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  • habe wurde werde geliebt / warum LOVED von Parcels mein Lieblingsalbum 2025 ist & was ich bei den ikonischen Konzerten der Band beobachtet habe

    habe wurde werde geliebt / warum LOVED von Parcels mein Lieblingsalbum 2025 ist & was ich bei den ikonischen Konzerten der Band beobachtet habe

    1. die vorfreude

    Vorfreude, schönste Freude – Ende des Jahres haben die ein oder anderen vielleicht davon gehört. Manchmal erwische ich mich dabei, einen Song kurz vor dem drop zurück auf den Anfang zu spulen, weil die Antizipation meine Nerven kitzelt, ich das Herbeisehnen des einen Freude bringenden Tons, dieser einen Harmonie, des einen Bassanschlags oder Tempowechsels noch einen Moment länger erhalten möchte.

    Spannung aufzubauen und bis zum Höhepunkt zu halten, hat die australische Band Parcels mit einem 1+ Meisterbrief abgeschlossen. Tobeloved, der erste Song auf ihrem jüngst erschienenen Album, eröffnet das Set ihres Konzerts (in Berlin, Düsseldorf, Amsterdam, Brüssel und Paris – Anne war auf allen fünf!, Anmerk. der Red.) mit einem langen Instrumental-Intro. Doch die Band steht nicht auf der Bühne. Sie sitzen Sidestage auf einem Teppich, mit Keyboard und Gitarre, was fragmentarisch im Schummerlicht gefilmt und auf eine große, bühnenüberspannende Leinwand übertragen wird.

    Nach und nach wird immer mehr preisgegeben über den Ort und die Akteure, von denen erst nur Hände, dann Silhouetten, dann Gesichtszüge und final der gemeinschaftliche Aufbruch zu sehen ist. Genau an dem Punkt, an dem das Publikum zu verstehen beginnt, was gerade passiert, steigt das Quintett das Treppchen zur Bühne hinauf. Visuell und emotional verbindet sich hier die Steigerung, die sich in ihrer Komposition musikalisch durch stetig reicher, lauter, eindringlicher werdende Harmonien aufbaut. Die Musiker stimmen im Gesang mit an und was sich auf der Album-Aufnahme etwas schneller in einen engelsgleich schimmernden Chor auflöst, wird live mit Wiederholungen dramatisch aufgeladen. Spätestens jetzt ist der gesammelte innere Nervenkitzel zu hoch, um noch stillzustehen. Und dann, in diesem einen speziellen Moment, fallen Musik und Lichttechnik explosionsartig zusammen, sodass ich weinen muss, weil mein Körper das Eintreten dieser (eigentlich gar nicht so plötzlichen) Erleichterung von all der Vorfreude nicht anders verarbeiten kann.

    2. die erinnerung

    „Es wird uns öfter gesagt: Wow, ihr seid so groß geworden! Aber wir als Band sind ja immer noch dieselben. Wir sind immer noch die fünf Personen, die zusammen Musik machen. Das, was sich verändert hat, ist die Größe des Publikums vor uns“, sagt der Drummer während der Paris Show.

    Es erscheint mir einleuchtend, auch wenn ich irgendwie noch nie genauer darüber nachdachte. Also darüber, wie sich die Band selbst wahrnimmt in dieser riesigen mit einer Menschenmasse gefüllten Arena.

    Zum ersten Mal sah ich Parcels auf einer weit aus kleineren Bühne 2016. Dazwischen liegen Jahre, in denen wir (über uns selbst hinaus-) gewachsen sind und uns weiterentwickelt haben. Aber nach dieser emotionalen Rede, die in variierender Form immer vor dem neunten Song im Konzertset von einem der Bandmitglieder gehalten wird, fühle ich mich wieder wie sechzehn, als ich erstmals ihrer Musik lauschte. Ohne Arena, ohne Show, nur die Musik. Für den Song Leaveyourlove lassen die fünf Musiker ihre Position an den Instrumenten zurück, um sich im Grüppchen am Bühnenrand einzufinden. Einzig ein Keyboard steht dort bereit, der Drummer mit einem Tambourin, der Rest mit Mikrofonen ausgestattet. Sie sind jetzt nah an dem Publikum und setzen zu einer reduzierten, gefühlvollen Version der sonst schwungvoll groovigen Leitsingle des Albums an.

    Es ist, als ob ein initialer Moment der Bandgründung beim gemeinsamen Singen in einem Vakuum präserviert wurde und wir als Publikum hier das Glück haben, einen Einblick zu erhaschen. Und dabei meine ich nicht dieses: hach damals, da waren die Venues noch klein und authentisch… Mit all meinem Herzen, Parcels sollen die richtig großen Bühnen bekommen. Sie gehören da hin, mit all den Lichtern und vor allem einer richtig ordentlichen Soundanlage! Mit der Größe der Produktion der LOVED Tour entfaltet sich ein Potenzial, dass diese Konzerte zu den besten macht, die ich von der Band je gesehen habe. Und bei all dem Raum für Neues blitzt trotzdem hier und da die Erinnerung auf. Ob es alte Songs sind, die sich in einem neuen Arrangement perfekt in den Ablauf einfügen oder neue Songs, die vergangenes aufgreifen. Iwanttobeyourlightagain ist die höchst emotionale, revuepassierende Kirsche auf dieser Schichttorte von Vision und Erinnerung.

