Tag: 4. Oktober 2023

  • Ein Festival wie kein anderes – das Roskilde Festival 2023 in Dänemark

    Ein Festival wie kein anderes – das Roskilde Festival 2023 in Dänemark

    Kennt ihr das Roskilde Festival? Wir haben bisher immer nur mal wieder den Namen aufgeschnappt und die großen Headliner, die dort spielen, aber nie so richtig, was genau dahintersteckt. Dieses Jahr hatten wir dann die Ehre von den lieben Menschen von Factory92 eingeladen worden zu sein. Das hieß: vier Tage vollstes Festival-Feeling in Dänemark! Und weil wir nicht nur vom Line-Up wahnsinnig beeindruckt waren, sondern auch von der liebevollen und nachhaltigen Art, wie das Non-Profit (!) Festival sein gesamtes Konzept gestaltet, wollen wir euch hier einen Einblick in alles geben:


    Willkommen in der fünft-größten Stadt Dänemarks

    In der Vorstellung des Festivals haben wir euch schon mal einen detaillierten ersten Eindruck gegeben. Vor allem was die verschiedenen Säulen der Nachhaltigkeit betrifft passiert einiges in Roskilde (hier könnt ihr es nochmal nachlesen). Was sich für uns damals noch ein wenig abstrakt angehört hat, haben wir Ende Juni dann persönlich vor Ort gesehen. Wir können sagen: in Roskilde werden große und wichtige Schritte in die richtige Richtung gemacht!

    Dabei ist (nahezu) nachhaltige Festivals zu veranstalten gar nicht mal so ein leichtes Unterfangen. Es ist noch schwieriger wenn das Festival nicht 1000 lieben und umsichtigen Menschen Platz bietet, sondern 100000. Das sind ganze zwei Nullen mehr. 100.000 Menschen wollen campen, wollen feiern, tanzen, trinken, und ihre freien Tage weg vom Alltag genießen. Es kommen tatsächlich so viele Menschen zusammen, dass Roskilde in der Woche die fünftgrößte Stadt Dänemarks wird. Lasst das mal kurz sacken und versucht euch vorzustellen, was das heißt. Als wir am Mittwochnachmittag bei der offiziellen Eröffnung dabei sein durften, haben wir gesehen, wie viele Menschen das dann wirklich sind. Wirklich viele! Nach nur einer Stunde war das Festivalgelände mit Müll bedeckt. Auch wenn durch Müllsammler*innen die Verschmutzung ein wenig eingegrenzt wurde, war es ein Problem, das in der Masse sehr schwer in den Griff zu bekommen ist. Wie das leider so ist in einer überfüllten (Festival-)Stadt…

    Einlass beim Roskilde Festival 2023

    Next stop: UTOPIA

    Bevor wir in den musikalischen Teil einsteigen, ein paar Worte zur Struktur und Philosophie des Roskilde Festivals. Workshops, Lesungen, Kunstinstallationen und andere nicht-musikalische Beiträge bilden einen großen Teil des mehrtätigen Festivals. An den sogenannten „First Days“ spielen Newcomer*innen aus der skandinavischen Musikszene auf den kleineren Bühnen Gaia und Eos und die ersten Lesungen und Workshops finden statt. Der Fokus ist weg von Headlinern und ganz klar auf dem Nachwuchs. Und das nicht dieses Jahr nicht nur auf der musikalischen Ebene:

    Das Festival wählt jedes Jahr ein spezifisches Thema, unter das es sich jährlich inhaltlich ausrichtet. 2023 lautete das Thema „Utopia“. Es ging darum, den Blick der zweiten Festival-Edition post-Corona auf die Zukunft zu richten. Genauer, auf die Hoffnung, die in der Zukunft liegt. Was für unsere jetztige Generation gar nicht so einfach ist oder? Mit Anfang/Mitte 20 sind wir durch zwei Jahre Lockdown und Pandemie in einer Phase, die zentral in unserer sozialen Entwicklung ist. Wir leben in Zeiten, in denen die Klimadebatte akut ist wie nie und Kriege das Gefühl von Frieden und Sicherheit, mit dem wir aufgewachsen sind, zum Einbrechen bringen. Das sind nicht unbedingt rosige Zeiten, in die wir blicken.

