Schlagwort: Jahresrückblick 2025

  • habe wurde werde geliebt / warum LOVED von Parcels mein Lieblingsalbum 2025 ist & was ich bei den ikonischen Konzerten der Band beobachtet habe

    habe wurde werde geliebt / warum LOVED von Parcels mein Lieblingsalbum 2025 ist & was ich bei den ikonischen Konzerten der Band beobachtet habe

    1. die vorfreude

    Vorfreude, schönste Freude – Ende des Jahres haben die ein oder anderen vielleicht davon gehört. Manchmal erwische ich mich dabei, einen Song kurz vor dem drop zurück auf den Anfang zu spulen, weil die Antizipation meine Nerven kitzelt, ich das Herbeisehnen des einen Freude bringenden Tons, dieser einen Harmonie, des einen Bassanschlags oder Tempowechsels noch einen Moment länger erhalten möchte.

    Spannung aufzubauen und bis zum Höhepunkt zu halten, hat die australische Band Parcels mit einem 1+ Meisterbrief abgeschlossen. Tobeloved, der erste Song auf ihrem jüngst erschienenen Album, eröffnet das Set ihres Konzerts (in Berlin, Düsseldorf, Amsterdam, Brüssel und Paris – Anne war auf allen fünf!, Anmerk. der Red.) mit einem langen Instrumental-Intro. Doch die Band steht nicht auf der Bühne. Sie sitzen Sidestage auf einem Teppich, mit Keyboard und Gitarre, was fragmentarisch im Schummerlicht gefilmt und auf eine große, bühnenüberspannende Leinwand übertragen wird.

    Nach und nach wird immer mehr preisgegeben über den Ort und die Akteure, von denen erst nur Hände, dann Silhouetten, dann Gesichtszüge und final der gemeinschaftliche Aufbruch zu sehen ist. Genau an dem Punkt, an dem das Publikum zu verstehen beginnt, was gerade passiert, steigt das Quintett das Treppchen zur Bühne hinauf. Visuell und emotional verbindet sich hier die Steigerung, die sich in ihrer Komposition musikalisch durch stetig reicher, lauter, eindringlicher werdende Harmonien aufbaut. Die Musiker stimmen im Gesang mit an und was sich auf der Album-Aufnahme etwas schneller in einen engelsgleich schimmernden Chor auflöst, wird live mit Wiederholungen dramatisch aufgeladen. Spätestens jetzt ist der gesammelte innere Nervenkitzel zu hoch, um noch stillzustehen. Und dann, in diesem einen speziellen Moment, fallen Musik und Lichttechnik explosionsartig zusammen, sodass ich weinen muss, weil mein Körper das Eintreten dieser (eigentlich gar nicht so plötzlichen) Erleichterung von all der Vorfreude nicht anders verarbeiten kann.

    2. die erinnerung

    „Es wird uns öfter gesagt: Wow, ihr seid so groß geworden! Aber wir als Band sind ja immer noch dieselben. Wir sind immer noch die fünf Personen, die zusammen Musik machen. Das, was sich verändert hat, ist die Größe des Publikums vor uns“, sagt der Drummer während der Paris Show.

    Es erscheint mir einleuchtend, auch wenn ich irgendwie noch nie genauer darüber nachdachte. Also darüber, wie sich die Band selbst wahrnimmt in dieser riesigen mit einer Menschenmasse gefüllten Arena.

    Zum ersten Mal sah ich Parcels auf einer weit aus kleineren Bühne 2016. Dazwischen liegen Jahre, in denen wir (über uns selbst hinaus-) gewachsen sind und uns weiterentwickelt haben. Aber nach dieser emotionalen Rede, die in variierender Form immer vor dem neunten Song im Konzertset von einem der Bandmitglieder gehalten wird, fühle ich mich wieder wie sechzehn, als ich erstmals ihrer Musik lauschte. Ohne Arena, ohne Show, nur die Musik. Für den Song Leaveyourlove lassen die fünf Musiker ihre Position an den Instrumenten zurück, um sich im Grüppchen am Bühnenrand einzufinden. Einzig ein Keyboard steht dort bereit, der Drummer mit einem Tambourin, der Rest mit Mikrofonen ausgestattet. Sie sind jetzt nah an dem Publikum und setzen zu einer reduzierten, gefühlvollen Version der sonst schwungvoll groovigen Leitsingle des Albums an.

    Es ist, als ob ein initialer Moment der Bandgründung beim gemeinsamen Singen in einem Vakuum präserviert wurde und wir als Publikum hier das Glück haben, einen Einblick zu erhaschen. Und dabei meine ich nicht dieses: hach damals, da waren die Venues noch klein und authentisch… Mit all meinem Herzen, Parcels sollen die richtig großen Bühnen bekommen. Sie gehören da hin, mit all den Lichtern und vor allem einer richtig ordentlichen Soundanlage! Mit der Größe der Produktion der LOVED Tour entfaltet sich ein Potenzial, dass diese Konzerte zu den besten macht, die ich von der Band je gesehen habe. Und bei all dem Raum für Neues blitzt trotzdem hier und da die Erinnerung auf. Ob es alte Songs sind, die sich in einem neuen Arrangement perfekt in den Ablauf einfügen oder neue Songs, die vergangenes aufgreifen. Iwanttobeyourlightagain ist die höchst emotionale, revuepassierende Kirsche auf dieser Schichttorte von Vision und Erinnerung.

    3. die liebe

    Gut, dass die Liebe ein integraler Teil dieser Auflistung wird, lässt sich bei dem Albumtitel erahnen. LOVED ist quasi ein Geliebtsein in Tonspuren gepresst. Nicht nur in der Gegenwart, das Partizip II spannt mit seinen unterschiedlichen Verbindungen bis in die Vergangenheit und dieses ich habe wurde werde geliebt entsteht beim Hören des Albums als gleichzeitiges Gefühl.

