Einblicke in die anderen zu gewinnen. Man hat über die Texte ja auch mit einander gesprochen. Ich bin sehr froh über diese Erfahrung.

    Anja: Ich fand’s auch krass, die Songideen der anderen zu hören. Mit manchen Situationen war man schon etwas vertraut, weil man die aus dem Leben der Person einfach mitbekommen hat, aber das dann so gebündelt und in Kunst verpackt zu hören, ist etwas ganz anderes. Das ist auch ein totaler Vertrauensbeweis, das ist voll schön. Es bringt uns auch näher zu einander, auch wenn es am Anfang nicht immer so easy scheint.

    Dascha (untoldency): Wie schön! Und was würdet ihr sagen hat sich seit der Debüt EP für euch verändert, was war die bisher größte Entwicklung als Band?

    Svenja: Das Album und die EP bauen schon in gewässerweise auf einander auf, nicht nur von den Namen, sondern auch musikalisch von den Instrumenten her. Wir haben uns einfach von unseren Skills weiterentwickelt. Wir haben quasi das von der EP genommen, weiterentwickelt und das jetzt auf’s Album gebracht. 

    Maria: Wir haben nicht nur gelernt mit den Instrumenten besser umzugehen, sondern auch was Songwriting angeht. Wir haben ja noch mehr Songs geschrieben als die, die auf dem Album sind, wir haben uns einfach ausprobiert. Für mich ist live spielen auch ein Teil der Entwicklung. Ich denke wir machen in der Hinsicht große Steps, weil wir so viel live spielen. Das find ich übelst schön, das macht so viel Spaß. 

    Anja: Ich find’s auch einfach cool, dass das Album jetzt so als Ding da ist. Man hat als Künstler*in ja oft das Impostor-Syndrom, so mäßig „Is this a real job?“, aber letztes Jahr haben wir wirklich viel gearbeitet. Da hat man selbst begriffen, wie viel Arbeit man reingesteckt hat, das ist auch eine Art Weiterentwicklung. Wir haben uns den Arsch aufgerissen, als yes, this is a job! Zwar ein sehr schöner, aber immer noch ein Job. 

    Maria: Man findet mit der Zeit auch immer mehr Selbstbewusstsein. Alles wird ein bisschen besser. (lacht)

    Dascha (untoldency): Unser erstes Interview zusammen ist nun genau zwei Jahre her. Da hatte ich euch gebeten, eure Musik in drei Wörtern zu beschreiben. Ihr habt folgende genannt: „Kraftvoll, weich und Safe Space-ig.“ Würdet ihr diese drei Wörter heute immer noch so wählen?

    Anja: Wow, schon zwei Jahre? Ich finde die Wörter passen immer noch, aber ich denke wir würden auch andere nennen.

    Svenja: Ich erinnere mich noch genau an die Situation, als wir das beantwortet haben. 

    Maria: In letzter Zeit wurde oft das Wort „plüschig“ verwendet. „Kraftvoll“ auch immer noch. Und „poppig“.

    Anja: „Dramatic“ auch, das ist das Album schon an vielen Stellen. Aber das ist einfach geil.

    Svenja: Stimmt, die EP war nur sweet, aber jetzt sind wir erwachsener geworden. An manchen Stellen könnte man auch „tanzbar“ als Wort nehmen.

    Anja: Dann sagen wir jetzt plüschig, kraftvoll und dramatic. 

    Dascha (untoldency): Ja, das passt alles sehr gut. Ihr habt ja vieles als Band erlebt im vergangenen Jahr. Was waren eure absoluten Highlights?

    Svenja: Mit Kraftklub auf Tour zusammen Kein Gott, Kein Staat, Nur Du zu singen fand ich richtig krass.

    Anja: Generell die ganze Tour mit so coolen Leuten, das war echt special.

    Maria: Mein eines Highlight war das Immergut Festival, weil das Zelt bei uns so voll war und die Leute auch mitgesungen haben. Und das andere war auf dem Kosmos. Ich kam noch Stunden nach dem Konzert immer noch nicht drauf klar.

    Anja: Ja, das war eine richtig volle Hometown Show mit vielen Freund*innen, aber vorne standen auch viele Leute, die wir nicht kannten, die einfach Power Plush Fans waren! An dem Tag war so viel verschiedenes los, aber die sich entschieden zu unserem Konzert zu kommen! Das war so krass für uns. 

    Dascha (untoldency): Jetzt sagt das nicht so, als wäre es unmöglich das zu glauben.

    (Alle lachen)

    Maria: Es ist irgendwie so schwierig sich vorzustellen, dass Leute einfach nur unsere Musik feiern und deshalb vorbeikommen. 

    Anja: Das Album war natürlich auch ein Highlight. Der Moment, in dem wir das fertige Album abgegeben haben, hat sich so unreal angefühlt. What a year! 

    Dascha (untoldency): In einem Jahr frag ich euch dann nochmal zu 2023 aus.

    Svenja: Das ist jetzt unsere Konstante wie dieses Billie Eilish Vanity Fair Interview.

    Dascha (untoldency): Ja, stimmt! Die letzte Frage kennt ihr auch schon, das ist bei uns ja eine untold story. Also eine Geschichte, die ihr noch nicht öffentlich erzählt habt.

    Anja: Wir waren ja im Herbst ewig lange unterwegs, da haben wir um die 27 Konzerte gespielt. Wir haben uns angewöhnt immer beim Reinfahren in eine neue Stadt auf Spotify nach der Stadt zu suchen. Also was für Songs es über die Stadt gibt, da haben wir schon absolute Banger entdeckt. Wir empfehlen an dieser Stelle „Würzburg“ von der Band Kleinrinderfeld. Und „Lingen (Ems)“. (Alle singen)

    Maria: Wir werden in diesem Jahr auch weiter Städte-Songs sammeln. 

    Svenja: Wir gehen ja auch auf TOUR!

    Maria: Auf TOUR entstehen neue untold stories.

    Anja: Vielleicht seid ihr ja dabei auf unserer TOUR!

    (Alle lachen)

    In diesem Sinne – Power Plush gehen ab sofort auf ihre erste eigene Tour in folgenden Städten:

    Foto Credits: Janine Kuehn
  • Schnittstellen und Selbstfindung: Sun’s Sons und ihre „Clean Slate“ EP

    Schnittstellen und Selbstfindung: Sun’s Sons und ihre „Clean Slate“ EP

    Der Bandname ist gerade nicht nur passend zum Juli-Wetter, sondern auch zu der Wärme ihrer Songs. Zwischen sommerlichen Indie-Pop Sounds, ruhiger Melancholie und politisch-gesellschaftlichen Einflüssen finden sich Sun’s Sons. Am vergangenen Freitag veröffentlichte die Frankfurter Band ihre zweite EP mit dem Titel Clean Slate. Im Vergleich zu ihrer Debüt-EP wird eine Entwicklung und vor allem Verfestigung des Stils deutlich, den die junge Band für sich gefunden hat. Die intimen Texte und die sanfte Stimme von Sänger Lasse kreieren eine wärmende, liebevolle Atmosphäre, während auch Songs mit rhythmischen Tanz- und Mitsingparts, sowie Streichinstrumente die EP ausmachen.

    Nachdem ich die Band auch live spielen gesehen habe, wurde deutlich wie viel Energie, Potential und Liebe hinter dem ganzen Projekt steckt. Der eingängige Titeltrack der EP wird definitiv zu meinen Sommer-Soundtracks des Jahres gehören und ich bin gespannt, was uns Sun’s Sons in Zukunft noch von sich zeigen werden. Ich bin mir sicher: Das ist gerade erst der Anfang.

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    Wer also eine neue Lieblings-Indie-Band zum Supporten sucht, ist hier bestens aufgehoben. Checkt auch ihren sympathischen Instagram Account aus, um nichts zu verpassen: https://www.instagram.com/sunssonsmusic/?hl=de

    Um den frischen Release zu verarbeiten, erzählte die Band im Folgenden selbst von ihrer EP:

    Sun’s Sons über „Clean Slate“

    „Unsere neue EP ist so etwas wie der Soundtrack zu unserem derzeitigen Lebensgefühl. Das war schon bei unserer Debüt-EP „You & My Mind“ so, nur dass es damals um Themen wie Verlust und Hoffnung ging. Diesmal machen wir mit unserer Musik einen sauberen Schnitt, einen „Clean Slate“, wie auch der Titel der EP lautet. Die Vergangenheit liegt hinter uns, jetzt geht es um Veränderung und Aufbruch, um einen Neustart in Richtung Zukunft. Das betrifft übrigens ganz private Erlebnisse und Erfahrungen genauso wie Politisch-Programmatisches. 

    Wer uns kennt, weiß natürlich, dass das Um- und Irrwege und die eine oder andere Sackgasse mit einschließt. Die gerade Linie zum Ziel beherrschen wir noch nicht so richtig. Aber das macht unsere Musik vielleicht auch gerade so spannend. 

    Hinzu kommt – auch das ist ein Neustart –, dass die EP diesmal eine echte Teamarbeit war. Alle vorherigen Veröffentlichungen gingen nämlich aus der Zusammenarbeit unseres Sängers Lasse Kuhl mit dem ehemaligen Bassisten der Band hervor. Seit letztem Jahr bestehen die sun’s sons jedoch aus fünf Vollblutmusikern, die sich alle in die Entwicklung der Songs eingebracht haben. Das war nicht ganz einfach, wie man sich vorstellen kann, auch dieser Weg war steinig und holprig. Aber die Arbeit hat sich gelohnt, wie wir finden. Oder anders gesagt: Viele Köche haben hier keinen Brei verdorben, sondern gemeinsam ein wunderbares, mehrgängiges Menü gezaubert! 

