Autor: Johanna

  • Johannas Jahresrückblick: „Von allem ein bisschen und noch so viel mehr“

    Johannas Jahresrückblick: „Von allem ein bisschen und noch so viel mehr“

    Musik hatte für mich dieses Jahr, 2025, persönlich keinen roten Faden – und genau das ist der rote Faden. Dieses Jahr hat mir die Musik nochmal ganz neue Facetten gezeigt, ganz neue Türen geöffnet und ganz neue Begeisterung geweckt. Es geht von dem altbekannten Pop-Girlie, das ich bin, über Neo-Soul und deutsche Musik bis zu Folklore aus Bolivien.


    Doch erstmal zum Vertrauten

    Dieses Jahr gab es einen Haufen vielfältigster Alben, die mich alle in ihrer eigenen Art und Weise begleitet, unterstützt und abgeholt haben. Angefangen mit meinem persönlichen Lieblingsalbum: “Wishbone” von Conan Gray. Schon die vorab veröffentlichten Singles überzeugten mich komplett, sie waren so voller Gefühl und Schmerz – aber alles schonungslos ehrlich und unverpackt in Songs gesteckt. Dieses ganze Album hat mich so viel fühlen lassen. 

    Der erste Platz meiner Lieblingsalben in diesem Jahr war – und bleibt – trotzdem stark umstritten. Die erste Konkurrenz wurde nämlich bereits zwei Wochen früher veröffentlicht: “Bite Me” von Renee Rapp. Wer mich auch nur ansatzweise kennt, weiß, wie sehr queere, feministische, empowernde Musik in meine Identität integriert ist. Und genau das war das neue Album von Renee. Ein weiterer Bonus des Records stellt die Vielfältigkeit der Songs dar. Es gibt alles: von traurigen Balladen wie “Somewhere” über Songs wie “Leave Me Alone”, die ein “Fuck you” an alle geben, bis zu Break-Up-Songs und Indifferenz wie bei “I Think I Like You Better When I’m Gone”. Und diese Vielfältigkeit spiegelt sich nicht nur in den Themen der Songs, sondern auch in der Instrumentalisierung. Jeder Song klingt anders, jeder Song hat einen anderen Fokus. 

    Es gibt aber auch noch eine dritte Konkurrentin im Rennen: “Everybody Scream” von Florence + The Machine. Weil, um ehrlich zu sein, war der Titel auch Programm dieses Jahr – manchmal bleibt nichts anderes übrig, als Frustration und Unverständnis einfach raus zu schreien. Wenn auch vergleichsweise spät erschienen dieses Jahr, hat sich das Album – und vor allem die Single “Buckle” – sehr schnell in die Favoriten gespielt. Lyrisch und musikalisch für mich persönlich ein absolutes Meisterwerk, liebe ich auch einfach den female rage, der im Subtext so vieler Songs liegt, die Self-Awareness, mit der sie Lieder schreibt und sich trotzdem in ihren Emotionen verliert. Das ganze Album für mich eine absolute 10/10.

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    Musikalische Überraschungstüten

    Doch nicht nur vertraute Sounds haben sich dieses Jahr in mein Herz gespielt – ganz überraschend hat sich mein Musikgeschmack in einige Richtungen geöffnet. Und dazu gehört nicht nur die bolivianische Folklore, über die wir noch sprechen werden, sondern auch deutsche Musik, Neo-Soul und 60ziger Sounds.

    Ein Satz, den schon viele Menschen von mir gehört haben, lautet: “Ich mag keine alte Musik, gimme the modern stuff.” Umso überraschender kam das Album “AURORA” von Daisy Jones & The Six. Manche kennen vielleicht das Buch oder die Serie – ich habe dieses Jahr das Buch gelesen und war natürlich dann auf den Sound gespannt, in meinem Kopf hatte ich eine Vorstellung, aber ich wollte es ja auch hören. Und ja, das erste Hören hatte mich nicht vom Hocker gehauen, aber von Anfang an hatte es etwas Interessantes und Fesselndes. Der Sound – auch wenn offensichtlich erst vor kurzem produziert und entstanden – klang authentisch nach 60ern und auch der Vibe und die Atmosphäre waren sehr stimmig. Ich hab’s geliebt.

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    Ebenso überraschend war Nina Chuba wieder da – mit ihrem neuen Album “Ich lieb mich, ich lieb mich nicht” hat sie ebenso wie Renee Rapp eine so breite musikalische Palette präsentiert, dass eigentlich für wirklich jeden was dabei sein muss bzw. kann. Normalerweise halte ich mich meilenweit fern von deutschsprachiger Musik – bisher habe ich einfach keinen Bezugspunkt dazu gefunden. Aber bereits vor dem Release des Albums hat mich das Feature “fucked up” mit Makko begeistert – die Lyrics “Wir beide hab’n zu lange nur an dich gedacht” fand ich direkt genial. Und als ich dann das Album angehört hatte, war ich einmal mehr überzeugt von Nina’s Art zu texten und wie sie jedem einzelnen Song seinen komplett eigenen Charakter gab.

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    Als letzte Überraschungstüte ist Olivia Deans Album “The Art of Loving” zu nennen: Auch Neo-Soul oder R&B begeistert mich normalerweise wenig – Olivias Album allerdings hat sich direkt in mein Herz gespielt. Alle Songs auf diesem Album klangen so sanft und liebevoll. Olivia hat mit diesem Album einen sehr entspannten, langsamen, sanften Ort geschaffen, der auch mal innehalten und einfach lieben – das Leben, seine Mitmenschen und auch sich selbst – lässt.

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    Auf der ganz anderen Seite der Welt – und auch auf der ganz anderen Seite der Musik

    Angekommen in Bolivien wurde Folklore ein ständiger Begleiter im Alltag. Von Flöte spielen und Musik aus den Anden über Tanzen zu Tinku, Caporales, Chacarera und vielem mehr bis zu Fusion-Musik aus Folklore und modernen Stilrichtungen sowie Cumbia wurden viele unterschiedliche, folklorische Einflüsse eine meiner meistgehörten Sounds. Dabei wurde das gemeinsame Erleben und Teilen von Musik sehr viel wichtiger. 

    Jeder Rhythmus hatte seine Choreografien, seine Schritte, seine Essenz. Und Musik nicht nur zu hören, nicht nur musikalisch zu verstehen, sondern auch zu tanzen – zu wissen, wie man zu ihr tanzt und das auch immer mit anderen Menschen teilen zu können, weil die Kultur eben so tief in jeder Person verwurzelt war – hat ein ganz anderes Verständnis und Erlebnis ermöglicht. Es hat direkt Gemeinschaft geschaffen, es hat zur Bewegung animiert, es hat Lebensfreude gegeben. Die Musik wurde gefühlt und gelebt und das war einfach ein wunderbares Gefühl. Musik war nicht nur ein persönliches Konsumgut, sondern ein sozial geteiltes kulturelles Gut, von dem alle Teil waren.

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    Ich habe in Bolivien viel über das Teilen von Musik gelernt. Zum einen eben viel durch Folklore – mir wurde hier eine ganz neue musikalische Tür eröffnet, etwas, das ich vorher so noch nicht gehört habe. Und es ging eben nicht nur um das Konsumieren der Musik, sondern auch um das Ausleben davon. Es sollte – und wurde – Gemeinschaft geschaffen werden, indem man Musik teilt, sich gegenseitig unterstützt und lehrt. Ich wurde immer gerne in das Schaffen von Musik integriert, mir wurde immer gerne jedes noch so kleinste Detail zum zehnten Mal beigebracht, bis ich endlich Erfolg hatte – ohne mich zu verurteilen, einfach mit viel Geduld und Freude am Teilen. Und dieses bedingungslose Teilen war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung.

    Aber auch abseits der Folklore lernte ich viele Musiker*innen teilen. Menschen, die zutiefst leidenschaftlich über ihre Musik waren, auch wenn die Musiklandschaft in Bolivien natürlich ganz anders funktioniert als hier bei uns und es teilweise sehr viel schwieriger ist, Musik zum Hauptteil seines Lebens zu machen. Dabei lernte ich unter anderem die Sängerin Nia Cole kennen, deren Live-Energy und Texte mich komplett überzeugten. Vor allem live zog sie ihr Publikum in einen Bann, hielt sie im Moment und schaffte eine ganz besondere Atmosphäre. Es war eines der Konzerte, die so schwierig in Worte zu fassen sind, wenn man nicht da war – das vor Ort aber absolut magisch war. Insgesamt war ich in so vielen Kontexten Teil eines gemeinsames Schaffens von Musik, Teil von kreativen Prozessen, vom Austausch von Musik. Und das hat mir auch, wie bei der Folklore, eine sehr andere Wertschätzung von Musik gegeben.

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    Eine Wundertüte, die nicht hätte besser sein können

    Letzten Endes war dieses Jahr musikalisch eine komplett bunte Wundertüte. Es gab so viele Lieder, so viele Alben, so viele Künstler*innen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mich so in ihren Bann ziehen können und mir etwas zeigen und geben können, das ich gesucht habe. Aber offensichtlich ist das passiert – und hat meinen Musikgeschmack und meine Einflüsse stark diversifiziert. Genau diese Vielfalt – manchmal widersprüchlich, aber immer ehrlich – war das, was dieses Jahr geprägt hat.

  • Johannas Jahresrückblick: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“

    Johannas Jahresrückblick: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“

    „Sad girl delicate wednesday night“ – so hat Spotify meine erste Daylist betitelt. Und zwar auch ziemlich passend. Denn alles, an das ich mich dieses Jahr erinnern kann, ist gefühlt eine Überpräsenz von Noah Kahan, Gracie Abrams und – wer hätte es geahnt – Taylor Swift. Was mein Hörverhalten dieses Jahr sonst noch auszeichnete, waren eine große Menge an unhealthy obsession und comfort music mit einer Prise von Empowerment-Reclaiming Versuchen zwischendurch.


    Ein besonderes Erlebnis dieses Jahr war allerdings ein Interview mit einer Künstlerin. Dafür habe ich im Vorfeld die Definition eines Mixtapes recherchiert: “a compilation of favourite pieces of music, typically by many different artists, recorded on to tape or another medium by an individual.” Und da sowohl dieses Interview als auch Mixtapes (ich liebe persönlich erstellte Playlisten – Musik zu teilen ist definitiv eine meiner love languages) einen ganz besonderen Platz in diesem Jahr hatten, habe ich mich für einen Jahresrückblick in Form eines mixtapes zu entschieden. 


    Auf diesem hypothetisch erstellten Mixtape finden sich 13 Songs. Diese Tracks stehen stellvertretend für Alben und Erlebnisse, die mich durch dieses Jahr begleitet, nicht allein gelassen und immer wieder aufgefangen haben.

    Side A, Track 1: Lost On You – Rosie Darling

    Drei Töne, ständig wiederholt. Mehr braucht es anscheinend nicht, um mich komplett verliebt und sprachlos zurückzulassen. Die Fragilität und Vulnerabilität haben mich von Anfang an nicht losgelassen. Dieses Lied ist so zart und gleichzeitig voller Hoffnung und auch Schmerz und hat mich einfach innehalten lassen. Ich war komplett gefesselt von der Einfachheit dieses Songs, die trotzdem so starke Emotionen hervorrufen konnte. Dieses Gefühl von starker Dualität und irgendwo auch Ambivalenz werden wir noch in einigen Songs dieses Jahr finden.

    Lost On You“ steigert sich im Verlauf des Songs: Angefangen mit einzelnen Klaviertönen wird der Sound intensiver, Drums steigen ein, es wird theatralischer. Der Song entfaltet sich, nimmt Raum ein und schafft durch die Wiederholungen ein Bild von Verzweiflung. Ein wahres Meisterwerk.

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    Side A, Track 2: 0 or 100 – Upsahl

    Wer UPSAHL bereits kennt, hatte vielleicht schon die Vermutung, dass sie die Inspiration für das Mixtape war. „0 or 100„, ein Track aus ihrem Mixtape UPSAHL PRESENT: THE PHX TAPES, hat mich dieses Jahr viel begleitet. UPSAHL hat in diesem Song das Gefühl eingefangen, sich zerrissen zu fühlen. Irgendwo zwischen „es läuft alles“ und „es läuft gar nichts“, nicht nur textlich, sondern auch im Sound, spielt sich dieser Song ab.

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    Side A, Track 3: I’m A Problem – Caity Baser

    Caity hatte ich vor einiger Zeit auf TikTok gefunden und seitdem nicht mehr losgelassen. Die Art, wie sie Songs schreibt, voller Selbstbewusstsein und Lockerheit, hat etwas für sich. Und „I’m A Problem“ (inklusive Musikvideo) hatte mich im Februar und März erst recht an der richtigen Stelle abgeholt.

