Autor: Matilda

  • Das Dilemma: Matilda und die fünf Phasen einer Trennung

    Das Dilemma: Matilda und die fünf Phasen einer Trennung

    Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür. In einer Zeit, in der alle schon besinnliche Weihnachtslieder hören und sich den Kopf darüber zerbrechen, was sie Ihren Liebsten zu Weihnachten schenken, holt der Spotify Jahresrückblick 2021 alte Gefühle hoch und wirft mich zurück. 


    Das Daft Punk Drama

    Als ich am 1. Dezember meinen Jahresrückblick auf Spotify gesehen habe, war ich wenig überrascht. „Instant Crush“ von Daft Punk war nun das dritte Mal in Folge auf Platz eins meiner Top Songs. „Random Access Memorys“ auf Platz eins meiner Top Alben. Ich denke, ich kann mich outen: Ich bin ein großer Daft Punk Fan. 

    Anfang 2021 habe ich „Random Access Memorys“ als Platte zum Geburtstag bekommen, und ja, ich habe vor Freude geweint. Am 22. Februar 2021 entschied sich Daft Punk dann plötzlich dazu, ihre Trennung bekannt zu geben…WTF? An diesem Tag hat sich nicht nur die Hoffnung auf neue Musik in nichts aufgelöst, sondern auch mein äußerst unrealistischer Traum, das Duo einmal Live zu erleben. Auch wenn ich mir wirklich wünschen würde, dass der Abgang der beiden Legenden Thomas Bangalter und Guy – Manuel Homen – Christo unfair oder wenigstens unspektakulär gewesen wäre, es ist nicht möglich. Nicht mal dieser Wunsch wurde mir erfüllt. 

    YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden

    Schweren Herzens musste ich mir eingestehen: Daft Punk und unspektakulär passt einfach nicht zusammen. 07:58 Minuten haben eine Ära beendet. Mit einem Video seinen Abgang zu erklären hat auf jeden Fall Klasse. Zu meiner Enttäuschung: Es war ein verdammt gutes Video. Ganz im Stil vom Musikvideo zu „Veridis Quo“ entfernen sich die beiden Roboter voneinander, bis Thomas Bangalter durch den ausgelösten Selbstzerstörungsmechanismus explodiert (so wie meine Hoffnung). 

    Ob sie damals mit „Veridis Quo“ schon angedeutet haben, dass uns eine Trennung der beiden bevorsteht? Wäre möglich. Ich habe jedenfalls nicht damit gerechnet. Vielleicht ist bei mir am Ende des Videos auch die eine oder andere Träne der Trauer geflossen, als der letzte Part von „Touch“ eingespielt wurde und Guy–Manuel Homem-Christo allein in Richtung Sonnenuntergang geht. An sich kein besonders toller Start ins Jahr 2021, aber eine Trennung öffnet ja bekanntlich neue Türen, oder?

    Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

    Inhalt laden

    (bitte für die Emotionen beim lesen hören)

    Phase 1: Vorübergehendes Trostpflaster

    März 2021: 

    Ich habe natürlich nicht aufgehört unendlich viel Zeit mit Daft Punk zu verbringen. Realisiert hatte ich die Trennung auch noch nicht, deswegen war ich verzweifelt auf der Suche nach einer Band oder Künstler*innen, die ähnlich klingen und vor allem noch aktiv sind. Nach langer Suche hatte ich leider niemanden gefunden, der die entstandene Lücke in meinem Herzen füllen konnte.

