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  • Power Plush im Interview: »Es soll ein Ort sein, an dem Leute wissen, dass sie mit dem ganzen Scheiß nicht alleine sind«

    Power Plush im Interview: »Es soll ein Ort sein, an dem Leute wissen, dass sie mit dem ganzen Scheiß nicht alleine sind«

    Power Plush haben wir schon ganz am Anfang ihrer Band-Reise lieb gewonnen. Nun haben die vier Musiker*innen aus Chemnitz ihr Debütalbum Coping Fantasies im Februar veröffentlicht. Zwischen leichtem, verträumtem Indie-Pop Sound, eingängigen Melodien und warmen Umarmungen, erwarten die Hörer*innen aber auch ganz klare Ansagen. Das Album nimmt mit in eine pastellfarbene Power Plush-Utopie, die sich so wohltuend anfühlt, dass man sie gar nicht verlassen will. Verschiedene Geschichten und Perspektiven von inneren Gefühlswelten und Beziehungen gleiten smooth in einander und spenden sowohl Trost, als auch Platz für Identifikation. Genauso sympathisch und respektvoll wie Svenja, Maria, Anja und Nino und ihr Umgang mit einander sind, meint man das auch in ihrer Musik zu hören. Auch eine positive Weiterentwicklung zu vorherigen Veröffentlichungen ist deutlich erkennbar, denn es scheint so, als würde die Band nun ihren eigenen Sound so richtig gefunden haben, aber auch Spielraum für weitere Entwicklungen andeuten. Power Plush haben außerdem ein volles Jahr mit vielen Festivals und unter anderem Touren mit Blond und Kraftklub hintern sich. Wir erwarten von ihnen noch ganz, ganz viel in der Zukunft, das der Musiklandschaft garantiert einen liebevollen und offenherzigen Schliff verpassen wird!

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    Power Plush im Interview

    Dascha (untoldency): Wie geht es euch zur Zeit? Wie fühlt ihr euch kurz vor dem Release von eurem Debütalbum? Fühlt es sich schon real an?

    Anja: Es passiert gerade so viel auf ein mal.

    Maria: Ich finde es fühlt sich so in Wellen real an. Manchmal kommen so Momente, in denen man denkt: Oh, wir haben ja wirklich ein Album. Ich vergesse das manchmal.

    Anja: Wenn Leute sagen oder schreiben, dass sie es schon gehört haben, ist das so: Oh mein Gott, es existiert wirklich! Ansonsten proben wir zur Zeit auch viel. 

    Svenja: Entweder man ist gerade nur am hustlen und denkt gar nicht so viel darüber nach oder man hat Momente der Realisation und wird mega aufgeregt, weil es schließlich das erste Album ist. 

    Dascha (untoldency): Wann habt ihr angefangen an dem Album zu arbeiten?

    Anja: Also im Proberaum haben wir schon im Oktober 2021 angefangen Songs zu spielen, aber mit unserem Produzenten Mario Simic haben wir im Januar 2022 angefangen.

    Svenja: Es hat sich dann bis August über das ganze Jahr gezogen, da hatten wir es fertig. 

    Anja: Das war auch örtlich alles verteilt.

    Maria: Stück für Stück ist es dann ein Album geworden.

    Dascha (untoldency): Also für mich macht der Titel voll Sinn, wenn ich das Album höre, aber ich will es nochmal von euch wissen: Was bedeuten für euch Coping Fantasies?

    Anja: Es war ursprünglich als Weiterführung von der EP Vomiting Emotions gedacht, wo es darum ging alles rauszulassen, egal was man fühlt. Also eine Art Ventil. Aber Coping Fantasies ist einen Schritt weiter, eher ein Versuch irgendwie einen Umgang damit zu finden. Oder sogar auch nur die Vorstellung davon, wie es wäre, mit einer Sache gut umgehen zu können. Mit dem Album wollten wir eine Welt schaffen, in der man die Chance hat mit Sachen umgehen zu können. Egal, ob das bedeutet sich einzukuscheln und nicht ansprechbar für die Welt zu sein oder es rauszuschreien.

    Es soll ein Ort sein, an dem Leute wissen, dass sie mit dem ganzen Scheiß nicht alleine sind und dass es Leute gibt, denen es genauso geht. Auch wenn du gerade strugglest – we’re in this together. Es bietet nicht wirklich Lösungsansätze, weil es nicht möglich ist, außenstehend allen Personen zu helfen, aber es kann zumindest ein Safe Space sein.