    Der Song ist ein Statement für sich. Wenn andere Leute ein Problem damit haben, dass du eine Meinung und Selbstbewusstsein hast:

    „put your middle fingers up / say that we don’t give a fuck“

    Caity ermutigt dazu, zu sich selbst zu stehen und lieber zu akzeptieren, ein „Problem“ zu sein als sich kleinzumachen. Genau das, was ich gebraucht hatte.

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    Side A, Track 4: Pretending – Fletcher

    Oh Fletcher“In Search Of The Antidote”, veröffentlicht im April, war bis Juni der beste Release in diesem Jahr für mich. Dieses Album wird angetrieben von der Imperfektion, der messiness, die man in Fletcher’s Stimme hört. Das Album erzählt eine Geschichte davon, sich selbst zu verlieren – durch zu starke Emotionen, durch den Wunsch, etwas zu fühlen und dem Wunsch, sich selbst zu finden. Zu versuchen, einen Weg durch dieses Chaos zu finden. Für mich eines der wichtigsten Alben dieses Jahr.

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    Side A, Track 5: Growing Sideways – Noah Kahan

    Mein musikalischer Mai bestand genau aus drei Artists: Noah Kahan, Taylor Swift und Gracie Abrams. Angeführt wurde der Monat von „Growing Sideways“ und Noah. Noah’s Musik ist eine ganz besondere Art von Umarmung für mich. Wenn ich an seine Musik denke, kommen mir Wörter wie „Sanftheit“, „Komfort“ oder „Verständnis“ in den Sinn. Ich höre wirklich zu und fühle mich dabei einfach so aufgefangen, dass die einzig passende Metapher wirklich eine Umarmung bleibt.

    Und „spend my savings at a lulu, now I’m suffering in style“ hatte einfach immer eine gewissene Ironie an sich – wenn man sich schon nicht gut gefühlt, dann doch wenigstens in Style.

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    Side A, Track 6: Free Now – Gracie Abrams

    Im Juni wurde dann das – in meinen Augen – beste Album des Jahres veröffentlicht. “The Secret of Us” von Gracie Abrams hat sich direkt in mein Herz gespielt, besonders der Song „Free Now“. Die Lyrics und die Geschichte, die sie mit diesem Song erzählt, mit ihrer sanften Stimme verbunden malen ein Bild von Verständnis, Geduld und Liebe, aber trotzdem Selbstachtung. Spätestens in der Bridge, wenn sich der Song intensiviert, fühlt es sich nach loslaufen an, dem Freimachen von einer Beziehung, die einem selbst nicht mehr gutgetan hat.

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    Side A, Track 7: Who’s Afraid Of Little Old Me? – Taylor Swift

    Mai, Juni und Juli waren drei besondere Monate für mich. Zwar auch mit die schwersten, das konnte die Freude aber nicht überlagern. Und zwar Freude über Taylor Swift Konzerte. Während letztes Jahr die Eras Tour in den USA gestartet ist, konnten wir sie dieses Jahr endlich in Europa genießen – mit einem zusätzlichen neuen Album! Und alle Konzerte waren alles, wovon ich geträumt habe, und so viel mehr.

    Taylor Swift hat offensichtlich wie alle Jahre einen besonderen Platz bei mir. Und dieses Jahr war es vor allem der Song „Who’s Afraid Of Little Old Me?“, der ein wenig öfter abgespielt wurde und ein bisschen intensiver gefühlt wurde. Wut war für mich eine wiederkehrende Emotion dieses Jahr und genau das hat dieser Song auch für mich wiedergespiegelt – ein Track über Selbstermächtigung, sich seine Gefühle und Erfahrungen zurückzunehmen. Auch wenn gewisse Dinge passiert sind, die nicht zu beeinflussen waren oder nun auch nicht mehr rückgängig gemacht werden können, kann man sich jetzt seine Wut zurücknehmen und sagen: „Bis hierhin und nicht weiter“. Und genau das ist dieser Song für mich.

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    Side B, Track 1: August 5th, 2021 – Lexi Jayde

    Ich möchte eigentlich ungern zu viel vorneweg nehmen, indem ich über diesen Track schreibe. Als ich die EP “closer to closure” das erste Mal angehört hatte, hat mich „August 5th, 2021“ mehr als unvorbereitet getroffen – und war deshalb umso einprägsamer. Wenn ihr genauso off guard erwischt werden wollt, hört euch die EP am besten einmal an. Oder zumindest Track 3 bis 5 in dieser Reihenfolge. Trust me, it’s gonna be worth it. Wenn nicht, könnt ihr einfach weiterlesen.

    Bei „August 5th, 2021“ handelt es sich nämlich nicht um einen Song – es ist eine Sprachnachricht, in der man Lexi weinen hört und sie ihr Unverständnis und ihren Schmerz ausdrückt. Und genau diese Sprachnachricht und auch ihr Inhalt haben mich so unerwartet getroffen. Dies in die EP zu inkludieren, verleiht sowohl Lexi als auch der ganzen EP auf eine andere Art von Verletzlichkeit – und daraus entstehend auch Stärke. Denn eine solch persönliche Nachricht öffentlich zu zeigen, schafft eine ganz gewisse Intimität.

    Diese Audio läutet Side B des Mixtapes auch sehr treffend ein. Denn ab hier prägten vor allem vulnerable, ruhige und emotionale Songs die Monate.

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    Side B, Track 2: California – Chappell Roan

    September war Chappell Roan Monat für mich. Ich konnte glücklicherweise eine Karte fürs Konzert in Berlin ergattern und somit eins meiner besten Konzerte dieses Jahr erleben. Das Outfit Motto („My Kink is Karma“), das Publikum, die Atmosphäre, einfach alles an diesem Konzert war ein solcher Safe Space, der mich alles andere für einen Abend vergessen ließ. Während die meisten sicher ihre Hits wie „Pink Pony Club“ oder „HOT TO GO!“ kennen, hat mich vor allem ein etwas unbekannterer Song auch nach dem Konzert nicht mehr losgelassen.

    „’Cause I was never told that I wasn’t gonna get / the things I want the most“

    hat mich direkt ins Herz getroffen – genau wie “Thought I’d be cool in California / I’d make you proud / to think I almost had it going / but I let you down”. Der Song drückt für mich Hoffnungslosigkeit aus, eine gewisse Resignation, die man spürt, wenn man etwas so sehr versucht hat, es aber trotzdem einfach unerreichbar bleibt.

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    Side B, Track 3: 9 Lives – Emei

    Auch “9 Lives” zeigt genau diese verletzliche Seite, die in den anderen neun Tracks immer mal wieder zur Sprache kam. Viele dieser Songs fühlen sich für mich nach Gefühlen und Gedanken an, die zwar ständig existent sind, aber schön sauber in einer schwer erreichbaren Ecke verstaut werden. Und in sehr verletzlichen, ehrlichen Momenten wird ein Blick in genau diese Ecke geworfen.

    Was sowohl „0 or 100“, „California“ als auch jetzt „9 Lives“ für mich so ausmachen, sind der starke Kontrast zu den sonst sehr empowernden Songs dieser Künstlerinnen. Songs, die von Selbstbewusstsein triefen, Selbstliebe und den eigenen Wert feiern. Aber nicht jeder Tag kann so sein – und diese Songs zeigen die andere Seite. Die Dualität beider Gefühle, die Ambivalenz und auch, dass diese berechtigt sind.

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    Side B, Track 4: Sad Anymore – FRENSHIP, OSTON, kate the dreamer

    Ich war nicht nur viel wütend dieses Jahr, sondern auch viel traurig. Und es gab viele Songs, die mich in dieser Traurigkeit aufgefangen haben und mich das haben fühlen lassen. Und das war okay und auch gut so. Aber dieser Song drückt wieder einmal perfekt aus, wie ich selber irgendwann die Nase voll hatte von dieser Traurigkeit – „I don’t wanna be sad anymore“.

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    Side B, Track 5: stay a little longer – Rosé

    Noch ganz frisch erst seit einer Woche draußen, hatte dieser Song mich doch sehr im Griff und wurde wahrscheinlich einmal zu oft in Dauerschleife gehört. Trotzdem hat er das gleiche erreicht wie „California“ oder auch „August 5th, 2021“ – er hat mich unerwartet getroffen, kurz innehalten und wirklich zuhören lassen.

    Was mich einfach immer wieder überzeugt, sind Gitarren oder ein Klavier (in diesem Fall letzteres) mit heartfelt Lyrics und echter Emotion (meistens trauriger). Dieser Song erzählt eine ähnliche Geschichte wie der finale Track auf diesem Mixtape. Und um mich nicht zu wiederholen, kommen wir direkt dazu:

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    Side B, Track 6: Stay – Gracie Abrams

    Ich hatte ursprünglich überlegt, nur 12 Tracks auf das Mixtape zu packen. Das Jahr hat nur 12 Monate, aber Taylor Swifts Lieblingszahl ist 13 und dieser Rückblick erscheint am 13. Und bei einem Jahr von 12 Monaten fühlt sich die 13 wie eine Zugabe an – und Zugaben sind immer besonders wichtige Songs. Genau wie „Stay„.

    Ein eher alter Track von Gracie Abrams, aber seit ich ihn gehört hab, einer meiner all time favourites. Jede Ambivalenz, jede Dualität, jede Zerbrechlichkeit, die in den anderen Tracks angesprochen wurde, habe ich zum ersten Mal in diesem Song gefunden. „Stay“ ist für mich der Inbegriff von Verletzlichkeit, Hoffnung und Sehnsucht in einem Song. Es geht Gracie in dem Song gar nicht darum, irgendetwas zu retten, es ist okay so, wie es gerade ist. Aber sich einfach ein letztes Mal bei der anderen Person sicher fühlen, das Gefühl nochmal aufsaugen. Alles an diesem Song ist fragil und verletzlich, aber gleichzeitig auch so beruhigend.

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    Noah Kahan gab seinen Top Hörer*innen dieses Jahr über Spotify Wrapped folgenden Ratschlag mit auf den Weg: „If you’re an emotionally stable person and you’re listening, I would consider listening to something else“. Und mit einem Blick auf diese Songs, zu denen auch Noah gehört, würde ich zu diesem Mixtape tatsächlich den gleichen Ratschlag geben.

  • Louis Tomlinson „LIVE“: Ein musikalisches Tagebuch der letzten drei Jahre

    Louis Tomlinson „LIVE“: Ein musikalisches Tagebuch der letzten drei Jahre

    Seit Louis Tomlinson nach Auflösung der Band One Direction solo unterwegs ist, hat sich einiges für den britischen Sänger getan. Zwei Alben (Faith In The Future und Walls) und viele Live-Auftritte später, meldete sich Louis mit einer ganz besonderen Platte. Im Laufe der letzten drei Jahren auf weltweiter Faith In The Future Tour sowie Louis Tomlinson World Tour wurden viele Erinnerungen gesammelt  – und vor kurzem eine Art Tagebuch dieser Momente veröffentlicht. 


    Sowohl alte als auch neue Lieblinge finden einen Platz

    Bei diesem Tagebuch handelt es sich nicht wirklich um ein Buch, sondern um ein Live-Album der vergangenen Tourneen. Erstmals bereits im April 2024 digital veröffentlicht, ist seit Ende August 2024 auch die physische Version in Form einer Vinyl und CD erhältlich – mit insgesamt vier zusätzlichen Tracks. Fans finden nicht nur ihre Favorites von Louis selbst, sondern auch andere Lieblinge. Während die LP zusätzlich Only the Brave, Kill My Mind sowie High in California enthält, wurde die CD um High In California sowie die One Direction-Single Where Do Broken Hearts Go erweitert wurde. 

    (c) BMG

    Von London nach Vancouver bis nach Buenos Aires und München

    Jeder der insgesamt 17 Tracks wurde in einer anderen Stadt und an einem anderen Datum aufgenommen. Insgesamt spannen sich die Aufnahmen über einen drei Jahres Zeitraum. Was dabei vor allem hervorsticht ist die besondere Live-Energie, die jede Person, die schon mal auf einem Konzert von Louis Tomlinson war, wahrgenommen hat. Die Fans sind unfassbar laut, selbst auf der Aufnahme. Und genauso textsicher – die Leidenschaft, die sie für Louis und seine Musik haben, ist praktisch greifbar. 