    Sebastian Tellier, the look, song

    Schon beinahe aufgegeben, rettete das gute alte Spotify Radio meine Hoffnung. So stieß ich auf die Musik von Sébastian Tellier, ein meiner Meinung nach sehr guter Künstler, der großartige Musik schreibt. Dreimal könnt ihr jetzt raten wo er herkommt – richtig, aus Frankreich. Keine Ahnung was es ist, aber die Franzosen haben das Musikschreiben einfach verstanden. Der erste Song, den ich von oben genanntem Künstler zu Ohren bekam, war „The Look“. Alleine das Intro gab mir schon absolute Daft Punk Vibes: Synths, Gitarren, die Ähnlichkeit der Stimme zu Paul Williams bei „Touch“ – ich war schockverliebt. Auch so Dinger wie „L’amour et la violence“ oder „Sexual Sportswear“, die man locker mit „Contact“ und „Motherboard“ vergleichen könnte: Einfach geil! 

    Falls Ihr also auch noch in besagtem Daft Punk Loch hängt, Sébastian Tellier ist definitiv ein würdiges Trostpflaster. Natürlich klingt er nicht eins zu eins wie Daft Punk, das wäre schließlich langweilig. Nach einer Trennung sucht man schließlich etwas, dass sich von Altem unterscheidet, aber dennoch ähnliche Züge hat – trifft zu. Auf dem Album „Sexuality“ findet man auch Songs, die in eine ganz andere Richtung gehen. Beispielweise „Divine“  könnte man vom Synth Vibe im Intro mit „Melancholy Hill“ von den Gorillaz vergleichen. Ich sagte ja: Ein würdiges Trostpflaster! 


    Phase 2: Where is my Mind?

    Juni 2021: 

    Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

    Inhalt laden

    (auch hier, einmal zum untermalen des geschriebenen hören)

    Der Juni war gefüllt von sehr viel Klassik Rock. Wie hätte es denn auch anders sein können, ich war schließlich in der Wut-Phase angekommen.

    Meine Gefühle gegenüber der Daft Punk Situation waren geprägt von Frustration. Stichwort: Where is my Mind? Meine Gefühlswelt plus die Sehnsucht nach den Zeiten, in denen ich noch behaupten konnte, dass Daft Punk eine existierende Formation ist, ergibt den perfekten Nährboden für die Pixies. „Where is my Mind“ lief im Juni sehr oft und außerdem war er so passend zu meiner Situation. Daft Punk hat sich getrennt, wo steht mir der Kopf? Wie kann ich damit am besten umgehen? 

    All diese Fragen schwirrten durch meine Gedanken und wurden von diesem passiv aggressiven Song unterstützt. Die Pixies hatten sich zwar damals in den 90ern auch mal getrennt, aber sind wenigstens mit gutem Vorbild vorangegangen und haben sich wiedervereinigt. Das Gleiche erwarte ich übrigens noch von Thomas Bangalter und Guy–Manuel Homem–Christo. Auch jetzt gerade beim Schreiben des Artikels: Ich erwarte es. 


    Phase 3: TikTok

    August 2021: 

    Hört auf mich anzulügen, wir hatten alle mal diese Phase, in der wir Personen, die TikTok auf dem Handy hatten, als unglaublich peinlich bezeichneten. Was soll ich sagen? Ich benutze diese App mittlerweile sehr häufig und bin selber zu einer dieser Personen geworden, die als peinlich bezeichnet werden können. War mir aber egal, denn ich brauchte neuen Musik-Input. Spotify konnte mir nicht mehr das geben, was ich brauchte. Alles klang ab einem bestimmten Zeitpunkt gleich und bevor ich in irgendwelche DMs von Daft Punk Produzenten sliden konnte, um meiner unendlichen Enttäuschung und Trauer freien Lauf zu lassen, installierte ich halt TikTok

    Aber ganz ehrlich: Ohne TikTok gäbe es die Hälfte meiner heutigen Playlists nicht. Jetzt aber zum eigentlichen Thema: „Crime Wave“ von den Crystal Cales und HEALTH. Das erste Mal auf TikTok gehört, hat sich der Song mittlerweile in jede Playlist eingeschlichen und einen würdigen Platz zwei in meinen Top Songs erkämpft. Mein erster Gedanke zu diesem Song war: „Was ist das?!“ Doch irgendwie ging mir die Melodie nicht mehr aus dem Kopf und ich brauchte ohnehin mal wieder etwas Abwechslung, nachdem ich nun über Monate die Musik von Sébastian Tellier gehört hatte. Gesagt getan und die Obsession nahm ihren Lauf. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, was denn an „Crime Wave“ so toll ist.

