Tag: 30. November 2024

  • MODULAR im Interview: »Ich habe als Künstlerin den Anspruch, immer weiterzugehen«

    MODULAR im Interview: »Ich habe als Künstlerin den Anspruch, immer weiterzugehen«

    Das deutsche New Wave Universum brodelt nach wie vor, entwickelt sich jedoch mittlerweile in viele unterschiedliche Stränge auseinander. So fließt auch die Musik von MODULAR organisch in verschiedene Genrerichtungen. Weg von dem kühlen NNDW Synthie-Beat-Sound der ersten EP, hinüber zu großen Indie, Alt-Pop und sogar orchestralen Klängen auf der in diesem Jahr erschienen Trümmer EP

    Mit dem Song ‚Trümmer dieser Stadt‘ habe ich versucht, alles runterzubrennen: Ganz neuer Sound. Im Musikvideo mache ich mich nackt, um auf allen Ebenen zu symbolisieren, dass ich auf Null gehe und schaue, was danach kommt“, beschreibt die Musikerin. „Eigentlich war der Song als eine NNDW-Tanznummer geplant. Zum Glück ist er dann mit der Zeit ganz natürlich abgebogen und zu dem Sentimental-Pop-Song geworden, der er jetzt ist.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Mit den fünf Tracks der EP eröffnet sie sehr persönliche, sowie abstrakte emotionale Welten mit teilweise sphärischen Klängen und einem sich durchziehenden visuellen Konzept. Vor einer Weile habe ich mit MODULAR im Interview über die Entwicklung ihrer Musik, die Neue (Neue) Deutsche Welle, sowie Unsicherheiten auf der Bühne gesprochen. Auf die Frage, wie MODULAR ihre Trümmer EP in einzelnen Worten beschreiben würde, entgegnet sie: „Traurig, Tanzbar, Intim“. Die EP sei, anders als ihre ersten Songs, eine intime Offenbarung und Verarbeitung eigener Lebenssituationen. „Jeder Song ist wie ein Umzug von einer Stadt in die nächste. Auch das Verarbeiten davon, dass sich mein gesamtes soziales Umfeld ändert. Das Konzept der EP ist eine Reise, die ich angetreten habe. Bei ‚Endlich‘ versuche ich dann, mich selbst zu finden.

    Ich hake weiter nach der Bedeutung von kreativen Konzepten nach. MODULAR erzählt mir, dass sie selbst Fan von Artists wie Ashnikko oder Björk ist, weil ihre Künstlerinnenpersönlichkeiten sich durch ihr gesamtes Schaffen ziehen und sich nicht nur auf ein runtergeschriebenes Konzept für ein Werk begrenzen. „Ich glaube ein Outfit oder ein Look kann nicht unpolitisch sein, du kannst als Künstlerin nicht neutral sein, in dem was du trägst. Deshalb ist es mir wichtig, Dinge aufzubrechen. Zeigen, dass ich als Frau im kurzen Rock nicht nur schön anzuschauen bin, sondern auch ernst genommen werde.“ Dass ihre Outfits, Make Up und Haare meistens weiß sind, komme aus dem Interesse an der Bedeutung der Farbe: „Einerseits ist es eine Abgrenzung zu mir selbst, weil ich privat sehr selten weiß trage und andererseits mag ich es mit der Symbolik zu spielen, dass weiß für Unschuld steht. Ich mag es, die Themen zu eröffnen, mit den Sachen, die ich auf der Bühne trage. Ich finde das Aussehen ist ein großes weiteres Fenster, mit dem man sich ausdrücken kann. Das benutze ich sehr gerne.“ Auch ich als Hörerin und Konsumentin finde es eine schönere, spannendere Erfahrung in ein kreatives Gesamtwerk hineingezogen zu werden.

    Trotzdem frage ich mich, ob das als Künstlerin nicht auch Nachteile hat. Kann man da eine klare Grenze ziehen, wo MODULAR beginnt und endet? „Natürlich hat das an manchen Tagen auch Nachteile. Manchmal würde ich lieber auf der Bühne in kuscheliger oversized Hose stehen. Aber gleichzeitig hilft es mir, mehr zum Teil meiner eigenen Kunst zu werden. MODULAR ist auch immer Selena, aber Selena versucht nicht immer MODULAR zu sein„, beschreibt sie.