    Umso wichtiger ist es, dass sich nicht nur junge Leute selbst, sondern auch die Generationen darüber die Frage stellen: was können wir dagegen tun? Wie können wir dem entgegensteuern und wie können wir selbst einen positiven Beitrag schaffen, um die Zukunft besser zu gestalten? Das sind die Fragen, die sich auch das Roskilde Festival stellt.

    Sie wollen die jungen Leute in dieser Hoffnung bestärken und zeigen: so könnte es aussehen, wenn wir alle an den gleichen Hebeln ziehen! Die 30.000 Freiwilligen, die das Roskilde Festival ehrenamtlich über die Bühne bringen, sind ja nicht nur während der Festivaltage da. Sie bauen das gesamte Gelände über mehrere Wochen und Monate auf, sie kuratieren das Bühnenprogramm, sie bauen Camps und Rückzugsorte, sie bringen sich aktiv mit neuen Ideen ein. So gibt es zum Beispiel einen „Community Camping“-Bereich, bei dem sich Gruppen mit einem Konzept bewerben können, wie sie sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen können. So sind beispielsweise Pfandsammlungs-Kollektive entstanden, die die Pfanderlöse an einen guten Zweck spenden. Auch Kunstinstallationen und verschiedenen Workshops finden ihren Platz im Festivalprogramm und auf dem gesamten Gelände.


    Was alles möglich ist: Frauen und POC auf Festivalbühnen!

    … ihr merkt, man kann hier sehr schnell sehr tief in die Strukturen des Festivals abtauchen. Täglich ploppte der Gedanke bei uns auf „Ach, wenn sich dadurch doch nur ein paar der deutschen Festivals in Deutschland inspirieren lassen würden…“. Man könnte so viel mehr umsetzen! An Inhalten, an politischen Diskursen, an musikalischer Breite. Es ist so viel mehr möglich, als Marteria auf dem Headliner-Slot zu halten. Oder sich angegriffen zu fühlen, wenn die erschreckend (!) niedrige Frauenquote auf der Bühne kritisch thematisiert wird. Stattdessen könnte man Rosaliá oder 070Shake oder Biig Piig oder Japanese Breakfast oder Greentea Peng oder Sudan Archives oder Louis and the Yakuza oderoderoder buchen und Tausende begeistern lassen. Und das sind alles nur bekannte internationale Acts, die wir aus dem diesjährigen Roskilde Line Up gezogen haben! Dass wir in unserer deutschsprachigen Indie/Pop-Bubble so viel mehr Künstlerinnen haben, die das auch können, ist hoffentlich allen von uns klar.

    Wer an dem Booking-Prozess hinter dem Roskilde Festival interessiert ist: wir hatten die Freude, zu einem Presse Q&A geladen worden zu sein, bei dem uns Head of Music Booking Thomas Jepsen genauere Einblicke in die Arbeitsweise gibt. So ist das Hauptziel des Festivals to „embrace the next big thing“. Also das bewusst nach außen Schauen, was eigentlich hinter den Ländergrenzen so passiert. Da geht der Blick natürlich viel zu den Staaten und nach England, Länder, die auch unsere internationale Musikszene sehr formen. Aber halt auch noch weiter! Wir haben so viele Künstlerinnen aus verschiedenen Ländern Afrikas oder Südamerikas gesehen, dass wir nicht umhin konnten uns zu fragen: wo sind die ganzen POC auf den deutschen Festivals? Hat sie jemand gesehen? Will sie jemand absichtlich nicht auf die Bühne lassen?

    Und viel wichtiger: wieso wird so vehement an diesem sehr mit rassistischen Strukturen unterwanderten „Status Quo“ festgehalten und kein Vertrauen ins Publikum gesetzt? Wenn wir eins gemerkt haben auf dem Roskilde ist es nämlich: die Leute haben Bock. Sie haben Bock, Neues zu entdecken. Sie haben Bock, sich von Energien mitreißen zu lassen und ihre persönlichen Sommerhighlights auf dem Roskilde zu finden. Auch wenn viele der (vor allem kleineren) Bands den meisten im Publikum unbekannt waren, so waren es immer energiereiche Konzerte, mit einer Atmosphäre, die darauf schließen ließ, dass sich hier viele aufs erste Hören verliebt haben.