    Nun ja, mein von Daft Punk geprägtes (und auch immer noch gebrochenes) Herz, welches höher schlägt, wenn Songs metallern und voll mit Synthesizern sind, wurde hier einfach abgeholt. Das Sympathische an diesem Stück: Es klingt so als würde nichts wirklich Sinn ergeben und doch passt trotzdem alles perfekt zusammen. Sowas überhaupt hinzubekommen, ist beeindruckend! Ob es mich ein bisschen getröstet hat? Ja schon. Denn ich habe den Song so gefühlt, dass ich für einen Monat ausgesorgt war. 

    Kein nächtelanges Geweine darüber, dass meine Lieblingsband sich getrennt hat. Nein! Eher nächtelanges Tanzen und Mitsingen, was sich bei diesem Song zwar etwas schwer gestaltet, da man die Wörter nicht unbedingt versteht, aber trotzdem irgendwie funktioniert. Naja, ich denke, ihr wisst, worauf ich hinaus will. Für einen Moment habe ich mal nicht an Daft Punk gedacht.

    Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

    Inhalt laden

    (ich möchte Videos wie ihr mit singt!)

    Phase 4: Das Daft Punk Drama 2.0

    Oktober 2021: 

    Phase vier der Bewältigung einer Trennung ist ja bekanntlich die härteste. Man realisiert langsam, dass es vorbei ist, steht kurz davor zu akzeptieren, dass es wohl auch so bleiben wird. Genau das war bei mir im Oktober der Fall. Ich habe sehr oft das Album „Random Access Memorys“ gehört und vor allem auch sehr oft den Song „Within“. 

    Daft-Punk-Untoldency-Elektopop

    Tiefgründig, traurig, wunderschön und: von Daft Punk. Aber nicht nur „Within“ lief auf Dauerschleife, auch Songs wie „Lose yourself to dance“ und „Instant Crush“ habe ich gestreamt, als gäbe es kein Morgen (gab es bei Daft Punk ja wirklich nicht *drops a tear*). Letzterem Song muss ich einfach mal öffentlich meine Liebe erklären. Es kommt sehr selten vor, dass ich einen Song wirklich über mehrere Jahre höre und nicht davon ernüchtert bin.

    Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

    Inhalt laden

    Genau das ist bei „Instant Crush“ der Fall. Auch nach drei Jahren kann ich den Song hören, ohne dass ich mir denke: „Och nee, nicht schon wieder der!“ Ich liebe alles an diesem Song. Das Opening mit Palm Mute Gitarre, den Synth, die Stimme von Julian Casablancas, die Auflösung von Verse zu Refrain – einfach schön. Vielleicht bin ich auch das ein oder andere Mal etwas zu emotional geworden und es könnte auch ganz vielleicht sein, dass ich gerade hier sitze, „Instant Crush“ höre und mich erneut Frage, warum sich so ein Duo einfach so trennt. 

    Aber es geht ja um den Oktober und nicht um jetzt. Die Schwelle zur Akzeptanz hatte ich fast überwunden. Doch irgendwie war es noch eine lange Reise zum „Ich bin darüber weggekommen, dass sich meine Helden getrennt haben“.


    Phase 5: Neuanfang

    Dezember 2021:

    Hallo und herzlich Willkommen zur Akzeptanzphase! Zehn Monate nach der Daft Punk Trennung – was mache ich jetzt? Oder besser gesagt: Was höre ich jetzt? Nun ja, ich kann zwar immer noch nicht behaupten, dass ich nicht mehr traurig über die Auflösung von Daft Punk bin. 

