Autor: Sarah

  • Cloudy June im Interview: Mental Health und Bad Bitch Vibes

    Cloudy June im Interview: Mental Health und Bad Bitch Vibes

    Dienstagmittag, das Wetter grau und verregnet, aber der Sonnenschein am anderen Ende von Zoom strahlt trotzdem! Die Rede ist von Cloudy June – mit der sich Sarah anfang der Woche unterhalten hat. Und der Titel sagt schon alles aus: wer Bad Bitch Anthems zum Beispiel von UPSAHL, Doja Cat oder Kali Uchis liebt, ist genau richtig hier!

    Sarah: Freut mich mega, dass es geklappt hat! Wie geht’s dir denn?

    Cloudy June: Ja mich auch! An sich geht’s mir gut, bin nur ein bisschen krank – aber kein Corona! Ich glaub fast jeder, der ich kenne hat gerade irgendwie ne Erkältung. Gut, dass es Zoom gibt! Dann kann ich dich wenigstens nicht anstecken.

    Sarah (lacht): Dann schon mal gute Besserung! … Möchtest du dich vielleicht kurz vorstellen, für alle unsere Leser:innen, die dich vielleicht noch nicht kennen?

    Cloudy June: Helloooo, ich bin Cloudy June und ich schreibe Songs und mache Musik seit ich 10 Jahre alt bin. In den letzten Jahren hab ich meinen Sound gefunden – Popmusik. Davor hab ich drei Jahre in einer Death Metal Band gesungen.

    Sarah: Damit wollte ich auch überleiten zur nächsten Frage! Ich hab dich nämlich durch ein Insta Reel gefunden, und dann hab ich weiter gescrollt und rausgefunden, dass du mal bei einer Death Metal Band warst. Genretechnisch ist das ja schon ein ziemlicher Sprung, wie kam es dazu?

    Cloudy June: Ich hab schon vor der Metal Band Gitarre gespielt und meine eigenen Songs geschrieben – und die waren dann natürlich nicht Metal, sondern mehr so Singer/Songwriter Folk Vibes.

    Meine erste richtige Lieblingsband waren die Killerpilze.

    Das ist jetzt auch kein Metal – aber das hab ich gehört als ich so 8 Jahre alt war. Das heißt eine Rock-Affinität war schon immer da. Irgendwann hab ich mir dann ein AC/DC Album geholt und bin in die Schulband gegangen. Am Anfang haben wir noch Hardrock gemacht, aber es hat sich dann ziemlich schnell verdüstert, bis wir wirklich, full on, Death Metal gemacht haben. Arch Enemy oder Jinjer fand ich ziemlich nice, und die haben ja auch female Sängerinnen, die krass growlen… Und dann wollte ich das auch können! Irgendwann hab ich dann aber mit der Band aufgehört, weil ich Musik zu meinem Hauptding machen wollte, und für die anderen war das mehr so ein Hobby. 

    Sarah: Seit wann gibt es das Projekt Cloudy June dann? Weil ich auf Spotify gesehen hab, dass die ältesten Songs von Anfang 2020 sind.

    Cloudy June: Es gab bis vor einem Monat noch mehr Songs, ich hab tatsächlich alte Sachen runtergenommen! Ich hab anfangs noch unter einem anderen Namen Musik gemacht, unter meinem Nachnamen – den konnte aber keiner aussprechen, deswegen bin ich jetzt Cloudy June. 2018 hab ich meine erste EP rausgebracht, die ich jetzt aber von Spotify runtergenommen hab, weil ich gar nicht mehr damit zufrieden war. Seit High Waist To Hell weiß ich: das ist das was ich machen will.

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    Sarah: Ich hab auch gesehen du sprichst sehr offen über Mental Health und Queerness, welche Themen verarbeitest du denn sonst noch in deiner Musik?

    Cloudy June: Ich will eigentlich noch viel mehr Songs machen über Mental Health, aber das ist manchmal auch ein richtig schweres Thema um einen Song drüber zu schreiben. Da ist einmal Monsters in my Mind, der aber mehr so Bad Bitch Vibes hat, und eigentlich geht’s ja irgendwie darum, dass die Gedanken in deinem Kopf die Monster sind.

