Tag: 23. Juli 2021

  • Exklusive Videopremiere: Pink Lint und „Windhound“

    Es ist endlich mal wieder Zeit für eine Premiere! Diesmal präsentieren wir euch die neueste Single „Windhound“ samt Video von Pink Lint.

    Pink Lint alias Oliver Burghardt ist ein Berliner Art-Pop Projekt, das mit dieser mittlerweile dritten neuen Single wieder ganz frischen Wind in die Szene bringt. Im Musikvideo zum Song, welches der Musiker im Übrigen in Eigenregie produziert hat, verschmelzen Musik und Bild auf ganz wunderbare Weise miteinander. So wie es halt sein soll.


    Lichtflecken und die Zehennägel einer Ära

    Manchmal fühlt es sich wirklich gut an, am Arsch zu sein. Frei übersetzt könnte man so wohl eine Textstelle im Song verstehen. Habe geschmunzelt, denn irgendwie trifft es ja auch wirklich manchmal zu. Bitter und süß, das gehört einfach zusammen. Worum es in dem Song so ganz genau geht, ist schwierig zu definieren und wird wohl in Gänze auch immer etwas kryptisch bleiben. Allerdings lässt sich ganz unbeschwert einiges herauslesen, z.B. eine schmerzhafte Trennung, ein Abschied, ein Verkriechen ohne entdeckt zu werden. Aber Verkriechen vor was? Tja, vor dem Leben, Kinder! Vor dem Alltag, vor Menschen in der Mall oder vor uns selbst. Und dann heißt es einfach abwarten, bis uns irgendwer wiederfindet und sagt: ACH HIER BIST DU?!

    Verstecken und Entdecktwerden — das sind sicherlich die Hauptmotive der Lyrics. Im Video verdecken analog dazu animierte Elipsen und Ovale das Geschehen. An anderer Stelle beleuchten sie einzelne Fragmente neu, wie Spot-Ons im Theater. Die verschiedenen Bildsequenzen, mal Stand- und mal Bewegtbild, orientieren sich teilweise sehr nah an der direkten Bedeutung der Songzeilen. Teilweise sind sie aber auch nur über mehrere Ecken mit dem Text verwandt und wirken völlig random zusammengewürfelt. Telefonkabel im Detail, Zugvögel und Fahrradlichter in der Nacht — das alles passt bei Pink Lint trotzdem irgendwie zusammen. Die bunten Ovale kommen mir dabei vor wie Lichtflecken, die mir häufig das Blickfeld blockieren, wenn ich mal wieder zu lange in die Sonne geglotzt habe. Vielleicht verkörpern sie mit ihrer Form aber auch die im Text erwähnten „toenails of an era“ – die Zehennägel einer Ära.

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    Und was hat der Windhund jetzt damit zu tun?

    „I am so uneasy to be found out
    like the waist of a windhound“

    Tatsächlich ist die Taille eines Windhundes schwer zu entdecken. Sie ist nämlich fast nicht existent. Wespe war gestern, Windhund ist das neue chique! Nicht entdeckt werden zu wollen ist natürlich das eine. Aber einfach nicht entdeckt zu werden, obwohl man es sich sehnlichst wünscht, impliziert Unsichtbarkeit. Die traurige Facette der Unsichtbarkeit und das lange Warten, endlich von der richtigen Person gefunden zu werden, schwingt im Text von Windhound mit: Ich warte hier, auch wenn mich niemand findet.

    Musikalisch ist „Windhound“ ein absolutes Wimmelbild. Denn auch hier versteckt sich einiges an Detail, ohne überladen zu klingen. Im Gegenteil, der Song klingt eigentlich sogar minimalistisch instrumentiert, obwohl er doch zunehmend orchestrale Strukturen annimmt. Man findet in diesem Song Gitarren, die wie plucked Strings klingen, oder einen Kontrabass, der an den richtigen Stellen Akzente setzt. Vintage Drummachines und sogar eine asiatische Zither namens Guqin. Außerdem gibt es gleich in der ersten Strophe noch einen kleinen Gruß in Form eines charmanten musikalischen Zitats. Jeff Buckley, is that you? Das ist wahre Tüftlerarbeit und den Spaß am Experimentieren hört man Pink Lint in seiner Musik zu jeder Zeit an.

    Wir sollten Pink Lint nicht mehr länger warten lassen. Dieser Song muss entdeckt werden. Viel Spaß bei „Windhound“!