    Was diese Veröffentlichung auszeichnet: Man hört nicht, wie bei vielen anderen Live-Aufnahmen, nur den Künstler selbst singen, sondern auch die Fans. Das erschafft den Eindruck eines Chors, eine ganz besondere Atmosphäre kommt dabei zustande. Es wird deutlich, wie viel Spaß und Liebe sowohl die Fans als auch Louis selbst für Live-Auftritte verspüren. 


    Eine Platte mit ganz viel Liebe

    Aber nicht nur die Aufnahmen sind besonders, auch bei der Betrachtung der Vinyl und CD merkt man, wie viel Liebe in diese Produkte geflossen ist. In dem Booklet, das den Produkten beiliegt, sind Nachrichten von Fans abgedruckt. Die Lyrics sind in die Sprachen der Städte übersetzt, in denen sie aufgenommen wurden. Auf Deutsch ist also All This Time / She Is Beauty We Are World Class zu lesen – die Aufnahme wurde in München gemacht. 


    Noch nie war es so einfach, eine ganze Tournee nachzuerleben und die Erinnerungen an unvergessliche Konzertabende wachzurufen. Wer sich die magische Live-Erfahrung nach Hause holen möchte, sollte nicht lange zögern und das Album schnellstmöglich in die eigene Sammlung aufnehmen (hier möglich). Schon allein die Platte sind offensichtlich so viele Gedanken geflossen, dass man sie immer wieder gerne anschaut. Ganz zu schweigen von den Aufnahmen, die man wieder hören möchte. Dieses Album ist ein Muss für jeden Louis Tomlinson-Fan und alle, die die Energie eines Live-Konzerts lieben.

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  • Mother Mother im Interview: »Every time you fail and you forget, it’s a wake up call to remember and to try again«

    Mother Mother im Interview: »Every time you fail and you forget, it’s a wake up call to remember and to try again«

    Mother Mother schlägt ein neues Kapitel auf: Grief Chapter ist das neunte Album der kanadischen Band. Seit weit mehr als zehn Jahren ist die Band nun schon gemeinsam unterwegs und überzeugt wie gewohnt mit einer wunderbaren Kollektion an Songs. Irgendwo zwischen schnellen, explosiven Rocksongs, ruhigen, vor allem stimmlich getragenen Songs und Lyrics, die auch nach dem Hören bleiben, ist ein Album entstanden, das sich mit Trauer und Tod beschäftigt – aber nicht auf eine traurige Art und Weise. Mehr in einer Art, die alle Emotionen begrüßt und für sie Platz macht. Im Rahmen ihrer Welttournee konnten wir mit dem Sänger der Band, Ryan Guldemond, sprechen und einen Einblick in dieses neue Kapitel erhalten.


    Ryan Guldemond im Interview

    Johanna (untoldency): Hello! You’re in Berlin since today probably. How is touring so far? Are you enjoying it?

    Ryan Guldemond:I love touring. Yeah, it’s a harder lifestyle, but I think that makes for a happier temperament. I think challenge is good for us, us people. So I like to struggle and I like the diversity. I like being exposed to different cultures. And of course, that energy, that medicine of human connection that we get every night during the show is really special.

    Johanna (untoldency): You’re touring – not only, but probably mostly – the recent album Grief Chapter, and it’s an album about death and grief. And there are still songs on there which were you explaining how to fully experience life, how to live fully, how you don’t conform to any images others have of you in your mind. So would you say those are two sides of the same coin, or where would death and grief and living life meet for you?

    Ryan Guldemond: I think they’re two words for the same thing. It’s like light and dark. We need light to expose the shadow. We need shadows to consume the light. And I think the more you investigate death, the more mysterious it becomes. And the lesson in how to live only becomes more clear the closer you get to death. So I think that’s what death is here for, is to help us live.

    Coverartwork des Albums Grief Chapter

    Johanna (untoldency): Yeah. That’s true. Grief is usually not only a chapter, though. I would say many people experience grief for a way longer time than just that chapter. So how come that you called the album grief chapter?

    Ryan Guldemond: Well, a life is a chapter.


    Johanna (untoldency): Only one chapter?

    Ryan Guldemond: I guess it depends what you believe. I believe in the mystery. I believe in not knowing and in not knowing the freedom to be curious. But Grief Chapter the album is about life as a chapter. So every day we grieve the death of a day. A page from the book of a life.


    Johanna (untoldency): Yeah, I haven’t thought about it that way, but I like the thought. And would you say it’s musically as well a chapter for itself? Or more like a chapter in the whole discography of yours?


    Ryan Guldemond: I think every album musically, thematically is a representation of where the band was at during that time, and it becomes less about doing something amazing and more about doing something true to that time.


    Johanna (untoldency): I get that. Still in the chapter theme: there are different stages of grief in general. Like some would say five, some would say seven. First you have anger, then you’re sad, followed by the other ones. Do you feel like those are displayed in the album as well?


    Ryan Guldemond
    : No, we did not intend to model the quintessential stages of grief. It was more abstract than that. I couldn’t even list you those stages of grief. I know… Anger, denial, all that stuff. Yeah, it’s got to be in there. I’m sure it’s all in the record, but I didn’t intentionally write it that way.


    „But what we do is we project the past and the future onto the moment and we pollute the moment.“

    Johanna (untoldency): For me personally two tracks of the album stood out. One of them was Explode. I think that was the third track on the album, because I feel like it was just suiting me. I’m very often living that kind of way, and I know many people who are as well, like doing too much at some point because they want to get everything out of life. I mean, I think you said those things as well. So what is your life advice for people who relate to that?


    Ryan Guldemond: I think your life is always the present moment. And it’s good to remember that. Like, my life is not what I’ve done or what I’m going to do. My life is sitting here with you, having this conversation. That is my life right now. And when I ask myself, is there anything wrong with my life right now? No, this is pleasant. My leg is not on fire. Everything is okay. Typically, everything is okay in the moment. Um, for most people. But what we do with our brains is we project the past and the future onto the moment, and we pollute the moment. And we falsely label our lives as having something wrong with them, when in fact, most of the time it’s perfectly fine because the moment is usually unburdened.

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    Johanna (untoldency): Was that a lesson you’ve learned over time, or was it just clear and simple?


    Ryan Guldemond: I’m still learning how to not ruin my own life with my own mind. And I fail every day. And I forget every day. But every time you fail and you forget, it’s a wake up call to remember and to try again.


    Fuck no to living in the matrix

    Johanna (untoldency): Wake up was actually a good word, because the other song which stood out to me was The Matrix. And there’s this line which goes “fuck no to living in the matrix”, I think. So what would be the Matrix for you? Have you thought about that? Like, what are you saying no to with this line?


    Ryan Guldemond: Maybe it’s a script that someone else wrote besides you. So following someone else’s orders, as opposed to the orders of your truth, or your heart or your soul. It doesn’t have to be a 9 to 5 job. It doesn’t have to be the system or society. Yeah, it can just be every time you fall out of step with your authenticity. That’s when you fall into the matrix. Not a good thing.

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    Johanna (untoldency): And we want to say no to that.

    One of your biggest hit songs was Hayloft. It’s gone viral 12 years after its release. If you could pick one song of the current album, Grief Chapter, to become your next hit – which would that be?


    Ryan Guldemond: Grief chapter. The song. I think it’s a really beautiful thing when a slow and deep song becomes a hit. It’s rare, but when it happens, it’s powerful. Because you know that everyone is attaching to it, not for surface reasons. They’re connecting to a deeper emotion, and it’s moving a lot of people on that level, which I think is a really healthy thing.


    Ryan on his songwriting: „So for me I try to just model creativity in life“

    Johanna (untoldency): Okay. Yeah. Maybe that’s going to be the next hit. Let’s see. In general you’re songwriting is quite raw and vulnerable I’d say. It’s really honest and people are connecting with it. I mean, you probably recognize that the most, but what is the hardest thing in that process? Like is it hard for you to open up or which step exactly is hard to get those songs as they are?


    Ryan Guldemond: I mean it’s hard to live your life, generally in a way that keeps your vulnerability open and your channel open to receive these lyrics and these messages in creativity. So it’s less about sitting down and writing a song with that intention. It’s more about how you wake up, how you move through the day, how you exist in the world, which either supports or works against the creative process. So for me, I try to just model creativity in life. How I look at a tree. How I walk down the street. How I talk to my mom. And if I’m doing that successfully for most of the day, every day, then when I sit down to write, it’ll just arrive because I’m open, because I’m honoring life in a way that supports creativity. And when I tune out and distract myself with nonsense, then songwriting becomes very hard.


    Johanna (untoldency): If you’re saying at the end of the day you’re sitting down, is it like writing a diary entry for you? Or was it more metaphorically meant?


    Ryan Guldemond: It feels like being visited by a force who feels safe enough to make a connection because you’ve been proving to that force that you’re sensitive enough to communicate with it. And if you just bulldoze your way through your life and you have your blinders on and you’re down the rabbit hole of the internet or sedating yourself with, you know, sugar and indulging in conflict and gossip, then that beautiful, creative, pure energy doesn’t want to get close to you. It’s dangerous. It’s not a safe space, so it stays far away. And guess what? No songs come. So it definitely feels like you’re in collaboration with an energy outside of yourself.


    „It’s like there’s two lives – one where I’m not writing a song and it feels like I kind of might as well not even be here.“

    Johanna (untoldency): Which was the hardest song to write for the album, or was there even a hardest one?


    Ryan Guldemond: Yeah, there was. Normalize. It began in a really clear and open way. But then I got too involved. I think my brain got too involved. And I pushed it around and forced a theme and an arrangement that I think was different from what the spirit of the song just wanted to be.

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    Johanna (untoldency): You’re doing all of the songwriting for Mother Mother. What’s the process of showing the songs to the rest of the band? Like, because I’ve shared some of the songs to friends of mine and they were like, are you okay? Let’s go have a cup of tea and talk about something. Do you want to share something? And, I mean, I’m just sending it to them because they know those are not my words, obviously. So what is it inside the band?


    Ryan Guldemond: Well, yeah, I mean, I never offer cries for help, and so the band knows not to take my songs as that. They know it’s very practical for me. I’m showing them a song because I’m wanting to test its merit, and I want to know if they think it’s a viable song for our project. And even if the lyrics are really distressing, they never assume that that means I’m doing poorly because it doesn’t.

    I’m like the more distressing the lyric is, the better I’m doing. Because that means I’m open. I’m connecting to the deep well of emotion, and that’s when I’m happiest, even if what I’m touching is a really disturbing or sad energy.


    Johanna (untoldency): But I mean, it’s probably helping as well with coping.


    Ryan Guldemond: Always. It’s like there’s two lives – one where I’m not writing a song and it feels like I kind of might as well not even be here. Everything’s kind of gray and pointless.

    And then there’s the life when I’m writing a song and I’m inside of that song. Like In the womb and the world is bursting with color and meaning and beauty.


    „Much of that is because of this amazing fan base that found us and took us in and celebrated the parts of the band that were most authentic.“

    Johanna (untoldency): That sounds beautiful. As I’ve mentioned Hayloft before, that was 12 years ago. You’ve been at it – like musical staff, songwriting, touring – way more than ten years. Way more than a decade. So has it changed for you – putting out music, playing live? I mean, of course the industry has changed or even society, but like, how are you feeling doing it? Has that changed?


    Ryan Guldemond: Yeah, it’s great now. It was really exciting at the very beginning because you’re so naive and you’re fresh to the world of music, and the industry seems exciting and inviting. And then you get inside of the beast and the machine, and there’s lots to scare you and there’s lots to confuse you. And so I think we spent some years in that middle stage of development. Like an awkward puberty, let’s say. And now we’re on the other side, and we know who we are. We know what we’re trying to get out of this and what we’re trying to give to it. And it’s all very pure and of good intentions. So we’re just able to not even think about stuff that used to bother us. It’s a very wholesome, clear space that we’re in. And much of that is because of this amazing fan base that found us and took us in and celebrated the parts of the band that were most authentic. The strangeness, the quirkiness, the stuff that the industry told us to double down.

    Foto der Band


    „There’s this sort of cycle of energy that starts to swirl in a show, and you just kind of like, throw yourself into it and get swept away and you get made better as a person.“


    Johanna (untoldency): I’ve been at one of your concerts back in 2022. One of them here in Berlin, and I feel like the fanbase is such a strong thing. That is what comes out the most at the concert. The energy you bring onstage, the fans, they’re so deeply connecting to what you’re doing on stage and what you’re singing and saying.