    Was Vor- und Hauptspeise und was Zwischengang und Dessert ist, muss jeder und jede für sich selbst entscheiden. Wir finden nur, dass uns der Spagat zwischen tanzbaren Indie-Pop Songs und intimen Balladen diesmal tatsächlich ganz gut gelungen ist. Mal werden Funk-Rhythmen mit orchestralen Streichinstrumenten gemischt, ein anderes Mal wechseln sich rockige Gitarrensounds und mit Inbrunst herausgeschriene Gefühle ab mit ruhigeren, nachdenklichen Momenten – inklusive der stets melancholischen Texten, die es natürlich auch wieder auf der neuen EP gibt. Etwas Kontinuität muss es schließlich auch bei einem Neuanfang geben…“ 

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    Foto Credit: @/chayapqformel auf Instagram
  • Alli Neumann im Interview: „Es gibt mir immer viel Energie in die Zukunft zu schauen“

    Alli Neumann im Interview: „Es gibt mir immer viel Energie in die Zukunft zu schauen“

    Kaum jemand verzaubert mit Power, Sympathie und Charme so sehr wie sie. Richtig, die Rede ist von Deutsch-Pop-Liebling Alli Neumann. Sie ist Musikerin, Schauspielerin, engagiert sich für wohltätige und politische Zwecke und beweist immer wieder, dass sie noch viele weitere Seiten von sich zu bieten hat. Im September veröffentlichte sie endlich ihr lang ersehntes Album „Madonna Whore Komplex„. 12 Songs voller Vision, Stärke, Reflexion, aber auch Intimität und Verwundbarkeit. Über den widersprüchlich scheinenden Titel des Albums schrieb Alli auf Instagram: „Ich weiß gar nicht, was ich erzählen will oder was für eine Frau ich darstellen will. Aber dann habe ich gemerkt, das ist Blödsinn. Ich kann euch alle meine Facetten zeigen. Denn ich bin vieles.“ Dieser Gedanke spiegelt sich auch in der empowernden Hymne „Frei“ und dem dazu gehörigen Musikvideo wider. Das gesamte Album ist musikalisch ebenfalls so facettenreich wie Alli Neumann selbst. Doch ein roter Faden der Emanzipation hält die Songs inhaltlich bei einander. Alli scheint für sich selbst einzustehen, ihr Umfeld und wer ihr nicht gut tut zu reflektieren und zu besingen, was sie aus Erfahrungen gelernt hat.

    Das alles erweckt einen mutigen und erwachsenen Eindruck, der sowohl sehr überzeugend und standhaft klingt, als auch genug Raum zur eigenen Identifikation schafft und dabei locker ungezwungen klingt. Obwohl Pop als Genre oft das Klischee mitbringt, dass nichts außer Wohlfühl-Songs oder leeren Liebessongs dahinter steckt, ist das hier definitiv nicht der Fall. Allis Musik ist auch mal unbequem und mal sehr eigen, teilt ihren Platz aber auch mit untergebrachten Einflüssen verschiedenster Musikrichtungen. Auf Social Media zeigt die Musikerin sich ausnahmslos authentisch und wie Alli nun mal ist. Sei es einfach ihre liebevoll verrückte Art, Spaß und Abhängen mit ihrer Familie und ihren Haustieren, ihre Second Hand Outfits oder das Äußern von politischen und sozialkritischen Meinungen. Das alles macht Madonna Whore Komplex für mich zu einem der Top-3 Alben aus 2021 und Alli Neumann zu einer der spannendsten Persönlichkeiten der Musikszene. Alli wirkt immer so erfrischend herzlich, ehrlich und versucht für alle die Welt ein Stückchen besser zu machen. So kitschig es klingen mag, ich wünschte, wir alle könnten ein Stückchen Alli in uns tragen.

    „Ich brauch kein‘ erfolgreichen Mann
    Das bin ich selbst, sieh mich an“

    Alli Neumann – bike boy

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    Alli Neumann im Interview

    An einem warmen Mittwochmorgen im Herbst des vergangenen Jahres traf ich Alli via Zoom zum Gespräch.

    Dascha: Hi Alli, wie geht’s dir?

    Alli Neumann: Gut, ich bin gerade in Berlin. Ich find’s immer cool mal in einer anderen Stadt zu sein und mal was anderes zu sehen. Auch vom Land wegzukommen. Und wie geht´s dir?

    Dascha: Auch ganz gut! Wie geht’s dir mit dem ganzen Album-Release-Trubel?

    Alli Neumann: Ich bin voll drin und freue mich, dass ich so viel darüber reden darf und dass Menschen so viel über das Album wissen möchten! 

    Dascha: Wann hast du angefangen an dem Album zu arbeiten? Wie hat sich der Prozess für dich angefühlt? Was für eine Zeit war das?

    Alli Neumann: Ich hab das erste Mal vor drei Jahren angefangen an dem Album zu arbeiten, nach dem Release meiner EP. Weil nach Release ist vor Release! (lacht) Ich versuche immer zu schreiben und gar nicht erst aus dem Writing-Flow rauszukommen und nicht den inneren Schweinehund aufzubauen. Für mich ist das dem Kreativ sein wie mit dem Joggen: Am besten ist es, wenn man immer drin bleibt und keine Angst davor entwickelt. Also eigentlich hab ich angefangen an dem Album zu schreiben, als ich noch eine andere EP promoted und live gespielt habe. Dann hab ich im Lockdown eine richtig intensive Zeit für das Album gehabt. Ich hab tatsächlich viele Sachen, die davor entstanden sind, weggeschmissen. Einfach, weil ich da dann in einem ganz anderen Modus war. Ich hatte viel Zeit eine sehr intensive Beziehung zu meinen eigenen Emotionen aufzubauen und hab dann im Lockdown bei dem Album nochmal fast von vorne angefangen. Ich war so abgeschottet in dieser Zeit, da konnte ich meinen Ideen viel mehr freien Lauf lassen, wenn man nicht so viel auf anderes reagiert. Also ich bin zumindest so, ich bin jemand, der viel Ruhe braucht für kreative Gedanken.

    Dascha: Funktioniert das für dich leicht immer kreativ zu bleiben? Ich hab zum Beispiel immer nach einer Zeit ein Tief, in dem ich dann gar nicht kreativ denken kann. Wie bleibst du immer dran? Hast du irgendwelche Inspirationsquellen?

    Alli Neumann: Ich bin auf jeden Fall immer auf der Suche nach Quellen, die mir helfen kreativ zu bleiben. Mein Leben fühlt sich tendenziell eher an wie eine lebenslange Schreibblockade, um ehrlich zu sein. Jeder Tag ist ein neuer Kampf, wenn ich vor dem Zettel oder vor dem Klavier sitze. Musik ist bei mir meistens leicht, also komponieren und jammen, aber Texte schreiben find ich ganz, ganz schwierig. Aber mir hilft es Regelmäßigkeit drin zu haben und mich zu disziplinieren. Auch keine Pause dazwischen zu machen. Sich lieber zu sagen „Ey, ich schreib jetzt jeden Tag was und wenn es Schrott ist, ist es Schrott“, immerhin hab ich dann was gemacht. Ich finde je mehr man gemacht hat und je mehr Auswahl man dann hat, desto leichter ist es. Ansonsten kann ich Spazieren immer empfehlen!

    Dascha: Oh ja, spazieren hilft immer! Wie würdest du sagen unterscheidet sich das Album von den vorherigen EPs?

    Alli Neumann: Das Album ist auf jeden Fall dancier, funkier und groovier geworden! Das hat auch ganz viel damit zu tun, dass ich im Lockdown oft davon geträumt habe, wieder raus zu gehen und auch wieder live zu spielen. Mir hat dieses Gefühl von mit einander tanzen und feiern so krass gefehlt und deswegen ist das mit auf dem Album drauf. Musik ist für mich immer wie ein Medikament. Das was mir gerade im Leben fehlt, kann ich dann in der Musik bekommen. Ansonsten würde ich sagen, dass es politischer und konkreter geworden ist, als die Songs davor.

    Dascha: Genau, mir ist auch schon beim ersten Hören aufgefallen, dass du gewisse Situationen auch sehr konkret ansprichst. Vor allem Situationen mit Männern und Dinge, die dich stören, hast du thematisiert. Fiel es dir leicht so konkret darüber zu schreiben? Oder musstest du manchmal mit dir hadern bestimmte Ereignisse nochmal, vielleicht auch emotional, aufzuarbeiten?

    Alli Neumann: Es war tatsächlich so, dass ich diese Sachen sowieso aufarbeiten musste und sie gerade in meinem Leben aufgekommen sind. Die waren schwer, aber ich wusste, ich muss Sachen einsehen, mir Eingeständnisse machen und mich von manchen Menschen sogar verabschieden. Da hab ich gerade eh an meinem Album geschrieben und konnte das direkt darin verarbeiten. Es ist natürlich auch unangenehm. Ich würde sagen, es ist wie eine Therapiestunde. Ich fühl mich währenddessen sehr aufgewühlt, aber danach geht es mir besser.

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    Dascha: Und hast du auch einen Lieblingssong auf dem Album?

    Alli Neumann: Das ändert sich tatsächlich die ganze Zeit.

    Dascha: Und welcher ist es jetzt im Moment?

    Alli Neumann: Ich würde sagen heute ist es „Keine Zeit“.

    Dascha: Nice! Welche Message ist die wichtigste, die du mit dem Album überbringen möchtest?

    Alli Neumann: Dass wir Menschen alles ein können und dass wir uns nicht von gesellschaftlichen Normen bestimmen lassen müssen. Fuck it!

    Dascha: Ich finde auch, dass das Album super kraftvoll wirkt und du auch immer so viel Energie ausstrahlst. Woher ziehst du diese Energie, was gibt dir Kraft?

    Alli Neumann: Das freut mich sehr, dass du das Album auch als kraftvoll empfindest! Was mir extrem viel Energie gibt ist Musik. Es gibt mir auch immer viel Energie in die Zukunft zu schauen und mir eine neue Welt vorzustellen. Wie sie aussehen könnte, wofür man kämpfen sollte. Ich träume oft davon, wie es wäre, wenn jemand auf die Welt kommt und nicht von dem, mit dem er geboren wurde, bestimmt wird. Wenn diese Sachen nicht die Möglichkeiten einschränken, sondern wir auf die Welt kommen und wir die Sachen, die uns anders machen, zelebrieren. Dieser Gedanke gibt mir ganz viel Kraft.

    Dascha: Das wäre so toll! Was würdest du deinem jüngeren Teenager-Ich jetzt als Ratschlag geben?

    Alli Neumann: Ich würde mir den Ratschlag geben, dass alle anderen auch nur so tun, als wüssten sie, was gerade los ist. Eigentlich haben die auch keine Ahnung. Ich kann ruhig ich selber sein, man braucht keine Angst zu haben von jemandem gejudged zu werden. Und dass alles, was einen anders macht, ein Geschenk ist. Jede neue Perspektive, jeder neue Blickwinkel ist immer ein Geschenk! Das würde ich ihr sagen.

    Dascha: Ich finde, das ist auch jetzt noch ein hilfreicher Ratschlag. Hast du auch irgendwelche Vorbilder oder Inspirationen?