    Wenn wir schon von übergreifendem Stil und Ästhetik reden, will ich von MODULAR wissen, für welchen Film oder Art von Film ihre Musik der Soundtrack wäre. Ich habe schon ein konkretes Bild vor Augen. Sie freut sich darüber: „Ich finde wenn Musik auch bildlich wirkt, hat man alles erreicht.“ Wir sind uns einig, dass es sich um einen künstlerischen Coming of Age Film handelt. „Der Film sollte in Irland spielen und natürlich analog gefilmt sein. Alles passiert sehr langsam, aber bei Rennfahrer gibt es eine coole Partyszene. Der Film zeigt das Erwachsenwerden der Protagonistin in sehr entschleunigten, aber wunderschön anzuschauenden Szenen.“ Warum ausgerechnet Irland? „Ich will Wind und Mäntel tragen„, erklärt sie grinsend.

    Außerdem unterhalten wir uns über ihren Song Rennfahrer. Mein persönlicher Favorit – ein packend tanzbarer Mix einer starken Portion Drama und Selbstbewusstsein. „Es geht darin vor allem um eine Freundschaft zwischen zwei Girls. Ich war nicht immer supportive gegenüber anderen Mädchen. Es ist total wichtig zu realisieren, dass man Teil dieser internalisierten misogynen Struktur war oder vielleicht noch ist. Früher hatte ich nicht so viele FLINTA*-Freundschaften. Rennfahrer ist ein Song über eine weibliche Freundschaft die mir gar nicht gut getan hat. Da dachte ich aber, ich könnte die sehr enge Freundschaft nicht brechen, nur weil wir als Mädchen zusammenhalten müssten. Im Song löse ich mich tanzend von den Fesseln so einer ungesunden Freundschaft. Ich gehe und die Person kann mich dabei nicht mehr bremsen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Anspielend auf ihren Song Zeit steht, frage ich MODULAR welcher Zustand ihr das Gefühl gibt, die Zeit einfrieren zu lassen. „Kennst du das, wenn man Streit mit einer geliebten Person hat und dann gerade nicht mit einander redet?„, fragt sie zurück und ich nicke nachdenklich. „Das ist für mich ultra schlimm. Ich finde man sollte nie im Streit schlafen gehen. Wahrscheinlich habe ich damit schon Grenzen übertreten, in dem ich unbedingt auf der Stelle den Konflikt klären wollte. Im Streit steht bei mir alles still, man befindet sich in einem luftleeren Vakuum voller Anspannung, die man unbedingt lösen will.“ Dieses Empfinden von Machtlosigkeit stecke für die Musikerin auch hinter der Bedeutung des Songs. Das zerrende und von Ungeduld geplagte Gefühl, wieder in Frieden bei einander sein zu wollen verpackt in Nostalgie getriebenen Wave-Pop. „Aber auch wenn ich mir die politische Lage anschaue, fühle ich mich machtlos. Ich heule viel, ich bin wütend. Man möchte das ganze einfach voranbringen und den Weg zum Guten schneller finden.

    MODULAR erwähnt nebenbei im Gespräch, dass sie auch mit ihrem Vater Musik macht und aufnimmt. Natürlich interessiert mich, wie die gemeinsame Beziehung sich darin verhält. Vor allem, wenn man intime Songs und Geschichten zusammen verarbeitet. „Es ist krank geil„, entgegnet sie lachend. „Wir haben es geschafft uns beide aus den Eltern-Kind-Rollen zu emanzipieren. Im Studio sind wir nicht Papa und Tochter, aber obviously kennen wir uns trotzdem sehr gut. Wir sehen uns als ebenbürtig.“ Das sei manchmal leichter und manchmal schwieriger, entwickle sich aber immer mehr auf dieser schönen und gesunden Ebene auf Augenhöhe.