    Svenja: Auch ein Ort, an dem man fantasieren kann, wie man mit etwas umgehen könnte. Es heißt ja Fantasies und nicht Coping Strategies. (lacht)

    Dascha (untoldency): In den Songs werden verschiedene Gefühls- und Sichtperspektiven aufgezeigt. Was ist dann das, was sie im Endeffekt zu einem Ganzen bündelt? Ist es das Gefühl eines Safe Space?

    Maria: Ich denke wir haben den Titel schon so gewählt, damit die Bewältigung quasi der gemeinsame Nenner aller Songs ist. Es sind unterschiedliche Perspektiven und unterschiedliche Bereiche des Lebens auf die sich die Songs beziehen. Manchmal ist es eine gesellschaftliche Ebene und manchmal eine sehr zwischen menschliche. Es ist sind immer Momente der Bewältigung, aber immer ein bisschen unterschiedlich. Dadurch ist für uns eine Art Klammer entstanden, durch die wir die Songs dann sehen konnten. 

    Dascha (untoldency): Ich finde das Album reflektiert auch vieles und spricht auch erstere Themen geschickt an wie auf Leave Me Alone und Girl, He Toxic, ohne dass die Songs dabei total düster klingen. Was bewegt euch dazu solche Themen in euren weichen Indie-Sound zu packen? Was ist der richtige Umgang mit sensiblen Themen in der Musik?

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    Anja: Ich glaube es gibt nicht einen richtigen Umgang. Das war der Umgang, den wir gewählt haben, diese Themen zu bewältigen in dem man den Song rockig macht oder vielleicht sogar ein bisschen Humor reinbringt. Girl, He Toxic ist zum Beispiel auch ein ziemlich ernstes Thema, es wird einer befreundeten Person gesagt: Girl, hau ab, he is a toxic ass! Aber trotzdem ist der Song eine tanzbare Wir-klatschen-alle-in-die-Hände-Nummer. Das hat sich in dem Moment einfach richtig angefühlt beziehungsweise ist es auch das, was man die Leute fühlen lassen möchte. 

    Svenja: Bei dem Song soll es auch einfach ermutigend rüber kommen.

    Maria: Bei Leave Me Alone war es uns einfach wichtig, dass es für uns auf der Bühne empowernd ist, ihn zu spielen. Dass es sich stark anfühlt, den Punkt zu nennen von: Hey, lasst uns doch einfach in Ruhe, wir wollen doch einfach unser Ding machen. Wir wollen nachts draußen rumlaufen ohne komisch angequatscht zu werden. Deshalb haben wir in der Musik extra danach geschaut, dass es diesen starken Effekt für uns hat. 

    Anja: Es gibt ja auch richtig dramatische oder traurige Momente auf dem Album, auch die haben sich in dem Moment einfach richtig angefühlt. Das ist wahrscheinlich wirklich auch Moment-abhängig. Wie man in dem Moment mit dem Thema umgehen möchte und kann.

    Maria: Das ist ja auch ein Stilmittel ernstere Themen mit einem locker flockigem Sound zu untermalen. Einfach weil wenn ein Thema an sich schon schwer ist, muss man es nicht zwingend noch mehr beschweren. Auch das hilft zum Teil bei Bewältigung, da noch eine neue Ebene reinzuziehen. 

    Dascha (untoldency): Ich finde bei Girl, He Toxic auch lustig, dass ein mal das Wort Ass so ganz lang gezogen wird.

    (Alle lachen)

    Svenja: Das ist der beste Moment! Vor allem auch, weil unsere Backings das „Ass“ so mega dramatisch wirken lassen.

    Maria: Es macht ja irgendwie auch Bock, in solchen Themen doch etwas Spaß zu finden.

    Dascha (untoldency): Ja, voll. Mir hat eure letzte Single Emergency // Freeze sehr gut gefallen, ich konnte mich da sehr wiederfinden. Was könnt ihr zu diesem Zustand sagen, den ihr darin besingt? Und habt ihr eine Idee, wie man eventuell dagegen ankommen kann?