    Wir haben einen Song, der diesen Monat noch rauskommt! Da geht’s um Sucht und Drogen, um Substance Abuse – zwei Menschen, die damit zu kämpfen haben. Mehr sag ich noch nicht… aber es wird tatsächlich ein Rock-Song! Das ist ein neues Thema, und ein bisschen so zu den Roots zurück.

    Sarah: Ja cool! Dann bin ich auf jeden Fall schon mal gespannt. Und, wenn wir schon beim Thema sind: Was inspiriert dich denn? Gibt es Künstler:innen von denen du sagen würdest, dass sie dich sehr beeinflusst haben? Als ich deine Musik das erste Mal gehört hab, musste ich zum Beispiel direkt an UPSAHL denken, die mag ich auch sehr gerne.

    Cloudy June: Jaaaaa, same! UPSAHL wär so ein krasser Traum, mit ihr mal ne Session zu machen und nen Song zu schreiben, irgendwann mal nen Song zusammen zu machen. Das wär krass. Also sie find ich super cool, einfach weil ich ihre Attitude feier und sie richtig talentiert ist. Mothica find ich mega cool, weil sie auch krass offen über Mental Health spricht und kein Blatt vor den Mund nimmt – und das find ich voll bewundernswert, das inspiriert mich sehr! Und Yungblud zum Beispiel, von ihm bin ich auch großer Fan just cause the music slaps und er ist auch so unapologetically himself. Ja, das sind Artists die ich super cool finde.

    Sarah: Also da würde ich auf jeden Fall mitziehen! … War für dich dann eigentlich von Anfang an klar, dass du deine Musik auf Englisch machen möchtest? Oder könntest du dir vorstellen, auch mal auf Deutsch oder einer anderen Sprache zu singen?

    Cloudy June: Das ist echt ne gute Frage, weil ich denke in letzter Zeit oft darüber nach – dass meine Musik voll gut im englischsprachigen Raum ankommt, und ich aber als deutscher Artist gar nicht mal eben in Amerika auf Tour gehen kann. Sondern eher eine größere deutsche Audience bräuchte sozusagen, damit ich da gute Shows spielen kann.

    Deswegen hab ich drüber nachgedacht „soll ich Songs auf Deutsch machen?“, aber ich hör eigentlich fast nur englischsprachige Musik und ich fühl das auch daher viel mehr.

    Ich hab mal Songs auf Deutsch geschrieben, aber es ist irgendwie einfach nicht so das Richtige für mich. Einer meiner ersten Songs, die ich geschrieben habe – mit 8 Jahren – war auf Deutsch. Aber selbst in der Grundschule hab ich schon auf Englisch geschrieben! Was ich mal überlegt habe war, irgendwann in der Zukunft einen Song auf Spanisch zu machen. Ich kann zwar noch kein perfektes Spanisch, aber meine Mutter kommt aus Kuba und da dachte ich es wäre cool. Aber jetzt ist erst mal Englisch das Hauptding. Deutsch wahrscheinlich eher nicht.

    Sarah: Kann ich auch verstehen! Ich hab tatsächlich auch sehr lange gebraucht um meinen Weg zu deutschsprachiger Musik zu finden.

    Cloudy June: Same! Ich hab so ein paar Songs, ein paar Artists gefunden, die ich ganz gerne mag. Es hat sich auch etwas geändert, dass ich jetzt mehr höre. Ich hätte auch echt Bock, mit deutschsprachigen Artists zusammenzuarbeiten und gemeinsam Songs für deren Projekte zu machen. Das wär cool!

    Sarah: Auf jeden Fall! Dann hab ich noch eine etwas schwierigere Frage für dich. Für Musiker:innen ist es ja meistens nicht so einfach, wenn man seine eigenen Babys betrachtet da einen favourite rauszuziehen. Aber wenn du dich entscheiden müsstest: Für welchen deiner Songs würdest du dich denn entscheiden, und warum?

    Cloudy June: Es ändert sich immer, aber gerade ist es Monsters in my Mind. Der Vibe macht grade einfach am meisten Spaß, und das Intro. Ich stell mir vor, wenn wir den live spielen… das würde richtig Bock machen. Wir haben alle Songs ja auch schon geprobt für ein Live-Set, und der macht schon RICHTIG Spaß. Aber oft ist es auch so, dass ich den Song am meisten feier, der auch als nächstes rauskommt. Bei dem Song, der jetzt als nächstes released wird, da haben wir auch ein Feature drauf von ner Band die ich sehr feier! Deswegen ist das gerade so mein Baby.