    Wie bereits beschrieben, verbinden die Songs Altes mit Neuem, nicht nur musikalisch und emotional. Auch thematisch werden Fäden gesponnen zwischen einem frischen Gefühl von Geborgenheit und dem Retrospektiv auf eine verblasste oder verblassende Liebe. Bei manchen Titeln sind beide Fälle koexistent und der warme Klang der Musik kann im einen Moment umarmend vor Zuneigung und im anderen vor Trost sein.

    Diese manchmal nicht zu trennende Gleichzeitigkeit wird ikonisch präsentiert, als die Band bei ihrem Auftritt zum melancholisch fragenden Song Summerinlove eine Kisscam durchs Publikum gehen lässt und (frisch) verliebte Paare auf die Leinwand holen. Es geht ein Jubeln durch die Menge und mit dem Schmunzeln der Band bekommt auch der Song direkt eine andere Klangfarbe.

    Parcels zeigen, was es bedeutet, LOVED zu sein, mit jedem Song und mit ihren Konzerten. Ich glaube dem Drummer, wenn er mit Marker auf eine Plexiglasscheibe BRUSSELS U R LOVED BY PARCELS schreibt. Noch mehr glaube ich an all die Liebe, die in die gesamte Produktion geflossen ist. Die oft benannte Liebe zum Detail. Auf der Bühne zu sehen sind nicht nur die fünf Musiker und ihre wirklich herausragenden Instrumentalfähigkeiten. Es ist auch ein Kamerateam, das die Abende live mit Requisiten und Storyline, die an eine kleine Kriminalermittlung angelehnt scheint, visuell gestaltet.

    Tatort Parcels Konzert. Identifizierte Charaktere bekommen wie im Fall des Gitarristen ein Namensschild, später sind auf der Leinwand Pinnwände zu sehen, Fäden überspannen Notizen, Zettel und Bilder, Namen, die auf das Album zurückzuführen sind. Auf der Sidestage vorbereitet steht ein Tisch auf dem unter rotem Licht die Herstellung von Fotoabzügen im Chemiebad simuliert wird. Der Keyboarder verschwindet kurz vor der Bühne, begutachtet die Bilder, die Szenen des Yougotmefeeling Musikvideos zeigen und hängt sie auf eine Wäscheleine. In der weiteren Geschichte ermitteln wir unter Zeitdruck den Grundriss des Bühnenaufbaus und Songzeilen. Die Kameras wechseln und positionieren sich im Bühnengraben, nichts wirkt statisch. Alles ist durchgeplant und an manchen Stellen haarraufend für das Team, weil man live nicht durchplanen kann, etwas nicht schnell genug geht oder der entscheidende Shot entgangen ist.

    Aber diese kleinen Interaktionen machen die Konzerte so besonders. Kein Abend ist wie ein anderer und obwohl so viel Vorbereitung und Übung in der Performance steckt, wirkt sie zu keinem Zeitpunkt einstudiert. Man ey, ich kann nur ganz schwer drüber schreiben gerade, weil ich direkt wieder zurück möchte in den Pit, vor die Bühne und alles noch einmal anschauen.

    brb ich muss kurz nachsehen, ob ich im Sommer zu der Show am 18. August nach Milano fahren kann-

    text: annekatrin schulz

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  • feinperlig. „Du interessierst dich doch für Goethe, hier kommt meine ›Faust‹!“ — Jahresrückblick 2025

    feinperlig. „Du interessierst dich doch für Goethe, hier kommt meine ›Faust‹!“ — Jahresrückblick 2025

    Besançon, 27. Dezember 2025 

    Das Jahr marschiert in Siebenmeilenstiefeln seinem jähen Ende entgegen. Und es bleibt nicht mehr viel Zeit. Auch fühle ich mich dieser Tage wie das Kaninchen aus Alice im Wunderland, das noch allerlei Dinge zu erledigen sucht. Zum Beispiel auch diesen Beitrag zu schreiben – über das musikalische Jahr 2025, das in einem flüchtigen Rausch von feinperlig unter die Lupe genommen wird.

    Doch in diesem Jahr ist es nicht Alice, sondern es sind die beiden Hexen aus Wicked 2, die noch einmal über die Leinwände der hiesigen Kinos flimmerten – ein Kennzeichen dafür, wie sehr Musical, Moral und Machtfragen wieder in der Mainstream-Popkultur verhandelt werden.

    In einer soeben veröffentlichten Langzeitstudie der Universität Wien wurden zahlreiche Billboard-Charthits von 1976 bis 2023 analysiert. Man fand heraus, dass die Texte klassischer Rock- und Popsongs im Laufe der Jahrzehnte düsterer geworden sind.

    Und ja, es ist ein „wicked ground“, auf dem wir uns bewegen, auf dem es stets darum geht, nicht in die „Hand des Teufels“ zu geraten – also Versuchungen, Korruption oder Selbstverlust zu vermeiden. Von derartiger Selbstbehauptung singt Londons Little Simz in einer ihrer Vorab-Singles „Flood“ zum sechsten Studioalbum Lotus, das definitiv zu meinen favorisierten Alben des Jahres gehört. Es ist politisch, spirituell und wütend. Die Zeiten sind ungemütlich.

    Von Selbstbehauptung und dunklen Mächten handelt auch Schwarze Magie, das neue Album der Band Die Heiterkeit um Sängerin Stella Sommer. Doch dann wieder läuten die Glocken, Geister werden geheilt, und Dunkelheit vergeht.

    Lux von Rosalía verströmt einen Hauch Licht – jedoch ohne Erlösungsversprechen. Zwischen Spiritualität und der kritischen Auseinandersetzung mit religiöser Sozialisation spielt Rosalía mit sakralen Bildern und liefert eine opernhafte Single mit Björk-Feature.

    Unter’m Radar

    Doch wir wollen hier den kleineren Acts huldigen, nicht den ohnehin schon satten Musik-Goliaths. Nach Oasis-Reunion, mittelmäßigen Biopics, Pop-Sternchen-Hochzeit (Englischlehrerin heiratet Sportlehrer :)), Coldplay-Love-Cam-Desaster und Super-Bowl-Halftime-Show wollen wir uns darauf besinnen, dass das hier ein Indie-Magazin ist – und so wollen wir jenen Musiker*innen Aufmerksamkeit schenken, die vielleicht ein wenig unter dem Radar liefen.