    Der größte und wichtigste Unterschied der ersten und zweiten EP sei der emotionale Zugang zu MODULAR selbst. „Ich finde Stillstand ist der Tod, deshalb bin ich sehr froh, dass mein Sound, aber auch der Zugang, ehrlicher und emotionaler zu schreiben, sich so weiterentwickelt hat.“ Auf die Frage, ob sie sich selbst der sogenannten Neuen Neuen Deutschen Welle Bubble zuordnen würde, wie ihre Musik oft kategorisiert wird, beschreibt sie: „Die damalige Neue Deutsche Welle war nie eine einzige Musikrichtung, das war eine Bewegung cooler deutschsprachiger Musik. Genretechnisch gibt es das einfach nicht, auch jetzt nicht. Nils Keppel macht zum Beispiel ganz andere Musik als Serpentin. Und das ist auch das, was jetzt passiert: Es gibt einen Boom cooler Musik auf Deutsch. Ich finde es aber schwierig und doof, wenn mir jemand anderes von Außen ein Label aufrückt. Prinzipiell finde ich das eine ultra geile, liebe Community und Bubble. Aber ich habe den Anspruch als Künstlerin, immer weiter zu gehen. Es wäre schade, sich an einem Punkt fest zu fahren. Ich versuche mich weiterzuentwickeln, denke aber das Label NNDW wird weiter bleiben. Das ist auch in Ordnung, ich kämpfe nicht mit Fäusten dagegen.

    MODULARs am meistem gestreamter Song ist ein Cover von Joachim Witts 80er Jahre Hit Goldener Reiter. Ich erzähle von jemandem bei einer kürzlich besuchten Lesung zum Thema Neue Deutsche Welle, der behauptete, was jetzt in der deutschen Musik passiert, ist nicht zu vergleichen, weil keine Rebellion stattfindet. Wir sind uns beide bewusst, dass die Fußstapfen von Grauzone und co. unfassbar große sind. „Ich glaube die Form der Rebellion ist eine andere geworden. Du kannst nicht mehr wirklich mit Musik aufstoßen, weil es so ein Überangebot an verschiedener Musik gibt„, erklärt MODULAR. „Klar sind wir als Musiker*innen in unserer Kunst als Gesamtheit wesentlich unpolitischer, als die Bands der NDW damals. Aber vielleicht ist es für eine männlich gelesene Person schon eine Form von Rebellion über ihre Gefühle zu singen, weil das halt nicht easy ist. Außerdem gehen wir als Bubble weg von diesen Überproduzierten Mega-Popsongs der fettesten Produzenten, sondern gehen alleine mit Laptop in unser Schlafzimmer für Songs. Das ist auch Rebellion, nur zu einer anderen Thematik. Ich finde es aber auch sehr schön, wenn Leute sich nicht nur mit sich selbst in ihren Texten beschäftigen, sondern auch politisch aufschreien.

    Abschließend frage ich die Musikerin traditionell nach einer untold Story, also einem Geheimnis oder einer Geschichte, die sie noch nicht öffentlich erzählt hat. Nach einem lustigen Hin- und Her wird es doch unerwartet ernst. „Ich bodyshame mich übelst, wenn ich auf der Bühne stehe. Oft sehe ich Videos und Fotos von Auftritten und denke ‚Wie siehst du denn aus? Sowas kannst du nicht mehr anziehen‘. Ich bin super gerne extrovertiert auf der Bühne, ich liebe es aufzutreten. Aber in so vielen Fällen mache ich mich danach total für mein Aussehen runter. Solche Gedanken sind auf jeden Fall ein Aspekt, den ich versuche zu ändern. Aber gerade als Person des öffentlichen Lebens, die von Fremden gefilmt wird, denke ich mir währenddessen ‚Seh ich da gerade gut drauf aus? Ist mein Bauch eingezogen? Ist meine Schokoseite im Licht?‘, obwohl ich mich eigentlich freue, wenn jemand mich cool findet und filmen möchte. Ich glaube, das wissen die meisten nicht, dass ich damit auch viele Struggles habe.“ Wir stellen beide fest, dass auch das leider wieder auf internalisierte Misogynie zurückzuführen ist. „Niemals würde ich solche Gedanken über andere Künstler*innen auf der Bühne haben, nur über mich selbst. Das nervt, aber ich denke, ich bin da in einem guten Prozess. Wir sollten einfach mal darüber reden, dass es sich nicht immer geil anfühlt, auf einer Bühne vor Menschen zu stehen.