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    Anja: Ich glaube wir kennen alle diesen Freeze-Zustand an unterschiedlichen Stellen. Vor allem wenn man eine sensible Person ist, der es eher schwer fällt, Struktur in das eigene Leben zu bringen. Dieser Freeze-Zustand, das ist das Gefühl gerade nichts ausrichten oder ändern zu können, obwohl du eigentlich weißt, dass du es könntest. Aber du kannst es einfach nicht, weil du wie eingefroren in einem Ohnmachtsanfall-Gefühl bist. Gleichzeitig ärgerst du dich über dich selbst, weil du weißt du könntest es eigentlich und du hättest die Option. Aber in dem Moment kannst du es einfach nicht. Aus Erfahrung würde ich sagen, dass man den Zustand auf jeden Fall überwinden kann, aber das benötigt an vielen Stellen viel Arbeit. Es ist ein Prozess. Am besten sagt man sich „du hast es schon mal geschafft, du kannst es auch nochmal schaffen“ und vor allem sollte man auch nett zu sich selbst sein. Auch wenn du es mal wieder nicht geschafft hast, solltest du lieb mit dir umgehen. Aber man kann es immer wieder probieren, aus dieser Starre rauszukommen. Es wird zwar nicht immer funktionieren, aber vielleicht mal doch. Doch eine ultimative Lösung dafür? I don’t know! (lacht)

    Dascha (untoldency): Ich glaube niemand hat dafür eine perfekte Lösung.

    Anja: Ja, ich kenne aber auch viele Leute, die das Gefühl gar nicht haben. Die sind so „Ich mach’s jetzt einfach“ und dann sprechen die das einfach an oder organisieren das einfach. Das ist ja übelst toll, dass Leute das direkt umsetzen können. Ich glaube manchen Leuten liegt das einfach nicht und das ist in Ordnung. Aber es für sich selbst immer mal zu probieren, ist glaube ich trotzdem eine gute Sache. Mal einen Schritt nach vorne zu schaffen. Das klingt jetzt alles so abstrakt gesagt, aber das ist eben nicht auf eine bestimmte Situation bezogen, sondern auf viele verschiedene Stellen im Leben.

    Maria: Wir sind natürlich Musiker*innen und keine Psycholog*innen, aber ich denke das hat auch viel mit Verhaltensgewohnheiten zu tun. Man kann es schon schaffen, daraus auszubrechen, aber das ist halt Arbeit und anstrengend. Es gelingt nicht immer, das ist okay. 

    Anja: Lieb zu sich und anderen sein hilft an vielen Stellen.

    Dascha (untoldency): Danke für die Motivationsstunde! Wie sähe denn eure ultimative Power Plush Utopie aus? Natürlich auch auf euren Song Utopia bezogen. 

    Svenja: Keine Macker. Macker-Verbot!

    Maria: Lieb sein ist auf jeden Fall Teil der Power Plush-Welt. Ich denke dadurch könnten Menschen sich freier ausleben und entfalten. 

    Anja: „Lieb“ ist irgendwie so ein krasser wichtiger Begriff bei uns. Natürlich muss man nicht immer nur lieb sein, aber wenn man merkt, dass Intention ist, eine aufrichtige gute Person zu sein: mit solchen Menschen umgibt man sich einfach gerne. Wir sind einfach richtige Softies. Wir finden aber auch, dass in Softness sehr viel Stärke. Deswegen natürlich auch unser Bandname Power Plush. Die Welt könnte soft sein, dann haben wir uns alle gern. 

    Maria: In einer Power Plush-Welt können auch alle mitgestalten. 

    Dascha (untoldency): Und soll diese Welt auch so aussehen wie das Cover vom Album?

    Alle: Ja!

    Anja: Das passt auch zu der Mitgestaltung. Es könnte jede*r Bäume basteln, Sterne basteln, eigene Wege basteln. 

    Dascha (untoldency): Inwiefern unterscheidet oder gleicht sich diese Vorstellung von eurer Realität? Habt ihr etwas davon schon umgesetzt?

    Anja: Im Kontext der Band und unseren Freundeskreisen schafft es schon weitergehend sich diese Safe Spaces gegenseitig zu geben und gemeinsam zu erschaffen. Natürlich trifft man beispielsweise auch immer wieder auf irgendwelche Macker oder Leute, die nicht lieb sind, auch wenn man das gar nicht möchte. Aber innerhalb unserer Gruppe versuchen wir das gut zu machen.

    Maria: Ich würde sagen wir haben dafür gearbeitet, dass das in unserem direkten Umgang mit einander so umgesetzt ist. Als kann man schon sagen, dass wir uns eine Art Power Plush-Welt erschaffen haben. Darüber hinaus sind wir selbstverständlich trotzdem in größere soziale Strukturen eingebettet und können das daher nur bedingt verwirklichen. Bei uns selbst gelingt das aber, finde ich, ganz gut.