    Sarah: Ein Feature mit ner Band? Da bin ich jetzt aber gespannt.

    Cloudy June: Sameee! Ich frag mich wie der ankommt, weil es ist einfach ein bisschen anders dieses Mal.

    Zwischendurch richtig auf die Fresse und… i love it!

    Sarah: Geil! Du meintest ja ihr seid schon fleißig am Proben. Wie sieht es denn im Moment aus mit Liveshows?

    Cloudy June: Damals, als ich noch alleine mit Gitarre auf der Bühne stand und es noch gar nicht so viel Produktion und Backing Tracks gab… da hab ich ein paar Konzerte gespielt. Aber jetzt wo ich die Band hab mit der ich die ganzen Live Songs probe, fühlt es sich schon an als wäre das jetzt der Anfang, als würden wir die ersten Konzerte spielen. Deswegen ist nächstes Jahr, wenn dann die Shows los gehen, quasi auch gleich die Premiere!

    Sarah: Dann hoffe ich mal, dass ich es nächstes Jahr auch zu einer deiner Shows schaffe! Und ich seh gerade, du hast meine nächste Frage tatsächlich vorhin schon beantwortet. Die war: Deine letzte Single „Kill Your Darling“ wurde ja am 23. September released – darf man sich schon auf weitere neue Musik freuen oder ist das alles noch top secret?

    Cloudy June: Nicht mehr top secret! Am 19. November kommt die neue Single!

    Sarah: Yeahhh!! Dann sind wir auch schon bei unserer letzten Frage, eine „Untold Story“, irgendwas das du noch nie in einem Interview erzählt hast. Etwas, das du jetzt gerne teilen möchtest. Das kann eine witzige Geschichte sein, ein random Fun Fact, ein Motto das du unseren Lesern gerne mitgeben möchtest…

    Cloudy June: Okay bei Motto hast du mich! Ich hatte gerade kurz Panik und dachte „Oh Gott, ich hab nichts cooles zu erzählen“. Aber ich hab in letzter Zeit voll viel Erfahrung gemacht wie es ist, wenn du als Artist anfängst, dich mit anderen Artists zu vergleichen. Das kann ja sein ob du jetzt Musiker:in bist oder ob das einfach im Job ist. Und da hat UPSAHL tatsächlich ein Zitat gepostet, was ich super cool finde und mir immer wieder in Erinnerung rufe, und vielleicht hilft das ja jemandem:

    Vergleiche dich nicht mit anderen Menschen, sondern mit dir selbst vor einem Jahr.

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    Fotos: Frank Koppen

  • HONNE im Interview: „We stopped second-guessing ourselves“

    HONNE im Interview: „We stopped second-guessing ourselves“

    Was würdet ihr tun, wenn die Welt in einer Woche untergehen würde?

    Diese Frage haben sich Andy und James von HONNE in ihrem neusten Album gestellt. LET’S JUST SAY THE WORLD ENDED A WEEK FROM NOW, WHAT WOULD YOU DO? erschien Freitag letzte Woche, und Sarah hat mit den beiden bereits ein paar Tage vor Release zum Album gesprochen.

    Sarah: Hey, thanks for taking the time to talk to us about your new album! How do you feel, just a few days before the release?

    HONNE: Thank you for having us! We’re feeling very good. The process of creating an album from start to finish is definitely a long one, so it’ll feel great to finally put these songs out into the world and see everyone’s reaction.

    Sarah: That’s great to hear! Was the process of creating this album different to the last ones? Since you mentioned that this time you “were on a mission to make it as satisfying to listen to as possible”?

    HONNE: I think this was the first album that we’ve written where we stopped second-guessing ourselves. It’s very easy to over analyse when you’re 6 months into writing an album. But with this one we just wanted to write great songs. If the song made us feel something and took us where we wanted to go, we put it on the album. The result is quite a varied selection of songs, stylistically. And that’s been fresh and interesting for us.