    3. die liebe

    Gut, dass die Liebe ein integraler Teil dieser Auflistung wird, lässt sich bei dem Albumtitel erahnen. LOVED ist quasi ein Geliebtsein in Tonspuren gepresst. Nicht nur in der Gegenwart, das Partizip II spannt mit seinen unterschiedlichen Verbindungen bis in die Vergangenheit und dieses ich habe wurde werde geliebt entsteht beim Hören des Albums als gleichzeitiges Gefühl.

    Wie bereits beschrieben, verbinden die Songs Altes mit Neuem, nicht nur musikalisch und emotional. Auch thematisch werden Fäden gesponnen zwischen einem frischen Gefühl von Geborgenheit und dem Retrospektiv auf eine verblasste oder verblassende Liebe. Bei manchen Titeln sind beide Fälle koexistent und der warme Klang der Musik kann im einen Moment umarmend vor Zuneigung und im anderen vor Trost sein.

    Diese manchmal nicht zu trennende Gleichzeitigkeit wird ikonisch präsentiert, als die Band bei ihrem Auftritt zum melancholisch fragenden Song Summerinlove eine Kisscam durchs Publikum gehen lässt und (frisch) verliebte Paare auf die Leinwand holen. Es geht ein Jubeln durch die Menge und mit dem Schmunzeln der Band bekommt auch der Song direkt eine andere Klangfarbe.

    Parcels zeigen, was es bedeutet, LOVED zu sein, mit jedem Song und mit ihren Konzerten. Ich glaube dem Drummer, wenn er mit Marker auf eine Plexiglasscheibe BRUSSELS U R LOVED BY PARCELS schreibt. Noch mehr glaube ich an all die Liebe, die in die gesamte Produktion geflossen ist. Die oft benannte Liebe zum Detail. Auf der Bühne zu sehen sind nicht nur die fünf Musiker und ihre wirklich herausragenden Instrumentalfähigkeiten. Es ist auch ein Kamerateam, das die Abende live mit Requisiten und Storyline, die an eine kleine Kriminalermittlung angelehnt scheint, visuell gestaltet.

    Tatort Parcels Konzert. Identifizierte Charaktere bekommen wie im Fall des Gitarristen ein Namensschild, später sind auf der Leinwand Pinnwände zu sehen, Fäden überspannen Notizen, Zettel und Bilder, Namen, die auf das Album zurückzuführen sind. Auf der Sidestage vorbereitet steht ein Tisch auf dem unter rotem Licht die Herstellung von Fotoabzügen im Chemiebad simuliert wird. Der Keyboarder verschwindet kurz vor der Bühne, begutachtet die Bilder, die Szenen des Yougotmefeeling Musikvideos zeigen und hängt sie auf eine Wäscheleine. In der weiteren Geschichte ermitteln wir unter Zeitdruck den Grundriss des Bühnenaufbaus und Songzeilen. Die Kameras wechseln und positionieren sich im Bühnengraben, nichts wirkt statisch. Alles ist durchgeplant und an manchen Stellen haarraufend für das Team, weil man live nicht durchplanen kann, etwas nicht schnell genug geht oder der entscheidende Shot entgangen ist.

    Aber diese kleinen Interaktionen machen die Konzerte so besonders. Kein Abend ist wie ein anderer und obwohl so viel Vorbereitung und Übung in der Performance steckt, wirkt sie zu keinem Zeitpunkt einstudiert. Man ey, ich kann nur ganz schwer drüber schreiben gerade, weil ich direkt wieder zurück möchte in den Pit, vor die Bühne und alles noch einmal anschauen.

    brb ich muss kurz nachsehen, ob ich im Sommer zu der Show am 18. August nach Milano fahren kann-

    text: annekatrin schulz

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  • Parcels zeigen uns auf „Day/Night“ die Licht- und Schattenseiten des Lebens

    Parcels zeigen uns auf „Day/Night“ die Licht- und Schattenseiten des Lebens

    Im Sommer 2017 ist die fünfköpfige, aus Australien stammende Band Parcels, das erste Mal so richtig auf internationaler Bildfläche aufgetaucht. Mit ihrem Hit Overnight, welches (unschwer erkennbar) von dem französischen Legenden-Duo Daft Punk produziert wurde, konnten sie sich einen ersten Namen in der Musikszene machen. Mit dem Erfolg über den eigenen Kontinent heraus, haben sich Parcels dazu entschieden, sich raus aus der australischen Indie-Bubble, rein in die Berliner Musiklandschaft zu wagen. Nach zwei EP’s und einem Debütalbum, haben Parcels das Doppelalbum „Day/Night“ herausgebracht.