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    Fotocredit: Marie-Luise Knauer

  • Tiemo Hauer im Interview: „Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt.“

    Tiemo Hauer im Interview: „Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt.“

    Diesmal handelt es sich hier nicht um die Vorstellung eines Newcomers, sondern einen bereits längst etablierten Künstler. Wenn man auf Tiemo Hauers Spotify-Profil klickt, sieht man schnell, dass er in den letzten zehn Jahren schon einige Singles und Alben veröffentlich hat. Immer sehr geschickt wortgewandt, hat Tiemo Hauer keine Scheu offen und ehrlich mit Themen innerhalb seiner Texte umzugehen. Ob herzzerreißender Liebessong oder Song, der von den Missständen der Gesellschaft handelt, Tiemo findet genau die richtigen Worte dafür und sorgt damit nicht selten für Gänsehaut. Dieses Jahr veröffentlichte er zwei neue Singles in positivem Sound-Gewand, die definitiv neugierig auf kommende Projekte machen. „Zeit mit Schleife“ hat mit seiner humorvollen Art gepaart mit selbstreflektierenden Einsichten sofort bei mir gepunktet, wobei „Weisst du noch damals“ trotz mitschwingender Melancholie Potential für einen persönlichen Sommer-Hit 2021 hat. Nun präsentiert Tiemo seine Songs diesen Sommer ab dem 25.07. in sieben Städten auf den Bühnen der Acoustics Concerts-Reihe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das schlichte Akustik-Format perfekt zu Tiemos Musik passt, seine gewählten Worte nur noch mehr unterstreicht und ein Gefühl des Wohlseins hinterlassen wird.

    Dascha: Hey Tiemo, danke für’s Zeit nehmen! Wie geht’s dir im Moment?

    Tiemo: So weit so gut würde ich sagen. Ich freu mich riesig, dass es langsam wieder los geht mit Live-Shows und Veranstaltungen, aber mir ist auch bewusst, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist und es aktuell noch einige andere Probleme auf der Welt gibt, die mir oft schwer auf der Brust liegen.

    Dascha: Mit was verbringst du deinen Sommer 2021 bisher?

    Tiemo: Um ehrlich zu sein, verbringe ich bisher die meiste Zeit des Sommers damit Möbel herum zu tragen. (Es gab ungewöhnlich viele Umzüge im engsten Familien- und Freundeskreis.) Wenn ich keine Möbel trage, probe ich für die kommenden Konzerte. Die Abende verbring ich gerne mit Hund im Garten eines Freundes, der bei mir in der Straße wohnt. 

    Dascha: Wie fühlt es sich für dich an, schon so bald bei den Acoustics Concerts eine Tour zu spielen? Was hat dir am meisten am live Spielen gefehlt?

    Tiemo: Ich freu mich riesig. Meine letzte Tournee ist über fünf Jahre her. 2020 wäre es eigentlich endlich wieder losgegangen, aber was dann kam wissen wir alle. Die Acoustics Concerts sind für mich der perfekte Wiedereinstieg ins Tourleben. Die letzten Touren bin ich immer mit fünfköpfiger Band gefahren. Diesmal bin ich ganz alleine mit dem Piano unterwegs. Das wird aufregend und ein bisschen wie am Anfang meiner Musikerlaufbahn. 

    Dascha: Du machst ja nun schon ziemlich lange Musik. Wie würdest du sagen, dass sich deine Musik bis hierhin entwickelt hat und was hatte darauf besonderen Einfluss?

    Tiemo: Den größte Einfluss auf die textliche Komponente hatte wohl das Älterwerden und die damit verbundene Persönlichkeitsentwicklung an sich. Zwischen dem Schreiben meiner ersten Songs und heute liegen bereits 16 Jahre. Musikalisch habe ich schon allein durch das Spielen mit unterschiedlichen, wunderbaren Bandkolleg*innen unglaublich viel gelernt. Natürlich haben sich auch meine Hörgewohnheiten über die Jahre verändert. Ich habe viele neue Genres, Künstler*innen und Bands für mich entdeckt und so das Feld der Einflüsse unterbewusst immer größer gesteckt. 

    Dascha: Du hast einige sehr emotionale und, ich gehe davon aus, persönliche Songs. Was macht es mit dir einen emotionalen, persönlichen Song zu schreiben? Fällt dir das leicht?

    Tiemo: Umso intensiver ein Gefühl ist, um so leichter ist es für mich, es musikalisch wiederzugeben aber auch um so schwerer, die richtigen Worte zu finden. Ich merke auf jeden Fall, dass mir das Schreiben nicht mehr immer so leicht von der Hand geht, wie das als Teenager oder mit Anfang zwanzig noch war. Mein Anspruch an mich selbst ist höher, ich denke mehr nach und hinterfrage mehr. Das hat Vor- und Nachteile. 