    Sarah: Yeah, it’s definitely refreshing to listen to, from my outside perspective, as well! The first thing I noticed about this album were the many collabs with other artists. What made you choose to feature all these different artists  – especially after your last project not having any features at all?

    HONNE: Yeah so this is the other big change. Over the last 7 years of being in HONNE, we’ve met and become friends with so many amazing artists at festivals, on tour, on social media etc. And we wanted to bring some of these amazing voices to our music on this album.

    We are passionate about unique and interesting voices. Voices that you can hear for 2 seconds and are instantly recognisable. So that’s what we were looking for. And somehow we’ve managed to convince all these amazing artists to join us on these songs. It’s really special for us and we’re so grateful to Khalid, Griff, NIKI, Pink Sweat$ and Sofía Valdés for taking these songs to another level!

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    Sarah: I think my favourite feature is Coming Home feat. NIKI, your voices fit together so perfectly. (And the song makes me feel nostalgic for some reason) Now, I don’t wanna put you in a tough spot and ask which one was your favourite collab… but is there one that’s special in some way?

    HONNE: You know we couldn’t possibly answer that question! The way in which one of the collabs came to be is one of my favourite stories though, because it was such a coincidence. And that was NIKI (like you mentioned). We’d been big fans of NIKI for ages and messaged her on Instagram years ago but she’d never seen it or replied. Then back in January 2020 we were in LA in Gold-diggers Studios, in a session with Dâm-Funk. As he was about to leave he said ‘oh by the way, I bumped into Pomo in the hallway, he’s in a session with NIKI a couple of rooms down’. We were very excited. But it turned out that Pomo went and told NIKI the same, and she was equally as excited!

    Anyway, we ended up going into their studio and having a big chat, eating some food and sharing music with each other. We played NIKI ‘Coming Home’ and cheekily suggested that she could sing on it, and to our surprise she was up for it! A couple of days later we went back to the same studio with NIKI, and ‘Coming Home’ was born. It was one of those times that you read about happening to other artists, but never happens to you. So that was a stroke of good luck for sure.

    Sarah: That’s such a sweet story – it just seems like it was meant to be!

    Now, if we’re looking at no song without you, it is obvious that the prevalent topic is love. What are some topics you worked through on this album?

    HONNE: Having been with my partner for 14 years, of course writing about love is going to be something that comes naturally to me. So this album, like a lot of our albums, is always going to continue celebrating that. For us, love is the most important thing in our lives.

    But we delve into different aspects of relationships. The importance of communication and openness in ‘Talk To Me’, and asking for help and support in ‘Heartsong’ and ‘Easy On Me’. 

    Aside from love, ‘Three Strikes’ is one of the more reflective songs on the album. I’m sure this song will mean different things to different people, but for me it’s about those moments in life when you just don’t feel yourself and all you can think about is retreating into yourself. Speaking as an introvert these are thoughts I have quite often and it feels like you have a huge weight hanging over you. Hopefully this song will offer some comfort knowing that it’s okay to feel like this way.

    Sarah: Ahh, yes, as an introvert myself I can definitely relate to that.

    Some other thing I’ve noticed is, that ’no song without you‘ is in all lowercase letters – but LET’S JUST SAY THE WORLD ENDED A WEEK FROM NOW, WHAT WOULD YOU DO?  is in all uppercase letters. Does that add to your album concept and is there a story to it? I mean, in BACK ON TOP there’s a line that says: “I go from lower into uppercase”, so I feel like it was definitely an intentional choice made?

    HONNE: Well spotted! That’s one of our favourite lines on the album actually.

    There’s not necessarily a story to it. But with each album we think about every detail of how it will be presented, and this is one of those details. I’m not sure why, but ‘no song without you’ felt like an all lowercase album, sonically speaking. But this new album feels uppercase. It’s bright, bold and open.

    Sarah: Well I’m glad I caught it then! And yeah, that makes perfect sense!

    So… I love love love the dream edits (gotta say I’m a sucker for slow songs) – do you have any plans to release remixes of this album as well?

    HONNE: Thank you! We love making those versions of the songs. It’s really fun to have the chance to show the songs in a different light.

    We’ve already released a stripped back version of ‘Coming Home’ with Niki – it’s called ‘COMING HOME feat Niki (Long Distance Recording)’. I can’t promise anything, but it’s always possible that some acoustic versions will appear at some point.