    Ryan Guldemond: Yeah, it’s beautiful. There’s this sort of cycle of energy that starts to swirl in a show, and you just kind of like, throw yourself into it and get swept away and you get made better as a person. That’s how we feel after our shows, and it feels like we’re just five people of a much larger ensemble that is giving a performance that night.



    „Life is too serious to take it seriously.“


    Johanna (untoldency): That’s cute. In general – what came out at your concerts as well, I feel like is… The topics in your songs are quite serious topics sometimes, but there’s a certain humorous way you’re going about it. Do you feel like that’s the key to life? Like feeling the stuff but not taking it too seriously? 


    Ryan Guldemond: Yeah, I think there’s an expression. Life is too serious to take seriously [Johanna laughs silently] and see, it makes the person laugh because they understand immediately. It’s like the universe is always offering a cosmic giggle, because this world is built on paradox and opposites, and we get so tortured by one end of the spectrum when we stop to remember that it’s totally intertwined with its very opposite, and therefore everything is in balance. You have to laugh. So I certainly love humor. I especially like irreverent humor and dark humor. You know, I think it’s very fun and it allows a person not to take things so seriously or piously. I think people can get a little too sanctimonious about… I don’t know, life and the moral spectrum, and it’s fun to mess around with that a little bit in songwriting.


    Johanna (untoldency): I get that. We’ve been on the topic live quite a few times now. You’re on tour right now. What is your favorite memory of this tour so far?

    Bild von dem gesprochen wird
    (c) @gldmth_

    Ryan Guldemond: I went for a photo walk in Milan and the venue was in this very industrial neighborhood. But I found this really beautiful, idyllic park and these great trees and this expansive field. And there was this guy, taking a break, sitting beside his bicycle on the grass. And I was just like taking his picture and vibing out with him. Those kinds of memories I really keep close. Like going for walks and connecting to something and using my camera to immortalize the experience.


    „We’re looking for problems inside of our mind, as opposed to looking for like the way a cloud cuts across like some telephone wires“


    Johanna (untoldency): I mean, there’s probably not too much time for that, is it? So just consciously taking the time to do that is probably the most important thing.


    Ryan Guldemond: Every day I do it. Yeah, I have to. You can go for a 20 minute walk and change your life – if you’re open to be moved. And I find the camera is such a great way to motivate you to look for beauty. It’s a different experience going for a walk with the only motivation of trying to find something beautiful. When we go for walks, typically we just think about our lives and all the problems we’re looking for. We’re looking for problems inside of our mind, as opposed to looking for like, I don’t know. The way a cloud cuts across like some telephone wires or, you know, a guy sitting in a field. So for me, it’s activities like that that keeps me sane, but also childlike and joyful on tour. And it gives me an escape route out of the tunnel of routine and structure.


    Johanna (untoldency): Is it a real camera or are you taking the photos of your phone?


    Ryan Guldemond: Real camera, Yeah. I have like an old, vintage lens. And it forces you to do manual focus, so you can’t just go click, click. You have to sit and work with the image so it enforces patience, which also feels good. Yeah, it’s better.


    „It’s like we’re so bored by the idea of conflict or interpersonal drama.“


    Johanna (untoldency): Yeah, I get that. I’ve recently discovered my digital camera again and it’s so much more fun than with the phone. 

    But back to tour – you’re not alone on tour. There is a whole crew and the rest of the band. Would you say you as a band have different roles while touring? Like one of you is the dad of the group and one …

    Foto vom Konzert
    (c) Johanna Feger


    Ryan Guldemond: Not really. We’re all very self-contained and responsible for ourselves. And I think people have different personalities. Like, some people are more funny than others. I’m a bit of a tease, like a jokester. And Molly – my sister – is really comical. She can kind of be fastidious and worried. And it’s funny, you know, she kind of becomes a cartoon character. And we all do, right? Like people in your family, everyone kind of becomes a parody of themselves.

    Yeah, but everyone in the band is lovely. I think we all feel really lucky how easy it is to exist together. We’ve been through it all. It’s like we’re so bored by the idea of conflict or interpersonal drama. Like nothing could interest us less. Yeah. That’s nice.


    „It’s like Carpe diem. And the cosmic giggle.“


    Johanna (untoldency): Yeah, that’s a good thing. We actually have two closing questions left now. The first one: if someone meets you who doesn’t know Mother Mother or Grief Chapter yet, how would you describe it briefly to them?

    Ryan Guldemond: It’s like Carpe diem. And the cosmic giggle.


    Johanna (untoldency): Okay, then the last one. Our magazine is called untoldency and we have this thing at the end of each interview to ask people to tell an untold story. Maybe there’s a special story you’d like to share which you haven’t told.


    Ryan Guldemond: That is. I mean, maybe I haven’t told my untold stories for a reason.

    Johanna (untoldency): That’s true.

    Ryan Guldemond: I feel like most good stories you tell. I really can’t think of an untold story. Does everyone give an answer?


    Johanna (untoldency): I mean, one artist once told me he accidentally stole something out of one of those candy shops. Where you can buy a chocolate bar for 1€. And he just forgot to pay and he took it. Then when he was home, he realized that he actually didn’t pay.


    Ryan Guldemond: I did that on this tour and I don’t think I’ve told anyone. Yeah. It was – you know the little prince? There was a keychain and everyone says I look like the little Prince. Because of the blond hair. And they like to infantalize me, like my family, Molly. “Oh, you’re just a little prince”. So I saw this keychain at a gift shop on a ferry crossing the English Channel. And a couple of days later, there’s something in my pocket, and there it was. And I never paid.

    I stole the other person’s story. Is that okay?


    Johanna (untoldency): Yeah. That’s fine. I mean. Untold is untold. And it’s not stealing if you’re just experiencing the same.


    Ryan Guldemond: Untold is untold.


    Johanna (untoldency): Exactly. And actually, one last, last question, but that’s fine if you don’t have an answer for that. I just wanted to ask if you want to share something else, like if you feel something’s missing. If there’s a question left which I didn’t ask, but you’d like to answer.


    Ryan Guldemond: Oh, probably not, but maybe I’ll just express extreme gratitude. To those who are reading and taking interest in Mother Mother. And if they listen, we hope that they enjoy. Nice. Yeah. End on a nice, polite note, like good manners is important.


    Johanna (untoldency): That’s true. So thank you for taking the time.


    Ryan Guldemond: Thank you very much.

    „It’s like carpe diem and the cosmic giggle“ – wenn ihr jetzt hören wollt, wie das klingt, könnt ihr das hier tun:

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  • „Here I fuckin’ go again“ – Fletcher ist zurück mit ihrem Album „In Search Of The Antidote“

    „Here I fuckin’ go again“ – Fletcher ist zurück mit ihrem Album „In Search Of The Antidote“

    „Here I fuckin’ go again“ – mit diesen Worten startet FLETCHER in ihr zweites Album „In Search Of The Antidote“. Bekannt für ihre unvergleichlich kontroversen Lyrics und komplexe Themen wie Identität, Ego und Selbstverwirklichung hat sie auch mit „The Search Of The Antidote“ ein solches Werk geschaffen. Nachdem sie sich im letzten Jahr aufgrund gesundheitlicher Probleme etwas aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, ist sie jetzt mit altbekannter Offenheit, Selbstreflexion und Selbstbewusstsein zurück.


    It’s messy and ugly and healing

    Das Album hat etwas von einem persönlichen Beichtstuhl. FLETCHER kommt von einem Platz kompletter Freiheit – eine Freiheit, die daraus stammt, alles zu fühlen und sich diese Gefühle zu erlauben. Was andere zurückhalten würden, weil es nicht ihre stolzesten Momente oder Gedanken sind, spricht sie gnadenlos aus. Sie schafft es immer und immer wieder, das Chaos und die Unordnung, die bei der Suche nach sich selbst und der Liebe entstehen, abzubilden. Es ist messy, es ist chaotisch und es werden – teils viele – Fehler gemacht. Aber es ist echt.


    „Hopin‘ you stay broken hearted
    but that’s just my ego talking“


    Vom Lernen & Wiedergutmachen

    Während FLETCHER in ihrem Debütalbum „Girl Of My Dreams“ noch mit Songs wie „Becky’s so hot“ und „Suckerpunch“ vor Selbstbewusstsein zu strotzen schien und auch mit „I Love You, Bitch“ und „Girl of My Dreams“ Selbstliebe zum zentralen Thema machte, spricht „In Search Of The Antidote“ mehr von Unsicherheiten, vom Lernen und Wiedergutmachen. Sie verschweigt und beschönigt nichts. Sowohl der Sound des Albums als auch die Texte sind an manchen Stellen ungeschliffener, rauer. Dazu gehören auch stimmliche Unvollkommenheiten, welche die starken Emotionen durchkommen lassen, die hinter den Songs stecken.

    Diese Message ist aber keine, die man direkt auf Anhieb versteht. Erst mehrmaliges Hören schafft ein besseres Verstehen für die Texte, für die Erlebnisse. Aber die Lektionen, die FLETCHER gelernt hat und mit uns teilt, sind das auch nicht. Die Verwirrtheit, die Sprunghaftigkeit, die diese Gefühle und dieses Album prägen, gehören zum Heilungsprozess dazu.

    Promobild von Fletcher, sie schaut in einen Spiegel

    Der stärker in den Mittelpunkt gestellte Gitarrensound verleiht dem Album eine gewisse Ungezähmtheit.

    Ein Song, der heraussticht, ist „Two Things Can Be True“. Am Anfang eher noch unauffällig, entwickelt sich daraus schnell ein hartnäckiger Ohrwurm. Wie der Titel schon verrät, ist der Song eine verzweifelte Validierung von parallel existierenden Gefühlen.

    Insgesamt lässt sich das Album als Alt-Pop gespickt von rockigen Passagen beschreiben. Songs wie „Doing Better“ oder „Attached to You“ werden genau davon angetrieben. Ruhige Songs wie „Crush“ oder „Joyride“, ohne die sonst stark im Vordergrund stehenden Drums und E-Gitarren, unterbrechen die Getriebenheit, die sonst sehr oft präsent ist. Diese Widersprüche finden sich teilweise auch in einem einzigen Song: „Pretending“ startet sehr soft, erst nur FLETCHER’s Stimme. Diese wird dann schnell ergänzt durch eine E-Gitarre, bis sich das Ganze bis zur Bridge stark steigert. Spätestens zum Ende des Songs liefern sich der Instrumental Part und die Vocals ein kleines Battle.

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    Aus einem Brei an Emotionen die einzelnen Gefühle zu erkennen und herauszufiltern, hat aber genauso einen gewissen Widerspruch, fühlt sich ähnlich an. Diese sehr ähnlichen Gefühle und doch so unterschiedlich, wiederkehrende Muster und neue Erlebnisse zeitgleich machen das Navigieren zu einem kleinen Battle und das hört man den Songs an. Es ist nicht die Achterbahn der Gefühle, die „Girl Of My Dreams“ war, sondern viel mehr ein wirres im Kreis drehen. Heilen ist eben nicht linear. Und das hat Fletcher in ihrem Sophomore-Album eingefangen.


    After the glow up I was learnin‘ how to grow up

    Der Titel hält, was er verspricht – „In Search Of The Antidote“ ist ein Album über die Suche, nicht über das Finden. Am Ende der 11 Songs fühlt es sich noch nicht so an, als wurde die Antidote gefunden. Aber auch das ist in Ordnung. Mit nur 31 Minuten ist das Album vergleichsweise kurz und vielleicht auch insgesamt nicht die musikalische Perfektion, die manche erwartet hatten. Aber das sollte es auch gar nicht sein. Mit einer sehr starken Vocal Performance, einigen „Did she really just say that?“-Momenten und gnadenloser Echtheit ist „In Search Of The Antidote“ perfekt in ihrer Imperfektion. FLETCHER schafft es, ihre Fans an dem emotionalen Chaos, das sie empfindet, teilhaben zu lassen. Und dabei gleichzeitig zu zeigen, dass nicht immer alles auf Hochglanz poliert sein muss, sondern die eifersüchtigen, unsicheren Momente genauso menschlich und normal sind.

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  • Katelyn Tarver hat in ihrem neuen Album gelernt, ein „Quitter“ zu sein

    Katelyn Tarver hat in ihrem neuen Album gelernt, ein „Quitter“ zu sein

    Drei Jahre nach ihrem letzten Album Release „Subject to Change“ können sich Fans von Katelyn Tarver über ein neues Album freuen: „Quitter„. Aufgeben ist nichts, was wir gerne hören oder tun wollen – aber vielleicht sollten wir alle deshalb einmal ganz genau zuhören und uns fragen, ob wir das nicht mehr sein und tun sollten. Denn Katelyn zeigt, wie befreiend aufgeben sein kann.