    Anja: Das heißt nicht, dass wir nicht auch mal sauer auf einander sind. Meinungsverschiedenheiten sind menschlich. Aber wir wissen immer von einander, dass wir eigentlich nur das Beste von einander wollen. Das ist wahrscheinlich der Startpunkt, um einen schönen und sicheren Umgang miteinander zu finden. 

    Dascha (untoldency): Lieb! Was war denn für euch challenging bei dem Entstehungsprozess des Albums?

    Maria: Zeit. (lacht)

    Svenja: Aber auch, dass man sich die ganze Zeit damit auseinandersetzt. Man setzt sich unter Druck, es ist viel Stress. Da ist man ja auch permanent mit krassen Themen konfrontiert. Meistens schreiben wir über Sachen, die aus den Tiefen in uns drin kommen und dann ist man dem die ganze Zeit ausgesetzt. Das hat uns emotional herausgefordert.

    Anja: Wir lieben es diesen künstlerischen Schaffensprozess gemeinsam durchzugehen, ich würde das um keinen Preis der Welt weggeben, aber auch das bringt dich an deine Grenzen. Entscheidungen haben oft auch was mit Ego zu tun und das man auch mal zurückstecken muss, wenn Teile der Band etwas anders sehen. Zum Beispiel, wenn ein Teil eines Songs, den man lieb gewonnen hat, doch nicht so gut funktioniert und der eben wegkommen muss. Sowas muss man loslassen können. Das ist schon challenging. Und dass du jeden einzelnen Tag mit den Songs aufwachst und einschläfst und keine andere Musik mehr im Kopf hast. (alle lachen)

    Maria: Ich fand’s am Anfang total schwierig zu sehen, wie das ein Album werden soll und dass es mal eins wird. Man hat da diese ganzen Ideen und Skizzen und es ist schwierig sich das vorzustellen. So richtig gecheckt, dass wir ein Album gemacht haben, habe ich glaube ich, erst gegen Ende letzten Jahres. Im Prozess war es schwer das zu verstehen, weil es nicht sichtbar war. Aber haben wir alles ganz gut hingekriegt! (lacht)

    Dascha (untoldency): Na das ist doch die Hauptsache! Wie Svenja schon meinte, ist man bei dem Schreibprozess ja auch mit tiefen Gefühlen konfrontiert. Findet ihr es ist eine große Überwindung das mit einander zu teilen?

    Maria: Das kommt darauf an was es ist und wie roh der Text ist, den wir den anderen mitbringen. Prinzipiell ist es nicht unangenehm und wir haben zum Glück diesen Safe Space, dass wir Dinge relativ unbedenklich miteinander teilen können. Ich fand’s manchmal schon trotzdem krass Dinge auch so sichtbar und explizit zu thematisieren. Aber ich fand es auch sehr lehrreich Einblicke in die anderen zu gewinnen. Man hat über die Texte ja auch mit einander gesprochen. Ich bin sehr froh über diese Erfahrung.

    Anja: Ich fand’s auch krass, die Songideen der anderen zu hören. Mit manchen Situationen war man schon etwas vertraut, weil man die aus dem Leben der Person einfach mitbekommen hat, aber das dann so gebündelt und in Kunst verpackt zu hören, ist etwas ganz anderes. Das ist auch ein totaler Vertrauensbeweis, das ist voll schön. Es bringt uns auch näher zu einander, auch wenn es am Anfang nicht immer so easy scheint.

    Dascha (untoldency): Wie schön! Und was würdet ihr sagen hat sich seit der Debüt EP für euch verändert, was war die bisher größte Entwicklung als Band?

    Svenja: Das Album und die EP bauen schon in gewässerweise auf einander auf, nicht nur von den Namen, sondern auch musikalisch von den Instrumenten her. Wir haben uns einfach von unseren Skills weiterentwickelt. Wir haben quasi das von der EP genommen, weiterentwickelt und das jetzt auf’s Album gebracht. 

    Maria: Wir haben nicht nur gelernt mit den Instrumenten besser umzugehen, sondern auch was Songwriting angeht. Wir haben ja noch mehr Songs geschrieben als die, die auf dem Album sind, wir haben uns einfach ausprobiert. Für mich ist live spielen auch ein Teil der Entwicklung. Ich denke wir machen in der Hinsicht große Steps, weil wir so viel live spielen. Das find ich übelst schön, das macht so viel Spaß. 