    Das große Aber folgt jetzt: Ich habe es akzeptiert und meine Musikwelt sogar noch ein bisschen erweitert. In den fünf Phasen habe ich viele neue und alte Künstler*innen für mich entdeckt. Meine Hoffnung, dass Daft Punk noch einmal ein Comeback startet, existiert irgendwo auch noch ein bisschen, aber falls die beiden Jungs jetzt doch keine Lust mehr auf die Musik haben, ist es auch in Ordnung für mich.

    In meiner Trauerphase habe ich auch gar nicht wirklich realisiert, wie alt die beiden sind und wie lange es ihre Musik schon gibt. Ich meine, die beiden haben das Projekt 1993 in die Welt gerufen – das sind (Stand jetzt) 28 Jahre. Verdammt gute 28 Jahre. Was ich aber eigentlich sagen will: Daft Punk, ich lass es euch noch einmal durch gehen, dass ihr eure gemeinsame Karriere beendet habt. Die Musik die hinterlassen wurde, bereichert jeden Tag meine Seele und ich werde wahrscheinlich niemals damit aufhören, alle meine Freunde mit diesem Duo zu nerven. In dieser Hinsicht: Danke, dass ich meine Reise mit euch teilen durfte.

    Foto Credit: Daft Punk: https://open.spotify.com/artist/4tZwfgrHOc3mvqYlEYSvVi , Sèbastian Tellier: https://open.spotify.com/artist/23ymPLjbtAMzTJS2qRtQ8Z

  • Strange Souvenirs im Interview: „Auf dieser einen Kreuzung stehen wir perfekt in der Mitte“

    Strange Souvenirs im Interview: „Auf dieser einen Kreuzung stehen wir perfekt in der Mitte“

    Es ist Freitagmorgen, als ich auf Spotify über die Strange Souvenirs gestolpert bin. Nach 10 Sekunden bin ich fasziniert, nach 30 Sekunden verliebt. 


    Eine wundersame Band

    Strange Souvenirs – seltsamer Name oder? 

    Von ruhig und tiefgründig bis hin zu episch und laut ist alles vertreten, für jede Stimmung geeignet. Im Interview habe ich Matthias, den Sänger der Band, kennengelernt. Er erzählte mir viel über die Vorgeschichte der Band, das gemeinsame Songwriting und alles rund um die Entstehung von Ihren Projekten. 


    Band auf Distanz? – Absolut möglich! 

    Wer steckt denn eigentlich hinter den Strange Souvenirs

    Die Band besteht natürlich nicht nur aus Matthias allein. Zusammen mit seinem Bruder wurde das Projekt Strange Souvenirs Ende 2018 ins Leben gerufen. Aufgewachsen in Kanada, verfolgen die beiden Brüder eine gemeinsame Leidenschaft: die Musik. Vor Ihrem Strange Souvenirs Projekt, haben sie gemeinsam in einer größeren Band in Hamburg gespielt. Irgendwann hat es Matthias nach Berlin gezogen, Thomas aber ist in der Hansestadt geblieben. Die Band führt also eine Art Fernbeziehung, was für die Beiden allerdings kein Problem darstellt.

    Demos werden hin und her geschickt, Texte ausgetauscht und hier und da wird der „Bullshit Detector“ aktiv: bedeutet absolute Ehrlichkeit gegenüber dem anderen. – Funktioniert! Als Matthias nach Berlin gezogen ist, hat er Cameron James Laing kennengelernt. Als Gründer von „The Famous Gold Watch“, unterstützt er fortan die Band nicht nur in der Produktion Ihrer Songs, er trifft auch kritische Entscheidungen beim Songwriting und bringt sich musikalisch ein. Wie Matthias so schön gesagt hat: „Wir hatten von Anfang an einen Draht zueinander. Cameron hat sofort verstanden was wir machen wollen.“