    Alli Neumann: Ich habe so viele Inspirationen! Aktuell ist Lizzo ein großes Vorbild für mich, vor allem was Selbstliebe angeht. Ich bin ihr so dankbar, für das, was ich aus ihrer Musik ziehen konnte. Rio Reiser ist auch ein ganz großes Vorbild für mich. Auch, weil er jemand war, der konkret in Deutschland gezeigt hat, wie man politische Ideen mit Musik verwirklichen kann. Ansonsten auch Menschen wie David Bowie oder Cher, die sich immer wieder neu erfunden haben und sich selbst nie festgenagelt haben. Menschen, die immer in Bewegung waren.

    Dascha: Du bist ja zurück aufs Land gezogen. Wie kam diese Entscheidung zu Stande? Wie beeinflusst dich das jetzt?

    Alli Neumann: Ich hab mir immer gewünscht aufs Land zurück gehen zu können. Mein Traum war es immer wie die Ton Steine Scherben zu leben. Die hatten einen Bauernhof in Fresenhagen und haben dann immer da gearbeitet, Sachen aufgenommen und die Natur genossen. Dann wiederum zum live Spielen rausgegangen und durch Städte getourt. Ich bin einfach ein Mensch, der das Leben auf dem Land sehr liebt und diese Ruhe für Kreativität braucht. Wenn kein Lockdown gewesen wäre, hätte ich den Schritt glaube ich erstmal nicht gemacht. So hatte ich genug Zeit mich darum zu kümmern und mir einen Ort zu schaffen, an dem ich gerne bin. Jetzt bin ich super froh, diesen Ort zu haben, an den ich immer wieder zurück kommen kann. Und einfach mit meinen Hasen und meiner Hündin im Garten abhängen kann.

    Dascha: Das klingt so schön! Vermisst du die Stadt trotzdem manchmal?

    Alli Neumann: Aktuell nicht, ich bin ja ein bisschen Pendlerin. Ich bin trotzdem relativ viel in Hamburg und in Berlin. Jetzt bin ich gerade eher viel in der Stadt und vermisse wieder das Land.

    Dascha: Ich glaube du hast auch eine ziemlich enge Bindung zu Polen und deiner polnischen Herkunft, oder? Was bedeutet für dich diese Bindung und inwiefern ist sie Teil deiner Identität?

    Alli Neumann: Ich glaube jede weitere Herkunft lehrt, dass es nicht die eine ultimative Wahrheit gibt. Man weiß, dass es nicht die eine Kultur gibt, die richtig liegt. Ich glaube das beeinflusst mich am meisten, zu wissen, dass es immer mehrere Blickwinkel und Realitäten gibt. Speziell am Polnischen hat mich aber geprägt, dass bei uns Familie ganz groß geschrieben ist. In Polen ist es oft üblich, dass man auch in Mehrgenerationshäusern lebt. Das merk ich auch sehr bei mir, ich muss immer bei meiner Familie sein, wenn ich frei hab. Eine Sache über die ich sehr froh bin!

    Dascha: Ich fühl mich auch sehr verbunden zu meiner russischen Herkunft, gleichzeitig bin immer im Konflikt zwischen „Ich liebe es dort so sehr“ und den negativen, wütenden Gefühlen aufgrund von politisch-gesellschaftlichen Zuständen und Menschenrechtsverletzungen. Letzteres lässt mich auch ein bisschen so fühlen, als würde ich dann doch nicht ganz dazu gehören wollen. Geht es dir vielleicht ähnlich? Wenn ja, wie gehst du damit um?

    Alli Neumann: Natürlich wird man vor allem von anderen öfters auf die politische Situation dort angesprochen. Trotzdem ist es eine Problematik, die das Land zwar betrifft, die ich aber nicht als meine polnische Identität wahrnehme. Die beobachte ich frei davon. Es gibt ja auch noch die andere Hälfte der polnischen Menschen, zum Beispiel fast alle, die ich kenne, die ganz anders und offen denken. Deswegen ist da für mich überhaupt kein Widerspruch, dass man eine links-liberale Person ist und gleichzeitig polnische Identität zelebriert. Diese konservative Einstellung gibt es auf jeden Fall dort, sie ist aber nur eine Abzweigung. In jedem Land gibt es Probleme und es ist wichtig zu schauen, was man damit in der Kultur und Identität macht.

    Dascha: Ich versteh’s absolut! So soll es ja auch eigentlich sein. Leider fällt es mir zum Beispiel trotzdem schwer, mich davon komplett los zu lösen. Der innere Konflikt bleibt trotzdem.

    Alli Neumann: Ich versteh das auch! Es hat mich mega lang beschäftigt und kommt manchmal immer noch auf. Vor allem jetzt, wo öfters was gesagt wird wie „Die in Polen haben doch voll einen an der Klatsche“. Sowas wird mir einfach in’s Gesicht gesagt! „Die sind doch alle erzkonservativ und homophob“, natürlich gibt es diese Menschen, die sind ein Problem. Aber ich glaube man muss sich gerade dann als Polin präsentieren und zeigen, dass es auch ganz viele andere Menschen gibt. Menschen die lieb sind, offen und progressiv sind. Diese Menschen müssen wir viel mehr sehen und unterstützen!

    Dascha: Da hast du Recht! Du setzt dich ja auch viel und aktiv für gute Zwecke ein. Was würdest du Menschen sagen, die zwar schon auf dem richtigen Weg sind, aber noch zu faul, um sich aktiv einzusetzen? Welchen Anreiz würdest du mit auf den Weg geben?

    Alli Neumann: Ich kann sagen, es lohnt sich, sogar allein für sich selbst, in’s Ehrenamt zu gehen. Mir hat nichts anderes so gut getan. Weil das Ehrenamt einfach ein Ort ist, an dem man Menschen begegnet, die völlig wertfrei sind von dem, was man normal in der kapitalistischen Welt leistet. Da geht es um Community und das Miteinander. Alle Menschen, die ich im Ehrenamt kennengelernt habe, waren immer richtig toll. Und die sagen auch alle, dass es ihnen gut geht, wenn sie etwas sinnstiftendes machen. Deswegen geht alle in’s Ehrenamt! Wenn ihr darüber nachdenkt, tut es einfach. Tut euch selbst den Gefallen!

    Dascha: Das klingt so schön, hoffentlich nehmen sich das ein paar Leute zu Herzen. Ich beschäftige mich auch ziemlich viel mit politischen und gesellschaftlichen Themen und Diskursen, aber manchmal hab ich ein Tief und dann das Gefühl, dass ich keine Kraft habe, mich jetzt noch mit einem weiteren neuen Thema oder Problem auseinander zu setzen. Gleichzeitig kommt dann das schlechte Gewissen, weil ich weiß, ich bin privilegiert genug, um zu entscheiden, wann ich mal wegschaue. Kennst du das Gefühl? Hast du einen Tipp, wie man dagegen ankämpfen kann?

    Alli Neumann: Mein Tipp ist, dass man bei allen Sachen, mit denen man sich beschäftigt und die man verbessern möchte, man trotzdem auf sich selber aufpassen muss. Weil wenn es dir selber schlecht geht, hast du auch keine Kapazitäten. Dann kannst du auch niemandem anderen helfen. Es ist wichtig auf sich selber zu hören. Aber ey, ich struggle damit natürlich auch voll!

    Dascha: Na das ist beruhigend zu hören. Zum Ende hin ein kleiner Themensprung. Was sind zur Zeit deine Lieblingsalben?

    Alli Neumann: Zur Zeit Women In Music Pt III von HAIM, das hab ich sehr sehr viel gehört. Und Solarbased Kwing von Kaleo Sansaa, das ist eine Musikerin aus Berlin, die macht richtig krasse Musik. Das sind gerade meine Main-Alben. Außerdem kann ich noch ein Album empfehlen, das ist von Manfred Krug. Das ist ein Musiker, der deutschen Funk und Soul gemacht hat.

    Dascha: Dann kommen wir schon zur letzten Frage. Das ist bei uns immer eine untold story, also ein kleines Geheimnis oder eine Geschichte, die du noch nicht öffentlich erzählt hast. Fällt dir da was ein?

    Alli Neumann: Ich finde frisch lackierte Nägel bei mir immer total spießig. Deswegen lackiere ich sie mir immer und kratze den Nagellack direkt halb wieder runter, damit er ein paar Tage alt aussieht.

    Dascha: Krass, das hab ich noch nie von jemandem gehört.

    Alli Neumann: Ja, ich glaube das wundert Menschen immer. Bei anderen find ich frisch lackierte Nägel cool und schön. Aber bei mir hab ich das Gefühl, dass ich falsche Erwartungen erwecke. (lacht) Dass Leute sonst denken würden, dass ich mein Leben im Griff hätte oder dass ich normal bin.

    Dascha: Ich muss zugeben, irgendwie macht das Sinn. Ich danke dir für deine Zeit und vor allem für dein tolles Album, ich liebe es ganz doll!

    Alli Neumann: Das ist so lieb, das freut mich so sehr! Danke!

    Wer auch nicht genug von Alli Neumann kriegen kann, kann sich hier den frei zugänglichen Film WACH mit ihr als eine der Protagonistinnen anschauen:

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    Fotocredits: Clara Nebeling

  • FORWARD im Interview: „Man soll durch die EP das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen“

    FORWARD im Interview: „Man soll durch die EP das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen“

    FORWARD ist bei uns auf untoldency kein unbekannter Name mehr. Im vergangenen Monat sind sie ihren großen Schritt als Band gegangen und veröffentlichten ihre Debüt-EP „Overthinking My Mind At Large„. Die acht Jungs aus Hannover thematisieren darin vorwiegend die Zeit zwischen dem Schulabschluss und dem Erwachsenwerden. Immer wieder sticht dabei eine Message heraus: Seinen Weg zu gehen und sein eigenes Ding durchzuziehen. FORWARD finden sich zwischen Zukunftsängsten und zielgerichteten Träumen wieder. Dabei lassen sie aber nicht den Kopf hängen, denn ihr Gleichgewicht scheinen sie gefunden zu haben. Reflektierte Gedanken kombinieren sie ganz locker mit funky Indie-Pop, mal sehr tanzbar, mal sehr ruhig. Es gibt noch eine leckere Kirsche auf der Torte, denn drei Bläser schmücken die Band als fester Bestandteil und heben ihren Sound somit ganz klar von anderen Bands der deutschen Indie-Szene ab. Im Sommer bewiesen sie das auch live, in dem sie die ausverkauften Crowds bei ihren Support Shows von JEREMIAS überzeugten.