    Anja: Ich find’s auch einfach cool, dass das Album jetzt so als Ding da ist. Man hat als Künstler*in ja oft das Impostor-Syndrom, so mäßig „Is this a real job?“, aber letztes Jahr haben wir wirklich viel gearbeitet. Da hat man selbst begriffen, wie viel Arbeit man reingesteckt hat, das ist auch eine Art Weiterentwicklung. Wir haben uns den Arsch aufgerissen, als yes, this is a job! Zwar ein sehr schöner, aber immer noch ein Job. 

    Maria: Man findet mit der Zeit auch immer mehr Selbstbewusstsein. Alles wird ein bisschen besser. (lacht)

    Dascha (untoldency): Unser erstes Interview zusammen ist nun genau zwei Jahre her. Da hatte ich euch gebeten, eure Musik in drei Wörtern zu beschreiben. Ihr habt folgende genannt: „Kraftvoll, weich und Safe Space-ig.“ Würdet ihr diese drei Wörter heute immer noch so wählen?

    Anja: Wow, schon zwei Jahre? Ich finde die Wörter passen immer noch, aber ich denke wir würden auch andere nennen.

    Svenja: Ich erinnere mich noch genau an die Situation, als wir das beantwortet haben. 

    Maria: In letzter Zeit wurde oft das Wort „plüschig“ verwendet. „Kraftvoll“ auch immer noch. Und „poppig“.

    Anja: „Dramatic“ auch, das ist das Album schon an vielen Stellen. Aber das ist einfach geil.

    Svenja: Stimmt, die EP war nur sweet, aber jetzt sind wir erwachsener geworden. An manchen Stellen könnte man auch „tanzbar“ als Wort nehmen.

    Anja: Dann sagen wir jetzt plüschig, kraftvoll und dramatic. 

    Dascha (untoldency): Ja, das passt alles sehr gut. Ihr habt ja vieles als Band erlebt im vergangenen Jahr. Was waren eure absoluten Highlights?

    Svenja: Mit Kraftklub auf Tour zusammen Kein Gott, Kein Staat, Nur Du zu singen fand ich richtig krass.

    Anja: Generell die ganze Tour mit so coolen Leuten, das war echt special.

    Maria: Mein eines Highlight war das Immergut Festival, weil das Zelt bei uns so voll war und die Leute auch mitgesungen haben. Und das andere war auf dem Kosmos. Ich kam noch Stunden nach dem Konzert immer noch nicht drauf klar.

    Anja: Ja, das war eine richtig volle Hometown Show mit vielen Freund*innen, aber vorne standen auch viele Leute, die wir nicht kannten, die einfach Power Plush Fans waren! An dem Tag war so viel verschiedenes los, aber die sich entschieden zu unserem Konzert zu kommen! Das war so krass für uns. 

    Dascha (untoldency): Jetzt sagt das nicht so, als wäre es unmöglich das zu glauben.

    (Alle lachen)

    Maria: Es ist irgendwie so schwierig sich vorzustellen, dass Leute einfach nur unsere Musik feiern und deshalb vorbeikommen. 

    Anja: Das Album war natürlich auch ein Highlight. Der Moment, in dem wir das fertige Album abgegeben haben, hat sich so unreal angefühlt. What a year! 

    Dascha (untoldency): In einem Jahr frag ich euch dann nochmal zu 2023 aus.

    Svenja: Das ist jetzt unsere Konstante wie dieses Billie Eilish Vanity Fair Interview.

    Dascha (untoldency): Ja, stimmt! Die letzte Frage kennt ihr auch schon, das ist bei uns ja eine untold story. Also eine Geschichte, die ihr noch nicht öffentlich erzählt habt.

    Anja: Wir waren ja im Herbst ewig lange unterwegs, da haben wir um die 27 Konzerte gespielt. Wir haben uns angewöhnt immer beim Reinfahren in eine neue Stadt auf Spotify nach der Stadt zu suchen. Also was für Songs es über die Stadt gibt, da haben wir schon absolute Banger entdeckt. Wir empfehlen an dieser Stelle „Würzburg“ von der Band Kleinrinderfeld. Und „Lingen (Ems)“. (Alle singen)

    Maria: Wir werden in diesem Jahr auch weiter Städte-Songs sammeln. 

    Svenja: Wir gehen ja auch auf TOUR!