    Wer ihr Debüt-Album „Subject to Change“ kennt, ist bereits mit ihrem zarten Storytelling vertraut und doch ist dieses nochmal um einiges vulnerabler geworden. Die Sängerin schreckt vor keiner Frage zurück und teilt in vielseitiger Art viele Hindernisse, die normalerweise versteckt bleiben. Sie singt vom Imposter Syndrom und mangelndem Selbstwert, der Angst vor Unbekanntem und der Anxiety, die Perfektionismus mit sich bringt. Die Spannung zwischen gewünschter Anerkennung und dem Verlangen, seine eigene Wahrheit zu verfolgen, ist förmlich zu hören.


    What Makes A Life Good?

    Direkt nach dem titelgebenden Opener Song stellt Katelyn die Frage „What Makes A Life Good?„. Die verzweifelte Suche nach der Antwort überträgt sich beim zuhören:

    „Is it trusting intuition?
    Making peace with your decisions
    Is it taking someone’s broken heart and knowing how to fix it?
    Is it becoming a mother?
    Is it learning to be tougher?
    Holding on to hope when your world loses all the color
    Is it finding out what’s out there?
    Is it staying close to home?
    Is it being okay being on your own?“

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    Ich weiß die Antwort zwar noch nicht und Katelyn offenbar auch nicht, in den nächsten 30 Minuten kommen wir der Antwort näher. Fragen werfen mehr Fragen auf, die Sängerin drängt dazu, dass wir uns damit ebenso auseinander setzen wie sie, zeigt zugleich ihre Unsicherheit.

    Das Album fühlt sich insgesamt an wie ein lange überfälliger Deep Talk mit der großen Schwester. Katelyn teilt ihre Selbstzweifel mit einer so offenen Ehrlichkeit, dass man gar nicht anders kann, als sich wohlzufühlen. Und auch, wenn definitive Antworten eben (noch) ausbleiben, beruhigt die Sängerin einen, vermittelt das Gefühl, dass alles wieder besser wird, dass wir uns alle irgendwo die gleichen Fragen stellen.


    Irgendwo zwischen Verzweiflung, Hoffnung und gnadenloser Ehrlichkeit

    Katelyn schafft es, dass einzelne Phrasen und Fragen wirklich herausstechen, und diese Gefühle betonen:

    „Will you still love me if my luck runs out?
    Will you still love me if my luck runs out?“

    Das ist die zentrale Frage, die sie sich in „Japanese Café“ stellt. Und wenn sie sich diese Frage stellt, hört man nur ihre kristallklare Stimme. Die Drums und Gitarre, die dem Track und dem Album sonst einen guten Drive verleihen, werden pausiert, die Frage und Message werden betont.

    Quitter“ bewegt sich im Indie Pop, ist geprägt von starken Drum Patterns und gitarrenlastigen Parts. Der Drive, der dadurch erzeugt wird, treibt diese Suche nach sich selbst an, baut eine gewisse hoffnungsvolle Verzweiflung auf und fordert auf, sich von den Vorstellungen, die man von sich selbst und seinem Leben hatte, zu lösen. „Quitter“ lädt ein, seine Gedanken schweifen zu lassen, sich seinen Problemen zu stellen und die gestellten Fragen zu beantworten.


    Parallel universe – oder eher Extreme existieren auch parallel

    Am Ende ist die Frage „What Makes A Life Good?“ zwar wie gesagt noch nicht endgültig beantwortet, aber Katelyn hat sich selbst und uns eine andere Perspektive ermöglicht. In einer sehr ruhigen Ballade bringt sie die gefundenen Erkenntnisse in ein rundes Ende, erinnert daran, dass Extreme parallel existieren und trotzdem stimmen können:

    „I’ve been the bad guy
    And I’ve been the sunshine

    All the things I regret and the things I like best
    Can’t have one without the other“

    Lässt man sich auf das Album ein und hört Katelyn zu, findet man 11 Songs, die einem Ruhe schenken und Raum lassen, sich selbst zu hinterfragen. Katelyn zeigt, dass auch in den 30er entgegen der meisten Erwartungen nicht alle Herausforderungen gemeistert, nicht alle Fragen beantwortet sind. Und nicht zuletzt zeigt sie in wundervoller Art und Weise, dass es auch sehr befreiend sein kann, ein „Quitter“ zu sein.

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  • Johannas Jahresrückblick: Um ehrlich zu sein – einfach nur Taylor Swift

    Johannas Jahresrückblick: Um ehrlich zu sein – einfach nur Taylor Swift

    2023 war ein sehr emotionales und langes Jahr für mich. Ich habe viel erlebt, viele tolle Menschen kennenlernen dürfen und mir wurden unfassbar tolle Chancen geboten. Ich war mit Höme auf dem Roskilde Festival. Die erste Ausgabe unseres eigenen Festivals, dem For A Change in Passau, hat stattgefunden. Ich bin mal wieder umgezogen. Meine musikalischen Highlights spiegeln dementsprechend mein Jahr ziemlich gut wider: emotionally all over the place. Und zwei Worte stechen dabei besonders hervor: Taylor Swift.



    Der Elefant im Raum (Taylor’s Version)

    Fangen wir doch einfach direkt mit dem Elefanten im Raum an – Taylor Swift. Man kann es auch eigentlich nicht anders nennen als einen Elefanten, weil sie so viel Platz in meinem Leben einnimmt. Es gibt keine*n andere*n Künstler*in, die mich bisher in meinem Leben so lange begleitet hat wie Taylor. Und vermutlich auch niemanden, bei dem meine Freund*innen so schnell an mich denken wie bei dem Namen Taylor Swift. Ich wurde dieses Jahr sehr oft gefragt, was ich an ihr und ihrer Musik so toll finde. Und auch, wenn ich darüber jetzt einen ganzen Essay schreiben könnte, will ich das auf die zwei prägnantesten Punkte zusammenfassen: ihr Songwriting und Nostalgie. Mit wie vielen Referenzen sie in ihren Songs arbeitet. Die Bilder, die sie damit malt. Für mich ist das Wichtigste bei Musik, was in den Songs gesagt wird, welche und wie die Geschichte erzählt wird. Und das kann Taylor verdammt gut. Der andere Grund: ich höre ihre Musik seit 14 Jahren. Das sind so gut wie zwei Drittel meines Lebens, ich bin praktisch damit aufgewachsen. 

    Zu sehen ist Taylor Swift auf ihrer The Eras Tour.
    (c) Martha Asencio-Rhine / Tampa Bay T / Martha Asencio-Rhine

    2023 war ein sehr gutes Jahr, um Swiftie zu sein. Es gab zwei neue Taylor’s Version Alben (Speak Now und 1989). Die ganze Eras Tour ist praktisch eine nostalgische Zeitreise – Fans haben die Möglichkeit, Songs aus ihren Lieblings-Eras zu hören, wenn sie (wie ich) damals zu jung für die Konzerte waren. „1989 (Taylor’s Version)“ hat mich zu meinem ersten TikTok Tanz gebracht („Is It Over Now?“) und „Speak Now (Taylor’s Version)“ durch die Klausurenphase. Es gab alte und neue Songs, ein Musikvideo voller Easter Eggs. Mit “You’re Losing Me” wurde im Dezember einer ihrer lyrisch genialsten Songs (in meiner Ansicht) veröffentlicht. Wie gesagt, ich könnte auch einen ganzen Liebesbrief alleine über Taylor Swift Songs schreiben. Aber auch, wenn ich mit 12.500 Minuten dieses Jahr sehr viel Zeit mit ihrer Musik verbracht habe, gibt es noch andere Künstlerinnen und Songs, die in diesem Liebesbrief auftauchen sollten.


    That’s a slay

    Die zweite Künstlerin, die mein Jahr bestimmte und einen großen Einfluss auf meine Stimmung nahm, ist Upsahl. Ich kannte den Namen Upsahl zwar schon länger, aber was mich endgültig in ihren Bann gezogen hat, war der Song (und um ehrlich zu sein der TikTok Content dafür) “Good Girl Era”.

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    Man könnte jetzt sagen, ich habe ein Muster: Upsahl, Fletcher, Cloudy June. Alles Künstlerinnen, die sehr selbstbewusst auftreten, starke Persönlichkeiten sind und dies auch in ihren Lyrics widerspiegeln. Ich will auch gar nicht widersprechen, da meine Lieblingsplaylist dieses Jahr “rich bitch energy only” hieß. Songs wie “Naked” von Sam Short, “Double Denim” von Skylar, “People I Don’t Like” von Upsahl oder “Greedy” von Tate McRae (deren Album “THINK LATER” übrigens auch zu meinen Lieblingsveröffentlichungen 2023 gehörte) waren darin enthalten und sie lief die ganze Zeit rauf und runter. Und genau deswegen gehört Upsahl auch so ein großer Anteil dieser Playlist. Ihre Musik kann auch getrost als mein diesjähriger Soundtrack bezeichnet werden.

    In einem Interview sagte die Sängerin aus Arizona einmal: “I crave change, I live for intensity, I’m extremely passionate (sometimes to a fault), I exert power in as many aspects of my life as I can, and I’m unbothered as fuck” und das fasst meine Einstellung dieses Jahr sehr zusammen. Also kein Wunder, dass ihre Musik mich das ganze Jahr über begleitete.

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    Future Nostalgia

    Dua Lipa bestimmte zwar mein 2023 nicht so stark wie in den letzten Jahren, trotzdem beschreibt der Titel ihres Albums am besten, wie ich dieses Jahr Musik gehört habe. Taylor Swift legte mit ihren Re-Recordings den Grundbaustein für diese Nostalgie – Songs aus meiner Kindheit, die ich aber mittlerweile teilweise mit ganz anderen Erinnerungen und Situationen verknüpfe. Diese Nostalgie erstreckt sich aber nicht nur so weit zurück wie in diesem Fall, sondern auch gerade auf die letzten sechs Jahre. Zum Beispiel “Worst Of You” von Maisie Peters (2018), “I Might” von Tom Grennan (2018), “85% – Acoustic” von Loote (2019) oder “Mess It Up” von Gracie Abrams (2021) sind alles nicht mehr die neuesten Titel, aber waren Dauerbegleiter im letzten Jahr für mich.


    „I feel like myself right now“

    Die letzten Highlights sind – wie angekündigt – emotionally all over the place. Ich finde nicht den einen roten Faden darin, aber ich glaube, es gibt ihn und er nennt sich erwachsen werden oder auch being in my 20s. Angefangen mit “Right Now” von Gracie Abrams – im Oktober konnte ich sie live sehen und obwohl ich das Album natürlich nach Veröffentlichung auch hoch und runter gehört hatte, zog mich das Finale beim Konzert nochmal besonders in den Bann.

    I’m so high, but can’t look down
    Left my past life on the ground
    Think I’m more alive, somehow
    I feel like myself right now

    Die Verletzlichkeit und die Hoffnung, die dieser Song gleichzeitig ausstrahlte, ließen mich nicht mehr los und haben mich sehr verzaubert. Das Vermissen und die Nostalgie gepaart mit einer grundlegenden Zufriedenheit mit sich selbst. Dieser Song und die Performance haben mich auf jeden Fall noch sehr lange begleitet.

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    Und solche Songs waren meine Lieblingsfundstücke dieses Jahr – Songs, die davon erzählten, irgendwie verloren zu sein, aber gerade in der starken Intensität dieser Emotionen auch komplett aufgehen – wie Fletcher in “20 something”. Oder “The View Between Villages – Extended Version” von Noah Kahan. Ich hatte dieses Jahr einen ganz großen soft spot für nostalgische Songs mit einer Prise Hoffnung. Songs, in denen die Sehnsucht mitschwingt, sich selbst zu kennen, und die gleichzeitig eine tiefe Zuversicht für die Zukunft ausdrücken.


    Im Januar habe ich ein Visionboard für 2023 erstellt. Darauf waren unter anderem Zitate wie “I’m fucking special”, “I don’t care” oder “Do it for you”. Und ich glaube, die Songs, die für mich mein 2023 am meisten geprägt haben, spiegeln die Schwankungen zwischen diesem Self Empowerment und den Momenten, in denen ich mich empowern musste, ziemlich deutlich wieder. Es war teilweise eine Achterbahn, aber hört am besten einfach selbst:

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  • Playlist: trick or treat

    Playlist: trick or treat

    Die Tage werden kürzer, der Herbst ungemütlicher und das Wetter regnerischer. Aber Ende Oktober gibt es einen Tag, der die Stimmung höher treibt und alle, die es wollen, in eine andere Welt entführt: Halloween. Es wird wieder Zeit, wie jedes Jahr “Hocus Pocus” zu binge-watchen, dabei Kürbisse zu schnitzen und kostümiert durch die Wohnung zu flitzen. Und dann bleibt nur zu sagen: trick or treat!