    Songwriting und Studio Tage

    Wie ist die Entstehungsgeschichte der Songs, die man gerade hört? Eine oft gestellte Frage, die bei den Strange Souvenirs nicht uninteressant ist. Einige Ihrer Songs sind sehr aufwendig produziert. Wenn man sich zum Beispiel die Single Nothing2 anhört, weiß man genau, wovon ich rede. Der Song baut sich von Anfang bis Ende immer weiter auf, denn jeder Part bringt etwas Neues hervor und setzt sich letztendlich wie ein Mosaik zusammen. Diese Art der Zusammensetzung kann man in nahezu jedem Strange Souvenirs Song finden. Und ähnlich laufen die Studio Sessions, erzählt mir Matthias. In einer vier bis acht Wochen Session treffen sich die Musiker im Studio, um gemeinsam aus zahlreichen Demos etwas ganzes zu schaffen – Team Spirit.

    Aber wer macht die ganze Arbeit vor dem Studio? Hier wird brüderlich geteilt. Matthias und Thomas schreiben die Songs zusammen: „Am Ende des Tages läuft alles ganz demokratisch“. Matthias schreibt die meisten Texte und bringt die ein oder andere Melodie mit. Sie greifen aber auch gerne auf altes Demo Material zurück. So zeichnen sich die ersten Outlines für neue Songs: „Wir verstehen uns blind“, empfand ich an dieser Stelle als eine sehr schöne Aussage. Aus genau dieser Art und Weise des Songwritings ist Ihr Name Strange Souvenirs entsanden.


    Die Frage nach der Inspiration

    Da einfach alles an dieser Band wunderschön ist, habe ich es mir nicht nehmen lassen nach der Inspiration für neue Projekte zu fragen. Matthias und ich haben sehr schnell festgestellt, dass wir eine Leidenschaft für Arcade Fire und The Cure teilen, zwei Bands die die Strange Souvenirs definitiv beeinflusst haben. Vom Sound her könnte man schon fast sagen: Die beiden klingen wie eine gute Mischung aus Arcade Fire und The Cure.

    Und eure Texte? „Manches bezieht sich auf die Welt in der wir leben und was um uns herum passiert. Anderes bezieht sich auf zwischenmenschliche Erlebnisse“ – Also Texte mit denen sich jeder identifizieren kann. Und genau das ist auch das Ziel – die Texte sollen keine bestimmte Adressierung haben, jeder soll damit etwas anfangen können. Eine Aufgabe welche die Strange Souvenirs mit Leichtigkeit lösen. 


    „We are not going to play this Live right?”

    Live Gigs sind bei den Souvenirs noch nicht vorgekommen, denn die Band noch recht jung und wurde erst kurz vor Beginn der Pandemie gegründet. Live Gigs sind dennoch in Planung. Matthias hat mir allerdings erzählt, dass sich die Gruppe noch unsicher bei der Live Umsetzung Ihrer Stücke sei: „Man bräuchte bei einigen Songs wahrscheinlich ein ganzes Orchester“ – weshalb die Drei wohl oft im Studio stehen und sagen: „We are not going to play this live right?“

     Wir sind also weiterhin gespannt, was die Zukunft der Strange Souvenirs mit sich bringt.


    Das Strange Souvenirs „Notfall-Kit

    Für den Fall der Fälle sollte man immer einen Notfallplan haben, oder? Das denken sich die Strange Souvenirs auch. Auf meine Frage nach einer Untold Story, hat mir Matthias verraten, was im Fall eines „Songwriting Notfalls“ zu tun ist und wie man sich korrekt verhalten sollte. Die Jungs werfen nicht einfach die Flinte ins Korn, wenn sie einmal nicht weiter kommen, eher wird versucht, das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: „Wenn wir mit einem Song mal gar nicht weiterkommen, halbieren wir gerne das Tempo und schauen, wie es die Stimmung und den Charakter verändert.“ So ist zum Beispiel der Song „Pixels“ entstanden, der ursprünglich ein Uptempo Indie Gitarrentrack werden sollte. „Pixels“ in seiner heutigen Gestalt ist aber alles andere als das. Der Song lebt von seinem langsamen Tempo und seiner ruhigen Art. Der Tipp der Souvenirs also: Wenn es mal gar nicht läuft, einfach das Tempo ändern!