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    Hier dürfen sich Festivalveranstalter*innen gerne Input holen:

    Kurz wieder abgedriftet, zurück zum Booking. Es wurden 2022 sechs neue und junge Menschen eingestellt, die das Booking-Team von insgesamt 14 Booker*innen abrunden. 10 von diesen 14 Personen sind weiblich. … Ja, da lassen wir bewusst kurz eine Pause. Merkt ihr, wie schön sich dieser Satz liest? 10 von 14, das sind fast 75%. Noch nie waren wir auf einem so großen Festival, das uns aus Booking-Sicht so überzeugt hat, wie dieses hier. Program Director Anders Wahrén sagt:

    „Our programming must be in constant development, so that Roskilde Festival stays relevant and keeps up with time. Therefore, it is necessary to move around the roles occasionally. I can support the work better when I can also relate to our surrounding world and the festival landscape in general.”

    … Weshalb Scouting einer der wichigsten Booking-Prozesse hinter jeder Edition ist! 14 Menschen mit unterschiedlichen Perspektive, die sich das ganze Jahr über mit Musik aus der ganzen Welt auseinandersetzen, schauen, was für Trends gerade im Kommen sind, aber auch welche versteckten Newcomer*innen den Step auf Dänemarks größte Bühnen machen sollten. Und für Musiknerds wie uns, die die ganze Zeit nach genau solchen Acts suchen, ist das natürlich ein wahres Fest! Deshalb hier, direkt von uns an euch, einmal eine Liste an konkreten Empfehlungen, direkt von uns live ausgecheckt und validiert:

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    Und damit schließen wir unseren (sehr späten aber dafür sehr langen!) Nachbericht des Roskilde Festivals 2023 ab. Es ist kein perfektes Festival und spiegelt wie jedes Festival nur das Verhalten der Gäste, welche auf eine Art auch nur das Verhalten der Gesellschaft spiegeln. Es ist aber auch ein Festival, was etliche Bemühungen mehr stellt, wertvollen Input zu diesem Verhalten zu liefern. Der Rahmen, in dem das möglich war, ist zwar nicht ganz ausgereizt, aber ganz ehrlich – ein Blick auf’s Line Up und an die Konzerterinnerungen reicht uns, dass wir damit erstmal zufrieden sind. So einen Vorsprung darf man auch einfach kurz mal genießen. Und 2024 dann ausbauen?

    Foto: Flemming Bo Jensen

  • Im Rampenlicht: Fheels in Wolfsburg

    Im Rampenlicht: Fheels in Wolfsburg

    Unser Autor Lukas hat die Hamburger Band Fheels zu einem ihrer Konzerte nach Wolfsburg begleitet. Ein Konzerterlebnis, das seine Perspektive auf unsere Gesellschaft geändert – aber vorrangig einfach Spaß gemacht hat. Eine Band auf dem steilen Weg zum Durchbruch: Zwischen Barriere und Karriere.

    Die Handbremse knarzt als Felix Brückner sie bis zum Anschlag zieht und seinen VW-Bus vor dem Proberaum im Norden Hamburgs parkt. Es ist heiß in der Hansestadt, kein Schietwetter, nur ein paar Wolken spenden Schatten. Ein kleines Podest schmiegt sich surrend an die Schwelle der Seitentür. Mit einer Hand greift Felix nach seinem Rollstuhl hinter sich, gleitet hinein und rollt auf die hydraulische Bühne – nicht die einzige, die er heute befahren wird.    

    Felix ist 34 Jahre alt. Er ist Sänger und Gitarrist der Hamburger Rockband Fheels. Ein Wortspiel aus „Wheels“ und „Feel“. Fühlen kann er seinen Körper brustabwärts seit dem 17. Lebensjahr nicht mehr. Auf einer Klassenfahrt in Tirol stürzte er mit seinem Snowboard abseits der Piste in die Tiefe. Rückenlandung. Notoperation. Querschnittslähmung.

    Welche Rolle spielt der Rollstuhl?

    „Hast du alles?“, fragt Keyboarder Tobias unter der Heckklappe des Tourbusses nebendran, der die Band heute zum Konzert nach Wolfsburg chauffiert. Felix reicht ihm das Nötigste nacheinander an: „Meine Gitarre, meinen Koffer, meinen Duschhocker“, bestätigt er. Samt Rollstuhl hievt ihn Schlagzeuger Justus auf die Kante des Siebensitzers. Jede Handbewegung sitzt, ein Ablauf wie einstudiert. Mit einem Klimmzug am Haltegriff schwingt Felix sich auf die Rückbank.