    Die sechs Tracks haben alle einen ganz besonderen Flair und fühlen sich, so kitschig das auch klingen mag, irgendwie nach einer warmen Umarmung an. Wer FORWARD verpasst und keine Umarmung haben will, fine. Aber dem entgeht eine vielversprechende, detailverliebte Newcomer Band, die vor Begeisterung für ihr eigenes Werk sprüht. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht noch mehr dazu sagen, das habe ich schon in vorherigen Artikeln. Ich glaube, meine Position ist klar. Deshalb habe ich Tim, Arne und Ruben lieber selbst erzählen lassen.

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    FORWARD im Interview

    Dascha: Hey! Freut mich, dass das geklappt hat. Wie geht’s euch so kurz vor eurem Release?

    Ruben (FORWARD): Gut gut, aber langsam kommt die Nervosität.

    Tim (FORWARD): Jetzt realisiert man erst, dass man nichts mehr daran ändern kann, dass es veröffentlicht wird. Das ist ganz schön überwältigend, aber ich glaube, das ist auch normal. Wenn man zum Beispiel mit den JEREMIAS-Boys spricht, sagen die auch, dass es nicht abnimmt, weil ein Release immer wieder was besonderes ist.

    Dascha: Könnt ihr euch nochmal vorstellen, für alle, die euch noch nicht kennen?

    Ruben (FORWARD): Also wir sitzen stellvertretend für FORWARD hier. Eigentlich sind wir acht Leute, wir sind eine Band aus Hannover. Wir machen Indie-Pop, wobei es schwer ist, das so als Genre festzulegen, ich glaube aber jede Band hat dieses Problem. Wir machen seit zwei Jahren in dieser Konstellation Musik. Am Anfang war es so, dass echt nur Arne, Tim und Carl am Start waren. Dann kamen immer mehr Leute dazu.

    Tim (FORWARD): Ja genau, wir sind 3/8 der Band. Ich bin Tim, der Sänger, Ruben am Saxophon und Arne an der Gitarre.

    Dascha: Und wir habt ihr zusammengefunden?

    Tim (FORWARD): Also Arne und ich kennen uns schon ewig, seit der Krabbelgruppe und machen seit der Grundschule zusammen Musik. Auf der weiterführenden Schule ist dann unser Bassist dazu gekommen und wir haben erstmal Rock-Mucke gemacht, so ein bisschen AC/DC mäßig. Das hat sich dann über die Jahre immer weiter entwickelt. Seit zwei Jahren sind wir eben auch in dieser Besetzung mit den drei Bläsern und dementsprechend hat sich auch das Genre komplett gewechselt. Aber wir haben uns alle durch die Schule kennengelernt und die Musik als gemeinsamen Nenner gefunden. Nicht in irgendeiner Musikhochschule, sondern einfach auf dem Pausenhof.

    Dascha: Noch richtig real also!

    Alle: (lachen)

    Dascha: Wann habt ihr ganz bewusst angefangen an der EP zu arbeiten?

    Tim (FORWARD): Der erste bewusste Schritt, dass wir gesagt haben, wir nehmen jetzt eine EP auf, war eigentlich erst dann, als wir schon ein paar Songs hatten. Die EP ist eher so entstanden, dass wir uns als Band gefunden haben, unseren Sound gefunden haben, dann Songs geschrieben haben, die wir cool fanden und dann ist das so über diese zwei Jahre entstanden. Wir haben immer wieder neue Songs und Ideen mit eingebracht. Dann haben wir gemerkt, dass wir schon einige Songs haben und die sogar zusammen passen, sodass wir auch eine EP daraus machen können. Wir haben es also eigentlich erst im Prozess gecheckt.

    Dascha: Welchen Vibe oder welche Message soll die Hörer:innen der EP erreichen?

    Ruben (FORWARD): Das umfasst eigentlich so die ganze Zeit, in der die Songs entstanden sind. In der Zeit nach der Schule bis hier hin sind bei uns intensive Dinge passiert, zum Beispiel, dass man von zu Hause auszieht. Und man anfängt an sich damit auseinander zu setzen, was man machen will. Man merkt dabei auch, dass es Menschen gibt, die nicht so Fans davon sind, dass man das machen will und auch man selbst merkt, dass es gewisse Hürden gibt. Das sind Dinge, mit denen wir uns viel auseinander gesetzt haben und die einen wichtigen Teil der EP übernehmen. Aber das ist nicht nur negativ, weil wir dementsprechend auch versuchen, eine Antwort darauf zu finden. Da haben wir zum Beispiel On The Run, der eigentlich viel mehr Zuversicht ausspricht, dass man die Ziele doch irgendwie erreichen kann. Dass wenn man denkt, es geht nicht, es doch Wege gibt.

    Tim (FORWARD): Diese Suche nach sich selbst, was man eigentlich machen möchte und eben dieser Struggle, der von außen dazu kommt, was andere von einem erwarten. Wenn man die EP gehört hat, soll man das Gefühl haben, dass man Bock hat, seinen eigenen Weg zu gehen und sein eigenes Ding zu machen. Dazu zu stehen Fehler zu machen und das alles, was andere sagen, zweitrangig ist.

    Dascha: Sehr schön erklärt! Und wonach habt ihr die Reihenfolge der Tracks bestimmt? Hattet ihr einen roten Faden im Kopf oder hat es sich so einfach richtig angefühlt?

    Tim (FORWARD): Da steckt auf jeden Fall ein roter Faden dahinter und der ist an die Inhalte der Songs gebunden. Also es ist nicht so, dass die EP komplett konzipiert ist, wir haben ja schon erwähnt, dass die Songs peu a peu entstanden sind. Aber es steckt schon eine Chronologie dahinter. Die ersten Songs, Julia und Overdrive, haben so eine jugendliche Leichtigkeit und Aufbruchstimmung und dann kommen auf dem Weg Aspekte dazu, wo man merkt, dass es nicht immer so einfach ist. Man wird irgendwann losgelöst von diesem vorgelebten Schul- und Aufwachs-Kosmos, plötzlich kommen Probleme dazu, die es vorher nicht gab. Man hat mega Bock loszulegen, aber dann kommen eben Probleme, die vielleicht Zukunftsängste bergen und darum kümmern sich die Songs To Be Defined und Quarterlife Crisis. Diese Frage, ob man seine Träume verfolgt oder lieber doch etwas sicheres macht und alle im Umfeld happy damit sind. Und damit ist On The Run der Appell am Ende, der quasi beide Seiten zusammenbringt und aussagt, dass man sein Ding einfach durchziehen soll.

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    Dascha: Jetzt hast du es schon angedeutet, aber ich würde gerne nochmal auf To Be Defined zu sprechen kommen. das ist ja auch ein ganz neuer Song, der nicht schon vorher released war. Was genau bedeutet der Song für euch?

    Tim (FORWARD): To Be Defined ist auf zwei Seiten irgendwie ganz interessant. Einmal, weil es eben um diesen Konflikt geht, den ich eben schon angerissen habe. Bei mir war es oft so, dass ich in der Schule erwähnt habe, dass ich nach dem Abi am liebsten Mucke machen würde und ich oft schnippische Kommentare wie „Das ist doch nur brotlose Kunst“ bekommen habe. Und dann so „Aber was ist dann das Ernste, Richtige, was du noch machst?“ Und dann ist das so dieser fucked up Moment, wo du dir denkst „Ey, warum willst du das überhaupt wissen, du bist Bankkaufmann oder Bankkauffrau oder arbeitest seit 40 Jahren im selben Unternehmen“.

    Dann hat man halt den sicheren Weg gewählt, das will ich gar nicht judgen, aber dann hat man halt keine Ahnung, was das für mich bedeutet. Das ist so ein bisschen die Erkenntnis, die in dem Song rauskommt. Gleichzeitig war es auch ein Song, den Arne und ich in Berlin geschrieben haben, als wir das erste mal von zu Hause weggezogen sind. Arne hat ein bisschen Musik studiert in Berlin und ich hab ein Praktikum gemacht. Wir waren zusammen in einer Wohnung und hatten dieses Gefühl der Selbstständigkeit und eben diesen Berlin-Flair, das waren so viele Reize im Überfluss.

    Arne (FORWARD): Genau, der erinnert mich auch immer wieder an diese Zeit.

    Dascha: Ihr erzählt immer so in der Vergangenheit davon. Heißt das, ihr habt euch jetzt von diesen Meinungen von Außen losreißen können oder begegnet ihr dem immer noch?

    Ruben (FORWARD): Es ist schon etwas, womit man sich noch rumschlagen muss. Aber das Schöne ist, über die Zeit lernt man mehr Menschen kennen, die in dieser Musik-Szene sind und auch davon leben und merkt, dass es möglich ist. Und dass es nicht stimmt, wie einem oft gesagt wird, dass man extrem Glück haben muss oder man landet auf der Straße. Das zu sehen gibt einem total viel Zuversicht. Ich werde aber trotzdem häufig damit konfrontiert, dass es ja ein ganz nettes Hobby sei, aber was ich denn sonst so Richtiges mache. Aber ich bin mit mir im Reinen und ich weiß es gibt einen Weg. Man kann auch irgendwann viel besser gegen solche Leute argumentieren. Dann hat man auch mehr konkrete Argumente in der Hand und die Leute merken vielleicht „Okay, krass, da steckt ja viel mehr dahinter“. Aber ja, man wird mit sowas immer wieder konfrontiert und ich glaube das hört auch nicht auf, bis du mal bei Inas Nacht gespielt hast, oderso. (lacht)

    Tim (FORWARD): Ich würde das gar nicht so sehr nur auf das Musik machen beziehen, sondern das ist ja einfach omnipräsent für jeden Weg, den man geht. Es wäre auch unnatürlich, wenn man keinen Selbstzweifeln begegnen würde. Ich glaube dieser Konflikt ist am intensivsten in der Umbruchphase direkt nach dem Schulabschluss. Aber eigentlich besingt die EP ja die komplette Phase von Anfang 20 bis Mitte 30, sowas kann ja immer wieder kommen. Es ist ja auch schwierig zu sagen, dass man sein Ding gefunden hat und dann sein Leben lang dabei bleibt. Vielleicht sagt man 40 auch, dass man Bock hat sich komplett neu zu orientieren. Nicht, dass ich da schon drüber nachdenke, aber es wäre ja möglich.