    Neben Tristan Brusch brachte Betterov vielleicht das schönste deutschsprachige Album auf den Markt. Große Kunst ist zugleich Single- und Albumtitel, mit der überschriftenstiftenden Zeile: „Du interessierst dich doch für Goethe, hier kommt meine ›Faust‹!“

    Manuel Bittorf alias Betterov singt über Selbstzweifel, das Aufwachsen in der Provinz und Ängste, die es zu überwinden gilt, und nimmt dabei herrliche Post-Punk-Anleihen. Und überhaupt schafft es die junge deutsche Indie-Garde – von Blond über Drangsal bis Hart- und Zartmann – immer besser, internationalen Spirit, tiefschürfende Texte und Smith’sches Pathos zu verbinden.

    Und so geht meine Faust in diesem Jahr direkt in die Fresse der musikgenerierenden KI-Industrie, die in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll. Wir werden uns hier wehren — und das Organische schützen. 

    Apropos schützen: In Großbritannien wurde das Grassroots-Musikprojekt aus der Taufe gehoben. Mit der Spende von einem Pfund, die derzeit noch freiwillig sukzessive auf den Ticketpreis aufgeschlagen wird, soll das Musik-Ökosystem unterstützt werden – also kleine Venues, lokale Bands und unabhängige Promoter. Und das ist dringend notwendig: Von rund 250.000 Konzerten fanden allein auf der Insel etwa 230.000 Shows in Venues unter 500 Besucher*innen statt.

    Freuen wir uns also auf ein neues Musikjahr, das kommende Untold-Printmagazin und unzählige ungehörte Lieder aus diesem Jahr. Einige „stille“ Favoriten habe ich euch im Folgenden zusammengestellt.

    Happy New Year!!

    Johannes 

    Findlay — Stay Kinky 

    Gringo Star — Sweethearts

    Tom Smith — There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light

    Léonie Pernet — Poèmes Pulvérisés

    Big Thief — Double Infinity

    Ichiko Aoba — Luminescent Creatures

    Yasmine Hamdan — I remember I forget 

    Ryan Davis & The Roadhouse Band – New Threats from the Soul

    Die Heiterkeit — Schwarze Magie

    Sophia Kennedy — Squeeze Me 

    Celeste — Womam of Face

    Flock of Dimes — The Life You Save 

    Haiyti — Stadium Rock 
     

    Foto Rosalia: youtube, Betterov: Rebecca Kraemer

  • the wild ride of 2025: this could just be twenty one pilots but it’s more

    the wild ride of 2025: this could just be twenty one pilots but it’s more

    2025 war ein krasses Jahr. Persönlich hat es mich mitgenommen, wie kein Jahr je zuvor. Ich musste mich von meinem Papa verabschieden, der überhaupt noch gar nicht bereit war zu gehen. Das ist eine Erfahrung, die ich keinem anderen Menschen wünsche und eine, die ich selbst immer noch nicht so richtig verarbeitet habe. Ich hab mich aber auch selbstständig gemacht und die Entscheidung getroffen, mein allererstes Printmagazin zu veröffentlichen. Was einfach nur absurd ist – aber geklappt hat. Anfang Dezember sollte ich tatsächlich die allererste Printausgabe von untoldency in der Hand haben! Mit so viel Hingabe und Qualität zusammengestellt, wie ich es selbst schon immer haben wollte. Ich hab auch die Entscheidung getroffen, nach Irland zu ziehen und meinem Bauchgefühl und der Liebe zu folgen. 2025 hat mich verändert wie kein anderes Jahr je zuvor. Und durch all das hat mich verlässlich wie eh und je Musik gezogen. Und wenn ihr wollt, zeig ich euch jetzt, welche.


    I wonder where you are, I wanted you to show me

    Ich brauch keine Streamingdienst-Statistiken, die mir beweisen, dass Twenty One Pilots mein meistgehörter Artist und ihr aktuelles Album Breach mein meistgehörtes Album 2025 ist. Das wusste ich schon letztes Jahr, bevor überhaupt auch nur eine Single aus dem im September erschienenen Album veröffentlicht wurde. Das Alternative-Duo ist eine der faszinierendsten Bands, die es da draußen gibt, und die mich, und Millionen weitere Fans, mit einer über Jahre und erfolgreiche Alben erstreckenden Lore in Bann gehalten hat. Wer mich kennt, weiß, wie hoch das Feuer für Tyler Joseph und Josh Dun in mir lodert. Wer sich unser erstes Printmagazin schon geholt hat, hat das auch gelesen. Denn natürlich hab ich ganze sechs Seiten darauf verwendet, zu erklären, was genau es ist, das diese Band, ihre Musik und Beziehung zu ihren Fans so besonders macht. (Wer das lesen möchte, ich hab mir sehr viel Mühe gegeben.)
    Dementsprechend hab ich also auf das neue Album Breach hingefiebert und kaputt gehört, als es endlich rauskam. Schon der Opener City Walls – ich weiß gar nicht, wie in Worte fassen soll, was dieser Song mit mir macht. Er ist das Ende einer Ära, beschreibt den letzten (verlorenen) Kampf des fiktiven Charakters Clancy und seinen inneren Dämonen und zerreißt mich einfach komplett.

    My smile wraps around my head, splitting it in two
    I don’t have a clue how I can keep the top half glued.

    Diese Bridge ist das Beste, was ich seit September ganze 43 Mal gehört hab. Nicht nur ist es lyrisch absolut genial, es geht auch mit so viel Gefühl und Verzweiflung in mein Herz, nur um danach in fetten Riffs und Screams zu explodieren. Ich beende diesen Song jedes Mal ein wenig außer Puste und mit einer kribbelnden Gänsehaut.


    I’ve been this way, I want to change

    Drum Show ist der nächste Song, der mich auf dem neuen Twenty One Pilots Album absolut weggefegt hat. Fans wie ich bekommen jedes Mal ein kleines Herzkribbeln wenn sie Drummer Josh das erste Mal auf einem Studio-Song singen hören. Und Emo-Girls wie mir schießt das Blut in die Adern wenn Sänger Tyler ins Mikro screamt. Drum Show ist der perfekte Song für beides.