    Ich bin gespannt, was von MODULAR noch auf uns zu kommen wird. Aktuell ist sie auf Trümmer dieser Stadt-Tour durch Deutschland, hat seit der EP jedoch schon zwei weitere Singles in neuem Soundgewand veröffentlicht. Es ist klar – Die Zukunft ihrer Musik wird vielseitig, aber stets unfassbar schön.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Foto Credits: 1. CAPADOL, 2.-3. Fioniversace
  • So Soon im Interview: »Es passieren gerade so viele überwältigende Dinge«

    So Soon im Interview: »Es passieren gerade so viele überwältigende Dinge«

    So Soon sind die Multiinstrumentalisten, Songwriter und Producer David Stöbener und Marco Braun. Oder um es in unseren Worten zu sagen: So Soon sind die Newcomer-Empfehlung, die die nächsten Jahre unsere Indie-Folk Bubble von innen aufrümpeln werden. Das ist auch der Grund, warum wir ihre im Dezember startende Headline-Tour mitpräsentieren dürfen! Mit einem gefühlvollen und impressionistischen Ansatz im Sounddesign schaffen sie es, kleine Songs ganz laut werden zu lassen und große Gefühle ganz klein zu verpacken. Wie genau sie das machen und was ihr noch alles über das Duo und ihr Debütalbum Whether You Like It Or Not wissen müsst, erfahrt ihr hier im Interview.

    So Soon im Interview

    Anna: Hey ihr beiden, wie geht’s euch? Wollt ihr euch für alle, die euch noch nicht kennen, einmal vorstellen?

    So Soon: Hallo Anna, vielen Dank, dass ihr uns die Möglichkeit gebt, das hier zu machen, wir freuen uns riesig! Wir sind David & Marco von So Soon und kommen ursprünglich aus kleinen Dörfern in Rheinland-Pfalz. Wir sind seit der Schulzeit befreundet und machen seit einigen Jahren zusammen Musik. Seit 4-5 Jahren hatten wir den Traum ein Konzeptalbum zu veröffentlichen und letzte Woche war es wirklich soweit. Es hat eine Weile gedauert, und es gab einige Umwege, aber wir sind sehr glücklich. Wir sind unfassbar dankbar dafür, dass wir die Chance haben, unsere Musik auf Deutschlandtour den Menschen zu zeigen. Es fühlt sich ein wenig komisch an, dass in so vielen Städten Leute zu unseren Konzerten kommen. Wir fühlen uns sehr geehrt und geben unser Bestes, dass die Shows für alle schöne und unvergessliche Momente werden. Es passieren gerade einfach so viele überwältigende Dinge.

    Anna: So Soon gibt es seit 2020, ihr macht aber schon sehr viel länger Musik. Wie habt ihr beide zum Musikmachen aber auch zueinander gefunden?

    David: Als jüngster von vier Brüdern habe ich das gemacht, was meine großen Geschwister so machten, und die haben in Indie Rock Bands gespielt. Da unser großes Kinderzimmer sowieso eine Art Proberaum war, fingen wir irgendwann an, Songs meines ältesten Bruders zu spielen. So entstand unsere gemeinsame Band My Friend The Immigrant als ich 14 Jahre alt war. Mit der Zeit fing auch ich an Songs zu schreiben, und ein paar davon spielen wir jetzt mit So Soon.

    Marco: Ich bin mit 10 Jahren eines Tages aufgewacht und hatte die Idee, dass ich Gitarre lernen muss, weil ich unbedingt in einer Band sein wollte. Davor hat mich Musik nie so richtig interessiert. Mein ältester Kindheitsfreund hat damals Schlagzeug gespielt und wir sind wir zu zweit zB beim Geburtstag seiner Schwester aufgetreten. Er mit seinem Drumset und ich mit einer Spielzeuggitarre. Irgendwann fand ich, dass es Zeit war das Instrument mal richtig zu lernen und fing an Unterricht zu nehmen und in meiner Band zu spielen. 