    Neben Felix, Tobias und Justus ist da auch noch Jonathan, Justus‘ älterer Bruder. Er spielt Bass und wird erst in Wolfsburg dazustoßen. Kennengelernt haben sie sich an der Hamburg School Of Music, da hat es gefunkt, seit 2015 zunächst als Trio. Tobias stieß an den Keys später hinzu. Live unterstützt sie außerdem Gitarrist Florian so oft es geht. „Ich kann mich ohne Gitarre einfach besser bewegen“, sagt Felix auf der Fahrt durch Niedersachsen. Heute ist Florian nicht dabei.

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    Bassist Jonathan beim Auftritt in Wolfsburg.
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    Felix kurz vor dem Soundcheck.

    Felix‘ Behinderung habe beim Musikmachen zunächst weder bei ihm noch bei seinen Kollegen eine Rolle gespielt. „Ein Rollstuhl sollte nicht mehr Beachtung finden als eine Brille“, sagt Felix. Die Gefahr, zur Attraktion zu werden, bestehe allerdings schon. „Es kommt natürlich immer darauf an, für was wir Aufmerksamkeit bekommen. Wir möchten sie für unsere Musik, nicht für meine Querschnittslähmung.“ Seine Augen jagen der Landschaft hinter dem Fenster nach. „Trotzdem haben wir als inklusive Band auch einen Auftrag, den wir wahrnehmen wollen. Aber richtig aktiv sind wir erst vor ein paar Jahren geworden.“

    In puncto Gleichberechtigung engagiert ist Felix schon unter anderem in der „Initiative Barrierefrei Feiern“. Inklusionsexpert*innen wie er geben dort Workshops für Veranstalter*innen und bieten ihre Expertise zu Themen wie Barrierefreiheit, Inklusion und Awareness an. „Wenn wir auch als Band zeigen, was alles möglich ist, können wir Menschen im Publikum vielleicht von einer neuen Perspektive überzeugen.“

    Gut zugänglich

    Virtuose Songstrukturen und dicke Riffs helfen Fheels bei der Überzeugungsarbeit. Auf ihrem 2022 erschienenen Debütalbum „Lotus“ verknüpfen sie traditionelle Rockmusik mit modernen Arrangements, technisch auf Topniveau und hochwertig ausproduziert. Das klingt mal nach Radiohead, mal nach Queens of the Stone Age oder den Foo Fighters in ihren fetten Jahren. Dabei verlieren sie vor allem eines nicht aus den Augen: die Eingängigkeit ihrer Songs, die sie bei aller Liebe für Details und unvorhersehbare Abzweigungen der Abläufe gewissermaßen barrierefrei und zugänglich halten. Besonders Songs wie „Mr. Elephant“ oder „Pieces“ haben es dadurch sehr leicht, die Hirnwindungen durch den Gehörgang zu betreten. Und da bleiben sie dann erst einmal.

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    Das ehemalige Hallenbad in Wolfsburg.

    Tobias parkt den Tourbus. Das „Hallenbad“ in Wolfsburg liegt neben Wettbüros und Nagelstudios mitten in der Stadt: Ein stillgelegtes Schwimmbad, zur Kulturstätte umgebaut. Hier, im sonst eher kargen Wolfsburg, wirkt die Location ein bisschen wie eine Oase. Bassist Jonathan wartet schon. „Na, kommst du gar nicht raus?“, begrüßt er Felix mit einem frechen Lächeln an der Seitentür. „Rette mich, holder Ritter!“, scherzt der Frontmann zurück, während sie sich zur Begrüßung umarmen.

    Es dauert keine zwei Minuten, da eskortiert eine Veranstalterin Felix bereits zum Aufzug. „Klar, Felix hilft mal wieder nicht beim Ausladen“, stichelt sein Bandkollege. Felix wirft ihm eine Kusshand zu, bevor er hinter der Tür des Lifts verschwindet. „Typisch Sänger!“, ruft ihm Jonathan hinterher.