    Auch The Contract, die erste Single-Auskopplung des Albums und dementsprechend mein meistgehörter Song des Jahres, ist voller Riffs und catchiger Melodien, die sich tief in meinen Coping Mechanismen verfestigt haben. Auch Refrains wie „I feel like garbage!“ kann man grandios gut mitsingen wenn man sich genau so fühlt. Und One Way ist vielleicht der beste Pop-Song, der dieses Jahr erschienen ist. Ja, auch neben einem Olivia Dean Album würde ich immer diesen Song bevorzugen. Ob das ein bisschen biased ist? Vielleicht. Ob ich mich trotzdem jedes Mal mit ausgestreckten Armen singend durch meine Wohnung drehe? Ich kann gar nicht anders.

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    I think my skin got worse with good intentions

    Ein Song, der sehr stark für mich auf diesem Album hervorsticht, ist Center Mass. Nicht nur, weil er lyrisch so offen und verletzlich ist wie kaum ein anderer, sondern weil er einfach, entschuldigt meine Ausdrucksweise, so hart reingeht. Er hat die meisten Twists auf dem ganzen Album. Von einem rekordverdächtigen Jazz-Rap-Groove switchen Twenty One Pilots in knapp vier Minuten zu einer absoluten Hard Core Riff-Explosion, die dann einfach mit diesen Worten endet:

    I don’t wanna share what happened, I just wanna let it go

    Nothing was the same right after I went to the funeral

    I miss you so, so much, take what you want
    Take what you want from me, took you for granted

    Ich glaube, ich muss nicht groß erklären, warum ich jedes einzelne Mal Tränen in den Augen hab, wenn ich diesen Song höre.


    Dreamer, wake up

    Neben Twenty One Pilots hab ich ehrlich gesagt nicht viel bewusst gehört. Ich hab’s immer mal wieder mit neu releasten Alben versucht, aber nie den Raum gehabt, mich komplett auf eins einzulassen. Dafür sind einzelne Songs sehr hängen geblieben. Die Drums auf horcrux von Loyle Carner zum Beispiel haben sehr bestimmte Punkte in meinem Gehirn gekitzelt. Seitdem ich sie live gehört hab, muss ich den Song täglich mindestens ein Mal anspielen. Ähnlich ist es bei 1996 von RAR, dem einzigen deutschsprachigen Song auf der Playlist. Allein bei diesem Text hab ich ihn drei Mal nacheinander gehört. There’s something in it.

    There’s also something in There’s No Rush von der neuseeländischen Band Mild Orange. Es ist auf jeden Fall diese verträumte Gitarre, die nur von der anderen Seite der Welt kommen kann. Es ist aber auch das Gefühl von Zeit, die das erste Mal stehen bleibt. Auch wenn der Song bereits im Februar rauskam, war es erst November, als ich auf ihn gestoßen bin – genau dann, als ich ihn am meisten gebraucht habe. Die Druck-Deadline des Printmagazins war ein äußerst präsenter Grund sich mehr Zeit für all die Dinge zwischendrin zu wünschen. There’s No Rush hat mir das Gefühl von stehengebliebener Zeit für ganze 5 Minuten geschenkt.


    When I close my eyes, you’re standing there, in front of me

    Ein ähnliches Geschenk haben mir betterthings Ende November gemacht. Sie haben mir eins der überraschesten Konzerte dieses Jahr ermöglicht, das so spät in der zweiten Jahreshälfte kam, dass ich es nicht mehr geschafft hab, es als eins meiner Top 3 Konzerte im Printmagazin aufzunehmen. Tom Odell, Leute, ist, falls ihr es noch nicht wisst, ein absoluter Rockstar. Ende November hat der Singer Songwriter, die Uber Arena ausverkauft und ich hab sie an diesem Abend absolut baff verlassen. Während ich mich unterbewusst auf ein großes akustisches Konzert mit traurigen Songs am Klavier vorbereitet hab, hat mich der sympathische Brite mit einer von so gut konzeptionierten Live-Show und Full Band so abgeholt, dass ich mich glatt ein wenig verliebt hab. Tom Odell hat mich mal wieder daran erinnert, wie es ist, sein Herz an Live-Musik zu verlieren. Und zu sehen, wie dasselbe dem Künstler auch passiert.


    Hello darkness, my old friend

    Jens hat in seinem Jahresrückblick schon über Fear von NF geschwärmt. Aber auch ich muss extra Raum für einen der mit am meist unterschätzten Rapper der USA einräumen. Ich hab NFs Reise seit seinem Debütalbum Mansion (2015) mitverfolgt. Das heißt, zehn Jahre mach ich mir schon Sorgen um den mit Depressionen und OCD diagnostizierten Rapper, der mit schwarzen Klamotten und Cap tief im Gesicht Arena nach Arena auf der ganzen Welt ausverkauft. Auch er hat über die Jahre und vergangenen Alben eine Geschichte hinter der Musik aufgebaut und seine eigenen Dämonen personalisiert. (Hier hab ich meinen Fangirl-Schrei zum letzten Alben rausgelassen.) Fear knüpft direkt dort an und zeigt in einem Musikvideo, das mir absolut die Sprache verschlägt, wie sein Haus, in dem er mit all seinen Emotionen wohnt, abbrennt und er sich selbst zu Grabe schleift. Es gibt hunderte Easter Eggs in diesem Musikvideo, und es ist so gewohnt unverblümt offen und ehrlich, dass ich die Hälfte des Videos mit meiner Hand vor dem Mund schaue. Immer noch, jedes einzelne Mal.

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    Alle Zeit von Heisskalt ist, obwohl musikalisch in einer ganz anderen Ecke, ein überraschend anknüpfender Track. Wir bleiben beim Thema brennende Häuser und metaphorische Verletzungen durch die Umstände des Lebens:

    Das Haus steht in Flammen, die Hände sind blutig, ein Knöcheln gestaucht
    In Anbetracht der Lage der Dinge ein völlig normaler Verlauf

    Ihr wisst vielleicht nicht, was für ein großes Highlight das Heisskalt Album für manche eurer Friends gewesen ist, aber ihr solltet mal fragen. Sechs Jahre haben sie wahrscheinlich darauf gewartet, dass die Alternative Rock-Band wieder was veröffentlicht. Es hat sich mehr als gelohnt.