    Maria: Auf TOUR entstehen neue untold stories.

    Anja: Vielleicht seid ihr ja dabei auf unserer TOUR!

    (Alle lachen)

    In diesem Sinne – Power Plush gehen ab sofort auf ihre erste eigene Tour in folgenden Städten:

    Foto Credits: Janine Kuehn
  • Power Plush im Interview: „Wir sind ziemlich kraftvoll, aber auch ziemlich weich.“

    Power Plush im Interview: „Wir sind ziemlich kraftvoll, aber auch ziemlich weich.“

    Die Newcomer-Band Power Plush aus Chemnitz bereichert die deutsche Musik-Landschaft seit vergangenem Jahr mit warmen, sonnigen Indie Pop Klängen. Sie haben Bock, sie sind bereit, sie wollen raus auf die Bühnen. Im Untoldency-Interview stellen die vier Mitglieder sich und ihre Band vor und erzählen sowohl von Plänen, als auch von vergangenen Geschichten.


    Power Plush im Interview

    Dascha: Hey! Sehr cool, dass das geklappt hat. Wie geht’s euch?

    Anja: Gut, ist zwar im Moment alles etwas schwierig, vor allem mit dem Proben. Aber wir versuchen trotzdem Sachen zu planen und das Beste daraus zu machen.

    Dascha: Freut mich. Stellt euch doch alle mal kurz vor, für die, die euch noch nicht kennen.

    Anja: Ich fang einfach mal an. Also ich bin Anja und spiele in der Band Bass und singe. Ansonsten mache ich hauptsächlich Grafikdesign, Fotografie und einfach ein bisschen Kunst. Ich freue mich sehr, dass ich jetzt noch mit den drei sweeten Peeps Musik machen kann und bin schon stolz auf alles, was wir bisher gemacht haben.

    Svenja: Ich bin Svenja, ich spiele E-Gitarre und singe ebenfalls in der Band. Im Moment schreibe ich meine Bachelorarbeit. Damit bin ich bald hoffentlich fertig und kann mich dann voll und ganz auf die Band konzentrieren.

    Maria: Ich bin Maria, ich spiele auch E-Gitarre und singe auch. Ansonsten arbeite ich an der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiterin und mache nebenbei auch ein bisschen Kunst.

    Svenja: Also Nino (der zu dem Zeitpunkt technische Schwierigkeiten hatte) spielt Schlagzeug bei uns in der Band und studiert auch. Er spielt auch noch in ein paar weiteren Bands, wir haben das Glück, dass er die Zeit gefunden hat bei uns auch mitzuspielen. Wir sind unendlich dankbar dafür, wir haben nämlich ewig nach einem/-r Schlagzeuger/-in gesucht. Jetzt fühlt es sich so an, als wäre er schon immer dabei gewesen, wir sind ein Herz und eine Seele geworden.

    Dascha: Wie würdet ihr eure Band in drei Wörtern beschreiben?

    Anja: Es gibt ja Power und Plush, ich finde das beschreibt uns ganz gut. Wir sind ziemlich kraftvoll, aber auch ziemlich weich. Sowohl als Band, als auch in unseren Persönlichkeiten, würde ich sagen.

    Nino: (Überlegt) Safe Space-ig.

    Anja: Oh ja, das ist wirklich so. Es fühlt sich auch nach so kurzer Zeit schon wie Family an.

    Dascha: Wie habt ihr euch überhaupt kennen gelernt und wie kam es zu der Band?

    Maria: Wir wurden verkuppelt, würde ich sagen. Einzelne von uns kannten sich flüchtig schon. Wir haben alle eine gemeinsame Freundin angequatscht, dass wir gerne Musik machen würden, aber nicht wissen wie und mit wem. Dann hat uns diese Freundin quasi verkuppelt und wir haben uns dann erstmal nur zu dritt auf einen Radler getroffen. Wir fanden uns direkt sympathisch und haben ein bisschen mit Akustik-Gitarren Musik in unseren WG Zimmern gemacht. Nino kam dann aus Svenjas Freundeskreis heraus dazu.

    Svenja: Genau, Anfang 2019 haben wir uns kennen gelernt und letzten Sommer ist Nino dazu gekommen.

    Anja: Das ist so ein richtiges Chemnitz-Ding. Jeder kennt irgendjemanden und über drei Ecken kennen sich dann alle.