    Ruben (FORWARD): Ich glaube das vergessen total viele Leute. Ich merke das immer, wenn ich ehemalige Mitschüler:innen treffe und höre, dass die ihr Studium mega schnell durch hustlen, um dann direkt zu arbeiten. Und ich denke mir immer so „Ja cool, jetzt seid ihr schon da, wo ihr hinwolltet, aber was passiert jetzt noch?“ Ich meine, ich hab so viele Leute kennengelernt, die mit 30 oder 40 angefangen haben, was neues zu studieren oder zu erlernen. Es ist halt nie zu spät, mit neuen Dingen anzufangen und ich finde das vergisst man viel zu oft. Dadurch machen sich so viele Leute Stress, aus einem Grund, der gar nicht wirklich existent ist.

    Dascha: Ich fühle mich gerade, als würde ich bei einer inspirierenden Lebensberatung sitzen.

    Tim (FORWARD): Du schaffst das, Dascha! Du musst nur auf dein herz hören! Wir werden jetzt Kalenderspruch-Band. (lacht)

    Dascha: Ihr seid ja von der Anzahl her eine vergleichsweise große Band. Wie läuft da das Songwriting ab? Wie kommt ihr untereinander klar?

    Arne (FORWARD): Manchmal ist es ein bisschen tricky, aber wir kommen klar. Ich würde sagen, dass Ruben und ich musikalisch die Hauptsongwriter sind. Wir kommen immer mit den neuen musikalischen Ideen an, wir sind jetzt auch zusammengezogen. Dann haben wir mehr Zeit uns da dranzusetzen und neue Ideen zu entwickeln. Dann basteln wir meistens eine kleine Demo zusammen, dann wird die an alle rausgeschickt und alle müssen sich die anhören. Danach bekommt jeder die Chance seinen Senf dazu zu geben. Manchmal ist das auch stressig, weil ja jeder eine andere Vorstellung von Songs hat und jeder sich einbringen will.

    Mit acht Menschen in einer Band ist es auch schwer, dass sich jeder auf seinem Instrument wirklich auf einem Song zeigen kann. Manchmal ist das Motto „weniger ist mehr“, manchmal muss man sich eben zurücknehmen. Es gibt auch Songs wo ich zum Beispiel keine Gitarre spiele, dann ist das halt so, solange es dem Song gut tut. So basteln wir dann daran und versuchen beim Prozess alle happy zu kriegen. Dann fängt Tim an dazu zu singen und schreibt den meistens Text nachträglich.

    Ruben (FORWARD): Also wir drei schreiben die Songs eigentlich, aber die Details kommen dann von allen acht individuell dazu. Das ist ganz schön, so ist von jedem aus der Band am Ende ein Fingerabdruck auf dem Song drauf.

    Arne (FORWARD): Wenn ich eine Song-Idee habe, habe ich immer schon eine sehr krasse Vorstellung davon, wie er am Ende klingen soll. Aber wenn die anderen dann noch ihre Ideen dazu geben, kommt am Ende trotzdem etwas besseres raus, als ich es mir am Anfang hätte vorstellen können. Das find ich aber schön, das macht unseren Sound wahrscheinlich auch aus. Das meinen wir damit, wenn wir sagen, es ist etwas schwer den Sound einzuordnen, weil wir alle unterschiedliche Einflüsse einbringen. Manche hören mehr Funk, manche Jazz, manche Rock oder Pop und dann kommt das da alles zusammen.

    Dascha: Und war euch von Anfang an klar, dass ihr englischsprachige Musik machen wollt oder wie seid ihr dazu gekommen?

    Tim (FORWARD): Ich singe seit Anfang an auf Englisch. Damals als Arne und ich diese Rockphase hatten, fanden wir das einfach am coolsten. Das war halt die Mucke von den ganz Großen. Mit der Musik konnte ich mich am meisten identifizieren. 90% der Musik, die wir in der Band hören ist englischsprachig und da zieht sich die meiste Inspiration raus. Was ich auch ganz schön finde ist, dass wenn man im deutschsprachigen Raum Musik auf Englisch macht, man niemandem diesen Text aufdrückt. Du kannst hinhören, wenn du möchtest, aber du tust es meistens nicht automatisch. Wenn man einen deutschen Song hört, ist man gezwungen auf den Text zu hören. Gerade bei unserer Mucke möchten wir, dass das Augenmerk auch auf andere Aspekte gelegt wird, um die ganze Bandbreite wahrzunehmen.

    Dascha: Stimmt, da hast du Recht. Mal ein anderes Thema: Ihr habt im Sommer ja mehrere größere Shows mit JEREMIAS gespielt. Was nehmt ihr davon mit?

    Ruben (FORWARD): Dass ich nichts anderes machen will! Ich weiß noch, dass ich nach der ersten Show in Köln total beseelt nach Hause gefahren bin und wir das alle erstmal verarbeiten mussten. Das war auch unser erstes Konzert in dieser Größenart. Da war so eine Energie, das war total krass. Ich hab danach mit meiner Mom telefoniert und meinte nur „Ey, ich hab gerade den Traum gelebt.“ Ich wollte am liebsten nur noch weiter rumfahren, Konzerte spielen und die Leute mit Musik überzeugen und begeistern. Das ist so ein krasses Gefühl, das sich da zum ersten Mal so in einer größeren Perfektion für mich gezeigt hat.

    Tim (FORWARD): Absolut! Das ist so ein ultra Privileg, dass wir das so kurz nach Lockdown erleben durften. In Köln, wo wir uns ja auch gesehen haben, war das für uns das erste Mal wieder so eine Masse an Menschen zu sehen und zusammen einen geilen Abend zu haben. Und dabei dann noch seine Musik präsentieren zu dürfen war ein einfach ultra krasses Erlebnis. Ich hab es immer noch nicht ganz verarbeitet.

    Arne (FORWARD): Ich fand es auch krass zu sehen, was bei so größeren Gigs auf professioneller Ebene noch alles dazu gehört. Das ist ja viel mehr, als sich einfach nur auf die Bühne zu stellen. Das ganze Umfeld, der ganze Prozess, da mal reinzuschnuppern, das fand ich richtig schön. Ich hab persönlich gemerkt, dass mir auch das Drumherum Spaß macht. Auch das Auf- und Abbauen und verkabeln und dort den Tag zu verbringen. Alles arbeitet auf diesen Auftritt hin und dann ist das ein richtig erfüllendes Gefühl am Abend.

    Ruben (FORWARD): Allein dieses Unterwegssein und rumfahren war so ein krasses Gefühl. Das hat vorher noch gar nicht so in meiner Gefühlswelt existiert. Letzte Woche sind wir zu dem Release-Konzert von den Power Plush’s gefahren und wir saßen so im Auto und dachten „Alter, es ist so ein geiles Gefühl wieder unterwegs zu sein“. In eine Stadt fahren, neues erleben und Leute kennenlernen, das ist einfach so schön.

    Dascha: Das klingt echt schön. Das hat mich auch nochmal an meinen Sommer erinnert. Habt ihr irgendwas, was ihr als Band unbedingt mal erreichen wollt in der Zukunft?

    Ruben (FORWARD): Für mich ist es auf jeden Fall eine eigene Tour zu spielen. Noch mehr unterwegs zu sein, noch mehr Konzerte zu spielen. Als Künstler seine eigene Mucke an neue Leute zu bringen und dafür durch Deutschland zu fahren. Das ist wirklich mein Traum zu sagen, wir sind jetzt die nächsten drei Wochen auf eigener Tour und sind jeden Tag in einer neuen Stadt.

    Tim und Arne (FORWARD): Ja, absolut!

    Dascha: Das klappt bestimmt! Dann bin ich jetzt bei meiner letzten Frage. Das ist ja bei uns immer eine untold story, also eine Geschichte, die ihr noch nicht erzählt habt.

    Tim (FORWARD): Als wir unsere EP aufgenommen haben, waren wir in Leipzig im Studio. Wir sind total euphorisiert da angekommen und haben alles aufgebaut und vorbereitet. Normalerweise sind wir die Band mit der besten Verpflegung: Das ist quasi schon mal die erste untold story. Du hast quasi gerade drei Profiköche vor dir sitzen.

    Ruben (FORWARD): Wir kochen wirklich sehr gerne, das wird auch immer sehr appreciated von den anderen.

    Tim (FORWARD): Aber am ersten Tag in Leipzig hatten wir es irgendwie vercheckt und vergessen einzukaufen. Dann dachten wir, wir holen uns einfach spät Abends auf dem Weg zum Airbnb was. Aber wir wussten noch nicht, dass in Leipzig ab 10 quasi nichts mehr offen ist.

    Ruben (FORWARD): Dann waren wir Nachts mit Fahrrädern unterwegs und es gab nichts. Wir waren bei zwei Restaurants, die auf Lieferando noch als geöffnet angezeigt wurden, aber dann doch geschlossen waren. Dann irgendwann haben wir doch noch was gefunden und dort Essen bestellt. Es wurde dann immer später und später, wir mussten relativ früh raus am nächsten Tag. Ende der Geschichte: alle aus der Band außer zwei haben schon gepennt und das Essen kam um vier Uhr morgens an. Als wir aufgewacht sind stand da dieses ganze Essen. Es war absolut nicht genießbar. Wir haben danach erst online gesehen, dass das Restaurant nur eins von fünf Sternen als Bewertung hatte.

    Wer den Vibe, den FORWARD gemeinsam haben und ihre Konzerte im Sommer nachempfinden möchte, sollte ich sich das unbedingt anschauen:

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    Foto Credits: Julius Bracke
  • Power Plush im Interview: „Wir wollen einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen“

    Power Plush im Interview: „Wir wollen einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen“

    Weicher, sonniger Indie-Pop mit mehrstimmigem Gesang aus Chemnitz, der von ehrlichen Gefühlen handelt. Genau das bieten Power Plush auf ihrer Debüt-EP „Vomiting Emotions„, die vergangenen Monat erschien. Ein Intro und fünf Songs, die beim Hören das warme Gefühl, gut aufgehoben zu sein, hinterlassen. Wie der Titel bereits hindeutet, liegt der Fokus ganz darauf, Emotionen freien Lauf zu lassen und vor allem sie zu zu lassen. Mit dieser süßen Message im Gepäck bringen Svenja, Nino, Maria und Anja die passenden Soundtracks zum Tagträumen an Sonntagen im Bett oder Spaziergängen an lauwarmen Abenden mit. Bereits am Anfang des Jahres habe ich die Band zum Vorstellungsinterview eingeladen (hier geht’s zum Artikel), aber seit dem hat sich bei ihnen eine Menge getan. Power Plush haben einige Gigs und Supportshows für unter anderem Bands wie Von Wegen Lisbeth, Leoniden, Rikas und Pabst gespielt, sind nun beim von Blond gegründeten Musiklabel „Beton Klunker„, haben mehr Songs veröffentlicht und in der Szene Fuß gefasst. Beste Voraussetzungen, um jetzt richtig durchzustarten! Und seien wir ehrlich, wenn man ein Mal die herzliche, liebe Art, die auch in ihren Songs durchkommt, erlebt hat, schließt man die Vier direkt in’s Herz.

