Tag: 30. März 2021

  • 2020 zum Trotz: Niemand bringt Marteria um

    2020 zum Trotz: Niemand bringt Marteria um

    Täglich entdecke ich (und ihr idealerweise auch) über Untoldency neue, geile Musik von Newcomer:innen, die sich meist auch in meine privaten Playlisten schleichen und meine Tage besser machen. Und so geil ich das auch finde (sehr geil!), so häng ich immer noch zwei, drei Künstlern (in dem Fall tatsächlich männlich) ewig hinterher. Um sie direkt bei Namen zu nennen: Casper, Kraftklub, Marteria. Und da wir uns ja grob alle in der gleichen Bubble bewegen, denk ich, könnt ihr das nachfühlen. 8 Jahre später kann ich immer noch alle Texte und auch live kommt kaum was an die Moshpits bei den Live-Konzerten ran (RIP). Lange war’s um alle still, doch dieses Jahr munkelt man, soll sich das ändern. Den Anfang macht niemand anderes als Marteria mit seiner neuen Single Niemand bringt Marten um. Und ja fuck, er hat Recht.


    Lockdown 2020, Barbados-Version

    Letztes Jahr hat niemand was von Marten gehört, nachdem er mit seinem dann leicht viral gegangen 2020 wird unser Jahr!“Video auf Instagram ins Jahr gestartet ist. Dass er damit nicht falscher hätte liegen können, hat er aber auch selbst gemerkt. Eigentlich machte er sich auf, ein bisschen um die Welt zu reisen. Das Timing war eher so semi und so findet er sich durch Corona auf einmal auf Barbados gestrandet. Während diesen vier Monaten musste er aufs Angeln als Lebensmittelgrundlage umsteigen (fiel ihm aber bestimmt leichter als anderen) und hat sich den „letzten schäbigsten Rechner“ gekauft, um wenigstens Musik dort machen zu können. Über Zeitzonen hinaus tauschte er Beats und Ideen mit DJ Koze und dem Produzenten-Duo The Krauts aus.  Was dabei unter anderem rauskam ist der Song, um den es heute geht und der vielleicht die ganze Zeit am passendsten zusammenfasst: Niemand bringt Marten um.

    Musikalisch fängt es an mit schönen Synths, die ganz ruhig in das Lied einleiten. Dazu kommt ein Beat und Marterias – sorry, aber einfach nur geile – Stimme und nach stabilen 20 Sekunden weiß ich schon: ich lieb den Song.


    Baby, überall Gefahr um uns
    Baby, überall Gefahr, na und?
    Wenn uns hier alles um die Ohren fliegt,
    Steh ich vor dir wie Granit, niemand hier bringt Marten um


    Ganz ehrlich, würde ich mir jemanden aussuchen, mit dem ich vier Monate lang im Barbados-Lockdown das Chaos der Welt versuche zu überleben, würde ich mir auch Marten schnappen. Klingt eigentlich nach einer ziemlich sicheren Wette. Und nach einer sehr angenehmen Company.

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    Der Startschuss in ein hoffentlich besseres 2021

    Niemand bringt Marten um klingt wie Martens persönlicher 2020 Jahresrückblick, geprägt von all den absurden Sachen, die wir davor wahrscheinlich nicht für realistisch gehalten hätten. (Meinen kläglichen Versuch, 2020 zusammenzufassen, könnt ihr hier lesen, Martens ist aber besser). Parallel ist es aber ein absolut entspannter Elektro-Bounce, der trotz der Weltuntergangsähnlichen Zuständen positiv in die Zukunft blickt. Auch wenn es erstmal allein in seinem leeren Ostseestadion ist: Marteria hat frische Energie getankt und startet voller Fokus in ein neues 2021. Niemand bringt Marten um ist dabei nur der Startschuss. Er reiht sich jetzt schon nahtlos in meine Marteria Favs (Pro-Tipp: Auf Dauerloop hört man nicht mal den Übergang, weil The Krauts produzieren nur smoothe Banger). Tatsächlich fallen mir auch ein paar musikalische Ähnlichkeiten zu Welt der Wunder auf und das find ich auch einfach nur wunderschön.