    Wer die Liebe zu kleinen Bands mit uns teilt, sollte keine Scheu haben, den Souvenirs auf allen Streaming Plattformen zu folgen und Ihre Musik in den Himmel zu pushen. 

    Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

    Inhalt laden

    https://www.instagram.com/strangesouvenirs_official/

    Foto Credits: Michelle Mary-Lou Nuerk, (Cover Nothing2), Viktoria Byt, Matthias

  • not a broken record: Tom Odell und „Another Love“

    not a broken record: Tom Odell und „Another Love“

    Jeden Tag inspiriert mich Musik in jeglicher Situation, doch ein Song hat es mir in den letzten Monaten ganz besonders angetan. Wir reden hier von keinem geringeren Song als „Another Love“ vom britischen Singer Songwriter Tom Odell.


    Eine alte Liebe

    Der Titel hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, ich glaube, dass wissen wir alle. Erschienen ist dieses Meisterwerk der Popmusik im Oktober 2012, als vorab Release in Form einer EP, die Tom Odell „Songs from Another Love“ nannte. Doch bevor der Sänger sich einen Namen in der Musikwelt machte, fing er wie jeder klein an. Klavierunterricht im Alter von sieben Jahren, bis hin zu den ersten eigenen Songs. Mit 18 eine musikalische Ausbildung am Institute of Modern Music, nebenbei allerdings weiterhin ein aktiver Songschreiber.

    Wie das mit 18 so ist, lag die erste Band auch nicht fern. Entdeckt von Lily Allen ging die Musikkarriere erst richtig los. Ein perfektes Match zwischen zwei sehr starken Songwritern? Ja! Denn kurz darauf unterschrieb Tom Odell einen Vertrag in Lily Allen’s eigenem Label „In the Name of“ und veröffentlichte seine erste EP „From Another Love“. Im Folgejahr erschien das erste Album „Long Way Down“, auf dem „Another Love“ nochmals vertreten war. Dieses überaus emotionale Lied, handelt von vielen gescheiterten Beziehungen und emotionaler Ohnmacht „all my tears had been used up“, heißt es im Refrain. Doch trotz der melancholischen Stimmung hielt „Another Love“ sich sage und schreibe 66 Wochen auf Platz 11 der deutschen Charts – und das zurecht, denn dieser Song umfasst sehr viele musikalische Fassetten.

    Mit 13 habe ich den Song das erste mal im Radio gehört. Irgendetwas dran hat mich fasziniert, doch was genau so faszinierend war konnte ich nicht erklären. So verging also die Zeit und das Stück wurde nach und nach durch andere Stücke ersetzt, geriet beinahe in Vergessenheit. Klar, hin und wieder wurde der Song im Radio gespielt, aber wahrgenommen habe ich das nicht. Erst vor kurzem ist mir aufgefallen, wie großartig die Art und Weise des Songwritings überhaupt umgesetzt wurde. „Another Love“ übermittelt so starke Gefühle, dass dieser Song mir immer wieder die Tränen in die Augen treibt.


    Weniger ist manchmal doch mehr!

    Der simple Einsatz des Klaviers und der Stimme mag für viele unspektakulär sein. Doch das wunderschöne an diesem Song ist ja eigentlich genau dieses simple Gerüst, welches im Laufe durchbrochen wird. Während wir am Anfang noch die schüchterne Stimme von Tom Odell hören, die verzweifelt versucht ihre Liebe zu beweisen, werden wir nach dem ersten Refrain geradezu erschlagen mit kräftigen Chorstimmen, die einem das Gefühl von einem inneren Kampf mit sich selbst vermitteln – Gänsehaut.