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    Maria und Anja von Power Plush im Interview

    Dascha: Hey ihr Lieben, schön, dass das geklappt hat! Könnt ihr euch nochmal vorstellen für alle die euch noch nicht, aber hoffentlich bald, kennen?

    Anja (Power Plush): Sehr gerne! Wir sind die Band Power Plush aus Chemnitz und seit letztem Jahr machen wir in dieser Konstellation Musik. Wir sind zu viert: Maria an Gitarre und Vocals, Svenja auch an Gitarre und Vocals, Nino am Schlagzeug und ich, Anja, am Bass und Vocals. Ich würde sagen wir machen dreamy Indie-Pop-Rock und wir bringen jetzt unsere EP raus. Unsere erste!

    Dascha: Und wie geht’s euch damit? Seid ihr aufgeregt?

    Maria (Power Plush): Schon!

    Anja (Power Plush): Es gibt noch ein paar Sachen vorzubereiten und wir machen ja auch noch eine Releaseparty. Währenddessen wird man langsam schon etwas aufgeregt. Ich fange langsam an zu checken, dass die EP jetzt wirklich rauskommt.

    Maria (Power Plush): Dito, ich war diese Woche im Record Store und hab mich mit den Menschen dort unterhalten, die wollen Exemplare unserer Platte verkaufen. Das war für mich total absurd, aber auch schön. Ich freu mich darauf, wenn wir in den Plattenladen gehen können und einfach unser Baby da liegt.

    Dascha: Wie schön! Und wann hattet ihr die Realisation, dass ihr jetzt wirklich an eurer Debüt EP arbeitet? Hattet ihr so einen bestimmten Moment?

    Anja (Power Plush): Ich würde schon sagen, dass wir so einen Moment hatten. So gegen Ende letzten Jahres hatte es sich abgezeichnet, dass wir ziemlich viele gute Songideen haben. Da waren wir kurz vor Release unserer dritten Single und wir dachten „Hmm, jetzt nochmal Singles wär eigentlich Quatsch. Wieso packen wir das nicht in ein Ganzes?“. Und dann dachten wir „Hey, lass uns doch einfach eine EP machen!“. Das war schon so ein Knackpunkt.

    Maria (Power Plush): Ja, ich würde auch sagen, Ende letzten Jahres wurde das unser Plan für dieses Jahr. Wir wussten da zwar noch nicht genau, auf was für ein Endprodukt es letztendlich hinauslaufen würde. Aber spätestens als wir uns im Februar getroffen hatten, um über die Produktion zu sprechen, war es klar für uns.

    Dascha: Ihr habt eure ersten Singles aber nicht auf die EP gepackt, wieso habt ihr euch dazu entschieden sie wegzulassen?

    Anja (Power Plush): Die ersten Singles waren für uns eher viel ausprobieren. Also die EP ist natürlich auch noch viel ausprobiert, aber die Singles waren eher eine Art Vorstellung. Bei den ersten drei Songs hat jede von uns jeweils ein Mal die Mainvocals gesungen. Das war eher so „Lasst uns den Leuten mal ungefähr zeigen wer wir sind!“ und auch um für uns rauszufinden, wie es sich anfühlt Sachen zu releasen. Aber damit war das dann abgeschlossen.

    Maria (Power Plush): Ich würde mich dem anschließen. Intern haben wir das immer unsere „Vorstellungs-Ära“ genannt. (lacht)

    Anja (Power Plush): Auf der EP wollten wir dann zeigen was wir in der Zeit schon gelernt haben und anwenden können.

    Maria (Power Plush): Die Singles sind ja auch ganz unterschiedlich, einerseits untereinander, aber andererseits auch im Vergleich zur EP. Für uns selbst ist das was ganz getrenntes, da waren wir noch nicht so weit mit unserem Instrumental-Können, so nenne ich es mal, aber auch einfach vom Klang, weil wir jetzt mit anderen Leuten zusammengearbeitet haben.

    Dascha: Wie würdet ihr euren Songwriting Prozess beschreiben? Es kommt ja auch nicht so häufig vor, dass es mehrere Mainvocals in einer Band gibt. Denkt ihr, das hat gewisse Vorteile für euch?

    Anja (Power Plush): Also die Mainvocals zu wechseln hat auf jeden Fall als Vorteil, dass man sich ein bisschen entspannen kann, wenn man gerade nicht dran ist. (lacht) Was das Songwriting angeht, wir bringen alle immer mal Songskizzen mit, die dann gemeinsam ausgearbeitet werden. Ich glaube ein Vorteil wenn mehrere Leute die Songs schreiben ist, dass es einfach etwas diverser wird. Man kann viel mehr unterschiedliche Ideen in den Prozess reinnehmen. Ich glaube das kann sich nur positiv auf die Songs auswirken.

    Maria (Power Plush): Ich finde es auch immer schön einander mit den Stimmen kennenzulernen. Da kann man gucken, welche Stimme in welchem Kontext total gut passt. Manchmal schreibe ich eine Songskizze und denke mir „Uff, das ist ganz schön hoch, da komm ich gar nicht hin“, dann hab ich halt die Möglichkeit Anja zu fragen, ob sie Lust hat das zu singen. So kann man jegliche Ideen auch tatsächlich verwirklichen.

    Anja (Power Plush): Genau, da ist einfach mehr Spielraum.

    Maria (Power Plush): Das klingt vielleicht seltsam, aber live mag ich es viel lieber nicht zu singen. (lacht) Man kann viel besser viben und sich dem Song hingeben, wenn man nicht an das Mikrofon gebunden ist.

    Dascha: Wie habt ihr die Reihenfolge der Tracks bestimmt?

    Anja (Power Plush): Also natürlich entscheidet man da auch sehr viel nach Bauchgefühl. Wenn man die Songs aufnimmt lernt man die Songs nochmal ganz neu und intensiv kennen. Bei Smth Cool hatten wir das Gefühl, dass sich da wirklich etwas öffnet und dass der deswegen an den Anfang muss. Das ist so welcoming und so offen und frei, das hätte nicht zum Ende gepasst. So haben wir nach und nach die Tracklist erstellt. Bei Feelz ist es so ein abruptes Ende, dass man denkt „Kommt da jetzt noch was?“. Vielleicht haben die Leute dadurch am Schluss Bock sich die EP nochmal anzuhören. Vielleicht gibt das den Anreiz, dass man mehr möchte.

    Dascha: Das hatte bei mir tatsächlich auch diese Wirkung. Ich hab immer vergessen, dass Feelz schon am Ende war und war kurz verwirrt, wieso da nichts kam. Und hab’s dann einfach im Loop laufen lassen.

    Maria (Power Plush): Sehr gut, es hat funktioniert! (lacht)

    Dascha: Mich hat I Need to Rearrange My Life sehr gecatched, den mag ich sehr sehr gerne. Wollt ihr mal erzählen, was der Hintergrund ist und was für Gedanken dahinter stecken?

    Anja (Power Plush): Wir haben zwar keine Corona-Songs geschrieben, aber viele Songs sind halt in dieser ganz akuten Zeit der Pandemie entstanden. Da merkt man schon auch ein bisschen den Einfluss. Das war eine Zeit in der ich viele Entscheidungen treffen musste, von denen ich im Endeffekt dachte, es seien die falschen Entscheidungen, weil es am Anfang nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt habe. Und wenn man sich dabei noch in dieser kompletten Ausnahmesituation befindet, denkt man „Du hast alles falsch gemacht, du musst komplett neu starten“ und hinterfragt alle Entscheidungen. Dann gerät man in so eine Starre, in der man dann gar nichts mehr macht, weil man einfach mal auf „Stop“ oder eher auf „Reset“ drücken muss. Aus diesem akuten Gefühl ist der Song entstanden, weil ich dachte „Boah, ich muss jetzt mal alles umstellen“. Obwohl im Endeffekt alles gar nicht so schlimm ist, wie es sich in dem Moment anfühlt.

    Dascha: Welcher Gefühl soll die EP an eure Hörer und Hörerinnen vermitteln? Was erhofft ihr euch da?

    Maria (Power Plush): Ich glaube unser EP-Titel „Vomiting Emotions“ ist da ein bisschen unser Lebensmotto. Wir als Band gehen relativ offen mit Emotionen, Stimmungen und Ängsten um, damit machen wir sehr positive Erfahrungen. Wir wollen den Leuten an die Hand geben, dass wenn sie etwas beschäftigt, Gefühle auskotzen wichtig und gesund ist. Im Idealfall kommt man sich dadurch noch näher und kann ein konkretes Verständnis für einander entwickeln.

    Anja (Power Plush): Genau, wir wollen einfach einen Safe Space, in dem man das Gefühl hat, sich mitteilen und äußern zu dürfen. Das ist das, was wir uns immer von unserer Umgebung wünschen und vor allem in der Band auch haben. Das wollen wir auch nach Außen tragen und Leuten mitgeben.

    Dascha: So schön! Funfact: Ich finde das Cover trägt zu dem Gefühl bei. Ich bin sehr picky bei Covern und finde das macht viel aus, euer EP-Cover und die von den Singles passen farblich so gut und sieht genauso aus, wie es klingt.

    Anja (Power Plush): Oh, danke, das freut uns sehr!

    Dascha: Ihr habt euch ja direkt als Band zusammengefunden, beziehungsweise ihr wurdet verkuppelt ohne euch vorher richtig gekannt zu haben. Glaubt ihr, es macht einen Unterschied, ob man sich für die Musik zusammenfindet oder ob man vor der Band schon lange befreundet war?