    So lang wie ein Volleyballfeld

    Für Menschen mit Behinderung ist das Konzert heute Abend gut zu erreichen. Das ist Fheels besonders wichtig. Ein Veranstaltungsbesuch muss bei Um- und Neubauten von Kultureinrichtungen in Deutschland eigentlich barrierefrei möglich sein. Das gilt für Besucher*innen – barrierefreie Bühnen seien aber die absolute Seltenheit. „Diese Hürden machen Menschen mit Behinderung im Kulturbereich unsichtbar“, beginnt Felix und blickt zur Bühne hoch. „Aber wir als Band können es uns auch nicht leisten, deswegen Konzerte abzusagen. Dann würden wir gar nicht mehr spielen.“

    Im Saal hat sich mittlerweile der gesamte Inhalt des Tourbusses breitgemacht. Der Haufen aus Kabeln, Trommeln und Gitarrenkoffern erinnert an ein chaotisches Kinderzimmer. „Wir haben dir extra eine Rampe an die Bühne gestellt“, ruft einer der Tontechniker. Felix inspiziert die Anderthalb-Meter-Schanze aus Aluminium, die an der Bühnenkante aufliegt.

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    Fheels beim Aufbau ihrer Backline. Rechts die Rampe aus Aluminium.

    Er lächelt. „Das ist lieb. Aber könntet ihr mich bitte trotzdem hochtragen?“ Bei einer hüfthohen Bühne müsste die Rampe etwa 18 Meter messen, so lang wie ein Volleyballfeld. Nur dann käme Felix aus eigener Kraft hinauf. „Ach, die Jungs heben mich auf fast alle Bühnen“, sagt er und winkt routiniert ab. Mit einem „Hau-Ruck“ ist er oben, seine Gitarre auf dem Schoß, bereit für den Soundcheck.

    Showdown

    Kurz vor dem Auftritt umrundet Felix bereits zum dritten Mal den Tisch im Backstage-Raum. Eigentlich wollte er sich ausruhen, mit niemandem sprechen. Jetzt redet er unentwegt und blubbert ab und zu Luft durch einen Strohhalm in sein Wasserglas: Warm-Up für Stimmlippen und Zwerchfell, eine Stunde Singen will gut vorbereitet sein. „Noch fünf Minuten!“, meldet die Veranstalterin auf dem Flur. Felix, Tobias, Jonathan und Justus machen sich bereit, die Kopfhörer ihrer In-Ear-Systeme im Ohr. In einem Kreis umarmt Felix seine Kollegen, klopft ihnen auf Rücken und Hüfte. Ein letztes Mal vor der Show spricht er ihnen Mut zu, bevor er mit ihnen ins Rampenlicht rollt: „Hals- und Beinbruch, Jungs!“

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    Tobias (l.) und Felix bei Konzertbeginn.

    Mit dem Rücken zum Publikum gedreht, spielt Felix das Intro von „Sharp Dressed Animal“ auf seiner E-Gitarre. Ein Zucken fährt durch die Zuschauer*innen, als die Band mit zwei Hits unisono einsetzt, das Licht brennt im Takt dazu auf. Es ist laut. Der Sound sitzt. Immer mehr Menschen im Raum lockern ihre Gliedmaßen und tanzen – der Funke springt über, nicht zuletzt wegen Felix‘ sympathischen Ansagen. Dabei ist er nicht der geborene Frontmann, wie er im Vorfeld erzählt, keine Rampensau. Er sei da reingewachsen.

    Nicht nur die Songs des aktuellen Albums funktionieren live, „Toyboy“ von ihrer 2017 erschienenen EP „Traveller“ klingt sogar besser als auf der Aufnahme. Alle Musiker auf der Bühne sind synchronisiert auf das Uhrwerk im Hintergrund: Justus, der mit seinem dynamischen Schlagzeug den Saal zum Schaukeln bringt. „Toyboy“ fetzt, die Off-Beat-Einsätze von Tobias‘ Orgel und Felix‘ Gitarre passen wie angegossen auf das Bassriff von Jonathan und machen den Song zu einem Highlight des Abends, der alle noch so schüchternen Fans auftaut. Gehen lassen möchte hier Fheels heute eigentlich niemand mehr. Der Schlussakkord hallt noch nach, die Menge dankt mit Jubel und Applaus und Felix rollt noch einmal ans Mikrofon: „Wenn ihr eine Zugabe wollt, müsst ihr schon ein bisschen lauter schreien, bevor es zu spät ist. Noch einmal tragen mich die Jungs nicht die Bühne hoch!“

    Wer Lust bekommen hat, Fheels auch einmal live zu erleben: Am 01.12.2023 spielt die Band in der Hebebühne in Hamburg. Bis dahin hier ein musikalischer Vorgeschmack:

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    Fotocredit: Lukas Harth