    Viel mehr kann ich auch gar nicht sagen, außer dass ich so gespannt bin, auf alles, was Marten da noch in petto hat. Es kann nur gut werden. Mein Fan-Herz ist jedenfalls super happy und ich bin bereit, diese Hymne auch in seinem Stadion mit tausend anderen zu fühlen.

    Anmerkung zum Schluss: einmal mit Monchi und Marten nachts durch die Straßen ziehen und auf Hackis Angelfahrten zu landen, ist jetzt auch ein weiterer Punkt auf meiner Bucketlist. Wenn auch ohne die U-Boot-Explosion. (Wer wissen will, was ich meine, guckt sich am besten dieses ultra coole Musikvideo an).

     

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    Fotocredt: William Minke

  • Playlist: women rising up

    Playlist: women rising up

    Here we go again: Ein weiterer Monat dieses absolut bizarren Jahres geht zu Ende und lässt mich jedenfalls nicht unberührt zurück. Einiges Beunruhigendes ist passiert, was viele hoffentlich wachrütteln wird. Wir haben uns diesen Monat konfrontiert gesehen mit Debatten über die Rolle von Frau und Mann und die Notwendigkeit für intersektionalen Feminismus. Vor allem ging es um Gewalt gegen Frauen und die Erwartungen, die uns von der Gesellschaft aufgezwungen werden. Und das alles unter dem Licht des feministischen Kampftags 2021.

    Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei der gemeinsamen Erstellung der Playlist ist mir aufgefallen, dass sowohl bei mir als auch in meinem Umfeld zwar Anstrengungen gemacht werden, bewusst Musik von Frauen und queeren Personen zu hören, aber die Mehrheit der Songs trotzdem von Männern kommt oder von ihnen handelt.

    Und genau deswegen haben wir euch eine Playlist erstellt, die Weiblichkeit zelebriert! Von den erschütternden Wahrheiten des Frauseins, unserer Unterdrückung, zur sexuellen Freiheit und letztlich zur Feier unserer selbst. Diese Playlist liegt mir und dem ganzen untoldency-Team sehr am Herzen. Denn es ist so verdammt wichtig, diese Gespräche und Diskussionen kontinuierlich und unermüdlich zu führen. Because we are: Women Rising Up!


    Von Unterdrückung und Frustration zu Ausbruch und Empowerment

    Natürlich habe ich mir überlegt, wie man dieses sensible Thema als Format Playlist am besten angehen kann und ich denke, man muss hier durchaus vorsichtig sein. Das Ziel ist es nicht in einen Zustand von Aggression gegenüber männlichen Personen zu verfallen. Oder zynisch und depressiv zu werden, wenn man sich vor Augen führt, was für üble Erfahrungen man als Frau schon mitmachen musste. Umso wichtiger war es für mich, viele Seiten des Frauseins zu bespielen. Neben den Struggles und Ungerechtigkeiten, will ich, dass diese Playlist andere Frauen stärkt. Uns die Gewissheit gibt, dass wir uns gegenseitig unterstützen, alle zusammenhalten und der Kampf für mehr Gleichberechtigung und Anerkennung immer noch weitergeführt werden muss. Hier ein paar meiner Highlights der Playlist:


    A woman’s war
    Album Cover FKA Twigs zu MAGDALENE
    FKA twigs MAGDALENE

    Genug mit der melancholischen Ansprache und ab zum eigentlichen Inhalt der Playlist. Ich glaube, einen noch theatralischeren Beginn gibt es kaum. FKA Twigs zeichnet in mary magdalene ein Frauenbild, das sich so nahtlos zwischen Verführerin und Sünderin, zwischen Erzieherin und Girl Boss bewegt. Gleichzeitig spricht sie auf dem ganzen Album das an, was leider viel zu oft passiert: Frauen werden reduziert auf ihre romantischen Beziehungen. Die nächsten Songs thematisieren wichtige, aber auch unangenehme Dinge. Um auf die Seite mit dem grüneren Gras zu gelangen, müssen wir aber nun mal erst etwas Salz in die Wunde streuen.

    Kurze Liebeserklärung an SEVDALIZA vorab muss sein: Diese Frau ist unfassbar und ich kann gar nicht abwarten, was sie noch in der Hinterhand hat. Moving on: Phela, Fousheé und Antje Schomaker singen über die Benachteiligung von Frauen in der Musikindustrie, wobei RIIVA in I’m Sorry noch ernstere Töne anspielt. Sie kritisiert unsere Gesellschaft. Eine, in der Frauen ständig sexualisiert werden und sie sich – um noch eins drauf zu setzen – noch rechtfertigen oder sogar dafür entschuldigen sollen, wenn ihnen Gewalt (meistens) durch Männern widerfährt. Ähnliches adressiert Lina Maly in ihrer emotionalen Version von Darf ich das behalten.