    Falls der Disney-Klassiker nichts für euch ist, ihr aber trotzdem Unterhaltung beim Kürbis schnitzen oder vielleicht im Endspurt beim Nähen eures Kostüms haben wollt, haben wir hier die perfekte Lösung für euch. Wir nämlich unsere trick or treat-Playlist aktualisiert, mit der sich perfekt auf den schaurigen Abend vorbereiten lässt.

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    Düstere Beats und Texte, die mit Horror und magischen Hexenkräften spielen, hypen euch perfekt für die Halloween-Party heute Abend ab. Die Auswahl ist geprägt von düsterem Pop und Alt Z mit einigen Trap-angehauchten Beats, die euch in ihren Bann ziehen und eure Gottkomplexe wecken. Ihr könnt von Cloudy June über SNOW WIFE und Brenda Blitz bis hin zu Olivia Rodrigo und Skuppin dieses Jahr alles finden. Denn was soll in eine Playlist, wenn nicht Songs, die von Vampiren, Hexen und dem Teufel singen? Falls das aber nichts für euch ist, findet ihr natürlich auch einige Klassiker in der Playlist.


    Jade LeMac – Aimed to Kill

    Ein Song aus Sicht eines Serienkillers mit einem kleinen Twist – genau das ist Aimed to Kill von Jade LeMac. Vielleicht ein etwas ungewöhnlicher Blickwinkel, nicht der typische Song, mit dem man sich identifizieren kann. Aber vielleicht der passende Soundtrack für euer Kostüm heute Abend! 

    Abgesehen von fragwürdigen Serienkiller Songs sind Jades Songs eigentlich eher LGBTQ+ Hymnen für Bad Bitches und emotionale Soundtracks.


    SNOW WIFE – AMERICAN HORROR SHOW

    American Horror Show – was erwartet man von Halloween, wenn nicht eine Horror Show? Die amerikanische Künstlerin Snow Wife spielt mit dem ihr verpassten Titel American Horror Show. Und wem der Song alleine nicht ausreicht, kann versuchen, den dazugehörigen Tanz aus dem Video zu lernen, der in den letzten Monaten auch auf TikTok viral gegangen ist.

    Eigentlich wollte die Sängerin Tour-Tänzerin werden – doch mit ihren selbstbewussten Lyrics, die nichts verschleiern oder andeuten, und ihrer starken, markanten Stimme freuen wir uns, dass sie den Weg ans Mikrofon gefunden hat und sind gespannt, was sie noch für uns bereit hält! Ihr Auftritt ist auf jeden Fall eine sehenswerte Performance!

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    Kiki Rockwell – Same Old Energy & Burn Your Village

    Musikalisch fällt dieser Song vielleicht etwas aus der Reihe in dieser Playlist. Aber Kiki Rockwell erzählt hier über zwei Songs eine fesselnde Geschichte und verwebt dabei Themen wie Empowerment und Rache miteinander. Hier sind vor allem die beiden Musikvideos eine absolute Empfehlung! Gemeinsam mit den Lyrics malt die Sängerin dabei ein Bild von Selbstermächtigung, der Gesang klingt durch viele Wiederholungen gepaart mit entsprechenden Bewegungen nach Hexerei und kanalisiert die Wut und den Vergeltungsdrang, von denen hier erzählt wird.

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    Das war jetzt aber nur eine kleine Auswahl – die Playlist bietet natürlich noch viele weitere Hits. Unter anderem zum Beispiel die folgenden:


    Mad Tsai – Killer Queen 
    Devon Cole – W.I.T.C.H.
    Mother Mother – Hayloft
    CHINCHILLA – Little Girl Gone
    KiNG MALA – cult leader


    Die Playlist bietet euch ein schaurig-schönes Hörerlebnis – und wer auch noch ein bisschen Empowerment benötigt und seinen Gott-Komplex für die Halloween Party heute Abend noch fördern will, sollte auf jeden Fall reinhören! Viel Spaß beim Gruseln, Verkleiden, Kürbis schnitzen und natürlich beim “Trick-or-Treating”!

  • Bow Anderson im Interview: „The more honest you are and specific, the more people relate“

    Bow Anderson im Interview: „The more honest you are and specific, the more people relate“

    Die aus Schottland stammende und in London lebende Künstlerin Bow Anderson hat im Juli 2023 nach längerer Pause ihre neue Single „Midnights“ veröffentlicht, kurz darauf folgend „Dear Body„. In beiden Singles zeigt sie ihr Talent, furchtlos und kompromisslos ehrlich ihre eigenen Gedanken darzulegen und schwierige, persönliche Themen mit einer Nahbarkeit und Offenheit anzusprechen. Im Rahmen des Reeperbahnfestivals durfte ich die Sängerin treffen und mit ihr über ihre neue Musik sprechen.


    Bow Anderson im Interview

    Johanna (untoldency): Hello, I’m happy to meet you here today.

    Bow: Awww, I’m happy to meet you


    Johanna: Maybe an easy question for start: You’ve just performed at the N-JOY Reeperbahn Bus and tonight at the Mojo Club in here. Are you happy to be here?

    Bow: I’m so excited. I’ve not done many shows this year because I’ve just been busy writing, so I’m buzzing. Yeah, I’m really excited. And the show just there was so fun. It was just an acoustic set, but I just… I love playing live, so I was like, let’s go, I’m having a great time


    Johanna: Yeah, I’m looking forward to tonight. I’m coming over.

    Bow: Are you? I hope you enjoy it. I hope it’s not bad.


    „It’s really cool to feel like you’re part of something and everyone else feels like part of it as well. Like a little group.“


    Johanna: Yeah, no, it’s gonna be great. You just said that you’ve been writing much and you’ve recently released a single, “Midnight”. It’s been a year since the last single was released. How was the feedback after releasing after such a time? How were you feeling?

    Bow: Yeah, it was like a mixture of feelings because I was so desperate to release. But as it got closer to the release date, I was like “oh, am I actually quite… like anxious?” But no, I’m happy. I love music and I love releasing music. And when you release, you get live shows. So yeah, it’s a mixture of emotions, but I’m buzzing to be releasing again.

    And again because I’ve written some of these songs like a while ago and people are like, “when are you releasing it?” And I’m like, ”yeah, soon, soon, I promise, I promise, I’m working on it, I swear”. So now it feels great, feels great.


    Johanna: It’s a song about sleepless nights, racing thoughts in your head. Like, do you have any tips on coping with insomnia? How do you cope with sleepless nights?

    Bow: I’m still working on it, it’s work in process. And I wrote that because it’s like a therapy to me. It like, helps me feel better. But I try not to look at my phone when I go to sleep and I’m trying to read a book. Um, meditation is meant to help. I’m not very good at it. My brain’s, like on overdrive all the time. But apparently meditation is meant to be good to, like, center your brain.

    Yeah, but just like doing stuff that you like I guess, that doesn’t involve sitting on your phone all the time because that makes you stay awake. Anything relaxing, self-care, whatever that is to you. You know what I mean?


    Johanna: Any good book recommendations?

    Bow: Oh, God, I can’t think… I’m so bad at remembering… oh seven strange. Is it seven strangers? That’s not helpful. I read a lot of books that are just like fiction, that are like thriller, like, oh, what’s going to happen? Are they going to get murdered? Who knows? You’re like, okay, she’s weird. Um, but yeah.


    Johanna: No, I read much as well. Mostly fantasy – but I know what you mean.
    You just said it’s like writing it’s a little bit of therapy for you. Is it mostly therapy, or do you want to also get your thoughts out there to help other people?

    Bow: I definitely write from a place of like therapy for myself. But I also like when other people relate. It’s kind of like a healing process because you’re like, „okay, I’m not the only one that feels like this. You also feel like this.“ And the fact that you’re making someone else feel like they’re not the only one is also really nice. Like, I get some stories that people have, like traumas and stuff that people have went through and the things that it helps them with. And it’s quite like, oh, wow. Because you do feel like the only person sometimes with these feelings, but actually we’re all quite… We all have our own unique story, but we’re all quite similar. Really. So yeah, no, it’s really cool to feel like you’re part of something and everyone else feels like part of it as well. Like a little group.


    „The more honest you are and specific, the more people relate“


    Johanna: I can imagine. But most of your songs are pretty self-aware. You’re singing about doubting yourself or being your own worst enemy. When it comes to releasing music, it’s pretty personal sometimes, maybe even like giving people your journal or something like this. Are you maybe sometimes overthinking your music as well or is it really like you’re writing it and then it’s completely fine?

    Bow: You know, I think like since I released a song called 20s, that was definitely a time where prior to that, I’d always really overthought what I was saying and “oh, is that relatable to people?” And then 20s, I was never going to release. It was just kind of like a song that I was like, I just need to use this today because, like, I just need to get this out. And it was just very honest. And then it just… People really resonated with it. And I think that really opened my eyes to being like, the more honest you are and specific, the more people relate. So I just kind of like… It’s really weird because I’m quite a private person, like in terms of I’m not very good at talking to my friends about my feelings. But then as soon as I’m in a studio, it’s… Well, I don’t know what it is, but I’m just like (kind of sings) la la la la la la….

    I would just… I will just say everything and anything. And I think honestly, it’s the best way. I think people know when you’re not being honest. I think being honest is probably the best way to write… For me anyway.


    Johanna: But is it sometimes like, a letter to your friends, about things you can’t tell them, because you’re like too private about it. And then you have a song for them like, “hey, listen to this to know what I’m feeling”

    Bow: I know I have had some people be like, “are you okay?” And I’m like, “yeah, I feel fine.” I’m just using it as my therapy, you know? I think that is my way of like healing and process and things. But it’s funny like my mum’s phoned me before being like, you know, like “you good. Yeah? Because you said in that song that like, you’re not good when this happens.” And I’m like, “yeah mom, it’s fine”. I’m like, “don’t worry, I’m just writing songs and it’s just healing process. I’m fine. Honestly. Sorry.”


    „Growing up, like just all these pressures of what you’re meant to look like. It was like all these expectations.“


    Johanna: One of your unreleased songs, I’ve seen it on TikTok, “Dear Body” talks about your relationship with your body and the host of the N-JOY Reeperbahn bus also said you had a gymnastics career before.
    Most of the times, like, competitive sport can be pretty hard, especially when it comes to body images. And when I first heard “Dear Body” I also thought of that – like competitive sport and body images and issues all that kind of stuff. Do you feel like that career still influences your songwriting?

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    Bow: I think, I don’t know… I think that like what I went through in like the toughness of the sport, it’s like it definitely makes you stronger as a person. But I think I wrote “Dear Body” just like I… Growing up, like just all these pressures of what you’re meant to look like. And if you don’t look like that, you need to be on these crazy diet… to be this certain size. And it’s like there wasn’t like, oh, it’s okay. Everyone’s a different body type. It was like all these expectations.

    And I think just growing up, it was just something that really stuck with me. Like my mom would like go on these mad diets and she’d show me these books and be like, so this is your protein count. This is your like, sugars. And that was when I wasn’t even a teenager. Like, she wasn’t saying it to me to be like, you should do this. But she was like, oh, I’m going to Weight Watchers, which is like in the UK, like, yeah…

    Johanna: Yeah, my mum did that too.

    Bow: See what I mean? I mean, so then even from a young age you’re like triggered to be, you know… And then like when I was trampolining and doing gymnastics and dance like you had to wear all these skinny, tight leotards and like, everyone was different body types. And when I was younger, I wasn’t really conscious about it.

    But now looking back, there was probably times where me or other people were probably a bit conscious of “oh God, I’ve got to wear like barely anything”. And like, I have friends that are dancers and they’d have to wear these skimpy, skinny leotards or whatever. And it feels so, like insecure, because there’s just so many expectations.

    Sorry. I went off on a total rant there about it. But yeah. So I guess like just throughout my years of like dancing and doing trampoline and stuff, like it was always kind of at the back of my mind, I guess. Yeah.

    Johanna: Yeah. No, I think that’s also an important topic because I’m sure you’ve heard about, like, I think it was the…. Female finnish beach volleyball team? [Anm. d. Red.: Es war das norwegische Beachvolleyball Team] Where they have to wear this like bikini…..

    Bow: Yeah yeah yeah yeah yeah yeah.