    Album Cover / Art Director: Daisy King

    Sarah: Let’s jump to a different topic: How did you come up with the cover for this album? The colour palette is so beautifully curated.

    HONNE: So it all started with the idea of the light beam. Rather than being an alien abduction or something ‘sci-fi’, for us it represents hope – a light at the end of the tunnel. And us hugging on the album cover essentially answers the question that our album title poses. If the world was ending a week from now, we would stay close to the people we care about the most. The colour palette is beautiful isn’t it! We can’t take credit for the whole thing. We worked with an amazing creative team, led by Art Director Daisy King. She has played such an integral part in making the visual world of this album come together.

    Sarah: Your last release was in July 2020 – did covid speed up album cycles for you? (Since there were no live shows last year, and basically everyone just stayed home for a while)

    HONNE: The short answer to this is – yes most definitely! Under normal circumstances we would tour for about a year and a half to two years after releasing an album. So being at home gave us time to continue being creative in the studio.

    Sarah: Our last question is always asking for an untold story: Something you’ve never shared in an interview before but want to share now. That can be anything from a funny tour anecdote, a random fun fact or just something you really want to tell your fans in Germany.

    HONNE: Ok, here is a little story about sheep (from Andy) – I grew up on a farm and I used to go out into the barn and sing and dance amongst all the sheep. They would stare and “baaaa” at me. I honestly thought they loved it, until one day, from out of nowhere a ram came in from the side and head butted my body knocking me down onto the floor. It hurt, a lot and I ran home crying. It was way too embarrassing to tell my family about it so I just kept it quiet. There isn’t really a moral to the story but it does make me realise that I’ve always liked performing in front of an audience even if they do tackle me to the floor halfway through.

    Hier könnt ihr jetzt noch ins Album reinhören! Sarah’s favourites sind COMING HOME, BACK ON TOP, HEARTSONG.

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  • The Violent Youth sind mit „Вино“ (Vino) auf dem Weg zum nächsten Album

    The Violent Youth sind mit „Вино“ (Vino) auf dem Weg zum nächsten Album

    Bild: The Violent Youth, Arthur (links) und Egor (rechts)

    Was finden wir noch cooler als 80s Synth Pop / Wave? Ganz klar: Russischen New Wave mit Einfluss aus den 80ern (siehe: Depeche Mode). Und an alle, die auf diesen Zug noch nicht aufgesprungen sind… das wird aber mal sowas von höchste Zeit! Wer, wie Mia Morgan es so schön in Waveboy beschreibt, eine Leidenschaft für Synthie-Pop und Melancholie hat, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

    Den ersten Tipp an dieser Stelle bring ich euch auch gleich mit, und zwar The Violent Youth. Vielleicht habt ihr Vino („Wine“) auch gestern schon in unserer new untold releases-Playlist gefunden und natürlich sofort für gut befunden; sollte das noch Neuland für euch sein: unbedingt dranbleiben.


    Die Wurzeln der Band liegen in Minsk, Belarus. Aber inzwischen trennen die beiden Bandmitglieder einige Tausend Kilometer. Sänger und kreativer Kopf der Band Arthur wohnt nämlich seit ein paar Jahren in Augsburg im schönen Schwabenländle, und Keyboarder Egor hat es nach Moskau verschlagen.

    Vor zwei Monaten die letzte Single Release mit Позже (Pozzhe/“Later“), so folgt nun die nächste auf dem Weg zum neuen Album, das am 29. Oktober erscheint. Wo Pozzhe stilistisch einen kleinen Sprung Richtung Pop zeigt – im Vergleich zum letzten Album там, Где Нас нет (Tam, gde nas net) – startet bereits das Intro zu Vino wieder mit fetten Synthies. Geil! Und das beste? Obwohl Vino im unverkennbaren The Violent Youth Sound Platz findet, spürt man doch die Weiterentwicklung, textlich und musikalisch.

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    Für alle, die sich gerade noch wundern, was denn bitte там, Где Нас нет heißen soll. I gotchu! Wörtlich könnte man es mit „Dort, wo wir nicht sind“ übersetzen, aber als russisches Sprichwort heißt es so viel wie „the grass is always greener on the other side“.