    Dascha: Eure Single Homesick passt ja textlich auch ziemlich gut in die momentane Situation. Könnt ihr etwas genauer erklären worum es in dem Song geht?

    Anja: Da geht’s darum, dass man dieses Heimweh-Gefühl empfindet. Ich finde Heimweh ist eines der wenigen Gefühle, die man so richtig im Körper lokalisieren kann. Mir wird dann immer richtig krass flau im Magen. Wir wollten genau das in dem Song transportieren und ich finde das haben wir mega gut hingekriegt, in diesem Umschwung von Strophe zu Refrain.

    Im Prinzip geht es darum, dass man Heimweh nicht nach einem Ort verspürt, sondern nach einer Person. Das hat sicher damit zu tun, dass wir im Moment alle abstinent sind von den Menschen, die wir am liebsten um uns hätten. Eigentlich geht es aber um eine Fernbeziehung, da hört diese Situation ja auch nach Corona nicht auf. Wir wollten den Song unbedingt letztes Jahr noch veröffentlichen, weil der so richtig gut in die Zeit passt. Irgendwie kann das gerade jeder nachempfinden.

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    Dascha: Habt ihr Tipps wie man den Lockdown am besten überstehen kann?

    Maria: Gelassenheit!

    Nino: Und ganz viel spazieren gehen. Das trägt auch voll zur Gelassenheit bei.

    Anja: Wir sind alle richtig emotionale Personen und da irgendwie nicht verrückt zu werden ist schon schwer. Aber spazieren gehen und versuchen mit anderen Menschen zu kommunizieren ist ganz wichtig. Einfach mal jemanden anrufen, wenn’s dir gerade nicht gut geht.

    Svenja: Sich nicht zu sehr zu isolieren! Auch, wenn es schwer fällt, den Kontakt zur Außenwelt beizubehalten.

    Maria: Ich glaube, dass Nachsicht auch sehr wichtig ist. Alle sind seit ein paar Monaten schon so on egde und können ihre Emotionen vielleicht nicht mehr so gut kontrollieren.

    Dascha: Was habt ihr als Band für Ziele oder Pläne für 2021?

    Svenja: Kann man zwar gerade schlecht planen, aber wir wollen auf jeden Fall so viele Auftritte wie möglich spielen. Wir wollen unbedingt mehr Erfahrung auf der Bühne sammeln, weil wir so viel Bock zu spielen haben.

    Anja: Und wir noch richtige Babys sind. (lacht)

    Dascha: Konntet ihr letztes Jahr trotz Corona ein paar Auftritte spielen?

    Anja: Als wir Let’s Not Pretend rausgebracht haben konnten wir ein kleines Release-Konzert unter Corona Richtlinien spielen, das war sehr schön. Und wir konnten auf einem lokalen Festival spielen und noch ein kleines Proberaum Konzert mit Freunden. Uns sind tatsächlich ein paar Auftritte wegen des Wetters weggefallen, nicht wegen Corona, das war schade.

    Dascha: Wie schade! Hoffentlich dann dieses Jahr. Was für Bands feiert ihr selbst im Moment?

    Svenja: Das ist bei uns immer sehr unterschiedlich. Ich höre im Moment ganz viel Cinemagraph.

    Maria: Ich bin gerade absolut obsessed mit Snarls. Da hab ich mir letztens erst Platte und Shirt bestellt.

    Anja: Meine all all all time favorite Band wird für immer Parcels sein. Die sind halt einfach verdammt gut. Aber es gibt viele Sachen aktuell. Zum Beispiel, auch wahrscheinlich aus persönlichen Gründen, Shelter Boy.

    Svenja: Oh ja, Shelter Boy ist auf jeden Fall von uns allen ein Favorit!

    Nino: (Schaut in seinem Spotify nach) Ich höre gerade extrem viel Die Selektion, so dark wave.

    Maria: Dürfen wir auch Werbung für andere Bands aus Chemnitz machen? Tooth Paint hat vor Kurzem eine Single rausgebracht und die ist wirklich sehr sehr gut!

    Dascha: Wie fühlt es sich für euch eigentlich an in genau so einer Krisenzeit eure ersten Songs zu releasen? Denkt ihr es wäre anders gelaufen, wenn Corona nicht wäre?

    Svenja: Ich denke da tatsächlich sehr viel drüber nach. Zum Einen ist es sehr ärgerlich, dass wir total ausgebremst werden. Auf der anderen Seite hat uns der Lockdown sehr gut getan, weil wir uns selbst finden konnten und viel mehr Zeit war, um einfach auszuprobieren, ohne Stress.