    Anja (Power Plush): Ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht. Wenn man vorher befreundet war, hat man ja direkt einen anderen Umgang miteinander und hat nicht erstmal diese Herantast-Phase. Fühl ich mich wohl? Trau ich mich, meine Ideen zu äußern? Sowas. Das hatten zwar sehr stark am Anfang, aber das war eigentlich ganz sweet, weil es uns allen so ging. Ich finde wir hatten extrem Glück, dass wir uns gefunden haben, weil wir uns so gut verstehen. Es gibt bestimmt auch Leute, die sich für die Musik zusammenfinden und dann passt es bei denen doch nicht so gut. Wobei ich glaube, dass wenn man schon ganz jung zusammen angefangen hat Musik zu machen oder aus diesem klassischen Schulband-Kontext kommt, da läuft das alles ganz organisch ab. Weil man sich aus anderen Situationen und die Persönlichkeitsmerkmale schon so gut kennt.

    Maria (Power Plush): Wir hatten wirklich Glück! Am Anfang waren wir sehr pragmatisch, aber zum Glück sind schnell Freundschaften daraus entstanden.

    Anja (Power Plush): Im Endeffekt gibt es ja nachweislich beide Formen. Aber uns hat es auf keinen Fall geschadet, dass wir uns erst als Band kennengelernt haben. Wir hatten halt extrem diese Energie, um direkt etwas zu veröffentlichen und gleichzeitig extremes Glück, dass wir uns so gern haben.

    Dascha: Ich hab letztens an unser Interview im Winter im Lockdown zurück gedacht und daran, dass wir darüber geredet haben, wie geil es wäre, wenigstens mal sorgenfrei ein Bier mit Freund*innen trinken zu gehen. Jetzt sitzen wir hier und im Sommer ist doch noch eine Menge möglich gewesen. Vor allem bei euch, ihr habt ja einige Konzerte und große Supportshows gespielt! Wie war das für euch? Im Lockdown anzufangen Songs zu releasen und jetzt so richtig loszulegen?

    Anja (Power Plush): Es war auf jeden Fall crazy. So im Frühling hatten wir schon ein paar Anfragen bekommen, wo wir einfach nur dachten „Geil, wir können ein, zwei Konzerte spielen!“ Aber dass es dann so richtig Fahrt angenommen hat, war total verrückt für uns. Es hat ja angefangen mit dem Rikas Konzert in Berlin, wo wir Support waren, das war unser erstes Konzert dieses Jahr und unser erstes Konzert überhaupt zusammen mit Nino am Schlagzeug. Und direkt danach kam die Anfrage für das Leoniden Konzert wo wir uns einfach nur dachten „Whaaaaat?“

    Maria (Power Plush): Das war ja so groß und so eine riesen Bühne! 1500 Leute oderso.

    Anja (Power Plush): Das war überhaupt nicht vorstellbar für uns. Aber es ist auch einfach geil. Jedes Konzert mach auch einfach so viel Spaß! Wenn wir zusammen auf der Bühne stehen, ist es immer einfach nur schön. Das kann ruhig gerne so weitergehen. (lacht)

    Dascha: Hattet ihr auch ein Lieblingskonzert diesen Sommer?

    Anja (Power Plush): Ich würde sagen der Atomare Sommer.

    Maria (Power Plush): Ja, das war auch einfach ein Heimspiel für uns.

    Anja (Power Plush): Da gab es auch unseren aller ersten Moshpit in der Bandgeschichte! Das war schon ziemlich cool.

    Maria (Power Plush): Das war so ein schöner Tag, kein Stress, wir hatten ja gar keine Anreise und kannten so viele Leute dort.

    Anja (Power Plush): Und die Leoniden waren da! Wir lieben die Leoniden! Die sind einfach so so lieb.

    Dascha: Das stimmt! Mal ein etwas anderes Thema – Habt ihr das Gefühl, dass Künstlerinnen und nichtmännlich besetzte Bands in der deutschen Indie-Szene Nachteile erfahren? Falls ja, was wünscht ihr euch für die Zukunft? Was soll sich ändern?

    Maria (Power Plush): Das ist ja ein ganz großes Thema, aber aus eigener Erfahrung und von dem, was wir bisher kennen gelernt haben, muss ich sagen, dass es bisher positiv lief. Ich würde das aber auf sehr wichtige Vorarbeit von anderen Bands, wie zum Beispiel Blond, zurückführen. Nichtweibliche Bands legen mittlerweile auch mehr Wert darauf, dass zum Beispiel zumindest ein diverserer Support engagiert ist, damit das Line-Up nicht nur cis-männlich ist. Ich würde sagen, dass es sicherlich noch Nachteile gibt, wir haben die aber noch nicht so gespürt, weil wir ein super gutes Netzwerk und Umfeld haben, das uns unterstützt. Wir haben sehr viel Interesse zu spüren bekommen. Ich glaube es kommt aber auch auf’s Genre an. Bei Hip-Hop und Rap bin ich mir unsicher, wie gut es da für nichtmännliche Acts läuft. Aber generell buchen sehr große Veranstaltungen natürlich immer noch sehr männlich dominiert. Es gibt ja so so viele nichtmännliche Acts, die man buchen könnte. Wir wurden viel gebucht, das ist schön, aber wenn man sich andere Line Ups anschaut, gerade auf Festivals, ist es schon echt ernüchternd. Man fragt sich so „Hä, wo sind denn die ganzen Acts die ich höre, wieso werden die nicht gebucht?“

    Anja (Power Plush): Es gab ja nachweislich in den letzten Jahrzehnten auf jeden Fall Nachteile für Frauen in der Musikbranche generell. Die Sichtbarkeit war einfach nicht da. Es gab zwar hin und wieder mal weibliche Bands, aber die hatten nie die Plattform wie männliche Bands. Ich würde sagen, jetzt schaffen es endlich auch nicht cis-männliche Acts Raum einzunehmen. Wir sind zum Glück bisher sehr in einer Bubble, in der sie sich diesen Raum auch nehmen dürfen. Langsam merkt man, da tut sich was und verändert sich was. Was man aber trotzdem manchmal spürt sind Sachen wie, dass man oft mit weiblichen Bands verglichen wird und nicht mit Bands generell. Oder dass einem an manchen Stellen nicht das selbe zu getraut wird wie cis-männlichen Bands oder das von einem bestimmte Sachen erwartet werden. Aber das waren die einzigen Sachen, die wir zu spüren bekommen haben, ansonsten haben wir wirklich Glück. Dadurch, dass mittlerweile viel mehr Menschen aware sind und etwas ändern wollen, bekommen wir diesen Raum.

    Maria (Power Plush): Ich glaube es ist auch gut, dass wir auch immer Kritik äußern können. Wir geben uns nämlich keinen sexistischen Scheiß. Wenn sich die Person gegenüber nicht nach unseren Vorstellungen verhält, dann nehmen wir uns den Raum und Möglichkeit darüber zu sprechen. Somit passiert das anderen Personen vielleicht nicht mehr. Ich glaube Bands mussten da vorher einfach schon sehr viel abfedern und viele blöden Erfahrungen machen. Dann wurde aber auch viel Kritik geäußert und ich glaube in den letzten Jahren hat sich die Situation schon gebessert.

    Dascha: Voll schön, dass ihr so positive Erfahrungen machen konntet! Das ist ein Thema, was mich auch beschäftigt. Jedes mal, wenn ein neues Festival Line Up veröffentlich wird, fällt mein Blick erstmal darauf, wie viele nichtmännliche Personen spielen. Meistens ist die Erkenntnis aber sehr traurig.

    Anja (Power Plush): (Imitierend) Aber es gibt doch einfach gar nicht so viele female Bands!

    Dascha: Ich habe gestern wieder die Kommentare unter einem Post gelesen, der das kritisiert hat und sehr viele Leute meinten da „Dann ist die Musik der Frauen halt einfach nicht gut genug“. Es ist immer wieder das selbe, ich kann’s nicht mehr lesen.

    Anja (Power Plush): Aber es wird sich was ändern, ich glaube daran!

    Dascha: Wer sind denn nichtmännliche Bands und Künstlerinnen, die ihr im Moment sehr gerne hört?

    Anja (Power Plush): Also bei ist es momentan THALA. Ich höre sie gerade so so viel, ich lieb’s einfach. Ich mag ihre Musik total, ich mag ihre Art total, ihre Artworks, ihre Musikvideos – einfach top.

    Maria (Power Plush): Es gibt dieses Jahr übelst viel geile Musik, das ist so schwer zu beantworten. Aber um mich mal zu beschränken: Mir hat es in diesem Jahr vor allem Frances Forever angetan. Das ist auch sehr sehr schöne Indie-Musik, manchmal etwas abgespaced. Aber ich finde dieses Jahr so crazy, was Musikveröffentlichungen betrifft, ich komme gar nicht drauf klar.

    Anja (Power Plush): Das girl in red Album fand ich auch übelst geil. Und auch MAY-A hat ihr Debüt veröffentlicht, fand ich auch super.

    Maria (Power Plush): Oder LAUREL oder Olivia Rodrigo, auch so gut – wow! Oder LOBSTERBOMB haben auch ihre EP rausgebracht.

    Dascha: Da sieht man mal, wie viel Auswahl es eigentlich gibt. Ich bin dann bei meiner letzten Frage, also einer untold story. Jetzt müsst ihr euch eine neue Geschichte überlegen, die ihr noch nicht erzählt habt.

    Anja (Power Plush): Wir haben dieses Jahr auf dem Jenseits von Millionen Festival gespielt, wo wir auch LOBSTERBOMB kennengelernt haben. Super Leute! Und danach mussten wir schon die Hälfte der Strecke zum nächsten Festival fahren, weil es sonst zu weit gewesen wäre. Wir kamen aber aus dem Ort, wo das Jenseits von Millionen war, einfach nicht raus. Wir sind alle möglichen Straßen lang gefahren, das Navi hat uns immer woanders hingeschickt und überall war Vollsperrung. In jeder einzelnen Straße.

    Maria (Power Plush): Der Ort ist so klein und hat nicht mal viele Straßen, aber wir sind da mindestens eine dreiviertel Stunde rumgefahren. Man hatte auch keinen Internet-Empfang dort!

    Anja (Power Plush): Wir sind mit zwei Autos unterwegs gewesen und mussten uns am Telefon irgendwie zusammen lotsen, um da rauszukommen.