    In a room full of people, I look for you

    Ich bin dieses Jahr außerdem sombr und Djo verfallen. Gute Popmusik kriegt mich einfach immer wieder. Sie macht das Leben manchmal einfach ein wenig leichter. Besonders, wenn man dabei die Attitude von RAYE hat. Vielleicht guck ich nächstes Jahr das erste Mal in meinem Leben den Superbowl, nur um zu sehen, wie Bad Bunny die Kluft einer gespaltene Nation zu vereinen versucht. Wen ich auf jeden Fall 2026 live sehen werde, ist ROSALÍA in Barcelona und ich bin HYPED. Wir können ja noch gar nicht ahnen, was da mit welcher Wucht auf uns zukommen wird.


    And the sun keeps you warm

    Und das war’s eigentlich auch schon. 2025 ging seltsam schnell zu Ende und war persönlich ein großes Ab und Auf (ja, in dieser Reihenfolge). Ich möchte nicht unbedingt was zu dem allgemeinen Zustand der Welt sagen, denn er erschreckt mich so tief, ich finde keine Worte. Deshalb träum ich mich in meinen eigenen Trance-Zustand zu Blood Orange, RY X und Swimming Paul. Oder ich verlier mich in Hazlett und geb mein Bestes, nicht in all dem zu versinken.

    I’m okay, but kinda upset
    Told my mum I’m doing my best
    It’s too late to go and get rest
    So I’m gonna live in my head

    See you in 2026! Vielleicht habt ihr ja Lust bis dahin mal wieder ein richtig cooles Printmagazin zu lesen. Dann klickt hier und macht euch selbst, euren Freund*innen und uns eine Freude! Wir haben noch Magazine da, und es würde mir die Welt bedeuten, wenn eins davon zu euch finden würde.

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  • Eine Menge Altbekanntes, ein bisschen was Neues, aber immer eine ordentliche Portion Female Rage

    Eine Menge Altbekanntes, ein bisschen was Neues, aber immer eine ordentliche Portion Female Rage

    Ich habe lange überlegt, wie ich meinen Jahresrückblick beginnen möchte und ob sich mein musikalisches Jahr irgendwie zusammenfassen lässt, aber das ist gar nicht so einfach. Ich habe mich also durch meine stats.fm Historie geklickt und geschaut, wie mein Jahr so aussah. Irgendwie war von vielem etwas dabei und trotzdem lag der Fokus eindeutig auf einigen wenigen Alben, die dieses Jahr erschienen sind, aber lass uns chronologisch vorgehen:

    Die kalten Wintermonate wollten überbrückt werden – und das lief gut!

    Januar und Februar sind wahrscheinlich die Monate im Jahr, die ich am wenigsten mag. Alles ist grau, die Gemütlichkeit der Weihnachtszeit ist vorbei und die Deko wieder auf dem Dachboden verschwunden. Zusätzlich wird der ein oder andere Neujahrsvorsatz schon wieder über den Haufen geworfen und ich warte nur darauf, dass die Tage wieder länger werden und die Winterjacke wieder in den Schrank gehangen werden kann. Dieses Jahr haben mich in dieser Zeit hauptsächlich Lucy Dacus, Phoebe Bridgers und Ethel Cain begleitet, um sie ein bisschen zu romantisieren. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Frühling war das neue Leuchtstoff Album „flüchtig“. Seit 2021 gabs „Einfach Sein (demo)“ und niemand wusste wer Leuchtstoff eigentlich ist oder sind. Im Januar gabs dann ohne Ankündigung direkt ein ganzes Album und das hat die dunkle Winterzeit ein bisschen erträglicher gemacht. Gerade die Songs „Melodrama“ und „Platte“ haben es mir besonders angetan.

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    Viel Musik von (sehr) wütenden Frauen

    Abgelöst wurden die Wintermonate und damit auch Phoebe, Lucy, Ethel und Leuchtstoff vom Frühlingsanfang und Mia Morgans neuem Album „silber“. Wer mich kennt, weiß dass ich großes Fangirl bin und alles liebe, was sie macht und mit diesem Album hat sie sich von einer ganz neuen Seite gezeigt. Es ist deutlich metaliger und rockiger als alles, was sie vorher gemacht hat, aber fetzt so hart und hat mich voller Wucht aus meinem melancholischen Winterloch katapultiert. Das Album handelt von Female Rage, vom verletzt sein und vom Heilen. Mir gefallen wirklich alle Songs sehr, aber besonders „VaterMutterTochter“ hat mich beeindruckt, weil Mia sehr ehrlich und gleichzeitig behutsam von familiären Rollenbildern und Erwartungen singt.

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    Die beste Live-Band Deutschlands, die sächsische Prominenz, viele kennen die Formation auch unter dem Namen Blond haben dieses Jahr auch ein Album veröffentlicht und es trägt den Titel „Ich träum doch nur von Liebe“ . Thematisch ist es eine ganze wilde Mischung. Es geht um patriarchale Strukturen im Dating, ums Klauen und um Geschwisterliebe. Das Album ist ein Auf und Ab der Gefühle: „SB-Kassen-Lover“ oder „Ich wär so gern gelenkiger“ machen ganz viel Spaß, „Fliederbusch“ ist der Song, zu dem man sich alte Kinderfotos anschaut und vielleicht ein bisschen weint und der letzte Song „16 Jahr, blondes Haar“ hinterlässt mich immer ein bisschen wütend zurück. Wütend auf cis Männer, darauf dass alle meine Freundinnen schon Belästigung durch sie erlebt haben und wütend auf das fucking Patriarchat.