    Johanna: And one time all of those wore just like longer shorts and were disqualified because it was too long. Because that’s their uniform. Yeah, and it’s still important because it doesn’t matter what you wear to play beachvolleyball. But it matters much to your mind.

    Bow: Oh totally. It has. And I think even at the time if you know, you try and brush it over, it still subconsciously has an effect. I think all these little things as you grow up as a female or as a male or whoever you are like, it definitely has an impact on like how you feel just gradually. Totally. Yeah.


    „You’re so fucking selfish“


    Johanna: Yeah, totally. When I prepared for this interview, I’ve also watched your music videos. The most recent one was the selfish music video. And in the beginning for the intro, you’re like, just walking your dog – or probably not your dog…

    Bow: Yeah. Chilly. He was called Chilly. He was a big dog. Oh, my God, he was strong. I was in big heels. And I was like, they were like, just walk casually. And I was like, yeah, okay. Like getting killed by this dog.


    Johanna: So yeah, you’re walking your dog. And you’re just like recording the music, selfish, like as a memo. And that was probably for the music video, but is that also a way you write songs like thinking something and recording it just like that?

    Bow: Yeah, definitely. Like, I mean, I write differently every day. Like there’s no… like sometimes I’ll have a concept or I’ll have a title or I’ll have this random weird melody, or I’ll have a bit of everything. Who knows? But yeah, for selfish, I literally was walking down the street and I was like, selfish yourself? And I was like, (starts singing) you’re so fucking selfish, only think of yourself, meh mimi me

    And then the rest of the lyrics, I was getting all I had and then I just took it into session. So that’s why we did the vocal recording, because I was like, oh, I actually did do that, but we just couldn’t sync it up. So I had to like, recreate it. Yeah. But yeah, I do have it.

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    Johanna: And we’ve been already speaking about outfits and dress codes and all that. In the video it was like very many different outfits, very high fashion. Is that something that matters to you as well, because I feel like you have a very unique style, like you like do dress very sporty.

    Bow: Yeah. I love my sports gear. I’m like a tomboy really deep down. But I do like dressing up.I love this.

    Johanna: Because I feel like that because it was not the only music video where you were like, all dressed up.

    Bow: Yeah, yeah, I think I’ve learnt to. So my creative director, Daisy Dean, she, I’ve worked with her for a long time. And like when I first started with her, I was very like, I just wear jeans, trainers and jumpers. She was like, right, okay. But like over time I’ve just like built this relationship with her and she gets me and I just kind of go, “you know what? Just like have fun with it.” So we’ve just had so much fun creating all these looks with like an amazing team of people. And it’s just, yeah, it’s really cool.

    Johanna: And it’s like one time you get to dress up.

    Bow: Yeah. You’re like, yeah, okay, I trust that you’re going to make me look good. Yeah. Okay, great. And I’m like, it’s so fun. It’s so fun to do that. Yeah, definitely.


    „Don’t chat too much with my granny.“


    Johanna: Okay. One last question actually, already, um, our magazine is called untoldency, and in the end we always ask for one untold story. If you’d like to tell us one, which you haven’t especially told in an interview, or maybe in general how you like it, a fun fact, secrets, whatever you’d like.

    Bow: Anything I’ve just thought of, like, quite a funny story that happened. I am, you know, the Shard in London.

    Johanna: Yeah

    Bow: Oh actually, I’ve got a better story. I’ve got a better story. Okay, so my family, there’s a movie called The Lampoons, which is like, basically this family that, like, everything goes wrong. I think it’s an American film.

    Anyway, my family call themselves lampoons because everything goes wrong. And my granny is known for chatting like a lot. To the point that we’d been the whole family – like my auntie, my cousin’s brother, like whole family went out, mom and dad – and we missed their flight back to the UK because my granny was like chatting to a neighbor too much. So we like completely missed their flight. But then we couldn’t stay where we were staying because there were other people staying. So we had to go to a motel. We’re all in a motel. My granddad locked himself out the room, put his passports in the lockbox. Forgot the code to the password. My granny was like, didn’t have any clothes because it was all at the apartment. Yeah. So she wore just underwear to sit at the pool. And then the next day, my mum and dad and my brother and me, we flew back, but they missed the second flight because of storms. So basically they didn’t get back for like three days. But the main reason was because my granny was chatting too much to her neighbor that we missed her flight.

    Johanna:  Oh no. So what do we learn from that? Don’t chat too much.

    Bow: : Don’t chat too much with my granny. You just have to be like la la la la la la… leaving goodbye. But no, that was a situation. Yeah, I don’t know, that just popped random. It just I was like, that happened. That’s quite bad.


    Johanna: Yeah. Very random.
    And actually, for real this time, one last open question. Because I’d like to just do that at the end of the interview. If you’d like to say something to the readers, what you think is important, they should know about you, about your song, if you have anything left on your heart.

    Bow: I mean, I just kind of write, like, uplifting, not sad songs, but honest songs to try and help people feel less alone. Because I think I’m not very good at talking about my feelings to people. And I feel like sometimes if you hear in a song something that really resonates with you, it makes you feel less alone. Like even if you can’t speak to other people, at least you have someone that you’re like, okay, I’m not the only one that feels this way, and it kind of makes… It heals you and it makes you feel less alone. So I love writing music to just make people feel kind of good about themselves, even if it is kind of sad. Yeah, roughly.


    Johanna: Yeah. And maybe the song can help them talk.

    Bow: I hope so, yeah, definitely. Yeah.

    Johanna (untoldency): So, thank you for your time.

    Bow: Thank you. Thank you very much.

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  • Nostalgie und Festivalzauber: Das war das Lollapalooza 2023

    Nostalgie und Festivalzauber: Das war das Lollapalooza 2023

    Der September in Berlin bedeutet vieles, doch er bedeutet vor allem eins: Es ist wieder Zeit fürs Lollapalooza. Strahlender Sonnenschein begleitete die über 60.000 begeisterten Festivalbesucher*innen, die sich auf Auftritte von Imagine Dragons, Macklemore, Mumford & Sons, David Guetta, Ava Max und vielen anderen freuten.


    Lollapalooza Berlin: Nicht nur für Musikliebhaber*innen

    Auch dieses Jahr überzeugte das Festival, das ursprünglich aus Chicago stammt und zum 7. Mal in Berlin stattfindet, mit einem bunten Angebot. Man fand nicht nur musikalische Highlights auf 5 Bühnen, sondern auch das Grüne Kiez, in dem man sich in diesem Jahr politisch zur Europawahl 2024 austauschen, mit der Berliner Ernährungsstrategie über gesundheitsfördernde Ernährung philosophieren und vieles mehr konnte. Wer eher an Lifestyle & Glamour interessiert ist und sich wie auf dem Coachella fühlen will, konnte dies im Fashionpalooza tun. Dort gab es neben Kunstinstallationen und Photopoints auch diverse Marken wie essence, die die Besucher*innen mit Glitzer und Haarspangen für den Festivalbesuch ausstatteten. Und wer mit Kind unterwegs war, konnte einen Abstecher zum Kidzalooza einlegen, wo auch Kinder Musik und Unterhaltung nach ihrem Geschmack finden konnten.

    Neben diesen alljährlich wiederkehrenden Bereichen sorgten auch die diesjährigen Partner*innen für ein breites Angebot. Bei der Stage des Coke Studios, gab es verschiedene (Acoustic-)Auftritte von Künstler*innen, Meet & Greets mit Influencer*innen sowie Bands und verschiedene Creative Talks. Falls man sich zwischendurch kurz sportlich austoben wollte, bot Wrangler die Möglichkeit zu einem Rodeo.


    LIZ auf der Alternative Stage (c) Nadja Aumüller

    Für jeden Geschmack eine Bühne

    Das wichtigste (zumindest für mich) aber: die Musik. Wie gesagt – auf fünf verschiedenen Bühnen (+ die Bühne im Kidzalooza) konnte man an zwei Tagen sehr viel unterschiedliches erleben und genießen. Mainstream Mausis befanden sich vermutlich vor allem auf Sprints zwischen den beiden Main Stages North und South, wo über die beiden Tage verteilt Acts wie Imagine Dragons, Macklemore, Ava Max, David Guetta, SDP, Bilderbuch und viele mehr gespielt haben. Wollte man ein bisschen außerhalb der Popwelt unterwegs sein, stattete man am besten der Alternative Stage einen Besuch ab. Dort konntet ihr am Wochenende Acts von AJR über Aurora, Lovejoy und Weird Crimes bis hin zu Moncrieff genießen. Wenn das nicht ganz euren Geschmack trifft, hatte man bei der Weingarten Stage die Möglichkeit, vielen deutschen Newcomer*innen wie Marie Bothmer, Pantha, Futurebae oder auch Wa22ermann zu lauschen. Oder dann doch lieber typisch Berlin ein bisschen Electro oder HipHop/Rap mit Alligatoah, Domiziana, Ski Aggu, KSHMR und Lost Frequencies auf der Perrys Stage? Das blieb wirklich ganz euch überlassen – und da das vielfältige Festival Gelände und Line Up ein ganz individuelles Festivalerlebnis ermöglichte und ihr von 100 verschiedenen Menschen wahrscheinlich 100 verschiedene Wochenend-Berichte erzählt bekommt, möchte ich euch hier auf eines davon mitnehmen.

    Vorab Spoiler Alert: Es gab insgesamt drei große Highlights an meinem Wochenende, allen voran Imagine Dragons. Doch vor allem abseits der großen Highlights konnte ich noch viele kleinere Momente genießen. Doch erstmal von Anfang an.



    Der Start in den Tag mit sad girl songs, Partyhymnen und red flags

    Lauren Spencer-Smith auf der Mainstage South
    (c) Nadja Aumüller

    Mein Samstag startete mit Lauren Spencer-Smith: Nachdem die kanadische Sängerin immer wieder mit Songs wie Fingers Crossed oder Narcissist auf meiner TikTok For You Page landete, musste ich das ganze auch mal live sehen. Und das Warten hatte sich auch gelohnt – 40 min tanzten wir, sangen uns die Seele aus dem Leib und verfluchten gemeinsam mit Lauren toxische Beziehungen. Ein gelungener Start in den ersten Festivaltag. Lauren war später auch noch bei den Coke Studios für einen Creative Talk und eine Acoustic Performance, doch da sollte ich bei AYLIVA sein.

    Doch erstmal ging es weiter zu Ski Aggu – den hatte ich zwar dieses Jahr schon hier und da live gesehen, aber dementsprechend wusste ich auch, dass dort gute Partystimmung aufkommt. Also auf die Treppen runter ins Olympiastadion, wo wir alle zusammen ein bisschen abdancen konnten. Nach ein paar Partyhymnen und guter Laune haben wir das Set leider frühzeitig verlassen, da wir Mimi Webb sehen wollten.

    Die britische Künstlerin kenne ich vom Jingle Bell Ball und seitdem landen ihre Songs regelmäßig in meinen Playlists. Also eine sichere Sache: da muss ich hin. Während wir vor der Main Stage standen und unsere Haut wahrscheinlich von der Sonne verbrannt wurde, sang Mimi passend dazu “House on Fire”.


    Jetzt ist dancen, mitsingen und Feel-Good Time angesagt

    Samstag gehörte ich auf jeden Fall zu den vorher erwähnten Mainstream Mausis: denn von Mimi Webb ging es direkt zu AYLIVA auf der Mainstage North. Also kurzer Sprint auf die andere Seite, der sich aber volle Kanne gelohnt hatte. Die Show der aufstrebenden Künstlerin, die gerade auch ihre erste Arena Tour spielt, war sehr beeindruckend. Sie verteilte zwischendurch Rosen ans Publikum, es gab roten Konfettiregen, Pyrotechnik und Feuer auf der Bühne. Und auch die Crowd hat das alles sehr genossen und konnte fast jedes einzelne Wort mitsingen.

    Nach AYLIVA ging es dann wieder direkt zur Mainstage South (wie gesagt: heute war ich Mainstream Mausi), wo Zara Larsson spielte – ein persönliches must-see von mir. Denn 2019 spielte die Künstlerin als Support bei Ed Sheerans World Tour und bei beiden Konzerten, die ich damals besuchte, hatte ich Zara aufgrund von Stau bei der Anreise leider verpasst. Als ich sie also im diesjährigen Line-Up entdeckte, wurde sie direkt in der App als Favorit markiert. Und es hatte sich auch sehr gelohnt: wir kannten fast jeden Song, die Bühnenperformance mit Zara und mehreren Tänzerinnen ließ uns teilweise mit offenem Mund zurück und wir genossen den Slot insgesamt einfach sehr. Es war auf jeden Fall Feel-Good Zeit angesagt.