    Maria (Power Plush): Alle Wege aus der Stadt heraus waren gesperrt und wir wussten auch nicht genau, wo wir sind. Ich dachte zwischendrin echt, dass wir nie mehr rauskommen. (lacht)

    Anja (Power Plush): Wir haben währenddessen schon angefangen Hörspiel-Ideen darüber zu erfinden. Vielleicht können wir das ja mal in Kooperation mit Blond machen, die haben ja Hörspiel-Erfahrung. Aber was vielleicht auch noch eine sweete untold story ist: Wir knüpfen ja gerne Band-Kontakte und wir planen das mit unserem portablen Nagelstudio. Wir bringen nämlich zu jedem Gig eine Variation an Nagellacken mit und dann Fragen wir die anderen Bands vor Ort, ob sie zufällig Nagellack wollen. Dann sitzt man ganz gemütlich da, lackiert sich gegenseitig die Nägel und lernt sich kennen. Das haben wir auf dem Jenseits von Millionen mit LOBSTERBOMB und Dolphin Love gemacht. Da saßen wir gemeinsam am Tisch und haben uns die Nägel lackiert.

    Maria (Power Plush): Bands, die schon mal mit uns gespielt haben, schicken uns dann schon Bilder von ihren Nägeln.

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    Foto Credits: Daniel Fransk

  • FORWARD im Interview: „Es geht uns mit Overdrive darum, Strukturen, die uns total geprägt haben, zu hinterfragen“

    FORWARD im Interview: „Es geht uns mit Overdrive darum, Strukturen, die uns total geprägt haben, zu hinterfragen“

    Neuen Zuwachs für die deutsche Indie-Szene bilden FORWARD und ihre neue Single Overdrive. Ein Song mit Vibes, die ideal zum gerade erwachenden Frühling passen. Hier trifft englischsprachiger Indie mit Funk und Jazz-Elementen auf 8 Jungs aus Hannover. Schon die ersten Sekunden der catchy Bassline von Overdrive machen gespannt auf den Song. Und man wird definitiv nicht enttäuscht! Im Gegenteil FORWARD gelingt es auf eine sehr lässige Art und Weise Disco-Sound, Synthies und dazu noch Blasinstrumente in ihrer Interpretation von Indie zu vereinen. Der Song klingt so leicht und smooth, nicht zuletzt auch durch die Stimme von Sänger Tim, die einfach nur angenehm zum Anhören ist.

    Kaum zu glauben, dass dies erst die dritte Single von FORWARD ist, denn Overdrive klingt überhaupt nicht nach Anfängern. Man bekommt zu spüren, dass sie wissen, was sie tun. Jeder Ton scheint perfekt zu sitzen und die kreierte Atmosphäre absolut gelungen und passend. Ich könnte den Song hundert Mal am Stück hören, ohne, dass er mich auch nur auf die geringste Weise nervt.

    Zu Overdrive wurde auch ein detailverliebtes Musikvideo veröffentlicht, welches die 8 Jungs der Band charmant und humorvoll in Collagen zwischen Kleinstadt und Kitsch zeigt. Eigentlich bin ich nicht leicht für Musikvideos zu begeistern, aber das hier hat es mir angetan. Mehr möchte ich zu FORWARD und ihrer Single gar nicht sagen, denn ich habe sie darum gebeten, das lieber selbst zu tun. In der jetzigen Situation ist es vor allem für Newcomer-Bands schwer, sich und ihre Musik potentiellen neuen Hörer:innen näher zu bringen. Auf Konzerten und Festivals neue Fans gewinnen oder an Bar und Merchstand quatschen fällt ja leider erstmal weg, dafür können sie sich hier vorstellen.

    FORWARD im Interview

    Dascha: Hey, schön, dass das geklappt hat! Könnt ihr euch mal vorstellen, für alle, die euch noch nicht kennen?

    FORWARD: Hey Dascha, vielen Dank für die Einladung! Wir sind FOWARD, eine Indie-Pop Band aus Hannover und insgesamt 8 Jungs. Dazu gehören, Tim (Gesang/Gitarre), Arne (Gitarre), Kai (Drums), Carl (Bass), Jan (Keys), Colin (Trompete), Malte (Tenor Sax) und Ruben (Alt Sax). Wir sind alle um die 20 und in den unterschiedlichsten Richtungen unterwegs. Vom Informatiker, bis Gitarrenlehrer ist eigentlich alles mit dabei.

    Dascha: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben? Fans von welchen Bands könnte eure Musik besonders anziehen?

    FORWARD: Wir verpacken klassische 80er Jahre Synthie-Vibes und Bläser-Sounds in unserer Vorstellung von “modernen” Indie-Disco-Vibes. Unsere Inspiration suchen wir bei Musiker:innen wie zum Beispiel Tom Misch, Parcels, Amber Mark, Men I Trust oder Hush Moss. Menschen, die solche Musik abfeiern, sollten bei uns auf jeden Fall mal reinhören.

    Dascha: Wie habt ihr als Band zusammengefunden?

    FORWARD: Wir kommen alle vom Land, so um Hannover herum und da es dort nicht so super viele Menschen gibt die Musik machen, kennt man sich halt irgendwie. So haben wir uns dann auch gefunden. Arne und Tim machen eigentlich schon ihr Leben lang zusammen Musik und die anderen aus der Band sind dann Stück für Stück über die verschiedenen Lebensabschnitte dazu gekommen. Das machts für uns auch so
    spannend, da wir so ne Mischung verschiedenster Charaktere und Menschentypen geworden sind und uns nicht erst über die Musikhochschule oder so gefunden haben. „Und so wurde aus dem Duo eine Großfamilie” wie wir auch ganz gerne dazu sagen.

    Dascha: Erst kürzlich erschien ja eure neue Single “Overdrive”. Könnt ihr mal erklären, von was der Song handelt und was er für euch bedeutet?

    FORWARD: Eigentlich geht es uns mit Overdrive darum, Strukturen, die uns total geprägt haben, zu hinterfragen und neu zu denken. Einfach die Sichtweise zu ändern. Wir sind mega in einer Bubble der Vorstadtromantik, zwischen Frieden und Wiesen groß geworden und Teil einer Generation, die bis jetzt mit keinen großen Problemen konfrontiert war. Dafür sind wir super dankbar aber das prägt natürlich auch eine Denkweise, die außerhalb dieser Bubble schnell auf Widersprüche trifft. Das zu thematisieren ist für uns super wichtig, damit man nicht komplett einseitig und blind durch die Welt läuft. Gar kein Bock irgendwann so Menschen zu werden, für die es nur eine richtige Denkweise gibt.

    Dascha: Wie ist der Song entstanden? Wie sah der Entstehungsprozess
    und Hintergrund aus?

    FORWARD: Es startet eigentlich immer mit einer super trashigen Demo Version von einer Songidee. Die wird dann zur Probe mitgebracht oder schon vorher mit allen geteilt. Die Idee zu Overdrive hatte beispielsweise Arne, der wirklich einen krassen Output an neuen Ideen hat. Da einmal Probs am Rande!
    Naja und dann spielen wir die Idee und schauen wohin sie sich entwickelt. Und wenn dann alle fein damit sind, geht’s an die Ausarbeitung und liebevoll in die Detailarbeit, was man jetzt wie an welcher Stelle wie und warum spielt. Bis wir dann ins Studio gehen ist eigentlich alles musikalische geklärt und tausendmal hinterfragt worden.
    Genau so ist Overdrive entstanden.

    Dascha: Wie kamt ihr auf die Idee zu dem Musikvideo?

    FORWARD: Der Songtext von Overdrive beschreibt so ein bisschen den Mood, dass man Dinge, mit denen man groß geworden ist, plötzlich als wahnsinnig spießig wahrnimmt. Mit dem Video wollen wir diese Stimmung einfangen und eigentlich alltägliche Szenerien auf eine möglichst skurrile Art und Weise darstellen. Also hat unser Sänger Tim damit
    angefangen, Fotocollagen aus “spießig-skurrilen” Dingen zu machen, die dann mit unserem gemeinsamen Kumpel Niklas noch skurriler zu animieren und uns als Band dann in diese harmonische Welt als Kontrapunkt zu setzen. Und so ist dann das Video daraus entstanden.

    Dascha: Auch wenn es im Moment, vor allem für Newcomer-Bands,
    schwierig ist: Was für Pläne und Wünsche habt ihr dieses Jahr für eure
    Band?

    FORWARD: Ja, die große Headline-Tour im Festival-Sommer mussten wir leider absagen, haha. So wirklich rosig sieht’s diesen Sommer mit Live Shows ja leider nicht aus. Auch wenn es momentan als Newcomer-Band weniger Möglichkeiten gibt live zu performen, suchen wir uns alle möglichen Wege unsere Kreativität ohne Einschränkungen
    auszuleben. Unser Motto als Band für dieses Jahr ist, einfach mal alles machen wo wir Bock drauf haben. Dazu gehört für uns der Songwriting Prozess verbunden mit dem herumspielen neuer Sounds, aber auch das Umsetzen von neuen Musikvideo Ideen.

    Mit dem Release von Overdrive beginnt für uns als Band eine neue Phase und wir freuen uns unfassbar dolle, unsere Musik mit allen Menschen da draußen zu teilen! Die nächsten Monate werden aufregend und für negative Gedanken und das ärgern über Dinge, die man eh nicht ändern kann, ist absolut kein Platz!

    Dascha: Zum Schluss frage ich immer nach einer “Untold Story”, also einem kleinen Geheimnis oder einer Geschichte, die die Öffentlichkeit noch nicht von euch kennt. Was wollt ihr loswerden?

    FORWARD: Wir haben Overdrive im Off The Road Studio im wunderschönen Leipzig aufgenommen, wo wir uns ein bisschen in die Stadt verliebt haben. So richtig angetan hat uns dort aber eigentlich das Bier Sternburg aka Sterni. Das gibt’s in Hannover nicht! Auf jeden Fall nicht in den Mengen und zu dem Preis. Wir sind mit einem Anhänger nach Leipzig gefahren, der noch ein bisschen Platz über hatte, den wir nicht ungenutzt lassen wollten. Also kam unser geschätzter Bassist Carl auf die grandiose Idee, ein paar Kästen Sterni einfach nach Hannover zu importieren. Ich meine, bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis!?
    Ende der Geschichte: Jetzt stehen in unserem Proberaum 12 Kästen Sterni die komplett unberührt sind, da wir seit unserer Rückkehr aus Leipzig wegen Coroni nicht mehr Proben durften. Also doppelt traurig. Das motiviert aber natürlich nochmal anders wieder anzufangen zu proben. Oder endlich eine richtige Release-Party zu feiern!

    Behaltet FORWARD in Zukunft im Auge und schaut euch hier unbedingt das Musikvideo an:

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    Foto Credits: 1. Peter Sparkuhle, 2. Julius Bracke