    Bad B*tch Energy

    Es ist unabdingbar, dass man diesem Frust Luft machen muss, ganz nach dem Motto „Call out the bullsh*t“. Steiner & Madlaina setzen dem Patriarchat in Wenn ich ein Junge wäre (Ich will nicht lächeln) einen Schlussstrich. Die norwegische Newcomerin girl in red gibt mit Serotonin einen Vorgeschmack auf ihr kommendes Album, in dem sie sicher nichts ungesagt lassen wird. Im Video zu Balance Ton Quoi gründet Belgierin Angèle eine Anti Sexism Academy und klärt auf, was alles unter Sexismus fällt.

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    Reclaiming your Sexuality

    Sprechen Frauen offen über ihre Sexualität oder drücken sich durch ihre Kleidung aus, werden sie schnell abgestempelt. Die damit verbundenen Begriffe erspare ich euch jetzt mal. Die haben viele von uns schon zu genüge gehört. BANKS hat sicher viel Übles mitgemacht, was in den meisten ihrer Songs klar wird. In F*ck With Myself dagegen feiert sie ihre Liebe zu sich selbst und dieses Sexual Awakening hat sie auch echt verdient. Berlin-based Neuheit Eveline definiert in ihrer neuesten Single Sexual das Verständnis von Sexualität neu und nimmt sich selbst und anderen den Druck, ständig sexuelle Anziehung zu fühlen oder zeigen zu müssen. Denn jeder von uns ist a living human girl, wie The Regrettes uns erklären. Und dann rasiert Ashnikko ganz lässig alles mit ihrem Clitoris! The Musical. Denke zu dem Song braucht man nicht viel sagen, hört einfach rein 😄


    „Frei sein heißt, sich loszulösen“
    Sängerin SOPHIE
    SOPHIE


    Glückwunsch, wir sind am Ende des Tunnels angekommen! Wäre es nur so einfach, am I right? Wenigstens ist uns der Ausbruch aus der Unterdrückung in Playlist-Form gelungen. In Kreise fällt Nachwuchskünstlerin SERPENTIN, holt Luft und steht immer wieder von Neuem auf. SOPHIE (rest in peace) bricht auf Immaterial mit Genderfomen und zeigt, dass man sich von seinem bei Geburt zugewiesenem Geschlecht nicht eingesperrt fühlen muss.


    Pop-Ikonen unserer Generation

    Wenn wir über Empowerment sprechen, darf so manch eine Künstlerin nicht fehlen. Wir wissen alle, wer sich da die Plätze in den ersten Reihen sichert: Größen wie Beyonce, Lizzo, und Dua Lipa. Queen B ist offiziell die Künstlerin mit den meisten Grammy Awards. Was ist das bitte für ein Statement, genauso wie der Song MY POWER.

    Mit Boys Will Be Boys spricht mir Dua Lipa aus der Seele. Ich kannte den Song zwar davor, habe aber nie wirklich auf die Lyrics geachtet. Genauer habe ich mir den Song angehört, nachdem die Vorfälle in England gerade frisch in den Nachrichten waren, und dann ging mir der Mund erst mal ganz weit auf. Wie man schafft, Gesellschaftskritik so künstlerisch zu verpacken: Hut ab!

    Lasst uns enden mit meiner absoluten Hymne: KeKe mit Ladies. Der Song schafft es einfach so gekonnt das Frausein zu feiern, gleichzeitig so relatable zu sein und versäumt es dabei auch nicht, die weniger rosigen Seiten anzusprechen. Dieser Song bringt die Message dieser Playlist und unserer Gegenwart auf den Punkt: Zusammenhalt ist gerade alles. Supportet die Frauen in eurem Leben und in der Musik, die ihr hört!

    Pro Tip: Checkt auch unsere anderen monthly Playlists: underrated black excellence und feels like a lazy Sunday, you’re welcome! 😉 

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    Fotocredits: Matthew Stone, Transgressive Records