    Anja: Ich glaube wir hätten nicht die Zeit gehabt, die wir durch Corona tatsächlich hatten. Diese Findungsphase war sehr wichtig für uns, sodass wir jetzt wissen, dass es in diese indie, sunny, dreamy-Richtung geht.

    Maria: Es ist halt doof und anstrengend, dass wir nie planen können. Aber letztendlich kennen wir es gerade auch gar nicht anders.

    Dascha: Ich hoffe auch, dass es bald wieder normaler weitergeht. Jetzt komme ich auch schon zur letzten Frage. Da wir bei Untoldency sind frag ich euch hier nach einer untold story. Also einer Geschichte oder einem Geheimnis, das die Öffentlichkeit noch nicht über euch weiß.

    Nino: Ist eine sehr coole Frage auf jeden Fall!

    Anja: Unser erster richtiger Auftritt zu dritt, leider noch ohne Nino. Ich glaube, es gibt keinen klischeehafteren ersten Auftritt als diesen. (alle lachen) Mehr hätte nicht schief laufen können. Ein Künstler aus Chemnitz hat uns die Möglichkeit geboten einen Auftritt bei seiner Ausstellung zu spielen. Damals hatten wir uns noch nicht mal für einen richtigen Band-Namen entschieden. In der Facebook Veranstaltung stand einfach: „Die Gruppe Torpedo-Bernsdorf wird auftreten.“ Bernsdorf ist ein Stadtteil in Chemnitz, aus dem der Künstler kommt. Auf jeden Fall waren wir vor dem Auftritt so unglaublich aufgeregt.

    Wir haben auch einen Soundcheck gemacht, aber bevor wir spielen konnten, kamen Leute die das Mischpult verstellt haben, weil die vor unserem Auftritt noch etwas ankündigen und erzählen wollten. Unser Soundcheck war völlig dahin. Während unseres Auftritts waren unsere Mikros komplett übersteuert oder kaum hörbar, die Gitarre war ultra laut. Als Svenja und ich angefangen haben zu singen, mussten wir lach-weinen und sind komplett rot geworden. (lacht)

    Svenja: Es war so unangenehm! Das schlimmste war, dass wir nicht mal erhoben auf einer Bühne standen, sondern direkt auf einer Ebene mit diesen vielen Menschen um uns herum. Wir mussten ihnen direkt ins Gesicht schauen und hatten auch noch Leute direkt hinter uns im Nacken.

    Maria: Ich war da in so einer Schockstarre, ich konnte nicht mal meine Gitarre leiser machen.

    Anja: Der einzige Song der dann funktioniert hat war der letzte. Ich lache jetzt so gerne über diese Geschichte, aber in dem Moment war das so schlimm.

    Svenja: Das geilste war, dass nach dem Auftritt eine ältere Dame zu mir kam, die ich noch nie gesehen habe und einfach nur sagte „Ihr müsst ja noch üben.“ Das war so AUA, weil wir hatten tatsächlich viel dafür geübt.

    Maria: Wenn das mit dem verstellten Mischpult bloß nicht gewesen wäre. Die Besucher der Ausstellung waren alle auch einfach so „What the fuck is going on?“. Das waren so richtige Kunstpublikum-Leute und wir haben da Britney Spears gecovert. (lacht) Naja, es hätte auch eine Kunstperformance sein können.

    Anja: Immerhin konnte es danach nur noch bergauf gehen.

    Dascha: Danke euch! Das war’s dann von meiner Seite.

    Anja: Beim nächsten Mal erzählen wir eine Geschichte mit Nino und erleben bis dahin ganz viele tolle Sachen!

    Svenja: Leute, eigentlich könnten wir ja jetzt auch „Never“ ankündigen. Da kommt nämlich ganz bald neue Musik von uns.

    Anja: Stimmt! Wir haben ja drei verschiedene main Vocals, bis jetzt sind zwei Singles draußen mit zwei verschiedenen main Vocals und dementsprechend kommt da eventuell ganz bald Nummer drei.

    Nino: Wollen wir denn kein Datum droppen?

    Anja: Ach kommt, dann hauen wir hier richtig raus.

    Maria: 19. Februar.

    Svenja: Das war’s jetzt aber auch wirklich von uns!

    Hört hier in die erste Single Let’s Not Pretend rein:

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    Foto Credit: Daniel Fransk