    Aber um was geht’s denn überhaupt in Vino?

    (Erwischt! Das Musikvideo hat deutsche Untertitel, dann habt ihr da wohl grade drüber gescrollt. Also… nochmal zurück, wir versuchen das gleich nochmal. Ich warte solange hier.)

    Der Höflichkeit halber, damit auch weiterhin alle nicht-russisch-sprechenden unter uns sich etwas weniger verloren fühlen, hier einmal der Refrain von Vino auf Deutsch: In der Nacht verlier ich mich in deinen Armen / Ich hab‘ kein Gefühl in meinen Beinen mehr, mein Blick ist trüb vom Wein / Ich stolpere auf dich zu und uns gehört die ganze Nacht / Ich will nicht hören, dass du gehen musst. … Autsch!

    Wie jedes Musikvideo von The Violent Youth ist auch das zu Vino ein DIY Projekt, das zusammen mit Freunden, Producer und Mitbewohnern auf die Beine gestellt wurde. In diesem Video geht es um einen Typ, der in einem Café arbeitet. Eines Tages ist ein Paar zu Gast, und er verliebt sich Hals über Kopf in das Mädchen. Mit aller Kraft und Anstrengung versucht er, sie zu erobern und ihre Liebe für sich zu gewinnen, bleibt am Ende jedoch erfolglos.

    Das Lied erzählt so anschaulich und schmerzhaft vom Lieben und nicht-zurück-geliebt-werden, dass man (auch wenn man wie ich nur eine handvoll Worte auf russisch versteht, und eins davon ein Schimpfwort ist) einfach mitfühlen muss. Ist schließlich ein Gefühl, das den wenigsten von uns verwehrt geblieben ist. Und obwohl die Grundstimmung in diesem Lied nicht gerade on top of the world ist, können die Füße fast nicht still bleiben. Tanzbare Sad-Bops… So könnte man das glaub ich ganz gut einordnen.

    Aber das beste hab ich ja noch gar nicht erwähnt. Es gibt ein Saxophonsolo! Schon als ich vor etlichen Jahren Heart Out von The 1975 live gehört hab kam ich zu dem Ergebnis, dass ein Saxophon-Part eigentlich für jedes Lied nochmal ein NEXT LEVEL Upgrade ist. So auch hier! Ein Banger, einfach. Und dass die Musikvideo-Szene mit dem Saxophon mitten in Augsburg auf einer Straße um 10 Uhr morgens an einem Sonntag gefilmt wurde, macht es eigentlich nur noch besser.

    Meine unprofessionelle professionelle Meinung an dieser Stelle? Man könnte zwar fast sagen, dass Vino mein Lieblingslied vom neuen Album ist, aber trotzdem kommt noch vieeeel gutes Zeug auf euch zu. Vertraut mir da einfach mal, ja?

    Gut, dann presaved doch gleich mal das neue Album Оставайтесь на линии („Hold the line“)… ihr müsst einfach hier klicken. (Ich schenke jedem Pre-Saver einen virtuellen Keks und meine Dankbarkeit. Ist das Motivation genug?)


    Gig Time? Gig Time!

    Solltet ihr kommenden Samstag (11.9.) noch nichts vorhaben, und zufällig aus der Ecke Nürnberg kommen, dann schaut doch mal bei der Kulturoase auf AEG vorbei! Da gibt’s nämlich all das und noch viel mehr von The Violent Youth live auf die Ohren! Packt die Tanzschuhe ein und los geht’s!


    Hier noch ein paar Tipps für euch zum Abschied:
    • Ein Herzschmerz-Lied: тебя (Tebya/You)
    • Ein Happy Song: Я Влюблён (Ya Vlublyon/I’m in love)
    • Ein Song zum nachts Autofahren: Солнце (Solntse/Sun)
    • Und Sarah’s absoluter Favorit: Хорошо Одному (Horosho Odnomu/I like being alone)

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    The Violent Youth Booking EU: philipp@lobster-management.de

  • „Yellow von Coldplay, but add a little bit of spice“ – ein Cover von flor und MisterWives

    „Yellow von Coldplay, but add a little bit of spice“ – ein Cover von flor und MisterWives

    oder auch: Wie flor und MisterWives das beste Cover 2020 abgeliefert haben.