    Premiere beim Lollapalooza Berlin: Zara Larsson
    (c) fabivsu

    Und danach gab es für heute den letzten Sprint auf die andere Seite zu Ava Max. Auch Ava hatte mehrere Tänzerinnen dabei, dafür aber keine Liveband. Man hatte zwischendurch das Gefühl, dass die Gruppe auf der großen Bühne etwas unterging, aber die Energy und Attitude, die sie alle mitbrachten, machten das wieder wett. 

    Nach guten fünf Stunden tanzen, springen, singen und abfeiern, war es jetzt mal kurz Zeit für eine Pause. Mit einem kühlen Getränk und leckerem Essen von der großen Auswahl an Food Ständen dort, genossen wir THE BLAZE im Hintergrund und beobachteten einfach mal kurz die Menge. Dabei fiel uns folgendes auf: durchsichtige Röcke und Kleider mit Glitzerdruck oder Glitzersteinen waren dieses Jahr sehr beliebt – genauso wie Netzoberteile (mit oder ohne Glitzer) und generell viel Farbe. Das Lollapalooza in Berlin kann getrost als das deutsche Coachella bezeichnet werden – sowohl die Outfits als auch das internationale Line-Up mit so vielen großen Namen spricht dafür.

    “I felt alive and I can’t complain” 

    Apropos bedeutende Namen: nach unserer kurzen Pause ging es weiter mit Mumford & Sons. I mean, wer wird nicht direkt 10 Jahre zurückgeworfen, wenn “I Will Wait” oder “Little Lion Man” angestimmt wird? Ich war hin und weg von dem Auftritt – denn dieser war sehr vielschichtig, die Live-Besetzung umfasste viele Musiker*innen, von Trompeten über Gitarren bis hin zum Schlagzeug, die teils für kurze Zeit auch die Besetzung wechselten. Ich konnte bei weitem nicht alles mitsingen, aber bei dem beeindruckenden Live-Arrangement war ich eh schon hin und weg.

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    Nach der Show ging es dann noch weiter zu AURORA. Die schwedische Sängerin wird den meisten von euch mit dem TikTok Hit “Runaway” bekannt sein. Der Song ist eine starke Nummer, die mich persönlich wirklich emotionalisiert und deshalb musste ich ihn natürlich live sehen. Aber auch unabhängig davon war es ein magischer Slot – bereits dunkel kamen die Lichter ihrer Bühnenshow gut zur Geltung und mit ihrer klaren, dünnen Stimme verzauberte sie Zuschauende und zieht sie schnell in ihren Bann. Sie lässt sie die Welt um sie herum vergessen und ein bisschen Frieden verspüren. Und nicht nur musikalisch ein Treat – auch ihre Interaktion mit dem Publikum war zuckersüß. Man merkte richtig, wie sehr sie sich freute, hier zu sein. Und das ist nicht nur meine Meinung: mein TikTok Feed war danach auf jeden Fall gefüllt mit Aufnahmen von ihren Ansagen.

    Den ganzen Tag in prallender Sonne tanzen, springen und zwischen Bühnen hin und her sprinten kann ziemlich anstrengend sein – trotzdem wollte ich David Guetta noch einen kurzen Besuch abstatten. Es ist allerdings schwierig sich bei solch nostalgischen Songs nicht direkt mitreißen zu lassen und so war ich schnell überzeugt, bis zum Ende zu bleiben. Aber danach schnell nach Hause, denn Tag 2 steht vor der Tür.

    Headliner David Guetta beendete den Samstag mit einem fulminanten Feuerwerk
    (c) Philipp Kratzer

    Lollapalooza 2023 – Klappe die Zweite

    Cut zu Sonntag Morgen – ich war früher als Samstag vor Ort, da ich das Gelände noch vor dem ganzen Gewusel entdecken und mehr als nur die Musik mitnehmen wollte. Also bin ich durch den Grünen Kiez geschlendert – dort wurden zum Beispiel mit alten Bannern gebastelt, es konnten Formen ausgeschnitten und verschönert werden, die anschließend mit Wünschen beschrieben und aufgehängt wurden. Auch Fritz Radio war vor Ort und wir verschickten Grüße an unsere Freund*innen zuhause. Danach kamen wir bei Coke Studio vorbei und konnten noch etwas von einer Live Performance von HE/RO mitansehen. Von dort aus schlenderten wir langsam Richtung Weingarten Stage und Fashionpalooza, vorbei an verschiedenen Kunstinstallationen und Performing Arts Künstler*innen, mit dem Ziel: Marie Bothmer

    Marie Bothmer auf der Weingarten Stage
    (c) fabivsu

    Auch Sonntag war die Sonne wieder voll am Start, aber das hatte kaum jemanden abgehalten, Marie Bothmer in vollen Zügen zu genießen: vor der Stage war es brechend voll und auch nebenan im Schatten tummelten sich so viele Menschen, dass selbst Marie von der Bühne aus meinte, sie hatte nicht erwartet, bei so heißen Temperaturen so viele Menschen zu sehen. Umso besser war es, dass wir alle zusammen abfeierten und die Musik genossen.


    Von Marie Bothmer ging es für uns dann zu Only The Poets weiter. Ich hatte die vierköpfige Band bereits 2022 als Support für Louis Tomlinson kennengelernt und mich direkt verliebt. Auch auf dem Lollapalooza überzeugte mich die britische Band direkt wieder – die Energy und Freude an der Musik, die die vier zeigten, übertrug sich auf die Crowd und die Stimmung war richtig gut.

    Ein Nachmittag voller Experimente

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    Experiment 1: Ein wortwörtliches Experiment

    Danach war für mich erstmal nochmal Pause und das Lolla Feeling genießen angesagt. Wir schlenderten durch den Food Court und holten uns einen Crepe. Mit etwas Essen auf der Hand genossen die Stimmung, das gute Wetter und gute Musik im Hintergrund. Nach einer kurzen Stärkung ging es dann weiter zu AJR auf der Alternative Stage. Vielleicht werden sie euch vor allem durch “Weak”, “The Good Part” oder “World’s Smallest Violin” bekannt sein. Und auch ich kenne sie noch vor allem von 2017, als “Weak” erschien und schon damals ein großer Hit war. Aber die Live Show war noch so viel mehr als Hit auf Hit auf Hit. Die Brüder zeigten live (mit wunderschönen Visuals) unter anderem wie sie aus zufälligen Geräuschen und der New Yorker Subway Stimme den Song “Bang!” zauberten.

    „When we produce,
    we like to experiment a lot.“

    Ihre Musik ist geprägt von Experimenten, die sie mit auf die Bühne genommen und in eine energiegeladene Show verwandelt haben. Die Show von AJR hat mit am meisten Spaß gemacht, da live wirklich Musik gemacht und nicht nur performt wurde. 10/10 would recommend.

    Experiment 2: Unbekannte Acts aufsuchen

    Von AJR ging es dann weiter zu KSHMR. Ehrlich gesagt war mir der Name davor nicht bekannt. Aber die Perry Stage ist immer sehr gut gebucht und zeitgleich gab es für mich kein anderes must-see. Also hieß es: etwas Neues ausprobieren!

    Und das hat sich gelohnt – wie immer hatte ich eine super Zeit bei der Perry Stage. Ich konnte die Musik, das Wetter und das Feeling einfach genießen. Ich würde auch wirklich gerne mehr Zeit hier verbringen, aber die Mainstages haben mich dieses Jahr einfach mehr verlockt.

    Experiment 3: Lass dich live überraschen

    Nach KSHMR ging es dann noch auf einen kurzen Abstecher zu Pantha auf der Weinstage, die mich positiv überrascht hatte. In den letzten Monaten habe ich schon viel von ihr gehört, sie aber noch nie live gesehen. Aber die Stimmung und auch ihre Stimme warf für mich nochmal ein ganz anderes Licht auf die Sängerin. Ich wollte dann gar nicht früher gehen, wusste aber, dass ich es sonst nicht zu Macklemore vor die Bühne schaffe.


    „Can’t Hold Us“ und die Magie der Musik

    Also ab zurück zur Mainstage und Macklemore. Sobald der US-amerikanische Rapper die Bühne betrat – instant throwback in die 2010er Jahre. Auch das Set von Macklemore gehört definitiv mit zu den Highlights des diesjährigen Lollapaloozas.

    Fans warten auf Macklemore (c) Nadja Aumüller

    Die Nostalgie, die die Songs hervor riefen gepaart mit der bunt gemischten Bühnenshow von Tänzer*innen und Trompeten bis hin zu Konfettiregen und Sonnenuntergang während des Slots, sorgten durchwegs dafür, das Leben in dem Moment ein bisschen mehr zu genießen.

    Aber auch hier hieß es: früherer Abzug, denn es stand ja noch das absolute Showhighlight bevor – Imagine Dragons. Für mich das Highlight mit meilen weitem Abstand. Und auch für sehr viele andere. Schon während dem Macklemore Set füllte sich der Bereich direkt vor der Bühne sehr schnell. Und dabei erlebte ich dann tatsächlich einen der schönsten Momente auf dem Festival. Als Macklemore seinen Song “Can’t Hold Us” anstimmte, klatschte und sang das ganze Feld mit. Von Front of Stage der Main Stage South bis zur Front of Stage der Main Stage North. Obwohl alle hier seit 45 Minuten bewusst für Imagine Dragons warten statt mit Macklemore zu feiern, brachte der Song alle zum Mitmachen. Und ich merkte einmal mehr, wie sehr Musik verbinden kann.


    Imagine Dragons: Mein krönender Abschluss des Lollapalooza-Zaubers

    Und schon kurz darauf war es dann soweit: die Main Stage South wurde dunkel. Ein Mitglied des Awareness Teams kam ein letztes Mal auf die Bühne (vor den Shows gab es immer kurze Ansagen, die an ein rücksichtsvolles Miteinander und Wasser trinken erinnerten) und die Spannung stieg. Das ist jetzt der Zeitpunkt, wo ich einen ganzen Artikel über einen einzigen Slot schreiben könnte. Weil mich Imagine Dragons wirklich immer abholt. Egal, wo ich gerade bin oder wie ich mich fühle. Die Energy, die die Band und vor allem Dan Reynolds auf die Bühne bringen, kann nicht anders, als auch die Menge zu erfüllen und diese für 1,5 Stunden eine gute Zeit haben zu lassen.


    „I hope tonight is everything you need it to be. I hope you can feel whatever you need.“
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    Es wurde ein Hit nach dem anderen gespielt, es gab Konfettiregen, Nebel und Feuerwerk. Aber vor allem eines war wichtig: “to feel whatever [we] need”. Und die Emotionen, Liebe und Dankbarkeit, die Imagine Dragons mit auf die Bühne bringen, machen genau das möglich. Es sind 90 Minuten, für die man sich komplett auf die Show einlassen und seine Gefühle fühlen kann. Denn es geht nicht nur um gute Laune und Hits. Bevor „Demons“ angestimmt wird, ein Song über Dans Depressionen, richtet der Frontsänger das Wort an seine Fans. Er ermutigt sie dazu, in schweren Zeiten mit Menschen zu sprechen, sich zu öffnen und zur Therapie zu gehen. Denn “your life is always worth living.”

    Ich, begeistert von dem Timetable Tattoo



    Für mich waren das auf dem diesjährigen Lollapalooza Festival die letzten 90 Minuten, in denen ich die Musik ein letztes Mal voll aufnehmen und darin aufgehen konnte. Noch ein letztes Mal die Seele aus dem Leib singen. Noch ein letztes Mal mittanzen und springen. Und für mich waren das auch mit Abstand die besten 90 Minuten vom ganzen Wochenende.

    Bevor es dann nach Hause ging, hieß es noch, das Lolla-Feeling ausklingen zu lassen. Wie der Zufall es wollte, gab es dabei noch einen Timetable als Temporary Tattoo auf den Arm. Zwar vielleicht ein bisschen spät für dieses Wochenende, aber wie cool ist denn diese Idee? Wie ihr seht, ich habe mich sehr darüber gefreut!



    See you next year!

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es auch dieses Jahr ein wunderschönes Festival Wochenende war. Das Line-Up war wieder wie gewohnt internationaler als 2022, die Sonne ist extra nochmal rausgekommen. Auch neben der Musik gab es lauter liebevoll gestaltete Kleinigkeiten und Bereiche zu entdecken. Wir haben getanzt, gelacht und hatten Spaß. Bleibt also nur: goodbye Lolla 2023, wir freuen uns auf nächstes Jahr!