    Wir beide kennen uns seit der Schulzeit und haben in der Oberstufe angefangen zusammen Musik zu machen. Anschließend zogen wir zum Studium eine gemeinsame WG. In dieser Zeit entstand die Idee zusammen ein Album zu schreiben, bzw zusammen Musik zu machen. Kurz vor der Corona Pandemie haben wir angefangen erste Ideen zu schreiben, die jetzt Teil unseres Albums Whether You Like It Or Not sind.   

    So Soon, So Soon Tour, Whether You Like It Or Not, Golden Ticket, untoldency, untoldency proudly presents, tour, verlosung, live
    „Wir mögen Songs, die klein und nahbar starten und mit der Zeit größer werden.“

    Anna: Eure erste Single-Veröffentlichung hieß Silent Moment – welche Bedeutung hat für euch Stille? Vor allem in der Musik kann ein gut gewählter Moment der Stille viel Macht haben.

    So Soon: Bei diesem Song geht es um das Bedürfnis bei der Person, die einen am besten kennt Ruhe finden zu können. Bezogen auf unsere Musik kommen ruhige Momente ziemlich häufig vor. Wir mögen es wenn Songs klein und nahbar starten und mit der Zeit größer werden. Wir sind Fans von solchen Dynamikunterschieden, weil dann Parts, die laut sind, noch intensiver sein können. Umgekehrt natürlich genauso. 

    Anna: EureKompositionen zeichnen viel Gefühl für genau solche Momente aus, was mich von Anfang an sehr in den Bann gezogen hat. Wie sieht der Prozess hinter euren Songs normalerweise aus?

    So Soon: Vielen Dank! Das bedeutet uns sehr viel. 

    Ehrlich gesagt fängt es meistens mit Ideen an, die einfach aus dem Nichts beim Üben, Proben oder Rumprobieren entstehen. Eigentlich ist immer erst Musik und eine gewisse Stimmung da und ab dann taucht man ab und probiert solange aus bis die Idee immer konkreter wird. Dann probieren wir einfach viel aus und behalten, was uns gefällt. Manchmal gibt es auch Lyrics, die dann musikalische Ideen triggern.

    „Plötzlich ist man erwachsen.“

    Anna: Nach eurer ersten EP Then (2022) kommt nun euer Debütalbum Whether You Like It Or Not raus. Direkt in eurem ersten Song beschäftigt ihr euch mit dem Älter werden. Wie habt ihr die Zeit zwischen der ersten EP und eurem Album wahrgenommen? Inwiefern seid ihr mit eurer Musik älter geworden?

    So Soon: Viele Grundideen der Albumsongs sind tatsächlich schon mehrere Jahre alt. Sie sind also mit uns zusammen gealtert. Wir hatten von Anfang an die Idee, ein Album zu schreiben, dass einen Zusammenhang hat und eine Art Gesamtwerk ist. Es war für uns direkt klar, dass wir uns unserem aktuellen Leben, Gefühlen und Wahrnehmungen widmen, weil noch nie so viel in unserem Kopf los war, als zu dieser Zeit. Die meisten Songs sind schon 4-5 Jahre alt und in der Zeit entstanden, wo wir gerade unser Zuhause verlassen hatten, um in eine neue Stadt zu ziehen und zu studieren. Eigentlich dachten wir, es geht genau so harmlos und sicher weiter wie bisher, doch plötzlich ist man erwachsen. Zum ersten Mal muss man sich mit komischen Ängsten und Sorgen rumschlagen, die man zuvor nie kannte und fragt sich wie die Zukunft wird.

    Als hätten wir unser kindliches Paradis aufgeben müssen, um uns dann in einer neuen Welt wiederzufinden, auf die man nicht vorbereitet war – ob wir wollten oder nicht. Denn so ist einfach der Lauf der Dinge. 