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    Über ein besonderes Exemplar eben dieser Männer hat Lily Allen ein ganzes Album namens „West End Girl“ geschrieben und es hätte nicht besser sein können. Seit 2018 hat sie keine eigene Musik veröffentlicht, dementsprechend war „West End Girl“ eine große Überraschung. Auf dem Album hat sie mit ihrer Beziehung zu dem Schauspieler David Harbour abgerechnet, ohne ein Detail auszulassen. Ich muss leider zugeben, dass ich eine Schwäche für Celebrity Gossip habe und mich ein bisschen zusammenreißen musste, nicht schon in den Lyrics weiterzulesen, als ich das Album gehört habe. Es ist wie, wenn man ein Buch liest und mit der Hand die nächste Seite verdecken muss, um sich nicht selbst aus Versehen zu spoliern. Ein Freund von mir hat das Album als „Brat des Jahres 2025“ bezeichnet und ich denke das trifft es ganz gut. Besagter Freund hat dieses Jahr unter dem Namen Das Verhör seinen ersten Song „100 Lieder“ veröffentlicht und der hat es auch in meine meistgehörten Songs des Jahres geschafft. Falls ihr meinen Artikel über ihn gelesen habt, wisst ihr wie toll ich den Song finde!

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    Mein meist gehörtes Album und zwei, die nicht ganz meinen Nerv trafen

    Mein most played Album des Jahres ist „Never Enough“ von Turnstile. Charli XCX hat letztes Jahr schon den Turnstile Summer angekündigt und der hat sich – zumindest bei mir – auf jeden Fall durchgesetzt. Ich habe das Album und „Glow On“ rauf und runter gehört. Beide Alben haben etwas ganz Ausgelassenes, das mich jedes Mal, wenn ich es höre, ganz glücklich macht. Ich bin dann auch zur Tour gegangen und das war bestimmt eins der besten Konzerte des Jahres.

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    Neben Mia Morgan haben auch zwei andere meiner Lieblingsbands dieses Jahr Alben veröffentlicht. Das neue Album von Drangsal mit dem etwas sperrigen Titel „Aus keiner meiner Brücken die in Asche liegen ist je ein Phönix empor gestiegen“ habe ich nicht so viel gehört. Mir hat die Cuntyness gefehlt, die das letzte Album „Exit Strategy“ noch hatte und die meisten Songs haben mich nicht so abgeholt, dafür aber manche umso mehr: „Inkomplett“ finde ich ganz wundervoll! Ich habe ihn letztes Jahr schon bei einem Akustikkonzert in Berlin gehört und habe mich direkt verliebt.

    Kannst du etwas für dich behalten?
    Dann lass es mich sein!
    Du machst mich fertig, ich bin inkomplett

    Vor Kurzem haben auch Kraftklub ihr neues Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ veröffentlicht und ich, als Kraftklub-Fan seit meiner ersten Stunde, war ganz vorfreudig. Ich glaube ich brauche aber auch hier noch einen Augenblick, um reinzukommen, da mich einige Songs noch nicht ganz überzeugen konnten, aber zwei Highlights sind für mich jetzt schon „so rechts“ und „Halts Maul und spiel“ . Ich bin schon ganz hyped, auf der Tour nächstes Jahr im März zu den Songs dumm zu gehen!
    Ein bisschen enttäuscht war ich schon, dass mir die neuen Alben meiner Lieblingsbands nicht so zugesagt haben, aber dafür habe ich dieses Jahr auch ganz viel neue Musik entdeckt…

    Girlhood is a spectrum

    Ich habe mich dieses Jahr nämlich mal wieder aus meiner kleinen feinen musikalischen Komfortzone gewagt und bin dabei auf OG LU gestoßen, vielleicht habt ihr ja schon in Hannahs Jahresrückblick von ihr gelesen. Mich hat die Frankfurter Rapperin auch total gecatched! Ich liebe wie direkt und ehrlich ihre Texte sind und fühle mich immer direkt ganz confident, wenn ihre Songs auf meinen Kopfhörern laufen. Meine Favs von ihrem neuen Album „assig aber cute“ sind „Hasskick“ und „Komm“, aber auch der schon etwas älterer Song „Fass Ohne Boden“ von DieZelle, auf dem sie als Feature zu Gast ist, lief bei mir dieses Jahr auf Dauerschleife. Ich bin schon ganz gespannt auf ihr Konzert in Hamburg!

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    Eine weitere Musikerin, dessen Musik ich dieses Jahr kennengelernt habe, ist Magda. Mit ihren ruhigen Cello- und Geigenklängen und den gefühlvollen Texten hat sie mich völlig verzaubert. Ich durfte mir dieses Jahr ihren Auftritt beim Kiezkultur Festival in Hannover anschauen und es war wundervoll! Mit ihrer engelsgleichen Stimme hat sie alle in ihren Bann gezogen und eine ganz magische Stimmung kreiert. Bei ihrem queeren Lovesong „Zeig Mir“ ist bei mir sogar das ein oder andere Tränchen geflossen.

    Ich zeig‘ dir, wo mein Herz beginnt
    Ich zeig‘ dir, wo ich war als Kind
    Ich zeig‘ dir, was ich sonst versteck‘
    Und was ich noch entdeck‘

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    Jetzt bin ich am Ende meines Rückblicks angekommen und wirklich zusammenfassen kann ich es immer noch nicht (meine chronologische Reihenfolge habe ich auch irgendwann aufgegeben, upsi). Ich kann aber sagen, dass sich unter meine Top 5, die die letzten Jahre immer sehr ähnlich aussah, dieses Jahr ein paar neue Gesichter aus Rap und Hardcore geschlichen haben. Eigentlich bin ich eher im deutschen Indie/NNDW beheimatet, aber der frische Wind tat mir glaube ich ganz gut und ich bin sehr gespannt, was das nächste Jahr so Neues mit sich bringt.