    Hier ist auch mal kurz hervorzuheben, wie erfindungsreich eigentlich dieser Part des Chores ist. Ich habe einen absoluten Faible für mehrstimmigen Gesang, sprich, ich werde hier voll und ganz abgeholt. Was ich aber eigentlich sagen möchte, dieser Part ist das perfekte Beispiel für die Details, von denen ich gesprochen habe. Beim genaueren Hinhören wird einem erst klar, wie viele Stimmen da eigentlich sind, welche Harmonien abgedeckt werden und wie die Lautstärke verteilt ist. Eine kleine stimmliche Abenteuerreise. Es macht irrsinnig viel Spaß, sich jedes mal auf eine andere Stimme zu konzentrieren. Der Chor tritt ja auch abgeschwächt immer wieder auf – alles Details, die ich sonst nicht wahrgenommen habe.

    Doch nicht nur der Gesang wandelt sich. Auch bei der Aufstellung der Instrumente ist ein deutlicher Unterschied zu bemerken. Das Klavier wird plötzlich von einer Gitarre im Palm Mute Stil unterstützt, sowie von einem dumpf klingenden Schlagzeug. Der Gesang wird zunehmend immer intensiver. Und nicht nur der Gesang und die Instrumente werden präsenter – Der Text spitzt sich auch immer weiter zu. Mehr Emotion, mehr vom Inneren des Künstlers „I wanna cry, I wanna learn to love“. Es wird eine mitreißende Atmosphäre geschaffen, in der man von Text und Musik an die Hand genommen wird und in eine Welt der Melancholie eintaucht. Man beginnt immer und immer mehr zu verstehen. Es ist dieses Gefühl von beinahe schon angenehmer Bedrücktheit, ähnlich wie heute bei Billie Eilish. Schwere Themen werden in eine wunderschöne Ästhetik verpackt und jeder kann sich irgendwie besser in die Situation hineinversetzen. Es ist schön, aber schrecklich zugleich.


    Verletzlichkeit und die Auseinandersetzung mit sich selbst

    Wir alle kennen das Gefühl verletzt zu sein. Entweder man geht offen damit um, oder eben nicht. Gerade dann, wenn es um eine zerbrochene Beziehung geht, müssen die meisten von uns erst einmal schlucken.

    Doch genau aus diesem Grund, finde ich die gesamte Geschichte die hinter den Lyrics steht so unglaublich nachvollziehbar. Tom Odell singt darüber, dass er sich ausgebrannt fühlt, weil er den Eindruck hat alles falsch gemacht zu haben. Er singt darüber, dass er nicht weiß woher all die Kälte kommt. Er phantasiert sogenannte „Was wäre wenn Situationen“ vor sich hin und schreit diese in Form von Musik in die Welt. So offen mit seinen Gefühlen umzugehen, ist Stark, Mutig und vor allem beeindruckend. Man bekommt immer stärkere Bilder vom Künstler zugeworfen, in denen er den Kampf mit sich selbst offen legt. Auf der einen Seite wirkt er stark und selbstbestimmt „and if somebody hurts you, I wanna fight“ und auf der anderen Seite fällt das aufgebaute Kartenhaus wieder in sich zusammen „but myhands been broken, one too many times“Unsicherheit begleitet jeden von uns.


    Fazit

    Tom Odell’s Kreation „Another Love“ ist eine melancholische Reise ins Innere des Sängers, die mich als Hörerin durch und durch berührt. Es ist ein Song der wohl thematisch immer aktuell bleibt und in dem man durchaus auch nach mehrmaligem Hören viele neue Aspekte und Details entdecken kann. Er ist eine wärmste Empfehlung von mir an jeden, der Songs mit Tiefgang liebt – denn glaubt mir, den hat dieses Werk auf alle Fälle!

    Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

    Inhalt laden

    Fotocredit: Instagram Tom Odell