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Anna: Eure erste Single-Auskopplung All About The Sunshine handelt von der egoistischen Denkweise der Gesellschaft, vor allem im Kontext von sozialen Medien. Wie geht ihr mit dem Druck der sozialen Medien und Algorhithmen um, vor allem als Band, die zu Teilen sehr auf darauf angewiesen ist?

    So Soon: Es liegt tatsächlich nicht in unserer Natur, Social Media besonders viel nutzen. Manchmal ist es etwas mühsam, weil uns das nicht immer leicht fällt guten Content herzustellen. Aber ist natürlich mega cool einen (mehr oder weniger) direkten Kanal zu den Leuten zu haben, die gut finden was man macht. Das motiviert dann! Aber natürlich gerät man auch oft ins Vergleichen, und sieht was andere Bands so auf die Beine stellen und viel cool deren Content ist. Aber wir versuchen uns da immer wieder von zu lösen und einfach unser Ding zu machen. 

    „Wir hoffen, dass sich Leute in unserer Soundwelt verlieren können.“

    Anna: Musik ist eins der stärksten Mittel, um Gefühle universell miteinander zu teilen. Was sind die Alben und Songs, bei denen ihr das Gefühl hattet, sie sprechen euch aus der Seele?

    So Soon: Eigentlich alle Bon Iver Alben. Besonders die ersten drei. 

    Das Album Two Star & The Dream Police von Mk.gee.

    Hortelã von Maro

    Vincent von Don McLean.

     Friendly Travelers von Brian Blade und Wolfgang Muthspiel.

    Das Album Bridge Over Troubled Water von Simon And Garfunkel.

    Die ersten vier Coldplay Alben. 

    Das Album Songs of Leonard Cohen

    The Freewheelin’ Bob Dylan

    Anna: Ihr geht mit eurem Album auch auf große Deutschland-Tour. Habt ihr die Songs schon mal live gespielt? Auf was freut ihr euch am meisten?

    So Soon: Ja, wir spielen den Großteil der Songs schon länger live. Aber für eine eigene Show haben wir nochmal einiges an neuem Repertoire mit in unser Tourset genommen. Wir freuen uns einfach darauf, eine gute Zeit mit unserer wahnsinnig guten Crew zu haben und endlich das Album und die Songs mit der Welt teilen zu können. Wir hoffen, dass wir den Leuten einen schönen Abend bereiten können und dass sie für die Konzertdauer ein bisschen abtauchen und sich in unserer Soundwelt verlieren.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen
    Ein vergessener Bass und eine Nike-Narbe

    Anna: Es geht so langsam Richtung Ende des Jahres zu und das Album und die Tour werden wahrscheinlich eure größten Highlights von 2024 sein – was sind eure Ziele/Wünsche für nächstes Jahr? Habt ihr Sachen auf eurer (auch persönlichen) To-Do Liste, die ihr euch unbedingt erfüllen wollt?

    So Soon: Wir hoffen, dass wir gut erholt ins neue Jahr 2025 starten können und eine erfolgreiche Tour hatten. Wir haben sehr viel Lust neue Musik zu schreiben und an Ideen zu arbeiten, die zurzeit in den Untiefen unserer Festplatten schlummern. Wir hoffen, dass wir unseren ersten Festivalsommer spielen können und weitere Konzerte vor uns liegen.

    Anna: Die letzte Frage bezieht sich bei uns immer auf eine untold story, etwas, was ihr bisher in keinem Interview erzählt habt. Das kann alles Mögliche sein, was ihr gerne loswollen möchtet.

    So Soon: Vor einigen Jahren hatte David mal einen Gig und sollte Bass spielen. Er hat allerdings seinen Bass vergessen. Zum Glück war es ein Auftritt mit mehreren Bands und jemand hatte noch einen Bass. 

    Marco hat eine Narbe an der linken Hand die aussieht wie das Nike Logo. 

    Wer die David & Marco aka So Soon im Dezember auf ihrer ersten Tour live erwischen möchte, bekommt hier alle Infos.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Mehr Informationen

    Fotocredit: Flemming Fuchs