  • Vom Kino-Raven, Girlhood und der heiligen Vierfaltigkeit

    Vom Kino-Raven, Girlhood und der heiligen Vierfaltigkeit

    Es ist so weit! Es weihnachtet und der Jahresrückblick steht vor der Tür – als mein erster Artikel für Untoldency. Ehrlich gesagt, war ich anfangs damit überfordert, wie ich mich an all meine musikalischen Highlights dieses Jahres erinnern soll. Schließlich sind zwölf Monate eine ganze Menge Stoff. Glücklicherweise habe ich mir seit zwei Jahren angewöhnt für jeden Monat eine Playlist zu erstellen in der ich alle Neuentdeckungen, alte Nostalgie-Lieder oder was ich sonst so in dem Monat gehört habe, reinpacke. Und genau das war meine Rettung für den Rückblick. So let’s dive in!


    Film und Musik = the best of both worlds?

    Ihr lernt mich hier neu kennen und eins solltet ihr über mich wissen: Neben Musik, gucke ich gerne gute Filme. Was mich besonders glücklich macht, sind gute Filme mit guter Musik. Zwei Kinostarts haben das Anfang des Jahres für mich vereint. Der Film Queer hat mich nicht nur mit seiner Story verzaubert, sondern auch mit dem wunderschönen Filmscore von Trent Razor und Atticus Ross. Wem diese Namen jetzt bekannt vorkommen, kennen die beiden Komponisten vielleicht schon durch den Film Challengers für den sie ebenfalls die Musik schufen. Die musikalischen Inszenierungen der beiden Filme könnten allerdings nicht unterschiedlicher sein. Als ich Challengers geschaut habe, dachte ich während der Hälfte des Films, ich wäre eigentlich in einem Techno-Club. Der Filmscore von Queer ist dahingegen viel sanfter. Der Song „Vaster Than Empires“ hat mich im Kino regelrecht in Watte gepackt und in die Luft schweben lassen. Der Rest des Albums ist so erdrückend schön, zwischen hoffnungsvoll romantischen Klängen und Schmerz, dass es mich bei jedem Hören emotional packt.

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    Und weil ich Filmmusik oft besonders finde, lief ein anderer Soundtrack vor allem im Januar auf Dauerschleife. Der etwas eigenartige Film Babygirl (Warnung: schaut diesen Film nicht mit euren Eltern) hat mich vor allem durch seine wilde musikalische Mischung abgeholt. Seit diesem Film habe ich „Father Figure“ von George Michael mehr als einmal unter der Dusche gesungen und mich dabei, wie ein Teenie aus den 80ern gefühlt. Der wahre musikalische Star des Films war für mich aber ganz klar „CRUSH“ von Yellow Claw, Natte Visstick und RHYME. Sobald ich mich motivieren wollte oder einfach nur einen Energieschub auf dem Nachhauseweg brauchte, dieser Song hat mich nie im Stich gelassen. Er ist der Inbegriff eines elektrisierenden Rave-Moments. Nicht nur für Nicole Kidman, die im Film die Hauptrolle spielt, sondern auch für mich. So wurde der Kinosaal, die U-Bahn, meine Küche oder auch die Uni-Bib zum Techno-Club, sobald ich diesen Track auf den Ohren hatte.


    Ein bisschen Pop darf im Mix nicht fehlen

    Nicht nur internationale Filme haben mich begeistert, sondern auch internationale Künstler*innen. Ich weiß, ich weiß, brat summer ist schon lange vorbei. In mir schlummert er aber trotzdem noch zu jeder Jahreszeit. Zwar habe ich Charlie xcx’s Album „BRAT“ nicht so exzessiv gehört wie das Jahr davor, aber let’s face it: Ich werde immer Fangirl dieses Albums sein. Wer auch das „Brat and it’s completely different but also still brat” Album gehört hat, ist sicherlich mit „Von Dutch“ feat. Addison Rae vertraut. Und ja, Addison Rae ist für mich schon jetzt eine kleine Popikone, die den Sprung aus der etwas cringen TikTok-Welt zur Popmusikerin geschafft hat. Letztes Jahr war „Diet Pepsi“ ein dauerhafter Ohrwurm für mich. Ihr diesjähriges Album „Addison“ legte aber nochmal nach. Allein das Musikvideo zu „Headphones On“ könnte ich mir täglich anschauen. Sobald sich Addison ihre Kabelkopfhörer anzieht, entflieht sie einem kleinen Stück Realität. Wer kennt das nicht? Kopfhörer auf, Stadtgeräusche auf stumm und sich selbst so fühlen, als wär man grade Teil eines Musikvideos. An dieser Stelle hört der peak girly Pop allerdings nicht auf. „New York“ oder „Fame is a Gun“ liefen bei mir ebenfalls hoch und runter – so wie eigentlich das ganze Album.

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    Weiter geht’s im Popuniversum, aber diesmal in eine etwas andere Richtung. In meiner Vorfreude auf die fünfte Stranger Things Staffel, darf eine Band natürlich nicht fehlen: Djo! Leadsänger Joe Keery spielt nämlich in besagter Serie die Figur Steve Harrington. Die Band veröffentlichte dieses Jahr ihr Album „The Crux“, inklusive Deluxe-Version. Und ehrlich gesagt, gefiel mir das extended Album noch ein bisschen besser. Ich glaube, das war das Album, welches dieses Jahr am meisten bei mir nebenherlief. Zugegeben klingt das erstmal wenig spannend – aber ganz im Gegenteil: „The Crux Deluxe“ war mein treuer Begleiter. Es war das Album bei dem ich mich in meine Tagträume fallen lassen konnte, obwohl ich eigentlich produktiv sein wollte. Das Album, welches beim Kochen in der Küche lief. Das Album, welches ich meistens direkt nach dem Aufstehen anmachte. Und das Album, das mich auf langen Zugfahrten nostalgisch aus dem Fenster starren ließ. Wenn ich einen Song aus der Deluxe-Version empfehlen müsste, wäre es „Love Can’t Break The Spell“. Hört rein und vertraut.