    Day

    Day/Night“ ist ein Konzeptalbum mit insgesamt 19 Tracks, welche sich in zwei Alben aufteilen. „Day“ macht den Anfang mit langen, sanften Streichern, welche an die ersten Sonnenstrahlen am Morgen erinnern. Während der Anfang des Intros noch sehr mysteriös wirkt und an Filmmusik erinnert, wird „LIGHT“ im Laufe des Tracks immer funkiger und freundlicher. Gesanglich wird der Opener mit Parcels’s altbekannten, herrlichen Harmonien begleitet, welche man auf dem gesamten Doppelalbum wiederfinden kann.

    Alex Waugh

    See that sun Burning down
    Morning lights Calling out
    See that sun Don’t look down
    Here it comes Feel it now

    -LIGHT

    Mit Songs wie „Free“ oder „Somethinggreater“ wird dann etwas mehr Bewegung in „Day“ gebracht. Vor allem letzterer ist wunderbar Tanzbar und ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie viel Spaß dieser Song live machen wird.

    Until it lasts forever
    Until it lasts so long
    Until we’re back together
    I’ll be alone

    -Somethinggreater
    Melancholie meets Disco

    Das Äquivalent zu „LIGHT“ ist der Song „SHADOW“, welcher der Opener für den Nachtteil des Doppelalbums darstellt. Ähnlich wie „LIGHT„, ist „SHADOW“ sehr Instrumental-lastig. Im Gegensatz zu den in „LIGHT“ zu erahnenden Sonnenstrahlen, kommt hier eine düstere, dramatische Spannung zum Vorschein. Diese düstere Stimmung wird auf dem folgendem Track „Neverloved“ weitergeführt, wenn auch mit etwas mehr Action. „Famous“ sticht wohl vom Sound her am meisten aus „Night“ heraus. Im Gegensatz zu den vorherigen Songs, klingt er sehr nach einer 70er Disco Party. Hört man allerdings genauer hin und achtet auf den Text, wird klar, dass die fröhliche Stimmung trügt.

    Oh, don’t go thinking why you’re living a lie
    Now there’s a lot to earn, dead or alive
    They told you what you want, you never decide
    Just hold on and you might

    -Famous
    Ashleigh Pepper

    Liebe auf den zweiten Blick

    Ich muss zugeben, es hat etwas gebraucht, bis mich das Album wirklich überzeugt hat. Bei den ersten Malen fand ich es sogar schon fast etwas anstrengend zuzuhören. Durch die doch sehr langen Streicherpassagen und Jams fand ich es irgendwie sehr zäh und in die länge gezogen. Es ist mir einfach zu wenig passiert, es war nicht aufregend genug.

    Dass ich etwas gebraucht habe, um mit „Day/Night“ warm zu werden, lag im Nachhinein wahrscheinlich daran, dass ich es falsch gehört habe. Wer sich jetzt fragt, wie man ein Album denn falsch hören kann, dem sei gesagt; anything is possible, musste ich auch erst lernen.

    Ich habe es vorher, eher nebenbei gehört, sprich: Unterwegs, beim Bahn fahren. Erst als ich mich zu Hause hingesetzt und meine ungeteilte Aufmerksamkeit voll und ganz dem Album gewidmet habe, hat es plötzlich „Klick“ gemacht. Auf einmal habe ich jeden einzelnen Ton, der mich vorher noch so gelangweilt hat, nachvollziehen und fühlen können.

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    Das Album muss verstanden werden

    Der Schwerpunkt des Albums liegt nicht in Hits, welche auf Repeat, oder in Playlists gespielt werden sollen bzw. können. Und das muss es auch gar nicht. Das Doppelalbum „Day/Night“ von Parcels ist mehr als ein nur für Streamingzahlen erschaffenes Album. Viel mehr ist das Album eher eine Reise, ein Erlebnis. Oder wie eine Serie. Man hat vielleicht seine Lieblingsfolgen, welche man öfter schaut, wenn man gerade Lust drauf hat, aber wirklich Sinn ergibt alles erst, wenn man sie von vorne bis hinten, in chronologischer Reihenfolge schaut. Genau so ist es mit dem Konzeptalbum von Parcels. Als Hörer:in merkt man, dass die Reihenfolge jedes einzelnen Titels sorgfältig auserwählt und alles perfekt aufeinander abgestimmt wurde. Man hört und spürt von der ersten bis zur letzten Sekunde einfach die Liebe zum Detail.

    Ich lege jeder Person, die das Album noch nicht gehört hat, ans Herz, dies zu tun. Ich empfehle wirklich(!!) sich die Zeit zu nehmen, sich vielleicht vorher noch einen Tee zu machen, sich hinzusetzen und dieses wirklich sehr gut konzeptierte Album auf sich wirken zu lassen.

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    Fotocredit: Remi-Ferrante Hartmann