    Dascha: Außerdem hast du ja auch gesellschaftskritische Inhalte in Songs wie in „Herzlichen Glückwunsch!“. Ist es dir wichtig, solche Themen auch musikalisch zu verarbeiten?

    Tiemo: Es ist mir sehr wichtig. Genau bei solchen Themen, werde ich meinen eigenen Ansprüchen aber auch viel seltener gerecht. Oft verpacke ich dann Dinge so lange in Metaphern, bis nur ich selbst noch verstehe, worum es eigentlich geht. Es gibt sehr viel, was ich noch sagen möchte und ich bin immer auf der Suche nach den richtigen Worten. 

    Dascha: Was sind deine eigenen Lieblinge von deinen Songs?

    Tiemo: Meine Lieblinge sind meistens meine aktuellsten Songs und die werden dann auch prompt mit dem Schreiben neuer Songs abgelöst. Manchmal flammt aber auch die Liebe zu älteren Stücken wieder auf. Das ist das schöne am Live-Spielen. Da kann ich Gedanken und Gefühle, die vielleicht auch schon eine Weile zurückliegen, gemeinsam mit dem Publikum wieder zum Leben erwecken. 

    Dascha: Welches ist dein liebstes Instrument und warum?

    Tiemo: Da gibt es immer wieder Phasen. Manchmal schreib ich einen Song nach dem Anderen an der Gitarre, manchmal frickle ich tagelang an Snyths, eine Zeit lang war es der Bass, der mir am meisten gegeben hat, dann wieder das Schlagzeug, aber meine große Liebe ist und bleibt das Klavier. Damit hab ich angefangen und es gibt mir das stärkste Geborgenheitsgefühl beim Musizieren. 

    Dascha: Deine aktuelle Single „Weisst du noch damals“ ist ja vor kurzem erst erschienen. Kannst du ein wenig den Hintergrund zu dem Song erläutern? Aus welchem Gedanken heraus ist er entstanden?

    Tiemo: Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über die Welt, die Menschen und mich selbst gelernt. In dem Song beschreibe ich die Beklemmung, die damit einher geht. Wenn man Dinge jahrelang für selbstverständlich oder normal hält und es dann irgendwann besser weiß, schämt man sich für unglaublich viel, was man davor regelmäßig gesagt oder getan hat. Manchmal möchte ich vor diesem „alten Ich“ einfach weglaufen. Darum geht es in dem Song. Das Bild „…damals, als man sich noch umarmt hat“ habe ich gewählt, weil das leider aktuell eine sehr greifbare zeitliche Einordnung ist. So lange ist es gar nicht her, aber es kommt uns wie eine Ewigkeit vor. So fühlt es sich auch manchmal an, wenn man etwas über sich selbst gelernt hat. In dem Moment, in dem man es verstanden hat, ist es unvorstellbar, dass man es nicht schon früher begriffen hat, auch wenn die Erkenntnis noch sehr jung ist.

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    Dascha: Wer oder was inspiriert dich musikalisch besonders?

    Tiemo: Mich inspiriert eigentlich alles, das ein intensives Gefühl in mir auslöst. Das können Gespräche sein, Bücher, Theaterbesuche, Songs, Filme oder jede andere Art von Kunst. Wenn es etwas mit mir macht, inspiriert es mich. Egal ob das ausgelöste Gefühl positiv oder negativ ist. Inspiration kann bei mir aus Wut, Angst, Freude oder Trauer entstehen, aber nie aus Gelassenheit. 

    Dascha: Was für Pläne und Ziele hast du für dieses Jahr noch?

    Tiemo: Es erscheinen noch ein paar neue Songs in den nächsten Wochen und eine EP im Herbst. Darauf freu ich mich sehr. Ansonsten möchte ich unbedingt noch mehr Konzerte spielen, viel schreiben, entdecken und lernen. Es gibt auch ein paar Dinge die ich schon lange machen möchte, aber bisher nie in Angriff genommen habe. Zum Beispiel wünsche ich mir seit Ewigkeiten neben der Musik Hörbücher zu lesen. Vielleicht schaff ich es ja noch dieses Jahr, diesen Traum mal anzugehen. 

    Dascha: Zum Schluss fragen wir immer nach einer Untold Story, also einem kleinen Geheimnis oder einer Geschichte, die die Öffentlichkeit vielleicht noch nicht von dir weiß. Fällt dir da was ein?

    Tiemo: Ich habe einen Chihuahua auf dem Hintern tätowiert. 

    Genießt Tiemo Hauers Songs in der Sonne und seht ihn nach so vielen Jahren das erste Mal wieder auf Tour bei einem der Acoustics Concerts! Zu allen Terminen geht es hier lang.

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    Foto Credit: Kim Hoss