    Popmodus 2.0

    Nun zur Essenz meines musikalischen Jahres: Girlhood und Musik von Flintas, die ballert!!! Ich muss gestehen, dass ich dieses Jahr überwiegend deutschsprachige Girls und Flintas gehört habe – von Pop bis Rap. Und ich kann euch eins sagen: es war toll! Eine poppige, rockige Neuentdeckung war für mich Paulinko, die ich in irgendeiner Flinta-Playlist aufgegabelt habe. Ich kann die Lieder der Band nur mit instant happiness und Euphorie beschreiben, obwohl sie in ihrer Musik häufig Wut gegen das Patriachart und Menners im Allgemeinen ausdrücken. Im Sommer konnte ich Paulinko auf einem Konzert sehen. Währenddessen war ich quasi dauerhaft am hüpfen und tanzen. Highlight und Dauerschleifensong ist übrigens „Für ein Mädchen“ zu dem nicht nur mein jetziges Ich, sondern auch mein Kindheits-Ich mitfühlen kann. Welches Girl wurde schließlich nicht schon einmal für ihre Leistung belächelt? Seit dem Konzert hängt übrigens ein Poster mit der Aufschrift „Für ein Arschloch ist deine Fresse leider ziemlich groß“ in meinem Zimmer. Eine der vielen tollen Lyrics aus dem Song.

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    Eine weitere Offenbarung war außerdem Emma Rose. Singles wie „Roundhouse Kick“ oder „Liebe Süße Mädchen“ verkörpern für mich ein Gefühl von Girlhood. Schließlich hat Emma Rose verdammt nochmal Recht, wenn sie „Ich will nur mit mein’n Girls chillen / Und du kannst das nicht verstehen“ singt. Auch ihre „Süß sauer EP“ hat ihren vorherigen Songs alle Ehre getan. „Hauptsache Easy“ und „Männergrippe“ gehören zu meinen absoluten Lieblingssongs von Emma. Ihre ehrlichen Texte, die Leichtigkeit ihrer Melodien und die Nahbarkeit, die sie dabei vermittelt, machen sie für mich so besonders. Unter uns: ihre Stimme ist so schön, dass sie mir wahrscheinlich eine TV-Gebrauchsanweisung vorsingen könnte – ich würde es mir trotzdem anhören. 


    Meine heilige Vierfaltigkeit des German Raps

    Na gut, mit der Vierfaltigkeit mogle ich mich durch, aber anders geht es wirklich nicht. Es sind nämlich vier Künstler*innen, die mich dieses Jahr auf der Rapschiene am meisten begeistert haben. Und nein, männliche Rapper sind nicht dabei. Den Anfang macht Kiarababa. Sorry, aber ihre Beats schlagen alles. Ich habe Songs wie „Sie ist mein Bruder“, „Deine Haare“ und „Hmm lecker“ dieses Jahr im Urlaub mit meinen Besties täglich gehört. Deshalb ist Kiarababa immer eine Zeitreise zurück in den Urlaub: Ich sitze mit meinen Freundinnen auf dem Balkon, ein Getränk in der Hand, Kartendeck auf dem Tisch, alle singen die Lyrics mit und lassen sich vom Rauschen des Meeres einhüllen. Ich kann es nicht beschreiben, aber wenn ich sie höre, kommt die selbstbewussteste Version meiner Selbst raus.

    Wer mich auf eine andere Art und Weise auch begeistert hat, ist Rapper*in Lila Sovia. Vor allem die neuen Singles „Besser“ und „Immer noch da“ landeten in meinen Playlists. Mit queerfeministischen und antifaschistischen Texten rappt sich Lila Sovia in die deutsche Musikszene und das zu Recht. Neben Texten, die zum Nachdenken anregen, überzeugten mich die instrumentalen Inszenierungen und groovigen Basslines der neueren Songs. Lila Sovia ist für mich am interessantesten, wenn es darum geht, was die nächsten Jahre musikalisch noch so mit sich bringen.

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    Weiter geht es mit der Girl Gang, die ich dieses Jahr am meisten gehört habe: bangerfabrique! Sie machen ihrem Namen alle Ehre, denn es kam ein Banger nach dem anderen. Die erste EP „welcome to the groupchat“ kann nur auf repeat laufen, es liegt in ihrer DNA. Der opening-Song „CRASH OUT“ hat mich so aus den Socken gehauen, dass er direkt an meine gesamten WhatsApp-Kontakte weitergeleitet wurde. Die Beats, die Lyrics, die Ad-libs, das Musikvideo – alles perfection! Wie oft ich die Line „wegen Hunden wie dir krieg ich Knacks / wegen Hunden wie dir hab ich Hass“ innerlich oder merklich mitgeschrien habe, kann gar nicht gezählt werden. Andere Songs wie „Dumm“ oder die neue Single „hat was“ haben oft meinen Partymodus aktiviert. Was soll ich sagen? Wenn coole Flintas unabhängig Musik machen, dabei übergriffige Macker outcallen und über’s cunty sein rappen, geht mein Herz auf.

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    Um die Vierfaltigkeit komplett zu machen, fehlt nur noch OG LU. Ich hatte das Privileg die Frankfurter Rapperin dieses Jahr beim Stadt ohne Meer Festival zu erleben und schon dort ordentlich Texte zu üben. Denn im Dezember bin ich bei ihrer Tour dabei und kann es schon kaum abwarten. Ich verfolge OG LU schon etwas länger, aber dieses Jahr hat sie mein Interesse noch mehr geweckt. Mit dem Albumtitel „assig aber cute“ ist guter Rap vorprogrammiert und allein das Intro macht das Tape hörenswert. Weitere Highlights sind „hanni & nanni“, „Hasskick“ und „2 Etagen“. Ich wurde lange nicht mit Deutschrap warm, doch durch OG LU änderte sich das für mich. Wahrscheinlich könnte ich an dieser Stelle noch unzählig weitere Songs von ihr nennen, aber am besten hört ihr für euch selbst rein, falls ihr das noch nicht getan habt. 

    Allgemein habe ich dieses Jahr festgestellt, wie viel Empowerment es für mich persönlich bedeutet, wenn ich die Musik von coolen, atzigen Flintas höre. Die Songs machen nicht nur Spaß, sondern werden zu einer Art Safer Space und einem kollektiven Gefühl, Mackern in der Musikbranche die Stirn zu bieten – als würde Girlhood die ganze Welt erfüllen. Von mir aus kann das nächste Jahr gerne so weiter gehen!