    So ihr Lieben, als allererstes muss ich mal beichten, dass mich die Auswahl des Songs für diese Review weitaus mehr Zeit gekostet hat als der Artikel an sich. Entscheidungen treffen? Kann ich. Aber es kam dieses Jahr halt einfach viel zu viel sau gute Musik von meinen Lieblingskünstlern raus.

    Und für was hab ich mich dann entschieden? Ein Cover. ABER, nichtsdestotrotz hab ich hier (wie immer) ne Menge zu sagen, also schnallt euch an und enjoy the ride!

    … Jeder der schon mal auch nur mit einem Auge in meine Richtung geschaut hat, könnte wissen, dass es wenig gibt, was ich so gern habe wie die vier Jungs von flor aus Oregon. Wird das jetzt also eine Lobeshymne? Guckt doch mal selber:

    Die Geschichte von flor, yellow, und mir hatte schon vor einigen Jahren ihre Anfänge.

    Genauer gesagt in der Bottom Lounge in Chicago, Oktober 2017 – als ich flor das allerallererste Mal live gesehen hab – da war deren Cover von yellow Teil der Setlist. Damals noch mehr mit Akustikgitarre und originalgetreuer, aber mindestens genauso schön. Kurze Zeit später verschwand das Lied dann aber irgendwie so komplett von der Bildfläche, und wurde von mir schmerzlich vermisst. Umso größer meine Freude dann dieses Jahr, als das Cover wieder von den Toten auferstanden ist.

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    In einem Interview mit OnesToWatch von vor ein paar Monaten, erklären die Jungs auch, warum das Cover so geworden ist, wie es jetzt klingt:

    We had covered „Yellow“ live in the past
    – more as a straight-up recreation (…),
    but as we were working on the reimagined EP,
    we thought „what if we took an iconic song
    that has had such an impact on the world,
    and brought it into the world of ley lines?“
    The idea really excited us and we just ran with it.

    (ley lines ist das zweite Studioalbum von flor, und letztes Jahr im September erschienen)

    Das neue yellow klingt nämlich dann doch ein bisschen mehr upbeat als ich gewohnt war, berührt mich aber immer noch sehr. Und spätestens als dann in der zweiten Strophe Sängerin Mandy der Band MisterWives anfängt zu singen bekomme ich jedes Mal wieder Gänsehaut. Die Stimmfarben von flor’s Sänger Zach und von Mandy passen einfach unfassbar gut zusammen.

    Die Idee, Mandy mit ins Boot zu holen, kam tatsächlich sehr spontan: Bassist von flor und Produzent Dylan war nämlich zur gleichen Zeit mit der neuen EP von den Jungs und mit dem neuen Album von MisterWives beschäftigt. Als Mandy für die Vocals im Heimstudio von Dylan war, probierten die beiden sich direkt noch an einer Feature für yellow – und in einer halben Stunde war das Ding dann auch im Kasten. Naja, passt eben wie Arsch auf Eimer, wenn man das mal so sagen darf.

    Zusammengefasst:

    Diese Version von yellow ist wie eine warme Decke und eine Tasse Kakao, nachdem man draußen in der Kälte war = einfach himmlisch. Aber gelb ist ja schließlich nicht umsonst die Farbe der Freude und des Glücks!

    Ach, und bevor ich’s vergesse: Erst vorgestern gab es noch ein kleines Weihnachtsgeschenk – und zwar ein flor Konzert von zuhause aus! (und hier hört man auch endlich mal die backing vocals von Bassist Dylan klar und deutlich). Zwar war yellow nicht auf der Setlist – aber dafür gab’s eine gute Mischung aus Songs vom Debütalbum come out. you’re hiding, von ley lines, und natürlich die im Sommer erschienene Single lmho – „laying my heart out“.

    Meine Empfehlung für diesen Freitagnachmittag also: holt euch eine Tasse Glühwein, ein paar frisch gebackene Plätzchen, eine flauschige Decke, und zieht euch die 30 Minuten rein. Aber passt mit dem heißen Glühwein auf – nicht, dass ihr den beim Mitwippen noch über euch schüttet! 

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    Fotocredit: Lily Pearl Yang